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In der Christenheit ist die Meinung verbreitet, Christus habe die Menschen von all ihren Sünden erlöst und befreit. Die Geisteslehre zeichnet hier aber ein differenzierteres Bild: Erlöst wurde der Mensch von der Sünde des Abfalls, das heisst von der Trennung von Gott. Doch schwere persönliche Vergehen im Leben werden dem Einzelnen nicht einfach vergeben. Dies gilt im Besonderen für die sogenannte “Sünde wider den Geist”: Wer einen Nächsten an Körper oder Seele so sehr schädigt, dass er ihn in seiner geistigen Persönlichkeit verletzt, hat diese Schuld wiedergutzumachen. In diesem Themenheft wird anhand verschiedener Fallbeispiele aufgezeigt, auf welche Weise in der Jenseitswelt schwere Vergehen gegen die Menschlichkeit geahndet und bestraft werden und schliesslich durch die Wiedergeburt gesühnt werden müssen. Die Erlebnisberichte dokumentieren, wie Schuldbeladene in ihrem neuen Erdenleben von einem Schicksal gezeichnet wurden und so die Chance erhielten, von ihrer schweren Last abzutragen und zu einer besseren Gesinnung zu gelangen.
Josef, 21. November 1970
In der Christenheit ist die Meinung verbreitet, Christus habe die Menschen von all ihren Sünden erlöst und befreit. Die Geisteslehre zeichnet hier ein differenzierteres Bild: Erlöst wurde der Mensch von der Sünde des Abfalls, das heisst von der Trennung von Gott. Doch bestimmte Verfehlungen im Leben muss ein jeder durch die Wiedergeburt wiedergutmachen – im Besonderen die schweren Vergehen dem Mitmenschen gegenüber.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wenn von der Sünde wider den Geist gesprochen wird, wissen eigentlich die Christen nicht so recht, was darunter zu verstehen ist. Dabei ist unter den Menschen die Sünde wider den Geist sehr verbreitet. Darunter fallen – ich zähle nur weniges davon auf –: Totschlag, Verleumdung, Erpressung, Demütigung, Erniedrigung. Das ist Sünde wider den Geist. Es heisst, dass die Sünde wider den Geist weder im Diesseits noch im Jenseits vergeben werde (vgl. Mat. 12, 31–32).
Im Grunde genommen sollte sich ein gläubiger Mensch darüber Gedanken machen, wenn man sagt, dass diese Sünde weder im Diesseits noch im Jenseits vergeben wird. Man spricht also auch vom Jenseits. Gerade die Christen sind es aber, die sich zum grossen Teil keine Gedanken über das Jenseits machen wollen. Sie sind dem Jenseits gegenüber fremd, und daher kann es mit diesem Gottesglauben auch nur eine halbe Sache werden.
Hat man wirklich einen echten, tiefen Gottesglauben, braucht es dafür die ganze Sache. Dazu gehört eben: der Glaube an das Leben nach dem Tode, der Glaube, dass das Leben nach dem irdischen Tode weitergeht. Weiter gehört zu diesem Ganzen, dass man sich mit dieser anderen, jenseitigen Welt beschäftigt. Ist es nicht so, dass, wenn jemand unter den Christen vom Jenseits spricht, man doch wohl erlebt, dass einer anfängt an dessen gesundem Menschenverstand zu zweifeln? So weit ist die Christenheit gekommen. Sie tritt so nur halb an die Sache heran. Doch es braucht eben einen Kampf für die ganze Sache.
Ich habe immer wieder Gelegenheit, von dieser anderen Welt zu reden. Ich muss euch jeweils darauf hinweisen, dass diese andere Welt die Welt der Ewigkeit ist. Wenn von ihr gesprochen wird, muss man die Christenheit besonders darauf aufmerksam machen, dass sie ja in zwei Welten lebt und an diese zwei Welten denken sollte. Der Mensch, der so erdgebunden ist, sieht nur die irdische Welt, das Sichtbare, das Fühlbare. Daran ist er gebunden. Diese Welt bedeutet ihm alles, ist sein Ganzes. Er will sich nicht mit der anderen Welt beschäftigen, die in seinem Leben eine genauso bedeutende Rolle spielen sollte wie die Welt, in der er lebt und von der er beeindruckt wird.
Diese irdische Welt hat ihren Glanz – das betone ich immer wieder. Und wie ich am Anfang erklärte, weiss man in der Christenheit so wenig über die geistigen Gesetze, über die Gebote Gottes, über den Willen Gottes, über den Schöpfungsplan. Daher habe ich nur ein Thema herausgenommen: die Sünde wider den Geist. Ein Mensch ohne geistchristliches Wissen weiss damit wahrhaftig nichts anzufangen; während einer, der in dieser Beziehung schon einige Erkenntnisse hat, weiss, was damit gemeint ist.
Würde der Einzelne Sinn und Zweck seines Lebens erkennen – oder allen Lebens überhaupt –, wie viel Übel könnte auf dieser Welt verhütet werden. Mit geistchristlichem Wissen könnte er erkennen, dass das unbedeutendste Leben seine Bedeutung hat und dass der Mensch, der als die Krönung der Schöpfung Gottes gilt, sich um seinen weiteren Aufstieg bemühen muss, so wie alles Leben um den weiteren Aufstieg ringt.
Man lebt in einer glanzvollen Welt – in einer Welt, die so viele Überraschungen, so viel Angenehmes und Bequemes bietet, in die man hineinflüchten kann, die man liebt und nicht hergeben will. Den Glanz und alles Drum und Dran, was man besitzt, schätzt man so sehr, dass man es noch weiter entfaltet, da es einem alles bedeutet. In dieser Welt des Glanzes ist es eben möglich, dass sich die Sünde wider den Geist so stark verbreiten kann. [...]
Wenn Menschen nach den hohen Zielen des Lebens trachten, wenn sie den wahren Glauben in der Seele haben – den wirklich wahren Glauben –, dann müssen sie zur Erkenntnis kommen, dass sie noch für eine andere Welt zu leben haben. Sie müssen zur Erkenntnis kommen, dass das Leben einen höheren Sinn hat und wohl einem jeden Menschen Aufgaben und Pflichten überbunden worden sind. Das menschliche Leben ist eben nichts anderes als eine Prüfung.
Mit dieser anderen Welt sollte man sich mehr beschäftigen; das Leben würde mehr Sinn bekommen, und man würde unfähig werden, seine Seele zu belasten. Vielleicht habe ich zu viel vorweggenommen, wenn ich sage, man würde unfähig werden. Aber die Belastung der Seele würde doch zu einem Teil gemindert werden, denn der Mensch würde mehr nach innen schauen als nach aussen; er könnte sich mehr nach der Gerechtigkeit Gottes ausrichten als nach dem Irdischen und dessen Vergänglichkeit.
Ich kann immer wieder nur betonen, dass es eine grosse Schuld ist, die die christlichen Kirchen einstmals auf sich geladen haben, ihre Gläubigen darüber nicht zu unterrichten. Es würde heute wohl anders um sie bestellt sein, wenn sie nicht vor dieser Leere stehen würden; wenn ein jeder Mensch wüsste, dass er Rechenschaft über sein eigenes Leben abgeben muss; wenn er sich darüber klar würde, dass er einerseits sein eigener Seelsorger, andererseits auch sein eigener Richter ist.
Ich möchte euch in dieser Stunde wiederum einen Erlebnisbericht geben von einem Menschen, der da lebte und die Sünde wider den Geist auf sich geladen hatte. Es ist euch allen wohl klar, dass er nach seinem irdischen Tode nicht mit besonderer Liebenswürdigkeit empfangen wurde. Dieser verstorbene Mensch hielt inne und kam zur Erkenntnis: “Mein irdisches Leben ist beendet. Von der Welt habe ich nichts mehr zu erwarten – ich bin getäuscht worden und habe mich selbst getäuscht. Mein Leben ist eine grosse Enttäuschung. Ich habe grosse Fehler gemacht. Ich will nun versuchen, auf dem schnellsten Wege wiedergutzumachen.” Dieses waren seine Überlegungen. Er war auch bereit, Sühne zu leisten.
Die Engel Gottes standen da und klagten ihn an. Sie liessen ihn Rückschau halten über das, was er falsch gemacht hatte und was seine Seele so sehr belastet hat. Man machte ihm klar, dass dies die Sünde wider den Geist sei, die im Jenseits allein nicht wiedergutgemacht werden könne. Es brauche dafür neue Erdenleben, da er diese Belastungen wieder abzutragen habe. Es sei ein Schuldenberg; diese Schulden müsse er nun stückweise abtragen. Zur Tilgung dieser Schuld brauche es ein, zwei, drei oder mehrere Erdenleben. Das wurde ihm klargemacht.
Dieser verstorbene Mensch wollte den Engelwesen keinen Glauben schenken. Vielmehr machte er ihnen Vorschläge, wie er zu einem schnelleren geistigen Aufstieg kommen könnte. Er war sich im Leben gewohnt gewesen, zu befehlen und zu dirigieren. Dies war noch in seinem ganzen Wesen. So hatte er den Engeln gleich selbst erklärt, was man mit ihm tun solle und was für ihn gut wäre. Er erklärte sich bereit, die schwerste Strafe auf sich zu nehmen. Eine solch schwere Strafe würde dazu dienen, seine Schuld zu tilgen – so dachte er. Er meinte, dass, wenn man ihm gleich die schwerste Strafe auferlegen würde, er damit wieder Ordnung schaffen und alles auf einmal erledigen könnte.
Die Engel hörten ihm zu und sagten, dass dies nicht möglich sei, denn der Aufstieg könne nur langsam und schrittweise vor sich gehen. Er aber wollte es besser wissen und bat: “Gebt mir eine Strafe, und ich werde sie durchstehen. Schickt mich danach in ein neues Erdenleben, und ich werde mich in diesem Erdenleben bewähren.” An solche Versprechungen glaubt die Engelwelt nicht. Sie musste ihm nun klarmachen, dass er nicht befehlen könne, was mit ihm geschehen soll. Er sei jetzt unter Gottes Herrschaft, und die Engel seien Diener Gottes, die Gottes Willen in Erfüllung bringen. Gott überlasse es ihnen, über die Härte der Strafe zu entscheiden. Nun würden sie alles genau betrachten und abwägen, wie schwer seine Schuld sei. Dies würden sie tun.
Einer dieser Engel Gottes sagte: “Ich glaube, es wird für ihn das Beste sein, wenn wir ihm jetzt eine harte Arbeit zuweisen, die er neben seiner Läuterung erfüllen soll. Wenn es dann Zeit wird für ein neues Erdenleben, wird es wohl das Beste sein, dass er nicht mit einem gesunden Leib geboren wird. Wenn er nicht fähig ist, gesund zu denken wie seine Mitmenschen, haben wir die Möglichkeit, seinen Geist zu demütigen, um ihm Gelegenheit zu geben, sich zum Höheren und Edlen hinzuwenden und sich mit der Gerechtigkeit Gottes zu befassen. Es wird wohl das Beste für ihn sein, wenn wir auf diese Weise seiner Seele Heil entgegenbringen.” Ein anderer Engel machte folgenden Vorschlag: “Wir hätten ja auch die Möglichkeit, ihm im Laufe seines irdischen Lebens ein Karma zu überbinden.” Man war zuerst verschiedener Meinung, doch nach eingehender Besprechung hatte man sich auf folgendes Vorgehen geeinigt: Es ist viel besser, wenn die Seele selbst von Anbeginn im neuen Erdenleben gedemütigt wird. Sie könne dann, wenn sie wieder in die göttliche Welt zurückkehre, erkennen, dass sie in dieser Zeit äusserlichen Leidens innerlich gesund geworden ist.
