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Bei seiner Erdensendung hat Christus nichts dem Zufall überlassen. Die Erklärungen in diesem Themenheft zeigen auf, wie sorgfältig die Menschwerdung Christi vorbereitet und mit dem Vater besprochen wurde. Christus selbst wählte die Engel aus, die ihn im Erdenleben begleiten und ihm je nach ihren Fähigkeiten den Beistand geben sollten. Er bestimmte auch den Engel, der auf Erden seine leibliche Mutter werden sollte. Auch unter den aufsteigenden Geistern wurden welche ausgewählt und für eine besondere Aufgabe im Erdenreich gezeichnet. So wurden die Apostel und viele weitere Wesen bestimmt, die dann als Menschen Jesus begegnen sollten. Schon vor ihrem Eintritt ins menschliche Dasein wurde ihnen erklärt, in welcher Weise sie dereinst den Erlöser erleben würden. Dem einen wurde gesagt: “Du wirst von ihm geheilt werden.” Einem andern wurde gesagt: “Christus wird dir Wasser reichen, und du wirst das Gefäss aus seinen Händen nehmen und trinken.”
Lene, 20. September 1963 (Mewo-Vortrag, 6. Abend)
Ehe Christus zur Erlösung der Menschheit ins irdische Dasein trat, wurden von langer Hand die Vorbereitungen dazu getroffen. Es wurden die Engel bestimmt, hohe Fürsten des Himmels, die als Propheten den Gottesglauben unter den Menschen verbreiten sollten. Aber nicht nur von den Getreuen wurden welche zur Menschwerdung bestimmt, sondern auch unter den aufsteigenden Geistern aus den obersten Stufen der Hölle wurden ganz bestimmte Wesen ausgewählt, die in jener Zeit der Entwicklung bedeutende Aufgaben erfüllen sollten.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, durch das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi wurde der Menschheit die Gotteskindschaft wiedergegeben. Wenn ihr betet, sollt ihr nicht beten: “Herr, Dein Knecht ruft Dich an”, oder: “Dein Knecht beugt sich vor Dir.” Ihr seid keine Knechte mehr, ihr seid Kinder Gottes. Jesus Christus brachte diese Gotteskindschaft wieder. Darüber freut sich der ganze Himmel, dass diese Kindschaft zustande gekommen ist. Es ist so – der Herr oder ein Herr unterrichtet den Knecht nicht, wie er sein Erbe verteilen will; er bespricht es mit seinem Sohn, mit seinem Kinde. Darum sollt ihr nicht beten: “Herr, Dein Knecht” – nein, ihr seid keine Knechte mehr. Jene Zeit ist vorüber. Von der Knechtschaft seid ihr befreit, und die Gotteskindschaft ist euch zurückgegeben worden.
Liebe Geschwister, wir wollen diesen letzten Abend [der Meditationswoche] darüber etwas meditieren, und ich versuche, euch im Geiste dahin zu führen. Und wir oder unsere Helfer versuchen, euren Geist so zu richten, so lebendig zu machen, dass ihr diese Worte versteht und ihr daraus eure Erkenntnisse gewinnt.
Dazumal, als diese Trennung stattgefunden hatte, wurden jene, die in Ungehorsam gefallen waren, aus den Himmeln ausgewiesen. Dieses brauche ich nicht näher zu erläutern, dieses wisst ihr, sondern ich möchte jetzt versuchen, auf die Vorbereitungen hinzuweisen, die von langer Hand zur Erlösung all dieser gestürzten Wesen getroffen wurden. So hatte es Gott zuerst mit seinem Sohne besprochen. Christus, begeistert von der Anregung seines Vaters, alle wieder aus diesem Bann [ihres Anführers Luzifer] zu befreien, wollte diese Aufgabe auf sich nehmen. So brauchte es dafür Vorbereitungen von langer Hand. Ehe Christus als Mensch geboren werden sollte, sollten unter der Menschheit Wege geebnet werden dafür. Erst dann, wenn die Entwicklung vorwärtsgeschritten sein werde, wenn der Gottesglaube etwas an Boden gewonnen hätte, könnte er seine Aufgabe beginnen.
So ging diese Kunde im Himmelreich zu den Getreusten, zu den Fürsten Gottes, und ihnen wurde auch klargelegt, dass es der eingeborene Sohn sei, der diese grosse Aufgabe auf sich nehmen werde. Dann hatte man ganz bestimmte Geister auch zur Menschwerdung vorbereitet. Geister, die Gott treu geblieben waren, sollten doch die Menschen vom Kommen des Erlösers unterrichten. So wurde, lange bevor Christus geboren wurde, diese Botschaft verkündet, dass es einen Erlöser geben werde, der die Menschheit befreien würde.
So bedurfte es vieler sorgfältiger Vorbereitungen. Auch wurde die Mutter für Jesus bestimmt; auch sie sollte mit den Ihren den Weg finden ins Erdenreich. So bahnte sich dieser Weg an. Und sie, die Gott treu geblieben waren, hatten auch als Menschen im Innersten ihren tiefen Gottesglauben und standen in Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Denn als reine Geister konnten sie in dieser Verbindung sein, denn sie hatten die Hellfühligkeit, die Feinfühligkeit dafür. Ihr Auge sah, was andere nicht aufnehmen konnten. Aber nicht nur von den Getreuen wurden welche zur Menschwerdung bestimmt, sondern auch von denen, die der Hölle entflohen waren, oder besser ausgedrückt: von denen, die sich beim Abfall nicht so sehr verschuldet hatten und auf der obersten Stufe der Hölle standen. Auch von diesen Wesen wurden ganz bestimmte ausgewählt, die unter den Menschen jener Zeit befähigt waren, besondere Aufgaben auszuführen. So wurde dieses vorbereitet, es wurden die Wesen bestimmt, die in jener Zeit der Entwicklung eine bedeutende Rolle zu spielen hatten. Sie waren nicht von ungefähr in die Menschwerdung gekommen, sondern auf Anweisung der höheren Geisteswelt. So wurde es bestimmt, dass von beiden Seiten welche ins Erdenreich kehrten und bei den Menschen diese Aufgabe erfüllten. Und grosse Fürsten des Himmels hatten die Menschwerdung angenommen. Sie zählten zu den Propheten, wie man es dazumal sagte. Und dann, als man glaubte, dieser Gottesglaube habe genug an Boden gewonnen, sollte auch Christus die Menschwerdung annehmen.
Nun ging die Kunde durchs ganze Himmelreich, zu allen treu gebliebenen Geschwistern, dass der Gesalbte Gottes, Christus, zur Erde gehen werde und die Aufgabe [der Erlösung der Gefallenen] auf sich nehme. Alle heiligen Geschwister zollten ihm Beifall, und sie versprachen ihm, ihn zu unterstützen, ihm beizustehen, so es ihnen erlaubt sein würde. Und Christus, er nahm dies Anerbieten an. Er wählte aber in der Hauptsache seine königlichen Geschwister selber aus, die dann in seine Nähe kommen, ihm Trost, Kraft bringen sollten. Er wollte sie bestimmen, denn der Vater überliess es ihm. So bestimmte er zum grossen Teil seine Geschwister, die ihm nahe sein sollten. Und er nahm das Anerbieten gern entgegen, dass man für ihn einstehen werde. Und so rückte für ihn diese Zeit immer näher, wo auch er in diese Menschwerdung hineingeführt werden sollte.
Zu seinem Abschied versammelten sich alle Getreuen, und sie begleiteten ihn. Doch zuvor noch wurde sein Palast sozusagen geschlossen. Als er zum letzten Mal aus dem prächtigen Tor schritt, schlossen sich die vielen Eingänge hinter ihm. Nur ein kleiner Seitengang zu seinem grossen Palast blieb offen für jene, die für dessen Ordnung besorgt sein sollten. Auch die Zugänge zu seinem Hause wurden versperrt. Flüsse umschliessen dieses Gotteshaus, und die Brücken, die darübergehen, wurden aufgezogen, sodass es keinem Unerlaubten möglich gewesen wäre, in die Nähe des Palastes zu kommen. Niemand hätte in diesen Palast eindringen können. Wächter wurden aufgestellt, sie behüteten und beschützten das Haus ihres Königs. Sie warteten auf ihn, um dann voller Freuden wieder die Tore zu öffnen, damit er als Erster wieder einziehen könne in seinen Palast. So wie er als Letzter ihn verlassen hatte, als Letzter über die Brücke geschritten war, so sollte er als Erster wieder über diese Brücke schreiten, die zu seinem Hause führte.
So gingen seine Getreuen in grossen Scharen mit ihm. Sie begleiteten ihn auf seinem Weg zur Erde, und sie warteten, bis es so weit war, dass sie die Geburt des Königs der Geisterwelt Gottes, des Erlösers der Menschheit, verkünden durften. Von ihrem Jubel, von diesem Singen und Jubilieren, vernahmen die Hirten auf dem Felde. So wurde die Geburt des Erlösers verkündet. Es war eine Anzahl göttlicher Wesen, die sich tief zur Erde neigten und mit den Hirten redeten. Diese waren erstaunt und hörten erschrocken auf die Stimmen, und sie nahmen alles entgegen, was ihnen gesagt und erläutert wurde. Der Weg zum Erlöser wurde ihnen beleuchtet, und sie wurden aufgefordert, hinzugehen und das Kindlein anzubeten. Und die Engel verkündeten: “Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen, der Erlöser ist geboren.” Und so gingen die Hirten und suchten das Knäblein auf. Und die himmlischen Boten, die in ungeheurer Zahl sich dieser Erde genähert und gewartet hatten, bis es so weit war, zogen sich wieder zurück in die himmlischen Bereiche. Eine gewisse Schar Geister blieb zum Schutze dieses Knäbleins in der Nähe der Erde. Sie bauten in der Nähe dieser Erde eine Sphäre auf. Dort empfingen sie jeweils die Anweisungen des Vaters, von dort aus nahmen sie den Weg zu dieser heiligen Familie, um sie zu führen und zu schützen. So standen sie in Verbindung mit ihr.
Dieser Jesusknabe wuchs heran, er nahm zu an Weisheit und Kraft, und behütet und beschützt blieb er von den himmlischen Geschwistern. Doch wie es in Gottes Willen stand, mussten auch diese himmlischen Geschwister manchmal Abstand zu ihm halten, denn ihr wisst um die Versuchungen – man liess sie auch an ihn heran –, und ihr wisst um die Worte: “Er wurde den Menschen in allem gleich” (vgl. Heb. 2, 17). Er sollte nun auch, wie es euch immer wieder erklärt wird, aus eigener Kraft den Weg finden. Er wusste, wer er war – aber dann kamen wieder Zweifel über ihn, ob es wohl stimmen würde, dass er Gottes Sohn sei. So hatte er auch manchen Kampf auszufechten. Er aber war fromm in seinem Innersten. Er, der hellsichtig und hellfühlend war, sah seine Geschwister, wie sie sich ihm näherten. Er hörte, wie sie von Gott sprachen, von seiner Welt, wie er diese verlassen hatte – und sie sprachen von der Zukunft. Und je älter er wurde, desto grösser wurde sein Verständnis, aber auch seine Innigkeit zum Vater, seine Frömmigkeit. Immer tiefer wurde sein Glaube zum Vater.
So wuchs Jesus heran. Und seine Mutter trug die Botschaft in ihrem Herzen, die man ihr einst gebracht hatte, dass ihr Sohn der Erlöser sei. So war auch sie mit Gott eng verbunden, und auch sie blieb verbunden mit der heiligen Geisterschar. Sie war ebenfalls hellsichtig und hellfühlend. Auch ihr musste mancher Trost und mancher Hinweis gegeben werden für das Leben ihres Sohnes, für das ihrer Kinder und für ihr eigenes Leben. Manchen Rat holte sie in stiller Stunde von der göttlichen Welt.
So reifte Jesus Christus zum Manne. Und es kam die Zeit, da er zu einem Feste geladen wurde. Es war ein Hochzeitsfest, und es war kein Wein mehr da. Und die Mutter, die wusste, dass Jesus der Sohn Gottes, der Erlöser, war, und die wusste, dass er etwas dagegen tun konnte, bat ihn darum; denn ihr wurden die Worte in den Mund gelegt von einem Geiste Gottes, der sie begleitete, sodass sie Jesus [auf das Fehlende] aufmerksam machte. Und so sprach er aber die Worte aus: “Meine Zeit ist noch nicht gekommen.” Er sah jedoch auch die Geister, seine Geschwister, die ihm das Zeichen dafür gaben, ihn aufmunterten und ihm sagten: “Tue es.” So legte er seine Hände zum Segen über das Wasser, das er in jene Töpfe hatte füllen lassen. Und so wurde aus diesem Wasser Wein. Es war die erste Wundertat, wie die Menschen es sagen. Dazu waren ihm viele, viele Geister Gottes behilflich.
So fing es langsam an. Immer hatte er die Unterstützung von jenen, die in seiner Nähe blieben. Auch da, wo es darum ging, das Brot zu mehren, beschäftigten sich die Himmelsgeister mit ihm und taten das Ihre, sie stützten ihren Jesus. Er sollte seine Aufgabe erfüllen, sie gaben ihm Kraft dafür. Sie standen bei ihm, auch wenn es darum ging, Kranke zu heilen. Er tat es aus seiner eigenen Kraft. Er war aber Mensch und den Menschen in allem gleich, und er war auch den Versuchungen ausgesetzt. Doch die gute Geisteswelt hielt ihre Hände über Jesus. So konnte er zu ihr aufblicken, und er konnte das Wort sprechen. Er musste nie zweifeln, ob ihm das gelinge. Seine göttlichen Geschwister standen ihm zur Seite, und sie legten auch ihm die Worte in den Mund, die er zu sprechen hatte – obwohl er der Sohn Gottes war. Denn dieser Sohn Gottes war Mensch geworden, war den menschlichen Schwächen unterworfen; er war auch abhängig von der Führung Gottes, von der Führung seiner Geschwister. Er aber konnte von ihnen geführt werden, denn er blieb im Glauben treu verbunden mit seinem Vater, so wie es heute Menschen gibt, die durch diese treue Verbundenheit zur Geisterwelt Gottes, durch ihren Glauben an Gott und den Erlöser den Weg finden im Leben, den Weg beleuchtet sehen, den sie gehen müssen. Aber sie selbst haben als Mensch zu beweisen, dass sie es tun können, dass sie dazu stehen, dass ihre Seele erfüllt ist vom Glauben, von der Zuversicht, von der Hoffnung – und so wird ihnen diese Hilfe gebracht.
Jesus Christus war hellfühlend, hellsehend; er sah die Himmelsboten kommen. Er sah aber auch jene andern, die ihn in Versuchung bringen wollten, und er sah sie, wenn er in grosser Not allein war. Es geschah öfters in seinem Leben, als er in diesem Zeitabschnitt stand, wo so vieles an ihn herankam und es die schwerste Zeit seines Lebens werden sollte, wo er selbst entscheiden musste, wo er verlassen war. Diese Verlassenheit kostete die Dunkelwelt für sich aus, denn nur so sollte es [die Prüfung] einen Sinn haben. So näherten sie sich ihm, gingen an ihn heran und versprachen ihm Befreiung von allen Qualen, von aller Not und versprachen ihm einen schönen Thron, wenn er ihnen hörig wäre. Und in Stunden grösster Not und grösster Qual blieb er seinem Vater treu.
Und wie es bei allen Menschen ist: Wenn sie eine Versuchung überwunden haben, dann kommt mit vollen Kräften der göttliche Lohn, es findet auf diese und jene Weise die Belohnung statt. So war es auch bei Jesus Christus. Hatte er die Versuchung überwunden und in seinen Leiden, seinen inneren Qualen ausgeharrt, kam die Belohnung. Und wie oft empfing er jene unsichtbare Speise, jenen unsichtbaren Trank, den man ihm anbot auf seinem schweren Weg! So brauche ich es euch nicht in allen Einzelheiten zu erklären und zu erzählen, wie es geschehen ist.
Ihr sollt dafür gleich eine Bestätigung finden in den Worten, die er am Kreuze ausgesprochen hat: “Warum hast du mich verlassen?” Da war es eine lange Zeit, in der sich ihm kein Engel näherte, nicht nähern durfte. Könnt ihr euch aber den Schmerz jener hilfreichen Engelswelt vorstellen, die sich vor seinem Auge nicht blicken lassen durfte, die bereit war, ihm zu helfen? Bittere Qualen standen mit ihm auch jene Geschwister aus, die so eng verbunden waren mit ihm. Diese Geschwister gingen immer wieder zum Vater hin, sie flehten ihn an: “Lass doch unserem König dieses Leid erspart bleiben!” Immer wieder zogen sie zu ihm und erkundigten sich, ob nicht ein anderer Weg der Erlösung geöffnet werden könnte, weil sie selbst mit ihrem König fühlten, im selben Schmerze lebten und ihm nicht helfen durften. Es war eine Qual für jene, die ihm helfen sollten – helfen wollten – und nicht durften. Und glaubt, auch der himmlische Vater, der ihnen den festen Entschluss mitgeteilt hatte, dass es so kommen werde, war traurig über dieses grosse Leid, das an seinem Sohne erfüllt werden sollte.
Dazu muss ich eine Erklärung geben. Menschen, die nicht eingeweiht sind in die geistigen Gesetze, sagen sich: “Warum war dieses Leid notwendig gewesen? Durch ein Wort Gottes hätte es anders geschehen können: Er hätte alle Menschen umbringen können, sodass sie nicht fähig gewesen wären, Jesus Christus zu töten.” Doch dies geschah nicht. Genau so ist das Gesetz, wie es euch immer wieder klargemacht wird: Aus seinem freien Entscheid heraus muss der Mensch seine Stellung zum Ausdruck bringen; aus seinem Entschluss heraus, mit Worten und Taten, muss man beweisen, auf welcher Seite man stehen will. Und dieses verlangte der Vater auch von seinem Sohne. Denn gerecht sollte es sein. Denn jenen, die seinen Sieg nicht wünschten, sollte es klargelegt werden, dass dieser Sieg unter grossen Anstrengungen errungen wurde, unter fühlbarem Schmerz und Leid durchgerungen – ohne Stütze der himmlischen Geschwister. Aufs Äusserste ging es. Und die Engel mussten sich zurückhalten. Nur im Garten Gethsemane und auf dem Weg, den er mit seinem Kreuz beschreiten musste, brachten sie ihm geistige Speisen. Und ehe er ans Kreuz geschlagen wurde, brachten sie ihm noch zum letzten Mal den geistigen Trunk und die Speise dar. Dann waren sie seinen Augen entschwunden. Und wie wenig war es, das sie ihm hatten bringen dürfen – nur gerade so viel, dass sein gemarterter Leib noch standhalten konnte. Ein geringes Mass war es an geistiger Speise und Trank.
So hielt Jesus Christus aus, und er konnte die Worte aussprechen: “Es ist vollbracht.” Er fühlte, wie die Kräfte ihn verliessen, und plötzlich sah er sie wieder, seine himmlischen Geschwister: Sie standen da, in grossen Scharen, umjubelten ihn, und so durfte er die Worte aussprechen: “Es ist vollbracht.” Doch die Begrüssung dieser jubelnden Schar war von kurzer Dauer. Sie begrüssten ihn, jubelten, dass er seine Aufgabe erfüllt hatte, und dann mussten sie sich wieder zurückziehen. Doch jene Schar [aus den Legionen Michaels], die ihm in nächster Nähe verbunden blieb und sich ihm nur auf besondere Anweisung näherte, zog mit ihm triumphierend in das Reich der Dunkelheit. Ich möchte jetzt aber nicht über den Kampf im Reiche Luzifers und über jene Abmachungen, die getroffen wurden, sprechen, sondern vielmehr vom Einzug Christi ins Himmelreich.
Als jene Zeit im Reich der Finsternis vorüber war und er den Seinen auf Erden erscheinen durfte, so währte auch das nur kurz. Von seinen himmlischen Geschwistern wurde er in jene Sphäre geführt, getragen, in der einst die Engel so lange gewartet hatten, bis die Geburt Jesu verkündet werden konnte. Ein Vorhimmel war es. In diesen ging er ein, um zu warten und um anderseits seinen Geschwistern auf Erden, die um ihn trauerten, doch nahe zu sein. So ging er zu ihnen, stand plötzlich vor ihnen und zeigte sich ihnen. So bewies er, dass es ein Leben nach dem irdischen Tode gibt. Er erschien ihnen wieder und wieder und gab ihnen die Beweise dafür.
