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Es ist kein Zufall, welche Kinder in welche Familie hineingeboren werden. Doch wie geschieht es, dass Eltern wirklich die Kinder erhalten, die zu ihnen gehören? Dieses Themenheft gibt Auskunft über die geistige Ordnung bei der Einverleibung. Es unterrichtet über die geistige Führung, die bestimmt, welches Kind welcher Familie zugeführt wird. Die Geisterwelt Gottes hat die Möglichkeit, werdende Eltern aufgrund ihrer persönlichen Vergangenheit, ihres Lebensplans und ihrer Wesensart genau zu beurteilen. Entsprechend dieser Beurteilung macht sie ihre Pläne. Bereits frühzeitig wird eine werdende Mutter an eine bestimmte geistige Ebene angeschlossen, mit der sie durch ein Odband verbunden bleibt. An diese Ebene sind wiederum Geistwesen gebunden, die für ein neues menschliches Dasein vorbereitet werden. Unter diesen Wesen wird dasjenige ausgesucht, das am besten in die betreffenden irdischen Verhältnisse passt oder das bereits in einer gewissen – beispielsweise karmischen – Beziehung zu einem Elternteil steht.
Josef, 23. März 1974
Wie geschieht es, dass Eltern wirklich die Kinder erhalten, die zu ihnen gehören? Geistlehrer Josef unterrichtet in diesem Vortrag über die wunderbare geistige Führung, die bestimmt, welches Kind welcher Familie zugeführt wird.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es gibt Menschen, von denen man sagt, sie seien unter einem guten Stern geboren. Und dies ist tatsächlich so. Es gibt Menschen, denen alles gelingt, was sie in die Hände nehmen, und das geringe Schicksal, das an sie vielleicht doch herankommt, ist manchmal gar noch selbst verschuldet. Es gibt tatsächlich Menschen, die unter einem guten Stern geboren sind, deren Seele nicht belastet, deren ganzes Wesen erhaben ist. Es ist notwendig, dass auch solche als Menschen einverleibt werden. Überlegt einmal, wie es aussehen würde auf dieser Erde, wenn nur sehr belastete Menschen auf ihr leben würden. Das wäre für den Aufstieg nicht gut, denn es muss ja immer so sein, dass Starke die Schwachen führen und die in Unkenntnis Lebenden unterrichten können, so gut es geht. Führende Menschen müssen es sein, die so mithelfen, den Heilsplan in Erfüllung zu bringen. Es ist wohl für eine Familie ein grosses Glück, jemanden unter sich zu haben, von dem man sagen kann, dass er wirklich ein guter, edler Mensch ist.
Ich versuche nun über ein Thema zu reden, das man schon längst gewünscht hat, worüber ich aber bisher noch keine genaueren Angaben gemacht habe. Man fragt sich: “Wie ist es möglich, dass in eine Familie wirklich diese Kinder geboren werden, die, wie gesagt wird, auch dorthin gehören? Denn in der geistigen Sprache sagt man, dass in jeder Familie die Kinder leben, die dorthin gehören, die man sich verdient hat.”
Die Ordnung Gottes ist doch wunderbar, sie ist so genau, und nichts geschieht ohne Wissen der Gotteswelt. Alles wird beobachtet, alles hat auch seine Führung. Wenn es nun darum geht, dass die Möglichkeit besteht, einen Geist in eine Familie einzuverleiben, so ist diese werdende Mutter an einen geistigen Plan angeschlossen, mit dem sie durch ein geistiges Odband gezeichnet und verbunden bleibt. Gezeichnet ist sie für jene Geistwesen, die für diese Ordnung beauftragt sind und dafür zu sorgen haben, dass sich alles genau erfüllt. Es sind jene geistigen Beobachter, die für diese Ordnung auch verantwortlich sind. Alles wird gesehen, alles wird beobachtet. Sieht man nun eine werdende Mutter, so beobachtet man in erster Linie ihre eigene geistige Entwicklung. Hat man diese erkannt, so zieht man die Verbindung zu jenem geistigen Plan, wo sie angegliedert ist. An jenen geistigen Plan sind wiederum Geistwesen gebunden, die für ein neues menschliches Dasein vorbereitet sind. Dabei muss alles mit der geistigen Entwicklung des Elternpaares übereinstimmen, sowohl derjenigen des Vaters als auch der Mutter, muss ich betonen; denn nicht in allen Fällen kann man allein die Mutter für das zukünftige Kind verantwortlich machen. Es ist auch der Vater, der doch einerseits Verdienste haben kann, anderseits belastet sein kann. Also muss dies einmal genau abgeklärt werden: Was will man, und was liegt in den Grenzen, wen kann man dieser Familie als Kind anvertrauen? Frühzeitig werden ja diese in der Geisteswelt vorbereiteten Wesen in eine Gemeinschaft oder einen Plan eingegliedert. Die Wesen, die demselben Plane angegliedert sind, haben alle so ziemlich eine gleichwertige, gleichmässige geistige Entwicklung oder auch Belastung; sie sind also sozusagen geistig gleichgestellt.
Bei diesen Eltern, ob beim Vater oder bei der Mutter, wird nun einiges abgeklärt. Wenn beispielsweise der eine Elternteil mehr belastet ist als der andere und man den beiden ein belastetes oder schwer erziehbares Kind gibt, wäre dafür doch eigentlich nur dieser eine Elternteil verantwortlich. Wenn aber zwei Menschen versprechen, miteinander durchs Leben zu gehen, wenn sie das Gelübde ablegen, in guten und in schlechten Tagen beisammen zu sein, miteinander alles zu teilen und zusammengehören zu wollen, dann verpflichtet sich ein jeder Teil, auch das Schicksal des andern mitzutragen. Ihr begegnet ja oftmals einer Familie, in der ein Kind nicht einen gesunden Leib und gesundes Denken hat. Es ist gut, dass die Eltern nicht wissen, warum ausgerechnet sie ein solches Kind haben. Und es ist gut, dass keiner von beiden weiss, wer eigentlich der Hauptverantwortliche dafür ist, dass man ein solches Kind haben muss. Man trägt also miteinander das Schicksal, und dies ist in Ordnung.
Ich möchte aber präzisieren und erklären, dass es sehr viele solche geistigen Pläne gibt, in denen diese Zusammengehörigkeit vorgezeichnet wird. Denn so verschieden in ihrer geistigen Entwicklung die Menschen sind, sind es auch die Seelen, die in die Vorbereitung für ein neues Erdenleben gehen. Es gibt Eltern, die sich einst in ihrem geistigen Leben vor ihrer Menschwerdung bereit erklärt hatten, ein Kind zu sich zu nehmen, das aus der untersten Tiefe kommt. All dies wird in der Seele festgelegt und kann von den betreffenden Engelwesen erkannt werden. Sie wissen also, dass dies für sie ein Gebot ist, es zu erfüllen.
So geschieht es auf diese Weise, dass man in der Seele eines Menschen, der da lebt, doch lesen kann, was er an geistigen Gewinnen, was er an Belastungen hat, was man ihm zumuten kann, wie er von der Himmelswelt einst gezeichnet wurde für Vergehen, die er unbedingt durch ein Karma abtragen muss. Es gibt aber Vergehen, für die man nur bedingt gezeichnet ist, wo die Gotteswelt bereit ist, Nachsicht zu haben. Auch will ich nicht unterlassen zu sagen, dass das zukünftige Leben eines Menschen, ehe er da in dieses Dasein tritt, so gezeichnet ist, dass Möglichkeiten zu Veränderungen vorhanden sind. Die Gnade Gottes ist überaus gross. Der Lebensführung des Menschen entsprechend zeigt man manche Güte, und viel Gnade kommt zum Ausdruck. So vermag dann die Gotteswelt manches von sich aus zu mildern, wenn sie erkennt, dass es wirklich am Platze ist, dass man diesem Menschen entgegenkommt. Er muss aber seinerseits das Seinige leisten, um in den Verdienst dieser Nachsicht zu kommen.
So versuchen nun die Geister Gottes den Anschluss von einer werdenden Mutter zu jenem Plan in der Geisteswelt zu schaffen, wo sie entwicklungsgemäss Anschluss findet. Die Geisteswelt kann aber ohne Weiteres auch erkennen, wo die Möglichkeit nicht besteht, dass eine werdende Mutter das Kind tatsächlich zur Welt bringt. Auch die Geisteswelt weiss ja nicht in allen Dingen, was der Mensch will und wie er entscheidet. Es liegt so viel im Entscheid des Menschen selbst. Solche Unsicherheiten werden von der Geisterwelt Gottes aber erkannt. Sie sieht das Denken des Menschen und die Verhältnisse, in denen er lebt, und kann sich so schon ein Bild davon machen, was möglich ist, was sich erfüllen könnte. Sie hat für solche Frauen oder, sagen wir, werdende Mütter, bei denen man infrage stellt, ob es wirklich zu einer Geburt kommt, besondere Anschlussmöglichkeiten zu den geistigen Plänen.
In den geistigen Ebenen warten viele solcher verschieden entwickelter Wesenheiten darauf, in ein menschliches Dasein zu treten. Es ist für die Geister Gottes nicht schwer, ein solches Geistwesen auch in letzter Minute herbeizuholen, um es für die Einverleibung zu bestimmen. Sind die Verhältnisse geregelt, geht alles seinen normalen Weg, so ist dies natürlich ein Vorteil für die Geisteswelt Gottes. Sie sucht dann unter dieser Schar, die zur Einverleibung bestimmt ist, das geeignetste Wesen aus, um es dieser Familie zu übergeben. Dieses geschieht kurze Zeit vor der Geburt oder vielleicht sogar zwei, drei Tage bevor dieses Kind das Licht der Welt erblickt; der Geist des Kindes umfängt also schon im Mutterleibe seinen irdischen Leib. Es gibt keine bestimmte Regel, dass es in jedem Falle so ist. So wie ich es euch erkläre, kann es in einem Fall sein, und im andern Fall bedient sich die Geisterwelt Gottes wieder anderer Möglichkeiten. Dass diese Geister Gottes darüber beglückt sind, wenn man mit Freuden ein solches Kindlein in Empfang nimmt, ist selbstverständlich. Sie versuchen ja, mit viel Sorgfalt eben aus dieser Schar der Vorbestimmten das geeignetste zu suchen.
Wie ich betonte, gibt es da auch solche, die eine niedere geistige Entwicklung haben. Auch diese werden schon frühzeitig vorbestimmt. Und es sind immer Möglichkeiten einberechnet, dass es bei dieser oder jener Mutter nicht zur Geburt eines lebenden Kindes kommt. Die Geisteswelt Gottes erkennt in den meisten Fällen auch dieses zum Voraus. Sie erkennt aber auch zum Voraus, ob ein Kindesleib gesund ist. Sie kann in dieser Beziehung den Anschluss doch eben besser vollziehen. Wenn sie erkennt, dass durch irgendwelches Selbstverschulden kein gesundes Kind zur Welt kommen kann, kann auch die Geisterwelt Gottes da nichts ändern. Wenn es ein eigenes Verschulden ist, hat der Mensch die Verantwortung dafür selbst zu tragen. So wird dann auch dieser Anschluss an eine entsprechende geistige Ebene stattfinden; und der Geist, der da einverleibt wird, ist ja meistens belastet und auch dafür gezeichnet, dass er in keinem gesunden Leib wohnen darf. Es ist in dieser Beziehung alles auf das Wunderbarste geregelt. Man soll also nicht einfach glauben, dass es Zufall wäre, welche Kinder einem gegeben werden. Unter normalen Voraussetzungen kommt in jede Familie das Kind, das dorthin gehört. Und die Geisteswelt ist auf alle Entschlüsse vorbereitet, die durch das Denken und Wollen des Menschen gefasst werden. Es gibt Ebenen, die immer angefüllt sind mit Geistwesen, die zur Einverleibung bestimmt sind; und es ist Aufgabe der Engel Gottes, den Anschluss an jene Menschen zu finden, wo diese Wesen, entsprechend ihrer Entwicklung, geboren werden sollen. Auch dies alles wird überwacht.
Es wäre aber ungerecht, wenn Menschen, besonders solche mit geistigen Erkenntnissen, nun annehmen würden, dass da oder dort, wo ein Kind mit keinem gesunden Leibe lebt, dies eine Strafe für die Eltern wäre. Es kann nämlich gut so sein, dass der eine Elternteil vor seiner Menschwerdung dieses Kind ausgesucht hat. Und es kann sogar möglich sein, dass es in einem früheren Leben ein eigenes Kind gewesen ist, das sich im Leben so belastet hatte und dann in den untersten Entwicklungsstufen und in Bedrängnis lebte. Sein Vater oder seine Mutter hatte Kenntnis davon, erbarmte sich seiner und bat darum, man möge die Wege bereiten, dass dieses Geistwesen einem im nächsten Menschenleben als Kind gegeben wird. Auch solches kann der Fall sein.
Auch wenn ein Selbstverschulden vorliegt, untersteht es eben den Gesetzen, und es wird von der Geisteswelt nicht abgeändert, auch wenn man ein besseres Kind verdient hätte. Anderseits aber werden jene Geistwesen, die sehr belastet sind und in einer tiefen geistigen Entwicklungsstufe stehen, auch zu solchen Eltern geführt, die ja zu ihnen gehören. Es kann aber auch in eine gute Familie ein Kind geboren werden, das Schwierigkeiten bereitet, das aus einer unteren geistigen Entwicklungsstufe kommt – das habe ich erklärt. Es besteht die Möglichkeit, dass der eine Elternteil ein Verschulden hat oder dass man es sich gewünscht hat, auch ein solches Kind in der Familie zu haben, um ihm eine sorgfältige Erziehung und Belehrung zu geben. Man sollte als Geistesmensch nicht einfach so oberflächlich über all diese Dinge hinweggehen.
Was da heute unter den Menschen auch geplant wird, ist von der Geisteswelt längst gesehen; und sie findet längst die geeigneten Wege für jene, die auf schnellerem Weg inkarniert werden müssen, vielleicht weil aus einem besonderen Grund ihre Entwicklung beschleunigt werden muss. So geschieht nichts auf dieser Welt, ohne dass die Geister Gottes Bescheid darüber wüssten. Vergesst aber nie das eigene Verschulden. Dafür kann man Gott nicht verantwortlich machen, auch nicht die Geisteswelt. Es geschieht heute mehr als früher, dass Menschen durch einen gewaltsamen Tod von der Welt scheiden müssen. Darauf ist die himmlische Welt vorbereitet. So hat sie genügend Missionsgeister, die immer bereit sind, die von dieser Erde Abtretenden in Empfang zu nehmen. Für diese ist es nicht leicht, in der geistigen Welt so plötzlich einer fremden Welt gegenüberzustehen und nicht zu wissen, ob man wirklich gestorben ist, ob man lebt oder träumt. Es ist nicht so einfach, wie Menschen glauben – wenn sie sich überhaupt weitere Gedanken machen –, wenn jemand so plötzlich stirbt und dann beerdigt oder eingeäschert wird. Für die Menschen, die keinen Glauben haben, ist die ‘Angelegenheit’ wohl bald vergessen, nicht aber für jene, die so plötzlich gestorben sind und nun in der anderen Welt leben. Für sie ist diese ganze Angelegenheit nicht beendigt; es sind grosse Sorgen da. Und um diese Wesen müssen sich in der Geisteswelt andere kümmern; man muss sich ihrer annehmen und sie aufklären. Sie leiden oft sehr wegen ihres plötzlichen Todes. Es ist eine Notwendigkeit, dass ich euch dieses auch einmal erkläre. Ich hoffe, dass ich es euch verständlich dargelegt habe. Ich möchte aber ganz besonders darauf hinweisen, dass beim Menschen nichts geschieht, worüber die Geisteswelt Gottes nicht Bescheid weiss.
Ich habe aber in meinen Anfangsworten darauf hingedeutet, dass es Menschen gibt, die unter einem guten Stern geboren worden sind. Es sind solche geistige Wesen, deren Einverleibung auch eine Notwendigkeit ist und die mit den besten Wünschen der himmlischen Welt, unter den besten Voraussetzungen, die es überhaupt geben kann, in ein menschliches Dasein geleitet werden. Und es sind Menschen, die auch im Leben behütet und umsorgt werden, denn die Geisteswelt Gottes hat ein besonderes Interesse an ihnen. Es ist notwendig, wie ich es betonte, dass solche Menschen hier leben. Sie müssen eine Stütze für die Schwachen sein. Und dies wird so bleiben, denn es werden ja immer aufs Neue Menschen ins Dasein gerufen, die aus den unteren Entwicklungsstufen kommen und die in ihrem Wesen, in ihrem Denken und Wollen sehr primitiv sind. Und so ist es notwendig, dass Menschen da sind, die mit überaus grosser Geduld, mit entsprechend hohen Erkenntnissen und gutem Willen bereit sind, diese Menschen zu führen und für sie wegweisend nach oben zu sein. Sie sind eine Notwendigkeit für diesen geistigen Aufstieg im Allgemeinen. Darum werdet ihr es immer wieder erleben dürfen, dass Menschen unter euch sind, über die ihr euch freuen könnt und die euch viel bedeuten.
Anderseits hat es ja genug andere, und so ist dieser Ausgleich geschaffen. Auch wenn die Menschheit unter der Herrschaft Luzifers steht, so waltet doch Gott mit seinen Dienern über allem. Sie sind besorgt für die Ordnung, und jenen niederen Mächten sind Grenzen gesetzt, die nicht überschritten werden dürfen. Es geschieht aber trotzdem, dass da und dort solche Grenzen überschritten werden, und so versucht die Geisteswelt ihr Möglichstes, um einzuschreiten. Ihr werdet euch sagen: “Es ist zu gering, was sie tut.” Da möchte ich nur darauf hinweisen, dass ja Christus selbst einen schweren Weg gehen musste, und Gott hat mit seiner heiligen Geisteswelt selbst in der Zeit der grössten Bedrängnis auch nicht eingegriffen. Christus musste sich durchkämpfen.
Über die Menschen, die heute in grossem Leid leben, denen grosse Not gegeben ist, herrscht doch auch dieser Luzifer – auch wenn Menschen am Unglück in ihrem Leben keine Schuld trifft. Es gibt doch heute wirklich Menschen auf Erden, die in ein unglückliches Leben hineingeführt werden und viel Not und viele Sorgen tragen. Ihr meint vielleicht, das wäre eine Ungerechtigkeit. Es geht aber um ein Gesetz, das erfüllt werden muss: Es ist die Macht, die Luzifer hat. Denn Menschen kommen schliesslich nicht von einem Tag zum andern in grosse Not und Bedrängnis.
Alle Not, welcher Art sie auch ist, welchen Umfang sie annimmt, hat doch ihren Ursprung, ihren Anfang, und Menschen könnten, so sie anderes, höheres Denken hätten, von Anfang an solches Unglück vermeiden. Sie müssten sich im Allgemeinen mehr mit dem Mitmenschen befassen und beschäftigen. Die Liebe hat in Wirklichkeit keine Grenzen; bei den Menschen aber hat sie Grenzen. Und die Grenze sind gewöhnlich die Familie, die nächsten Angehörigen. Nachher hört bei sehr vielen die Liebe auf, nachher gibt es für sie keine Verpflichtungen mehr. Und im Grunde genommen gehört die Liebe allen Menschen. So wie Gott für alles besorgt ist und Kenntnis über alle Dinge hat, sollten sich auch führende Menschen über alles orientieren und sollten für alles besorgt sein, und dies nicht nur im Rahmen ihrer Landesgrenzen, denn im Geistigen gibt es ja diese Grenzen nicht. Würden die Menschen so weit kommen und für das Heil und das gesunde und rechte Leben des Menschen besorgt sein, würde die ganze Menschheit so weit sein, dann würde Luzifers Macht doch geschmälert. Denn es ist sein Ziel, Menschen in Not zu bringen. Es ist sein Ziel, Menschen gleichgültig jenen andern gegenüber zu machen. So sollte eben der Mensch selbst erkennen, was seine Pflicht und seine Aufgabe ist. Solange man seine eigene Liebe so eingrenzt, kann dieses ja nicht möglich werden, und so ist der Einzelne ja auch von der wirklichen Gleichheit vor Gott weit entfernt; denn Gott liebt alle, und er will alle wieder zurückhaben bei sich.
