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Grundbegriffe der Geisteslehre, eine Einführung in das Geistchristentum – Vom Ursprung der himmlischen Schöpfung
und vom Abfall der Geister – Der Heils- und Erlösungsplan Gottes
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 5/2012 zum Thema Verlorenes Wissen der Christenheit
Geistige Welt 5/2012
Verlorenes Wissen der Christenheit
Beschreibung

Um den Sinn unseres irdischen Daseins zu verstehen, braucht es Kenntnisse über unsere geistige Herkunft und über die Ursache des Menschseins. Die Vorträge dieses Themenheftes geben einen Einblick in den Ursprung des vielfältigen Lebens in der jenseitigen Welt, in den Aufbau der geistigen Schöpfung mit der Vielzahl an geistigen Familien und Völkern. Geistlehrer Josef erklärt, wie es in der himmlischen Welt im Laufe unermesslicher Zeiträume zu einer Trennung kam – wie ein Teil der Geistwesen gegen Gesetz und Ordnung verstiess und daher die Himmel verlassen musste. Dieses Wissen ist in der Christenheit weitgehend verloren gegangen; es ist jedoch die Voraussetzung dafür, um das Leben auf Erden zu verstehen und um zu erkennen, warum Christus die Menschwerdung annehmen musste und worin sein Erlösungswerk besteht.

Themenheft 5/2012: Verlorenes Wissen der Christenheit

Inhalt
Einblicke in den Ursprung der Schöpfung und in den Heils- und Erlösungsplan Gottes

Josef, 24. April 1982

Einblicke in den Ursprung der Schöpfung und in den Heils- und Erlösungsplan Gottes

In den heiligen Schriften der Christenheit ist vieles enthalten, das der gläubige Christ nicht verstehen kann, weil es ihm nicht erklärt wird. Um den Sinn des irdischen Daseins zu verstehen und um eine innige Verbindung zum Glauben zu erhalten, sind grundlegende geistige Erkenntnisse notwendig. Dazu gehört das Wissen um die jenseitige, himmlische Schöpfung und die Ursache der Menschwerdung sowie um die Bedeutung des Heils- und Erlösungsplans Gottes.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, es ist für uns eine Freude, zu sehen, wie zahlreich unsere Leute – oder unsere Freunde und Geschwister, wie ich sie ja nennen will – stets hierherkommen. Wir geben uns auch Mühe, euch Erklärungen zu geben, die ihr von nirgendwoher vernehmen könnt. Nicht dass das, was ich euch zu sagen habe und zu euch spreche, nicht auch in Büchern erhalten gewesen wäre. Alles, was ich euch erkläre, ist einst in Schriften erhalten gewesen. Ein Teil davon besteht noch, aber es ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Man gibt also diese Wahrheit nicht heraus. Aber die Worte Christi erfüllen sich: “Es wird kein Punkt und kein Strich vergehen, ehe alles geschieht, was ich gesagt habe” (Mat. 5, 18). Also die Wahrheit wird unter die Menschen, unter die Christen verbreitet werden, auch wenn es mühevoll ist und auch wenn es so ist, dass viele nicht willens sind, die Wahrheit zu verstehen. Sie wollen es nicht verstehen, und sie haben allerlei Ausreden, um die Wahrheit zu verwerfen. Und wenn sie auch behaupten, die Verkündung der Wahrheit würde sich im Dunkeln abspielen, so müsst ihr doch selbst erkennen, dass dies nicht stimmt, sondern dass es beim grellsten Licht geschieht [Hinweis auf die Scheinwerfer während der Videoaufnahme]. Nur zu gerne möchten Menschen das Gegenteil behaupten und für wahr halten. Und dem ist nicht so. Die Wahrheit kann dem Menschen beim grellsten Licht verkündet werden.

Und so sind doch gläubige Menschen hungrig nach der Wahrheit. Es ist so vieles in den Schriften enthalten, das man einfach nicht verstehen und nicht begreifen kann, weil es einem niemand erklärt hat und es einfach als Geheimnis hingestellt worden ist. Dabei ist es kein Geheimnis. Dies muss ich immer wieder erklären.

Ich versuche euch doch jeweils Erklärungen zu geben vom Geschehen Christi, um es euch verständlich zu machen und damit ihr eine innige Verbindung zum wahren Glauben bekommt. Dies aber ist mir nur möglich, wenn ich auf die Anfänge des Lebens zurückgreife und euch auch darüber unterrichte. Denn sonst kann man die Fortsetzung nicht verstehen und nicht begreifen. Und Menschen kommen auch mit dem Zeitbegriff nicht zurecht. Wenn es heisst: “Bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag” (2. Pet. 3, 8), so bekommt ihr durch die Erklärungen, die ich euch gebe, immer wieder den Beweis dafür, dass dem wahrhaftig so ist.

Dass Christus in ein menschliches Dasein getreten ist, muss doch eine Ursache gehabt haben. Und da geht es eben darum, diese Ursachen einigermassen zu erläutern. Es ist mir ja nicht möglich, auf alle Einzelheiten einzugehen. Aber es ist mir möglich, von einem Mal zum andern immer etwas dazuzulegen, damit ihr es besser begreift und versteht.

Christus sprach so viel und bei jeder Gelegenheit von seinem innigen Verhältnis zu seinem Vater. Die Menschen von dazumal hatten es schwer, dieses zu glauben, denn sie kannten doch seine leiblichen Eltern, und sie nahmen doch an, dass das seine wirklichen Eltern waren. Obwohl Jesus Beweise gegeben hat von seinem Auftrag und von seiner Sendung, nahmen sie ihn nicht an – so wie es heisst: “Er kam zu den Seinen, und die Seinen erkannten ihn nicht. Und die Seinen nahmen ihn nicht auf.” (Joh. 1, 10 –11.) Wie gut wäre es für den Christenmenschen, wenn er näher oder mehr über die Bedeutung dieser Worte nachdenken würde.

Aber jetzt möchte ich etwas andeuten von dem Verhältnis, das Christus mit seinem Vater gehabt hat. Er wies doch darauf hin, dass er eins sei mit dem Vater und der Vater ihm von dem Seinen gegeben habe (Joh. 10, 30; 16, 15); er sprach von seiner grossen Liebe und Zugehörigkeit zum Vater. Jetzt müsst ihr einmal versuchen, euch vorzustellen, dass dieses Verhältnis Vater-Sohn, das Zusammensein allein von Vater und Sohn, eine unendliche Zeitspanne gedauert hat. Ja, ihr hört richtig: eine unendliche Zeitspanne. Ich kann euch keine Jahre bezeichnen für die Zeit, wo Vater und Sohn im Glück und im Frieden allein zusammenlebten. Dass dieses Glücklichsein im Zusammenleben mit dem Vater in Christus seine Erinnerungen hinterliess, ist doch begreiflich. Dazu habe ich euch auch Erklärungen gegeben – dass alles Geschehen im Geistigen festgehalten ist, dass es nichts Vergängliches gibt. Ihr müsst euch vorstellen: Das Zusammensein, das Glücklichsein allein mit seinem Vater in dieser langen Zeit war doch ein unbeschwertes gemeinsames Leben ohne Sorgen, ohne Probleme – ein wahrhaftig glückliches Leben, eine glückliche Zeit für den Vater wie für den Sohn. Sie lebten in grösstem Glück und Frieden gemeinsam über eine Unendlichkeit von Zeit hinaus miteinander.

Ja, dies kann ich euch sagen, und mit der Zeit vermögt ihr es zu begreifen und zu verstehen. Die Erinnerungen an dieses Glück, an diese unbeschwerte Zeit, als Christus mit seinem Vater allein zusammenlebte, konnte bei Christus nicht mehr ausgelöscht werden. Christus ist – so wie es auch in der Heiligen Schrift steht – der Erstling der Schöpfung, aus Gott geboren (Kol. 1, 15 –16). So hat er die Eigenschaften wie der Vater, die Entfaltungskraft wie der Vater. Sie waren und sind gemeinsam in der Liebe und in all ihrem Denken und Wollen. Und solches kann man nur begreifen, wenn man davon spricht, dass dieses Zusammensein eine unendlich lange Zeit gedauert hat und es eine sorgenlose, problemlose Zeit im vollsten Frieden war.

Dann – ich kann sagen: eines Tages – kam der Entschluss des Vaters, eine Geisteswelt, eine geistige Familie zu schaffen. Vater und Sohn sollten nicht allein sein, sondern es sollte eine grosse, unendliche Familie werden. Und diese grosse Familie sollte auch im selben Glück und in derselben Zufriedenheit miteinander leben wie Vater und Sohn. Das war die Meinung. So hatten sie miteinander gesprochen. Nach langer, langer Zeit wurde die Schöpfung entfaltet. Und so kamen doch zuerst diese “Söhne Gottes” [die drei Erzengelpaare], wie es heisst, ins Dasein. Geworden sind sie durch Christus. Auch darüber habe ich euch Erklärungen gegeben, aber darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen, sondern von etwas anderem sprechen, worüber ihr euch auch eure Gedanken machen sollt.