In der Zeit, als er in diesem Vorhimmel unter jenen Engeln wartete, wurden im Himmelreich die Vorbereitungen getroffen für seinen glanzvollen Einzug. Die Legionen des Himmels hatten sich in Scharen zusammengestellt und machten sich auf in ihrer Farbenpracht, um ihren König zu empfangen. Als alles dazu bereit war, da entschwand er den Seinen auf Erden – da ist er zum Vater aufgefahren. Er hatte ihnen ja vorher erklärt: “Ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater” (Joh. 20, 17). Er blickte ihnen nach – und nun wurde er von seinen Geschwistern in Empfang genommen. Als die Vorbereitungen für ihn getroffen waren, zog er unter Jubel ein in die göttliche Welt.
Er ging mit den Seinen von Sphäre zu Sphäre, um sie zu begrüssen, die treu mit ihm verbunden waren, die um ihn und mit ihm gezittert hatten. Durch alle Himmel schritt er bis zu seinem Palast. Und da wurden die Brücken heruntergelassen, die den Weg zu seinem Hause freigaben, und er durchschritt eine solche Brücke als Erster wieder. Sein Haus war bestrahlt mit dem Lichte Gottes, erhellt in seinen wunderbarsten Farben, in einer Pracht wie nie zuvor. Hinein trat er in sein Haus und wurde hier vom Vater empfangen. Dann führte der Weg von seinem Hause weg ins Haus des Vaters, das ganz nahe bei dem seinen ist. So gab es eine Vereinung in grosser Freude. Und in dieser Zeit, in der er mit seinem Vater alleine sein durfte – ungestört, mit ihm allein, zu seiner Rechten –, da gingen seine königlichen Geschwister hin und schmückten sein Haus mit allen Kostbarkeiten, die man bereitgestellt hatte, aber nicht herbeischaffen konnte, weil der Weg nicht frei gemacht war, weil er als Erster wieder in sein Haus eintreten sollte. So hatten sich diese himmlischen Geschwister bemüht, sein Haus auf das Schönste zu schmücken zu seiner Freude und zur Freude des Vaters.
Dann kam er wieder mit seinem Vater und zog mit seinen Geschwistern in sein Haus ein. Welche Freude und welchen Jubel erlebte er! Könnt ihr euch wohl die Herrlichkeit dieser Musik, dieses Jubilierens in den höchsten Sphären vorstellen? Doch nicht allzu lange sollte dieses Feiern dauern, denn es warteten viele, viele Aufgaben – Aufgaben für ihn und ganz besonders für die Engel Gottes. So musste man schon bald die Arbeit aufnehmen. Der König empfing seine Getreuen, die zu ihm kamen, die ihrerseits ihre Anregungen machten und ihm ihre Dienste anboten zur Hilfe, zur Befreiung der Menschen.
Und so fing ein eifriges Wirken an. Viele Menschen, viel mehr Menschen sollten nun den Weg zur Erde finden, immer mehr sollten es sein. Immer weitere Wege sollten geebnet und geschlossene Tore im Reich der Dunkelheit geöffnet werden. Jene Wesen sollten herausgenommen werden, vorbereitet für die Menschwerdung. Eine neue Zeit hatte begonnen. Doch im Geistigen übereilt man Dinge nicht. Sorgfältig wird alles geordnet, wohl überlegt – und so wurde es getan unter der Führung des Königs und wurden die Aufgaben an seine himmlischen Geschwister verteilt. Sphären des Himmelreichs wurden umgeordnet, eingerichtet für die, die da kommen werden. Für ihren weiteren Aufstieg war man besorgt, für ihre weitere Hilfe. Es ging auch darum, jenen in der Dunkelheit Verbleibenden den Weg zu sperren, damit sie nicht Unerlaubtes ausführen konnten. Es gab viel zu ordnen, viel zu tun. Und wenn ihr jetzt vielleicht den Gedanken tragt, das alles hätten die Geister doch vorher vorbereiten können – nein, man wartete zuerst auf die Erfüllung der grossen Aufgabe, man wartete zuerst auf die Einkehr des Königs. Erst wenn er eingekehrt ist im Himmelreich – so hatte es der Vater angeordnet –, dürfen die weiteren Vorbereitungen getroffen werden. Erst wird das eine erfüllt, und dann kommt das andere. So wurde es angeordnet.
Bis zur Stunde, bis zur heutigen Stunde interessiert sich der König des Himmelreichs für seine Geschwister auf Erden. Denn für sie alle ist er gestorben, für sie alle hat er den Weg frei gemacht. So sollen sie zum Vater zurückkommen, und er will ihnen die Unterstützung, den Beistand geben. Und seine Engel stehen ihm zu Diensten. Sie tragen die Botschaft weiter aus: “Nimm auch du ein Kreuz auf dich und folge mir nach” (Mat. 16, 24), da ein jeder zu wissen hat, dass er auch einen leidvollen Weg durchschreiten muss. Aber er soll auch wissen, dass er in seinem Vertrauen und in seinem Glauben den Weg beleuchtet findet, den Weg für dieses Leben, in dem er lebt, oder für das nächste Leben. Auch sein Weg ins Reich des Herrn ist ihm beleuchtet worden, auf dass er leichten Schrittes dem Aufstieg entgegengeht.
So wie dazumal die himmlischen Geschwister um ihren König besorgt und bemüht waren, so besorgt und bemüht sind sie um die Geschwister, die nachkommen, die den Weg zu ihm und zum Vater finden müssen. So wie die Heiligen des Himmels um ihren König gezittert haben, so zittert mancher Schutzgeist eines Menschen um seinen Schützling, und auch er schreitet zu einem Höheren hin, bittet ihn um Beistand und fleht um Hilfe, damit sein Schützling nicht verloren geht. Und dann muss er die Worte vernehmen, genau wie es dazumal der Vater den Seinen gesagt, dass es sich aus dem Willen des Menschen entscheiden muss, auf welche Seite er zu stehen kommt. So ist es heute noch. Wie schmerzt es den Schutzgeist und die andern hilfsbereiten Geschwister, zur Seite stehen zu müssen, nicht helfen zu dürfen, weil der Mensch geprüft wird, hart geprüft wird. Aber auch hier ist es wieder so: Wenn er die Prüfung überwunden hat, kommen sie mit Freuden zu ihm zurück. Und sie reichen so manchem eine geistige Speise. Sie kräftigen so manchen Menschen in jenen Stunden der Verzweiflung und der Not. Manchem geben sie ihre Hilfe und lassen die Gnade Gottes wirken.
Die himmlischen Geschwister beten für die Menschen auf Erden. Es gibt so hilfsbereite göttliche Geschwister, die sich in den Dienst des Menschen stellen und versuchen, bei ihren höheren Geschwistern Fürsprache zu halten, um den Menschen zu stützen, damit er nicht so bestraft wird, wie er es verdient hätte. Sie versuchen es. Und wie manches Mal gelingt es, dass diese Fürsprache Gehör findet! Doch muss auch manches Mal ein hartes Wort von der Engelswelt gesprochen werden, wo es der eine und andere nicht verdient hat, dass ihm beigestanden wird.
Nun aber, liebe Geschwister, wenn ihr die Vergleiche zieht, erkennt ihr, dass dazumal an den Erlöser genau dieselben Bedingungen gestellt wurden, wie sie auch heute an den Menschen gestellt werden, dass es noch dasselbe Gesetz ist: dass man aus freien Stücken entscheiden muss, um seinen Weg zu behaupten und so zu zeigen, auf welche Seite man gehen will. Aber welch wunderbare Botschaft verbreitet sich immerdar über das Menschenreich: Jeder kann den Weg zu Gott beschreiten, denn die Kindschaft Gottes ist ihm gebracht worden. So ist der Wille des Vaters in Erfüllung gegangen, im Himmel und auf Erden. Sein Wille geschah im Himmel und auf Erden, und sein Wille geschieht heute noch im Himmel und auf Erden. Seine Worte werden nie und nimmer an Lebendigkeit verlieren. Es wird so lange gehen, bis der Letzte über die Brücke ins Haus Gottes geht. Gottes Wille geschieht – im Himmel und auf Erden. Gottes Wille geschieht auch mit euch, liebe Geschwister.
Nun, die Meditationen in diesem eigentlichen Sinn sind [für diese Woche] beendet. Morgen werdet ihr noch zusammengerufen, um gemeinsam in Verbundenheit, im Gedenken an den Erlöser das Abendmahl zu feiern. In seinem Gedenken tut ihr das. So wollt ihr dafür besorgt sein, dass dieses Andenken immer bewahrt bleibt, dass sein Wille auch in Erfüllung gebracht wird. Tuet es, denn es wird euch zum Heile werden und zum Segen. Die hilfreichen Geister, die sich nun in eurer Nähe befinden, werden sich erst dann entfernen, wenn die letzte Person von dieser irdischen Sphäre, von diesem Ort weggegangen ist. Dann werden sie alle wieder einziehen in ihre himmlischen Wohnungen, und sie werden euch immer wieder besuchen. Denn es sind die Fäden von euch zu uns geknüpft, und sie können nicht von eurer Hand gelöst werden. Sie können wohl durch euer Wort gelöst werden; durch euer Wort kann die Verbindung gebrochen werden. Es kann aber nicht das Zeichen der Verbundenheit von euch zu uns gelöscht werden. Man wird es sehen, wenn ihr zu uns kommt. Und alle, die treu geblieben sind bis zur letzten Stunde ihres Lebens, werden dafür die Belohnung finden. Und die das Wort gebrochen, die Verbindung gebrochen haben, werden getadelt. Schade darum.
So, liebe Geschwister, wollen auch heute alle hilfreichen Geister einen jeden von euch umarmen, sozusagen zum Abschluss. Es ist dies der Abschiedsgruss von dieser Woche. Es ist dies aber nicht ein Verlassen, sondern vielmehr ein Besiegeln. So umarmen sie dich zum Abschied dieser Stunde hier.
Möget ihr alle von Gottes Segen behütet sein. Möget ihr alle den Weg ins Leben finden. So walte es Gott. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.9.1963 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche in Braunwald (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 10. Dezember 1977
Bei seiner Erdensendung hat Christus nichts dem Zufall überlassen. Alle Vorbereitungen wurden auf das Genaueste überlegt und mit dem Vater besprochen. Christus selbst wählte die Engel aus, die ihn im Leben begleiten und ihm je nach ihren Fähigkeiten den Beistand geben sollten. Für alles sorgte Christus vor; auch für unerwartete Geschehen hatte er einen hohen Geist bestimmt.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, in Christi Namen seid ihr hierhergekommen, um im Gedenken an den Herrn dieses Fest der Geburt Jesu zu feiern. Ihr seid mit Gleichgesinnten zusammengekommen, und ihr möchtet mit Gleichgesinnten dieses Fest feiern. Von nah und fern seid ihr hierhergekommen, und das eine und andere hatte gewisse Anstrengungen auf sich nehmen müssen. So gilt unser Gruss allen Freunden, allen Geschwistern.
Das Fest zur Geburt des Herrn, das ihr feiert, das sollte, wenn es im wahrhaftigen Sinn gefeiert wird, den Christenmenschen näher an die Gotteswelt bringen. Sein Glaube sollte gestärkt werden – er sollte nicht nur diese Botschaft hören, dass der Herr geboren wurde und der Menschheit die Erlösung gebracht hat. Wenn Geistgläubige sich mit dieser Geisteslehre schon längere Zeit hindurch befasst haben, so bedeutet ihnen dieses Fest zur Erinnerung an die Geburt des Herrn doch mehr. Es sollte dem Menschen mehr zu sagen haben, er sollte inniger verbunden werden mit der Gotteswelt.
Es ist nun so, dass in den christlichen Kirchen diese Botschaft verkündet wird; die Gläubigen werden aufmerksam gemacht auf jene Zeit, auf das, was sich alles dazumal abgespielt hat. Ich sage aber zu viel, wenn ich sage “was sich alles abgespielt hat” – wenn ich es mit diesen Worten ausdrücken darf. Nein, sie haben dem Menschen, dem Gläubigen nur vorgesetzt, was ihnen gefiel, wie sie es verstanden haben. Wohl ist darin noch so viel Richtiges enthalten, das es dem Menschen ermöglichen sollte, sich in seinem Glauben zu festigen. Wenn man aber den heutigen Menschen betrachtet und auch in die Zukunft schaut, so genügt es doch einfach nicht, was dem Menschen vorgesetzt wird. Es geht doch der Geisterwelt Gottes wahrhaftig nur darum, den Gläubigen näher an das Göttliche zu binden. Sie möchte, dass er im Glauben fest wird und fest bleiben kann.
Wenn ich nun meine Erklärungen mit Worten beginne, die auch in der christlichen Kirche verkündet werden, so haben sie wohl ihre Richtigkeit – aber sie sind nur ein Teil. Ich möchte euch ein genaueres Bild geben, und dieses genauere Bild, das ich darzulegen versuche, soll euch manches verständlicher machen.
So war es doch so, dass Josef mit Maria, seiner Verlobten, nach Bethlehem gehen musste, um sich dort zählen zu lassen, so wie es dazumal der Kaiser befohlen hatte. Maria sah nun ihrer schweren Stunde entgegen, und gerade in dieser Zeit war es so weit, dass sie das Kindlein gebären sollte. So gingen Maria und Josef nach Bethlehem, und dort waren alle Herbergen schon überfüllt. Sie hatten keinen Platz mehr. Und so heisst es, sie hätten in einem Stall Platz gefunden. Wahrhaftig ist es so. Nun aber überlegt euch, ob nicht wohl andere, ehe Maria und Josef diesen Stall gefunden haben, auch schon ihren Platz dort eingenommen hatten. Und so war es. Als Maria und Josef in diesen Stall gingen, waren schon andere Menschen da, die sich hier lagerten, weil sie auch keinen Platz mehr gefunden hatten in der Herberge.
Doch die Zeit nahte für Maria. Und Josef bat jene, die ihren Platz in diesem Stall schon eingenommen hatten, sie möchten diesen doch verlassen. Man sah es ja Maria an, die Zeit war gekommen, und es hatte Eile, dass die andern den Stall nun verliessen. Und so gingen sie alle, mit Ausnahme einiger beherzter Frauen, die Maria beistanden. Auch Josef verliess den Stall. So blieb Maria zurück mit einigen hilfreichen und beherzten Frauen, und diese Frauen waren es, die die Krippe, die da war, füllten mit Stroh. Maria gab ihr Umtuch, damit es in die Wiege gelegt wurde, und so hatte sie auch noch einige Tücher mit sich, eine spärliche Bekleidung für das Kindlein; das hatte sie mitgenommen. Und diese Frauen stellten ihre Dienste Maria zur Verfügung. So gebar sie das Kindlein in diesem Stall. Dann entfernten sich diese Frauen, und Josef konnte eintreten. Und durch die heilige Geisteswelt Gottes wurde es so gefügt und gelenkt – sie konnten allein im Stall verweilen.
Noch etwas habe ich zu dieser Hilfe an Maria zu sagen. Maria hatte eine Cousine, sie hiess Elisabeth. Elisabeth war schon im sechsten Monat. Maria hörte davon, und sie wollte Elisabeth ihren Beistand geben. (Luk. 1, 36 ff.) Es war dazumal üblich, dass aus der Verwandtschaft Frauen oder Bekannte jeweils einander behilflich waren. So erachtete dies Maria als ihre Pflicht. Sie machte sich auf den weiten Weg und ging zu Elisabeth, und sie blieb etwas mehr als drei Monate dort. Sie blieb also so lange dort, bis Elisabeth ihr Kindlein geboren hatte. Dann ging Maria wieder zurück. Aber nicht nur sie hatte ihrer Verwandten den Beistand gegeben, sondern es waren noch weitere Bekannte, Verwandte, die Elisabeth ihre Dienste zur Verfügung stellten.
Von alldem wird nichts berichtet. Es sind dies vielleicht Kleinigkeiten, doch ist es etwas von Bedeutung. Denn es wird einst die Zeit kommen, wo dem Christenmenschen die ganze Wahrheit gesagt werden kann. Denn noch versucht man, auf sonderbare Weise einen Schleier der Geheimnisse über all das zu ziehen. Man spricht wohl von einem heiligen Geist, von dem Maria überschattet worden sei (Luk. 1, 35). In diesem Fall spricht man plötzlich von einem heiligen Geist, aber sonst will man von diesen hilfreichen Geistern Gottes nichts wissen. Man betrachtet dies als einen Sonderfall, und man gibt auch dementsprechende Erklärungen dafür. Man täte gut, dem Christenmenschen doch die ganze Wahrheit zu sagen. Der Gläubige würde nämlich der Himmelswelt viel näher kommen. Denn manche sind bereit zu glauben, aber sie kennen die Wahrheit nicht, und sie bemühen sich nicht näher um diesen Glauben und die Wahrheit. So sind sie auch schnell von etwas anderem zu überzeugen, und sie werden gleichgültig in ihrem Glauben. Ihr Glaube hat keine Festigkeit, obwohl sie behaupten, gläubig zu sein.
Da es nun wichtig ist, dass nicht nur die Christenheit, sondern die ganze Menschheit näher an die Himmelswelt herankommt, ist es notwendig, dass man den Himmel wirklich öffnet und es Möglichkeiten gibt, in diesen Himmel hineinzuschauen, ihn im Geiste zu erleben. So würde manches beim Menschen anders werden. Denn die Menschen von heute – wie schon die Menschen von dazumal und auch jene in Zukunft, in allernächster Zukunft – sind zu sehr mit ihrem materialistischen Denken beschäftigt. Zu viel bedeutet ihnen diese Welt, und ihre Beschäftigung ist zu gross mit all dem, was diese Welt zu bieten hat. Sie gehen mit ihrem Denken weg vom Himmlischen. Sie binden sich dafür fester an das Irdische, und so scheint ihnen eben so manches einfach nicht verständlich. Nicht verstehen können sie es, was alles sich einst wirklich ereignet hat. Sie haben dafür kein Verständnis, weil sie keine richtige Erklärung dafür haben, die Wahrheit nicht kennen.
Und nun wird ja in diesen und in den nächsten Tagen davon gesprochen, dass die Hirten auf dem Felde von Engeln Gottes die Botschaft vernommen hätten, dass der Heiland geboren sei; sie hätten Gesang gehört und den Jubel der Engel, die frohlockten über die Geburt des Herrn. Und es ist der irdisch gebundene Mensch, dem dies einfach etwas Unverständliches ist. So etwas ereignet sich ja heute auch nicht, und er hat keine Beweise dafür, also glaubt er es nicht. Er betrachtet es als eine Erzählung. Er will es nicht glauben und kann es nicht, weil er zu weit weg ist mit seinem höheren Denken und Fühlen. Er hat sich der Welt verschrieben, und für das Ewige, für das andere, hat er kein Verständnis, kein Empfinden. Darum kann er es nicht glauben und hat so viele Fragen.
Dasselbe gilt, wenn in dieser Zeit darauf aufmerksam gemacht wird, welche Verbindung die himmlische Welt zu Josef und Maria hatte – denn es erschien Josef, wenn es notwendig war, ein Engel im Traume. Das eine Mal wurde er aufgefordert: “Nimm das Kind und seine Mutter und fliehe, denn man trachtet nach dem Leben des Kindes.” Und Josef stand auf, er nahm Maria und das Kind und floh. Und wohl zu Recht. Er wurde also gemahnt durch einen Engel Gottes im Traum. (Mat. 2, 13 –15.) Ebenso kam dieser Engel Gottes wieder, als die Lage sich beruhigt hatte, die Gefahr für das Kind nicht mehr vorhanden war. Da wurde Josef aufgefordert, wieder zurückzukehren. (Mat. 2, 19–20.)
Ich möchte euch auch daran erinnern, dass zu jener Zeit Träume ihre Bedeutung hatten und es Menschen gab, die solche Träume auslegen konnten. Die Menschen von dazumal waren der andern Welt gegenüber eben etwas offener, während doch der heutige Mensch geblendet, beeindruckt ist von all dem vielen Geschehen, das die Welt zu bieten hat. Er wird abgelenkt, er wird verbunden mit dieser materiellen Welt, und so schwindet das feingeistige Empfinden. Er vermag nicht zu schauen, er vermag nicht zu hören, denn sein Organismus ist nicht auf diese Feinheit ausgerichtet. Verloren sind diese feinsten Gefühle. Und so will man eben all dem, was damals geschehen ist, keinen besonderen Glauben schenken. Und so meint man, dass dieses wohl Erzählungen wären oder vielleicht Ausnahmen – weil es ein hoher Geist des Himmels war, der in dieses menschliche Dasein trat – und für die heutige Menschheit keine Gültigkeit mehr hätte. Dem aber ist nicht so.
Ich möchte jetzt noch auf etwas zurückkommen. Ich habe schon ähnliche Erklärungen gegeben, möchte nun aber euch das Ganze verständlicher machen, deutlicher vor Augen führen. Ehe Christus ins menschliche Dasein trat, um seinen Auftrag auszuführen, musste für seine Menschwerdung der richtige Zeitpunkt gewählt werden. Es mussten auf Erden auch die Möglichkeiten vorhanden sein, gläubige Menschen zu finden. Dazu brauchte es zuvor doch eine Vorbereitung in der göttlichen Welt. Christus selbst hatte die Engelschaften ausgewählt, die sich dann in der Zeit seines Menschseins mit ihm beschäftigen mussten. Er hatte – wenn ich es in eurer Sprache ausdrücken will – verschiedene Gruppen gebildet, je nach den Fähigkeiten dieser Engelwesen, die ihm in seinem menschlichen Dasein zur Seite stehen sollten. Er hatte sie ausgewählt, jene Engel, die den Hirten die Botschaft brachten. Er hatte in der Geisteswelt bestimmt, wer seine leibliche Mutter werden sollte. Alle Vorbereitungen, die notwendig waren für seine Menschwerdung, wurden zuerst von ihm durchdacht und mit dem Vater besprochen. Alles hatte er organisiert. Er hatte auch jene Engelwesen ausgewählt, die nach dem Gelingen, nach der Erfüllung seines Auftrages, mit ihm hinuntergehen sollten in die Hölle. Er wählte sie aus und bestimmte sie, die ihn begleiten sollten. All die Scharen, die mit ihm zogen, wählte er aus, sie sollten mit dabei sein. Nichts war dem Zufall überlassen. Er hatte alles aufs Genaueste vorbereitet. Auch unerwartete Geschehen waren eingeplant gewesen. Denn die Menschen hatten ja ihren freien Willen und so die Möglichkeit, frei zu entscheiden. Dadurch bestand die Möglichkeit, dass das, was Christus vorbereitet hatte, hätte geändert werden müssen. Wohl ist bedacht worden, eventuelle Korrekturen vornehmen zu dürfen. Auch dafür hat er einen hohen Geist bestimmt, der die Möglichkeit, das Können, die Kraft gehabt hätte, dieses in der Weise auszuführen.
Wie ich betonte: Alles besprach er zuvor mit seinem Vater, alles wurde vorher auf das Genaueste überlegt. Und so war es möglich, dass Christus von den Engeln Gottes auf seinem Lebensweg begleitet werden konnte. Es waren ihm immer die betreffenden Engelwesen zur Seite, die ihm je nach der Situation, in der er sich befand, ihren Beistand gaben, ihn inspirierten, ihn führten, ihn lenkten. Auch waren doch solche Geistwesen da, die ihm die notwendige oder die vermehrte Heilkraft brachten. Obwohl er als Gottessohn diese Heilkraft, die Schöpferkraft, diese aufbauende Kraft in sich hatte, bedurfte es doch auch der Lenkung dieses hohen Geistes oder seiner Führung, dass es ihm ermöglicht wurde, seinen Auftrag auszuführen. So standen sie ihm zur Seite in den verschiedensten Situationen.
Es waren nicht etwa immer ein und dieselben Geister Gottes, die Christus im Leben führten – es waren viele aufgeboten. Ihr könnt euch auch vorstellen, dass der ganze Himmel zu jener Zeit, als Christus in dieses Dasein ging, besorgt war um ihn. Denn die Geister Gottes kannten Luzifer, sie kannten die Welt und die Menschen dieser Welt, sie kannten die Gefahren, die ihrem König auch drohen konnten, und so wollten aus allen Himmeln so viele Engel wie möglich sich zur Verfügung stellen, um ihren König im menschlichen Dasein zu begleiten. Aber dafür hatte Christus ja selbst gesorgt. Er hatte selbst die Zahl festgelegt, wie viele geistige Wesen ihn in seinem Leben begleiten und ihm Beistand geben sollten. Sowohl ich als auch unsere Geistschwester Lene haben in früheren Erklärungen schon näheren Aufschluss darüber gegeben, dass Christus die Möglichkeit hatte, in die Stille zu gehen und seine eigene geistige Schau zu halten, seine Gespräche zu führen. Er hatte aber auch die Möglichkeit, hellhörend wahrzunehmen. Er wurde von der hohen Geisteswelt gelenkt und geführt.
Nun, als Jesus herangewachsen war, machte er manchmal seiner Mutter etwas Schwierigkeiten, und diese bestanden darin, dass er so manches tat und sagte, was er in seiner geistigen Schau gesehen und was er vom Vater gehört hatte – wie er es auch immer wieder betonte: “Ich tue das, was ich bei meinem Vater gesehen, bei meinem Vater gehört” (vgl. Joh. 5, 19–20; 8, 28; 12, 49–50). Maria konnte sich nicht mit allem einverstanden erklären, denn sie sah die Schwierigkeiten, die das mit sich brachte. Denn sie war sehr religiös, das heisst, sie war dem jüdischen Glauben von dazumal so verhaftet, und dieser hatte nicht überall Übereinstimmung mit dem, was Christus zu sagen hatte.
Nun war es ja auch so, dass die Eltern, als Christus zwölf Jahre alt geworden, ihn im Tempel vorstellten; denn zu jener Zeit war dies üblich. Die erste männliche Geburt galt als dem Herrn heilig, und so mussten im Tempel dafür besondere Opfer dargebracht werden. So gingen auch die Eltern mit Jesus in den Tempel – zusammen mit vielen andern, denn dafür war ein besonderer Zeitpunkt bestimmt, wo diese Eltern mit ihrem erstgeborenen Sohn im Tempel zu erscheinen hatten. Es war dazumal Brauch, dass ein Knabe mit zwölf Jahren mündig wurde und in die Gemeinde eingetragen oder aufgenommen wurde und gewisse Verpflichtungen übernehmen musste. Das hiess, dass sie jedes Jahr zu den bestimmten Zeiten im Tempel zu erscheinen hatten; sie waren dazu verpflichtet. Und so verlangte man von ihnen auch schon mit zwölf Jahren gewisse Aufgaben, die sie erfüllen konnten – Aufgaben, die in Bezug zu den Tätigkeiten waren, die sich in der Tempelarbeit ergaben.
Dieser Jesus wurde auch geschult. Es gab Schriftgelehrte, die sich seiner besonders annahmen und ihm die Schrift beibrachten und das Lesen. Es gab später sogar Schriftgelehrte, die sich heimlich mit ihm trafen und mit ihm Gespräche führten. Denn bald war es ja bekannt: Dieser Jesus hatte sonderbare Vorstellungen, Auffassungen. Er führte manches Gespräch mit den Schriftgelehrten, und man war nicht einig mit dem, was er ihnen darlegte, wie er die Schrift auslegte. So war er auch unter den Schriftgelehrten und Pharisäern da in diesem Tempel und in Synagogen und Betsälen, wo man sich jeweils traf und wo auch er hinging, bald bekannt. In der Gemeinde war er aufgenommen und diesen Schriftgelehrten vorgestellt worden, man kannte ihn. Und so hatte man ihn schon bald als einen Aufrührer betrachtet. Denn er war anderer Meinung, als es diese Schriftgelehrten und Pharisäer vorbrachten. Da seine Zeit aber noch nicht gekommen war, versuchte er, nicht zu weit zu gehen. Er war aber dafür bekannt, dass es immer interessante Gespräche und Aufregung gab, wenn er in den Tempel kam – dafür sorgte er.
Und so war es ja auch schon, als er mit zwölf Jahren in diesen Tempel kam und da vorgestellt wurde und, wie es auch heisst, ins Gespräch kam mit diesen Schriftgelehrten und ihnen darlegte, was alles falsch sei und was er anders betrachte. Und so mussten seine Eltern ihn ja suchen. Denn dieser Tempel war voll von Menschen, die sich da versammelten. Sonst wäre es ja gar nicht möglich gewesen, Jesus aus den Augen zu verlieren. Denn es war zugleich auch ein Fest, wenn ich dieses Wort gebrauchen darf, um euch vielleicht deutlicher verständlich zu machen, wie es dazumal war. Es waren viele Händler da, und Waren wurden angeboten. Und so hatten sich die Leute eben auch unter diese Händler gemischt. Man hatte sich dieses, jenes erworben, und so war es ein Gedränge. Daher glaubte Maria, Jesus wäre einfach irgendwo bei andern, mit andern zusammen, und meinte, ihn später [auf dem Heimweg] wiederzufinden. Doch mussten Maria und Josef dann auf der Heimreise die Feststellung machen, dass Jesus nicht bei den andern war, bei ihrer “Reisegesellschaft”, wie es heisst. Die Menschen kamen doch mit ihren Tieren, sie kamen zu Fuss, sie mussten lange Wanderungen unternehmen, und so hatte man auch dann und wann eine Pause eingeschaltet. Und die jungen Menschen waren unter sich zusammen, und deshalb war es möglich, dass Maria und Josef einfach dachten, dass sich Jesus unter den andern befinde. So mussten sie dann diesen weiten Weg wieder zurücklegen und fanden ihn dann im Tempel.
Die Mutter machte ihm Vorwürfe, denn sie und Josef mussten einen langen Weg wieder zurückgehen, um ihn zu suchen. Jesus aber entgegnete ihnen: “Wisst ihr denn nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?” (Luk. 2, 49). Aber Maria verstand es nicht. Sie dachte nicht mehr an die Botschaft, die sie einst bekommen hatte, dass das, was aus ihr geboren werde, das Höchste sei. Daran dachte sie nicht mehr. So viel Zeit war für sie verstrichen, und sie vermochte sich nicht mehr daran zu erinnern.
Hätte sie zu jener Zeit, zur Jugendzeit von Jesus, die Überzeugung gehabt, dass er wahrhaftig der Sohn Gottes ist, so hätte sie ihn mit manchen Vorwürfen verschont. Aber sie tat es nicht – und es war wohl richtig so, denn er bekam eine Erziehung, wie man sie zu jener Zeit in einer frommen Familie den Kindern geben konnte. Maria wollte sich nicht von den andern gläubigen Menschen unterscheiden. Denn sie hatte Angst; sie kannte nämlich die Macht dieser Schriftgelehrten, dieser Pharisäer, und sie wollte mit ihnen möglichst nichts zu tun haben, obwohl sie dann und wann auch von dem einen oder andern zu hören bekam, dass das Benehmen von Jesus nicht richtig wäre. Und deshalb hatte Maria Angst, sie würde von ihrer Gemeinschaft ausgestossen. Dies wollte sie nicht.
Als für Jesus die Zeit kam und seine göttlichen Begleiter ihm offenbarten: “Jetzt ist es Zeit, jetzt kannst du mit der Verkündigung deiner Heilslehre beginnen”, da fing er an und ging von Ort zu Ort. Und so nannte man ihn ja auch den Wanderprediger. Und diesem Christus wurde es wahrhaftig nicht leicht gemacht. Denn er hatte doch so viele Beweise zu bringen von seiner hohen Herkunft. Immer wieder wurden ihm Vorwürfe gemacht und Drohungen gegen ihn ausgesprochen; man trachtete nach seinem Leben, und manches Mal hatte er zu fliehen. Man verstand ihn nicht, und man wollte ihn nicht verstehen. Als diese Zeit gekommen war, da standen ihm die Heiligen des Himmels zur Seite und machten ihn aufmerksam auf die Gefahren, die da oder dort auf ihn warteten. Und so konnte ihm nichts geschehen, bis der richtige Zeitpunkt und der Entschluss gekommen waren und es sich so abgespielt hat, dass man ihn verhaftete und gefangen nahm. Es sollte nun dieser Auftrag der Erfüllung entgegengehen. Das war vom Himmel doch bestimmt worden, und Christus selbst hatte es mit seinem Vater besprochen und es ausgedacht und berechnet. Und so kam dann die Zeit der schweren Prüfung.
So möchte ich heute nicht von den vielen Begebenheiten im Leben Jesu und von seinen vielen Gesprächen reden, sondern es ging mir heute darum, euch seine Verbindung mit der göttlichen Welt vorzuführen, damit ihr besseres Verständnis und festeren Glauben bekommt. Ihr sollt euch im Geiste zurückversetzen können in diese Vergangenheit hinein, in eine Zeit hinein, wo Menschen in ihrem Wesen so rau, so hartherzig waren, und Christus musste mit diesen Menschen leben und war ihnen gegenübergestellt. So hatte doch Christus seine Begegnungen mit der Engelswelt. Diese Geister Gottes waren ihm treu geblieben. Sie begleiteten ihn in das menschliche Dasein mit Gesang und Jubel. Und mit Gesang und Jubel begleiteten sie den Geist Christi vom Kreuze weg und dann hinab ins Totenreich. Vielleicht könnte ich auch sagen, mit grossem Geschrei ging es hinab, denn die göttliche Macht stürzte nun mit ihrer ganzen Kraft in das Reich der Toten. Und dort kämpften sie, all jene Getreuen, die Christus sich selbst dafür auserwählt hatte, ehe er in dieses menschliche Dasein trat. Er ging ihnen voran, und in dieser Hölle, in diesem Totenreich wurde abgerechnet. Darüber habe auch ich euch schon viele Erklärungen gegeben.
Danach ist Christus als Sieger unter Jubel und Gesang wieder aufgestiegen aus dem Totenreich und in jene paradiesische Sphäre gelangt, die ihm so lange als Aufenthaltsort dienen sollte, bis der Himmel seine Vorbereitungen für seinen Empfang getroffen hatte und er in der himmlischen Welt Einzug halten konnte. Der Himmel wollte dem heimkehrenden König einen jubelnden Empfang mit Überraschungen darbieten, und die Vorbereitungen dazu überliess er jenen Engelwesen, die ihre Fähigkeiten dafür hatten. Er hatte sie auch nicht vergessen, hatte sie auch ausgewählt. Aber was sie zu seinem Empfang für ihn vorbereiten würden, überliess er jenen schöpferischen Engelwesen. Und gewaltig waren der Jubel und der Gesang, als der König zurückkam. Ihr Menschen könnt keine Ahnung davon haben. Vielleicht wird euch durch die Pracht irdischer Feste und besonderer Anlässe, die bei euch gefeiert werden, bewusst, dass es auch in eurer Welt etwas Bewunderungswürdiges gibt. Aber all das, was diese Welt an Schönstem und Kostbarstem zu bieten hat, ist nur ein Schatten von dem, was dem König gegeben wurde, als er zurückkam. Und als die Festlichkeiten des Himmels vorbei waren, gingen all jene, die er einst ausgewählt hatte, zu ihrem König und begrüssten ihn im Besonderen, erwiesen ihm die besondere Ehre. Voller Jubel und Freude war der Himmel, als der König zurückkam.
Und nun, liebe Geschwister, noch sind seither keine zweitausend Jahre vergangen. Verhältnismässig ist dies wohl eine kurze Zeit, wenn man in die Zukunft schaut, wenn man aber auch im Vergleich dazu die Vergangenheit betrachtet und für die Jahre keine Zahl kennt, wie weit jenes Geschehen zurückliegt, das zum Unheil der ungehorsamen Wesen wurde. Auch für die Zukunft, wie viele Jahre es noch dauern wird, bis der Letzte zurückkehrt in die Himmelswelt – auch dafür gibt es keine Zahl.
So soll man versuchen, sich darüber seine Gedanken und seine Vorstellung zu machen. Aber eines dürft ihr nicht vergessen: Auf dieser irdischen Welt werden immer wieder zur Erinnerung an das Erlösungswerk Christi Feste gefeiert; es werden dem Menschen diese Geschehen offenbar gemacht. Es wird ihm die Botschaft von der Geburt des Herrn gebracht; er soll es im Geiste in seinem Anfang wieder erleben und erkennen. Er soll daraus erkennen können, dass sein eigenes Leben auf dieser Welt, sein persönliches Leben, ein gottgewolltes Leben ist. Dann kommen die Tage, wo die Christenheit an das Leiden des Herrn erinnert wird, an sein Sterben, und der Gläubige erlebt im Geiste auch die Erfüllung seines Auftrages. Schliesslich wird dem Menschen auch wieder vor Augen geführt, dass dieser Christus gen Himmel gefahren ist. Es wird ihm auch wieder klargemacht, dass Christus sein Versprechen einlöst, indem er die heiligen Geister aussendet, von denen er gesprochen hat: “Ich werde sie senden, und sie werden euch über all diese Dinge unterrichten” (vgl. Joh. 14, 26 und 16, 13). Dies wird sich immer wieder erfüllen, und es wird immer wieder von diesen Geschehen geredet werden, und wenn es Tausende und Abertausende Jahre dauern wird – oder soll ich von Millionen von Jahren reden? –, bis es erfüllt ist. Aber nichts davon wird vergehen, kein Wort. Dafür sorgt die Geisterwelt Gottes; sie wird ihren Auftrag erfüllen und es dem Menschen darlegen und es ihm in sein Bewusstsein bringen. Die geistige Entwicklung darf keinen Stillstand erleben, sondern sie muss vorwärts-, aufwärtsgehen, näher dem Himmlischen zu, näher zu Gott. Dies kann ja nur geschehen, indem die Wahrheit dem Menschen dargelegt wird.
Und was soll mit dem andern geschehen, das den Menschen bis anhin behindert hat in seinem Glauben? Es muss so weit kommen, dass dieses andere, das nur Behinderung war, in sich zusammenfällt und man zur Erkenntnis gelangt: “So kann es nicht gewesen sein.” Und wenn man um höhere Erkenntnis bittet, so kommt auch die Wahrheit zu den Menschen. Wenn man darum bittet, dass der Geisterwelt Gottes die Möglichkeit gegeben wird, dem Menschen diese Inspiration zu geben, die er für sein geistiges Leben braucht, dann ist ein grosser Schritt aufwärts getan. Die Möglichkeit soll bestehen, dass Geistgläubige in jeder Beziehung derselben Auffassung sind und es für sie keine Zweifel oder andere Auslegungen gibt in diesem, in jenem Fall. Es gibt ja nur eine Wahrheit, und es gibt nur eine Auslegung.
Und wenn ihr überlegt: In diesen Tagen wird der Christenheit von der Geburt Jesu erklärt, aber mit so viel Umschweife – die Wahrheit vermögen sie nicht zu sagen. Und warum? Man kann nicht einerseits das eine abstreiten oder nicht wahrhaben wollen und dann anderseits das, was man nicht wahrhaben will, dem andern glaubhaft machen. So muss in der Christenheit zuerst einmal der Glaube sich wieder festigen, dass es eine Geisterwelt Gottes gibt, die die Möglichkeit hat, Zugang zu den Menschen zu finden – und dass dieses heilige Geister Gottes sind und nicht irrende Geister, die den Menschen schöne Versprechungen machen. Es muss die Geisterwelt Gottes daran erkannt werden, dass es nur eine Auslegung, nur eine Wahrheit gibt. Dann betritt der Mensch die Stufen zum Aufstieg, und er wird gestützt und geführt von der heiligen Geisterwelt Gottes. Und dann, wenn er wiedergeboren werden muss, kann es so sein, wie es bei Christus war, als er ins Dasein trat: dass sich der Himmel auch bereit erklärt, ihn im Leben zu führen, ihn zu schützen, ihn zu inspirieren – ihn aber auch zu mahnen und zu tadeln, wenn es notwendig ist. Denn man soll nicht glauben, die Geisterwelt Gottes hätte den Menschen nur zu loben und zu preisen und ihm Komplimente zu machen. Die Geisterwelt Gottes mahnt auch, wenn es notwendig ist, und sie weiss den Menschen auf den richtigen Weg zu führen.
Und so, liebe Geschwister, seid ihr in eurem Herzen und in eurer Seele erfüllt vom Glauben an den König, den Erlöser der Menschheit. Freude und Jubel ist in all jenen Herzen, in all jenen Seelen, wo Menschen dankbar aufgenommen haben, was ihnen durch Christus gegeben wurde. Das Fest, das nun gefeiert wird, weil man an die Geburt des Herrn denkt, soll doch den Menschen im Besonderen an die grosse Liebe erinnern, die vom Vater wie vom Sohne ausging. Denn durch die Liebe und aus Erbarmen ist der Weg zurück wieder frei gemacht worden. Ein Geschenk des Himmels ist es für einen jeden Menschen dieser Welt. Denn jeder hat die Möglichkeit erhalten zurückzukehren. Jedem einzelnen ist es aber überlassen, die Zeit zu bestimmen, wie lange er für seine Einkehr braucht, wie lange es dauert, bis er sein göttliches Erbe wieder zurücknehmen darf. Jeder einzelne Mensch bestimmt es. Aber wissen muss man, dass es um ein solches Erbe geht. Wissen muss man, dass man auch dahin kehrt, wohin er zurückgekehrt ist und wo er ist – so wie er es sagte: “Da, wo ich hingehe, will ich, dass auch ihr hinkommt” (Joh. 14, 3). Als Geist ist Christus wieder in sein Geisterreich Gottes zurückgekehrt, und als Geist wird jeder Mensch zurückkehren; denn sein irdischer Leib ist vergänglich, er gibt ihn der Erde zurück, aber auferstehen wird in ihm das, was lebendig ist, das, was ihn in das lebendige Reich zurückführt, zu Christus und zu Gott.
[An dieser Stelle überbrachte Geistlehrer Josef persönliche Grussbotschaften von verstorbenen Angehörigen.]
So, liebe Geschwister, möget ihr alle vom Segen Gottes empfangen. Denn nicht nur ihr denkt an jene Zeit und jenes Geschehen zurück. Auch der Himmel hat seine Feiern, und sie beginnen frühzeitig und enden viel später. Wenn die Menschen das Fest schon längst vergessen haben, werden noch die letzten Feiern gehalten in der Gotteswelt. Man lebt mit den Menschen in der Erinnerung an alles Geschehen, man ist mit den Menschen so verbunden – damit meine ich die Heimgegangenen. Und die Engel selbst rufen auf zur Lobpreisung Gottes und des Königs. Sie rufen auf zum Dank, dass er ausgesprochen werde in den Himmeln wie auf Erden bei den Menschen. Und so soll es auch bei euch sein: In eurem Herzen sollt ihr danken für all das Wunderbare, das der ganze Himmel – wenn ich es so ausdrücken darf – euch bis anhin gegeben hat.
So werdet ihr beschützt und behütet, jetzt und in der Zukunft. Und vergesst nie, eure Hände auszubreiten nach dem Segen. So möge er euch alle begleiten, dieser Segen Gottes. Möget ihr gestärkt durchs Leben gehen, dankerfüllt in eurem Herzen und in eurer Seele über all das, was der Menschheit gegeben worden ist durch Güte und Liebe von Gott und seinem Sohne. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.12.1977 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortung und Erläuterungen (Josef)
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Christus begegnete einem von Geburt an blinden Menschen. Da fragten ihn die Umstehenden: “Meister, wer hat hier gesündigt, er oder seine Eltern?” Und er sprach: “Weder er noch seine Eltern, sondern das Werk Gottes soll an ihm offenbar werden, und ich bin gekommen, um dieses Werk zu erfüllen.” (Joh. 9, 1– 3.) Christus heilte diesen Blinden. Nun gibt es auch unter Geistchristen welche, die nicht verstehen, was mit diesen Fragen gemeint ist – geschweige dass es Menschen verstehen, die von einer geistchristlichen Lehre überhaupt nichts wissen. So versuche ich nun dieses zu erklären.
Als Gott es für gut befunden hatte, dass sein Sohn die Menschwerdung annehme, da hat er zuvor Vorläufer zu den Menschen gesandt. Diese Vorläufer kamen aus den Himmeln. Sie verkündeten das Wort Gottes und versuchten, beim Menschen den Glauben an Gott zu stärken. Diese Vorläufer kamen lange vor Christus in dieses menschliche Dasein. So wurde der Gottesglaube unter die Menschen verbreitet, und sie wurden im Gottesglauben gefestigt. So sollte die Zeit dafür reif werden, dass Christus, der Sohn Gottes, der Menschheit die Erlösung bringen konnte. Auf diese Erlösung warteten nicht nur die Menschen, die auf dieser Erde lebten und [von den Propheten] getröstet wurden, dass der Tag kommen werde, wo sie von der Not und von ihren Leiden befreit würden. Sondern dieser Trost wurde auch jenen Geistwesen gegeben, die in den Vorhöllen auf die Erlösung warteten. Und diese Botschaft von einer Erlösung aller wurde nicht allein jenen gebracht, die in diesen Vorhöllen warteten, sondern diese Botschaft wurde in allen höllischen Bereichen verbreitet. Die ganz bedeutende und grosse Aufgabe stand aber jenen Engelwesen bevor, die jene Seelen betreuten, die in dieser Vorhölle auf ein neues menschliches Dasein warteten.
Zu jener Zeit, als Christus gefragt wurde: “Wer hat gesündigt, dieser Blindgeborene oder seine Eltern?”, hatten jene Menschen Kenntnis von der Wiedergeburt. Sie wussten darum, dass ein grosses und bedeutendes Verschulden eines Menschen ihn so bestrafen würde, dass er es in einem folgenden Erdenleben wiedergutmachen musste. Sie glaubten also an die Wiedergeburt – im Gegensatz zur Gegenwart, wo es um die Menschen nicht so bestellt ist, dass sie daran glauben.
Nun zurück zu den Engeln Gottes, die in dieser Vorhölle die Seelen betreuten. Sie gaben diesen Wesen doch besonderen Trost, und die Geister Gottes hatten die Zeit doch genau erkannt, oder es wurde ihnen bekannt gegeben, wann der König der Geisteswelt in dieses menschliche Dasein treten würde. Somit sollten diese Engelwesen ihrerseits sich mit dieser Zeit abstimmen und dementsprechend jene Geistwesen in das menschliche Dasein senden, die dafür bestimmt worden sind, zum Teil von der hohen Geisteswelt. Und bestimmt von der hohen Geisteswelt waren einmal die Apostel. Sie wurden schon vor ihrem Eintritt ins menschliche Dasein, also noch als geistige Wesen, ausgewählt, dereinst Jünger zu werden; sie wurden dafür gezeichnet. So war es mit vielen andern Geistwesen auch, die in dieser Vorhölle warteten: Es kamen Engel Gottes zu ihnen, erzählten ihnen von der Erlösung, von der Befreiung, von der Heimkehr ins himmlische Reich, und sie erklärten dem einen und dem andern, dass er in allernächster Nähe dieses Erlösers leben werde – sie erklärten also den geistigen Wesen dort in dieser Vorhölle, was geschehen würde. Dem einen erklärten sie: “Dieser Erlöser, der aus den höchsten Himmeln kommt, wird dir Wasser reichen. Du wirst das Gefäss aus seinen Händen nehmen und trinken.” Einem andern wurde gesagt: “Und du wirst von ihm geheilt werden, und du wirst in allernächster Nähe bei ihm wohnen.” So wurden diese geistigen Wesen ausgewählt, und es wurde ihnen schon dazumal, vor ihrer Menschwerdung, erklärt, in welcher Weise sie dereinst dem Erlöser begegnen würden.
Dieses zu hören, erfüllte diese Wesen mit grossem Jubel und grosser Freude; denn es war ja sehr lange Zeit hindurch stets von einer solchen Erlösung gesprochen worden. Und man hatte keine Ahnung, wann denn diese Erlösung stattfinden sollte. Auch wusste man nicht, auf welche Art und Weise sie geschehen würde – die Engelwesen behielten es für sich und erklärten es diesen Wesen so, wie ich es euch darlege. Und da war nun ein Geist, der auch voll der Freude und des Jubels war, dass nun die Zeit des Getrenntseins von Gott und der grossen Bedrängnis vorüber sein werde, und ein Engel Gottes ging zu ihm und sagte ihm: “Du wirst dereinst blind geboren werden, damit der Erlöser an dir die Werke Gottes erfüllt. Du wirst durch ihn sehend gemacht werden.”
Das alles, was diesen geistigen Wesen da erklärt wurde, wurde von ihnen mit Begeisterung aufgenommen. Sie aber sollten dann in ihrem menschlichen Leben von all dem, was einst vereinbart wurde, nichts mehr wissen. Und so ist es auch gut und liegt es in der Weisheit Gottes, dass alle, die da in dieses Erdenreich kommen und als Mensch leben, von den Vereinbarungen von einst nichts wissen.
So, auf diese Art und Weise, war dieser Blinde, der von Geburt an blind war, gezeichnet worden, dass Christus an ihm diese Werke erfüllen sollte. So wird vieles in der unsichtbaren Welt vereinbart, was sich später in dieser irdischen Welt verwirklichen sollte. Auf diese Weise ist dieses Geschehen zu verstehen, und der Geistgläubige soll versuchen, zu dieser Erkenntnis zu kommen und sie zu behalten. Denn so vieles wird in der unsichtbaren Welt vereinbart, wovon Menschen ja überhaupt nichts ahnen. (Ausschnitt aus dem Vortrag vom 8.11.1975)
Frage: Lieber Josef, wusste Christus, als er seine Jünger auswählte, dass Judas ihn dereinst verraten werde? War dieser Verrat auch vorprogrammiert, oder wurde Judas erst später zum Verräter?
Josef: Das ist später gekommen. Denn es müsste euch doch verständlich sein, dass Christus, wenn er dies zum Voraus erkannt hätte, Judas nicht gewählt hätte. Christus hat doch am Anfang seiner Sendung nicht gewusst, auf welche Art und Weise sie am Schluss ihre Erfüllung findet. Er ist nicht von Anfang an aufgeklärt worden, dass er diesen Kreuzestod erleben muss, sondern hier gilt doch eben gerade das: Die Geisteswelt selbst wusste dies ja nicht mit Bestimmtheit, da ja die geistigen Wesen wie auch die Menschen ihren freien Willen haben. So konnte man doch das Wirken jenes Luzifers nicht in allen Teilen im Voraus erkennen. Es war ja nicht festgelegt im Geistigen, auf welche Art und Weise es eben geschehen würde.
Wäre es von Anfang an klar gewesen, dass Christus mit Bestimmtheit diesen schmerzvollen Tod erleiden würde, dann wäre es von Gott sicher nicht klug gewesen, seinen Sohn in dieses grosse Leid zu senden. Hier gilt es auch zu bedenken: Es wurde doch den Geistwesen der Tiefe die Gelegenheit gegeben, zu höherer Erkenntnis zu kommen und diesen Christus als den Sohn Gottes zu bejahen. Und hätten sie das getan, dann hätte er ja diesen schweren Weg nicht gehen müssen. Doch die niedere Geisteswelt hat ja eben versucht, Christus die Aufgabe zu erschweren. Sie hatte die Menschen dementsprechend inspiriert, dass sie zum Entschluss kamen, Christus auf diese Weise zu verurteilen.
Fest im Plane stand, dass dieser Geist, der die Erlösung bringen sollte, alles auf sich nehmen müsste, was die Menschen entscheiden würden; er müsste sich beugen nach dem Willen dieser Menschen. Wohl wusste die Geisteswelt und Christus selbst, dass er es bei der Erfüllung seiner Aufgabe nicht leicht haben würde – man kannte ja die Grausamkeit der Menschen jener Zeit. Und so geschah es ja auch: Die Menschen bekamen Macht über Christus. Doch er behielt den Glauben an seine Sendung; er bewahrte den Glauben, dass er wahrhaftig Gottes Sohn ist und die Menschheit von dieser grossen Schuld erlösen würde. (Fragebeantwortung, Vorstandssitzung vom 11.6.1975)
Christus war auf die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht gut zu sprechen. Er nannte sie “Prophetenmörder” und “Heuchler” und klagte sie an, die Mitmenschen zu betrügen. Im Vortrag vom 20.10.1979 erklärt Josef, warum Christus so enttäuscht über diese Menschen war: Auch sie hatten ihr irdisches Dasein ihm zu verdanken – und auch in sie hatte der Himmel die Hoffnung gesetzt, sie würden Christus als den Erlöser bejahen.
Josef: Christus sagte zu diesen Schriftgelehrten auch: “Ihr nehmt immer die Propheten in den Mund, aber ihr tut nicht das, was sie gelehrt haben” (vgl. Mat. 23, 2–3). So machten auch jene schon etwas anderes, als was sie hätten tun sollen: Sie sind der Welt verfallen und sind unter die Herrschaft jenes Herrschers gekommen, der damals diese Welt beherrschte, wie er sie auch heute noch beherrscht. Christus hatte dieses doch gesehen und war enttäuscht.
Und jetzt muss ich auf etwas hinweisen, was vielleicht manchem schwer wird zu verstehen. So ist doch die Meinung von vielen Gläubigen: “Gott weiss alles. Er weiss alles zum Voraus, wie es herauskommt.” Und wenn ihm gesagt werden muss: “Das stimmt nicht”, so ist er enttäuscht. Wenn aber der Mensch einen freien Willen hat, wie es euch immer verkündet wird, so muss er ja diesen freien Willen zur Verfügung haben, ohne gewaltsamen Einfluss. Er muss also tun können, was ihm beliebt. Und dieses ist es eben, was diese Pharisäer und Schriftgelehrten ausübten: Sie hatten ihren freien Willen und gingen den Einflüsterungen der niederen Geisteswelt nach sowie den Bequemlichkeiten und all dem, was ihnen gefiel, was aber nicht mit der Gerechtigkeit Gottes vereinbar war. Sie hatten dafür ihre Ausreden, sie wollten Gewinne haben, sie wollten in dieser Welt ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen – und dieses unter allen Umständen. Sie hatten also die Möglichkeit, die Dinge so zu lenken, wie es ihnen eben passte.
Ich habe letztes Mal deutlich auf die Macht hingewiesen, die Christus in sich hat, da er ja Gottes Sohn ist; durch die Verbundenheit und Zugehörigkeit zum Vater hat er in sich diese Entfaltungskraft zur Verwirklichung. So ist es zum Teil aber auch mit dem Herrscher Luzifer: Er war und ist ein Gottessohn, auch er besass und besitzt in sich eine Macht der Entfaltung, die er zum Ausdruck bringen kann. Und diese gewisse Macht kann ihm nicht abgesprochen werden. Wohl können jene, die durch ihn in Versuchung geführt oder durch seine Einflüsterungen gelenkt werden, auch von der Gotteswelt inspiriert werden – auch von der andern, göttlichen Seite wird dem Menschen ins Gewissen gesprochen; man spricht zum inwendigen Menschen und versucht, ihn auf den richtigen Weg zu führen. Doch welchen Weg er gehen will, das entscheidet der Mensch selbst. Da sind einerseits also die Einflüsterungen von der niederen Geisteswelt, und andererseits ist das Wirken der Gotteswelt. So wird von zwei Seiten her mit Macht um den Menschen gekämpft. Und dass mit Macht gekämpft wird, dafür habt ihr heute Beweise genug.
So hatte doch Christus seinerzeit, als er im Garten Gethsemane war, gebetet: “Vater, wenn es möglich ist, lasse diesen Kelch an mir vorübergehen.” Das heisst: “Lass mich, wenn es möglich ist, nicht in der Weise leiden und sterben.” Er wusste es, man hatte es ihm gesagt; denn was die andern geplant hatten, blieb ja für Gott und seine Engel kein Geheimnis. So hatten sie ja Christus diese Nachricht auch übermittelt, und er hatte Angst. Aber er sagte auch: “Nicht mein, Dein Wille geschehe!” Er war ganz auf den Vater ausgerichtet. Er wollte unbedingt den Menschen die Erlösung bringen, und er wollte sie alle wieder zu sich ziehen. Aber Christus selbst hatte in seiner Lehrzeit auch daran gedacht, wie es wohl herauskommen könnte, wenn er zu Fall gebracht würde. Er hatte daran gedacht, und dementsprechend hatte er Angst – denn er war ja den Menschen in allem gleich geworden. Und wäre er zu Fall gekommen, wäre es schlimm um die Welt gestanden.
Christus hatte also auch seine Ängste und Gefühle der Unsicherheit. Er überwand sie aber wieder. Denn er hatte auch Hoffnung. Dazumal, als er auf einer Eselin gegen Jerusalem ritt, glaubte er, hoffte er – hoffte er! –, als König anerkannt und aufgenommen zu werden von den Pharisäern. Und dies war nicht der Fall. Sie hatten ihn nicht angenommen. Er hoffte ja nur ...
Er war aber stark verbunden mit dem Vater und war stark im Glauben. Das will nicht heissen, dass er nicht auch seine Ängste gehabt hat, versagen zu können. So suchte er dann jeweils wieder Kraft und Mut im Gebet und im Gespräch mit den Engeln und mit dem Vater selbst, wovon niemand etwas wusste. Einmal hatten es die Jünger wahrgenommen – darüber habe ich auch schon Erklärungen gegeben. Aber das war doch nicht das einzige Mal gewesen! Christus hatte des Öftern mit den Engeln des Himmels, mit den einstigen Propheten gesprochen über sein Leben, über sein Werk. Er hatte Trost geholt und Kraft empfangen; man hat ihm zugesprochen, ihn aufgemuntert, man hat ihn gestärkt im Geiste wie an seinem irdischen Leibe. Die göttliche Welt hat auch das Ihre geleistet. Und die andern aus dem Reiche Luzifers – sie standen auch da, um das Ihrige zu tun. Und ihnen ging es ja darum, Christus zu Fall zu bringen. So wurde er ja auch in die Wüste geführt und in Versuchung geführt – doch er ist standhaft geblieben. So wurde er dann von den Engeln Gottes in der Wüste genährt mit geistiger Speise. Es war niemand dabei, kein Mensch hat es gesehen. Aber es war der Sohn Gottes, der in Verbindung war mit seinem Vater. Er hatte die Pläne zur Erlösung der Menschheit doch mit seinem Vater aufgestellt, dass sie alle wieder zurückkehren könnten. Und Christus war es ja auch, der es ermöglicht hatte, dass jene, die ihn dann verurteilt haben, in das menschliche Dasein kamen. Das hatten sie Christus zu verdanken – und sie wurden an ihm zu Verrätern ... So war doch Christus gerade auf diese Pharisäer, die behaupteten, dass Gott ihr Vater wäre, und die immer von Gott erzählten, nicht gut zu sprechen. Er musste doch sehen, was für fehlbare Menschen sie waren und was sie im Sinne hatten. Er wusste, dass er ja nur von ihnen verurteilt werden konnte und dass sie alles tun würden, damit es zu einer Verurteilung kam. Dabei hatte er es ermöglicht, dass sie in das menschliche Dasein kamen, in der Hoffnung – in der Hoffnung! –, sie würden ihren Gottesglauben in seiner Reinheit bewahren und sie würden die Wahrheit verkünden, so wie es die Propheten getan. So war es für ihn eine Enttäuschung, dieses doch zu erleben. Sie hatten sich nicht nach der Wahrheit ausgerichtet – und sie behaupteten, sie wären näher bei Gott. Und so kann man sich doch vorstellen, dass Christus, der den Plan der Schöpfung Gottes bis in alle Einzelheiten kannte und auch wusste, als die Zeit gekommen war, dass er gerade von ihnen verurteilt würde, von ihnen enttäuscht war. Er wusste ja auch, wie sie die ärmsten der armen Menschen betrogen – und sie wollten Diener Gottes sein. Das gefiel Christus nicht. Darum war er auf sie nicht gut zu sprechen. (Ausschnitt aus dem Vortrag vom 20.10.1979)