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Für Eltern und Angehörige ist es ein unermesslicher Schmerz, ein Kind zu verlieren. In ihrer Trauer und Sorge stellen sie sich die bange Frage: “Was geschieht denn mit der kleinen Kinderseele? Wie wird sie die Jenseitswelt erleben, wie wird sie aufgenommen und betreut werden?” Dieses Themenheft gibt Antwort auf diese Fragen. Im ersten Vortrag spricht das aufsteigende Geistwesen Karin von ihren Aufgaben und Erlebnissen in einem Kinderparadies, in dem verstorbene Kleinkinder unterschiedlichen Alters Aufnahme finden und unter einer liebevollen, sorgfältigen Betreuung heranwachsen.
Im zweiten Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einem Mädchen, das nach langer Krankheit mit 10 Jahren in die Geisteswelt heimkehrt und hier mit fünf anderen Kindern in einer Pflegefamilie aufwächst. Dieses Beispiel zeigt auf: Ein früher Tod kann Bestimmung sein und einen hohen Sinn haben. Denn solche jung Verstorbene können durch den sorgfältigen Unterricht von Geistern Gottes in ihrem Aufstieg gefördert und für bedeutsame Aufgaben in einem nächsten Erdenleben vorbereitet werden.
Der dritte Vortrag des Heftes thematisiert die besondere Pflege von Kleinkindern, die unter ungewöhnlichen Umständen ums Leben kamen, die Opfer von Krieg und Hunger wurden.
Erlebnisbericht von Karin, 5. September 1962
Was geschieht mit den kleinen Kindern, die schon nach wenigen Stunden oder Tagen in die Jenseitswelt heimkehren? Das aufsteigende Geistwesen Karin berichtet von ihren Aufgaben in einem Kinderparadies, in dem verstorbene Kleinkinder unterschiedlichen Alters Aufnahme finden. Ihr Bericht zeigt, wie die kleinen Heimgekehrten ihren Bedürfnissen entsprechend betreut werden und heranwachsen.
Karin: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, mein Name ist Karin. Ich hatte während meiner Lebenszeit kranke Menschen gepflegt, und es war mir stets eine grosse Freude, Kinder pflegen zu dürfen. Ich liebte sie über alles. Ich machte mir so viele Gedanken, wenn kleine Kindlein starben. Ich lebte ein frommes, gerechtes Leben, und so dachte ich, dass diese kleinen Menschlein wohl als Engelein weiterleben würden. Ich hatte keine richtige Vorstellung von der andern Welt, doch glaubte ich, in irgendeiner Form würde man weiterleben. Ich hatte das aber nicht so erwartet, wie ich es dann bei meiner Heimkehr erlebte; ich hatte mir eine ganz andere Welt vorgestellt.
Als ich nun in der geistigen Welt meine Augen öffnete, begrüssten mich als Erste meine Eltern. Nach ihnen haben sich dann meine Schutzgeister vorgestellt, und sie haben so nebenbei ihre Bemerkungen gemacht zu meinem Leben, als wollten sie mir sagen: “Siehe, wir geben dir Beweis für unsere Tätigkeiten, wir rufen dir das Vergangene in deine Erinnerung.” Sie erklärten mir, auf welche Art und Weise sie mir und den Kranken, die ich betreut hatte, manchmal beigestanden waren, und erzählten auch sonst noch dieses oder jenes. Mit nur diesen wenigen Worten wurde mir klar, dass die Geister Gottes während meines Lebens neben mir waren – denn wie hätten sie sonst von allem Geschehen gewusst?
Als ich da in diese neue Welt hineingekommen war, waren alle erfreut. Meine Eltern sagten: “Du hast ja während deines menschlichen Lebens die Kinder so geliebt. Mit grosser Fürsorge hast du sie betreut, gehegt und gepflegt, und du hast dir deine Gedanken darüber gemacht, wie sie wohl in der andern Welt ankommen würden, auf welche Art und Weise bei ihnen das Leben weitergehe. Wir haben darum gebeten, dass es dir erlaubt werde, deine Arbeit bei den Kindern zu erfüllen. Und wir ahnten, dass unsere Bitte nicht abgeschlagen wird, denn wir sahen, dass die Engel, die dich begleitet haben, mit dir zufrieden sind. Und so ist es auch: Man hat unsere Bitte nicht abgeschlagen, und so wirst du zu jenen Kindern gehen, wirst sie weiterpflegen, wirst bei ihnen leben dürfen – für eine gewisse Zeit.”
Dann aber sagten sie zu mir: “Jetzt wollen wir aber zuerst Wiedersehen feiern – wir freuen uns, dass du jetzt hier angelangt bist.” [...]
Nach dieser kleinen Feier schritten dann die Engel Gottes, diese Schutzgeister, mit mir zu diesem Dorfe hin, in dem ich meine Aufgaben finden sollte. Und nun stellte ich fest: Es hatte kleinere Gebäude, mittlere und ganz grosse Gebäude. Ich sah wunderschöne, herrliche Gärten; es waren auch prachtvolle Wälder ganz in der Nähe dieses Dorfes – ja, die Häuser grenzten an den Wald, oder der Wald war dem Dorf so nahe.
Nun machte man mit mir den Weg in ein Haus und sagte: “Zuerst treten wir jetzt mit dir in das Haus, wo die ganz kleinen Kinder aufgezogen werden. Das sind die Kindlein, die nach einem kurzen Erdenleben hierherkommen. Kleine, kleine Kindlein sind es, solche, die vielleicht nur zwei, drei Tage oder zwei, drei Monate gelebt haben; die sind hier in diesem Haus.”
Ich war voller Fragen; es war so viel auf mich eingestürzt, dass ich eigentlich gar nicht wusste, welche Fragen ich zuerst stellen sollte. Aber man sagte mir: “Sei nur geduldig, du wirst auf alle deine Fragen Antwort bekommen.” So führte man mich nun in dieses Haus hinein; es hatte viele Stockwerke. Man sagte mir aber, dass diese Kindlein alle zusammen in die gleiche Entwicklungsstufe gehörten, dass es keine Bedeutung habe, ob ein Kindlein im fünften oder im ersten Stock sei. Aber, so sagten sie mir, sie hätten jedes dieser verschiedenen Stockwerke mit anderen Farben ausgerüstet. So sah ich auch, wie auf der einen Etage diese Kindlein in farbenfrohe Bettchen gelegt waren.
Überhaupt war eine herrliche Farbenpracht, ein herrliches Licht. Es war nicht ein grelles Licht wie das zu meinen Lebzeiten auf Erden, an das ich mich erinnern konnte, das man dort hatte erzeugen können; sondern es war etwas gedämpft, und es war ein herrliches, beruhigendes Gefühl, in diesem Lichte seine Arbeit zu erfüllen. Es war nicht so, wie man es auf Erden kennt, dass man künstliches Licht haben muss; denn ich erlebte in dieser Welt nicht die Nacht mit ihrer Dunkelheit, sondern es war ein Einstrahlen in dieses Haus in wunderbaren Farben. Und doch hatte man das Gefühl, dieses wäre ein weiteres, ein zusätzliches Licht, das man in seinen verschiedenen Farben erleben konnte. Doch alle diese Farben waren etwas gedämpft, aufeinander abgestuft und machten einen beruhigenden Eindruck auf mich.
Als ich die andern Stockwerke betrachtete, stellte ich fest, dass diese Kindlein auch einmal in den zarten Farben eingebettet waren, und es interessierte mich doch, welcher Art diese Stoffe waren – ich hatte ja überhaupt keine Vorstellung, welcher Art die geistige Materie war. Die Engel erkannten mein Interesse und erklärten: “Siehst du, auch wir haben Decken, auch wir haben Seide, wir haben die kostbarsten Stoffe; aber sie sind in ihrer geistigen Reinheit, in ihrer Feinheit vorhanden, während es bei den Menschen in ihrer Materie verdichtet ist und viel an Feinheit und Schönheit verliert. Die Schönheit ist unser Recht und unser Gut.”
So betrachtete ich diese Stoffe. Auch mich selbst hatte ich ja schon betastet und erkannt, dass ich nicht mehr diese Hände hatte wie zu Lebzeiten auf Erden, und doch waren es dieselben Hände – ich hatte genauso eine Hand, wie ich sie im menschlichen Leibe hatte, aber sie war nicht so knochig, sie war nicht so fleischig, sondern sie war fein und zartgliedrig. Und so waren diese Stoffe hier: Sie waren so zart, so fein. Und meine Gedanken waren nur: “Könnten doch die Menschen sehen, welche Kostbarkeit sich hier in der Geisteswelt befindet! Ach wüssten doch die Menschen etwas davon, würden sie doch etwas mehr glauben! Würden sie glauben, dass das Leben nach dem irdischen Tode weitergeht, würden sie das glauben, dann würden sie ihr Leben ganz anders einstellen. Sie würden mehr nach den geistigen Gewinnen trachten als nach dem irdischen Reichtum.” Das waren jeweils meine Blitzgedanken, die sich in dieses Sehen einspielten, in dieses neue Erleben, das ich nun hatte.
So fand ich das Haus mit diesen Kleinen wunderbar, und es interessierte mich, ob ich wohl meine Tätigkeit in diesem Hause ausüben dürfte. Denn ich fand die Kleinen so süss und so liebreizend, und ich hätte am liebsten jedes einzelne in meinen Arm genommen und es umschlungen und geherzt – es hätte mich so gefreut. Aber doch getraute ich mich nicht; ich war ja da, um Einblick zu nehmen und aufgeklärt zu werden und zu warten, welche Aufgabe man mir stellte. Ich sah aber nicht etwa nur die Kindlein so ruhig in ihren Betten liegen, ich sah auch diese vielen Helfer. Sozusagen bei jedem zweiten Bettchen stand ein Engelwesen, denn diese Kindlein mussten betreut werden – so sagte man es mir: “Sie werden betreut, und sie werden heranwachsen.”
Dann stellte ich auch fest, dass man ihnen eine Nahrung brachte. Ein kleines Gefäss, welches gefüllt war, legte man ihnen an den Mund. Dieses Gefäss war so eingerichtet, dass die kleinen Wesen daraus trinken konnten. Dieses Gefäss war so fein – ich konnte die Masse, die sich darin befand, sehen. Es war mir, als wäre das Gefäss aus Glas, wie man es in der irdischen Welt hat. Aber hier, in diesem Reiche, war es nicht das verdichtete Glas; es war aber ein ähnlicher Stoff.
Ich interessierte mich für das Geschehen und fragte: “Was bekommen denn diese Kindlein zu trinken und zu essen? Und ist das überhaupt notwendig, können sie denn nicht”, so wie ich es mir vorstellte, “nur mit dem Atmen die Nahrung aufnehmen?” Man antwortete mir: “Nur einen Teil der Nahrung nehmen sie auf diese Weise ein, aber es genügt nicht für ihr Wachstum; sie müssen noch auf eine andere Art und Weise gestärkt werden, und sie müssen so heranwachsen. Sie bekommen also auch eine Nahrung, so wie du es siehst.” Und ich sagte: “Darf ich denn wissen, was es für eine Nahrung ist?” Und die Engel zeigten es mir und gaben mir davon zu trinken. Und ich stellte nun fest, dass es überaus süss war und konnte mir vorstellen, dass es diesen Kleinen wohl schmeckte. Dann wollte ich doch weiter wissen: “Ist es Milch oder etwas Ähnliches wie die Milch von Tieren, die man Kindern auf der Erde gibt?” – “Nein”, sagten sie, “es ist keine Milch von den Tieren; wir brauchen keine Milch von Tieren hier, sondern wir haben eine wunderbare, herrliche Frucht. Wir werden dir den Wald oder den Garten zeigen, wo diese herrliche Frucht gedeiht.”
Dann brachte man mir auf Anweisung eines meiner Begleiter eine solche Frucht; sie hatte die Grösse eines normalen Apfels. Man sah die Flüssigkeit in dieser Frucht: Sie war milchiger Art, ein milchiger Stoff. Der Engel zeigte mir, dass man die Frucht nur ein wenig an einem bestimmten Ort zu ritzen hatte, damit diese Milch herausfloss. Man hielt einen Becher hin, und so floss aus dieser Frucht diese Kostbarkeit in den Becher hinein. “Das ist aus dem Garten Gottes”, sprach der Engel, “alle Nahrung, die wir zu uns nehmen, kommt aus den himmlischen Gärten.”
Da war ich einerseits erstaunt, aber anderseits hatte ich mich ja auf Überraschungen eingestellt, denn ich war ja jetzt im Himmel, und es war mir klar, dass der Himmel voller Überraschung und voller Dinge ist, die ich nicht verstehen konnte. Und ich wollte im Einzelnen eigentlich auch gar nicht danach fragen; ich wollte warten, bis ich so weit war, um diese einzelnen Dinge verstehen zu können – zum Beispiel, warum man dem Kleinkind in der himmlischen Welt auch seine Nahrung geben muss. Und so dachte ich mir: “Gott weiss es wohl, warum es so getan wird.”
So verliess ich dann mit meinen Begleitern dieses Haus und trat in das danebenstehende nächste ein. Dort waren Kindlein, die zusammen spielten. Ich schätzte sie nach irdischen Begriffen zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr. Sie hatten auch ihre Bettchen, aber diese waren nicht mehr, ich möchte sagen, so mollig und niedlich wie diejenigen der ganz Kleinen. Es war vielmehr eine Art Pritsche. Auch da lag eine farbenfrohe Decke darüber, und es war also auch sehr angenehm für diese Kleinen, wie ich annahm. So konnten sie sich in dem Raume unterhalten. Man erklärte mir aber, dass sich ihr Aufenthalt zum grössten Teile ausserhalb des Hauses abspiele, man könne mit diesen Kindlein nicht im Hause verweilen. Man sagte mir: “Diese Kindlein brauchen Unterhaltung, und sie müssen auch eine liebevolle Pflege, eine liebevolle Erziehung bekommen. Diese Kindlein waren vorher in jenem andern Haus und durften dann hierherkommen. Sie stehen alle unter der Betreuung der himmlischen Boten.” Man führte mich aus diesem Hause hinaus und sagte: “Das Leben dieser Kleinen spielt sich zum grössten Teil im Freien ab, nicht im Hause. Von Zeit zu Zeit werden sie wohl zurückgeführt in ihr Haus, um zu ruhen; denn sie bedürfen der Ruhe, und sie haben nach einem gewissen Rhythmus ihren Schlaf zu halten.”
So führte man mich da hinaus in einen herrlichen, schönen Garten. Und wiederum war mein erster Gedanke: “Das, was ich hier sehe, kann man sozusagen auch auf Erden dann und wann erblicken. Man sieht es bei jenen Müttern, die Zeit für ihre Kinder haben, die sich ihren Kindern widmen können, welche sie voller Liebe betreuen.” Ich sah in diesem Garten kleine Teiche, worin diese Kleinen spielten. Dann gab es Brücken, es gab Tunnels – ich möchte sagen, es war ähnlich, wie wenn die Kinder auf Erden im Sande spielen und hier ihre kleinen Bächlein machen, ihre Brücken und ihre Häuser bauen und dergleichen. Wie ich es hier in der geistigen Welt sah, hatte man aber nicht einen Spielplatz, der mit Sand gefüllt war, sondern so eine kleine Brücke war in Wirklichkeit aus diesen geistigen Stoffen da, und darüber konnten diese kleinen Wesen klettern. Die einen gingen unter diesen Tunnels durch, die andern spielten an dem Bächlein, die andern an den Teichen und so weiter – sie hatten ihre Beschäftigung.
Aber man machte mich aufmerksam und sagte: “Siehst du, die Kindlein, da und dort sind sie uneinig miteinander, denn auch im geistigen Reiche ist es so, dass schon beim Kleinkind etwas aus seinem inneren Wesen herauskommt. Die einen sind bereit, immer zurückzustehen und die andern nach vorne zu lassen. Die einen versuchen schon zu herrschen und zu regieren, während die andern folgsam sind und immer genau das machen, was die andern sagen.”
Aber diese Kindlein sind betreut von den Engeln Gottes, und sie werden dazu angehalten, miteinander Frieden zu haben. Sie müssen also schon lernen, die Dinge, die sie zu ihrer Unterhaltung haben, sagen wir Spielsachen, miteinander zu teilen. Oder sie müssen lernen, dass, wenn eines spielt, es an diesem Platz bleiben darf, ohne vom andern verdrängt zu werden; denn es kommt vor, dass das eine fortgedrängt wird, weil es dem andern passt, an jenem Ort zu sein. Die Kleinen müssen aber auch lernen zu verzichten; sie müssen lernen, ganz liebevoll dem andern gegenüber zu sein, und wenn eines schon eine gewisse Zeit seinen Platz eingenommen hat, muss es mit liebenswürdigen Worten dem andern den Platz hergeben und sich eine andere Unterhaltung suchen.
So wird diesen Kleinen die Liebe beigebracht, und man kann noch nicht von Verständnis reden, aber sie müssen lernen, miteinander auszukommen. Das ist nicht immer so möglich, denn diese kleinen Wesen geben eben das zum Ausdruck, was in ihrem Innersten ist. Aber das Wunderbare ist, so erklärte man mir, dass das Unangenehme in ihrem Innern verdrängt werden kann, und zwar eben schon in diesen kleinen Kindern. So ist das Spielen, wie man es mir zeigte, mit der Erziehung verbunden. Diese Engel, die sich zahlreich unter diesen Kindern befinden, sind bemüht, den Kindern Gehorsam beizubringen. Man erklärte mir, dass es das Wichtigste sei, dem Kleinkind schon den Gehorsam und die Achtung vor dem andern beizubringen – so werde das Kind erzogen. Wie ich sagte, wurden in diesem Haus, in das ich eintrat, und in diesem Garten Kindlein aufgenommen bis zum fünften Lebensjahr, nach irdischer Berechnung.
Es war dies ein Dorf des Kindes, denn im nächstfolgenden Hause waren wiederum Kinder, aber schon ältere, vom sechsten Lebensjahr an aufwärts – es war wiederum eine gewisse Gruppe für sich. Auch hier konnten diese Kinder jeweils eine gewisse Zeit spielen. Ich sah, auch sie hatten einen Garten. Man erklärte mir, dass ein grosser Teil ihres Aufenthaltes oder ihres Wirkens sich in den Gärten abspiele. Hier würden sie auch unterrichtet, aber in einem Rhythmus begäben sie sich wieder zurück in ihr Haus, und jedes nehme seinen Platz ein zum Schlafen, denn auch sie bedürften der Ruhe.
Auf meine Frage hin, ob es denn notwendig sei, dass man tatsächlich im Himmelreich auch schlafen müsse, klärte man mich auf und sagte mir: “In der Zeit, in der die Kinder ruhen, werden sie wachsen; denn sie werden ja nicht immer dieselbe Körpergrösse haben, sondern sie werden wachsen an ihrem geistigen Leibe, und sie werden wachsen in ihrer Seele mit ihrem Denken und Wollen. Darum bedarf es dieser Ruhe.” Ich machte auch die Beobachtung, dass die Kindlein nach dieser Ruhe viel aufnahmefähiger waren; sie waren in ihrem Wesen viel ruhiger oder, wie ihr sagt, ausgeruht; sie waren gehorsamer geworden und konnten nun die Anweisungen, die ihnen gegeben wurden, besser ausführen. Denn durch das Spiel waren sie auch in eine gewisse Ermüdung gekommen und bedurften des Schlafes. “Es ist so vom Himmel eingerichtet”, erklärte man mir.
Man führte mich noch in andere Häuser hinein und sagte: “Hier, in diesem Dorf, sind die Kinder bis etwa zum zwölften Lebensjahr, nach irdischer Berechnung. Die älteren wohnen dann in einem andern Dorfe, ganz in der Nähe, und da haben sie dann auch ihre Aufgaben zu erfüllen.”
Man führte mich auch in jenes Dorf, und ich sah auch diese Kinder. Nach einem Rhythmus – ich möchte nicht von Zeit reden, weil in der geistigen Welt die Zeit nicht bemessen wird wie bei den Menschen – mussten sie lernen. Sie lernten von den Gesetzen Gottes; sie lernten eine einheitliche Sprache – ich möchte sagen, alle, die im selben Hause waren, lernten dieselbe Sprache –, und sie lernen vielerlei andere Dinge dazu, die sich schon mit dem Gesetze Gottes verbinden.
Nun, ich habe unterlassen zu sagen, dass auch alle anderen Kinder vom Kleinkind an eine Sprache lernen und dass immer in einem Haus sozusagen dieselbe Sprache gesprochen wird. Und so verständigt man sich miteinander. Die Engel Gottes, die da ein und aus gehen, reden verschiedene Sprachen und können sich mit diesen und mit jenen unterhalten.
Somit findet in jedem Haus eine ganz bestimmte Entwicklung statt. Und man wird, wie man mir erklärte, in derselben Sprache, wie sie das Kleinkind erlernt hat, die Erziehung weiterführen, aber man wird das Einzelne dann in dieser Sprache besser ausbilden. Es ist genauso wie bei euch Menschen, wenn ein kleiner Mensch heranwächst und immer mehr zu lernen hat. In der geistigen Welt wächst ja nun dieses Kleinkind auch zu einem selbstständigen Wesen heran, das fähig sein muss, in seiner Stufe Recht von Unrecht zu unterscheiden und seine ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen. Und so, auf diese Weise, geschieht die Erziehung.
Man klärte mich auf, dass diese Ebene, von der ich spreche, viele, viele Dörfer habe. Denn so viele Stämme oder Völker sind es, die auf Erden leben. Und so viele Kinder aus diesen Völkern kommen, wenn sie sterben, an ihren ganz bestimmten Platz im geistigen Reiche, wo sie unter ihresgleichen aufwachsen dürfen. Erst später, nach einem gewissen Zeitpunkt, tun sie sich mit den andern zusammen und lernen einander zu verstehen. Es werden solche zusammengeführt, die eine andere Sprache sprechen, die ein ganz anderes Aussehen haben.
Nun habe ich euch noch etwas zu erklären, worüber man mich auch unterrichtet hat. Es gibt auch Kindlein, sagen wir vom zweiten Lebensjahr an, die den Erziehern Schwierigkeiten bereiten, die also immer wieder versuchen, das Gegenteil von dem zu tun, was ihnen erklärt wird, die ungehorsam sind, unfolgsam. Erkennt man, dass bei einem Kindlein trotz grosser Hingabe und Aufopferung nichts zu erreichen ist, wird es herausgenommen und in ein anderes Dorf gebracht, wo andere Kindlein sind, die genauso, sagen wir, widerspenstig sind. Dort sind viel mehr Engel Gottes, die diese Kindlein betreuen; sie haben viel mehr Aufopferung aufzubringen und die grössere Hingabe zu leisten an diesen Wesen. Es sind solche – so klärte man mich auf –, die aus der unseligen Welt aufgestiegen und in das menschliche Kleid hineingekommen sind und dann, wenn sie die Welt als Kindlein verlassen, noch so voller Widersprüche sind und es nicht verstehen, sich in diese Ordnung einzufügen wie die andern. Was also in ihrem Menschsein in ihrer Seele zum Ausdruck kommt, diese Unebenheit, diese Unvollkommenheit, zeigt sich schon im kleinen Masse bei diesen Geistkindern. So bedürfen sie einer noch viel sorgfältigeren und aufmerksameren Erziehung und werden mit grosser Liebe betreut.
Wenn sie dann aber jene Zeit der Schulung hinter sich gebracht haben, werden sie recht bald wieder für ein neues Erdenleben vorbereitet. Sie müssen dann versuchen, zu beweisen, dass sie durch das vorhergehende kurze Erdenleben, durch ihre frühe Heimkehr in die Geisteswelt viel für die Zukunft gewonnen haben; denn von ihrer Widerspenstigkeit ist doch etwas abgelegt worden durch diese Betreuung und grosse Aufopferung der Engel Gottes. So hat eine Heimkehr im frühen Kindesalter etwas Wertvolles an sich.
Man sagt mir, dass ich euch darüber aufklären soll, warum denn ein Kind, das nach wenigen Erdentagen stirbt, auch in der geistigen Welt ein Kind ist. Denn auch ich hatte diese Frage gestellt, weil ich mir doch vorstellte, dass bei Gott alles möglich wäre, dass der Geist doch nicht so kindlich sein müsste, sondern wohl einen gewissen Entwicklungsstand einnehme und diesen behalte.
Da sagte man mir: Wenn ein Wesen wieder für ein Erdenleben bestimmt wird, braucht es dazu seine Vorbereitung, es macht eine gewisse Wandlung durch. In dieser Wandlung geschieht es, dass der Geistkörper, der ja im geistigen Reiche eine, sagen wir, normal grosse Gestalt hat, nun in seiner Grösse gemindert wird. Diese Gestalt wird in gewissem Sinne eingeengt, die körperliche Grösse wird gemindert, und das Denken wird wie eingeschläfert. Wird dieses Wesen, dieser Geistkörper oder dieser geistige Leib mit dem irdischen Leib vereint, gibt es ein gemeinsames Wachstum: Der geistige Leib wächst mit dem irdischen heran, und das Denken, das eingeengt wurde, diese Unselbstständigkeit, die diesem Wesen gegeben wurde, muss sich dann ganz langsam wieder lösen. Ganz langsam wird dieses Wesen wieder zu dem werden, wie es in seiner früheren äusseren Gestalt im Jenseits war, in seiner wirklichen geistigen Gestalt; und mit diesem Wachsen muss sein Denken wieder aufgehen, sich erweitern.
Die Eindrücke, die ein junger Mensch nun aufnimmt in seinem Leben, beeinflussen ja das geistige Denken und Wollen. Es gibt zusammen eine Vereinigung, eine Einigung, und bei jedem Wesen kommt doch dann seine wirkliche Entwicklung zum Ausdruck, die es im Laufe der vielen, vielen Jahre erreicht hat. Ich möchte sagen: Immer mehr veredelt sich die Seele. Der Körper, der die Seele umgibt, gibt die Kraft und die Möglichkeit, sich etwas mehr zu veredeln. Es ist wie bei einem Baum, der in gute Erde gepflanzt wird und den man langsam zu veredeln versucht. Diese Veredelung kann nicht von heute auf morgen stattfinden, sondern erst nach einer gewissen Zeit wird der Höhepunkt erreicht sein. Und so ist es mit dieser Seele. Der Geistkörper muss sich in den Körper hineinwachsen, mit ihm wachsen, mit ihm sich ausdehnen – so wird er heranwachsen. Kommt nun ein früher Tod, so ist eben dieser Geistkörper entsprechend der vorhergehenden Umwandlung in derselben Grösse wie der irdische Körper. Und so muss die geistige Welt ihrerseits nun dieses verstorbene Menschlein, dieses Geistwesen, grossziehen. Sie muss es pflegen und in seinem Wachsen unterstützen.
Auf diese Weise geschieht es. Die Menschen haben von diesen Dingen keine richtige Vorstellung. Gott will, dass es auf diese Art und Weise geschieht, auf diese gerechte Art und Weise, denn ihr müsst bedenken – man deutet mir an, es euch zu sagen –, wie verschiedene Leben hinter jedem Wesen liegen. Würde nun ein Wesen alle seine Erinnerungen mitnehmen können oder in sich tragen und würden sie offenbar werden können zu gewissen Zeiten – könnten diese Erinnerungen also nicht ausgelöscht werden –, so könnte das für einen Menschen zum Schaden sein. Gott möchte aber jedem die Gelegenheit geben, von Neuem zu beginnen, von Neuem anzufangen. Bei der Umwandlung für das neue Erdenleben werden diese Erinnerungen – ich kann sagen – nicht vollständig ausgelöscht; aber sie werden so eingeengt, dass es im späteren Leben oder im reifen Leben des Menschen selten möglich ist, eine Rückschau in seine früheren Leben zu haben.
Es werden also diese Erinnerungen ausgelöscht. Denn indem der Mensch die Möglichkeit hat, auf neuem Boden frisch sein Leben zu beginnen, unbelastet in seinem Denken neu anzufangen, kann er schneller aufsteigen und Gott treu ergeben sein. Er wird weniger Fragen und Vorwürfe an Gott oder an seine Mitmenschen haben. So steht der Einzelne da, und er sieht nur sein persönliches Leben, das er bereits hinter sich gelegt hat, und denkt, was in Zukunft auf ihn zukommen kann, was er ordnen kann und so weiter. Er kann also sein persönliches Leben gestalten, kann sich seinem Leben widmen, unbelastet von allem, was früher geschehen war; unbelastet davon, ob das früher Geschehene für ihn zum Schaden oder zum Vorteil sein könnte. So gibt Gott jedem Wesen von Neuem die Gelegenheit zu einem Neuanfang.
Wenn dann die Zeit gekommen ist, wo diese geistige Reife erfolgt ist, dann wird das Wesen in seiner Seele ja so weit geöffnet, dass es keine Einengung im Denken mehr gibt; sondern es gibt eine Entfaltung, ein Erweitern, es gibt ein Verstehen für all diese Dinge, die so vielen unfassbar sind. Aber um diese unfassbaren Dinge zu verstehen, bedarf es einer wirklichen, geistigen Reife.
Nach einer gewissen Zeit wird es beim einen und andern so weit kommen, dass es ihm klar werden wird – oder es wird ihm gesagt werden –, was ihn früher belastet hat. Man wird ihm vielleicht zu seinen früheren Existenzen Erklärungen geben, vielleicht aber auch nicht. Für den einen ist es von Vorteil und Nutzen, das zu wissen, während es für einen andern ein Hindernis wäre. So ordnet dann wohl die Geisterwelt Gottes alles und wird jedem die Möglichkeit geben, das zu erleben und zu erfahren, was er fähig ist zu verstehen.
So kommen die Wesen unbeschwert in ein neues Erdenleben, und in dieser für sie neuen Welt können sie von Neuem beginnen. Und ein Licht leuchtet auf jedes ein: Es ist das Licht des Erlösers, das jedem den Weg zeigt; an seinem Kreuz kann man sich halten und aufrichten.
So, liebe Geschwister, habe ich versucht, wenn auch vielleicht dann und wann etwas zögernd in meinen Erklärungen, doch nach meinen besten Möglichkeiten, euch Einblick in meine Erlebnisse in der Geisterwelt Gottes zu geben. Und ich möchte hoffen, dass ich meine Aufgabe oder meine Erklärung einigermassen zur Zufriedenheit meiner höheren Geistgeschwister ausgeführt habe. Indem ich euch verlasse, erbitte ich für euch alle den Segen des himmlischen Vaters. Gott zum Gruss.
Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Karin vom 5. September 1962 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 4. April 1973
In diesem Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einem Mädchen, das mit 10 Jahren stirbt und in der jenseitigen Welt in einer Pflegefamilie aufwachsen darf. Durch den sorgfältigen Unterricht von Geistern Gottes können solche jung Verstorbene in ihrem geistigen Aufstieg gefördert und für bedeutsame Aufgaben in einem nächsten Erdenleben vorbereitet werden.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Erlebnisberichte, die ihr jeweils hier vernehmt, dienen doch dazu, eure Erkenntnis zu erweitern und einen besseren Blick in die geistige Welt zu bekommen, grösseres Verständnis und vor allem ein Wissen über das Leben der Jenseitigen zu erhalten. Ich will euch in dieser Stunde von einer jungen Tochter oder, vielleicht besser gesagt, von einem Kinde erzählen, das mit zehn Jahren gestorben ist. Ich habe doch die Möglichkeit, mich in der Geisteswelt in den verschiedensten Stufen umzusehen, und ich werde jeweils begleitet und darauf aufmerksam gemacht, was wohl am geeignetsten wäre, den Freunden zu erklären. Unsere Welt ist ja so gross und gewaltig, und die Geschehen sind so vielseitig; und so müssen wir uns – wie ja auch schon erklärt – absprechen, was wohl sinnvoll ist, es euch zu sagen, was ihr wohl zu verstehen vermögt. Und des Öftern wurde ja schon betont, man könnte euch mehr Dinge erklären, aber ihr hättet das Verständnis nicht dafür. Einige hätten es wohl, möchte ich sagen, aber wir haben doch Rücksicht zu nehmen auf alle Freunde; und so könnte es eben geschehen, dass durch gewisse Darlegungen oder Erklärungen Missverständnisse aufkommen und dass es vielleicht sogar mehr zum Schaden wäre. Darum müssen wir eben zurückhaltend sein in vielen Dingen. Wir müssen uns nach eurem Denken ausrichten und nach euren Begriffen; und wir versuchen es euch so darzulegen, dass ihr es versteht und dass ihr einen Nutzen habt von all dem, was euch gesagt wird. So versuche ich jeweils herauszugreifen und – in der Übereinstimmung mit meinen geistigen Freunden – euch das darzubieten, was für euch sinnvoll und lehrreich ist. Jetzt haben wir uns einmal entschlossen, euch etwas von diesen jungen Menschen, von diesen Kindern zu erzählen.
Da war ein Kind Jahre hindurch krank, und mit zehn Jahren starb es. Wir können ihm den Namen Monika geben – dieses spielt nicht so eine bedeutende Rolle, denn in der Geisteswelt trägt man den Namen so lange, bis man sich geistig höher entwickelt hat und in eine Tätigkeit eingereiht worden ist, die nun eines neuen Namens, einer neuen Bezeichnung, bedarf. Denn alle geistigen Wesen haben ja auch ihre Namen und haben teilweise mehrere Namen. Dies ist so bei der Engelschaft. Es kann aber zum Beispiel auch ein Mensch, ein verstorbener Mensch, mit seinem Namen, den er im Leben getragen hat, gleich bei seinem Erwachen in der Geisteswelt nicht zufrieden sein und sagen: “Dieser Name hat mich nie erfreut, ich möchte nicht so angesprochen werden”, und man tut ihm diesen Gefallen, wenn es nicht, sagen wir, ein besonders belastetes Wesen ist, dem man kein Entgegenkommen zeigt. Wenn also jemand zu uns kommt und das Verlangen hat, er möchte nicht mehr so und so genannt werden, sondern vielleicht den Namen eines ihm befreundeten Menschen oder eines Angehörigen oder was es auch sein mag, tragen, dann wird man in der höheren Geisteswelt darüber entscheiden; und selten wird solch ein Ansinnen abgelehnt. Man soll also nicht annehmen, dass man jetzt einfach stur diesen Namen weiter trage. Natürlich ist es doch ganz selbstverständlich, dass man diesen Namen auch in seinem geistigen Bewusstsein trägt und dass nicht ein jeder sich von seinem Namen trennen möchte. Jene wollen sich von ihren Namen trennen, die schon zu Lebzeiten keine Freude daran gehabt haben. So ist es gemeint.
Nun zu dieser Tochter, die mit zehn Jahren starb und, wie ich betonte, vorher Jahre hindurch krank gewesen war. Ihr wisst, dass Kinder, die im Kindesalter sterben, in der Geisteswelt doch in ein Kinderparadies kommen, dort gepflegt und betreut werden – eben je nach der Altersstufe. Das macht ja manchmal auch einigen unserer Freunde Schwierigkeiten, zu begreifen, dass der Geist eines Kindes, das stirbt, auch im Jenseits ein Kindesgeist ist. Da möchte ich wiederum einmal darauf aufmerksam machen, dass vor der Menschwerdung in der Jenseitswelt die Vorbereitungen für ein Erdenleben getroffen werden und dass es einer Umwandlung des Geistes bedarf – also der Geist muss so gewandelt werden, dass er mit dem irdischen Kindesleib in Harmonie kommt –, und deswegen bedarf es eines Eingreifens, einer besonderen Führung und Fügung der göttlichen Welt. Auch dieses näher zu erklären oder darauf einzugehen, würde bei manchen nicht auf Verständnis stossen; also muss ich sagen: Es gibt eine Umwandlung, ein Eingreifen der Geisteswelt, die diese Einverleibung nun möglich macht. Und so muss der Geist, der nun von einem Kindesleib Besitz nimmt, mit diesem Kindesleib gemeinsam wachsen. Es gibt ein gemeinsames Wachsen und ein gemeinsames Einfühlen und ein Bekanntwerden mit dieser neuen Umgebung, eine Anpassung; und dieses kann nur ganz sukzessiv geschehen und ist eben mit dem geistigen wie mit dem körperlichen Wachstum verbunden. Deshalb werden jene, die in so frühen Jahren sterben, nach ihrem irdischen Tode doch in der Geisteswelt weiter betreut. Sie wissen natürlich nichts davon, dass sie schon frühere Erdenleben hinter sich gehabt haben. Sie stehen da in ihrer neuen Welt und sind auch überrascht – die Kleinen wie solche, denen man schon eine gewisse Selbstständigkeit zuschreiben kann. Es ist doch plötzlich eine fremde Welt, man fühlt sich verlassen von den Angehörigen, man hat Sehnsucht nach jenen, mit denen man zusammengelebt. Denn dieses ist doch alles Besitz der Seele – diese Erinnerung, diese Wünsche, diese Gefühle sind nicht mit dem Tode gestorben, sondern sie leben, und sie müssen nun in der Geisteswelt anders geführt, anders gelenkt und gewandelt werden.
So war es mit dieser zehnjährigen Tochter; von ihr möchte ich nun besonders reden. Sie wurde von ihren Eltern besonders liebevoll betreut. Sie war Jahre hindurch stets krank gewesen, und man wusste davon, dass sie sterben müsste, und so wollte man ihr eigentlich das Leben noch so angenehm und so schön wie möglich machen; und es war den Eltern möglich, die Tochter in dieser Weise etwas zu verwöhnen. Diese Monika hatte sich natürlich mit dem Sterben nicht vertraut gemacht; man hatte ihr nicht gesagt, dass sie sterben müsse, obwohl die Eltern viel davon erzählt haben, dass es einen Himmel gibt und dass man nach dem Tode in diesen Himmel einkehren werde. Aber die Eltern selbst waren arm an geistigen Erkenntnissen, und so war dies eigentlich nur eine Vertröstung für Monika.
Nun, als es dann so weit war, und sie ihre geistigen Augen in der Jenseitswelt geöffnet hatte, da war ihr natürlich alles fremd – obwohl sie in einer schönen Umgebung erwachte. Man hatte sie in ein Haus geführt, und es war alles sehr liebevoll und schön gestaltet. Es waren Engelwesen da, die sofort bereit waren, Monika zu begrüssen und ihr gewisse Hinweise zu geben. Sie verlangte natürlich nach ihren Eltern, denn das waren ja alles fremde Wesen. Und jetzt musste man ihr sagen: “Du befindest dich nicht mehr als Mensch auf Erden, sondern jetzt bist du im Himmelreich. Du bist auch nicht mehr krank. Deinen kranken Leib hast du der Erde überlassen; dein Geist, dein Geistesleib, ist ganz gesund. In deinem Denken mögen noch welche Verwirrungen sein und Gefühle, die noch zu überwinden sind, du aber bist nicht mehr krank.”
Das hörte sie gerne, dass sie nicht mehr krank sein sollte; aber sie hatte doch Sehnsucht nach ihren Eltern. Und so bat sie darum, dass, wenn sie jetzt schon im Himmelreich sei, sie auch unbedingt mit ihren Eltern zusammen sein möchte. Man sollte doch auch gleich die Eltern holen; und dann möchte sie mit den Eltern zusammenleben – denn das hatte sie ja noch in guter Erinnerung, dass die Eltern so liebevoll zu ihr waren. So wünschte sie, dass Vater und Mutter auch in die Jenseitswelt kommen würden. Da musste man sich mit ihr auseinandersetzen und sagen: “Ja wünschest du denn wirklich den Tod, das Sterben, deiner Eltern? Du hast ja noch Geschwister, und die hätten nachher keine Eltern mehr; das wäre doch sehr ungerecht und sehr egoistisch, wenn jetzt ausgerechnet du deine Eltern bei dir haben möchtest. Das kann niemals geschehen. Aber wir werden dir sehr liebevolle Pflegeeltern geben.” Und da war ein Sträuben, sie wollte nicht, sie wollte keine Pflegeeltern haben, sie wollte ihre eigenen Eltern. Es fehlte ihr ja noch an der notwendigen Einsicht. Dann bat sie darum, man möge doch gleich auch die andern Geschwister, sozusagen die ganze Familie, ins Jenseits zurückrufen. Denn so, wie sie feststellte, würden ja alle schliesslich wieder von der Erde fortgehen und in die Ewigkeit kommen; es käme ja auf die Zeit auch nicht an, und so könnten sie doch glücklich beisammenleben. Das war kindliches Denken und Überlegen. Da musste man sich eben gründlich mit ihr aussprechen und sagen: “Das geht nicht. Es gibt eine Ordnung Gottes, und es gibt Gesetze, und nach diesen Gesetzen wird alles ausgerichtet. Du bist jetzt frühzeitig in die Geisteswelt gekommen, und es ist für dich kein Schaden, dass es so ist. Du kannst dich hier in dieser Welt vorwärtsentwickeln. Du kannst schneller aufwärtssteigen als deine Angehörigen.” Und man sagte ihr: “Und dann, wenn es einmal so weit ist, dass deine Mutter oder dein Vater oder wer es sein mag aus deiner Familie, zurückkommt, kannst du sie empfangen; du kannst sie begrüssen, kannst ihnen den Himmel zeigen, und sie sollen ihre Freude an dir haben.” Das alles hatte man ihr so dargelegt.
Nun führte man sie zu diesen Pflegeeltern, obwohl es ihr nicht passte und sie sich sträubte und weinte. Sie wollte nicht, sie konnte sich nicht zurechtfinden in dieser neuen Welt, es waren ja alle fremd für sie. Und man erklärte ihr: “Du wirst dich bald mit allen vertraut machen. Deine Pflegeeltern sind genauso lieb wie deine eigenen leiblichen Eltern. Sie werden dir die notwendige Aufmerksamkeit schenken, und du wirst es auch hier schön haben.” So musste man ihr zureden und zureden.
Dazu eine Nebenbemerkung: Die Menschen sind voller Trauer, wenn sie ein Kind oder sonst ein Angehöriges verlieren; aber sie machen sich darüber gar keine Gedanken, man denkt nicht daran, dass auch die andern in Sorge sind und dass auch sie trauern – daran denkt man nicht. Man hat nur den eigenen Schmerz, aber an die Trauer der andern denkt man nicht. Und manche Menschen könnten hier auf Erden viel zur Beruhigung jener jenseitigen Wesen beitragen, wenn sie nicht ständig um sie trauern und weinen und so in grosser Sehnsucht nach ihnen leben würden. So halten sie ja jene auf, sie ziehen sie zu sich hin, sie verhindern ihren Aufstieg. Denn ein grosser Teil solcher jenseitiger Wesen erlebt diese Trauer noch, kann sehen, wie die Angehörigen trauern und wie man voller Sehnsucht ist; und das bringt sie in eine gewisse Unruhe. Sie sind unruhig deshalb, und sie möchten ihnen sagen: “Seid doch nicht traurig, weint doch nicht, sondern lasst mich frei, wünscht mir alles Gute” – das möchten sie sagen, aber sie können es nicht; das ist das Gespräch in der jenseitigen Welt.
Darum sagt man ja auch einem geistgläubigen Menschen, er brauche nicht so unendlich traurig zu sein und zu trauern, wenn ein Angehöriges ihn verlassen musste, sondern er solle sich glücklich schätzen, eines im Jenseits zu wissen, das den Weg bahnt für die Zurückgelassenen. Es ist sogar zum Vorteil für manchen Menschen, der da lebt, wenn er ein Angehöriges in der Geisteswelt weiss, mit dem er gut zusammengelebt und das in der Gerechtigkeit gelebt hat. Es tut vielleicht sogar etwas für ihn, macht gewisse Vorbereitungen, bereitet sozusagen die Wohnung vor, den Weg, dass es leichter ist für die Angehörigen, die noch zurückgeblieben sind. Man soll dadurch einen Vorteil haben, wenn man mit jemandem wirklich eine gute, freie Verbindung hat und ihn nicht einfach aus Egoismus zu sich hinzieht und zurückhaben möchte, weil man jetzt nicht mehr in der Gemeinsamkeit leben kann und man auf dieses und jenes verzichten muss. Wenn die Liebe und die Trennung nur egoistisch sind, dann ist es nichts, dann hilft man diesen Jenseitigen nicht, und sie können den Zurückgebliebenen auch keinen Beistand geben.
Nun gut – zurück zu unserer Tochter. Sie war dann in das Haus geführt worden zu ihren Pflegeeltern. Jetzt sah sie, dass diese Pflegeeltern fünf weitere Geistgeschwister – so möchte ich sie nennen – gleichen Alters hatten. Sie stellten ihr diese fünf Geschwister vor und sagten: “Mit dir haben wir nun sechs Geistgeschwister.” Und diese Pflegeeltern erklärten: “Wir haben die Aufgabe, euch zu umsorgen. Ihr müsst in die Schulen gehen, ihr müsst unterrichtet werden, ihr müsst Sprachen lernen.” Und zwar war es so: Je zwei und zwei haben dieselbe Sprache gesprochen – zwei haben Deutsch gesprochen, zwei Französisch, und zwei konnten nur Englisch. Die Pflegeeltern konnten alle Sprachen sprechen und sich in diesen Sprachen mit ihren Pfleglingen, Schützlingen, unterhalten.
Nun war es die Aufgabe dieser Kinder, Schulen zu besuchen. Sie mussten auch eine geistige Bildung haben, und zwar eine allgemeine Bildung, die nichts mit der Bildung oder der Erkenntnis über den Heils- und Erlösungsplan und über den Schöpfungsplan zu tun hat, sondern sie sollten in etwa jene Bildung erhalten, wie es bei euch auch üblich ist, dass man eine gewisse Schulbildung – wenn ich es so aussprechen darf – haben muss. So ist es auch in der Geisteswelt. Diese Kinder haben ja infolge ihrer Krankheit diese allgemeine Schulbildung nicht oder nur zu einem geringen Teil bekommen. So sollten sie nun als geistige Wesen über das unterrichtet werden, was sie als Mensch in ihren Volksschulen hätten lernen müssen. Es ist nicht etwa so, wie ihr meint: “Ja wenn man in der geistigen Welt ist, dann weiss man alles, man weiss über alle Dinge Bescheid, der Geist weiss alles.” Nein, ich habe anfangs betont: Es hat eine Umwandlung stattgefunden, und nun muss sich der Geist dieser neuen Welt und dieser neuen Atmosphäre anpassen; und wenn dieser Geist so frühzeitig wieder in die Geisteswelt zurückgekehrt ist, so sind in seinem Bewusstsein, in seinem Innern, diese notwendigen Erkenntnisse noch nicht gleich wieder zum Vorschein gekommen. Mit dem Eintreten in ein neues Erdenleben erlischt früheres Wissen, und so muss dieses Wissen wieder neu erworben werden. Dies auch zur allgemeinen Belehrung.
So mussten sich nun diese sechs Geschwister das allgemeine Wissen wieder aneignen. Sie mussten in eine solche Schule gehen, wo ihnen das notwendige Wissen beigebracht wurde, wie wenn sie als Mensch weitergelebt hätten. Das war einmal die eine Schule. Natürlich, das möchte ich betonen, fällt das Lernen diesen geistigen Wesen nicht so schwer wie einem Menschen. Man ist freier, und die Möglichkeiten, schneller zu Kenntnissen zu kommen, sind vorhanden, weil man nicht diesen Körper um sich hat und nicht abgelenkt wird von vielen Dingen und weil so vieles entfernt worden ist. Man ist konzentrierter, man hat eine bessere, schnellere Auffassungsgabe. Es gibt aber auch Wesen, die grosse Mühe haben, sich dieses übliche, notwendige, allgemeine Wissen anzueignen. Dieses sind Ausnahmefälle. Üblicherweise ist es so wie bei diesen Geistgeschwistern, denen das Lernen also nicht so schwer fiel.
Sie mussten aber untereinander noch zusätzlich die von den andern gesprochenen Sprachen lernen. Es war weise gefügt: Zwei konnten sich immer miteinander unterhalten; sie mussten aber – und das wurde ihnen eben auch erleichtert – die Sprachen der andern Geschwister mitlernen. Und so kam es dann mit der Zeit dazu, dass alle sechs Geschwister, die da waren, diese drei Sprachen sprechen konnten und einander gut verstanden. In der Schule lernten sie, und auch in ihrem geistigen Elternhause lernten sie mit ihren Geschwistern zusammen. So wird es jeweils weise geführt: Man übergibt ein solches Kind den Pflegeeltern nicht als Einzelkind, sondern es muss in der Gemeinschaft leben. Die Kinder lernen in der Gemeinschaft auch auf manches zu verzichten, und sie können sich untereinander aussprechen. Es ist eben sinnvoll, in einer solchen Familie zu leben, und die Kinder haben nun dieses Geistesalter erreicht, wo man es ihnen zumuten darf, dass sie mit den andern Geschwistern gemeinsam lernen und zusammen sein dürfen.
Unsere Monika, von der ich ja hauptsächlich spreche, hatte sich recht bald mit den andern befreundet. So ist es gar nicht so lange gegangen, und die leiblichen Eltern sind vergessen worden. Die neue Welt hatte vieles zu bieten, sie war ja sehr interessant, und man musste lernen – man musste. Man hatte auch seine Prüfungen zu bestehen, und diese Prüfungen nahmen doch höhere Wesen ab. Man war ihnen gegenüber verantwortlich.
So hatte man einmal diese Schule; und daneben hatte man noch die Geistesschule, denn sie wurde ja auch nicht vernachlässigt. Diese Geistesschule ist das, was üblicherweise all jene zu erleben und durchzustehen haben, die als Mensch sterben, die von den göttlichen Gesetzen und von der göttlichen Ordnung keine Ahnung haben und einmal über die Wahrheit orientiert werden müssen. Sie treten doch ein in eine ganz fremde Welt und verstehen überhaupt nichts von dieser neuen Welt, haben teils Ablehnung und anderseits Bewunderung für sie. Aber man muss lernen. Und das ist auch etwas, was viele nicht verstehen und begreifen wollen: dass man in dieser andern Welt zu arbeiten und zu lernen hat, dass man sich dieses Wissen wieder erobern muss und dass der Zeitpunkt kommen wird, wo man diese Prüfungen bestehen kann und ein Wissen sich angeeignet hat – wie bei den Menschen, so ist es auch im Geistigen. Und so war es mit diesen Geschwistern.
Aber ich möchte nicht unterlassen, zu sagen, dass zwei von diesen Geschwistern nicht die weisse geistige Hautfarbe besassen und dass es auch in der Geisteswelt Wesenheiten gibt, die in ihrem geistigen Aussehen dunkler Farbe sind. Ich möchte jetzt das Wort nicht aussprechen, wie ihr diese Menschen nennt; aber ich kann euch nur sagen, dass diese Menschen in der Geisteswelt, so sie einigermassen geistig gehobenen Standes sind, bewundernswerte, schöne Wesen sind. Dieses ist auch ein Teil von der Vielfalt des Himmels, ein Teil der vielfältigen Schöpfung der geistigen Wesen, und es herrscht keine Distanz in der Jenseitswelt wegen dieser geistigen Hautfarbe.
Dass Monika nun in diese Familie, zu diesen Pflegeeltern, kam, war weise geführt worden; denn alle diese Geistkinder gehörten derselben geistigen Entwicklungsstufe an. Denn wohl sagt man euch, dass Menschen weisser Hautfarbe im Allgemeinen eine höhere geistige Entwicklungsstufe einnehmen würden – hier muss ich aber ein Fragezeichen machen. Ich kann nur Folgendes sagen: Unter den Geistwesen auf dieser höheren Entwicklungsstufe gibt es auch Wesen von dunkler Hautfarbe. Sie sind nicht in der Mehrzahl, aber es gibt welche, die stehen auf derselben geistigen Stufe wie die Wesen von weisser Hautfarbe – und es ist eine ganz ordentliche Zahl. Im Weiteren will ich nicht unterlassen zu sagen, dass in den höchsten Himmeln Fürsten sind, die eine dunkle geistige Hautfarbe besitzen. Vielleicht wird es einmal eine bessere Gelegenheit geben, darauf näher einzugehen, was ich nun heute Abend nicht kann. Aber es soll euch eine Gewissheit sein, dass diese Menschen dunkler Hautfarbe im geistigen Reiche nicht einfach weniger angesehen sind oder auf einer tiefen geistigen Entwicklungsstufe stehen. Freilich befinden sie sich im Aufstieg nach oben; von unten nach oben bewegen sie sich in grosser Zahl – das darf ich wohl sagen. Und ich darf wohl auch sagen, dass unter ihnen solche sind, die eine höhere geistige Entwicklungsstufe einnehmen.
So verhielt es sich mit diesen beiden Kindern mit dunkler Hautfarbe, die diese Geistesstufe erreicht hatten und zu diesen Pflegeeltern kamen. Ihr frühzeitiges Verlassen dieser Welt sollte nun dazu dienen, dass ihr Aufstieg beschleunigt werden konnte. Ihr wisst es ja: Wenn man frühzeitig von dieser Welt abtritt, das heisst, diese Welt verlässt, ehe man seine Seele so sehr belastet hat, besteht doch die Möglichkeit, dass man im Geistigen weiter geschult wird und schneller aufsteigt und sich schneller entwickeln kann. Damit will ich aber nicht etwa sagen oder das Gefühl unter euch erwecken oder fördern, dass es gut wäre, so früh wie möglich zu sterben – nein, so ist es nicht. Denn jedem Menschen, der da lebt, ist ja die Gelegenheit geboten, so viel wie möglich für das andere Leben zu wirken und dementsprechend auch auf dieser Welt seine Belohnung zu finden. Er kann sich auch auf dieser Welt so grosse Verdienste erwerben, um in der jenseitigen Welt in höhere Ebenen hineingeführt zu werden. Man kann als Mensch vieles leisten. Es sind aber die Möglichkeiten da, dass man frühzeitig diese Welt verlässt, und womöglich ist dieses eine Vorbestimmung der göttlichen Welt, weil man den geistigen Aufstieg dieser Wesen fördern, beschleunigen will. Und dieses hat seine Gründe.
Dass ein Leben von so kurzer Dauer ist, kann nun einmal Bestimmung Gottes sein – Bestimmung, wenn der frühe Tod nicht durch Menschen selbst verschuldet wurde. Also reden wir von der Bestimmung Gottes: Es war schon zur Zeit der Geburt bestimmt, dass das Leben nur soundso lange dauern würde. Der Grund dafür kann sein, dass ein früheres Leben dieses Betreffenden gewisse Belastungen aufgewiesen hatte, dass er sich dann aber in der Jenseitswelt um den geistigen Aufstieg bemüht und Grosses geleistet hat, sodass nun die hohe Geisteswelt ein Interesse daran hat, den Aufstieg dieses Wesens zu fördern, um von ihm abzuhalten oder abzuwenden, was seinem Geiste oder seiner Seele weiteren Schaden oder Hindernisse hätte zuführen können. Denn ein menschliches Leben zu leben, ist immer mit geistigen Gefahren verbunden; niemand weiss doch in der Jugendzeit, wie sein Leben verläuft, wie oder ob er sich belastet, was für seinen geistigen Aufstieg einen Stillstand bedeuten könnte.
Bei den meisten Menschen ist das Leben ja als Prüfung gegeben. Sie sollen beweisen, dass sie etwas leisten können. Das gilt dort, wo es keine besondere Verfügung, kein besonderes Eingreifen geben muss, wo es seinen üblichen Weg geht. Aber es gibt immer wieder Möglichkeiten, wie im Falle dieser sechs Geistgeschwister, von denen ich jetzt erzähle. Die Gotteswelt wollte es nicht zulassen, dass diese länger leben würden, damit sie ihre Seele auf keinen Fall weiter belasten würden und sie in der Gotteswelt dann weiter geschult und gefördert werden könnten, weil sie vorher im Geistesleben Verdienste erworben hatten. Man traute ihnen aber nicht recht, dass sie ein Menschenleben durchstehen könnten, ohne sich wieder auf diese Art und Weise wie früher zu verschulden und zu belasten. Das ist der Grund dafür. Das ist auch etwas, was die geistige Welt bestimmen kann beim einen oder andern. Es ist dies nicht eine allgemein übliche Erscheinung – das möchte ich sagen –, es geht ja immer um ganz wichtige Dinge. Es wird jedes einzelne Wesen von der hohen Warte aus betrachtet: Man erkennt seine frühere geistige Existenz, die es einmal hatte, zur Zeit vor dem Abfall; man erkennt, ob es weniger oder stark verschuldet ist; man erkennt, wie weit man in der Entwicklung als Mensch etwas erreicht hat und vorwärtsgeschritten ist; man erkennt die Schwächen oder auch die Stärke, die in der Seele ist. Und so wird dann die Geisteswelt eingreifen, um hohe Ziele zu erreichen.
Es ist alles geplant in der Gotteswelt. Jedes Einzelwesen gehört in eine Geistesfamilie, in eine Geistesgruppe hinein. In diesen Geistesgruppen sind führende Wesen. Und es geht in der Hauptsache immer darum, auch gerade diese im Geiste führenden Wesen zu fördern. Solche Wesen, die die Fähigkeit in sich haben oder gehabt haben, geistig führend zu wirken, können von der Gotteswelt gefördert werden. Dies ist bei euch Menschen ja ähnlich: Es gibt sogenannte Führernaturen, sie führen die Mitmenschen, sie haben die Fähigkeiten, Menschen vorwärtszuführen und zu organisieren; und andere vermögen es nicht, sie haben keine Vorschau, keinen Blick in die Zukunft, sie können nichts beurteilen, nichts überlegen. Das sind doch Menschen oder geistige Wesen, die eben diese Fähigkeit nicht haben, führend zu sein, andere mitzunehmen und vorwärts- oder aufwärtszuführen. Und so greift die Geisteswelt ein. Ich möchte dieses nur im Besonderen begründen, warum die Geisteswelt ausgerechnet da eingreift. Also auf diese Art und Weise geschieht es.
Eltern sind oft sehr traurig, wenn sie ein Kind so frühzeitig hergeben müssen. Aber wenn – ich betone wieder – nicht aus Selbstverschulden dieser frühe Tod eintritt, so ist es eine geistige Fügung, dass diese Wesenheiten eben dann geistig geschult werden. Und es ist doch wohl selbstverständlich, dass man in einer geistigen Schule viel mehr erreicht als in einer weltlichen.
Diese verschiedenen Lehrer der göttlichen Welt sind Geistwesen, die eine erhöhte Geistesstufe einnehmen, oder es sind Engel Gottes, die diese Wesen belehren. Und alles, was sich auf diesen erhöhten Ebenen abspielt, geschieht doch in voller Harmonie und in Gottes Nähe – wenn ich es so ausdrücken darf. Diese Wesen wissen: “Wir sind im Himmelreich.” Sie haben für Gott ein grösseres Empfinden, sie haben eine grössere Sehnsucht, ein grösseres Verlangen nach ihm und eine grössere Achtung und grösseren Respekt als die Menschen. Denn für die Menschen ist Gott etwas Fremdes, auch wenn sie im Glauben leben. Wenn Gott ihnen so vertraut und ihnen so nahe wäre, dann würden sie doch viele Ungerechtigkeiten gar nicht tun – wenn Gott ihnen wirklich nahe wäre; aber Gott ist ihnen eben fremd. Die aber in der Gotteswelt, sie sind in Gottes Nähe und wissen, dass sie mit all ihrer Kraft zu wirken und zu lernen haben für eine höhere, schöne, bedeutende Aufgabe. So sind sie natürlich nicht mehr grossen, bedeutenden Gefahren ausgesetzt wie in einem menschlichen Leben. Damit meine ich seelische Gefahren, ich meine, den Versuchungen, den Belastungen sind sie nicht ausgesetzt. Also kann sich ein Wesen auf diese Weise gar nicht mehr so sehr belasten und konzentriert sich eben auf das Geistesleben. So wird der frühe Tod diesen Kindern zum grossen Nutzen und zum grossen Vorteil.
So wachsen diese Kinder in der Jenseitswelt ja auch heran. Und diese Monika hatte mit ihren Geschwistern die Schulen besucht. Jetzt muss ich es, um es euch verständlich zu machen, nach menschlichen Begriffen ausdrücken: Bis so circa zum sechzehnten Lebensjahr durften sie bei diesen Pflegeeltern verweilen und wurden von ihnen betreut und mussten lernen – viel, viel lernen. Aber es wurde ihnen auch Zeit zur Musse gegeben. Sie hatten auch die Möglichkeit, sich den Künsten zu widmen. Auch dieses hatte man ihnen freigestellt, und sie konnten darüber selbst entscheiden. Wo sie sich hingezogen fühlten, dort sollten sie sich auch belehren lassen oder mitmachen dürfen. Dann, als man sie nun nicht mehr als Kinder betrachtete, sondern als herangewachsene, etwas gereifte Geistgeschwister, wurden sie voneinander getrennt. Sie hatten jetzt nicht mehr ihre Pflegeeltern im selben Sinne, sondern sie sollten in ein anderes Gemeinschaftsleben eintreten. Jetzt sollten sie für den Heils- und Ordnungsplan Gottes dienen.
Aber wenn man doch mit andern zusammenlebt und eine Familie bildet, dann gibt es Bande, geistige Bande; und man macht sich doch auch seine Vorstellungen – man ist ja gemeinsam in die Schulen gegangen, gemeinsam belehrt worden, und man hat auch eine geistige Freundschaft besiegelt. Diese sechs Geistgeschwister haben einander Freundschaft und Treue versprochen. Sie versprachen, einander zu besuchen, einander nie fremd zu werden. Man ist sich doch nahegekommen, und da gab es eben keine Distanz voreinander wegen dieser geistigen Hautfarbe, sondern man versprach, wenn je die Möglichkeit kommen würde, dass man als Mensch einander begegnen sollte, dann würde man sich einander widmen, sich füreinander interessieren. Das versprach man, obwohl die sechs Geistgeschwister belehrt wurden, dass mit einer neuen Menschwerdung diese ganzen Versprechungen, dieses ganze in der Geisteswelt aufgebaute Wissen nicht mehr zum Vorschein kommen würden, dass es wieder einen neuen Anfang gebe. Aber das ganze Erlebnis, das alles, was erlebt wurde, könne niemals vergehen oder im Geiste vergessen sein. In der Seele sei es festgeschrieben, und es könne von der Seele aus eine Kraft, ein Drängen ausgehen, das man als Mensch nicht richtig versteht; dass man nicht versteht, warum man sich zu diesen Menschen hingezogen fühlt; dass man es als Mensch nicht begreift, warum man sich diesen Menschen besonders widmet, nur das Gefühl hat, an ihnen eine Aufgabe zu erfüllen. Es ist auch gar nicht notwendig, es zu wissen, denn man muss nicht eingenommen sein von einer Sache, sondern man soll nur von höherer Warte aus gedrängt sein, Edles, Gutes, Vornehmes zu leisten und zu tun.
Also hatten im Grunde genommen diese Versprechungen, Freundschaft zu halten, keine Bedeutung, wenn sie wieder ins menschliche Leben treten würden. Das Einzige, was von Bedeutung war, war die Kraft des Geistes und die Kraft ihrer Seele, die sie sich in der Jenseitswelt erworben hatten. Diese Kraft sollte so stark sein, dass sie dereinst den ganzen Menschen durchdringen wird. Und diese Geisteskraft, diese Kraft im Geiste, strömt durch den irdischen Leib und vermag in das Bewusstsein zu gelangen, um dem Menschen etwas davon abzugeben. Aber es ist vielleicht schon zu viel gesagt, wenn ich sage “in das Bewusstsein zu gelangen”; sondern hier möchte ich nur von der Kraft der Seele und des Geistes sprechen. Diese beiden geistigen Kräfte werden den Organismus, den menschlichen Leib, durchströmen und werden so die Möglichkeit haben, Einfluss auf das Denken zu nehmen. Jetzt ist es der Mensch, der entscheidet, der eine andere Umwelt hat, andere Eindrücke, nichts weiss von dem, was er früher erlernt, von den Versprechungen – jetzt muss er zu einer höheren, geistigen Erkenntnis gelangen. Er muss versuchen, diese geistige Erkenntnis zu fördern. Er muss sich bewusst sein, dass in ihm etwas Höheres ist als nur sein übliches menschliches Denken, seine üblichen menschlichen Gefühle. Er muss als Mensch sich klar werden, dass er in sich etwas Höheres hat, ein höheres Bewusstsein, dass er im höheren Sinne von innen nach aussen gelenkt werden kann.
Wenn aber der Mensch Barrieren setzt, wenn er sagt: “Das ist etwas, das kann ich nie begreifen, nie verstehen”, dann sind es die Barrieren des Menschen, die es verunmöglichen, diese höhere Geisteskraft wirksam werden zu lassen, dass der Mensch zur höheren Erkenntnis kommt. Das sind grosse Barrieren, grosse Hindernisse, die sich Menschen selbst setzen. Und es ist etwas, was von vielen einfach nicht verstanden wird und nicht verstanden werden will. Darum betonen wir jeweils auch: Diese Geisteslehre, die wir euch geben, hat einen Anfang. Ich möchte es so sagen: Man beginnt mit einem Anfang von der ersten Klasse bis hinauf zur höheren Schule, und man kann nicht einfach mitten in eine höhere Klasse eintreten und glauben, man hätte alles Wissen. Man muss den Anfang kennen, man muss dieses Wissen der ersten Stufen geistigen Wissens auch erwerben. Erst dann, wenn man dieses hat, begreift man anderes besser. Und wir werden nicht aufhören, es immer wieder darzulegen, weil wir unsere guten Gründe dafür haben.
Meine Freunde, die Jahre hindurch hierherkommen, um zuzuhören, bereichern sich ja in ihrem Wissen. Ich vermag dadurch mit diesen Erklärungen immer wieder weiteren Samen auszustreuen. Ihre Erkenntnisse werden erweitert, man gibt sich etwas mehr Mühe, zu höheren Erkenntnissen zu kommen und diese Erkenntnisse, die man bekommen hat, auch zu behalten und zu erhalten. Das ist etwas Notwendiges. Man soll niemals der Auffassung sein, man hätte genug vom Wissen, man wüsste jetzt Bescheid, und denken: “Es reicht jetzt, und mehr brauch ich ja nicht zu wissen.” Es sind arme Menschen, die so reden, so denken. Der Himmel ist so gewaltig, so vielfältig, so gross, so mächtig; und der Mensch denkt, er habe genug von dem Wissen, er wisse alles. Dies ist nur ein Hinweis.
So war es nun mit diesen Geschwistern: Sie hatten ihre Versprechungen gemacht, und sie sind wieder in das menschliche Dasein getreten. Sie sind aber von den Geistern Gottes geführt und gelenkt worden, denn Geister Gottes hatten sich ihrer doch ganz besonders angenommen. Sie hatten eine gewisse geistige Entwicklungsstufe eingenommen, und man hatte sie gefördert, und diese Förderung hat ihren Sinn und ihren Zweck. Es gibt jedoch auch andere Kinder und junge Menschen, die frühzeitig sterben, die eine tiefere geistige Entwicklungsstufe einnehmen und dementsprechend nach ihrem irdischen Tode in eine untere Geisteswelt eintreten. Sie werden dann einfach dort der allgemeinen Schulung zugeführt, wo jeder, der dorthin kommt, die gleiche Behandlung hat. Das aber, was ich erklärte, war etwas Besonderes. Diese Kinder kamen zu Pflegeeltern in eine kleine Familie hinein, bildeten eine kleine Familie, während ich doch in den andern Belehrungen, die ich gebe, öfters davon rede, dass man in die Gemeinschaft eintritt, in der Gemeinschaft mit andern zu leben hat. Diese Gemeinschaft kann fünfzig oder hundert oder noch mehr Wesen umfassen, es kommt ganz auf die Entwicklung des einzelnen an.
Nun möchte ich noch vom Sinn dieses Eingreifens reden. Ihr werdet euch fragen: “Was hat es denn für einen Sinn, wenn sie wieder ins menschliche Dasein kommen, wenn sie doch nichts mehr wissen von all dem, was sie im Besonderen erlernt?” Es ist nichts verloren, was sie erlernt, es ist Besitz der Seele; aber es darf nicht bei ihnen als Mensch offenbar werden, sie müssen sich selbst durchringen mit ihrem menschlichen Willen. So müssen sie zeigen, ob sie willensstark oder willensschwach sind, ob sie gottgläubig sind oder sich abwenden. Sie müssen dies also wieder beweisen, es ist wiederum eine Prüfung.
Im grossen Ganzen ist es so: Wird man von Engeln ins menschliche Dasein begleitet und ist man sozusagen für eine höhere Aufgabe bestimmt, ausgewählt, dann werden auch diese geistigen Wesen am Leben eines solchen Menschen so viel Interesse zeigen und versuchen, ihn so zu führen, dass es zu dem kommt, was sie im Geistigen geplant haben, ohne dass ein Mensch im Besonderen darüber Bescheid wüsste. Und die Geisteswelt tut das Ihrige, indem sie jene zusammenführt, dass sie miteinander wirken und im höheren Sinne Aufgaben gemeinsam erfüllen – das fügt und lenkt dann die Gotteswelt. Aber ehe man im menschlichen Leben zu einer bedeutenden – für den Geist oder für die Geisteswelt bedeutenden – Aufgabe geführt wird, werden solche Menschen in ihrem Leben auch geprüft und manchmal hart geprüft. Sie müssen beweisen, dass sie fähig sind, Höheres zu erfüllen, auch als Mensch. Denn das menschliche Leben ist ja wieder ganz anders. Man darf nie vergessen, was für einen Einfluss die Umwelt auf den Einzelnen ausübt und was vielen zum Verderben ist. Den einen kann es nichts antun; nämlich jenen nicht, die geistig stark genug sind.
Hat man diese Prüfungen, die die Geisteswelt an den Einzelnen stellt, erfüllt, dann wird sie es so fügen und lenken, dass man zu diesen Aufgaben kommt, wie es im geistigen Plane vorgesehen ist. Denn im Geistigen ist auch das ganze Vorwärtsschreiten der Menschheit einigermassen angedeutet. Es kommt ja so vieles auf den Menschen selbst an, aber in grossen Zügen ist der Plan festgelegt. Er ist so festgelegt, dass man kleine Änderungen vornehmen kann oder muss, wenn es notwendig ist. Hat dann eines seine menschlichen Prüfungen auch durchgestanden, wird ihm der Weg für sein geistiges Wirken geebnet von jenen Geistwesen, die Interesse an seinem Fortschritt und Aufstieg haben.
So war es geschehen mit Monika wie mit all diesen andern: Man hatte ihnen diese sorgfältige geistige Erziehung gegeben, und man musste sie auch als Mensch nochmals prüfen. So haben sie, mit einer Ausnahme, ihre Prüfungen bestanden; und es konnte jedes von der höheren Geisteswelt dahin geführt werden, um als Mensch für die höheren geistigen Ziele zu wirken und zu leben.
So, liebe Geschwister, habe ich euch heute einmal im Besonderen eine Erklärung gegeben, bei der, wie es mir und uns schien, es notwendig war, sie euch einmal auf diese Art und Weise darzulegen. So sollte es doch für euch, wenn ihr diese Geisteslehre kennt, ein Bedürfnis sein, nach den hohen Zielen zu streben. Und wenn ihr auch jetzt – sagen wir in diesem Leben – nicht besondere Leistungen vollbringen konntet, soll aber euer geistiges Wissen als Mensch euch diese Vorteile bringen. Ihr habt als Mensch etwas von den geistigen Gesetzen, der geistigen Ordnung, vom Schöpfungsplan in euer menschliches Bewusstsein hineingelegt. Und das ist nicht nur etwas Oberflächliches, was da in eurem menschlichen Denken liegt, in eurem menschlichen Bewusstsein; es befruchtet ja auch eure Seele. Und wenn ihr euren Körper ablegt, wird die ganze Kraft, die in eurem Körper ist und die der Körper zum Leben braucht, mit dem irdischen Tode, mit dem Scheiden des Geistes vom irdischen Leib, dem Geistesleib und der Seele zurückgegeben. Und darum ist höheres Denken und Wollen notwendig, denn diese Kraft des irdischen Leibes ist nicht so feinstofflich. Die Kraft im Geistesleib und in der Seele, im Bewusstsein ist eine besondere Kraft; sie ist feinstofflicher Art. Sie nimmt die grobstoffliche Kraft in sich auf, und diese grobstoffliche Kraft bleibt oder vermischt sich. Und ist diese Kraft so gross, dass sie die feinstoffliche Kraft überwiegt, dann kommt eben dieses Menschliche, so wie man als Mensch gelebt hat, hervor: Die Untugenden, der Eigensinn, die Eigenwilligkeit – das sind ja im Grunde genommen auch Kräfte – strömen der Seele und dem Geistesleib zu und beeinflussen ihn. Je grösser diese Kraft, diese Energie noch ist, umso ausdrucksvoller wird eben das Wesen in seiner Art. Darum ist es so: Der Eigensinn bleibt, die Unzufriedenheit bleibt, wenn man schon als Mensch unzufrieden war, wenn man eifersüchtig war oder welcher Art diese Untugenden auch sein mögen. Wenn man, so wie ihr sagt, “mit Leib und Seele” diesen Untugenden frönt, ist es etwas Schlimmes. Dann hat die Seele sich vollgetränkt mit dieser Kraft; und dann geht es in der Jenseitswelt eben viel länger – dann geht es in die Läuterung. Diese Kraft muss wieder ausgeschieden werden; dieses Denken und Wollen muss ja geläutert werden; dieses Od muss gereinigt werden. Denn es muss eine Harmonie geben von Seele und Geist in ihrer Kraft. Und darum geht es so lange, bis alles gereinigt ist. Wenn Menschen stur in ihren Gedanken und ihren Eigenarten sind, muss dies alles im Geiste ausgeglichen, muss es gereinigt, muss es abgelegt werden. Und das ist etwas, was ihr in eurem Leben tun könnt: euch im Geiste verfeinern, euer ganzes Wesen. Da wird eure menschliche Kraft feiner.
Und das ist das, was ich sagen wollte, was euch einst zum Vorteil sein wird. Denn diese Kraft, diese Feinheit vermengt sich mit dem Geistesleib und mit der Seele. Und dann steht man auch in einem ganz anderen Licht. Denn das Od kann fein sein, so fein, dass es zum Leuchten kommt; und es kann düster und dunkel sein, und dann geht es eben seine Zeit, bis es gereinigt ist. Das ist das, was ich euch zu sagen habe: Bemüht euch um höheres Denken und Wollen, und versucht es zu pflegen.
Und so möchte ich euch entlassen mit dem Segen Gottes; er soll euch begleiten und soll Einfluss nehmen auf euer ganzes Wesen. So sollt ihr behütet und beschützt sein auf all euren Wegen; und wer krank ist, soll gesunden an Leib und Seele, in Gottes Namen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 4.4.1973 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 1. Dezember 1971
Ungewöhnliche Todesumstände erfordern oft eine besondere Fürsorge. Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag, was für spezielle Anstrengungen Geister Gottes in manchen Fällen unternehmen müssen, um kleine Kinderseelen zu beruhigen und ihnen die notwendige Geborgenheit zu geben.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr lebt in einer Zeit grosser Kriegswirren und Nöte, und sicherlich habt ihr euch auch schon eure Gedanken darüber gemacht, was denn mit jenen geschieht, die in diesen Kriegswirren sterben, die aus dieser Not heraus in die Jenseitswelt kommen, auf welcher geistigen Stufe sie wohl stehen, wie es ihnen wohl ergeht. In der Regel gebe ich euch Erlebnisberichte, die aus Verhältnissen herausgegriffen sind, die eurem Leben ähnlich sind. Denn dadurch will man eure Erkenntnisse erweitern. Es geht ja darum, dass ihr euch dereinst in der Ewigkeit nicht fremd fühlt und ihr Kenntnis davon habt, dass ihr nach eurem Tode zum allergrössten Teil mit weissen verstorbenen Menschen zusammen sein werdet. Ihr werdet mit Geistgeschwistern zusammen sein, die in ihrer Entwicklung auf einer ähnlichen oder auf der gleichen Stufe stehen wie ihr. Damit gebe ich zum Ausdruck, dass gerade solche farbigen Völker, die jetzt auf dieser Erde so viel Leid erleben, eine andere Entwicklungsstufe einnehmen. Auch sie sind zu ihrem geistigen Aufstieg auf diese Erde gesandt worden und müssen durch die Wiedereinverleibung ihren geistigen Aufstieg beschleunigen. Ähnliches ist euch ja schon erklärt worden.
Ihr bedenkt nun, dass in diesen Ländern, wo Kriege herrschen, wirklich geistige, seelische und körperliche Not ist. Es ist euch ja in der letzten Zeit so deutlich vor euer Auge geführt worden, wie Menschen hungern und wie besonders auch Kinder hungern. Unschuldige Kinder werden Opfer dieser Kriegswirren. Unschuldige Kinder versucht man nun zu retten, indem man für Nahrung, Kleidung und Obdach besorgt ist. Es sind aber schon sehr, sehr viele an Hunger gestorben, Kinder wie Erwachsene, und immer noch werden ständig Menschen gefoltert und gequält. Und da fragt ihr euch: Wie steht es denn eigentlich mit ihnen, wenn sie in die geistige Welt kommen? Darüber möchte ich euch in dieser Stunde einige Erklärungen geben, und ich glaube, es ist geeigneter, dass ich diese Erklärung hier in diesem etwas engeren und besonders vertrauten Kreise meiner Freunde [im Saal an der Münchhaldenstrasse] darlegen kann, als wenn ich es Menschen erklären müsste, denen diese geistige Lehre noch unbekannt ist. Bei solchen wäre es für mich etwas schwer, diese Dinge darzulegen. Und so sollt ihr davon einen grösseren Gewinn haben und euch dadurch auch wieder etwas geistig bereichern können.
Betrachten wir nun zuerst einmal diese Kindlein, die hungers sterben mussten oder die umgebracht wurden. Diese Kindlein stehen geistig nicht auf derselben Ebene wie die weissen Menschen. Mit dieser Aussage möchte ich den Weissen absolut kein Kompliment machen, sondern es ist einfach eine Angelegenheit der Zeit und der Entwicklung, dass unter den weissen Menschen ein grosser Teil in ihrem Aufstieg doch etwas vorgerückt ist. Aber auch unter den weissen Menschen – dies wisst ihr genauso gut wie ich – gibt es welche, die in ihrer Entwicklung rückständig sind und ein sehr niederes Denken und Wollen haben. Also auch für die Weissen gibt es genauso wie für die farbigen Völker die Stufen des Aufstiegs, von den niederen zu den höheren.
Betrachten wir nun aber diese unschuldigen Geschöpflein, die die Menschwerdung annehmen mussten, damit auch sie ihre geistige Entwicklung beschleunigen können. Hier bedarf es doch wohl der Erklärung, wie es ihnen ergeht, wenn sie in die geistige Welt kommen. Dabei will ich einmal deutlich zum Ausdruck bringen, dass die Menschen ihre Gefühle und Erinnerungen aus ihrem Erdenleben in die geistige Welt mitnehmen. Die Erinnerungen sind Bestandteil der Seele geworden und bleiben in ihrem Innersten, auch wenn sie ihren Körper abgelegt haben. Wer also durch Not gegangen und in der Not gestorben ist, dem bleiben diese Beschwerden, diese Gefühle in der Erinnerung seiner Seele.
Kleine Kinder sind ja – je nach ihrem Alter – nicht fähig, die Dinge zu überlegen, zu verstehen; sie gewöhnen sich an das, was um sie ist. Sie gewöhnen sich an ihre Mutter, an die Menschen, die sie nach ihrem Vermögen hegen und pflegen. Sie fühlen eine Zugehörigkeit, eine Anhänglichkeit zu ihresgleichen, zu den Menschen ihres Volkes. Das Kleinkind erkennt seine Umgebung, es fühlt Sicherheit oder Unsicherheit, Aufregung oder Ruhe; für das ist es empfänglich. Wenn nun ein solches Kleinkind stirbt, sei es an Hunger oder sei es durch Gewalt, so ist sein menschliches Denken, seine Erinnerung doch in der Seele lebendig. Und wenn es nun in der Geisteswelt seine Augen öffnet, dann ist es von der neuen Welt, von den neuen Eindrücken genauso überrascht wie ein Mensch, der im Erwachsenenalter stirbt. Es ist eine falsche Meinung, wenn man glaubt, dass mit dem Tode, mit der Ankunft in der Ewigkeit, alles erlischt, was man als Mensch erlebt hatte. Es ist auch Sache der persönlichen Entwicklung, ob ein Geist in der Jenseitswelt gleich zu höheren Erkenntnissen kommen kann.
Ein Kleinkind – ob es nun ein Kind im Alter von fünf, sechs Monaten oder von bis zu drei Jahren ist – hat im Erdenleben schon eine Beziehung zu seiner Umgebung gehabt. Jetzt in der geistigen Welt wird es von Engeln und von Geistern aufgenommen, deren Aussehen oder, ich möchte sagen, deren Hautfarbe dieselbe ist wie die jener Menschen, mit denen es zusammenlebte. Die Umgebung, diese Wesenheiten – und darunter sind auch Engel Gottes – haben also eine Ähnlichkeit mit jenen Menschen, mit denen das Kind auf Erden zusammen war. Denn es tritt ja in seine Welt ein, in die es gehört; entsprechend seiner geistigen Entwicklung und entsprechend der Entwicklung seines Volkes wird es seinen Platz in der göttlichen Welt einnehmen. Aber trotzdem sind ihm diese Wesenheiten hier doch fremd, und auch die Umgebung ist ihm fremd. Es herrscht hier nicht diese grosse Armut wie auf Erden. Auch wenn dieses Kind in einer bescheidenen geistigen Stufe steht, ist es doch in einer Umgebung voller Geruhsamkeit erwacht. Es herrscht hier Ruhe, und Gefühle von Sicherheit werden dieses kleine Wesen recht bald beeinflussen. Aber trotz alldem ist ihm die Umgebung fremd und sind ihm die Wesen unbekannt.
Das Kind, das auf Erden bei seiner Mutter lebte, hat nun diese leibliche Mutter noch in seiner seelischen Erinnerung. Und zwar ist es nicht nur ihr Bild, ihr Aussehen, an das sich ein grösseres Kind erinnert; sondern es ist auch die Ausdünstung oder die Ausströmung der Mutter, die vom Kleinkind wahrgenommen wurde. Ich möchte fast sagen, das kleine Kind erkannte seine Mutter am Geruch, und in der geistigen Welt ist ihm diese Empfindsamkeit, dieses Empfindungsvermögen nicht genommen. Es vermisst also seine Mutter, denn es spürt nicht diese Atmosphäre, sagen wir, diese Ausdünstung, die die Mutter ausströmte. Ich spreche hier nicht von besonderen Wohlgerüchen, gar nicht, denn jene Menschen sind aufgrund ihrer Armut und Not eher ungepflegt. Aber jeder Mensch hat seine Ausdünstung, auch wenn diese von andern nicht unbedingt wahrgenommen wird. Aber der Geist selbst ist sehr empfindlich auf Gerüche. Dem Kinde war der Geruch der Mutter vertraut gewesen, und in der Jenseitswelt ist ihm die Erinnerung daran geblieben. Das Geistkind vermisst den Geruch der Mutter; es fühlt sich nicht geborgen, es fühlt sich unter fremden Wesen. Man will sich doch dieses Kindleins annehmen, es sind helfende Geister da, sowohl abgeschiedene Menschen als auch Engel Gottes, die sich dieser Wesen annehmen wollen. Aber nun ist beispielsweise ein solches Kind da, das nicht zu trösten ist. Es ist also irrig, zu meinen, der Geist eines solchen Kindes wäre einfach ruhig. Nein, das Kindlein, ob es nun nur einige Monate alt ist oder drei Jahre: Es schreit nach seiner Mutter.
Ihr seid darüber unterrichtet, dass Verstorbene, die zu uns in die Jenseitswelt kommen, üblicherweise in einen geistigen Schlaf geführt werden. Denn dieser Schlaf soll ihnen eine Beruhigung bringen; im geistigen Schlaf vollzieht sich eine Angleichung, eine Anpassung an die neue Welt. Sie können enttäuscht, aufgeregt in diese neue Welt eintreten, und nach einem geistigen Schlaf können sie womöglich beruhigt erwachen – aber nur womöglich. So ist es auch mit diesen Kindlein. Wenn sie so weinen und untröstlich sind, muss man sie in einen Schlaf bringen. Dies geschieht nicht etwa, indem man dem Kindlein gut zuspricht; denn das Kindlein würde in seiner Aufregung ebenso wenig schlafen, wie es auch im menschlichen Leibe nach grosser Aufregung nicht sofort einschläft. Damit es nun nicht lange weiter weint und weiter ruft, gibt man ihm ein geistiges Medikament, sagen wir, das es in den Schlaf bringt. Man streicht ihm ein Öl, eine Salbe über seine Stirn, unter seine Lippen, und das Kindlein fängt gleich an zu schlafen. Dann wachen Geister Gottes über das Kindlein, denn es kann plötzlich wieder erwachen. Es kann zu früh erwachen, und es fängt wieder von Neuem an zu schreien. Der Schlaf war zu kurz, das Medikament zu wenig stark; also wird man das Kindlein von Neuem in den Schlaf versetzen.
Engel Gottes wachen genau darüber. Sie kennen genau die Zeit, wie lange man ein solches Kleinkind schlafen lassen soll und will, und wie hoch die Dosierung dieser Medikamente sein darf. Ist die Zeit gekommen, dass ein Kindlein sogar geweckt werden muss, wird es von den Geistern Gottes aufgeweckt. Ist ihm dann aber diese neue Welt immer noch fremd, fängt es doch gleich wieder an zu schreien und zu weinen. Dann versucht man zuerst, ihm einmal ein Getränk und eine Speise zu geben. Diese richten sich genau nach der Art und Weise aus, wie man es verpflegt hatte in seinem menschlichen Leben. Der Geschmack der Getränke und Speisen ist in ähnlichster Weise, und auch das Essgeschirr, also die Gefässe, haben die ähnlichste Form wie zur Zeit des menschlichen Lebens. Man will dem Kleinkind nichts Fremdes vorsetzen, man will es nun an diese neue Welt binden. Verweigert es die Nahrung, dann muss man danach forschen, auf welche Art und Weise dieses Kind beruhigt werden kann.
So möchte ich jetzt von einem solchen Fall erzählen. Die Geisterwelt Gottes hat ja den Einblick oder den Rückblick in jene Welt, woher das Kindlein kommt; sie weiss, an welchem Ort, in welchem Dorf es gelebt hat, aus welcher Umgebung es kommt. Und so wird sie auch gleich danach forschen, ob seine Mutter noch lebt, ob Angehörige zurückgeblieben sind oder ob diese Mutter womöglich auch gestorben ist und nun in einer anderen Sphäre weilt. Ist dieses Kindlein wirklich so untröstlich, so sucht man die Mutter. Und die Mutter wurde jetzt in diesem Falle, von dem ich berichte, auf Erden gefunden – verzweifelt, krank, weinend war sie in einem Versteck. Sie hatte noch andere ihrer Kinder verloren; es waren ältere Kinder, die in der Geisteswelt ihre Obhut gefunden haben und getröstet werden konnten. Ihre noch lebenden Kinder waren bei ihr, und sie alle hungerten. Die Geister Gottes konnten einen Blick in die Zukunft dieser Menschen machen und feststellen, ob es für sie ein Überleben gab oder ob auch sie hungers sterben würden. Und da man erkannte, dass auch sie an Hunger und durch Krankheit sterben würden, beschleunigte man ihr Sterben. Man hatte also ihre Leiden gekürzt und sie auch aufgenommen in der Gotteswelt. Diese schon grösseren Kinder, die etwas mehr Verständnis für die neue Welt aufbringen konnten, konnte man gleich für dieses und jenes interessieren; man konnte ihnen also ihren Weg zeigen, während man nun die Mutter unbedingt nötig hatte für dieses kleinste Kind, das seinen Weg nicht finden konnte oder das so unglücklich war und sich nicht trösten liess.
Es bedurfte guten Zuredens, um es dieser Mutter klarzumachen: “Du hast das menschliche Leiden hinter dich gebracht, und nun sollst du dich jenen widmen, die in der Ewigkeit leben. Du wirst mit allen Kindern gelegentlich zusammenkommen, aber das kleinste braucht dich jetzt.” Für die Mutter war dies eine Überraschung, eine Freude. Sie trauerte ja dem Leben nicht nach, sie hatte doch nur Hunger, Krankheit, Not, Elend erlebt. Also fühlte sie sich wohler in der göttlichen Welt und konnte sich gleich anpassen. Die himmlischen Wesen, die sie empfangen hatten, waren überaus höflich, überaus freundlich; sie gaben ihr schöne Kleider zum Anziehen, pflegten sie, ihr Aussehen in erster Linie, und gaben ihr Speise und Trank. Dann führten sie sie zu ihrem jüngsten Kinde.
Das Kind erkannte die Mutter sogleich. Das mag nur für denjenigen etwas unverständlich sein, der diese geistige Lehre nicht kennt. Doch das Aussehen einer heimgekehrten Seele hat grösste Ähnlichkeit mit dem früheren irdischen Antlitz. Der irdische Leib wurde zurückgelassen. Aber es besteht noch eine odische Verbindung zwischen Seele und Leib, sodass das reingeistige Aussehen in der ersten Zeit noch davon überschattet ist. So war es auch bei dieser Mutterseele: Ihre Erdgebundenheit und damit die Verdichtung ihres Odes waren noch so stark, dass sie noch so aussah wie zur Zeit ihres menschlichen Lebens. Auch das Kindlein, obwohl geistig unbelastet, hatte durch die Verbundenheit zu seinem irdischen Od noch dasselbe Aussehen, sodass auch die Mutter ihr Kind erkennen konnte.
So wurde also diese Mutter zu ihrem Kindlein geführt, und das Kindlein erkannte sie sogleich und nahm sie selbstverständlich an. Es fühlte sich wohl bei der Mutter, und die Mutter war überglücklich. Sie fühlte in ihrer Seele den wahren Frieden. Sie war befreit von der Not, von der Qual, von allem Unbehagen und durfte ihr Kindlein eng umschlungen in ihren Armen halten. So waren sie beide überglücklich. Die Mutterseele wurde im Weiteren unterrichtet und getröstet, dass sie auch mit den andern Kindern zusammenkommen werde, dass diese aber alle gut aufgehoben seien und sie unbesorgt sein dürfe. Da ihr so viel Freude und so viele Überraschungen in angenehmster Weise gegeben wurden, hatte sie auch keinen Zweifel darüber, dass das, was ihr gesagt wurde, der Wahrheit entsprach. Trotz ihrer noch engen Verbundenheit zur verlassenen Welt bejahte sie doch jetzt die neue Umgebung und hatte nur den einen Wunsch, von dieser neuen Welt nicht mehr getrennt zu werden. Sie fasste Vertrauen zu den Wesenheiten hier, und so glaubte sie es, dass sie auch mit den andern Kindern zusammenkommen werde.
Den Engeln Gottes ging es in diesem Falle aber zuerst darum, dass jetzt dieser kleine Schreihals einmal seine Ruhe findet. So hatte man die Mutter beauftragt, das Kind zu umsorgen. In der Zeit, wenn es schlief – denn ein kleines Geistkind bedarf ebenso des vermehrten Schlafes wie ein Kleinkind im menschlichen Leib –, brauchte man diese Mutter auch für andere Kinder. Denn aus dem gleichen Volke waren ja noch so viele da, und auch bei ihnen musste ein tröstendes Wesen sein, das eine Ähnlichkeit hatte mit den Angehörigen, die sie in der Welt zurückgelassen hatten – es sollten also nicht Wesenheiten sein, die weiss sind wie ihr, sondern deren Hautfarbe auch im Geistigen dunkel ist. So hatte diese Mutter ihre Aufgabe nicht nur an ihrem eigenen Kinde erfüllen dürfen, sondern auch an andern; denn sie erachtete es ebenso als ihre Pflicht, auch den andern ihren Trost und Beistand zu geben. Sie wurde dann auch zu ihren andern Kindern geführt und durfte mit ihnen zusammen sein, sich mit ihnen unterhalten. Aber sie selbst erkannte, dass ihre Aufgabe jetzt im Kinderparadies ihres kleinsten Kindes war, während die andern, die in ihrem Wachstum etwas fortgeschritten waren, nicht mehr in dieses Kleinkinderparadies gehörten. Aber die Mutter hatte die Möglichkeit, sich auch mit ihren andern Kindern zu treffen.
Diese schon etwas älteren Kinder weinten auch nicht, dass sie die Welt hatten verlassen müssen. Sie, die schon etwas mehr Verständnis besassen, waren überaus glücklich und voller Freude, in dieser neuen Welt leben zu dürfen. Sie erlebten hier so viele Überraschungen und so viel Schönes. Es kamen aber auch Aufgaben an sie heran, denn es waren heranwachsende Geistgeschwister, die geschult werden mussten. Obwohl man diese Schule nicht besonders schätzte, erkannte man doch die Notwendigkeit, in dieser Weise unterrichtet zu werden. Denn es wurde diesen Kindern, die schon etwas mehr Verständnis hatten, klargemacht: “Ihr müsst ja gelegentlich wieder in das Menschsein zurückkehren. Ihr solltet dann aber als geistig erstarkte Menschen leben können.” So erklärte man ihnen die Notwendigkeit, dass sie auch im Geistigen geschult werden müssen. Je grösser ihr Eifer sei, desto eher werde es möglich, dass das Wissen sich in ihrer Seele vertiefe und es ihnen dann in ihrem zukünftigen menschlichen Dasein leichterfalle, anzunehmen, worüber sie dann als Mensch belehrt würden. Sie wären dann im Geiste gestärkt, und sie könnten besser überlegen, besser denken, und sie wären befähigt, Schulen zu besuchen und den andern Menschen gegenüber oder den weissen Menschen gegenüber eine Gleichberechtigung zu erhalten. Es sei aber notwendig, dass sie jetzt in der geistigen Welt alles daransetzten, einen grossen Schritt vorwärts zu machen.
So werden diese Heranwachsenden belehrt. Ich muss es betonen, es handelt sich um Heranwachsende, denn sie sind ja nicht als erwachsene Menschen gestorben, sie waren auf Erden in ihrer körperlichen Entwicklung noch nicht voll ausgereift; also müssen sie in der geistigen Welt diese Phase des geistigen Wachstums durchleben. Diese Kinder sind zum grossen Teil fleissig, denn sie bemühen sich um ein besseres Wissen. In ihrer Erinnerung ist noch das schreckliche Geschehen, die Armut in ihrem Leben; das haben sie noch in ihrer Erinnerung. Denn das wird genauso wenig ausgelöscht wie irgendeine andere Erinnerung eines weissen Menschen. So sind jene viel weniger beschäftigt mit Habsucht, Habgier, Eifersucht und dergleichen – sie sehen ihre Leiden, die sie gehabt haben, ihre Armut, und sind davon beeindruckt. Sie sind in eine bessere Welt hineingekommen, die ihnen Schönes darbietet, und so haben sie gar keine Ursache, jener traurigen Welt nachzusinnen. Für die Geisterwelt Gottes ist es stets ein Vorteil, wenn solche jungen Geistgeschwister bereit sind, sich belehren zu lassen, und man ihnen ohne besondere Mühe diese Belehrungen vermitteln kann. Wenn sie eben schon ein gewisses Verständnis und eine Überlegungskraft haben, ist es für die Geisterwelt einfacher. Schlimm bestellt ist es jeweils eben um kleine Kinder. Sie haben ja nicht das Verständnis, sie leiden unter der Sehnsucht nach ihren Angehörigen, auch wenn sie in grösster Armut gelebt haben. Sie sind nun in eine fremde Welt gekommen, und es können lange nicht alle beruhigt werden, trotz Schlaf, trotz Speise und feinem Trank, der ihnen angeboten wird. Es gibt welche, die man zufrieden und glücklich machen kann; sie finden Freude an den Geistgeschwistern, die sich mit ihnen abgeben. Es sind Engel da, sie haben ein liebliches Aussehen, und sie machen Spässe mit ihnen; so kann sich ein Teil dieser Wesen der neuen Welt anpassen. Auch darüber ist die göttliche Welt jedes Mal froh, denn es gibt ihr ja zusätzlich Arbeit, wenn man diese Gemüter nicht beruhigen kann.
Nun will ich von einem anderen Kleinkind sprechen, das ebenso untröstlich war. Da gilt es, immer zuerst festzustellen, welche Vergangenheit das Kind hat. Die Engel Gottes tun das in jedem Falle; denn jedes, das da kommt, ist eine Persönlichkeit. Mit jedem gibt man sich ganz besonders ab, und so erkundigen sich die Engel Gottes nach der Vergangenheit eines Kindes. Sie schauen nach den Eltern, suchen, wo sie sind, ob im Diesseits oder Jenseits; oder sie forschen danach, was es denn sein kann, das dieses Kind so besorgt macht, dass es nicht zu beruhigen ist trotz Schlaf, trotz Speise.
Und in dem Falle, von dem ich jetzt berichte, war es so, dass ein Engel Gottes Nachschau hielt und die Feststellung machte, dass weder Mutter noch Vater noch irgendwelche Geschwister sich besonders um dieses Kind von zwei Jahren, nach eurer menschlichen Berechnung, gekümmert hatten. Wohl hatte man ihm, ehe der grosse Hunger kam, das Notwendige gegeben, das es zum Leben brauchte. Aber wenn es an Nahrung fehlt und so viele Kinder da sind, dann ist es leider so, dass die Eltern nicht weinen, wenn eins, zwei oder drei von ihren Kindern wegsterben. Sie haben ja nichts zu geben, und es sind noch andere Kinder da. Sie möchten vielleicht lieber zwei sättigen, als alle zehn oder noch mehr hungern zu sehen. Also trauern sie nicht, wenn eines stirbt, und tun nichts dagegen. Die Eltern oder die Mutter, meistens ist sie ja allein, wird so apathisch. Sie selbst leidet an Hunger, und niemand kümmert sich um sie. Sowohl die Kinder als auch die Mutter sind so apathisch und fühlen sich verlassen. So geht auch dieses Erleben in die Erinnerung eines solchen Kindes. Es hat kein Gefühl von Zusammengehörigkeit in der Erinnerung an seine Geschwister, an seine Mutter; es wurde so viel allein gelassen, sich selbst überlassen in seinem Schmutz, in seinem Hunger, in seiner Not – es hatte keine besondere Bindung.
Aber dieses Kind, von dem ich jetzt berichte, hatte doch etwas gehabt, woran es hing. Und zwar war dies eine ganz primitive Puppe, die mit etwas Holz zusammengebastelt war. Diese Puppe war für das Kind sein Ein und Alles. Es weinte und schrie genau wie die andern. Obwohl es allen möglichen Beistand und Trost erhielt – es durfte also den Schlaf durchmachen, es wurde mit Nahrung versorgt, und man kümmert sich um es –, war es nicht zu beruhigen. Es schrie aber nicht nach der Mutter, es schrie nur nach dieser jämmerlichen Gestalt von einer Puppe. Und der Engel Gottes holte sich diese Puppe – natürlich nicht die materielle Puppe, die auf Erden zurückgelassen worden war, sondern die verdichtete geistige Form davon, die man aus der Materie gestalten konnte. Die geistige Puppe gab man diesem Geistkind, und es strahlte und freute sich daran. Diese Puppe würdet ihr vielleicht nach eurer neuen Theorie als Mutterersatz oder Liebesersatz bezeichnen. Das mag sein, sie war für dieses Kind ein gewisser Ersatz. Es hatte etwas, das ihm gehörte und das es lieben konnte auf seine Weise. Und so brauchte es gar nichts anderes als nur diese Puppe. Das hatten die Engel erkannt. Sie mussten sich dafür aber um die Vergangenheit dieses Kindes kümmern; sie mussten in das Dorf zurückkehren, also die Umgebung betrachten und Rückschau halten, wie es gelebt hatte. Und auf diese Weise konnten sie die Feststellung machen, was dem Kind fehlte. Menschen haben manchmal die irrige Auffassung: “Ja Gott weiss doch alles, und für ihn ist alles gegenwärtig.” Nein, darum erkläre ich ja diese Dinge, auf welche Art und Weise es möglich wird, einem Kinde das zu geben, was es zufriedenstellt. Die Engel mussten also in diesem Falle in seine einstige irdische Umgebung gehen und sich hier nach diesen Dingen umsehen.
So behielt nun dieses Kind diese Puppengestalt für eine lange Zeit. Es gewöhnte sich dann aber recht schnell an die neue Umgebung. Sie gefiel ihm, denn die Engelwesen waren liebevoll zu ihm; sie hatten ein liebliches Aussehen und waren auch lieblich gekleidet. So kann sich ein solches Geistkind an diesen geistigen Wesen nur freuen, und es schliesst recht bald Freundschaft. Man brachte dann diesem Kinde recht bald schönere Puppen, schönere, bessere Spielzeuge, und mit der Zeit hatte es sich auch an das Neue gewöhnt.
Das ist also auch ein Fall von vielen Hunderten verschiedener Begebenheiten, die sich im Geistigen abspielen, wenn solche Kleinkinder zurückkommen und sie ein Verlangen haben nach Angehörigen oder vielleicht eben, wie in diesem Falle, nach einer Puppe.
Ich möchte euch noch von einem weiteren Kleinkind berichten, das in der neuen Welt so geweint hat und untröstlich war. Denn ich möchte heute hauptsächlich von solchen Fällen sprechen, weil man nicht annehmen darf, dass bei jenen Menschen, die aus Armut und Not heraus in die Jenseitswelt gelangen, nach dem irdischen Tode einfach gleich alles in Glück und Seligkeit aufgehe. Bei ihnen verhält es sich ähnlich wie bei, sagen wir, verstorbenen weissen Menschen: Auch sie fühlen sich genauso noch an ihre zurückgelassene Umgebung und an ihre Welt gebunden.
So war auch dieses Kind, von dem ich jetzt berichte, untröstlich, und man schaute auch in diesem Falle nach, warum es denn nicht beruhigt werden konnte, ob es wohl nach seiner Mutter weinen würde. Nun war es in diesem Falle so, dass dieses Kleinkind auf Erden mit Tieren aufgewachsen war, mit Ziegen, Schafen und andern, gefiederten Tieren. Dieses Kind war mit diesen Tieren glücklich und zufrieden gewesen, denn es war jeweils zum grossen Teil auch sich selbst überlassen worden. Es hatte also seine Tiere gehabt, mit denen es sich zu unterhalten versuchte, und diese Umgebung, diese Tiere waren nach seinem irdischen Tode in seiner Erinnerung. Nun hatte die Gotteswelt in gleicher Weise, wie ich es vorhin erzählte, auch danach geforscht, warum sich denn dieses Kind nicht beruhigen liess, was man ihm denn geben könnte, um es zu beruhigen. Und so hat man dann eben diese Feststellung gemacht, dass ihm seine Tiere fehlten. Und da man in der geistigen Welt auch nicht besonders erfreut ist, wenn diese Kinder unaufhörlich schreien und weinen, versucht man eben auch dementsprechend etwas zu unternehmen, um sie zu beruhigen. Ihr dürft nicht etwa glauben, man würde diese kleinen Wesen einfach mit geistigen Medikamenten beruhigen. Das wäre nicht normal, das dürfte man nicht tun. Man kann Medikamente anwenden, wenn es geistig erforderlich ist zur Gesundung, aber wenn andere Möglichkeiten vorhanden sind, die man in Anspruch nehmen kann, wird das selbstverständlich zuerst getan.
Also was tat man dann mit diesem Kleinkind? In der geistigen Welt, also auch in diesem Kinderparadies, gibt es selbstverständlich auch Tiere. Sie leben natürlich nicht in den Häusern, in denen die Kinder aufgenommen und gepflegt werden. Diese Kinderparadiese haben ihre Gärten, genauso auch ihre geistige Natur, ihre kleinen Wälder sogar, und eine Tierwelt ist vorhanden in allen Stufen, ob in niederen oder höheren Ebenen – es unterscheiden sich dann einfach die verschiedenen Tiere in ihrer eigenen geistigen Entwicklung. Anderseits können auch besondere Tiere vorübergehend in ein Kinderparadies geführt werden, um die Kinder dort zu erfreuen. Also hatte man nun dieses Kind einfach kurzerhand genommen und in den Garten gebracht, wo diese Tiere waren. Hier fand es all diese vertrauten Tiere wieder wie zu seinen Lebzeiten. Und so hörte es gleich auf zu schreien; denn es hatte das Gefühl, es wäre wieder in seiner alten Heimat – obwohl da in der geistigen Welt ja alles gepflegt ist, während im irdischen Bereich alles in Unordnung und in einem Durcheinander war. Aber an diese Ordnung gewöhnt sich ein geistiges Wesen schnell, besonders diese Kinder. Denn Engelwesen geben sich mit diesen Kindern ab, und das gefällt ihnen sehr. Also konnte dieses Kind auf diese Weise Beruhigung finden.
Die Eltern dieses Kindes waren nicht in der geistigen Welt, sie lebten noch in ihrem Dorf auf Erden. Man kann also nicht in allen Fällen einfach das Leben einer Mutter oder eines Vaters kürzen, nur um ein Kind zu beruhigen. Das geht nicht, denn alles ist an die Ordnung gebunden und richtet sich in der göttlichen Welt nach der Ordnung aus. Dieses Kind konnte seinen Frieden finden unter den Tieren. Natürlich wurde es dann wieder in das Haus zurückgenommen, aber es wusste genau: “Ich darf wieder zu den Tieren zurück”, und so hatte es sich dieser neuen Umgebung sehr schnell angepasst. Es genoss dann auch diese geistige Erziehung wie jedes andere Kind. Nur in der ersten Zeit bedurfte es dieses Entgegenkommens, damit es sich der neuen Welt schneller anpassen konnte.
Jetzt möchte ich noch etwas erklären von Erwachsenen, die in die göttliche Welt kommen. Und auch hier meine ich jetzt nicht weisse Menschen, sondern Menschen mit einer anderen Hautfarbe, die aus diesen Kriegswirren kommen, die Hunger leiden mussten, umgebracht wurden. Da war also eine Frau, die hungers gestorben war. Als sie in der Gotteswelt ihr Auge geöffnet, strahlte sie; sie war überglücklich, denn als Erstes setzte man ihr gleich Speise und Trank vor. Man gab ihr Kleider, ordentliche Kleider, und man gab ihr zu verstehen, dass sie später mit ihren Angehörigen, die zum Teil auch in der geistigen Welt waren, zusammenkommen dürfe. Aber zuerst müsse sie sich umsehen und sich mit der neuen Welt anfreunden.
Die neuen Eindrücke waren für dieses weibliche Wesen so gross, und sie war so erfreut. Sie hatte zu Lebzeiten etwas von einer christlichen Lehre gehört, und nun durfte sie so vieles darüber vernehmen: über die wahre Liebe und Güte und über das Himmelreich, das seine Tore öffnet für jene, die im menschlichen Leben leiden mussten, die von andern Menschen geplagt und gequält wurden, die grosse Nöte durchzustehen hatten und eben sogar hungers sterben mussten. Sie sollten nun in der göttlichen Welt Aufnahme finden, und die Gotteswelt würde versuchen, etwas an ihnen wiedergutzumachen, was sie durch die grosse Schuld anderer Menschen erleiden mussten.
Und so gefiel es dieser geistigen Schwester besonders gut, und sie hatte nur ein Verlangen: “Sendet mich nie wieder in ein menschliches Dasein.” Sie war auch bereit, alles zu tun, jede Arbeit auszuführen. Sie hatte nur zu staunen über all das Wunderbare, das sie in ihrer bescheidenen Welt erlebte. Denn auch sie stand ja noch auf einer unteren Stufe des Aufstieges. Aber sie fand die Geschwister, die da waren, alle so freundlich, so hilfsbereit, so gut, und sie erlebte ihre neue Heimat als ein Paradies im Gegensatz zu dem, was sie auf Erden zurückgelassen. Für sie war es der Himmel, obwohl es eine untere Aufstiegsstufe war, in der sich ein geistig besser entwickelter verstorbener Mensch, wäre er dorthin gesandt worden, zutiefst unglücklich gefühlt hätte; denn da war doch alles noch so primitiv. Aber für diese geistige Schwester war es ein Himmel.
Ihr könnt euch nun vielleicht eine Vorstellung davon machen, was es für einen verstorbenen Menschen bedeutet, wenn er aus einer primitiven Welt kommt, wo die Hütten nur aus Blech und Lumpen zusammengestellt waren und wo er froh sein musste, etwas zu essen zu haben, wenn er aus einer solchen Welt plötzlich in eine Umgebung kommt, wo alles geordnet ist und jeder Gegenstand und alles seinen Platz hat. Dieses ist für ein solches Wesen der Himmel, und in diesem Himmel fühlen sich diese aufsteigenden Geister zufrieden und glücklich. Es ist die Aufgabe der Engelwesen, sich um diese Wesen zu bemühen. Diese Aufgabe ist nicht leicht, sie ist sehr gross, denn es sind ja Geistgeschwister, die von unten kommen. Sie sind im Aufstieg nach oben und müssen belehrt werden, und man versucht sie so zu fördern, dass ihr Aufstieg beschleunigt wird. Denn es sind noch so unendlich viele, die von unten kommen und die andern vorwärtsdrängen. So finden die einen ihr Glück in der göttlichen Welt schon in einer ganz bescheidenen Umgebung, und sie betrachten alles schon als den höchsten Himmel. [...]
Das, was ich euch heute erklärte, hat viel Ähnlichkeit mit der Aussage der Bergpredigt. Wenn ihr die Bergpredigt lest, dann könnt ihr daraus erkennen, wie das Himmelreich bereit ist, den Leidenden den Beistand zu geben (Mat. 5, 1–12). Diese müssen ja gar nicht unbedingt im christlichen Glauben gelebt haben oder erzogen worden sein, sie können ja einer anderen Religion angehören. Aber sie alle sind Geschwister aus einem Reiche, aus dem Reiche Gottes, für die Christus ebenso gelitten hat und gestorben ist wie für alle andern. Und so müssen sie eben in dieser Beziehung im geistigen Reiche dann noch belehrt und unterrichtet werden. Ihr habt aber nun die Antwort dafür, wie es jenen ergeht, die aus einer Welt voller Elend und Not in die Geisteswelt heimkehren, was im Gesetz und in der Ordnung Gottes steht, wie man solche behandelt, wie man ihnen begegnet, wie man ihnen hilft. Dieses betone ich, weil es immer Menschen gibt, die glauben, Gott müsse nur ein Wort sprechen und alles würde so sein, wie er es sich wünsche. Die Ordnung Gottes hat ihre Gesetze, und alles muss nach diesen Gesetzen gehen.
Ihr hattet heute Abend die Möglichkeit, Weiteres über diese göttlichen Gesetze zu hören, und so möchte ich annehmen, dass dies alles euch hilft, eure geistigen Erkenntnisse wieder etwas zu erweitern. Es ist unser Wunsch und unser Verlangen, dass ihr vom Segen Gottes umgeben seid, dass ihr in der Begleitung von Geistern Gottes seid, dass euer Denken und Wollen in einer solchen Erhabenheit ist, dass nur feinstoffliches Od euch umgibt. Denn dieses feinstoffliche Od, das ihr in euch und um euch habt, wird einst massgebend dafür sein, in welche Welt, in welchen Himmel ihr kommen werdet. Denn je höher man hinaufsteigt, desto feiner, desto strahlender, herrlicher, vornehmer und edler ist jene Welt und desto mehr Glück und Frieden empfinden die Seelen jener geistigen Wesen, denn sie sind der Einheit mit Gott nähergekommen.
Nun habe ich euch wieder zu verlassen und möchte den Segen Gottes über euch alle erbitten. Er möge euch behüten und beschützen und einem jeden Anwesenden helfen zu gesunden an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 1.12.1971 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)