Christus hatte in seinem menschlichen Dasein so innig zum Vater gebetet und in diesem Gebet gesagt: “Vater, ich danke Dir, dass Du es den Weisen und Klugen verborgen hieltest und es den Kleinen offenbartest” (Mat. 11, 25). Ein denkender Christ, der solche Worte in der Bibel liest, muss sich doch fragen: “Ja was hat denn der Vater den Weisen und Klugen verborgen gehalten? Was war es denn, das er verborgen halten musste und es den Kleinen offenbaren sollte? Und wer war mit diesen Kleinen und Geringsten gemeint?” Es waren die einfachen Menschen gemeint, die bescheidenen Menschen – Christus nannte sie so. Ihnen wurde es offenbart. Jene, die an ihn glaubten, jene, die er auserwählte, seine Jünger, sie gehörten doch nicht zu den Weisen und zu den Klugen; sie waren doch einfache und bescheidene Menschen. Ihnen wurde es offenbart. Und mit den Weisen und den Klugen waren doch zu jener Zeit, als Christus diese Worte sprach, in erster Linie die Pharisäer und die Schriftgelehrten gemeint. Sie gehörten zu diesen Weisen und Klugen, denn sie konnten belehrt, geschult werden.

Mit diesen Worten kommt auch zum Ausdruck, dass Christus, als er in das menschliche Dasein kam, eben nicht in eine Familie hineingeboren wurde, wo weise und kluge, wo reiche Menschen waren. Nein, in die Armut hinein musste er treten; da wurde er Mensch, aus der Armut geboren. Dies sollte auch ein Beweis dafür sein, dass die irdischen Güter und der irdische Besitz, den die Menschen haben, vor Gott ohne Bedeutung sind und dass der Vater es wohl wusste, wie weise es war, dass Christus in eine bescheidene Familie hineingeboren wurde. Aber das, was mit Christus während seines Erdenlebens geschehen sollte, war doch in der Geisteswelt längst vorbereitet worden. Die Menschen, mit denen er zusammenkam, waren auserwählt und zum gegebenen Zeitpunkt in dieses Menschsein hineingeführt worden. So war es nicht ein Zufall, dass er in die Familie von Maria und Josef hineinkam. Sie hatten doch schon in der Geisteswelt ausgewählt werden müssen; schon dort hatte man also seine Überlegungen und Absprachen gehalten.

Von den Anfängen der geistigen Schöpfung, von den Anfängen des geistigen Daseins dieser Wesen und von der Entfaltung dieser Geisterwelt kann ich jetzt nicht reden – ich habe auch schon dann und wann darüber gesprochen, und ich versuche immer wieder etwas hervorzunehmen und es euch vor Augen zu führen, damit ihr die Zusammenhänge besser begreift und versteht. Nun mache ich einen grossen Schritt von den Anfängen geistigen Lebens bis zu dem Zeitpunkt, wo Luzifer in der Himmelswelt aufstand und Herrscher sein wollte. Er mochte es nicht sehen, dass Christus im Besonderen die Aufmerksamkeit des Vaters hatte. Denn schliesslich war Luzifer ja die zweite Schöpfung, und so wollte er auch Rechte beanspruchen – und dies, obwohl doch Christus längst zuvor vor den Augen der Geisterwelt zum König gesalbt worden war. Damals, als Christus zum König ausgerufen wurde, fand ein grosses Fest statt, und Luzifer war zu jener Zeit noch ein treuer Anhänger Christi. Seine Unzufriedenheit kam erst später; denn dem König wurden ja noch besondere und weitere Rechte zugesprochen – und das mochte Luzifer nicht sehen, da fing es an in ihm, dieser Neid und diese Eifersucht.

Ich weiss wohl, dass es gläubige Menschen gibt, die es nicht begreifen, dass auch ein hoher Geist auf Abwege kommen kann, zu falschen Überlegungen und zu dieser Eifersucht. Und hier muss ich wiederum betonen, was ich des Öftern schon erklärt habe: Gott hatte jedem Wesen als persönliches Recht die Selbstständigkeit und den freien Willen gegeben. Dadurch hatte jedes die Möglichkeit, aus freiem Entscheid heraus zu wirken. Hätten diese Wesen den freien Willen nicht bekommen, wären sie ja unter einer Gewalt gestanden; es wäre ja von Gott eine Gewaltherrschaft ausgegangen – es wäre den Wesen also verunmöglicht worden, freie Entscheidungen zu treffen. Und dieses wollte Gott nicht. Es sollte das grosse Geschenk sein an alle: die geistige Freiheit, die freie Entscheidungskraft und zugleich die Entfaltungs- und Schöpferkraft. Die Wesen waren schöpferisch tätig; es waren ihnen sozusagen keine Grenzen gesetzt. Denn zu jener Zeit des harmonischen Denkens und Zusammengehörens war ihr Denken edel und gut. Und das, was sie schöpferisch wirkten, war dem ganzen Himmel willkommen. Es war ein Wetteifern, und diese Möglichkeit zu wirken war ja gerade auch das Wunderbare, das Gott diesen Geschöpfen gegeben hatte. Denn sie sollten doch wahrlich Erben Gottes sein.

Sie alle hatten ihr Dasein dem König zu verdanken. Denn alles, was geworden ist, war ja aus ihm geworden. (Joh. 1, 3; 1. Kor. 8, 6; Kol. 1, 16.) Christus hat das Seinige dazu gegeben, um so eine Geisteswelt ins Leben zu rufen. Der Vater hatte ihm diese Möglichkeit gegeben, die Schöpferkraft und die Entfaltungsmöglichkeit. Christus konnte wirken, schalten und walten, und er blieb stets in engster Verbindung mit seinem Vater. Denn er hatte so wunderbare Erinnerungen aus der Zeit, als er mit ihm allein war, und diese Erinnerungen konnten nie ausgelöscht werden.

Als aber nach gewissen Zeitabständen diese geistigen Familien ins Leben gerufen wurden, da fingen für den König die Probleme an – denn es gab auch damals schon Probleme, aber nicht gleich in der Anfangszeit. Ihr sollt versuchen, euch vorzustellen, dass Milliarden von Jahren vergingen, ehe es im Himmel zu Ungehorsam und schliesslich zum Sturze kam. Das ist für euch schwer zu begreifen. Und begreifen, richtig, im wahren Sinn, werdet ihr es erst einmal können, wenn ihr in der Geisteswelt noch näher unterrichtet werdet über die Schöpfung Gottes. Dann werden auch eure Begriffe und euer Verständnis anders sein als jetzt. Ihr seid behaftet mit dem irdischen Denken und befangen durch euer Leben. Aber wenn ihr einst euren irdischen Leib abgelegt habt und euer Denken geläutert ist und ihr als gute Geister in den Dienst Gottes tretet, werdet ihr ein höheres Verständnis haben, und ihr werdet die Begriffe haben, die ihr für das geistige Leben braucht. So bestehen also Unterschiede; das sind aber Dinge, die dem Christenmenschen doch klargemacht werden müssen, denn er weiss nichts davon. Das heisst, im Grunde genommen ist von all dem, was ich euch erzähle, einst auch in den Schriften vorhanden gewesen. Aber man hat es zum allergrössten Teil vernichtet. Denn es passte nicht mehr in die Zeit hinein, nicht mehr zur Art und Weise, wie man das Wort Gottes verbreitete und verkündete. Es konnte nicht mehr hineinpassen. Und dann kamen schon die Schwierigkeiten. Die Geister Gottes hatten ja nichts mehr zu sagen – sie blieben fern –, und die Menschen hatten nun das Sagen. Sie behaupteten sich und bauten eine Macht auf. Sie taten gerade das, was Christus nicht wollte.

Damit will ich mich nun aber nicht länger aufhalten, sondern euch auch etwas vom Leben dieser andern Welt offenbaren, vom Wissen, das, wie Christus es seinerzeit gesagt hatte, jenen Weisen und Klugen verborgen blieb. Heute, nachdem die christliche Lehre Verbreitung gefunden, aber so viel von ihrer Wahrheit eingebüsst hat, ist die Möglichkeit wieder gegeben, den Geist der Wahrheit zu Worte kommen zu lassen. Heute kann verlorenes Wissen dem Menschen wieder gegeben werden. Und er urteilt selbst, ob er es annehmen will oder nicht, so wie es auch damals war, zur Zeit von Christi Leben.

Nun aber zurück in jene geistige Welt hinein, wo Luzifer für sich zu werben begann. Dieses Streben nach Macht dauerte ebenfalls lange, lange Zeit. Denn er musste und wollte alle geistigen Völker für sich gewinnen. Auch in der geistigen Welt sind diese Geistwesen in Völker eingeteilt. So wie es hier auf Erden so verschiedene Menschen, so verschiedene Völker gibt, so ist doch ihr Ursprung im Geistigen; sie waren zuerst in der geistigen Welt da gewesen, ehe sie auf Erden so in Erscheinung traten, wie sie heute sind in ihrem menschlichen, irdischen Aussehen oder ihrem Leib, den sie haben. Der Himmel sollte doch seinerzeit, als diese Entfaltung stattfand, eben in einer grossen Vielfalt sein. So gibt es, wie ich euch auch schon längst erklärt habe, verschiedene Wesenheiten. Die einen sind zart in ihrem Wesen, in ihrem Wuchs, andere mächtig und gross. Auch die Farbe ihres Antlitzes, also ihr Aussehen, unterscheidet sich voneinander. Es sollte eine Welt der Vielfalt sein. Und wenn ihr die heutige Welt und die Menschen betrachtet, die Völker, die da leben, so müsst ihr euch doch auch Gedanken darüber machen, dass sie alle gefallene Wesen sind, die sich doch einst verschuldet hatten. Durch ihr Verschulden mussten sie den Himmel verlassen und wurden als Strafe da in ihre Welt gesetzt – aus Erbarmen Gottes wurde für sie eine Möglichkeit des Aufstiegs geschaffen. Doch auch hier versucht nachzudenken, wie unendlich lange es gegangen ist, bis es überhaupt zu einer Menschwerdung kam.