Diese Gespräche musste unser Bruder mit anhören. Er konnte sich damit gar nicht einverstanden erklären. Er glaubte immer noch, befehlen und Vorschläge machen zu können. Er gab zwar zu, dass er viele Fehler gemacht habe, aber er hätte auch die Erkenntnis, dass es in der göttlichen Welt Barmherzigkeit gebe und dass alles unter Gottes Herrschaft stehe. Er versuchte, diese Engelwesen mit folgenden Worten zu überreden und sie zu einer anderen Entscheidung zu drängen: “Wenn ich nun hier die harte Strafe auf mich nehme – ich werde sie tragen, ich werde alles tun, um meine Schuld wiedergutzumachen –, dann bekomme ich wohl die Barmherzigkeit Gottes dafür. Gott wird mir gnädig sein, und der Erlöser ist ja für die Menschheit gestorben. Ich habe wohl ein Anrecht darauf. Deshalb mache ich diesen Vorschlag”, sprach er weiter; “wenn ich mich so entschieden habe” – damit meinte er seine persönliche Entscheidung –, dann sollte man ihm doch dieses Entgegenkommen zeigen: Mit übersinnlichen Kräften sollte man ihn ausstatten, damit er in einem neuen Erdenleben diese übersinnlichen Kräfte zum Ausdruck bringen könnte.
Er behauptete, auf diese Weise würde der Menschheit ein Prophet geboren. Er würde dann Wunder zeigen, wie es einst Jesus Christus getan. Viele könnten wieder glauben, viele würden sich wieder Gott zuwenden und könnten für ein höheres Leben gewonnen werden. Er glaubte, der Geeignete dafür zu sein. Man sollte ihn mit der notwendigen Kraft ausrüsten, und er würde dann der Menschheit gegenüberstehen und Zeugnis geben vom Reiche Gottes. Dadurch könnte er vieles gutmachen. Durch sein Wirken könnte er Menschen zu Gott hinlenken. Man sollte doch all dies bedenken, dass es viel besser wäre, ihn mit diesen Kräften auszustatten und ihn so in ein neues Erdenleben zu senden, als wenn man ihn als kränklichen Menschen leben lassen würde und er nur eine Last für die Mitmenschen wäre. Er glaubte, dass es sinnvoller wäre, wenn man ihm auf diese Art und Weise den Auftrag geben würde.
Die Engel konnten ein leises Lächeln nicht überwinden und mussten ihm sagen, dass es so nicht möglich sei. Sie erklärten ihm, dass es in der Gotteswelt verstorbene Menschen gebe, die mit Verdiensten zurückgekommen seien. Wenn schon, würde man solche Heimgekehrte mit jenen göttlichen Gaben ausrüsten für ein neues Erdenleben. Ihn aber nicht, da er eine geistige Überheblichkeit zeige und seine Seele nicht geklärt sei. Er habe nicht die Fähigkeit, in so kurzer Zeit einsichtig zu werden, und es würde ihm so nicht gelingen, ein höheres, besseres Leben zu leben. Um zur Einsicht zu kommen, brauche es längere Zeit als nur die kurze Zeit der Läuterung. Es sei damit allein nicht möglich, zu höheren, wertvollen Erkenntnissen zu kommen. Man schreite eben nur langsam aufwärts.
Man belehrte ihn, dass die Weisheit Gottes so gross sei und dass diese Weisheit auch zum Ausdruck und zur Entfaltung komme. Man habe Beweise dafür. Für den Aufstieg zu den geistigen Höhen brauche es jedoch lange Zeit; nur langsam könne die Seele gesunden. Denn alle, die diese Menschwerdung annehmen müssen, seien krank – krank an ihrer Seele. Diese Krankheit, dieses geistige Leiden, müsse zuerst überwunden werden. Es brauche dafür die Pflege, und so müsse man auch das Seinige zur eigenen geistigen Gesundung beitragen. Man würde dem Menschen wohl helfen, aber der Mensch selbst müsse das Seinige dazu leisten.
So musste er erkennen, dass die Geister Gottes nicht willens waren, auf seine Wünsche einzugehen. Noch viel mehr erklärten sie ihm. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als diese harte Zeit der Läuterung auf sich zu nehmen. Danach wurde er ja für die Menschwerdung vorbereitet. Er musste dann zeigen, ob er wirklich etwas gelernt hatte.
Man hatte ihn dafür gezeichnet, dass er auf bestimmte Jahre hinaus an der Pflege seiner Seele mitwirken musste. Zu dieser Pflege gehörten die Demütigungen, die er zu ertragen hatte. Er musste mit ansehen und erleben, wie unfreundlich und lieblos man mit ihm sein konnte. Durch dieses Erdulden sollten sein ganzes Denken und sein ganzes Gemüt höher ausgerichtet werden. Über die Mitmenschen konnte er sich nicht mehr empören. Wohl konnte er es spüren und fühlen; da er in diesem erneuten Erdenleben jedoch kein gesundes Denken hatte, konnte er nicht alle Einzelheiten realisieren. Wohl war er für Liebenswürdigkeiten empfindsam und empfänglich; auch spürte er den Schmerz. Aber mit dem ganzen Bewusstsein konnte er – der äussere Mensch – es nicht erfassen. Die Seele aber wurde geduldig, und der inwendige Mensch erkannte: “Jetzt geht es um das Abtragen der Schuld. Jetzt muss ich wiedergutmachen.” Wenn er es bejahen würde, bestünde die Möglichkeit, dass seine grosse Schuld aus dem früheren Leben vergeben wird; wenn aber auch der inwendige Mensch gegen die Ungerechtigkeiten, die man an ihm beging, und gegen Gott hadern würde, könnte die Schuld nicht abgetragen werden.
Die Seele mag Klarheit haben, das heisst, in gewisser Beziehung kann sie klarsehen. Wenn aber die Seele mit dem Leib verbunden ist, mit dem menschlichen Gemüte, findet dies in der Seele seinen Rückschlag. Einverleibt und weit von Gott entfernt hat man nicht dieselbe Einstellung, wie wenn man vom irdischen Leib befreit ist und als Geist im Reiche des Geistes lebt. Die Seele wird beeinflusst von Äusserem. Diese Seele, von der ich erzähle, was war sie alles willens zu tun, aber wie viel Hochmut und Überheblichkeit war dabei, von Bescheidenheit keine Rede. Die Engel hatten jedoch diesen Geist längst durchschaut: War nicht Ehrsucht dabei, in einem künftigen Leben so wirken zu können, um von den Menschen Ansehen zu bekommen? Dies alles war ja zutiefst in dieser Seele verwurzelt.
Wenn einer Sünde wider den Geist auf sich geladen hat und so belastet zurückkommt, wenn er andere unterdrückt und gedemütigt hat, hat er sich eine gewisse Grösse an Schuld angehäuft. Nun muss diese Seele zuerst zur Bescheidenheit gelangen. Bescheiden kann sie werden, wenn sie durch ein hartes Leben geht. Wenn sie dann ins geistige Reich zurückkommt, wenn sie den kranken irdischen Leib ablegen darf, ist das doch wohl eine Freude, eine Erlösung, zu erleben, dass sie gesund ist. Der geistige Leib ist nicht krank und kann nicht krank werden. Krank werden kann nur das Denken des Geistes, und dieses Denken ist in der Seele.
Man hat diese Erinnerungen in sich, wie man durchs Leben gehen musste, wie hart man von den Mitmenschen geplagt und erniedrigt worden ist, um so seelisch gesund zu werden. In der Geisteswelt sagt man sich dann: “Ich bin froh, dass ich meinen Leib loshabe, ich bin froh, zurückgekehrt zu sein; ich kann anders denken, ich fühle mich glücklich und wohl.”
Wenn auch jene Welt, in die man eingegangen ist, nur ganz bescheiden ist, was denkt ihr, wie zufrieden ist eine solche Seele, wenn sie frei ist und von allen andern geschätzt wird. Sie steht ganz anders da. Sie ist glücklich und froh, die Last los zu sein – die Last in der Seele und diese Last des irdischen Leibes. Wie froh ist die Seele, wieder neu anfangen zu können, und wie glücklich schätzt sie sich, in der göttlichen Welt von Engeln Gottes unterrichtet und belehrt zu werden. Wie neugierig ist sie, wenn das Persönliche angesprochen wird: Konnte die Schuld durch ein menschliches Leben abgelegt werden, oder braucht es noch mehrere harte Eingriffe der geistigen Welt? Voller Spannung ist mancher Heimgekehrter – glaubt er doch, genügend für das Heil der Seele getan zu haben. Viele bitten und flehen: “Gebt mir in der Gotteswelt die Möglichkeit, den Rest meiner Schuld wiedergutzumachen.” Viele bitten darum: “Führt mich nicht erneut ins irdische Dasein; es ist eine harte Prüfung. Lasst mich leben in der Welt der Wahrheit, lasst mich glücklich werden in dieser Welt, verschont mich von einer neuen Menschwerdung.”
Was werden die Geister Gottes antworten? “Du bist noch nicht reif, noch nicht ganz gesund in deiner Seele. Du wirst mehr beweisen müssen, dass du dem Himmel dienen kannst.” Sie lassen ihn in der himmlischen Welt Aufgaben erfüllen und zeigen ihm auf, dass es notwendig wird, wiederum die Menschwerdung anzunehmen. Man erkennt die grosse Entfernung vom Vater zu sich selbst und möchte den Aufstieg beschleunigen. Es wird zugeredet, getröstet und erklärt: “Was sind schon die Jahre eines menschlichen Lebens. Es ist nur kurz – nachher kommt die Ewigkeit.” So wird man willens, die Aufgabe auf sich zu nehmen. Ist einer guten Willens und in seiner Seele geläutert und geklärt, wird er als Mensch seine Aufgaben erfüllen und die Ziele des hohen menschlichen Lebens erkennen. Er wird wissen, was er Gott im Leben schuldig ist.
So gibt es ein Ringen zu diesen Höhen, denn als Mensch soll man beweisen, dass man ein Geschöpf Gottes ist und dass Gott seinen heiligen Willen über allem Leben walten lässt. Man muss sich diesem heiligen Willen unterstellen und zur Erkenntnis kommen, dass noch eine andere Welt von viel grösserer Bedeutung da ist. Für diese Welt hat man zu leben. Die Menschheit soll sich nach ihr ausrichten und sich nach dem heiligen Willen Gottes erkundigen. Es ist ein weiter Weg, bis man nicht mehr imstande ist, etwas zu tun, was Gott nicht will.
Liebe Geschwister, ich gab euch heute wieder Einblick in die andere Welt hinein, in ihre Ordnung, in ihre Gesetze. Denn ihr betet ja: “Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden.” Er geschieht so lange, bis alles Leben sich erfüllt hat und die Höhen erreicht sind.
