Vom Wissen um die Reinkarnation

 

Ein grundlegender Bestandteil der christlichen Geisteslehre ist die Lehre von der Reinkarnation. Durch wiederholte Erdenleben ist dem Menschen die Möglichkeit gegeben, sich in seiner Seele weiterzuentwickeln und verlorene Tugenden zurückzugewinnen.

 

Josef: Liebe Geschwister, wer die Wiedergeburt bejaht, möchte in vielen Fällen auch gerne wissen, was er im vorherigen Leben gewesen, wer er war, wo er gelebt. Das zu wissen, ist aber für sein geistiges Heil ganz unwichtig. Gott hat eine so wunderbare Ordnung, und seine Gesetze sind so wunderbar, seine Weisheit so gross, dass es gut [eingerichtet] ist, dass der Mensch nicht erkennt, wo er gewesen ist im früheren Leben und wer er war. Wenn beispielsweise einer König gewesen wäre, würde er in seinem folgenden Leben ständig darauf anspielen und möchte auch dementsprechend behandelt werden. Während er noch auf den Lorbeeren, die ihm einst gegeben wurden, ausruhen würde, könnte anderseits jener Mensch, der womöglich ein Mörder oder sonst ein Verbrecher gewesen ist, enttäuscht werden und sich geplagt fühlen, wenn er erfahren müsste, was er gewesen ist und getan hat. Das könnte für sein Seelenheil sicherlich nicht von Nutzen sein; es wäre für ihn bestimmt nicht gut, er würde nämlich darunter leiden. So hat es Gott ermöglicht und so eingerichtet, dass für einen jeden in einem neuen Menschendasein auch ein neuer Anfang geschaffen ist – wie es heisst: “Für Gott gibt es kein Ansehen der Person” (Röm. 2, 11). Jedem, der wiedergeboren werden muss, soll die Möglichkeit eines neuen Anfangs gegeben werden; er soll nicht wissen, was er einst gewesen oder wo er gelebt, damit dieses Wissen ihm nicht hinderlich wird für seinen geistigen Aufstieg.

Trotzdem gibt es doch Menschen, die haben eine bestimmte Zuneigung zu einem gewissen Land; sie lieben die Mentalität dieser oder jener Völker und fühlen sich verbunden mit diesem oder jenem Volk. Das kann es durchaus geben, dass innerlich oder im Geiste des Menschen noch etwas davon vorhanden ist, was er einst gehabt und wo er gelebt hat. Es können sich bei einzelnen Menschen auch gewisse Fähigkeiten, die sie im früheren Leben schon gehabt haben, in einem folgenden noch mehr entfalten und zum Ausdruck kommen. Es kann aber auch sein, dass einem solche Fähigkeiten, die vielleicht sogar im hohen Werte und in aller Grösse vorhanden waren, plötzlich genommen werden. Er darf sie aus irgendeinem Grunde in einem folgenden Leben nicht mehr besitzen. Er darf sie dann nicht mehr besitzen, wenn jene Fähigkeiten ihm nicht zum geistigen Fortschritt verholfen haben und er sich durch sie womöglich belastet hatte. Also auch hier gibt es ein Eingreifen der Geisterwelt Gottes beim einzelnen Menschen. Und im Grunde genommen ist es ja so, dass ein jeder Mensch auf irgendeinem Gebiete ein bedeutendes Können, bedeutende Fähigkeiten hat und dass dieselben erst dann wieder in der ganzen Grösse zum Vorschein kommen können, wenn man sich allgemein im Geiste auf jene Stufe emporgehoben hat und wieder in jene geistigen, göttlichen Ebenen eintritt, wo diese Fähigkeiten zur Verherrlichung Gottes ausgeübt werden.

Im Grunde genommen darf jeder Mensch stolz sein auf die Fähigkeiten, die in ihm schlummern. Er muss sie in seinem gegenwärtigen Leben nicht einmal kennen, aber das Bewusstsein, solches im Innersten auch zu besitzen, soll ihn beglücken und soll ihm Hoffnung geben und Freude, dass es bei ihm zu einem späteren Zeitpunkt auch verwirklicht wird. Da wird einer vielleicht mit etwas Neid auf den andern blicken, wenn er erkennt, dass dieser besondere Talente hat. Er mag eben zu diesen Talenten schon gekommen sein. Ich habe es auch schon betont, dass Fähigkeiten nicht unbedingt mit der persönlichen geistigen Entwicklung zusammenhängen. Man kann grosse Fähigkeiten besitzen und geistig auf einer niederen Stufe stehen. Es kann dann aber geschehen, dass diese Fähigkeiten in einem folgenden Leben nicht mehr zur Entfaltung kommen, weil dann die Geisteswelt Gottes einschreiten wird.

Es ist doch so wichtig, gerade für den Geistesmenschen, zu erkennen, wie man zu leben hat und was für die Gotteswelt von Wichtigkeit ist. Wenn mancher eben gerade denkt: “Wenn ich wüsste, was ich im früheren Leben gewesen, könnte ich mich ja dementsprechend einstellen oder umstellen.” Dies alles sind Ausreden. Es ist vielmehr die Neugierde, die da lockt, zu wissen, was man gewesen ist. Und so habe ich es erklärt; es ist ganz unbedeutend für das geistige Heil des Menschen, das zu wissen. Aber bedeutungsvoll ist, zu wissen, wie man leben muss, auf welche Art und Weise man diese geistigen Höhen erreicht.

In den letzten Malen habe ich ganz besonders auf den Gottesglauben hingewiesen, weil es ja heute so viele Menschen gibt, die sich mit diesem Gottesglauben nicht mehr so vertraut machen können. Diejenigen Menschen aber, die in diesem Gottesglauben leben, sollen glücklich sein, etwas Kostbares zu besitzen. Aber anderseits muss doch darauf aufmerksam gemacht werden, was für den wahren Gottesglauben und für das hohe, erhabene menschliche Leben notwendig ist, was zu diesem Leben gehört, um es von geistiger Sicht aus als etwas Kostbares und Wertvolles zu betrachten.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 22.1.1972 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich

 
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