Und nun wieder zurück in die Jenseitswelt, zu den Geistern. Ich möchte euch auf die Trauer jener Wesen aufmerksam machen, die Christus treu geblieben waren, die in der geistigen Welt für ihn gelebt und gekämpft hatten. Es herrschte eine grosse Trauer, als so viele ihrer Geschwister aus dem Himmel ausgeschieden wurden. Denn die Christus treu gebliebenen Wesenheiten wussten ja am Anfang nicht, was mit den andern geschehen war. Aber eines wussten sie: Ihre Geschwister lebten im Unglück, in grosser Unzufriedenheit, und grosse Not war über sie gekommen. Das ahnten und wussten die Treugebliebenen, und mit der Zeit wurden sie näher darüber aufgeklärt.

Nun hatte sich doch Gott bereitgefunden, Möglichkeiten zu schaffen für die Rückkehr der Gefallenen, für ihren Aufstieg. Die Gespräche darüber führte der himmlische Vater zuerst allein mit seinem Sohne; was er zu tun gedenke, blieb zuerst nur bei Vater und Sohn. Dann aber, nach einer bestimmten Zeit, wurden auch andere Geistwesen hinzugezogen, hohe Fürsten des Himmels, die Christus treu geblieben waren und die sich für ihren König gewehrt hatten, auch in aller energischen Art und Weise, so es ihnen möglich und nach der geistigen Ordnung und ihren Gesetzen zugestanden war. Ihnen wurde der Plan zur Befreiung und für die Erlösung der gefallenen Wesenheiten offenbart. Es wurde ihnen erklärt, dass es nur auf dem Wege der Menschwerdung eine Rettung für die Gefallenen geben könnte. Von den Fürsten des Himmels traten später dann einige ins irdische Dasein, um als Propheten für ihren König zu leben und zu wirken. Die Propheten waren also Fürsten des Himmels, die in ihrem Erdenleben für ihren König einstanden.

Ursprünglich aber, vor dem Plan der Rückführung über den Weg der Menschwerdung, hatte man gehofft, die Gefallenen auf einem einfacheren Weg zurückführen zu können. In der ersten Zeit hatte man doch geglaubt, es würde genügen, in der geistigen Welt solche Aufstiegsstufen zu bereiten und hier den Gefallenen den Weg zurück wieder zu ermöglichen [das Paradies von Adam und Eva samt deren Scharen]. Doch dieses gelang nicht. Ich möchte jetzt aber das Leben in jenem Paradies übergehen und nur darauf aufmerksam machen. Denn heute ist mir daran gelegen, von den Interessen zu reden, die Christus vertreten hatte, und davon, warum er stets von dem innigen Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater sprach. Mit den vielen Gleichnissen, die er während seiner irdischen Lehrzeit gab, deutete er doch immer auf seinen Auftrag hin, den er zu erfüllen hatte, und auf das, was auf ihn zukommen würde.

Da Luzifer die zweithöchste Schöpfung war, besass er auch nach seinem Sturz aus dem Himmel die Möglichkeit, eine Schau in das Reich Gottes hinein zu haben. Schon zur Zeit, als man glaubte, auf dem Weg über das geistige Paradies die gefallenen Wesen zurückführen zu können, hatte Luzifer die Möglichkeit, in dieses geistige Paradies einzugreifen und die dort lebenden Wesenheiten zu beeinflussen. Denn ihm waren doch wahrlich auch eine grosse Entfaltungskraft und grosse Möglichkeiten des Wirkens und des Vollendens gegeben worden. Und was ihm zustand, das nützte er aus. So war es auch möglich für ihn, diese Schau zu halten in die göttliche Welt hinein. Denn den Plänen Gottes zur Befreiung und Erlösung der Gefallenen galt ja sein ganzes Interesse. Nun aber wollte doch Gott nicht, dass er über alle bedeutsamen Dinge Bescheid wissen sollte. Und da Gott die Macht hat, ihm die Möglichkeit des Einblicks, der Schau zu nehmen, hat er dieses auch von Zeit zu Zeit getan. Luzifer wurde die Möglichkeit genommen, jederzeit Einblick zu halten, was im Reiche Gottes geplant und beraten wurde und vor sich ging. Hier wurde sein geistig Auge verdunkelt. Das musste Gott tun, denn Luzifer sollte nicht über die wichtigsten Dinge Bescheid wissen. So konnte er nicht erkennen, dass Christus sich dazu hergeben wollte, als Erlöser für die Menschen einzustehen. Erst mit der Zeit ahnte er es, doch glaubte er noch nicht daran, dass Gott seinen geliebten Sohn für eine solche Aufgabe hergeben würde. Er war sich aber im Zweifel darüber.

Wie ich bereits erwähnt habe, wurde in der geistigen Welt über die Rückführung der Gefallenen beraten, und die Fürsten wurden zu diesen Besprechungen hinzugezogen. Jene Fürsten, die einstmals im Kampf gegen Luzifer für Christus eingestanden waren, wurden von Gott und von Christus gerufen, und gemeinsam wurde ihnen der Erlösungsplan dargelegt. Es wurde diesen Fürsten auch offenbart, dass sie es sein würden, die zu gegebener Zeit als Propheten in eine Menschwerdung treten müssten. Ihr Rückweg in den Himmel würde für sie offen sein, da sie ja heilige Geister seien. Sie aber sollten ihre Aufgaben erfüllen, die ihnen auferlegt würden: Sie sollten Vorläufer, Vorkämpfer sein für den König. Und sie wurden gefragt, ob sie bereit wären, diese Aufgabe auf sich zu nehmen. Sie sollten sich entscheiden, sie mussten ihr Jawort dazu geben. Denn es herrschte ja diese Freiheit, und ohne Weiteres hätte einer von ihnen sagen können: “Ich fühle mich zu schwach.” Doch keiner von denen, die für Christus gekämpft hatten, sagte so etwas. Denn sie wollten weiterhin für ihren König da sein und alles tun, was möglich wäre, um den Weg vorzubereiten, damit dieser Christus dann kommen und der Menschheit die Erlösung bringen könnte.

Alle diese Gespräche, die geführt wurden mit diesen Fürsten, blieben ihnen doch in ihrem geistigen Gedächtnis. Und im Himmelreich wurde doch schon damals – auch wenn es nur Hinweise und Andeutungen waren – vom Letzten Gericht gesprochen, das der Erlöser halten würde. Vom Letzten Gericht und vom Ende der Welt wurde geredet zu diesen Fürsten des Himmels. Es wurde ihnen klargemacht, wie dieser Heils- und Erlösungsplan zu verlaufen hätte und wie schwer das Leben des Erlösers sein würde. Und so wurden in der Vorschau und in diesen Besprechungen verschiedenste Andeutungen gemacht über das, was geschehen würde, wenn Christus, wenn der Erlöser in das menschliche Dasein treten würde. Man erkannte auch die Schwierigkeiten und die Probleme, die es geben würde. Man wusste um das Wirken Luzifers, und man wusste, dass er nichts scheuen würde zu tun, um eine Befreiung der Gefallenen und eine Erlösung zu verhindern.

So wurde so vieles besprochen, und diese Fürsten, die dann berufen wurden, in das menschliche Dasein zu treten – wie Mose, Abraham, Johannes der Täufer und alle weiteren Propheten –, sie nahmen etwas von diesen Gesprächen mit in ihr menschliches Leben hinein. Ich sage: etwas; denn infolge ihrer Einkleidung in den irdischen Leib war ihnen nicht mehr unbedingt alles in allen Einzelheiten bewusst, was einst besprochen worden war. Aber in ihrem Gedächtnis war noch genügend von den Erlebnissen und Gesprächen vorhanden, sodass sie als Menschen Hinweise darauf machen konnten.

So kamen doch diese Propheten in die Menschwerdung hinein und versuchten, die Menschen zu Gott hinzuführen. Sie waren als Vorläufer des Erlösers in dieses Dasein gegangen, um die Menschen auf Gott hinzulenken. Und die Menschen, sie hatten diese Propheten doch zum grössten Teil anerkannt. Denn diesen war ja auch die Möglichkeit gegeben, Beweise ihrer Sendung zu geben. So fanden sie Anerkennung – zum Teil. Aber unter diesen Menschen gab es ja auch welche, die sich an den Propheten versündigten. Nicht umsonst hatte seinerzeit Christus zu jenen Schriftgelehrten und Pharisäern gesagt: “Ihr seid Söhne von Prophetenmördern! Ihr seid die Söhne von Prophetenmördern.” (Vgl. Mat. 23, 31.) Es wurden doch Propheten umgebracht. Es waren doch diese Schriftgelehrten, diese Obrigkeit, die das Ihrige geleistet haben unter dem Einfluss Luzifers, um die Propheten umzubringen.

Als die Propheten in das menschliche Dasein kamen, wurden den Menschen doch Hinweise gegeben auf die Erlösung; es wurden ihnen Hinweise gegeben auf das Letzte Gericht, auf das Ende der Welt. Aber die Menschen damals konnten damit ja nichts anfangen – sie nahmen es einfach hin. Den Propheten war in der geistigen Welt erklärt worden, was mit dem Letzten Gericht gemeint war, und in ihrer Verkündigung haben sie Hinweise darauf gemacht. Und so sind in der Heiligen Schrift die Worte der Propheten festgehalten, diese Weissagungen, wie man sie nannte, die immer wieder von Zeit zu Zeit gemacht worden sind. Diese Weissagungen kamen auf diesem Wege zustande, den ich jetzt erklärt habe. Wohl hatten auch Geister Gottes ihre Aufgabe an diesen Propheten; sie versuchten, ihnen beizustehen, und sie standen ihnen bei, so gut es ihnen möglich war. Aber die Propheten hatten geistige Erlebnisse, von denen nicht alles auszulöschen war. Es waren Erinnerungen, und so wurden sie ja als Propheten anerkannt, als Gesandte Gottes, die mit einem Auftrag kamen. Sie mussten also die Möglichkeit haben, den Menschen näherzukommen, ihnen beizustehen. Aber vieles von dem, was sie erklärten, wurde von den Schriftgelehrten verdreht, wie Christus es selbst betonte. Diese legten es anders aus, so, wie es ihnen gefiel. Auch das steht in der Heiligen Schrift – dass die Prophetenworte nicht wirklich erkannt und ihnen nicht wirklich nachgelebt wurde, dass die Schriftgelehrten sie mit Absicht verdrehten. (Jer. 8, 8.) Dieses hat ihnen Christus auch zum Vorwurf gemacht. (Mat. 23, 2–3; Luk. 11, 52.)

