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Die Vorträge in diesem Themenheft erklären, auf welche Weise ein innig verrichtetes Gebet Erhörung findet und seine Wirkung entfaltet. Im ersten Vortrag berichtet eine verstorbene Frau, ein aufsteigendes Geistwesen, von seinen Aufgaben beim Menschen und von seiner Tätigkeit bei der Erfüllung von Gebetswünschen. Ein innig verrichtetes Gebet erzeugt Schwingungen, die von einem Geist Gottes gleich als Gebet erkannt werden. Betet ein Mensch zu Gott oder zu Christus, so sind es bestimmte, dafür zuständige Geister Gottes, die das Gebet in Empfang nehmen, weitertragen und für die Erfüllung sorgen. Kein innig verrichtetes Gebet geht verloren; jedes wird gehört und kommt dem Betenden zugute. Kann jedoch ein bestimmter Gebetswunsch nicht erfüllt werden, so erkunden die dafür zuständigen Geister, auf welche andere Weise sie dem Betenden helfen können.
Der zweite Vortrag in diesem Themenheft zeigt anhand von Beispielen, welch grosse Freude oder welche Erleichterung das Fürbittegebet für Verstorbene bedeuten kann – sei es für liebe heimgegangene Angehörige oder für unselige Geister, die den Anschluss an die Ordnung Gottes noch nicht gefunden haben.
Anita, 1. Februar 1961
In diesem Vortrag berichtet ein aufsteigendes Geistwesen von seinen Aufgaben beim Menschen, von seiner Tätigkeit bei der Erfüllung von Gebetswünschen. Ein innig verrichtetes Gebet erzeugt Schwingungen, die von einem Geist Gottes gleich als Gebet erkannt werden. Betet ein Mensch zu Gott oder zu Christus, so sind es bestimmte, dafür zuständige Geister Gottes, die das Gebet in Empfang nehmen, weitertragen und für die Erfüllung sorgen. Kein innig verrichtetes Gebet geht verloren; jedes wird gehört und kommt dem Betenden zugute. Kann jedoch ein bestimmter Gebetswunsch nicht erfüllt werden, so erkunden die dafür zuständigen Geister, auf welche andere Weise sie dem Betenden helfen können.
Kontrollgeist: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, nun spricht ein Wesen zu euch, das wir für diese Stunde im Besonderen aufgeboten haben, weil wir annehmen, dass es euch doch auch einige Belehrungen geben kann. Wir möchten nämlich das hier Dargebotene immer auch mit Lehrsätzen verbinden und so dem Menschen das Wissen in dieser Beziehung bereichern. Es geht also nicht einfach darum, zuzuhören, wie diese aufsteigenden Wesenheiten in die jenseitige Welt eingegangen, wie sie zu uns gekommen sind, wie schwer sie es gehabt haben oder dass dem einen die Tore verschlossen wurden und so fort, sondern wir möchten euch doch auch in weiterem Sinne etwas Lehrreiches bringen. Und so haben wir dazu besonders dieses Geistwesen auserwählt.
Gott möge euch diese Stunde segnen. Gott zum Gruss.
Anita: Gott zum Gruss. Ich möchte mich gleich vorstellen: Mein Name ist Anita. Ich wurde gebeten, zu euch zu sprechen. Ich bin eigentlich gewohnt, mit dem Menschen umzugehen. Ich hatte aber noch nie die Gelegenheit, so, auf diesem Wege, mit den Menschen in Verbindung zu kommen, das heisst, durch einen Menschen zu sprechen.
Ich sage, ich habe viel mit dem Menschen zu tun. So möchte ich eigentlich ganz kurz nur etwas von meinem letzten Leben erklären; denn in ihm liegt ja eigentlich der Grund für meine jetzige Aufgabe, von der ich euch doch einiges nahezubringen versuchen will; sie gibt die Linie, von der ich heute nicht abgehen möchte.
Schon als Kind lehrte man mich zum Heiland beten; meine Eltern waren fromm, und so betete ich als Kind viel zum Heiland. Auch später bin ich von meinem Glauben oder von der Verbindung zu ihm nie abgekommen. Ich habe mit ihm gesprochen; ich verrichtete nicht nur meine üblichen Gebete, sondern ich glaubte, ihm doch alles sagen zu müssen, was sich um mich abgespielt hatte, und ich hoffte auch auf eine Antwort von ihm. War ich über irgendwelche Dinge nicht im Klaren, klagte ich es ihm, niemand anderem, und ich bat ihn: “Gib mir eine Antwort – wenn du es heute nicht kannst, vielleicht morgen oder übermorgen.” Ich betete jeden Tag. So wartete ich auf die Antwort, und eigentlich hörte ich diese Antwort; man zeigte mir den Weg, was ich tun und was ich lassen sollte. Dazu muss ich sagen, dass ich die Gebote Gottes genau beachtete und nach meinen besten Kräften erfüllte. So kam ich immer in ein engeres Verhältnis zum Heiland; meine ganzen Anliegen brachte ich nur ihm allein vor. Ich sprach mit ihm, und ich bekam die Antwort von ihm – von ihm, so nahm ich an.
Nun, höret zu. Als ich in die geistige Welt kam, war ich überrascht. Ich glaube, dies sind ja sozusagen alle. Diese Eindrücke, die auf einen kommen, sind überwältigend, und man staunt – also je nachdem, wo man eben erwacht. Ich pflegte als Mensch dieses Verhältnis zu Christus; ich betete, und ich glaubte, dass er persönlich zu mir sprechen würde – ich nahm es an. Jetzt standen meine Schutzgeister um mich und noch viele andere. Ich wusste nicht, welchen Rang sie bekleideten, aber es schien mir, sie hätten da ihre ganz besonderen Aufgaben und es bestehe zwischen diesen Wesen ein grosser Unterschied in der Rangfolge oder in der Erhabenheit. Ich versuchte dann etwas schüchtern, mich gegenüber meinem nächststehenden Begleiter zu äussern: “Welches von allen ist Christus?”, denn für mich war es doch selbstverständlich, dass er da ist, wenn ich komme.
Man gab mir ein Lächeln und sagte: “Liebes Kind, Christus kannst du dann schon begegnen, du kannst ihn schon sehen, aber zu deiner Ankunft ist er nicht gekommen.” Dann erwiderte ich: “Ich habe immer mit ihm gesprochen, er hat mir immer Antwort gegeben auf alles.” Man gab mir nicht gleich Aufklärung darüber, sondern sagte nur: “Ja, mit der Zeit werden wir dir alles erklären können. Doch du musst dich jetzt einmal zurechtfinden, und du darfst jetzt einmal richtig voller Freuden und voller Seligkeit leben. Du darfst alles betrachten, du darfst mit uns kommen, du darfst die Schönheiten geniessen.”
Ja, mit dem war ich einverstanden, aber ich sagte: “Warum ist es nicht möglich, dass ich Christus sehe? Ich und alle Menschen verehren ihn doch, er ist uns so nahe, und so würden wir doch von ihm verlangen, dass er, wenn wir zurückkommen, auch da ist.” Man klärte mich auf, wie unendlich, unendlich viele ja immer zurückkommen und dass es sicher nicht bei jeder Ankunft eines Wesens möglich wäre, dass Christus nun die spezielle Begrüssung mache. Nein, so sei es nicht, aber es würde genug Feste und genug Veranlassung geben, um ihm zu begegnen.
Dann wurde ich durch diese schöne Welt geführt, die ja für mich neu war – das heisst, ich glaubte, es sei neu; dabei hatte ich es ja auch schon erlebt, aber dies wurde mir nicht gleich ins Bewusstsein getragen. Bei dieser Führung redete das eine Mal dieser Geist Gottes zu mir und gab seine Erklärung, dann war es wieder ein anderer; es war also eine ganze Gruppe. Sie klärten mich auf über das Gebet, und sie sagten mir: “Du wirst darin dann eine wunderbare Aufgabe finden. Wir brauchen alle Zurückgekehrten für eine Aufgabe; wir teilen sie ein, und für jeden haben wir eine Arbeit. Je nach seinem gelebten Leben, je nach seiner Frömmigkeit und auch je nach seinen Talenten taxieren wir ihn und geben ihm dann eine Aufgabe.” Gut, man hatte mich also bereits eingeteilt. Aber man wollte mich genauestens über das Gebet unterrichten.
Dann sagte man mir: “Sieh mal diese Menschen, betrachte die, unter denen du gelebt hast. Sie sind Christen; es ist das Gesetz Gottes über ihnen, sie sollten also wissen, was zu tun und was zu lassen wäre. Dieses Gesetz Gottes kann man auch ‘das grosse Weltgewissen’ nennen. Dieses grosse Weltgewissen ist für diejenigen vernehmlich, die Ohren haben zu hören. In diesem Gewissen, das über der Menschheit liegt, ist das Wort Gottes. Es sind die Gebote, die einst gegeben wurden; sie sind seit jenem Tage in diesem grossen Weltgewissen. Alle Menschen können es vernehmen, was man soll: Du sollst an Gott glauben, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen und so weiter. Man kennt es. Ist man gegen dieses Gesetz, wird man einerseits von der geistigen Welt bestraft, weil es geistige Gesetze sind. Die Menschen haben in ihrer Welt diese geistigen Gesetze in die ihrigen eingeflochten, und so herrscht in einem geordneten Staate Ordnung und Recht; so muss sich auch hier jeder nach Ordnung und Recht richten.”
So unterrichtete man mich weiter: “Wenn der Einzelne betet und zu Gott, zu Christus spricht, so soll und muss er dies tun – er muss zu Gott beten und im Namen Christi zu ihm flehen; dann besteht die Möglichkeit, dass dieses Gebet weitergetragen wird.”
