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Überall ist Leben: in jedem Grashalm, in jedem Tier, sei es noch so klein – Vorbereitungen für die erste Menschwerdung
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2014 zum Thema Odlehre – Umwandlung
Geistige Welt 1/2014
Odlehre – Umwandlung
Beschreibung

Alles, was auf Erden lebt, ist beseelt und hat seinen Ursprung im Geistigen. Dieses Themenheft gibt Auskunft über diese Beseelung in der irdischen Natur und über den geistigen Aufstieg ihres vielgestaltigen Lebens. Geister Gottes bemühen sich um den Aufstieg jeden Geschöpfes. Ist für ein Wesen der Zeitpunkt gekommen, dass es eine höhere Daseinsform einnehmen darf, findet nach seinem irdischen Tode eine Umwandlung statt. Im ersten Vortrag des Heftes wird dieser Vorgang am Beispiel eines Grashalmes näher erklärt, dessen odisches Gewand umgewandelt wird in eine höhere Stufe der geistigen Entwicklung.

Am Geistfunken eines Wesens erkennen Geister Gottes, welche verschiedenen Stufen es in seinem Aufstieg bereits durchschritten hat. Hat ein Geschöpf die höchste Stufe tierischen Lebens erreicht, findet die Umwandlung für das höhere Leben statt. Im zweiten Vortrag des Heftes berichtet Geistlehrerin Lene von der Umwandlung in ein kleines Geistkindlein, welches für die Menschwerdung vorbereitet wird.

Themenheft 1/2014: Odlehre – Umwandlung

Inhalt
Überall ist Leben im Aufstieg: in jedem Grashalm, in jedem Tier, sei es noch so klein

Lene, 18. Februar 1981 (Ausschnitt)

Überall ist Leben im Aufstieg: in jedem Grashalm, in jedem Tier, sei es noch so klein

Geister Gottes bemühen sich um den Aufstieg jeden Lebens. Selbst in jedem Grashalm ist Leben im Aufstieg nach oben. Ist der Punkt gekommen, dass höheres Leben geformt werden darf, findet eine Umwandlung statt: Im Geistigen wird die feinstoffliche Form aufgelöst und neues Leben geformt, beispielsweise ein Käfer.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, im Besonderen möchte ich auch jene begrüssen, die einen weiten Weg zurückgelegt haben. Damit will ich nur sagen, dass ich Kenntnis habe von eurem Dasein, und es soll eine Antwort sein.

Meine lieben Geschwister, ich berate mit einer Schar von göttlichen Wesen, worüber ich zu euch zu reden habe, was wohl für euch gut ist, lehrreich ist, was euch auch innerlich beglückt. Da muss man ja immer auch berücksichtigen, dass – sei es bei mir oder sei es beim Bruder [Josef] – doch immer Zuhörer da sind, die auf verschiedenen Stufen der Entwicklung stehen. Die einen verstehen schnell, was gemeint ist, auch wenn nur im Leisesten Andeutungen gemacht werden. Ein anderes begreift es eben nicht so. Und da die richtigen Worte zu finden und auch das richtige Thema auszuwählen, ist nicht immer so einfach. Nun, mit meinen geistigen Freunden haben wir auch diesen Abend vorbereitet. Ich habe Dinge zu erklären, die interessant sind, die leicht zu verstehen sind. Ich habe aber auch etwas vorbereitet zum Erklären, das vielleicht nicht so ohne Weiteres von jedem verstanden wird. Also, wir möchten jedem etwas geben.

Nun, alles, was existiert, was vorhanden ist, hat seinen Ursprung im Geistigen. Der Geist durchdringt alle Stufen des Daseins und ist die Ursache des Bestehenden. Auf diese Worte werde ich im Laufe des Abends näher zurückkommen. Aber als Erstes möchte ich doch auch wieder einmal darauf hinweisen, dass ich stets bereit bin, Geistgeschwister mit mir zu nehmen; das heisst also: Wenn ich mich in der geistigen Welt von einer Ebene zur anderen hinbewege, mich für den Aufstieg interessiere, für den Fortschritt des einen und andern, so habe ich auch meine Schar Geistgeschwister, die Belehrung wünschen. Sie sind ja in unsere Welt hineingekommen und haben gar kein Wissen von der Jenseitswelt, keine Ahnung vom wirklichen geistigen Leben. Die einen sind sogar enttäuscht, dass es nicht ihren Vorstellungen entspricht, andere wiederum sind angenehm überrascht. Also kommt es auch auf die Entwicklung und die Einstellung des Einzelnen an, der zu uns kommt. [...]

Nun, wenn ich durch die geistigen Ebenen gehe, dann kommen Geistgeschwister auf mich zu. Und wenn ich jetzt von geistigen Ebenen spreche, dann meine ich die etwas erhöhten Ebenen, nicht das Erdenreich und die untersten Stufen, wo man in der Läuterung steht und wo man zur Strafe verweilen muss. Ich meine jene Ebenen, wo geistige Wesen ihrer Tätigkeit nachgehen, wo sie auf ein neues Erdenleben warten, damit sie noch weiter aufsteigen können, oder wo sie in ihrer Seligkeit verweilen, ihre Tätigkeit ausüben, glücklich, zufrieden sind und nur einen Wunsch haben: ja nicht mehr in ein solches Erdendasein gehen zu müssen, sondern da bleiben zu können, wo man ist. Wenn sie im Glücke sind und sie eine beglückende Tätigkeit ausüben, so sagen sie sich: “Für was sich in Gefahren begeben?” – auch wenn Geister Gottes ihnen noch so zusprechen: “Ihr könnt durch ein neues Dasein vieles dazugewinnen; ihr könnt reicher werden, ihr könnt Schöneres erleben, ihr kommt näher an Gott heran; und vieles, was euch jetzt noch unerklärlich ist, wird euch verständlich werden. Aber ihr müsst noch etwas erreichen, ihr müsst noch etwas tun.” Und sie, die da zuhören mit einem Ohr, denken: “Ja, du hast gut reden. Wir kennen die Gefahren.” Einerseits möchte man wohl, aber anderseits denkt man: “Ich bin zufrieden. Was man hat, hat man sicher.” Ja, so ist es. Denn diese Wesen in diesen gehobenen Stufen hören doch von all dem, was auf der Erde geschieht, vom Kampf der Menschen, von ihrem Unheil, und sie wissen von den Gefahren, denen man ausgesetzt ist. In der Geisteswelt ist man stark. Da zweifelt man nicht, man kann ja gar nicht zweifeln; man sieht ja die Wahrheit, sie ist so lebendig – hier ist alles so wunderbar. Ja, sich den Gefahren auszusetzen – da ist man nicht so ohne Weiteres einverstanden.

Dann kommt es eben vor, dass man sozusagen gewaltsam gerufen wird: “So, es ist Zeit für dich, du musst in ein neues Erdendasein.” Da kommt ein Geist Gottes, geht nun zu einem solchen Geschwister hin und sagt: “Komm mit mir, wir machen jetzt einmal einen Rundgang, wir betrachten uns die himmlische Welt.” Und wer möchte da nicht am Arm eines göttlichen Wesens einen Rundgang durch die himmlischen Auen machen? Da ist man schon bereit zu gehen. Wüsste man, wohin es geht, hätte man viele Ausreden. Und so ist es gut, wenn es auf diese Weise geschieht. Kommt da ein schön gewandetes göttliches Wesen, fühlt sich doch der sonst schon Beglückte geehrt, an seinem Arm durch die himmlischen Auen zu schreiten. Dieses vornehme Wesen geht nun in eine Welt hinein, die voller Licht und voller Glanz ist, und das Geschwister, das an seinem Arme ist, wird geblendet von diesem Licht – und verliert auch gleich die Orientierung. Der Geist Gottes hat erreicht, was er will. Er führt nun dieses Geschwister hin zu einem Platz oder einer Liege, und es wird in einen geistigen Schlaf geführt. Dieser geistige Schlaf dient ja dazu, die Verwandlung – oder soll ich sagen Umwandlung? – zustande zu bringen: Es geht darum, das Wesen in den Schlaf zu bringen; in diesem Schlaf verändert sich seine odische Gestalt; sie zieht sich zusammen, immer mehr, bis es schliesslich die Grösse eines neugeborenen Kindes hat. Es ist die geistige Gestalt, das Lebendige, der odische Leib mit dem göttlichen Funken, das lebendige Wesen, das daliegt.

In diesem Raum ist emsiges Treiben. Da kommen Engel Gottes und suchen, und man hat seinen Plan in der Hand, und man schreitet von einem zum andern, das bereit ist und von dem ein Engel Gottes feststellt: “Das ist so weit.” Der Engel, der gekommen ist und sucht, hat seinen Plan und sagt: “Mit einem allein gehe ich nicht; ich nehme gleich drei, vier mit.” Ihm kommen dann ein zweiter, ein dritter Engel zu Hilfe, bis man eine kleine Schar von diesen kleinen Wesen beisammen hat. Dann geht es ins Erdenreich, zu den Müttern hin, die auf die Minute warten und bei denen die Geister unter sich die Feststellungen machen: “Hier passt dieses Kind; hier passt dieses Kind nicht, gehen wir weiter – dort wartet eine Mutter.” Man ist sich schnell im Klaren, sodass überall das richtige Geistkindlein bereit ist. Der Engel Gottes umschreitet mit dem Geistkindlein die Mutter, die da wartet; ein anderer Engel legt es ihr auf den Leib, und es dauert vielleicht noch ein, zwei, drei Minuten, vielleicht nur Sekunden, und Leben, Leben ist da – der Himmel hat’s gegeben, der Himmel hat’s lebendig gestaltet, vom Geist durchdrungen ist das Leben geworden.

