GL Zürich Login Plus
Mehr Inhalte entdecken: Audioarchiv, Onlineliteratur – mittlerweile über 50 Bücher –, Stichwortsuche sowie Fragen und Antworten.


In diesem Themenheft beleuchtet Geistlehrer Josef die verschiedenen Formen von Schicksalen, die Menschen im Laufe des Lebens treffen können. Es gibt gottgewollte und nicht gottgewollte, selbst verschuldete Schicksale; es gibt Einzelschicksale, Familien-, Gruppen- und Völkerschicksale.
Ein gottgewolltes Schicksal hat die Bedeutung, dass der Betroffene etwas von einer Schuld aus einem früheren Erdenleben abzutragen hat. Ein solches Schicksal kann sehr hart sein. Es liegt aber vieles in der Möglichkeit des Menschen, dieses gottgewollte Schicksal zu mildern, es womöglich aufzuheben, indem er von der Gnade Gottes bedacht wird, weil seine Einstellung und sein Leben ihm zu Gnade und Barmherzigkeit verhelfen.
Wird ein Mensch von einem Schicksal getroffen, das nicht gottgewollt ist, hat er es sich entweder selber auferlegt durch eigenes oberflächliches Handeln und Denken, oder es wurde ihm zugefügt durch die Unvorsichtigkeit, durch das Verschulden eines Mitmenschen. Auch in solchen Fällen wird das Schicksal zur Prüfung: Kann man es bejahen, oder hadert man damit?
Josef, 11. November 1972
Aus jedem Schicksal wird eine Prüfung für die Betroffenen: Können sie es bejahen, oder hadern sie damit?
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Menschen, die vom Schicksal gezeichnet sind, sind nicht zu beneiden. Es gibt gottgewollte Schicksale, und es gibt Schicksale des Menschen, die er selbst verschuldet hat. Gottgewollte Schicksale haben die Bedeutung, dass der Mensch etwas von einer Schuld aus einem früheren Erdenleben abzutragen hat. Diese Schicksale, die gottgewollt sind, können sehr hart sein. Es liegt aber vieles in der Möglichkeit des Menschen, dieses gottgewollte Schicksal auch zu mildern, es womöglich aufzuheben, indem er von der Gnade Gottes bedacht wird, weil seine Einstellung und sein Leben ihm zu Gnade und Barmherzigkeit verhelfen. Das sind Möglichkeiten, die der Mensch hat, um das gottgewollte Schicksal zu mildern.
Ein gottgewolltes Schicksal, das hart sein kann und zu dessen Milderung der Mensch nichts beitragen kann, ist, wenn er gelähmt in dieser Welt leben muss, als gelähmter Mensch, womöglich auch blind, gehörlos, stumm. Hier kann er wohl kaum etwas dagegen tun; das ist ein Schicksal, das in seiner Seele gezeichnet und unabänderlich ist. Es gibt aber jene andern Schicksale, die eben gemildert werden können auf die Weise, wie ich es erklärt.
Es gibt Schicksale, die nicht gottgewollt sind, die der Mensch sich selbst auferlegt hat durch seine freie Willensentscheidung – durch oberflächliches Handeln und Denken, durch Gleichgültigkeit in seinem Leben hat er sich auf irgendeine Art und Weise ein Schicksal auferlegt. Er kann auch in einer Familie leben müssen, in der ihm jemand das Leben so schwer macht, dass er es auch als ein Schicksal betrachtet; aber dieses muss nicht ein von Gott gewolltes Schicksal sein. Denn gottgewollte Schicksale sind jene Schicksale, die dann in der geistigen Welt Nachlassung der Strafe finden, man hat etwas im Leben abgetragen und wiedergutgemacht; während durch ein Schicksal, das nicht gottgewollt ist, das man sich durch Unvernunft, durch eigenes Handeln selbst zugeführt hat, keine Schuld der Vergangenheit abgetragen wird.
Alles, was der Mensch im Leben tut, wird in seiner Seele festgehalten. Und ich könnte euch einen materiellen oder irdischen Vergleich machen: Wenn jemand ständig dasselbe Kleid trägt, so wird man auch die Spuren des Tragens erkennen – das Kleid wird seine Flecken haben, es wird beschmutzt sein, vielleicht sogar zerrissen –, es hat also seine Merkmale durch das Tragen erhalten. Der Mensch kann sein Kleid ausziehen und wieder ein neueres, sauberes Gewand anziehen. Die Seele aber, sie behält alles, all den Schmutz; alles, was ihr Verletzung gegeben hat, hat seine Narben zurückgelassen; alles liegt nun auf der Seele. Denn die Seele kann nicht gewechselt werden. Alles liegt auf der Seele, so wie die Merkmale auf dem Gewand des Menschen sind und bleiben – wenn er dieses Gewand lange Zeit trägt, wird es seine Spuren auf sich haben. Und diese Spuren sind auch in der Seele enthalten.
Wenn nun ein Schicksal nicht gottgewollt ist und es durch den Menschen selbst entstanden ist, so besteht die Möglichkeit, dass Menschen immer wieder glauben, dass dieses doch ein von Gott zugeführtes Schicksal sei. Man muss aber diese Dinge auseinanderhalten: Wir unterscheiden die gottgewollten Schicksale und karmischen Belastungen eben vom eigenen Verschulden, von den Belastungen und Schicksalen, die man sich selbst zuführt. Und ich habe es gesagt, und ich möchte es wiederum betonen: Von Gott zugeführte Schicksale haben den Sinn, dass etwas von der Schuld der Seele aus der Vergangenheit wiedergutgemacht und abgetragen wird, während eigenes Verschulden die eigene Seele aufs Neue belasten kann.
Schicksale können es dann sein oder dann werden, wenn beispielsweise Krieg ist und ein Soldat aus dem Kriege mit dem Leben davonkommt, aber er ist nun blind, oder es wurden ihm Glieder seines Leibes weggetrennt. Das sind harte Schicksale, das sind aber nicht gottgewollte Schicksale. Denn der Mensch überlegt, und er klagt an, dass er solches ertragen muss, dass ihm solches geschehen ist; und dann und wann behauptet er, wenn er nur einen Meter entfernt gewesen wäre, hätte ihn dieses Schicksal nicht getroffen. Freilich ist das so. Gott will keine Kriege. Wenn also Menschen geschädigt werden an Leib und Seele durch Kriege, kann man dieses nicht als ein gottgewolltes Schicksal betrachten.
Es gibt aber noch andere Schicksale, und sie sind zeitbedingt, von heute: Es sind diese vielen Unfälle, die auf der Strasse geschehen. Es sind dies auch Schicksale, die aber durch Unvorsichtigkeit des Menschen, durch sein Handeln geschehen. Und das Unglück, das daraus geschieht, ist nicht gottgewollt – man kann hier auch nicht von einem gottgewollten Schicksal sprechen, wenn es von Menschen heraufbeschworen wurde. Wenn nun ein solches Unglück geschieht und ein Mensch wird gelähmt – wie schwer ist das Leben für einen solchen Menschen. Seine Seele wird verwundet und belastet, so wie die Seele jenes Soldaten verwundet und belastet wird.
Und wenn ich euch auch im Geiste zurückführen darf in jene Zeiten, wo man sich nach den Kriegen nicht sonderlich um die Verwundeten gekümmert hat: Wenn einer blind geworden war oder wenn einem die Glieder abgetrennt worden waren, musste er womöglich den Rest seines Lebens als Bettler fristen. Kann man sich vorstellen, was bei solchen in der Seele wirklich geschieht? Hier baut sich bei manchem ein Hass auf: Er klagt die Umwelt an; er klagt jene an, die Kriege heraufbeschworen, und seine Mitmenschen, die ihm nicht die Aufmerksamkeit und die Pflege geben, die er benötigt, und die Liebe, die er haben möchte. Infolgedessen ist eben diese Seele von Gedanken der Unzufriedenheit und des Hasses, des Unwillens gezeichnet. Und mit dieser Seele kommt doch der Geist in die andere Welt hinüber.
Da wird beispielsweise jener, der ein gottgewolltes Schicksal haben musste, der womöglich auch blind oder gehörlos oder stumm durchs Leben gehen musste, dann als Geist, wenn er seine Augen im Jenseits geöffnet hat, erkennen, dass sein geistiger Leib nicht krank und nicht verwundet war, sondern dass er nun mit seinen geistigen Augen sehen, dass er reden, dass er hören kann, dass er sich mit den andern unterhalten, dass er gehen kann. Er findet nun das geistige Leben wunderbar und ist glücklich darüber, seinen kranken Leib losgeworden zu sein. Er lobt und preist Gott, dass er als gesunder Geist in der Ewigkeit erwachen durfte. So ist das Verhältnis ein ganz anderes. Ihm, der durch ein gottgewolltes Schicksal gezeichnet war, kann in den meisten Fällen auch erklärt werden, dass er eben dieses Leben leben musste zum Heil und zur Gesundung seiner Seele, dass er diese Demütigungen brauchte und dass er nun von seiner Schuld viel oder womöglich alles abgetragen hat durch diese Beschwerden, die er im Leben haben musste. Solche geistige Wesen finden sich viel schneller zurecht in der Ewigkeit; sie sind auch schneller bereit, ihre Aufgaben, die an sie gestellt werden, gewissenhaft zu erfüllen. Sie leben in einem wirklichen Glücksgefühl und in Dankbarkeit. Sie sind froh, dass das Schwere vorüber ist; sie hadern nicht. Sie wollen nur, dass man ihnen den Weg erklärt, den sie gehen können, damit sie in die Nähe von Gott kommen. Sie sind froh und glücklich, das Leben hinter sich gelassen zu haben – im Gegensatz zu andern, die das Schicksal, so wie ich es euch erklärt habe, sich selbst auferlegt haben durch ihre freie Handlungsweise, ihre freie Willensentscheidung, durch ihre Unvorsichtigkeit, ihre Gleichgültigkeit und so fort. Dies alles wird jenen erklärt.
Und nun ein solcher, der in der Lebenszeit darüber gehadert hatte, dass er keinen Erfolg mehr hätte im Leben und es unmöglich für ihn wäre, mit diesem Leiden noch etwas im Leben zu erreichen: Er fängt an zu klagen und zu hadern, wird unzufrieden mit sich und mit den andern, auch wenn er selbst schuld ist an diesem seinem Schicksal. Ebenso kann es andern ergehen, die auch ein solch schweres Leiden tragen müssen, die aber selbst nicht schuldig sind, sondern die durch die Unvorsichtigkeit und Gleichgültigkeit anderer in dieses Leid hineingekommen sind. So vermögen die einen am Leben zu bleiben und leben nun im ständigen Bewusstsein, dass sie unschuldig ein solch schweres Leid tragen müssen, weil ein anderer es ihnen zugefügt. Und sie fangen an ihre Seele zu belasten, denn die Seele nimmt alles auf – wie das Kleid des Menschen jeden Staub, alles aufnimmt und es dann seine Merkmale hinterlässt; so und noch viel feiner ist die Seele, auch sie nimmt alle Merkmale auf. So kann ein Mensch den ganzen Rest seines Lebens hadern: Er kann dem Schuldigen niemals verzeihen, dass ihm solches zugeführt wurde; auch wird er unzufrieden mit den Mitmenschen, denn er ist auf ihre Hilfe angewiesen.
Nun gibt es ja auch Menschen, die durch einen solchen Unfall sogar ihr Leben verlieren – ihr Menschen verliert manchmal nicht viel Worte darüber, sondern ein solcher ist einfach tot, man bedauert diesen Tod, und man bedauert die Hinterlassenen. Aber wie ist es um den geschehen, und was geschieht mit dem, der gestorben ist? Sein Geist kann ja nicht sterben, sein Geist lebt ja, er tritt in die Ewigkeit hinüber; und der Verstorbene muss nun erkennen, dass sein Leben, das so voller Hoffnung war auf dieser Erde, plötzlich beendet ist, und er kann sich nicht in das neue Leben einfügen. Hier fängt er auch an zu klagen, und er will diese neue Welt nicht bejahen, er will von ihr nichts wissen, er will zurück, dahin, wo er gelebt. Mancher glaubt in der ersten Zeit, er könnte wieder in seinen Leib zurückkehren, denn er sieht ihn da in den Trümmern liegen oder irgendwo am Strassenrand und versucht mit seiner ganzen Kraft wieder von ihm Besitz zu nehmen. Er massiert sogar seinen eigenen toten Leib und glaubt, dass es möglich wäre, ihn wieder zu erhalten, obwohl er Wesen sieht, die zu ihm sagen: “Es nützt dir nichts, du bist von ihm getrennt.” Diese, die es zu ihm sagen, meint er, seien Menschen. Er erkennt ja noch gar nicht, dass er gestorben und dass es geistige Wesen gibt, welche die Nähe des Menschen aufsuchen und auch diesen Verstorbenen die erste geistige Hilfe geben wollen.
So gibt es – man darf wohl sagen – manches Drama: Nicht nur das menschliche, das sich abspielt, sondern auch das geistige spielt sich oft in furchtbarer Weise an Ort und Stelle ab, wo dieses Unglück geschieht. Obwohl diese geistigen Wesen doch Trost bringen und Beistand, nimmt man ihn nicht an, man glaubt nicht, man kann nicht glauben. Und wer ist es denn, der nicht glauben kann? Wenn man im menschlichen Leben doch nicht daran glaubte, dass es nach dem Tode ein Weiterleben gibt im Geiste und dass dieser Geist Gestalt hat wie ein Mensch, so scheint es eben für den Erwachten im Geiste eine Unmöglichkeit zu sein, dass man weiterlebt auf diese Art und Weise.
Und manchmal wird es notwendig – wenn alles Zureden nichts nützt –, dass man einem solchen Verstorbenen erklärt: “Komm mit uns, du kannst die Situation nicht mehr ändern, es ist geschehen; du hast jetzt deinen Weg in die Geisteswelt angetreten und wirst dich dort beschäftigen müssen und mit dem neuen, geistigen Leben beginnen müssen.” Und wenn diese Worte nichts nützen, dann müssen die Geister Gottes sanfte Gewalt anwenden.
Diese Erklärungen mögen jenen Freunden manchmal unverständlich scheinen, die diese geistigen Gesetze nicht kennen, die es überhaupt schwer haben zu glauben, dass das Leben nach dem Tode weitergeht und dass es auf diese Art weitergeht, so wie es erklärt wird. Ich schwöre aber bei Gott, dass ich die Wahrheit sage und dass es so ist.
Und so wird jenen geistigen Wesen, die verstorben, die sich nicht zurechtfinden, entweder ein Trank gegeben, der sie – nach menschlicher Sprache ausgesprochen – für eine gewisse Zeit betäubt; oder es kann ihnen eine Injektion gegeben werden, mit der sie in einen Schlaf geführt werden und auf diese Weise von der irdischen Welt, von der Erde, gehoben und in den geistigen Bereich hineingeführt werden. Dort ruht sich der Geist aus, schläft, und in diesem geistigen Schlaf findet er seine Beruhigung und etwas Frieden; er findet Frieden durch den Schlaf.
Denn in der Zeit, wo dieses Wesen nun in den Schlaf geführt wurde, um ihm zu helfen, um es aus der Unruhe herauszubringen, werden die nächsten Anverwandten, die in der Geisteswelt sind, herbeigerufen. Sie sollen Wache haben bei diesem Geist, der nun für die Menschen und auch für die geistigen Wesen doch unerwartet schnellen Eingang in die göttliche Welt gefunden hat. So warten die Angehörigen, bis er seine Augen öffnet – denn die geistigen Wesen, die das Ihrige zu diesem geistigen Schlaf beigetragen haben, bestimmen dessen Länge. Ist er dann aus dem Schlaf erwacht und sieht er womöglich Vater oder Mutter vor sich stehen und begrüssen diese nun den Verstorbenen, so wird dieser sein Erstaunen darüber zum Ausdruck bringen, dass er seine Angehörigen sieht. Man ist eher willens, dem verstorbenen Vater oder der Mutter oder einem Bruder oder sonst einem Freund zu glauben – einfach einem Wesen, mit dem man im Leben eng verbunden war, zu dem eine Bindung vorhanden war, dessen Tod man auch betrauert hatte und von dem man eben mit menschlichem und geistigem Bewusstsein weiss, dass es gestorben ist. Sieht man jetzt diesen Betreffenden als Geist vor sich, dann fängt man schon an zu überlegen. Man ist aus der Unruhe herausgekommen, denn dieses Mittel, das einen in den Schlaf versetzt hat, wirkt ja eben zur Beruhigung. Und dann fängt man an zu fragen, wie das überhaupt möglich sei; man erkundigt sich nach dem, was nun weiter geschehen würde. Die Angehörigen reden von sich selbst, wo sie leben, wie es ihnen erging, und sie laden den Betreffenden zu sich ein.
So versucht man, diesem Heimgekommenen die Hilfe zu geben. Es ist also nicht so, dass man ihn einfach sich selbst überlässt – wenn es nicht gerade ein Mensch war, der zutiefst in der Seele belastet ist. Es kann vorkommen, dass, wenn ein solcher eines plötzlichen Todes stirbt, Geister Gottes nicht bereit sind, ihn in einen solch sanften und beruhigenden Schlaf hineinzuführen, sondern sie überlassen ihn sich selbst. Er wird in derselben Unruhe sein und wird da auf der Erde die Menschen aufsuchen und glauben, mit ihnen ins Gespräch kommen zu können; und mit der Zeit wird er eben doch feststellen müssen, dass er gestorben ist. Es ist nur die Frage, wie lange es dauert, bis er erkennt, dass er wirklich gestorben ist. Jedoch wird ein einigermassen guter Mensch von der hilfreichen Geisterwelt betreut.
Diese Unglücksfälle, die sich heute zeitbedingt da und dort ereignen, geben der Geisterwelt Gottes eine zusätzliche Arbeit. Wohl kann sie auf Stunden im Voraus ein Geschehen erkennen, weil ja die Zeit nicht so bemessen ist und zu bemessen ist wie bei euch. Es kann auf Stunden, vielleicht sogar auf Tage hinaus im Geistigen das Unglück schon gesehen werden, sodass man dementsprechend an Ort und Stelle sein wird. Auch dieses mag für euer Denken schwer zu verstehen sein; aber ich habe nicht die Worte, es euch näher, für eure Begriffe zu erklären – ich kann zu eurem Trost und zu eurer Beruhigung nur sagen, dass die Engelswelt eifrig und bemüht ist, diese Unglücklichen zu betreuen, ihnen den Weg zu zeigen, sie zu trösten, und es braucht viel Ausdauer, sie zu beruhigen. Man soll sich doch einmal vorstellen, wenn ein Vater oder eine Mutter von den Kindern abberufen wird: Sie werden schon unruhig deswegen, weil sie nicht wissen, was mit ihren Kindern geschieht.
So wird eben die Seele gezeichnet. Und jene, die ein solches Schicksal tragen müssen, sie sind auf diese Weise in ihrer Seele verwundet worden, und diese Belastung, die sie auf sich geladen haben, ist nicht unbedingt zu ihrem Seelenheil. Es ist ja nicht so, dass einer, wenn er auch am Leben bleibt, aber an seinem Leibe geschädigt ist, sein Schicksal bejaht; immer wieder, ob er schuldig oder nicht schuldig ist, hat er Worte der Unzufriedenheit, des Zweifels, der Unsicherheit – ja er klagt sogar Gott an, dass er solches geschehen liess. Aber all dies zeichnet ihn in seiner Seele, genauso wie sich der Schmutz auf das Gewand des Menschen legt und seine Merkmale hinterlässt.
Da gibt es aber doch Menschen, die Ja sagen zu einem solchen Schicksal, das nicht gottgewollt ist, das durch irgendwelche Umstände zu ihnen gekommen – sagen wir es so –; sie versuchen das Beste noch aus diesem Schicksal zu machen. Wohl haben sie auch ihre Stunden der inneren Klage und der Fragen, auch suchen sie nach geistigem Trost; aber sie möchten ihre Seele nicht belasten durch dieses Schicksal, das auf ihnen liegt. Dieses sind meistens gottausgerichtete Menschen. Sie mögen ja wohl auch dann und wann in Zweifel kommen und straucheln, aber es ist nicht aus Boshaftigkeit – sie versuchen es zu tragen. Und solche Menschen werden also erkennen, wenn sie verstorben sind und in die geistige Welt hinüberkommen, dass sie ihre Seele womöglich sogar durch das Schicksal, das sie bejahten, das aber nicht gottgewollt war, verbessert haben, dass sie duldsamer geworden, ja dass sie im Grunde genommen ihre Seele durch das Schicksal geadelt haben. Solches geschieht auch. Und da wird auch die Engelswelt in einem solchen Falle einem solchen Heimgekehrten doch ganz anders begegnen.
Jene, die so vom Schicksal durch andere gezeichnet worden sind im menschlichen Leben – also damit meine ich, dass andere ihnen dieses Leid zugeführt und sie nun das schwere Leben zu tragen haben –, möchten doch von der Geisterwelt Gottes erwarten oder von Gott erwarten, dass man ihnen eine sogenannte Gutschrift geben müsste, weil sie nun zu Unrecht in ein Leid und in Schmerzen hineingeführt wurden. Und hier muss die Gotteswelt sagen: “Nein, eine Gutschrift können wir nicht geben für solche Dinge, die Menschen aus Unvorsichtigkeit gemacht haben, die auf diese Weise geschehen – das kann es nicht geben.”
Wenn nun ein Mensch ein Schicksal auf diese Weise zu tragen hat, kann es ihm zu einer Prüfung auferlegt werden; und es kommt darauf an, was er dann aus seinem Schicksal macht. Fängt er an zu hadern und zu klagen, dann belastet er sich; bejaht er aber dieses Schicksal und versucht es mit einem höheren Bewusstsein zu verstehen und das Beste daraus zu machen, dann hat ein solcher Mensch an inneren Werten gewonnen. So ist das Schwere, das er ertragen musste, auch nicht umsonst geschehen. Er hat also wirklich seiner Seele Heil zugeführt, und das kommt ihm ja auf irgendeine Art und Weise zugute.
So möchte ich euch nun erzählen von einem Menschen, der ein nicht gottgewolltes Schicksal gehabt hatte, der in der Weise verletzt wurde, dass sein Leib, sein irdischer Leib, gelähmt war und er nun auf die Hilfe der Mitmenschen angewiesen war. Dieser Mensch war nicht zufrieden, er klagte über die Umwelt, er beklagte das Geschehen und haderte mit Gott – er hatte also seine Seele belastet. Als er nun in die Gotteswelt hinüberkam, da hat man ihm dies zum Vorwurf gemacht – obwohl er versuchte, der Engelswelt klarzumachen, dass ein Leben schwer zu leben sei unter den Menschen, wenn man nicht mehr ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sei, und dass man doch nicht mehr die Möglichkeit habe, sein Fortkommen auf der Welt zu steigern und zu Annehmlichkeiten im Leben zu kommen, wie es einem auch gebühre, wenn man in dieser Welt fleissig arbeite. Und die Engelswelt muss nun die geistigen Gesetze zu Hilfe nehmen und muss erklären, dass solches Handeln eben aus dem Menschen herauskommt – so wie ich es euch erklärte: durch seinen freien Willen, durch Unvorsichtigkeit und so weiter –; dass aber die Menschen auf der Welt all diesen Plagen von Krankheiten, von Schicksalen, die ihnen zugeführt werden, eben ausgesetzt sind; denn die Welt, wo die Menschen leben, wird regiert von Luzifer – Luzifer selbst ist der Herr dieser Welt, und die Menschen dieser Welt werden beherrscht durch ihn. Er hat so viele seiner Getreuen, die Mitarbeiter, Werkzeuge sind und die nicht den Frieden des Menschen wollen, sondern das Unglück, den Unfrieden, die Unfreiheit des Menschen heraufbeschwören. Und wenn die Menschen mehr nach Gott ausgerichtet wären, könnten sie zusätzlichen göttlichen Schutz für Leib und Seele erhalten, weil sie durch die Verbindung mit Gott und seiner heiligen Geisteswelt eben in den Genuss des göttlichen Segens und des Schutzes durch die hilfreiche Geisterwelt Gottes kommen würden. Wenn man aber im menschlichen Leben, als Mensch, nicht danach fragt und sich nie danach erkundigt: “Wer beherrscht diese Welt, wer regiert diese Welt, wem bin ich untertan, welchen Sinn hat mein Leben?” – wenn man nie danach fragt, kann auch keine Verbindung zum Göttlichen hergestellt werden. Denn ein jeder Mensch sollte wissen, dass er unter der Herrschaft Luzifers steht, denn Luzifer ist es, der die Welt regiert. Und es liegt am Menschen, wenn er ein Christ sein will, dass er doch in das Reich Christi hineintritt mit seinem höheren Bewusstsein und dass sein menschlicher Wille sich nach dem höheren Willen Gottes, nach Gottes Ordnung und seinen Gesetzen ausrichtet; denn geistig gesehen gehört der Mensch in das Reich Christi, doch auf Erden lebt er unter der Herrschaft Luzifers. Dieser ist es, der seine Gewalt ausübt; er ist es, der den Unfrieden bringt, der versucht, die Menschen zu Kriegen zu veranlassen; er ist es, der alle Rauheiten an den Menschen bringt, damit sie sich entfalten. Er ist das Übel, das grosse Übel, und – wie Christus es selbst gesagt hat – er ist der Vater der Lüge (Joh. 8, 44); er ist es, er regiert die Welt.
Und so sollte es manchem zur Antwort sein, warum so viel Ungerechtigkeiten sich entfalten und ausdehnen können und warum sogar gläubige Menschen in ungerechter Art und Weise leben, warum gläubige Menschen sich nicht nach den Gesetzen Gottes ausrichten: weil sie sich nicht nach dem höheren Bewusstsein ausrichten, weil sie nicht hinübertreten in das Reich Christi, in seine Ordnung und in seine Gesetze, weil sie nicht seine Gesetze befolgen, weil sie nichts von seiner Ordnung wissen wollen. Solches muss manchem erklärt werden, und erst nach langem Erklären begreift er es.
Erklären musste es die Engelswelt auch diesem, der da verstorben war und gehadert und geklagt hatte, dass Gott solches zugelassen und dass man es nicht ermöglicht hätte, doch im christlichen Glauben die Wahrheit unter die Menschen zu bringen, damit es einen jeden, auch den Letzten, veranlassen würde, diesen Glauben zu bejahen – warum und weshalb Gott denn nicht mache, dass man ihn sehen könnte, damit man mit menschlichen Gefühlen ihn annehmen könne, damit man den Weg zu ihm finden würde. So hatte er angeklagt bei den Geistern Gottes, und die Geister Gottes mussten es ihm auf ihre Art und Weise erklären. Dieses ist der erste Schritt für Heimkehrende, dass sie unterrichtet werden über den Heils- und Erlösungsplan. So ebnet man ihnen dann den Weg zu den geistigen Schulen. Und viele – ich sage: viele – von ihnen sind bereit, in diese Schulen einzutreten; denn sie möchten wissen, was ihnen denn wirklich unterschlagen wurde, sie möchten wissen um das Woher und Wohin: woher sie kamen und wohin sie zu gehen haben und welches das Ziel ist ihres geistigen Lebens. Wer sich so interessiert für das höhere geistige Leben, was im Geiste geschehen soll, der wird auch unterrichtet.
Anders verhält es sich da, wo einer zurückkommt, der diese geistigen Erkenntnisse besitzt und der auch ein Schicksal in irgendeiner Weise auf sich geladen, es aber bejaht hatte, bejahen konnte, weil er Erkenntnisse gewonnen hat aus den geistigen Erklärungen, die wir ihm gegeben haben – weil ihm der Heilsplan Gottes eröffnet wurde, weil ihm Sinn und Zweck des Lebens erklärt, weil ihm ein Stück Himmel aufgetan wurde und er als Mensch versuchen konnte, mit dem Himmel Fühlung zu nehmen, um ein höheres Wissen zu erlangen. Es wurden und werden euch Erklärungen darüber gegeben. So wird vom geistgläubigen Menschen verlangt, dass er die Schwere seines Leibes, in die er eingekerkert ist, versucht zu durchbrechen und im Geiste zu schauen und zu erleben. Und das ist wohl nicht zu viel gesagt, denn es ist das, was damit gemeint ist: ausbrechen aus dem Reiche, aus der Herrschaft dieser Welt, in das Reich Christi hinein mit seinem ganzen menschlichen Bewusstsein. Das sollte einem geistgläubigen Menschen möglich werden. So sind unsere Belehrungen für euch doch schon in dieser Welt von grossem Nutzen – sie können zum Nutzen werden, man soll sich das einprägen. Aber dazu braucht es einen wahren, ehrlichen, tiefen Glauben zur Geisteswelt Gottes. Lebt man in diesem ehrlichen, wahren Glauben, so kann man auch der Hilfe, der Führung der Geister Gottes sicher sein. Denn so tritt man als Mensch in eine geistige Freundschaft hinein – man wünscht im Geiste eine Freundschaft mit geistigen Wesen. Und diese geistige Freundschaft wird nicht abgelehnt, so sie aus ehrlichem Herzen und aus innerem Verlangen der Seele kommt.
So ist es unser Wunsch, dass ihr in dieser Verbindung wahrhaftig, ehrlich und treu bleibt. Dann wird euch auch der Segen Gottes gesichert sein. Ihr werdet im Geiste geführt und gemahnt, wenn es notwendig ist. Denn die Geisterwelt Gottes, sie spricht die Wahrheit und manchmal Worte, die den Menschen nicht besonders gefallen. Dies alles aber ist zu deren Heil. Und in diesen oft auch tadelnden Worten ist viel Tröstliches mit dabei: Man zeigt einem jeden den Weg, den er zu gehen hat; und ein jeder soll erkennen, dass die geistige Welt eine Welt der Ordnung und der Gerechtigkeit ist und dass diese Ordnung sowohl auf dieser Welt wie auch in der Geisteswelt eben aufgebaut und sichergestellt sein muss.
So möge Gottes Segen euch alle beschützen und behüten; und mögen die gesunden an Leib und Seele, die krank sind. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 11.11.1972 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 17. November 1973
Bei jedem Schicksal ist abzuklären: Ist es gottgewollt, oder ist es selbst verschuldet? Hat man Kenntnis von geistigen Gesetzen und das Verständnis für Gottes wirkliche Gerechtigkeit, für seinen heiligsten Willen, dann wird man ein Schicksal auch besser beurteilen können und die Antwort finden.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich möchte vom Schicksal des Menschen reden, denn es ist so, dass man selten erkennt, ob ein Schicksal selbst verschuldet oder gottgewollt ist. Wir hören doch stets die Klagen des Menschen, wir vernehmen seine Gebete. Man fleht zu Gott, man möchte von diesem und jenem Übel befreit werden – die Geisteswelt Gottes möge doch mithelfen, die Probleme zu lösen. Man hat verschiedene Sorgen und Nöte und ist enttäuscht, wenn die Hilfe, die man erwartet, nicht eintrifft. Für den Menschen, ob gläubig oder ungläubig, ist es eine Notwendigkeit, die höheren Gesetze und ihre Ordnung zu erkennen. Kennt man diese höhere Ordnung und die Gesetze, dann erhält man Antwort auf viele Fragen, die man hat. Es ist eben so, dass Menschen Probleme haben. Die einen mögen ihnen von Gott auferlegt sein, andere Probleme haben sie selbst verschuldet. Ich möchte sogar behaupten, dass es Menschen oder sogar Freunde gibt, die sehr sorgsam ihre Probleme und Nöte pflegen. Sie wollen sie gar nicht loswerden; sie pflegen sie im wahrsten Sinne des Wortes. Dann fleht man, Gott möge helfen, und selbst tut man nichts, um diese Probleme zu überwinden.
Ich habe gesagt, man muss unterscheiden können zwischen dem gottgewollten Schicksal und selbst verschuldeten schwierigen Angelegenheiten oder Problemen. Da ist einmal der einzelne Mensch mit seinen Problemen, und diese Probleme können sich auf eine ganze Familie ausdehnen. Es kann aber auch so sein, dass es zu einem Kollektivverschulden, das heisst zu einem gemeinsamen Verschulden, einem gemeinsamen Karma oder einer gemeinsamen Belastung kommt. Es gibt aber auch ein Schicksal, welches auf einem ganzen Volk lastet und welchem man wohl Völkerschicksal sagen kann. Ich tue wohl besser, wenn ich vom Einzelschicksal, vom Familienschicksal oder vom Kollektiv- beziehungsweise gemeinsamen Schicksal rede. Überall, was es auch ist, sind zwei Dinge abzuklären: Ist das Schicksal gottgewollt, oder ist es selbst verschuldet? Hat man für die Antwort die richtigen Begriffe und das Verständnis für Gottes wirkliche Gerechtigkeit, für seinen heiligsten Willen, dann sollte man auch für jedes Schicksal die Antwort geben können.
Betrachten wir nun einen Menschen, der über sein Schicksal klagt, damit nicht fertigwird und es eben sogar pflegt, wie ich am Anfang betonte – ein Schicksal, das aus seiner persönlichen Unzufriedenheit, aus seiner Streitsucht, aus seinem Egoismus, aus seiner Herrschsucht heraus kommt, also ein Schicksal, das er sich selbst auferlegt. Das Resultat von alldem ist, dass Mitmenschen anfangen, von diesem Belasteten Abstand zu nehmen. Man geht einem solchen aus dem Weg und will von ihm nichts wissen. Solche Menschen spüren eine gewisse Ausgestossenheit und fühlen sich unverstanden. Sie erkennen ihre eigenen Fehler nicht, klagen nur, ziehen sich zurück und behaupten, dass sich niemand ihrer annehme und, in welcher Notlage sie auch seien, von nirgendwo Hilfe käme. So bauen und pflegen solche ihr eigenes Schicksal und beklagen es fortwährend. Ich aber sage: Man pflegt es sorgfältig, damit es bewahrt bleibt.
Natürlich geschieht dies mangels geistiger Erkenntnis oder aus belasteten Gefühlen, die aus dem Inneren der Seele herauskommen. Aber gerade auch solche Menschen, die behaupten, fromm zu sein, sollten der Frömmigkeit mehr Beachtung schenken. Sie sollten durch ihr Frommsein näher an Gott herankommen und das tragen können, von dem sie glauben, dass es ihnen zu Unrecht auferlegt wäre, für das sie aber selbst Schuld tragen. Sie leben dahin, einerseits im Glauben an Gott, anderseits klagen sie, dass ihre Gebete nicht erhört würden. Ich möchte hier auch sagen, es ist ein Fehler der christlichen [kirchlichen] Lehre, eine Schuld der Christenheit überhaupt, dass sie sich nie bemüht hat, den Kern zu erfassen, und nicht wirklich der Tiefe des religiösen Lebens nachgegangen ist. Sie hat sich nie bemüht, sich über die wirkliche Gerechtigkeit Gottes Fragen zu stellen. Wenn ein Mensch behauptet: “Gott ist gerecht und voll der Liebe” – wie kann er denn einen Menschen so leben lassen, der behauptet, es geschehe ihm Unrecht? Warum kommt man nicht selbst auf den Gedanken, dass man selber schuld sein kann an seinem eigenen Schicksal? Wenn Menschen, die in ihrem Dasein unglücklich leben, in die Ewigkeit hineinkommen, muss man sie aufklären und belehren. Es braucht dann viele Worte, um sie zu überzeugen, dass sie an ihrem Schicksal selber schuld gewesen sind.
Nun gibt es auch das selbst verschuldete Familienschicksal. Es kann sich der eine Elternteil – beispielsweise durch irgendeine Verfehlung – die Verachtung seiner ganzen Familie zugezogen haben. Dieser Elternteil kann in seiner Wesensart auch so sein, dass er von den Mitmenschen gemieden wird – er kann zudem den Mitmenschen lästig werden. Dann wird man nicht nur den betreffenden Elternteil dementsprechend einschätzen, sondern man hütet sich vor der ganzen Familie und glaubt, dass sie alle schuld wären. Es ist zu erwähnen, dass es gewöhnlich so ist, dass sie alle davon beeinflusst werden. So wird in der ganzen Familie geklagt und gejammert: Der Vater, die Mutter und die heranwachsenden Kinder tun es in gleicher Weise. Und wenn die Kinder selbstständig geworden sind und in die Welt hinaustreten, nehmen sie diese Mentalität mit. Es ist auch für sie ein gewisses Schicksal, denn jene fühlen sich nicht verstanden. Sie beklagen sich, und die Schuld ist nie bei ihnen; die Schuld liegt nur bei den Mitmenschen. So geht dies auf die ganze Familie über, und sie kann unglücklich werden. Man kann hier von einem Familienschicksal reden, denn sie alle sind davon betroffen. Aber schuld ist man selbst, denn man kann nicht sagen: “Gott hat uns dafür keine Einsicht und keine Kraft gegeben.” Es ist geschehen mangels besserer Erkenntnis und mangels guten Willens; man will es nicht anders haben. So verbreitet man dieses Schicksal, und es wird für den einen oder andern für sein Leben sehr schwerwiegend. Es wird ihm wahrlich zum Schicksal. Dieses hindert ihn an seinem Fortkommen, in seiner geistigen Entwicklung.
Es kann auch geschehen, dass man das Schicksal im kollektiven Sinne teilt. Man kann infolge eines selbst verschuldeten Unglücks oder Unfalls andere Menschen in dieses Missgeschick oder in diesen Unfall mit hineinziehen. Das mag auf verschiedenen Gebieten geschehen, und es werden dann Unbeteiligte in das Schicksal einbezogen, wenn der eine dem andern Schaden zufügt, welcher ihm zum Schicksal im Leben wird. Dieses Schicksal ist nicht gottgewollt, sondern selbst verschuldet. Es hat sich auf andere Menschen ausgeweitet, es hat Menschen erfasst, die keine Schuld tragen, aber nun plötzlich zu einem Schicksalsträger werden durch die Unvernunft, durch das Verfehlen eines andern – ja eines fremden Menschen. So gibt es ein gemeinsames Schicksal.
Weiter gibt es das Völkerschicksal. Hier geht es doch in erster Linie um den Krieg. Der Krieg ist nicht gottgewollt. Er ist von Menschen durchdacht, von Menschen befohlen. Es werden so viele mit in das Unglück hineingerissen und vom tragischen Schicksal gezeichnet. Es ist nicht gottgewollt. So tragen solche Menschen schwer an diesem Schicksal und glauben oftmals, es wäre gottgewollt.
Hier muss man auf den Kern der Sache kommen: Menschen sollten doch in ihrer geistigen Einstellung so weit sein, dass sie niemals fähig wären, dem andern in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen – dass man lieber selber auf einen Besitz verzichtet, um auf keinen Fall anderen Menschen an Hab und Gut, an Leib und Seele zu schaden. Was kümmert das gewisse Menschen? – Nichts. So gibt es ein Schicksal, das oft ein ganzes Volk zu tragen hat. Es vermag sich ja nicht zu wehren, sein Wille wird nicht anerkannt – man fragt es gar nicht. So werden sie in das Schicksal mitgerissen, das ganz bestimmte Menschen für das ganze Volk bestimmen.
Dies alles will ich erwähnt haben, um euch vor Augen zu führen, dass es so viele Dinge gibt, wo Menschen vom Schicksal reden, es aber selbst verschuldet haben, oder wo sie in ein selbst verschuldetes Schicksal mit hineingezogen werden.
Nun möchte ich auf das gottgewollte Schicksal zu sprechen kommen. Ein solches wird in der Geisteswelt vorbereitet; und die Seele wird, ehe sie ins menschliche Dasein tritt, von diesem Schicksal gezeichnet sein. In grossen Zügen ist das Schicksal festgelegt, Einzelheiten überlässt man den führenden geistigen, göttlichen Begleitern. Man soll niemals vergessen, dass die Geisteswelt, die doch den Menschen führt, die passenden Gelegenheiten wahrnehmen muss, damit sich das Schicksal im richtigen Moment erfüllt. Diese gottgewollten Schicksale sind in der Seele gezeichnet und können von den Geistern Gottes erkannt werden. Ich habe euch erklärt: Keiner, der da lebt, ist ungesehen, jeder ist von der göttlichen Welt beobachtet – jeder Mensch, denn ein jeder hat ja seinen Schutzgeist, der ihn führt. Dieser Schutzgeist weiss um den Lebensplan des Schützlings und kennt ihn. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Schutzgeist von sich aus höhere Wesen benachrichtigt oder ihnen Bescheid gibt über das Leben seines Schützlings. Denn er sieht selbst alles, was festgezeichnet ist. Er sieht, ob es möglich ist, etwas dem Besseren zuzuwenden. Er sieht aber auch, was unabänderlich ist. Zu einem jeden Menschen kommen in gewissen Zeitabschnitten – ohne Dazutun eines Schutzgeistes – höhere Wesen und betrachten sein Leben, seinen Lebensplan. Sie überzeugen sich davon, ob sich alles auch erfüllt, was in diesem Lebensplan gezeichnet ist. Es wird keiner vergessen gehen, dies habe ich euch längst erklärt. Es ist die höhere Geisteswelt, die eingreifen kann, wenn es Zeit dafür ist.
Es kann doch beim einzelnen Menschen so sein, dass er sich in einem früheren Leben derart belastet hatte und seine Seele so gezeichnet wurde, dass er sogar nicht einmal einen gesunden Leib haben darf. Dies alles wurde schon im Voraus bedacht, und entsprechend handelte und organisierte man, damit es sich so erfülle, wie es im Seelenbild, im Lebensplan des Betreffenden gezeichnet ist. In der Bibel beispielsweise habt ihr auch manches gelesen, wo es heisst, es wurde so getan, dass die Schrift in Erfüllung geht. Auch beim Menschen ist es so: Die Geister Gottes überzeugen sich, dass alles so geschieht, wie es für den betreffenden Menschen geplant ist. Hier wird die Geisteswelt das Ihrige dazutun, dass es geschieht wie vorgezeichnet.
Wenn nun ein solcher Mensch, der in irgendeiner Form für ein Schicksal gezeichnet ist, so zu leben hat, kann es sein, dass er gezeichnet ist, dass einmal seine Seele gedemütigt wird. Es kann aber auch sein, dass eben gerade die Geister Gottes dann erscheinen werden, um einen Erfolg des betreffenden Menschen zu verhindern, weil er niemals im Leben zu irgendeinem Erfolg kommen darf. So achtet die Geisteswelt Gottes genau darauf, was in der Seele gezeichnet ist. Das Schicksal im Leben des Menschen ist ja sozusagen in grossen Zügen vorgeschrieben. Die Gotteswelt, die mit solcher Strenge auf Ordnung hält, ist besorgt, dass sich die Gesetze genau erfüllen – sie achtet beim einzelnen Menschen darauf, dass es so geschieht. Und der Mensch ist es dann, der nicht verstehen kann, warum ausgerechnet er nicht zum Erfolg kommt oder warum er in irgendeiner Weise in Hemmungen lebt – kontaktarm ist, wie ihr es heute sagt. Ja, sein Geist, sein wirklich Wesen, wird danach ausgerichtet; es wird in seiner wirklichen geistigen Freiheit gehindert.
Ist ein solcher Mensch auf diese Weise behindert, vermag er sich weniger zu belasten. Die Geisteswelt will verhindern, dass sich der Betreffende in seinem neuen Leben noch mehr belastet, denn er trägt in sich viele Eigenschaften und Neigungen, die dazu führen würden, dass er sich in gleicher Weise belastet wie im vorherigen Leben – das ist einmal ein Punkt. Und dann musste er ja wiedergeboren werden, um etwas zu verbessern. Sein menschliches Leben dient ja dazu, sich im Geiste vorwärtszuentwickeln, um sich auf einen höheren geistigen Stand zu begeben. Sein Leben dient dazu, höhere Erkenntnisse zu erringen, nach diesen höheren Erkenntnissen zu streben, sich danach auszurichten und nicht in der Niedrigkeit seines bisherigen Denkens und Wollens zu leben. So ist es beim Menschen. Die Geisterwelt Gottes weiss genau, wo sie eingreifen muss, um dem Menschen die Möglichkeit für einen Erfolg zu nehmen, weil er sich damit belasten würde.
Ich möchte als eine Nebenbemerkung beifügen: Wenn es Menschen gibt, die in ihrem Leben allzu sehr in einer ganz bestimmten Untugend leben und sie pflegen, wird in ihrem nächsten Leben bestimmt dafür gesorgt sein, dass diese Untugend auf diese Art und Weise nicht mehr zum Vorschein kommt. Und wenn durch diese Untugend andern Menschen Schaden zugefügt wurde, dann gibt es ein sehr gestrenges Eingreifen. Die Gotteswelt urteilt immer nach der Härte des Verfehlens: Ist das Verfehlen in geringem Masse, wird auch die Strafe gering sein; ist aber das Verfehlen wirklich gross, ist auch die Strafe gross, die der Betreffende zu erwarten hat – das ist Gerechtigkeit Gottes. Man will doch, dass sich jeder Einzelne, der in seiner geistigen Entwicklung aufsteigt, verbessert. Ist er selbst nicht fähig, etwas zu seiner höheren geistigen Entwicklung zu tun, dann schreitet eben die höhere Macht ein und wird ihrerseits versuchen, das zu tun und zu fördern, was zur Heilung der Seele dient – ungeachtet ob es dem Menschen gefällt oder nicht. So kann das ein Einzelschicksal des Menschen sein – er muss es allein tragen. Auch gibt es hier solche Familienschicksale, die gottgewollt sind. Diese sehen natürlich ganz anders aus als jenes Schicksal, das man selbst verschuldet hat. Was gottgewollt ist, ist geplant, ist vorgezeichnet, und – wie ich es sagte – die Geisterwelt Gottes achtet darauf, dass sich alles erfüllt, was vorgezeichnet ist.
So kann, ich nehme nur Beispiele heraus, eines der Eltern ein bedeutendes Verschulden haben, und nun muss die ganze Familie mithelfen, das Schicksal zu tragen. Es kann doch sein, dass der eine Teil, der so belastet ist, plötzlich ein solch schweres Leben zu leben hat: Ein schwerer Schicksalsschlag hat nun sein Leben plötzlich verändert. Auf irgendeine Art und Weise ist ein Unglück über ihn gekommen. Nun werden auch alle andern Familienmitglieder vom Unglück betroffen. Es muss nicht für alle das Unglück derselben Art sein, es kann sich eines nach dem andern zu seiner Zeit ereignen. Die ganze Familie hat ein hartes Schicksal; keiner bleibt verschont, alle haben etwas Schweres zu tragen. Mitmenschen haben doch keine Ahnung – ja sie sagen höchstens: “Die ganze Familie ist vom Schicksal betroffen – die haben Unglück. Die ganze Familie ist belastet oder lebt im Unglück.”
Ist das Schicksal gottgewollt, ist es auch gottgelenkt – von Gott bestimmt. Ich möchte nicht im Besonderen ausführen, wie es sein kann. Sind auch die Kinder, die in diese Familie hineingeboren werden, von der Geisteswelt Gottes ausgewählt worden mit einer solchen Belastung – das heisst der Geist jener Kinder –, wird es nun zu einem Familienschicksal. Keiner in der Familie ist glücklich; jeder hat schwer an seinem eigenen Schicksal zu tragen, das über ihn gekommen ist, und er leidet noch zusätzlich unter dem allgemeinen Schicksal des Vaters, der Mutter, des Bruders, der Schwester. Man fragt sich: “Warum haben wir kein Glück, warum ist so viel Unglück in unserer Familie?” Man findet keine Antwort. Diese Menschen werden unzufrieden, wenden sich von Gott ab und finden, dass es ungerecht wäre. Denn gerade sie würden sich Mühe geben, recht zu leben, und hätten nun ein solch schweres Schicksal. Und womöglich müssen sie in der nächsten Nachbarschaft Menschen sehen, die so viel Ungerechtigkeiten begehen und denen es so gut geht. Das können sie nicht vereinbaren mit ihrem Schicksal, mit Gottes Gerechtigkeit und seiner Liebe.
Auch hier muss ich sagen: Wie schade ist es, dass Menschen in ihrer christlichen Lehre darüber nicht aufgeklärt werden. Warum können sie die Gesetze und die Ordnung Gottes nie kennenlernen? Man hat niemanden, es ist niemand da, der ihnen die Antwort geben kann. Wenn in dieser Art und Weise eine Familie vom Schicksal betroffen wird, wäre ja die Antwort sehr leicht zu verstehen, wenn man die geistigen Hintergründe kennen würde. Es könnte sicherlich da und dort etwas getan werden. Wüsste einer um das eigene Verschulden, um sein Schicksal, er würde eher Trost bekommen können und könnte eher Ja sagen zum Schicksal. Wüsste er, dass er es einst, in einem früheren Leben, selbst verschuldet hat, dass er selbst schuld ist und er etwas wiedergutzumachen hat, käme er auch in ein anderes Verhältnis zu Gott. Der Einzelne würde weniger hadern, sondern in seiner Not zu Gott gehen und ihn um Vergebung bitten. Es wäre ja am Menschen, Gott immer wieder zu bitten, dass er ihm die Kraft gebe, das Schwere zu tragen, oder ihm wenn möglich das Schicksal lindere.
Es kommt ganz darauf an, in welchem Gespräch man mit Gott ist, wie nahe man ihm ist. In der Nähe des Menschen sind immer Engel Gottes der Barmherzigkeit. Selbst wenn Menschen so schwer vom Schicksal gezeichnet sind, ist es möglich, dass sich eines solchen ein Engel der Barmherzigkeit und der Gnade erbarmt und dieser dann während des Lebens des Menschen, wenn jener in diesem schweren Schicksale steht, ins Gespräch kommt mit denen, die ihn für dieses Schicksal gezeichnet haben. Die Engel der Gnade suchen Wege, dem Menschen das Leben oder sein Schicksal zu erleichtern.
Es gibt Möglichkeiten, ein schweres Schicksal eines Menschen erträglich zu machen. Aber hier muss einmal der Mensch den ersten Schritt dafür tun: Er muss Glauben haben, er muss sich zu Gott hinwenden, er muss zu höherer Erkenntnis kommen und – wenn diese Erkenntnisse nicht vorhanden sind – darum flehen, dass er erleuchtet wird. Er muss immer darum bitten. Wird er in seinem Herzen und in seiner Seele demütig, ändert sich schon einmal sein ganzes Wesen. Und das, was ihm einst so schwer fiel, kann er plötzlich leichter tragen. Das Schicksal, das äusserlich schwer ist, vermag man mit einer inneren Kraft zu stützen, zu erleichtern, und man wird ihm nicht mehr so viel Interesse schenken. Man wird sich dem höheren Denken zuwenden und kann so ein schweres Schicksal tragen. Man kann sogar – trotz allem Schweren, das man auferlegt bekommen hat – dem Mitmenschen zum grossen Vorbild werden, zu einem Vorbild der Geduld und des Glaubens an Gott.
Es sollte solche Menschen geben, die man bewundern kann, wie sie ihr Schicksal meistern und tragen. So werden sie dem Mitmenschen wie ein leuchtender Stern. Mitmenschen können nämlich dadurch ihr Denken ändern und sich fragen: “Warum ist es dem einen möglich, sein Schicksal mit so viel Grösse zu tragen, während der andere wegen einer Kleinigkeit jammert und klagt?” Es sollte so sein, dass Menschen, die zum Tragen eines schweren Schicksals bestimmt sind, trotzdem eine Leuchte Gottes werden. Dies alles wäre zum Vorteil für die Mitmenschen. So könnten andere, die sich eigentlich geistig stark fühlen, aber doch schwach sind, sich an einem solchen aufrichten, indem sie ihn bewundern in seiner Grösse, die er zeigt, und wie er sein Schicksal meistert. Darüber sollte man sich Gedanken machen und sein Denken wichtigen Dingen zulenken und nicht oberflächlichen Dingen. So kann es ganze Familien geben, die vom Schicksal schwer gezeichnet sind. Ich sage das aber nicht einfach deshalb, damit ihr davon Kenntnis habt – ihr wisst es selbst und kennt womöglich da und dort solche Fälle –, sondern die Erklärung soll jenen betroffenen Menschen dazu dienen, den Weg zu finden, um ihr Schicksal tragen zu können. Sie sollen die Erkenntnis haben, dass es geistige Helfer gibt, die das Ihrige leisten, um dem einen wie dem andern in der schweren Zeit seines Lebens beizustehen.
Nun möchte ich vom Kollektivschicksal oder vom gemeinsamen Schicksal reden. Gerade in der heutigen Zeit geschieht es des Öfteren, dass einer durch Unvernunft seinen Mitmenschen an Leib und Seele grossen Schaden zufügt. Es gibt dadurch eine schicksalhafte oder kollektive Verbundenheit, wenn solche sozusagen ‘zufällig’ zusammenkommen, wie Menschen es sagen, und nun ein Schicksal tragen müssen. Auch hier wieder die Antwort: Ist das, was geschehen ist, nicht aus blosser Unvernunft geschehen, so ist das Ganze von der Geisterwelt Gottes zugelassen worden, indem sie die Gelegenheit wahrgenommen hat, belastete Menschen zusammenzuführen. Es wird so zu einem gemeinsamen Schicksal. Wenn der eine Schuld hat am Unglück des andern und es von der göttlichen Welt zugelassen wurde, dass jener, der unschuldig ist, nun plötzlich in körperliche und geistige Bedrängnis kommt durch einen Menschen, den er nie gekannt hat, so hat ein solcher Mensch – wenn dies gottgefügt ist – eben auch sein Schicksal, das er auszutragen hat. Es ist dann eben doch eine geistige Beziehung da mit jenem, von dem er glaubt, dass er ihm fremd ist.
Wenn diese dann beide in die Geisteswelt hinübergetreten sind und sich begegnen, muss zuerst geklärt werden, ob der eine auf den andern einen Hass hat. Ist er bereit, dem andern das, was er ihm zugefügt und was so einschneidend in seinem Leben gewirkt hat, zu vergeben, oder hasst er noch als Geist? Hat er doch im Leben Schwierigkeiten gehabt, sich mit seinem Schicksal zurechtzufinden. Er ahnt ja nicht, dass es eine harte Prüfung für ihn ist – dass die Geisteswelt Gottes die Gelegenheit wahrgenommen hat, ihm das Schicksal zu bereiten. Denn die Geisterwelt Gottes muss sich mit dem Leben des Menschen befassen – mit seiner Arbeit, wie er lebt. Es ist ihr doch nicht einfach ohne Weiteres möglich, so ins Leben des Menschen einzugreifen. Vielleicht könnte sie es – sie könnte es beispielsweise fügen, dass der eine so unglücklich fallen würde, dass er denselben Schaden hätte wie jetzt in einem solchen Falle, wo ein anderer mitschuldig ist. Wenn die Geisteswelt aber einen andern mit einbezieht, so sind hier geistige Beziehungen da. Das Ganze muss aus geistiger Sicht bereinigt werden – gegenseitig als Mensch oder dann als geistige Wesen in der göttlichen Welt.
Es gibt sehr viele Menschen, die in ihrem Leben hadern mit dem, was geschehen ist. Sie sind nicht bereit, dem Schuldigen zu vergeben, und so fällt es ihnen in der Geisteswelt schwer, wenn sie mit dieser Schuld des Haderns hinüberkommen und als Mensch nicht die Kraft hatten, ihm zu vergeben. Es heisst ja im Vaterunser, und man verspricht es auch, dem Schuldner zu vergeben. Kommt man nun mit dieser belastenden Schuld in die jenseitige Welt, dann hat man es schwer. Es steht einem eine schwere Zeit der Läuterung bevor. So kann es wiederum geschehen, dass einer in seiner Seele für ein zukünftiges Leben gezeichnet wird.
Es ist doch für den Menschen, der da lebt, wahrhaftig von Nutzen, wenn er dafür besorgt ist, alles in Ordnung zu bringen – dass er keinen Hass und keinen Neid auf andere Menschen hat und nicht die Untugenden pflegt. Dafür ist dieses irdische Leben da – dass es so gelebt wird, dass man geistige Erfolge daraus erzielt. Das Leben mag für den einen wie für den andern hart werden; das sind Prüfungen, die Gott dem Menschen gibt. Bleibt man verschont von solchen Schicksalen, wie gut tut man als Mensch, Gott dafür dankbar zu sein. Man tut auch gut daran – und ist verpflichtet –, dafür besorgt zu sein, dass man sich keine solchen Schicksale auflädt, damit man sie nicht in einem zukünftigen Leben, auf diese oder jene Art, wie ich jetzt es euch erklärt habe, wiedergutzumachen hat.
Gott ist gerecht; der Schöpfer ist der Vater der Liebe. Mit dieser gestrengen Liebe muss Gott seine Geschöpfe erziehen, denn er will, dass sie wieder als geläuterte Wesen in das Reich Christi, in diese göttliche Familie eintreten. Es ist sicherlich verständlich, dass die Geisteswelt Gottes unter den Menschen zu tun hat, denn so vieles ist da und dort einfach nicht in Ordnung, und so gibt es früher oder später ein Eingreifen Gottes. Der Mensch lebt auf dieser Erde, um sich geistig höherzuentwickeln, um die geistigen Höhen zu erreichen. Wer nicht fähig ist, dem werden Geister Gottes zur Seite gegeben, die darauf achten, dass sich alles zu seinem Heil auf das Genaueste erfüllt, wie es für ihn gezeichnet worden ist. Das wird für den auf Erden lebenden Menschen oftmals sehr schmerzhaft und schwer, wenn er sein Schicksal zu tragen hat. Wie schade ist es doch für die Menschen, dass sie nichts von der Genauigkeit und der Gewissenhaftigkeit der Ordnung Gottes wissen und deren Gesetze nicht etwas genauer kennen.
Ich habe gesagt, dass es Völkerschicksale gibt. Ganze Völker müssen dann ein Schicksal tragen. Diese Völker können durch Kriege gezeichnet werden. Menschen haben schwer zu leiden und zu tragen an diesen Nöten, die ihnen täglich begegnen – es können Kriege sein, es können aber auch Naturkatastrophen sein. Einerseits wird doch das alles von Gott zugelassen – er lässt ja den Menschen den freien Willen. Menschen mit ihrem niederen Denken und Wollen bereiten ihren Mitmenschen so viele Sorgen und Nöte. Da sind sie, diese Menschen, die einerseits für sich selbst etwas wiedergutzumachen haben und anderseits durch das Tragen des vorübergehenden Schicksals innerlich gereift und geläutert werden, damit sie zu höheren und besseren Erkenntnissen kommen. Sie haben nicht nur für sich diese höheren und besseren Erkenntnisse erworben, sondern sie vermögen auch für jene, die nach ihnen kommen, eine geordnetere, bessere Welt zu schaffen. Gott gibt die Gelegenheit dafür – nicht nur einem Einzelnen, sondern er will vielen die Gelegenheit und die Möglichkeit geben, dass Besseres geschaffen wird für die, die zu kommen haben. Das alles, und wenn es auch um das Schicksal eines ganzen Volkes geht, mag es sein durch Krieg, durch Katastrophen, alles, was von Gott zugelassen ist, hat einen Sinn. Denn die göttliche Welt versucht, das Beste aus der Not des Menschen zu machen. Sie wird dementsprechend die Geister Gottes zu den Menschen senden in der Hoffnung, dass für die Zukunft Besseres geschaffen wird.
Unter euch sind Menschen, die Kriege miterlebt haben und sich nun fragen: “Was ist denn schon Besseres geschaffen worden?” In der Technik, ja, da seid ihr euch einig. Was die Menschen eben nicht zu sehen vermögen, sind der geistige Kampf, der dadurch ausgefochten wurde, und die Vorbereitungen für Besseres, Höheres, das später kommt – dass der Grundstein gelegt worden ist für eine Beschleunigung, für Besseres.
Die jüngeren Menschen versuchen ihre Welt auf ihre Weise zu ändern. Ja es sind jene, die den Anfang machen für eine bessere Zeit. Aber für die Begriffe des Menschen geht das zu langsam. Für ihn müsste diese bessere Zeit schon heute oder morgen geschaffen sein. Die hohe Geisteswelt weiss aber, dass sie mit mehreren Jahrzehnten zu rechnen hat, bis das erreicht wird, was Gott im Weltenplan festgehalten hat. Die Menschen haben keine Ahnung davon. Das Leben des Menschen hat einen hohen Sinn, und die Gotteswelt ist nicht untätig; sie fördert den Menschen in seinem Aufstieg. Und wenn er durch noch so viele Schwierigkeiten gehen muss und die einen und andern von so vielen Schicksalen gezeichnet sind – alles ist doch auf die Heimkehr zu Gott ausgerichtet. Es gibt in der geistigen Entwicklung kein Rückschreiten, sondern nur ein Vorwärtsgehen. So mag manches für den Menschen unverständlich sein; und für viele ist es ein schwerer Eingriff in ihr Leben, was sie alles mitzutragen haben. Betrachtet man aber das geistige Leben und erkennt den Fortschritt, den Aufstieg, so muss es einem doch ganz klar sein: In Gottes Interesse ist ja nur das, was dazu führt, dass seine Geschöpfe wieder in die Himmel, in seine Nähe zurückkommen.
Meine lieben Geschwister, ich habe versucht, euch vom Schicksal des Menschen etwas darzulegen. Ich weiss aber wohl, dass ich nicht von allen verstanden werde. So sollt ihr doch nur eines vor euren Augen haben, so ihr gottesgläubige Menschen seid: Zu ihm zurückkehren müsst ihr – er hat die Wege dazu bereitet. Und dieser grosse Wegbereiter war Christus, den ihr Erlöser nennt. Er hat den Weg bereitet für den Aufstieg und nicht für den Stillstand, geschweige denn für den Rückschritt. Versucht alles zu begreifen und zu verstehen, und bittet darum, dass ihr in eurem Denken erleuchtet werdet, damit ihr alles richtig versteht.
Nun, liebe Geschwister, überlasse ich euch dem Segen Gottes. Er soll euch behüten und beschützen. Getragen sollt ihr werden von den Engeln des Himmels, die euch stützen in eurem Leben und versuchen, euch den wahren Sinn eures Lebens zu zeigen. Werdet stark im Glauben, und richtet euch nur aus nach Gott und seiner guten Geisteswelt. So möge euch dieser Segen behüten und beschützen vor Not und Gefahr; möge euch dieser Segen Kraft geben, immer die rechten Entscheidungen zu treffen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 17.11.1973 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen aus den Jahren 1955 und 1957
Lieber Josef, in der Bibel heisst es, es würde kein Sperling ohne das Zutun des himmlischen Vaters zur Erde fallen und auch die Haare unseres Hauptes seien alle gezählt (Mat. 10, 29 f.). So nehme ich an, dass es weit mehr im Wissen und im Willen Gottes liegt, wenn ein grosses Unglück geschieht, zum Beispiel eine ganze Familie verunglückt?
Josef: Freilich. Für jeden Menschen besteht ein gewisser Plan, in dem die Stationen im Leben eingezeichnet sind, da sich gewisse Schicksale erfüllen. Diese Stationen muss der Mensch durchschreiten, das heisst, sein Schicksal ist festgezeichnet. Doch wenn er ein gutes Leben lebt, den Weg zu Gott findet, ihm dankbar ist, Vertrauen hat zu Gott und nur den Willen Gottes geschehen lassen will, dann besteht die Möglichkeit, dass ihm sein Schicksal gemildert wird und er es nicht in der vorgezeichneten Härte ertragen muss.
Diejenigen hingegen, die Gott nicht nahestehen und nicht nach ihm verlangen, sie haben genau das zu erleben, was vorgezeichnet ist. So kann ein Mensch in ein solches Unglück hineingeführt werden, damit sich sein Schicksal erfülle. Würde dieses Unglück durch irgendein Einwirken anderer verhütet, würde dieser Mensch zu einer andern Schicksalsstation geführt, und sein Geschick würde sich an dieser andern Station erfüllen. Das würde vielleicht einige Tage oder Monate später sein, vielleicht auch erst einige Jahre später. Hier spielt die Zeit keine Rolle.
Die Engel Gottes, welchen die Aufgabe übertragen wird, dafür zu sorgen, dass sich das Schicksal der einzelnen Menschen erfüllt, sie führen sie zu diesen Stationen, da- und dorthin. So geschieht es auch, dass Menschen auf wunderbare Weise verschont bleiben. Dann war es eine göttliche Führung gewesen. So haben oftmals auch ganze Familien sich in ein Schicksal zu teilen. Jeder Mensch erlebt das Schicksal, das für ihn vorgezeichnet ist. Etwas anderes ist es, wenn er ein Unglück selbst verschuldet durch Leichtsinn und Oberflächlichkeit. (1955)
Lieber Josef, kürzlich sind bei einem Busunglück achtzehn Frauen tödlich verunglückt – sie alle stammten aus demselben Dorfe [Rheinhausen, gehört heute zu Duisburg]. War dieses Unglück vorherbestimmt, oder war es reiner Zufall, also ‘blindes Schicksal’?
Josef: Es ist so, dass im geistigen Plane dieser Menschen ein solches Unglück gezeichnet war. Und so wurden die daran Beteiligten so geführt, dass dieses Schicksal sich an ihnen erfüllen konnte. Es hätte aber auch sein können, dass eine dieser Frauen plötzlich abgehalten worden wäre, mit den andern zu gehen. Früher oder später wäre sie dann aber auf einem andern Wege einem ähnlichen Schicksal nicht entgangen. Denn wenn Menschen in der Weise gezeichnet sind, wird sich dieses Schicksal so oder so erfüllen. Daraus könnt ihr die Ordnung Gottes ersehen, wie die göttlichen Wesen jene Menschen zusammenzuführen haben, die ein solches Schicksal erleben müssen. (1955)
Lieber Josef, in deinem letzten Vortrag [vom 24.2.1957] hast du erwähnt, dass bestimmte Engel jene Menschen, die bald ins Jenseits abberufen werden, mit einem Kreuz an der Stirn oder mit einem Kreis auf der Brust kennzeichnen. Kannst du uns dazu etwas sagen?
Josef: Ihr sollt euch nicht vorstellen, dass es immer dasselbe Zeichen ist und dies immer am selben Ort zu sein braucht – ihr sollt euch nicht so an ein Wort klammern. Es sind Engel aus verschiedenen Chören, die diese Zeichen machen. Sie erhalten die Nachricht vom Schutzgeist, wenn die Lebenszeit seines Schützlings bald abgelaufen ist. Denn nicht alle Geister haben davon Kenntnis, dass ein Mensch dann und dann abberufen wird. Es sind jeweils ganze Gruppen von Geistern, die dieses Wissen haben. Sie haben die Aufsicht über eine grössere Anzahl von Menschen, über die sie ständig unterrichtet werden – über ihren geistigen Fortschritt, über ihre Belastungen wie eben auch über die Zeit ihres Scheidens. Es gibt Engelwesen, deren ganze Beschäftigung darin besteht, auf- und niederzusteigen, von einem zum andern zu gehen, ihn zu beobachten, wie alt er ist, wie es um seinen Fortschritt steht und so weiter. Und sie gehen in ihre Welt zurück und bringen Kunde von alledem. Alles wird genau beobachtet und gezeichnet, auch ob ein Karma sich aufzulösen hat oder wenn ein Unglück naht. Dies wissen diese Engel auch. Denn sie sind sehr gewissenhaft bei ihren Besuchen bei den Geschwistern, die unter ihrer Aufsicht stehen. Ihnen zur Seite sind aber auch viele Engel Gottes, und jeder hat in seinem Bereiche eine Aufgabe zu erfüllen.
So werden die Nachrichten nach oben gebracht, und es wird sich das Schicksal erfüllen. Schon Wochen vorher wird angefragt, ob sich das gezeichnete Schicksal eines Menschen nun in der Weise zu erfüllen habe; denn diese himmlischen Boten erkennen ja das Leben des Betreffenden, und sie erahnen es, wo dieses Unglück vielleicht nicht geschehen muss, dass es durch die Gnade Gottes verhindert werden darf.
Ich habe schon erklärt: Der Plan ist bei jedem Menschen vorgezeichnet, was aber nicht heisst, dass sich nun Strich für Strich jede Stunde so erfüllen muss. Die Möglichkeit besteht, dass die Engelswelt den Plan abändert, je nach der Lebensweise des Betreffenden. So geschieht in der Weise niemals etwas Ungerechtes. Es kann einer im letzten Moment zum Beispiel gehindert werden, eine Reise zu machen. Vielleicht steht er schon auf dem Bahnhof, und plötzlich wird er nach Hause zurückgerufen, weil das und das passiert sei, und später vernimmt er, dass sein Zug verunglückt ist und es Tote gegeben hat, unter welchen auch er hätte sein können. Hier sind auch die Geister Gottes am Werk.
Es kann aber auch sein, dass die Engelswelt erkennt: Es ist höchste Zeit, dass dieser Mensch abberufen wird, weil er vielleicht nichts erfüllt, ja sich eher noch belastet, oder dass er in der geistigen Welt bessere Aufgaben erfüllen kann. Dafür gibt es verschiedene Gründe, und man darf nicht in jedem Fall gleich urteilen. Denn nur die Engelswelt erkennt, warum es zum Besten von diesem und jenem war, ihn frühzeitig von der Welt abzuberufen. (1957)
Ist dem Menschen so viel Freiheit gelassen, dass er selbst sein Schicksal formen kann?
Josef: Es ist für jedes Menschenleben das Schicksal gezeichnet. Wie es sich erfüllt, in seiner ganzen Schärfe oder etwas gemildert, darüber entscheiden die Engel Gottes, je nachdem sich der Mensch benimmt. Aber dass es sich erfüllt, dafür sorgen sie bestimmt. Nun kann aber der Mensch viel dazu tun, um sein Schicksal zu erleichtern. Einmal dann, wenn er selbst vernünftig lebt und die Dinge gut überdenkt. Denn das ist entscheidend. Der Mensch denkt nicht genug. Wenn die Menschen nicht so oberflächlich wären, sich alles besser überlegen würden, hätten sie weniger Schaden zu tragen. (1955)
Fragebeantwortungen aus den Jahren 1951, 1952 und 1954
Wenn ein Mensch eine schwere Untat begangen hat, und er bittet Gott um Vergebung und macht es wieder gut, ist dann diese Schuld erledigt? Oder kann es sein, dass sie ihm im nächsten Leben zu einem Karma wird?
Josef: Liebe Seele, ich in meiner Person kann nicht sagen, dir oder dir hat Gott die Schulden vergeben. Doch wenn ein Mensch wirklich bereut, wird Gott verzeihen, und dann wird eben die Schuld getilgt sein. Ihr wisst aber, dass, wenn Gott einem Menschen besondere Schulden vergibt, der Mensch auch demgemäss etwas vollbracht haben muss, womit er zeigen kann, dass es ihm mit seiner Reue wirklich ernst ist. Denn Gott will den Beweis dafür und wird nicht von heute auf morgen diese Schulden tilgen.
Gott kann diese Belastungen auch noch in der geistigen Welt tilgen; er kann dies auch tun auf dieser irdischen Welt durch seine Engel, wo es nottut. Ich möchte sagen, wenn ein Geist Gottes bei einem Menschen erkennt, dass er eine Aufgabe zu erfüllen hat und dass es darauf ankommt, dass ihm seine Schuld vergeben wird, so geschieht dies durch ein besonderes Einschreiten der Gnade Gottes.
Damit will ich euch die Belehrung geben, dass immer wieder von Zeit zu Zeit – wie ich auch schon erklärt habe in meinen Vorträgen – Engel Gottes von Haus zu Haus ziehen und die Menschen betrachten und dass bei manchen Menschen ein besonderer Schutz- oder Führergeist steht, der bereits selbstständig diese oder jene Schuld von ihm gestrichen hat. Das Recht dazu wurde ihm gegeben. Aber über diesem Engel wacht noch ein höherer Fürst, und dieser Fürst wird zur genau bestimmten Zeit bei einem solchen Menschen erscheinen und wird je nachdem zu dessen Führergeist sagen, dass es nicht richtig sei, diese Schuld zu streichen. Anderseits kann er aber auch sagen: “Diese Schuld hätte schon längst gestrichen gehört!” Er kann aber auch sagen, dass dieser und jener Mensch selber alles auszutragen hat.
So sollt ihr wissen, dass keinem Menschen Unrecht geschieht. Aber ich kann auch versichern: Wenn der Mensch guten Willens ist und die Worte wirklich aufnimmt, die ihm gegeben werden, und sich täglich immer bemüht, nur das Gute zu tun, und er aber auch immer wieder da und dort strauchelt, begreift man dies von der geistigen Welt aus wohl. Man erkennt aber wohl, wo der Mensch straucheln kann und wo er dies unbedingt nicht mehr tun sollte. Und so richten eben die Engel Gottes über den einzelnen Menschen.
So kann aber ich in meiner Aufgabe nicht sagen, dass diesem oder jenem seine Schuld vergeben wurde. Ich darf nur sagen: Sie wird vergeben, wenn der Mensch wirklich reuig ist und er wirklich versucht besserzumachen, sodass durch ein besonders grosses Werk seine Schuld getilgt wird. Ob dies geschieht, weiss aber der Mensch selbst auch nicht. Manchmal aber kann er etwas spüren, doch muss ich sagen, dies trifft in den seltensten Fällen zu; es ist in Gottes Gerechtigkeit. (1952)
Ist es für den Menschen besser, wenn er sein Schicksal einfach annimmt oder wenn er darum bittet, dass er davon befreit wird?
Josef: Freilich soll der Mensch bitten, dass er davon befreit wird, und er soll sein Möglichstes tun, dass er befreit wird von Schuld und Sühne. Er soll an sich arbeiten, und er muss Gott bitten um Verzeihung. Und wenn Gott sieht, dass es richtig ist, dass man dem Menschen verzeihen darf, dann wird ihm auch wirklich eine grosse Hilfe zuteil.
Hierzu möchte ich einige Worte sagen. Wenn Menschen – ich möchte fast sagen – sich rein machen wollen, wenn sie all ihre Schuld weglegen möchten, so sollen sie zu Gott gehen, wirklich Gott bitten, er möge ihnen ihre Schulden vergeben. Denn Schulden vergeben kann nur Gott allein, niemand ausser Gott; nicht der Schutzengel, der bei dir ist, kann es, nur Gott allein. Dein Schutzengel wird dieses Gebet zu Gott tragen. Wenn ich jeweils sage, dass alles, was ihr erarbeitet und tut, in einen Kelch gelegt und zum Hause Gottes getragen wird, so stehen auch diese Schutzengel und Schutzgeister für euch ein und bitten für euch. So wird Gott das Urteil fällen, und Gott wird den Menschen die Schulden verzeihen, und sonst hat gar niemand das Recht oder die Kraft dazu. Denn ein Mensch kann niemals sehen, ob es dem andern wirklich ernst damit ist, ob er wirklich reuig ist. Und so kann er nicht in seine Seele dringen. Dies ist ein geistiges Gesetz – nur Gott dringt in diese Menschen, oder es sei denn, Gott sende einen Engel und beauftrage ihn, dem Menschen etwas zu erlassen oder ihm nähere Botschaft zu geben. Sünden vergibt nur Gott. (1951)
Lieber Geistfreund, ein Bekannter von mir sieht in der Lehre vom Karma folgende Problematik: Man könne einen willensschwachen, kranken Menschen entmutigen, wenn man ihm sage, dass ihm wegen seines Karmas eventuell nicht geholfen werden könne. Was sagst du dazu?
Josef: Lieber Freund, man soll leidenden Menschen nicht so begegnen, dass man immer von Karma zu ihnen spricht. Nur zu jenen, die Kenntnis und Verständnis dafür haben, kann man davon sprechen. Es gibt aber viele, die nichts von Karma wissen wollen. Ja, es ist ein Hindernis für sie, wenn man davon spricht, dass ihr Leiden das zur Ursache hat, was sie einst selbst aufgebaut haben. Es gehört ein so feines Empfinden dazu. Wenn man vom Willen des Helfens erfüllt ist, sollte man auch fühlen, wie dem andern zu begegnen ist, und man sollte die Gabe haben, sich dem andern mitzuteilen. Nicht jeder ist in gleicher Weise aufnahmefähig, dass man ihm sagen könnte: “Du musst das einfach in Gottes Namen austragen, was du alles selbst verschuldet hast.” Auf diese Weise kann man niemandem helfen. Sondern man muss versuchen, die Gefühle und das Leben des andern zu verstehen. Man darf da nicht einfach mit schroffen Worten so etwas erklären.
Anders ist es, wenn jemand glaubt, diese Gabe zu besitzen, sich dem andern mitzuteilen in einer solchen Feinheit, dass dem andern der Weg gezeigt ist. Man muss dem Leidenden den Weg ins Leben zeigen können. Ihm Vorwürfe betreffs des Karmas zu machen, ist falsch. Man kann ihn aufmerksam machen darauf, warum er dies alles zu tragen hat; aber man soll nicht immer bei jeder Gelegenheit davon sprechen, sondern hier ist eben das geistige Helfen notwendig. Damit meine ich nicht das Helfen mit Geld, sondern indem man sich Mühe nimmt, sich in das Leben des Nächsten einzufühlen, um ihm den Weg zu beleuchten, ihm Kraft und Mut zu spenden, dass er sein Schicksal auch ertragen kann. Denn die Geistboten, die die Aufgabe haben, in das Reich Luzifers einzudringen, sie gehen auch nicht hin und sagen jenen Unglücklichen: “Jetzt habt ihrs eben, was ihr als Menschen verschuldet habt!” Sondern sie gehen hin und trösten sie, erklären ihnen die Schönheit des Reiches Gottes und zeigen ihnen den Weg zum Aufstieg.
Wir wissen wohl, dass es oftmals schwer ist, den Freunden den Weg aufwärts zu zeigen. Wenn solche dann so hart und verständnislos sind, dass sie es einfach nicht einsehen wollen, dann haben sie es eben auszukosten, und es liegt in ihrer Entwicklung. (1954)