Ihr habt euch ganz bestimmt auch schon dafür interessiert oder darüber nachgedacht: “Wie wunderbar ist es doch, dass mein Gebet erhört wurde. Aber wie geht das vor sich? Ich habe gar nicht gesprochen, ich habe nur gedacht, und es ist in Erfüllung gegangen. Wie ordnet sich das ein in die geistigen Gesetze?” Ja, diese Frage: Wie ordnet sich das ein, wie ist es möglich, dass man das Verlangen hat, zu Gott und zu Christus zu beten, und man den Eindruck hat, sie ständen einem ganz nah, sie wären da – wie es heisst: “Ich will Wohnung nehmen bei dir” (vgl. Joh. 14, 23)? Es sind so viele Worte, die den Menschen gegeben wurden, die ihnen nicht klar sind, die ihnen so undeutlich sind. Es ist aber die geistige Sprache, und wir sind doch so gerne bereit, sie dem Menschen auszulegen.
Im Staat – und ich spreche jetzt, um euch nahezukommen, von eurem eigenen Staat – habt ihr eine Obrigkeit. Von dieser Obrigkeit kommen die Gesetze, das heisst, der einzelne Bürger ist an ihrer Errichtung mit beteiligt. Diese Gesetze und diese Rechte werden von oben gelenkt. Vergeht sich einer gegen Gesetz und Ordnung, dann kommt man und erfasst ihn; man führt ihn der Strafe entgegen. Es ist aber nicht die Obrigkeit, die oberste Behörde selbst, die in dein Haus kommt und dich anklagt, was du falsch gemacht hast und dass du bestraft werden sollst; sondern es sind die Hüter der Gesetze, die dich erfassen. Sie stehen im Dienste der Obrigkeit, sie stehen im Dienste des Volkes.
Anders mag es sich verhalten, wenn einer nun ein ganz besonderes, rühmenswertes Werk erfüllt und von seinen Mitmenschen dafür gepriesen, gelobt und gefeiert wird. Vielleicht kommt es dann so weit – weil seine Tat so gross war –, dass man ihn persönlich der Obrigkeit zuführt und sagt: “Hier ist er oder hier ist sie, betrachtet ihn oder betrachtet sie, das ist der oder die, die das grosse Werk erfüllte.” Und die Obrigkeit freut sich mit dem andern.
So ähnlich ist es im Gesetze Gottes. Eure Welt und eure Gesetze mögen noch unvollkommen sein, aber das Gesetz Gottes ist in allen Dingen ganz vollkommen.
Wenn nun jemand seine Gebete verrichtet und glaubt – wie ich es getan habe –: “Wenn ich schon zu Christus bete und glaube, eine Antwort zu hören, muss er es doch sein, der mir Antwort gibt; ich denke nicht daran, dass es irgendjemand anders sein könnte, denn mein Verlangen und mein Wort gilt nur ihm”, so sind es dann aber viele Hüter der Gesetze, die dieses Gebet, diese Bitten in Empfang nehmen, und sie geben die Antwort. Es ist genau wie bei den Menschen. Wenn man eine Bitte hat, die eine ganze Gemeinschaft oder sozusagen die Obrigkeit interessieren sollte, da muss ja nicht diese Obrigkeit selber ins Haus kommen; sondern diese hat ihre Gehilfen, die dazu bestimmt sind, die Antwort zu geben. Und das Resultat, die Nachricht davon, wird wieder der Obrigkeit zurückgebracht.
Beim Gebete ist es auch so. Betet einer, da stehen viele Getreue Gottes und nehmen die Gebete in Empfang und tragen sie weiter. Sie müssen aber selbst unterscheiden können, in welchem Fall dem Einzelnen geholfen werden kann und in welchem nicht. Da muss doch nun erwähnt werden, dass es bei diesen Geistern, die um den Menschen sind – ich spreche jetzt natürlich von den guten, die die Aufgabe haben, den Menschen in guten Werken zu fördern und alles Unheil von ihm abzuhalten –, verschiedene Stufen gibt: Es gibt Geister, die können ein grösseres Machtwort sprechen als andere; es herrscht keine Rivalität wie bei den Menschen. Wer von der Obrigkeit bestimmt worden ist und eine Stellung hat im Geisterreich, dessen Stellung wird nicht angefochten; sie darf nicht angefochten werden von den aufsteigenden Geistern – und die guten Geister tun es nicht.
Der dazu berufene Geist betrachtet den Menschen und die Möglichkeiten, die geboten sind, damit das, was der Mensch wünscht, in Erfüllung gehen kann. Dann wird er dieses andern Geistern weiterleiten; er wird ihnen sagen, was zu tun ist, welchen Weg sie schreiten sollten, um diesem oder jenem Hilfe zu geben. Oder vielleicht wird die Hilfe verweigert.
Nun möchte ich einen Sprung machen und von meiner Aufgabe erklären.
Ich habe euch nun darauf hingedeutet, so wie ich belehrt wurde. Das grosse Weltgewissen, das Wort Gottes, ist so gut zu vernehmen für jeden, der will. Man braucht, wenn man betet, nicht zu glauben, der liebe Gott oder Christus selbst wären es, die neben einem stünden und zuhörten und sich freuten, dass man betet. Bedenkt einmal, welche Aufgaben sie haben, welch grossen Überblick sie über die Menschen haben und wie ungeheuer viele Menschen und Wesenheiten in diesen verschiedenen Welten, in diesen verschiedenen Entwicklungsstufen sind – es muss immer fortwährend für den weiteren Aufstieg geplant werden. So wäre es doch eine Ungerechtigkeit, wenn jemand Christus persönlich erleben könnte und die unendlich vielen andern nicht.
Wohl gibt es ein Christus-Erleben, vielleicht auch ein Gott-Erleben – es ist notwendig, dass die Menschen darüber aufgeklärt werden: Es können Menschen Erlebnisse haben, sie können Christus sehen, sie können ihn sehen auf seinem schweren Weg, den er gegangen ist. Solches ist schon öfters vorgekommen. Es ist aber nicht so, dass Christus sich persönlich zu ihnen hingestellt hätte, sondern es sind immer wieder die Geister Gottes, die die Möglichkeit haben, es dem Menschen nahezubringen. Genau wie ihr Bilder habt aus eurer Vergangenheit, die lebendig sind, sodass man etwas vor Augen führen kann, sich daran erfreuen und sich darin vertiefen kann, so haben auch die Geister Gottes die gleiche Möglichkeit: Sie nehmen ein Bild aus der Vergangenheit, das nicht auslöschen wird, und bringen es. Sie können auch ein glückseliges Bild aus der Geisterwelt einem Menschen vor Augen führen.
Leider ist es so, dass Menschen, die glauben, diese persönliche Verbindung zu haben, sehr oft an geistigem Hochmut leiden, und es ist nicht die gute Geisterwelt, die solches fördert. Die gute Geisterwelt weiss, wie furchtbar eitel die Menschen sind. Sie weiss, wie egoistisch sie sind; sie weiss, dass dieses dem Menschen zum Verderben sein kann. Viel Schmeicheleien, viel schönes Gerede und Getue – kritiklosen Menschen bedeutet es den geistigen Untergang. Darum ist es unsere Aufgabe, es dem Menschen klarzulegen, ihn nicht traurig zu stimmen, sondern ihm die Wahrheit zu sagen, ihm zu sagen, welchen Gewinn man vom Gebet hat und wie notwendig es ist, dass man betet; dass man aber die richtige Vorstellung haben muss vom Gebete, das man verrichtet. So wie es heisst: “Gott weiss das letzte Haar auf deinem Haupte” – so sind dieses alles Aussprüche, die den Menschen in Verwirrung bringen können. Gott selbst kommt nicht persönlich und zählt die Haare des Menschen; er hat aber die, die für Gesetz und Ordnung berufen sind, und sie sind diejenigen, die um euch Menschen sind und im Geisterreiche ihre Aufgaben erfüllen, überall erfüllen.
Ich möchte noch einmal darauf zurückkommen, auf jene Menschen, die behaupten möchten, in einer persönlichen Verbindung mit Gott und Christus zu stehen. Ich kann euch sagen, und ich möchte es euch versichern mit meinen andern geistigen Geschwistern: Wird ein Mensch zu einem persönlichen Kontakt mit den Höchsten des Himmels berufen – was nicht ausgeschlossen ist, denn es ist in den früheren Jahrhunderten auch schon geschehen – und besteht dann diese Möglichkeit, dann wird dieser betreffende Mensch nicht unsinnige Dinge erzählen, sondern er wird Zeugnis geben von dem Allmächtigen, von dem Überwältigenden, das er selbst erlebt. Er kann Zeugnis geben. Wenn er die Berufung und die Sendung hat und diese Höchsten des Himmels ihm so nahe sind, ja dann vermag er Blinde zu heilen, normalerweise Unmögliches möglich zu machen. Dieses aber liegt in der Macht und in der Gewalt dieser Allerhöchsten. Es besteht auch die Möglichkeit, diese besondere Kraftausstattung andern Geistern zu übertragen. Sie wird aber niemals in dem Masse sein wie bei diesen Allerhöchsten selbst, es sei denn, jemand würde auf den persönlichen Befehl, im persönlichen Auftrage von ihnen handeln. Dazu ist eine Sendung notwendig.
Ihr werdet euch denken: “Warum kommt denn Christus nicht auf diese Welt und lässt da oder dort einmal ein Wunder geschehen? Er hätte davon ja den grössten Vorteil, es würde viel mehr gläubige Menschen geben.” Das muss man euch auch klarmachen, dass ein langsames geistiges Wachsen viel wichtiger und viel fruchtbarer ist als – sagen wir – ein Überfallenwerden von solchen plötzlichen Eindrücken und Erlebnissen. Wohl könnte bei einem die Möglichkeit dazu bestehen in seinem Leben, dass er sich durch ein solches Erlebnis wandeln würde; aber im Geiste ist er noch nicht gefestigt, und so könnte es sein, dass, wenn er in ein neues Erdenleben geht und dieses Erlebnis nicht mehr hat, sein Glaube wankelmütig ist und er wieder zurückfällt. Viel wichtiger ist ein langsames, sorgfältiges Gedeihen, wie es in der Natur selbst ist: ein langsames Wurzelnschlagen, ein gesundes Wachsen nach allen Richtungen, ohne Fanatismus, ohne Übereifer. Wie viele Gefühle des Menschen bedürfen der Verbesserung! Ich möchte diese Gefühle mit den Wurzeln vergleichen, die stark werden müssen. So muss der Mensch langsam geistig reifen, dann sind wir in der Geisteswelt seiner sicherer.
