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Den richtigen Gefährten fürs Leben zu finden, mit dem man Freud und Leid im Alltag teilen und in Harmonie gemeinsam die Lebensaufgaben erfüllen kann, ist nicht einfach. Die Vorträge dieses Themenheftes beleuchten die Herausforderungen der Partnerwahl und der Ehe aus geistiger Sicht. Sie zeigen, wie die Geisterwelt Gottes dem Menschen auch in diesen Belangen des Lebens beistehen möchte. Der erste Vortrag berichtet von einem jungen Mann, der auf der Suche nach einer Lebensgefährtin um die Hilfe der Geisterwelt Gottes bat und von seinem Schutzgeist vor falschen Entscheidungen bewahrt und schliesslich der richtigen jungen Frau zugeführt wurde. Es wird dargelegt, wie die Gotteswelt diesem Paar auch später beistand, als es mit grossen Sorgen mit den eigenen Kindern konfrontiert wurde.
Der zweite Vortrag zeigt am Beispiel eines verdienstvollen Ehepaars, welch grosser Segen sich entfalten kann, wenn zwei Menschen in Harmonie und Liebe miteinander durchs Leben gehen. Diesem Paar wurde es erlaubt, auch nach dem Tode zusammenzubleiben und in der jenseitigen Welt höhere Schulen zu besuchen. Diese beiden durften im nächsten Erdenleben wieder zusammenfinden, um wiederum als Paar gemeinsam auf dem bisher Erreichten aufzubauen und bedeutende Aufgaben zu erfüllen, er als Arzt und sie im Bereich der Wohltätigkeit.
Das Themenheft enthält im Weiteren wertvolle Fragebeantwortungen zu Partnerwahl und Eheschwierigkeiten. Geistlehrer Josef gibt Rat aus geistiger Sicht und Hinweise, wie das harmonische Zusammenleben in der Ehe und in der Familie gefördert werden kann.
Josef, 13. Juni 1964
Lässt sich ein Mensch von der Geisterwelt Gottes führen, hat sie einen sehr grossen Einfluss auf dessen Partnerwahl. Dies kann so weit gehen, dass die Geisteswelt ihrem Schützling den richtigen Lebenspartner zuführt. So hat der Mensch im Gebet die Möglichkeit, darum zu bitten, dass alles, was ihm Schaden zufügen könnte, weggehalten werde und man ihm beistehe, den richtigen Lebenspartner zu finden.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, das letzte Mal sprach ich vom Gesetz des Ausgleichs, der Wiedergutmachung. Ich möchte es aber nicht unterlassen, auch vom Segen Gottes zu sprechen, vom göttlichen Lohn, der gegeben wird für das Gute, das man im Leben tut, und wie das seine Auswirkung hat. So versuche ich euch wiederum ein Beispiel zu geben und auf diese Weise die göttlichen Gesetze zu erklären.
Da hatte ein Mann in einem Leben sehr viele Verdienste erworben. Dieses verdienstvolle Erdenleben verschonte ihn aber nicht vor weiteren Erdenleben. Durch das verdienstvolle zurückgelegte Erdenleben bekam er in der jenseitigen Welt eine ganz sorgfältige Vorbereitung für das neue Leben. Als dann die Zeit herangerückt war und man ihn wiederum in ein menschliches Dasein schickte, da hatten sich diese himmlischen Freunde seiner ganz besonders angenommen. Er hatte ja mit ihnen Freundschaft geschlossen, und sie wollten ihm in seinem menschlichen Leben zur Seite stehen. Und so geschah es auch. So wurde also dieser männliche Geist sorgfältig für das neue Menschendasein vorbereitet; er wurde dementsprechend in eine Familie hineingeboren, wo man ihm eine sorgfältige Erziehung geben konnte. Denn die Engelswelt wollte, dass er in diesem Leben wiederum seine Aufgabe erfüllte, damit er dann in der Gotteswelt eine führende Stellung einnehmen konnte. Diese führende Stellung durfte er aber nur dann einnehmen, wenn er wiederholt im menschlichen Leben sich bewährt hatte. Und so behüteten ihn die Engel Gottes in seinem Leben, begleiteten und beschützten ihn.
Als dann dieser junge Mensch herangewachsen war und sich mit dem Gedanken befasste zu heiraten, da wusste die Engelswelt, dass sie ihm jetzt mehr Aufmerksamkeit schenken musste; denn jetzt kam es darauf an, welche Partnerin er sich wählte. Und wie ihr wisst, muss der freie Wille eines jeden Menschen geschätzt werden, in diesen freien Willen darf auch die Geisterwelt Gottes nicht eingreifen. Sie hat aber viele Möglichkeiten, sich in das Leben des Menschen hineinzuspielen, so ihren Einfluss geltend zu machen. Und das möchte ich nun zum Ausdruck bringen, wie das in diesem Falle vor sich gegangen ist. Ich möchte aber nebenbei noch erklären, dass man nun nicht der Auffassung sein muss, dass dieses Beispiel, das ich gebe, allgemeine Gültigkeit hätte.
So hatte dieser junge Mensch sich eine Frau gesucht, und die Geisterwelt Gottes hatte ihn beobachtet. Und mit seiner Absicht, dieses junge Mädchen zu seiner Frau zu machen, war die Geisterwelt Gottes, diese führenden Engel, nicht einverstanden; denn sie sah, dass bei dieser Partnerwahl dieser Mensch seine Aufgabe nicht würde erfüllen können. Nun musste sie eingreifen, doch durfte sie den freien Willen des Schützlings nicht antasten; sie hat aber noch viele Möglichkeiten, ihren Einfluss geltend zu machen. So hatte sie diesen jungen Mann dazu bewogen, dass er in das Haus seiner Braut und vermeintlich zukünftigen Frau ging. Nun, in dem Hause, wo sie lebte, hatte er Gelegenheit, ihre Wesensart besser zu beobachten.
Die Geisteswelt Gottes wusste, dass sie bei ihrem Schützling mit seiner Vernunft und mit seinem klugen Verstand rechnen konnte; so hatte sie ihn ja dazu bewogen, dass er in das Haus seiner Braut kam. Nun musste er verschiedene Feststellungen machen. Denn es ging das Gespräch am Tisch, dass eine Schwester der Braut, eine Tochter der Familie, die verheiratet war und Kinder hatte, sehr krank war; und so ging es um die Hilfe für diese Tochter und Schwester. Doch es schien gar niemand Anteil zu nehmen an ihrer Bedrängnis. Und so hatte dann dieser junge Mann seiner Braut nachher erklärt, sie sollte sich doch der Schwester annehmen, ihr beistehen mit Rat und Tat. Doch diese Braut lehnte ab und sagte, dass sie weder Zeit dazu hätte noch die Mittel dafür, ihr zu helfen; und da sie ja selbst vor der Hochzeit stehe, müsste sie alles Geld zusammenbehalten. Diese Worte gaben dem jungen Mann zu denken. Er, der bereit war, überall zu helfen – und da wollte nun seine zukünftige Frau anderer Meinung sein; denn sie sagte sich: “Jeder ist sich selbst der Nächste.” Das gefiel ihm nicht, und so löste er das Verlöbnis; er hätte niemals mit einer solchen Frau durchs Leben gehen und mit ihr glücklich werden können.
Er ahnte natürlich nicht, dass es die Geisterwelt Gottes war, die das junge Mädchen dazu bewogen hatte, diese Aussprache mit ihm zu haben; sie wurde von der Geisterwelt gezwungen, die Wahrheit zu sagen, sie sollte also ganz frei ihre Meinung zum Ausdruck bringen. Dieses war nicht etwa ein Eingreifen in den Willensentscheid, sondern es war die egoistische Lebenshaltung dieses jungen Mädchens: egoistisch, geizig, nur auf sich selbst bedacht. Der junge Mann war glücklich, dass er einsichtig war und die Kraft hatte, dieses Verlöbnis zu lösen. Seine Mutter hatte ihn jeweils unterstützt und ihm gesagt: “Sei klug und vorsichtig bei der Wahl der Partnerschaft, halte deine beiden Augen offen und höre gut zu, es ist eine Bindung fürs Leben.” Und diese Worte behielt er in seinem Herzen. Er dachte jeweils an seine Mutter, was sie ihm gesagt hatte, denn seine Mutter war eine kluge Frau.
Nun aber ging er ja weiter auf die Suche nach einer passenden Frau. Und er hatte, da er ja ein frommer Mensch war, im Gebete darum gebeten, man möge ihm doch beistehen und das Richtige zuführen und das, was für ihn nicht gut sei, abhalten. Er bat um die göttliche Hilfe. Er bat aber auch im Gebet, dass er Einsicht habe und das ganze Verhältnis seiner zukünftigen Frau zur rechten Zeit erkennen könne.
Und so fand er recht bald wieder ein junges Mädchen, von dem er glaubte, dass es die Richtige für ihn wäre. Aber er wollte sehr vorsichtig sein und prüfen. Er war sich bewusst, dass diese Bindung durchs ganze Leben ging; er wusste, dass es um das Glücklichsein oder um das Unzufriedensein ging. So wollte er auch die Vorsicht walten lassen. Und die Geister Gottes, sie beobachteten ihn, denn sie wussten: Jetzt kommt es sehr darauf an, welchen Schritt er tut; es ist massgebend für sein zukünftiges Leben.
Und mit seiner zweiten Wahl, die er treffen wollte, war die Geisterwelt Gottes auch nicht zufrieden. Sie musste also wiederum Mittel und Wege suchen, um es dem Schützling klar und verständlich zu machen, dass es wieder nicht das Richtige sei. Und so lenkte es die Geisterwelt Gottes wiederum so, dass es zu einem Gespräch kam und er wiederum Einsicht nehmen konnte in die innere Wesensart des Menschen; er wollte nicht nur das Äussere betrachten, sondern er wollte doch wissen, ob seine zukünftige Frau mit ihm in seinen Ansichten und Handlungen einigging. Und so wollte er Augen und Ohren offen halten.
So fügte es die Geisterwelt Gottes wiederum so, dass der junge Mann in das Haus des jungen Mädchens ging. Dieses Mal war er noch vorsichtiger, er war noch nicht fest überzeugt davon, dass es wirklich seine zukünftige Frau werden sollte. Und er war auch froh, dass er diesen Gedanken der Vorsicht in sich getragen hatte. Denn als er nämlich in das Haus kam, trat ihm der Vater der jungen Tochter gegenüber und sprach zur Tochter: “Ich glaube, es ist an der Zeit, dass du etwas arbeitsamer wirst und versuchst, dich auch des Nächsten anzunehmen, und nicht allzu sehr auf dich selbst bedacht bist. Denn die Arbeitsamkeit ist eine Notwendigkeit in der Ehe.” So sprach der Vater, und der junge Mann stutzte: Arbeitsam sollte die Tochter werden – und er glaubte, sie wäre es –, und sie sollte sich auch der andern annehmen. Also sah er beim ersten Besuch, dass es wiederum nicht das Richtige war. Und er vertraute im Gebet auf die Geisterwelt Gottes und flehte sie an: “Haltet mich ab von dem, was mir schadet.” Und die Geisterwelt Gottes tat es. Er dachte wiederum an die Worte seiner Mutter, hielt Augen und Ohren offen. Und er musste also einsehen, dass es wiederum nicht das Richtige war.
Eine Zeit später begegnete er einem andern jungen Mädchen, das ihm gefiel. Und er war wiederum aufmerksam. Der Weg führte ihn wiederum in das Vaterhaus dieser Tochter, wo der junge Mann mit Freuden aufgenommen wurde. Und die junge Tochter legte Hand an im Hause ihrer Eltern, und das Gespräch war so harmonisch. Man sprach auch von der Hilfe, die man andern zuteilwerden lasse, und dass die Tochter durch eine Heirat sich womöglich nicht mehr so in den Dienst der Nächsten stellen könnte. Und er dachte: “Ich glaube, das ist die Richtige für mich.” Und er betete weiter: “Gebt mir doch ein Zeichen, lasst es mich deutlich erkennen und verstehen, ob sie die Richtige für mich ist.” Und so durfte er es immer deutlicher vernehmen. Denn diese junge Tochter war hilfsbereit und dienstbar, sie half den leidenden Menschen in ihrer Not. Und so machte er dieses Mädchen zu seiner Frau. Er musste es nie bereuen; er konnte ein wunderbares Leben aufbauen, sie konnten miteinander tragen, einander stützen, wenn Stunden der Bedrängnis kamen. Sie lebten glücklich, und ihre Ehe wurde gesegnet mit zwei Söhnen und einer Tochter.
Als dann diese Kinder im Heranwachsen waren, da machte der eine Sohn ihnen grosse Schwierigkeiten. Nun, die Geisterwelt Gottes hatte auch die Familie nie verlassen, denn sie hatte ihren besonderen Schutz über sie gelegt – die Kinder waren auch besonders ausgewählt worden für sie. Aber auch die Geisteswelt erkennt nicht zum Voraus, was für Ziele ein Mensch verfolgen wird, wie er dem neuen Leben gegenübersteht, das ihm so viele Versuchungen bietet. Denn jedes Leben ist eine Prüfung. Und so war dieser junge Mensch, dieser Sohn, vom Wege abgeirrt. Die Engelswelt sah es, und sie besprach es miteinander: “Wir hatten die Absicht, diesen Eltern nur Freude zu bereiten mit ihren Kindern, denn dieser Vater ist nach seinem vorletzten und letzten Leben mit so grossen Verdiensten ins Jenseits eingegangen.” Und man wollte jetzt den Segen aussprechen über ihn, über die Familie, also auch über die Kinder. So hatten die Engel das miteinander besprochen, es sollte Gnade kommen. Aber auch sie durften nicht in das Willensrecht dieses jungen Menschen eingreifen; dieser Sohn, der nun Schwierigkeiten bereitete, hatte auch seinen freien Willen, und dieser ist für die Geisterwelt Gottes unantastbar. Aber sie hat ja Mittel und Wege, gefügig zu machen.
Da es eine verdienstvolle Familie war, ganz besonders diese beiden Eltern, so wollte man eben eingreifen in das Leben dieses jungen Menschen. Man liess ihn einmal krank werden; eine schwere Krankheit war es, die ihn monatelang ins Bett legte. Anfangs nahm er das auf sich, denn er wurde wohl gepflegt und behütet von seinen Eltern. Dann aber ging es ihm zu lange; er hätte wieder gesund werden und ins Leben hinaustreten mögen mit seinen Kameraden. Anteil nehmen am Leben wollte er, und er konnte nicht. Die Geister Gottes, sie prüften diesen jungen Mann. Sie wollten ihm aber auch Gelegenheit geben, wieder neu zu beginnen; und so liessen sie ihn nach monatelanger Krankheit gesunden – aber nur in der Absicht, diesen jungen Menschen bei seinem nächsten Vergehen, bei der nächsten Haltlosigkeit, wieder in die Krankheit zu bannen.
Als dieser junge Mensch dann wieder gesund war, war alles Leid, das er ertragen musste, vergessen; auch die Vorsätze, die er gefasst hatte, blieben vergessen. Und so griff die Geisterwelt Gottes von Neuem ein und fesselte ihn wieder in die Krankheit. Und die Ärzte gaben seinem Leben keine grosse Hoffnung mehr, und man brachte es ihm schonungsvoll bei. Denn tatsächlich war es so, dass die Engel untereinander besprochen hatten, ob es nicht besser wäre, diesen jungen Menschen abzuberufen, damit er sich nicht weiter belaste und um den Eltern Kummer und Sorgen zu ersparen. Doch kamen sie zu einem andern Entschluss: Sie wollten ihn doppelt so lange krank sein lassen wie das letzte Mal, und dann sollte er wieder gesunden.
Aber es sollte eine harte Prüfung werden. In dieser Prüfungszeit kamen ihm auch die Geister des Trostes zu Hilfe. Sie legten es ihm nahe oder sie inspirierten ihn, dass er unbedingt ein besseres Leben beginnen müsse, wenn er wieder gesunde, und dass er den festen Willen dazu haben müsse. Die Geister Gottes konnten sich ja mit dem Geiste des Kranken unterhalten, und sie erklärten es ihm: “Wenn du fähig wirst, dich zu wandeln, dann kannst du leben; wenn du aber diesen Willen nicht aufbringst, dein Leben zu ändern, dann werden wir dich abberufen.” Dem Geiste dieses Menschen wäre eine Abberufung lieber gewesen, denn der Geist sieht viel klarer; er hatte nun gesehen, dass dieses Erdenleben für ihn eine Gefahr werden könnte und dass er ja gar nicht in diesen Aufstieg hineinkam, wie er es wünschte. Denn einverleibt in die menschliche Gestalt ist man von allem Äusseren geblendet, und das Äussere hat die grösste Ausdruckskraft, und so vermag das Innere des Geistes mit seiner Wahrheit nicht durchzudringen, weil man in dieser äusseren, in dieser irdischen Welt lebt mit ihren vielen Anschauungen und Versuchungen. Und so konnte er eben als Mensch diesen Versuchungen nicht entsagen, das wusste nun der Geist. Also erklärte ihm die Geisterwelt Gottes: “Du wirst nicht abberufen. Aber da du das grösste Interesse daran hast, dich geistig vorwärtszuentwickeln, so musst du einmal selbst von innen heraus versuchen, Kraft und Willen auszuströmen, damit auch der äussere Mensch beeindruckt wird vom Willen.”
Und der Geist dieses Menschen liess sich belehren, er legte ja alles in den Willen Gottes: Wenn es schon der Wille Gottes sei, dass er als Mensch auf Erden lebe, dann möchte er doch ein so gutes Leben wie nur möglich zurücklegen. Und so fing er an als Geist, seine Willenskraft zu stärken. Er als Geist bat die andern: “Steht mir bei im Kampf um das Gute, schon den leiblichen Eltern zuliebe.” Denn der Geist dieses jungen Mannes sah, wie grosse Verdienste sein Vater hatte. Und so versuchte dann die Geisteswelt, ihm so viel Kraft zu übermitteln, dass der ganze Mensch von dieser Kraft empfangen konnte. Da nun der irdische Leib dieses jungen Mannes krank und schwach war, war es seinem Geiste in dieser Zeit der Schwäche und des Leidens besser möglich zu wirken. Und so wollte ja dieser Geist, dass sein Leben ein gutes werde, und er fasste den Vorsatz: “Werde ich gesund, bleibe ich am Leben, dann werde ich ein anderes Leben beginnen, ich werde meinen Eltern Freude bereiten.”
Und dieser junge Mensch konnte wieder gesunden. Seine Willenskraft war durchgedrungen, und er fand den richtigen Weg im Leben. Er fand aber diesen Weg nur durch die Stütze der Geisterwelt Gottes, nur weil die Geisteswelt Gottes sich seiner annahm. Denn sie tat es, weil der Segen in erster Linie über dem Haupte des Vaters lag und weil dieser Segen sich entfalten musste auf seine Kinder. Und so konnten sich diese Eltern an ihren Kindern freuen. So hat die Geisterwelt Gottes ihren Einfluss genommen.
Die Menschen im Allgemeinen wissen darüber nicht Bescheid, wie in dieser unsichtbaren Art und Weise da und dort gewirkt wird. In diesem Fall sollte es um die Entfaltung des Segens gehen. So war dann auch dieser Mensch, der den Weg zuerst nicht gefunden hatte, sehr dankbar, denn man hatte sich seiner angenommen. Er konnte also seine Aufgabe im Leben auch erfüllen, weil man ihm beigestanden war. Hätte alles seinen gewöhnlichen Lauf genommen, hätte dieser junge Mensch verschiedene Belastungen auf sich geladen. Die Möglichkeit wäre da gewesen, dass er später einsichtig geworden wäre und versucht hätte gutzumachen, da er im Innersten ja ein guter Mensch war. Aber er hatte den Versuchungen nicht widerstehen können, gewisse Schwächen waren zum Ausdruck gekommen. Nun hat die Geisterwelt Gottes geholfen, das zu überwinden. Als dieser Mensch dann in die Seelenwelt einging, musste er eine besondere Schulung durchmachen, um jene Schwächen noch zu überwinden, ehe man ihm eine höhere Aufgabe übertrug.
Auch dieses ist eine allgemeine Erklärung, wenn ich sage: Wenn man mit Verdiensten ins neue Erdenleben kommt und man eine sorgfältige Vorbereitung in der Jenseitswelt gehabt hat fürs neue Erdenleben, so schützt dieses durchaus noch nicht vor einem Straucheln. Die Versuchungen, die die Welt bietet, sind gross. Aber in jenem Falle hatte nun dieser Mensch durch den Segen seines Vaters seinen eigenen Aufstieg beschleunigen können. Dafür war er sehr dankbar. Als er dann in der Geisteswelt war, hatte er volle Einsicht erhalten, welche Gnade und welches Glück ihm gegeben worden war durch seinen leiblichen Vater, welch besondere Betreuung alle in der Familie erhalten hatten und wie dieser Segen Gottes seine Entfaltung nimmt.
Und als es ja mit diesen beiden Eltern so weit war, dass sie in die Geisteswelt eingehen konnten, da freute man sich über sie, denn sie hatten wiederum ihre Aufgaben erfüllt. Sie hatten beide zusammen vorbildlich gelebt. Die Menschen, die mit ihnen zusammenlebten oder mit ihnen zusammenkamen, konnten viel von ihnen lernen, sie waren ein Vorbild, und viele waren in ihre Fussstapfen getreten; denn jene Menschen, die mit diesen beiden Verdienstvollen im Leben zu tun gehabt, hatten sie so geehrt. Die beiden hatten so viel Achtung von den Mitmenschen erhalten, und so wollten es ihnen andere gleichtun, sie wollten ebenfalls so vorbildlich sein und ebenfalls diesen Respekt erhalten. Und so haben diese Eltern doch wiederum Wunderbares geleistet, weil sie durch ihr verständnisvolles Wirken, durch die Anteilnahme an der Bedrängnis der andern und die Hilfe, die sie ihnen zukommen liessen, selbst so viel Gutes erworben haben. Und die andern, die es sehen und miterleben durften, hatten sich durch diese vorbildlichen Menschen einen besseren Weg nach oben gebahnt. Und die Geisterwelt Gottes wollte ihnen dieses ja aufs Neue belohnen. Denn es ist so wichtig, was für einen Eindruck man beim andern hinterlässt: ob der andere voller Ehrfurcht von einem spricht oder ob er geringschätzig über einen Menschen reden muss, weil man von ihm nichts Angenehmes, nichts Liebliches erwarten darf.
So waren diese Menschen in ihrem Erdenleben ein Vorbild für andere, sie halfen also mit, den Heilsplan Gottes zu beschleunigen. Den niederen Geistesmächten wurde die Möglichkeit ihrer Tätigkeit genommen; denn wo Liebe und Verständnis herrschen, haben jene Niederen nichts zu suchen, so gibt es nichts zu tun für sie. Und darum war der Himmel wieder hocherfreut, als die beiden zurückkamen. Auch die Frau hatte ja Verdienste aus ihrem früheren Leben, doch die ihres Mannes übertrafen alles. Sie aber wurde mit ihm auf dieselbe Ebene gebracht, denn sie hatte mitgeholfen, seinen geistigen Weg nach oben zu behalten, ja ihn zu beschleunigen. Sie hat Anteil an den Verdiensten ihres Mannes, und so durften beide in eine schöne, erhöhte Ebene eingehen, und sie wurden mit Jubel und Freude empfangen. Doch wurde ihnen erklärt: “Wenn man diese hohen Stufen des Himmels einnimmt, so sind auch die zukünftigen Aufgaben viel grösser, bedeutungsvoller.” Und so liessen sich die beiden unterrichten für ihre neue Aufgabe in der Geisteswelt. Sie wurden von hohen Wesen geschult, denn beide sollten nun als führende Geister im Heils- und Ordnungsplane wirken.
So hatten sie sich eine solche Stellung erworben. Und nicht nur als Mensch hatten sie den Respekt von ihren Mitmenschen erwarten können, sondern auch in der göttlichen Welt wurde ihnen Respekt und Ehrfurcht bezeugt. Selbstverständlich erhielten sie ihre schönen Kleider dafür, denn ihre Gewandung drückte ja schon die Entwicklung aus. So wurden sie geschult für ihre neue Aufgabe. Und in ihrer Aufgabe sollten sie mithelfen bei der Umwandlung von einem Leben zum andern, wo es des Eingreifens der Geisterwelt Gottes bedarf, wenn einem Geschöpf ein neues Gewand gegeben werden muss für seinen weiteren Aufstieg. So sollten sie den Heils- und Ordnungsplan erfassen, sie sollten mitwirken. Und sie konnten eine schöne Aufgabe erfüllen: Gemeinsam mit den hohen Geistern des Himmels arbeiteten sie an diesen Umwandlungen vom niederen Leben zum höheren. Wie viel Freude bereitete ihnen diese Aufgabe, und welche Dankbarkeit bezeugten sie ständig für die Gnade, die ihnen gegeben wurde, durch die sich der Segen aus ihrem zurückgelegten Leben entfalten konnte. Denn sie hatten Einblick in diese verschiedenen Aufstiegsstufen, in die Nöte, in die Sorgen jener Seelen der niederen Stufen. Und sie durften mithelfen, sie von Nöten zu befreien. Sie konnten durch ihre Tätigkeit bewirken, dass niederes Leben eine höhere Stufe einnahm. So freuten sie sich an ihren Aufgaben.
Und sie konnten sich mit ihren Kindern, die sie in ihrem menschlichen Leben aufgezogen hatten, immer wieder zusammenfinden. Denn diese hatten ebenfalls ihren Aufstieg beschleunigt durch die sorgfältige Erziehung, durch die Liebe, die sie von den Eltern erhalten hatten. So waren sie alle in wahrer Liebe verbunden und halfen einander. Diese Eltern hatten auch die Möglichkeit, ihren einstigen leiblichen Kindern beizustehen, ihren Aufstieg noch mehr zu beschleunigen in der göttlichen Welt. Sie hatten ebenfalls eine führende Stellung eingenommen; doch ehe sie diese führende Stellung eingenommen hatten, waren sie auch dementsprechend unterrichtet und geschult worden. So durften sie alle ein Leben in Liebe leben, und sie konnten sich freuen an ihrer Tätigkeit, die sie ausübten; denn es bereitete ihnen wahrhaftig Freude, zu sehen, wie aus dem Niederen das Höhere entsteht, wie durch das Wort Gottes, wie durch seine Kraft, durch seinen Willen eingegriffen werden darf und das Leben nach oben beschleunigt wird. Es ist für solche helfende Geister eine wunderbare Tätigkeit, und sie fühlen sich glücklich, denn sie erfüllen eine herrliche Aufgabe in der Haushaltung Gottes.
So, liebe Geschwister, gab ich euch heute Einblick in die Gesetze Gottes und wie sich der Segen Gottes immer mehr entfaltet. Und so sollte es für euch Ansporn werden, das Gute zu tun, damit ihr auch belohnt werdet und eure Kinder ihren Lohn fürs Leben bekommen, und dass ihr nicht nur hier auf Erden euren Mitmenschen helft, sondern auch in der geistigen Welt solche Wegbereiter werdet für jene, die in Bedrängnis sind – dass ihr die Möglichkeit habt, durch Güte und Liebe, durch Milde Erleichterung zu bringen, den Aufstieg zu beschleunigen und so die Seligkeit hinzutragen zu dem, der sie verlangt.
So, liebe Geschwister, möge euch der Segen Gottes begleiten, behüten und bewahren. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.6.1964 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 28. September 1957
Wenn zwei Menschen in Harmonie und Liebe miteinander verbunden sind, so haben sie oft den Wunsch, auch nach dem Tode zusammenbleiben zu dürfen. In diesem Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einem verdienstvollen Ehepaar, das in der jenseitigen Welt gemeinsam besondere Schulen besuchen durfte und dann im nächsten Erdenleben wiederum zusammenfand, um gemeinsam bedeutende Aufgaben zu erfüllen.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, von Leben zu Leben hat der Mensch an Harmonie zu gewinnen, um in ein besseres Verhältnis mit Gott und zu den Mitmenschen zu kommen. Besonders schmerzlich ist die Trennung [beim Tode] für jene, die in liebevoller Weise zusammenlebten. Man fragt sich immer wieder, ob wohl die Möglichkeit bestehe, dass man jene, mit denen man auf Erden in Frieden zusammenlebte, in der jenseitigen Welt wieder treffen wird. Da und dort ist auch der Wunsch, dass man dereinst in der göttlichen Welt den Weg der Läuterung mit ganz bestimmten Freunden oder seinem Ehepartner gemeinsam gehen darf.
Anhand von verschiedenen Beispielen habe ich euch Erklärungen gegeben und so Einsicht in die Gesetzmässigkeiten ermöglicht. Ich versuche es wiederum in dieser Stunde zu tun. Zwei Menschen lebten einst auf dieser Erde in Entbehrung und Krankheit. Dennoch bejahten sie das Leben, so wie es war, denn sie sahen, dass es den andern nicht besser erging. Sie kannten nichts Schöneres um sich und glaubten, dass es so in Ordnung wäre – wie es ihnen erging, erging es ja auch den andern. Sie haderten also nicht gegen das Schicksal, sondern bejahten es. Gezeichnet waren sie von Entbehrung und Krankheit.
Als sie in die jenseitige Welt eingingen, wurden sie von ihren geistigen Begleitern empfangen. Sie sprachen zu ihnen: “Das Leben der Entbehrung und der Krankheit ist für euch vorüber. Nun werdet ihr die Belohnung finden für das Gute, das ihr geleistet habt.” Diese beiden wurden gemeinsam in eine Schule geführt. In dieser Schule wurden sie über die Tugenden unterrichtet und über viele wissenswerte Dinge. In erster Linie war die Geisteswelt darauf bedacht, dass durch all diese Belehrungen der Seele Heil gegeben würde. Und so geschah es: Die beiden Heimgekommenen wurden in dieser Weise zusammen unterrichtet, damit ihre Seele an Heil gewinnen konnte. Sie waren ja schon als Menschen bereit, zu bejahen und zu entbehren, und in der Gotteswelt nahmen sie diese Belehrungen an. Darüber hinaus sollten sie weiter unterrichtet werden. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass sie einer Schule angehören werden, wo so viele zusammen seien, die in der geistigen Entwicklung auf derselben Ebene stehen. Weiter wurde ihnen gesagt, dass man sie auf ganz gewissen Gebieten unterrichten werde.
Dieser Unterricht wurde ihnen nicht etwa von ihren geistigen Begleitern gegeben, sondern von göttlichen Wesen aus den schönsten Himmeln. Sie stiegen zu ihnen herunter und brachten ihnen das Wissenswerte. Sie belehrten die Heimgekehrten über viele Dinge, und diese freuten sich am Unterricht und nahmen regen Anteil. Sie hatten Interesse an all dem, was ihnen erklärt wurde. Ja, sie wurden sogar aus ihren Himmeln hinausgeleitet in andere Ebenen hinein, um die Verhältnisse dort zu studieren. Sie sollten alle diese Kräfte in den jenseitigen Bereichen studieren, um zu erkennen, auf welche Weise sie nun Anwendung finden könnten. Es wurde ihnen gesagt, dass man in dieser Schule die Vorbereitung für das neue Erdenleben finde. Das Wissen, das sich hier entfalte, werde ihnen Gelegenheit geben, sich später als Mensch im Erdenreiche zu entwickeln. Es wurde ihnen erklärt, dass in dieser Ebene ganz bestimmte Gottesgeister seien, die die Fähigkeiten haben, sie zu unterrichten. Sie hätten dementsprechend auch die Möglichkeit, das Vermittelte aufzunehmen, um es später wiederzugeben – sie würden in der Weise Kraft finden. Und so haben sie sich eifrig für all das interessiert, was ihnen erklärt wurde.
Jedes Einzelne wurde auf Folgendes aufmerksam gemacht: auf seine frühere Stellung im Gottesreich, also jene Stellung, die es vor dem Sturze einnahm, als es in Glück und Seligkeit im Himmelreich in einer Familie zusammenlebte. Da so viele Gottesengel diesen Unterricht führten, hatten sie genügend Gelegenheit, sich für jedes Einzelne zu interessieren. So erhielt ein jedes in allen Teilen Einsicht in seine frühere Stellung, die es innehatte.
Für einen jeden Schüler wurde ein Plan gezeichnet, und ihm wurde erklärt, was man ihm in seinem nächsten Leben zumuten, was er wohl erreichen könnte. Mit einkalkuliert war auch der sogenannte Stillstand, der sich vom einen Leben zum andern ergeben kann. Es wurden also grosse Zeitspannen berechnet. Jeder konnte klar erkennen, wie man mit ihm rechnete, was er nun zu leisten hatte; dass es also eine Notwendigkeit war, sich für diese Dinge eifrig zu interessieren, um es dann dereinst verwerten zu können – um es umzuformen, umzubahnen in jener Welt, jenen Verhältnissen entsprechend. Bis ins Einzelnste wurden sie unterrichtet, wie das zu geschehen habe. Ihnen wurde von der irdischen Welt und ihrer Materie erklärt, ihr Aufbau, die Ausstrahlung der betreffenden Stoffe. Ihnen wurde erklärt, welch gewaltige Einflüsse die Kräfte von Licht, Wärme, Luft und Wasser auf Menschen und alles Leben ausüben. Ihnen wurden diese Punkte im Einzelnen erklärt, und es wurde ihnen mitgeteilt, dass all dies jeweils eine sogenannte zwingende Kraft zum Leben auf dieser Welt sei; dass diese zwingenden Kräfte die Möglichkeit der Ausdehnung hätten – auch weiterhin – und wie man nun diese Stoffe, diese treibenden Kräfte aufzunehmen, aufzubauen und weiterzuleiten habe. So wurden sie unterrichtet – und über viele, viele weitere Dinge. So betrachteten doch diese Gotteswesen den Einzelnen und erkannten seine Fähigkeiten. Beim einen liegen sie mehr auf dieser Seite, beim anderen neigen sie mehr auf eine andere Seite; doch soll das, was ihnen vermittelt wird, in allen Dingen ein sogenanntes grosses Allgemeinwissen sein.
Zugleich wird ihnen erläutert: “Ihr wurdet nun über diese Dinge aufgeklärt; doch wenn ihr wieder Mensch werdet und im Erdenreiche aufbauen sollt, dann werdet ihr als Mensch von dem, was hier unterrichtet worden ist, nichts mehr wissen. Denn dieses Wissen von dieser gehobenen Ebene vermag nicht, sich in die Schwere der Erde zu kleiden – es dringt also dann nicht durch zu euch. Dafür gibt es den wunderbaren Weg der Inspiration. Es gibt einen wunderbaren Weg der Kraftzuführung von dieser Schule in jener gehobenen Ebene zu all diesen Menschen hin.” So wurde es ihnen erklärt, und sie wurden auf die Notwendigkeit des Heranrückens an die göttliche Seite hingewiesen.
Sie wurden belehrt, und da und dort stieg die Frage auf: “Wir sind nun hier zusammen und werden unterrichtet. Wäre es nicht möglich und förderlich für den Frieden des Einzelnen wie auch der Welt, wenn in diesen göttlichen Bezirken bestimmt werden könnte, welche als Menschen auf der Erde zusammenkommen sollten, sodass sie sich finden würden? Da wir gemeinsam diese höhere Schule durchlaufen haben, wäre doch die grössere Möglichkeit des Übertragens gegeben, der Kraftabgabe, der Inspiration.” So fragten diese Wesen und noch vieles mehr. Die hohen Lehrer mussten ihnen zur Antwort geben, dass sie nicht die Kompetenz hätten, darüber zu bestimmen, ob es in der Weise erlaubt wäre. Sie würden es jedoch nun anbahnen und mit jenen Führern Kontakt aufnehmen, die es überprüfen sollten, ob es genehmigt werden könnte.
Die Gottesengel sprachen weiter, da und dort seien bestimmt Möglichkeiten, dass dies geschehen könne. Man möchte ihnen jedoch klartun, dass ein jedes, das dieser höheren Geistesschule im Jenseits angehört, eine Verbindung zu seinem höheren Du, dem Dual, hat. Die Gottesengel erklärten ihren Schülern weiter, dass sie jedoch noch nicht auf dieser Ebene angelangt seien, wo die Verbindung zum Dual enger geknüpft werden könne. Es habe noch keines diese Verbindung zu seinem Dual, obwohl sie in einer sogenannt höheren Geistesschule seien. Es waren ja alles Seelen, die durch Not, Leid und Entbehrungen gegangen waren und alles bejaht hatten. Es wurde ihnen erklärt: “Seht, meine lieben Brüder und Schwestern, was euer Dual betrifft – welche sind noch in den tieferen Ebenen, und welche können bedeutend höher sein als ihr. Daher muss nun ein gewisser Entwicklungsgrad erreicht werden, damit von jenem Punkte aus die Fäden zu ihm gezogen werden können.” Das Dual, mit dem man sich in allen Dingen einig ist, mit dem man einst in grösstem Glück und Freude lebte, ist noch weit entfernt.
In diesem Unterricht, der ihnen gegeben wurde über das tugendhafte Leben und über den Heils- und Erlösungsplan, war auch enthalten, dass jene, die geistig erstarkt sind, die Schwachen nachzuziehen haben. Sie hätten ihnen die Krücken zu bieten, und es sei in diesem Falle notwendig, dass sich ein geistig Erstarkter oder eine geistig Erstarkte da oder dort mit einem Schwächeren verbinde. Es sei dann die Aufgabe, den andern hinaufzuziehen, emporzubringen. Es ist all diesen Geistwesen klargemacht worden, wie schwer das Leben auf dieser Erde ist – sie hatten es ja selbst erlebt. Nun wurde davon gesprochen, dass durch das Erkennen von all dem wunderbaren Wissen die Möglichkeit bestünde, dass es nun im Erdenreiche seine Entfaltung haben könne. Dadurch könne dem Menschen ein besseres Leben geboten werden: Die Krankheiten könnten bekämpft werden, und er würde nicht so sehr von Not bedrängt.
Und wiederum hatten sich da oder dort einige zusammengetan im Glauben, dass es doch von grossem Werte sein könnte, wenn nun zwei, die durch dieselbe Schule gegangen seien, gemeinsam niedergehen würden in ein neues Erdenleben, um etwas aufzubauen. Nun, die geistigen Lehrer bahnten die Wege zu den Führerengeln an; diese sollten es erkennen und dafür die Erlaubnis geben. So wurden ihnen jene Geistwesen zugeführt, und die Führerengel betrachteten jedes einzelne. Da und dort erklärten sie dem einen: “Dir wird zugemutet, dass du dich mit deinen schwächeren Geschwistern durchs Leben bringst, dass du ihnen Kraft spendest und den Weg zeigst.” Und da oder dort wurde die Erlaubnis gegeben, dem Wunsche zu entsprechen; sie sollten sich also das Betreffende [mit dem sie den Lebensweg gehen möchten] aussuchen dürfen.
Zugleich wurde ihnen wiederum erklärt, wie schwer es auch für die Geister Gottes ist, diese Dinge dann auf die Bahn zu bringen. Kommt der Mensch in dieses Erdenreich, umgeben von vielen andern, dann macht ihm bald dieser, bald jener Mensch Eindruck, und er weiss nichts mehr von dieser geistigen Verbindung und fragt auch nicht nach den geistigen Versprechen, die er abgegeben. Er vermag es noch nicht so klar zu erkennen, und vielleicht braucht er viele Jahre, bis er wirklich erkennt, dass er nicht sein ganzes Interesse der materiellen Welt zuführen soll; dass ihm plötzlich gegeben werden kann, in dem Momente, da er sich öffnet und bereit ist, Höheres, Besseres zu empfangen. Denn der freie Wille des Menschen, eines jeden Wesens ist – wie immer betont wird – ein wunderbares Geschenk von Gott, dem Nachachtung gegeben wird. Somit hat auch der Mensch selbst die Entscheidung zu treffen. Bestimmt stehen nämlich diese Auserwählten in nächster Nähe. Vielleicht ist dieser Auserwählte nicht gerade in den blühenden Verhältnissen, wie es sich der andere vorstellt, und so vermag er nicht, seine Zusage zu geben. Es mögen viele äussere Dinge sein, die ihn davon abhalten, und er ist noch nicht so weit, dass er diesen Schritt machen kann. Er kann noch nicht die Stunden der Stille in der Weise pflegen, dass er geistig so geführt werden könnte. Sein Denken und Wollen in dieser Art und Weise ist ein Hindernis, ihn auf die richtige geistige Bahn zu bringen.
All das wurde diesen Wesenheiten erklärt, als sie den Wunsch äusserten, dereinst mit diesem oder jenem den Lebensweg begehen zu dürfen. Und geschieht es nicht so, dann liegt die Schuld nicht an der geistigen Welt, sondern sie liegt an dem, der seine Wahl getroffen hat. Würde sich der Mensch selbst genügend fragen und kontrollieren, es könnte vieles in seinem Leben besser gemacht werden. Dafür muss er die Seele des andern erforschen, nach ihrer Güte und nach ihrer Feinheit, und nicht einfach nur den äusseren Dingen viel Achtung geben – ich erklärte es. Der äussere Glanz blendet das Auge des Menschen.
In dieser Weise unterrichteten die Himmelsboten alle Geister jener Schule. Ich sprach vorher von einem Paar, das miteinander im Erdenreich gelebt hatte, miteinander in dieser Schule war und nur den einen Wunsch hatte, wieder gemeinsam auf die Erde zurückzukehren, um miteinander ein Werk aufzubauen. Es wurde den beiden erlaubt, und sie wurden ins Erdenreich gesandt. Und diese Menschen fanden sich auch wieder; denn die Seelen waren so geläutert und so fein, dass ihnen der Glanz der Erde nichts anzutun vermochte. Die wunderbaren Erkenntnisse, welche sie in dieser geistigen Schule erlangt hatten, waren in ihnen mitgegangen. Im Erdenreiche gingen sie wiederum in eine Schule – in eine höhere Schule. Die Erkenntnisse konnten so erweitert und entfaltet werden. Er war zum herrlichen Berufe des Arztes gelangt, und sie hatte sich für die Wohltätigkeit am Nächsten interessiert. Sie hatte wunderbare Werke in verschiedener Weise aufgebaut.
So fanden sie sich wieder, obwohl sie als Menschen ohne Kenntnis waren, welche geistigen Versprechungen sie sich einst gegeben hatten. Dies wurde nur ermöglicht, weil in jedem das Verlangen war, zu helfen, dem Nächsten zu dienen. Die Feinheit der Seele drang heraus, entfaltete sich und schaffte die Möglichkeit zur Anbahnung. Die Gotteswesen, die die Aufgabe hatten, die Wege zu bahnen, sind dann in die Nähe dieser Menschen gelangt und haben die Möglichkeiten geschaffen, dass diese Geschwister einander zugeführt werden konnten. Doch muss der Mensch selbst erkennen und erfassen, was für ihn notwendig, was zu seinem Heile ist. So haben diese beiden Menschen zusammen ein wertvolles, reiches Leben gelebt.
Er aber hatte seine grossen Sorgen, und auch sie hatte schwierige Probleme zu lösen. Sie hatten aber immer Zeit füreinander, und das eine interessierte sich für die Arbeit des andern. Sie tauschten Erkenntnisse aus und gaben einander Aufmunterung und Zuspruch. Sie gingen Hand in Hand: er auf diesem Wege, sie auf jenem Wege, und sie ergänzten sich in vielen Dingen auf wunderbare Weise. Doch glaubt nicht, dass das Leben reibungslos an ihnen vorübergegangen wäre; wohl waren sie vor Krankheit verschont worden, doch hatten sie auch ihre grossen Sorgen. Das eine war abhängig von der Kraft des andern, und sie sprachen des Öfteren zueinander: “Ich habe einfach das Gefühl, dass mich eine unsichtbare Kraft durchdringt, stärkt und führt.” Jedes war dieser Meinung – beide erkannten dasselbe. Sie hatten ihre Aufgaben in wunderbarer Weise erfüllt und lebten in Frieden miteinander. Trotz der Probleme, trotz der vielen Arbeit hatten sie Zeit füreinander.
Dann kam die Stunde des Scheidens, und die Gotteswelt richtete es so wundersam ein, dass das eine dem andern gleich nachfolgen sollte. Denn zu grosse Sehnsucht und Trauer wäre beim einen gekommen über den Verlust des anderen. So sollten sie bald wieder zusammen sein.
So geschah es. Sie wurden wieder von jenen Gottesengeln geführt, die ihnen Lehrer gewesen waren, die ihnen die Wege gebahnt und das Leben für das Erdenreich gesegnet hatten. Sie fanden sich wiederum in dieser Schule zusammen, und alle waren wieder vollzählig beieinander. Und die geistigen Lehrer, sie alle, kamen zu ihnen. Es wurde ihnen kundgetan, dass ein noch höherer Geist Gottes angerufen werde und dass er Kontakt mit jedem Einzelnen aufnehmen werde. Das Leben, das ein jedes gelebt hatte, war reich. Doch nicht jedes vermochte im Frieden zu leben wie diese zwei, von denen ich gerade sprach. Es waren solche dabei, die auch den Wunsch geäussert hatten, dass sie auf der Erde gemeinsam den Weg durchs Leben gehen möchten – sie haben sich jedoch nicht gefunden.
Nun kam er, dieser höchste Lehrer, und durchschritt alle Reihen. Er rief sie auf, jedes Einzelne, bei seinem Namen, den es zuletzt als Mensch trug, und er fügte gleich den geistigen Namen bei, den jedes einst getragen hatte, in der Zeit des Glücks. Ihn sollte es wiederum annehmen, wenn es jene höchsten Ebenen betreten sollte. Der hohe Geist Gottes lächelte den Einzelnen zu und lobte sie für ihre Leistungen. Denn glaubt, auch die Höchsten des Himmels wissen um die Schwere des Lebens und kennen die Nöte, die die Menschen auf dieser Welt auszutragen haben.
Da und dort wurden welche aus den Reihen genommen, denn sie sollten vorübergehend, für kurze Zeit, diese Schule verlassen. Sie bedurften noch einer besonderen Belehrung und des Unterrichts; sie sollten dort etwas länger verharren, wo über den Erlösungsplan und das tugendhafte Leben des Menschen gesprochen wurde. Wenn sie dann zur Erkenntnis gekommen waren, was sie alles falsch gemacht hatten in ihrem Leben und dass sie es hätten besser machen sollen, dann konnten sie wieder in die bisherige Schule zurückgeführt werden. Der hohe Bote wird sie dann wiederum über weitere Dinge unterrichten; ein höheres Wissensgebiet sollten sie einnehmen können. Doch sollte gewartet werden, bis alle wieder zusammen waren. Sie alle bildeten zusammen eine Familie, in einer Stufe.
So wurde ein jedes seinen Aufgaben im Himmelreich zugeführt. Je nach seinen Fähigkeiten und Erkenntnissen, die es hatte, sollte es nun eine gewisse Zeit in den himmlischen Bereichen dienstbar sein. Jene Wesen, die gemeinsam durch verschiedene Leben gegangen waren, sollten gemeinsam, miteinander Aufgaben erfüllen. Ihnen sind so wertvolle und wunderbare Aufgaben in der Gotteswelt gestellt. Es ist der geistigen Welt zur Freude, zu erkennen, wie ein jedes Einzelne danach trachtet, aufwärtszusteigen und von seinen Erkenntnissen wieder dem andern zu geben oder seine Erkenntnisse einem andern zugutekommen zu lassen. Beispielsweise vermag nun diese weibliche Seele, die sich in ihrem Leben der Wohltätigkeit widmete, in ihren Gefühlen der Feinheit in der Art auf andere einzuwirken, um sie hinaufzuziehen.
Die Gotteswelt bestimmt, wie lange sie als führende Geister ganzer Gruppen da oder dort, in diesem oder jenem Himmel, zu verweilen haben. Denn die Erkenntnisse, die sie erlangt hatten, wurden ja noch mehr erweitert und sollten wiederum anderen Geschwistern zugutekommen. Diese Wesen stiegen dann geistig erstarkt von den Höhen des Himmels hinunter zu jenen andern Geschwistern. Sie sollten die Schwächeren hinaufziehen. Es wurde ihnen erklärt: “Tuet das.” In jedem dieser gehobenen Geister ist das Verlangen, in der Weise im Heils- und Erlösungsplan zu wirken.
Wenn ihr euch jetzt Gedanken darüber macht: “Ja, wenn dies doch so gehobene Ebenen sind, dann müssten sie doch zu ihrem Dual finden ...” Ich erklärte, es könne sein, dass das Dual in seiner Entwicklung noch nicht so weit ist; vielleicht verharrt es im Stillstand. Dann wird das geistig Erstarkte ausgesandt zu jenem, um in seine Nähe zu gelangen und ihm zu helfen. Jedes wird seinen Weg gehen. Jene, die in Liebe und Treue miteinander verbunden waren und durch verschiedene Leben gegangen sind, werden dann treue geistige Freunde sein, denn sie erkennen ihren Weg, ihren Plan, der für sie gezeichnet worden ist. Vielleicht ist das Dual sogar in der Nähe des Hauses Gottes. Das andere wird sich dann noch mehr anstrengen, um mit ihm in Kontakt zu kommen. All dies wird auf besondere Veranlassung der Gottesengel geschehen. Wenn es so weit ist, die Zeit reif geworden und das Geschwister in seiner Entwicklung auf jener Ebene angelangt ist, wo es sein darf, dann soll es mit seinem Dual in den höchsten Einsatz gelangen. Sie werden wieder ausgesandt, um neuen Aufgaben nachzugehen.
Wenn die Menschen vom Himmelreich sprechen, von der Freude und der Seligkeit, so glauben sie, dass dort nur gebetet, gesungen und musiziert würde. Wenn der Heilsplan seiner Erfüllung entgegenzugehen hat, ist so vieles, unendlich vieles, zu leisten bei den aufsteigenden Geschwistern in den jenseitigen Welten. Es ist so vieles zu leisten bei den Menschen auf der Erde: Die Wesen suchen ihre Nähe, um sie zu inspirieren, um sie vom falschen Wege abzubringen, um ihnen das Licht vor ihre Füsse zu stellen.
Meine lieben Freunde, so kann es möglich sein, dass man sich wiederfindet. Doch darüber bestimmt die Gotteswelt, und der Einzelne entscheidet dann selbst. Er wird aber das Band der Treue, der Liebe nur dann finden, wenn er sich selbst öffnet und bereit ist, diesen goldenen Fäden, die für ihn gesponnen wurden, nachzugehen, um sie zu finden. Ohne irdischen Glanz, denn die Feinheit der Seele ist der Glanz.
So, meine lieben Freunde, habe ich euch in dieser Stunde vieles gegeben, was zum Nachdenken lohnt. Den Gottessegen bringen wir Geister Gottes den Menschen immer mit bei unseren Besuchen. Den Segen des Heils lassen wir strömen auf sie. Wir haben so viele geistige Freunde bei uns, die bereit sind, euch auf eurem Lebensweg zu begleiten, um euch immer wieder aufs Neue in den Heilsstrom einzuhüllen und euch immer wieder aufs Neue aufmerksam zu machen auf euer falsches Denken und Wollen. Viel Demut, Bescheidenheit und Verständnis wird von den Menschenkindern verlangt, wenn sie an Höhenflug gewinnen wollen. So möge sich der Segen Gottes bei jedem Einzelnen entfalten. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 28.9.1957 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1950, 1952, 1953 und 1958
Lieber Josef, angesichts der vielen unglücklichen Ehen habe ich das Gefühl, dass die Ehe oft in zu jungen Jahren geschlossen wird, wo die Menschen doch noch nicht so reif und abgeklärt sind. Kannst du uns dazu eine Belehrung geben?
Josef: Seht, liebe Freunde, wenn eure verschiedenen Religionsgemeinschaften oder Kirchen die jungen Menschen richtig belehren, besser aufklären und für die Ehe auch geistig reifer machen würden, dann würdet ihr, bevor ihr zu einer Heirat schreitet, euch alles zuerst gut überlegen – etwa so, wie wenn ihr grosse Geschäfte macht. Wo es um einen materiellen Gewinn geht, da studiert ihr tagelang, ob wohl der Nächste euch nicht übervorteilen kann. Da, wo es um äusseren Besitz geht, da sind die Menschen viel klüger, oder sie tun so – da haben sie Zeit zum Überlegen. Und sonderbarerweise finden dann sehr viele Menschen den Weg zu diesem materiellen Erfolg, eben infolge des vielen Überlegens und Zerlegens.
Wenn ein Mensch nun geistig so geschult würde, würde er bei der Wahl seines Lebenspartners genau überlegen. Wenn diese Gotteskraft in ihm wäre, wenn ihm diese geistige Nahrung richtig gegeben würde, dann würden viele Menschen auf eine ganz andere Art und Weise zusammengeführt. Sie würden sich geistig erheben. Schon in jungen Jahren – möchte ich sagen – könnten sie sich geistig höherschwingen. Weil dieses aber nicht geschieht, bleiben sie in ihrer Entwicklung zurück.
Wenn aber ein junger Mensch die geistige Sprache kennt, so wie ich sie euch gebe, dann fängt er auch an, bei der Suche nach einem Ehepartner zuerst zu überlegen. Und zwar fragt er nicht nach Geld und Gut, sondern er erforscht das geistige Feld des in Betracht kommenden Menschen. Wenn das getan wird, gibt es ein ganz anderes Verhältnis; es würden viel mehr jene Menschen zusammengeführt werden, die eben geistig gleichsam auf ein und derselben Stufe stehen. Somit würde es keinen Streit mehr geben, oder sagen wir, derselbe würde auf ein Mindestmass reduziert werden.
Hier kommt es doch wieder auf die geistige Schulung an. Viele junge Menschen haben gar keine geistige Schulung. Sie urteilen nur nach dem Äusseren, nur nach Antlitz und Grösse, nach Geld und Gut, und das Geistige kommt ihnen zuletzt. Und so müssen diese Menschen es dann eben haben, dass es in ihrer Ehe Disharmonie und Streit gibt. Und ich kann wiederum sagen: Kein Mensch kann seine geistige Stellung verleugnen. Er wird eben gezwungen, das zu tun, was seiner Entwicklungsstufe entspricht. Und wenn ich euch sage, dass doch jungen Menschen Gelegenheit gegeben werden könnte, sich schon beizeiten hochzuschwingen, so würden sie eben in eine ganz andere geistige Sphäre und in ein anderes Milieu eurer Erdensphäre hineinkommen. Denn sie würden nicht jene schmutzigen, stinkigen Sphären aufsuchen, sondern sie würden in das Licht hineingehen und dort dann Menschen ihresgleichen finden. (1950)
Lieber Geistfreund Josef, Paulus gibt im 1. Korintherbrief den Rat: “Wenn Unverheiratete nicht enthaltsam leben können, sollen sie heiraten. Denn es ist besser zu heiraten, als vom Begehren verzehrt zu werden.” (1. Kor. 7, 8 f.) Gilt das auch für junge Leute, die noch keine Gelegenheit hatten zu heiraten?
Josef: Liebe Freunde, wenn der junge Mensch nicht allein sein kann, ist es gut, dass er sich eine Gefährtin sucht. Einzelne Menschen glauben so oft, dass eine Ehe einzugehen so schwierig sei, oder sie haben Angst davor, weil sie glauben, ihren Pflichten nicht nachkommen zu können. Auch bestimmte Gewissensfragen können sie für sich nicht klären, und so finden sie es besser, keine Ehe einzugehen.
Zum grössten Teil aber ist es so: Wenn zwei Menschen sich in wirklicher Liebe gefunden haben und nicht die materiellen Dinge eine Rolle spielen, wenn sie miteinander ein Leben aufbauen wollen, so können sie doch gemeinsam im Leben viel besser vorwärtskommen als jeder für sich allein. Denn sie lernen gegenseitig auf dieses und jenes verzichten, und dies alles ist doch in der Lehre Christi enthalten.
Und so möchte ich auch jenen jungen Menschen, die den Drang haben zu heiraten, empfehlen, sie sollen darum bitten, dass ihnen die Gefährtin oder der Gefährte gegeben wird, der zu ihnen gehört. Auch darum kann man bitten, genauso gut wie für eine andere Sache. Und so wird auch den Menschen geholfen. Denn es gibt auch dafür besonders befähigte helfende Geistwesen – ich möchte sie ebenfalls als Missionsgeister benennen –, die jeweils solche Menschen führen oder diesen und jenen Menschen beurteilen, ob sie zusammenpassen und ein gemeinsames Leben gut leben könnten.
So soll der Mensch auch in diesen Dingen mit seinem Schutzgeiste sprechen in seinen stillen Stunden, dann wird ihm auch das Richtige gegeben werden. Aber ihr wisst, dass überall der freie Wille des Menschen massgebend ist. So muss der Mensch auch gewisse Hemmungen weglegen können. Als Mensch soll er frei sein, und dann werden ihm auch die Wege geebnet. Und, liebe Freunde, so ist es auch ganz gut, wenn ganz junge Menschen zusammengeführt werden. Auch sie können ein Leben aufbauen; im Vertrauen auf die Hilfe und den Segen Gottes werden sie ein glückliches Leben leben. (1952)
Lieber Josef, gilt das, was du kürzlich über die Treue gesagt hast, ausschliesslich für die Treue in der Ehe oder in allen Richtungen? [Vgl. die Vorträge vom 10. Oktober 1953 und 21. November 1953 im Jahrband “Geistige Welt 1953”.]
Josef: Liebe Freunde, die Treue in der Ehe soll eine Selbstverständlichkeit sein. Sie ist es aber vielerorts nicht. Wer diese Treue bricht, der belastet sich damit und hat es in einem späteren Leben gutzumachen, indem er den Schmerz selbst zu erleiden hat, den er andern zugefügt.
Wenn nun von der Treue gesprochen wurde, hatten wir von der geistigen Welt aus alle Ursache dazu, weil wir da und dort etwas erkennen können, das anders sein sollte, was aber die Menschen oft ganz in Ordnung finden. Es gibt in dieser Beziehung sehr schwache Menschen, mit denen man länger Geduld haben muss, bis sie mit der Zeit selbst ihre Fehler erkennen und davon lassen.
Die Treue in der Ehe ist etwas Kostbares und soll gehegt und gepflegt werden. Jeder, ob Mann oder Frau, soll dafür besorgt sein, dass er von seinem Kameraden immer geachtet und begehrt ist. Jedes muss dem andern eine Stütze und Hilfe sein. Jedes muss Verständnis für das Leid, die Not und die persönlichen Unpässlichkeiten des Nächsten haben und nicht nur oberflächliche Worte. Sie sollen gemeinsam durchs Leben gehen und gemeinsam ans Ziel kommen.
So kann es etwas Wunderbares sein, zwei Menschen oder eine ganze Familie in diesem Glücke zu sehen, und gewaltig wird die Belohnung dafür sein. Doch furchtbar kann die Strafe jene heimsuchen, welche die Treue nicht kennen, die da glauben, dass es richtig und erlaubt sei, vom einen zum andern zu gehen. (1953)
Kann ich etwas tun, um die Harmonie in meinem Hause zu verbessern?
Josef: Ja, warte etwas [nach einigen Sekunden]: Ja, wisst ihr, liebe Freunde, es ist oftmals so schwer, euch die richtigen Worte zu geben, das heisst, die richtigen werden euch in unseren Belehrungen schon gegeben, aber sie werden nicht von allen aufgenommen. So wurde euch doch schon gesagt, dass ihr über Geschehenes nicht mehr nachsinnen, dass ihr es vergessen und nicht mehr darüber sprechen sollt. Weder du, noch jemand anders. Und neu anfangen, in Liebe, in Ruhe.
Und wie oft habe ich schon gesagt: Sprecht leise zueinander, ruhig, langsam! Ich sagte dies nicht nur, um die Stunde des Vortrags auszufüllen. In diesem leisen, ruhigen Sprechen sieht man vom Geistigen aus einen wichtigen Sinn. Das leise Sprechen verhindert Zorn, verhindert Unfrieden. Die Disharmonie kann gar nicht aufkommen dabei. So soll der Mensch eben langsam sprechen. Mit dem langsamen Sprechen kann er besser denken, besser überlegen, und er wird manches nicht aussprechen.
So möchte ich dir sagen, euch beiden zusammen, die ihr euch die Hand fürs Leben gereicht habt: Seid in Liebe einander zugetan. Denkt immer, es sei euer erster Tag des Beisammenseins. Das eine muss werben um das andere, in Liebe, Geduld und in wirklicher Ruhe. Und nicht laut sprechen! Auch deine Kameradin soll versuchen, wenn sie dir etwas zu sagen hat, langsam und ruhig, ich möchte fast sagen, leise zu sprechen. Wenn das geschieht, geschieht etwas Grosses, nicht nur für eure Augen sichtbar, sondern was in euch gezeichnet ist, geht der Vollendung zu. (1952)
Lieber Josef, wenn sich ein Ehepaar nur noch streitet, darf es sich in einem solchen Fall trennen?
Josef: Es wurde in letzter Zeit wiederholt die Frage an mich gerichtet: “Soll ich noch ausharren?” So viel Elend und Unglück ist da und dort. Vom geistigen Standpunkt aus verlangt man, dass jeder Mensch, wo er steht, seine Pflicht tut. Es fehlt aber so viel am guten Willen. Manche Ehe wäre zu retten, wenn die beiden Gatten zur besseren Einsicht gelangen würden. Wenn auch die Harmonie und der Friede durch eine Trennung für den leidenden Teil vorzuziehen wäre, dürfen wir nicht da und dort einfach raten: Verlass das Haus und suche den Frieden, weil Unstimmigkeiten da sind. Oft sind die einen so empfindlich, dass sie sich schon beim kleinsten Auftritt trennen wollen. Sie können gar keine Prüfungen bestehen. Sie sind nicht erstarkt im bisherigen Leben. Sie haben gar keine geistige Kraft, und sie können sie nur bekommen, wenn sie eine geistige Verbindung haben. Dann werden ihnen Erkenntnisse zukommen und werden ihnen Wege gezeigt, wie man dem Nächsten zu begegnen hat.
Es wäre so schade, wenn all das, was ich euch immer anrate, vergeblich wäre und man jenen Menschen, die unwillig, zornig und hart sind, in der gleichen Sprache begegnete. Man muss immer versuchen, sich zu beherrschen und den andern zu beruhigen. Zunächst sollte man nach dem Kummer des Nächsten suchen und mit ihm fühlen; denn der andere will ja nichts anderes hören. Wenn der eine Teil weise ist, wird er die bestehenden Nöte besprechen und den andern bitten: “Sag mir, was mache ich nicht richtig, was gefällt dir nicht an mir? Ich will es besser machen.” Ich möchte fast sagen, auf diplomatische Weise muss man dem andern begegnen und nicht einfach in der gleich harten Sprache antworten und dann von dannen gehen wollen und glauben, dass es nun einfach nicht mehr geht, nur weil man selbst keine richtige Anstrengung unternimmt.
Freilich gibt es eben solche Menschen, die nichts annehmen wollen und in ihrer geistigen Entwicklung so tief stehen, so brutal sind, dass dem andern nicht zugemutet werden kann, bei ihm auszuharren. Das ist eine andere Sache. Aber wie wir da und dort beobachten, löst sich oft ein Streit in der Familie aus wegen Nichtigkeiten. Mit nur ein wenig Beherrschung könnte er leicht verhütet werden. Wo man sich aber gehen lässt, vermehren sich die Streitigkeiten, und Mann und Frau verlieren gegenseitig die Achtung voreinander. So werden sie immer mehr auseinander- statt zueinandergehen.
Wenn diese Menschen nur erkennen würden, wie vieles so unwichtig ist, was sie für wichtig halten, und dass man alles in einer liebenswürdigeren Weise beantworten kann. Aber da reicht die Geduld allein nicht aus, sondern dazu braucht es die Richtigstellung der Angelegenheit. Wo ein Ehepartner untreu ist, da ist es etwas anderes. Wo sich aber solche Unzufriedenheiten immer wieder aus Nichtigkeiten ergeben, da sollte Abhilfe geschaffen werden können. Nichtigkeiten sollen keine Gründe zu Streit und Unfrieden sein. Jeder soll den andern so nehmen, wie er ist, und dabei glücklich sein. Denn das sind eben die Nöte, die einem jeden gegeben sind und woraus er noch das Beste zu machen hat. Wer so lebt, der lebt im wahren geistigen Sinne.
Oh, könnte man dies doch vielen beibringen; es liesse sich viel mehr Frieden verbreiten und aufbauen. (1953)
Lieber Josef, in mancher Ehe sind die Schwierigkeiten und die Disharmonie so gross, dass man sich fragt, ob es nicht besser wäre, wenn sich ein solches Paar trennt.
Josef: Es ist dies ein sehr schweres Problem und vom einen zum andern Beteiligten wieder anders zu beurteilen. Es kann sein, dass der eine geistig nicht vorwärtskommt, wenn er neben einem Menschen leben muss, der ihn ständig plagt. Wenn jemand in einem schwerwiegenden Fall zu mir kommt, so werde ich ihm den Weg beleuchten. Wir aber dürfen nicht so in das Leben des Menschen eingreifen. Es ist uns nicht erlaubt, denn der Mensch muss die Verantwortung übernehmen. Wir unterstützen ihn geistig, in seinem guten Wirken. Wir versuchen ihn zu erleuchten. Das tun wir. Aber die Entscheidung muss aus dem Menschen selbst kommen. Ist sein Wirken im geistigen Sinne gut, so werden wir ihn unterstützen, dass er es fertigbringt, das zu tun, was ihm und vielen andern zum Heile gereichen kann.
Leider kümmern sich von den vielen kirchlichen Gemeinschaften nur wenige richtig um dieses Problem. Es sollte wenigstens eine anerkannte und bedeutende Kirche sich dazu hergeben, junge Menschen darüber zu unterrichten, was der Ehe Gewinn, aber auch was ihr Leid und Not bringen kann. Die jungen Menschen sollten darüber unterrichtet werden, dass sie ihren Partner auch richtig wählen und zuerst versuchen abzuklären, ob der andere auch zu einem passt oder ob er in seiner Gesinnung ganz anders ist. Es ist doch zum Voraus zu sagen, dass zwei Menschen mit ungleichen Ansichten auch nicht auskommen werden oder nur in seltenen Fällen. Es sollten die religiösen Gefühle und vieles andere genau überlegt und besprochen werden können.
Man sollte sich nicht einfach einen Partner suchen, um verheiratet oder versorgt zu sein, sondern dies ist eine ernste Angelegenheit. Wenn hier nicht alles aufs Genaueste überlegt und geprüft wird, kann dem nicht ausgewichen werden, dass es immer so viele Scheidungen gibt – weil der eine einfach um des Geldes willen heiratet, das andere um es eben bequemer zu haben oder weil es sich gar nicht überlegt, welche Schwierigkeiten sich in einer Ehe ergeben können.
Es sollten also kirchliche Gemeinschaften sich dafür verwenden, dass mit den jungen Menschen ganz frei darüber gesprochen würde. Es könnte dies einmal durch einen erfahrenen Arzt oder Juristen geschehen, dann wieder könnte vielleicht ein glücklicher alter Mann sprechen und auch wieder einer, der unglücklich verheiratet war oder ist, um es so den jungen Leuten klarzumachen.
Erst wenn die Menschheit einmal darangeht, die Ehe wirklich als etwas Hohes und Heiliges zu betrachten, wird es damit besser werden. Solange die Menschen aber so leicht dahinleben, wird es nicht besser.
Wir leben in einer Zeit, in der sehr leicht Freundschaften geschlossen werden, auch wenn man verheiratet ist. Wie sollen wir uns in solchen Fällen verhalten, soll man den Betreffenden ermahnen?
Josef: Sprecht viel eher darüber, wie man eine Ehe glücklich gestaltet. Es ist wichtig, dass jeder sich Mühe gibt, sein Leben zu verbessern und Verständnis für den andern aufzubringen. Dahin geht ja auch mein vieles Sprechen zu euch, und wir dürfen es auch betonen, dass da und dort im weiten Kreise dieser Gemeinschaft manches besser geworden ist in mancher Ehe, weil man sich daran erinnert, dass man zu überwinden hat und man sich nicht einfach behaupten darf, indem man die Meinung des andern missachtet.
Dass ich in aller Öffentlichkeit nicht jede diesbezügliche Frage beantworten kann, das werdet ihr verstehen. Denn es könnte von vielen falsch aufgefasst werden, gerade so, wie es ihnen gefiele. Wo es aber um einen schwerwiegenden Fall geht und man zu mir kommt, werde ich demjenigen die Wege beleuchten.
Ihr könnt aber daraus ersehen, wie wenig Kraft und Einfluss diese verschiedenen religiösen Gemeinschaften haben, dass ihre Angehörigen nicht einmal nach dem Grund ihres Daseins fragen und nach dem “Warum stehe ich gerade an diesem Platz?”. Auch in der Ehe ist eine grosse Aufgabe zu erfüllen, und sie soll nicht getrübt werden. Die ganze Kraft soll hineingelegt werden. Es soll eine klare, deutliche Linie verfolgt werden. Denn eines kann ich euch sagen: Jeder Seitenblick, geschweige denn jedes seitliche Abschweifen, bringt seine Belastung, und jeder muss dafür im Jenseits Rechenschaft ablegen. Denn dieses Seitwärtsgehen und -blicken fördert keine eheliche Harmonie, geschweige dass das eigene Heil gefördert würde.
Wem aber hierüber Klarheit gegeben wird, der versucht eher, es zu verhüten. Er weiss, dass er über alles Rechenschaft abzulegen hat, über alles, was er denkt und spricht. Wenn man glaubt, treu zu einer Sache zu stehen, treu zu Gott, dann soll man diese Treue zum Ausdruck bringen mit dem Einhalten der Gesetze.
Wozu würdest du raten, wenn jemand durch die Rücksichtslosigkeit des Ehepartners so verbittert ist, dass ein Zusammenleben zur unerträglichen Qual wird?
Josef: Dann würde ich sagen: Scheide vorerst nicht, aber trenne dich, wenn es möglich ist. Versuche dich einmal ein Jahr, zwei oder drei Jahre zu trennen, und wenn dann die Zeit vorüber ist, ist eine Annäherung vielleicht wieder möglich. Warum muss man denn gleich scheiden? Um schnell wieder anderswo sich zu verheiraten? Wenn Menschen sich trennen, um ein grösseres Unheil zu verhüten, haben wir nichts dagegen einzuwenden. Aber sie sind damit ja nicht zufrieden. Sie haben ja zum grössten Teil schon längst wieder andere Aussichten!
Freilich ist eine solche Trennung nicht so einfach, wenn es sich um eine Mutter handelt, die noch Kinder im Hause betreuen muss. [Die folgenden Ratschläge Josefs zeigen, dass damals die staatlichen Sozialdienste und die gesetzlichen Grundlagen im Familienrecht noch nicht in der heutigen Weise ausgebaut waren.] Ja, warum kann in einem solchen Falle nicht eine kirchliche Gemeinschaft dafür sorgen, dass eine Mutter mit ihren Kindern ihren Unterhalt hätte? Oder warum kann man nicht dafür sorgen, dass der Mann nach Möglichkeit für den Unterhalt der Familie beigezogen wird? Oder warum kann man nicht für das Zusammenbleiben der Kinder mit dem Vater sorgen, wenn die Frau nicht recht lebt und das Haus verlässt? Auch da gäbe es eine Lösung, nur müsste dann eine kirchliche Gemeinschaft beisteuern, um möglichst das harmonische Familienleben zu fördern und zu erhalten und den streitbaren Teil zu trennen. Aber damit ist nicht gemeint, dass man sich trennen soll, um sich schnell wieder mit jemand anderem zu verheiraten.
Wenn Ehegatten sich zwei oder drei Jahre trennen, sollten sie in dieser Zeit keine andere Freundschaft anbahnen. Wenn es eben doch geschieht, ist es schwer, einen Entscheid zu treffen, und wir können da die Richtlinien nicht festsetzen. Doch möchten wir von der Gotteswelt dazu mahnen, dass vieles besser herauskommen würde, wenn Ehepartner, die in Streit miteinander leben, eine gewisse Zeit sich trennten. Vielleicht kommt dann der fehlbarere Teil zur besseren Einsicht. Und ist dies nicht möglich, dann soll der Betroffene seine Hände ausbreiten und bitten: “Gott, gib mir die Kraft, dass ich den rechten Weg gehe!” Dann wird er unsichtbar so geführt und zu dem veranlasst, was er aus eigener Verantwortung heraus tun muss. (1958)
Lieber Josef, verschiedene Freunde möchten gerne von dir wissen, ob es eine Sünde sei, wenn geschiedene Ehegatten, jeder Teil für sich, wieder heiraten?
Josef: Liebe Freunde, wenn zwei Menschen miteinander immer Streit haben, so ist es besser, wenn sie sich trennen. Dies habe ich schon öfters gesagt. Wenn nun ein Mensch eine neue Ehe eingehen und hier seine Aufgabe erfüllen möchte, so soll er es tun. Er soll aber dieses Mal sich selbst zuerst prüfen und das, was er gelernt hat, nun zum Guten anwenden. Durch seine Erfahrung gestärkt, soll er beim zweiten Male mehr Liebe und mehr Verständnis zeigen, und so wird es keine Sünde sein, wieder zu heiraten.
Denn, liebe Freunde, zur Zeit Christi wurde es den Aposteln strengstens untersagt, dass ein Mann seiner Frau einen Scheidebrief gab (Mark. 10, 1–12). Denn dazumal war es so, dass viele Männer ihre Frauen nur deshalb nicht mehr wünschten, weil ihnen eine andere besser gefiel. Damals waren in der Regel mehr Menschen dieser Sünde verfallen als heute. Heute ist es mehr eine Zerrüttung zu Hause. Die Menschen ertragen voneinander kein Wort. Es ist bei ihnen eine Gehässigkeit von morgens früh bis abends spät. Dies ertragen heute die Menschen nicht mehr so wie noch vor – sagen wir – fünfzig Jahren. Früher lebten die Menschen im Streite zusammen, ohne sich zu trennen, und so haben sie sich denn auch selbst gebunden, nicht nur hier, sondern auch in der geistigen Welt.
Wenn ein Mensch eine weitere Ehe eingeht und dabei die besten Vorsätze fasst, fortan gut zu sein und gutzumachen, wo er nur kann, so wird es keine Sünde sein, es sei denn, dass ein Mensch sich aus diesem Bande löst – eben wie ich erklärt habe –, weil ihm die andere Frau oder der andere Mann besser gefällt. Dieses ist eine Sünde, eine grosse Sünde. Doch in Streit zusammenleben sollen die Menschen nicht. Dann sollen sie sich trennen und neu aufbauen, neue Aufgaben erfüllen, die an sie kommen. (1950)