So möget ihr mit Gottes Segen von dannen gehen, und möge euer Inneres Erleuchtung finden; möget ihr im Glauben gestärkt werden, damit ihr innen und aussen gesundet. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 21.11.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 6. Mai 1970
Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von einem unschuldig verurteilten Mann, der nach seinem irdischen Tod in der Jenseitswelt die ausgleichende Gerechtigkeit Gottes erfährt. Sein Gerichtsprozess wird im Beisein aller früher Beteiligten neu aufgerollt, diesmal vor erhabenen Richterengeln Gottes.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich bin es, euer vertrauter Freund, und ich werde zu euch reden. Zuerst möchte ich euch an den morgigen Tag erinnern: Christi Himmelfahrt. Es wäre Gott gefällig, wenn sich die Christenheit der Bedeutung dieses Erinnerungsfestes bewusst würde, wenn sie jenes einstige Geschehen in seiner ganzen Wahrheit und Grösse erfassen würde. Dann würden diese Christenmenschen auch dankbarer sein. Aber bedenkt die Einstellung, welche die Christen heute zu diesem morgigen Fest haben: Sie denken nicht an den Wahrheitsgehalt, an die Grösse dessen, was jenen Menschen damals gezeigt wurde und was heute noch seine grosse Bedeutung hat. Christi Himmelfahrt – man nimmt diesen Tag entgegen als einen zusätzlichen Feiertag und denkt nicht darüber nach, weshalb man diesen Tag zu einem Feiertag gemacht hat.
Der geistig ausgerichtete, geistgläubige Mensch weiss, was dieser Tag für die Christenheit bedeutet. Der Christenmensch wird aufs Neue in seinem Glauben an die Auferstehung gefestigt. Denn in der Zeit von Ostern bis zu dieser Stunde, als Christus zum Himmel fuhr, konnten die Seinen ja immer wieder erleben, wie er da und dort erschienen ist – und darüber sollte man doch nachdenken. Christus ist zu den Seinen gekommen und hat ihnen gezeigt, dass er lebt, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Und so sollte der Christ wissen, dass auch er lebt, wenn er gestorben ist; dass er nur seinen Leib der Erde wieder zurückgeben wird. Aber im Geiste wird er auferstehen, wie Christus auferstanden ist, und er wird von den Engeln Gottes von dieser Erde gehoben. Er wird mit den Engeln Gottes von dieser Erde entfliehen, den Höhen entgegen. Aber die Angehörigen, die werden diesen Geist nicht sehen, der da entflieht von der Erde zu den Höhen. Aber sie sollen es wissen, dass er von der Erde entbunden wird, sofern es sein Wille ist, nicht mehr zu dieser Erde zurückzukehren. Das heisst, sofern er sich im Geiste nicht mehr gebunden fühlt an das vergangene Leben, sondern sich mit der neuen Welt vertraut macht und sich den neuen Gesetzen unterwirft, gehorsam wird in der neuen Heimat, um dort ein würdiger und eifriger Diener zu sein. Das sind ein paar einführende Worte, die ich euch zum morgigen Tag geben wollte.
Nun, liebe Geschwister, dass ich euch das folgende Erlebnis oder diese Geschehnisse selber erzählen muss [siehe Fussnote], wird euch gleich verständlich werden. So möchte ich aber annehmen, dass alle das Dargelegte verstehen können. Wer Fragen hat, soll sich an jene Freunde wenden, die diese geistigen Gesetze kennen und mit dieser Sprache vertraut sind.
So will ich nun von einem Menschen sprechen, der mit fünfunddreissig Jahren unschuldig ins Gefängnis kam. Er wurde des Mordes angeklagt und blieb achtzehn Jahre bis zu seinem Tode unschuldig im Gefängnis. Er starb an Lungentuberkulose; eines Morgens war er tot in seiner Zelle.
Am Anfang hatte dieser Mann rebelliert gegen die Menschen und gegen Gott, denn er war doch unschuldig. Er war angeklagt worden, doch er konnte seine Unschuld beteuern, so viel er wollte, man glaubte ihm nicht. Denn er hatte in seinem Leben schon einige Fehler, er trank zum Beispiel und nahm es mit der Ehrlichkeit nicht so genau. Aber nun hatte man ihn des Mordes beschuldigt, und dabei spielten auch verschiedene Menschen seines Dorfes eine Rolle. Sie hatten ihn angeklagt, denn sie glaubten fest daran, dass er es gewesen wäre – verschiedene Umstände waren es, die es glaubhaft machten, dass er der Mörder wäre.
Der wirkliche Mörder aber blieb unentdeckt. Die Frau des Mörders wusste von der Tat ihres Mannes und schwieg. Diese Familie hatte Kinder, doch die Kinder erfuhren nichts; sie durften nicht erfahren, dass der Vater ein Mörder war. Aber das Ganze lastete schwer auf diesen zwei Menschen. Doch sie schwiegen sich das ganze Leben lang darüber aus, obwohl sie wussten, dass einer unschuldig im Gefängnis war. Dabei gaben sie sich als gläubige Menschen aus. Solches ist kein Einzelfall, sondern ist schon öfters geschehen.
Nun möchte ich euch einen Einblick geben, wie es in der geistigen Welt zugeht, wenn einer zurückkommt, der so viele Jahre unschuldig im Gefängnis war, und wie es jenen ergeht, die wirklich schuldig sind und vor den Menschen die Unschuldigen spielten.
Dieser Unschuldige kam als Erster in die Jenseitswelt zurück, das heisst, er starb vor diesem Ehepaar. Als er in der geistigen Welt seine Augen öffnete, musste er sich zuerst umsehen, ob er wahrhaftig gestorben war. Denn in Erinnerung war ihm nur seine armselige Zelle, und er erinnerte sich noch daran, dass ihm ganz besonders übel gewesen war – er wusste um seine Krankheit. In der ersten Zeit nach seiner Verurteilung hatte er sich aufgelehnt gegen die Menschen und gegen Gott; aber mit der Zeit hatte er sich an sein Leben in der Gefangenschaft gewöhnt und fing sogar an zu beten. Er hatte seinen Hass abgelegt und versuchte, ins Gespräch mit Gott zu kommen, indem er mit ihm im Stillen redete und ihm sagte: “Du musst es wissen, wer der wahre Schuldige ist; ich war es nicht.”
Die Engel Gottes hatten schon längst von seinem bevorstehenden Heimgang gewusst, und so waren sie dann bereit und entflohen mit ihm aus dieser Zelle heraus in die jenseitige Welt hinein. Hier standen sie ihm gegenüber, begrüssten ihn freundlich und erklärten ihm, sein Leben auf Erden sei nun zu Ende. Sie begrüssten ihn in Freude, machten ihn darauf aufmerksam, sich umzusehen, wo er eigentlich sei. Und mit Staunen stellte er fest, dass er sich in einem geistigen Raume befand, der grosse, offene Fenster hatte, durch die viel Licht hineindrang.
Er lag noch auf einer Liege, und neben ihm sass einer der Engel Gottes. Er wurde aufgefordert, sich weiter umzusehen, er sollte den Raum näher betrachten. Einige wenige, aber wohlgepflegte Möbelstücke waren da – geistige Möbel selbstverständlich –, und überall standen schöne Gefässe mit Blumen. Er konnte es nicht fassen, und man sagte ihm: “Wir sind mit dir aus deiner Welt entflohen, wir kennen die Wahrheit.” Die Engel gaben ihrer Freude darüber Ausdruck, dass er sich als Mensch mit seinem Schicksal abgefunden und nicht weiter gehadert hatte. Das würde ihm nun zugutekommen. Jetzt sollte er doch diese Umgebung betrachten. Man forderte ihn auf, näher an dieses geistige Fenster zu kommen und Ausblick zu halten. Da stellte er fest, dass da, wo er sich befand, Frühling war. Er blickte in die Gärten, und überall waren blühende Bäume und Blumen. “Ist es wahr?”, fragte er sich, “ich kann mich ja gar nicht mehr daran erinnern, was ein blühender Baum und was eine Blume ist. Nun darf ich dieses erleben. Ist es Wirklichkeit?” Er tastete immer an seinem geistigen Leibe herum, ob er es auch wirklich war und ob er noch die Gefängniskleider trug. Nein, er trug sie nicht mehr. Er trug ein helles Gewand und leichte Schuhe. Und er war überrascht über sein Aussehen. Ja er machte sich Gedanken darüber, dass sein Geistkörper das ähnliche Aussehen hatte wie der irdische Körper: “Ich habe ja Hände, ich habe ja einen Leib!” Ja, aber alles war so feingliedrig. Und er fühlte sich viel jünger und wohl, während er sich früher immer müde und gedrückt gefühlt und seinen Körper als eine Last gespürt hatte. Jetzt fühlte er sich leicht.
Man machte ihn weiter aufmerksam: “Siehst du, alles ist in seinem geistigen Zustande vorhanden. Du bist Geist und lebst als Geist, und der Geist hat dieselbe Gestalt wie der Mensch. Der Mensch ist ja nur in eine grobe Materie eingehüllt, sein Geist trägt diese grobe Materie auf sich, und sie wird ihm ja manchmal lästig. Jetzt bist du frei von dieser Materie, und du bist nicht mehr müde, du bist nicht mehr krank. Diese Krankheiten gibt es für den Geist nicht. Nur Erinnerungen können den Geist bedrücken und ihm den Eindruck geben, etwas Schweres zu fühlen.”
Und der Engel fuhr fort: “Wir haben für dich eine Überraschung. Was man dir in deiner Welt an Unrecht angetan hatte, wollen wir an dir gutmachen, das liegt in der Gerechtigkeit Gottes. Und dass du in diesen Vorzug kommst, ist durch deinen Willen geschehen, weil du dich mit deinem Schicksal abgefunden hattest.” Und bei dieser Erklärung trat ein kleines Geistwesen, ein Geistkind, mit einer Blumengirlande in diesen Raum hinein. Es war in Begleitung eines schön gewandeten, zarten Engelwesens. Die Girlande schien für das Geistkind zu gross, zu lang und zu schwer zu sein, denn es zog sie noch am geistigen Boden nach. Diese Blumengirlande war mit Rosen, Tulpen, Nelken und allerlei weiteren Blumen geziert, und das Geistkind selbst trug auf seinem Kopf ein Kränzlein von Müllerblümchen. Es erschien in einem farbenfrohen, duftigen Kleidchen. Auf Geheiss des Engels nahm es die Girlande, legte sie um den Hals des Heimgekehrten und sagte: “Zur Begrüssung und zur Freude lege ich dir diese Blumen um deinen Hals.”
Und der Engel Gottes, der dieses Kind begleitete, sprach: “Du hast viel Kummer gehabt, wir haben es gesehen. Wir haben versucht, mit dir das Leid zu tragen und zu teilen. Wir wollen jetzt an dir gutmachen, was uns erlaubt ist und uns möglich ist. Und so sollst du dich über die Gerechtigkeit Gottes freuen. Du sollst dich freuen, dass du auferstanden bist im Geiste und weiterlebst in einer Welt der Gerechtigkeit. Denn in unserer Welt können wir alles sehen, was Menschen tun, gerecht oder ungerecht. Alles Handeln beobachten wir und halten es fest im Bilde, und es gibt kein Leugnen, für niemanden.” Dann aber verabschiedete sich dieses Kind mit seinem Begleiter, und er blieb zurück in dem Raum mit den andern Geistern Gottes.
Nun sagte man ihm: “Wir gönnen dir jetzt eine Zeit, um den Himmel in seiner Gerechtigkeit und seiner Schönheit zu geniessen.” Man erklärte ihm aber: “Dieses ist nicht etwa der ganze Himmel, sondern nur ein kleiner Ausschnitt. Du bist jetzt im Himmel des Frühlings, dahin haben wir dich gebracht, aber du wirst nicht immer hier bleiben. Du sollst dich jetzt hier in diesem Himmel erfreuen. Und du sollst so lange in diesem Himmel, an diesem Ort, bleiben, bis der Letzte aus deinem Dorf zurückgekehrt ist, der über dein Schicksal Bescheid wusste. Wenn der Letzte, der an deiner Verurteilung beteiligt war, in die geistige Welt hinübergekommen sein wird, wird ein geistiges Gericht gehalten.” Und gemeint war natürlich auch: Man werde so lange warten, bis auch der Schuldige eingetroffen sei. Dann werde man dieses Gericht halten.
In der Zwischenzeit musste er, wie alle andern, die in die Jenseitswelt zurückkehren, auch belehrt werden. Er hatte ja kein Wissen über die Schöpfung Gottes, über seinen Heils- und Erlösungsplan, und so gab es auch für ihn noch viel zu lernen. Solche Lehrstätten gibt es in allen Aufstiegsstufen des Himmels, auch im Himmel des Frühlings und bis zu jenen Höhen, wo es notwendig ist, die Aufsteigenden zu belehren. Nun konnte er einmal diese Atmosphäre des Friedens und der Gerechtigkeit geniessen. Grosses Wohlwollen brachte man ihm entgegen – war ihm ja Liebe fremd, kannte er ja nur Anschuldigung und Gehässigkeit.
Es brauchte für ihn viel, sich an diese neue Umgebung, an diese Atmosphäre zu gewöhnen, denn er selbst war ja auch nicht an diese feinsten Gefühle gewöhnt. Er musste also auch in dieser Beziehung belehrt werden. Da er aber so viel Angenehmes, so viel Freundlichkeit erleben durfte, vergass er schnell, was er in trüben Stunden erlebt hatte. Und er sagte sich: “Eigentlich habe ich gar keinen Hass gegen den wahren Mörder. Denn dadurch, dass ich so lange unschuldig im Gefängnis war und so viel Erniedrigungen und Ungerechtigkeiten auf mich nehmen musste, habe ich den Himmel verdient. Die irdische Welt, in der ich lebte, war für mich etwas Verlorenes; die Welt hatte ich verloren, aber ich habe den Himmel gewonnen.” Und so konnte er auch keinen Hass haben gegen jenen wirklichen Mörder. Denn schon zu Lebzeiten hatte er den Hass abgelegt, er hatte sich ja mit dem Schicksal abgefunden. Viel dazu beigetragen hatte natürlich auch sein körperliches Leiden. Er hatte nicht mehr die Kraft, solche nachtragenden Gedanken zu pflegen. Er war ja körperlich geschwächt, und diese Schwachheit hat ihm die Kraft genommen, Gedanken des Hasses aufzubauen und zu entfalten; er musste mit sich selbst und mit seinem Leiden fertigwerden.
Also war er ganz glücklich in seiner neuen Welt. Denn er hatte nun eine schöne Welt gewonnen. Er war froh, fühlte sich leicht und glücklich. Es plagten ihn keine Schmerzen mehr, und so war er auch darüber schon sehr glücklich. Daher verstand er es schneller, als man ihn über die Auferstehung des Geistes unterrichtete, denn er durfte jetzt diese Auferstehung wirklich selber erleben.
Nun möchten wir aber auch von den andern reden. Denn es wurde ihm ja gesagt, dass ein Gericht stattfinden werde, wenn der Letzte zurückgekommen sei, der an seinem Schicksal irgendwie beteiligt gewesen war. Als dann der Letzte und auch der Mörder in die Jenseitswelt hinübergekommen waren, da führte man sie alle in einen Zwischenhimmel; man könnte auch sagen: in eine Zwischenebene oder in eine Zwischensphäre. Es handelt sich dabei um einen verbindenden Ort zwischen den Höhen und den Tiefen, wo die Wesen aus verschiedenen Stufen hingeführt werden können. Diejenigen aus einer höheren Ebene müssen hinuntersteigen, das ist leicht; aber auch jenen, die geistig tiefer stehen, wird es ermöglicht, in diese Zwischenebene hineinzukommen, um sich dort mit den andern zu treffen.
Ihr sollt nun nicht etwa meinen, der wirkliche Mörder wäre als Letzter zurückgekommen. Nein, man hat ihn schon vorher empfangen und ihn auch an einen entsprechenden Ort hingeführt. Man erklärte ihm auch, es werde das Gericht kommen, wenn der Letzte vom Dorfe hinübergekommen sei, der am Schicksal dieses unschuldig Verurteilten beteiligt gewesen war.
So führte man sie dann alle zusammen. Diejenigen von den höheren Ebenen stiegen hinunter, und denen von den Tiefen wurde es ermöglicht, in diese Zwischenebene zu treten. Hier fand nun das Gericht statt, hier sahen sie den Unschuldigen eintreten in diesen Himmel. Er kam als Letzter hinein, und hier wurde er wiederum mit einer Blumengirlande bekränzt. Ausser dem wahren Mörder und seiner Ehefrau wusste noch keiner von denen, die da zu diesem Gericht gerufen wurden, wer der wahre Schuldige war. Man hatte sie in Unkenntnis gelassen bis zu diesem Gericht, das nun im geistigen Reich stattfinden sollte.
Als nun der Unschuldige als Letzter eintrat, in einem hellen Gewand und blumenbekränzt, da gab es ein Staunen. Denn die meisten, die da waren, hielten ihn doch für einen Mörder. Er kam in Begleitung von Engeln Gottes, die ihn am Arm führten, und er war mit grösster Freundlichkeit und Liebe umgeben. Da wurde es ihnen sofort klar: “Hier ist etwas nicht in Ordnung; ein Mörder kann doch niemals in einer solchen Begleitung erscheinen.” Er bekam auch einen besonderen Platz in der kleinen Schar der Engel Gottes, die nun Gericht halten sollten.
Nun ergriff ein sehr gestrenger Engel Gottes das Wort und sagte: “Jetzt halten wir Gericht in Gerechtigkeit, und wir klagen an des Mordes” – und rief den Betreffenden, der den Mord begangen, beim Namen auf. So musste er vortreten. Und alle staunten. Hervortreten musste auch seine frühere Lebensgefährtin. Hervortreten musste auch das einstige Opfer, denn das war auch dabei.
Nun waren alle andern unsicher geworden, und eine grosse Unruhe überkam sie. Unruhig wurden jene, die angeklagt und falsches Zeugnis gegeben, und jene, die gerichtet hatten. Der Geist Gottes aber sagte: “Jetzt sollt ihr den wahren Tathergang sehen, was sich damals wahrhaftig zugetragen hat”, und sie erlebten es alle wie in einem Film. Denn was hier auf Erden geschieht, gleich wo und in welcher Zeit, ist im Geiste festgehalten wie in einem Film. Und so wurde die Zeit für die Anwesenden zurückgedreht, und sie konnten das ganze Geschehnis in seiner Wirklichkeit erleben. Dann sprach der Geist Gottes: “Ihr habt also einen Unschuldigen verurteilt, und der Mörder lebte unter euch.”
Und jetzt fragte der Geist Gottes, der als Richterengel waltete: “Was soll mit ihm geschehen, wie sollen wir ihn strafen? Welche Strafe soll er haben für den Mord und welche Strafe für seine Feigheit, dafür, dass er sich nicht gestellt hatte? Welche Strafe verdient seine Frau, die davon wusste und geschwiegen hat, die mit beteiligt war an dieser grossen Schuld? Wie sollen wir richten?”
Nun, der wahre Mörder war zutiefst bedrückt, er konnte nicht sprechen, auch seine einstige Frau nicht. Niemand wollte reden. Denn jetzt war Gericht Gottes. Und da waren jene Männer, die diesen Unschuldigen einst verurteilt hatten; da waren die Leute, die einst drauflosredeten, dass nur er es gewesen sein könnte und niemand anders. Und der Geist Gottes fragte: “Und welche Strafe verdient ihr?” Sie konnten nicht reden; denn sie alle waren beteiligt.
Doch da sagte einer von ihnen: “Wir sind durch Christi Blut von der Sünde reingewaschen. Er hat uns von dieser und von jeder Sünde befreit. Wir bauen auf diese Erlösung Christi, er hat sie uns gebracht, und wir haben ein Anrecht darauf. Wenn wir falsch gehandelt im Leben, so hat uns doch Christus von allen Sünden befreit und erlöst” – so sprach einer, der im Leben besonders fromm war. Da aber musste ihm der Engel Gottes entgegnen: “Das stimmt nicht. Niemand ist erlöst von den Sünden, die er als Mensch in seinem täglichen Leben begeht; dafür ist er selbst verantwortlich. Erlöst und befreit ist er von der grossen Sünde, die man die Todsünde nennt, von der Schuld des Abfalls von Gott.” Sie wussten mit diesen Worten nichts anzufangen. Sie beharrten darauf, dass sie von Christus von aller Schuld erlöst worden wären und dass sie doch das ganze Leben hindurch auf Christus und seine Erlösung gebaut und gehofft hätten.
Dieses Gericht, das jetzt gehalten wurde, ging – nach menschlichem Zeitbegriff – nicht etwa nur ein paar Stunden oder ein paar Tage; dieses Gericht ging einige Wochen. Denn sie sollten jetzt erleben, wer sie erlöst hat und wovon sie erlöst wurden. Sie sollten ihren eigenen Abfall, ihre eigene Trennung von Gott erleben. Ausschnitte davon wurden ihnen gezeigt. Denn auch das, was in den Himmeln geschieht und geschehen ist, ist festgehalten im Atem Gottes oder im Strome Gottes, in der Atmosphäre Gottes oder im Hauch Gottes – wie ihr es nennen wollt. Alles Geschehen kann festgehalten werden, wie ihr Menschen etwas im Film festhaltet. Nun wurde ihnen ein Ausschnitt von diesem Abfall gezeigt und vor Augen geführt, dass sie selber daran beteiligt waren. Es wurde ihnen auch gezeigt – nur einige Ausschnitte davon –, wie sie von den Tiefen aufstiegen zu den Höhen. Und es wurde ihnen gezeigt, wie die Menschen, für sie unsichtbar, von einer niederen Geisterwelt verfolgt und beeinflusst werden. Sie sollten es auch erleben dürfen, wie Christus nach seinem Sieg in jenen Tiefen mit Luzifer verhandelt hatte und ihm das Recht zugestand, über die Menschen auf der Erde zu schalten und zu walten, sofern sie ihm willig wären – dass Christus aber alle nach dem irdischen Tode in seine Obhut nehmen würde und sie dann ihm und seiner heiligen Geisterwelt für ihr Wirken als Mensch verantwortlich seien.
So wurden ihnen Beweise gegeben, als sie auf jener Lehre beharrten, die ihnen auf Erden vermittelt wurde, wonach sie von allen Sünden erlöst worden wären. Sie sollten sehen und erleben, von welcher Sünde sie erlöst wurden, und erkennen, dass die Erlösung darin besteht, dass Christus ihnen den Weg zum Vater frei gemacht hat – und dass ein jeder nun selber zu beweisen habe, wie stark er im Geiste sei; dass es jedem ermöglicht werde, wieder von vorne zu beginnen und zurückzukehren zum Vater.