Dann möchte ich bei dieser Gelegenheit im Besonderen noch auf Mose hinweisen. Es lebte doch die Menschheit eine lange, lange Zeit ohne irgendwelche Gesetze. Da konnte gemordet und geraubt werden – es gab kein Gesetz, und folglich konnte auch keine Strafe ausgesprochen werden. Aber wer zu jener Zeit solches verübt hatte, wurde von den Mitmenschen verachtet. Man zog Verachtung auf sich, das wusste man. Als aber das Gesetz gegeben wurde, wurden solche Täter auch straffällig, und sie wurden verurteilt und bestraft. Es war ein Gesetz da, und das Gesetz war von einem Propheten gegeben worden. Die Menschen nahmen es an, aber sie befolgten diese Gesetze nicht in dem Sinne, wie sie es hätten tun müssen.

Auch über diesen Auftrag und diese Aufgabe der Gesetzgebung war doch in der himmlischen Welt gesprochen worden, als diese Fürsten zusammen waren. Es musste ihnen auch erklärt werden, dass es in der Zukunft nicht so weitergehen konnte, dass die Menschen ohne Ordnung und ohne Gesetz dahinlebten. Und so wurde Mose dieses Gesetz gegeben. Es wurde ihm aus dem Himmel gegeben und den Menschen überreicht.

Was ja im Weiteren alles geschah, brauche ich euch auch nicht näher zu erklären. Um was es jetzt geht, ist: Ich möchte euch doch davon in Kenntnis setzen, dass im Himmel einst die getreuen Fürsten zusammengerufen und über diesen Heilsplan unterrichtet wurden – und dass es ja diese Propheten waren, die ihre Weissagungen brachten, denn darüber war mit ihnen im Himmel gesprochen worden. Nun, solches vermag ich euch zu erklären, und es ist kein Geheimnis; denn Propheten und auch Christus hatten selbst darüber geredet. Doch was man nicht verstehen konnte und nicht begreifen wollte, wurde vernichtet. Und die heutige Christenheit, die glauben will und glauben möchte, sieht so viel Ungereimtes, hat so viele Fragen, und sie möchte nur diese Fragen beantwortet haben. Die Menschen möchten glauben, aber sie möchten nicht gleich wieder enttäuscht werden. Sie möchten die Wahrheit haben – und die Wahrheit kann ihnen gegeben werden. Aber dazu braucht es auch die Anstrengung des einzelnen Menschen; der einzelne hat auch das Seinige dazu zu tun. Er soll ruhig die Bibel zur Hand nehmen, er soll sich dies alles gut überlegen. Und es genügt nicht, nur über das Neue Testament Bescheid zu wissen und vom Alten Testament nichts zu wissen. Denn gerade das, was im Alten Testament an Wahrheiten festgehalten ist, führt doch in die Ursachen des Daseins zurück; es klärt doch manchen Christenmenschen auf und führt ihn zurück in den Ursprung des Lebens überhaupt. Denn er muss doch die Ursache seines Daseins erfassen können. Und das ist möglich. Man soll aber nicht glauben, es genüge, sich nur über die Zeit seit Christi Menschwerdung unterrichten zu lassen. Man muss in die Ursprünge des Lebens zurück, in den Ursprung der Schöpfung, und ihren Sinn erfassen. Und dann erkennt der Mensch vor seinem geistigen Auge den grossen Berg von Wissen, wie viel da vorhanden ist, wovon er keine Ahnung hat – was alles in diesem Schöpfungsplan vorhanden, welche Weisheit darin enthalten ist, auf welch wunderbare Art und Weise alles zusammengefügt wurde und dass alles, was Christus gesagt hat und die Propheten weissagten, wahrhaftig ist und dass dies alles aus einem Geschehen heraus gekommen ist [aus dem Ungehorsam der Geistwesen und ihrem Sturz aus dem Himmel] und dass dieser Christus ins Dasein kommen musste, um die Menschheit zu befreien und ihr den Weg in die geistige Welt zu öffnen.

Darüber müssen die Menschen Bescheid wissen. Dann wird auch jeder wissen, dass er selbst eine Verantwortung trägt, dass ihm Gott eine Verantwortung übergeben hat. Er ist verantwortlich für sein Leben, er wird dafür zur Rechenschaft gezogen. Denn es stimmt nicht, wie die einen behaupten, dass Christus einfach alle erlöst hätte in dem Sinne, dass jeder gleich nach seinem Tode in den schönsten Himmel komme, ungeachtet seiner Lebensweise. Wo wäre da die Gerechtigkeit Gottes, wenn der eine glaubt, rücksichtslos leben zu können, andern Schaden, Leid und Not zufügt, wie es ihm gefällt, nur dass er selber ein bequemes und schönes Leben hat? Nein. Wo steht denn die Menschheit überhaupt? Alle Menschen sind von Christus erlöst worden, alle Völker dieser Welt. Und da sind welche, die ihre Propheten verehren, aber Christus wollen sie nicht als den Erlöser der Menschheit anerkennen. Wohl anerkennen sie ihn als einen Propheten, aber nicht als den Sieger über den Tod und über das Totenreich. Als den anerkennen sie ihn nicht – und wie viele Jahre wird es doch brauchen, bis alle eins werden im Glauben. Dann ist das Ende der “Welt” gekommen, von der Christus immer wieder gesprochen hat. Wenn alle eines Glaubens sind, dann ist das Werk erfüllt, dann ist das Ende der Welt gekommen, und das heisst: Dieser Luzifer hat seine Herrscherrechte aufgegeben.

Wann wird das sein, meine Lieben? Macht euch darüber eure Gedanken. Und dann, wenn ihr dieses verstehen lernt, lernt ihr auch zu verstehen, in welch unermesslichen Zeitabschnitten diese geistigen Dinge geschehen sind – und dass man nur so einen Zusammenhang findet, wenn man die richtigen Erklärungen dafür bekommt. Auf diese Weise wächst euer Verständnis für den christlichen Glauben, und ihr werdet begreifen, dass die Geisterwelt Gottes keine Mühe scheut, um diese Wahrheit zu verbreiten – und dass sie sich doch des Menschen bemächtigen muss und der Mensch das Werkzeug sein muss. Der Mensch lebt ja unter der Herrschaft Luzifers, und so ist es schwer für den Geist Gottes, ihn für sich zu gewinnen. Jetzt ist es euch überlassen, zu entscheiden, eure Willenskraft für das Gute und Edle einzusetzen und aufzubauen. Ihr werdet einst froh sein und glücklich werden, wenn der Himmel sich euch in seiner Kraft und in seiner Schönheit offenbart und bereit ist, euch aufzunehmen. Ja, liebe Geschwister, darüber denkt nach.

So möchte ich euch alle mit dem Segen Gottes entlassen. Der Segen Gottes soll über euch kommen und Kraft über euch ausgiessen, auf dass ihr zum richtigen Denken kommt und ihr willens werdet, die Wahrheit anzuerkennen, mag es für den einen oder andern auch Mühe bereiten, diese Wahrheit als die Wahrheit anzuerkennen.

So möge der Segen Gottes euch auf all euren Wegen begleiten. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 24.4.1982 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Grundbegriffe der Geisteslehre

Lene, 20. November 1968

Grundbegriffe der Geisteslehre

In dieser Meditation gab Lene einer grösseren Schar neuer, hauptsächlich junger Zuhörer eine Einführung in das Geisteswissen. Sie erklärt Grundbegriffe wie “Geist” und “Seele” und beleuchtet den Sinn des Daseins in einem irdischen, materiellen Leib. Die Seele bringt ins menschliche Dasein mit, was sie in ihrem Innersten birgt – sowohl Talente als auch Belastungen, Tugenden wie Untugenden –, und gibt im irdischen Leben Zeugnis von ihrem Entwicklungsstand.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr wisst, dass ich mich in der Regel nicht gerne mit dem äusseren Menschen befasse. Ich möchte vielmehr den inneren Menschen gewinnen. Aber da heute Abend doch Freunde hier sind, die nicht in allen Teilen diese geistige Sprache verstehen, werde ich dementsprechend vortragen.

Der äussere Mensch wird beeinflusst von seiner Umgebung, von den Äusserlichkeiten, die ihn umgeben. Er befasst sich auch mit diesen Äusserlichkeiten, und sie scheinen ihm oft auch sehr bedeutungsvoll zu sein für sein Leben. Nun, der innere Mensch hat andere Interessen. Der innere Mensch ist auf seine Welt ausgerichtet, und seine Welt ist die Welt des Geistes.

Die Seele kann man auch mit einem Quell vergleichen. Am Ursprungsort ist sie rein und klar, aber das Zufliessende bringt Unrat, und es gibt keine Reinheit der Quelle mehr. So ist es mit der Seele. Der Seele fliesst Unrat zu. Es ist der äussere Mensch, der seiner eigenen Seele diesen Unrat zuführt. Sein Denken, sein Wollen ist es, das beeinflusst wird von den Äusserlichkeiten seines Lebens, sodass sie ihm bedeutungsvoll, wichtiger sind als geistige Interessen. So wird dann der Seele diese Unreinheit zugeführt. Geister Gottes lieben Menschen, deren Seele rein ist. So haben wir die Aufgabe, es dem Menschen nahezubringen, wie er sich verhalten muss, um die Quelle seiner Seele rein zu gestalten. Ursprünglich [bei der geistigen Geburt in der jenseitigen Welt] hatte die Seele ihre Reinheit, ihre Klarheit. Sie wurde dann getrübt, verunreinigt. Doch um darüber zu sprechen, reicht jetzt die Zeit nicht.

Aber was ist denn eigentlich die Seele, wo befindet sich die Seele? Und was meint man mit dem Geist? Der Geist hat seine Gestalt – der geistige Leib sieht dem irdischen Leibe gleich. Es ist so schade, dass in der christlichen Lehre diese Wahrheiten untergegangen sind. Wenn nämlich die christliche Lehre heute in ihrer Wahrheit, in ihrer Kraft so verkündet würde, wie sie verkündet werden sollte, würden sich Menschen nicht von der Kirche zurückziehen. Die Kirchen wären bis zum letzten Platz voll besetzt. Es ist der Christenheit unendlich vieles verloren gegangen, und das, was im Allgemeinen dargeboten wird, reicht dem denkenden Menschen von heute nicht mehr, um sich damit zu begnügen. Er will auch mit dem Verstande glauben können. Er möchte glauben. Aber das, was ihm da geboten wird, scheint ihm nicht interessant genug, nicht kraftvoll genug, um dem nachzugehen und zu glauben, um glauben zu können.

Die heutigen Menschen kann man nicht mehr zum Glauben zwingen wie einstmals, als man einfach kein Brot, keine Arbeit gab, wenn jemand nicht glauben wollte. Heute geht das nicht mehr. Und es ist gut so. Heute ist es der denkende Mensch, der die Kirche Christi herausfordert. Aber was können denn die christlichen Kirchen noch hervorbringen, wenn ihnen so vieles unterschlagen wurde? Dem Menschen wird verkündet, was er tun und was er lassen muss; die Evangelien werden stets vorgelesen. Und auch hier stimme ich zu: Es werden Wahrheiten verkündet. Aber daran glauben? Nein. Nein. Man hört zu, aber glauben tut man nicht. Und dabei sind kostbare Wahrheiten in diesen Evangelien. Christus selbst sprach doch vom Reich des Vaters. Er betonte doch: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt” (Joh. 18, 36). Warum geht man solchen Worten nicht nach, wenn man an Christus glaubt?

Nun, ich möchte nicht allzu ausschweifend werden, sondern ich möchte doch erklären, was der geistige Leib und was die Seele ist. Wenn der Mensch stirbt, scheiden Geist und Seele von ihm – und da liegt der tote Leib. Tot ist er, weil Geist und Seele aus ihm entwichen sind. Dieser irdische Leib gehört der Erde, von der er genommen. Geist und Seele finden den Weg in ihre Urheimat zurück, ins Reich des Geistes. Gott hat sie geschaffen, und er fordert sie zurück. Der gläubige Mensch ist sich einig, dass er ein Geschöpf Gottes ist. Gott wird nichts schaffen, das verloren gehen könnte, sodass nach dem Tode nichts mehr vorhanden wäre. Wenn man ein Geschöpf Gottes ist und wenn der Menschheit durch die Erlösungstat Christi die Kindschaft Gottes zurückgegeben wurde, so muss doch das Geistige – die Seele und der geistige Leib – wieder in seine Heimat zurückkehren. Heisst es doch so schön: “Gesät wird in Vergänglichkeit, aber auferstehen wird es in Kraft und Herrlichkeit” (vgl. 1. Kor. 15, 42– 43). Verkündet werden solche Worte – und wer glaubt daran? Doch wahrlich ist es so. Denn zurück bleibt nur das, was vergänglich ist, und auferstehen soll das Geistig-Seelische, das den Menschen belebte und bewohnte. Auferstehen soll es nun, geklärt in Kraft und Herrlichkeit.

Hat aber jeder Mensch so gelebt, dass er nach seinem Tode in Kraft und Herrlichkeit auferstehen wird? Das ist wiederum eine andere Frage, deren Beantwortung jetzt viel zu viel Zeit beanspruchen würde. Nun, so wie der Mensch doch seinen irdischen Leib mit seinen Gliedern hat, so hat dies auch der Geist. Der geistige Leib ist aus geistiger Materie und hat dieselbe Gestalt wie der irdische Leib. Und wenn nun ein Mensch geboren wird, da ist der Geist mit seiner Seele da und wartet auf die Einverleibung. Und der materielle Leib, der doch dem Geiste gegeben wird, ist nichts anderes als die irdische Verdichtung, so wie alles in dieser materiellen Welt eine verdichtete geistige Form hat. Und diese verdichtete Form nimmt der Geist auf sich. Der Geist macht den Menschen lebendig. Entweicht dieser Geist, dann ist der Mensch tot. Also: Der geistige Leib sieht aus wie ein irdischer Leib, er hat dieselbe Gestalt.

Das Reich Gottes, wo die Geister Gottes mit dem Vater in Seligkeit zusammenleben, ist eine Welt der Herrlichkeit, der Vielfalt, der Schönheit, der schönen Künste. Wie könnte man sonst von einem herrlichen Himmel, von einer glücklichen Welt sprechen, wenn es nichts gäbe, woran man sich freuen könnte? Die hohe geistige Welt ist eine Welt des Friedens, des Glücks und der Schönheit. Wenn man Christ ist, sollte man dieses bejahen können, denn Christus sagte selbst: “Ich gehe zum Vater. Und wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen.” (Vgl. Joh. 14, 2– 3.) Oder glaubt man allen Ernstes, Christus, der als Sohn Gottes auf Erden gelebt hat, wäre in eine Welt zurückgekehrt, die nichts an Schönheit aufzuweisen hätte, in eine Welt der Öde? Oh nein – welche Armut ist in der christlichen Lehre! Der Himmel hat doch für jene, die für ihn gelebt haben, die Seligkeit, den Frieden bereit. Und wenn man die Bergpredigt näher betrachtet, da findet man dies alles darin enthalten (Mat. 5, 1–12). Christus sagte, was jene erwartet, wenn sie ins Reich Gottes eingehen, welche Herrlichkeiten und welche Himmel ihre Tore öffnen würden. Und das ist Wahrheit.

In der christlichen Lehre wird viel Wahrheit verkündet und nicht daran geglaubt. Und so wäre es doch sehr, sehr empfehlenswert, man würde einmal die Schriften etwas genauer durchlesen und seine Betrachtungen anstellen über den Geist, von dem jeweils gesprochen wird [und über die Geister].

Christus sprach doch auch von den bösen Geistern. Als jener Jüngling zu ihm kam, der sich so sehr für ihn interessierte, ihm dann aber sagte: “Meister, ich muss zuerst meinen Vater bestatten”, sprach Christus: “Oh lass doch! Lass doch die Toten die Toten begraben.” (Mat. 8, 21–22.) Versteht man denn in der Christenheit wirklich, was es heisst: “Lass doch die Toten die Toten begraben”? Und versteht man es wirklich, wenn es heisst: “Du sollst die Toten nicht befragen” (3. Mos. 19, 31)? Mit diesem Tod ist nichts anderes gemeint als die Trennung – und zwar nicht die Trennung vom Leibe, sondern die Trennung von Gott. Wer von Gott getrennt ist, ist tot. Das ist der geistige Tod. Und zu jener Zeit, als Christus lebte, gab es genügend geistig Tote. Also sagte er diesem Jüngling: “Was kümmerst du dich um die Toten? Lass doch die Toten selbst ihre Toten begraben. Wende dich vielmehr dem Lebendigen zu.” Damit meinte Christus sich selbst, denn er sagte ja: “Ich bin das lebendige Wasser. Ich bin das lebendige Brot. Ich bin der Quell der Wahrheit.” (Joh. 4, 10; 6, 51; 14, 6.)

Nun, liebe Geschwister, sprechen wir von der Seele. Was ist die Seele? Den Geist erklärte ich euch so in grossen Zügen, dass er seine Gestalt hat wie der menschliche Leib. Die Seele wohnt im Geiste. Die Seele ist die Ich-Persönlichkeit; sie trägt die Erinnerungen in sich, und sie hat den Willen, gut oder böse zu sein. Und so ist es mit der Seele des Menschen, die ich symbolisch mit einem Quell vergleiche, den man verunreinigen kann, der verunreinigt wird vom äusseren Menschen. Von aussen fliesst die Kraft der Unreinheit in die Tiefe der Seele. Es sind die Untugenden des Menschen gemeint, die Ungerechtigkeit, es ist der Streit, die Eifersucht, die Herrschsucht und wie diese Untugenden alle heissen mögen, eben das, was den Menschen belastet, was ihn hindert, in die Höhen zu gelangen. Das ist Unrat, der der Seele zugeführt wird.

Der Mensch wird von den Äusserlichkeiten beeinflusst, betonte ich. Er hat seinen Willen und seine Neigungen, er hat Veranlagungen. Man darf aber nicht annehmen, dass allein nur der äussere Mensch seinen Einfluss entsprechend seiner Kraft auf die Seele ausübt. Sondern auch das Umgekehrte ist möglich: Die Seele kann ihren Einfluss auf den äusseren Menschen ausüben. Auch die Seele tut das Ihrige zur Entwicklung des ganzen Menschen.

Betrachten wir doch einmal ganz kurz so ein kleines Erdenmenschlein. Wenn es geboren wird, sind in ihm schon die Keime der Intelligenz, des Glaubens oder des Unglaubens; es sind die Talente in ihm schon gezeichnet. Ob es ein friedfertiger oder ein streitsüchtiger Mensch wird – die kleinsten Keime sind schon in der Seele dieses Menschleins enthalten. Die Seele bringt also etwas mit sich zur Menschwerdung. Wenn man bestreitet und nicht glauben kann, dass es ein Leben nach dem Tode gibt, da sollte man sich doch auch fragen: Warum ist es denn überhaupt möglich, dass es einerseits begabte Menschen gibt und anderseits recht unbegabte, einerseits ganz friedvolle Menschen und anderseits streitsüchtige, kriminell veranlagte? Die Menschen unterscheiden sich in ihrer Entwicklung enorm voneinander. Warum denn das? Wenn man an Gott glaubt und sich Christ nennt, so nehme ich an, dass man auch an Gottes Gerechtigkeit glaubt. Wie soll es denn mit Gottes Gerechtigkeit übereinstimmen, dass die Menschen in ihrer Entwicklung so verschieden sind voneinander? Es ist ja nicht nur die äussere Entwicklung verschieden, sondern eben auch die innere Entwicklung ist vom einen zum andern sehr verschieden. Es ist eben genau so, wie ich sagte: Die Keime für die Entfaltung seines Lebens sind schon in diesem kleinen Menschlein vorhanden, sie sind hineingetragen worden.

Der Mensch kann wohl auch von aussen her beeinflusst werden, aber auch diese Beeinflussung hat mit der inneren, geistigen Entwicklung etwas zu tun. Während doch der eine geneigt ist, zu glauben, anzunehmen, gutmütig, gutwillig ist, ist der andere eben böswillig, ungläubig, misstrauisch. Er kann einfach nicht glauben. Man kann ihm zusprechen, so viel man will, es hilft einfach nichts. Und hier muss man doch wieder sagen: Man muss doch über diesen Sachverhalt nachdenken und sein Interesse auf den inneren Menschen lenken. Denn von innen nach aussen wird der Mensch gesteuert, gelenkt. Ist nun das Geistesleben, das seelische Gemüt eines Menschen noch von so viel Boshaftigkeit durchdrungen, kann man ihm zusprechen, so viel man will – es fruchtet nichts, denn er ist in seiner Seele so belastet, seine Seele ist so verunreinigt.

Wenn ich anfangs sagte, der Ursprung der Quelle war rein – war rein –, wie viel ist auch da der Christenheit verloren gegangen, wenn nicht einmal erklärt wird, warum Christus die schwere Aufgabe der Erlösung auf sich nehmen musste. Als Gottes Sohn hatte er doch eine sehr bedeutsame, sinnvolle Aufgabe zu erfüllen. Und wenn er jeweils doch sagte: “Ich bin ein König”, und von seinem Königreiche sprach, so meinte er kein irdisches Königreich, sondern er meinte sein Reich beim Vater. Er hat also ein Königreich in der für den Menschen unsichtbaren Welt. Warum bekennt man sich im christlichen Glauben denn nicht zu diesem unsichtbaren Königreich Christi mit all seinen heiligen Geistern, mit all seinen verstorbenen Menschen, die im Aufstiege begriffen sind und sich auf dem Weg zu Gott befinden? Wie manchem Menschen, der tief um einen lieben Mitmenschen trauert, könnte wahrlich Trost gespendet werden, wenn man ihm aus wirklicher Überzeugung sagen kann: “Was willst du traurig sein? Er ist uns allen ja vorangegangen, er ist schon ein Schritt näher bei Gott.” Warum darf man nicht eine solche offene Sprache sprechen? Warum scheuen sich Menschen davor, und warum hält man Mitmenschen für nicht ganz intelligent, wenn sie von Geistern reden? Welche Armut ist da in allen christlichen Lehren, eine überaus grosse Armut! Und bei jenen Menschen, die noch Kenntnisse besitzen, ist kein Mut vorhanden, sich dazu zu bekennen. Ja, es ist schwer; denn ein solcher, der sich in der heutigen Zeit in aller Öffentlichkeit ohne irgendwelche Vorbereitung und Erklärung dazu hergeben würde, über Geister zu sprechen, würde ausgelacht. Er hätte es schwer; sein Weg wäre schwer. Wahrlich, so weit steht es mit der Christenheit. Sie hat ihren eigenen, eigens diktierten Glauben. Dieser Glaube wird den Gläubigen vorgelegt. Und trotzdem liest man die Evangelien – man liest und verkündet diese Wahrheit und glaubt sie nicht ...

Wenn nun – wie ich gesagt habe – die Seele, das Ich-Persönliche, Einfluss auf den äusseren Menschen nimmt, so verlangt diese Ich-Persönlichkeit nach dem irdischen Tode genauso ihr Recht, wie sie es einst im Leben tat. Im menschlichen Leben ist der Mensch sein eigener Hausherr. Er kann seine Seele beeinflussen, wie er will – so behauptet er es wenigstens. Er ist wahrlich sein eigener Hausherr. Er hat die Möglichkeit, seine Seele zum Guten oder für das Böse zu beeinflussen, und schwerlich wird er von Mitmenschen darüber zur Rechenschaft gezogen; denn er kann denken, was er will, er hat seinen Willen, und was er denkt, sieht der andere nicht. Aber auch das, was der Mensch denkt, ist im Geistigen festgehalten.

Wenn nun dieser Mensch gestorben ist, so wird er doch feststellen, dass er lebt. Und er sagt: “Ich lebe. Ich wünsche. Ich will.” Er versucht zu befehlen. Zuerst behauptet er sich auf diese Art und Weise. Aber es wird für ihn nicht lange dauern, da wird er den wahren Hausherrn kennenlernen, denn Gott ist der Herr. Er hat seine Engel, die in seinem und in Christi Dienste sind, bestimmt, sich des heimkehrenden Verstorbenen anzunehmen. Nun erkennt dieser: “Ich lebe.” Jetzt ist er aber im Reiche Gottes, und hier bestimmt und befiehlt der Schöpfer. Er ist Eigentümer; ihm gehören die Geschöpfe, alle diese Geister.

Nun wird der Heimkehrende in der geistigen Welt nicht mehr Herr über sich selbst sein können. Über ihn wird bestimmt, je nach seinem Leben. Seine Seele hat im Laufe seines Lebens alles aufgesogen, in sich aufbewahrt: jedes Wort, jede Handlung, jeden Gedanken. Nichts, gar nichts geht verloren. Die Seele birgt alles in sich. Und je nach dem heimgebrachten Gute wird die Seele dann in der Geisteswelt ihren Platz einnehmen können. Und wie viele sind es doch, die im Hasse sterben, die ihre Eifersucht und ihren Geiz oder ihren Neid im menschlichen Leben nie überwinden konnten. Sie tragen dieses Eigentum in der Seele mit ins geistige Reich hinüber. Und man gibt ihnen hier die Gelegenheit, etwas zu verbessern; man gibt ihnen die Möglichkeit zur Läuterung. Ist aber die Tiefe der Seele erfasst worden von all dem Unreinen, dann wird es nicht so leicht wieder überwunden werden; sondern die Seele wird es mit sich tragen, und zwar verschiedene Erdenleben hindurch. Das sind dann die Keime, von denen ich gesprochen habe, die schon das Kleinkind in sich birgt. Das sind die Keime, die sich noch nicht aufgelöst haben, die geblieben sind, die festgewurzelt sind und nur darauf warten, sich zu entfalten – wenn nicht die Seele in ihrem menschlichen Leben eine höhere Einsicht gewinnt und der äussere Mensch so beeinflusst werden kann, dass ihm sein menschliches Denken dazu verhilft, den richtigen Weg zu finden und selber richtig zu entscheiden.

Der Mensch hat seinen freien Willen. Dieser freie Wille ist von Gott gegeben und ist ihm in seiner ganzen Entwicklung als Prüfstein gegeben. Den Willen des Menschen kann man dann beeinflussen, wenn einer guten Willens ist. Er muss in der Seele willens sein, das Bessere zu tun. Ist in der Seele noch so wenig Willenskraft vorhanden, wird der Mensch eben den bösen Willen zum Ausdruck bringen, seinen Unwillen über das, was man ihm sagt oder womit man ihn zu beeinflussen versucht. Von innen heraus kann diese Kraft kommen, und von aussen herein kommen auch viele Gefahren. Aber wenn man die Tiefen der Seele betrachtet und ihr ganzes Wesen als geistiges Eigentum betrachtet, das man ins Erdenleben mitgebracht hat, muss man zur Erkenntnis kommen, dass das, was man in sich birgt, sich zum Guten, Höheren, Besseren entfalten kann.

Die Menschen werden doch beeinflusst einerseits von ihrer Umwelt, anderseits von der christlichen Kirche. Die christliche Kirche hat doch die Aufgabe, dem Menschen die Kraft zu geben, dass er seine Seele zu läutern oder sogar in ihrer Reinheit zu bewahren versucht. Sie will ihn im Guten unterstützen. Dieses ist gut und recht. Es gibt Menschen, denen es genügt, wenn man ihnen sagt, was sie zu glauben haben. Sie sind bereit, es zu bejahen. Sie haben keine eigene Meinung, keine eigene Entscheidungskraft. Das ist eine Schwäche ihrer Seele, ihres geistigen Lebens.

So kann dem Menschen nicht genug beigebracht werden, dass er verpflichtet ist, für sein inneres Leben, für seine Seele zu wirken. Denn seine Seele – die Seele eines jeden Menschen – ist wahrlich eine Quelle, eine Quelle, die in ihrem Ursprung rein war und die [im Laufe ihres Aufstiegs] auch wiederum so geläutert worden ist, dass sie nun aus der Kraft ihrer Läuterung heraus Gutes zu schaffen und zu entfalten vermag. So ist es die Pflicht des Menschen, nicht nur das äussere Leben zu geniessen und bequem zu gestalten, sondern er ist für sein inneres Leben ebenso verantwortlich wie für all seine Äusserlichkeiten. Er wird zu einem späteren Zeitpunkt zur Rechenschaft gezogen, das heisst nach seinem Tode. Da kommt Gott, denn er ist der Forderer. Er verlangt nun von seinem Geschöpf, dass es sich geändert hat zum Guten, entfaltet für das Gute. Denn stirbt ein Mensch und kommt ins geistige Reich, soll er Anschluss finden an die grosse geistige Familie. Er soll ein Glied sein in dieser Kette, von der Christus sprach: “Ich bin das Haupt, und ihr seid die Glieder” (vgl. Joh. 15, 5). So muss man im menschlichen Leben auch für das Inwendige kämpfen, und das ist oft sehr schwer. Man kann aber auch Kraft von innen heraus holen.

Wir versuchen jeweils auch zu erklären, dass durch die heilige Geisterwelt Gottes dem Menschen so unendlich viel gegeben wird. Er wird oft im Leben gelenkt, er wird auch vor Unglück beschützt. Menschen ahnen es nicht. Sie finden es ganz selbstverständlich, dass alles so gut wie möglich, ohne Unannehmlichkeiten abläuft. Sie kennen jene geistigen Einflüsse nicht, die auch vorhanden sind und den Menschen Schaden zufügen können. Sie kennen ja die Gesetze des Geistigen nicht. Und das ist so schade.

Doch was man jedem Christenmenschen beibringen kann, ist doch das: Wenn du Glauben hast, wenn du glaubst, dass Christus dein Erlöser ist, wenn du glaubst, dass Gott der Schöpfer allen Lebens ist, dann versuche doch, im Geiste zu leben und Gott im Geiste anzubeten, im Geiste Geistiges zu erleben. Und das kann man nicht als äusserer Mensch. Er ist nicht fähig, mit seinen irdischen Augen das Geistige zu sehen. Er kann mit seinen Händen, die so grobstofflicher Materie sind, nicht das Geistige tasten. Das Geistige ist von ganz anderer Beschaffenheit. Aber man kann einen Weg finden, man kann diesen Weg des Geistes suchen, und man kann so zu einem glücklichen Menschen werden. Man findet Sinn im Leben. Das Leben hat einen wunderbaren Sinn. Denn jedes Leben ist so kostbar, auch wenn es in der Schöpfung Gottes noch so niederer Art ist. Kostbar ist das Leben des Menschen, und als Kostbarkeit sollte dieses Leben auch betrachtet und behandelt werden. Mit grösserem Respekt sollte man dem Mitmenschen gegenüberstehen. Denn er ist ein Geschöpf desselben Vaters, wie du eines bist. Alle sind Geschöpfe Gottes. Warum denn im Glauben diese Zerrissenheit, diese Trennung? Alle sind Geschöpfe Gottes. So soll man sich doch eben im Verständnis näherkommen, auch die Not des andern begreifen lernen, sich hineinfühlen in das Schicksal des Nächsten und es nicht nur beim Fühlen bewenden lassen, sondern mit ihm gehen, mit ihm Probleme lösen, mit ihm leben. Auf diese Art und Weise stärkt man sich selbst im Geiste. Denn die Seele wird wach, und die Seele wird von einem Glücksgefühl durchflutet, wenn man im wahren christlichen Glauben lebt. Und auch ich möchte betonen: Wahrer christlicher Glaube kennt kein einseitiges Leben, keinen Fanatismus.

Im Geiste soll man Gott anbeten, im Geiste soll man Gott erleben. Welche Vielfalt hat er doch in seiner Schöpfung, ist doch diese Vielfalt überall zu bewundern. Und wenn man Geschöpf Gottes ist, soll man doch versuchen, mit ihm eins zu werden, denn man muss wieder zurückkommen, man muss wieder eingeschlossen werden in das Ganze hinein, in die Harmonie des Geistes, die alles umfasst. So wie Gott der grosse Gebende, Liebende, Verzeihende ist, so wäre es doch auch des Menschen Pflicht, etwas davon zu tun und zu sein. Auf diese Weise klärt er sein Seelenleben. Seine Seele muss klar und rein werden, eben wie der Quell am Ursprung.

Wo die Seele glücklich ist, strahlt das Glück aus dem äusseren Menschen heraus: Seine Augen leuchten, sein Mund umspielt ein Lächeln, seine Hände sind harmonisch und haben nicht das Zeichen von Gewaltsamkeit und Unterdrückung. Liebevoll sein und geben, wie Gott zu geben weiss – so soll es Pflicht des Menschen sein, sich auf den Weg zum Vollkommenen zu begeben. “Werdet vollkommen, wie der Vater vollkommen ist” (Mat. 5, 48). Schreitet man auf diesem Wege nach oben, dann wird das Leben so wertvoll, so sinnreich, und es macht den Menschen froh und glücklich. So kann er aus dem Geiste schöpfen. Denn er hat die Möglichkeit, aus dem geistigen Leben, auch aus dem geistigen Reiche so viel Wunderbares zu empfangen, das ihm den Weg im Leben erleichtert. Das will nicht heissen, dass er von allen Unannehmlichkeiten verschont oder befreit würde, dass alle Tore und Wege seines äusseren Lebens offenstehen würden. Oh nein, ich spreche nur vom geistigen Einfluss, und der geistige Einfluss hat mit dem Einfluss des Menschen auf den andern nichts zu tun. Denn diese Welt hat ihre eigenen Einflüsse. Ich aber spreche vom geistigen Einfluss.

Liebe Geschwister, ich glaube, dass ich für diese Stunde genug gesprochen habe. Meinen Freunden, die meine Sprache verstehen, möchte ich sagen: Schöpft vom reinen Quell. Er gibt euch Kraft und Segen. Er stärkt euch in eurem Leben und hilft dem einen und andern, sein Schicksal leichter zu tragen.

So naht doch wiederum die Zeit, wo die Botschaft des Friedens verkündet wird. Erlebt im Geiste diese Botschaft; tretet ein im Geiste ins Königreich Christi. So wird die Christenheit wiederum erinnert, und sie sollte diese Botschaft nicht nur hören, sondern ihr ganzes Gemüt soll davon erfasst werden, und dankbaren Herzens soll man sein für das Liebende, das Gott gegeben hat. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.11.1968 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Geistige Erkenntnisse sind beglückend und eine Hilfe im Leben

Josef, 19. Februar 1966 (Ausschnitt)

Geistige Erkenntnisse sind beglückend und eine Hilfe im Leben

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es ist schade, dass die christlichen Kirchen den Glauben an das Weiterleben nach dem Tode nicht unterstützen. Der geistgeschulte Mensch ist sehr glücklich, von dieser geistigen Lehre zu wissen und [aus der göttlichen Welt] immer wieder etwas vom Schöpfungsplan Gottes, von seinem Heilsplan, von seinen Gesetzen zu vernehmen.

Die ersten Christen pflegten diese Verbindung zur Geisterwelt Gottes auch; denn Christus hatte ihnen so viel von Gott und von den Seligen des Himmels erzählt. Schon zur Zeit des Alten Testaments hörten die Menschen durch ein Werkzeug Gottes seinen Willen. Diese Werkzeuge nannte man, wie ihr wisst, Propheten. Diese Propheten wurden vor ihrer Menschwerdung für ihre Sendung vorbereitet, und diese heiligen Menschen wurden von den Geistern Gottes geführt, inspiriert. So konnten sie das Wort Gottes und den Willen Gottes verkünden. Das war damals eine Selbstverständlichkeit.

Heute ist die Welt anders geworden. Heute wollen es die Menschen nicht mehr wahrhaben, dass eine Verbindung zur göttlichen Welt auf diese Art und Weise möglich ist. Und warum wollen es die Menschen nicht mehr wahrhaben? Sind die christlichen Kirchen nicht selbst daran schuld, haben sie nicht selbst diese Verbindung zur Geisterwelt Gottes unterbrochen, ja gewaltsam unterbrochen? Wenn ihr die Kirchengeschichte etwas studiert, dann könnt ihr erkennen, dass in der christlichen Kirche nicht Geister Gottes den Menschen verkünden konnten, was der Wille des Vaters ist. Es ist nicht so geworden, wie Christus es wollte und verkündete: dass der Geist der Wahrheit ausgesandt werde, damit er überall auftreten könne – und es also keine Macht dazu braucht, um das Wort Gottes zu verkünden. Es ist aber eine Macht geworden, und man hat die Geister der Wahrheit nicht mehr zu Worte kommen lassen. Man hat ihre Kundgaben unterbunden, ihnen keinen Glauben geschenkt. Wenn ihr versucht, euch im Geiste zurückzuversetzen und nachzuvollziehen, auf welche Art und Weise diese christliche Kirche aufgebaut worden ist, so wird wohl keiner behaupten können, dass es durch einen Geist Gottes geschehen wäre.

Geister Gottes scheuen sich nicht, dem Menschen die Wahrheit zu sagen; Geister Gottes versuchen des Vaters Willen kundzugeben. Aber der Wille Gottes ist nicht immer der Wille des Menschen, und der Wille des Menschen setzt sich nur allzu oft durch. Er setzt sich auch gewaltsam durch, wenn er es will. Also hat man jenen Geistern der Wahrheit nicht mehr Gehör geschenkt, man liess sich von ihnen nicht belehren. Denn bekanntlich ist es so, dass es in der Jenseitswelt, in der Welt der Wirklichkeit, nicht dieses Jagen nach Gütern gibt wie auf Erden. In der jenseitigen Welt sind nicht materielle Güter in dieser Art vorhanden. Wohl gibt es jene Güter, aber sie sind geistiger Art – die Bedingungen der geistigen Welt sind doch ganz anders. Daher heisst es, der Mensch solle sich nicht so sehr um Dinge kümmern, die von Rost und Motten verzehrt würden, sondern um Dinge, die nicht vergehen könnten. Und das ist eben der Punkt: Der Mensch möchte doch einen irdischen Besitz haben, er möchte herrschen. Das irdische Leben, so wie es dem Menschen Ansehen und Reichtum gibt, ist aber nicht das geistige Leben. Das geistige Leben verlangt andere Güter, die nicht vergehen können – es fusst auf der wahren Lehre Christi. Und wie viele Menschen sind bereit, dieser wahren Lehre nachzuleben? Menschen wollen ihr Ansehen haben, und sie wollen es mit Gewalt erzwingen – darum diese Kriege, dieser Unfriede. Herrschsucht, Habsucht ist doch etwas, was in dieser Welt regiert.

Der Geistesmensch aber, er kennt den Unterschied genau. Er weiss, wie er leben muss. Er weiss aber auch, dass er immer wieder schwach wird und strauchelt. Aber der Geistesmensch versucht sich doch Mühe zu geben, sein Leben zu verbessern; denn er trachtet nach den Höhen des geistigen Lebens. Er kennt eine Bindung zu dieser andern Welt, sie ist ihm vertraut geworden. Er hat aus der göttlichen Welt einerseits so viel Trost erhalten, anderseits hat er so viele Hinweise bekommen, sodass er auf vieles eine Erklärung findet, was er ohne diese geistige Lehre niemals erkennen oder verstehen könnte. Sein Leben findet Inhalt, er weiss, wozu er auf dieser Erde lebt. Und das ist doch wohl etwas Wesentliches – dass der Mensch weiss, warum er auf dieser Erde lebt.

Fromme Christen können regelmässig ihre Kirchen besuchen; sie hören den Worten des Seelsorgers zu. Aber eigentlich wissen sie nach der Predigt recht wenig mehr davon, was gesagt worden ist, oder sie sagen: “Wir wissen selbst, was wir zu tun und zu lassen haben.” Die Worte, die ihnen gegeben werden, können sie nicht mehr fesseln; es ist nichts da, das sie binden würde an den Glauben. Die Worte, die verkündet werden, sind nicht lebendig. Darum kann die Christenheit nicht gefesselt werden. Aber im Grunde genommen sollte es so sein: Wer das Wort Gottes hört, soll durch dieses Wort gefesselt werden. Und gefesselt kann er nur werden, wenn ihm in die Seele gesprochen wird und wenn ihm erklärt wird, warum er lebt, woher er kommt und welches Verhältnis er zu Gott hat. Gefesselt muss der Mensch werden, von Sehnsucht geplagt, sodass er die Zeit kaum abwarten kann, bis er wieder Neues hört. So muss er vertraut werden mit der göttlichen Welt, er muss eine innige Bindung haben zu Gott – denn man betet zu Gott.

Es kommt nicht darauf an, dass man ständig die Hände faltet und betet. Es kommt auf das Leben an, auf die Einstellung, die man hat, auf das Verhältnis, das man zu Gott hat. Und so sollte man eben, wenn man sich Christ nennt, ein innigeres Verhältnis zu Gott haben. Es sollte doch so sein, wie wenn ein Mensch in die Fremde geht und Sehnsucht hat nach seiner Heimat und er sich freut, dass er wieder zurückkehren kann und wieder unter den Seinen leben darf. So sollte es sein; denn der Mensch muss sich doch der Kindschaft Gottes bewusst werden. Aber wie wenige sind sich dieser Kindschaft Gottes bewusst. Sie können es ja gar nicht, denn sie haben ja gar keine Beziehung zum höheren Leben. Wenn sie aber darüber unterrichtet werden, dann vermögen sie sich dafür zu interessieren. Ihr Glaube kann lebendig werden, und es gibt ein anderes Verhältnis zu Gott.

Was vermag denn ein Mensch, der wohl geschult ist, seinen Mitmenschen zu erzählen? Er kann ihnen wohl die Gebote Gottes erklären und die Lehre Christi auslegen. Aber sind es nicht gerade diese Erklärungen und Darlegungen, von denen die Menschen immer wieder sagen: “Das haben wir schon oft gehört, wir möchten anderes hören”?

Es muss doch den Menschen interessieren, was mit ihm geschieht, wenn er sein irdisches Kleid abgelegt hat; er muss sich doch dafür interessieren, dass das Leben weitergeht. So soll er versuchen, darüber zu meditieren, woher er kommt und was für eine Aufgabe er hat auf der Welt. Wenn er danach fragt und die Antwort findet, wird er seine Aufgaben in seinem irdischen Leben besser erfüllen, und er wird ein glücklicherer Mensch sein. Man muss sich danach erkundigen, woher man kommt. So erhält man die Antwort. Denn der Geist bleibt lebendig, der Geist stirbt nicht. Er geht in sein Reich, von wo er ausgegangen ist; er geht unter die Herrschaft Gottes, wo Christus der König ist.

Die Christen feiern ja ihre Festtage zur Erinnerung an Christus. Aber sie feiern sie nicht auf lebendige Weise, denn sie sind nicht auf der Suche nach der Wahrheit, sie sind nicht auf der Suche nach Gott. Der geistgeschulte Mensch, er geht auf die Suche – und der Weg ist lang. Der geistgeschulte Mensch aber, er versucht den Willen Gottes zu ergründen, ihm nachzuleben; denn er hat davon gehört, wie es dem Geiste ergeht, wenn er wieder in seine Welt zurückkehrt: Je nachdem wie einer als Mensch gelebt hat, wird er in der jenseitigen Welt aufgenommen und wird seinen Platz einnehmen. War er ein geistig reicher Mensch, wird er in eine Welt des Reichtums eintreten, war er ein geistig Armer, dann wird er in eine Welt der Armut hinübertreten.

Nun, liebe Geschwister, wenn man versucht, sich nach Gott auszurichten, so ist es doch etwas Tröstliches, zu wissen, dass man nicht bangen muss um die letzte Stunde und man sich darauf freuen darf, hinüberzukommen. So ist es doch für viele so tröstlich, zu wissen, jene dereinst wiederzufinden, mit denen man zu Lebzeiten glücklich zusammenlebte. Tröstlich ist es, zu wissen, dass das geistige Wirken, die stillen Werke, die man nicht öffentlich verrichtete, nun ihre Belohnung finden. Und schön ist es, zu wissen, dass man sich bemühen muss, um diese höchsten Stufen zu erreichen – weil dann das wirklich selige Leben zu erwarten ist.

Nun, jeder Geist, der in einen irdischen Leib einverleibt wird, stammt doch auch aus einer Geistfamilie, und er muss wieder zu dieser Geistfamilie zurückkehren. Diese Geistfamilie aber lebte doch einst in Frohmut und Seligkeit zusammen. Und diese Familie wurde auseinandergerissen und das eine da-, das andere dorthin gesandt. Ihr wisst, was ich damit meine: Es ist die Zeit gemeint, als so viele Wesen ihren Ungehorsam zeigten und die Himmel verlassen mussten [Geisterfall]. Die Familien wurden aufgelöst, und jedes nahm in der Welt der Dunkelheit des Totenreiches da seinen Platz ein, je nachdem wie es sich verschuldet hatte.

Jeder Mensch, der da lebt auf dieser Welt, hat nicht nur seine irdischen Eltern; man hat auch seine geistigen Eltern. Das sind eben diese Eltern, oder das ist die Familie, von der ich spreche, mit der man einst in grosser Freude und Eintracht zusammenlebte, doch von der man sich dann trennen musste – denn alle, die untreu, ungehorsam geworden sind, mussten ihren Platz räumen. Nun ist man auf der Suche nach seinen geistigen Angehörigen: Man sucht den geistigen Vater, die geistige Mutter, den Bruder, die Schwester – man hat auch geistige Geschwister.

Als Mensch hat man keine Kenntnis davon, ausgenommen derjenige, der geistig ausgerichtet ist. Er lebt in einem solchen Gefühl, er ahnt es: “Ich habe nicht nur eine irdische Mutter, einen irdischen Vater.” Man fühlt es, man ist verbunden mit jener andern Welt. Aber diese Verbundenheit findet man nicht auf der Stufe des Materialismus. Man muss sich etwas vergeistigen, das heisst, in erster Linie soll nicht das materielle Leben im Vordergrund stehen, man soll nach dem geistigen Leben fragen. Und wie viele Menschen sind es, die von innen heraus gedrängt werden, zu forschen nach diesem geistigen Leben – doch sie werden ständig geblendet von der Welt, in der sie leben. Die Welt hat ihnen so viel zu bieten, so gross sind die Versuchungen, so schön und süss das Leben.

Es braucht dazu eine geistige Entwicklung, dass man befähigt wird, nach diesen geistigen Dingen zu forschen, ihnen nachzugehen. So will es der Geist, wenn er frei ist, wenn er nicht gebunden ist an den irdischen Leib. Er hat die Sehnsucht nach seiner Familie, nach seiner wahren, geistigen Familie. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 19.2.1966 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 5/2012
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm