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Dieses Themenheft erklärt anhand von Beispielen, was sich beim Tode des Menschen ereignet. Beim Menschen sind Geist und Körper durch ein Odband miteinander verbunden; durch diese sogenannte “silberne Schnur” (vgl. Prediger 12, 6) zieht die Lebenskraft. Ist der physische Organismus in den lebenswichtigen Funktionen gestört, wird dieses Band verletzt und der Mensch stirbt. Dem Sterbenden stehen in der Regel Geister Gottes bei. Sie helfen dem scheidenden Geist, sich aus dem physischen Körper zu lösen. In einem Vortrag dieses Heftes berichtet eine verstorbene Frau von ihren persönlichen Erlebnissen beim Übertritt in die jenseitige Welt; sie schildert detailliert, auf welche Weise sie dabei die helfenden Missionsgeister wahrgenommen hat. Das Themenheft enthält verschiedene Fragebeantwortungen. Geistlehrer Josef erklärt unter anderem die Unterschiede zwischen einem unerwarteten, plötzlichen Unfalltod und dem langsamen Sterbeprozess bei einem alten oder schwer kranken Menschen. Im Weiteren gibt er Auskunft darüber, ob es für den Verstorbenen von Bedeutung ist, ob sein Leichnam in der Erde bestattet oder ob er kremiert wird.
Josef, 2. November 1974
Zwischen dem Geist und dem Körper des Menschen ist ein Band geknüpft; durch dieses Band zieht die Lebenskraft. Ist der Organismus in den lebenswichtigen Funktionen verletzt, stirbt der Mensch. Sobald alle Lebenskraft zum Geist und zur Seele zurückgeflossen ist, ist das Band zwischen Körper und Geist vollständig getrennt.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, in diesen Tagen [Allerheiligen, Allerseelen] denkt ihr besonders an eure verstorbenen Lieben; mancher unternimmt einen Gang zum Friedhof und legt Blumen und Kränze auf ihre Gräber nieder.
Diese Erde ist geschaffen worden für die Höherentwicklung der Menschheit. So wird dieser Erde das Vergängliche zurückgegeben. Das Ewige, das Unvergängliche aber, das sollte in Kraft und Herrlichkeit auferstehen. (Vgl. 1. Kor. 15, 42– 44.) Von den Menschen, die auf Erden leben, werden nicht alle in Kraft und Herrlichkeit auferstehen. Auferstehen wird das Geistige, das Ewige; das wird den Höhen entgegengehen, so man im Leben mit Gott verbunden war. Jene aber, die Gott im Leben nicht kannten, bleiben nach ihrem Tode an die Erde gebunden. Diese Erde könnte man vergleichen mit einer Insel der Gebannten für all jene, die an sie gebunden bleiben, weil sie in ihrem Leben nicht nach Sinn und Zweck des Lebens fragten, weil sie nicht gottverbunden waren, sondern sich nur nach den Werten dieser Erde und deren Menschen ausrichteten und sich nicht nach höheren Werten erkundigten und nicht danach lebten. Jene Verstorbenen, die mit der Erde verbunden sind, bleiben hier zurück; sie verweilen zum grössten Teil noch über kürzere oder längere Zeit da in dieser Welt, wo sie gelebt hatten. Denn das Neue, das sie umgibt, ist den meisten unverständlich, nicht glaubhaft. Sie können es nicht begreifen, dass es doch ein Leben nach dem Tode gibt. Sie sind enttäuscht, dass das Leben weitergeht.
Erwachen sie nach ihrem irdischen Tode, ist die Umgebung eigentlich dieselbe. Sie stellen jedoch fest, dass sie einen Leib haben, sie aber heimatlos sind, und so wollen doch die meisten dorthin zurückkehren, wo sie gelebt haben. Dort verweilen sie, müssen aber erkennen, dass es in ihrer alten Heimat für sie kein Vorwärtskommen gibt. So kommen sie sich verloren vor, gehen dann auf die Suche, sie suchen Hilfe. Aber zu ihrem Leidwesen ist es sehr oft so, dass gerade jenen, die im Leben von Gott nichts wissen wollten, nicht gleich der Beistand und die Hilfe gegeben wird. Viele müssen zuerst ihre eigenen Erfahrungen machen, denn sie sind enttäuscht darüber, dass sie ihren Reichtum und ihr Ansehen, die sie im Leben gehabt haben, nun nicht mehr besitzen. Als Besitzlose kommen sie sich vor, und viele haben nur das Verlangen, sich einen Reichtum oder Gewinne zusammenzubringen, um wieder zu Ansehen zu kommen. Denn wenn sie feststellen, dass sie leben, so sind sie doch auch der Auffassung, dass es nur eine dementsprechende Einstellung und Einsatz braucht, um wieder zu Ansehen und Reichtum zu kommen. So denken die einen und andern und erleben dabei grosse Enttäuschungen; denn so bleiben so viele an diese Erde gebunden, wo sie einst gelebt und gewirkt hatten, und machen nun die Feststellung, dass sie doch nicht vorwärtskommen, dass es nicht möglich ist, von sich aus so schnell eine andere Einstellung einzunehmen. Es hilft ihnen nichts, sie bleiben da gebunden.
Und wenn man jetzt in diesen Tagen ganz besonders an die Verstorbenen denkt, so haben jene, die in der Geisteswelt sind, auch die Möglichkeit, sich auf ihre Art und Weise bei den Menschen, mit denen sie gelebt haben, bemerkbar zu machen. Dieses Sichbemerkbarmachen ist jedoch nicht in der Art, wie Menschen es sich wünschen. Viele Verstorbene kommen zu ihren einstigen Angehörigen und Bekannten. Die einen bitten um Vergebung, weil etwas im Leben zwischen ihnen geschehen war, was sie derweil in der Jenseitswelt belastet, was ihnen zum Vorwurf gemacht wurde. Da und dort hat man etwas wiedergutzumachen, aber man hat keine Möglichkeit dazu. Da und dort möchte man ein Bekenntnis ablegen; man geht zu den Menschen hin und spricht sie an. Aber diese Menschen hören sie ja nicht, sie sehen sie nicht, und das ist schwer für die Betreffenden, wenigstens für die, welche bereit wären wiedergutzumachen. Aber es sind ja auch genügend solche da, die sich nicht um das höhere Leben kümmern, sondern nur um das Leben, das die Menschen leben und von dem sie sich nicht lösen können. So besteht für all diese auch nicht gleich die Aussicht auf eine höhere Entwicklung, auf ein Höhersteigen, auf ein besseres Leben.
Nun gebe ich euch immer Beispiele, Erlebnisberichte, und versuche dann auf diese Weise, Erklärungen zu geben, die für euch besser verständlich und lebensnah sind, damit ihr das Ganze besser erfassen könnt. Und so möchte ich jetzt von einem Ehepaar reden, das durch einen plötzlichen Tod die Welt verlassen musste. Dieses plötzliche, unerwartete Sterben ist für manche Menschen nicht gut, denn sie haben es in der Geisteswelt viel weniger leicht, den Weg zu finden. Warum sie es nicht so leicht haben, versuche ich nun zu erklären.
Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass Menschen, die ein längeres Kranksein hinter sich haben, womöglich durch dieses Krankenlager und ihr Kranksein den Weg zu Gott eher gefunden haben. Sie haben sich mit dem Gedanken des Weiterlebens befasst, sich mit Gott versöhnt und ihn gebeten, er möge ihnen alles, was sie falsch getan, vergeben und ihnen Beistand senden in der Stunde ihres Sterbens. So es wahrlich einen Gott gebe, möchten sie an ihn glauben, auf ihn hoffen und vertrauen. Und so bereitet sich ihre Seele in gewissem Sinne doch auf das Sterben und das andere Leben vor. Sie werden dann weniger enttäuscht oder nicht erschrocken sein, wenn sich vor ihren Augen eine andere Welt auftut, die wohl Ähnlichkeit hat mit der verlassenen, aber doch anders ist. Sie erkennen nun, dass sie gestorben sind, und sind nicht enttäuscht und überrascht; sie bitten dann Gott, er möge ihnen Beistand geben. Sie fühlen sich in Not, und wenn sie im Leben auch nicht viel gebetet haben, finden sie dann Worte des Gebetes und flehen zu Gott um den Beistand. Ist der Geist des Verstorbenen in der Jenseitswelt in Not und fühlt er sie, weiss aber um die Hilfe, die ihm gegeben werden kann, wird er sich dementsprechend auch einstellen, wird umdenken, sich zu Gott hinwenden und ihn um Vergebung und Führung bitten.
So mag jene Belehrung, die den Menschen gegeben wird, ihre Richtigkeit haben: Auch wenn ein Mensch erst in den letzten Stunden seines Lebens zur Erkenntnis kommt, dass es einen Gott und eine Ewigkeit gibt, so wird das für den Hinübergehenden doch ein kleiner Gewinn sein. Es kommt aber darauf an, aus welcher Gesinnung heraus dieses Bekenntnis kommt, ob es wahrlich aus der Tiefe der Seele kommt. Ist man im Verlangen nach Gott und in wirklicher Reue, dann wird einem auch vergeben werden. Kommt aber ein solches Bekenntnis nur in Oberflächlichkeit zustande, ohne Reue, nur in der Absicht oder weil man glaubt, es werde einem so vielleicht besser ergehen, man könne so einer besseren Zukunft entgegengehen, und man so seine Vorteile sieht – dann wird solchen kaum geholfen werden. Ob es einem Heimgekommenen in der Tiefe der Seele wirklich ernst gewesen ist und er das Verlangen nach Gott und seinen Heiligen gehabt hat, das kann die Gotteswelt feststellen. Und sie weiss auch, wie tief die Reue ist und wie man einen Heimgekehrten einzustufen hat. Dementsprechend kann ihm der Weg nach oben geebnet werden. Wenn er im letzten Moment seines Lebens aus der Tiefe der Seele zu grosser Reue gekommen ist, kann er zu gewissen Vorteilen kommen, auch wenn er in seinem Leben ein grosser Sünder war. So entscheidet nicht der Mensch. Gott mit seinen Heiligen, die ihm zu Diensten sind, sie entscheiden, wo dieser Heimgekommene nach den geistigen Gesetzen eingestuft werden darf, was er noch als Gewinn zu verzeichnen hat. Nicht Menschen können dies tun; nicht Menschen können dem andern Sünden vergeben und das Himmelreich versprechen. Nur die Gotteswelt wird dies tun, nur jene, die die Gesetze Gottes aufs Genaueste kennen und genau wissen, was sie zu sagen haben.
Wer in seinem menschlichen Leben die Gottverbundenheit gekannt und ein wahres christliches Leben geführt hat, braucht sich nicht zu fürchten; denn er wird seinen Beistand und seine Hilfe haben, und der Himmel wird sich frühzeitig vorbereiten, um dem Heimgekommenen auch einen entsprechenden Empfang zu geben.
Nun erzähle ich euch von zwei Menschen, die gemeinsam bei einem Unglück ums Leben kamen; sie hatten dieses Unglück auf sich zukommen sehen und konnten nichts mehr dagegen tun. Es waren dies zwei Menschen, die an keinen Gott, an kein Jenseits geglaubt hatten, die nur die Werte der irdischen Welt schätzten und sie zu mehren suchten und die Vorzüge auch in Anspruch nahmen, die diese Welt ihnen bieten konnte. An geistigen Werten und an Bemühungen, diese zu erringen, hatten sie nicht viel aufzuweisen. Wohl waren es Menschen, die nicht absichtlich den Mitmenschen etwas zuleide getan haben, die auch ihre irdischen Gesetze zu erfüllen versuchten, aber sie hatten keinen Glauben an Gott und seine Gerechtigkeit. Sie glaubten nicht an das Leben nach dem Tode. Und nun kam für sie die grosse Überraschung. Sie beide waren miteinander, zum selben Zeitpunkt, gestorben, ganz unerwartet durch einen Unglücksfall, wie er heute bei euch Menschen als Folge eurer Technik so oft geschieht.
Nun geschah es, dass diese beiden nicht zum selben Zeitpunkt geistig erwachten, das heisst ihr geistig Auge öffneten. Nicht bei allen, die in die Geisteswelt herüberkommen, wird gleich nach dem irdischen Tode ihr geistig Auge geöffnet. Bei den einen mag es so geschehen, dass sie gleich geistig sehend sind, nachdem der Geist aus dem Körper entflohen ist. Andere wiederum sind benommen, und wieder andere sinken in einen tiefen Schlaf. So kann nicht davon gesprochen werden, dass es bei einem jeden gleich sein wird.
Bei diesen beiden war es nun so, dass zuerst die Frau erwachte, nach eurer irdischen Zeitrechnung bemessen eine Stunde nach ihrem Unfall. Obwohl der Tod sofort eingetreten war, war ihr geistig Auge aber erst eine Stunde später geöffnet worden, oder ich kann es auch so erklären: Erst nach einer Stunde war der Geist aus dem Leibe auferstanden und erkannte den am Boden liegenden toten Leib. Warum, werdet ihr wohl fragen. Das Blut des Menschen ist Träger des Lebens, und zwischen dem Geiste und dem lebenden Menschen ist ein Band geknüpft, oder, wie ihr es auch in eurer Sprache kennt, Geist und Mensch sind mit einer silbernen Schnur verbunden (Pred. 12, 6). Ich spreche jetzt von einem Band, das geknüpft ist von Seele und Geist zum irdischen Leibe. Und durch dieses Band fliesst die Lebenskraft des Menschen, und in dieser Lebenskraft ist die Erinnerung an all das, was er einst im Leben getan hat. Diese Lebenskraft fliesst nun beim Sterben dem Geiste und der Seele zu. Dazu braucht es seine Zeit. Bei einem unerwarteten Sterben dauert es länger, bis sich das Letzte dieser Lebenskraft aus dem Leib des Menschen gelöst und so die Trennung vollständig stattgefunden hat und alles zurückgeflossen ist zum Geist und zur Seele, zum geistigen Leib, der da aufersteht. Steht er auf in Pracht und Herrlichkeit? Das ist die Frage.
Ich sprach von der Lebenskraft, dass sie durch das Blut des Menschen fliesst. Und diese Lebenskraft fliesst beim Sterben des Menschen zurück zum Geist. Ich könnte auch sagen, es ist die odische Kraft. Es ist die Kraft, die auch vom Geiste zum Menschen fliesst. Es ist also eine Einheit einer Kraft: Aus der Seele fliesst sie zum geistigen Leib und vom geistigen Leib zum irdischen; es ist etwas, was zusammengehört zum Leben, zum Lebendigsein als Mensch. Ist der Organismus des Menschen in seinen lebenswichtigen Funktionen nun gestört und verletzt, so wird der Tod eintreten; das Band wird verletzt, und es wird zur vollständigen Trennung kommen, wenn das Letzte von dieser Lebenskraft zum Geist und zur Seele hinübergeflossen ist.
Im geistigen Reich betrachtet man dann das Leben des Menschen: War einer wahrhaftig ein vornehmer, edler Geistesmensch, so wird auch sein Geistesleib dementsprechend von Feinheit, von Schönheit gezeichnet sein; denn auferstehen soll er ja in Kraft und Herrlichkeit. Aber auferstehen in Kraft und Herrlichkeit kann nur das, was mit Gott eins ist und mit Gott verbunden ist. Man kann nur in Kraft und Herrlichkeit auferstehen, wenn man sich im Leben nach dem Willen Gottes und seinen Gesetzen ausgerichtet hat; nur dann wird man in Kraft und Herrlichkeit dastehen. Wie steht aber einer da, der ohne Gottesglauben war? Doch kaum in Kraft und Herrlichkeit. Wir möchten gar nicht einmal von Kraft sprechen, sondern nur sagen: Es ist keine Herrlichkeit vorhanden.
Es ist aber ein geistiges Gesetz, dass die Lebenskraft eines jeden zurückfliesst zum Geist und zur Seele und nun das geistige Wesen entsprechend zeichnet. Das ganze Bewusstsein, das man als Mensch hatte, ist nun im geistigen Wesen, und dieses denkt und handelt nun in derselben Art und Weise, wie man es als Mensch getan. In der Lebenskraft enthalten ist das, was im Lebendigsein des Menschen zum Ausdruck gekommen ist, und dies wird nun erfasst vom Geistesleib, wird dort wirksam und zum Ausdruck kommen. Darum ist es doch so zu verstehen, wie euch stets erklärt wird: Diese geistigen Wesen handeln und denken in selber Weise wie zu ihrer menschlichen Zeit. Ihre Verlangen, ihre Süchte sind dieselben wie in ihrem Menschsein. Und wenn ihr an diese Süchte des Menschen denkt und an all das Denken, das ihn belastet hat, und wie er nie fähig war, anders zu denken und zu handeln als beispielsweise in Neid, in Streitsucht, in Herrschsucht, in Habgier – all dies ist dem Geiste übermittelt und kommt so zum Ausdruck. In der Jenseitswelt braucht es dann eine lange Zeit für ein Andersdenken, für die Reinigung, die der Seele auch ein anderes Aussehen gibt.
Nun sprach ich ja von zwei Menschen, die miteinander gestorben sind und von denen zuerst die Frau erwachte. So erlebte sie wohl die erste Enttäuschung, und zwar eine sehr grosse. Sie hatte das Unglück auf sie beide zukommen sehen. Nun musste sie feststellen, dass sie doch lebte, und sie sah ihren Mann in der Nähe am Boden liegen. Und so wollte sie ihm beistehen. Sie war sich nicht bewusst, dass er tot war, denn sie sah nur seinen Leib, nirgendwo sah sie seinen Geist. Sie fasste den Körper ihres Mannes an und machte die Feststellung, dass er tot war. Nun aber sah sie ja ihren eigenen Leib auch in der Nähe liegen. Aber damit befasste sie sich nicht. Sie lebte, konnte denken, und sie dachte an ihr Zuhause, an ihre irdischen Werte, die sie hatten. Um diese Werte ging es ihr. Und nun stand sie da neben dem Leib ihres Mannes und rief ihn beim Namen. Doch dies alles half nichts – er blieb regungslos am Boden liegen.
Nun sah sie auch die Leute um sich herum und stellte fest, dass man mit zwei Särgen kam. In den einen wurde jetzt ihr Leib hineingelegt und in den andern der ihres Mannes. Sie aber folgte nun dem Wagen, in dem diese Särge lagen. Und sie sprach immer auf den Leichnam des Mannes ein: “Du bist doch nicht gestorben, wir sind doch nicht gestorben; ich lebe, so lebst du doch auch!” Jetzt musste sie die Feststellung machen, dass sich aus dem Leibe ihres Mannes etwas bildete, sich aus ihm ein feiner Schleier löste und sich immer mehr verdichtete, bis der Geist ihres Mannes vor ihr stand.
Jetzt stellte sie fest: “Es gibt ein Leben nach dem Tode.” Sie sah den Geist ihres Mannes, und sein ganzes Aussehen hatte so viel Ähnlichkeit mit dem Leichnam, der da im Sarge lag – er war ja derselbe! So überlegte sie rasch: “Der Geist hat doch bestimmt ein anderes Aussehen, wenn er weiterlebt.” Jetzt umarmte sie ihren Mann, und sie war glücklich, ihn vor sich zu haben, war glücklich, mit ihm zu leben, und sie kümmerte sich nicht mehr darum, was mit diesem Leichnam geschah. Sie folgten dem Wagen nicht mehr, sondern hielten sich umschlungen und entflohen aus ihm. Nun machten sie eine neue Feststellung: Ihre geistige Gestalt schwebte über den irdischen Boden, obwohl sie gar nicht zu schweben wünschten. Sie stellten sich mit ihrer Kraft auf die Erde nieder; sie wollten verbunden sein mit der Erde, sie wollten nicht gestorben sein. Und so fingen sie an, miteinander darüber zu reden. Doch sie stellten fest, es gab nichts anderes, und so kamen sie zur Einsicht, dass sie tatsächlich gestorben waren. Und so beschäftigten sie sich jetzt mit der Zukunft. Was sollte mit ihnen geschehen?
Nun glaubten sie, sie hätten auch im Geiste die Möglichkeit, miteinander ein neues Leben aufzubauen. Sie hielten Rat, und das eine sprach zum andern: “Schliesslich sind wir ja nicht die Ersten, die gestorben sind. Da leben ja alle, und sie müssen doch irgendwo sein.” Sie dachten noch gar nicht, dass es einen Gott gibt, sie dachten noch gar nicht an eine Ordnung Gottes, sondern glaubten, sie hätten die Möglichkeit, sich wieder eine neue Zukunft zu schaffen. Zumal stellten sie ja fest, dass sie alles anfassen konnten und für sie wohl alles feinstofflicher Art war – aber die Möglichkeit bestand, hier zu leben, und das war für sie von Bedeutung. So verlangte nun der Mann, sie sollten unbedingt zusammenbleiben, sich niemals trennen, was auch geschehe. Sie versprachen sich gegenseitig, einander beizustehen und sich voneinander nicht zu lösen. Sollte dem einen oder dem andern eine Möglichkeit des besseren Fortlebens gegeben werden, wollten sie solches nicht annehmen. Gemeinsam wollten sie wieder ein neues Leben beginnen im Geiste.
So dachten und handelten sie und irrten umher. Da kam das eine auf den Gedanken, die Eltern, die in die Geisteswelt hinübergegangen, könnten ihnen doch auch behilflich sein. Und sie suchten den Ort auf, wo jene auf Erden gewohnt und gelebt hatten, in der Hoffnung, sie dort anzutreffen. So gingen sie hin, fanden ihre Eltern aber nicht. Sie begegneten aber andern Geistgeschwistern und erkundigten sich bei ihnen nach ihren Angehörigen und ihrer Wohnstätte. Aber niemand wusste Bescheid. Alle schienen fremd zu sein und nur vorübergehend da zu wohnen. Auch das kam ihnen etwas sonderbar vor. So gingen sie gemeinsam auf Wanderschaft und stellten nun fest, dass das Irdische wahrhaftig vergänglich ist. Sie waren auch in ihr einstiges Heim zurückgekehrt und hatten hier die betrübliche Feststellung gemacht, dass ihr ganzer Besitz von ihren hinterbliebenen Angehörigen längst geholt worden war und nichts mehr vorhanden war. So besuchten sie den einen und anderen Menschen, den sie gekannt hatten. Sie fühlten sich zu ihnen hingezogen, sprachen mit ihnen, bekamen aber keine Antwort. So waren sie fremd geworden in dieser Welt, obwohl sie Bekannte hatten, Menschen, die noch da lebten – niemand nahm Notiz von ihnen.
Und so mussten sie ihren eigenen Weg suchen. Was sollten sie tun, auf welchem Wege konnten sie jetzt zu anderem Gewinn und Besitz kommen, zu geistigem Besitz? So glaubten sie, dies auch mit Arbeit erreichen zu können und gingen auf die Suche nach Arbeit. Sie wollten aber nicht nur arbeiten, sie wollten auch ihren Lohn haben für die Arbeit. So fanden sie Geistgeschwister genug, die da und dort tätig waren und, wie sie erkannten, strenge Arbeit ausführten. Sie erhofften, ihnen beistehen zu können und dafür entlöhnt zu werden. Als sie aber von Lohn sprachen, wollten jene nichts wissen und erwiderten, sie hätten keinen Besitz, und es sei ihnen nicht möglich, ihnen einen Lohn zu geben; auch würden sie es vorziehen, dass man ihnen nicht in der Arbeit beistehe. So wurde immer wieder abgelehnt. Die beiden wollten aber wissen, wer denn ihr Arbeitgeber sei. Und da mussten sie doch zum ersten Mal vernehmen: “Unser wirklicher Arbeitgeber ist Gott. Seine heiligen Geister stehen in seinem Dienste, und sie wachen über uns.” Dies mussten die beiden hören von jenen, die in die Ordnung Gottes eingereiht waren und arbeiteten. Sie glaubten aber immer noch, es wäre ihnen irgendwo möglich, Arbeit auszuführen und dafür auf irgendeine Weise Lohn zu erhalten und dann zu einem Besitz zu kommen. Doch es gelang ihnen nicht.
Dann aber bekamen sie von einem Geiste die Antwort: “Auf diese Art und Weise, wie ihr versucht, in der Geisteswelt ein Leben zu fristen, werdet ihr nie vorwärtskommen. Ihr müsst bereit sein, zu all euren Fehlern zu stehen und dafür einzustehen. Ihr müsst euch von der Geisteswelt Gottes führen lassen und euch bekennen zu Gott und zu Christus, dem König der Geisteswelt.” Als sie dies hörten, erinnerten sie sich doch an die christlichen Festtage; sie erinnerten sich an das Weihnachtsfest, an das Osterfest und an das Pfingstfest, die sie doch mitgefeiert hatten. Und so kamen sie wiederum ins Gespräch miteinander und mussten die Feststellung machen, dass es also doch etwas Wahres an diesen christlichen Erinnerungstagen gehabt habe. Es wurde ihnen auch bestätigt, dass Christus die Menschheit erlöst hat. Aber sie wussten mit dieser Erklärung noch nicht viel anzufangen. So wurde ihnen der Rat gegeben: “Suchet, und ihr werdet finden. Suchet auch hier in der Jenseitswelt nach helfenden Geistern Gottes, und bittet sie um den Beistand.” Einige dieser arbeitenden, in der Ordnung lebenden Geistwesen gaben den beiden den Rat: “Geht jetzt auf die Suche. In dieser Zeit um diese Feiertage befinden sich Geister Gottes in der Nähe der Menschen und führen jene uneingereihten Geistwesen zusammen. Versucht den Weg zu ihnen zu finden, es ist nicht weit von hier” – von jenem Ort, wo ihnen dieser Ratschlag gegeben wurde. “In der Nähe der Erde befinden sich so viele Geistwesen, die sich noch nicht zurechtgefunden haben, die nicht wissen, dass sie gestorben sind, die aber von Missionsgeistern aufgeklärt werden.” Und man sagte ihnen: “Ihr werdet nicht nur wie hier Geister finden, die an der Arbeit sind, sondern auch höhere geistige Wesen. Es sind dies Missionsgeister, die jene Suchenden und Irrenden einreihen wollen in die Ordnung. Fügt euch jenen, geht auf die Suche.”
So gingen sie miteinander und wanderten, und sie stellten fest, dass da und dort solche Ansammlungen von geistigen Wesen waren. Sie gingen hin, hörten mit, was gesprochen wurde, und konnten so feststellen, dass da Geister Gottes Antwort gaben auf die Fragen jener, die umhergeirrt waren und ihren Weg nicht gefunden hatten. Diese Geister Gottes gaben Antwort auf die Frage: “Was heisst ‘Erlösung Jesu Christi’?” Ein Wesen fragte: “Warum ist Christus für die Menschheit gestorben?” Die Antwort wurde ihnen gegeben, und so blieben die beiden hier und hörten zu. Es interessierte sie. So etwas hatten sie ja in ihrem menschlichen Leben nie geglaubt, und jetzt wurde ihnen dieses in der Jenseitswelt verkündet. Und die Geister, die dastanden und die Aufklärung gaben, erklärten: “Es liegt in eurem freien Willen, zu entscheiden, ob ihr euch fügen wollt, mit uns kommen und Gehorsam leisten wollt oder ob es euch beliebt, verbunden zu bleiben mit dieser irdischen Welt und mit den Menschen, die da leben. Doch es wird die Stunde an einen jeden kommen, wo er in die Ordnung eingefügt wird.”
Die beiden aber schritten weiter, sie wollten sich noch des Weitern überzeugen und machten auch andernorts die ähnliche Feststellung: Auch da standen Geister Gottes und gaben Antwort auf die Fragen jener geistigen Wesen, die sich da versammelt hatten, die nicht eingereiht, die umhergeirrt waren. Ähnliche Fragen wurden gestellt, und ähnliche Antworten vernahmen sie. So stellten sie selbst ihre Fragen an diese Geister und wollten wissen, ob man ihnen wohl den Irrtum ihres Lebens vergebe oder ob sie für ihren Unglauben hart bestraft würden. Um das ging es ihnen ja, und so mussten sie vernehmen: Sollten sie sich in die Ordnung fügen, müssten sie den Weg der Läuterung gehen, der würde ihnen nie erspart bleiben; doch je schneller sie diesen Weg antreten würden, umso grössere Vorzüge hätten sie.
So konnten sie sich entschliessen. Sie und alle, die da versammelt waren, wurden mit diesen Geistern Gottes einig, sich in die Ordnung einzureihen und die Läuterung anzutreten. Sie wollten auch weiter über den Heils- und Ordnungsplan aufgeklärt werden, denn sie wussten von gar nichts. Dies wurde ihnen versprochen, und zugleich erklärte man ihnen: Gott ist ein Gott der Liebe, der Güte und Gerechtigkeit. Er ist wahrhaftig ein Gott der Gerechtigkeit, der auch das Böse bestraft, weil es dazu gehört, den Geist in die Läuterung zu führen, damit er gedemütigt wird und seinen Weg nach oben findet in Demut und Bescheidenheit, in Ergebenheit. Er muss bereit sein, die Strafe zu bejahen, indem er erkennt, dass er sie verdient und sie für seine Seele zum Heile sein wird. Er soll erkennen, dass unter dieser Strafe keine solche Strafe wie beim Menschen zu verstehen ist. Geistige Wesen in der Ordnung Gottes werden nicht gequält oder gefoltert. Die Läuterung mag für sie wohl eine sehr unangenehme Zeit werden, je nach ihrem Verschulden; doch das Unangenehme, das sie zu erleben haben – so wird es ihnen erklärt –, diene dazu, ihre Seele zu läutern, zu Reue zu kommen und zum festen Vorsatz, es in Zukunft besser zu machen.
So wird zu ihnen von der Liebe und der Gerechtigkeit gesprochen, die sie begleiten werde durch die ganze Zeit ihrer Läuterung. Keiner werde vergessen gehen, auch wenn er eine harte Strafe verdient, und ein jeder habe wiedergutzumachen, was er verschuldet. Es liege aber in der Gnade und in der Güte Gottes, jedem den Beistand zu geben, wenn die Zeit für ihn gekommen ist.
Und so soll es für euch Menschen tröstlich sein, zu wissen, wie es in der Geisteswelt zugeht und dass es kein Verlorensein gibt in der Weise, wie es da und dort verkündet wird – es gibt keine ewige Verdammnis und keine Hölle in diesem Sinne. Es gibt wohl Strafen, die man zu ertragen hat, doch alles nach der Gerechtigkeit Gottes und für jede Seele zu ihrem Heil, und Engel der Güte und der Gnade sind bereit, jedes Heimgekommene zu führen. So sollte jeder Mensch, der da lebt auf dieser Welt, frohlocken und glücklich sein, wenn er dieses Wissen hat, dass er dereinst begrüsst und aufgenommen wird und belohnt wird für all das Gute, das er getan. Der Himmel jubelt und freut sich, wenn man sich nach den Gesetzen Gottes ausrichtet, an Gott glaubt und versucht, höhere Werte zur Entfaltung zu bringen, wenn man mit seinem Leben Gott die Ehre gibt und dem Mitmenschen ein Wohlgefallen ist durch sein erhabenes, edles geistiges Leben und Wirken.
So, liebe Geschwister, versucht euch im Geiste in diese andere Welt hinüberzulenken, versucht diese Welt zu erleben. So werdet ihr gefestigt, und eure Bindung zu uns wird enger geknüpft. Und das soll der Sinn sein. Ihr sollt stark sein und bleiben im Glauben an Gott und seine heilige Geisteswelt, stark sein im Glauben an Jesus Christus, den König der Geisterwelt Gottes. Auch zu seinen Ehren sollt ihr euer Leben leben.
So möge Gottes Segen euch alle begleiten. Möget ihr durch Gottes Segen gesunden an Leib und Seele und beschützt und behütet sein vor aller Not, vor allen Gefahren. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 2.11.1974 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Frieda, 5. April 1967
In diesem Vortrag berichtet ein aufsteigendes Geistwesen von seinen persönlichen Erlebnissen beim Übertritt in die jenseitige Welt. Die weibliche Seele schildert detailliert, auf welche Weise sie beim Sterben die Geister Gottes wahrgenommen hat, die ihr bei der Loslösung vom irdischen Körper behilflich waren.
Frieda: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich erzähle euch von meinem Heimgang, von meinem Eintritt in die geistige Welt, von meinem Wirken dort.
Ich wusste nicht, wie schwer krank ich war, als ich darniederlag; ich wusste nicht, dass ich sterben sollte. Aber ich vernahm es von den umstehenden Verwandten, die jeweils an mein Lager kamen und sich nach meinem Befinden erkundigten. Ich konnte nicht mehr sprechen, ich konnte aber alle Anwesenden sehen und erkennen. Ich konnte alles hören, was gesprochen wurde, und ich konnte noch viel mehr sehen als sonst. Ich sah nämlich noch über den Raum hinaus, ich sah im ganzen Haus herum. Es schien mir, als würde es in diesem Hause keine Wände mehr geben. Ich sah, was in der Küche geschah, ich sah, was im Nebenzimmer geschah, und hörte, was gesprochen wurde. Und so hörte ich, wie die einen fragten: “Ja wie lange wird es wohl noch dauern?” Und dann hörte ich, wie man sagte, dass man noch mit einigen Stunden rechne. Sie hatten sich auch schon über meine Beerdigung unterhalten. Ich fand das natürlich etwas sonderbar, dass man darüber sprach. Ich konnte aber nichts erwidern, obwohl ich es so gerne getan hätte. Dann durfte ich ja zeitweise meine Angehörigen, meine Verwandten sehen; dann aber kam es wieder wie ein Nebel über meine Augen, und es war alles weg. Dann sah ich aber andere Gestalten – Gestalten, die mir völlig fremd waren, und es schien mir, als würden sie aus einer ganz anderen Welt kommen. Auch sie hörte ich miteinander reden, auch sie sprachen von meinem Heimgang, und einer von diesen konnte sogar genau die Zeit angeben, wann es so weit sein werde. Dann sagte er zu einem andern Begleiter: “Wir werden das nächste Mal, wenn wir wiederkommen, näher zu ihr herangehen, wir werden ihr behilflich sein.” Ich hörte dieses wohl und konnte eigentlich nur staunen; aber ich konnte genauso wenig Antwort geben, wie ich es bei meinen Angehörigen tun konnte.
Ich musste dann erleben, wie diese Gestalten wieder entschwanden. Mein Auge blickte dann wieder im ganzen Haus herum, und so hörte ich sie alle. Ich sah auf die Uhr, denn ich hatte ja genau die Zeit gehört, die die andern angegeben hatten, als sie sagten: “Dann wird sie zu uns kommen, so lange wird es noch dauern.” Es gab eine Uhr in meinem Zimmer, und da konnte ich hinsehen. Ich brauchte mich eigentlich nicht einmal aufzurichten in meinem Bett, ich wusste genau, wie spät es war, und konnte so die Zeit selbst berechnen. Dann ging es eine Weile, und es geschah dasselbe: Es kam wieder ein Schleier über mein Auge, und dann kamen wieder diese fremden Gestalten zu mir heran. Ich blickte auf die Uhr, um zu sehen, ob es wohl jetzt Zeit wäre, so wie sie es gesagt hatten. Aber so wie ich die Zeit sehen konnte, ging es immer noch etwa drei Stunden. So wechselte sich dieses Geschehen ab. Das eine Mal sah ich diese Gestalten, das andere Mal konnte ich meine Angehörigen sehen. Ich konnte sie sehen und sprechen hören; die einen gingen dann wieder fort, weil sie glaubten, dass es doch noch zu lange dauern würde, und andere kamen dazu. Ich sah und hörte alles. Ich war entrüstet über die Gespräche, die sie führten – doch es half mir nichts, ich hatte keine Kraft, mich zu wehren.
Dann kam es so, wie diese eine Gestalt gesagt hatte: “Das nächste Mal gehen wir näher an sie heran.” So kamen sie immer etwas näher, bei jedem Erscheinen. Und nun hatten sie meine Hände erfasst. Zu beiden Seiten meines Lagers hielten sie meine Hände. Der eine legte mir seine Hände auf die Stirn, und ich hoffte im Stillen, dadurch gesund zu werden. Ich wollte es einfach nicht wahrhaben, dass ich hinübergehen sollte, obwohl es mir eigentlich klar wurde; denn diese Gestalten, die ich sah, waren von einer andern Welt. Sie waren nicht so menschlich, und doch hatten sie etwas den Menschen gleich. Ich hatte aber das Gefühl der Erleichterung, als sie so meine Hände hielten und man mir die Hand auf die Stirn legte. Dann machten andere Gestalten mit ihren Händen Bewegungen über meinem Leib, hin und her. So konnte ich das ganze Geschehen wahrnehmen.
Es wurde mir immer leichter, und plötzlich stand ich da neben diesen Gestalten und sah mich im Bette liegen. Eigentlich war ich doch etwas müde, und das ganze Geschehen hatte mich sehr beeindruckt. Aber gleich kamen diese Gestalten mit mir ins Gespräch. Sie zeigten auf die Uhr hin und sagten: “Haben wir nicht die Wahrheit gesagt? Es geschah genau um die Zeit, wie wir es gesagt haben.” Und sie sagten weiter: “Wir waren dir behilflich, wir haben deinen Geist aus deinem Leib gelöst. Wir haben es dir erleichtert, abzutreten aus diesem Leben.”
Nun wollten sie mich führen. Sie erklärten mir, sie möchten nicht hier in diesem Raume mit mir reden, sie würden mit mir jetzt entfliehen; ich solle mich auch weiter nicht damit befassen, was die Zurückbleibenden, diese Angehörigen, über mich und über das Erbe, über diese Beerdigung und so weiter reden würden – ich sollte mich nicht damit beschäftigen. Dann entflohen sie mit mir aus dem Hause. Es ging so schnell, ich konnte nicht wahrnehmen, was rechts oder links geschah. Ich stand plötzlich in einer für mich fremden Welt. Ich stand vor einem Hause, und ehe sie mit mir in dieses Haus eintreten wollten, sagten sie mir: “Das ist dein Haus, in dem du nun wohnen wirst; alles andere liegt hinter dir. Jetzt wollen wir eintreten, und wir wollen deine Ernte betrachten.” Ich fing an zu überlegen, was sie wohl meinten mit dieser Ernte.
Diese neue Welt hatte so viel Ähnlichkeit mit derjenigen, die ich zurückgelassen hatte. Und doch fühlte ich, dass ich an einem ganz andern Ort war. Da, als ich noch erstaunt umherblickte, sah ich plötzlich meine Eltern. Sie kamen auf mich zu, sie hatten in diesem Hause auf mich gewartet. Es waren aber nicht nur meine Eltern, es waren noch weitere Bekannte und Freunde da. Sie kamen auch auf mich zu, hiessen mich willkommen und wünschten mir Glück. Und meine Mutter sagte etwas leise zu mir: “Man spricht zuerst über die Ernte. Wir werden uns nachher wieder sehen.” Ich bat die Mutter: “Bleib doch hier, geh nicht fort, ich habe Angst”, und ich bat auch den Vater: “Bleib doch hier. Ihr könnt mir doch behilflich sein, ich habe Angst.” Und dann sagte eine mir fremde Gestalt: “Du hast Angst? Warum hast du Angst, vor wem hast du Angst?” – “Ich habe einfach Angst, ich fühle mich nicht wohl, es ist alles so fremd hier.” Und dann sagte wiederum eine Gestalt, die mir völlig fremd war: “Komm jetzt, sprechen wir über die Ernte, die du mitgebracht hast.” Über die Ernte wollten sie reden; und ich dachte so ganz leise, ob damit wohl der geistige Reichtum gemeint ist, ob sie wohl über die Verdienste sprechen würden, die man hätte erwerben sollen für diese andere Welt – ob sie wohl diese Ernte meinten. Sie schienen meine Gedanken lesen zu können, und so sagten sie: “Gerade das ist es, über diese Ernte reden wir mit dir.”
Ich musste staunen über das wunderbare Aussehen dieser Gestalten. Sie waren so farbenfroh gekleidet, und sie hatten wunderbaren Schmuck an sich. Dieser Schmuck war hauptsächlich in die Kleider hineingewoben oder hineingedrückt, hineingearbeitet auf irgendeine Weise – ich konnte nicht feststellen wie. Um ihre Arme und um ihren Kopf hatten sie Ringe mit Steinen – sehr kostbaren Steinen, wie mir schien. Und das Ganze hatte in mir auch eine gewisse Ehrfurcht vor ihnen ausgelöst. Sie sahen so erhaben, so vornehm aus. Und das Ganze war für mich einfach etwas ungemütlich, deshalb bekam ich Angst. Sie aber sagten dann: “Du brauchst nicht Angst zu haben vor uns.” Aber eben gerade ihr Aussehen war es, was mich beunruhigt hatte, weil ich doch in diesem Aussehen bei diesen Gestalten eine gewisse Macht erkannte; ich stellte doch fest, dass sie zur Obrigkeit in dieser neuen Welt gehören könnten und ein sehr gewichtiges Wort zu sprechen hätten.
Ich dachte dann schnell über mein irdisches Eigentum nach, das ich zurückgelassen hatte. Ich betrachtete mich, wie ich wohl aussah; ich konnte nichts besonders Erfreuliches feststellen. Ich trug, so wie ich es erkannte, ein gräuliches Gewand; es kleidete mich vom Hals bis zum Boden. Ich war fest umhüllt damit und konnte eigentlich gar nicht feststellen, was für eine Art Gewand es war. Aber ich spürte doch meine Hände, meinen Leib. Und so überlegte ich, ob es wohl nicht möglich wäre, dieses Aussehen zu ändern, zu einem andern Gewand zu kommen, denn dieses gefiel mir nicht. Und blitzschnell überlegte ich: “Wenn jene durch ihr besonderes Aussehen eine solche Erhabenheit zum Ausdruck bringen, könnte ich doch schliesslich auch meine Kleider, die ich zurückgelassen habe, mir aneignen und anziehen; dann hätte ich bestimmt auch ein besseres Aussehen.” Und auch den Schmuck, den ich gehabt hatte, wollte ich anziehen, um mir so auch ein würdiges Aussehen zu geben. Das überlegte ich. Meine Gedanken hatte man schnell erfasst, doch wie ich sah, lächelten sie einander vielsagend zu, als möchten sie nur zum Ausdruck bringen: “Lasst sie, lasst sie, wenn sie glaubt, das zu erreichen.”
Dann kam einer ganz eifrig ins Gespräch mit mir, und so steigerte sich meine Angst eigentlich immer mehr. “Was hast du heimgebracht?”, sprach er ganz energisch. Ich wusste kaum Antwort zu geben. Was hatte ich heimgebracht? Nichts, nichts hatte ich heimgebracht; ich gefiel mir ja selbst nicht. Ich wusste ja nicht, was sie meinten. Und ich entgegnete ihnen: “Ja, ich hatte einen Besitz, aber den musste ich ja zurücklassen.” Sie antworteten mir: “Wir sprechen nicht vom Vergänglichen. Das, was du zurückgelassen hast, ist alles der Vergänglichkeit gewidmet, das interessiert uns nicht. Uns interessiert das, was unvergänglich ist. Hast du solche Werke getan? Das ist die Ernte, von dieser Ernte möchten wir mit dir reden.” Und ich musste mich besinnen: Etwas Unvergängliches? Was hatte ich Unvergängliches getan? Ich wusste überhaupt keine Antwort zu geben. “Ich habe auch gute Werke getan”, sagte ich ihnen, aber sie schienen damit nicht zufrieden zu sein. Und ich kam immer mehr in Angst und konnte kaum mehr reden, denn sie schienen immer energischer zu werden und immer energischer zu fragen, was ich denn hinübergebracht hätte, und ich wusste keine Antwort. Und als ich so verzweifelt war, da kam plötzlich eine Gestalt auf mich zu, bei der ich gleich erkannte: “Diese Gestalt ist mir wohlgesinnt.” Sie hatte ein Lächeln auf ihren Lippen und hob ihre Hände wie zum Zeichen, die andern möchten jetzt eine Weile ruhig sein. Diese überaus schöne Gestalt stellte sich neben mich hin, und ich fing an aufzuatmen – ja wirklich, denn ich fühlte mich freier. Ich fand nun: “Endlich, endlich habe ich Hilfe bekommen, endlich steht jemand für mich ein!” Plötzlich fühlte ich mich geborgen durch die Anwesenheit dieses dazugetretenen Wesens.
Nun sprach dieses Wesen von meinem Leben, von meinen Fehlern und von dem, was ich gut getan hätte, und von den Verdiensten. Und dieses Wesen schien weniger von den Fehlern zu reden, sondern in der Hauptsache von den guten Werken. So sah ich bald, dass ich einen Verteidiger hatte. Dann und wann sprach einer ein Wort und erhob eine Einwendung, aber dieses Wesen redete weiter und schien so die Macht zu bekommen. Dann wurden diese Gestalten, die zuerst nach der Ernte gefragt und immer strenger auf mich eingeredet hatten, plötzlich milde gestimmt, und ihr Antlitz wurde freundlicher. Welch Überraschung und welch Freude für mich! Und die Angst wich immer mehr. Man fragte mich nichts mehr.
Jetzt begannen die beiden Seiten – also diese gestrengen Wesen und mein Verteidiger, ich nenne ihn nun so –, sich miteinander zu unterhalten und über mein Leben zu reden. Und so gab es ein Hin und Her. Dann schienen sie sich zu einigen über meine Zukunft. Ich war überhaupt nicht mehr fähig, diese Worte zu verstehen, die sie da sprachen. Ich verstand ja nichts von einer geistigen Ordnung, von ihren Gesetzen; es war mir alles fremd, was sie da sprachen von Wiedergutmachung, von Wiedergeborenwerden, von Karma, von Läuterung und dergleichen. Ich wusste nichts davon, ich konnte ihnen nichts entgegnen, und ich war auch vorsichtshalber still. So hatte mein Verteidiger für mich gehandelt. Dann gingen diese Gestalten weg, und ich stand jetzt mit meinem Verteidiger da. Ich hatte ihm zu danken; ich kniete nieder, küsste seine Hände und dankte ihm, dass er mich befreit, mir geholfen hatte. Und liebevoll stand dieses Wesen da, richtete mich auf, sprach mir Mut und Trost zu und sagte: “Ja, du hast schon vieles falsch gemacht in deinem Leben, und deine Ernte ist nicht besonders gross. Du wirst viel nachholen müssen.” Und so sprach dieser Geist Gottes liebevoll auf mich ein und ermahnte mich, nun in Zukunft recht gehorsam zu sein. Er sagte, dass man mir jetzt eine gewisse Zeit der Anpassung gebe. Ich könne mich in dieser Zeit etwas ausruhen, ich könne schlafen. Ich könne aber auch die ganze Umgebung betrachten und diese neue Welt bewundern, Verbindungen zu andern Geistgeschwistern aufnehmen, die in der Nähe seien oder mit denen ich in Zukunft zusammenzuleben hätte – ich hätte also die Möglichkeit, solches zu tun. Ich hätte auch noch eine weitere Möglichkeit, und die sei: Ich könnte, wenn es mein Verlangen wäre, wieder zurückkehren in das Haus, in dem ich gelebt hatte. Doch dies sei eigentlich gar nicht ratsam; denn kehre man wieder zur alten Stätte zurück, dann halte man seinen eigenen Aufstieg nur auf; aber es sei im Willen Gottes und im Gesetze, dass derjenige, der nun dieses Verlangen habe zurückzukehren, dies tun könne. Aber dies empfehle er mir nicht, sagte mein Verteidiger, sondern er rate mir, das zu tun, was er jetzt gesagt habe. Er müsse mich ja dann selber prüfen, wie ich dieser neuen Welt gegenüber gesinnt und ob ich gewillt sei, nun diese Anweisungen zu befolgen. Er habe jetzt das getan, was ihm erlaubt gewesen sei, für mich zu tun. Er sei ein Fürbitteengel, und jeder Heimkehrende würde einen solchen Beistand bekommen, wenn er sich im menschlichen Leben nicht allzu sehr belastet habe; seien aber allzu grosse Belastungen auf einem heimkehrenden Menschen, da könnten auch diese Fürbitteengel in der ersten Zeit nichts tun, sie würden später in den Vordergrund treten. Also hatte ich das Glück, diesen Fürbitteengel zu haben. Und selbstverständlich war ich sehr interessiert an dieser neuen Welt. Und mein Begleiter, mein Verteidiger, verabschiedete sich von mir und versprach, gelegentlich nach mir zu schauen.
Jetzt wusste ich ja: “Ich bin wahrhaftig gestorben, ich lebe in einer andern Welt; den irdischen Leib habe ich der Welt zurückgelassen.” Nun waren ja auch noch meine Eltern da, und sie versprachen, sie möchten sich auch nach mir erkundigen und mir den Beistand geben. Doch im Moment interessierte ich mich eigentlich weniger für diese neue Welt, in die ich eingegangen war, als vielmehr für das, was meine Verwandten nach meinem Tode getan hatten: ob wohl noch alle Gegenstände in meinem Haus waren, was mit meinen Kleidern geschehen ist, was sie wohl mit meinem Schmuck gemacht haben ... Das interessierte mich mehr, und ich überlegte: “Wenn ich schon, wie man mir sagte, Gelegenheit habe zurückzugehen, will ich diese Gelegenheit wahrnehmen. Ich kann ja dann später noch lange genug in dieser neuen Welt bleiben.” Und so verhinderte ich es nicht und ging dem Drang nach.
So ging ich in das Haus zurück und traf noch alles so an, wie es zu meinen Lebzeiten gewesen war. Ich überlegte nun nochmals schnell – wie anfangs, als ich diese schönen Gestalten gesehen hatte, die so schön gewandet waren, die in ihren Kleidern so kostbare Steine eingewoben oder eingearbeitet hatten –, ob es wohl nicht möglich wäre, ein anderes Gewand anzuziehen und auch den Schmuck gleich mitzunehmen. Ich wollte mir doch auch ein besseres, vornehmes Aussehen geben. Ich öffnete den Schrank und zog ein Kleid heraus, von dem ich glaubte, es würde mir gut stehen. Ich zog dieses Kleid über mich, und ich nahm eilig den Schmuck hervor – er war noch an derselben Stelle. Ich zog alles an, denn ich wollte alles mitnehmen. Doch das Kleid schien mir schon etwas sonderbar, denn ich brachte mein altes Gewand nicht weg. So zog ich mein irdisches Kleid, das ich zu Lebzeiten getragen hatte, über mein geistiges Gewand in der Hoffnung, dieses würde sich auflösen oder ich könnte es dann entfernen. Aber ich vermochte es nicht zu tun, mit dem besten Willen nicht. Aber ich hatte die Hoffnung, es würde doch geschehen – ich wollte unter allen Umständen diesen weiten Rock loswerden. Nun blickte ich noch im Hause umher, aber eigentlich interessierte mich das weniger. Ich wollte mich doch der neuen Welt anpassen, und ich hatte nun ja das, was mein Wunsch war – aber mehr als ein Gewand konnte ich leider nicht mitnehmen.
Und so ging ich wieder in die andere Welt zurück, in jenes Haus hinein, in dem ich wohnen sollte – ich brauchte nur daran zu denken und mir dieses Haus vorzustellen. Ich wusste nicht, wie es geschah, es ging so in Blitzesschnelle, und schon war ich wieder in jener andern Welt und in diesem Haus. Ich machte mir meine Überlegungen, auf welche Weise denn das geschehen könne; aber auch das interessierte mich nicht näher. Ich wollte einfach unbedingt anders aussehen, ich wollte, dass die andern mich bewundern würden. Und so kam ich in das Haus zurück. Da sah ich, dass hier meine Mutter, mein Vater und einige meiner Bekannten und Freunde auf mich warteten. Als sie mich sahen, gaben sie ihrem grossen Staunen Ausdruck und sagten: “Was hast denn du getan, wie siehst du aus! Zieh schnell diesen Rock aus!” Und dann betrachteten sie meine Arme und meine Hände, meinen Hals, und meine Mutter sagte: “Was hast denn du für rostiges Zeug angezogen?” – “Was?”, erwiderte ich enttäuscht, “kennst du es nicht, kannst du dich nicht erinnern, dass ich das gehabt habe?” – “Ach, das ist ja alles rostig, betrachte es doch einmal. Du machst dich doch lächerlich damit, samt deinem Gewand, das du übergezogen hast.” Ich wollte es nicht wahrhaben, aber ich schaute dann doch etwas näher dieses Zeug an, wie man es nannte. Und sie machten mich aufmerksam auf den Rost und sagten: “Versuche diesen Rost doch wegzuwischen – so dick, wie er darauf liegt.” Und wahrhaftig: Ich rieb mit meinen Fingern, und es war alles Rost. Dann fragte ich meine Mutter: “Wie ist denn das möglich? Das war doch nicht voll Rost, das war doch kostbar.” Und sie sagte: “Ja für die Welt war es kostbar. Aber das ist doch Vergängliches; das zählt doch nicht für uns, das ist doch in unserer Welt bedeutungslos. Du kannst davon nichts mitnehmen. Zieh dieses rostige Zeug ab.” Und ich wollte mich dessen entledigen. Doch ich brachte es nicht fertig, ich brachte das nicht weg. Ich wollte auch den Rock ausziehen, doch auch das ging nicht – es schien alles an mir zu kleben. Die Mutter war enttäuscht, und der Vater und alle meine Bekannten sagten: “Wir müssen uns ja schämen für das, was du gemacht hast. Jetzt hat man dir doch den Beistand gegeben, du hast einen so guten, hilfsbereiten Engel gehabt, der für dich eingestanden ist. Und du hast noch nicht gemerkt, um was es geht. Du bist wahrhaftig dieser geistigen Welt fremd.” Dann baten sie mich, auf dem schnellsten Weg das alles wieder zurückzubringen und so schnell wie möglich zurückzukommen.
Ja, es brauchte nicht viel Entschlusskraft. Ich wollte dieses Zeug, wie man es nannte, wirklich loswerden. Und ich ging wieder in mein früheres Haus. Als ich in die Nähe jenes Schrankes kam, aus dem ich das Kleid genommen hatte, da konnte ich es plötzlich ausziehen, da klebte es nicht mehr an mir. Der Schmuck, die Ketten und Ringe und alles, was ich mitgenommen hatte, das lag ja alles in den Schubladen da – ich hatte aber das Rostige davon mir angelegt. Jetzt streifte ich es einfach ab und brachte es los. Und dann war ich wieder, wie ich vorher war; ich hatte alles entfernt. Mein Kleid und das, wovon ich geglaubt hatte, dass es kostbar wäre und mir Ansehen geben würde, hatte mich in ein solches Licht gebracht, dass sich alle entsetzten und sagten, das wäre nur Rost. So wollte ich davon nichts mehr wissen.
So kam ich wieder zurück in die geistige Welt, wieder in das Haus meiner Angehörigen. Sie nahmen mich mit Freuden auf und sagten: “Ja, jetzt ist es besser; und wir wollen hoffen”, so sprach meine Mutter, “dass du eine Lehre daraus gezogen hast. Du sollst also wissen: Das, was des Menschen Besitz ist, ist für uns nichts wert. Bei uns fragt man nach anderem Besitz. Man fragt nach Liebe, die man im Leben den Mitmenschen gegeben hat. Das sind geistige Güter, das gehört zur Ernte, das sieht man nicht mit dem Menschenauge, aber das ist sehr kostbar. Es ist die Hilfsbereitschaft, es ist die Bescheidenheit, die Demut, es ist die Treue, die Güte ...” Und so fingen sie an aufzuzählen. “Das sind alles geistige Güter. Aber im menschlichen Leben hat das so wenig Wert, wie bei uns die irdischen Güter des Menschen wenig Wert haben. Die Menschen wollen das Greifbare haben, sie wollen Reichtum besitzen. Mit ihrem Egoismus, mit ihrer Herrschsucht versuchen sie hervorzutreten. Das sind Belastungen. Das ist das, was man nach seiner Heimkehr lernen muss zu überwinden; das muss man loswerden. Und diese Untugenden, die man im Leben gehabt, kleben am ganzen geistigen Leib und sind tief verwurzelt in der Seele, und es braucht lange Zeit, bis man solches Denken losbekommen hat.” Ja, es wurde mir langsam klar, dass man sich von jener Welt abwenden musste, und ich suchte ja immer noch nach meinem geistigen Reichtum – doch er schien wahrhaftig nicht besonders gross zu sein.
Dann waren meine Eltern und Bekannten eine Zeit lang bei mir. Sie aber mussten wieder zurück zu ihrer Stätte und zu ihrer Arbeit. Auch sie ermahnten mich, dass ich meine Arbeit leisten müsse. Nun, ich wandte mich dann an ein Wesen, das – wie es mir schien – jeweils die Arbeit austeilte an all jene Wesen, die neu in diese Welt hinübergekommen waren. Und auch mir wurde eine Arbeit zugeteilt. Sie bestand darin, dass ich grosse Felder und Wiesen, Gärten zu pflegen hatte. Zuallererst musste ich ein grosses Stück geistige Erde – dies muss ich betonen – mit geistigem Gras bepflanzen. Und das ging so, dass nur stückweise solche Flächen von geistigem Gras auf diese Erde gelegt werden mussten. Man zeigte mir ein gewisses Feld, das ich zu bearbeiten hatte. Ich hatte einen grossen Korb neben mir, und darin waren so kleine Flächen von geistigem Gras, und die sollte ich, genau wie man es mir angeordnet hatte, auf diese Erde niederlegen und eindrücken. Es musste aber nicht die ganze Fläche so bedeckt werden, sondern ich sollte nur in bestimmten Abständen solche Flecken eindrücken. Wie lange ich dieses tun musste, wusste ich nicht, denn ich hatte keinen Zeitbegriff mehr. Ich konnte aber beobachten, dass diese kleinen Grasflecken, die auf die geistige Erde gelegt wurden, jeweils gleich anfingen zu wachsen und sich zu entfalten. In kurzer Zeit gedieh es so wunderbar, dass es zu einer wunderschönen grünen Fläche wurde. So musste ich meine Arbeit ausführen, wie es mir gesagt wurde. Dann wurde alles begutachtet, was ich gearbeitet hatte – ich war allein in der mir zugeteilten Fläche, um sie zu bepflanzen. Als ich damit fertig war, kam wiederum ein mir fremdes Wesen und sagte: “Nun werden wir diese Fläche einzäunen, wir müssen einen Zaun darum ziehen.” Dann fragte ich: “Ja, warum muss man denn das tun?” Ich glaubte doch, in dieser neuen Welt gebe es wohl keine Grenzen und man müsste doch keinen Zaun machen: “Was wollt ihr denn hier hineinbringen?” Und sie sagten mir: “Das wirst du gleich sehen.”
So durfte ich zusehen. Ich sah einige fremde Gestalten – und wenn ich von fremden Gestalten spreche, dann meine ich damit Engel Gottes oder auch aufsteigende Geistgeschwister. Dann war ein Lärm zu vernehmen, und dieser Lärm kam mir so bekannt vor: Da kam eine grosse Schar Hunde, grosse und kleine, und diese Hunde machten Lärm auf ihre Art. Man führte sie jetzt in diese Umzäunung hinein, sie wurden förmlich in diese Fläche hineingetrieben, und das Tor wurde zugemacht. Ich konnte sie nicht zählen, so viele waren es. Aber ich hatte zu Lebzeiten schon Hunde gern, und ich freute mich darüber, dass sie einen so schönen Rasen hatten. Die einen legten sich nieder, während einige Jungtiere, wie mir schien, sich balgten. Aber da waren unter diesen Tieren auch Wächter, die jeweils für Ordnung sorgten. Es waren auch ältere Tiere da, wie ich es nach meinem Empfinden einschätzte; sie schienen müde zu sein, sie legten sich aber sehr wonnig hin. Auch war es ein wunderbares Klima. Und ich freute mich darüber, in dieser neuen Welt Tiere zu sehen und so viele Tiere. Natürlich hatte ich Fragen dazu: “Wer beschäftigt sich denn mit diesen Tieren, wer nimmt denn so ein Tier in Empfang? Oder müssen die jetzt so eingepfercht bleiben?” Das hatte mich doch etwas beschäftigt. Und als ich dann wieder in mein Haus zurückkehrte, hatte man Gelegenheit, sich mit geistigen Lehrern zu unterhalten.
Nun, bis es zu diesem Erlebnis oder diesem Geschehen kam, dauerte es lange. Es ging nach euren Begriffen nicht so schnell, wie ihr glaubt, und ich kann die Zeit auch nicht mit Jahr und Tag angeben. Ich kann nur sagen, dass es bis dahin etliche Jahre gedauert hat und ich in dieser Zeit noch verschiedene andere Tätigkeiten ausüben musste, bis ich zu diesem Erlebnis kam. Dann hatten wir aber immer die Möglichkeit, uns über das uns Unverständliche belehren zu lassen.
In der ersten Zeit nach meiner Heimkehr interessierte ich mich nicht so sehr für diese neue Welt, für ihre Ordnung und Gesetze. So interessierte es mich beispielsweise nicht, warum ich mein Gewand, das ich mir aus meinem einstigen Haus auf Erden geholt hatte, in der neuen Welt nicht ausziehen konnte, während ich es dann an Ort und Stelle, wo ich es geholt, wieder ausziehen konnte; oder warum der Schmuck immer noch da lag, obwohl ich ihn an meine Arme und um meinen Hals gelegt hatte – das hatte mich dazumal nicht beschäftigt. Doch später befasste ich mich mit diesen Gedanken, und ich musste doch feststellen, dass diese neue Welt wirklich ihre Gesetze und ihre Ordnung hatte. Und so fragte ich meinen Lehrer, der nicht nur mir, sondern auch allen andern in diesem Hause zur Verfügung stand: “Warum konnte ich mein so üppiges Kleid nicht loswerden? Und warum konnte ich an Ort und Stelle doch ein Gewand überziehen, das mir gehörte, das ich im Leben getragen hatte?” Dann sagte er mir: “Du hast dir ja nur das Odgewand übergezogen, du hast nicht die irdische Materie mitnehmen können, sondern nur das Od, das von deinem Leibe am Gewande war, das du von dir ausgestrahlt hattest und das noch in oder an diesem Gewande hing. Nur das Od war es, das an dir gewesen war; es war nicht das irdische Kleid.” Ich hatte ja festgestellt: Als ich zurückgekommen war, war das Gewand wieder im Schrank, und doch hatte ich es an meinem Leib. Also war es das Odgewand, das ich von diesem Kleid entzogen hatte. Und dann, wieder in dieser irdischen Umgebung, hatte ich dieses Odgewand wieder ausziehen können. Das war mir möglich, weil dieses Od mit den irdischen Strömungen, mit den irdischen Wellen oder mit der irdischen Kraft, verbunden war – ich war also wieder in diese Strömung hineingekommen, wo dieses Od aufgebaut worden war, und so konnte ich mich wieder dessen entledigen. Genauso verhielt es sich mit dem Schmuck, den ich glaubte mitgenommen zu haben. Ich hatte nur die odische Form davon entnommen. Ich hatte diesen Schmuck doch zu Lebzeiten getragen, und er war schon beim ersten Tragen vom Od meines Leibes überzogen worden – es war daran schon die odische Kraft von mir, die diesen Gegenstand umhüllte. Und nur diese odische Kraft war es, die odische Form, die ich ihm dann als Geistwesen entnommen habe. Das [materielle] Gold, die Ketten und dergleichen, das blieb ja zurück – es war irdisch, das war ja irdische Materie, die ich als Geist nicht nehmen konnte. Nehmen konnte ich nur das Od, in das ich es einst selbst eingekleidet hatte. Und dass sich dieses Od in dieser rostigen Form zeigte, war eben möglich, weil ich dieser irdischen Welt wieder entflohen und in eine andere Atmosphäre hineingekommen bin. Diese andere Atmosphäre hat dann diese Form in so schlechter Weise zum Ausdruck gebracht zum Zeichen, dass diese irdischen Gegenstände, diese so fest gestaltete Materie, in der neuen Welt ganz bedeutungslos sind, dass es eben nichts als Rost wäre, etwas, was man wegzuwerfen hätte, was mit der Zeit überhaupt vernichtet werde.
Das wurde mir zur Antwort gegeben und dazu die Belehrung, dass der Mensch auf jeden Gegenstand, den er berühre, seine odische Kraft aus seinem Körper, aus seinen Händen übertrage; und dass daher hellsehende Menschen oder Geistwesen die ganze Vergangenheit, die an Gegenständen hängt, das ganze Erlebnis durch Jahrhunderte hindurch, erblicken können. Die Vergangenheit bleibt haften an jedem Gegenstand durch die Berührung des Menschen. Aber auch ohne die Berührung durch die Hände des Menschen bleibt vergangenes Geschehen bestehen: Was sich an einem Ort ereignet hat, kann an den hier vorhandenen Gegenständen, sei es ein Baum, ein Felsen oder was es sein mag, gesehen werden – das Erlebnis ist in diesen Gegenständen festgehalten. Das ist etwas Wunderbares. Gewisse Menschen nennen es das Gewissen Gottes, die Sprache Gottes, das Weltgeschehen – es kann auf verschiedene Art gedeutet werden.
So wurde ich dann darüber aufgeklärt, als ich später nach diesen Dingen fragte. Ich wollte dann auch wissen, was es mit diesen Hunden auf sich hatte, warum sie so dicht aufeinandergepfercht leben mussten. Und da wurde mir erklärt: “Es ist so, dass jedes Lebewesen dieser irdischen Welt nach seinem Tode in derselben Gestalt fortbesteht, wie es sie auf Erden gehabt hatte – so auch ein Tier, sei es nun in dieser oder jener Gestalt.” Es wurde mir erklärt, gattungsgleiche Tiere würden zusammengeführt und beim Tode eines solchen Tieres sei auch eine geistige Führung da; es sei eine falsche Auffassung des Menschen, dass, wenn man das Tier töte, nichts mehr von ihm vorhanden wäre. “Ein Tier kann auf Erden nicht lebendig sein, wenn in ihm nicht der lebendige Funke zum Leben vorhanden ist – ein totes Tier ist der Vergänglichkeit gewidmet, man kann es doch nicht weiter behalten ... Lebendig kann es nur sein, gesund und kraftvoll kann es nur erscheinen, wenn die Seele darin wirkt. Also kann aus dem Leib des Tieres die Seele entweichen, und die Seele hat ihr Fortbestehen. Und so wird auch dieses Tier seinen odischen Leib mit sich nehmen in die ewige Welt hinüber, wo auch dieses Tier seine Vorwärtsentwicklung durchschreitet.” So erklärte man es mir, dass diese Hunde in derselben Form oder in gleichem Aussehen wie zu ihrer irdischen Lebenszeit nun im Geistigen fortbestehen – aber nur für eine bestimmte Zeit. Denn es fiel mir auf, dass diese Wächter immer wieder bei diesen Tieren hin- und herschritten und andern den Auftrag gaben, gewisse, von ihnen bezeichnete Tiere herauszuführen. So wurde dann dieses und jenes Tier aus diesem Gehege herausgeführt. Es waren dies jene Tiere, wie man mir erklärte, die nun so weit entwickelt oder fortgeschritten waren, um dem weiteren geistigen Aufstieg entgegenzugehen. Diese Tiere sollten nun in eine höhere Stufe eingegliedert werden, und dies alles sollte unter der göttlichen Ordnung, gemäss Gottes Gesetz, geschehen.
So erklärte man mir diese Dinge und sagte: “So wird jedes Wesen, jedes Leben seinen Aufstieg durchschreiten, und jedes wird seinen Weg durchgehen müssen.” Und da hatte man natürlich auch auf mich hingedeutet und mir gesagt, dass meine Tätigkeit eine schönere sein könne mit meinem Vorwärtsschreiten, mit meinem Aufstieg. Es sollte also nicht meine ganze Beschäftigung bleiben, solches zu tun, was ich euch erklärt habe. Ich sollte mich auch in die göttlichen Tugenden einüben. Sie sollten angewandt und dargebracht werden, indem das Reich Gottes auf die Erde und auch in die Tiefen zu andern Wesen gebracht werde. Damit ist also gemeint: Die Güte Gottes, das Verständnis, die Barmherzigkeit sollte überall Fuss fassen können und sich entfalten; das Reich Gottes muss also überall hingetragen werden. So wurde mir klargemacht: Je grösseren Eifer ich zum Ausdruck bringe, desto schneller könne ich aufsteigen.
So hat man seine Beschäftigung, die man ausführen muss; und daneben kann man noch so vieles erwerben, damit einem dieser Aufstieg beschleunigt wird. Dieses tat ich auch; ich sah die Notwendigkeit dazu, ich hatte mich willig gezeigt, war gehorsam. Und so durfte ich dann nach jenem Erlebnis, nach jener Tätigkeit, aufsteigen und darf nun eine schöne Arbeit künstlerischer Art ausführen, die mir grosse Freude bereitet. Ich darf diese Tätigkeit zu meiner eigenen Freude und meiner eigenen Beglückung ausüben und kann damit dem ganzen Himmel einen Gefallen tun, indem ich immer mithelfe, die Schönheiten des Himmels zu verwirklichen. Denn der Himmel muss immer wieder in seiner Form geändert werden; denn diese Neugestaltung muss immer wieder ein neues Staunen und Bewundern auslösen bei denen, die aufsteigen, und bei denen, die darin wohnen. Sie sollen immer diesen Himmel in seiner grossen Vielfalt bewundern; sie sollen die Talente bewundern, die künstlerischen Leistungen ihrer Mitgeschwister. Sie sollen Gott selbst bewundern in seiner Unendlichkeit, in seiner Güte; denn alles Können, alles Schaffen kommt doch aus Gottes Willen hervor. So erlebt man dann diesen Himmel und diese Seligkeiten. Von der höchsten Obrigkeit her – und damit meine ich Gott, Christus und alle hohen Geister des Himmels – wird mitgewirkt an der Entfaltung der Schöpfung; und sie selbst bewundern die Tätigkeit, die nun diese aufsteigenden Geister vollbringen können. Aber alle Kraft erhält man von Gott; diese schöpferischen Leistungen kunstvoller Art können nur ausgeführt werden, indem Gott seinen Segen dazu gibt.
Nun habe ich euch einiges erklärt und hoffe, dass man es verstanden hat. Man sagt mir, dass die Zeit so weit vorgerückt ist und nach mir unser Bruder Josef nicht mehr [zur Beantwortung von Fragen] kommt. Ich muss über euch den Segen aussprechen: Ihr sollt behütet und beschützt sein vor Not, vor aller Gefahr. Unter Gottes Segen sollt ihr leben und wirken. Gott zum Gruss.
Vortrag des aufsteigenden Geistwesens Frieda vom 5.4.1967 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1952, 1953, 1956 und 1964
Lieber Josef, du hast uns in deinen letzten Vorträgen vom Austreten des Geistes während des Schlafes berichtet. Im Schlaf kann der Geist ohne Hilfe der Engel austreten und in der geistigen Sphäre wandeln. Wo liegt nun der Unterschied zum Tod? Müssen da die Engel helfen, weil sich der Geist nicht aus eigener Kraft schnell vom Körper trennen kann?
Josef: Zur ersten Frage oder Bemerkung – beim schlafenden Menschen bleibt der Geist durch die silberne Schnur mit dem Körper verbunden. Ihr sollt euch dies wie eine Spirale vorstellen: Durch irgendeinen Laut oder Schreck wird der Geist in Blitzesschnelle wieder in seinen Körper zurückgezogen; er ist also sehr rasch wieder in seinem Körper. Es ist im Gesetze Gottes so eingerichtet, dass der schlafende Mensch oder, genauer gesagt, der Geist des schlafenden Menschen frei austreten kann. Es ist also ein Austreten des Geistes, und er wird beim Erwachen wieder in den Körper zurückgezogen und erfüllt nachher, wenn alles normal vor sich geht und der Mensch wieder wach geworden ist, weiter seine Aufgaben – der Geist nimmt also wieder voll und ganz Besitz vom menschlichen Körper.
Dem sterbenden Menschen stehen Geister Gottes zur Verfügung. Aber nicht bei jedem Menschen, der dem Tode entgegengeht, sind helfende Geister da. Es gibt ja Unglücksfälle, bei denen der Tod so rasch eintritt und diese Geister eben nicht diese Arbeit erfüllen müssen wie bei einem normal sterbenden Menschen; denn es ist ein gewaltsamer, schneller Tod. In diesem Fall kommen Missionsgeister. Sie erfüllen dann, wenn sich der Geist vom Körper gelöst hat, ihre Aufgaben. Sie müssen also nicht helfen, den Geist aus dem Körper herauszubringen, er löst sich durch diese Gewaltsamkeit. Dann aber stehen die Missionsgeister zu Diensten und nehmen doch den Geist in Empfang.
Beim Menschen, der eines normalen Todes stirbt, stehen Geister zur Seite, um ihn ins Jenseits zu führen. Es kommt auch auf das Leben des Betreffenden oder auf die Einstellung an, die er zum Geistigen gehabt hat, und darauf, wie fest noch der Geist im menschlichen Körper gebunden ist. Man kann sich schon zeit seines Lebens sozusagen vom Körper etwas lösen. Das möchte also heissen, dass man sich in den letzten Stunden oder bereits in den letzten Wochen oder Monaten schon etwas vom Körper lösen kann, indem man sich mit seinem Denken bereits in eine andere Welt hineinfühlt und sich bewusst ist, dass man den Körper abzulegen hat. Man hängt nicht mehr am Irdischen, man löst die irdischen Bande und schwingt sich dadurch in eine höhere Ebene oder eine höhere Sphäre hinein. Das erleichtert dem Geist das Austreten aus dem Körper. In einem solchen Falle haben dann die helfenden Geister Gottes nicht mehr schwere oder grosse Arbeit zu leisten.
Ihr müsst euch das so vorstellen: Die Geister Gottes sind beim sterbenden Menschen, um seinem Geist den Übertritt zu erleichtern; sie helfen dabei, dass es leichter geht. Es kann aber auch möglich sein, dass man sich nicht allzu sehr um einen Menschen kümmert und man ihm das Ganze selbst überlässt.
So ist das eben auch eine Frage der Einstellung, die ein Mensch hat, und seiner Gebundenheit an die Welt. Es gibt Menschen, die sehen die letzte Stunde nahen, doch sie wollen nicht sterben; sie klammern sich mit ihrem Willen noch an das Leben. Dann ist eben der Austritt des Geistes aus dem Körper schwerer und vollzieht sich langsamer. Und da müssen oft die Geister Gottes einschreiten. Sie versuchen dann, es diesem sterbenden Menschen zu erleichtern, indem sie dem abtretenden Geist eben helfen, sich von seinem Körper zu lösen. Es ist ein Dienst der Engelswelt, den sie am Menschen erfüllt, wenn sie ihm zur Seite steht und ihm hilft. Es wird für jeden Sterbenden eine Erleichterung sein, wenn ein Engel dasteht und ihm hilft. Ihr müsst euch das so vorstellen: Wenn ihr krank und schwach seid und in diesem Zustand noch einen Graben überschreiten sollt, so ist dies aus eigener Kraft schwer. Wenn aber auf der anderen Seite jemand steht und seine Hände ausbreitet, euch stützt und euch hilft, werdet ihr trotz der Schwäche über diesen Graben kommen. Es ist also eine Hilfe, eine Stütze, die die Engelswelt dem sterbenden Menschen entgegenbringt.
Sind bei jedem Unglücksfall Missionsgeister da, die den Sterbenden helfen?
Josef: Es sind immer Missionsgeister da. Ihr müsst euch bewusst sein: Wenn ein Mensch bei einem Unglücksfall ums Leben kommen wird, so weiss sein Schutzgeist darüber Bescheid. Er kennt den Ablauf des Tages, wenn sein Schützling von zu Hause weggeht; er weiss, wie es geschehen wird. Und dann wird er dementsprechend bereits seine Geschwister orientieren, und sie werden dann schon bereitstehen, wenn es geschieht. Denn so ist die Vorschau der Geister Gottes; sie können Stunden, ja Wochen oder Monate schon zum Voraus Einblick in einen Tag haben. Es kommt ganz darauf an, ob ein Ereignis – sagen wir eben dieser Unglücksfall – für das Leben des betreffenden Menschen festgesetzt und Bestimmung für ihn ist oder ob es etwas ist, das sich plötzlich ereignet, das nicht im Plane steht, das nicht einberechnet ist. (Vorstandssitzung vom 12.2.1964)
Kann der Menschengeist, der während des Schlafs austritt, auch von sich aus die silberne Schnur zerreissen, die ihn mit dem ruhenden Körper verbindet?
Josef: Nein, von sich aus kann er das nicht tun. Es kann aber der Fall eintreten, dass sein irdischer Körper so geschwächt ist durch ein Leiden, dass sein Herz sehr schwach ist und er schon nahe dem Zerfall ist. Dann kann es sein, dass der Körper nicht mehr genügend Kraft besitzt, sodass es zu diesem Zerreissen kommt – nur deshalb, aber nicht weil der Geist es möchte. Das kann er nicht.
Es ist doch schon vorgekommen, dass ein Mensch scheinbar gesund zu Bette ging, und morgens war er tot. Dann aber war er schon dafür gezeichnet. Sein irdischer Leib war da oder dort eben schwach. Es gab schon ein gewisses Organversagen. Und so konnte es geschehen, dass das Band zerriss. Denn die sogenannte silberne Schnur zerreisst durch das Scheiden des Geistes vom Leibe. Aber nur mit dem Gedanken “Ich will, dass jetzt diese Schnur zerreisst” – nein, das geschieht nicht.
Lieber Josef, du hast kürzlich [23.6.1956] erwähnt, dass der Geist eines Sterbenden noch länger im Körper zurückgehalten wurde, weil ihm von einer gesunden Frau beide Hände gehalten wurden und es dadurch zu einer Kraftzufuhr kam. Nun haben Schwerkranke und Sterbende instinktiv das Bedürfnis, dass man ihnen die Hände hält. Soll man sich diesen Wünschen entziehen?
Josef: Ach nein! Wenn jemand dieses Verlangen hat, soll man ihm nachgeben. Die geistige Welt besitzt ja die grössere Kraft, das Band zwischen Geist und Körper doch noch zu zerreissen; die helfenden Geister werden es mit etwas mehr Anstrengung doch fertigbringen. Denn die Stunde, wann es so weit sein wird, ist bereits bestimmt. Dann sind so viele Geister da, um ihm zu helfen und ihn zu empfangen. Nur ist der Kampf um das Scheiden beim einen etwas schneller vorüber als beim andern. Es kommt eben darauf an, wie viel an körperlicher Kraft oder körperlichem Od er noch in sich hat. (1956)
Lieber Josef, besteht im geistigen Sinne ein Unterschied zwischen einer Erdbestattung und einer Feuerbestattung?
Josef: Liebe Freunde, wenn junge Menschen sterben, ist es ratsam, sie nicht sogleich zu kremieren. Es ist auch ratsam, dass jene, die durch einen Unglücksfall plötzlich in die geistige Welt abberufen werden, in der Erde bestattet werden, weil doch alle Bande sich vom Körper zu lösen haben. Wenn aber in solchen Fällen die Möglichkeit besteht, mit der Verbrennung noch einige Tage zuzuwarten, besteht darin kein Nachteil mehr; dann haben sich alle Bande gelöst.
Die Feuerbestattung wird in allen Fällen keinen Schaden zufügen, wo entweder der Verstorbene lange krank war oder seinen Tod schon zum Voraus geahnt hat. Da werden die geistigen Helfer bereit sein, die Seele aus ihrem Körper schnell zu befreien, sodass sie keinen Schaden erleiden kann.
Hat die Seele ein Wissen davon, wenn ihr früherer irdischer Körper, der Leichnam, seziert wird?
Josef: Es kommt ganz darauf an, ob sie noch Interesse empfindet für ihren Körper. Seht, hier sind die geistigen Gesetze massgebend. Bei dem einen, der sich nun von seinem irdischen Körper befreit, stehen Engel Gottes zur Seite, um ihn zu empfangen und ihn sofort in seine Läuterungssphäre zu geleiten. Es kann also der Fall eintreten, dass es ihm nicht mehr gestattet ist, wieder zur irdischen Welt zurückzukehren. Es kann ihm verwehrt sein, seinen zurückgelassenen Leichnam oder seine Hülle noch zu betrachten. So hat er folglich kein Interesse, kein Gefühl mehr für den irdischen Körper.
Wenn es aber einer Seele gestattet wird zurückzukehren, so kann sie mit ansehen, wie nun ihr Körper seziert wird. Sie fühlt dabei ja keinen Schmerz mehr, da sie inzwischen vollständig getrennt ist von ihm. Denn man wird einen Körper nicht sofort öffnen. Geschieht dies aber dennoch, so sind die Geistboten immer bereit, einer Seele zu helfen, sich von ihrer Hülle zu befreien, sodass sie keinen Schaden nimmt. Wie ich aber betont habe, kann es dem einen erlaubt sein, dies mit anzusehen, einem andern wieder nicht. (19.4.1953)
Lieber Josef, du hast uns schon von Verstorbenen berichtet, die in einer ziemlich öden Umgebung von den Engeln Gottes empfangen werden und dann ihre ersten Belehrungen erhalten. Demgegenüber haben wir aber auch vernommen, dass die meisten Seelen am Sterbebett abgeholt werden. Werden sie nicht schon dort belehrt?
Josef: Wenn eine Seele am Sterbebett empfangen wird, so sind ihre Führergeister dort um sie versammelt. Es sind aber auch die Geister dort, die einst mit dieser Seele zusammengelebt hatten und noch auf sie zu warten haben, bis ihr Plan [gemeint ist eine Gruppe von Geistwesen, die miteinander im Aufstieg stehen] vollendet ist und dadurch weitere Aufgaben gelöst werden können. So geschieht es, dass Engel und Geister verschiedener Stufen und von verschiedener Schönheit sich bei einem Sterbelager einfinden, um die Seele zu empfangen und zu führen. Bald oder auch später wird sie vom Führerengel dem Richterengel zugeführt, während die andern sie wieder verlassen, um ihren Pflichten nachzugehen.
Wisst ihr, liebe Freunde, auch hier ist es von Fall zu Fall verschieden. Ich versuche immer, diese Vielfalt der geistigen Welt in meinen Bildern verständlich zu machen. Denn die Menschen pflegen diese Beispiele so zu verallgemeinern. Ihr sollt aber nicht vergessen, dass ein jeder Mensch sein besonderes Leben und Schicksal lebt und dass dies bei seinem Übertritt in die jenseitige Welt in Betracht gezogen werden muss. (1952)