Wenn man so diesen Dingen nachgeht und über sie nachdenkt, sieht man doch wirklich, wie vieles im Argen liegt. Und so liegt es eben im Wesen des Menschen, gut oder böse, grosszügig oder voller Habgier und Raffgier zu sein. Das sind Tugenden und Untugenden, die im Menschen sind und ihn zeichnen. Und dereinst soll doch die Stunde kommen, wo alles erlöst wird und sich zu Gott erheben kann und erheben wird. So könnt ihr ja selbst feststellen, wie weit entfernt dieses Ziel wirklich ist.
Die Erlebnisberichte, die ich euch gebe, dienen euch dazu, diese himmlische Welt zu erleben, sie euch lebendig vor Augen zu führen. Und so habe ich ja letztes Mal erklärt [im Vortrag vom 16. März 1974], dass man auch dafür bestraft werden kann, wenn man zusieht, wie ein Mitmensch eine Ungerechtigkeit tut, wenn man keinen Anteil nimmt oder glaubt: “Das geht mich nichts an.” Auch hier wird vom Menschen verlangt, dass er das Seinige zur Bessergestaltung ausführt. Wie könnte es denn sonst zu einer besseren Welt kommen? Man darf nicht zuschauen, wie der eine oder andere Ungerechtigkeiten ausübt. Und so wird eben mancher darüber erstaunt sein, wenn man für solche Unterlassungen auch bestraft wird.
Es ist aber nicht nur das, worauf die geistige Welt sehr energisch reagiert. Da ist zum Beispiel auch die Rachsucht, die Menschen haben können. Sie tragen diese Rachsucht immer mit sich herum und warten auf den geeigneten Moment, um diesem oder jenem Menschen zurückzuzahlen. Sie wollen es ihm ja zeigen, sie wollen Rache nehmen. Nun aber kann es so sein, dass sie gar nicht dazu kommen, dass sich für sie keine Gelegenheit ergibt, diese Rache auszuüben. Aber die Gesinnung und die Lust dazu sind in der Seele festgehalten. Im Geistigen gilt dies als so viel wie ausgeführt, und dafür wird man bestraft.
Ich möchte euch nun von einem berichten, der es auf diese Weise getan hatte. Er stand vor den Geistern Gottes, und er wurde für seine Rachsucht bestraft. Er konnte es nicht begreifen und behauptete: “Ich habe es ja nicht getan. Ihr könnt mich nicht für etwas bestrafen, das ich nicht getan habe.” Und so wurde ihm erklärt, dass schon der Wille zur Tat genüge und er dafür bestraft werden müsse. Solche Strafen sind hart, und das, was sich durch diese Vergehen in der Seele festgezeichnet hat, vermag selten in der geistigen Welt abgetragen zu werden. Dafür braucht es eben ein neues menschliches Dasein, in dem dann die Geisteswelt Gottes die Möglichkeit erhält, dem Menschen auch die Strafe zuzuführen, die er wirklich verdient. Ein Mensch, der in einer solch lebenslangen Rachsucht gelebt hatte, hat sich also aufs Schwerste belastet, auch wenn er nicht dazu gekommen ist, seine Tat auszuführen.
Ich möchte euch nun berichten, wie es einem solchen in einem neuen Erdenleben ergeht. Ich habe euch am Anfang geschildert, wie diese Zusammenführung von Kindern zu den Eltern zustande kommt. Ein in dieser Weise Belasteter ist mit gleich belasteten Wesen einem Plane zugeführt. Und hier wartet die Geisterwelt Gottes auch die Gelegenheit ab, um diesen zum neuen Erdenleben Vorbereiteten im richtigen Moment in eine Familie hineinzubringen. Die Fäden von der Familie, von Mann und Frau, sind längst geknüpft worden. Somit kommt er einmal in eine Familie hinein, in der in ähnlichster Weise Belastungen zum Ausdruck kommen.
So wird er es in einem neuen Erdenleben auf alle Fälle schwer haben. Er selbst ist belastet, und seine Eltern tragen Belastungen; so ist die Möglichkeit einer Rückfälligkeit sehr gross. Anderseits hegt die Geisteswelt auch grosse Hoffnung, dass es zu einem Gelingen kommt, denn sie will ja, dass der für ein menschliches Dasein Gezeichnete vorwärtskommen kann. Sie versucht ja, alle Möglichkeiten zu eröffnen, damit es gelingt. So kommt es auch ganz darauf an, wie sich ein solcher in und nach der Läuterung verhalten hatte. Ist er einsichtig geworden, so wird man ihm entgegenkommen und sein geistig Feld so zeichnen, damit Möglichkeiten gegeben sind, dass Gnade Gottes walten kann. Ist er aber nicht einsichtig und geht er mit demselben Groll in ein neues Erdenleben, dann wird es unabänderlich sein, dass er von einem harten Schicksal getroffen wird und es zu tragen hat.
Bei diesem Heimgekehrten, von dem ich gesprochen habe, war es so, dass er zu einer bestimmten Einsicht gekommen ist. Und so ist es doch in vielen Fällen: Man erkennt das neue Leben, in das man in der göttlichen Welt hineingekommen ist, man erkennt Gott, dass es ihn und sein Reich gibt, man sieht die wirkliche Lebendigkeit des Lebens und fasst so auch den Vorsatz, sich zu ändern. Dazu braucht es nun die Prüfung im Erdenleben; denn in der Geisteswelt verspricht man mitunter gerne: “Ich will es besser machen.” Ist aber die Seele nicht reif dafür, wird sie es auch in einem neuen Erdenleben nicht fertigbringen.
Nun, in diesem Falle hatte dieser gebeten, man möge ihm die Strafe geben, die ihm gehöre, in der Geisteswelt wie in einem neuen Erdenleben. Er hatte aber darum gefleht, dass Geister Gottes sich um ihn bemühen, damit er dereinst als Mensch zur Erkenntnis komme, dass es eine Ewigkeit gebe und er für alles, was er tue, verantwortlich sei. So hatte er gefleht, und man hatte ihm versprochen, ihn zu begleiten und sich wenn irgend möglich in sein menschliches Denken einzuschalten, ihm diese Erkenntnisse wieder zu geben.
Es ist aber immer eine Angelegenheit des Menschen, welche Gesinnung er eben hat, ob er willens ist, das anzunehmen. Auch die Umgebung, in der er aufwächst und lebt, spielt eine bedeutende Rolle. Auch Menschen, die mit ihm zu tun haben, sind von Bedeutung; denn der Einfluss des Mitmenschen auf den andern kann eine grosse Rolle spielen. So braucht es doch dazu eine gewisse Führung von höherer Seite, dass dieser Mensch im Laufe seines Lebens zu solchen Mitmenschen geführt wird und in Verbindung mit ihnen kommt oder mit ihnen lebt, die dieses bessere, höhere Denken haben und ihn in seinen noch vagen, unsicheren Bemühungen und in seinem Denken bestärken. So kräftigt er sich mit der Zeit, und er erfüllt das, worum er einst in der Geisteswelt eigentlich gebeten hatte, dass er zu dieser Erkenntnis komme. Und diese Erkenntnis soll ihm ja dienen, sie soll nicht nutzlos sein. Man soll ja nicht nur einfach wissen, dass es ein Weiterleben gibt; man soll auch wissen, wie man leben muss, man soll den Sinn des Lebens kennen und sich dementsprechend ausrichten. So wird einer manches nicht tun, wenn er diese Erkenntnis hat, während er bei Unkenntnis manche Ungerechtigkeit ausüben könnte.
So haben Geister Gottes ihr Gefallen daran, wenn sie sehen, dass es zum Ziel führt, wie es geplant wurde. Und so werden sie den betreffenden Menschen, der guten Willens geworden ist, im Laufe seines Lebens immer mehr unterstützen, immer mehr stärken und werden ihm Begleiter durchs Leben sein. Das ist eine Aufgabe, die auch die Geister Gottes auf sich nehmen und über die sie sich freuen.
Anderseits ist es ja auch so, dass Geistwesen mit viel Hoffnung in die Einverleibung schreiten und mit grosser Enttäuschung für die göttliche Welt zurückkehren. Das Leben im Menschenkleid ist eine harte Prüfung für einen jeden, denn er muss beweisen, ob er all diese geistigen Ansprüche, die an ihn gestellt sind, erfüllt. Er muss beweisen, dass er sich geistig höher entwickelt und Besseres geschaffen hat, dass seine Seele geläutert und er auch zu höheren Erkenntnissen gekommen ist. Denn auf dem, was man erreicht hat, will man ja in der Jenseitswelt wieder weiter aufbauen; es soll auch nicht verloren sein, wenn man in ein neues Erdenleben tritt. Auch diese Erkenntnis soll dem Menschen dienen, und auf dieser erworbenen Kenntnis soll wieder weiter aufgebaut werden.
So hat die Geisteswelt Gottes die Menschen, die sich in ihrem Streben nach oben bewegen, so nötig; sie braucht sie, denn diese Menschen sind die Stützen der Gotteswelt. Sie sind notwendig, denn sie sind jene Diener und jene Streiter, die nun auf dieser Erde Luzifer die Stirne bieten, denn er muss seiner Macht beraubt werden. Auf diesem Wege geht nun die Befreiung des Menschen vor sich. Dieser Luzifer muss auf dieser Welt vollständig seine Macht verlieren. Und diese Macht ihm streitig machen, das können die Menschen. Aber die Menschen sehen ja nicht in das geistige Reich hinein. Darum ist es schwer, und darum geht die Entwicklung auch so langsam vor sich.