Nun aber, wie versprochen möchte ich jetzt etwas von meinen Aufgaben, die ich erfülle, erzählen. So könnt ihr daraus entnehmen, wie das Gebet weitergeleitet wird.
Da ist ein Kind, es hat seine Mutter verloren. Es weint abends und ruft nach seiner Mutter und betet. Es betet auch zum Heiland. Der Schutzengel ist dem Kinde nah und tröstet es. Das Kind vermag die weichen, zarten Hände des Schutzgeistes nicht zu spüren; es ist zu sehr von Trauer erfüllt und kennt die Gesetze nicht; doch betet es, weil es Hilfe erhofft von oben, weil es so gelehrt wurde. Der Schutzgeist, der das Kind und sein Gebet sieht, nimmt dieses Bitten; es ist – ich kann nicht sagen eine Bittschrift –, es ist eine Botschaft des Menschen, es ist ein Bitten. Der Schutzgeist sucht als Erstes die Verbindung mit dem obersten Geist, der die Führung über dieses Menschenkind hat. Damit ist nicht etwa gesagt, dass der Schutzgeist kein höherer oder hoher Geist sein soll. In der geistigen Welt gilt nicht das, was bei euch Menschen gilt. Der Schutzgeist nimmt seine Stellung ein als solcher, und über ihn vermag ein höherer auch noch zu wachen – es ist kein Auf-ihn-Aufpassen, sondern der höhere Geist bringt ihm Mitteilungen, wie er dem Schützling zu begegnen, wie er ihn nach seinem Lebensplan zu führen hat.
Jetzt sucht der Schutzgeist die Verbindung zu diesem obersten Geist. Ja, seit dem Tode der Mutter haben sich schon mehr gute Geister um dieses Kind geschart, um ihm ihren Beistand und die Hilfe zu geben. Sie hatten aber bis anhin noch keinen besonderen Auftrag an ihm auszuführen als den, es vor Unglück zu bewahren, wie jeder gute Geist es tut. Durch das fromme Gebet des Kindes ist dieser Engel Gottes herangetreten; man hatte ihn gerufen. Er gibt nun seine Anweisung, er sagt: “Gut, ich sehe den Lebensplan dieses Kindes, und wenn es weiterhin so betet, wollen wir ihm die vermehrte Hilfe zukommen lassen.”
Jetzt werden für diese Hilfe andere Geister bestimmt – solche wie ich, in deren Aufgabe Weiteres nun liegt. Da wird einem erklärt: “Du hast nun neben dem Schutzgeiste diesen Menschen zu begleiten. Du hast dich für andere Dinge zu interessieren als der Schutzgeist.” So sollte ich mich in diesem Falle um das Wohl des Kindes kümmern. Vielleicht bekommt es nun eine Stiefmutter, und es kann sein, dass diese Stiefmutter ihm nicht die Liebe gibt wie die eigene Mutter. So muss der herangerufene Geist dem Kinde den Trost geben, eine gewisse geistige Sicherheit. Durch das Gebet, das das Kind verrichtet, durch seinen Glauben, wird ihm die Sicherheit gegeben: “Es kann dir nichts passieren, es kann dir nicht schlecht gehen. Wir werden dich behüten und bewahren, wir werden dich ans Ziel führen.”
Dann wird dieses Kind auch – sagen wir – vor dem Berufsleben stehen, wo es entscheiden muss, was es lernen möchte. Auch da sind die Geister Gottes nicht untätig, ganz besonders bei einem solchen Menschen. Da versuchen sie jetzt mitzuwirken; denn die Menschen gehen dahin und dorthin und erkundigen sich: “Wo wäre ein geeigneter Platz für mich, wo kann ich mich entfalten?” Aber die Menschen können ja nicht urteilen; sie urteilen immer nach dem äusseren Glanz und nach den materiellen Dingen. Nun hat die geistige Welt, wenn sie sich für den Betreffenden interessiert, Möglichkeiten, Hindernisse in den Weg zu stellen, dass man nicht dahin geht, dass dieser Vertrag nicht abgeschlossen wird und so fort. Sie kann dies tun – der Mensch ahnt so wenig davon, ebenso wenig wie er merkt, dass der Schutzgeist ihm über seine Stirne streicht. Der Schutzgeist hat bei diesem Kind die Aufgabe übernommen und will nun das Beste herausholen.
Freilich kann es doch geschehen, dass, wenn der Mensch sich in gewissen Dingen selbst durchsetzt, er zu falschen Entschlüssen kommt, die die geistige Welt auch nicht ändern kann; das geschieht auch. Somit muss dann die Geisterwelt wieder dafür sorgen, wie man es am besten überbrücken und überwinden könnte. “Das Beste daraus machen”, das ist dann das Losungswort der Geister Gottes. Jeder Mensch hat sein Schicksal. Er kann in sein Schicksal selbst eingreifen, ja er kann es herbeirufen. Nun, die Geister, die die Aufgabe haben, darüber zu entscheiden, ändern dann den Plan und sagen: “Gut, anstelle des andern, das wir als Schicksal für dich ausgedacht haben, lassen wir dir dieses Schicksal, das du selbst hervorgerufen hast. Dieses wird dir zum Lebensschicksal werden.” Das geschieht auch.
Je nach seiner Einstellung und nach seiner Kraft vermag der Mensch so viel zu tun und je nach der Verbindung, die er zum Geistigen hat, wie er auf das Wort hört, auf dieses grosse Gewissen. Manchmal rät es ab, aber man will es nicht hören, weil es einem nicht passt; man überschreit es mit seinem eigenen Willen, mit seinen eigenen Worten.
So hatte ich im Falle dieses Kindes die Aufgabe, mich um diesen Menschen zu kümmern bis zur letzten Stunde seines Lebens. Ich musste versuchen, immer alles Ungereimte zu reimen, Unebenes wieder zu ebnen und so den Schutz zu geben. Ihr werdet denken: “Wo ist denn die Mutter geblieben?” Der führende Geist hatte die Mutter aufgesucht. Für uns ist es ganz leicht, die Mutter unter den unendlichen Legionen von Geistern zu finden; denn sie ist dem Kinde ja zu nahe, als dass man sie nicht finden könnte. Denn aus der Seele des Kindes geht das Band zur Mutter, das so lange bestehen bleibt, bis man im Geisterreiche sich löst voneinander, weil man erkannt hat, dass nicht nur dieser Geist einem Mutter ist, sondern dass man vielleicht selbst auch Mutter ist, und man so erkennt, dass man hier Schwester, dort Bruder, also eine grosse und gewaltige Familie ist, dass man niemandem fern und fremd, sondern mit allen verwandt ist. Dann löst sich das engste Band. Es dauert aber sehr lange, bis dieses Band sich löst, das heisst auch je nach der Einstellung und nach der Entwicklung; also im Allgemeinen dauert es schon eine Zeit.
So erfüllte ich die Aufgabe an diesem Menschen.
Dann wieder ein anderer Fall: Da ist eine Frau, die bittet täglich in ihren Gebeten – ihr Mann quält sie, er ist der Trunksucht, der Untreue ergeben, und sie bittet und fleht zu Gott und zu Christus: “Helft mir doch.” Und sie hat auch das Gefühl: “Christus hilft mir.” Ja, es ist richtig, man soll das Gefühl tragen: “Christus hilft mir.” Ihr müsst jetzt nicht grosse Umschweife machen oder allzu kritisch sein und sagen: “Ja, jetzt hast du doch gesagt, es wäre nicht Christus persönlich, der hilft.” Denn es ist genauso, wie ihr es bei euch sagt: “Unser Gesetz ist es, das von uns verlangt, die Aufgaben auf diese Weise zu erfüllen; es ist unser Gesetz.” Man muss nicht von der obersten Behörde zu dir kommen und sagen: “Ja, ich stehe da und will dir sagen, dass das nicht in Ordnung ist oder dass du so und so zu handeln hast.”
Damit will ich genau ausdrücken, dass alle diese Geister doch in einem Auftrage stehen und dass sie eben von dieser Obrigkeit ausgehen und jenen Willen verkünden und es den Menschen nahebringen: “Das ist Gott, das ist Christus gefällig; er wird sich darüber freuen, und er wird dir helfen.” Der helfende Geist ist ja sozusagen nur das Bindeglied vom Menschen zur Obrigkeit. Gott und Christus geben diesen Geistern Kraft, Macht und Möglichkeit, ihren Geschwistern zu helfen. Gott könnte ihnen diese Macht entziehen, und dann wäre der Mensch hilflos. Also: Alle Macht und alle Kraft kommt von oben, und die andern, diese getreuen Geister Gottes, leiten es weiter; sie geben das Wort weiter in alle Welten, in alle Ebenen, zu den Menschen, zu jedem – gleich auf welcher Entwicklungsstufe man steht.
Da fleht nun eine solche Frau zu Gott, zu Christus. Und wieder, wie im ersten Falle, ist es so: Der Schutzgeist hat sich bei seinem Schützling noch mit vielen Dingen des Alltags zu beschäftigen, was diese andern hilfreichen Geister nicht tun. Diese andern beschäftigen sich eben auf die Art und Weise, wie ich euch erkläre. Nun sollt ihr nicht meinen, dass ein solcher Geist nur einem einzigen Menschen beisteht und dass ich nun allein nur dieses Kind beobachtet hätte, ihm beigestanden wäre. Es sind viele Tausende, denen man beisteht. Aber die, an denen man eine Aufgabe erfüllt, sind einem so nahe, der Weg zu ihnen ist so gut beleuchtet; man findet sie immer, und man besucht sie abwechslungsweise, wobei Nachrichten oder rasch gefasste Entschlüsse dann von den Schutzgeistern an uns weitergeleitet werden.
So findet auch das Gebet dieser Frau Erhörung, das heisst, nicht so, wie sie es wünscht. Die Geister Gottes sehen, was diese Frau leidet, und nun betrachtet man ihren eigenen Lebensplan und auch den ihres Mannes. Der Geist, der ja diese besondere Aufgabe hat, ist über das Lesen des Lebensplanes genau orientiert, oder er kennt darin jedes Zeichen, und er sieht nun: Dieser Mann ist ein Mensch niederster Entwicklung, von ihm kann man sozusagen nichts erwarten; heute mag er Versprechungen machen, und morgen ist alles wieder vergessen. Die Geisterwelt sieht es. Er steht ja auf einer solchen Stufe, wo man von ihm nicht mehr verlangen kann. Diese Frau hat ein schweres Los, ein schweres Los, und besonders wenn Kinder da sind. Aber ihr Gebet soll nicht umsonst sein. Denn auch in ihrem Lebensplan ist da und dort ein Schicksal gezeichnet. Da besprechen sich die Geister untereinander, was man jetzt für sie tun kann; in diesem Falle sagen sie: “Diesem Manne können wir nicht helfen, denn er ist so niederer Entwicklung. Es wird nicht viel fruchten, was an ihm getan wird.” Aber man will sich dieser Frau annehmen. Und wenn nun ihr Lebensplan betrachtet wird, dann sucht man, was nun möglich ist, an Hinderlichkeiten auszuschalten. Man versucht, die Gesundheit dieser Frau zu fördern, sie zu stärken, ihr eine geistige Kraft, eine Hoffnung ins Herz zu legen, damit sie nicht verzweifelt und immer hofft und doch in Verständnis und Liebe diesem Menschen gegenübersteht. Denn glaubt, nicht eine jede Frau kann das; viele sind kurz entschlossen und laufen davon. Ja, dann öffnet sich ihnen wieder ein neues Schicksal, ein anderes. Ob es ihnen dann besser geht, darüber mag viel ihr eigenes Handeln entscheiden, ihre Aufgaben, die bevorstehen, oder die geistigen Aufgaben, die man einem Menschen dann auferlegt.
Aber bleiben wir jetzt bei dieser Frau, die ausgeharrt hat. Man stärkte ihre Gesundheit, man legte etwas Frohmut in die Seele, und man versuchte auch sonst in ihrem Leben alles auszuebnen, was nur möglich war, um diesem Menschen, der dieses schwere Los trug, Erleichterung zu bringen. Denn es ist auch eine wunderbare Aufgabe, wenn es ein Mensch versteht, neben einem andern, der so gefühlskalt und so rau ist, doch auszuharren. Versteht man, einen solchen Menschen so zu nehmen, wie er ist, und ist man im Vertrauen und in der Hoffnung, dass Gott sieht, was man leidet, so ist nichts umsonst. Also durch das Gebet sind die Engel dieser Frau nähergekommen, und nun gelangen sie zum Urteil: “Eigentlich macht diese Frau viel zu viel mit. Sie hat ein solch schweres Leben nicht verdient. Also, wir geben ihr sozusagen eine Gutschrift.” Diese gilt dann für ein folgendes Leben: Sollte sich die Frau in einem folgenden Leben auf eine Art belasten, dann will man Nachsicht haben wegen der grossen Aufopferung, die sie zustande gebracht hatte in ihrem vorherigen Leben. Man will ihr dafür entgegenkommen und dann in der Geisteswelt bereinigen, was notwendig ist.
Also, auch so etwas geschieht durch das Gebet, und mit grossen Freuden tun wir das. Ja, wir besprechen es untereinander, und wir können ja auch schon einen kleinen Blick in die Zukunft machen. Da stehen uns einige Möglichkeiten offen. Wir sind diesem Menschen dann auch in seinem zukünftigen Leben zugetan; das geistige Band ist auch dann um ihn und uns geschlungen. Dann können wir – sagen wir – dafür sorgen, dass eben eine Verfehlung nicht in besonderer Art gezeichnet wird; wir können aber auch ein Talent ganz besonders fördern. Wir können diesem Menschen, je nach seinem Leben, beistehen und ihm zu grösserem Erfolg – geistigem Erfolg natürlich – verhelfen; wir sind beteiligt an diesem Geben, an diesem Führen. Es stehen uns also so viele Möglichkeiten zur Verfügung.
So soll nun ein Mensch – sei es nun ein Mann oder eine Frau –, der ein schweres Leben hat, nicht denken: “Ich habe schon jahrelang gebetet, mein Gebet ist nicht erhört worden.” Ja, dann soll man sich fragen: “Hätte ich sonst wohl auch diese Gesundheit? Oder diese Hoffnung, die ich doch immer habe, dass es besser kommen wird, ist doch auch nicht umsonst.” Nein, der Mensch kann gar nicht hoffen und kann gar nicht Freude haben, wenn ihm nicht Gott die Kraft gibt dazu. Aber als Erstes muss er in seinen Bund treten, als Erstes muss er sich ihm unterstellen.
Betrachten wir nun einen andern Fall. Da ist ein Mann, er liegt schon jahrelang krank darnieder, und er betet und betet, Gott möge ihm doch die Gesundheit wiedergeben. Ja, hier ist es wieder dasselbe. Die Geister betrachten seinen Lebensplan, sie betrachten seinen Leib und sagen: “Nein, hier kann man nicht helfen; die Verletzungen sind solcher Art, wir können nicht helfen.” Jetzt werdet ihr sagen: “Ja, ist das karmisch?” Es muss nicht jedes Leiden karmisch sein; man kann sich auch ein Leiden zufügen durch Leichtsinnigkeit, indem man sich eben leichtsinnig Gefahren aussetzt, die solche Nachteile nach sich ziehen, an denen man selbst schuld ist. Man darf nicht immer alles der Geisterwelt zuschieben und sagen: “Ja das ist jetzt eben mein Karma.” Vielleicht ist es das Karma, aber es muss nicht unbedingt das Karma sein, sondern man hat das Schicksal selbst so gerufen, dafür ist einem dann anderes Unangenehmes erspart geblieben. Aber von Karma im wahren Sinne des Wortes kann man nicht reden.
Nun, dieser Mann, er betete. Wir konnten ihm nicht helfen. Aber auch sein Gebet sollte Erhörung finden. Er hatte einen Sohn; dieser Sohn hatte schwere Verfehlungen begangen, schwere Belastungen auf sich geladen. Der Vater weiss das. Er möchte nur wieder gesund werden und dann schon zum Rechten sehen. In seine Gebete schliesst er seinen Sohn ein, dass er einsichtig werde. Aber er wird es nicht. Jetzt urteilen die Geister – im Namen Gottes tun sie es. Dieser Mensch leidet, er betet viel und hofft immer auf die Hilfe. Sie wird ihm nicht gegeben; aber er soll nicht umsonst gebetet haben. Etwas von der Schuld seines Sohnes soll abgetragen sein durch das Gebet des Vaters. Dies wird dem Sohn erst klargemacht, wenn er dann in die geistige Welt kommt: “Siehe, da ist dein Vater, er hat so viel gebetet; sein Gebet hat auch dir geholfen. Ein grosser Teil der Schuld konnte dir vergeben werden durch das Gebet, durch den festen Glauben deines Vaters, durch seine Gerechtigkeit.” Es mag auf solche Seelen manchmal einen grossen Eindruck machen; manchmal gehen sie leicht darüber hinweg, und erst viel später wird es ihnen so richtig bewusst, was der Vater oder die Mutter oder ein Bruder oder eine Schwester getan hat.
So stehe ich in meinen Aufgaben drin. Jedes Gebet, das verrichtet wird, hört man. Auch das Gebet, das nicht durch Worte gesprochen wird, wenn es nur in Gedanken gepflegt wird, bringt dem Menschen, der es spricht, Kraft, und es kommt ihm oder einem andern zugute. Und im Weiteren: Das Gebet ist doch eine Lobpreisung Gottes; man erklärt sich ihm untertan, man erkennt ihn als den obersten Herrn, man will ihm gehorsam sein; man bekennt sich also zu ihm. Und dieses Gebet, das Worte oder Gedanken sind, die aufsteigen, erzeugt Schwingungen. Es wurde euch auch schon gesagt – ich möchte dieses nicht unterlassen zu erwähnen –, dass aber das Lippengebet, das Gebet, das ohne Inbrunst und ohne Andacht nur so oberflächlich gesprochen wird, kaum die Decke oder kaum den Dachstock erreicht, es entflieht nicht einmal aus dem Hause.
Also ist das Gebet, sei es in Worten oder in Gedanken, eine Kraft. Ihr wisst auch, dass dieses Denken eine ungeheure Kraft ist. Wenn ihr euch unter dem alleinigen Wort “Kraft” nichts vorstellen könnt, so muss ich sagen, dass sich durch diese Gedanken oder durch das gesprochene Wort eine Schwingung entwickelt, eine – sagen wir – spiralförmige Schwingung. Diese Schwingung ist je nach dem Menschen, je nach seiner Einstellung, je nach seiner Frömmigkeit unterschiedlich; sie mag nur in einer einfachen Farbe sein, sie mag dünn und schwach sein, oder sie kann recht farbenfroh sein – und diese Spirale kann sogar sehr zäh aussehen. Dementsprechend hat sie ihren Antrieb zu ihrer Kraftentfaltung und steigt dann empor. Diese Schwingungen mengen sich mit vielen andern Schwingungen gleicher Art und Weise zusammen. Ein Geist Gottes erkennt diese Schwingung gleich als das Gebet.
Viele Menschen beten so auf dieser Welt für den Frieden, und kommt dieses Gebet wirklich aus ihrem Herzen, geht es auch nicht verloren. Es ist diese Schwingung, die heraussteigt aus dem Herzen, aus der Seele des Menschen und sich nach oben entfaltet; und plötzlich wird diese Schwingung eine Farbenpracht, ein Farbenmeer, und alles geht durcheinander. Es sind lauter, lauter, unendlich viele Farben, und aus diesen Farben – man kann nicht sagen, ob es ein Gewimmel von diesen feinsten Farbenfäden ist oder ob es doch Schwingungen sind – glaubt man dann ein leichtes Rauschen zu hören. Diese Schwingungen vermögen einen Ton von sich zu geben: zuerst ein schwaches Rauschen, dann vermag es immer stärker zu werden. Je mehr sich solche Schwingungen im All sammeln, umso stärker wird dann dieser Ton, umso schöner die Farbenpracht. Dann werden diese Schwingungen Einlass finden ins Haus Gottes – also ich möchte sagen in die nächste Umgebung des Schöpfers und des Erlösers.
Wenn nun diese Schwingungen immer weiter nach oben getragen werden – und beteiligt am Weitertragen dieser Gebete, dieser Schwingungen, sind auch die Begleiter eures Lebens –, so gibt es aus dem Rauschen eine leise Musik. Sie wird dann in der Nähe des Schöpfers immer stärker, und sie bildet sich zusammen zu einer Harmonie, und es ist nicht mehr ein Rauschen, es sind Klänge von reinster und harmonischer Art; es entfaltet sich eine Musik. So vernehmen die Höchsten des Himmels die Einstellung der Menschen, so erkennen sie, wie sie denken, wie viel sie beten, in welcher Art und Weise.
Ihr sollt glauben, dass Gott sein Gefallen ausdrückt über die harmonischen Klänge, die hingeführt werden. Aus Freude darüber, dass man betet, dass man die Verbundenheit hat, will er sein Erbarmen, seine Gnade senden, nicht nur jenen, die da beten, sondern er will sie auch den andern geben. Auch sie sollen seine Liebe und seine Gerechtigkeit haben um der Gerechten willen, ihnen soll auch Gnade gegeben werden. So waltet, wie euch schon erklärt wurde, die Gnade Gottes bei jedem. Bei jedem steht ein Geist des Himmels – und auch wenn er noch ein grosser Sünder ist, so lässt man ihn nicht fallen. Man hofft immer noch und ist bereit, ihn zu führen. Erst dann, wenn sich der Menschengeist aus seinem Leibe entfernt, entfernt sich auch der Engel; dann darf er diesen Menschengeist nicht in die schönen Gefilde einführen, sondern sein Weg, sein Zukunftsweg, wird der Weg des Leidens sein. Aber es wird ihn auch ein Geist dorthin führen.
Ja, liebe Geschwister, ich hoffe, ich habe manchem eine Antwort gegeben, und ich hoffe, ich habe mitgeholfen, euch im Gebete zu stärken. Euer Gebet ist nicht umsonst, in keiner Art und Weise. Und wenn ihr auch nicht gerade die Erfüllung findet für das, was ihr wünscht, so sind die Geister doch um euch und nehmen die Gelegenheit wahr, euch diese Antwort deutlich zu machen: “Ja, Gott hat dein Gebet erhört, wir wollen dir helfen – wir wollen dir helfen!”
Also, liebe Freunde, jetzt kennt ihr den Weg und meine Aufgabe. Eine schöne Aufgabe ist es, die Gebete der Menschen weiterzutragen, ihnen wohlwollend gesinnt sein zu dürfen, ihnen zu dienen und immer zu geben und zu vergelten, weil sie Gott treu verbunden sind. So verabschiede ich mich von euch und überlasse euch alle dem Schutze Gottes. Gott zum Gruss.
Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Anita vom 1.2.1961 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 23. Januar 1965
Das innige und andächtige Gebet kann für verstorbene Angehörige wie auch für uneingereihte, unselige Geister ein grosser Segen sein.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr wisst, dass das Gebet für die Heimgegangenen heilvoll ist. Ihr sollt aber auch wissen, dass auch jene in der Geisteswelt für euch bitten. Sie beten für euch, sie halten Fürsprache bei den Geistern Gottes für euch; auch sie wollen euch beistehen und helfen, genauso wie ihr den Heimgekehrten beistehen und helfen möchtet. Manchmal hat man sich schon gefragt: “Ist es wirklich so, dass das Gebet den Betreffenden zugeführt wird? Auf welche Art und Weise erhalten sie Kenntnis von dem Gebet?” Nun, ich versuche es euch zu erklären und einen Einblick zu geben, wie dieses Gebet ihnen zugeführt wird. Es kann auf verschiedene Arten dem Heimgekehrten zugutekommen, doch ich gebe euch jetzt nur ein Beispiel davon.
Es haben sich zwei Verwandte in der Seelenwelt getroffen. Vor Gott trugen sie die gleiche Schuld. Beim einen war es nun so, dass seine Angehörigen für ihn, den Heimgegangenen, beteten; beim andern war dies nicht der Fall. Die beiden freuten sich, dass sie sich gefunden hatten, und sie trösteten sich gegenseitig. Selbstverständlich hatten sie ihre Verbindungen mit den Schutzgeistern, die sie einst im menschlichen Leben betreut hatten. Diese Schutzgeister brachten ihnen jeweils Nachricht von ihren Hinterbliebenen; sie gaben ihnen aber auch mahnende Worte und nahmen sich ihrer in der Anfangszeit besonders an. Dann aber kamen andere Geister, die ihre Aufgabe an diesen Heimgekehrten erfüllten. Und so wurde dann dem einen erklärt: “Für dich wird viel gebetet”, und dem andern musste gesagt werden: “Niemand denkt eigentlich in Andacht und Ehrfurcht an dich oder an Gott und seine heilige Geisterwelt. Für deine Angehörigen bist du tot, und man kümmert sich weiter nicht mehr um dich.”
Nun kam ein Engel Gottes zu der Seele, für die so viel gebetet wurde, und erklärte ihr: “Du kannst mit mir kommen, denn du sollst jetzt in den Genuss des Gebetes kommen, das für dich verrichtet wird.” Etwas traurig und betrübt natürlich blieb der andere Verwandte zurück; er durfte nicht mitgehen, sondern nur derjenige, für den gebetet wurde. Der Engel führte diesen zu einem breiten Fluss. Auf der andern Seite des Flusses sollten sie weitergehen, also überquerten sie ihn zuerst mit einem Schiff. Auf diesem Schiff waren bereits viele andere Wesen, und es herrschte eine rege Unterhaltung. Bald konnte man feststellen, dass jedes Wesen seinen Schutzgeist oder einen Engel Gottes zur Seite hatte – keines war sozusagen ungeladen, sondern man ging zu zweit: eine heimgekommene Menschenseele und ein Engel Gottes.
Auf der andern Seite dieses Flusses musste man ein Stück aufwärtsschreiten, auf eine Anhöhe. Gemeinsam ging man auf diese Anhöhe, und hier war ein prachtvoller Tempel, in den man eintrat. Die Engel Gottes sammelten sich unter sich, und die Seelen sammelten sich ihrerseits. Nun trat einer von diesen hohen Geistern Gottes hervor und rief jeden Heimgekehrten beim Namen, den dieser auf Erden getragen hatte. Und so musste eines nach dem andern hervortreten – so auch diese Seele, von der ich eben sprechen möchte. Auch sie wurde gerufen, und man erklärte ihr, wer für sie betet und wie gebetet wird. Und der Engel, der sie begleitet hatte, berichtete auch, was es an Neuigkeiten in der Familie und in der Verwandtschaft gab. Er aber sagte zu ihr wie auch alle andern Engel zu ihren Schützlingen: “Das Gebet, das eure Angehörigen für euch verrichten, ändert eure Situation in der Geisteswelt nicht. Ihr müsst alles Unrecht, das ihr auf Erden getan habt, gutmachen. Es ist für euch alles vorgeschrieben und vorgezeichnet, was auf euch wartet, was zu erfüllen ist. Aber es soll für euch und auch für Gott und die ganze heilige Geisteswelt eine grosse Ehre sein, zu vernehmen, dass Menschen Gott bitten, er möge dem Heimgegangenen gnädig sein; dass man bittet, es möge doch Christus, der Erlöser, sich der Heimgekehrten annehmen. Man fleht um Gnade und möchte, dass mit dem Heimgekehrten nicht so streng umgegangen wird.”
Dies alles erzählen dann die Geister Gottes und auf welche Art und Weise gebetet wird, ob das Gebet auch wirklich aus dem Innersten der Seele und des Herzens kommt. Man erzählt auch gleich, an welchen Menschen die göttliche Welt Freude hat, welches Gebet besonders erfreut, weil der Betende gut ist, weil er zum Gebet die Taten legt, was also Gott angenehm ist. So wird dieses den heimgekehrten Seelen in allen Einzelheiten erklärt. Und über sie alle kommt eine grosse Freude. Sie erhalten also von einem Geist Gottes Nachricht von den Ihrigen, die sie zurückgelassen, sie vernehmen, dass man für sie betet. Dies bringt sie in eine glückliche Stimmung. Die Geister Gottes erklären aber auch, dass sie nun recht eifrig sein sollen und sich jetzt in der neuen Heimat um eine angesehene und hohe Stellung bemühen müssten. So wird ihnen zugesprochen. Und es erfüllt sie mit grosser Freude, dass sie in Gesellschaft dieser göttlichen Wesen sind. Denn die Engel sind freundlich mit ihnen. Es wird gesungen, zum Teil gemeinsam mit den Heimgekehrten, zum Teil singen die Engel Gottes allein die herrlichsten Lieder. Dies alles hatten nun diese Heimgekehrten dem Gebete der Ihren zu verdanken, und man sagt es ihnen: “Es ist der Gruss der Eurigen, der Segen, den man für euch erfleht. Wir wollen euch diesen Gruss bestellen, und ihr sollt diesen Segen empfangen.” So wollen sie alle hoffen, möglichst bald wieder ein solches Zusammentreffen erleben zu dürfen. Voller Glück und Freude sind sie, und man steigt wieder von diesen Höhen hinunter, man überquert wieder diesen Fluss und kehrt wieder in seine Wohnung zurück.
Nun, der Bruder, der dieses alles erlebte, ging voller Freude zu seinem Verwandten hin, um ihm alles zu berichten. Dieser empfing ihn mit den Worten: “Du bist lange weggeblieben, erzähle mir: Was hast du alles erlebt?” Und erstaunt hörte er zu. Eigentlich tat es ihm ja sehr leid, dass nicht auch er dabei sein durfte, und er sagte: “Es ist also niemand da, der für mich betet. Aber ich höre doch wenigstens von dir, was du erlebt hast, was dir gesagt worden ist.” Und die beiden, die nun die Macht Gottes erkannt haben und bereit waren, allen Anforderungen gerecht zu werden, wollten alles bejahen, was auf sie zukommt. Also musste auch derjenige, der nicht die Freude hatte, in die Gesellschaft dieser Gottesengel zu kommen, zufrieden sein – er musste zufrieden sein mit den Erklärungen seines Verwandten. Aber sie beide sagten sich: “Wir sind doch unter Gottes Obhut. Er ist gerecht, und die Gerechtigkeit wird jedem zuteilwerden.” Nun freute sich auch jener, der nicht an dieser Zusammenkunft hatte teilnehmen und die Erklärungen vernehmen können.
Aber recht bald kam auch ein Geist Gottes zu ihm und sagte ihm: “Freilich konntest du nicht daran teilnehmen wie dein Verwandter. Aber wir wollen auch dir und vielen andern ebenfalls Gelegenheit geben, in den Genuss des Gebetes und der Fürbitte zu kommen.” Und er erklärte ihm, welchen Weg man gehen, wie man auf eine andere Weise von diesem Gebete profitieren könne, und er forderte ihn auf mitzukommen. So ging dieser Engel Gottes jetzt allein mit diesem Bruder. Und zwar hatte er ihm den Vorschlag gemacht, in eine Kirche zu gehen, denn da fänden sich immer betende Menschen, und er könne sich einen solchen aussuchen und dann mit ihm beten und so versuchen, grössere Seligkeit in sein Innerstes zu bekommen. Und der Engel sagte ihm: “Wir müssen dafür nicht unbedingt in eine Kirche gehen; betende Menschen findet man auch andernorts, man kann sie auch in einem Hause antreffen und dort verweilen. Aber jetzt gehen wir einmal in eine Kirche, nachher können wir immer noch in einem Hause einen Menschen ausfindig machen, der betet.”
Nun ging der Bruder mit dem Geist Gottes in eine Kirche, und es mangelte hier nicht an betenden Menschen. Da ging der Engel auf einen zu und legte seine Hände über die des Betenden. Gemeinsam wurde also gebetet, während der Bruder, den der Engel Gottes mitgenommen hatte, hinter dem betenden Menschen stand. Es überkam ihn nun ein angenehmes Gefühl, denn so beanspruchte er jetzt das Gebet für sich. Denn dieser Mensch betete für die armen Seelen, und der Bruder zählte sich zu den armen Seelen, auch wenn er jetzt sehr zufrieden war, dass er neben dem Engel Gottes sein konnte.
Nun machte er aber viele Beobachtungen in dieser Kirche. Es waren Menschen gekommen, die ihr Gebet nur oberflächlich verrichteten und dann recht schnell wieder gingen. Und er musste feststellen, dass solche darum beteten, ein gutes Geschäft machen zu können, das zu ihrem Vorteil werde. Er konnte aber auch erkennen, dass welche kamen und um die Gesundheit eines ihrer Angehörigen flehten. Und dann waren eben auch Menschen da, die einfach für die armen Seelen beteten. Er hatte sich ja diesen betenden Menschen nicht selber ausgesucht, sondern der ihn führende Engel Gottes.
Plötzlich sah der Bruder auch, dass ein Geistwesen eilend auf sie zukam. Es kniete nieder vor seinem Engel, der ihn begleitete, hielt sein Gewand fest und bat mit gefalteten Händen, dieser Engel Gottes möchte sich doch seiner annehmen. Dieses Geistwesen, das so plötzlich dazugekommen war, hatte auch niemanden, der für es betete; es wurde aber auch nicht von einem Geist Gottes geführt, sondern es war ganz einsam und verloren in seiner Verzweiflung.
Der betende Mensch hatte ja keine Ahnung, was um ihn vor sich ging. Er betete für die armen Seelen, Gott möge ihnen gnädig sein, ihnen beistehen. Der Engel Gottes hatte seine Hände über die Hände dieses Menschen gefaltet und betete mit ihm; er richtete seine geistigen Augen aufwärts, flehte zu Christus und betete zu Gott, sie möchten doch gnädig und barmherzig sein. Da plötzlich sah unser wartender Bruder, wie ein helles Licht auf sie zukam, als würde die Sonne im Besonderen auf sie herniederscheinen; Weiteres konnte er nicht feststellen. Der Engel Gottes aber, der mit dem Menschen betete, erkannte in diesem Lichtstrahl das Jawort. Er wusste nun, dass ihnen geholfen würde, und zwar allen dreien: dem Bruder, den er ja hernieder zu dieser Kirche geführt hatte, damit er in den Genuss des Gebetes komme, dann dem dazugekommenen, unruhigen, unseligen Geist, der sich an ihn geklammert hatte und seine Hilfe wollte, und schliesslich dem betenden Menschen selbst – es war eine Selbstverständlichkeit, dass er auch seine Belohnung erhielt. Und dieser Engel Gottes war glücklich. Er erhielt also von der höchsten Geisteswelt die Antwort, und so konnte er allen helfen.
Der betende Mensch war selber in grossen Sorgen in diese Kirche gekommen, aber er kümmerte sich eigentlich nicht allzu sehr um seine eigenen Sorgen; er legte sie vertrauensvoll in Gottes Hände. Es ging ihm darum, den armen Seelen zu helfen, für sie zu beten, denn er hatte einen festen Glauben, und er nahm an, dass man auch ihm die Sorgen erleichtern würde, wenn er für die armen Seelen betete und ihnen helfen könnte. Das hatte er in seinem Innersten gedacht, aber er hatte nicht unbedingt erhofft, dass man ihm helfe. Sein Glaube und sein Vertrauen zu Gott waren so stark, er legte es in seine Hände.
Nun, diesem Menschen sollte geholfen werden, und auch dem dazugekommenen, unseligen, bittenden Geiste sollte geholfen werden sowie auch dem Bruder, der ja mit dem Engel in diese Kirche gekommen war. Ihnen allen sollte geholfen werden.
In diese Kirche traten aber noch andere Geister Gottes ein. Die einen brachten eine leidende Seele mit, um mit ihr zu beten, andere gingen nur in diese Kirche hinein, um zu beobachten, was da alles vor sich ging. Denn es waren hier nicht nur flehende Geister, sondern auch solche, die bereit waren, die betenden Menschen zu stören, sie vom Gebete abzuhalten und ihnen die Andacht zu nehmen, ihr Denken auf Irdisches zu lenken, um so das Gebet nutzlos zu machen. Es sind dies also niedere Geister, denen der Zugang zu dieser Kirche nicht gesperrt, sondern ebenfalls offen ist; sie können also auch ihre Werkzeuge da finden, wo Menschen eigentlich Gott nähertreten möchten.
Nun kam ein solcher Geist Gottes, schritt durch die Reihen und schickte alle hinaus, die störend wirken konnten. Und nun bot er hilfreiche Geister auf: Jene, die in der Kirche waren, um zu beten und zu helfen, sollten sich jetzt einmal dieses Menschen annehmen, der für die armen Seelen betete. Sie sollten versuchen, ihn auf den richtigen Weg zu führen, ihm das richtige Denken zu bringen, ihn im rechten Denken zu stützen, damit er von den Sorgen befreit würde. So bestand die Aufgabe der einen dieser Geister darin, ihn auf den richtigen Weg zu führen, während andere sich anderer Notwendigkeiten annahmen, die für diesen betenden Menschen wichtig und bedeutend waren. So erhielt er den Segen von Gott und von den hilfreichen Geistern; sie sollten ihm sein Gebet für die armen Seelen belohnen, und sie erfüllten ihre Aufgaben an ihm.
Nun war da der unselige, bittende Geist, der nicht in die Ordnung eingereiht und der bei jenem Engel niedergekniet war und um Hilfe gefleht hatte. Jetzt kam ein weiterer Geist Gottes herzu – denn sie haben ja den Lichtstrahl wahrgenommen, und schnell vermögen sie diesem Glanze nachzueilen, weil sie wissen, dass es dann immer etwas Bedeutendes gibt, das erfüllt werden soll, und es weiterer starker Hilfe bedarf. Dieser neu dazugekommene, hilfreiche Geist Gottes wurde jetzt aufgefordert von dem Engel, vor dem der Unselige kniete, er möge sich dieser armen Seele annehmen und dafür besorgt sein, dass sie den Weg in die Ordnung Gottes finde. Diese arme Seele, dieser arme Geist, erkannte nun voller Freude, dass ihm so plötzlich Hilfe zuteilwurde, und er war froh und versprach, alles zu tun, was man von ihm verlange. Er war glücklich, jetzt in der Obhut eines göttlichen Wesens zu sein. Früher hatte keiner von ihm etwas wissen wollen, alle hatten sich abgekehrt, nun plötzlich reichte man ihm die Hände, man richtete ihn auf und sagte zu ihm: “Ich will dich in die Ordnung Gottes führen, wenn du willig bist und tust, was die Ordnung Gottes von dir verlangt.” Und dieser armen Seele wurde auch geholfen.
Jetzt war noch der Engel Gottes mit seinem Schützling da. Dieser hatte alles beobachten können und hatte so viele Fragen: “Warum war es möglich, auf diese Art und Weise diesem Menschen und dem unseligen Geist die Hilfe zuteilwerden zu lassen?” Und der Engel Gottes erklärte: “Du hattest jetzt das Glück, zu einem frommen Menschen zu kommen, der so innig gebetet hatte zur Erlösung der armen Seelen. Er hatte für die andern gefleht, man möge ihnen helfen. Und weil ihm daran gelegen war, zuerst andern zu helfen, so wollte man auch ihm helfen. Die göttliche Welt wollte sich also ihm gegenüber dankbar erweisen.” Und jene arme Seele kam so in den Genuss des Segens dieses Engels, der bei diesem Menschen gebetet hatte, und durfte auf diese Weise Befreiung finden. Denn die heilige Geisterwelt Gottes freut sich über den grossen Einsatz der Engel. Auch die Engel Gottes erweitern fortwährend ihre Verdienste und zeigen mit ihrem Einsatz, dass sie Gott treu ergeben sind. Und auch sie finden ihre Belohnung.
Wenn von Belohnung gesprochen wird, sollt ihr nicht immer meinen, diese werde in Form irgendwelcher Gegenstände gegeben, in Form von etwas Sichtbarem nach eurem Begriffe. Dieser Engel Gottes sollte erkennen, dass die Höchsten des Himmels mit Wohlgefallen auf ihn schauten und dass in dieser Freude auch diesem ärmsten, umherirrenden Geist geholfen werden sollte. Das sollte für diesen Engel eine Belohnung sein; und er freute sich, zu erleben, dass durch seinen Einsatz diese Seele auf einem schnelleren Wege Befreiung fand. Sie wurde also in die Obhut anderer Gottesgeister gegeben, die nun um sie besorgt waren.
Nun waren der Engel Gottes und sein Schützling voll der Freude, und sie beteten noch gemeinsam, ehe sie die Kirche verliessen. Sie lobten und priesen Gott für seine unendliche Liebe, Güte und Barmherzigkeit. Dieser Engel des Himmels hatte solches nicht zum ersten Mal erlebt. Die heiligen Geister Gottes freuen sich, wenn ihnen auf diese Art und Weise Gottes Wohlgefallen ganz nahe gebracht wird. So waren dieser Engel und auch sein Schützling überglücklich.
Dieser Geist Gottes sagte aber nun zum Bruder: “Wir suchen noch einen andern betenden Menschen auf, diesmal in einem Hause.” Denn jetzt war er voll der Gnade und war von einem Segensstrom umgeben, denn dieses Licht hatte aus den höchsten Himmeln auf ihn geleuchtet. Welche Kraft umhüllte ihn noch! Und so ging er mit seinem Schützling, der ganz stolz war, in Begleitung eines solchen Geistes sein zu dürfen. Und über ihn kam dieselbe Seligkeit, wie sie sein Verwandter gehabt hatte, als er in der jenseitigen Welt auf jener Anhöhe in jenem Tempel in der Gesellschaft von göttlichen Wesen sein durfte.
Nun hatten sie in einem Hause eine betende Frau gefunden, bei der sie auch sahen, dass das Gebet gottgefällig war: Sie betete für den Frieden der Welt, dass die Völker sich versöhnen möchten; sie betete für die unseligen, für die leidenden Geister, und sie dachte nicht an das, was sie selber haben sollte, was ihre Familie notwendig hätte. Und dieser Geist Gottes verweilte mit seinem Schützling bei dieser Schwester und betete mit ihr. Jener Gnaden- und Segensstrom hüllte nun auch diese Schwester ein. So war doch im irdischen Leben ihrer Familie so vieles ungeordnet. Und nun sollte das Gebet, das sie für die armen Seelen verrichtete, seinen Segen haben. Denn jetzt, als der Engel in dieses Haus getreten war, waren auch gleich andere Geistwesen gefolgt, denn sie hatten diesen Lichtstrahl erkannt – sie waren sich aber nicht bewusst, was er bedeuten sollte. Aber dieses Licht war mit dem Engel und seinem Schützling gegangen und hatte ihren Weg gezeichnet. Also trat nun eine Anzahl uneingereihter, unseliger Geister auch in dieses Haus. Sie standen herum, noch konnten sie nicht verstehen, was vor sich ging – waren sie doch schon oft bei einem betenden Menschen gewesen, und es war ihnen keine Hilfe zuteilgeworden. Doch dieses Mal blieben sie etwas hartnäckiger, denn auch sie erhofften nun eine Hilfe.
Als die Schwester sich wieder entfernt, also ihr Gebet beendet hatte und ihrer Arbeit nachging, da rief der Engel Gottes diese umherirrenden, unseligen Geister zu sich und gab ihnen eine Aufgabe. Er sagte ihnen: “Wenn ihr schon wünscht, dass es euch besser geht und man sich euer annimmt, dann sollt ihr einmal in erster Linie versuchen, dem andern etwas zu geben.” Er empfahl ihnen, ihr niederes Denken abzulegen, dem Höheren nachzusinnen und jetzt gerade in diesem Hause, in dieser Familie, wo so vieles zu ordnen war, doch zu helfen. Und er gab ihnen Anweisung, einem jeden auf seine Art, was sie zu tun hätten, und er sagte ihnen: “Wenn ihr bereit seid, zu helfen und im göttlichen Sinne zu wirken, dann werde ich dafür besorgt sein, dass jemand sich euer annimmt.” Sie alle versprachen zu helfen, denn sie klagten, sie seien schon so lange umhergeirrt und niemand habe etwas von ihnen wissen wollen. “Nun aber”, sprach der Engel, “habt ihr Gelegenheit, dies zu ändern”, und er sagte zu seinem Schützling: “Du kannst hier bleiben, in diesem Haus, und kannst auch tätig werden, du kannst ihnen helfen.”
So musste nun dieser Bruder zurückbleiben – dabei hatte er sich schon so gefreut, alles seinem Verwandten erzählen zu dürfen. Doch jetzt musste er zurückbleiben im irdischen Reiche bei den Menschen. Aber er wollte es tun. Er hatte gesehen und erlebt, auf welche Art und Weise andern beigestanden werden kann, und er erhoffte ja auch für sich selbst, einen weiteren Aufstieg erleben zu dürfen. Und so wurde er vom Engel Gottes zum Führer ernannt: Er sollte jetzt diese kleine Gruppe uneingereihter Geister auf die richtige Bahn führen und sie lenken; er sollte sie tadeln, wenn sie etwas falsch machten, er sollte ihnen erklären, was notwendig sei zu tun, was zuerst erfüllt werden müsse. Er erhielt nun immer wieder Besuche von seinem Betreuer, von diesem Engel Gottes, und dieser gab seinem Schützling immer wieder Antwort und erklärte ihm stets, was zu tun sei; so war dieser Bruder nicht sich selbst überlassen. So kam ein grosser Eifer über ihn, und er munterte die andern auf, er forderte sie auf, für den Segen dieses Hauses besorgt zu sein, nur Segen zu verbreiten, damit auch sie selbst zum notwendigen Segen kommen würden. Und so konnte er seine Aufgabe erfüllen, es fiel ihm nicht schwer.
Dann holte ihn der Engel Gottes wieder und sagte: “Nun hast du deine Arbeit getan, und die andern werden nun weiter belehrt.” Und er durfte wieder zurückkehren zu seinem Verwandten, und er hatte ihm so vieles zu erzählen. Der Engel Gottes aber unterrichtete ihn und sagte: “Sieh mal, diese irrenden Wesen haben nun auch ihren Weg gefunden. Sie haben ihn gefunden, weil wir gemeinsam mit diesem Menschen gebetet haben. Sie haben uns gefunden, sie sind unserem Lichte nachgegangen, und so konnten wir ihnen den Beistand geben. Nun haben sie die Aufgabe, für den Segen jenes Hauses besorgt zu sein: Alle Menschen, die darin wohnen, müssen nun behütet werden, dass ihnen kein Unglück zustösst; sie sollen geführt werden, dass sie immer das Richtige tun. Und jene Geistwesen sollen nun den Kampf aufnehmen gegen die andern Unsichtbaren, die bereit sind, jene Menschen in die Versuchung zu führen. Sie sollen ihnen Schutz bieten, einen Schirm über sie ausbreiten, zum Segen sollten sie werden – durch das Gebet.”
So, liebe Geschwister, zeigte ich euch Wege, die geöffnet werden für das Gebet, wie Verstorbene das Gebet aufnehmen: wie einerseits jene, deren Angehörige für sie beten, glücklich werden, dieses Gebet zu vernehmen, und wie anderseits auch unselige Geister, die in keiner Ordnung sind, davon profitieren können. Heimgekehrte Geister wie Engel Gottes freuen sich darüber, denn im Gebet wird Gott verherrlicht. Der andächtig Betende gibt seine Zugehörigkeit zu Gott bekannt. Durch das Gebet will er sagen: “Ich gehöre zu Dir, ich verehre Dich, ich bete Dich an, o Gott und Vater, ich gehöre in Dein Reich.”
Und so beteten und flehten jene Geistwesen auch Christus an. Denn er hatte so viel vom Vater erzählt, er lehrte die Seinen beten. So wollten sie beten, wie Jesus Christus betet, und in Gottes Gefälligkeit kommen.
So sollt auch ihr, liebe Geschwister, durch euer Gebet die Zugehörigkeit zu Gott haben. Euer Gebet soll voller Innigkeit, voller Andacht sein. So möge dieser Gottessegen, dieser Segen des Gebetes, euer Schutz sein. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.1.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1952 bis 1957
Lieber Josef, darf man den Schutzgeist um etwas bitten, oder soll man immer direkt Gott darum bitten?
Josef: Wenn du dem Schutzgeist etwas zu sagen hast, darfst du es ihm sagen. Du bist mit Gott verbunden, und dein Schutzgeist ist der Vermittler. Er wird die Bitten weitertragen. Er wird es dann tun, wenn er selbst nicht entscheiden kann oder nicht entscheiden darf. Es gibt jedoch auch Dinge oder Bitten, worüber einem Schutzgeist das Recht zusteht, frei von sich aus zu entscheiden. Es gibt aber Angelegenheiten, bei welchen sich ein Schutzgeist an höhere Boten zu wenden hat, um dort den Entscheid entgegenzunehmen.
Dann ist es auch so, dass nicht jedem Schutzgeist das Recht zusteht, über seinen Schützling zu urteilen. Es gibt also verschiedene Verhältnisse zwischen den Menschen, ihren Schutzgeistern und den geistigen Führern. Je nach der geistigen Stufe eines Menschen werden ihm immer mächtigere Schutzengel und geistige Führer zugeteilt, die dann kraftvoller wirken und die Möglichkeit haben, selbst über ihren Schützling zu urteilen.
Es ist oft so, dass Schutzgeister über einen Menschen deshalb nicht urteilen können, weil sie selbst noch nicht die Fähigkeit besitzen, alle Geschehnisse im Leben ihres Schützlings richtig einzuschätzen. Sie können von sich aus keine Anordnungen treffen und gehen daher zu höheren Geistboten. Anderseits kann ein Mensch einen Schutzgeist haben, dem das Recht zusteht zu urteilen. Es kommt nämlich auch noch darauf an, welche Verschulden der einzelne Mensch hat. Hat er aus früheren Leben viele oder verschiedene Verdienste aufzuweisen, so hat er einen Schutzgeist, dem das Recht zusteht, selbst die Anordnungen zu treffen. Hat sich aber ein Mensch in früheren Leben beispielsweise durch Verbrechen stark belastet und nun sein neues Leben aufgebaut, wird das Schicksal an ihn kommen. Je nachdem kann ihn sein Schutzgeist zum Schicksal führen, das er dann in allen Einzelheiten auszutragen hat. Es kann aber auch sein, dass der Schutzgeist seinen Schützling vom Ärgsten etwas wegführen darf, sodass der Mensch sein Schicksal nicht in aller Härte zu erleben hat. Ich betone immer, dass es von Fall zu Fall verschieden ist. Es kommt ganz auf die persönlichen Verdienste an, ob dem Menschen ein Schutzgeist zugeteilt wird, der von sich aus urteilen kann. (1953)
Lieber Josef, wenn der Kontrollgeist oder du selbst einen Segen über uns sprichst, sind euch dann die Segenskräfte sichtbar oder fühlbar, die sich über uns ergiessen?
Josef: Die Segenskräfte sind uns mitgegeben für die Menschen. Ihr sollt euch vorstellen, dass ausser der Kontrolle und mir noch viele Boten mit uns sind. Wir alle zusammen waren vorher in eurer geistigen Sphäre, wo uns von bestimmten Engeln der Segen für euch übergeben wird, den wir auch wie als Gruss zu übermitteln haben.
Dieser ausgesprochene Segen geht für das geistige Auge natürlich nicht formlos über euch, liebe Freunde. Es ist nicht so, dass nur leere Worte gesprochen würden. Wenn der Kontrollgeist oder ich oder sonst ein Geist Gottes den Segen ausspricht, ist dieser Segen wie ein goldener Tau. Es kann sich aber auch ein Geist kundtun und seinen Segen aussprechen, der nicht besonders in dieser einen Aufgabe steht, genauso wie du einem Freunde Glück und Segen wünschen kannst.
Kommen aber Geister in höherem Auftrage, so haben sie etwas zu erfüllen – es wird geistigerseits etwas aufgebaut. Kommen immer dieselben Geister, so sind sie in der geistigen Welt eingeteilt und unterstehen dort ihrer Führung. So bringen sie diesen Segen. Und dieser Segen – ich deutete darauf hin – ist wie ein goldener Tau, der ausgegossen wird. Er gleicht dem geistigen Od eures Körpers in lichter Form. So ist dieser Segen ein goldener reiner Tau, der über alle Freunde gegossen wird.
Nun aber, nicht alle Freunde haben die Möglichkeit, diesen goldenen Tau aufzunehmen. Das heisst, all jene, die guten Willens und ernstlich von ganzem Herzen in Andacht versunken sind, sie sind fähig, ihn aufzunehmen. Ihr habt sicher auch schon beobachtet, dass Menschen euch gar nicht zuhören, wenn ihr mit ihnen gesprochen habt. Da sie zerstreut und an anderen Dingen interessiert waren, konnten sie eure Worte nicht aufnehmen. Wer aber aufmerksam zuhört, der nimmt jedes Wort auf.
Und so ist es mit diesem Segen. Wer wirklich dabei ist, nimmt ihn auf. Doch bei einem Menschen, der nur oberflächlich oder aus Neugierde dabei ist, ist dieser Segen nicht wirksam; er geht wohl an ihn heran, ist aber nicht wirksam. Deshalb ist es gut, wenn der Mensch in voller Andacht zuhört und aufmerksam ist. Dann wird er diesen Segen aufnehmen können.
Über die Freunde wird jeweils so viel Segen ausgebreitet, und sie werden deshalb immer wieder aufmerksam gemacht, sich zu sammeln. Wenn der Mensch immer wieder hört von diesem Segen, so wird er sich zusammennehmen und immer fähiger werden, etwas aufzunehmen. Aber jene, die dabei schon an den morgigen Tag, an ihre Arbeit, ihre Ausflüge und so weiter denken, kommen nicht in den Genuss dieses Glückes. (1952)
Wie ist es, wenn man für den geistigen Aufstieg eines Menschen fleht und ihn mit guten Gedanken umgibt, hat man dann das Bestmögliche getan? Oder was könnte man noch mehr tun?
Josef: Wenn der Mensch gute Gedanken für einen andern aussendet, so ist das von uns aus gesehen ein Werfen eines göttlichen Funkens. Nun kommt es auf den Empfänger an, ob er diesen Funken aufnehmen kann. Ist er nicht in der erforderlichen Schwingung, ist es ihm nicht möglich, diesen Funken aufzunehmen, und er kehrt wieder zum Absender zurück. Vielleicht erkennt er aus dem Verhalten des andern, dass dieses Hilfesenden nutzlos ist. Wenn er es aber durch Monate hindurch – ja vielleicht sogar jahrelang – immer wieder tut, kann er doch in irgendeinem Punkte Erfolg haben. Vielleicht nicht gerade da, wo er es wünscht, aber diese ausgesandten guten Gedankenkräfte werden mit der Zeit dort Wurzeln fassen, wo jener für diese göttliche Kraft am empfänglichsten ist.
Es soll also niemanden mutlos machen, der in dieser Weise auf seine Nächsten einzuwirken versucht, die keinen guten Willen haben oder überhaupt keine guten Menschen sind. Man soll fortfahren, jene mit guten Gedanken direkt zu überschütten. Dann, wenn die Engel Gottes diesen starken Helferwillen erkennen, kann die besondere Gnade erteilt werden, dass ein Engel Gottes bei jenen eine Gesinnungsänderung zu vollziehen versucht.
Aber ihr müsst euch immer bewusst sein: Steht ihr einem Menschen gegenüber, der in seiner Entwicklung noch so tief, so weit unten steht, dann ist er noch nicht für diese edlen Kräfte empfänglich. Aber dann versucht die Engelswelt, ihn so gut wie nur möglich zu führen. Das Leben vieler ist ja so schwer, das heisst, solche Menschen sind ja so belastet und daher noch nicht empfänglich für das Feine, Gute.
Handelt es sich nun um einen wirklich rohen, primitiven Menschen in seinen niederen Gefühlen, so kann er diese guten Kräfte unmöglich aufnehmen. Die Engelswelt kann aber in einem solchen Falle diese guten Gedankenkräfte eines Menschen in eine andere Bahn lenken. Sie kann sie beispielsweise wieder zum Absender zurücklenken, zu seiner eigenen geistigen Entfaltung. Sie kann sie aber auch andern Menschen zugutekommen lassen, mit denen der Sender geistig verbunden ist.
Diese guten Kräfte gehen also niemals verloren. Sie werden dorthin gelenkt, wo eine gewisse geistige Verwandtschaft besteht – eine besondere geistige Verbundenheit. So könnte jemand von euch seinem Nachbarn immer gute Gedanken senden. Ist dieser aber in seinem Innern so roh, nützt es nichts, und die Engelswelt sieht, dass er dieser Kräfte gar nicht würdig ist. Er muss in seinem Schmutze leben, er kann sich nicht herausarbeiten.
Nun sieht vielleicht die Engelswelt, dass der Sender guter Gedanken irgendwo einen geistig verwandten Menschen hat, der diese Kräfte benötigt, vielleicht weit über die Meere hinweg. Dann sendet sie diesem die Kräfte zu. Im Geiste können sich die beiden ja treffen, und so kann der eine auch den Wunsch äussern, seine Kräfte ihm zu senden. Damit möchte ich die Erklärung geben: Es geht nichts verloren an guten und edlen Gedanken, die der Mensch aussendet.
Dies alles ordnet doch die Gotteswelt. Es ist eine wunderbare Ordnung in allen Dingen. Es sind ja auch besondere Geister dafür da, die sich nur mit den Schwingungen und Strahlungen befassen und diese an ihren Bestimmungsort führen. (1957)
Lieber Josef, du hast uns öfters schon erklärt, dass das gemeinschaftliche Gebet noch stärker wirke als das andächtige Gebet eines Einzelnen. Wir erkennen die momentan gefährliche Weltlage [Volksaufstand in Ungarn gegen die sowjetische Besatzungsmacht]. Erachtest du es für notwendig, dass wir uns abendlich in Harmonie dafür zusammenfinden?
Josef: Diese Anregung wollte ich euch geben, dass ihr es tun sollt, soweit es euch möglich ist. Denn auch in dieser Stunde eures Zusammenseins hat sich in dieser Mitte eine glühende Wolke gebildet, die erst dann, wenn ihr hinausgetreten seid, von den Geistern Gottes hinausgezogen und an jene Stelle hingebracht wird, wo die Gebete der Menschen entgegengenommen werden und dafür Gnade gegeben wird.
Mit euren Gebeten unterstützt ihr die gute Geisterschar in ihrem Kampfe gegen das Böse, denn sie muss gegen die andern den Kampf aufnehmen. Es muss so sein. Gott muss sehen, dass soundso viele Menschen ihn lobpreisen und Anteil nehmen am Leide jener Schwergeprüften. Wenn den Mächten der Tiefe gezeigt werden kann, dass so viele Menschen den Weg zu Gott gefunden haben und das Böse verwerfen, und wenn ihnen zugerufen werden kann: “Seht hier die vielen Menschen, die klar und deutlich um die Freiheit, um den Frieden und den Glauben an Gott kämpfen”, dann werden sich jene anderen Geister geschlagen zurückziehen. (1956)
Lieber Josef, kannst du etwas darüber sagen, ob Gebete der Menschen gegen drohende Naturkatastrophen etwas vermögen?
Josef: Oh ja! Wenn viel und inständig gebetet wird, so kann es sein, dass Gott Gefallen findet an einem Menschen, der so inbrünstig für das Heil seiner Mitmenschen fleht – dass sich viel drohendes Unheil nicht erfüllen muss. Das ist die Gnade Gottes. Doch Gott will Gefallen finden an den Gebeten. So ist das Gebet eines guten Menschen, der auch Werke tut, etwas Wunderbares. Doch sein ganzes Leben und Wirken muss ein Gebet sein. Wenn die göttliche Welt Gefallen haben kann an einem Gebet, dann hat es eine grosse Wirkung. (1955)