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In der jenseitigen Welt erlebt jeder Heimgekehrte die göttliche Gerechtigkeit. Er wird beurteilt nach seinem Denken, Wollen und Handeln. Es wird nach der geistigen Verantwortung gefragt, die er trug im Leben, ob sie erfüllt worden ist.
Im Geiste ist nichts vergänglich, nichts kann verloren gehen, kein Gedanke, keine Absicht, nichts Ausgeführtes – alles ist offensichtlich. Denn alles wird vom lebenden Menschen mit seinem eigenen Atem aufgesogen und festgehalten. In diesem Themenheft berichtet Geistlehrer Josef, wie ein Verstorbener die Rückschau auf sein zurückgelegtes Erdenleben erlebte, um zu erkennen, wo er gefehlt hatte. Diese Schau wiederholte sich, als er vor den Geistern Gottes steht, die über ihn zu richten und seinen weiteren Weg zu bestimmen haben.
Das Themenheft gibt auch Auskunft über das höchste Gericht im Himmel – über die höchste und letzte Rechtsprechung, die überall und von allen Geschöpfen anerkannt wird. Zu diesem obersten himmlischen Gericht gehören erhabene Geister Gottes, die unter der Leitung des Königs in den bedeutungsvollsten Fällen Recht sprechen.
Josef, 4. Mai 1974
Es gibt in der göttlichen Welt eine höchste und letzte Rechtsprechung, die überall und von allen Geschöpfen anerkannt wird. Zu diesem obersten himmlischen Gericht gehören höchste geistige Würdenträger, die unter der Leitung des Königs in den bedeutungsvollsten Fällen Recht sprechen.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, das Leben des Menschen ist eine Schule. In eurer Welt ist es so, dass man von Jahr zu Jahr in eine höhere Klasse aufsteigen darf – im Geistigen hingegen kann es so sein, dass man, um eine höhere Stufe zu erreichen, ein ganzes Leben braucht oder weitere dazu. Der Mensch ist dem verpflichtet, der diese Welt geschaffen hat und sie auch erhält. Der Mensch wird verpflichtet, sein Leben in höhere Dienste zu stellen, um Gott gefällig zu werden, um dementsprechend seinen Platz nach seinem irdischen Tode einnehmen zu dürfen. Einem jeden möchte man doch seinen einstigen Besitz wieder zurückgeben.
Wir verlangen von den Menschen – oder glauben verlangen zu dürfen –, dass sie sich nach den höheren Dingen des Lebens ausrichten, um höhere Verdienste zu erwerben. Es gibt aber Menschen, die ihre Seele aufs Schwerste belasten; sie legen sozusagen Last auf Last in ihre Seele hinein. Wir zählen sie zu den grossen Schuldnern dieser Welt. Solche Menschen haben ja auch nach ihrem irdischen Tode göttlichen Wesen gegenüberzustehen. Und manche bedauern ihre Verfehlungen, doch dann ist es zu spät. Die Belastung der grossen Schuldner dieser Welt setzt sich zusammen aus den vielen Ungerechtigkeiten, die sie begangen haben, aus den vielen Verfehlungen aller Art. Auch der Unglaube gehört dazu, und die Verbreitung von Irrlehren belastet auch die Seele des Menschen.
Es ist ja schwer, dem Menschen die geistigen Gesetze darzulegen, denn manchem fehlt das Verständnis. Viele wollen nicht an sie glauben, weil es ihnen nicht passt. Nun, ich habe Freunde, die regelmässig hierherkommen und die sich für weitere Dinge interessieren, die sich ihnen nach ihrem irdischen Tode eröffnen. Ich gebe mir Mühe, die Gesetzmässigkeiten dieser andern Welt und das Leben dort überhaupt darzulegen. Ich muss aber immer wieder mit dem Verständnis der Anwesenden rechnen können, denn es ist schade für das, was ich dem Menschen darbringe, wenn er keinen Glauben dafür aufbringt. Ich möchte so gerne versuchen, den Menschen diese andere Welt nahezubringen, und auch die Darlegungen der Heiligen Schrift etwas näher beleuchten. Ich möchte mich aber jeweils – und dies betone ich besonders – nicht wortwörtlich auf die Aussagen der Heiligen Schrift berufen. Trotzdem möchte ich das Verständnis des Menschen gewinnen und ihm jene Vergleiche nahelegen. Und ich möchte ihn aufrufen, sich manches besser zu überlegen.
Christen verschiedener Glaubensrichtungen reden vom Jüngsten Tag, von der Auferstehung am Jüngsten Tag, vom Letzten Gericht. Ich möchte mich jetzt einmal damit auseinandersetzen und von diesem Jüngsten Tag und vom Letzten Gericht sprechen.
Zum Jüngsten Tag: Ich glaube, dass der heutige Mensch mit seinem Sprachbegriff damit nichts anfangen kann. Er weiss nicht, was mit den Worten gemeint ist: “Am Jüngsten Tage wird er auferstehen.” Davon wurde nämlich schon geredet, bevor die Erlösung durch Christus stattfand (vgl. Jes. 26, 19), und andererseits wird noch heute – also nach der Erlösungstat Christi – von diesem Jüngsten Tag und der Auferstehung gesprochen.
Als in jener Zeit über den Jüngsten Tag und die Auferstehung von den Toten geredet wurde, war doch die Auferstehung aus dem Totenreich gemeint. Ich habe euch immer wieder erklärt, dass diese Auferstehung ja erst dann stattgefunden hatte, als Jesus Christus [nach dem Kreuzestod] im Reich der Toten [siegreich gegen Luzifer gekämpft und] die Bedingungen festgelegt hatte und aus dem Reich der Toten wieder emporgestiegen war. Es wurde dazumal festgelegt, dass dieses Totenreich seine Toten hergeben muss. Mit diesen Toten sind nicht jene Menschen gemeint, die gestorben sind, sondern es sind diejenigen Toten gemeint, die dem Totenherrscher, also Luzifer, angehören. Die Christenheit betet ja zum lebendigen Gott; also haben jene Toten mit dem lebendigen Gott nichts zu tun, sondern die Toten sind jene, die dem Herrscher des Totenreiches zugehörig sind. Die Auferstehung von den Toten beziehungsweise der Jüngste Tag ist also jener Tag, an dem [vor 2000 Jahren] die Erlösung [durch Jesus Christus] stattgefunden hat.
Ich möchte eigentlich nicht von dem ‘Jüngsten’ Tag sprechen, denn dieses Wort passt weder in die heutige Zeit noch in die Begriffe des Menschen. Benennen könnte man jenen Tag, als Christus die Menschheit erlöste, als den “schönsten Tag”, den “heiligsten Tag”. Die Menschen könnten es besser verstehen, wenn man ihnen klarmachen würde, dass mit diesem Tag der Tag der Befreiung – der Erlösung aus der Knechtschaft – gemeint ist und dass die Auferstehung von den Toten von jenem Zeitpunkt an beginnen konnte, als Christus diese Erlösung geschafft und seinen Geschwistern den Weg zu Gott bereitet hatte. Es ist der heiligste Tag, es ist der Tag der Befreiung.
Ich kann aber auch sagen – wenn man nun bibelfest bleiben wollte –, dass dieser Tag für jeden Menschen gilt, der seinen Schritt ins Jenseits macht. Er sollte für ihn doch auch ein heiliger, seliger Tag – ein Jubeltag werden. Der Heimkehrende sollte diesen Eingang in die andere Welt auch als eine Befreiung, eine Erlösung aus der Knechtschaft des Bösen, betrachten. So sollte dies verstanden werden.
Die Auferstehung von den Toten und dieses Warten bis zum Jüngsten Tag ist doch längst Vergangenheit. Dieser heiligste Tag, dieser seligste Tag der Befreiung und der Erlösung, ist doch längst vorüber, denn er fand bereits [vor 2000 Jahren] statt. Der Weg zum Himmelreich ist nun geebnet. Es wäre gut, man würde den wahren Sinn erfassen – was mit diesem Ausspruch gemeint ist.
Heute möchte ich vom Letzten Gericht berichten. Es gibt auch welche, die vom Jüngsten Gericht sprechen. Ich möchte aber jetzt vom Letzten Gericht Gottes reden, denn die Bezeichnungen “das Jüngste Gericht”, “der Jüngste Tag” gefallen uns nicht, denn das kann heute dem Sinn gemäss nicht mehr verstanden werden.
Ich möchte nun vom Letzten Gericht einige Darlegungen geben – was davon zu halten ist. Vom Letzten Gericht wurde immer wieder gesprochen, und ich möchte erklären, wie dies heute zu verstehen ist. Ich will aber vorausschicken, dass sich die geistige Welt der Entwicklung der Menschheit anpassen musste und angepasst hat. Vom Zeitpunkte an, als die Erlösung stattgefunden hatte, wurden in der geistigen Welt gewaltige Veränderungen vorgenommen; diese geistigen Ebenen, diese geistigen Himmel, wurden umgestaltet. Es mussten für die Zurückkommenden andere Heimstätten geschaffen werden. Denn diese Zurückkommenden sind doch im Aufstieg und vermögen wohl kaum gleich wieder von dem in Besitz zu nehmen, was sie einst besassen. Ich habe ja im Laufe der Jahre erklärt, dass es solche Aufstiegsstufen gibt und dass man von Stufe zu Stufe schreitet. Deshalb habe ich gesagt, dass das Leben des Menschen eine Schule ist und dass man die Möglichkeit hat, im Laufe eines Lebens eine Stufe weiter emporzusteigen. Ich möchte nun bescheiden sein und nur von einer Stufe reden. Gelingt es einem Menschen, mehr zu erreichen, dann soll er sich glücklich schätzen, dieses erreicht zu haben.
Nun zur Frage: Wann kommt dieses Letzte Gericht? Wann wird es in Anspruch genommen? Wie ist das zu verstehen? Ein geistchristlich denkender Mensch kann heute solches wohl verstehen; ich will versuchen es euch so darzulegen, wie es ist. In der göttlichen Welt wachen die Geister Gottes über euch Menschen. Ich habe euch das des Öfteren schon erklärt, und ihr wisst, dass auch ein jeder Mensch seinen Schutzgeist hat. Diese Schutzgeister und weitere Geister wachen über die Menschen und über diese Welt. Sie berichten ihren höheren Geschwistern, indem sie ihre Beurteilung oder die Nachrichten weitertragen.
Ich versuche euch nun darzulegen, dass es ein solches göttliches Gericht gibt und es notwendig ist. Weiter möchte ich euch erklären, wer zu diesem Letzten Gericht, dem höchsten Gericht, gehört. Es sind dies eine Anzahl höchster geistiger Würdenträger unter der Führung ihres Königs. Der König muss nicht unbedingt bei der Rechtsprechung dabei sein. In ganz besonderen Fällen kann es aber doch manchmal notwendig sein, dass sich diese hohen Geistwesen mit dem König besprechen, auch wenn sie über die Rechtsprechung der geistigen Gesetze Bescheid wissen. Doch in den meisten Fällen dürfen diese höchsten Würdenträger Recht sprechen und ihr Urteil abgeben. Dieses höchste Gericht, das Letzte Gericht, ist in der Gotteswelt die letzte Instanz, die Recht spricht.
Um an dieses hohe Gericht zu gelangen braucht es die Fürsprache anderer erhabener Geistgeschwister. Wie bei euch Menschen, die ihr einen freien Willen habt und mit eurem freien Willen euch durchsetzt – sei es zum Guten oder zum Schlechten –, entscheidet auch bei den jenseitigen Wesen der Wille. Die Willensentscheidung liegt nicht nur bei euch, sondern auch in der geistigen Welt bei den allermeisten Geistgeschwistern. Ich muss betonen: bei den allermeisten. Ich möchte jene davon ausnehmen, die keine Möglichkeit zur freien Willensentfaltung haben, weil sie gefangen sind. Durch Belastungen ihrer Seele [haben sie sich strafbar gemacht und] befinden sie sich in einem geistigen Gefängnis und werden ihrer Freiheit vorübergehend beraubt; sie sind gebunden und haben deshalb vorübergehend keine Freiheit. Das ist ja auch bei euch Menschen so, und man wird mir nicht widersprechen, wenn ich sage, dass solches eben auch in der geistigen Welt so sein kann und mit Recht geschieht. Diese Einschränkung der Freiheit geschieht ja nur vorübergehend; sie dauert so lange, bis der Betreffende zu einer höheren Gesinnung oder zur Einsicht gekommen beziehungsweise die Zeit seiner Strafe abgelaufen ist. Dann wird er wieder in die Rechte eingesetzt, die im Rahmen seiner Entwicklung liegen. Denn nicht jeder Geist besitzt dasselbe Wissen, dieselben Rechte. Welche Rechte er hat, welches Wissen er besitzen darf, ist bestimmt durch seine persönliche geistige Entwicklung. Je höher ein Geist in seiner Entwicklung steht, je mehr Rechte, aber auch Pflichten hat er.
Ich möchte einmal darlegen, dass es solche höhere Wesen gibt, die Klagen von aufsteigenden Geistgeschwistern entgegennehmen. Diese sind so beharrlich und bestehen darauf, dass ihr Anliegen an die höchste Stelle getragen wird. Es soll euch auch nicht unmöglich erscheinen, dass dieses des Öfteren vorkommt. Stellt euch nur vor, wie die christliche Kirche ihre Lehre verkündet: wie sie von der Rückkehr oder von der Einkehr in den Himmel spricht und das Zurückkehren zu Gott und das Zusammensein mit ihm erklärt. Dass es Heimkehrende gibt, die glauben, ihnen sei Unrecht geschehen, wenn sie nun nicht in die allernächste Nähe eines bestimmten Heiligen gelangen oder nicht in die allernächste Nähe von Christus kommen, ist nachvollziehbar. Sie glauben beweisen zu können, dass sie ihr ganzes Leben für Christus gelebt haben, und nehmen somit auch an, dass sie ein Recht hätten, in seine Nähe zu kommen. Es sind jene, die sich überhaupt nicht um das Gesetz und die Ordnung kümmern; sie wissen überhaupt nichts Näheres über die Schöpfung Gottes und über den Heilsplan – das alles interessiert sie gar nicht. Das Wichtigste, das sie für sich in Anspruch nehmen, ist, dass sie zur Ehre Gottes oder für Christus gelebt hätten. So meinen sie das Recht in Anspruch nehmen zu dürfen, auch in deren nächster Nähe zu sein. Solche Meinungen gibt es sehr viele. Denn das, was sich im menschlichen Leben im Denken so tief verwurzelt hat, bleibt erhalten, auch wenn man seinen irdischen Leib nicht mehr besitzt. Das Denken und Wollen ist noch dasselbe – die Ichpersönlichkeit ist noch dieselbe. Man beharrt genau auf dem Standpunkt wie zu menschlichen Zeiten, so man sich nicht eines Besseren belehren lässt. Und so ist es eben: Man lässt sich nicht eines Besseren belehren. Solche Heimgekehrte möchten dann diese Bedingungen stellen.
Nun, solche aufsteigende Geistwesen sind weit davon entfernt, dass ihnen gestattet würde, zum höchsten Gericht zu gelangen. Denn dort befinden sich jene erhabenen Geister, die sich all jener annehmen müssen, die dieses Recht verlangen. Die göttlichen Wesen erkennen, ob es nun wirklich notwendig oder wichtig ist; sie kennen auch die Grenzen und wissen, ob es ihnen gestattet und erlaubt ist, das Anliegen solcher an die höchsten Stufen zu bringen. Und so werden solche Anliegen jeweils von diesen erhabenen Wesen abgewiesen, denn es ist ja klar und verständlich, dass Derartiges nicht an die höchsten Stellen zu bringen ist. Jedes göttliche Wesen kann selbst darüber Bescheid geben – geht es nun einmal zuerst darum, diese Zurückkehrenden in die neue Welt einzureihen, sie zu orientieren und mit dieser neuen Welt bekannt zu machen. So lässt man ihnen oftmals diesen Widerstand, den sie mitbringen.
Diese Heimgekehrten entscheiden sehr oft selbst über ihre Zukunft; sie kehren dann eben zu den Menschen zurück. Ich habe euch im Laufe der Jahre so viele Berichte gegeben, aus denen hervorgeht, dass sich diese Wesenheiten nur zufrieden und glücklich finden können, wenn sie mit den Menschen zusammenleben. Sie warten da beim Menschen in der Meinung, dass sie von da in die Himmel hereingeholt würden. So die einen – und die andern mögen anspruchslos sein und finden sich zufrieden, so wie sich das Leben gerade ergibt. Sie fühlen sich wohl um den Menschen und sind zufrieden, einmal in ein Gespräch mit einem zu kommen, von dem sie selbst erkennen, dass es sich um ein höheres Wesen handelt. Aber selbst haben sie kein Verlangen, sich um den geistig höheren Aufstieg zu bemühen.
Man lässt sie eine Zeit lang so – bestimmt dafür die ungefähre Zeit. Wenn man glaubt, es sei nun so weit, dass man von dieser betreffenden Seele mehr erwarten dürfe, schreitet man ein. Dann kommt man mit ihr ins Gespräch, unterrichtet sie und versucht, sie wegzuführen, zurückzunehmen – dass sie sich nun von der Gebundenheit des menschlichen Lebens entfernen soll. Mit gutem Zuspruch kann dies beim einen zustande kommen; ein anderer will nicht, er behauptet sich und will dableiben. Dem kann noch für eine gewisse Zeit oder vielleicht sogar auf eine unbestimmte Zeit stattgegeben werden. Es kommt aber für jeden der Moment, wo man ihn dann mit sanfter Gewalt – wie ich jeweils betone – wegholt und ihn da hineinführt, wo er hingehört. Dort wird er dann weiter belehrt. Das ist ja die Aufgabe der Geister Gottes. Ich könnte ergänzen, um zu präzisieren: Es ist die Aufgabe der Engel Gottes. Es sind aber auch solche Geistwesen dabei, die sich in der Jenseitswelt um ihren eigenen Aufstieg bemühen und zu einer solchen Tätigkeit berufen werden, um auf diese Weise zu wirken.
Ich erwähnte, dass bei den einen das Anliegen abgelehnt wird, an die höchste Stelle zu gelangen, damit dort über sie Recht gesprochen werde. Mit der Zeit finden sie sich damit ab. Denn sie lernen die Geisteswelt kennen, werden in Schulen geführt und müssen mit andern in der Gemeinschaft zusammenleben und lernen. Und so müssen sie dann die Feststellung machen, dass die Geisteswelt ganz anders ist, als sie in ihrem menschlichen Leben geglaubt haben – wenn es denn solche gibt, die von dieser andern Welt überhaupt eine Meinung gehabt haben.
Nun gibt es aber ganz ernsthafte Dinge, die geschehen. Ich habe euch erklärt, dass im Totenreich geistige Wächter stehen. Sie bewachen die Ein- und Ausgänge jener niederen Mächte und sind dafür besorgt, dass dort nichts geschieht, was das Gesetz oder die einstige Abmachung verletzen würde. Ich muss leider sagen, dass man im Totenreich wenig Respekt vor jenen hat, die die Ein- und Ausgänge bewachen. Dies tut aber weiter nichts zur Sache. Diese geistigen Wächter übermitteln alles, was in der Unterwelt geschieht, ihren höheren Geschwistern. Auch wenn die Herrscher des Totenreiches den heiligen Wächtern keinen besonderen Respekt oder keine Achtung erweisen, haben sie doch Respekt, Achtung und Angst vor dem, der sie zu ihnen befohlen hat. Sie wissen, dass sie die ihnen gesetzten Grenzen nicht überschreiten dürfen. Im Totenreich gibt es immer wieder Dinge, die jene Mächte durchzusetzen versuchen, und manchmal wird es notwendig, dass die erhabenen Engel des höchsten Gerichtes dem Herrscher des Totenreiches näher gegenübertreten. Und der weiss genau, in wessen Auftrag sie kommen – dass man sich wieder an die Gesetze und an die Ordnung zu halten hat.
Das, was ich euch jetzt sage, ist vielleicht riskant, weil das Denken bei diesem oder jenem Menschen in eine ganz bestimmte Richtung geht. Ich möchte euch daran erinnern, was ich in früheren Jahren gesagt habe: “Ich hätte euch so manches zu erzählen, aber ich kann es nicht, weil ich glaube, dass das Verständnis nicht da ist und dass das Gesagte falsch verstanden würde.” Trotzdem habe ich mich nun dazu entschlossen, euch solches darzulegen.
Es gibt aber in dieser Welt auch Menschen, die die schwersten Verbrechen begangen, die schwerste Last auf sich geladen haben, die sich ein Mensch überhaupt nur aufladen kann. Nun ist es so: Die Erlösung hat für einen jeden stattgefunden, und keiner sollte wieder in diese höllischen Bereiche, in das Reich des Toten, zurückkehren. Christus hat den Weg für alle geebnet; im Gesetz ist festgeschrieben, dass für einen jeden der Zugang zum Reiche Gottes frei gemacht ist. Nun werden ja die himmlischen Eingänge von hohen Geistern bewacht, und es kann geschehen, dass man den einen oder andern nicht empfangen will – ihn nicht in den Himmel hineinlässt, ihm den Eingang verwehrt. Solches muss dem höchsten Gericht zugetragen werden, denn dort haben Geister Gottes dafür zu sorgen, dass sich alles so erfüllt, wie es im Gesetze festgeschrieben ist.
Himmlische Wesen besitzen, gleich wie die Menschen, einen eigenen Willen, eine eigene Entscheidungskraft. Geister Gottes beobachten den Menschen im Leben und verwarnen ihn durch sein Gewissen, das jeder besitzt. Solchen, die die schwerste Schuld auf sich geladen haben, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, verwehren sie den Eintritt ins Himmelreich. Und ich betone: Das geschieht nur bei ihnen. Nun sind die Wächter Gottes beauftragt, an höchster Stelle abzuklären, ob einem solchen Schwerstbelasteten der Eingang verwehrt werden darf. Sie klären ab, was mit ihm zu geschehen hat. Man verwehrt ihm sogar das Leben unter den Menschen. Man will nichts von ihm wissen und möchte ihn nur zurückstossen ins Reich der Toten – zurück ins teuflische Reich. So wie sein Leben gewesen ist, soll er einkehren: in dieses Totenreich, zu Satan. Diese Geister Gottes lassen es nicht zu, dass ein solcher oder dass solche den Himmel beflecken.
Diejenigen Geister, die den Auftrag haben, solches abzuklären, gehen zum höchsten Gericht, das es im Reiche Gottes gibt. Es ist dies, ich betone, das höchste und letzte Gericht. Dort wird über das Leben solcher Menschen geurteilt, denen die Heiligen des Himmels den Eingang verwehren. Nun, diese Wächter Gottes haben sich jeder Rechtsprechung des höchsten Gerichtes zu fügen. Dieses höchste Gericht entscheidet, wo nun der Platz eines solchen Schwerstbelasteten ist. Ist er noch würdig, von der Erlösung zu profitieren und vielleicht doch noch in die unterste Stufe des Aufstieges einzukehren? Im Gesetze steht ja geschrieben, dass ein jeder bei seiner Rückkehr wieder denjenigen Platz einnimmt, von wo er ausgegangen ist. Ist man sich in der Beurteilung nicht einig, wird das höchste Gericht angerufen. Dort wird entschieden, nach der Schwere seiner Schuld – dort wird Recht gesprochen: Für den einen heisst es “Zurück ins Totenreich mit ihm”, anderen kann es gestattet werden, in eine Verbannung einzutreten. Es wird von den höchsten Stellen bestimmt, in welcher Art und Weise und wo es geschehen soll. Alles geschieht im Rahmen der geistigen Gesetze und spielt sich gemäss der geistigen Ordnung ab. So urteilt da dieses höchste Gericht, das es überhaupt gibt, was mit dem oder mit denen zu geschehen hat. Es kann geschehen, dass so Recht gesprochen wird, dass solche Verstorbene, die sich aufs Schwerste verschuldet haben, wieder [wie nach dem Abfall] ihren Platz im Reich der Toten einnehmen müssen. Und dieses höchste und letzte Gericht ist es, das die Zeit bestimmt und darlegt, wie lange der Weg des weiteren Aufstieges sein wird und auf welche Art und Weise es geschehen soll.
So wird von diesem hohen Gericht Recht gesprochen, und das ist wohl eine Notwendigkeit – geschehen doch viele Dinge, die sich in dieser Welt abspielen. Gott ist der Herrscher über alles, über jedes Leben, und ein jeder hat sich diesem höchsten Rechtsspruch zu fügen. Deshalb ist dieses hohe Gericht notwendig. Früher wusste man noch Bescheid über dieses Letzte Gericht oder meinetwegen Jüngste Gericht, wie es auch bezeichnet wurde. Seinerzeit haben es jene Menschen auf demselben oder ähnlichem Weg erfahren, wie ihr es jetzt erfahrt. Aber die Wahrheit, wie sie wirklich ist, hat an Inhalt und Bedeutung verloren. Man hat doch keine Vorstellung mehr von einer anderen, göttlichen Welt. Die “Kinder dieser Welt”, wie Christus sie nannte (vgl. Luk. 16, 8), haben keine Vorstellung von der Ewigkeit.
So ist dieses höchste und letzte Gericht eben berechtigt, Recht zu sprechen, und das Dasein dieser höchsten Richter ist eine Notwendigkeit. So können ja nur wirklich extreme Fälle zu diesem höchsten Gericht gelangen. Und es ist auch verständlich, dass man nicht zu diesem höchsten Gericht gelangen kann, weil man sich nicht einig ist über den Platz, den man gerade einnimmt oder wo man gerade hingebracht worden ist. Es muss schon um etwas wirklich Bedeutungsvolles gehen.
Gerechte Menschen wünschen doch dieser Welt den Frieden, und ich möchte betonen, dass viele gläubige Menschen für den Frieden der Welt beten. Es ist aber nicht nur bei euch Menschen so, dass ihr den Wunsch habt, eure Mitmenschen sollten doch endlich im Frieden leben können. Dasselbe Verlangen hat ja auch die Geisteswelt. Es sind so viele Wesen oder Menschen, die von dieser Welt scheiden und in die Ewigkeit eingehen; sie haben auch den Wunsch und das Verlangen, Gott möge doch etwas tun, damit endlich Friede werde. Sie glauben, dass es nur an ihm liegen würde: Er hätte doch Macht und Gewalt; er könnte doch zum Frieden zwingen.
Nun, das geistige Gesetz ist eben so, dass man niemand zwingen darf, sondern dass man den Frieden aus einem eigenen, inneren Verlangen heraus suchen muss – den Frieden fördern und im Frieden leben soll. Es ist nicht etwas, das man einem aufzwingen kann; es muss von den einzelnen Menschen ausgehen. Die Menschen müssen sich im Friedenswillen mehren. So bekommen sie Mut, die Welt so zu gestalten und zu regieren, dass man mit den andern in Frieden leben kann.
Das Gesetz schreibt vor: Es darf auf den Einzelnen keine Gewalt ausgeübt werden – er muss in seiner Meinungsäusserung frei sein. Die Menschen werden ja vom Herrscher Luzifer regiert; sie sind ihm zugeschrieben und ihm hörig. Erst wenn sie sich von innen heraus von ihm abwenden und sich dem Höheren gegenüberstellen und das höhere Leben leben, dann kann doch Frieden einkehren. Aber solange Luzifer der Herrscher dieser Welt ist, gibt es keinen Frieden. Wohl wird vorübergehend Frieden gemacht, für ein paar Jahre, wenn es gut geht. Und dann wird wieder ganz anderswo das Feuer ausbrechen, und es kommt wieder von Neuem zu einem Krieg: immer dort, wo Vernunft und Verstand beim Menschen nicht so vorhanden ist und das Herz und die Seele nichts zu sagen hat. Doch da, wo Vernunft, Verstand und der Geist – aus der Seele des Menschen – eine Mitsprache haben, sollten doch Kriege nicht mehr möglich sein.
Nun möchte ich euch darlegen, dass es geistige Wesen gibt, die in ihrer Beharrlichkeit so sind, dass sie sogar glauben, den lieben Gott oder Christus zu einer anderen Einstellung zwingen zu können. So meinen sie, sie wollten nur das Gute – dem ist ja freilich so. Sie bitten und flehen zu Gott, er möge doch Frieden machen.
Allein, Gott muss ihnen zu verstehen geben, dass es im Willen des Menschen steht, zu entscheiden; er sendet doch Geister aus zu den Menschen, damit sie ihnen die Kraft geben, eine andere, höhere Entscheidung treffen zu können. Aber nicht die Geister, die neben dem Menschen sind, können Frieden erklären und Verträge unterschreiben – es sind doch die Menschen, die es tun müssen. Es ist wiederum eine Entscheidung, die der Mensch trifft. So möchte wohl ein jeder für seinen eigenen Frieden kämpfen – ein jeder möchte für sich den Frieden, aber ein solcher Friede ist mitunter ein egoistischer Friede. Man möchte nur für sich Besitz und Vorteile haben und denkt nicht daran, dass der andere auch leben muss. Hier spielt immer noch die Gewinnsucht der Völker, ihre Herrschsucht eine bedeutende Rolle.
Auch diese Wesenheiten versuchen, zum höchsten Gericht zu gelangen, damit dort Recht gesprochen werde – dass der Menschheit Frieden gegeben würde. Auch in einem solchen Falle ist es ein erhabener Geist Gottes, der diese Anliegen entgegennimmt. Er macht ihnen aber wenig Hoffnung, dass in der Weise – ihren Wünschen entsprechend – dem Anliegen stattgegeben würde. Da es aber durch so inständiges Flehen geschieht und grosse Scharen von geistigen Wesen sich damit befassen, ist es auch recht und gut, dass solche Anliegen zum höchsten Gerichte Gottes kommen. Diese Anliegen werden dort von Geistern Gottes vorgetragen. So wird dann dort Recht gesprochen, und wie das Urteil, das dort gesprochen wird, dem Gesuchsteller dargelegt wird, habe ich euch bereits erklärt.
Dennoch wird der Mensch aufgerufen, alles zu tun, um Frieden zu halten und für den Frieden zu beten. Was dieses höchste Gericht zugesteht, ist, dass es dementsprechend Scharen von gutwilligen Geistern zu den Menschen aussendet, um sie in ihrem höheren Denken zu unterstützen oder ihnen die Kraft zu geben, das durchzustehen, was an sie herankommt oder was sie ertragen müssen. Es sind Geister des Trostes, die zu den Menschen kommen, und es sind Geister, die in die Nähe jener Menschen treten, sie auch nach dem irdischen Tode begrüssen und in die göttliche Welt hineintragen. Diese sind dafür besorgt, dass die Heimgekehrten in der Gotteswelt zum Frieden und zur Ruhe kommen – dass sie der Himmel für Ungerechtigkeiten, die sie ertragen mussten, entschädigt. Darüber urteilt auch das letzte und höchste Gericht. Es gibt den Rechtsspruch weiter, und so gehen die Geister Gottes hinaus in die Welt und versuchen, zum Heil des Menschen alles zu tun. Doch der Mensch ist es, der bestimmt, was er machen will – ob er das, was ihm dargeboten wird, annehmen will oder ob er es zurückweist.
Es gibt Verschiedenes in der Schöpfung, in der Jenseitswelt, wo eine solche höchste und letzte Rechtsprechung notwendig ist. Und diese höchste Rechtsprechung muss von allen und überall anerkannt werden. Denn Luzifer selbst ist es, der sich nur vor Gott ängstigt, ihn fürchtet und auch Christus, den König, der ihn besiegte. Sonst versucht er es mit solcher Schlauheit. Wie wäre es denn auch anders möglich? Betrachtet einmal die Menschen dieser Welt, wem sie verfallen, wem sie Gehör schenken, nach wem sie streben.
Nun, liebe Geschwister, ich habe euch für heute genug dargelegt; ihr könnt über diese Dinge nachdenken. Ich habe euch den Segen Gottes zu bringen. Nehmt ihn auf, behütet, beschützt und pflegt ihn, denn dieser Segen Gottes ist für euch heilsam. Er gibt euch Kraft und Heil für euer Leben – dieses braucht ihr, ein jedes Einzelne. So seid beschützt und behütet an Leib und Seele, vor allen Gefahren, vor allen Nöten, und gesundet an Leib und Seele, wer da krank ist. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 4.5.1974 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 28. November 1970 (Ausschnitt)
In der jenseitigen Welt erlebt jeder Heimgekehrte die göttliche Gerechtigkeit. Er wird beurteilt nach seinem Denken, Wollen und Handeln. Es wird nach der geistigen Verantwortung gefragt, die er trug im Leben, ob sie erfüllt worden ist. Im Geiste ist nichts vergänglich, nichts kann verloren gehen, kein Gedanke, keine Absicht, nichts Ausgeführtes – alles ist offensichtlich. Denn alles wird vom lebenden Menschen mit seinem eigenen Atem aufgesogen und festgehalten.
Josef: [...] Liebe Geschwister, jeder Mensch trägt seine Verantwortung. Diese Verantwortung kann im irdischen Sinne sein; man hat Pflichten im weltlichen Sinne. Es gibt aber auch eine geistige Verantwortung, und diese ist von grosser Bedeutung. Denn wenn ein Mensch in die jenseitige Welt hinüberkommt, wird man nach dieser geistigen Verantwortung suchen, und man wird diesem verstorbenen Menschen dementsprechend begegnen. Denn man fragt ihn nach den Werten des Lebens – ob er sich nur auf die irdischen, vergänglichen Werte ausgerichtet hat, was er da für Verantwortung getragen hat im irdischen Leben, nach aussen, ob er diese Verantwortung auch zum höheren Sinne hingelenkt hat. Dann erkundigt man sich nach der geistigen Verantwortung, die jeder in sich hat. So betrachtet man den Menschen. Und da gibt es unter den Christen solche, die nicht erkennen, dass ihnen eine Verantwortung überbunden worden ist. Sie suchen nach der Verantwortung, nach Aufgaben – dabei kann diese Verantwortung schon längst erfüllt worden sein. Oder sie blieb unerfüllt; man ist vorübergegangen an dieser Aufgabe. Sie wurde einem gestellt, und man hatte nie die Einsicht, eine solche zu haben.
So ist es die Aufgabe des Menschen, schon in seinem Leben dafür besorgt zu sein, die geistige Verantwortung auch zu erfüllen. Und wie mehr ein Mensch nach dem Göttlichen ausgerichtet ist, desto grösser ist die Verantwortung, und desto grösser sind die Aufgaben, die er sieht. Also muss man sich selbst fragen: “Habe ich diese Verantwortung in geistiger Hinsicht auch erfüllt?” Nur nach aussen zu leben in dieser Welt, das bringt kein Übernehmen von geistiger Verantwortung und erfüllt die Seele des Menschen nicht. Erfüllung für die Seele wird es nur dann geben, wenn man Sinn und Zweck des Lebens erfasst hat. Denn immer wieder geht es darum: um den hohen Sinn des Lebens. Denn im hohen Sinn des Lebens sieht man seine Aufgaben und seine Verantwortung. Wenn man in die geistige Welt hinüberkommt und im menschlichen Leben an dieser Verantwortung vorüberging, wird es der eine und andere nicht leicht haben, denn da wird gefragt: “Was hast du aus deinem Leben gemacht? Wo war der hohe Sinn deines Lebens? Welche Verantwortung hast du getragen? Hast du nur für die Welt gelebt? Wo sind deine hohen Werte?”
Und so möchte ich jetzt von einem respektive von zwei Menschen reden, die verstarben und in die geistige Welt hineingekommen sind und diese Welt erlebt haben. Der eine hatte sich nur weltlich ausgerichtet; nach den vergänglichen Werten war er ausgerichtet, sie waren für ihn bedeutungsvoll – er lebte dafür und genoss sie auch. Nach den geistigen Werten höheren Lebens hatte er sich nicht erkundigt. Er kannte auch nicht eine geistige, höhere Verantwortung, denn er war zu weltlich eingestellt. Aber als er in dieser Welt lebte, genoss er dementsprechend Ansehen unter den Menschen, und als er gestorben war und man ihn zu Grabe trug, da waren es viele, viele Menschen, die ihm die letzte Ehre erwiesen. Man trieb sogar noch einen grossen Aufwand, so bedeutungsvoll schien das Leben dieses Verstorbenen gewesen zu sein. So hatten ihm viele die letzte Ehre erwiesen. Und die Menschen, die da gingen – warum gingen sie eigentlich? Einerseits um gesehen zu werden, anderseits um einen Nutzen aus dieser Anwesenheit ziehen zu können. Selten werden an einem solchen Anlass wirklich innige Gebete gesprochen – wenn überhaupt gebetet wird.
Nun, dieser verstorbene Mensch sollte es in der geistigen Welt erleben, welche Ehre man ihm noch erwies, als man seinen irdischen Leib zu Grabe trug. Er sah es, freute sich darüber – aber vor ihm standen drei Engel Gottes. In weiter Ferne, kaum erkennbar, sah er seine Verwandten; aber deutlich erkennen konnte er die drei Engel Gottes, die vor ihm standen. Sie waren es, die es ihm ermöglichten, diese Schau zu haben. Und einer von ihnen sagte ihm: “So viele sind es, die dir nach weltlicher Ansicht die letzte Ehre gaben. Nun bist du in die Ewigkeit hinübergetreten, denn du hast eine unsterbliche Seele. Du lebst, du siehst uns, du sprichst mit uns, du fühlst, du erinnerst dich an das, was du erlebt hast als Mensch. Der irdische, vergängliche Leib ist von dir gefallen. Geboren wurdest du im Geiste wieder neu. Mit einem geistigen Leibe stehst du da, du lebst in der Gotteswelt. Und nun sind wir unser drei”, so sprach er, “die dich empfangen. Nur drei sind es. Die Ewigkeit hat dir keinen andern Empfang zu geben.”
Einer stellte sich vor als Kläger, der andere als Verteidiger. Der Dritte war der Richter, der entscheiden sollte über seinen zukünftigen Aufenthalt in der Ewigkeit. Man wollte ihn beurteilen, aburteilen; der Kläger wollte zum Worte greifen und ihn anklagen. Da stand er, dieser verstorbene Mensch, etwas benommen in dieser neuen Welt, und sein Verteidiger bat, dass er sich zuerst ausruhen könne, damit er nachher selbst Stellung nehmen könne. Dem wurde stattgegeben; ihm sollte etwas Ruhe gegeben werden. Das hiess also nichts anderes: Er sollte in den Schlaf geführt werden, damit er nachher gekräftigt und nicht mehr so überrascht sein werde wie in den ersten Minuten des Daseins in der Ewigkeit. Er sollte sich etwas sicherer und vertraut fühlen.
So führte ihn der Engel der Verteidigung in ein grosses geistiges Haus hinein. Sie durchschritten eine Halle, und da war Zelle an Zelle. Es wurde ihm eine Türe geöffnet, durch die er in eine solche Zelle eintreten konnte. Ich möchte diese kurz beschreiben: Da war für ihn die Möglichkeit, sich auszuruhen; es gab einen Tisch und eine Sitzgelegenheit sowie ein Heft und eine Schreibmöglichkeit. So wurde ihm ein Trunk gegeben, er sollte jetzt sich ausruhen, sich beruhigen, etwas schlafen. Wenn er erwachte, sollte er dieses Heft zur Hand nehmen und einen kurzen Lebenslauf verfassen. Aus diesem Lebenslauf seines irdischen Daseins sollte er dann seine Schlüsse ziehen. So gab man ihm die Möglichkeit dafür.
Nun wurde die Türe zugeschlossen, und er fühlte sich nach diesem Trunke ja so müde und hatte kein anderes Verlangen, als zu ruhen, zu schlafen. Er war sich nämlich noch nicht bewusst, dass er wirklich gestorben war. Er fragte sich nämlich, ob es wohl ein Traum sei und er aus diesem Traum wieder erwachen könnte oder ob es Wirklichkeit sei. Denn immer wieder betastete er seinen geistigen Leib. Er war ja krank gewesen und längere Zeit auf dem Krankenlager, und nun machte er die Feststellung, dass es eigentlich nichts mehr gab, das ihm Beschwerden bereitete. Er fühlte sich wohl und viel leichter, viel beweglicher. Also hatte er sich darüber Gedanken gemacht, dass doch etwas vorgegangen sei. Aber anderseits dachte er wieder: “Das mag eben im Traume so erscheinen. Wenn ich wach bin, habe ich bestimmt wieder dieselben Beschwerden.” So wurde er immer müder durch diesen Trunk, den man ihm gegeben hatte, und er fing an zu schlafen. Dieser Schlaf dauerte nach euren Begriffen eine Zeit von zwei Monaten.
Als er wieder erwachte, da fühlte er sich frei und wohler, sein Denken war nicht mehr so durcheinander. Er realisierte die Umgebung und das, was vor sich gegangen war. Er erinnerte sich an die Worte, die man zu ihm gesprochen: “Du sollst deinen Lebenslauf niederschreiben.” Zuvor hatte er alle Dinge abgetastet; es waren ja nur wenige in dieser Zelle. Aber er hatte diese geistigen Wände abgetastet, auch die Türe, und er hatte versucht, sie zu öffnen. Doch es gelang ihm nicht. “Also hat man mich eingeschlossen”, überlegte er. Nun wollte er sich an die Arbeit machen und seinen Lebenslauf schreiben. Aber es wurde ihm doch etwas schwer dabei. Es wurde ihm nun verständlich: Da, wo er jetzt war, übte eine andere Herrschaft ihre Macht aus, es war nicht mehr eine irdische Macht, und es kam ihm niemand in der Weise zu Hilfe, dass er sich auf Intrigen hätte stützen können. Jetzt kam es auf ihn selbst an, das wurde ihm klar. Denn dieser Schlaf hatte ja das Seinige getan. Er hatte dieser Seele die Erinnerungen deutlich gemacht und ihr Denken etwas geordnet. Denn jedes Wesen, das neu in die geistige Welt eintritt, ist zum grossen Teil etwas durcheinander, aufgewühlt, denn es stürzt ja eine neue, eine fremde Welt auf einen ein, eine fremde Welt, und nun soll man mit dieser fremden Welt plötzlich fertigwerden – womöglich als Besitzloser. Und so war es diesem heimgekehrten Geist ergangen, denn er war auch ein geistig Besitzloser. Besitz liess er zurück, es war ihm nichts davon geblieben. So schrieb er seinen Lebenslauf.
Er erinnerte sich aber: Drei Wesen waren es, die dagestanden hatten; sie schienen alle gestreng zu sein. Der eine, der ihn in diese Zelle geführt, sollte sein Verteidiger sein, wie man es ihm sagte. Er hoffte auf ihn und erwartete von ihm, dass er für ihn gut reden würde. Er hoffte auch, dass dieser Verteidiger allein zu ihm in seine Zelle kommen würde, denn dann möchte er mit ihm reden, dass er gut für ihn sprechen würde. So dachte er sich. Er konnte diese unendliche geistige Welt noch nicht erfassen. Denn er sah keine Vielfalt; begrenzt war ja die Möglichkeit seines Ausblicks, der Begegnung mit andern. Er hatte ja keine Vorstellung von dieser Ewigkeit, denn er hatte sich in seinem menschlichen Leben auch keine Gedanken darüber gemacht. Was man jeweils von der Gotteswelt gesprochen hatte, schien ihm stets fraglich zu sein. Auch er war einer von denen, die nicht bereit waren, an Christi Erlösungswerk zu glauben. Überhaupt zweifelte er an einer solchen Menschwerdung des Sohnes Gottes.
Nun kam der Verteidiger zu ihm, aber er liess sich nicht im Besonderen in ein Gespräch ein mit ihm. Er bat ihn nur, jetzt dieses Heft oder Buch meinetwegen mitzunehmen, und führte ihn aus dieser Zelle hinaus. In diesem grossen Hause gab es einen Raum, in dem Gericht gehalten wurde über diese heimgekommenen Menschengeister. Und so geschah es mit diesem Bruder. Es standen wieder alle drei Engel beisammen, und der Kläger fing an zu sprechen. Er beanstandete sehr viel. Er klagte ihn an. Er sagte, er habe nicht nach dem Sinn des Lebens gefragt und sich auch nicht nach den hohen Zielen des Lebens ausgerichtet. Er habe so vieles unterlassen. Er habe nie versucht, nach der Wahrheit zu forschen, sondern er habe sein ganzes Leben nur der Weltlichkeit gewidmet und habe versucht, das Letzte von dieser Welt für sich herauszunehmen und zu profitieren. Er habe nie nach Gottes Gerechtigkeit gefragt, geschweige sich je nach ihr ausgerichtet. Ihm sei nur dann weltliche Gerechtigkeit von Bedeutung gewesen, wenn er selbst dadurch in den Vorteil gekommen sei. Und so fort und so fort ging es mit der Anklage. Und der Engel der Verteidigung hörte zu.
Diese Anklage ging ziemlich lange, nach euren Begriffen vielleicht eine Woche. Und woher nahm dieser Engel das Wissen dafür? Die Seele, die dastand, trug das Buch des Lebens offen in sich. Aus diesem Buch des Lebens las der Geist Gottes, der Kläger war. Er blätterte Seite für Seite – dieses ist symbolisch ausgesprochen. Mit dem Buch des Lebens ist Folgendes gemeint: Nichts, was im menschlichen Leben geschieht, fällt im Geistigen der Vergänglichkeit anheim. Alles, womit sich dieser Mensch befasst hatte, haftete an ihm. Der Engel Gottes ermöglichte es, dass alles wieder gegenwärtig wurde; denn im Geiste ist nichts vergänglich, nichts kann verloren gehen, kein Gedanke, keine Absicht, nichts Ausgeführtes – alles ist offensichtlich. Das alles wird vom lebenden Menschen mit seinem eigenen Atem aufgesogen und festgehalten. Es ist eine odische Kraft, und diese odische Kraft ermöglicht die Festhaltung allen Geschehens. Dies ist heute für euch kein besonderes Rätsel mehr, denn es wird euch ja gesagt: Alles, was ihr besitzt, ist im Geiste längst vorhanden. Im Geiste ist es geistig vorhanden, in seiner geistigen Materie. Der Kern gibt die Möglichkeit, dass es sich entfaltet und man diese Schau erlebt. Und so spricht man dann vom Buch des Lebens, denn der Engel wird nicht das ganze Leben in einem Bilde vor sich haben. Er wird es sukzessive, Jahr für Jahr, durchschauen. Und so kann man gemeinsam alles betrachten.
Daher kann es im Geistigen kein Leugnen geben. Es kann einer im Leben eine Tat leugnen, im Geiste ist sie aber festgehalten und wird ihm dann vor Augen geführt. Es gibt keine Lüge, es gibt nur Wahrheit. Und so kann keiner behaupten, er würde zu Unrecht verurteilt oder eine Anschuldigung wäre nicht wahr. Wenn man bei euch Menschen über jemanden zu Gerichte sitzt, sind die Richter von den Zeugen abhängig, davon, dass sie die Wahrheit sprechen oder was sie darlegen. In der irdischen Welt ist es doch nicht möglich, all diese Geschehen hervorzunehmen und darzulegen – im Geistigen aber schon. Das geistige Od, das überall ist, hält alles fest, jede Begebenheit. Daher gibt es kein Leugnen. Und so gab es auch keine Lüge für diesen Angeklagten. Er musste es erleben, wie er gelebt hatte. Und so konnte er jeweils auf dem Antlitz dieser Geister Gottes sehen, wie tief ihre Bestürzung und Enttäuschung war. Und er wurde traurig darüber, denn jetzt konnte er keine Ausreden benutzen, es gab kein Intrigenspiel, nichts mehr.
Als dann dieser Engel fertig war mit seiner Anklage, kam der Engel der Verteidigung zu Wort, denn in der geistigen Welt herrschen Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und grosse Liebe, Wohlwollen und Verständnis. Alle, die in die göttliche Welt hinüberkommen, auch wenn sie noch so sehr belastet sind, profitieren von Gottes Barmherzigkeit, von seiner Liebe und Gnade. Aber das Ausmass dieser Barmherzigkeit und dieser Liebe, dieser Güte ist vom einen zum andern verschieden. Nun spricht der Engel der Verteidigung sein Wort und möchte eben das, was dieser verstorbene Mensch in irgendeiner Weise an Gutem getan, doch noch beleuchten. Dieser Heimgekehrte wurde doch auch angeklagt, dass er keinen Gottesglauben hatte und nicht nach Gott suchte. Und der Verteidiger wollte nun sagen, dass er ja ein Opfer gewesen sei von jenen, die in der Christenheit so viel verschwiegen und nicht ehrlich gehandelt hätten. Dieses müsse man auch berücksichtigen und auch das, dass er doch dann und wann guten Willens gewesen sei. Der Engel der Verteidigung hob hervor, dass dieser Verstorbene jetzt voller Reue sei und bereit wiedergutzumachen. Er habe seinen Lebenslauf niedergeschrieben und sei zur Erkenntnis gekommen, was er falsch gemacht, und er wolle es in einem zukünftigen Leben besser machen. Der Verteidiger hatte es schwer, etwas Gutes hervorzubringen, doch er wies nun auf die Barmherzigkeit Gottes und auf Gottes Güte und Liebe hin und auf das grosse Erlösungswerk Jesu Christi. Dieser geistige Verteidiger machte den Antrag, der Schuldige sei doch bereit, auch eine schwere Strafe auf sich zu nehmen und diese auch mit in ein neues Erdenleben zu nehmen, und er bat doch so darum, dass Gottes Güte das letzte Wort über jenen sprechen möchte.
Da war nun der dritte Engel, der den Kläger und die Verteidigung angehört und doch das ganze abgelaufene menschliche Leben sah. Er sollte nun Recht sprechen über diesen Heimgekommenen; er sollte nun sagen, welche Strafe er verdiente. Doch dieser Richter besprach sich mit den beiden hohen Engeln. Er machte einen Antrag, und die andern beiden sollten diesem Antrag zustimmen. Während der Kläger für ein schärferes Urteil war, brachte es doch die Verteidigung fertig, die Strafe zu mildern. Schon öfters wurdet ihr darauf hingewiesen, dass es Engel der Gnade und der Fürbitte gibt, die für diese Heimgekommenen gut reden, für sie bitten und flehen und das in einer solchen Art und Weise tun, dass man ihnen dann doch zustimmt. Das alles sollte nun dieses Geistwesen erleben; es sollte nun die wahre Gerechtigkeit Gottes erleben, und das machte auf diese Seele einen grossen Eindruck. Da war ein Engel, der ihn zu Recht anklagte, und einer, der ihn verteidigte, und zusammen mit dem Richter hatten sie beraten und geprüft. So konnte der Heimgekommene doch die wahre Liebe Gottes erleben, wenn auch in ihrer vollsten Strenge und Gerechtigkeit. Er musste sein Einverständnis geben: “So wie über mich geurteilt wurde, wurde es in Gerechtigkeit und in Gottes Liebe getan.” So konnte er doch mit Mut an seine weiteren Aufgaben gehen. Mut und Zuversicht wurden ihm gegeben. Man erklärte ihm auch, dass er mit grossem Eifer diese Aufgaben erfüllen und alles durchstehen müsse, was für ihn bereit sei, und dass ihm dann die Möglichkeit eines neuen Anfangs wieder gegeben werde. So erlebte er die Gerechtigkeit Gottes.
Ich sagte am Anfang, ich wolle von zwei Heimgekehrten reden. Diesem belasteten Bruder hatte man die Möglichkeit gegeben, zu erleben, wie viele Menschen ihm die letzte Ehre gaben. Nun sollte er sehen, was in einem andern Fall beim Heimgang eines Menschen geschah. Man hatte es ihm ermöglicht, diese Schau zu halten, ehe man ihn in seine Läuterung sandte. Er sollte nun sehen, wie da ein Mensch auf Erden in Armut und Bescheidenheit gelebt, der Erniedrigungen auf sich nehmen musste, der aber einen festen Glauben an Gott hatte und an Jesus Christus, den Erlöser der Menschheit. Es war ein Mensch mit frommem Herzen und einer erleuchteten Seele.
Bei seinem Heimgang, zu seiner letzten Ehre, waren nur zwei Menschen anwesend. Niemand kümmerte sich um diesen einsamen, alten, verlassenen Menschen, der im Grunde genommen eine erleuchtete Seele hatte, einen tiefen Glauben und der in der Gerechtigkeit Gottes lebte. Vor den Menschen aber war er ein Niemand. Er war arm. Er besass weder irdisches Gut noch menschliches Ansehen. Er war ein Niemand. Im Geiste aber war es anders. Es kamen Scharen seliger Geister, die ihn begrüssten. Die einen sangen, die andern musizierten. Zu seiner Ehre, für seine Heimkehr in die Ewigkeit brachten diese himmlischen Wesen ihre Freude zum Ausdruck, wie es in der Bergpredigt auch erwähnt ist: Er sollte den Himmel erleben und sich der Herrlichkeit des Himmels erfreuen, war er doch erniedrigt worden. (Vgl. Mat. 5, 1–12.)
Dies musste nun der belastete Bruder miterleben; er konnte es sehen, was für ein ausgestossener, armseliger Mensch der andere auf dieser irdischen Welt gewesen war und dass dies aber für die Ewigkeit eine andere Bedeutung hatte. Er konnte nun des andern Lebensbuch sehen, wie viel er auf sich hatte nehmen müssen und wie er anderseits versucht hatte, Gutes zu tun, und den Menschen nicht böse war und wie er einen starken Glauben hatte, wie er Kraft aus dem Glauben holte. Dies alles musste nun dieser belastete Bruder mit ansehen, wie da Scharen von seligen Wesen jubelten über diesen einfachen verstorbenen Menschen und wie er von jenen drei Engeln Gottes empfangen wurde – dass sie auch dastanden, genauso wie sie vor ihm, diesem Belasteten, gestanden hatten. Der Kläger aber hatte nichts anzuklagen und der Verteidiger nichts zu verteidigen. Und der Engel Gottes, der das Urteil sprechen musste, sprach die Freude aus über die Heimkehr dieses Menschen, der auf der Welt gelebt und der Welt ein Niemand war. In der geistigen Welt aber war er von grosser Bedeutung. Man hatte nicht nur eine Schar seliger Wesen gerufen – andere sollten es miterleben, wie es jenen ergeht, die von der Erde zurückkommen und von den Menschen nicht anerkannt, von der Welt nicht angenommen worden waren, die aber auch nicht für die Welt gelebt, die nicht nach Ehrgeiz und Ehre verlangt hatten, sondern die ein bescheidenes Leben gelebt, in sich eingekehrt, nach Gott ausgerichtet.
So erlebte nun dieser gute Mensch seine Heimkehr, seine Einkehr in die Ewigkeit. Doch glaubte er, es würde ihm zu viel der Ehre erwiesen. Doch musste er es annehmen, und er zählte auch zu den seligen Geistern des Himmels. Er durfte sich auch etwas ausruhen, er sollte auch noch im Weiteren belehrt werden. Aber er hatte eine erleuchtete Seele, und so brauchte es für ihn nicht so viel, um dieses Wissen, das ihm zuströmte, zu verarbeiten und zu höheren Erkenntnissen zu gelangen. Er hatte die Kraft dazu, er war gelehrig.
So, liebe Geschwister, gab ich euch Einblick in die Ewigkeit. Die Gotteswelt verlangt die Gerechtigkeit, und diese Gerechtigkeit wird ausgeübt bei der Einkehr eines jeden. Und es wird nach der Verantwortung gefragt, die man trug im Leben, nach der geistigen Verantwortung, ob sie erfüllt worden ist. Glaubt da und dort ein geistchristlicher Freund, auf einer hohen oder gehobenen Stufe zu stehen, soll er sich fragen: “Habe ich die Verantwortung, die mir gegeben wurde, erfüllt? Habe ich nach höherem Sinn gehandelt? Habe ich für eine andere, höhere Welt gewirkt, gelebt, oder habe ich mich mehr der irdischen Welt zugewandt? Habe ich nach Ehre gegriffen, Ehrsucht und Ehrgeiz gezeigt?” Das sind Fragen, die man an den Menschen stellt, und nur einer, der in sich erleuchtet ist, sieht die klare Antwort.
So, liebe Freunde, möge Gottes Segen euch begleiten, möget ihr durch seinen Segen behütet und beschützt sein und gesunden an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 28.11.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 12. Mai 1979 (Ausschnitt)
In einem besonderen Gebäude in der göttlichen Welt erlebt ein Heimgekehrter die Rückschau auf sein zurückgelegtes Leben, um zu erkennen, wo er gefehlt hatte. Diese Schau wiederholt sich, als er vor den Geistern Gottes steht, die über ihn zu richten und seinen weiteren Weg zu bestimmen haben.
Josef: [...] Liebe Geschwister, ich möchte heute etwas ausführlich den Heimgang eines Menschen schildern. Denn ihr steht im Leben, und es kommt für einen jeden die Stunde des Abschieds. Ich möchte aber den Menschen, der den wahren Weg kennt und ihn geht, dazu beglückwünschen. Er braucht sich nicht zu bekümmern noch zu sorgen oder zu ängstigen. Denn sein Leben, das auf ihn wartet, wird ihm mehr bedeuten und wird schöner sein als das Leben, das er auf Erden leben muss in Bedrängnis unter Menschen, die nicht willens sind, zu glauben und nach einer Gerechtigkeit Gottes zu fragen. Ihr freut euch, wenn die Zeit für euren Urlaub naht. So sollt ihr in eurem Innersten auch diese stille Freude auf jenes andere Leben haben, das euch befreit von Sorgen, Nöten und Krankheiten, die den Menschen plagen.
So möchte ich von einem Mann erzählen, der nicht glauben konnte, der aber kein schlechter Mensch war. Gott gab es für ihn nicht, er konnte nicht an eine Geisteswelt, an ein Jenseits, glauben. Für ihn war nach dem Tode einfach alles aus. Solche Menschen gibt es doch wahrlich viele, und ihr begegnet immer wieder solchen. Nun, ein solcher Mensch hatte auch seine letzten Stunden vor sich. Er vermochte nicht mehr zu reden, er war geschwächt, aber er konnte schon mit seinem geistigen Auge sehen. Er hatte jedoch keine Möglichkeit mehr, das Geschaute irgendwie zum Ausdruck zu bringen. Schwach und elend lag er da auf seinem Krankenlager.
Was er als Erstes in seiner Schau sehen konnte, war: Seine Eltern kamen aus einer Nebelwand heraus auf ihn zu. Sie machten Bewegungen mit den Händen, und sie sprachen, sie bewegten ihren Mund. Er konnte sie sehen, aber hören konnte er nichts. So ging es eine Zeit, und sie verschwanden wieder, kamen aufs Neue, immer näher auf ihn zu und immer aus dieser Nebelwand heraus. Je mehr sich sein Geist von seinem Leibe zu lösen anfing, umso mehr und umso deutlicher konnte er erleben und schauen, was sich im Geiste vor ihm abspielte. Es waren nicht nur seine Eltern, die kamen, sondern es war eine Schar von Geistern. Er kannte sie nicht, es waren Fremde für ihn. Sie blieben aber in einem gewissen Abstand zurück. Es war sonderbar für ihn, so etwas zu erleben, aber da er ja auf der Kante oder an der Scheidewand seines Lebens stand, vermochte er weder als Geist noch als Mensch richtig zu entscheiden. Aber er konnte sehen, was geschah. Er konnte es erleben, dass von dieser Schar Geister welche hervortraten und anfingen, sich an ihm, mit seinem irdischen Leibe, zu beschäftigen. Er wollte dieses nicht, wollte das abwehren, hatte aber die Kraft nicht dazu. Er hatte ja keinen Glauben, er konnte nicht begreifen und verstehen, was vor sich ging, und so musste er widerwillig dies alles geschehen lassen, was man um ihn tat. Dabei waren es hilfreiche Geister, die ihm beistanden, um den Geist von seinem Leibe zu lösen. Sie waren ihm behilflich.
Als es geschehen und der Geist befreit war vom irdischen Leibe, reichten sie ihm die Hand und sagten ihm: “Für die Welt bist du jetzt gestorben, aber du lebst. Du lebst für die Ewigkeit, doch du hattest keinen Glauben. Du gabst dir Mühe im Leben, gerecht zu sein, aber du hast Gott verloren, du bist ein Ungläubiger, und du stehst nun da vor den Toren des Himmels und willst, dass wir dich hineinführen in diese Himmel hinein – du bist aber einer ohne Glauben. Du bist jedoch nicht der Einzige ohne Glauben, es sind deren viele. Gott ist barmherzig, Gott ist die Güte, und er nimmt dich auf in seine Welt. Denn auch für dich ist Christus gestorben, du bist ins ewige Leben hinübergerettet, und so führen wir dich in die Ewigkeit hinein.”
Er hörte und staunte, und es war ihm nicht recht, so etwas zu vernehmen. Er betrachtete seine Gestalt und stellte fest, dass er nur eingekleidet war mit einem Hemd und baren Fusses war, und er sagte: “Lasst mich zurückkehren, denn ich will mich doch einkleiden. Ich kann so nicht umhergehen; ich möchte mich doch richtig anziehen.” Er betrachtete die andern, die da waren. Sie waren alle gut gekleidet; die einen waren besonders schön gewandet, und an den andern war nichts auszusetzen an ihrem Äusseren. Auch seine Eltern, die in der Nähe waren, trugen ordentliche Kleider und sahen ordentlich aus. Aber er in seinem weissen Hemd und baren Fusses, nein, so wollte er nicht umhergehen. Man sagte ihm: “Du bist geistig arm. Du hast eben nichts. Du musst dir etwas erwerben, damit dein Äusseres besser aussieht. Die geistig Reichen sind schön gewandet, aber du hast fürs Himmelreich doch wenig getan. Wo sind deine Verdienste? Wo ist dein Besitz, dein geistiger Besitz?” Und er dachte an das, was er an irdischem Besitz zurückgelassen. Er konnte nicht erkennen, was unter geistigem Besitz zu verstehen war. Aber er konnte feststellen, dass er wirklich armselig aussah, und es war ihm nicht wohl dabei. Nun sprach einer seiner Begleiter: “Siehst du, so sieht jeder aus, der ohne Besitz ist. Du bist geistig arm. Vielleicht ist jemand da, der dir etwas zum Anziehen schenken kann. Vielleicht ist jemand da, der sich dir gegenüber dankbar zeigt, weil er vergelten will, was du ihm einst getan hast. Vielleicht finden wir jemand.” Er musste sich mit dieser neuen Situation abfinden und sagte: “Meine Eltern werden doch dafür besorgt sein.” Da antwortete man ihm: “Nein, deine Eltern haben ihre Aufgaben an dir erfüllt. Sie können nicht dafür besorgt sein. Wir wollen jemand suchen, der dir etwas zu geben hat. Was mag es wohl sein? Wollen wir doch gleich in deinem Leben nachsehen. Doch zuerst führen wir dich in diese grosse Halle hinein, wo alle hingeführt werden, die in der gleichen Entwicklungsstufe stehen wie du.” Und so entflohen sie mit ihm in eine grosse Halle hinein, die nach allen Seiten offen war. Es waren viele geistige Wesen da. Die einen waren etwas besser in ihrem Aussehen, andere waren nicht schöner gewandet als er. Aber jetzt sollte er ja sein Leben sehen, das er zurückgelassen hatte, das sich nun vor seinem geistigen Auge abspielen sollte.
Und so geschah es. Vor seinem geistigen Auge rollte sich der Film seines Lebens ab. Es war sonderbar für ihn – von seiner Jugend an, von seiner Geburt an konnte er alles erleben. Wo er mit seinem geistigen Auge hinschaute, er sah nichts anderes als sein Leben, das er einst gelebt hatte – und dabei stand er ja in einer grossen Halle. Nichts Weiteres konnte er sehen. Vor seinem geistigen Auge rollte sich der Film seines Lebens ab. Er konnte aufwärtsschauen, seitwärtsschauen oder niederschauen, überallhin, er sah nichts anderes, nur sein Leben. Die Geister, die ihn geholt hatten, standen in seiner Nähe und machten ihre Bemerkungen. Da blieb auf einmal der Film des Lebens stehen, und ganz ausführlich konnte er seine eigenen Gespräche hören, die er mit Mitmenschen geführt hatte, wo er Gott verneinte, wo er seine Mitmenschen als dumm hinstellte, dass sie an einen Gott glaubten, den man doch nicht sehen könne. Dieses sollte er jetzt erleben, und er erlebte es. Tief betroffen war er, solches miterleben zu müssen, betroffen und beschämt, sah er doch, dass er in eine andere Macht und Herrschaft eingetreten war, wo wahrhaftig Gott schalten und walten liess. Und man erklärte es ihm: “Du stehst in der Ewigkeit unter der Herrschaft Gottes. Und alle, die da sind und sich mit dir beschäftigen, tun es im Auftrage Gottes, damit du gerettet wirst und den Weg findest, den Weg zur Wahrheit. Aber du wirst zuerst geläutert werden müssen. Deine Seele muss befreit werden von diesem Unglauben, der in dir ist.”
So erlebte er sein Leben, die Gespräche mit seinen Mitmenschen und auch das, dass er gewissen Menschen gegenüber doch auch wohlgesinnt gewesen war und ihnen aus einer bedrängten Lage herausgeholfen, ihnen Unterstützung gegeben und ihnen dadurch das Leben leichter gemacht hatte. Und diese einstigen Mitmenschen waren auch in der Jenseitswelt; sie waren auch in dieser Halle, denn sie waren gerufen worden. Und sie waren es, die das geistige Kleidungsstück mitbrachten für ihn, der ihnen Gutes getan. So war es ihm möglich, von diesen geistigen Wesen das in Empfang zu nehmen, was für ihn jetzt in der Geisteswelt so bedeutungsvoll war. Denn er schämte sich, obwohl andere gleich aussahen wie er. Er hörte noch die Worte, die man zu ihm gesprochen hatte, dass er arm zurückgekehrt sei in die Ewigkeit, und er war froh darüber, dass ihm jetzt diese Hilfe von denen zuteilwurde, denen er auch einmal Hilfe gegeben hatte. So wurde es ihm ermöglicht, sich einzukleiden. Und obwohl sein Aussehen noch immer sehr bescheiden war, war er doch sehr glücklich darüber, jetzt anders auszusehen.
Nun aber war es so: Diese Halle war eine sogenannte Wartehalle. Es wurde einer nach dem andern beim Namen gerufen, den er trug in seinem menschlichen Dasein. Dann wurde er begleitet von zwei Wesenheiten, und die führten jeweils den Betreffenden aus der Halle hinaus in ein Nebengebäude. Dort musste auch unser Bruder eintreten, auch er wurde beim Namen gerufen. Und dort standen sie, die wahrhaftigen geistigen Richter, jene, die über sein Leben zu urteilen hatten. Noch war es ihm in seinem Sinne, wie sich sein Leben vor seinem geistigen Auge abgespielt hatte; noch sah er, was er falsch gemacht und das wenige an Gutem, das er doch getan, das aber seine Bedeutung hatte. Und es war ihm doch etwas ängstlich zumute, jenen erhabenen Wesen gegenüberzustehen, denn sie sahen streng aus. Anderseits hatte er das Gefühl, als wäre ein Hauch von Mitleid auf ihrem Antlitz.
Nun, das Bild oder der Film seines Lebens, der an ihm vorüberging, der war hier, in diesem besonderen Gebäude, wieder da, aber nicht mehr nur vor seinem geistigen Auge, sondern dieses Bild war gross, und die Geister Gottes, die seine Richter waren, sahen in dieses Bild seines Lebens hinein. Und das ging so schnell vorbei, das Leben rollte sich so schnell ab, und diese Geister Gottes, die über ihn zu richten hatten, wussten Bescheid. Es wurden ihm Vorwürfe gemacht über seinen Unglauben. In der Zeit, als er in der Halle zu warten hatte, war ein Geist zu ihm getreten und hatte ihm gesagt: “Wenn du vor den Gestrengen stehst, dann versprich ihnen, dass du gutmachen willst, was du gefehlt hast.” Diese Worte kamen ihm jetzt in den Sinn, und er versprach, als sie ihn angeklagt: “Ich will gutmachen, was ich falsch getan. Gebt mir die Möglichkeit dazu. Ich will den Glauben finden, und ich werde ihn finden. Gebt mir den Beistand und die Hilfe dazu.” Und man gab ihm die Möglichkeit; man entliess ihn aus diesem Gebäude und führte ihn in die Einsamkeit hinein. Dort sollte ihm Gelegenheit gegeben werden, über Gott nachzudenken, über seine Macht und über die Herrlichkeit, die der Himmel zu vergeben hat an jene, die nach Gottes Willen und Gerechtigkeit leben. Und er sollte nachdenken über Gottes Güte und Barmherzigkeit, die Gott denen zu vergeben hat, die für den Himmel gewirkt haben.
So wurde ihm Gelegenheit gegeben, in der Einsamkeit, in der Stille darüber nachzudenken. Dies tat er. Und es kam ja wieder der Moment, wo die Geister Gottes sich seiner annahmen und ihn dahin führten, wo er eine geistige Arbeit ausüben konnte, wo er seinen Wohnsitz nehmen konnte in der Himmelswelt, um dort zu leben und zu wirken. Denn in der Stille ist er zu verschiedenen Erkenntnissen gekommen. Er hat erkannt, dass Gott nicht so hart bestraft, wie man es wahrhaftig verdient. Er hat aber auch die Notwendigkeit erkannt, dass einem die Möglichkeit der Wiedergutmachung gegeben wird und dass sie voll genutzt werden muss und man für die Zukunft, für das lebendige Reich Gottes zu leben und zu wirken hat. Das ist ihm verständlich geworden. Und so war er bereit, die Tätigkeit aufzunehmen, die man ihm zugewiesen, die ihm nicht besonders gefiel. Aber in der Hoffnung, aufzusteigen in ein höheres Leben hinein, nahm er sich die Mühe und hatte die Ausdauer und die Kraft dafür, so zu leben und zu wirken, dass es für ihn einen Fortschritt geben konnte.
So, liebe Geschwister, kann es dem einen ergehen. Einem andern ergeht es vielleicht in gewisser Beziehung etwas anders, er hat einen andern Eingang in die himmlische Welt; sie öffnet sich ihm auf eine andere Art und Weise. Denn so vielseitig, so gross ist die Himmelswelt, und es gibt so viele Tore, dass jedem der Eingang ermöglicht werden kann – unter dem Beistand der Geister Gottes. Und so sollen sich all jene Menschen glücklich schätzen, im Glauben an Gott leben zu dürfen und im Glauben zu leben, dass eine bessere Welt sie erwartet, eine Welt des Friedens, in der man nicht bedrängt wird, eine Welt der Wahrheit und des Glücks.
So, liebe Geschwister, versuchte ich euch Erkenntnisse zu übermitteln und euch im Geiste auch vorzuführen, was auf den einen oder andern wartet, wenn er in die Ewigkeit hinübertritt. Das lebendige Leben ist es, das Glück verheisst und auch Gerechtigkeit. So möget ihr unter dem Segen Gottes wandeln. Der Segen Gottes soll euch in eurem Leben führen, behüten und beschützen und euch zu höheren Erkenntnissen führen. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 12.5.1979 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortung aus dem Jahre 1955
Gibt es für einen belasteten Menschen auch Milderungsgründe, wenn er nach seinem Tode gerichtet wird?
Josef: Ja, wenn eine Seele ankommt, wird sie zu bestimmter Zeit vor ihren Richterengel geführt; denn nicht Gott in Person richtet, sondern die Himmelsboten führen seinen Willen aus. Entweder belohnen sie ein Wesen oder bestrafen es. Das Recht dazu ist ihnen von Gott gegeben. Aber auch sogenannte Fürbitterengel gibt es, die also gewissermassen die Verteidigung eines Wesens übernehmen, die versuchen, seine Fehler, welche es im Leben begangen hat, zu mildern, also Fürbitte einzulegen.
Auf der andern Seite stehen die gestrengen Engel des Gerichts, welche die Fürbitterengel anhören. Es gibt solche Fürbitter, die in wunderbarer Weise ihre Schützlinge zu verteidigen und für sie einzustehen wissen. Und von ihren Aussagen hängt viel ab. Es gibt aber bei allen Menschen Fehler, die auch diese Engel der Fürbitte nicht verschönern und für die sie auch keine Milderung erflehen können. Es ist im Gesetze festgehalten, wie die Dinge beurteilt werden.
Es gibt doch so viele Verfehlungen im Leben, die, wenn ein Mensch boshaft ist in seiner Art, eben viel strenger angerechnet werden, als wenn sie aus einer gewissen Oberflächlichkeit heraus entstehen oder wenn jemand einmal in der Aufregung etwas sagt oder tut, in seiner Wesensart aber nicht boshaft ist. Solche Verfehlungen sind dann eben nicht so gezeichnet, und dafür stehen einer Seele die Fürbitter bei, die hervorheben, dass sie nicht boshaft war und so weiter.
Ihr dürft aber nicht glauben, dass darin eine Ungerechtigkeit bestehe oder dass es Glückssache sei, wenn ein Wesen einen besonders guten Fürbitterengel bekommen hat. Ich habe doch schon so oft gesagt: Je edler ihr lebt, desto höhere und mächtigere Engel Gottes sind um euch. Also, entweder zieht ihr diese Engel, die eine grössere Macht haben, zu euch hernieder, oder durch euer oberflächliches, leichtsinniges Leben habt ihr nur ebensolche Geister um euch, und der eigentliche Schutzgeist steht mehr abseits. Solche Geister haben dann nicht die Fähigkeit, so für euch einzustehen. Durch ein göttliches Leben verdient ihr mächtigere Geister Gottes.
Ich habe schon öfters darüber gesprochen, dass auch die Engel Gottes in Stufen eingeteilt sind. Es gibt dienende Engel, deren Machtstellung sich von der der andern unterscheidet. Wenn diese dienenden Engel aber auch bescheidenere Aufgaben ausführen, sind sie deshalb etwa gar nicht unglücklich oder gar auf die andern neidisch. Sondern sie erfüllen ihre Aufgaben mit grosser Freude. Denn die höheren Wesen herrschen in keiner Weise über sie, sondern sie führen in Liebe und betrachten jene, die leichtere Aufgaben erfüllen, als ihre lieben Geschwister und begegnen ihnen mit derselben Ehrfurcht und Aufmerksamkeit wie denen, die noch über ihnen stehen.
Also sollt ihr die wunderbare Führung erkennen und welche Ordnung und grosse Liebe unter den Engelsboten besteht. Und diese Liebe und Aufmerksamkeit wünschen wir auch von den Menschen.