Nun, liebe Geschwister, ich habe versucht, euch neue Erkenntnisse darzulegen, und ich will gerne annehmen, dass man meine Worte verstanden hat. Es soll eine Antwort sein für jene, die in dieser Beziehung eine Frage gehabt haben. Und jedes, das da lebt, soll Gott, dem Schöpfer, für sein Leben dankbar sein und nicht vergessen, dass sein Leben verpflichtet, verpflichtet im Heilsplan Gottes.
So soll Gottes Segen über euch alle kommen, und dieser Segen soll euch begleiten, soll euch beschützen und behüten, und ihr sollt gesunden, so ihr krank seid, sei es an Leib oder Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.3.1974 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 15. Oktober 1980
Die Geisterwelt Gottes vermag den einzelnen Menschen aufgrund seiner Vergangenheit, seines Lebensplans und seiner Wesensart genau zu beurteilen. Entsprechend dieser Beurteilung baut sie auf einen Menschen und macht ihre Pläne. So wird beispielsweise genau geprüft, welche Geistwesen man einem Elternpaar als Kinder geben darf, um den Heilsplan zu fördern.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, für heranwachsende junge Menschen ist es ein Segen, wenn sie in einer harmonischen, glücklichen Familie aufwachsen dürfen. Es ist ein Segen für die jungen Menschen, es ist aber auch ein Segen für die Eltern.
Ich versuche jeweils auch, Fragen zu beantworten, die euch beschäftigen. Ich möchte aber solche Fragen beantworten, die von allgemeinem Interesse, die von Nutzen sind. Denn das soll dazu dienen, euer Wissen noch mehr zu bereichern; man soll von dem Gehörten einen Nutzen haben. Freunde stellen sich manchmal auch sinnlose Fragen und glauben, wir würden sie beantworten. Eigentlich bedauern wir solche, die sich nicht mit wirklich ernsthaften Fragen befassen können, die sich mehr mit Oberflächlichem beschäftigen als mit wirklich wertvollen, bedeutungsvollen Fragen. Denn bedeutungsvolle Fragen, die ihr habt, werden doch von mir oder von uns mit der Zeit beantwortet; und das hat für die spätere Zukunft seinen Nutzen, seinen Profit. Es soll alles von Nutzen sein, es soll dem Menschen sein geistiges Wissen bereichern; er soll im Leben andern Antwort geben können. Er soll die Antwort selbst finden auf gewisse Fragen, die er hat.
Jetzt möchte ich einmal auf Folgendes zu sprechen kommen. Euch ist schon verschiedentlich erklärt worden, auf welche Art und Weise Heimgekommene begrüsst werden, wie sie empfangen werden und dass jeder wiedergutzumachen hat, was er falsch getan, dass er in die Läuterung kommt je nach seinen Verfehlungen – davon habt ihr schon einiges gehört. Nun haben sich Freunde des Öftern schon Gedanken gemacht: “Ja wie ist es denn eigentlich, wenn zwei Menschen beschliessen, gemeinsam den Lebensweg zu durchschreiten, wenn sie also eine Familie gründen möchten – wie stellt sich da die geistige Welt dazu?” Und ist das Zusammensein zweier Menschen harmonisch, so kommt auch schnell der Verdacht, man könnte das Dual gefunden haben. Dass es wirklich so ist, das kommt ganz selten vor, dies möchte ich gleich vorausschicken – aber es kann vorkommen. Ich versuche nun zu erklären, wie die geistige Welt das Ganze betrachtet; ich versuche es euch verständlich zu machen, so gut ich es kann und wie mir die Zeit zur Verfügung steht, es so zusammenfassend zu erklären.
Finden zwei Menschen den Weg zueinander – sagen wir es so –, so ist die geistige Welt daran interessiert. Denn sie ist an allen Neuerungen, überhaupt an allem interessiert, was Menschen tun – sei es der einzelne, seien es Gruppen oder was es auch sein mag. Denn geistige Wesen sind überall, und sie interessieren sich für die Menschen. Die höhere Geisteswelt interessiert sich für das, was für den Menschen sinnvoll ist, sie interessiert sich für das, was ihn in seinem Leben geistig vorwärtsbringt. Sie versucht den Menschen zu beschützen, so gut es ihr möglich ist; man interessiert sich für den einzelnen. Es ist aber nicht nur die gute Geisteswelt da, die sich für den Menschen interessiert, sondern die andern sind ja auch da. Aber wir reden jetzt nicht von den andern, sondern eben von den guten Geistern, die sich für jedes Einzelne interessieren.
Wenn die Geisteswelt sieht, dass jetzt zwei Menschen sich entschlossen haben, miteinander durchs Leben zu gehen und eine Familie zu gründen, so betrachtet sie einmal den Lebensplan jedes einzelnen. Die Geister Gottes sehen gleich, was sie von diesen beiden Menschen halten können. Womöglich stellen sie mit Freude fest, dass es ein glückliches Zusammenleben gibt – auch mit seinen Schwierigkeiten, mit seinen Problemen, das kalkuliert man ein. Die Geister Gottes können ja auf eine bestimmte Zeit hinaus, ich sage jetzt, so ziemlich genau feststellen, was geschieht. Sie können also feststellen, ob nach verhältnismässig kurzer Zeit das ganze Versprechen, das man sich gegeben hat, aufgelöst wird, dass es keinen Bestand hat. Wir erkennen am Lebensplan der beiden, ob diese zwei Menschen zusammenbleiben.
Dies können wir feststellen, weil erstens einmal jedes Einzelne einen vorgezeichneten Lebensplan hat mit seinen festgezeichneten Schicksalen, die es zu tragen hat. Dann gibt es im Weiteren Probleme im Leben des Menschen, es gibt Prüfungen. Man betrachtet den Willen des Einzelnen, seine Gesinnung, und nur schon aufgrund dieser beiden Dinge können wir eine ziemlich gute Diagnose stellen. Wenn wir erkennen, dass ein Mensch guten Willens ist, wissen wir auch, wie wir ihn einstufen müssen. Wir kennen ja auch sein Denken und seine Handlungsweise – er handelt doch aus seiner Gesinnung heraus. So betrachten wir den Menschen, und wenn einer eine gute Gesinnung hat, so muten wir ihm zu, dass er das Leben meistern wird. Wenn wir von Anfang an erkennen, dass er wankelmütig ist und er keine gute Gesinnung hat, dann bauen wir nicht mit Sicherheit auf das Zusammenbleiben dieser beiden Menschen. Wir können uns also schon aus diesen Gründen ein Bild machen.
Dann ist im Lebensplan eines Menschen gezeichnet, was sich absolut, also unbedingt, im Laufe seines Lebens ereignen wird. Wir können feststellen, was im Willen des Betreffenden liegt, es zu verbessern, zu verändern. Und wenn wir die Gesinnung und den Willen des Menschen kennen, können wir auch feststellen, ob er imstande ist, das, was man ihm gegeben hat, zu erfüllen. Je nach seiner eigenen Kraft, nach seinem eigenen Willen, das Gute zu fördern, muten wir ihm zu, dass er etwas Besseres aus seinem Leben machen kann. Wir haben also unsere Vorstellung. Ich könnte es so sagen: Es ist genau so, wie wenn ein Mensch “bedingt” oder “unbedingt” verurteilt wird. Wir können feststellen, was sich ereignen muss, weil es sich unbedingt ereignen wird, weil es einst als “unbedingt” im Lebensplan dieses Menschen festgezeichnet wurde. Und bei dem “bedingt” Gezeichneten ist es so, dass es sehr beim Menschen selbst liegt: Er kann eine Angelegenheit, die er auch gutzumachen hat, aus seiner besseren oder höheren Überzeugung heraus verbessern, sodass ihm diese Schuld, die er eigentlich hat und abzutragen hätte, nachgelassen wird. Sie wird ihm aber nachgelassen je nachdem, wie er sich bewährt; man setzt auch eine gewisse Frist fest, in dieser und dieser Zeit sollte diese Veränderung stattfinden.
So beurteilen wir dann die Menschen und können gleich von Anfang an erkennen, ob diese beiden Menschen zusammenbleiben, was für Schicksale sie gemeinsam haben. Gemeinsam, das heisst: Wenn der eine Teil von einem Schicksal gezeichnet ist, muss der andere Teil das Schicksal mittragen; und wenn man von einem gemeinsamen Schicksal redet, weiss ja keines von beiden, wer der Schuldige ist; und das ist auch gut so.
Aber jetzt möchte ich doch näher erklären, wie wir es sehen. Wenn wir zwei Menschen vor uns haben und sie betrachten, so kennen wir doch ihr Denken. Und ist bei ihnen der Wunsch da, Kinder zu haben, interessiert sich die Geisteswelt sehr dafür, und sie hat entsprechend all diesen Betrachtungen, die sie gemacht hat, auch ihre Pläne. Wenn sie feststellen kann, dass die Gesinnung dieser beiden Menschen gut ist und sie in Harmonie sind, kann sie dementsprechend auch auf diesem Glück weiterbauen. Anders ist es, wenn sie erkennt, dass es ein Auseinanderleben oder eine Trennung gibt. Das kann man in der Geisteswelt auf einige Jahre hin zum Voraus erkennen. Man erkennt es nicht viele Jahre vorher, was sich im Leben dieses oder jenes Menschen ereignen wird; aber man erkennt, – sagen wir – wie sich dieses Zusammenleben in den ersten Jahren abspielen wird. Und das ist auch eine Notwendigkeit für die Geisteswelt, dementsprechend trifft sie ja ihre Entscheidungen.
Wenn man von Anfang an sieht, dass es sich nur um etwas Oberflächliches handelt und die Gesinnung nicht gut ist, dann baut man nicht auf solche Menschen. Denn in der Geisteswelt hat man doch seine Pläne. Wir benutzen ja die Menschen, die da leben; sie sind uns ja auch Werkzeug, und zwar Werkzeug im Aufstieg zum Höheren. Wir bieten ihnen Hand, und sie müssen uns die Möglichkeit geben, dass wir auf sie bauen und mit ihnen rechnen können. Dementsprechend werden wir uns auch in das Leben der Menschen hineinbegeben und mit ihnen gemeinsam leben. Wir haben bei harmonischen Menschen viel grössere Möglichkeit, sie zu führen, sie zu inspirieren und zu schützen. Bei Menschen, die unharmonisch sind und ohne Glauben sind, stehen wir ja schon in einem gewissen Abstand – und da sind dann andere Wesenheiten, die sich besonders für diese Menschen interessieren.
Aber es geht jetzt darum, zu erklären, wie wir auf die Menschen bauen, wie wir unsere Entscheidungen treffen. Wir sehen also den Lebensplan eines Menschen, und in diesem Lebensplan ist seine Vergangenheit gezeichnet, sein letztes menschliches Dasein mit seinen Fehlern, die er vielleicht gemacht hat, mit seinen Belastungen, womöglich aber mit seinen Verdiensten. Das alles müssen wir einkalkulieren. Und alles müssen wir ausgleichen, versuchen wir auszugleichen bei zwei Menschen. Wo wir erkennen, dass das eine auf einem gewissen Gebiete besonders stark ist oder sich hervortut, willensstark ist, im Glauben stark ist, genügend Durchschlagskraft hat, so zählen wir auf gewisse Leistungen, indem wir doch erwarten, dass es das andere eben beeinflussen kann. Und wir tun von unserer Seite her das Unsrige. Aber Menschen werden von Menschen eher angesprochen. Und wenn nun der eine Teil im Guten seinen Einfluss auf den andern ausüben kann, liegt es für uns nahe, dass auch wir unseren Einfluss dementsprechend ausüben können und den Teil bestärken, der eben die Möglichkeit hat, den andern zu überzeugen. Der Kontakt von Mensch zu Mensch ist eben grösser oder intensiver als der Kontakt von uns zum Menschen.
Auf diese Weise beurteilen wir einen Menschen: Wir betrachten einmal seine früheren Leben, durch welche Stufen er geschritten ist, was er in seinen früheren Leben getan hat, durch was für Läuterungen er in der geistigen Welt geschritten ist oder was für Leistungen er im geistigen Reich vollbracht hat, wie viel Zeit vergangen ist von seinem letzten menschlichen Dasein bis zum jetzigen Dasein – und was er in dieser Zeit erreicht, was er in der Geisteswelt an Belehrungen aufgenommen hat. So beurteilen wir das. Und wenn die Möglichkeit vorhanden ist, dass in dieser Familie Kinder zur Welt kommen dürfen, dass sie da in einer Familie ein glückliches Leben haben dürfen, so ist das für die Geisteswelt etwas ganz Besonderes, denn man nimmt sich solcher Menschen auch im Besonderen an.
Nun aber ist es so, wie ich sagte: Wir betrachten einmal, was das Betreffende in seinem letzten Leben getan hat und was in der Geisteswelt ausgeführt wurde. Womöglich sind Versprechungen abgegeben worden. Man hat im geistigen Reich erkannt, dass es von grossem Nutzen ist, wenn man sich im Heilsplan dienlich macht und sich mit dem Heilsplan beschäftigt und wenn man versucht, diesen geistigen Aufstieg zu fördern, sei es in der jenseitigen Welt oder sei es im menschlichen Dasein. So kann es möglich sein, dass eines in der Geisteswelt ein Versprechen abgegeben hat, es möchte in seinem nächsten menschlichen Dasein eine besondere Aufgabe erfüllen, indem es – wenn irgend möglich – ein Geistwesen als Kind erhält, mit dem es womöglich seine grossen Sorgen und Probleme haben wird. Das heisst also nichts anderes als: Man bittet darum, aus den tieferen Regionen des Aufstieges ein Wesen zu suchen, das einem dann als Kind gegeben wird, sodass man dann im menschlichen Dasein seine ganze Kraft und sein ganzes Leben diesem aufsteigenden Geistwesen, also diesem Kinde, widmet.
Die Geisterwelt Gottes kann also in eine Familie hinein ein solches Geistwesen bringen, das gewünscht worden ist, wofür man ein Versprechen gemacht hat. Und jetzt beurteilt die Geisteswelt: Sind diese beiden Menschen, die zusammengekommen sind, fähig, diese schwere Aufgabe zu tragen, kann ihnen das zugemutet werden? Das ist einmal eine Frage, die Geister Gottes sich stellen und worüber sie gemeinsam beraten: Soll man diesen Menschen einen solchen Geist, der von unten kommt, in ihre Familie geben? Sind sie stark genug, und bleiben sie zusammen? Das alles wird abgeklärt, wenn es der Wunsch gewesen ist vom einen oder andern.
Und solche Wünsche kommen des Öftern vor, und zwar gerade bei solchen, die in der Jenseitswelt im Heilsplan beschäftigt sind und diesen Heilsplan fördern möchten; die erkennen, dass ein Wesen sich in einem menschlichen Dasein einmal so belastet hat und es in seinem Aufstieg so lange stehen geblieben ist. Es hat für diesen betreffenden Geist eine Zeit gegeben, wo er Fortschritte gemacht hat, und dann plötzlich hat er sich in einem Leben – denn man kommt doch verschiedene Male in ein menschliches Dasein – derart belastet. Er sinkt deswegen in seiner Entwicklung nicht zurück, aber er bleibt stehen. Er bleibt stehen, er kann verbannt werden, er kann eine sehr harte Läuterung durchmachen müssen, sodass es Geistwesen gibt, die sich seiner erbarmen und sich anbieten, etwas für den Aufstieg dieses belasteten Geistes zu tun. Dann kann es von der Geisteswelt eine Zusage geben – ich sage, es kann eine Zusage geben –, dass sie einen solchen Geist als Kind in eine Familie hineingibt. Es kann aber auch sein, dass sie es verneint, obwohl der Wunsch ausgesprochen wurde.
Entscheiden werden die Geister Gottes dann, wenn sie die Möglichkeit sehen, dass dieses Versprechen sich auch erfüllt. Denn es könnte doch sein, dass nun wohl der eine Teil willens ist, dieses zu erfüllen, aber es ihm unmöglich gemacht wird, die Last zu tragen und zu helfen, weil der andere Teil nicht mitträgt und nicht das notwendige Verständnis hat. Dann kann man auch einem solchen Wunsche nicht nachkommen.
Wird aber eine Zusage gegeben, dann ist es im Allgemeinen so – ich sage jetzt im Allgemeinen –: Ist die Zeit gekommen, dass ein solcher Geist in eine Familie hineingegeben wird, dann werden diese Menschen – so wie ich es erklärte – einmal betrachtet, und sie werden gezeichnet. In der Geisteswelt werden die Wesen, die für das neue menschliche Dasein bestimmt sind, in einen Schlaf geführt und so vorbereitet, um in ein neues menschliches Dasein kommen zu können. Und zwar ist es so, dass die höhere Geisteswelt sich ja immer für diese Geister, die im Aufstieg sind, interessiert. Sie muss sie einteilen in Stufen hinein und sie zeichnen für ein bestimmtes Land, auch für einen gewissen Ort; auch dieser Ort wird eingekreist oder bezeichnet. In einem Umkreis von soundso vielen Kilometern – sage ich jetzt, menschlich ausgedrückt – ist eine Schar von Geistwesen vorbereitet für das neue menschliche Dasein. Geister Gottes versuchen dann den Zugang zu finden zu der Mutter; und zwar soll dies abgestimmt sein, das heisst, man hat in der Geisteswelt ja schon eine gewisse Begrenzung getroffen. In diesem Kreise wird eine Schar von Geistwesen also ihr menschliches Dasein finden. Es kann nun aber geschehen, dass durch irgendwelche Schwierigkeiten, die sich vor oder bei der Geburt ergeben, es nicht möglich ist, dass da ein Kindlein den Weg, den Eingang findet in seinen irdischen Leib. Und so wird das Betreffende, das man vorgesehen hatte für diese Mutter, einer anderen Mutter zugeführt. Es ist also so: Eine Schar von Geistwesen wird bestimmt für eine bezeichnete Schar von Müttern, die die Möglichkeit geben, einem Kindlein das Leben zu schenken; und Geister Gottes bringen dann diese Geistwesen zu den entsprechenden Müttern.
Ich habe erklärt, dass Geister Gottes den Plan dieser Eltern, der Mutter wie des Vaters, genau betrachten und versuchen, ihnen das zu geben, was sie auch zu tragen und auszuführen imstande sind. Denn mit diesen Kindern kann es doch seine Sorgen und seine Probleme geben. Ich möchte jetzt nicht von euren heutigen Problemen sprechen, sondern jetzt nur auf das Geistige hinweisen, was im geistigen Plan gezeichnet und festgehalten ist; denn die Gotteswelt ist eine Welt der Ordnung, alles ist stets geordnet. Es wird nichts einfach so dem Zufall überlassen und gegeben; es ist alles mit genügend Zeit vorbereitet worden, es ist alles vorsichtig überlegt, es ist alles mit Genauigkeit betrachtet worden, der ganze Lebensplan von Menschen ist genau durchgesehen worden.
Nun ist es ein Verdienst für die Eltern, Kinder zu haben, denn sie fördern dadurch den geistigen Aufstieg. Denn es muss zu einer Vollendung kommen, es müssen ja alle wieder zurückkehren können; und sie gehen durch dieses menschliche Dasein.
Nun kann es vorkommen, dass zwei Menschen den Weg zueinander finden und harmonisch aufeinander abgestimmt sind, und beide waren zuvor auch in der Geisteswelt in einer solchen Tätigkeit, wo es darum ging, diesen Heilsplan zu fördern.
Denn die Tätigkeit der Heimgekehrten, der verstorbenen Menschen, ist ja so grundverschieden. Da gibt es beispielsweise ganz einfache, bescheidene Arbeiten, die ausgeführt werden müssen. Für die Wesen, die sie ausführen, braucht es nicht viel Überlegungen, es braucht keine besondere Intelligenz. Es sind Geistgeschwister, die im Aufstiege sind. Es können auch welche sein, die sich so schwer belastet haben, dass ihnen diese gewisse Intelligenz genommen wurde. Auch dieses geschieht nämlich. Man darf nicht der Auffassung sein, dass Geistwesen, die jetzt in der Jenseitswelt bescheidene, einfache Arbeiten ausführen müssen, nicht die notwendige Intelligenz hätten wie andere. Sie ist ihnen genommen worden für eine Zeit lang. Dies kann geschehen sein als Strafe. Sie haben in der Jenseitswelt, so sie belastet aus ihrem Erdenleben zurückgekommen sind, auch wiedergutzumachen und dementsprechend eine etwas bescheidenere Arbeit auszuführen; während man eben andere, die sich im Geiste Verdienste erworben haben und Erkenntnisse haben, mit grossen Freuden auch dementsprechend an bestimmte Orte einreihen wird. Denn man ist auch auf solche angewiesen. Es soll jedem Geist in der Jenseitswelt die Arbeit zugeführt werden, die ihm gebührt. Der eine darf an seiner Arbeit, die er ausführt, Freude haben; sie soll ihn beglücken, weil er es verdient hat. Ein anderer führt eine Arbeit aus, die ihm durchaus keine Freude macht, und er weiss: “Das ist meine Strafe, ich habe dieses eben zu ertragen.” Es ist also sehr verschieden.
Daher ist es für die Menschen von Nutzen, wenn sie mit geistigen Erkenntnissen zurückkommen und einen Glauben haben, wenn sie treu im Glauben waren und eine gute und edle Gesinnung hatten – sie alle kommen in grosse Vorzüge. Denn die Jenseitswelt ist von solchen Heimgekehrten sehr abhängig; man braucht sie, denn sie müssen jene, die von unten kommen, stützen und führen.
So kann es möglich sein, dass Geistwesen in der Geisteswelt im Heilsplan tätig sind und die Notwendigkeit erkennen, dass man sich in einem menschlichen Dasein auch jener belasteten Wesen annimmt, die noch zurückstehen, denen der Weg in ein Erdendasein auch wieder geöffnet wird. Man erkennt die Notwendigkeit, dass man sich dieser Wesen mit besonderer Geduld annimmt und ihnen den Weg zeigt – und dass dieses eben Aufgaben sind, die nicht so leicht, die schwer sind. Und so kann man diesen Wunsch aussprechen. Wenn nun zwei Menschen zusammenkommen, so können sie in der Geisteswelt unabhängig voneinander, ohne dass sie sich gekannt hätten, dieselben Interessen und dieselben Aufgaben gehabt haben. Beide versuchten den Heilsplan zu fördern und möchten in einem menschlichen Dasein eine Aufgabe erfüllen und sich der Ärmsten annehmen. Dann kann es geschehen, dass die Geisteswelt erkennt: Diese beiden Menschen sind stark genug, man kann ihnen wahrhaftig diese Prüfungen zumuten und dieses schwere Leben, das sie mit ihren Kindern haben werden.
So möchte ich nun, nur als Beispiel, von einem Fall erzählen, den ich beobachtet habe, von zwei solchen Menschen. Ihnen wurden drei Kinder geschenkt. Und zwar war es auf diesem Wege zustande gekommen, wie ich es erklärt habe: Beide hatten den Wunsch, diese Ärmsten in ihrem Aufstieg zu fördern; denn sie sahen das Werk Christi, das er erfüllt hatte, und sie fanden, dass sie ihrerseits doch etwas beitragen könnten.
Als die beiden sich auf Erden gefunden haben und die geistige Welt den Lebensplan des einen wie des andern und die Wünsche, die sie schon in der Jenseitswelt geäussert hatten, gesehen hat, da mutete man ihnen zu, dass sie das auch durchstehen würden. Da wurde ihnen ein erstes Kindlein gegeben, das gleich nach ein paar Monaten schon gestorben ist. Das bereitete den beiden natürlich Schmerz und Kummer. Sie haben als Menschen nichts gewusst von den Versprechungen, die sie ja gemacht hatten, und dass ihnen ein Kindlein gegeben werde, das nur ein paar Monate werde leben dürfen.
Der Grund, warum dieses Wesen nur für einige Monate in ein Menschsein treten durfte, war der: Dieses Wesen sollte schneller zu den geistigen Höhen geführt werden; es starb bereits als Kindlein, um als solches in der Jenseitswelt aufgenommen und im Kinderparadies gepflegt zu werden. Dieses Wesen war vor seiner Geburt also herausgeholt worden aus seiner harten Läuterung, und jetzt, nach seinem kurzen Erdenleben, wurde es in das Kinderparadies geführt, der Stufe entsprechend, wo es hingehörte; aber gepflegt, erzogen wurde es von den Engeln Gottes, mit viel Geduld, mit viel Liebe, viel Aufmerksamkeit. Und das ganze Wesen dieses Geistes wurde doch beeinflusst von dieser liebevollen Betreuung durch die Engelwesen, und das ganze Wesen dieses einst Belasteten konnte sich dadurch ändern. Er kam als Kindlein in die jenseitige Welt und hatte fürsorgliche Wesen um sich, die ihn mit so viel Aufmerksamkeit und Liebe betreuten. Und so ist nun das Erlebnis von Liebe in die Seele dieses Betreffenden eingegangen, sein ganzes Wesen ist beeinflusst worden von dieser Aufmerksamkeit der Engel und von ihrer besonderen Pflege. Bei diesem Wesen handelte es sich um einen Geist, der in seinem Aufstieg in verhältnismässig kurzer Zeit einige Stufen zu den Höhen hatte nehmen können; aber dann hatte er sich in einem Erdenleben so sehr belastet, dass er in eine harte, harte Läuterung geführt werden musste. Sein Aufstieg konnte nun aber gefördert werden durch dieses Eingreifen oder durch diese Einwilligung, durch die Bitte eines dieser Geistwesen, man möge ihm diesen Betreffenden dereinst als Kindlein geben. Durch seinen frühen Tod konnte dieses Wesen anders beeinflusst werden, er hat ihm also einen Nutzen gebracht. Dieses kurze Erdendasein war wohl für die Eltern ein grosser Schmerz, aber geistig gesehen war es ein Sieg.
Für Menschen, die das erleben, ist es manchmal hart, zu begreifen, dass ihnen ein Kindlein so schnell wieder genommen wird. In diesem Fall hatten die Geister Gottes das frühe Abscheiden längst eingeplant. Diese beiden Menschen, die da zusammenlebten, lebten in einer Ordnung; am frühen Wegscheiden dieses Kindleins hatten sie keine Schuld. Dass dieses Leben verkürzt wurde, geschah nicht durch – sagen wir – ihr persönliches Einschreiten. Es geschah so, dass man sagen kann: “Die Geisteswelt hat eingegriffen, Gott hat dieses Kind wieder zu sich geholt.” Für die Menschen ist das ein Leid, aber vom Geistigen her gesehen ist es ein Sieg. Es ist schmerzlich nur für die Menschen.
Nun, diese zwei Menschen, die für den Heilsplan wirken wollten, aber als Mensch nichts davon wussten, was für Versprechen sie gegeben hatten, bekamen ein zweites Kindlein. Auch dieses zweite Kindlein starb, es wurde ihnen mit vier Jahren genommen. Für diese Eltern war dies wieder ein grosser Schock, ein grosser Schmerz. Und sie fragten sich: “Wir haben schon ein Kindlein verloren, und jetzt ist uns schon wieder ein Kindlein nach so kurzer Zeit genommen worden. Warum straft uns Gott so?” Und da sind es sehr oft die Mitmenschen, die sagen: “Ja, in dieser Familie ist kein Segen; jetzt haben die ja erst ein Kindlein verloren, und nach vier Jahren haben sie wieder eines verloren. Da ist kein Glück in der Familie.” Menschen sollen sich hüten, solche Urteile abzugeben! Was wissen sie davon, was im Heilsplan Gottes geschrieben ist? Sie wissen nichts davon, gar nichts. Diese Eltern hatten sich einst als Geistwesen in der Jenseitswelt bereit erklärt, andern den Aufstieg zu beschleunigen. Und auch das zweite Kindlein, das nur ein kurzes Dasein von wenigen Jahren hatte, wurde ins Kinderparadies geführt. Auch dieses war ein Geistwesen, das man von unten geholt hatte, um seine Läuterung zu kürzen und seinen Aufstieg zu beschleunigen. Und dieses Kindlein hatte in der Geisteswelt ein schönes Leben; es wurde auch gepflegt und behütet, es wurde von den Engeln Gottes beschützt und belehrt. Denn auch in der Geisteswelt müssen diese Wesen durch ihre Schulen gehen, auch in der Jenseitswelt geht es nicht ohne Schule.
Diesen Eltern, von denen ich spreche, wurde nach weiteren Jahren ein drittes Kind gegeben, und im blühenden Alter von achtzehn Jahren ist auch dieses geholt worden. Und wiederum waren es die Menschen selbst, die sagten: “Jetzt haben wir drei Kinder verloren. Was haben wir wohl getan, dass Gott uns so straft? Jetzt ist uns noch das dritte Kind genommen worden.” Was wissen die Menschen vom Heilsplan und von der Weisheit Gottes? Sie wissen nichts.
Und dieser herangewachsene Geist, der nun als junger Mensch die Erde verlassen musste, auch er wurde in der Geisteswelt weiter geschult. Er wurde zu den Engeln Gottes hingeführt. Man betrachtete ihn noch nicht als einen selbstständig handelnden Geist, dem man zugemutet hätte, von sich aus selbst alles entscheiden zu dürfen. Man brachte ihn in eine geistige Familie, wo Harmonie und Friede war, so wie er es auf Erden gehabt hatte; er fand also die Fortsetzung davon in der Geisteswelt. Aber vor seinem menschlichen Dasein war er auch einer von denen gewesen, die eine schwere Schuld auf sich trugen. Ihm wollte man aber diese achtzehn Jahre geben, und dann griff die Gotteswelt ein in sein Leben, weil sie sich nicht ganz, ganz sicher war, ob dieses Geistwesen nun als Mensch in diesem Leben nicht doch hätte rückfällig werden können; denn dieser Betreffende kam von tief unten her. Die Geisteswelt wägt ja ab; sie betrachtet den Lebensplan genau und erkennt, woher einer kommt, wie lange er schon in der Geisteswelt war, wo er in seinem letzten Dasein war, was er getan hat – und bei diesem Betreffenden hatte sie die grossen Fortschritte gesehen und wollte nun kein Risiko eingehen. Lieber holte man ihn und gab ihm weitere Bildung in der Jenseitswelt.
Für die Familie war das traurig. Als die beiden Eltern dann selber in die geistige Welt zurückgekehrt waren, da kamen ihre drei Kinder zu ihnen und bedankten sich bei ihnen. Und dann klärte man sie auf, denn sie hatten das Gefühl, von Gott bestraft worden zu sein. Nun musste man ihnen sagen: “Nein, ihr habt dies aus freien Stücken gewählt. Und schliesslich habt ihr als Menschen doch Ja gesagt zu all dem schweren Leid, das euch getroffen hat. Obwohl ihr manchmal gezweifelt und euch gefragt habt, was ihr falsch gemacht habt oder was eure Schuld sein könnte, so hattet ihr doch stets gesagt: ‘Es liegt alles in Gottes Willen. Sein Wille geschieht im Himmel und auf Erden, und sein Wille geschah auch mit uns.’ So hattet ihr euch gemeinsam getröstet.”
Die Engel hatten ihnen einen schönen Empfang bereitet. Darüber waren sie überrascht, denn sie hatten geglaubt, das frühe Sterben ihrer Kinder als Strafe aufnehmen zu müssen. Und jetzt war es ganz anders: Es war keine Strafe gewesen, wie sie geglaubt; sondern sie erkannten, dass sie im Heilsplane Gottes mitgewirkt hatten und diesen Wesenheiten den Aufstieg gefördert hatten.
Dieses musste ich erklären, weil es dann und wann eben vorkommt, dass Menschen in dieser Weise vom Schicksal gezeichnet sind, und zwar unabänderlich wie in diesem Falle. Menschen dürfen dann nicht verzweifeln; sie wissen ja nicht, aus welchen Gründen es geschehen ist. Denn in der Geisteswelt wirkt man nur auf eines hin: auf den Aufstieg, auf das Entfliehen aus einer niedereren Stufe in eine höhere hinein, ein Entfliehen zu den Höhen – aufwärts soll es gehen. Und so ist manchmal das, was des Menschen Schmerz und Leid zu sein scheint, in der geistigen Welt als Glück und Freude zu erleben – man freut sich, dass solches zustande gekommen ist.
Aber man soll jetzt nicht etwa glauben, dass die Gotteswelt nur darauf ausgehen würde, auf diese Art und Weise den Heilsplan zu fördern. Sie hat auch andere Gelegenheiten dazu, eben da, wo sie erkennt, dass Menschen oder – sagen wir – eine Familie im Frieden leben. Wo Eltern in der Familie Träger von Glück, von Harmonie und Frieden sind, da tragen sie doch bei zum glücklichen Aufstieg ihrer Kinder, die ihnen gegeben worden sind. Und so kann auch solches erlebt werden, von dem ich jetzt erzähle.
Und da muss ich jetzt einen grossen Schritt vorwärts machen, in die Zeit hinein, wo ein Elternpaar und ihre Kinder bereits in die jenseitige Welt zurückgekommen waren. Die Kinder kamen nun zu ihren Eltern und durften sie begrüssen. Da waren welche Kinder dabei, die sich bei ihren einstigen leiblichen Eltern ganz besonders bedankten für ihre sorgfältige und liebevolle Erziehung, weil das ihren Aufstieg gefördert hat. Wären sie in eine Familie hineingekommen, wo Unfriede, Streit gewesen wäre, so hätte das auf die heranwachsenden Menschen seinen Einfluss gehabt, und es wäre im späteren Leben auch zum Ausdruck gekommen. Erkennt ein Wesen dies in der Geisteswelt, dann wird es auch bereit sein, sich zu bedanken dafür, denn es ist etwas erreicht worden. Aber erkennen kann dies ein Heimgekehrtes nur, wenn göttliche Wesen es ihm erklären. Im Allgemeinen werden Heimkehrende nur in besonderen Fällen, wie ich es jetzt als Beispiele erkläre, darauf hingewiesen, wem sie ihren schnelleren Aufstieg zu verdanken haben. Aufgeklärt über diese Dinge werden aber nur solche, die sich mit dem Heilsplan, mit dem Aufstieg befassen.
Wer aber in die Jenseitswelt kommt und enttäuscht ist, weil er nicht das schöne Leben vor sich findet, wie er es auf Erden gehabt hat, oder weil er in eine Läuterung geführt wird und ganz alleine ist, oder wer es nicht zugeben und nicht erkennen will, dass er überhaupt gestorben ist, und es schwer hat, die neue Umgebung anzunehmen und zu erkennen, dem kann man doch keine solchen Erklärungen geben. Diese neue Heimat, in die solche eintreten, ist ja für sie etwas ganz Fremdes. Sie müssen zuerst einmal belehrt werden darüber, dass sie weiterleben – dass sie wohl gestorben sind und den Körper der Erde zurückgegeben haben, aber dass ihr Geist lebendig ist, lebendig gemacht worden ist durch Christus; man ist wieder zurückgekehrt in die Heimat von einst, und das Leben geht weiter. Aber die Erklärungen und Belehrungen, die man solchen Verstorbenen gibt, sind ganz anderer Art als jene, von denen ich gesprochen habe. Und so ist es eben ein Vorteil, mit etwas Wissen in die Jenseitswelt hinüberzukommen.
Es kann auch geschehen, dass die Geisteswelt versucht, in eine Familie ein Kind hineinzugeben, das den Eltern besondere Freude bereitet, besonderes Glück bedeutet. Aber auch hier hat die Geisteswelt Gottes ihre Hände im Spiel, und zwar genau so, wie ich anfangs erklärte. Wenn zwei Menschen sich finden, dann schaut die Geisteswelt Gottes zuerst einmal: “Was können wir von ihnen erwarten, was bieten sie uns? Und was können wir ihnen bieten?” Und so kann es doch möglich sein, dass eben auch aus einer gewissen geistigen Freude heraus Menschen solches Glück gegeben wird, das sie wirklich erleben dürfen – dass Eltern mit allen ihren Kindern, die sie haben, Glück haben dürfen und sie sagen dürfen: “Wir sind glücklich, solche Kinder zu haben.”
Dies geschieht nicht so ohne Weiteres, meine lieben Geschwister; es geschieht, wie ich es euch erklärte. Man betrachtet die Menschen und prüft: “Was darf man ihnen zumuten, was geben sie uns?”, und dementsprechend antworten wir ihnen, das heisst, kommen wir ihnen entgegen. Was für Versprechen haben sie gemacht? Können wir ihren Wünschen nachgehen und sie erfüllen – oder nicht? So wird immer von Fall zu Fall geurteilt.
Man soll also nicht glauben, es wäre einfach alles Zufall. Nichts ist Zufall. Sonst gäbe es ja eine Unordnung. Die Geisteswelt ist aber eine Welt der Ordnung, und das bedarf der Vorschau, der Rückschau, der Abklärung. Und wenn man Menschen durchs Leben begleiten will, muss man mit ihnen sehr viel Geduld aufbringen. Man darf auch die Hoffnung nie aufgeben, die Hoffnung, doch etwas erreichen zu können. Denn es ist doch so: Menschen entscheiden schliesslich, was sie tun wollen. Aber sie sind sehr beeinflussbar. Und so ist es gut, wenn man seinen Mitmenschen im Guten beeinflussen kann. Dann erreicht man etwas bei ihm, dann tut man etwas für den eigenen geistigen Aufstieg und für den geistigen Aufstieg des andern.
Wisst ihr, es wäre auf diesem Gebiet noch so manches zu sagen. Denn man soll doch nicht vergessen, dass man einer Geistesfamilie angehört, der richtigen, geistigen Familie, und dass man in der Geisteswelt sein richtiges Du hat. Vielleicht ist es noch weit, weit weg. Man kann auf die Suche nach diesem Du gehen. Es ist auch so, dass man in der Jenseitswelt ein eigenes Kind erkennen kann, weil Engel Gottes zu einem gekommen sind und einen aufmerksam gemacht haben: “Siehe, das ist ein Kind von dir” – damit ist ein geistiges Kind gemeint –, “und es ist noch so in der Tiefe. Glaubst du nicht, dass es gut wäre, du würdest dich seiner etwas annehmen?” Auch das geschieht durch die Verbindungen der Geister Gottes. Denn schliesslich muss es dazu kommen, dass jedes Wesen wieder seinen Platz einnehmen kann; die geistige Familie, die einst war, muss sich wieder zusammenfinden können, man muss sein Du wieder finden; man findet auch seine eigenen geistigen Kinder wieder, und man findet auch die geistigen Verwandten wieder. Aber wann, wann findet man sie? Dies kann man fördern; aber da wird vom Menschen etwas verlangt. Und ist man selber in der Geisteswelt, kann man keine Bedingungen machen. Wünsche kann man aussprechen, und je nach den Verdiensten des einen oder andern wird diesen Wünschen nachgegangen. Aber was man kann, ist: diesen Heilsplan fördern, den Aufstieg fördern. Und da braucht es die Hilfe sehr vieler Wesenheiten.
Um diesen Aufstieg zu fördern, können Menschen auf ihrer Erde, wo sie leben, viel tun. Denn dafür ist doch diese Erde gebaut worden. Auf dieser Erde hat nun der Mensch zu beweisen, dass er fähig sein wird, das wieder zurückzugewinnen, was er einst verloren hat; auf dieser Erde finden diese Prüfungen statt. Und es sind die Engel, die sich mit dem Menschen verbinden; denn sie haben Anteil am Leben des Menschen, sie sind dafür aufgeboten, für den Menschen in seinem menschlichen Leben da zu sein. Denn die Engel sind es ja, die versuchen, die höhere und edle Gesinnung auf den Menschen zu übertragen. Denn der Mensch kann ja auf dieser Erde nur mit seiner Gesinnung zum Ausdruck bringen, wohin er gehört – ob er in das Reich Christi gehört oder ob er noch ein Anhänger jenes Herrschers ist, der die Welt beherrscht. Mit seiner Gesinnung sagt der Mensch, wohin er gehört.
Ja, liebe Geschwister, so ist es; es wäre manches gutzutun. Und für jeden kommt die Stunde, für einen jeden, wo der Engel Gottes sich seiner annimmt und ihn führt – und wollen wir doch hoffen, dass er ihn fest am Arm hält und hinführt zum Glück, zur Freude, zur Seligkeit. Und zu hoffen ist, dass für den Heimgekehrten Glück, Freude und Seligkeit nichts Fremdes ist, sondern dass es die Fortsetzung ist von dem, was er selbst auf Erden, wo er gelebt, gegeben hat; dass er seine Welt, in der er gelebt, zum Paradies gemacht hat und er in der Jenseitswelt die Fortsetzung findet von seinem Paradies, das er auf Erden gehabt hatte.
So, liebe Geschwister, ich kann auch sagen: Denkt darüber nach, und ihr sollt nie über einen andern richten. So kann es sein, dass gerade jene, die durch solche Prüfungen gehen müssen, in der göttlichen Welt besonders gut angeschrieben sind, weil man ihnen vieles zu verdanken hat.
So, liebe Geschwister, ich entlasse euch im Frieden. Vergesset nie, dass ihr nicht allein seid – nie und nirgendwo. Und wenn ihr in Not seid und in Bedrängnis, dann sollt ihr eure Gedanken nach oben richten. Bittet im Stillen den Geist, der in eurer Nähe ist, euch beizustehen. Und seid ihr schon in Freundschaft mit ihm, tut er euch den Gefallen – aus dem Grunde, weil man mehr ist als nur ein Freund; man ist im Geiste einander doch ein Bruder oder eine Schwester. Es sind alle Erben Gottes, die alle in ein Reich hineingehören, das von dem König der Geisteswelt getragen wird. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 15.10.1980 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1954, 1958, 1959 und 1961
Lieber Josef, du sprachst letzthin [im Vortrag vom 18. April 1959] von einer guten Mutter. Sie hatte 15 Kinder aufgezogen, die alle aus verschiedenen jenseitigen Entwicklungsstufen heraus ins Erdenleben hineingeboren wurden. Frage: Spielt da die Vererbungslehre auch eine Rolle?
Josef: Sehr, meine lieben Freunde, denn in den allermeisten Fällen hat die Vererbungslehre ihre Richtigkeit. Es spielt aber noch so Verschiedenes dazwischen hinein, zum Beispiel wenn die Gotteswelt sieht, dass es für einen Geist einen beschleunigteren Aufstieg geben muss. Diese Mutterseele hatte sich eine solch grosse Aufgabe im Erdenleben gewünscht. Sie erklärte sich vor ihrer Geburt dafür bereit: “Ich möchte im Erdenreich von möglichst vielen Kindern Mutter werden, um auf diese Weise vielen Geistwesen Gelegenheit zu geben, dass sie einverleibt werden können.” Diese Mutter wusste, dass sie sich dadurch Verdienste erwerben und mithelfen konnte, den Heilsplan Gottes schneller in Erfüllung zu bringen. Ihr wurde erklärt: “Gut, du wirst Kinder bekommen – sie werden die Veranlagungen der Eltern empfangen. Es gibt aber auch tiefstehende Geister, die man auch wiederverkörpern muss, damit sie sich bewähren und aufsteigen können. Gerade ihnen tut es gut, wenn man sie in eine Familie hineinsendet, wo eine gütige Mutterhand sie führen kann.”
Hier handelt es sich also um die versprochene Gnade, indem man einem aus der Tiefe kommenden Wesen ein Erdenleben in geregelten Verhältnissen ermöglicht. Es soll, wie in diesem Falle, von der Güte und Fürsorge dieser Mutter profitieren. Wenn nun der betreffende Geist trotz dieser Fürsorge nicht alles annehmen konnte, sein Leben also nicht zur vollen Zufriedenheit der Gotteswelt verlief, konnte er jedoch infolge des Umsorgtseins durch seine gute Mutter vieles von seinen rohen Gefühlen überwinden. Manches konnte unterbunden werden. Dadurch konnte das Heil seiner Seele weiter gefördert werden. Also kommt hier die Gnade Gottes in Anwendung, die sich immer und überall ausgiesst. Massgeblich tritt aber die Vererbung in den Vordergrund, während die Gnade nur da und dort dazugegeben wird. (1959)
Lieber Josef, ein Freund von uns betätigt sich bei der Schweizer Pflegekinder-Aktion. Es bedrückt ihn, dass die meisten dieser Kinder so schwere Schicksale haben. Er fragt, ob diese Kinder wegen eines früheren Erdenlebens mit diesem Schicksal behaftet sind.
Josef: Ja, es ist so. Diese Seelen werden dort hineingeboren, wo die Verhältnisse für sie so geschaffen sind, dass sich ihr Schicksal erfüllen kann. Diese Kinder tragen also ein Karma, das sich bei ihnen schon frühzeitig erfüllt. Die Mitmenschen haben aber die Aufgabe, diesen Kindern das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Es ist ihre Christenpflicht, die Leiden solcher Kinder zu mildern und zu lindern, wo es nur möglich ist. Wer ihnen hilft, wird seine Aufgabe erfüllen, indem er sich übt im Wohlwollen, in der Liebe und in der Duldsamkeit. Dem Kind wird dadurch das Leben etwas angenehmer gestaltet. Es wird dem Schicksal nicht ganz ausweichen können, aber durch das Wirken der Mitmenschen kann es etwas gelindert werden. Menschen, die eine solch edle Gesinnung zeigen, haben grosse Verdienste, wenn sie einem Nächsten das Leben so erträglich wie möglich machen. Solchen Kindern kann dadurch die Möglichkeit geboten werden, sich rascher aus dem Karma zu lösen, indem sie dem hellen Lichte zugeführt werden können. (1954)
Lieber Josef, liegt eine karmische Belastung vor, wenn Kinder lieblose Eltern haben?
Josef: Man kann vielleicht teilweise von Karma sprechen. Es kann aber auch sein, dass lieblose Eltern für die betreffenden Kinder eine Prüfung sind. Es ist ein Entwicklungsweg, den ein Mensch gehen muss. Es ist sein Schicksal, dass er diese besondere Liebe nicht empfangen darf wie ein anderer. Er steht dann einfach auf einer solchen geistigen Stufe, wo er sozusagen unter Verzicht auf diese Liebe durch die Kindheit gehen muss. Aber dies geschieht nicht etwa aus Bosheit oder weil Gott ihn so strafen möchte. Vielmehr geschieht dies alles, um seiner Seele Heilung zu bringen und weil ein Mensch zeigen können muss, dass er so stark ist und trotzdem Liebe zu geben vermag. Er muss aus diesem Verzicht auf Liebe lernen und den Entschluss fassen können: “Ich will nicht andere entgelten lassen, dass ich keine Liebe bekommen habe. Ich will nicht andere Menschen ohne Liebe lassen, sondern ich will ihnen geben, was ich selbst nicht hatte.”
Kann einer das, dann wird es ihm – seiner geistigen Entwicklung entsprechend – sehr hoch angerechnet. Es ist klar, dass ein mit viel Liebe aufgezogenes Kind bessere Voraussetzungen hat. Es ist aber auch selbst dann nicht immer so, dass es den vorgezeigten Weg befolgt. Auch Menschenkinder, die mit grösster Liebe gehegt und gepflegt worden sind, können sich später als undankbar erweisen. Wenn es aber geschieht, dass ein Menschenkind, das ohne Liebe aufgewachsen ist, seinen Mitmenschen trotzdem mit Liebe begegnet, die es eigentlich als Kind nicht gekannt hat, dann wird es ihm einen grossen geistigen Gewinn eintragen. (1.2.1961)
Lieber Freund Josef, warum bleibt bei vielen Paaren ihr Wunsch nach Kindern unerfüllt?
Josef: Als Erstes möchte ich solchen Paaren einmal sagen: Vielleicht muss das eine oder das andere den Weg zum Arzt machen, denn oftmals sind es Dinge, an die der Mensch nicht denkt.
Es ist auch so, dass es in der Entwicklung liegen kann. Es ist nicht gesagt, dass eine Kinderlosigkeit zum geistigen Hindernis wird. Denn kinderlose Paare müssen dementsprechend ihren Einsatz in einer anderen Weise zum Ausdruck bringen, wie sie ihn sonst eben mit ihren Kindern hätten leisten müssen. Es ist dann auf andere Weise dafür gesorgt, dass solche Menschen ihre Aufgaben erfassen. Gerade sie haben dann die Möglichkeit, sich weiter zu betätigen für wohltätige Zwecke, oder sie können sich vielen anderen Dingen zum Heil des Mitmenschen zuwenden, was nun einmal einer Mutter oder auch einem Vater nicht noch zusätzlich zugemutet werden kann. Hier liegen auch wunderbare Aufgaben. Daher möchte ich sagen: Jeder Mensch hat seine Aufgaben; er muss nur aufstehen und sie suchen und Gott bitten, dass er einem den Weg dazu zeigt. (11.7.1958)