So ist in der göttlichen Welt immer Arbeit da. Es ist sehr oft so, dass in den unteren Stufen geistigen Lebens der Wunsch vorhanden ist, ins Erdendasein einzutreten, weil man hofft, durch ein neues Erdendasein wiedergutzumachen, was man an Schaden angerichtet hatte, und später in ein besseres geistiges Leben eintreten zu dürfen. Jene, denen es nicht so gut geht, sehnen sich danach, in ein Erdendasein zu treten, um ihren geistigen Aufstieg zu beschleunigen. So sind Unterschiede vorhanden. Die einen wollen nicht, weil es ihnen da, wo sie sich befinden, gefällt, weil es ihnen hier gut genug ist und man die Gefahren eines Erdenlebens kennt. Hier könnt ihr auch die unterschiedliche Einstellung der Wesen sehen: Man kann mit dem einen oder andern von seiner Zukunft reden und von der Hoffnung, die man hat, dass er nach oben geführt werden kann, wenn er eine Aufgabe im Erdendasein erfüllt; man spricht ihm zu: “Du hast den Mut und du hast die Energie, du hast die Kraft, und ich werde dich schon begleiten und führen.” Der eine lässt sich überreden, ein anderer lässt sich nicht überreden – und warum? Da könnt ihr auch die unterschiedlichen Einstellungen der geistigen Wesen auf ein und derselben Stufe oder Ebene sehen. Der eine glaubt, wenn der Engel ihm verspricht und sagt: “Ja, du wirst es schaffen, und dann hast du noch eine Stufe über deiner jetzigen erreicht und hast es noch schöner.” Er glaubt: “Ja, das bringe ich fertig.” Der andere ist misstrauisch und sagt: “Ich habe schon so vieles miterlebt und gesehen und gehört – ich bin zufrieden mit dem, was ich besitze.” So könnt ihr sehen, wie verschieden die Wesenheiten sind; auf ein und derselben Geistesstufe können sie auch ihre verschiedenen Meinungen haben. Und das ist eben in der geistigen Welt das Richtige. Es soll jedes Geistwesen seine eigene Überzeugung haben dürfen und sie zum Ausdruck bringen; es soll nicht eine allgemeine Überzeugung da sein. Es soll jedes Geistwesen selber überlegen können.

Gut, ich darf nicht zu ausführlich werden ... Ich möchte noch eine Erklärung geben. Ihr habt euch schon Gedanken gemacht: Wenn ihr beispielsweise über eine Wiese schreitet, und ihr seht diese vielen Grashälmchen, eines am andern, und es wird euch gesagt: “Überall ist Leben drin” – dann wird es euch ja ungeheuerlich. Ihr denkt: “Es kann doch nicht sein.” Was ist alles von Menschenweisheit erfunden worden! Man sagt, es gebe Gemeinschaftsgeister oder es gebe einen Gemeinschaftsgeist, der gleich eine halbe Wiese beseele. Ja, solche Ansichten ... Dem zu widersprechen, ist nämlich schwer; denn solches glauben Menschen eigentlich schneller als das, was ich zu sagen habe. Es ist ja so: Sie sind schneller bereit, das Unmögliche zu glauben – und die Wahrheit, die will man nicht so ohne Weiteres bejahen. Nun möchte ich doch folgende Erklärung geben: Auch diese Gräslein auf eurer Wiese haben ihr Ableben. Nun stellt euch vor: Geister Gottes bemühen sich doch um den Aufstieg allen Lebens, und dieses Gräslein, das hier auf eurer Wiese war, wird von einem Engel Gottes weggetragen. Ein Gräslein. Könnt ihr euch eine Vorstellung machen? Denn ich sehe euch und was ihr denkt: “Das ist ja unmöglich! Wenn ich mir eine Wiese vorstelle, ja die vielen, vielen Gräser – ach, das ist nicht möglich.” Ja es scheint noch vieles nicht möglich und für uns unmöglich, auch mit euch ... Nun, wenn ich sage, dass ein Engel Gottes ein solches Gräslein in die geistige Welt an seinen Bestimmungsort hinträgt, so müsst ihr euch vor Augen halten, dass dieses Gräslein ja auch seinen Aufstieg nach oben nimmt und eine Entwicklungsstufe einnimmt; es ist ja auch Leben darin. Dieses Gräslein, das auf dieser Welt schon verdorrt ist, wird noch vom Engel in die Geisteswelt an einen Bestimmungsort hingetragen und sorgsam hingelegt, Gräslein für Gräslein. Das irdische Kleid des Gräsleins ist verdorrt – das Leben ist daraus entflohen –, aber sein odisches Gewand ist noch vorhanden. Der Engel trägt es ins geistige Reich; im Geistigen sieht er das Odische dieses Gräsleins, die Form, die dieses Gräslein trägt. Wir sehen in dieser Form, in diesem feinodischen Stoff, das diesem Gräslein noch Gestalt und Form gibt, einen ganz, ganz winzigen Kern. Odische Ströme verschiedenster Art dringen in diesen Raum hinein, wo diese Gräslein liegen, und ziehen jetzt die geistige Form dieses Gräsleins zusammen – bis nur noch ein winziger Kern vorhanden ist. Aber diesen Kern erkennt man gut. Ich sehe jetzt einige Gedanken von den hier Anwesenden: “Ja, wenn Tiere sich dieses Grases bedienen, nehmen sie dann auch gleich diesen Kern oder diesen Funken mit in ihren Leib hinein?” Nein, nein, das nicht. In dem Moment, wo das Gras entfernt wird von der Festigkeit der Erde, ist der Funke schon gelockert, oder es trennt sich schon die gleiche Form in feinstofflicher Art; das Gräschen sieht gleich aus in feinstofflicher Art, es ist noch nicht vernichtet, nicht aufgelöst. Zuerst wird die grobstoffliche Form auf diese oder jene Weise vernichtet – aber mit dem Vernichten, mit der Trennung gibt es die Selbstständigkeit der geistigen, feinstofflichen Form.

Jetzt geht es aber im geistigen Reiche um eine Umgestaltung, Umwandlung. Aus diesem Gräschen muss es doch eine Höherentwicklung geben. Der Kern in diesem Grashalm kehrt doch nicht gleich wieder zur Belebung, zum Gedeihen in eine solche Wiese zurück, sondern jeder macht hier seinen eigenen Weg des Aufstiegs. Bekommt ihr auch eine Ahnung von der Schöpfung Gottes, wie unendlich sie ist und wie unendlich viele Wesenheiten sich entfalten und für den Aufstieg bereit sind – nur schon dieser Gedanke? Aber jetzt zurück zu unserem kleinen, kleinen Funken – ja, ich möchte fast sagen, ihr brauchtet ein Mikroskop, um diesen Punkt sehen zu können. Denn jetzt ist auch im Geistigen die feinstoffliche Form aufgelöst, das heisst zusammengezogen in diesen winzigen kleinen Punkt. Dieser Punkt ist dafür da, höheres Leben zu formen. Und in welche Stufe, in was für eine Stufe wird er kommen? Nicht mehr in ein Grashälmchen kommt dieser Funke, dieser Punkt, dieses Lebendigmachende, sondern in eine höhere Stufe der geistigen Entwicklung. Damit dies möglich wird, kann der Funke, dieser winzig kleine Punkt, nicht einfach nur daliegen; um sich zu entfalten, braucht es Zuströme verschiedenster Odmassen. Odquellen verschiedenster Qualitäten – ich habe jetzt nur dieses Wort – werden geöffnet, denn in diesem kleinen Kern, in diesem Punkt, ist für den weiteren Aufstieg etwas vorbereitet. Das, was vorbereitet ist, ist im Plane Gottes festgelegt und nicht dem Zufall übergeben; sondern von diesem Kern aus gibt es eine Umwandlung. Und wie ich anfangs betonte: Alles, was auf dieser Welt vorhanden ist, hat seinen Ursprung im Geistigen; zuerst ist es im geistigen Reiche vorhanden.

Also, betrachtet doch im Aufstieg die verschiedenen Lebensformen geringster Art: Alles ist zuerst im Reiche des Geistes vorhanden. Dort ist es gewachsen, gediehen, gefördert und beeinflusst worden für das, wofür es bestimmt wird, um im Erdenreich die Beseelung zu unternehmen. Zuerst ist es im Geistigen. Sagen wir, aus diesem Hälmchen, von diesem Punkt, der lebendig ist, ist im Geistigen ein kleiner Käfer geworden. Dieser Käfer hat Leben angenommen, hat sich bewegt – aber nur für kurze Zeit. Im Geistigen ist ja auch dieses Tierchen nur in seiner Feinstofflichkeit. Ihr sollt es euch nicht menschlich vorstellen. Dieses Tierchen ist feinstofflich und musste die Grösse einnehmen, die es haben würde im Erdenreich. Aber: Jetzt hat die Umwandlung in diesem Kern stattgefunden, und das Odische dieses Tierleins, dieses Leben, zieht sich von seiner Grösse wieder zusammen, bis es die Grösse hat, wie es im Erdenreich vom Muttertier zum Leben kommt. Es muss dieselbe Grösse haben, denn das Irdische muss vom Geiste belebt und lebendig gemacht werden. Ob es nun ein Ei oder ob es ein Tierchen ist, das in dieser Welt ins Dasein tritt: Im Geistigen war es zuerst, und zwar genau in der Grösse, genau so, wie es auf Erden zum Leben kommt, denn das Wachsen und Gedeihen muss auf dieser Erde geschehen. Das Tierchen, das muss sich hier entfalten und wachsen und leben. Ist es ein Ei, aus dem Leben entspringt, so war es dies zuerst im Geistigen – und dann, wenn in der Jenseitswelt die geistige Reife stattgefunden hat, wenn der ganze Prozess durchgeführt worden ist und der Zeitpunkt gekommen ist, tragen es die Engel von der göttlichen Welt aus hin oder lassen es wie feinen Tau niederfallen in diese Massen hinein, wo es notwendig ist, wo die Vorbereitung für das Leben im Erdenreich getroffen worden ist.

Liebe Geschwister, ich habe euch wohl Erklärungen gegeben, und ich weiss, ich habe Freunde hier, sie haben volles Verständnis dafür; sie haben die Vorstellung von all diesen Dingen. Andere haben es schwer, es zu verstehen. Darum wiederhole ich: Alles, was auf dieser Welt existiert, hat sein Dasein aus der geistigen Welt oder hat es der geistigen Welt zu verdanken. Dort war es zuerst. Der Geist – wie ich es erwähnte – durchdringt alle Stufen des Daseins, um das zu werden, was notwendig ist für diese Welt. Ich habe etwas aus dem Buch genommen und es euch klargelegt. Ob ihr alles versteht? Ich werde es sehen, und dementsprechend richte ich mich wieder ein. Ich kann euch einfachere Dinge erklären, aber ich habe doch Freunde hier, sie stehen im geistigen Aufstieg auf der Stufe, dass sie es verstehen, und sie lehren andere. Für sie ist es wichtig, wenn auch nur etwas weniges davon in ihren Besitz zu nehmen, um es weiter – auf menschlichere Art, vielleicht deutlicher, als ich es kann – zu erklären. Denn ihr sprecht die Menschensprache, habt menschliche Gefühle; ich muss mich euch anpassen, ich habe es schwerer, euch die Sache nahezulegen. Ich erhoffe und erwarte von euch Verständnis. Von der hohen Seite des Geistes trage ich etwas bei zum Wissen für die Menschen, zum Wissen, das sie brauchen in ihrem Leben, um an die Ewigkeit zu glauben und an diese himmlische Welt, an das unendliche Leben, für deren gewaltige Vielfalt an Leben, an Gestaltung und Form es kaum Worte gibt.

Ja, liebe Geschwister, man hat mir gesagt: “Du hast wieder zu lang geredet.” Ich weiss es nicht ... Ich überlasse euch jetzt dem Segen Gottes, ich lasse euch begleiten und versuche zu erfahren, was ihr denkt – man wird es mir sagen. So, liebe Geschwister, freut euch und seid glücklich: Es gibt eine viel schönere Zeit zum Leben. Damit will ich etwa nicht sagen, dass ihr in eurem Leben eure Aufgaben nicht erfüllen oder euch nicht auch am Schönen eures Lebens freuen solltet. Freut euch an all dem Schönen, das euch auch das Leben bietet, und denkt daran: Es ist Gottes Wille, dass ihr euch freut an eurem Leben. Gestaltet euer Leben so, dass ihr euch freuen könnt und dass auch die Menschen, die mit euch zusammenleben, sich an euch freuen können. Denn auch bei uns legt man ja Wert darauf, bei einem Wesen in die Schule zu gehen oder belehrt zu werden, das liebevoll und gütig ist. Die ernsten Gesichter der Engel Gottes hat man ja auch nicht so gern. Bei jenen, die fröhlich sind, findet man schnell Anschluss – und das hat auch das Gute. So ist für alles gesorgt.

Liebe Geschwister, Gottes Segen begleite euch, behüte und beschütze euch. Mit Gottes Kraft sollt ihr eure Probleme lösen und euren Weg finden und gestärkt werden in eurem Glauben. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.2.1981 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Vorbereitungen für die erste Menschwerdung

Lene, 24. September 1981 (Mewo 1981, 5. Abend)

Vorbereitungen für die erste Menschwerdung

Geister Gottes erkennen am Geistfunken eines Wesens, welche verschiedenen Stufen es in seinem Aufstieg durchschritten hat. Hat es die höchste Stufe tierischen Lebens erreicht, findet die Umwandlung für das höhere Leben statt. Lene berichtet von der Umwandlung eines geistigen Pferdes in ein kleines Geistkindlein.

Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ich möchte zuerst eine Ergänzung geben zu dem, was ich vorgestern dargelegt habe. Da war man sich nicht so ganz einig in Bezug auf die Gesetze. Die Gesetze Gottes, die Christus doch verbreitet hat, bleiben ein und dieselben Gesetze; sie sind nicht zu verändern. Ich muss wohl sagen, die Liebe, die Güte, die Barmherzigkeit, sie haben keine Grenzen. Was zur Förderung des geistigen Aufstiegs dient, ist Dienst an den aufsteigenden Seelen und gehört zur Erfüllung des Heilsplans. Liebe kann nicht zu viel gegeben werden, und in der Liebe, in der wirklichen Liebe, ist sozusagen alles enthalten, ist alles eingehüllt. Nun ist es aber so, dass ich mit euren Begriffen nicht immer so zurechtkomme und es möglich wird, dass ich einen Ausdruck verwende, der bei euch etwas anderes besagt als bei uns. Zudem habe ich mich nämlich auch ganz fleissig einüben müssen in eure Sprache und in euer Verständnis. Das ist nicht so selbstverständlich. Doch ich habe ja meine Helfer und auch meine Einflüsterer, wenn es sein muss.

Aber jetzt möchte ich ergänzend noch Folgendes sagen: Das Gute kennt keine Grenzen, die Liebe hat keine Grenzen und kann nicht beschränkt werden. Und in der Hölle, da ist es eben anders. In der Hölle stehen aber auch Engel Gottes als Wächter da. Vielleicht haben einige von euch das vergessen, oder vielleicht haben Freunde davon keine Kenntnisse. Man soll sich nicht vorstellen, dass die Hölle unbewacht ist. Die Hölle hat ihre Wächter, und zwar sind es Engel Gottes aus der Legion Michaels. Sie wissen einzugreifen, wenn es notwendig wird. Und diesem Luzifer und seinem Anhang ist es wohlbekannt, dass sie darauf achten müssen, was sie tun. Aber sie gehen eben bis zum Äussersten, was ihnen möglich ist zu tun. Euch wurde ja auch erklärt – und ich betone es wieder –, dass es das Werk Satans und seiner Knechte ist, zu versuchen, den Menschen für sich zu gewinnen, ihn zu inspirieren und ihn zum Bösen zu führen. Das versucht der Teufel ja auch bis zum Äussersten zu tun. Und so, wie die Liebe keine Grenzen hat, so hat eben dieser Teufel auch die Möglichkeit, bis zum Äussersten zu gehen, was das Stiften von Unfrieden, von Uneinigkeit und Schlechtigkeiten in allen Beziehungen betrifft. Was er aber nicht darf – und das möchte ich betonen –, ist: das Gesetz verletzen. Das geistige Gesetz würde dann verletzt, wenn er beispielsweise einen Menschen nach seinem irdischen Tode zu sich in die Hölle hinabreissen würde. Dazu hat er kein Recht. Die Rechte dafür sind ihm genommen. Er kann den Menschen in Versuchung bringen und ihn am Aufstieg hindern, aber er entscheidet nicht, wohin dann dieser Mensch nach seinem Sterben kommt. Wenn Luzifer in dieser Weise versuchen würde, etwas zu tun, so wäre das eine wirkliche Verletzung des Gesetzes. Und die Engel Gottes sorgen dafür, dass das Gesetz gehalten wird.

Euch ist auch schon wiederholt erklärt worden, dass göttliche Wächter in der Natur anzutreffen sind; es braucht sie auch hier. Diese Wächter sind überall, und sie sind eben dazu beauftragt, besorgt zu sein, dass das Gesetz nicht überschritten wird. Es ist notwendig, dass Geister Gottes auch in der Natur – dies sage ich ausdrücklich – ihre Wache halten. Denn Luzifer geht ja nur darauf aus, für sich Gewinne zu erzielen. Und versucht er, das Gesetz zu überschreiten, so wird sofort eingegriffen. Es ist aber immer noch genug, was er zum Leidwesen der Menschen tun kann, wie er an sie herankommt und sie inspiriert – das ist wahrhaftig schon genug!

Liebe Geschwister, ich habe euch gleich am Anfang [unserer Meditationswoche] erklärt, dass wir euch beobachten. Nicht nur allgemein in der Natur stehen Wächter zur Beobachtung da, sie sind überall, wo es um den höheren Aufstieg geht, wo es um die Wahrheit, um das Göttliche geht, wo es darum geht, diesen Heilsplan zu fördern. Auch da sind göttliche Wesen, und sie versuchen den Menschen zu beschützen und vom Bösen abzuhalten, sein Denken nach oben zu lenken, so gut es ihnen möglich ist. Und so werdet ihr auch hier beobachtet. Wir sehen auch, dass ihr glücklich seid, dass ihr zufrieden seid. Wenn ihr zufrieden und glücklich seid, macht ihr uns damit ein grosses Geschenk, eine grosse Freude. Denn eure Freude ist auch unsere Freude, eure Liebe ist auch unsere Liebe. So sind wir doch miteinander vereint.

Es ist ja nun so, dass ich die Freude habe, schon so viele Jahre zu euch zu sprechen, und der Zuhörer oder der Mitglieder der Gemeinschaft sind es doch immer wieder verschiedene. Die einen haben auch das Glück und die Freude, eine solche Woche zum wiederholten Male erleben zu dürfen. Andere sind erst neu in die Gemeinschaft eingetreten und sind das erste Mal hier. Sie haben nur gehört von dieser Woche, und sie haben Beschwernisse und Umstände auf sich genommen, um wirklich selber zu erleben: “Stimmt es auch, was von dieser Woche gesagt wird? Ist das wirklich so schön? Bedeutet es einem so viel?” Ja, das alles sehen wir. Und ich möchte euch an etwas erinnern: Ganz am Anfang, als ich die Möglichkeit hatte, in einem kleineren Kreis zu sprechen, und mit den Anwesenden sozusagen meditierte, war das noch ganz anders als heute. Ihr wäret heute damit nicht mehr zufrieden. Dazumal wurden noch [Körper-]Übungen gemacht, und diese sollten dazu dienen, den Menschen etwas zu lockern. Es war eben der Anfang, und auch ich bin mit bescheidenen Erklärungen gekommen. Aber sie sind wertvoll gewesen und wertvoll geblieben.

Das, was euch heute gesagt wird, das verlangt eben schon ein gewisses Mass angestrengten Denkens; man muss das, was ich euch sage, etwas überlegen. Schliesslich steht ihr heute auch in einer ganz andern Welt als beispielsweise vor zehn Jahren. Welchen Fortschritt hat die Technik gemacht! Welche Überraschungen durftet ihr erleben zu eurem Fortschritt, zu eurem persönlichen Heil! Ihr dürft Dinge erleben, die man früher ja nicht hatte. Heute ist euer Verständnis dafür da, wenn ich zum Beispiel sage: In der geistigen Welt kann man ein Stück Vergangenheit vor das geistige Auge eines Wesens führen, und es erlebt die ganze Vergangenheit, so wie sie einst war. Das ist heute nichts Besonderes, das ist ganz verständlich geworden. Aber verständlich geworden ist es nur durch die Anstrengung der Menschen und durch ihre Technik. Also hattet auch ihr Menschen das Eurige dazu leisten müssen, und ihr habt einen Teil zu diesem Verständnis ja beigetragen. Es muss euch heute nicht mehr so schwer fallen, die Dinge zu verstehen, die man euch heute erklärt. Sicherlich hätte euch von Anfang an mehr gesagt oder höheres Wissen mitgeteilt werden können, aber man hätte es nicht begriffen und nicht verstanden. Es wäre also nicht sinnvoll gewesen, und Menschen hätten sogar davongehen können, weil sie das Vorgetragene für unmöglich gehalten hätten.

Aber jetzt genug davon. Ich muss ja versuchen, die mir zur Verfügung stehende Zeit konzentriert zu nutzen für das, was ich euch sagen möchte. Ja, darauf hat man mich aufmerksam gemacht. Also könnt ihr sehen: Ich bin im Gespräch mit den Geistern, die mit mir kommen und die auch bei euch sind. Wir reden miteinander, und wir überlegen, ob wohl das, was wir vorbereitet haben, für euch geeignet ist. Denn nicht nur ich allein bereite es vor, sondern ich bespreche mich mit helfenden Geschwistern. Ich habe es ihnen vorgetragen und gesagt: “Ich glaube, jetzt probiere ich ihnen das auf diese Weise zu erklären.” Damit sind nicht immer alle geistigen Geschwister einverstanden. Die einen sagen: “Das versteht nur ein kleiner Teil; die andern begreifen es nicht. Und das gibt Fragen über Fragen, und das führt nirgendwohin. Wähle ein anderes Thema.” Ja, so ist es auch bei uns ...

Dann möchte ich noch einflechten: Ich habe das letzte Mal gesagt, ich sei fröhlich und möchte die Fröhlichkeit auch auf euch übertragen. Die Vorstellung mancher Menschen, dass es im Himmelreich nur so ernsthaft zugehe, stimmt nämlich nicht. Ja, in den unteren Stufen ist es notwendig, dass man etwas energisch ist und man seinen Weg geht und den Wesen klarmacht, was Disziplin und Ordnung ist. Das kann man natürlich nicht lächelnd sagen; das muss schon eine gewisse Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, um wahrhaftig bejaht zu werden. Aber je höher man die Stufen hinaufsteigt, umso mehr haben wir auch wirklich unsere Freuden, und wir können uns gegenseitig sehr gut unterhalten im frohesten Sinne. Und auch wir können miteinander lachen, und zwar sehr oft, wenn jemand etwas zu erzählen weiss, was bei euch geschehen ist ... Ja, liebe Geschwister, dies sollt ihr wissen. Früher oder später werdet ihr ja auch zu dieser Erkenntnis kommen, dass es so ist. Aber jetzt genug davon.

Ich weiss, es gibt Freunde, die sich für den Aufstieg interessieren, und ich habe mich durchgesetzt, euch darüber etwas vorzutragen. Ihr seid darüber orientiert, dass die Entwicklung von unten her nach oben geht – da ist diese ruhende Welt oder ruhende Natur, meinetwegen, da ist das Tierreich – und dass es bei diesem Aufstieg auch Gesetze gibt. Man kann in diesen Dingen aber nicht alles verallgemeinern. Das hat jetzt aber nichts damit zu tun, dass etwa Gesetze nicht eingehalten würden und dadurch irgendwo Schaden zugefügt würde oder anderseits ein überaus grosser Vorteil erwachsen könnte. Vorteile im Aufstieg werden dem gegeben, der sie verdient hat. Das heisst, derjenige, der in seinem menschlichen Leben oder in seinem geistigen Dasein geistige Werte verdient hat, dem wird das auch zugutekommen in seinem Aufstieg. Und damit will ich betonen, dass nicht unbedingt jedes Wesen denselben Aufstiegsweg zu durchschreiten hat. Aber der grosse Teil geht eben diesen Weg, von dem wir euch schon erklärt haben: über das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich.

Jetzt möchte ich euch etwas erklären und euch über etwas unterrichten, das auch zu eurer höheren Erkenntnis führen soll. Und zwar möchte ich jetzt von einem Mann erzählen, der Bauer war. Dieser Bauer hatte selbstverständlich seine Tiere. Er hatte sich nun überlegt und fand es notwendig, sich ein Pferd anzuschaffen. Und so ging er an den Ort hin, wo mit Pferden gehandelt wurde, und suchte sich dort ein Pferd aus. Das Tier sollte jung sein, gesund sein, und es sollte bei ihm ein schönes Pferdeleben haben dürfen. So ging er auf diesen Markt, wo Pferde zum Verkauf angeboten wurden. Da ging er zuerst zum Tierarzt, der dort anwesend war, und bat ihn, er möge ihm helfen, denn er möchte ein gesundes Pferd; denn es war gar nicht so selbstverständlich, dass diese Tiere unbedingt alle gesund waren. Der Bauer wollte ein gesundes, junges Pferd, denn er rechnete damit, dieses Pferd lange zu behalten. Der Tierarzt sollte ihm helfen und das Tier, das er ausgewählt oder in Betracht gezogen hatte, genauer auf seine Gesundheit untersuchen. Der Bauer musste diesem Manne extra dafür Geld geben, aber das war ihm gleich; er liebte die Tiere so sehr, und er tat es. Er zog diesen Tierarzt zurate, und dieser bestätigte, dass das Pferd, das er ausgewählt hatte, gesund war und er es mit heimführen könnte. Und der Bauer war überglücklich.

Nun möchte ich nicht unterlassen zu sagen, dass dieser tierliebende Bauer bei sich zu Hause ein besonderes Abteil für das kommende Pferd hatte einrichten lassen. Das Pferd sollte eine schöne Umgebung, einen angenehmen, sauberen Raum haben. Das hatte er schon vorbereitet. Denn lange bevor man sich in der Familie dazu entschlossen hatte, sich ein Pferd anzuschaffen, wurde schon beraten, und es wurde gerechnet: “Habe ich das Geld dafür? Habe ich so viel, kann ich es bezahlen?” Der Wunsch nach einem Pferd war längst in der Familie, aber man musste sparsam leben und musste immer von Zeit zu Zeit etwas zur Seite legen, um sich dann dieses Pferd auch anschaffen zu können. Denn so wohlhabend war dieser Bauer nicht. Er hatte dieses Gut von seinem Vater übernommen, und schon dieser hatte nur wenige Tiere besessen. Als einziger Sohn sollte er nun dieses alles übernehmen und weiter bewirtschaften. Der Vater hatte kein Pferd; er musste andere Tiere herbeiziehen und als Last- und Zugtiere verwenden.

Der Bauer verehrte seinen Vater, und er verdankte ihm sehr viel. Und so wurde in der Familie schon lange darüber gesprochen, schon ehe man überhaupt ein Pferd hatte, welchen Namen man ihm geben würde. Obwohl das Pferd, das er sich dann kaufte, schon einen Namen hatte, wollte er ihm einen andern Namen geben. Und zwar wollte er ihm in Erinnerung an seinen Vater dessen Namen geben. Sein Vater hiess Xaver, und so sollte auch das Pferd heissen. Aber man wollte dieses Pferd nur mit “Xavr” rufen. Das hatte man also längst besprochen, und es war schon eine beschlossene Sache: “So wird das Pferd heissen, das zu uns in den Stall kommt. So muss es heissen, und wir werden immer an unseren Vater erinnert.” Und so war es.

Die Freude war gross, als der Bauer mit dem Pferd auf seinen Hof kam, auf seinen bescheidenen Hof. Alles lief zusammen, die Kinder, die Frau selbstverständlich, ja man rief sogar den Hund herbei, die Katzen sogar. Ihr habt keine Ahnung, wie gross die Freude war. Und voller Stolz führte der Bauer das Pferd in den Stall. In diesem Stall sollten auch der Hund und die Katzen schlafen. Bevor der Bauer das Pferd in den Stall führte, rief er nochmals den Hund herbei und stellte ihm diesen Xavr vor. Er holte auch die Katzen herbei, auch sie sollten diesen Xavr betrachten. Der Bauer wollte also zu allen diesen Tieren ein vertrautes Verhältnis haben. Und das gelang ihm auch. Er ging nie aus dem Stall, ehe er allen seinen Tieren Gute Nacht gesagt hatte, “Gute Nacht” und “Gott beschütze euch”, denn es war ein frommer Bauer. Und er ging nie, ohne auch dem Xavr “Gute Nacht” und “Gott beschütze dich” zu sagen und ihn noch zu streicheln.

Anfangs war dieses Pferd in seiner neuen Umgebung noch etwas ängstlich. Der Bauer hatte das Gefühl, dass es vorher nicht mit Liebe behandelt worden war; denn jedes Mal, wenn er in den Stall eintrat, erschrak dieses Tier, und anfangs hatte er schon etwas Mühe mit ihm. Aber mit viel Liebe brachte er es fertig, dass dieser Xavr wahrhaftig ein liebenswertes Tier wurde. Dieser Xavr wurde so viel gestreichelt und konnte so viel Liebe empfangen, dass er wirklich auch ein zutrauliches Tier wurde.

Nun, ich kann ja nicht des Langen und Breiten so vieles erklären, aber das ist doch die Hauptsache. So wurde das Tier gut gehalten, und der Bauer war gut, wie ich erwähnte. Die Jahre gingen dahin, der Bauer wurde älter, das Tier wurde älter. Und als er sah, dass diesem Xavr nach seinen Jahren nicht mehr so viel zuzumuten war, wollte er dieses Tier, das er so liebte, nicht ohne Weiteres hergeben. Er wollte es nicht töten lassen, nur um sich wieder ein leistungsfähigeres, anderes Pferd anzuschaffen. Nein, er nahm Rücksicht auf Xavr. Aber es wurde immer schlimmer; das Tier wurde krank, und es kam der Tierarzt, und dieser sagte zum Bauern: “Seine Jahre sind gekommen. Du musst damit rechnen, es hergeben zu müssen. Es hat keinen Sinn, lass das Tier nicht leiden.” Dem Bauern fiel es schwer. Er studierte nachts, was er wohl noch alles tun könnte; vielleicht könnte Xavr wieder gesund werden. Aber es war nicht so. Xavr konnte nicht mehr gesund werden. Und der Bauer musste sich mit dem Gedanken befassen, das Tier fortzuführen, um es töten zu lassen. Und dieser Gedanke bereitete ihm schlaflose Nächte.

Das ist das, was der Bauer mit diesem Tier erlebt hat. Für dieses Pferd war die Zeit nun abgelaufen, auf dieser Erde zu leben und den Menschen dienlich zu sein. Jetzt erkläre ich euch, was sich nun geistig zugetragen hat.

Es gibt besondere Geister Gottes, deren Aufgabe darin besteht, sich um die Natur zu kümmern, um Tiere, wie jetzt in diesem Falle um dieses Pferd. Als man feststellte, dass dieses Tier krank war, kamen Geister Gottes, schöne Engel, in diesen Stall, und auch sie streichelten dieses Pferd. Sie sahen, dass seine Zeit gekommen war. Aber sie waren nicht traurig darüber, denn sie sahen ja den weiteren Aufstieg, den es geben würde. Was taten diese Engel, als sie nun die Stunde kommen sahen, wo dieses Pferd aus dem Stall geholt würde? Sie bekränzten es mit Blumen, mit geistigen Blumen – sein Rücken war voller Blumen. So gross war die Freude, und jeder dieser Engel, der sich da befand, konnte es nicht lassen, sein Antlitz an das Antlitz des Pferdes zu halten und es zu streicheln und ihm zu sagen: “Sei froh, dieser Abschnitt ist vorbei. Wir sind bei dir, wir führen dich.” Und unter diesen Engeln war einer, der diesem Pferd besonders zugetan war. Er schob die Blumen zur Seite und setzte sich auf es, und als es aus dem Stall geholt wurde, sass der Engel auf ihm. Solches können Menschen ja nicht sehen, nicht ahnen. Auch die anderen Engel begleiteten es. Sie hatten es mit Blumen geschmückt und ein glänzendes Band um seinen Hals gebunden und hielten es im Geiste. So wurde dieses Tier von den Menschen fortgeführt, und die Engel waren dabei. Sie waren auch dabei, als sich der Geist vom irdischen Leib trennte.

So lag dann das Vergängliche des Tieres da. Doch darum kümmerten sich die Engel nicht mehr, sondern sie befassten sich nun mit dem Lebendigen, mit dem, was im Innern dieses Tieres war. Und da stand jetzt ein Pferd – ja, hört gut zu –, ein Pferd mit geistigem Leib, ein wunderschönes Pferd. Und die Engel gingen mit ihm von diesem Orte weg. Es kamen weitere Engel herzu mit Körben voller Blumen. Die anderen geistigen Blumen lagen noch auf dem irdischen Leib, aber sie lösten sich so langsam auf. Nun wurde das geistige Pferd mit neuen Blumen geschmückt, und man legte ihm ein neues schönes Band um den Hals. So ging man mit ihm, eine ganz schöne Schar Geister Gottes, jubelnd und singend in die geistige Welt hinein.

Da wurde dieses Pferd auf ein Feld geführt, auf dem eine grössere Anzahl gleicher Tiere war. Diese Pferde waren, wie es schien, übermütig; denn bald rannten sie wie wild davon, bald warfen sie die vorderen Beine hoch, bald die hinteren Beine. Es war etwas Wunderbares, diesen Tieren zuzusehen, wie glücklich und zufrieden sie in ihrer Welt waren. Nun durfte dieser einstige Xavr eine bestimmte Zeit mit den andern Tieren auf diesem grossen Feld zusammen sein. Er passte sich den andern an, und man schloss Freundschaft miteinander. Sie gingen oftmals zu zweit, rannten zu zweit, sie waren übermütig und froh. Es war eben das Pferdeparadies.

Aber hier sollten diese Tiere ja nicht auf Dauer verweilen. Denn es kam für jedes, für eines nach dem andern, die Zeit, dass es geholt wurde. Engel Gottes waren es, sie führten diese Tiere heraus, betrachteten sie, eines nach dem andern, um so nachzusehen: “Ist es wohl so weit mit dir? Kann man dich einfügen in die neue Lebensstufe? Oder lassen wir dich noch etwas unter deinesgleichen?” So wurde genau nachgeschaut, und die Geister Gottes konnten es ja feststellen. Sie sahen nicht nur das geistige Pferd, sondern auch den lebendigen Funken Gottes in ihm. Und in diesem Funken Gottes erkannten sie die Entwicklung, den Aufstieg, die verschiedensten Stufen, die das Tier vor seinem Pferdedasein schon durchgemacht hatte. Sie erkannten, wie lange dieses Tier schon auf dem Wege nach oben war. An der Helligkeit seines Funkens erkannten sie auch, wie stark das Verschulden [beim Abfall] war. So wird es festgestellt. Hat nun ein Wesen, sagen wir, die Stufe für das Pferdeleben erreicht, so ist es schon mit einbezogen in eine höhere Aufstiegsstufe. In der geistigen Welt ist es dann die Aufgabe der göttlichen Wesen, zu beurteilen, wann sie dieses, wann sie jenes Tier holen möchten. Denn dies sollte ja auch wieder abgestimmt werden. Da muss ich nun zuerst eine andere Erklärung geben, damit ihr es besser versteht.

Es kam nun auch für das euch vertraut gewordene Tier, für diesen einstigen Xavr, die Zeit, da es geholt wurde. Und wiederum war eine Schar von Engeln dabei. Sie waren ganz besonders eingekleidet. Engel Gottes sind je nach ihrem Amte oder je nach ihrer Tätigkeit eingekleidet. Für manche Aufgaben sind die schönen, wallenden Gewänder ungeeignet, und man zieht eben ein einfacheres Gewand an, das genau abgestimmt ist auf die Tätigkeit, die man dann auszuüben hat. Und manchmal ist es ja auch so – dies noch nebenbei erwähnt –, dass hohe Geister Gottes sich ganz einfach kleiden und zu ihren Aufgaben gehen. Sie müssen von den andern – und damit meine ich natürlich die Geister aus dem Totenreich – gar nicht unbedingt als hohe Geister Gottes erkannt werden. Die Engel Gottes können sich so verkleiden, dass man sie nicht unbedingt als solche erkennt, sondern dass man ihnen schon seine besondere Aufmerksamkeit geben muss, um herauszufinden, dass da etwas nicht stimmen kann ...

Nun aber zurück. Diese Geister, die sich jetzt mit diesen Tieren befassten, hatten auch ihre besondere Bekleidung. Sie war nicht so wallend; sie war schön, von kostbarem Stoff, aber alles war einfach gehalten. Jetzt hatte man diesen Xavr geholt, und man führte ihn in einen Raum. Dieser Raum war nach allen Seiten offen. Aber es gab – wie soll ich das sagen? – Liegestätten; das Pferd sollte sich auf den Boden legen können. Und da gab es – wie soll ich das jetzt nach eurer Sprache sagen? – eine Art Kabinen mit einer geschlossenen Wand [einen Stand oder einen Ständer]. Da war ein Pferd neben dem andern, aber sie waren getrennt durch eine Wand. Der ganze Raum war voll mit diesen gleichen Tieren. In der Mitte des Raumes standen viele Engel Gottes, und wie in einem Kreis, rundum, hatte man diese Lager für die Pferde.

So führte man Xavr in eine solche Kabine, und da kamen diese Engel Gottes mit Gefässen verschiedener Art, sie hatten Öle, Salben und derlei Dinge. Sie nahmen davon und strichen über das Gesicht des Pferdes, über den ganzen Leib. Ihr müsst euch jetzt natürlich nicht ein Pferd vorstellen, das so schwerfällig ist; sondern es hat einen geistigen Leib. Es ist nicht so eine verdichtete Masse wie eben das irdische Od oder der fleischliche Leib des Tieres. Es ist der geistige Leib, und dieser ist feinstofflicher, aber er hatte dieselbe Grösse und dasselbe Aussehen wie das irdische Tier. Und so salbte man den geistigen Leib, und das war zugleich wie eine Narkose. Dann hielt man das Tier fest und legte es gemeinsam ganz sanft auf die geistige Erde hin. Und als es nun dalag, bestrichen die Engel Gottes wiederum mit ihren Ölen und Salben den ganzen geistigen Leib und salbten ihn ein. Und das geistige Pferd fing an zu schlafen.

Die Engel entfernten sich nun und gingen in die Mitte dieser grossen Halle, wo sich eine ordentliche Schar von Geistern aufhielt, vielleicht hundert an der Zahl – man sagt mir, es seien mehr, also sind es mehr als hundert. Und aus dieser Schar traten von Zeit zu Zeit welche heraus, um nachzusehen und festzustellen, wie es um diesen, wie es um jenen geistigen Leib bestellt war.

Und hier möchte ich noch sagen: Dieses durfte ich ja erleben, ich selber hatte nichts damit zu tun. Aber wenn ich euch Erklärungen geben darf über solche Dinge, muss ich sie auch miterlebt und gesehen haben. Darum kann ich es in der Weise erklären. Könnte euch dies beispielsweise ein Geist darlegen, der selber diese Tätigkeit ausübt, könnte er es euch in allen Einzelheiten und vielleicht für die Wissenschaft etwas interessanter erklären. Aber das kann ich nicht. Es ist auch nicht meine Aufgabe und ist nicht unbedingt dienlich für euch Menschen.

So gingen dann diese Geister Gottes und hielten von Zeit zu Zeit Nachschau. Jeder von ihnen hatte ja sein Pferd da hingebracht für diesen Schlaf, und er musste auch darüber wachen und für den Verlauf des Geschehens besorgt sein. Denn was sollte sich denn verändern? Dieser Tierleib, dieser geistige Tierleib musste sich auflösen. Das brauchte seine Zeit, und das geschah so, dass ein feiner Schleier oder eine Nebelschicht sich über dieses Tier hinzog und seinen ganzen Leib bedeckte. Diese Nebelschicht machte mit der Zeit den geistigen Leib ganz unsichtbar; er wurde also eingehüllt in diese Nebelwolke oder in diesen Schleier, und man konnte nichts mehr sehen, es war ganz eingebettet. Das war das Zeichen dafür, dass dieses Od, das Träger des Geistesleibes war, sich nun aufzulösen hatte. Und mit der Zeit wurde die Verdichtung dieses Nebels immer dünner, immer weniger. Man sollte aber nicht zu nahe treten. Man hatte ja die Möglichkeit, es gut zu betrachten. Und man musste eben warten, so lange, bis dieser ganze Nebel sich aufgelöst hatte, bis dieser Schleier entschwunden war. Und dann war etwas anderes da – der Tierleib hatte sich aufgelöst, gewandelt, umgewandelt. Früher erklärten wir es euch mit den Worten: “Wenn es um den Aufstieg geht von einer Geistesstufe zur andern, gibt es ein Eingreifen der Geister Gottes.” Damit war gemeint: Wenn es um die Umwandlung geht, dann braucht es das Eingreifen der Geister Gottes. Und das ist jetzt die Erklärung dieses Eingreifens.

Und so durfte ich, als ich in dieser Halle war, auch die Feststellung machen, dass man plötzlich das Schreien von einem Kleinkind hörte. Und mich interessierte doch in erster Linie dieser Xavr, ihm schenkte ich doch meine ganze Aufmerksamkeit. Zu ihm war ich geführt worden, sein Leben, sein Aufstieg war mir gezeigt worden, also erzähle ich jetzt von diesem Xavr. Ihr stellt euch vor, diese Umwandlung dauere vielleicht Stunden. Es ist aber nicht so, es ist ganz verschieden. Das eine geistige Tier braucht längere Zeit, beim andern ist diese Umwandlung oder diese Auflösung schneller vonstattengegangen. Das hängt einfach mit dem Od zusammen, auch mit der Verdichtung des einstigen irdischen Odes oder des einstigen irdischen Leibes. Das Od ist bei jedem Wesen verschieden. In einem Falle ist es leichter, feinstofflicher und kann schneller umgewandelt werden. Das will aber nicht heissen, dass ein Wesen geistig rückständiger wäre, wenn es bei ihm länger geht. Das ist nicht die Meinung.

Nun gut, ich erlebte es bei diesem Xavr. Ich schaute da hinein und sah, dass bald vom Nebel und vom Schleier nichts mehr da war, sondern nur so ein kleines Bündel ... Ich wusste natürlich, auf welchem Wege dieser Aufstieg geht, aber ich erkläre es euch so in dieser Weise, wie ich es in diesem Falle erleben durfte, um euch ein Bild davon zu geben. Und so kam der Moment, wo von diesem Nebel oder von diesem Schleier nichts mehr vorhanden war, sondern nur noch ein kleines Wesen dalag – ein Kindlein war es geworden. Und es fing an zu schreien, es war doch unbekleidet. Und beim ersten Schrei, das es getan, ging eilends ein Engel Gottes hin. Er trug einen weiten Mantel und nahm nun dieses kleine Bündel, schloss es in seine Arme, schlug es ein in seinen Mantel, drückte es an seine geistige Brust und küsste das Wesen und entschwand mit ihm.

So hat sich die Umwandlung von diesem Tier zu einem Geistkindlein vollzogen. So etwas habt ihr zum ersten Mal gehört, und ich hoffe, ich bin verstanden worden. Sonst könnt ihr euch ja untereinander darüber aussprechen wie gewohnt.

Ihr möchtet nun wissen: “Ja wohin ist man denn mit diesem Kindlein gegangen?” Ich habe angedeutet, man erkenne im göttlichen Funken eines Wesens die Stufe seiner Entwicklung. Bei diesem Xavr war es so weit, dass er die letzte Stufe dieses tierischen Lebens zurückgelegt hatte, und nun hatte die Geisteswelt die Umwandlung vorgenommen. Jetzt ging es darum, in welche geistige Stufe oder in welches Paradies dieses Wesen geführt werden sollte. Denn jetzt war es doch ein geistiges Kindlein, und ein Geisteskind bedarf der Pflege und der Erziehung in einem geistigen Paradiese. Ein Engel Gottes trug es schnellstens fort und ging mit ihm in eine dieser Gemeinden hinein, von denen ich euch anfangs dieser Woche berichtete, wo man sich selbst verwaltet. Dort wurde es dementsprechend einem Geiste anvertraut, und dieser musste dafür besorgt sein.

Ich möchte aber nicht, dass ihr mich falsch versteht, vielleicht habe ich mich zu wenig deutlich ausgedrückt. Das Kindlein kam in ein Kinderparadies, und auch das Kinderparadies wird in sogenannter Gemeinschaft verwaltet. Engel Gottes und Geister, die im Aufstiege sind, leben in diesem Paradies, in dieser Gemeinschaft, und verrichten ihre Tätigkeit. Die aufsteigenden Geister verweilen so lange an diesem Ort, bis für sie die Zeit gekommen ist, dass sie wieder eine höhere Stufe einnehmen können. Sie müssen ja nicht so lange in ein und derselben Stufe verweilen und dann aus dieser Stufe in ein neues Erdendasein kommen; sie können sich in der geistigen Welt durch ihr Wirken, durch ihren Einsatz, durch ihren Eifer auch selber noch aufwärtsentwickeln.

Dieses Kindlein wurde also in ein Kinderparadies geführt. Hier sind geistige Mütter – ich kann sie nur so bezeichnen –, und sie nahmen dieses Kindlein auf und pflegten es. Es sollte hier heranwachsen; es sollte eine bestimmte Zeit in diesem Paradiese verweilen, bis es zu einem Geistwesen herangewachsen war, dem man zumuten darf, mehr zu lernen als das, was man ihm so nach und nach mit seinem Wachstum in dieser geistigen Ebene beibringt. Es wechselt nicht die Stufe, sondern kommt in derselben Stufe nur in eine andere Abteilung. Und dort wird es weiter gebildet und erzogen, bis es zu einem Geistwesen herangewachsen ist, dem man höhere Aufgaben überträgt, das man in eine Arbeit einreiht. Dabei kommt es dann ganz auf die geistige Entwicklung an, die dieses Wesen hat. Entweder wird es weiter geschult, oder es kommt schon sehr bald die Zeit, da es in sein erstes menschliches Dasein eintritt. Denn das ist ja der Aufstieg. Je nach der geistigen Entwicklung, je nachdem wie der geistige Funke eines Wesens leuchtet, kann es längere Zeit in der geistigen Welt bleiben, wird dort von Geistern Gottes betreut, hat seine Arbeit zu tun, wird belehrt. Ist es ein leuchtender Funke, hat sich dieses Wesen einstmals [beim Abfall] weniger belastet. Und so vermag es eben schneller aufzusteigen, hat besondere Vorzüge, denn sein Wesen ist dann auch dementsprechend.

Da diese Wesen von Engeln Gottes alle in grosser Liebe erzogen werden, könntet ihr meinen, dass diese Liebe, das Od der Engel diese Wesen durchdringe und dies dann in einem Menschsein doch zum Ausdruck komme. Das ist aber nicht so; denn das erwachende geistige Wesen hat ja sein persönliches, nur ihm eigenes Od, und in diesem Od sind Gefühle enthalten: Gefühle edelster Art und auch schlechte Gefühle. Das ist das Massgebende. Die Erziehung, die es in der himmlischen Welt nach seiner Umwandlung genossen hat, wird – ich kann nicht sagen aufgelöst, aber es kommt das wahre Ich der Persönlichkeit zum Ausdruck. Es ist also nicht so, dass in diesem Falle der Engel Gottes mit seinem Od dieses Wesen so durchströmen kann. Aber auch hier muss ich vorsichtig sein mit der Erklärung, denn solches ist ja möglich in eurer Welt – das ist aber wieder unter ganz anderen Verhältnissen und Umständen: Es kann doch ein Geistwesen an euch herantreten und euch einhüllen in sein Od, das es hat. Und ihr fühlt die Wärme und die Kraft, und davon vermag etwas bei euch zu verbleiben. Ich möchte sagen, es kann gewisse Rückstände geben, dass es mit eurem eigenen Od vermengt wird. Das kann es geben. Aber es ist auch so, wie euch erklärt wurde, dass sich dieses Od eben wieder auflöst und entschwindet und das eigene, persönliche Od dann wieder zum Ausdruck kommt.

Deswegen sind die Wesenheiten, die erstmals in ein menschliches Dasein treten, so verschieden. Wenn Menschen gefühllos sind, lieblos sind, wenn sie eine Herzenskälte ausströmen, nicht zugänglich, unfreundlich sind und was weiss ich, dann neigt ihr schnell dazu, zu sagen: “Das muss ein Geist sein, der von unten kommt.” Das kann sein, das ist möglich – aber vielleicht trifft es auch nicht zu. Das könnt ihr Menschen nicht feststellen. Es können geistige Wesen schon zum wiederholten Male in dieses menschliche Dasein getreten sein, und sie haben von einem Leben zum andern um keine Haaresbreite einen Fortschritt gemacht. Das gibt es also auch. Sie kehren also immer wieder zurück in ihre Läuterungsstufe, an ihren Ort, von dem aus sie ins Erdenleben gegangen sind. Anderseits ist es ja so, dass in einem menschlichen Dasein eben die Aufgabe darin besteht, dass der Mensch etwas gewinnt, sich geistige Gewinne zulegt und sein Leben einen Sinn bekommt – nicht nur in menschlicher Hinsicht, sondern es muss einen geistigen Sinn haben, er muss den geistigen Sinn erkennen, der eine grosse Rolle spielt im menschlichen Dasein. Das ist wichtig. Der Mensch sollte sich nicht allzu sehr in dieser materialistischen Welt verbauen, sich einmauern. Er muss frei werden, sich loslösen können. Er soll sich darüber Gedanken machen, dass es sein könnte, dass er nach seinem irdischen Tode ein ganz bescheidenes geistiges Leben durchzustehen hat – und in seinem Denken ist noch der Wohlstand, in dem er gelebt, und der Überfluss, den er gehabt hatte. Und nun plötzlich ist er in ein so bescheidenes, einfaches Leben hineingekommen, von Bequemlichkeiten keine Rede, alles ganz einfach. Und da gibt es viele, die damit nicht fertigwerden. Darum sagte einst Christus: “Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich” (Mat. 19, 24). Denn der Reiche ist sich doch an Bequemlichkeiten, an Schönheiten gewohnt, und wenn er sich nie darüber Gedanken gemacht hat, was dereinst nach dem irdischen Tode kommt, dann wird es ihm schwerfallen, dann wird er nicht fertigwerden damit, dass er nun so bescheiden zu leben hat. Ja, dies habe ich nur als Einschub gegeben.

Jetzt möchte ich Folgendes weiter erklären: Dieses Geistwesen, von dem ich berichtet habe, war also in der geistigen Welt herangewachsen; und die geistige Welt wollte nun, dass es in das menschliche Dasein tritt, um ihm so die Gelegenheit zu geben, seinen Aufstieg zu beschleunigen und aufzusteigen. So musste jetzt in der Geisteswelt eine neue Umwandlung vorgenommen werden, denn auf Erden geboren wird ja auch so ein kleines Bündel; ein kleines Menschlein ist es, mit einem ihm angepassten Geistesleib – der Geistesleib ist genau so gross wie dieser irdische Leib, denn sie sind voneinander abhängig. Und nun ging es in der Geisteswelt darum, dieses Wesen für sein erstes menschliches Dasein vorzubereiten. Es bekam zuvor Belehrungen, aber diese Belehrungen waren nicht besonders hohe, denn dieses Wesen war ja erst im Aufstieg begriffen. Vieles sollte es dann in seinem menschlichen Dasein erleben, erlernen, erkennen und erfahren müssen. Dafür sollte es in dieses menschliche Dasein treten. In diesem menschlichen Dasein wird das Kleinkind ja auch von den Eltern erzogen, und später wird es geschult werden, es muss seinen Unterricht durchstehen, seine Prüfungen, sofern es in geordnete Verhältnisse – das ist die Voraussetzung – hineingeboren werden darf.

So nimmt nun ein solcher Mensch seinen Platz ein in seiner neuen Welt und macht sich vertraut mit allem Menschlichen, das auf ihn zukommt. Und es ist zu hoffen, dass er auch religiös erzogen wird. In welchem Glauben, in welcher Religion ein Mensch auch aufwächst, er sollte als Erwachsener selber entscheiden dürfen, was er annehmen und glauben möchte oder wozu er sich bekennen möchte. Er wird also auch von Menschen unterrichtet, und kommt er in eine christliche Gemeinschaft hinein, wird er doch im christlichen Sinne erzogen. Nun ist dieses aber wieder ein Thema für sich, in welcher Weise man im christlichen Sinne erzogen wird ...

Diesem ins Dasein Getretenen ist ja völlig unbekannt, woher er kommt, was hinter ihm ist. Er weiss nichts davon. Mit der Zeit, durch die Geisteslehre, kann es ihm möglich werden, zur Erkenntnis zu gelangen, so wie ihr zu höherer Erkenntnis kommt. Man kann sich mit all diesen Dingen, die auf dieser Erde sind, befassen und sich fragen: “Wie ist es möglich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchen Sinn hat mein Leben? Welchen Sinn hat das Leben der Tiere, der Pflanzen?” Man wird sich sagen: “Das gehört zum Leben des Menschen; der Mensch muss seine Nahrung haben; was ihn umgibt, das ernährt ihn, das erhält ihn.” Ja, das sind Gedanken, die sich einer machen kann. Aber es ist doch so, dass in der Christenheit die Menschen in der vorhandenen christlichen Lehre unterrichtet werden. Und dieser Unterricht oder diese vorhandene christliche Lehre ist eben mangelhaft, zum Teil falsch. Menschen haben zu wenig Erkenntnis, sie sind ja nicht nur vom Guten beeinflusst. Denn es ist ja gerade dieser Luzifer und sein Anhang, der versucht, den Menschen mit Irrtümern zu betören, ihn auf Irrwege zu führen und ihm glaubhaft zu machen, er stehe in nächster Nähe bei Gott. Ja, das ist das Werk der Wesen aus der niederen Geisteswelt. Sie lassen nicht nach, sie versuchen alles zu tun. Und sie tragen auch eine grosse Schuld daran, dass manches, was in der Bibel steht, nicht richtig wiedergegeben worden ist, dass manches so umschrieben worden ist, dass es nach allen Seiten hin ausgelegt werden kann. Wie es aber wahrhaftig um dieses menschliche Dasein bestellt ist, warum es zu einer Menschwerdung kommen musste und wie es dazu gekommen ist, das wissen leider, leider nur wenige.

Aber da ja die Entwicklung vorwärtsgeht, sich alles aufwärtsbewegen muss, wird auch die Zeit kommen und geklärt werden, was man einst einfach als Geheimnis hingestellt hat. Es braucht Zeit dafür. Denn ich verwende dieselben Worte [wie Geistlehrer Josef]: Christus ist doch nicht umsonst gestorben! Christus hat doch gesagt: “Alles mag vergehen, aber was ich gesagt habe, das vergeht nicht” (Mat. 24, 35). Und er sagte auch: “Wo ich hingehe, da sollt auch ihr hinkommen” (vgl. Joh. 14, 3). Sollte Christus etwa ein Versprechen gemacht haben, das nicht haltbar ist? Der Gottessohn wusste doch, was er sagte. Er wusste aber auch, dass es dafür seine Zeit braucht.

Und so stehen heute so viele Menschen da, einsam, auf verlorenem Posten. Man sollte sie gewinnen können, man sollte sie aufklären können über den wahren Sinn menschlichen Daseins. Aber nicht nur darüber bedarf es der Erklärung. Die Menschen müssen auch wissen, unter welcher Herrschaft sie stehen und welcher Einfluss auf sie ausgeübt wird und welche Komplimente dem Menschen gemacht werden – dass er unentbehrlich wäre und dass das, was er tue, richtig wäre, und so bildet sich da und dort einer ein, auf der höchsten Stufe zu stehen und sagen zu können: “Es ist Christus, ja es ist Gott persönlich, der durch mich spricht!” Liebe Geschwister, weit ist der Weg dorthin, weit. Es heisst: “Dein Reich komme”, aber dieses Reich muss errungen werden. So leicht wird es dem Menschen nicht gemacht. Da hat er das Seinige dazu zu leisten. Und tut er das, was wir ihm zumuten, dann sind wir glücklich – und dieser Mensch ist es auch.

Wir wollen ja nur die Glückseligkeit des Menschen, und das ist meine und unsere Aufgabe in dieser Woche, und ganz besonders auch dann, wenn sie vorüber ist und ihr nur noch die Erinnerung habt an die Stunden, die ihr hier erlebt habt. Als ich das letzte Mal zu euch sprach, sagte ich, ich möchte euch ein Andenken geben, und ich sage es heute wieder: Ich möchte so gerne euch beschenken. Aber ich kann euch keine materiellen Dinge geben. Das kann ich nicht. Aber was ich kann, ist: Jedem würdigen Menschen, der hier ist, ein Lichtlein in seine Seele tragen lassen, damit es seine Seele und sein Herz erwärmt und er zu dem Menschen wird, der das wortlose Gebet verrichtet: Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit ... Das ist ein schönes Gebet. Und das ist auch ein Andenken von mir zu euch. Das Lichtlein, der Funke in euch, soll mehr leuchten und soll euch erwärmen in eurer Seele und in eurem Herzen und soll euch kräftigen in eurem Denken an das Edle und Gute. Und Erkenntnis sollt ihr bekommen und Verständnis: Für die Wahrheit, liebe Geschwister, für die Wahrheit sollt ihr Erkenntnis bekommen. Und sie soll bei euch verweilen, sie soll Bestandteil werden eines hohen geistigen Wertes eurer Seele. Denn es kommt für euch die Zeit und die Stunde, wo das, was ihr mitbringt, genau betrachtet wird.

Ja, liebe Geschwister ... [Lene deutet auf den Zeitgeist.] Ich weiss, ich muss mich auch an die Zeit halten. Ich tue es ja, so gut ich kann. Ich bin ja auch gerne bei euch, so wie ihr gerne hier verweilt, wo ihr Gewissheit habt: “Sie sind da, und ich will es auskosten, die Kraft, den Odstrom.” Ja, ich weiss es.

Liebe Geschwister, ihr seid nicht verlassen, wir stehen nur etwas zurück. So seid ihr alle behütet von uns, beschützt und gesegnet. Nehmt diesen Segen, denn der Himmel ist geöffnet worden für euch, er hat sich doch aufgetan und sich herniedergeneigt zu euch. So dankt Gott dafür, dass es möglich geworden ist, das zu erleben, das zu hören. Gott und Christus gehört der Dank. Denn der Geist der Wahrheit wird seine Aufgaben erfüllen, und es kommt die Zeit, wo sich der Letzte nach oben bewegen wird. Aber denkt nicht mit euren Massstäben von Zeit; dies ist noch zu weit entfernt. Darum legt vielmehr Wert auf eure Zeit, nutzt eure Zeit, in der ihr in dieser Welt lebt. Nutzt sie zu eurem Vorteil. Dann ist es auch unser Vorteil, auch unsere Freude und unser Glück. Und wir wollen uns doch einmal begegnen in Freude und in Liebe, in Frohmut. So, liebe Geschwister, sage ich: Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 24.9.1981 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal der Park Hotels Waldhaus, Flims (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen und Erläuterungen

Fragebeantwortung von Geistlehrer Josef aus dem Jahr 1975

Fragen und Erläuterungen

Lieber Josef, beim ganz niederen Leben, sagen wir einem Mückenschwarm oder bei einer Grasfläche, wissen wir, dass beispielsweise in jedem Halm, in jeder Mücke Leben ist. Wo werden die Grenzen gezogen von einem Leben zum andern? Wie viel gehört zu einem Leben zusammen, sei es jedes einzelne Mücklein in einem Mückenschwarm oder sei es jedes einzelne Gräslein? Das ist eine ganz schwierige Sache ...

Josef: Im Grunde genommen ist es nicht schwierig – also für mich ist es nicht schwierig. Aber es ist schwierig, es euch darzulegen und glaubhaft zu machen.

Ich bin schon in den Anfangsjahren darüber gefragt worden. Ich wusste aber, dass damals in den Köpfen der Freunde eine festgefahrene Meinung war. Ich hatte mich daher dazumal nicht konkret geäussert. Ich habe heute die Möglichkeit, mich konkreter zu äussern, weil das Verständnis vorhanden ist, es zu erfassen.

In der Anfangszeit, als es möglich war, dass ich zu euch reden konnte, waren ja die Erkenntnisse noch sehr gering. Wir vermochten die Freunde zu halten, indem wir uns eben nach den Erkenntnissen der damaligen Freunde ausgerichtet haben. So habe ich manchmal eine umschweifige Antwort gegeben, weil ich selbst nicht wusste: “Wie soll ich es denn meinen Freunden sagen, dass sie es annehmen?” Ich versuchte, auf ihre Meinung einzugehen, um es ihnen einigermassen zu erklären. Nun genug davon.

Im Grunde genommen ist es so: In einem jeden Insekt, in einem Grashalm ist ein spezielles geistiges Leben, das seiner weiteren Entwicklung wartet. Dieses niedere Leben, wie du es jetzt genannt hast, ist schnelllebig, wenn ich auch diesen Ausdruck benutzen darf. Es ist von kurzer Dauer und wird so rasch abgelöst. Auf diesem Weg geschieht es dann, dass es möglich wird, immer in ein wenig höheres Leben – in eine höhere Entwicklung oder in eine höhere Geistesstufe – hineinzukommen. Und je niederer dieses Geistesleben ist, desto kürzer ist sein Dasein gehalten, und desto schneller geht eben die Entwicklung oder das Absterben vor sich.

Ist das neu geschaffenes Leben, oder steht es in Zusammenhang mit dem Abfall?

Josef: Ich möchte es jetzt so sagen: Es ist eingeschlossenes Leben, das sich von den untersten Stufen hinaufarbeitet. Und wenn ihr jetzt versucht, euch mit eurem menschlichen Denken wirklich mit dem zu befassen – mit all dem, was ihr sehen, was ihr erleben könnt –, wenn ihr euch nun beispielsweise vorstellt, dass ihr da einen Grashalm habt: Es ist also ein geistiges Leben. Es scheint für euer menschliches Denken fast unmöglich, dass dies in seiner Persönlichkeit wirklich etwas Einmaliges, also etwas Persönliches ist, das sich da im Kleinen entfaltet und weiterentwickelt.

So ist von gewissen Richtungen die These aufgestellt worden, dass es eben eine Gemeinschaftsentwicklung – ja eine Gemeinschaftsseele – geben würde. Das stimmt aber nicht. Es gibt in dem Sinne nicht eine Gemeinschaftsseele. Wenn man es so betrachtet, dass alles zusammen auf der gleichen geistigen Entwicklung steht, sozusagen im gleichen Moment für seinen irdischen Tod gezeichnet ist – sei es eine Blume, sei es ein Grashalm, was es auch sein mag –, ist es ein kurzes Leben in der Gemeinsamkeit. Gemeinsam geht das vor sich. Es ist aber nicht eine gemeinsame Seele, sondern gemeinsam in diesen Scharen geht diese Entwicklung vor sich. Aber jedes für sich ist ein Leben.

Nun vermögt ihr euch ja mit eurem Verstand die ungeheuren Scharen des Abfalls gar nicht vorzustellen, wenn in einem jeden Blatt, in einem jedem Grashalm etwas so Lebendiges ist, das sich einmal zu einem Menschen entfalten muss, sagen wir es so. Welch weiter Weg liegt da noch bevor!

Lieber Josef, früher hast du doch in dieser Beziehung, also was die Mücken betrifft, vom Gruppengeist gesprochen?

Josef: Das ist das, was ich vorhin erwähnt habe. Sagen wir, auch niedere Insekten werden ja eingeteilt – ich möchte dies auch so formulieren. Es ist ja nicht alles einfach so dem Zufall überlassen. Auch solche Wesen, die im Aufstieg sind – jede Mücke, jedes Insekt, sei es noch so niederer Art –, gehören einer Gruppe an. Es ist nicht etwas für sich Eigenes, was seinen eigenen Weg geht. So wie ihr Menschen, jedes von euch, einer geistigen Familie zugehörig seid, gehört auch ihr in einen geschlossenen Kreis hinein. Und so ist es mit diesem niederen Leben, das von unten kommt: Es ist eingeteilt in eine Gruppe oder in eine Familie, und es wird auch auf diese Weise geführt und gelenkt.

Lieber Geistlehrer Josef, die Feldblumen sterben vielleicht im Herbst, aber die Wurzeln bleiben in der Erde, sodass sie wieder im Frühling wachsen. Ist das wieder neues Leben?

Josef: Ja, genau wie bei einem Baum, der seine Äste hat – und wenn die Blätter abfallen. Der Stamm gibt ihnen die Möglichkeit, dass sich neues Leben wieder entfalten und entwickeln kann.

Kann solches Leben also auch in den Früchten sein?

Josef: Ja.

Lieber Josef, ich glaube, Lene hat uns schon mal erklärt, dass auch die Mücken und die Blätter solche einzelne Individuen darstellen. Wie ist es bei einem Baum? Wenn nun, wie du sagtest, alle Blättchen so ein Leben darstellen: Ist dem Stamm selber, der ja ein viel längeres Leben hat, auch wieder ein Leben zugeordnet?

Josef: Mehr als ein Leben. Ich möchte bei dieser Gelegenheit Folgendes sagen: Zum Beispiel können an einen bestimmten Baum – sagen wir an eine Eiche, die viele Jahrzehnte die Möglichkeit ihres Daseins hat – Geister gebunden werden. Diese Geister werden richtiggehend an diesen Baum gebunden und verbringen dort ihre Läuterung. Jeder Geist trägt doch in sich – auch wenn er auf einer niederen Geistesstufe steht – den Geistfunken. Dieser Geistfunke seinerseits gibt dem Stamm, diesen Wurzeln von sich aus eine bestimmte Kraft. Ich kann auch von einer odischen, geistigen Kraft sprechen, damit ihr es vielleicht besser versteht. Ein solches Geistwesen ist an die irdische Materie gebunden. Im Geistigen hat alles seinen Sinn und Zweck: Ein solches Geistwesen muss seine Läuterung durchstehen, und zugleich hat dies einen Nutzen; es wird von seiner Geisteskraft entnommen, und das gebundene Geistwesen muss an die Wurzeln oder an den Baum geistige Substanz abgeben, und weiter gibt die Erde von ihrer odischen Kraft ab.

Ich könnte einen Vergleich machen mit dem menschlichen Körper: Der menschliche Leib kann nur lebendig sein mit seiner in ihm wohnenden lebendigen Seele. Der Körper stirbt ab, die Seele aber überlebt. Die Seele ist ewig, erlebt eine Umwandlung und nimmt ein anderes Lebensdasein ein.

Zum Beispiel des Baumes: Ihr könnt ja einen Baum fällen, ihn verbrennen, denn es ist irdische Materie. Wenn ein solcher Baum gefällt wird, entflieht das Geistige, das Lebendige aus ihm. Das Lebendige ist dann nicht mehr an die Erde gebunden. Hat man diesen Baum gefällt, stirbt er ab wie eine Blume, die gepflückt wurde. Das Geistige aber bleibt bestehen. Das, was am Baum oder an der Blume gebunden war, wird entweder umgewandelt und in eine höhere Stufe hinein überführt, oder wenn es noch nicht so weit ist, dass dieser Geist in eine höhere Stufe eintreten darf, wird er wieder in die gleiche Entwicklungsstufe hineingeführt.

Lieber Josef, nochmals zum Baum. Du hast vom Leben gesprochen, das zur Läuterung an einen Baumstamm gebunden ist. Aber es gibt doch da zwei verschiedene Dinge: Einmal diese Wesen, die zur Läuterung gebunden sind – und dann, dachte ich, gibt es noch Leben, das etwa das Gleiche darstellt wie das, was dem Blatt eigen ist. Das ist ja nicht zur Läuterung gebunden, sondern in der Entwicklung. Und ich meine, dieses Leben gibt es doch auch im Baumstamm?

Josef: Ich möchte so sagen: Man darf nicht verallgemeinern, dass jetzt bei jedem Baum, den ihr seht, derart gebundenes Leben ist. Das wählt die Geisteswelt Gottes aus. Das ist also nicht so zu verstehen, dass so ein Baum nur existieren könnte, wenn solches Leben daran gebunden ist; sondern es wird dem Baum die Möglichkeit gegeben, seine Aufgabe zu erfüllen, indem er eben anderen Wesenheiten die Möglichkeit zu ihrer weiteren Entfaltung gibt – sagen wir, es kommen Blätter, es kommen Früchte. Sprechen wir jetzt von einem gesunden Baum, an den kein gebannter Geist gebunden ist: Ein solch freier Baum hat auch in sich geistiges Leben. Es ist also auch hier geistiges Leben an diesen gesunden Baum gebunden.

Ist dieses Leben eigenständig?

Josef: Ein eigenständiges Geistwesen. Es kann sogar nur ein einziges Geistwesen sein. Es können aber an einem Baum mehrere Geistwesen vorübergehend – “gebunden” ist nicht das richtige Wort – ihrer Entwicklung entgegengehen, genau wie ein Grashalm, genau wie eine Blume. Und diese werden früher abgelöst. Es ist also nicht auf jene Dauer gestellt, solange der Baum gesund ist und noch nicht gefällt wird, sondern ihnen sind auch geistige Zeiten gesetzt. Soundso lange hat dieses Leben seine Aufgabe da zu erfüllen und wird nachher wieder von anderem abgelöst. Es ist alles so vielschichtig, dass es uns oft schwerfällt, es euch zu erklären.

Der Baum hat auch seine Aufgabe, indem er Blätter und Früchte bringt. Und jedes Blatt und jede Frucht ist wieder ein eigenständiges Leben?

Josef: Jedes Blatt, ja.

Wie kommen dann diese Geistfunken in die Blätter hinein? Geht das über die Wurzeln, oder wie geht das?

Josef: Also ihr seid ja wirklich neugierig, das muss ich schon sagen!

Es braucht zu allem Tun das Wirken der Geisterwelt Gottes. Die Geisterwelt Gottes muss überall tätig sein. Es ist doch in eurer Atmosphäre eine odische Kraft. Ich möchte sie fast vergleichen mit dem Blut, das im Menschen ist. Ohne das Blut gibt es kein Leben, kann der Mensch nicht leben. Es ist also die geistige Atmosphäre vorhanden; und diese helfenden geistigen Wesen verbinden Geistwesen, die im Aufstieg sind, mit dieser geistigen Atmosphäre. Es ist immer ein Dazutun von verschiedenen geistigen Stoffen: feinstofflicher Art, grobstofflicher Art. Nur so ist es möglich, dass dieses Leben auf der Erde seine Existenz hat. Es ist genau abhängig von der Sonne, vom Wind und vom Wasser und allem, was auch ihr zum Leben braucht. Es ist von der Natur abhängig. Was die Natur für ihr Leben braucht, brauchen auch diese hier im Aufstiege Begriffenen. In ihrem schlafenden Zustand brauchen sie eben auch diese Einflüsse, wie ihr Menschen sie zum Leben braucht. Ihr macht ja selbst die Feststellung, dass nun eine grosse Dürre alles vernichten kann. Sie löscht das Leben aus. Alles, was auf dieser Erde ist, ist einerseits abhängig von der Sonne und von allen Einstrahlungen – abhängig von all dem, was für das Wachsen, für eure Nahrung, für euer Leben notwendig ist.

Heft 1/2014
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm