Ihr Warenkorb ist noch leer.

GL Zürich Login Plus

Mehr Inhalte entdecken: Audioarchiv, Onlineliteratur – mittlerweile über 50 Bücher –, Stich­wort­suche sowie Fragen und Antworten.
Image
Die Bedeutung des Glaubens als Stütze im Leid – Wo der Mensch auf seinem Lebensweg Kraft und Zuversicht holen kann – Milderung und Auflösung eines Schicksals durch Lebensbejahung
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 4/2011 zum Thema Wenn Not und Leid an den Menschen kommt
Geistige Welt 4/2011
Wenn Not und Leid an den Menschen kommt
Beschreibung

In den Vorträgen und Fragebeantwortungen dieses Themenheftes wird aufgezeigt, wo der Mensch Kraft und Zuversicht holen kann, wenn seelische, körperliche oder materielle Not an ihn kommt. Gott hat jedem Menschen ein Rüstzeug gegeben, sein Schicksal zu meistern und glücklich zu werden. Jeder muss auf seinem Lebensweg diejenigen Quellen der Stärkung finden, die ihm entsprechen und an denen er Freude und Heilung finden kann. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Glauben an die heilige Geisterwelt Gottes zu, die jedem Menschen noch so gerne Hilfe bringen möchte.

Die Gotteswelt kennt das Lebensschicksal eines jeden. Entsprechend der Gesinnung und den Handlungen des Einzelnen nimmt sie auch Einfluss darauf: Sie kann ein Schicksal mildern, es sogar ganz auflösen – oder sie lässt es ihn in vollem Umfang durchleben. Geistlehrer Josef berichtet in einem Vortrag von zwei Familien, die denselben Schicksalsschlag erleiden, aber ganz unterschiedlich damit umgehen.

Themenheft 4/2011: Wenn Not und Leid an den Menschen kommt

Inhalt
Wenn seelische, körperliche oder materielle Not an den Menschen kommt

Josef, 2. April 1966

Wenn seelische, körperliche oder materielle Not an den Menschen kommt

Mit viel gutem Willen versucht man an solche leidvollen Menschen heranzutreten. Ein fester Glaube bringt einem Menschen in einer Notlage Zuversicht, Trost und Kraft.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, im Leben des Menschen gibt es Zeiten, wo Not an ihn herankommt; diese Not kann seelischer, körperlicher oder auch materieller Art sein. Glücklich jene, die von ihren Angehörigen oder Freunden umsorgt werden, denn es gibt Menschen in Not, denen niemand Beistand geben kann; sei es, weil ihre Not dieser oder jener Art so gross ist, dass man ihnen keine Hilfe bringen kann.

Mit viel gutem Willen versucht man, an diese leidvollen Menschen heranzukommen. Haben sie ein Innenleben – damit meine ich Menschen, die religiös sind –, vermögen sie doch etwas Trost aufzunehmen; sind Menschen aber innerlich leer, sind es Egoisten, dann ist es sehr schwer, ihnen überhaupt einen Trost geben zu können. Jene aber, die ein Innenleben haben, Menschen, die eine Verbindung zu der Geisteswelt besitzen und die nach den hohen Zielen des Lebens suchen, vermögen eher ihr Leid zu tragen, denn sie werden von innen heraus getröstet. Und wenn ihre Angehörigen oder Freunde noch ihrerseits das Notwendige dazutun, kann einem solchen Menschen der leidvolle Weg erleichtert werden.

Es kommt auch sehr auf die Entwicklung des Menschen an: Einer, der von unten aufsteigt, lehnt oftmals Trost und Hilfe jeglicher Art ab, während andere, die eine Verbindung zur Geisteswelt haben, die an Gott glauben, ihr beschwerliches Leben mit grösserer Zuversicht zu tragen vermögen. Sie trösten sich mit der zukünftigen Zeit, denn sie hoffen auf eine Zeit, in der alle Not wohl wegbleiben wird. So versuchen sie, ihren Weg selbst zu finden. Sie versuchen, sich im Glauben zu festigen. Der Glaube ist eine wunderbare Quelle. Es gibt religiöse Menschen, die schwere Leiden zu tragen haben, diese Leiden aber mit Erhabenheit tragen, während es Menschen gibt, die sich nicht helfen lassen. Andererseits gibt es Menschen, denen nicht geholfen werden darf – die also ein Leiden dieser oder jener Art tragen müssen – und bei denen weit und breit keine Quelle zu finden ist. Dass sie die Wege zu dieser Quelle nicht finden, liegt an ihnen selbst.

Ich sagte anfangs, dass es im Leben des Menschen Zeiten gibt, in denen er in grosse Not kommen kann und womöglich von der Umwelt nicht verstanden wird. Ich möchte aber in diesem Zusammenhang betonen, dass es doch am Menschen selbst liegt, den Weg der Erkenntnis zu finden. Er kann aber diesen Weg nicht in den irdischen Bereichen finden, sondern er muss diese Erkenntnisse aus dem Reich des Geistes holen. So soll er sich einmal überlegen, dass er nach dem irdischen Tode in diese Welt des Geistes eingehen wird. Daher soll er schon jetzt versuchen, zur Erkenntnis zu gelangen – und er wird zu diesen Erkenntnissen kommen, die im christlichen Glauben enthalten sind, wenn er versucht, ihn bis in die Tiefen zu ergründen.

Ich möchte jenen Freunden, die nicht oder noch nicht so eng mit der Welt des Geistes verbunden sind – die also noch nicht fähig sind, mit ihrer ganzen Kraft diese Welt des Geistes zu bejahen –, Folgendes sagen: Wenn sich Menschen zu einer Beerdigung zusammengefunden haben und sie bei der Bestattung am Grabe stehen, ist in den meisten Fällen auch ein Priester da. Wenn ihr den Priester hört, was er den Leidtragenden und jenen Anwesenden zu sagen hat, dann spricht er meistens vom Sieg über den Tod, der errungen worden ist – und man fragt nach dem Stachel. Der Tod, so sagt der Priester, sei besiegt worden; doch die meisten, die da teilnehmen, wissen nicht, was sie darunter zu verstehen haben: “Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?” (1. Kor. 15, 55).

Es ist mir jetzt nicht möglich, die Erklärungen dafür in allen Einzelheiten wiederzugeben. Ich möchte jedoch darauf aufmerksam machen, dass, wenn von diesem Tod gesprochen wird, nicht der irdische Tod gemeint ist, sondern der geistige Tod – dass es mit dem geistigen Tod, der [mit dem Abfall] stattgefunden hatte, eine Trennung von Gott gab und es Christus war, der der Menschheit die Erlösung gebracht hat. Er hat die Menschheit wieder zu Kindern Gottes gemacht. Christus hat also den Tod bezwungen, und er ist es, der der Menschheit den Weg für die Zukunft zeigt. Doch wie wenige treue Christen gibt es, die wahrhaftig fähig sind, seinen Geboten nachzufolgen.

Menschen, die die Welt des Geistes nicht verstehen und meine Worte nicht begreifen können, möchte ich bitten: Lest sowohl das Alte wie das Neue Testament – darin ist so viel vom Geiste und von den Geistern geschrieben. Man wird so eine Übereinstimmung finden mit dem, was ich euch zu sagen habe. Es ist also der Mensch selbst, der sich aufraffen und nach dieser Wahrheit suchen muss.

Glücklich jene Menschen, die eine innige Verbindung zur Geisteswelt haben, denn sie wissen um die Quellen, die dort zu finden sind. Solche Menschen haben ihren Halt am Erlöser. Christus ist der König der ganzen Geisterwelt; zum König kann man sich hinwenden – zu ihm soll man beten. Man kann durch das Gebet mit ihm wie auch mit Gott ins Gespräch kommen. So viel Trost findet man im Glauben, denn Christus sprach: “Seid ihr voll Mühsal, dann kommt zu mir. Ich will euch erquicken.” (Mat. 11, 28.)

Wie schwer hat es da ein Mensch, der nicht glauben kann, der weder an eine Welt des Geistes noch an den Schöpfer glaubt. Diese Menschen werden es sehr schwer haben, und sie sind es ja gerade, denen man, wenn sie in eine Notlage kommen, [mit der Kraft des Glaubens] nicht beistehen kann. Hingegen kann man religiöse, fromme Menschen im Glauben trösten: Man spricht davon, dass Christus das Kreuz getragen habe und dass man nun ebenfalls das Kreuz auf sich nehmen muss. Auf diese Art und Weise vermag man manchem Trost und Beistand zu geben. Wer im Innern einen tiefen Glauben hat, kann solche Hilfe empfangen. Und diese Hilfe, die für den Menschen nicht immer sichtbar und spürbar ist, wird ihm trotzdem zuteilwerden.

Man wird sich fragen: “Warum ist es denn nicht möglich, dass die Geisteswelt Gottes in das menschliche Geschehen eingreift? Sie hätte doch beispielsweise die Möglichkeit, diese Kriege zu beseitigen. Sie könnte doch ins Leben des Menschen eingreifen.” Aber die Geisterwelt Gottes tut es nicht – sie darf es nicht tun –, denn der Mensch hat seinen freien Willen. Gott will den Menschen beobachten; Gott will wissen, was der Mensch zu tun fähig ist, wenn er entfernt von ihm ist. So muss der Mensch den Weg des hohen Lebens suchen – er muss ihn finden, auch wenn es lange Zeit dauert.

Menschen, die ohne Glauben sind, kann in ihrer Notlage nicht so geholfen werden wie einem gläubigen Menschen, denn der gläubige Mensch hat eine Bindung an das Reich des Geistes geknüpft. In seiner Nähe halten sich göttliche Wesen auf, die bereit sind, ihm den Beistand zu geben – ja, sie helfen manchem, das Leid, den Kummer zu tragen, und lindern mancherorts Schmerzen. Wenn aber Menschen ohne Glauben sind, ohne diese Erkenntnis der geistigen Hilfe, leben sie gewissermassen wie im Wahn weiter. Sie leben in ihren Schmerzen, denn sie empfinden wegen ihres unklaren Denkens die göttliche Hilfe nicht; ihre Hingabe an das Göttliche ist nicht in dem erwünschten Mass, dass sie wahrhaftig diese Hilfe spüren könnten. Es liegt also wieder beim Menschen selbst, die geistige Hilfe aufzunehmen. Glaubt er nicht, ist er misstrauisch, so löst er von sich aus diese geistigen Kräfte auf, die ihm zugeführt werden. Durch sein negatives Denken löst er diese odischen Kräfte auf, die ihm zum Heile dienen sollten. Er ist es selbst – ihm kann nicht gut geholfen werden.

Hingegen vermag jener sein Herz und seine Seele zu öffnen, der im festen Glauben ist und eine wirkliche Bindung zur Welt des Geistes hat. Er bittet Gott: “Lass diese heilenden Kräfte in mich einströmen, lass mich gesunden durch dein Wort.” So vermag es der geistverbundene Mensch zu tun. Durch seinen Willen stärkt er diese odischen Kräfte; er macht diesen helfenden Wesen den Weg frei. So strömen die heilenden Kräfte zu ihm heran, mildern sein Leiden oder heben es auf, wenn es möglich sein darf. So darf ein geistverbundener Mensch mehr erwarten als einer, der im Unglauben lebt.

Wir wissen wohl, dass es für den Menschen nicht leicht ist, den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode mit einem Mal anzunehmen. Schuld daran, dass der Christ nicht imstande ist, dies ohne Weiteres anzunehmen, sind wohl diese christlichen Kirchen selbst. Sie sind es, die dazu nicht ihr Jawort geben wollen; sie sind nicht einverstanden damit, dass ein Geist aus einer andern Welt Botschaften bringt und die geistigen Gesetze erläutert; sie sind nicht damit einverstanden, wenn ihnen etwas gesagt wird, was ihnen nicht passt oder nicht angenehm ist. Sie versuchen das als Irrlehre abzulehnen und wollen nur denjenigen Glauben zum Ausdruck bringen, den sie selbst vorschreiben. Gott kann man aber nichts vorschreiben; Menschen können an ihn keine Bedingungen stellen. Sie können nicht sagen, was Gott gefällig sein soll oder was nicht. Es ist die Geisterwelt Gottes, die den Willen des Vaters zum Ausdruck zu bringen versucht.

Es liegt am Menschen selbst, nach der Wahrheit zu forschen. Die nahenden Feiertage machen ihn aufmerksam auf das Leiden und Sterben des Erlösers. Gerade in diesen Tagen soll er diese Leidensgeschichte lesen und dann Vergleiche ziehen zwischen der christlichen Lehre von dazumal und der christlichen Lehre von heute – das Werk, das heute besteht, ist Menschenwerk.

Wer sich nach der wahren christlichen Lehre ausrichtet, findet auch aus dem Reich des Geistes die Bestätigung für deren Richtigkeit – einem solchen Menschen wird im Laufe seines Lebens immer wieder klargemacht, dass er auf dem richtigen Wege steht.

Mancher religiöse Mensch ist von Zweifel erfasst worden, ob die christliche Lehre [von heute] richtig ist – es wird ihm aber verboten, darüber nachzudenken. Wir aber sagen zum Menschen: Du sollst nachdenken, denn Gott hat dir Verstand gegeben, den du gebrauchen sollst. Kommst du dereinst ins Reich des Geistes, dann nützt es dir nichts, wenn du dich auf deine Kirche berufst, auf die Lehre, die man dir auferlegt hat. Man wird dir anderes vor Augen führen und dich fragen: “Warum hast du nicht die Kraft aufgebracht, selbst nachzudenken und nach der Wahrheit zu forschen? Dann hättest du die Wahrheit gehört – du hättest sie erlebt.”

Wenn man im Reiche des Geistes ist, muss man diejenigen Belehrungen anhören, die man auf der Erde verpasst hat. Die Lehrzeit, die in der Geisteswelt verbracht werden muss, verhindert es dem Aufsteigenden, die Herrlichkeit auf schnellem Wege zu erleben. Zuerst muss er über das Notwendigste unterrichtet werden – er ist in ein neues Land eingekehrt, das ihm unbekannt ist. Dieses unbekannte Land und seine Gesetze muss er kennenlernen. Wer sich aber schon im Menschsein mit den geistigen Gesetzen befasst hat, dem bleibt diese Belehrung zum Teil erspart. Er wird darüber nicht überrascht sein, er braucht nicht zu staunen, sondern er wird gleich auf den Weg zu seiner Weiterentwicklung schreiten.

Christus sagte: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen” (Joh. 14, 3). Warum denken denn die Menschen nicht darüber nach? Warum verlangen sie nicht wirklich nach dieser Heimat, um dahin einzutreten, wo Christus eingetreten ist? Man soll sich um jene Welt bemühen, in die Christus eingegangen ist, und versuchen, sie zu erreichen. Christus hatte in seinen Belehrungen erklärt: “Ich gehe heim zum Vater, um euch eine Wohnung zu bereiten” (vgl. Joh. 14, 2). Man soll auch über solche Worte nachdenken. Ja, Christus hat doch wahrhaftig in der Welt des Geistes für seine Geschwister die Wohnungen vorbereitet. Doch soll ein Christ nicht glauben, dass er nun auf dem direkten Weg in die Wohnung des Erlösers kommen würde, denn Christus meinte nicht eine Wohnung, sondern: “Ich gehe hin, um für euch die Wohnungen vorzubereiten.” Damit soll gesagt sein, dass der Himmel seine verschiedenen Stufen hat, so wie ihr in einer Stadt an einer aussichtsreichen und sonnigen Lage wohnen oder aber an einem schattenreichen, einfachen Ort leben könnt. So ist es auch im Reich des Geistes.

Auf dieser Erde, bei den Menschen, spielt das Geld eine bedeutende Rolle. Wer reich ist, kann sich einen Platz an der Sonne kaufen. Im Reich des Geistes ist es sehr oft so: Wer arm durchs irdische Leben gegangen ist, ist reich in der Geisteswelt angekommen. Mancher, der im Erdenreich begütert war und seinen Platz an der Sonne hatte, hat in dieser andern Welt seinen Platz im Schatten. Der Mensch soll wahrhaftig darüber nachdenken, dass es nicht dieselben Masse sind, mit denen gemessen wird. Im Reich des Geistes sind es andere Werte, die zählen, als hier auf eurer Erde. Christus lehrte ja, was für den Menschen wichtig ist, und er sprach von der grossen Nächstenliebe: “Liebe Gott über alles und den Nächsten wie dich selbst” (Mat. 22, 37–39). Das sind bedeutende Worte. Wer ein solches Gesetz in Erfüllung bringt, wird reich sein im Geiste. Dieser Reichtum wird einst zählen.

So ist es dem Menschen möglich, sich mit der Jenseitswelt zu befassen und mit ihr aufs Engste eine Verbindung zu knüpfen. Diese jenseitige Welt versucht doch dem Menschen den Beistand zu geben. Denn dort werden die Geister, die sich im Aufstieg befinden, über die göttliche Gerechtigkeit unterrichtet. Die Gesetze Gottes kennen sie, und nach diesen Gesetzen sollen sie beim Menschen wirken. Die Aufsteigenden sollen es tun gemäss den geistigen Gesetzen und nicht nach den irdischen Gütern des Menschen trachten und deren Zustrom und Zufluss unterstützen. Die aufsteigenden Geister sollen vielmehr das unterstützen, was der Seele Heil und Segen bringt. Es in erster Linie so zu tun, ist die Pflicht eines guten Geistes; alles andere wird dem Menschen schon zufallen. So will es Gott.

Liebe Geschwister, ich versuche euch wiederum ein Beispiel zu geben von einer Seele, die heimgekehrt ist. Ein Mann, der diese Welt verlassen hatte, konnte im menschlichen Leben nicht an Gott glauben. Als er im Reich des Geistes empfangen wurde, wurde er an einen Ort geführt, wo viel Schatten war. Im menschlichen Leben hatte er einen Sonnenplatz, nicht aber im Reich des Geistes.

Bald wurde er sich dieser göttlichen Macht bewusst, die nun in dieser neuen Welt waltete. Er aber hoffte auf die Heimkehr seiner Frau, denn sie war gläubig und fromm. Sie hatte aber viel zu leiden. Denn er war es – ihr Mann –, der sie auslachte, wenn sie betete und in einer Notlage Trost bei Gott suchte. Er konnte nicht an Gott glauben, nicht beten – die Werke nicht tun. Deshalb musste er eben seinen Platz im Reiche des Schattens einnehmen.

Die hohen Geister des Himmels hatten ihn dorthin geführt. Sie hatten ihm eine harte Arbeit aufgetragen. Er aber fragte, ob es nicht möglich sei, dass ihm von den guten Werken seiner noch lebenden Frau auch etwas zugutekäme. Schliesslich habe er für den Unterhalt der ganzen Familie gesorgt – also auch für seine Frau. Er fragte, ob denn dies nicht belohnt würde und er nicht etwas vom Lohne seiner Frau in Empfang nehmen dürfte. Sie seien ja gemeinsam durchs Leben gegangen und hätten Not und Leid, schöne und böse Tage miteinander geteilt. Der Geist Gottes erwiderte: “Nein, denn du hast ohne Gottesglauben gelebt. So wirst du nun eine Zeit lang in diesem Schattenreich verbleiben müssen. Du musst nun zuerst versuchen, dich im Glauben zu finden.”

Die Heimgekehrten sind meistens bereit, diese Macht anzunehmen. Sie nehmen sie aus Angst an, doch dies will die himmlische Welt nicht, denn ihre Seele muss von Hingabe an den Gottesglauben durchdrungen sein. So braucht es seine Zeit, und es ist eine Zeit des Leidens, die ein solcher Heimgekehrter zu ertragen hat. So hoffte er auf die Heimkehr seiner einstigen Lebenskameradin. Als es so weit gekommen war, erhielt er die Nachricht, dass er zu ihrer Begrüssung da sein dürfe. Er konnte jedoch nicht in ihrer nächsten Nähe sein, sondern ihr nur von Weitem zuwinken.

Als die heimgekommene Frau ihren Schlaf beendet hatte und mit dieser neuen Welt näher vertraut gemacht wurde, erkundigte sie sich nach all ihren Angehörigen sowie nach ihrem einstigen Lebenskameraden. Der himmlische Bote führte sie zu ihm; sie sollte ihm etwas Trost bringen, und sie erzählte ihm von ihrer Heimkehr in ihre Sphäre – von ihrem Sonnenplatz, den sie nun in der neuen Welt einnehmen durfte.

Die Heimgekommene hatte ihrem einstigen Lebenskameraden auch von den Vorbereitungen zu erzählen, die getroffen würden für den grossen Besuch, der von der hohen Welt vorbereitet werde. Sie erzählte, dass eine menschliche Seele in die Geisteswelt hinübergekommen sei, mit der sie zusammenlebe, die so hohe Verdienste habe, dass sie vom König der Geisterwelt besucht würde. Diese Seele selbst könne ihn nicht besuchen, denn der König lebe in den höchsten Himmeln; doch habe sie durch ihr Leben das Wunderbare erreicht – dass der König der Geisterwelt hinabsteigen würde, um sie zu besuchen.

So wurden dafür die Vorbereitungen getroffen. Und nicht nur diese Seele allein durfte den König begrüssen, sondern all jene durften ihn sehen, die in derselben Sphäre zusammenwohnten. So wurde dieser Anlass zum grossen Fest für alle.

Diese frohe Botschaft trug dann diese Frau zu ihrem früheren Lebenskameraden; war er doch weit davon entfernt, den König zu sehen. So erzählte sie ihm von der Schönheit, von der Pracht, die mitgekommen wäre und die sie alle erleben durften. Durch diese Worte wurde nun auch dieser Mann dazu angespornt, tapferer, eifriger zu sein – gewissenhaft seine Aufgaben zu erfüllen, sodass es ihm möglich würde, seinen Schattenplatz zu verlassen. So freute sich dieser Mann ständig auf ihren Besuch; seine einstige Frau durfte ihm von den Herrlichkeiten ihres Himmels erzählen. Er war beschämt darüber, dass es ihm in seinem menschlichen Leben nicht gelungen war, diesen Glauben zu bejahen. Nun musste er in der Jenseitswelt gutmachen: Er musste harte Arbeit zu seiner Läuterung leisten, und er sollte belehrt werden.

Ihr denkt womöglich: “Warum hat dann jene Seele, die heimgekehrt ist und solche grossen Verdienste erworben hat, nicht gleich ihren Platz in der Nähe des Erlösers einnehmen können?” Dazu ist Folgendes zu sagen: Auf dem einen Gebiete vermag ein Mensch Grosses zu leisten, und für seine Leistungen wird er belohnt, doch auf anderen Gebieten seiner Entwicklung hat er noch vieles gutzumachen. Doch für die besondere Leistung, die er vollbracht hat, bedarf er des Lobes. Auf diesem Wege erlebt er den Dank und die Freuden des Himmels, die als Zeichen der Liebe, der Dankbarkeit gegeben werden. Es ist geistiger Reichtum, den man in Empfang nehmen darf, denn eine Begrüssung mit dem König der Geisterwelt ist nicht bloss eine Begrüssung von Hand zu Hand, sondern diese wundersame Tat, die jene Seele vollbracht hatte, sollte doch ihre Belohnung beim König finden. So wurde dieser Seele ein kostbarer geistiger Gegenstand überreicht.

Ihr Menschen vermögt es nicht zu fassen, wie gross die Freude einer solchen Seele ist. Sie behütet diese Kostbarkeit während des ganzen Aufstiegs und wird durch diese Begrüssung mit dem König aufs Neue und vermehrt noch angespornt, alles zu tun, um den Aufstieg zu den höchsten Himmeln zu beschleunigen – um dereinst dort einzutreten. So ist eine solche Seele auch bereit, schwere Aufgaben auf sich zu nehmen; und sie hofft, dass ihre göttlichen Geschwister ihr in der Zeit von Not und Bedrängnis beistehen. Sie hofft, dass die Geister des Himmels dazu beitragen, dass ihr Denken immer gesund und klar ist und sie fähig ist, immer das Richtige zu tun.

Wo sie auch ihre Aufgaben zu erfüllen hat – sei es in der Jenseitswelt, sei es wieder in einem neuen Erdenleben –, sie wird sich immer daran erinnern, dass sie etwas Wunderbares aus dieser königlichen Hand empfangen hat. Wenn auch der Mensch selbst von einem solchen Erlebnis nichts weiss, liegt aber dieses Wissen in der Tiefe seiner Seele; und in der Zeit, wo der Körper ruht und der Geist frei ist, betrachtet er sorgsam und voller Dankbarkeit das Kostbare, das ihm einst gegeben wurde. So vermag ein solcher Geist von innen heraus dem äusseren Menschen die Kraft zu geben für das richtige Leben: dass er sich – wenn er als Mensch zu leben und zu wirken hat – durchsetzen kann und die göttlichen Gesetze erfüllt.

Denn jedes Wesen hier auf Erden bildet ein Glied in der grossen Kette: Jeder muss bereit sein, dem andern die Hand zum Aufstieg zu geben. Der Starke muss dem Schwachen die Hand geben, er muss den Schwachen stützen – das ist unter den Menschen so, und es ist bei den Geistern des Aufstiegs ebenfalls so. Diejenigen, die stark im Geiste sind, versuchen, die Schwachen zu führen und zu stützen. Dies zu wissen, ist tröstlich für den Menschen, denn auch für ihn schlägt die Stunde, da er in die Welt des Geistes eintreten muss. Wie froh wird er dereinst darüber sein, eines seiner Angehörigen in der Geisteswelt zu wissen, das stark genug ist, um ihn, den Schwachen, zu führen – mit ihm Hand in Hand zu gehen, für ihn Fürbitte zu leisten und ihn hinaufzuführen.

Durch diese Erkenntnisse sollte es dem Menschen nicht allzu schwerfallen, im täglichen Leben das notwendige Verständnis für die Mitmenschen aufzubringen. Es ist notwendig, nach dem Sinn des Lebens zu forschen und sich ständig nach den hohen Zielen des Lebens zu erkundigen – sie zu befolgen. Man kennt diese hohen Ziele wohl; man soll versuchen, die Kraft zu finden, damit man diesen edlen Weg beschreiten kann. Denn es ist für jeden Menschen zu seinem eigenen Heil, wenn er das tun kann.

So, liebe Geschwister, gab ich euch Einblick in die Geisteswelt und deren Gesetzmässigkeit. Der Segen Gottes will bei euch einziehen; der Segen Gottes will euch durchs Leben begleiten, er will euch stützen und führen – dass ihr bewahrt bleibt vor Not und aller Bedrängnis. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 2.4.1966 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Wo der Mensch auf seinem Lebensweg Kraft und Zuversicht holen kann

Lene, 20. Januar 1965

Wo der Mensch auf seinem Lebensweg Kraft und Zuversicht holen kann

Gott hat jedem Menschen ein Rüstzeug gegeben, sein Schicksal zu meistern und glücklich zu werden. Jeder muss auf seinem Lebensweg diejenigen Quellen der Stärkung finden, die ihm entsprechen und an denen er Freude und Heilung finden kann.

Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ihr alle habt das Verlangen, Gott näherzukommen. Aber nicht nur ihr, sondern auch andere gläubige, fromme Menschen haben dieses Verlangen. Gott hat viele Wege aufgetan, um ihn wieder zu finden. Er hat allen ein Rüstzeug gegeben, er hat viele Wege geschaffen. Er hat auch Wege geschaffen für jene, die das Rüstzeug nicht annehmen. Unter diesem Rüstzeug ist mitunter auch der Glaube zu verstehen, der Glaube an Gott, an den, der die Wege geebnet hat, der Herr ist über alles Leben, über alle Schicksale. Glaube ist auch ein Rüstzeug. Aber da sind welche, die dieses Rüstzeug nicht annehmen. Auch für sie sind Wege geschaffen worden, die zu Gott führen – auch wenn sie nicht glauben. Ebenso sind Wege geschaffen worden für jene, die mitten auf dem Lebensweg das Rüstzeug fortwerfen oder die es mitten auf dem Weg oder vielleicht schon am Anfang verlieren. Es sind Wege geschaffen auch für jene, die mit dem Rüstzeug gut vorwärtskommen. Es bedeutet für sie eine Stütze; sie finden den Weg.

Ich möchte über den Weg des Menschen zu Gott meditieren. Sinnbilder, Symbole sind es, die ich euch gebe; aber ihr könnt darüber nachdenken und könnt zu Hause, in der Stille meditieren. Ihr könnt nach dem Weg fragen; er ist auch für euch bestimmt gezeichnet. Auch von eurem Wege rede ich diese Stunde. Der Weg zu Gott – es ist euer Lebensweg, von dieser Welt zu Gott.

So viele Wege sind geebnet, und sie sind voll der Quellen – Quellen der Eintracht mit Gott. Aber man kann an diesen Quellen des Lebens vorübergehen; man sieht sie nicht mehr, sie sind zu alltäglich geworden. Aber jeder hat auf seinem Lebensweg ungezählte Quellen, an denen er vorbeikommt und sich erlaben und stärken kann. Es sind Quellen, die für sein Seelenheil vorteilhaft sind. Darunter kann auch eine Station des Leidens sein, die ihm aber Heil bringen sollte. Doch neben dieser Leidensstation sollte er die vielen andern Quellen zu seiner Stärkung auch sehen. Sie sollten ihm nicht so selbstverständlich sein oder ihm überhaupt nichts bedeuten. An diesen Quellen könnt ihr in dieser Stunde des Meditierens verweilen.

Die grosse Quelle, das Rüstzeug, das Gott in seiner Güte und Liebe gegeben hat, ist der Glaube. Ohne Glauben kann ein Mensch nicht voll und ganz glücklich sein. In diesem Glauben liegt ja unendlich viel Kraft. Es gibt also auch eine Quelle des Glaubens, und es gibt eine Quelle des Gebens der grossen Liebe und Güte Gottes. An dieser Quelle muss jeder vorübergehen. Und wenige machen sich Gedanken über diese Quelle des Gebens der Liebe, Güte, Weisheit.

Wenn beispielsweise ein Mensch kranke Hände, kranke Füsse hat, so ist er bestimmt unglücklich oder sogar unzufrieden, und es sind wenige Menschen, die zum Schicksal Ja sagen. Ich sage jetzt: Wenn einer kranke Füsse und Hände hat, dann soll er an dieser Quelle des göttlichen Gebens verweilen. Wohl kann er sich nicht fortbewegen, er kann seine Hände nicht gebrauchen, wie es andere können – aber diese Quelle des Gebens göttlicher Liebe hat ihm womöglich doch das gesunde Augenlicht gegeben. Seine Augen sind es, die als Geschenk Gottes zu betrachten sind. Wenn seine Hände und seine Füsse krank sind – er hat Augen, gesunde Augen, er hat Ohren, um zu hören. Wie soll er denn nicht glücklich darüber sein, dass ihm Gott doch dieses Geschenk gemacht hat? Zufrieden soll er sein, sehen und hören zu können.

Ein anderer wiederum ist durch einen Schicksalsschlag um sein Augenlicht gekommen. Dafür aber kann er von Gott ein scharfes Denken erhalten haben. Vielleicht darf er starke Hände und Arme, gesunde Beine, Füsse haben. Ein anderer klagt, wenn er nicht alles hat, wenn er vom Schicksal gezeichnet ist, und er fängt an zu fragen: “Warum muss ich dieses haben? Warum muss diese Bitternis mich mein ganzes Leben begleiten?” Dann muss man einem solchen Menschen sagen: “Die Quelle göttlichen Gebens ist mannigfaltig. Du musst im Glauben sein, du musst deinen Glauben stärken. Und du musst vor den vielen andern Dingen, die in dieser Quelle göttlichen Gebens enthalten sind, stehen bleiben. Was dir auf der einen Seite genommen ist – genommen wurde –, kann dir auf der andern Seite um ein Vielfaches gegeben werden.” So verweile man an dieser Quelle des Gebens der grossen Güte Gottes.

Wer nicht klagen darf, wer gesunden Leibes ist, der soll dankbar sein. Aber wer gesunden Leibes ist, kann eine kranke Seele haben, und die seelischen Schmerzen können viel grösser sein als körperliche. Ein solcher Mensch leidet, und es kann möglich sein, dass diese seelischen Leiden anfangen, an seinem irdischen Körper zu nagen, zu zehren, sodass auch der Körper krank wird, und zwar so krank, dass man dem Leiden nicht beikommt, das Übel nicht findet. Dieser Mensch ist im Grunde in der Seele krank, und seine Seele strömt nun von der Unreinheit ihrer Krankheit aus, überträgt es dem Körper in alle Organe. Alles ist oder wird dann auch krank, und man findet nichts – bei Menschen, die seelisch leiden.

Aber es gibt doch auch Menschen, sie leiden weder seelisch noch körperlich. Sie sind zufrieden mit sich und mit der Umwelt. Es sind dies glückliche Menschen. Sie sind nicht allzu häufig zu finden.

Es ist notwendig, die Quellen auf dem Weg vom Diesseits zum Jenseits kennenzulernen, bei ihnen zu verweilen und nicht achtlos an ihnen vorüberzugehen. Denn für jedes Leiden und Unbehagen ist etwas für den Kranken geschaffen. Andere Quellen sind es, wie ich euch sagte, und ungezählte sind es. Und an einer solchen andern Quelle kann man stehen bleiben und den Ausgleich suchen, um der Seele das Heil wiederzugeben, um wieder Trost zu finden, wenn man glaubt, nicht verstanden zu werden. Wenn man ein Schicksal mit sich trägt, dann gibt es Quellen noch und noch, die jeden stärken können. Der eine verweilt an dieser und der andere an jener Quelle – verschiedene sind es ja.

Nun, eine herrliche Quelle, die auf dem Lebensweg zu finden ist, ist eine weitere Quelle des Gebens, die Gott geschaffen hat; es ist aber eine Quelle des Gebens vonseiten der Menschen. Gott hat sie nicht vergessen, denn Gott hat jenen, die diese Quelle stützen, symbolisch gesprochen ein Rüstzeug gegeben – ein Rüstzeug, das sie nicht im Laufe ihres Lebens fortwerfen dürfen, sondern zum Heil und Segen ihrer Umwelt tragen sollen. Und dieses heisst: Dienst am andern. Es ist der Arzt, es ist der Krankenpfleger, die -pflegerin. Sie sind wundervolle, kostbare Quellen auf dem Lebensweg des Menschen. Ist ein Mensch krank, so darf er einen andern aufsuchen und von ihm erwarten, dass er ihm hilft – er darf jenen aufsuchen, der von Gott das Rüstzeug bekommen hat. Er darf zu ihm gehen und Gott dankbar sein, dass er Menschen mit solcher Kraft ausgestattet hat. Wie dankbar muss man sein, an einer solchen Quelle stehen und aus ihr trinken zu dürfen, denn sie macht wieder gesund. Ist es so ganz selbstverständlich beim Menschen, dass er jene Menschen, von denen ich sprach, als göttliche Quellen betrachtet? Ist er nicht oftmals ungeduldig? Verlangt er nicht oftmals zu viel, weil er zu wenig Bescheidenheit kennt? Nun, dankbar muss man um solche Quellen sein.

Es gibt weitere Quellen, an denen man sich erlaben kann, wo man Kraft holt und Zuversicht, wieder Lebensfreude und Mut. Sind es nicht die Quellen der schönen Künste? Wie mancher, der sich einsam und verloren fühlt und unverstanden von der Welt, sucht bei diesen Quellen vielleicht, sagen wir, Zerstreuung – aber das Verweilen an diesen Quellen richtet ihn neu auf, gibt ihm neuen Lebensmut und Freude. Gott hat Menschen ein Rüstzeug gegeben, eine Begabung, um eine Quelle zu bilden vom Diesseits zum Jenseits, auf dass jene, die auf dieser Strasse wandern, sich erquicken, damit sie wieder frisch werden, wieder neuen Lebensmut erhalten.

Sind es wohl alle Menschen, die gerade an diesen Quellen der schönen Künste Erlabung finden? Gibt es nicht welche, denen sie nichts bedeuten, die achtlos an ihnen vorübergehen? Aber Gott hat ja so viele Quellen geschaffen, damit wohl ein jeder eine oder einige davon findet, die ihm die notwendige Kraft geben, die er fürs Leben braucht. Denn wohl selten wird ein Mensch an allen Quellen stehen bleiben oder werden ihm alle dasselbe bedeuten. So vieles ist für den Menschen geschaffen. Gott hat Rüstzeug gegeben für die, die ihm wieder näherkommen möchten. Sie müssen Dienst am Nächsten leisten, sie müssen mit ihrem Rüstzeug selbst zur Quelle werden. Doch wer an der Quelle steht, soll es nicht oberflächlich nehmen; er soll sich bewusst sein, wie vieles auf dieser Strasse des Lebens zu finden ist.

Es sind Quellen da, die dem Menschen dienlich sind, die ihn wieder gesund machen und froh. Und es sind Quellen da, von denen man sagen kann: Es ist die Quelle des Gebets und des Glaubens. Es ist ein Mensch, der im Gebet, im Glauben an Gott und seine heilige Welt sich glücklich findet. Das Gebet ist für ihn das, was ihn glücklich macht. Und wenn er wirklich – wirklich – richtig betet, dann schöpft er aus einer wunderbaren Quelle. Er steht dann vor jener kostbaren Quelle, von der Christus sagte: “Ich bin das lebendige Wasser.” Von diesem lebendigen Wasser trinken, gesunden ... Auch das ist bildlich gesprochen. Die Menschheit kann ohne Wasser nicht leben. Also muss der Mensch in diesem Wasser etwas mehr erkennen als das Übliche. Er muss in diesem Wasser einen grossen Segen sehen – das Blühende, Wachsende, Gedeihende erkennen. Er muss erkennen, dass alle diese Quellen, von denen ich spreche, lebendiges Wasser in diesem Sinne sind. Von Gott ist es gegeben. Gott hat seine höchsten Wesen euch entgegengesandt. Sie kommen euch entgegen, sie führen euch zurück. So sollt ihr an den Händen dieser hohen Wesen durch diese Strasse ziehen. Denn sie wollen euch nicht alleine lassen. Sie wollen euch fortwährend aufklären. Denn diese vielen Quellen, die geschaffen wurden, sind nur durch Gottes heiligsten Willen geworden.

Gott hat dem Menschen das Rüstzeug gegeben – einmal den Glauben, an dem er sich halten muss, der ihm den Weg erleichtert. Dann hat er so viele Menschen mit Rüstzeug ausgestattet, das für die Mitmenschen wertvoll ist. Diese sollen doch von der Kraft, von den Leistungen des andern profitieren dürfen, sich stützen; sie trinken sozusagen auch von dem Wasser des andern. Die Leistungen des andern können dem einen zur Freude und zum Heil werden.

Es sind viele Quellen, und für jeden wird die richtige gefunden werden. Es sind auch Quellen da für jene, die forschen und suchen: die Wissenschaft. Es sind Menschen mit Begabung, mit Rüstzeug, das nicht ein jeder besitzt. Sie sind nur dann glücklich und zufrieden, wenn sie an dieser Quelle des Forschens, des Suchens verweilen dürfen. Es sind Menschen, die alles um sich vergessen können, nichts mehr sehen als nur ihre Quelle. Sie sind wie jene, die nur gute Musik brauchen, um sich wieder zu erholen, zu kräftigen, die nichts anderes haben möchten als nur Musik – während einem andern die Musik nichts bedeutet, da er eine andere Quelle hat, bei der er verweilt und glücklich ist. Es sind sehr viele Quellen auf dem Lebensweg.

Wer im Verlangen steht, in Gottes Nähe zu kommen, der kann nur zu ihm kommen, wenn er tiefer in die geistigen Gesetze Einblick nehmen kann und wenn er dadurch den Weg findet und dieser ihm so beleuchtet wird, dass er zufrieden und glücklich wird – und ihm der Weg gesichert bleibt.

Ich sprach jetzt von den vielen Quellen, die da sind, damit es für jeden etwas gibt. Es gibt die Quelle des Gebets, des Glaubens. Es ist die Quelle des Trostes da, man kann auch an ihr verweilen. An dieser Quelle des Trostes kann ein liebender Mensch stehen, der Verständnis für Sorgen und Probleme hat, der selbst die Quelle des Trostes bildet, an der man sich stärken kann.

Wenn ich zu euch spreche, so möchte ich euch sagen: Ihr müsst nun euren eigenen Lebensweg betrachten, wenn ihr meditieren wollt. Ihr müsst eure eigenen Quellen auf der langen Strasse vom Diesseits zum Jenseits sehen. Ihr müsst alle diese Quellen schätzen lernen. Es sind alles göttliche Quellen. Bedenkt aber, was ich euch sagte: Es gibt Menschen, die gehen achtlos an alldem vorüber. Es sind Egoisten, die vom Wege abgehen. Statt dass sie Gott entgegengehen, laufen sie durch Seitenwege. Sie machen zu grosse Umwege. Und trotzdem hat ja Gott auch für sie Wege bereitet.

Es gibt auch Lebenswege, wo Leidensstation an Leidensstation zu finden ist, eine schmerzvoller als die andere. Aber diese Stationen sind vom Menschen selbst geschaffen. Durch Unvernunft, durch Eigensinn hat er sich diese Stationen des Leidens selbst geschaffen. Der Engel Gottes geht auch zu jenem hin, nimmt ihn an der Hand und zeigt ihm die Strasse seines Lebens. Er zieht ihn ein Stück dieser Strasse entlang, und während er dieses tut, zeichnet sich Station an Station, ein Leiden nach dem andern. Sie sollten aber auch zur Quelle des Heils werden. Der betreffende Mensch sollte zur Vernunft gebracht werden können. Vielleicht gelingt dies nicht in diesem Leben; es kann in einem weiteren Leben sein, oder es braucht dafür mehrere Menschenleben, um zu Vernunft zu kommen. Vernunft muss man anwenden, in der Vernunft muss man sich üben; gleich wie man sich im Geben oder im Lieben üben muss oder wie man sich im Verzichten üben muss, die Überwindung üben muss, so muss die Vernunft auch geübt werden. Gott hat sie dem Menschen gegeben, und sie ist auch ein Stück Rüstzeug. Der eine verwirft es, und der andere versucht, diese Vernunft zu entfalten.

So hat man auf dem Lebensweg vieles zu beobachten. Es sind die Geister Gottes, wie ich betonte, die ihre Schützlinge an der Hand führen und dafür besorgt sind, dass ihnen das Heil zukommt, das für sie notwendig ist. Sie sind aber auch beauftragt, das Schicksal – oder vielleicht die sofortige Strafe – zu vollziehen, wenn es notwendig ist. Es ist das Eingreifen der Geister Gottes. Wenn man eine Freundschaft geschlossen hat mit einem Menschen, den man liebt, gönnt man ihm alles; man könnte das Seinige ihm übertragen. Dies tut man in inniger Verbindung, in der Liebe. Die Geister Gottes haben mit ihren Schützlingen diese Freundschaft. Sie möchten ein Stück von ihrer Seligkeit, von ihrem Glück und Besitz ihren Schützlingen geben. Sie werden geben, wenn die Freundschaft geschätzt wird. Wenn man eins miteinander ist im Handeln, dann werden sie von dem geben, was ihnen möglich ist – zum Teil nicht sichtbar für des Menschen Auge. Sie werden ihn auf diesem Lebensweg begleiten; sie werden ihn an diese, an jene Quelle führen, und sie werden mit ihm dort verweilen. Sie werden Einfluss auf den Schützling nehmen, und sie werden ihm sagen: “Siehe, das ist die Quelle, die dich glücklich macht. Du findest an dieser Quelle göttlichen Gebens so eine Antwort, dass du dich wandeln musst im Denken und du zufrieden sein musst mit deinem Leben. Bedenke doch, dass es Menschen gibt, die kranke Glieder haben, die nicht sehen, die nicht hören, die nicht gehen können. Und was hast du? Hast du nicht zwei wunderschöne Augen? Kannst du nicht mit deinen Augen die herrliche Schöpfung sehen? Du kannst dich erfreuen an kleinen Dingen; deine Augen sind es, die dir die Freude, den Genuss übermitteln. Sei dankbar für das, was du hast, und geh an den andern Dingen vorüber. Sie sind nicht wichtig, sie sind Störenfriede deines Lebens. Halte dich nicht an ihnen auf, sondern versuche nur, an der Quelle des Heils zu stehen, denn sie macht dich gesund.”

So werdet ihr geführt. Je inniger und ehrlicher die Verbindung ist, desto grösser die Erwartung. Doch man täuscht sich manchmal selbst. Das sollte vermieden werden. Täuschen kann man nur den Mitmenschen; einen Geist Gottes kann der Mensch nicht täuschen. Ein Geist Gottes wird dementsprechend seine Stellung zu ihm einnehmen. Er wird ihn nicht verlassen; er wird hoffen, dass sich der Mensch wieder ändert. Vielleicht ist dieser nur kurze Zeit unvernünftig geworden, und der Engel Gottes weiss, dass er sich in der Vernunft übt und sie wieder zurückkommen wird – und man wird wieder gut Freund sein und wieder Hand in Hand gehen. Die Geister Gottes wissen: Wenn sie mit Menschen in Beziehung kommen, müssen sie mit den Schwächen des Menschen rechnen. Und sie müssen diese Schwächen von allem Anfang an einbeziehen, samt Enttäuschungen. Aber die Geister Gottes hoffen, dass die Enttäuschung vorübergeht. Sie wissen, dass die Welt, wo die Menschen leben, eine Welt der Bedrängnis, der Besorgnis ist, und sie werden sich nicht so leicht abkehren. Sie werden sich nur dann voll und ganz abwenden, wenn man sich in der Vernunft nicht mehr übt, wenn man sein Denken ganz gewandelt hat zum Schlechten. Dann gehen sie – verlassen den Menschen aber trotzdem nicht; sie beobachten ihn von Weitem. Denn Gott hat für jeden einen Weg bestimmt. Auch jene werden nicht verlassen, die mitten im Leben das Rüstzeug von sich werfen. Auch für sie hat es einen Weg.

Die Geister Gottes freuen sich an jenen, die den geraden Weg gehen, die einmal an dieser Quelle, einmal an jener Quelle stehen und bewundern; denn Gott hat diese doch gegeben. Vieles ist dem Menschen zur Freude gegeben, er soll kein einseitiges Leben leben. Er soll den Arzt aufsuchen, wenn er ihn braucht; Gott hat dem Arzt das Rüstzeug gegeben. Man soll, wenn man Musik liebt, sich an dieser Quelle aufhalten, wenn es einem Freude macht. Wenn man an die Quelle des Trostes schreiten will, wo ein lieber Mensch bereit ist, die Sorgen zu hören, so soll man zu ihm gehen. Denn auch dieser Mensch ist mit seinem Rüstzeug Werkzeug Gottes, denn er gibt ja Worte des Trostes, die ja der Engel geben möchte. Und so legt dieser die Worte des Trostes in den Mund des Menschen – dieser ist Werkzeug Gottes. Und so hat jeder sein Rüstzeug.

Die Einseitigkeit wird von der göttlichen Welt bekämpft. Gott ist so unendlich vielseitig, so vieles bietet er dem Menschen. Er ist nicht fanatisch. Viele Wege sind dem Menschen zum Aufstieg gegeben. Vieles wächst und gedeiht in der irdischen Welt zur Freude des Menschen. Viele Quellen sind auf dieser irdischen Erde zu finden, um sich zu freuen. Vieles hat Gott gegeben, und man soll davon nehmen, wie es einem gefällt – wie es einem gefällt. Und nicht vergessen darf man, den andern zu schätzen, auch wenn er nicht bei derselben Quelle steht. Gott hat auch für den andern Quellen aufgetan. So muss das Verständnis für den Mitmenschen wachsen – ihn verstehen lernen und ihn nicht verurteilen, weil er gerade etwas anderes liebt. Viele Möglichkeiten sind geschaffen.

Wenn man sich klar ist, dass man auf dem Weg zu Gott ist, dann muss man auch versuchen, das Höchste aus der Seele herzugeben. Wenn man auf dem Weg zu Gott schreitet, soll das Handeln göttlich sein. Und wie ist Gott? Wie handelt Gott? Er hat für alle einen Weg geschaffen – auch für jenen, der das Rüstzeug von Anfang an weggeworfen hat. Gott sagt nicht: “Nun ist es aus, ich will von ihm nichts wissen.” Nein, ein anderer Weg wird aufgetan, damit er auch zum Ziele kommt. Und wenn einer einst mitten auf dem Weg dieses Rüstzeug weggeworfen hat, da spricht man auch nicht: “Von dir will ich nichts mehr wissen.” Ein anderer, neuer Weg wird aufgetan, damit er dereinst auch den Weg findet. Der eine wirft sein Rüstzeug fort von Anfang an, der andere mitten auf dem Weg, wieder ein anderer verliert es. Und was heisst das? Wenn man ein Rüstzeug hat dieser oder jener Art, und man verliert es, so verliert man es durch Gleichgültigkeit, durch Oberflächlichkeit. Man ist gleichgültig im Glauben, gleichgültig den Menschen gegenüber; es ist keine Gewissenhaftigkeit. Man ist nicht boshaft – man ist gleichgültig, man verliert das Rüstzeug aus Unachtsamkeit. Aber deshalb sagt die Geisteswelt auch nicht: “Du bist selbst schuld, für dich gibts keinen Weg mehr” – nein, ein neuer Weg wird aufgetan, damit der Betreffende auch dereinst ans Ziel kommt.

So, liebe Geschwister, könnt ihr über euer eigenes Leben meditieren. Ich habe es euch vorgemacht. Ihr könnt an den Quellen stehen bleiben, damit ihr gesunden könnt. Ihr sollt an den Quellen stehen bleiben.

So, liebe Geschwister, müsst auch ihr versuchen, die Stille zu finden und auf diesem Wege in die Nähe Gottes zu kommen und so die Boten des Himmels zu spüren und zu fühlen, wie nahe sie sind. Denn sie sind in inniger Freundschaft verbunden mit euch, vergesst das nicht. Und vergesst nicht, was ihr dieser Freundschaft schuldig seid.

So möge Gottes Segen euch erfüllen. Möge euer Leben gesegnet sein. Möget ihr euch bewusst werden, welches Rüstzeug euch Gott gegeben hat. Werft es nicht fort. Verliert es nicht. Wandert Hand in Hand mit euren geistigen Freunden zu eurem Ziel, zu Gott. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.1.1965 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Milderung und Auflösung eines Schicksals durch Lebensbejahung

Josef, 19. März 1960

Milderung und Auflösung eines Schicksals durch Lebensbejahung

Die Gotteswelt kennt das Lebensschicksal eines jeden Menschen. Entsprechend der Gesinnung und den Handlungen des Einzelnen nimmt sie auch Einfluss darauf: Sie kann ein Schicksal mildern, es sogar ganz auflösen – oder sie lässt es ihn in vollem Umfang durchleben. Geistlehrer Josef berichtet in seinem Vortrag von zwei Familien, die denselben Schicksalsschlag erleiden, aber ganz unterschiedlich damit umgehen.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, durch die Menschwerdung gibt es einen rascheren Aufstieg. Die Eltern bekommen die Kinder, die zu ihnen gehören. Was damit gemeint ist, darüber seid ihr auch schon unterrichtet worden. Es gibt für Eltern einen Segen, wenn sie ihre Kinder mit Liebe und Sorgfalt erziehen. Man möchte mir vielleicht entgegnen: “Ja bekommen denn die Eltern nicht auch eine Belohnung für ihre grossen Mühen, die sie mit ihren Kindern haben?” Ich versuche diese Stunde euch Erklärungen darüber zu geben und zugleich eine Antwort.

Wenn zum Beispiel eine Schar Kinder einer Familie zugeteilt ist, und es sind nicht die grossen Mittel zur Verfügung, um ihnen eine wirklich sorgfältige Erziehung zu geben, so geschieht es im Allgemeinen, dass die älteren Kinder die jüngeren erziehen und sie betreuen. Nun, diese älteren Kinder geben aber genau das an ihre Geschwister weiter, was sie selbst von ihren Eltern empfangen haben: entweder diese Liebe und Aufmerksamkeit oder diese Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit. Man soll nicht glauben, dass die Geisteswelt die Sorgen der Eltern nicht kennen würde, die durch die Kinder gegeben werden. Sie weiss aber auch ganz genau, wie sie das Schicksal des Einzelnen zu betrachten hat und wie sie auf diese Schicksale Einfluss nehmen darf. Denn ein jeder kommt sozusagen mit einer Seelenlast in dieses Menschtum hinein. Wird dann eine Familie gegründet, und man versteht sich gegenseitig gut und gibt sich Mühe, den Kindern Aufmerksamkeit und Liebe zu geben, dann wird diese Liebe und Aufmerksamkeit sie durchs ganze Leben hindurch begleiten.

Ich möchte nun von zwei verschiedenen Familien erzählen, um so euch wiederum die Gelegenheit zu geben, in diese göttlichen Gesetze hineinzublicken und euer Wissen zu bereichern. Da ist ein Mann, er lebt in Harmonie mit seiner Familie zusammen. Eine grosse Liebe bindet ihn zu Frau und Kindern. Er arbeitet und tut das Äusserste, um seinen Lieben ein angenehmes Leben zu bereiten. Auch gegenüber den Mitmenschen ist er aufmerksam. Er ist ein guter Mensch – die ganze Familie ist in Liebe miteinander verbunden. Nun aber möchte ich nicht unterlassen, zu erklären, dass dieser Vater schon von seinen Eltern dasselbe empfangen hatte, was er nun weitergibt, was ihm zur Selbstverständlichkeit geworden ist.

Diese Seele aber ist mit einer schweren Last in dieses Erdenreich gekommen. Es wurde ihr in diesem Menschtum die Möglichkeit für ihren geistigen Aufstieg gegeben; denn sie war einsichtsvoll gewesen in der jenseitigen Welt, als sie durch die Läuterung schritt. Und so durfte es so gefügt werden, dass sie, als sie wieder Mensch geworden, in sorgfältige Pflege kam. Aber ein schwerer Schicksalsschlag sollte diesen Menschen treffen im Laufe seines Lebens. Diesem sonst so gewissenhaften Mann passierte ein Missgeschick. Durch dieses Missgeschick musste ein Mensch das Leben lassen, und man klagte ihn an wegen Tötung. Und dieses traf die ganze Familie, Frau und Kinder, sehr schwer.

Hierbei möchte ich aber erwähnen, dass es Schicksale gibt, die man gemeinsam tragen muss. Sagen wir, ein Vater begeht ein schweres Verbrechen. Da werden auch die Kinder und die Frau von der Schande erfasst. Sie selbst waren nicht beteiligt an diesem Verbrechen, doch sie sind gezeichnet von ihren Mitmenschen. Sie können dieses Erlebnis auch nicht mehr aus ihrem Gedächtnis bringen – immer wieder steigt die Erinnerung daran auf. Und wenn sie versuchen, jenen Menschen zu entfliehen und in die Weiten zu gehen, so kommt doch wieder eine Zeit, wo die Erinnerung in ihnen aufsteigt, und es schmerzt sie, dass so etwas geschehen ist. Auf diese Weise werden Frau und Kinder auch Träger eines Schicksals; sie helfen mit, das Schicksal zu tragen. Auch wenn sie versuchen, dem zu entfliehen, so ist in ihrem Innersten doch etwas, das es unvergessen macht und sie quält, dass ausgerechnet so etwas geschehen musste. Sie leiden darunter. Nun kommt es darauf an, welche Anschauung man hat: ob man bereit ist, zu bejahen, dass es Gottes Wille ist, dass man so etwas zu tragen hat, oder ob man anfängt zu hadern und zu klagen. Vermögen solche Menschen ihr Schicksal zu bejahen, so sieht das die Geisteswelt. Dann wird sie die Seelenschulden, die auf ihnen liegen, dementsprechend anders beurteilen. Bejahen die Betreffenden ein solches Leid, wird ihnen die Geisteswelt dementsprechend ein anderes Schicksal verringern oder ganz auflösen. So kommt es immer wieder auf den Menschen selbst an.

Aber ich möchte zurückkehren zu diesem Manne, der der fahrlässigen Tötung angeklagt wurde und dessen ganze Familie dadurch betroffen wurde. Welch grosser Schmerz kam über alle. Aber das Band der Liebe blieb bestehen, sie konnten ihrem Vater nicht zürnen – obwohl noch nach Jahren über diesen Fall geredet wurde. Als die Kinder erwachsen waren, stellte man ihnen Schwierigkeiten in den Weg – eben wegen dieser Fahrlässigkeit des Vaters. Sie konnten ihre berufliche Tätigkeit nicht so ausüben, wie sie es wollten. Die Menschen hatten das Geschehene nicht vergessen – und dieses ganze Unglück lastete auf der ganzen Familie, aber alle trugen es.

So hatte dann die Geisteswelt jedes Einzelne betrachtet, denn sie sind zum Mitträger dieses Schicksals geworden. Da war ein Sohn in dieser Familie, der zur Ablösung einer Schuld für eine schwere, unheilbare Krankheit gezeichnet war. Da dieser Sohn das Schicksal ertrug, seinem Vater nicht zürnte, den Menschen, denen er begegnete, nicht grollte, obwohl sie auf ihn zeigten und die ganze Familie verachteten, sollte er Gnade erfahren dürfen. Alle in dieser Familie konnten niemandem böse sein, denn ihr Herz war von Güte und Verständnis durchdrungen. Sie hatten nur Mitleid und Bedauern für die Einstellung ihrer Mitmenschen; sie blickten empor zu Gott in ihrer Not und baten ihn: “Hilf Du uns, was möglich ist, gib Du uns Kraft, das alles zu bestehen.” Und die geistige Welt, die die Seele des Einzelnen betrachtet und streng darauf bedacht ist, dass alles in Erfüllung geht, sie sah dieses schwere Leiden, das bei diesem Sohn seinen Anfang nehmen sollte. Und gerade war es dieser Mensch, der voller Herzensgüte war und viel Trost seinen Geschwistern, seiner Mutter und seinem Vater zu spenden wusste; ja, er nahm das Schicksal auf sich, und er scheute sich nicht, den Menschen zu begegnen und ihnen eine Antwort zu geben, dass sie auf Verständnis und Wohlwollen hingewiesen wurden. Und aufgrund dieser Einstellung änderte die Gotteswelt das Schicksal dieses Sohnes. Es war ihr ja möglich, dieses Leiden war noch nicht sehr fortgeschritten. Man brachte ihm Heilung und Genesung – und Menschen waren es, die das Ihrige dazu taten: Die Ärzte, die Werkzeuge Gottes waren, durften diesem Menschen diese Hilfe bringen. Diesem Menschen durfte geholfen werden; das Schicksal wurde in der Weise von ihm gelöst. Die Geisteswelt betrachtete das andere Leid, das durch seinen Vater über ihn kam, als das Schicksal; es sollte genug Leid für ihn sein. Und in der Weise, wie er es trug, aufgrund seiner Einstellung, musste er nicht die Härte des Schicksals erleben, wie es für ihn gezeichnet war.

Auch den andern beiden, seinen Geschwistern, die ebenfalls eine Seelenschuld auf sich trugen, wurde das Schicksal gemildert. Auch sie sollten nicht dessen Schwere erleben müssen, denn sie hatten das auf der Familie lastende Unglück bejaht; und die Gotteswelt anerkannte es. Auf diese Weise ist es so vielen Menschen möglich, etwas abzutragen. Aber wir verstehen – ihr werdet uns begegnen und sagen: “Diese Menschen wissen ja nichts von den geistigen Gesetzen, und wie sollen sie wissen, was seine Geltung hat und was nicht?”

Die Liebe ist ein grosses Gesetz, das sollte von den Menschen beachtet werden. Eine Familie, die in Liebe und Harmonie zusammenlebt, empfängt den Segen von der göttlichen Welt. Denn diese sieht wohl den Kampf, den viele Eltern auszufechten haben; es wird vielen nicht leicht gemacht. Es ist aber eine grosse Bewährungsprobe. Und wenn so zwei Menschen, die Kinder zu erziehen haben, sie nach Gottes heiligem Willen und seinen Gesetzen erziehen und nach ihren Kräften das Äusserste tun, da wird auch beim einen und beim andern von seiner Seelenschuld gestrichen. Es ist ja möglich, dass sich erst am Ende der Lebenszeit ein schweres Schicksal ereignen soll; es ist möglich, dass die Geisteswelt sich sagt: “In diesem Leben hat er genug der Sorgen; diese werden ihm noch die Möglichkeit bieten, seine Prüfung zu bestehen.”

So beurteilt die göttliche Welt. Sie verurteilt den einzelnen Menschen nicht, auch wenn eine Last auf ihn gekommen ist. Sie versucht sich ihm zu nähern, ihm zu helfen. Man ist sehr oft der Auffassung und der Meinung: Wenn in einer Familie etwas schiefgeht, so liege der Fehler nun an einem der beiden Partner. Vielleicht. Man wählt aber aus freien Stücken seinen Partner – wobei es auch möglich sein kann, dass die Geisterwelt ihre Hände im Spiele hat. Man ist auch sehr oft der Meinung, das Recht zu haben, den andern zu beschuldigen, wenn etwas nicht in Ordnung ist bei einem Kinde – dass man einander beschuldigt: “Du bist belastet.” Solches sollte man einander nicht vorhalten; Menschen vermögen es nicht zu beurteilen. Wenn man einander die Hände für den Bund des Lebens gibt, verspricht man doch, in guten und schlechten Tagen beisammen zu sein. Das ist etwas, was so viel vergessen wird. Man bedenke doch: Der andere hilft das Schicksal tragen, und es können – wie ich es von dieser Familie erklärte – Kinder davon betroffen sein, aber das Schwere, das einen trifft, erlebt man doch nicht umsonst. Keiner soll in dieser Einstellung sein, er wäre hier auf Erden frei von jeder Schuld.

Schon öfters durfte ich euch erklären, dass sich die Geisterwelt in euer Leben hineinspielt und nach euren Handlungen, die ihr vollzieht, euer Schicksal zeichnet. Ist ein Mensch klug und handelt er überlegt, dann vermag er sein Lebensschifflein ruhig und auf sanfte Wellen zu leiten. Wer selbst unüberlegt und stürmisch veranlagt ist und nicht denkt, der ist selbst schuld, wenn es in seinem Leben nicht geht, wie er es gerne möchte. Menschen verschulden sich in dieser Weise sehr oft und sehr schwer.

Die Geisterwelt aber kann Menschen auch prüfen. Ja, die Prüfungen sind dann nicht leichter Art; sie können Monate oder Jahre hindurch gehen. Wenn es darum geht, das wahre Ich eines Wesens zu erforschen – wenn dieses äussert, vieles leisten zu können –, dann werden solche Prüfungen kommen. Und man erkennt bald, ob das Betreffende fähig ist zu kämpfen oder ob nicht schon bald das Verlangen in ihm ist nach Befreiung, nach dem bequemen Leben; also ist man nicht fähig, den Kampf aufzunehmen. Wenn man den Kampf in dieser Welt nicht ausfechten kann unter seinen Mitmenschen oder mit solchen Dingen, die notwendig geworden sind für einen, wie kann man denn einen grossen geistigen Kampf durchfechten, der noch viel mehr Anstrengung und Überlegenheit von einem fordert?

Die Menschen vermögen dies eben oft nicht zu fassen. Darum empfehlen wir immer: In welcher Lage der Mensch sich auch befindet – hebt die Augen aufwärts, bittet Gott um Klärung, und hört nie auf zu bitten. Klopfet an, und es wird aufgetan. Aber sehr oft wird auf die Ausdauer geprüft.

Wenn nun in diesem Falle – wo, wie ich erklärte, diese Menschen das Schicksal des Vaters mittrugen – ihr eigenes Schicksal aufgelöst oder gemildert wurde, so hat sich das göttliche Gesetz an ihnen erfüllt. Kommen sie dann ins geistige Reich, dann werden ihnen diese Dinge klar. Sie wissen dann auch, warum dieser schwere Schicksalsschlag über ihren Vater kommen musste, und sie dürfen auch erleben, dass das Schwere, das sie mitgetragen haben, eine Auflösung ihres eigenen Schicksals bedeutete. Zudem sollen solche Menschen ein Vorbild für andere werden: dass man in Erniedrigung lebt und duldet; dass man auch dankbar wird Gott gegenüber und um seinen Schutz bittet, damit nicht Bedrängnis und Not über einen komme. Wer immer inständig darum fleht – er hat ja auch seine Fürbitter an jenen massgebenden Stellen. Aber alles will verdient werden, alles.

Ich möchte aber nun von jener andern Familie reden, die sozusagen das gleiche Schicksal hatte. Diese Familie aber lebte nicht in Frieden und Eintracht miteinander, sondern im Unfrieden. Und hier, als sich dieses Unglück ereignete – es musste auch wegen Fahrlässigkeit ein Mensch das Leben lassen –, wurde die Familie ebenfalls angeschuldigt, und Schande kam über sie. Aufgrund der Disharmonie in der Familie versuchten die einzelnen Angehörigen nach diesem Fall Abstand zu nehmen vom Vater. Die Frau nützte die Gelegenheit und ging vom Manne weg und liess sich scheiden. Die Kinder wollten auch nichts mehr wissen – weder vom Vater noch von der Mutter; sie hatten keine Erinnerung an Liebe, an Wohlwollen und Verständnis, sondern nur an Härte und Lieblosigkeit. Es gab kein Band der Verbundenheit, und so trennte man sich; jedes ging dann seinen Weg. Auch hier geschah dies, als die Kinder schon erwachsen waren und sie selbst einen Hausstand gründen konnten. Doch sie zogen weit weg, um nicht von diesem Unglück so sehr betroffen zu sein.

Da kam auch die Geisteswelt und betrachtete jeden Einzelnen – jeder war geflohen, die Frau hatte den Mann verlassen. Die Geisteswelt sah die Seelenschulden jedes Einzelnen, und sie liess nun einen jeden die volle Härte des Schicksals erleben. Denn sie waren nicht in einer göttlichen Verbundenheit, sie waren in Unzufriedenheit und Hass mit den Mitmenschen. Es war nichts Wohlwollendes in ihnen, nur die Herzenshärte stand in ihren Herzen. Und so sollte das seine Folgen haben. Sie selbst hatten nichts zur Milderung ihres Schicksals getan noch einen Schritt für ihren Aufstieg geleistet; sondern sie wollten leben, sie wollten geniessen und alles Recht für sich beanspruchen. Und so konnte diesen Menschen keine Gnade gegeben werden.

Es waren ebenfalls drei Geschwister da, und ein jedes erlebte nun sein Schicksal in vollem Umfang. So gab es bei ihnen nur ein ständiges Hadern gegen die ganze Welt und gegen Gott. Dieses Schicksal, ja diese Belastung, zog nun einen weiteren Kreis um sich: Wie viele Menschen, mit denen sie zu tun hatten, machten sie unzufrieden und unglücklich! Und als sie selbst einen Hausstand gegründet und nichts wussten von Verständnis, von Anhänglichkeit, ging auch bald wieder der Streit los. Der Mann gab sich der Trunksucht hin, und so war sozusagen in allen Familien eine Unzufriedenheit. Diese Geschwister bekamen auch die Kinder, die zu ihnen gehörten; und sie, die nie etwas von Verständnis erfahren hatten, konnten ihren Kindern auch kein Verständnis geben und keine Sorgfalt angedeihen lassen. Sie hatten eine Last auf sich, und so ging die Last, die Unzufriedenheit auch auf ihre Kinder über. Es kann jedoch die Möglichkeit bestehen, dass solche jungen Menschen, wenn sie unter andere ihresgleichen kommen, wo in anderer Art und Weise geredet wird, das Unglück, das sie zu Hause haben, erkennen und nur wünschen, es besser zu machen. Solche gibt es auch; aber es gibt welche, sie lernen nichts daraus, sie gehen im selben Hass und in selber Unzufriedenheit einher. So kann sich kein Segen entfalten.

Bedenkt doch: Wie viele Möglichkeiten hat der Mensch, etwas für seinen Fortschritt zu leisten. Aber er muss diese rauen Gefühle seines Innersten überwinden, und die Überwindung, die muss ihm Mühe bereiten. Er hat sich aber immer wieder zu üben darin, bis er so weit ist. Was glaubt ihr, wie erfreut die geistige Welt ist und wie manchem sie dadurch das Schicksal mindern kann. Denn ihr wisst ja: Ihr seid schon so oft in diesem Erdenreich gewesen, und es sind noch weitere Kinder und Verwandte, an die ihr womöglich noch gebunden seid. Und es sind die Möglichkeiten da, wo man sich mit ihnen in Verbindung setzt und einander bittet: “Du, trage etwas bei zur Milderung meines Schicksals; in deinen Händen liegt es. Gott und die geistige Welt schauen auf dich. Wenn du die Prüfung bestehst, dann wird auch mir von der Schuld so viel erlassen.” Weiss das ein Mensch und nimmt sich das wirklich zu Herzen, dass er so viel beitragen kann für den Fortschritt – nicht nur für sich allein, sondern für andere –, so würde er sich bestimmt anstrengen und diese gewünschten Leistungen vollbringen. Ihr sollt jetzt nicht denken: “Ja wie ist das möglich, wie soll ich durch meine Tat einem andern das Schicksal erleichtern?” Ja, man kann auch so aneinander gebunden sein, und in einem zukünftigen Leben kann einen gemeinsam ein Schicksal treffen, für das man eben gezeichnet ist.

Aber ihr sollt wissen, wie unendlich gross Gott in seiner Güte, in seinem Entgegenkommen ist. Die Engel, die über die Menschen wachen und alles beurteilen, lassen so viele Möglichkeiten offen. Und wenn einer, der sich eine Verfehlung zuschulden kommen liess und einen andern mitgezogen hat, etwas zu leisten vermag, kann er dem andern auch sein Schicksal mildern. Man soll nicht glauben, man hätte nur immer für sich selbst zu schauen. Indem man aber in seiner Seele Ordnung hält, verbreitet man die Ordnung auch in der Umwelt. Denn ihr seid ja alle aneinander gebunden. Ihr werdet so miteinander verwandt. Zu dieser Erkenntnis muss der Mensch kommen – dass ihr wahrlich Brüder und Schwestern seid. Denn heute, in eurem Leben, ist euch die [leibliche] Verwandtschaft die Hauptsache. Ihr glaubt da eure grössten Verpflichtungen zu haben; hier wollt ihr Rücksicht nehmen und Vorteile ausspielen lassen, weil es in die Verwandtschaft gehört. Aber ihr seid ja alle miteinander verwandt, ihr habt ja alle zusammen denselben Vater, ihr steht ja alle zusammen unter seiner Sonne. Und wenn man zu dieser Erkenntnis kommt, dann ist man auch bereit, nicht nur in der leiblichen Verwandtschaft das Entgegenkommen zu geben, sondern auch im weiteren Umkreis – weil der andere auch mit dir verwandt ist. So sollten die Menschen zu dieser Erkenntnis kommen, und sie würden mit mehr Mut und mehr Ausdauer das Gute vollbringen und verschiedene Leidenschaften überwinden.

Wenn nun solche belasteten Menschen wie jene, von denen ich zuletzt sprach, von dieser irdischen Welt abberufen werden, so wisst ihr ja genau, welch langen Weg der Läuterung sie zu durchschreiten haben, wie lange es dauert, bis die Gefühle der Rauheit in ihnen gelöst sind, bis Gefühle von Wohlwollen und Verständnis geweckt sind – unendlich lange dauert es. Doch ist es so wichtig, diese Tugenden in seinem menschlichen Leben zu üben. Was man in dieser Beziehung besitzt und hat, wird man nicht mehr verlieren, und es braucht in der Geisteswelt nicht mehr erst hervorgerufen zu werden. Es sollten beim Menschen recht viele solche Tugenden zum Vorschein kommen, damit alles im Jenseits schon geklärt ist. Hierüber freut sich die geistige Welt – und nicht nur jene, die euch im Leben begleiten, die an euch Interesse nehmen; sondern das Interesse an euch geht ja weit hinauf: Ihr könnt ja weit oben eure engsten Verwandten haben, mit denen ihr auch in einem früheren Leben zusammen wart, die vielleicht durch grosse Bedrängnis hindurchgegangen sind und nun diese geistigen Höhen erreicht haben. Und sie, die in diesen Höhen sind, haben nur einen Wunsch: dass ihr ihnen entgegenkommt, dass sie sich mit euch vereinigen und im selben Glück und in selber Freude zusammenleben können.

Ja, zu dieser Erkenntnis muss der Mensch kommen – dass der andere wirklich der Nächste ist, dass man ihm nahe ist und ihm das gibt und so mit ihm redet, wie wenn man den liebsten Menschen vor sich hätte. Kann man das, dann schreitet man auf dieser Stufenleiter nach oben vorwärts. Das ist unser Wunsch; und es soll euer Ziel sein, dieses zu befolgen. So sollt ihr über diese Worte wieder nachdenken, und es wird euch Klärung bringen in vielem.

So, liebe Freunde, gehet alle hin im Frieden. Der Segen Gottes begleitet euch, der Segen des Heils durchdringt euch, und gesundet so an Leib und Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 19.3.1960 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Erkenntnis durch Demut und Reue

Fragebeantwortungen aus dem Jahre 1950

Erkenntnis durch Demut und Reue

Lieber Geistlehrer Josef, ich möchte dich fragen, wie ich mein Leben besser gestalten kann – so wie jetzt geht es nicht mehr weiter. Warum muss ich auf diese Weise durchs Leben?

Josef: Lieber Freund, der eine Mensch muss einen steinigen Weg gehen, während es dem andern Menschen leichter geht. Der eine kann diese Steine selbst wegschaffen, beim andern kommen Engel Gottes zu Hilfe und schaffen diese Steine weg.

Es sind also verschiedene Wege möglich, und verschieden kann einem Menschen Hilfe gegeben werden, wenn solche Steine vor ihm stehen. Lieber Freund, du musst einmal in dich selbst gehen und dich fragen: “War dies ein Verschulden aus meinem jetzigen oder aus meinem letzten Leben? Dient es zu meiner geistigen Höherentwicklung?”

Du selbst sollst in die stille Stunde gehen und um Erkenntnis fragen, denn der Mensch will an sich selbst nur das Gute sehen. Er will nicht glauben, dass er vielleicht in seinem letzten Leben einem Mitmenschen Steine in den Weg gelegt hat. Darum ist es Gott gefällig, wenn ein solcher Mensch reuig ist und alle Schuld auf sich nimmt.

Ob du nun die Erkenntnis dafür hast, ob es dein Verschulden sein möge – ich empfehle dir, liebe Seele: Bitte Gott, dass er dir alles Unrecht verzeihen möge, sei es aus diesem, aus deinem letzten oder aus deinem vorletzten Leben. Gehe als reuiger Diener zu Gott, bitte ihn, dass er dir die Wege zeige und öffne – dass er Engel zu dir sende und Kräfte über dich kommen mögen, die dir helfen aufzubauen –, dass du dein täglich Brot bekommst. Gehe diesen Weg, liebe Seele, wahrhaftig, und dir wird geholfen werden.

Lieber Josef, möchtest du uns sagen, ob uns nicht auch die Schwächen der Krankheit gegeben werden, um besseren Kontakt mit der geistigen Welt zu erlangen? Also Krankheiten, die nicht als Karma anzusehen sind?

Josef: Solches kann auch der Fall sein – dass einem Menschen solche körperlichen Schwächen gegeben werden, um ihn vor einem grossen Unglück zu bewahren, das heisst, dass er eben dadurch dem Lichte zugeführt wird, anstatt dass er in die Tiefe geht. So wird dem Menschen oftmals ein Leiden gegeben, damit es ihm – wie du sagtest – zum Fortschritt dient, wenn er diese oder jene Krankheit hat. Solche Fälle gibt es, doch gilt das nicht für alle kranken Menschen. Ihr könnt beobachten, dass ein kranker Mensch sein Leiden überwinden kann dank der Hilfe eines anderen Menschen [Arztes] oder weil er sich selbst helfen konnte. Dann sind es eben Krankheiten, die der Mensch nicht unbedingt haben muss, die nicht so fest in ihm sitzen, dass sie für sein irdisches Leben ein Hindernis sind.

Ich möchte beifügen, dass es leider so ist, dass gesunde und starke Menschen nicht dermassen das Bedürfnis fürs Geistige haben, wogegen viele, die eine Krankheit oder eine Schwäche haben, schneller den Weg zum Hause Gottes finden. Es ist jedoch nicht immer so, dass man sagen könnte, gesunde, starke Menschen würden sich nicht um das Haus Gottes kümmern. So könnt ihr sehen, wie verschieden dies ist.

Ich will damit betonen, dass nicht nur ein Gesetz zur Anwendung kommt, sondern dass dem einen das zugespielt wird, was er als Karma tragen muss, und dem andern ein Leiden gegeben wird, damit ihm der Weg ins Haus Gottes geöffnet wird. Und dieses ist aber gültig für so vieles.

Heft 4/2011
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm