GL Zürich Login Plus
Mehr Inhalte entdecken: Audioarchiv, Onlineliteratur – mittlerweile über 50 Bücher –, Stichwortsuche sowie Fragen und Antworten.


In der geistigen Welt, der Welt der Ewigkeit, spielen Raum und Zeit eine ganz andere Rolle als in der materiellen Welt der Menschen. Während wir die Tage nach dem scheinbaren Sonnenlauf bestimmen und Tag und Nacht erleben, ist die Zeitrechnung in der geistigen Welt eine andere. Auch kann einem Geiste Vergangenes wieder so gegenwärtig gemacht werden, als wäre er wahrhaftig in jene Zeit versetzt. Aber nicht nur für die Zeit, auch für den Raum gibt es im Jenseits nicht die Begrenzung wie bei uns. So spielen Tausende Kilometer Entfernung in der geistigen Welt nicht die Rolle wie bei uns und lassen sich die grössten Distanzen in Kürze überwinden. Und höhere und niederere Sphären sind nicht einfach übereinander gestuft, wie es sich ein Mensch mit seinem materiell gebundenen Denken gerne vorstellt; im Jenseits können sie ineinander hineinfliessen und doch streng voneinander abgegrenzt sein.
Dieses Themenheft beleuchtet die Verhältnisse von Raum und Zeit und erläutert unter anderem auch, wie etwa eine Katze über Dutzende von Kilometern ihr Zuhause finden kann, obwohl sie auf ganz anderem Wege in die Ferne gebracht worden war.
Magda, 1. Juni 1960
In der geistigen Welt spielen Distanzen keine Rolle. Geistwesen haben die Möglichkeit, in grosser Schnelligkeit von einem Ort zum andern zu gelangen, mögen diese noch so weit voneinander entfernt sein. Wie ist das möglich? In diesem Vortrag schildert ein aufsteigendes Geistwesen, wie es nach der Heimkehr in die jenseitige Welt von seinen Begleitern über die Verhältnisse von Raum und Zeit unterrichtet wird.
Magda: Gott zum Gruss. Ich habe den Auftrag bekommen, zu euch zu reden, kurz etwas von meinem Leben zu erwähnen und dann von meiner Arbeit im geistigen Reiche zu berichten. So möchte ich es versuchen.
Im Erdenleben übte ich den Beruf einer Krankenpflegerin aus. Ich liebte den Beruf sehr. Ich pflegte Kinder, junge und alte Menschen. Ich gab ihnen meine ganze Aufmerksamkeit, und ich pflegte sie im Namen Jesu Christi. Durch meine Arbeit wollte ich mir den Himmel verdienen. Das habe ich mir immer gesagt bei der schwersten Pflege: “Ich tue es in Gottes Namen und im Namen Jesu.” So durfte ich mich nach einem arbeitsreichen Leben schön von dieser Erde verabschieden; ich war nicht lange krank.
Jetzt möchte ich nur noch von dem Zeitpunkt an reden, als ich in der anderen Welt erwachte. Hier war ich umgeben von vielen, vielen schönen Gestalten. Es war mir gar nicht recht klar, wo ich mich eigentlich befand. Jemand stand ganz nahe bei mir und strich mir immer mit der Hand über mein Antlitz und sagte: “Jetzt hast du deinen Platz im Himmel, jetzt bist du im Himmel.” Ich getraute mich gar nicht recht umherzublicken, und ich wollte es eigentlich gar nicht begreifen, dass es wirklich so ist. Es war alles in eine wunderbare Farbenpracht gehüllt. Ich lag in einem Garten auf einer Bank, und wenn ich so umherblickte, sah ich die Wiesen voll von kleinsten Müllerblümchen [Gänseblümchen] – ein Teppich war es, wunderschön! Ich hätte am liebsten diesen, die da bei mir waren und meinetwegen solche Umstände machten, gesagt: “Achtet doch auf diese schönen Blümchen, ihr zertretet sie ja.” Sie taten mir leid.
Als ich so in die Weiten blickte, da sah ich Kinder kommen. Sie jauchzten und sangen und sprangen. Sie pflückten von diesen kleinen Blümchen, und die einen machten kleine Sträusschen, die andern wanden sich Kränzchen. Ja, ich freute mich, dies zu sehen; aber es war mir noch nicht ganz klar, was da vor sich ging. Dann brachte eines dieser Wesen, die um mich waren, ein Gefäss; und in diesem Gefäss war wohlriechendes Öl. Derjenige Geist, der so nahe bei mir war und mir mit der Hand immer über den Kopf strich, tauchte nun seine Hände in das Öl und fing an, mich mit diesem Öl einzureiben – das Gesicht, die Hände, den ganzen Leib, alles. Man hüllte mich dann in ein schönes Kleid und deckte mich zu. Ich glaube, es hat sehr fein gerochen.
Dann kamen die Kinder zu mir, reichten mir die Hände und freuten sich. Sie brachten mir ihre kleinen Sträusschen und ihre Kränzchen, und sie wollten mir diese Kränzchen anziehen, und ich wehrte mich dagegen. Da war ein kleines Kind dabei, es trat ganz nahe an mich heran – ich erinnere mich noch so gut –, und es sagte zu mir: “Ei, du riechst fein!” Ich schaute das Kind nur an und sagte: “Ja das glaubst du wohl.” Und die andern, die um mich waren, lächelten. So kamen ganze Scharen von Kindern, und sie baten mich aufzustehen. Ich hatte anfangs etwas Mühe, mich so aufzurichten, aber man stützte mich, und es ging ganz gut. Ich musste auf Anweisung meiner höheren Begleiter tief atmen, und dann wurde es mir ganz wohl zumute. Von weit her vernahm ich auch wunderschöne Musik. Ich erkundigte mich, für wen diese Musik gespielt werde und warum man nicht hier in die Nähe komme. Kaum hatte ich es gesagt, kam eine solche Schar musizierender, farbenfroh gekleideter Geschwister in meine Nähe. Sie lächelten mir zu, und sie sangen und spielten.
Ja was sollte jetzt mit mir geschehen? Ich konnte es doch kaum verstehen, dass man meinetwegen so viele Umstände machte und mir so viel Ehre erwies. Dann sagte man mir: “Du wirst deine Aufgabe vorerst einmal bei diesen Kindern im Kinderparadies haben. Aber ehe du zu diesen Aufgaben gehen kannst, wollen wir dir doch auch ein Stück vom Himmel zeigen.” Ja, sie redeten davon, was ich alles in meinem Leben getan hätte, wie viel ich überwunden und welche Opfer ich gebracht hätte. Man flocht auch hie und da ein, dass ich doch auch manchmal etwas falsch gemacht hätte. Aber man sagte mir, man möchte nicht darüber reden, denn es sei ja so viel Gutes vorhanden, dass man dieses andere dann wohl noch ausbessern könne. Ja, das hörte ich freilich gerne; ich hatte schon auch ein wenig Angst. Und ich hatte doch ein Verlangen, Christus zu sehen, denn ihm hatte ich doch mein Leben geopfert. In seinem heiligen Namen hatte ich jeweils die schwerste Arbeit ausgeführt, und sie war mir dann leichtgefallen. Dann sagte man mir: “Freilich, Christus wirst du auch erleben, wir werden dich aber zuerst noch etwas vorbereiten. Du darfst ihm bestimmt begegnen, wir werden dich zu ihm begleiten.” Und sie erklärten zugleich, nicht nur ich alleine würde ihn dann sehen, sondern noch viele andere, die in den gleichen Aufgaben gestanden seien wie ich; sie würden ihm auch begegnen, gemeinsam würden wir vor ihn hintreten dürfen. Und ich war zufrieden. Eigentlich fand ich es ja unbescheiden, dass ich so etwas verlangte, aber ich hatte doch eine Sehnsucht nach Christus, denn seinetwegen hatte ich ja in meinem Leben die Kraft gehabt, die Leistungen zu vollbringen und so zu leben.
Nun wollte man mir etwas vom Himmel erzählen. Man zeigte mir die wunderschönen Gärten, man zeigte mir die Häuser, von denen aus all diese Geschwister zu ihren Aufgaben gehen. Worüber ich besonders staunte, war, dass man so schnell von einem Ort zum andern kam, und ich erkundigte mich: “Wie steht es denn eigentlich mit der Zeit hier?” Man wollte mich gerne darüber unterrichten und sagte: “Siehe, wir haben hier schon Brüder und Schwestern, die sich mit der Zeit beschäftigen, wir nennen sie die Zeitgeister. Sie interessieren sich für die Zeit der Menschen, und sie interessieren sich für die geistige Zeit. Du wirst auch noch mit ihnen in Berührung kommen; aber überlasse das jetzt diesen Geschwistern, sich damit zu befassen. Dennoch möchten wir dir etwas über die Zeit erklären, wie wir sie hier haben im geistigen Reiche. Du siehst, da, wo du jetzt bist, ist alles so schön, alles blüht, und die Atmosphäre ist so angenehm – es ist nicht so heiss, es ist nicht zu kühl, es ist einfach schön. Als Mensch hattest du einen Abreisskalender, um die Tage zu zählen. Wir haben das nicht, wir brauchen es nicht. Ihr musstet auch eure Stunden einhalten bei eurer Arbeit. Auch das haben wir nicht, wir haben keine Uhr wie die Menschen, wir haben die Zeitgeister; sie drehen die Uhr, aber man kommt mit ihnen nicht immer in Berührung. Im Weiteren haben die Menschen ihre Jahreszeiten; schon daraus können sie eine gewisse Zeit berechnen und ablesen. Sie haben zudem Tag und Nacht, und sie haben ihre Wochentage, und jeder Tag hat seinen Namen. Und wir? Bei uns ist es so”, erklärte man mir, “wie wenn man bei den Menschen irgendwohin in die Ferien gehen würde und nicht wüsste, wann man wieder zurückreisen muss, und ein Tag wäre schöner als der andere – und es würde einem einfach nur erklärt: ‘Wenn es dann Zeit ist, holen wir euch.’ Aber das könnte ebenso gut in drei Jahren sein wie vielleicht in drei oder vier Tagen. Keiner weiss, wann er geholt wird, und keiner kümmert sich um das Morgen oder Übermorgen. Man hat keine Sorgen, und man muss die Arbeit nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig haben, und man muss nicht daran denken, Geld zusammenzuraffen. Nichts dergleichen, die Zeit bleibt stehen, es bleibt immer schön, und immer bleibt ein sommerlicher Zustand, oder es bleibt immer Frühling, oder man geht an einen Ort, wo ständige Reife ist – aber trotzdem gibt es keine Zeit, wie die Menschen sie haben.”
So sagte man mir: “Siehe, du kannst lange, lange hier bleiben, und du weisst nicht, wie lange du hier bist, denn du hast nicht Tag und nicht Nacht, du hast nie kalt und nie heiss; und du musst nicht gedrängt werden, eine Arbeit zu erfüllen. Es ist so schön, und du kannst immer in Ruhe sein, in Ruhe arbeiten – du rechnest mit keiner Zeit. Wenn es dann wirklich darum geht, zu wissen, was für Zeit es ist, dann kommen sie, die Brüder und Schwestern, die Zeitgeister, und sagen dir, wie viel Zeit es für dich ist, und dann staunt man darüber. Aber nicht alle Geister kommen mit diesen Zeitgeistern in Berührung.”
Man klärte mich auch darüber auf, dass es Geschwister gebe, die nicht ein solch schönes Leben hätten wie ich jetzt, die zu sehr mit den Menschen und mit ihrer Zeit verbunden seien. Sie brauchten nicht zu fragen, ob es Sommer oder Winter sei und welchen Tag und welches Datum man habe, denn sie lebten mit jener Zeit; sie hätten sich eben noch nicht trennen können von der Erde und seien gebunden an die Menschen und ihre Zeit. Im Himmelreich dagegen, wo man frei und glücklich ist, oh, da fragt man nicht nach der Zeit. Man ist einfach glücklich, und ein Tag ist so schön wie der andere.
Man erwähnte mir gegenüber auch: “Dazu kommen dann noch diese schönen Begegnungen, die einen erfreuen und jeden glücklich machen. Es wird gewetteifert im Hinblick auf diese Feste und Veranstaltungen, was man hier alles an neuen Ideen leisten und bringen könnte. Aber es geschieht nicht wie bei den Menschen. Diese haben ihre genauen Daten, wann ein Fest abgehalten wird oder wann ihre Häuser oder Hütten oder was sie haben, fertiggestellt sein müssen. Auch mit ihren Blumen, die sie pflanzen, müssen sie sich genau an die Zeit halten; sie müssen sie zur richtigen Zeit in die Erde setzen, damit sie gedeihen und ja zum richtigen Zeitpunkt blühen. Und wir? Man bringt uns die Blumen, man bringt uns Pflanzen, und sie können wachsen und gedeihen zu jeder Zeit. Es wächst, es wächst und blüht. So ist es mit der Zeit”, sagte man mir. Ja, ich musste staunen. Es war mir doch noch nicht alles so verständlich, aber ahnen konnte ich es. Wenn man nicht gehetzt wird, wenn etwas nicht auf ein bestimmtes Datum fertig sein muss – ach, wie herrlich muss es doch sein, einfach geruhsam so in die Ewigkeit hinein zu leben! “Ja, das ist die Ewigkeit”, sagte man mir.
Dann wollte ich noch etwas anderes wissen, das mich sehr interessierte. Ich hatte das Gefühl, man könne hier so leicht gehen. Ja natürlich, als Mensch war einem der Körper oftmals hinderlich, man hatte körperliche Beschwerden beim Gehen. Als Geist hat man das nicht, das heisst, wenn man ein freier, glücklicher Geist ist. Man führte mich ja in Blitzesschnelle von einem Ort zum andern, und ich hatte doch das Gefühl, wir hätten jeweils eine grosse Strecke zurückgelegt; so fragte ich: “Ist das möglich in dieser kurzen Zeit?” – “Freilich ist es so”, bestätigte man mir, und man sagte: “Du bist nun ein Heimgekommenes, das sich dafür interessiert, wie man so rasch von einem Ort zum andern kommt. Es gibt viele Geister, die interessieren sich nicht dafür; sie sagen sich einfach: ‘Ja im Himmel ist ja sowieso alles wunderbar und alles ganz anders’, und da staunt man über nichts, man nimmt es einfach hin, und es ist selbstverständlich.” Meine Begleiter freuten sich, dass ich mich dafür interessierte, und sie sagten mir: “Siehe, wir führten dich auf eine besondere Strasse, und damit du es verstehst, erklären wir es dir auf folgende Weise: Es ist genauso, wie wenn die Menschen auf einem Rollband oder auf einer Rolltreppe stehen würden; sie brauchen gar keine Anstrengungen zu unternehmen, und schnell sind sie von einem Ort zum andern befördert. Sie sehen das Band oder die Treppe, auf der sie stehen, sie sehen, wie es sich bewegt. Bei uns sind die Strassen so, dass wir sie nicht sehen können. Das heisst, man kann sie schon sehen, wenn das geistige Auge speziell darauf ausgerichtet ist und man erkennen kann, welche Schwingung nun diese betreffende Strasse oder Ebene hat. Wir schreiten auf diesen Strassen ganz ruhig und gemächlich, aber eigentlich sind es nicht wir, die das Tempo angeben, sondern wir werden einfach gezogen. Leichten Schrittes wandert man, und es ist wie ein Band, das einen so zieht; es kann schnell gehen, es kann rasch gehen.”
Dann erklärte man mir: “Siehe, wir haben viele und verschiedene solcher Strassen. Unsere Geschwister, die neu von der Erde zu uns kommen, interessieren sich anfangs nicht dafür; sie staunen einfach über den Himmel. Nun, es gibt eben solche Strassen, wo man rasch gezogen wird. Gewöhnlich wird man ja begleitet oder hingeschoben auf diese Strasse, die man nehmen muss, um an denjenigen Ort zu kommen, den man wünscht.” Neben diesen Strassen gibt es auch kleine Feldwege. Auf ihnen muss man aus eigener Anstrengung gehen, hier geht man wie bei euch. Auch auf diese Wege kann man geführt werden, denn gewöhnlich ist man ja nicht allein; man wird ja begleitet von diesen erhabenen Geschwistern, die sich für einen interessieren und einen der Arbeit zuführen. Sie sagen einfach: “Komm mit”, und es ist genauso wie bei euch, wenn ihr an irgendeinen Ort hingehen möchtet und dazu eines eurer modernen Verkehrsmittel benutzt; ihr nehmt die Leute mit hinein, sei es in die Strassenbahn, sei es in euer Auto oder sei es in die Eisenbahn oder in ein Flugzeug und so weiter. Ihr könnt sie also auch je nach eurem Wunsche in kürzester Zeit da und da hinbringen. Aber ihr müsst ja vorher auch überlegen, welches Verkehrsmittel dafür am besten geeignet ist. Ebenso tun es die Engel; sie überlegen auch, was gut ist und was man überhaupt will, ob es notwendig ist, dass man auf dieser ‘eilenden’ Strasse geht oder ob man eben aus eigener Anstrengung einen kleinen Feldweg durchschreitet. Der Begriff “kleiner Feldweg” ist vielleicht nach eurem Verständnis ganz falsch gewählt. Dieser kleine Feldweg kann vielleicht dreissig Meter breit sein, während ich für die Strasse, die sich bewegt, kein Mass habe, um ihre Breite anzugeben – kein Geist hat ein Mass, um sie zu messen. So ist es eben schwer für einen Geist wie mich, der sich noch nicht auskennt in allen diesen wundersamen Gesetzen, es zu schildern. Man nimmt es hin, denn der Himmel ist wunderbar, und man staunt nur; aber man fragt nicht lange, weil man es ja erwartet hat, dass der Himmel vielleicht auch sonderbar ist.
Dann sagte man mir: “Jetzt kannst du auf dieser Strasse gehen.” Und in grosser Schnelligkeit sind wir vom einen Ort zum andern gekommen und besuchten sie. Ich benutzte auch den andern Weg – ich sage ihm Feldweg –, den schmalen und doch breiten Weg; hier musste ich aus eigener Kraft und Anstrengung gehen. Ja wenn man diesen Weg wählt, dann verfolgt man ganz andere Absichten. Wenn man aus eigener Kraft wandert und in Begleitung ist, hat man dementsprechend eine geruhsame Unterhaltung. Man bleibt stehen, man hat vieles ganz gewissenhaft zu beobachten und zu bestaunen, und man hat zu reden – denn es eilt ja nicht. So klärte man mich auf, und ich wollte wissen: “Gibt es überall diese Strassen?” Man sagte mir: “Ja, überall hat es solche Strassen. Es gibt aber auch Plätze der Verbannung, wo die Möglichkeit besteht, dass einer die Strasse nicht betreten kann. Dafür sind ja diese Wächterengel Gottes da; sie sorgen dafür, dass einer aus eigener geistiger Anstrengung gehen muss, dass er mit seinem schleppenden Gang den Weg nehmen muss, was ihm Mühe macht.”
So kreuzen sich die Wege und Strassen, sie gehen ineinander, durcheinander, und es gibt kein Hindernis. Es ist seltsam, und man bestaunt es, wenn man in diese andere Welt hineinkommt. Hatte man aber schon als Mensch eine grosse Verbundenheit zur Göttlichkeit und pries man Gottes Weisheit, seine Herrlichkeit, dann hatte man eigentlich schon als Mensch den Gedanken in sich aufgenommen, dass es doch wunderbar und vielleicht seltsam aussehen muss im Himmel. Nun, darüber möchte ich jetzt nicht mehr weiter reden. Ich habe euch jetzt einige Andeutungen gegeben zu Zeit und Raum, wie schnell man das überwindet; denn ihr seid vielleicht schon von anderen Geistwesen darauf aufmerksam gemacht worden, man müsse nur denken und schon sei man da, wo man will. Ja, dies ist vielleicht etwas zu viel gesagt; auch ihr, wenn ihr irgendwohin wollt, müsst euch ja aufmachen, um da- oder dorthin zu gelangen. So ist es auch in der geistigen Welt. Aber man kann dann eben auf diese Strasse gelangen, die einen so schnell an den andern Ort hinführt.
Ich möchte euch aber jetzt einmal sagen, was ich tat, bevor ich zu euch kam. Ich war auf einem Spielplatz, wo viele Kinder zusammen waren, und ich hatte sie beobachtet. Wo ich war? Ich war nicht hier in der Schweiz – ich war ganz weit weg, wo die Sonne wunderschön scheint und die Kinder noch spielen. Ich hatte nur die Aufgabe, sie aufmerksam im Auge zu behalten. Das war meine Aufgabe, bevor man mich aufforderte, mich bereit zu machen, zu euch zu kommen.
Meine Aufgabe, die ich nach den verschiedenen und bedeutungsvollen Erklärungen erhalten habe, führte mich ins Kinderparadies. Da ich immer eine grosse Vorliebe für Kinder hatte, durfte ich mich auch in der geistigen Welt mit ihnen beschäftigen. Man öffnete mir einen wunderschönen Himmel mit vielen Kindern. Als ich hier eintrat, haben sich diese Kinder nicht etwa auf mich gestürzt, denn sie waren ja alle so sehr beschäftigt mit ihren Spielen. Dieser Himmel hat wunderbarste Spielplätze, schöne Gärten, und es sind viele oder allerlei Spielzeuge vorhanden. In diesem Kinderparadies, wo ich nun meine Aufgabe haben sollte, waren Kinder bis zum siebenten Lebensjahr – gerechnet nach eurer Zeit. Hier sah ich sie, die ganz, ganz Kleinen zusammen. Sie wurden gepflegt, ja sie lagen in schönen Wiegen, aber sie waren nicht zugedeckt mit Decken oder Ähnlichem wie bei euch, denn es ist ja so angenehm warm, so schön hier. Die Wiegen sind immer geschmückt mit allerlei Blumen. Diese müssen herbeigeschafft werden von den älteren Kindern, die – sagen wir jetzt – fünf, sechs und sieben Jahre alt sind. Diesen älteren Kindern ist jeweils ein Kindlein zugeteilt, zu dem sie hingehen, mit dem sie sich beschäftigen und für dessen Ordnung sie sorgen. Die Kinder werden also frühzeitig in die Ordnung eingereiht, es wird ihnen eine Aufgabe übertragen, und zwar eine, die man von einem Kinde verlangen darf. Auf diese Weise gibt es allerlei Gefühle zum Ausdruck.
Da muss ich erwähnen, dass meine Geschwister, die sich in diesem Kinderparadies beschäftigen, alle sehr schön sind. Sie haben eine so zarte Gestalt. Die Schwestern haben schönes wallendes Haar, das jeweils mit Blumenkränzchen zusammengehalten wird – genau so wie Kinder es einfach lieben. Auch in ihre Kleider sind Blumen eingeflochten; denn wenn die Kinder mit einem Engel spielen, suchen sie sich diese oder jene Blume aus und heften sie dann an sein Kleid – und man lässt sie gewähren. Wenn die Kinder ihre Aufgaben, die sie ausführen müssen, getan haben, gehen sie in die grossen Gärten und Wiesen und sammeln in ihren kleinen Körbchen die Blumen. Sie müssen sich beschäftigen. Ihr müsst also nicht glauben, dass die Kinder im Kinderparadies nichts zu tun hätten, sondern sie werden je nach ihrer geistigen Kraft und je nach ihren Veranlagungen zu Arbeiten herangezogen – zu lieblichen Arbeiten selbstverständlich, etwas anderes gibt es nicht im Kinderparadies. So sammeln sie dann diese Blumen, und die grösseren Kinder unterhalten sich dann wieder mit den andern, mit den zwei-, drei-, vierjährigen.
Da muss ich natürlich sagen – denn vielleicht wissen dies nicht alle meine Geschwister hier –, dass die Kindlein im jenseitigen Reich auch heranwachsen; aber davon werde ich später noch sprechen. Jetzt wollte ich nur einmal einen Einblick geben in die Beschäftigung dieser kleinen Kinder. Sie sind immer umgeben von diesen schönen, herrlichen Engeln. Voller Liebe werden sie ermahnt und zur Arbeit angehalten. Freilich haben sie noch genug freie Zeit für Spiel und Tanz.
So sollte ich mich nun zu diesen Engeln Gottes begeben – ich musste ja erst einmal alles, was ich euch jetzt erzähle, kennenlernen. Ich wusste ja gar nichts davon, dass Kindlein im Kinderparadies heranwachsen und dass man sich mit ihnen beschäftigt; ich hatte keine Ahnung, keine Vorstellung davon. Also das war für mich auch etwas Neues. So war ich einmal da, einmal dort, einmal bei den Kleinsten, dann bei den Grösseren und dann bei jenen, die – sagen wir jetzt – nach eurer Zeitrechnung sieben Jahre alt geworden sind und diese Stufe des Kinderparadieses bald verlassen sollten. So war ich einmal da und einmal dort, und je nach dem Alter der Kinder musste ich mich eben mit ihnen unterhalten.
Da möchte ich nicht unterlassen zu sagen – ich hatte ja vom Zeitgeist geredet –, dass die Engel, die hier ihre Arbeit haben, sich nicht um die Zeit kümmern; dennoch ist alles so wunderbar geordnet. Die Kindlein wachsen heran, und man sieht sie so schön wachsen; dann kommen sie, diese Zeitgeister, und sagen: “Jetzt ist es so weit mit dir ... und mit dir ...” Dann werden die grösseren Kinder gesammelt, und es gibt ein grosses Fest; man singt und tanzt zum Abschied, wenn man dann diesen Himmel verlässt. Es herrscht grosse Freude, weil man es den Kindern erklärt, dass sie nun in einem anderen Himmel mit grösseren Geschwistern zusammenkommen und Weiteres erleben werden. Immer, immer werden welche gesammelt und wieder aus diesem Himmel herausgenommen, und so herrscht eine ständige Freude.
Als ich zu meinen Aufgaben hinkam, da hatten mich diese himmlischen Geschwister auch begrüsst und mich den Kleinen, die es verstanden und mit denen man reden konnte, vorgestellt. Nun möchtet ihr noch wissen: “Ja welche Sprache spricht man denn mit diesen Kleinen?” Eine Sprache ist es, eine einheitliche Sprache. Am Anfang jedoch, wenn Kinder ins Himmelreich kommen und in ihrer Seele bereits die Erkenntnis liegt, dass sie sich in ihrer Sprache Ausdruck verleihen, antworten ihnen die Engel auch in dieser Sprache; aber recht bald lernen sie die himmlische Einheitssprache in diesem Kinderparadies. Nun, was geschieht in jenem Paradies, wo die grösseren Kinder hinkommen, die auch noch der Pflege der Engel Gottes bedürfen? Hier werden jene zusammengeführt, die die gleiche Sprache sprechen, die sie auf Erden geredet haben. Man gibt ihnen dann Gelegenheit, auch diese himmlische Sprache zu lernen. Dies sei ebenfalls nur nebenbei eingeflochten.
Ich möchte nun aber auch darauf hindeuten, dass ich lange Zeit in diesem Kinderparadies war und mich mit den Kindern beschäftigte. Dann kam man wieder zu mir und sagte: “Deine Aufgabe liegt nicht allein in der Betreuung dieser kleinsten Geschwister, sondern du musst dich jetzt auch aus dem Kinderparadies hinausbegeben und zu den Kindern der Menschen im Erdenreiche gehen. Da sollst du jene Kinder, die krank sind und die wir für ein kurzes Leben gezeichnet haben, von der Erde in den Himmel zurückführen. Du wirst Bescheid erhalten, wohin du sie zu führen hast, denn der Zeitgeist macht dir klar, wie alt das Kind auf Erden ist, und ein weiterer Geist wird dir die Anweisungen geben, wo es hingehört. Du wirst dieses Kind ohne Schwierigkeiten in die jenseitige Welt begleiten können – zumal du ja nicht allein bist, denn das Kind hat ja seinen eigenen Schutzengel. Du gehst zum Schutzengel des Kindes hin, gibst ihm die Ehre und sagst: ‘Ich will dich begleiten und euch ins Kinderparadies führen.’ Es ist ja nicht nur der Schutzengel des Kindes, der es ins geistige Reich begleitet. Ach, den Kindlein gehört doch das Himmelreich, und so werden doch ganze Scharen von Geistwesen aufgeboten, um sie wieder zurückzuführen. So geht man auch, in kleineren und grösseren Scharen, und führt diese Kindlein hinein ins Himmelreich.”
So klärte man mich auch in dieser Beziehung auf. Und ich wollte wissen: “Ja wie soll ich denn wissen, wohin ich gehen muss? Die Erde ist gross; ich kenne zwar nun diese ‘eilenden’ Strassen, und ich weiss jetzt, wie rasch ich vom einen Ort zum andern gelange, aber wie soll ich es erkennen, wo ein Kindlein für das Himmelreich bereit ist?” Da sagte man mir wieder: “Auch in dieser Beziehung ist Ordnung.” Ich sollte nur Kindlein bis zum dritten Lebensjahr zurückführen; diejenigen, die über drei Jahre alt waren, gehörten nicht in meinen Bereich. Ja, diese Kindlein auf der Erde – das eine wohnt, sagen wir nun, in der Schweiz, ein anderes in Frankreich, wieder ein anderes in England. Die Distanz ist kein Hindernis, die Strasse führt mich ja schnell zu ihnen; denn solche Strassen, die einen so in kurzer Zeit vom einen Ort zum anderen führen, gibt es nicht nur in den himmlischen Welten, sondern auch in eurem Erdenreich. Auch hier sind diese Wellen, ist diese Schwingung, sind diese Bänder oder – ich weiss nicht, wie ich dem sagen soll; ich nenne sie jetzt Strassen.
Nun, ich sagte schon, dass der Zeitgeist kommt und mir sagt: “Die Zeit ist abgelaufen da und dort; dorthin hast du zu gehen.” Man gibt mir genau die Anweisung; man gibt mir eine Art Band in die Hand und sagt: “Gehe dem Band nach, und dort wirst du vom Schutzgeist des Kindes unterrichtet, ob es so weit ist.” Man gibt mir nicht nur ein Band, sondern ich habe einen ganzen Armvoll Bänder, und diejenigen leuchten auf, wo es eilt. Ich bin also angeschlossen an diese Arbeit, an diese Ordnung, und der Schutzengel des betreffenden Kindes will in Begleitung ins Himmelreich zurück. Dann kann ich wählen, welches Band ich vorziehe; denn ich kann nicht zur gleichen Zeit überall sein. Oft habe ich eine Handvoll Bänder gehabt, die geleuchtet haben, und ich konnte nur einem nach dem andern nachgehen. Wo ich nicht hingehen konnte, war ja eine andere Schwester, ein anderer Bruder da. So musste ich jeweils an einem Band ziehen, und es zog mich eben zu dieser Strasse hin, und ich war dann immer zum rechten Zeitpunkt da, um das Kindlein zurückzuführen.
Da kamen ja auch noch andere dazu, die nicht an diese Arbeit angeschlossen waren, die zur Freude kamen; es waren Verwandte der Kinder, die gewöhnlich doch auch dabei sind. Sie kamen ja auch, wenn es irgendwie erlaubt war, und wollten gemeinsam Einzug halten ins Himmelreich oder doch wenigstens bis zur Schwelle des Kinderparadieses. So ist man jeweils versammelt mit vielen, vielen Geschwistern, mit schönen und weniger schönen. Und dann, an der Schwelle des Kinderparadieses, müssen die andern, die hier nichts zu tun haben, sich verabschieden. Meine Aufgabe war es eben, zum Schutzengel des Kindes zu gehen, das Kindlein zu nehmen und es dahin zu tragen, wohin es bestimmt war, wo es hingehörte, wie ich es vorhin angedeutet habe. Dann stehen sie da, meine Geschwister vom Kinderparadies, und nehmen das Kindlein in Obhut und fangen an, es zu pflegen.
Und dann weiter: Ihr sollt nicht glauben, dass die andern Kindlein, die grösseren Kinder, etwa keine Notiz davon nehmen würden, wenn ihre Geschwister, diese Kindergeistlein, in das Kinderparadies kommen. Ja sie haben bei diesem Empfang auch ihre Aufgabe; sie stehen da mit Blümchen, und sie singen und sagen sogar Gedichte auf, auch wenn das Neuangekommene noch zu klein ist, um es zu verstehen. Aber ihr sollt nicht vergessen: Im Kinderparadies hat es viele Geister, die ihre Arbeit nicht hier verrichten, sondern die nur für einen vorübergehenden Besuch hier sind. Unter ihnen sind Geister aus den höchsten Himmeln, die alles genau beobachten und kontrollieren. Sie wollen sich freuen an diesen Kindlein, die zurückkommen, denn ihnen gehört das Himmelreich. So begrüsst man sie, die ganz Kleinen, die ja noch keine Notiz davon nehmen können; aber es sind vielmehr die Grossen, die ihre Freude daran haben, wie die andern Kinder sie empfangen. Aber, sagen wir, vom zweiten, dritten Lebensjahr an sind die Neuangekommenen schon voller Interesse für diesen Empfang.
Man soll nicht glauben, dass diese Kindlein etwa verängstigt wären und weinend ins Himmelreich treten würden. Ach nein! Mit dieser schönen Umgebung freundet sich das Geistlein schnell an. Der Schutzengel hat es in seinen Armen und ist so liebevoll. Ihr müsst doch bedenken, dass das, was es in seinem Seelchen an Erinnerung an seine Eltern hat, nur kurze Zeit in ihm ist; denn die Geister des Himmels können dafür wirken, dass diese kleinen Geistlein schnell ihr Glück finden und sich mit den himmlischen Boten anfreunden. Viel schönere Dinge bekommen sie hier zum Spielen, und sie können sich für Dinge interessieren, wie es ihnen auf Erden nicht möglich war. Besonders die Farbenpracht hat es ihnen angetan. So werden sie zu kleinen Teichen hingeführt, wo – ihr sollt es euch so vorstellen – kleine Wellen sind, die sich in einem Durcheinander von Farben bewegen; es glänzt wie Christbaumschmuck: Rot, Blau, Grün, Violett und was es alles an Farben gibt, alles ist durcheinander. Man fordert diese Kindlein auf, mit diesen Farben zu spielen. Sie knien dann nieder an diesen Teichen und bewegen ihre Händchen im Wasser, und sie sehen, wie daraus kleine Kügelchen, kleine Blasen, wie Seifenblasen, entsteigen. So spielen sie damit; sie halten ihre Hände ins Wasser und spritzen es hoch, und so ergeben sich solche Blasen. Die Kindlein freuen sich, sie verfolgen oft eine solche grössere Blase auf ihrem Wege und kehren dann wieder zurück. Es gibt wunderschöne Dinge für diese Neuangekommenen, woran sie sich erfreuen können, und so vergessen sie schnell. Denn der Himmel weiss, wie er jene empfangen muss, die in ihr Eigentum zurückkehren. Ja, so freuen sich diese Kindlein, und auch die grösseren sprechen nicht mehr den Wunsch aus, zur Erde zurückzukehren.
Ich habe wohl vieles vergessen zu erzählen, und ich würde euch noch vieles sagen wollen, aber Folgendes möchte ich nicht unterlassen einzuflechten: Oftmals kommen Engel aus den verschiedensten Sphären zu uns, und sie bitten dann diese Engel des Kinderparadieses: “Macht mir fünfzig oder” – sagen wir – “hundert kleine Geistlein, Brüderchen und Schwesterchen, bereit für einen Empfang, für ein Fest. Lehrt sie einen Reigen, lehrt sie ein Spiel, wir möchten sie haben.” Dann muss es eben getan werden. Dafür ist wiederum ein Engel Gottes zuständig. Er ruft die Kindlein zusammen und gibt seinen Geschwistern weitere Anweisungen. Und so werden kleine Spiele gelernt. Oftmals geht es nur darum, dass ein solches Kindlein kommt und einen neu angekommenen Geist mit einem Sträusschen Blumen begrüsst. Vielleicht ist es einer aus seiner Verwandtschaft, der zurückkommt. So viele Möglichkeiten gibt es. Man holt diese Kindlein, man fordert sie an in den verschiedensten Sphären für Feste oder für einen Empfang. So ist der Himmel geordnet.
So hatte ich meine Aufgabe mit diesen Kindlein. Bis zum dritten Lebensjahr sollte ich sie in Empfang nehmen. Ich sah die Eltern manche Träne weinen, und ich dachte mir: “Gute Mutter, ahntest du nur, welche Schönheit und welche Pracht dein Kindlein nun erlebt, du würdest dich freuen und nicht weinen.” Während langer Zeit führte ich diese Aufgabe aus und holte Kindlein ins Himmelreich zurück. Dann sagte man mir: “Du sollst nicht nur diese Aufgabe erfüllen, sondern du sollst nun Kindlein im Erdenreich behüten und beschützen.” Ich wurde wiederum angewiesen, da- oder dorthin zu gehen. Ich hatte entweder mehrere Häuser, wo Kindlein waren, die ich zu beobachten hatte, oder ich hatte meine Spielplätze, wo sich Kinder jeweils versammelten. Ich hatte dafür zu sorgen, dass sie wohlbehütet blieben, behütet vor menschlichem Unglück und Missgeschick, wenn nur irgendwie möglich. Natürlich kann unter diesen Kindlein eines gezeichnet sein, das zu sterben hat. Also auch dieses wird mir vorher erklärt, oder es wird mir angedeutet, dass ich diesem Kindlein keine Beachtung zu schenken habe, weil es schon wieder in der Zuständigkeit anderer Geister sei, die an ihm die Aufgabe erfüllen. So ist alles eingeteilt, und wir haben uns strikte an diese Ordnung zu halten.
So habe ich heute die Aufgabe, von einem Haus zum andern zu gehen, diese Spielplätze zu beobachten und auch eventuelle unvorhergesehene Gefahren weiterzumelden. Auch dieses ist manchmal von Notwendigkeit. Ihr wisst, dass man nicht alles zum Voraus erkennen kann; durch Ungeschicklichkeit kann irgendetwas eintreffen, was nicht erwartet wurde. Aber auch dafür ist alles geordnet, oder wir haben es raschestens weiterzumelden. So stehe ich heute in der wunderschönen Aufgabe mit meinen Kindern.
Und mein Verlangen, das ich hatte, als ich in die geistige Welt kam, mein Verlangen, ihm zu begegnen, ihm, dem ich mein Leben gewidmet und dem meine ganze Aufopferung gegolten hatte – ja, dieser Wunsch wurde mir erfüllt. Man forderte mich auf dafür, ich sollte ihn nun sehen dürfen – auch mit andern zusammen, denn es muss euch klar sein, dass nicht ein Geist allein empfangen wird; bedenkt doch, wie unendlich viele ins Himmelreich einkehren und zu den Höhen hinaufziehen. Also sagte man mir: “Mache dich bereit mit deinen Kindern; nimm von den kleinen und von den grösseren, und schmücke sie mit Blumen, so schön wie du kannst; lass deine ganze Fantasie walten. Dann führen wir dich an den Ort, wo du ihm mit den Kindern begegnen kannst.” Ich tat es, ich schmückte die Kinder mit den Blumen; so wie meine Fantasie reichte, machte ich ihnen Kränzchen und besteckte ihre Kleider voll mit Blümchen. Dann nahm ich sie und ging mit ihnen an den bezeichneten Ort. Ich war hier nicht allein mit ihnen, es waren viele, viele da. Es gab viele Geschwister, die auch mit Kindlein kamen wie ich, oder ich möchte sagen, es waren nur solche mit Kindern da.
Ihr möchtet wissen, wo wir uns versammelten? Ja, wenn so viele kommen, da ist es doch wohl am besten, man sammelt sich in diesen prachtvollen Gärten; man stellt sich auf, hier ist Platz genug. Und dann darf man ihn sehen, wie er kommt und wie er zu den Kleinen hingeht und wie er da und dort eines aufnimmt. Sie wissen ja noch gar nicht, sie können es ja nicht verstehen, in wessen Armen sie waren. Aber er sagt auch: “Euch gehört das Himmelreich.” Und wir, wir gehen zögernd in seine Nähe und verneigen uns vor ihm. Wir sind zufrieden, ihn zu sehen, und wir freuen uns, dass er sich an unseren – an seinen – Kindern freut. Und er hat gute Worte für uns. Dann müssen wir uns wieder von ihm verabschieden; es fällt uns schwer. Wir bleiben lange beisammen, er zieht sich zuerst zurück. Plötzlich ist er uns entschwunden – so schnell.
Ihr möchtet wissen, wie er aussah? Ich kann euch sagen, was die grösseren Kinder reden. Sie sagen, wie schön er gewesen sei. Sie zupften an seinen Kleidern – denn die Edelsteine daran waren ja wie Feuer –, und die Kinder durften es. Sie erzählen noch von diesem prachtvollen Kleide; das hat ihnen Eindruck gemacht. Und sie sprechen von seinem Glanz und seinem Duft und von der Farbenpracht, die von ihm ausging. Denn es war fast so wie in jenem Teiche, wo sie mit allen Farben durcheinander spielten – so glänzte sein Kleid. Denn ich glaube, er hat dieses bunte Kleid extra für die Kinder angezogen – es war ein Kleid mit solchen leuchtenden Edelsteinen, in allen Farben. Für uns ist seine ganze Gestalt wie ein Feuer gewesen – das kann man nicht erklären. Die Kinder sprechen noch lange von dieser Begegnung, von dem schönen Bruder mit dem schönen Kleid. Dann ist es unsere Aufgabe, ihnen zu sagen, wer es war; und es bleibt in ihrer Erinnerung. Auch später, wenn sie von dem Kinderparadiese Abschied zu nehmen haben, ist die Erinnerung noch in ihnen; sie hatten die Begegnung mit ihm in dieser Art. Und vielen ist doch Gelegenheit gegeben, ihm wieder zu begegnen, so sie nicht wieder vom himmlischen Reiche abzutreten und ins menschliche Leben zu gehen haben, wo ihnen dann die Erinnerung an dieses wunderbare Erlebnis erloschen sein wird.
So, meine lieben Freunde, erfülle ich meine Aufgabe. Ihr möchtet noch wissen, wie mein Name ist. Man sagt mir Magda. Ich bin so glücklich. Ich habe keine Zeit – keine Zeit drängt mich. Und dies möchte ich euch wünschen: Auch für euch soll es einst so sein, auch ihr sollt, wenn ihr ins Himmelreich kommt, nicht nach Zeit fragen müssen; es soll immer Frühling oder immer Sommer sein. Auch euch kann gelingen, was ich fertiggebracht habe im Erdenreich.
So gehe ich wieder in mein Paradies zu meinen Kindern zurück und überlasse euch dem Segen und dem Schutze Gottes. Gott zum Gruss.
Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Magda vom 1.6.1960 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 18. Oktober 1975 (Ausschnitt)
Geistlehrer Josef berichtet von einem verdienstvollen verstorbenen Menschen, der die Schönheit des Himmels erleben darf. Was diesem Bruder in seiner neuen Welt besonders auffiel, war die sonderbare Wahrnehmung der räumlichen Distanzen und das Fehlen des Zeitgefühls.
Josef: [...] Liebe Freunde, um euch die himmlische Welt besser verständlich zu machen und sie eurem menschlichen Begreifen näherzubringen, gebe ich euch stets Erlebnisberichte. In ihnen kann ich geistige Gesetze mit erklären, ihr bekommt eine Sicht in die Zukunft und könnt auch erahnen, wie es dereinst um euch selbst bestellt sein wird. Anderseits möchte ich ja gerne, dass aus den Erlebnisberichten die Lehren gezogen werden und man sich dementsprechend zu verhalten weiss, wenn man in die geistige Welt hinüberkommt.
Nun möchte ich von einem verstorbenen Menschen reden und dabei nur kurz sein Erdenleben streifen; es war ein Leben, das er in Liebe und Gerechtigkeit gelebt hatte. Infolgedessen und wegen seines tiefen Glaubens wurde er schon zeit seines Erdenlebens von zwei Engelwesen behütet, von ihnen durchs Leben begleitet und dann hinübergetragen.
Als dieser Verstorbene in der Jenseitswelt erwachte, da erkannte er zu seiner Rechten und Linken zwei schöne Gestalten. Die beiden hielten den Heimgekehrten fest in ihren Armen, in ihrer Mitte. Noch war sich der Bruder über die plötzliche Veränderung nicht im Klaren, doch bewunderte er alles, was für ihn neu war, und er bewunderte die beiden schönen Wesenheiten. Sie erklärten ihm: “Von der Welt hast du dich getrennt, und du wohnst jetzt in der Geisteswelt.” Etwas überrascht blickte er umher; er war beglückt und gab sich damit zufrieden, in der Mitte dieser beiden schönen Wesen zu sein.
Die beiden Engel gingen nun mit unserem Bruder den geistigen Höhen entgegen; sie führten ihn in eine offene Halle, die von kostbaren Säulen getragen wurde. Diese Halle befand sich auf einer Anhöhe, und von dort aus hatte er jetzt die Möglichkeit, in die Weiten zu schauen. Das war für ihn ein sonderbares Erleben: Einerseits kam es ihm vor, als wäre alles so weit entfernt, und anderseits war es so nahe vor seinem geistigen Auge, dass er all diese Dinge, die er nun sah, wirklich betrachten konnte. So fiel seine Aufmerksamkeit auf einen See, auf dem sich Segelboote befanden. Diese Segelboote aber schienen für ihn wie Sterne zu sein – ein jedes Boot war auf seine Weise so strahlend hell und licht, als wäre es ein Stern für sich. So strahlte und glänzte der ganze See, und er bewunderte dies. Die Engel freuten sich über die Bewunderung, die er zum Ausdruck brachte, und fragten ihn: “Was glaubst du, ist es Morgen, Mittag oder Abend? Was für ein Gefühl von Zeit hast du?”
Er schaute die Umgebung näher an und suchte nach der Sonne. Aber er hatte kein Gefühl für die Zeit, er konnte nicht sagen, ob es wohl Morgen, Mittag, Abend oder was es wäre – er glaubte die Sonne überall zu erleben, denn es ging ein Glanz aus von weiteren Höhen, herunter zu ihm. Er hatte für alles nur Bewunderung, denn es war eine wunderbare Atmosphäre von Glanz und Licht, von besonderem Wohlbefinden. So sprach er zu diesen Engeln nur: “So schön habe ich mir die Jenseitswelt nicht vorgestellt.” Die anwesenden Geistgeschwister freuten sich über diese Bemerkung. Noch schweifte sein Blick in die Weiten, und er konnte Täler sehen und Wälder, ein Pflanzenreich und ein grosses Tierreich. Er bewunderte alles. Etwas erschien ihm, wie erwähnt, sonderbar: Einmal glaubte er es in seiner nächsten Nähe zu haben, dann aber entfernte es sich wieder vor seinem geistigen Auge. So hatte er für alles nur Bewunderung.
Was ihn jedoch besonders beschäftigte und wem er besondere Aufmerksamkeit schenkte, waren die vielen Strassen, die er zu sehen glaubte; und zwar waren es Strassen, die von seiner Höhe aus weiter den Höhen entgegengingen und die andererseits von den Höhen hinunter in die Täler, in die Tiefen führten; aber er konnte nicht feststellen, wie weit hinauf und wie tief hinunter sie gingen. Und obwohl er diese Strassen oder Wege sah, konnte er sie nicht zählen. Sonderbar erschien es ihm, dass es so viele Wege, so viele Strassen waren, die von der Tiefe nach oben gingen in alle Richtungen hin, und je weiter er seinen Blick nach oben lenkte, umso heller und schöner waren diese Wege beleuchtet.
Nun wollte er wissen, was es denn mit diesen vielen Strassen und Wegen auf sich habe. Die Engel Gottes in seiner Nähe erklärten es ihm: “Siehst du, das sind die Wege, die die Menschen dereinst durchschreiten müssen, wenn sie ihren irdischen Leib abgelegt haben und ins geistige Reich hineintreten. Da steigen sie von unten herauf zu den Höhen. Für manchen ist es mühsam, diesen Aufstieg zu bewältigen; und viele bleiben da irgendwo zurück und werden dann in eine entsprechende Ebene hineingeführt. Dass es aber einen direkten Aufstieg von den Tiefen zu diesen höchsten Höhen gibt, ist etwas Seltenes. Die meisten, die sich auf diesem Wege befinden, halten ein und ruhen sich aus, und es braucht dann für sie wiederum ein neues Erdenleben, um eine Fortsetzung ihres Aufstiegs fertigzubringen.”
Weiter wurde dem Bruder erklärt: “Das ist der Aufstieg der Geistwesen von unten her zu den Höhen. Von unten her bis hin zu Gott führen so viele Wege, es sind so viele Stationen. Da kommen sie, diese Pilger, von der Erde und halten ein, wenn sie ermüdet und ermattet sind. Dann werden sie dort gestärkt und aufgehalten; man mutet es ihnen nicht mehr zu, diesen Weg weiterzuschreiten.” Das heisst: Sie gelangen in eine Ebene, in der sie eine bestimmte Zeit verweilen sollen, um dort weitere Belehrungen zu finden, aber auch einer Arbeit im geistigen Reich nachzugehen, um dann gelegentlich den Weg wieder aufzunehmen.
Um keine Irrtümer, keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wenn einem von der Erde Heimkehrenden ein solcher Halt geboten wird, wird ihm gesagt: “Das ist deine Stufe, die du durch dein Leben errungen, erreicht hast. Das ist der Halt für dieses Mal. Und bei einer Wiedereinverleibung sollte es doch möglich sein, dass du den weiteren Weg nach oben antreten kannst – bis es dereinst so weit sein wird, dass du zu jenen Höhen gelangst, die für dich vorgezeichnet sind, wo dein wirkliches geistiges Zuhause ist.” Das heisst: Es wird noch eine ordentliche Zeit verstreichen, bis man das Ziel erreicht hat. Denn um in jene Höhen zu gelangen, braucht es – so die Erklärung für den einen oder andern – mehrmals ein menschliches Dasein. Und nicht für einen jeden ist es glaubhaft und verständlich, dass man des Öftern in ein menschliches Dasein kehrt, dass ein und dieselbe Seele wiederum einverleibt wird, um ihre angefangene geistige Entwicklung fortzusetzen. Dies dauert so lange, bis das Betreffende den Höhepunkt seiner geistigen Entwicklung erreicht hat. So gibt es auf diesem Wege zu Gott vieles zu erleben für einen jeden, der da zurückkommt.
Nun zurück zu unserem Bruder. Er hatte also Auskunft bekommen, was für eine Bedeutung es mit diesen vielen Strassen hat. [...]
So erbat er sich eine kurze Zeit, um diese seine Welt erleben zu können. Diese Welt zu beschreiben, fällt mir schwer. Ich kann nur von einer schönen Welt sprechen, von Häusern sonderbarer Bauart, die er bewunderte und in die er einkehren konnte. Er bewunderte auch die geistige Natur; er konnte sich unter der geistigen Tierwelt bewegen, und er konnte sich mit geistigen Wesen aussprechen – so viele Möglichkeiten hatte er, diese Welt zu erleben. Er interessierte sich auch für die Kunst, die in dieser geistigen Ebene zu erleben war. Doch erbat er sich, er möchte sich später eingehender über das Leben seiner Welt erkundigen, um Näheres zu erfahren. Jetzt habe er nur eine Bitte: Man möge ihn ziehen lassen über eine dieser vielen Strassen und Wege, die nach unten führen – es verlange ihn, da hinunterzugehen, talwärts zu schreiten zu jenen andern Geschwistern hin, um sich um ihr Wohl zu kümmern.
Man erklärte ihm aber, man möchte ihn nicht einfach allein gehen lassen, sondern zu seiner Freundschaft gehörten einmal diese beiden Engelwesen, die ihn nach dem Sterben ins Jenseits getragen hätten und die ihm im menschlichen Leben auch beigestanden seien. Sie würden ihm nun Ratgeber sein in der Zeit, da er sich um andere Geistgeschwister und ihren Aufstieg bemühe. So hatte er diesen Engeln seine Anliegen vorgebracht und seine Bitte, sie möchten ihn begleiten, damit er dahin gelange und das, was in seiner Möglichkeit sei, auch ausführen könne. So hatte man dem Wunsche des Bruders stattgegeben und führte ihn dorthin. Seine Aufgabe aber ist vielfältig, sieht er sie doch im Heilsplane Gottes in der Förderung jener uneingereihten Geistgeschwister, sie zu belehren und zu unterrichten.
Seine beiden Begleiter stehen ihm bei; sie haben ihm das Versprechen gegeben, so lange an seiner Seite zu sein, bis er, ganz selbstständig geworden, die geistigen Gesetze erkennt und fähig ist, immer nach dem Gesetze Gottes richtig zu handeln, das Richtige auszuführen. Auf diese Weise steht nun unser Bruder in seiner Aufgabe.
Dieses ganze Erleben unseres Bruders hat in verhältnismässig kurzer Zeit stattgefunden. Solche geistigen Erlebnisse sind nicht zu vergleichen mit Erlebnissen, wie Menschen sie haben, wenn sie irgendein fremdes Land aufsuchen und, da die Zeit für sie eine bedeutende Rolle spielt, sie sich nach ihr zu richten haben, um in möglichst kurzer Zeit so viel wie nur möglich zu erleben. Im Geistigen spielt die Zeit eine ganz andere Rolle, sie lässt sich nicht nach der menschlichen Zeit bemessen. Darum wird euch auch stets erklärt, dass wir Raum und Zeit überwinden. Somit fehlen uns die Worte und die Begriffe, um es euch verständlich darzulegen. Erklären können wir es nur auf diese Weise, wie ich es tue. Vergangenes aus längst vergangener Zeit kann einem Geiste wieder gegenwärtig gemacht werden, dass er es so erlebt, als wäre er wahrhaftig in jene Zeit versetzt; es geschieht in verhältnismässig kurzer Zeit, dass er alles überschaubar vor sich hat. Ich betrachte es jedoch nicht als sinnvoll, euch dieses näher darzulegen, weil es mir ja in der Weise nicht möglich ist, es euch verständlich zu machen. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 18.10.1975 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, Fragebeantwortungen aus verschiedenen Jahren; Ausschnitt aus dem Erlebnisbericht von Mathilde, 5. April 1961
Lieber Josef, wenn du von geistigen Sphären und Ebenen sprichst, erhebt sich in uns die Frage, wo wir uns diese vorstellen sollen, ob in der unmittelbaren Erdnähe oder in weiteren Entfernungen, vielleicht den Distanzen der Sterne vergleichbar?
Josef: Seht, liebe Freunde, ihr seid immer an das Materielle gebunden, auch im Denken. Ihr müsst euch immer einen Raum vorstellen. Das ist im Geistigen aber nicht so. Da fliessen sogar verschiedene Sphären ineinander, und jene Wesen in den tieferen Sphären können die höheren Wesen nicht erkennen. Es ist mir nicht möglich, euch das alles begreiflich zu machen. (1954)
Wenn wir mit euch im geistigen Gespräch sind, versuchen wir so mit euch zu reden, dass wir euren Begriffen nahekommen. Dies bringt aber das Problem mit sich, dass ihr manches falsch beurteilt. Wenn von den niederen und den höheren Stufen gesprochen wird, stellt sich ein Mensch gewöhnlich diese Stufen in der Reihenfolge vor, wie er es begreift: zuerst Niederes, dann Höheres. In der geistigen Welt kann es aber so sein, dass diese Ebenen ineinander hineinfliessen und dennoch streng voneinander abgegrenzt sind – dass sie also höhenmässig auf derselbe Stufe oder Ebene sind, wohl aber im Geistigen voneinander abgegrenzt, sodass sowohl die höhere Ebene als auch die niedere Ebene als solche bezeichnet werden kann. (3.4.1969)
Lieber Josef, wie ist es eigentlich mit dem Raum – ihr benutzt natürlich auch unseren Raum, aber ausserdem habt ihr doch irgendeine andere Dimension noch in unserem Raum drin, ohne dass wir einander berühren?
Josef: Ich weiss nicht, wie ich das sagen soll, es ist schwer, es euch zu erklären. Die Räumlichkeiten, wenn ich von Raum reden darf, fliessen ineinander hinein, unterscheiden sich mit ihren Lichtstrahlen. Die einen oder gewisse Ebenen sind in Düsterheit gehüllt – ich kann es nicht anders sagen –, die die anderen, hellen nicht berührt; darüber kann ein heller Himmel sein, und die düsteren Ebenen haben keine Fühlung mit ihm. Es ist schwer, mir fehlen die Worte und die Begriffe – ich suche nach einem Beispiel, ich finde es nicht –; es geht einfach alles ineinander hinein, ohne dass das eine das andere berührt.
Auf alle Fälle können wir Menschen nicht in diese Dimensionen hinein?
Josef: Nein, nein. Es wird auch für einen Geist schwer sein, wenn er zu uns hinüberkommt, das gleich zu erfassen. Das kann er auch nicht sofort. (Vorstandssitzung, 13.6.1973)
Lieber Josef, wo befindet sich eigentlich die Hölle, ist sie nur im Innern dieser Erde oder auch im Innern anderer Weltkörper?
Josef: Das ist für uns Geister einfach schwer zu beschreiben und für euch Menschen schwer zu verstehen. Ich kann nicht einfach erklären, dass die Hölle nur im Innern der Erde sein soll. Es gibt noch andere Orte, wo höllische Bereiche sind. Es ist aber schwer für mich, darüber zu reden; ich kann nicht einen Ort bezeichnen, ich kann nicht sagen, nur innerhalb dieser Erde ist die Hölle, denn ich sehe noch andere Möglichkeiten, wo die Unseligen zu verweilen haben.
Ist es vielleicht so: Wenn ihr Geistwesen die geistigen Orte seht, dann seht ihr eben unsere materielle Erde nicht – sie überschneiden einander?
Josef: Ja, das auf jeden Fall. Sagen wir, über eurem Hause gehen gewisse Sphären ineinander hinein, ohne dass die eine die andere berührt. Das können beispielsweise tiefe Ebenen sein, wo unselige Geister da in eurer Atmosphäre gebunden sind – und es kann eine erhöhte Sphäre ihren Eingang in diese unselige Ebene hinein nehmen. Sie berühren einander nicht. Die niedere Ebene sieht die höhere Ebene nicht. Die höhere Ebene weiss aber vom Bestehen und vom Leben jener, doch man kommt nicht miteinander in Berührung, in Kontakt. Das ist etwas, was für uns schwer ist, euch zu erklären, und für euch ist es auch schwer zu verstehen. Darum wird in diesen Belehrungen immer wieder gesagt, dass es für uns schwer ist, über Örtlichkeiten und über Zeit zu reden. Für uns Geistwesen gibt es nicht die Begrenzung von Ort und Zeit wie bei euch, weil eben so vieles ineinander verflochten ist und einander trotzdem nicht berührt. Denn ihr müsst euch Folgendes vorstellen: Niedere Geistwesen und ihre Welt, in der sie wohnen, sind – wie eure Erde und wie ihr Menschen – von einem verdichteten Od. Das höhere Geistige, das hineinfliesst, überschneidet das schwergebundene Od. Es kommt nicht mit dem verdichteten Od in Berührung, weil das Feingeistige dieses durchschneidet. Ich weiss nicht, ob ich es für eure Begriffe so richtig erklären kann.
Ist es vielleicht so zu begreifen: So wie du als Geist durch diese Mauern gehst, gehen auch diese Sphären unter Umständen durch eine andere Sphäre aus anderer Stofflichkeit, aus anderem Verdichtungsgrad?
Josef: Ja genau. Aber ich möchte nicht unterlassen zu sagen, dass diese Sphären, die da in der Nähe von euch sind, eben aufsteigende Sphären, das heisst verhältnismässig niedere Sphären sind. Aber es sind jene höheren Sphären und Orte, die hineinfliessen, wo geistige Wesen zu leben haben, die ihre Tätigkeit bei den niederen Geistern ausüben müssen. Es sind sozusagen diese Zwischenhimmel, von denen wir jeweils auch reden, diese Zwischenebenen, die da geschaffen sind zwischen diesen niederen Ebenen und zwischen einer höheren Welt – für solche Wesen, die sich in einem Erdenleben weniger belastet hatten und bei denen man es für gut befindet, dass sie nun in der geistigen Welt die weitere Entwicklung durchmachen können. (Vorstandssitzung, 8.11.1972)
Im Vortrag vom 1. März 1972 sprach Geistlehrer Josef von einer verstorbenen Frau, die nicht willens war, an dem ihr zugewiesenen Ort in der Jenseitswelt zu verbleiben. Josef beschreibt, auf welche Weise diese Seele den Weg zurück zur Erde finden konnte:
So verliess sie diese geistige Ebene, in die sie aufgenommen worden war. Sie war ja noch so erdgebunden, und ihr Verlangen war einzig, wieder zur Erde zurückzukehren; sie sagte sich: “Dann gehe ich eben wieder dahin zurück, wo ich gelebt habe, oder ich schaue mir die übrige Welt der Menschen an.” Sie hatte gleich festgestellt, dass sie in Kürze die grössten Distanzen überwinden konnte. Sie fühlte sich wie durch einen Magneten angezogen. Sie kannte ja nichts von geistigen Gesetzen und ahnte nicht, dass sie durch ihre eigene Odstrasse ging; sie ging denselben Weg zurück in die Tiefen hinunter, auf dem sie hergekommen war.
Hierzu muss ich noch eine Nebenbemerkung anfügen. Wenn wir von geistigen Sphären und Ebenen und deren Entwicklungen reden, müsst ihr euch nicht vorstellen und meinen, es seien gewaltige Distanzen von einer Entwicklungsebene zur andern. Ja das kann zutreffen, aber diese Erdgebundenen sind nicht allzu weit von der Erde entfernt; sie können im Luftraum ihre Ebene haben. Von dort ist es nicht weit, um wieder auf die feste Erde zu gelangen. Da werden diese erdgebundenen Seelen wie durch einen Magneten von der Erde angezogen. Einige Tausend Kilometer Entfernung von dem Ort, wo man gelebt hat, bedeuten da keine Distanz.
Lieber Geistfreund Josef, du hast letzthin von den Odstrassen gesprochen, welche die Zugvögel auf ihren weiten Flügen leiten. Wie erklärt es sich aber bei den Brieftauben, die an einen bestimmten Ort transportiert werden und nachher jede einen anderen Weg nach Hause fliegt? Oder beispielsweise bei einer Katze, die den Weg über 100 km und über Flüsse zurückgefunden hat zu ihrem bisherigen Heim, von dem man sie auf einem anderen Wege mit einem Auto wegtransportiert hatte? Hat das auch mit Od zu tun?
Josef: Ja, aber das kann ich euch nicht so bildlich erklären, ihr könnt das mit euren Begriffen nicht so aufnehmen. Wenn ich euch bildlich nur diesen Raum vor Augen führte: Da sind so viele geistige Bänder, sagen wir, Odstrassen vorhanden, die überall hinführen, wo Menschen sind, die einmal hier gelebt haben, sagen wir, in den letzten zehn, zwanzig, dreissig oder fünfzig Jahren – alles ist vorhanden [bildlich im Od festgehalten], was je einmal in dieser Umgebung gelebt hat.
Wenn nun ein Mensch wieder an diesen Ort zurückkehren will, so hat er ja seine Orientierung; er geht nach den Karten, und er hat die Transportmöglichkeiten – er kann auf diese Weise den Weg finden. Aber ein Tier orientiert sich anders; es geht dem Odfaden nach, den es von seinem Ausgangsort an den neuen Ort mitgezogen hatte, als es fortgeführt wurde; dabei braucht es gar nicht speziell an dieselbe Route gebunden zu sein. Denn der Raum ist nicht so zu verstehen wie bei euch Menschen; diese Tiere können das aufnehmen und ihren Weg finden, denn der Raum ist nicht gebunden wie für euch.
Wie sieht das geistige Auge den Raum? Wie siehst du den Raum? Wir sehen überhaupt nichts, wenn wir bis zu den Sternen schauen. Für euch ist der Raum also angefüllt mit Lichtstrassen und allem Möglichen?
Josef: Ja, und mit Sphären aller Art, niederen, hohen, die ineinander laufen. (Vorstandssitzung, 8.12.1965)
Lieber Josef, wir wurden schon darüber unterrichtet, dass das zeitliche Element in der jenseitigen Welt nicht mit unserem irdischen Zeitbegriff zu vergleichen ist, und doch vollziehen sich die Geschehnisse in der geistigen Welt nicht gleichzeitig, sondern in einer geordneten Reihenfolge. Auf der Erde bedienen wir uns der Uhr, um die ablaufenden Ereignisse in eine gegenseitige Beziehung zu bringen. Wie aber geschieht dies in der geistigen Welt? Kannst du uns eine für unser Denken verständliche Erklärung geben?
Josef: Es ist in der Tat schwer, dies für euer Denken verständlich zu machen. Auch wir in der geistigen Welt haben eine sogenannte Zeitrechnung, auch wenn wir nicht nach einer Uhr gehen, so wie ihr sie besitzt. Doch auch wir haben eine Zeit, auch wir haben eine Vorstellung von Zeit, nur erleben wir dies anders als ihr.
Ihr braucht diese Zeit, während wir nicht so an sie gebunden sind, denn wir arbeiten nicht, wenn ich so sagen darf, nach der Uhr. Gleichwohl halten auch wir genau die Zeit ein – ich muss dieses Wort verwenden, um es euch verständlich zu machen –, während der gearbeitet wird. Soundso lange wird gearbeitet, und diese Zeit wiederholt sich in gleichmässigen Abständen.
Doch haben unsere Geistgeschwister auch eine Zeit, in der sie sich ausruhen oder sich vergnügen können. Auch dies wiederholt sich in bestimmten, regelmässigen Abschnitten. Denn bei uns wird nicht fortwährend streng gearbeitet. Dabei spielt auch die Entwicklung, die von dem Geistwesen erreichte Stufe, eine Rolle. In den unteren Stufen, wo die Geistbewohner noch wenig entwickelt sind, wird entsprechende Arbeit gefordert. Wenn es sich bei diesen Geistern um verstorbene Menschen handelt, erinnert sie diese ihre Arbeit noch sehr an ihre menschlichen Tätigkeiten. Sie sind in ihrer Schwingung noch mit niederen Kräften, mit niederem Od verbunden, eben weil die Welt, in der sie leben, noch eine niedere Schwingung aufweist. Hier ist die Geisteswelt noch nicht in dieser feinstofflichen Form zu erleben, sind doch die Geistwesen dort selber noch grobstofflicher Art. Die Geistmaterie, die sie umgibt, die Welt, in der sie leben, ist ihrem Wesen, ihrer Schwingung angepasst. Mit ihrem geistigen Aufstieg verbessern sich diese Geister und kommen dann in eine immer bessere, schönere Welt hinein. Ihr Aussehen muss der Welt entsprechen, in die sie neu eingehen.
Sind da die Zeiteinheiten mehr oder weniger abhängig von den Abläufen des Kosmos?
Josef: Auch, zum Teil, ja. Geister, die als verstorbene Menschen zu uns herüberkommen, haben in der ersten Zeit aber überhaupt keinen Begriff von Zeit. Sie wissen nicht, wie sie ihre Zeit einzuteilen haben, für sie steht die Zeit gewissermassen still. Sie kommen ja nicht mit einer Uhr an, es sei denn, sie tragen sie in ihrer Vorstellung. Da, wohin sie geführt werden, gibt es auch keine Uhren. Wohl aber sind Wechselschwingungen da. Zu gewissen Zeitpunkten, wenn ich es so nennen kann, ändert sich die Atmosphäre. Die Neuankömmlinge nehmen dies jedoch gar nicht in dieser Weise wahr, und es sind diese Veränderungen für sie auch gar nicht so zu erleben, weil sie nicht so deutlich ins Auge fallen. Doch je höher geistige Wesen aufzusteigen vermögen, umso deutlicher erleben sie diese wechselnden atmosphärischen Einflüsse, Farben und Abtönungen. Ihr erlebt Tag und Nacht. Solches ist bei uns in diesem Sinne nicht vorhanden. Aber auch bei uns wechselt die Atmosphäre, sie kann gedämpfter werden.
Denn auch die Geistwesen brauchen eine Zeit, um sich auszuruhen, sie möchten sich ausruhen. Ein Wesen hat ja nicht unentwegt zu arbeiten, sondern es kehrt in sein Haus zurück, wenn es in eine Gemeinschaft eingegliedert ist. In diesem Hause nun lebt es eine gewisse Zeit hindurch mit anderen zusammen und empfängt Belehrungen. Ausserdem gibt es für die Geistwesen eine Zeit, bei der sie selbst entscheiden können, was sie mit ihr machen wollen. Ihr beispielsweise habt eure Hobbys, und so haben auch die Geistwesen eine Zeit zur Verfügung, in der sie tun dürfen, was ihnen Freude macht. Sie können damit etwas tun zu ihrer geistigen Vorwärtsentwicklung. Sie können sich aber auch in irgendeiner Weise künstlerisch betätigen.
Die Zeit für eine solche künstlerische oder auch handwerkliche Beschäftigung ist jedoch genau begrenzt. Der Geist weiss genau – man zeigt es ihm vorher an –, wie lange er sich dieser Tätigkeit hingeben darf. Er weiss: “Dann und dann habe ich da und da hinzugehen und wieder meine Arbeit aufzunehmen.”
Hierbei spielen eben jene atmosphärischen Strömungen eine Rolle. In der Atmosphäre ist – wie soll ich es ausdrücken? – etwas Wandelbares, ein Wechselspiel, das für die Wesen dort sozusagen die Zeit bezeichnet, wann sie ihre Arbeit verlassen oder in eine neue Tätigkeit eintreten sollen. Dabei besteht natürlich eine Führung. Ihr als Menschen habt eure Wochentage und könnt als Menschen selbstständig handeln und entscheiden. Im Geistigen ist man mehr von einander abhängig. Man lebt miteinander, man arbeitet miteinander. Der Gruppe, der man zugeteilt ist, steht ein führendes Wesen vor. Dieses führende Wesen ist dann auch für die Zeit der Gruppe verantwortlich und setzt sie fest. (Vorstandssitzung, 12.6.1974)
Auf welche Weise dieser Wechsel der Atmosphäre, diese Veränderung des Lichts erlebt wird, erklärt das aufsteigende Geistwesen Mathilde. In ihrem Erlebnisbericht erzählt sie von ihrer Heimkehr in die jenseitige Welt, wo sie in der ersten Zeit mit ihren Eltern zusammen sein durfte, die sie über die Verhältnisse in der neuen Welt unterrichteten.
Mathilde: Als ich in die Jenseitswelt kam, war ich voller Neugierde, und ich bat meine Eltern: “Erzählt mir, erzählt mir, ist das der Himmel, und wie weit ist er, und wer ist alles hier?” Und sie antworteten mir: “Ja, eines nach dem andern wollen wir dir erklären. Wir bekommen hier viele Besuche. Die Engel Gottes kommen zu uns, erkundigen sich nach uns. Aber wir können nicht immer in diesem Hause sein, wir haben eine Arbeit; wir müssen das Haus verlassen und zu dieser Arbeit gehen. Umso grösser ist dann die Freude, wenn wir es wieder in vollen Zügen geniessen dürfen, dieses schöne Zuhause, diesen Frieden, dieses Zusammensein.”
Da wollte ich wissen: “Wie könnt ihr denn erkennen, wann es Zeit für euch ist, zur Arbeit zu gehen, wenn ihr keine Zeit habt – ihr habt keine Uhren, nichts; wie wisst ihr denn, dass es Zeit wird?” – “Ja”, sagten sie, “das wirst du auch bald erlernen, auf was man zu achten hat; du wirst bald herausfinden, wie man den Ruf vernimmt, wenn man sich zur Arbeit begeben muss.” Da schritten sie mit mir vor das Haus. Die Beleuchtung war so wunderschön, ich fand sie ganz übernatürlich; das war ja eigentlich verständlich. Es war nicht eine Beleuchtung, wie ich sie vom menschlichen Leben her kannte. Sie war voll vieler Farben; es waren gewisse Lichtströme, die deutlich erkennbar waren. Man sah ganze Farbenstränge leuchten auf gewisse Punkte hin, ja es war wie ein Wetterleuchten. Da sagten sie mir: “Siehst du, das ist die Sprache, die wir auch zu lernen haben, oder das ist unsere Zeit: Es wird ein Leuchten über unser Haus kommen, und dann wissen wir, dass wir uns aufzumachen haben.” Sie erklärten mir: “Sieh, das Licht, das uns jetzt so schön, so harmonisch und weich umgibt, ist das Zeichen dafür, dass wir uns eben hier aufhalten dürfen. Wir dürfen nun harmonisch so zusammen sein und unsere Zeit – wenn man von Zeit sprechen will – so einteilen, wie es uns beliebt; wir dürfen tun, was uns beliebt. Sobald wir aber merken, dass dieses weiche Licht – an das du dich schnell gewöhnen solltest – eine Veränderung findet, dann muss man sich aufmachen, um die Arbeit anzutreten.” Ja, es sei etwa nicht so, dass da immer die Engel Gottes kommen würden und von Haus zu Haus gehen und sagen: “Komm, jetzt ist es so weit, du musst wieder in deine Werkstatt gehen, oder du musst dich da- oder dorthin begeben.” Nein, das sei nicht so. Man machte mich darauf aufmerksam, und ich erblickte um mich ein ganzes Dorf, und in diesem Dorfe war es also so: Wenn dieses seltsame Licht leuchtete oder sich einschaltete, dann wusste jedes: “Jetzt müssen wir uns aufmachen zur Arbeit.”
Und so erklärten sie mir: “Wir alle, die wir hier leben, sind in unserer geistigen Entwicklung wohl auf ein und derselben Stufe. Wir verstehen uns gut, und es sind alles liebevolle, rücksichtsvolle Wesen. Wenn wir aber etwas weitergehen”, und sie zeigten mir den weiten Weg oder die lange Strasse, “dort ist auch ein Dorf; aber das Licht, das uns zur Arbeit ruft, leuchtet für jene dort nicht zur selben Zeit, sondern sie haben wieder ein anderes Licht, und je nachdem werden sie dann aufgerufen zur Arbeit. Wir kommen auch mit ihnen zusammen, aber sie sind nicht so, wie wir sind. Sie sind nicht so rücksichtsvoll und so liebevoll, und doch sind wir eigentlich nahe zusammen. Aber wir hier leben in einem Dorf, und alle hier sind selber Gesinnung.” Ja, es gab nicht nur dieses eine angrenzende Dorf. Sie erklärten mir: “Weisst du, wenn du etwas auf eine Anhöhe steigst, dann kannst du viele, viele Dörfer sehen, und du kannst kleine Städte erkennen. Wenn es sein muss, treffen wir uns alle an einem ganz bestimmten Platz – jene, die so rücksichtsvoll und harmonisch sind, und jene, die es weniger sind. Es wird dann auch angekündigt, wann man zusammenkommen muss; und dann findet man sich am bestimmten Punkte ein.”
Meine Eltern hielten immer Ausschau, ob immer noch das schöne, weiche Licht leuchte, ob noch nicht der Ruf zu vernehmen sei, um zur Arbeit zu gehen, denn sie wollten mich nicht allein zurücklassen. Das Licht blieb immer noch so, wie es war. Da sahen wir aber von weit her Gestalten kommen, auf unser Haus zu. Meine Eltern sagten: “Nun, jetzt kommen sie; sie kommen, dich zu begrüssen. Oder was wollen sie von dir? Wir wissen es noch nicht.” Ja, sie kamen, und meine Eltern zeigten ganz besondere Freude. Sie waren auch so vertraut mit ihnen, als wären sie längst bekannte Freunde. Ich selbst war eher scheu, denn ich sah diese Engel und konnte mich erinnern: Als ich angekommen war, waren sie auch in der Nähe gewesen, aber mit ihnen hatte ich nicht gesprochen. Ich war jetzt etwas benommen, und ich getraute mich auch nicht zu reden. Da nahmen sie meine Hände und fingen an mit mir zu sprechen. Sie sagten, es sei nun für mich auch Zeit, dass ich eine Arbeit bekomme. Ich erwiderte, ich sei selbstverständlich bereit, aber ich würde mich freuen, wenn man mich von meinen leiblichen Eltern noch nicht trennen würde. Dann sagten sie: “Ja, wohnen sollst du mit deinen Eltern, aber arbeiten – das können wir noch nicht sagen.”
Während die Engel diese Worte sprachen, veränderte sich das Licht. Ich glaube, ich kann es euch Menschen verständlich machen, wenn ich sage, es ist, wie wenn ihr eine farbige Lampe anzündet und man dann weiss: Ja, das ist jetzt der Beginn eines – sagen wir – neuen Auftrages, oder es ist das Zeichen, dass sich von nun an dieses oder jenes erfüllt. Meine Eltern sagten: “Jetzt müssen wir gehen, das ist unser Ruf.” Die beiden Engel sprachen dann zu mir: “Wir bleiben jetzt noch etwas bei dir in diesem Hause und unterhalten uns etwas mit dir. Du kannst einmal sehen, wie dieses Licht sich ändert.” Während meine Eltern eilends davongingen, schritten die Engel mit mir in die grüne Wiese hinaus, und so sah ich die Veränderung dieses Lichtes.
Da machten sie mich aufmerksam und sagten: “Du wirst jetzt die Wesenheiten dieser vielen Häuschen sehen; es sind ja deine Geschwister, und sie ziehen jetzt alle zu ihrer Arbeit.” Ich wollte wissen: “Wie lange dauert es denn, wie lange müssen sie arbeiten?” Die Engel antworteten: “Weisst du, bei uns geht es nicht so wie bei den Menschen, dass man seine vorgeschriebenen Stunden hat zum Arbeiten. Hier zeigt sich das vom einen Mal zum andern. Es bleibt ja immer in einem gewissen gleichen Rhythmus; aber in der Werkstätte oder in dem Haus oder an dem Ort, wo man seine Aufgabe erfüllt, da steht die lebendige Uhr.” Damit war eben ein Engel Gottes gemeint, der das Zeichen dafür gebe, wenn es wieder Zeit sei heimzukehren. (Erlebnisbericht von Mathilde, 5.4.1961)
Lieber Josef, Lene hat in ihrem letzten Vortrag [21. Mai 1958] von einem Fest in der himmlischen Welt berichtet, an dem der Geburtstag eines Engels gefeiert wurde. Was hat es damit auf sich?
Josef: So wie ihr euren irdischen Geburtstag feiert, so gibt es einen Tag und eine Stunde, wo ein Wesen zum ersten Mal sein geistiges Auge öffnete. Das ist der geistige Geburtstag.
Wie oft kehrt dieser Geburtstag wieder, wenn es keine Zeitrechnung gibt?
Josef: Wir haben im geistigen Reich auch eine Zeitrechnung; aber es ist für uns schwer, sie den Menschen zu erklären. Ihr könnt euch doch vorstellen, dass man in der Himmelswelt die Zeit auch misst, dass, wenn man keine Zeit berechnen könnte, alles ins Endlose ginge. Im Hause Gottes gibt es auch eine Zeitrechnung. (4.6.1958)