Lange dauerte dieses Gericht, dies könnt ihr euch vorstellen. Nun gab es keinen Widerspruch mehr. Und nun sagte der Engel Gottes: “Jetzt frage ich jenen, der unschuldig verurteilt wurde: Welche Strafe gebührt ihnen?” Und dieser antwortete: “Ich habe keinen Hass, ich überlasse den Entscheid den Geistern Gottes. Nicht ich entscheide; ich habe mir den Himmel verdient durch mein schweres Leben, durch die Ungerechtigkeit, die man mir angetan.”
Nun aber wurden die andern untereinander uneinig. Sie klagten diejenigen an, die einst gerichtet hatten – von ihnen, so sagten sie, hätte man verlangen dürfen, näher zu prüfen. So kamen sie untereinander in Streit. Und diejenigen, die gerichtet hatten, bekamen nun eine grosse Wut auf den Mörder, dass er sich nicht gestellt hatte. Nun fragte man sie: “Welche Strafe verdient dieser Mörder?” Sie konnten keine Antwort geben, aber der eine und andere sagte: “Ich kann es ihm nicht verzeihen, dass er so feige und so gemein war, einen andern leiden zu lassen. Das kann ich nicht verzeihen, denn dadurch habe ich mich belastet. Er hätte sich doch stellen und seine Untat zugeben müssen. Doch weil er die Wahrheit verschwieg, bin ich jetzt belastet und werde bestraft.”
Der Geist Gottes sagte nun zu ihnen, ausgenommen dem Mörder: “Ja ihr könnt euch untereinander vergeben, so wie Gott euch Schulden vergibt, wenn ihr darum bittet. Ihr sollt einander vergeben. Denn Christus hat die Menschheit erlöst, er ging dafür einen schweren Weg. Er hatte keine Schuld und nahm grosse Schuld auf sich und trug grosses Leid. In Christi Namen sollt ihr nun einander vergeben”, so sprach der richtende Engel Gottes. Und dann wurden sie entlassen, und ihnen wurde erklärt, der wahre Mörder werde seiner gerechten Strafe zugeführt.
So wurden sie alle wieder an ihre Orte und an ihre Arbeitsstätten in ihrer Bedrängnis zurückgeführt, dahin, wo sie hingehörten zu ihrer weiteren Belehrung, zur weiteren Gutmachung. Sie wurden also voneinander getrennt.
Jetzt verhängte der Geist Gottes die Strafe über den wirklichen Schuldigen und über seine Frau. Dieser Richterengel hatte nun gesehen, dass einige von diesen, die da zusammengerufen worden waren, nicht bereit waren, ihm zu verzeihen. Er sah es, dass sie diesen Mörder in Zukunft verfolgen würden, verfolgen in ein neues Erdenleben hinein. Und so sagte er zu ihm: “Du wirst in der Geisteswelt büssen, und du wirst wiedergeboren werden als Mensch. Sie werden dir dann in deinem Erdenleben nachstellen, und das wird deine Strafe sein.”
Und so muss ich jetzt in dieser Erzählung einen grossen Schritt in die Zukunft machen und von der Wiederverkörperung sprechen. Dieser einstige Mörder wurde wiedereinverleibt, und er sollte in seinem menschlichen Leben versuchen, eine Stufe hinaufzukommen. Er wurde vom Schicksal gezeichnet für seine Untat. Und dann, als er herangewachsen war, kamen jene aus der geistigen Welt, die ihm nicht verziehen hatten, dass sie selbst in Bedrängnis kamen, weil er nicht die Wahrheit gesprochen hatte; und sie hatten zu gleichgültig geurteilt. Jetzt verfolgten sie diesen Menschgewordenen und bedrängten ihn. Sie wollten, dass er jetzt leiden müsste für das, was er unrecht getan, nicht nur an ihnen, sondern auch dem Opfer gegenüber. Auch das Opfer konnte nicht vergeben und war mit dabei, ihn zu verfolgen in einem neuen Erdenleben.
Und so geschah es: Als er gegen zwanzig Jahre alt geworden war, kamen sie und bedrängten ihn, nahmen Besitz von seinem Leib und tobten aus ihm. Und er, der in seinem vorhergehenden Leben ein Mörder gewesen war, kam in eine Heilanstalt. Jetzt wurde sein Geist erniedrigt und gedemütigt. Sein Leib wurde zu einem Haus für diese Unversöhnlichen, hier tobten sie. Und sein Leib wurde ihm zum Gefängnis; er war nicht mehr mächtig seiner selbst, er wurde von den andern bedrängt. Die Geister Gottes hatten ihm gar kein besonderes Schicksal auferlegt; denn sie hatten gesehen, dass das Schicksal sich erfüllen würde durch die Bedrängung durch jene Unversöhnlichen.
Wohl waren diese unversöhnlichen Geister in ihrer Ebene in der Geisteswelt auch über Liebe und Gerechtigkeit unterrichtet worden und darüber, dass man dem Schuldner vergeben müsse. Aber sie konnten es nicht. Wäre man bereits als Mensch in der Lage, einander zu vergeben, dann würden auch keine Menschen von Geistern bedrängt werden, und es müsste auch keine solchen Heilanstalten geben. Doch diese unversöhnlichen Geister wollten nun das Geschehen auf ihre Weise wiedergutmachen. Sie wollten diesen Menschen bedrängen, er sollte die Schuld tragen. So nahmen sie Besitz von ihm und glaubten, auf diese Art und Weise Gerechtigkeit zu schaffen. Und die Geister Gottes liessen es zu.
So geschieht es, liebe Geschwister. Hätten nun alle, die damals zum Gericht zusammengerufen wurden, sich bereit erklärt, dem Schuldigen zu vergeben, so hätte er in seinem neuen menschlichen Leben auf eine andere Weise ein Schicksal tragen müssen. Die Gotteswelt aber hatte es ja in ihrer Weisheit und Voraussicht schon gesehen, was seiner in Zukunft wartete – und dies war der Strafe genug für ihn.
Die Geister Gottes haben mit solchen unversöhnlichen Geistern, die von einem Menschen Besitz nehmen, sehr viel Arbeit. Sie haben sie aufzuklären und sie aufzufordern: “Lasst ab vom Menschen, tretet ein in die Ordnung Gottes, und werdet würdige, ehrliche Geister und Werkzeuge im Heilsplane Gottes. Werdet den Menschen nicht zur Last; werdet ihre Befreier, steht ihnen zu Diensten, um ihnen zu helfen. Sucht sie nicht auf, um an ihnen Rache zu nehmen.”
Doch diese unversöhnlichen Geister, von denen ich jetzt gesprochen habe, waren [nach einer gewissen Zeit der Läuterung] frei geworden; sie hatten ihren freien Willen und konnten den Zugang finden zu jenem Menschen. Sie haben ihn gefunden durch das odische Band, das durch die Geschehnisse von einst geknüpft worden war und noch bestand. Denn der Hass, der Unwille und der Unfriede dieser Wesen band sie noch zur Seele, zum Geiste jenes einst schuldig Gewordenen. Dass sie sich durch ihr Wirken auch selber belasteten und sich mit dieser Tat ein Hindernis für ihren Aufstieg schufen, wollten sie nicht begreifen und verstehen.
Diese Erklärung, liebe Geschwister, habe ich euch gegeben, damit ihr erkennen und erfassen könnt, warum da und dort Menschen verfolgt werden. Es kann sein, dass ein Mensch nicht einmal direkt von dem verfolgt wird, dem er einst ein Unrecht angetan hatte. Es können auch jene an seiner Bedrängung beteiligt sein, die durch die einstige Untat in ihrem geistigen Aufstieg gehindert wurden, die sich damals auf irgendeine Art und Weise mit belastet haben und einfach nicht verzeihen können, sodass sie einen solchen Menschen gemeinsam mit dem einstigen Opfer verfolgen. So war es in diesem Falle. Das einstige Opfer war auch nicht bereit zu vergeben. Dies muss aber nicht in jedem Falle so sein. Es kann also auch einer, der am Schicksal eines Menschen beteiligt gewesen war, gegen den Hauptverantwortlichen so unversöhnlich sein, dass er ihn über ein weiteres Leben hinaus verfolgt und ihm so zum Schaden wird.
Nun, liebe Geschwister, ich habe am Anfang mit einigen Worten auf den morgigen Tag hingewiesen. Wenn die Christen den wahren Gehalt der Erlösung durch Jesus Christus erkennen würden und wenn sie sich des Sinns und Zwecks ihres eigenen Lebens bewusst wären, würden sie manches nicht tun, oder sie würden sich andernfalls zu dem bekennen, was sie getan haben, um bereits auf Erden einen Teil ihrer Schuld abzutragen. Auf diese Art und Weise könnte doch einem andern viel abgenommen werden von seinen grossen Sorgen, von seinen Problemen.
So, liebe Geschwister, gab ich euch wieder einen Einblick in die Gesetze Gottes und in das Wirken der Engel; denn schon mancher hat sich über solche Schicksale Gedanken gemacht. Ihr könnt jetzt aus all dem erkennen, dass es immer bedeutungsvoll ist, dass man nicht im Hass lebt – so wie jener zu Unrecht Beschuldigte, der das Unrecht tragen musste. Er hatte sein Schicksal bejaht und nicht gehadert, nicht im Hass gelebt. Dass er das fertigbrachte, hat ihm den Himmel eingebracht. Er durfte im Frieden seinem weiteren Aufstieg entgegengehen.
Nun, liebe Geschwister, die Zeit ist vorgerückt, und ich ziehe mich in meine Welt zurück. Ich überlasse euch allen den Segen Gottes. Möget ihr am morgigen Tag eure Gedanken erheben und in eurer Seele erfüllt sein von Dankbarkeit über die wunderbare Erlösung durch Jesus Christus. Möget ihr auch dankbar sein für die Erkenntnis, die ihr erreicht habt, dass ihr das Wissen habt über den Sinn und Zweck eures Lebens und wie ihr euch um den weiteren geistigen Aufstieg bemühen könnt – und dass auch morgen ein Tag der Freude ist, zu wissen, dass es himmelwärts geht. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 6.5.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Erlebnisbericht von Stephan, 2. Dezember 1959, und Fragebeantwortungen von Josef
Der aufsteigende Geist Stephan berichtet in diesem Vortrag von seinen vergangenen zwei Erdenleben. Er beleuchtet dabei die grosse Bedeutung der Wiedergeburt. In einem neuen Erdendasein hatte er die Chance erhalten, seine schwere Belastung abzutragen und zu einer besseren, höheren Gesinnung zu gelangen.
Kontrollgeist: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es spricht wiederum ein Geist das erste Mal durch den Mund eines Menschen. Wir bitten euch, gut zuzuhören, was er euch zu sagen hat. Wir suchen nämlich jeweils solche Wesenheiten aus, die ein besonderes Schicksal erlebt und sich auch vorher belastet haben. So bekommt ihr immer wieder Einblick in die göttlichen Gesetzmässigkeiten, und vieles, was euch hier auf Erden begegnet, könnt ihr durch diese Erkenntnisse deuten. So möge Gottes Segen über euch allen walten. Gott zum Gruss.
Stephan: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich möchte euch vielleicht am besten gerade erzählen, woher ich komme und womit ich beschäftigt war. Schon längst hatte man mir die Anweisung gegeben, zu euch zu kommen. Es wurden auch mir die Bilder aus der Vergangenheit deutlich wieder vor Augen geführt, und ganz besonders das Wesentliche. So habe ich alles neu in mich aufgenommen, denn ich soll es ja euch erzählen. Bevor ich zu euch kam, war ich mit lieben Geschwistern an einer schönen Arbeit beteiligt. Freilich habe ich mich schon etwa zwei, drei Stunden – nach eurer Zeitrechnung – hier in diesem Raume aufgehalten. Was ich vorher getan habe? Wir haben unsere Häuser und unsere Gärten geschmückt, genau zum selben Feste wie ihr. Wir haben auch Lichter, die wir anzünden, und wir haben Blumen, viel schönere als auf Erden, mit denen wir Kränze machen. So schmücken wir unsere Gärten, unsere Wege, zu beiden Seiten, und unsere Häuser innen und aussen. Nach einer gewissen Zeit, wenn das Fest beendet ist, beseitigen wir diesen Schmuck wieder. Aber alle sollen an diesen Erinnerungstagen an die Geburt des Erlösers erinnert werden. Wir laden einander ein und sind stolz darauf, unser Haus so festlich geschmückt zu haben. Natürlich wenden wir auch künstlerischen Sinn an, denn es werden nicht einfach nur so Blumen zusammengebunden, sondern kunstvoll wird es getan; wir legen sie zu ganzen Figuren zusammen. Da eifern wir sozusagen, wer das schönste Haus besitzt – nicht etwa für uns, sondern wir tun dies zur Ehre dessen, den wir ja feiern.
So ziehen wir dann als Gäste da- und dorthin, singen Lieder und beten miteinander. Aber wir dürfen nicht nur dieses tun, wir haben noch eine andere Aufgabe. Wir müssen von diesen Lichtern nehmen und etwas davon unseren leidenden Geschwistern – den sogenannten Unseligen – in anderen Sphären bringen. Wir gehen zu ihnen hin, ja, wir machen sogenannte Prozessionen. Die einen ziehen stumm durch diese Sphären, andere tun es singend, wieder andere vielleicht betend; wir werden genau angewiesen, was wir zu tun haben. So ziehen wir wie auf einer Stufenleiter von oben hinunter. Es ist aber nicht etwa so, dass wir alles besuchen dürften, was es überhaupt im Jenseits an unseligen Geschwistern gibt – nein, es sind nur gewisse Stufen. So gehen wir zu ihnen hin und tun das. Der Höhepunkt des Festes ist für uns noch nicht gekommen. Wenn dieser Höhepunkt da ist, dann stehen wir alle vor unseren Häusern und warten auf höhere Gäste. Sie kommen dann sehr zahlreich aus den schönen Himmeln heraus zu uns, und sie feiern mit uns. Sie geben uns viele Erzählungen; sie erzählen von all dem, was sie in ihrer Welt erleben, von ihren Begegnungen, und das ist für uns sehr oft eine grosse Neuigkeit. Also das wollte ich nur zur Einleitung sagen, damit ihr auch wisst, woher ich gerade komme und was ich getan habe. Wenn ich euch verlasse, dann werde ich wieder zu meiner Arbeit zurückkehren und das, was ich in der letzten Zeit getan habe, vollenden.
Ich soll erzählen von meinem letzten Leben. Ja, da muss ich noch weiter zurückgreifen und von meinem vorletzten Erdenleben berichten, von jenem, in dem ich mich in meinem ganzen Aufstieg oder in meiner Entwicklung am meisten belastet hatte. Ich wurde da in eine begüterte Familie hineingeboren – begütert, ja ich möchte sagen: reich –, und dementsprechend war auch mein Leben. Die Menschen um uns, die nicht gleichen Standes waren, waren uns untertan, und wir versuchten, so viel wie möglich Nutzen aus ihnen zu ziehen. Das ging nicht immer so leicht; man leistete uns oftmals Widerstand, und dieser Widerstand konnte nur mit Gewalt gebrochen werden. Für uns war das selbstverständlich, wir hatten Gewalt angewandt, mit der Peitsche, mit den Schuhen, gleich wie es kam. So hatten wir uns Respekt verschafft, und wir glaubten dabei, dass dies unser gutes Recht wäre. So habe ich manchem die Peitsche mitten ins Gesicht geschlagen, weil er meinen Anforderungen nicht rasch nachgekommen war und weil ich da und dort einen Widerstand spürte. Nur mit Gewalt konnte man sich diesen Respekt verschaffen und das behalten, was man hatte – nur mit Gewalt.
Ja, beten ... Wir wandten uns ja auch an Gott, aber wir hielten uns eben für eine bessere Art von Menschen, und wir bildeten uns ein, dass Gott uns sogar näher wäre und es uns gestattet sei, so zu tun. Aber dem war nicht so. Ich hatte also mein ganzes damaliges Leben hindurch keine materiellen Sorgen. Aber das Gut, das man besass, musste man auch ständig verteidigen; es war vielleicht nicht dieser Kampf, wie ihn heute die Menschheit hat in ihrem Ringen um das tägliche Brot – es standen uns ja soundso viele Menschen zur Seite, die froh waren, nur ein Stücklein Brot oder eine Suppe zu haben.
Ich musste von dieser Welt abtreten, und dann, dann kam die schwere Zeit. Ich hatte ja während meines ganzen Lebens nie darüber nachgedacht, dass Gott mit meinem Leben nicht zufrieden sein könnte. Nun stand man mir gegenüber: Diese höheren Wesenheiten klagten mich an und führten mich zu all jenen hin, die dazumal schon im Jenseits waren, die von mir nicht sanft behandelt, ja eher eben misshandelt worden waren. Sie standen alle vor mir und blickten mich vorwurfsvoll an. Einer der Erhabenen, die da standen, sagte nur: “Du wirst angeklagt.” So hiess es immer wieder: “Ich klage dich an wegen Misshandlung, wegen deiner Gewalttaten.” Und jedes Mal, wenn man mir ein solches Wesen, mit dem ich zusammengelebt hatte, vor Augen führte, erlebte ich das, was ich ihm als Mensch angetan hatte; ich erlebte es selbst, wie ich ihn schlug mit der Peitsche. Aber es war nicht etwa so, dass der andere nun Schmerzen verspürte, sondern mit dem Schlag verspürte ich die Schmerzen an meinem eigenen Leib. Und wie ich das erkannte, schloss ich meine Augen; ich wollte nichts sehen, denn ich wollte die Schmerzen nicht verspüren, ich wollte ausweichen. Denn nun war es mir ganz klar: “Jetzt stehst du den Richtern gegenüber, und jetzt wird gemessen.” Nun, die Augen zu schliessen, half mir nichts. Wie ein Blitz fuhr es jeweils vor meinen Augen hin, und sie gingen auf, und ich spürte den Schmerz. Die andern, die vor mir standen – ja, die einen blickten mitleidsvoll zu mir herauf, falteten sogar die Hände und baten, man möge mir vergeben; sie knieten sogar nieder vor diesen höheren Wesen und baten für mich, man möge mir gnädig sein und mir diese Schmerzen erlassen. Aber es war, wie wenn diese Erhabenen nichts hörten. Ich musste alles erleben; jeder bis zum Letzten, bis zum Kinde, wurde mir vorgeführt, und überall verspürte ich den Schmerz.
Es dauerte lange. Man soll etwa nicht glauben, dass dies nur Tage gedauert hätte, sondern nach eurer Zeitrechnung vergingen Jahre. Es kamen immer wieder weitere Wesen ins Geisterreich zurück, und sie wurden mir auch vorgeführt – alle, alle, mit denen ich im Erdenleben in Verbindung gekommen war. Immer wieder hiess es: “Du wirst angeklagt, du bist angeklagt.” Ich wusste es, ich kannte die Worte. Wenn man mir jeweils wieder etwas Ruhe gelassen hatte, holte man mich gleich wieder; meine Freude, dass mir Ruhe gegönnt war, währte jeweils nur kurze Zeit. So ging es sehr, sehr lange; ein Menschenleben lang musste ich dieses ertragen.
Aber eines muss ich doch zum Ausdruck bringen: In dieser schweren Zeit des Schmerzes kamen jeweils während der Zeit, wo mir eine kurze Rast gegönnt war, andere Geschwister zu mir. Es waren solche, die im gleichen Tale waren und die gleich belastet waren wie ich, die aber auf irgendeine andere Weise bestraft und geläutert wurden. Jene, die schon so lange dort waren, vermochten immer wieder den Mut aufzubringen und den Allerärmsten Trost zu geben und ihnen zu sagen, dass die unglückselige Zeit ganz bestimmt nicht ewig dauern, sondern ein Ende nehmen werde; sie wüssten es ganz genau, man hätte es ihnen auch gesagt. Man müsse eben jetzt aushalten, und das, was man im Leben verübt habe, müsse man jetzt hier gutmachen. Es würde alles Zweifeln keinen Sinn haben, vielmehr solle man versuchen, seine Augen nach oben zu richten und Gott um Vergebung zu bitten. So durfte ich auch dieses erleben. Wesenheiten, die selbst in ihrer Läuterung standen und eine schmerzvolle Zeit zu erleben hatten, brachten immer wieder diese Energie und den Mut auf, andere zu trösten. Und es musste so sein, dass sie gerade dadurch, indem sie die andern trösteten, sich selbst den besten Trost gaben und so Milderung fanden in ihrem Leid und ihrer Bedrängnis.
Als dann diese lange Zeit beendet war, da kamen sie ja wieder, diese Gewaltigen, und standen vor einem und sagten: “Nun ist ein Abschnitt beendet, du kannst herauskommen aus dieser Sphäre und dich vorbereiten auf ein neues Erdenleben.” So hatte ich ja beobachtet, dass jeweils auch andere weggeführt wurden. Aber es geschieht nicht etwa so, dass man einfach zu einem kommt und sagt: “Komm!”, sondern lange, lange zuvor wird man aufmerksam gemacht, dass bald die Leidenszeit beendet sei und dann ein neuer Abschnitt beginnen werde. Aufgrund dieser Worte fasst man dann eben Zuversicht und Mut und gibt dies dann jenen weiter, die neu angekommen sind. Man sagt ihnen dasselbe, dass die Zeit der Bedrängnis keine Ewigkeit sei, dass – also jetzt so wie in meinem Falle – ich schon die Botschaft bekommen hätte, befreit zu werden, und dass es auch ihm und ihr so gehen werde. Aber wie lange die Zeit der Bedrängnis eben dauert, das ist von einem zum andern verschieden. Bei mir dauerte es genau ein Menschenleben lang; genau so viele Jahre, wie ich gelebt hatte, genau so lange war ich dort in dieser Sphäre der Not, der Bedrängnis und des Leidens.
Als es dann so weit war und ich befreit wurde, da war es aber nicht etwa so, dass für mich ein Tor aufging und ich in eine angenehme Umgebung voll Glanz und Herrlichkeit geführt worden wäre – nein, das hat man wohl kaum verdient, und es ist auch nicht der Fall, dass dies so plötzlich geschieht; sondern ganz langsam erlebt man dann diese geistige Tageshelle. Vielleicht haben es andere anders zu erzählen, aber mir persönlich ist es so ergangen, dass ich dann von diesen Geistwesen begleitet wurde; ich habe mit verschiedenen Engelwesen eine lange Wanderung gemacht. Es ging über Hügel, ja über Berge, wir mussten über Flüsse ziehen, wo uns jeweils ein Schiff zur Verfügung stand. Ich hatte das Gefühl, dass wir unendlich weit gegangen wären. Aber wir waren nicht etwa stumm auf dieser Wanderung, sondern es gab viel zu erzählen. Es handelte sich dabei um einen sogenannten Unterricht auf dem Wege dieser Wanderung. So wurde es für mich langsam immer klarer. Die Welt, der ich entrinnen konnte, war düster und unschön, und nun ging es langsam, langsam immer mehr der Tageshelle zu; es wurde sehr angenehm.
Als wir einmal so von einem Berg hinuntergestiegen und in einem Tal angelangt waren, da sagte man mir: “Schau mal hin auf jene Seite, dort ist ein grosses Haus; da trittst du ein. Dann wirst du in einen Schlaf versetzt, und in der Zeit dieses Schlafes findet dann die Umwandlung statt.” Zuvor, auf dem Wege zu diesem Hause, wurde mir ja vieles erzählt und erklärt. Eben in diesem Unterricht sagte man mir, dass ich nun einen grossen Teil der Schuld im Geisterreiche abgetragen hätte, aber dass es eben noch nicht genüge, dass der letzte Heller noch nicht bezahlt sei. Dies könnte jetzt nur in einem neuen Erdenleben beglichen werden, das eine grosse Prüfung für mich sein sollte; denn so einfach könnte es nicht geschehen, dass ich nun im Erdenreiche zu leben hätte und alles so nach Wunsch gehen könnte. So erklärte man mir das, und dann ging man mit mir in dieses grosse Haus hinein. Es war nicht etwa ich allein, der da hineinging – ich fand die Tore so gewaltig gross –, sondern es waren unendlich viele, die durch dieses Tor eintraten. Ich sah viele Säle, und man führte mich an einigen vorbei. Dann suchte man sozusagen einen Platz für mich. Viele Engelwesen waren da beschäftigt, und so lud man mich ein, Platz zu nehmen und zu schlafen.
Nun aber, ich hatte mich doch etwas geängstigt, denn ich wurde unterrichtet, dieser Schlaf sei nun der Abschied, also eigentlich genauso wie bei euch Menschen das Sterben. Ich müsse jetzt versuchen, ruhig zu schlafen. Ich wehrte mich, ich wollte nicht schlafen, ich wollte bleiben. Es ängstigte mich, denn ich wusste ja nicht genau, in welche Form ich kommen werde und überhaupt wohin, und die ganzen Umstände; ich glaubte, dass es mit Schmerzen verbunden sei, und ich wollte nicht wieder ins Ungewisse. Ich versuchte mich so gut wie nur möglich an diese Welt zu klammern; ich versuchte meine Augen offen zu halten, aber es gelang dann doch nicht. Wie ein süsslicher Geruch zog es über mein Angesicht und hüllte mich in den Schlaf ein. So war ich eingeschlafen. In der Zeit des Schlafes kam es zur Umwandlung des geistigen Leibes in jene Grösse, die er als neugeborener Mensch hat. Es dauerte auch eine Zeit, bis alle Vorbereitungen genauestens getroffen waren und bis diese Engelwesen alles in die richtigen Bahnen und Linien geleitet haben, dass man sozusagen unter dem Stern eben geboren wird, der einen das ganze Menschenleben hindurch zeichnet.
So war es geschehen, und nun kann ich aus jenem Leben erzählen. Hier hatte ich ja wiederum etwas abzutragen; es war mir im Jenseits gesagt worden, aber als Mensch konnte es mir ja nicht bewusst werden, ich wurde ja nie darüber belehrt. Ich wurde körperlich behindert geboren und verlor meine Eltern frühzeitig. Ich war in Armut geboren und kam dann, wie ihr sagt, in eine Anstalt oder in ein Waisenhaus und wurde dort erzogen. Das Leben war nicht angenehm, denn ich war gezeichnet durch meine körperliche Schwäche. Ich wurde ausgelacht, und das bereitete mir Schmerzen. Von Liebe wusste man nichts, von keiner Seite her. Und doch wuchs ich heran und konnte Schulen besuchen. Ich war immer eifrig in der Schule, denn niemand wollte ja eine nähere Verbindung mit mir haben; so habe ich mich doch wenigstens meinen Aufgaben gewidmet und habe eifrig gelernt.
Als dann die Zeit so weit vorgerückt war, dass man mich aus diesem Waisenhaus entlassen konnte, sollte das auch geschehen. Aber wohin mit mir? Ich konnte keine harte Arbeit leisten, ich war ja körperlich geschwächt. Aber ich hatte meinen Eifer gezeigt im Rechnen, Lesen, Schreiben; ich war also ganz geschickt in diesen Dingen. Da war ein Mensch, der sich meiner etwas annahm und mich wiederum in eine Anstalt verwies; dort sollte ich aber nicht körperlich arbeiten oder manuelle Arbeit verrichten, sondern man stellte mich als Gehilfen in der Gutsverwaltung ein. Dort hatte ich vieles zu berechnen, aufzuschreiben, auszurechnen und so fort. Das konnte ich gut tun, und ich war glücklich darüber, dass ich doch wenigstens eine gewisse Intelligenz besass. Neben meinem körperlichen Leiden und meiner Missgestalt konnte ich doch wenigstens in dieser Beziehung etwas leisten. Ich erfüllte meine Aufgaben immer gewissenhaft; dadurch zog ich mir auch eine gewisse Achtung zu, denn viele andere, die gut reden konnten, konnten aber das nicht leisten, was ich leistete. So verblieb ich mein ganzes Leben lang in dieser Anstalt. Es war ein eintöniges Leben. Ich hatte immer davon geträumt, selbst eine Familie zu haben, Kinder zu haben, und das konnte für mich nie infrage kommen. Ich war also immer gebunden an dieses Haus. Hier sah ich vieles, was mich quälte, denn es erinnerte mich an meine Knabenzeit zurück, und ich wusste, wie schmerzlich es war.
In diesem Hause gab es auch viele ältere Leute, die auch ein Gebrechen hatten und nicht arbeitsfähig waren, und ich sah, wie man mit diesen umging. Wenn ich ihnen irgendwo begegnete, versuchte ich immer, ihnen ein gutes Wort zu geben. Am Sonntag versuchte mancher, sich in meine Nähe zu drücken und von mir einen Trost zu bekommen, denn sie wussten oder sahen mich ja auch in meiner Gestalt. Aber sie hatten trotzdem Respekt vor mir, denn ich hatte doch eine ganz besondere Arbeit, eine angesehene Aufgabe zu erfüllen. Es hatte mir besonders viel Freude und Genugtuung bereitet, wenn ich jeweils diesen Ärmsten ein Wort des Trostes geben konnte. Und es ist mir sogar auch gelungen, da und dort einem das Schicksal etwas zu erleichtern, indem ich vorsprach und versuchte, ein gutes Wort da und dort einzulegen. Man hatte meinen Worten jeweils Folge geleistet, denn diese Stellung hatte ich mir wirklich erkämpft, aber nur durch meinen Fleiss, durch mein sauberes Arbeiten und durch meine Exaktheit in allen Dingen.
So musste ich auch in diesem Hause sterben. Als ich da krank geworden war, hatte ich eine gewisse Sehnsucht hinüberzugehen. Ich muss noch erwähnen, dass ich mein ganzes damaliges Leben hindurch sehr religiös gelebt habe; ich war sehr fromm, hatte viel gebetet. Ich war ja auch in einer dementsprechenden Umgebung auferzogen worden und auch später in eine solche hineingekommen. Aber es war in mir einfach eine gewisse Sehnsucht zu beten. Ich hatte auch das Gefühl, dass es nach dem menschlichen Leben anders werden müsse. Es war mir zwar nicht ganz klar, in welcher Art und Weise man weiterlebt, obwohl man zu Gott betete und zu allen Heiligen, zu Verstorbenen und so weiter – eine Vorstellung von einem Weiterleben hatte man sich nicht gemacht. Und doch hatte ich in mir eine gewisse Sehnsucht, und so war ich froh, zu erkennen, dass meine Zeit zum Sterben nahte, denn ich konnte nichts verlieren. So bin ich auch glücklich von dieser Welt abgetreten, habe dann meine Augen im Jenseits geöffnet. Da standen sie vor mir; es waren ja wieder dieselben Gestalten, die mich nach dem vorhergehenden Leben angeklagt hatten. Nun sagten sie: “Du hast gesühnt, und jetzt wirst du hier eine weitere Aufgabe erfüllen. In deinem letzten menschlichen Leben hast du den Rest gesühnt von dem, was du zuvor verschuldet hattest und was noch auf dir gelastet hat. Nun musst du in der Geisteswelt noch eine gewisse Zeit eine Arbeit erfüllen, und wenn du dich bei dieser Arbeit bewährt und sie nach deinen ganzen Kräften erfüllt hast, dann wird sich dir der Himmel öffnen, und die Freiheit wird dir gegeben, die dir dann auch gehört. Jetzt wirst du noch geprüft.”
Ich wusste nicht, was man alles mit mir vorhatte. Man sagte, ich hätte gesühnt, aber man erklärte mir, dass ich einer Arbeit zugeteilt würde, und diese Arbeit sollte ich als Geist im Erdenreich unter den Menschen, mit den Menschen verrichten. In meinem menschlichen Leben hatte ich keine körperlichen, schweren Arbeiten leisten müssen, ich hätte es auch nicht gekonnt. Nun wurde ich dazu aufgerufen, zu jenen Menschen zu gehen, die schwerste Arbeit im Erdenreiche verrichten. Diesen Menschen musste ich mit meiner geistigen Kraft, die mir zur Verfügung stand, beistehen. Ich musste sozusagen versuchen, ihnen ihre Müdigkeit abzunehmen, ich musste ihnen Kraft spenden. Und es war auch eine Anstrengung für mich. Diese Engelwesen waren mit mir gekommen, sie hatten es mir vorgemacht, sie zeigten es mir. Ich erkundigte mich, warum denn dieses überhaupt notwendig wäre, und man sagte mir: “Überall, wo Menschen sind, sind Geister, und nirgends vermögen die Menschen ihre Arbeit zu verrichten ohne die Hilfe der Geister. So hast du auch das Deinige zu tun.”
Man wollte mich prüfen im Gehorsam und in der Ausdauer, denn ich dachte, ich könnte doch anderes leisten, als meine Kraft dem andern zur Verfügung zu stellen. Ich wollte viel lieber irgendetwas berechnen oder so etwas. Nein, das sollte ich nicht tun; ich sollte versuchen, meine geistigen Kräfte dem Körper des Menschen zu übertragen und ihm die Last zu erleichtern. So hatte ich das eben getan.
Ich sah, dass es eine Notwendigkeit war, denn die Engel hatten es befohlen, und diese Wesenheiten, die doch aus den schönsten Himmeln steigen, erfüllen doch den Auftrag Gottes. So, dachte ich, muss ich eben das Meinige tun. Es war dann nicht etwa so, dass ich immer beim selben Menschen war. Einmal rief man mich zu diesem, einmal zu einem andern. Das eine Mal hatte mich ein Mensch abgestossen wegen seiner Wesensart, ich mochte ihn nicht leiden; ein anderes Mal gefiel es mir sehr bei einem Menschen. Wenn ich eine solche Abneigung zum Ausdruck brachte, wurde ich getadelt, und erst später erkannte ich, warum ich ja eigentlich auch das tun musste. Ich sollte also mit Wohlwollen und mit Liebe meine Arbeit, die mir aufgetragen worden war, erfüllen. So sandte man mich da- und dorthin, zu den verschiedensten Arbeiten; und diese bestanden eben in dieser Übertragung der Kräfte.
Eine längere Zeit hindurch musste ich dieses tun. Dann hatte ich auch meine Abneigung gegen gewisse Menschen überwunden, und ich tat meine Arbeit, weil es meine Pflicht war und weil ich darin eine höhere Aufgabe erkannte. Dann wurde ich auch zu Kranken geführt, zu jenen schwer leidenden Menschen. Auch hier wurde mir gesagt, in welcher Art und Weise ich ihnen zu begegnen hätte, dass ich versuchen sollte, sie in ihrem Glauben an Gott zu stärken, und dass ich ihnen Trost geben und Mut zum Leben übertragen sollte. Dieses geschah eben auch wieder durch ganz besonderes Einwirken.
Ich musste einmal versuchen, einen Teil des menschlichen Denkens zu erfassen und dann meine Kräfte oder mein Denken dort einzuschalten. Man kann aber als Geist nicht überall und ohne Weiteres das Denken des Menschen ausschalten, denn er hat ja sein eigenes Bewusstsein, seinen starken Willen, und sein Wille kann dann das geistige Einwirken verdrängen. So tat ich es ja nie allein, ich hatte immer meine geistigen Lehrer um mich, und sie erklärten mir: “Siehst du, da stehst du einem so willensstarken Menschen gegenüber; hier hat es keinen Sinn, sich bei ihm Einlass verschaffen zu wollen, denn er ist ein so selbstständiger Mensch und hat einen so starken eigenen Willen, hier musst du davon absehen. Aber du musst es auf eine andere Art und Weise versuchen, ihn zu beeinflussen. Du musst dich an die Mitmenschen, die sich mit ihm beschäftigen, heranmachen und auf sie einwirken, damit sie einen Einfluss auf ihn ausüben können, indem sie immer wieder mit denselben Erklärungen kommen.”
So hatte ich hier auf den verschiedensten Gebieten meine Arbeit zu leisten. Ich tat es, weil ich erkannte, dass es für meine Entwicklung und für meinen Aufstieg eine Notwendigkeit war. Natürlich hätte ich mich viel lieber in den schönsten Himmeln gesehen, aber so schnell sollte ich eben diesen schönen Himmel doch nicht verdient haben. So führte man mich dann stufenweise von einer Arbeit zur andern, und ich hatte jeweils bei einer Arbeit so lange zu verweilen, bis ich sie wirklich mit Liebe und sogar mit einem gewissen Verlangen ausführte – so lange liess man mich bei dieser Aufgabe, bis sie mir zu einem Bedürfnis wurde und ich Freude hatte an dem Tun, dass ich mir die Menschen aussuchte und mich freute, dass das zum Gelingen kam. Dann war man mit mir zufrieden, weil ich davon überzeugt wurde und weil das in mich eingedrungen war. So ist es auf den verschiedensten Gebieten geschehen.
Dann hat man mich zurückgeholt ins geistige Reich; das heisst, ich hatte ja vorher schon jeweils wieder hier einkehren dürfen, ich lebte ja mit andern zusammen, und unsere Umgebung war sehr schön; aber alle, die mit mir waren, waren eifrig bemüht in ihren Arbeiten, genau wie ich. Man sprach nur von seinen Aufgaben, man war nur kurze Zeit miteinander, und man wusste, um was es ging: Man musste hart und streng arbeiten, um dann in diesen freien, schönen Himmel einzugehen. Wir wussten also: Man muss diesen Himmel verdienen mit seiner Arbeit.
Als es dann so weit war, öffnete man mir ein grosses Tor, und prachtvolle Gärten standen vor mir. Dann fing man wieder an zu wandern. Auf diesen Wanderungen begegneten wir vielen, vielen Geschwistern. Sie schienen alle glücklich und befreit; es ging ihnen genauso wie mir. Ich war froh, es überwunden, überstanden zu haben. Ich kam mir vor, wie von einer schweren Krankheit genesen zu sein, und war so glücklich, dass alles vorüber, so gut vorübergegangen war. So begegnete man sich, und man jubelte einander zu. Man ging zum andern hin, umarmte ihn, freute sich, und man ging wieder weiter, bis man bei diesem Hause angelangt war, wo es dann hiess: “Das ist jetzt deine neue Heimat, hier sollst du wohnen.” Dann stellt man einem diese höheren Wesen vor: “Das ist dein Lehrer, das ist dein Ratgeber.” So zog ich ein in dieses Haus und verweile dort und bin so glücklich. Von diesem Hause bin ich ausgegangen, und dieses schöne Haus haben wir geschmückt zu dem grossen Feste, das auch wir zur Erinnerung an den Erlöser feiern. Wir haben auch die Gärten geschmückt, so gut wie wir es können; unsere Wege und alles leuchtet. Wir sind voller Freude und warten auf den grossen Besuch.
So habe ich euch aus meinem Leben erzählt. Mein Name ist Stephan. Nun möchte ich mich wieder zurückziehen und die Lichtlein tragen zu jenen Seelen, die leidend sind. Ich möchte auch zu jedem, der hier ist, in sein Haus ein Lichtlein bringen. Ich will versuchen, ob ich den Weg zu allen finde, dass es mir gelingt. Ich hätte Freude. So sage ich euch allen: Gott behüte euch, und Gottes Segen verweile bei euch. Gott zum Gruss.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich bin bereit, eure Fragen, die sich vielleicht aus dem Vorgetragenen ergeben haben, zu beantworten, so gut ich kann.
Lieber Freund, Stephan sagte, dass er in jenem Leben, in dem er sich so belastet hatte, nie darüber nachgedacht hatte, dass er so viel Unrecht tue. Die geistige Welt kann doch aber über das Gewissen des Menschen einen Einfluss auf ihn nehmen, sie will ihn doch führen über das Gefühl.
Josef: Ja, aber das Gewissen kann durch den Menschen eben unterdrückt werden. So wie man die Gefühle verfeinern kann, können sie eben auch in das Gegenteil umgesetzt werden; sie können verroht werden.
Danke, lieber Freund. Dann erzählte Stephan noch, wie er einschlafen musste und wie er dabei einen süsslichen Geruch wahrnahm. War das eine Art geistiger Betäubung?
Josef: Ja, freilich. Dieses wird angewandt bei solchen Wesenheiten, die sich eben weigern. Wenn ein Geist, der zu diesen Vorbereitungen geführt wird, hingebungsvoll ist, kann er seine Augen schliessen, und er wird so einschlafen. Aber ihr könnt euch vorstellen, dass es Wesenheiten gibt, die sich sehr weigern. Es gibt nämlich auch Geister der Unseligkeit, die nicht bereit sind, in ein neues Erdenleben zu treten, und bei denen es auch absolut keinen Grund gibt, dass man mit ihnen besonders liebevoll umgehen und sie einladen würde, sich herzusetzen oder hierher zu liegen und ihre Augen zu schliessen. So etwas könnte man mit diesen Unseligen gar nicht tun, denn sie sind oftmals gewalttätig.
In solchen Fällen muss die Geisteswelt dann eben auch andere Mittel anwenden. Sie hat hier dann ihre Mittel, womit sie eben diese Gewalttätigen zur Ruhe bringt. Es genügt ein Wehen mit einer Hand von einem solchen erhabenen Wesen, und der Betreffende fällt in Schlaf – der Widerstand nützt ihm also nichts, aber wehren kann er sich anfangs.
Lieber Freund Josef, besteht die Möglichkeit, dass gewisse Geistwesen auf einer bestimmten Stufe ihr Leben, in das sie eintreten werden, in gewisser Weise überblicken oder voraussehen können, dass es ihnen gezeigt wird?
Josef: Ja, es gibt Ausnahmen.
Lieber Freund Josef, wir haben in diesem Erlebnisbericht gesehen, dass diese Seele eigentlich sehr bald wieder inkarniert wurde.
Josef: Ja. Es ist sehr oft so – nicht immer, aber sehr oft –, dass solchen, die sich sehr schwer belastet haben, rasch wieder die Möglichkeit gegeben wird, sich aufwärtszuschaffen; denn man möchte im geistigen Reiche so wenig Zeit – wenn ich von Zeit sprechen darf – verlieren wie nur möglich. Man will jedem Gelegenheit geben, rasch vorwärtszukommen. So geschieht es ja auch, dass die Geisteswelt das Leben eines Menschen kürzen kann, weil sie erkennt, dass das ganze Leben sinnlos ist und keine geistigen Errungenschaften bringt und es für den Betreffenden besser ist, wenn er früher abberufen wird; es kann aber auch so sein, dass man einem Menschen das Leben verlängert.
Lieber Geistfreund Josef, wie steht es mit dem freien Willen in der geistigen Welt? Es werden ja viele gegen ihren Willen wieder inkarniert; wir sehen also, dass der freie Wille relativ ist.
Josef: Ich möchte es mit einem Beispiel aus eurer Welt erklären: Es hat jemand eine schwere Krankheit, und der Arzt sagt ihm: “Das Leben wird dir nur gerettet durch eine Operation.” Wenn nun der Kranke erwidert: “Ich lasse mich nicht operieren, ich will nicht”, so ist das sein freier Wille; er sagt: “Ich will nicht.” Wenn es schlussendlich so weit ist, dass er sich krümmt vor Schmerzen und nicht mehr ein und aus weiss damit und dann alles mit sich geschehen lässt, so führt man ihn einfach ins Krankenhaus, und er wird operiert. Also, die andern hatten das getan, was sie für ihn, zu seiner Errettung, für richtig fanden.
So ist es auch im geistigen Reiche. Man wird einem nicht den Willen kürzen, wenn es zu seinem Guten ist, aber man wird ihn beeinflussen, dass das getan wird, was eben für ihn notwendig und für ihn gut ist; denn die Geisteswelt hat kein Interesse daran, Dingen lange zuzusehen, die sinnlos sind. Dann ist es eben genauso wie mit diesem Beispiel; man versucht zu seiner Heilung eben ein solches Eingreifen.
Lieber Josef, Stephan hat erzählt, dass er den Menschen, die so schwer arbeiten mussten, beistand. Er selber hatte ja in seinem Leben, als er behindert war, keine körperliche Arbeit verrichten müssen. Hat seine Aufgabe damit einen Zusammenhang?
Josef: Ja, es sollte dadurch eine Ergänzung stattfinden.
Danke, lieber Freund Josef. Stephan hat sich in sehr liebenswürdiger Weise bereit erklärt, uns eine Kerze, ein Lichtlein, nach Hause zu bringen. Wir haben uns natürlich alle darüber gefreut. Vielleicht hört er noch zu und vernimmt, dass wir ihm noch danken möchten.
Josef: Ja. Aber allein wird er den Weg zu euch nicht finden. Er hat schon viele von uns aufgefordert, ihn zu euch zu begleiten. Denn ihr sollt nie glauben, dass ich, wenn ich hierherkomme, allein bin. Es sind immer einige Hundert mit mir.
Einige Hundert?
Josef: Einige Hundert.
Nach unserer Vorstellung hätten diese alle hier ja gar keinen Platz ... Aber du hast uns schon erklärt, dass die irdischen Wände kein Hindernis sind für sie.
Josef: Genau.
Lieber Josef, besteht keine Gefahr, dass sich niedere Geistwesen einschleichen?
Josef: Für das haben wir eine Kontrolle.
Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Stephan und Fragebeantwortung von Geistlehrer Josef vom 2.12.1959 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)