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In der irdischen Welt gibt es auf keinem Gebiet Vollkommenheit. Selbst das Schönste, das die Natur oder die menschliche Kunst zu bieten hat, ist unvollkommen. Vollkommenes gibt es nur in der Nähe Gottes. Geistlehrerin Lene spricht im ersten Vortrag dieses Heftes vom Musikerlebnis in den hohen Himmeln. Hier ist die Musik etwas Lebendiges. Ein Konzert ist nicht nur ein Hörerlebnis, sondern es ist zugleich ein farbenprächtiges Feuerwerk, das aus den Klängen sprüht.
Im zweiten Vortrag widmet sich Lene den grossen Meistern des Himmels, die zur Ehre Gottes immer wieder Neues komponieren und deren Musik von seligen Geschwistern aufgeführt wird. Die himmlischen Meister, ob Komponisten oder Musiker, sind vom Bewusstsein durchdrungen, dass sie ihre Fähigkeiten und Talente alleine Gott verdanken. Sich selbst stellen sie alle zurück; es ist dies eine Grundbedingung , um von den göttlichen Höhen die Kraft der Inspiration empfangen zu können.
Im dritten Vortrag dieses Heftes schildert Geistlehrer Josef das jenseitige Erleben einer jungen Mutter, die auf Erden die Musik über alles geliebt hatte und eines jähen Unfalltodes gestorben war. Im Zusammenwirken mit anderen Musikern kann sie die Trennung von ihren Angehörigen überwinden, und im schöpferischen musikalischen Gestalten findet sie Glück und Erfüllung.
Am Ende des Heftes sind noch verschiedene Fragebeantwortungen zum Thema Musik wiedergegeben. So beantwortet Geistlehrer Josef unter anderem die Frage nach den unterschiedlichen Quellen der Inspiration.
Lene, 19. Januar 1977 (Ausschnitt)
In der irdischen Welt gibt es auf keinem Gebiet Vollkommenheit. Selbst das Schönste, das die Natur oder die menschliche Kunst zu bieten hat, ist unvollkommen. Vollkommenes gibt es nur in der Nähe Gottes. Geistlehrerin Lene spricht in diesem Vortrag vom Musikerlebnis in den hohen Himmeln. Hier ist die Musik etwas Lebendiges. Ein Konzert ist nicht nur ein Hörerlebnis, sondern es ist zugleich ein farbenprächtiges Feuerwerk, das aus den Klängen sprüht.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, möget ihr eure Gedanken, eure tägliche Geschäftigkeit für eine Stunde überwinden, damit euer Herz und eure Seele geöffnet werden und ihr meine Worte besser verstehen könnt. Einer solchen Stunde sagt ihr Meditation. Ich versuche über ein Thema zu euch zu reden, aber meine Meditation oder meine Erklärungen sind Erlebnisse oder Begebenheiten aus der himmlischen Welt. Ich will euch die Tore des Himmels öffnen, ich lasse euch Einblick nehmen in diese geistige Welt; ich möchte, dass ihr hineinschauen könnt in diese geistige Welt, wo die Tore geöffnet werden, und ihr auf den verschiedensten Entwicklungsstufen und auf den verschiedensten Geisteshöhen Einblick bekommt. Ich versuche euch dieses Schauen als Mensch, mit euren Gefühlen zu ermöglichen; ich versuche euch hineinzuziehen in diese für euch unsichtbare Welt und sie euch so in ihrer Lebendigkeit zu schildern, dass ihr sie auch mit euren menschlichen Gefühlen erleben könnt und ihr euch eine Vorstellung von ihr machen könnt. Freilich wird es mir nicht bei einem jeden Anwesenden gelingen, das zu erreichen, was ich gerne möchte: diese Lebendigkeit in der Weise zu erleben, wie ich sie zu schildern versuche.
Auf den verschiedensten Gebieten habe ich euch schon Erklärungen gegeben. Ich habe euch Dinge erklärt, die ihr gerne gehört habt, die euch erfreut haben; ich habe vielleicht auch schon Dinge gesagt, die man nicht für glaubwürdig hielt. Meinetwegen. Das kommt ja eben ganz auf die Entwicklung des Menschen an, und es kommt ganz darauf an, wie weit er sein Herz geöffnet und seine Seele aufgetan hat. Es kommt ganz darauf an, auf welcher Entwicklungsstufe er steht, ob das, was ich ihm zu sagen habe, für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, weil er es einfach fühlt, weil er sozusagen dieses Wissen in sich hat und er der Auffassung ist: “Das ist nichts Neues für mich, das ist eine Bestätigung von all dem, was ich ahne, was ich fühle und von dem ich glaube, dass es so ist.” Für einen andern ist es eben nicht so, weil die Türe zu seiner Seele geschlossen ist und weil er im Geiste solche Erlebnisse noch nicht gehabt hat oder sie ihm ganz fremd und weit entfernt sind, weil ihm, einfacher und schneller gesagt, einfach das Verständnis fehlt. Es ist wie bei euch: Wenn ihr etwas erklären wollt, das vielleicht etwas kompliziert ist, dann wisst ihr auch: “Ach, diesem oder jenem brauche ich davon gar nichts zu sagen, er versteht es ja sowieso nicht.” Das könnte ich auch manchmal sagen. Aber eben, ich habe ja viele verschiedene Geschwister hier; der eine steht da, der andere steht dort, und das, was ich erkläre, hört ja schliesslich ein jeder. Das ist es eben.
Nun, ich möchte nichts Weiteres darüber sagen; ich will heute in erster Linie euch den Himmel auftun. Ich möchte über die Hoffnung sprechen und über die Liebe – zuerst über die Hoffnung und die Liebe des Menschen, die beide in der christlichen Lehre eine ganz bedeutende Rolle spielen. Dann möchte ich anderseits die Hoffnung und Liebe von geistiger Sicht aus beleuchten, wie beide von geistiger Sicht aus zu erleben sind.
Wenn einem Menschen Hoffnung gegeben werden darf und gegeben werden muss, ist das für den Betreffenden ganz bestimmt etwas Tröstliches. Denn auf dieser Welt unter den Menschen muss Hoffnung auch sein. Hoffnung gibt euch Menschen Mut, gibt Kraft, gibt Ausdauer, wenn man sie euch auf irgendeinem Gebiete einfliessen lassen kann. Es gibt Situationen, in denen der Mensch die Hoffnung braucht und sie ihm eine geistige Nahrung, eine geistige Kraft ist. Hoffnung braucht der Mensch, sie ist für ihn notwendig. Aber diese Hoffnung, die ihm auf der Erde gegeben werden kann, ist etwas Unvollkommenes, so wie auch die Liebe unter den Menschen unvollkommen ist. Und dennoch ist auch die Liebe unter den Menschen eine dringende Notwendigkeit. Aber beides ist in dieser Welt etwas Unvollkommenes. Es ist unvollkommen, weil die Lebendigkeit fehlt. Die Hoffnung ist etwas auf Zeit, sie ist etwas, das vielleicht die Erfüllung bringt, die man erwartet; aber sie ist nicht das Unbedingte, das Vollkommene, das, was sich unbedingt erfüllen sollte. Beides, ob Hoffnung oder Liebe – wie es der Mensch braucht –, liegt doch für ihn in weiter Ferne und wird doch manchmal sehr fraglich. Und doch ist es für den Menschen auf dieser Welt eine Notwendigkeit.
Aber betrachten wir einmal diese Welt und alles, was es auf dieser Welt gibt: Nichts davon ist vollkommen, absolut nichts. Selbst das Schönste, das euer Auge oder euer Ohr erfreut – und damit deute ich jetzt auf die schönen Künste hin –, ist nicht vollkommen, auch wenn es für euch Menschen eine hohe Kunst sein mag. Nehmen wir beispielsweise die wunderbare Musik der grossen Meister, die uns gefällig ist genau wie euch: Diese Musik erfreut euch, sie mag sogar von Meistern gespielt sein, sodass ihr euch sagen müsst: “Besser als von diesen Menschen kann diese Musik nicht mehr gegeben werden” – ihr betrachtet es also als meisterhafte Leistung auf der höchsten Stufe des Könnens, als eine meisterhafte Leistung für die Welt. Vielleicht enttäusche ich euch, wenn ich jetzt sage: Es ist dennoch unvollkommen; alles auf eurer Welt, auch eure schönsten Künste, ist unvollkommen.
Jetzt möchte ich versuchen, euch dies etwas näher zu erklären. Aber ich kann es euch nur dann verständlich machen, wenn in eurem Inwendigen die Seele offen ist, die Gefühle verfeinert sind und man meine Sprache versteht. Und so möchte ich so gerne alle ansprechen.
Ich will jetzt auf die Musik zurückkommen, eben gerade auf diese hohe Kunst der Musik. Der Himmel oder die ihm dienenden geistigen Wesen brauchen die Musik, die ihr auf Erden spielt; denn sie dient zur Ehre Gottes, zur Verschönerung eures Gottesdienstes. Diese hohe, schöne Musik hat einen Einfluss auf den Menschen, auf sein Denken und auf seine Ausdrucksweise. Ich möchte sagen, der Mensch, der da zuhört, schwingt sich sozusagen in diese Musik hinein, er schwingt mit der Musik.
Auf sichtbare Weise geschieht dies – um ein deutliches Beispiel zu nennen – bei der Musik, die die heutige Jugend liebt. In dieser Musik ist Rhythmus. Die Menschen, die diese Musik hören, gehen mit im Rhythmus, sie schwingen mit im Takt der Musik, es ist ein Mitleben. Und dieses Mitleben müssen sie mit ihren Körperbewegungen zum Ausdruck bringen. Ich möchte das jetzt nicht als eine Empfehlung sagen, dass ihr bei schöner Musik auch in diesem Sinne in den Rhythmus kommen sollt; so ist es natürlich nicht gemeint. Ich will nur die Andeutung machen und darauf hinweisen, dass dieses Mitschwingen bei diesen jungen Menschen im Körperlichen, Grobstofflichen, geschieht; aber es ist doch von der Wirklichkeit übernommen, sie schwingen mit mit der Musik, sie schwingen mit ihrem Körper mit.
Im Unterschied zu diesem Grobstofflichen, Körperlichen, gibt es das Veredelte, Verfeinerte: Da schwingt der Zuhörer auch mit, aber er braucht dazu nicht die Körperbewegung; sondern die Seele, das Inwendige, schwingt mit. Der Zuhörer kann ganz ruhig dasitzen, und inwendig wühlt sich etwas auf oder schwingt etwas mit. Das ist der verfeinerte, veredelte Zustand. Was ich damit sagen will, ist: Es gibt verschiedene Stufen des Mitschwingens; der eine schwingt sichtbar mit, mit seinem vergänglichen Körper, während ein anderer innerlich etwas erlebt, auf der hohen Geistesstufe; es schwingt nur die Seele mit, das Veredelte, das Verfeinerte. Vielleicht versteht man mich.
Darum kann ich auch sagen: Alles, was auf dieser Erde ist, ist unvollkommen, und sei es die schönste Pracht der Blumen. Für euer Auge ist es wunderbar, es erlabt euch, es erfreut euch. Ihr bewundert die Natur, und im Grunde genommen ist es ja das Schöne. Der Mensch, so wie er ist mit seinem – sagen wir jetzt – grobstofflichen Denken, bewundert es. Aber wer mehr fühlt und jetzt beispielsweise die schönste Blumenpracht sieht, bei dem gibt es auch ein inwendiges Miterleben und Mitschwingen; es gibt ein Ahnen des Vollkommenen, das in der Gotteswelt ist. Auch für die Natur, jetzt im Allgemeinen, gibt es eine innere Bewunderung, ein inwendiges Miterleben von all dem, was dem Menschen dargeboten wird. Doch im grossen Ganzen gehen die Menschen eben einfach darüber hinweg. Und sie gehen deshalb darüber hinweg, weil sie ja diese geistige Schau und diese geistige Verbindung nicht haben, sie nicht kennen oder nicht wollen. Sie haben ja keinen Glauben an dieses Höhere, an dieses Unsichtbare; darum können sie auch nicht eine höhere Empfindung haben in dieser Art und Weise, wie ich es euch jetzt darlege. Also diese Erklärung einmal zu dem, was euer Auge betrifft, zum Äusseren, das ihr wahrnehmen könnt.
Ich möchte jetzt wiederum auf die Musik hindeuten: Wunderbar war die Musik, die vorhin gespielt wurde; sie war wunderschön, und sie hat euch – ich will es hoffen – in eine höhere Schwingung hineingeführt. Aber diese schöne Musik, die für euch so schön ist, ist vom geistigen Standpunkte aus gesehen, von mir aus gesehen, so wie ich die Musik im Himmel erlebe, eine Musik, die den Geistwesen in den untersten Aufstiegsstufen zu Gehör gebracht würde. Das ist dann auch die Musik, die sie lieben, die sie schätzen, die sie verstehen – die sie verstehen. Demgegenüber ist die Musik, die ich liebe, die bei uns gespielt wird, etwas Lebendiges, das jedes Mal zu einem neuen Erlebnis wird.
Wie kann denn die Musik lebendiger werden als so, wie sie euch dargeboten wird? Ja, das ist es eben. Das ist vielleicht auch etwas, was nicht alle hier Anwesenden verstehen können, wenn ich jetzt von dieser Lebendigkeit der hohen Musik spreche, die in den höchsten Himmeln gespielt wird und zu einem besonderen Erlebnis wird. Ich habe euch auf das Mitschwingen der jungen Menschen hingewiesen, die sich im Rhythmus der Musik mitbewegen und sich in sie hineinschwingen. Ich habe gesagt, das hohe Schöne erlebt man in der Seele, inwendig, also im Geist. Ich als Geist erlebe die Musik eben inwendig. Und alle, die mit mir auf derselben Stufe sind, erleben es auf diese Weise. Auch wir bringen dann, wenn das Spiel oder das Konzert beendet ist, unsere Freude zum Ausdruck, genauso lautstark, wie es bei euch üblich ist; denn auch wir wollen unsere Bewunderung kundtun, und da sind wir natürlich nicht einfach nur still, ohne eine Bewegung und einen Laut von uns zu geben. Auch wir wissen diese Überraschungen und das Lebendige zu schätzen und bringen daher als Geist auch unsere Freude zum Ausdruck. Denn unsere Welt ist eine lebendige Welt, die schwingt und die bewegt ist und immer in Bewegung ist.
Aber jetzt zur Frage: Wie erleben wir diese Musik, und warum wird sie für uns jedes Mal zu einem Erlebnis, sodass wir dementsprechend unsere lautstarke Bewunderung zum Ausdruck bringen? Wir hören die Musik mit unseren geistigen Ohren, und ihr Klang ist reiner, also vollkommener; die Musik ist also viel schöner, als sie bei euch ist. Das ist einmal das eine, das, was das geistige Ohr wahrnimmt. Wir nehmen aber die Musik nicht nur mit den Ohren wahr. Ich habe auch vom Rhythmus gesprochen; dieser Rhythmus bewegt uns auch – inwendig. Aber wie gesagt, dabei bleiben wir ruhig. Die Musik, die bei uns oder bei mir in meiner Welt gespielt wird, ist aber auch etwas für die Augen. Und da haben wir unseren grössten Genuss oder den genauso grossen Genuss. Denn die Musik, die aufgeführt wird, diese verschiedensten Instrumente, die spielen, das alles ist lebendig, kommt in eine gewisse Schwingung; und da es eben lebendig ist, ist eine unbeschreibliche Farbenpracht mitzuerleben. Die Töne sind nicht nur etwas Wahrnehmbares für das Ohr, sondern die Musik wird auch durch ihre Schwingung in Farbenpracht lebendig.
So möchte ich nur als Beispiel sagen: Spielt nun jemand die Harfe, so sprüht jedes Mal, wenn eine Saite gezupft wird, eine Farbenpracht aus dieser Saite heraus, hinaus in die Weiten. Ich könnte fast sagen, es ist wie ein kleines Feuerwerk. Und dieses zu erleben, ist eine Überraschung; diese vielfältigen Farben, die durch die Töne der Musik entfliehen, und das Spiel, das geboten wird mit dieser Musik, das ist Lebendigkeit. So verschiedene Musikinstrumente, wie ihr habt, haben auch wir; wir haben noch mehr. Aber bei uns gibt jedes göttliche Wesen, das ein solches Instrument spielt, mit seiner Darbietung sozusagen ein kleines Feuerwerk von sich – wenn ich das nach euren Begriffen so sagen darf. Das ist Lebendigkeit. Die Musik ist gewaltig, unerhört. Da schwingt man mit. Und was man mit dem geistigen Auge sieht, das ist so prachtvoll, das ist so lebendig, das ist so etwas Wunderbares, dass ihr davon gar keine Ahnung habt und es gar nicht verstehen könnt.
Wohl wird in der Geisteslehre eingeflochten: Alles ist Schwingung, und alles bewegt sich in Schwingungen. Diese Bewegung, diese Schwingungen erzeugen auch Farben. Und wenn dann diese Schwingungen eben mit Musik oder durch Musik zum Ausdruck kommen, dann wird das eine Lebendigkeit, etwas Vollkommenes. So wie beispielsweise bei euch die Dirigenten versuchen, jeder auf seine Art und Weise, den genauen Einsatz anzugeben und ein Stück so zum Ausdruck zu bringen, dass es, wie er glaubt, auf einer noch höheren Ebene noch bewunderungswürdiger, noch lebendiger nach Menschenart dargeboten wird, so ist es auch bei uns. Dieselbe Musik kann des Öftern genau gespielt werden, auch dieselben Sinfonien können von Zeit zu Zeit wieder aufgeführt werden, und jedes Mal ist es ein anderes Feuerwerk, weil es wieder anders gespielt oder interpretiert wird. Das sind Erlebnisse. Das ist das Vollkommene, das wir erleben, und es ist nur zu wünschen, dass auch ihr solches erleben könnt, wenn ihr zu uns herüberkommt, und ihr euch dann nicht zuerst mit der üblichen Musik begnügen müsst.
Ich habe von der Hoffnung und von der Liebe gesprochen und darauf hingewiesen, dass beides auf Erden nur etwas Unvollkommenes ist. Ich habe jetzt versucht, einen Vergleich zu machen zwischen der Vollkommenheit bei uns und der Unvollkommenheit eurer Welt. Alles, was in eurer Welt ist, ist also unvollkommen und kann doch wunderschön und von grösster Bedeutung und notwendig sein für das Leben des Menschen. Aber die Welt ist einfach nicht vollkommen; und alles, was geboten ist und was der Mensch in der Natur erlebt, mag bewunderungswürdig sein und ist bewunderungswürdig, aber in seiner Lebendigkeit und Vollkommenheit ist es erst bei uns.
Darum: Die Hoffnung, die man Menschen gibt und geben darf und geben muss, ist tröstlich für den Menschen, und er mag sich begnügen mit dieser Hoffnung. Es ist aber eine Hoffnung auf Zeit – für uns unvollkommen. Aber sie ist tröstlich und notwendig für den Menschen, und wir unterstützen es, wenn dem Menschen diese Hoffnung gegeben wird. Wir unterstützen ja alles, was auf dieser Welt für den Menschen gut ist; wir unterstützen es, auch wenn es unvollkommen ist. Wir können ja nicht das Vollkommene in eine unvollkommene Welt hineinbringen, das wäre gesetzwidrig. Stellt euch einmal vor – um auf den Vergleich mit der Musik zurückzukommen –, ein Konzert nicht nur zu hören, sondern zugleich das Feuerwerk zu sehen, das aus den Klängen sprüht. Das ist bei euch Menschen ja nicht möglich, schon rein technisch nicht. Und das, was ich euch sage, ist in erster Linie einem Geistesmenschen verständlich; gleichwohl mag es noch welche Freunde geben, denen das auch nicht so verständlich ist.
Mit der Liebe ist es ebenso wie mit der Hoffnung: Es ist eine unbedingte Notwendigkeit, dass unter den Menschen die Liebe herrscht. Diese Liebe aber, die unter den Menschen ist, ist unvollkommen. Denn die wahre Liebe kennt nicht Hass, sie kennt nicht Neid, nicht Eifersucht, sie kennt nicht Herrschsucht; sie ist eben das, was wir in den höchsten Himmeln haben. Und diese vollkommene Liebe ist das, was in Gott ist und aus Gott herausgekommen ist; die wahre Liebe ist das, was Christus ausgetragen hat, das ist wahre Liebe. Und diese vollkommene, wahre Liebe ist in ihrer Vollkommenheit eben nur in der Gotteswelt.
Die Liebe mag unter den Menschen auch verschiedene Stufen oder verschiedene Grade haben, aber sie ist und bleibt unvollkommen. Jeder muss mir darin recht geben. Wäre die Liebe unter den Menschen, gäbe es keine Kriege, es gäbe keine Erpressung, keine Entführung, nichts dergleichen. Ihr habt nur ein Wort für diese Liebe, und ihr wisst genau, was mit diesem Wort gemeint ist, was darunter zu verstehen ist als Empfindung, als Zuneigung. In diesem Wort ist im Grunde genommen alles enthalten, alles. Aber in einer unvollkommenen Welt ist auch die Liebe nicht vollkommen. Das soll euch nicht etwa deprimieren, sondern es soll euch bewusst werden, dass ihr in einer unvollkommenen Welt lebt und dass ihr hier das Beste zu machen habt, was in dieser Welt möglich ist, und was im Göttlichen in höchster, vollkommener Art zum Ausdruck kommt. Ihr sollt euch klar darüber werden, dass es sowohl bei der Hoffnung als auch in der Liebe den Grad des Vollkommenen nur im Jenseits, nur in der Gotteswelt gibt. Euer Leben ist ja vergänglich. Man kann euch Hoffnung machen in dieser Welt, ihr könnt Liebe empfangen in dieser Welt als Mensch, solange ihr lebt; dieses alles ist auf euer irdisches Dasein begrenzt.
In der Jenseitswelt gibt es auch Hoffnung; sie ist aber lebendig, sie ist vollkommen. Bei uns gibt es auch Liebe, und auch sie ist vollkommen. Vollkommen ist sie aber nur in den höheren Stufen – das möchte ich deutlich zum Ausdruck bringen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen; denn in den Aufstiegsstufen ist es noch nicht vollkommen. Vollkommen ist es in Gottes Nähe, vollkommen ist, was aus Gott herausgeht. Den vollkommenen Grad allen Erlebens gibt es in Gottes Nähe, in jenen hohen Stufen der himmlischen Fürsten, die im Hause Gottes ein und aus gehen können und dürfen. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.1.1977 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 20. Februar 1963
In der göttlichen Welt vollbringen die grossen Meister der Künste ihre Leistungen zur Ehre Gottes; denn sie wissen, dass sie ihre Fähigkeiten und Talente von Gott erhalten. In diesem Sinne wird auch ein gläubiger Mensch von Dankbarkeit erfüllt, wenn er in seiner Welt die Musik grosser Komponisten vernehmen darf. Er vermag in seiner Seele zu erfassen, dass diese Künstler das Wunderbare nur zum Ausdruck bringen konnten, weil Gott es ihnen ermöglichte. Geistlehrerin Lene erklärt in diesem Vortrag, auf welche Weise in den hohen Himmeln den unterschiedlich begabten Geistwesen schöpferische Kräfte geschenkt werden.
Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, was für den irdischen Leib die Speise ist, ist für die Seele das Gebet. Durch das Gebet kann man Gott nähertreten. Die innige Verbundenheit kann durch das Gebet zum Ausdruck kommen, wenn man richtig betet. Im Gebete lobt und preist man Gott, den Schöpfer. Man dankt ihm, man klagt ihm, man bittet ihn wiederum, man erfleht von ihm seine Hilfe fürs tägliche Leben. Das wirkliche Gebet besteht aber nicht nur aus Klagen, aus Jammern. Denn die himmlische Welt weiss um die Sorgen des Einzelnen. Eigentlich sollte man so weit sein, dass man seine persönlichen Probleme und Sorgen zur Seite legt, wenn man betet. Da sollte sich eine ganz andere Welt auftun, und in dieser Welt sollte man das, was einen im täglichen Leben beschäftigt, vergessen. Man sollte also in etwas ganz Neues eintreten und dem Neuen gegenüber nicht mit Klagen kommen, mit ständigem Flehen. Gemeint ist natürlich das persönliche, das egoistische Klagen über das, was den Bittenden persönlich betrifft. Anders ist es, wenn man um den Frieden für die Allgemeinheit bittet, für den Nächsten betet, für ihn ein gutes Wort einzulegen versucht und sich persönlich also nicht in den Vordergrund schiebt. Das sind dann wirkliche Gebete, die von der Engelswelt gerne angenommen werden. In allem kommt zum Ausdruck, dass sie nicht erbaut ist über den Egoismus, über das Persönliche, dass man nur für sich persönlich etwas erreichen möchte und immer für sich bittet.
Nun aber ist es so: Wenn man das Gebet in erster Linie als Verherrlichung Gottes betrachtet, Gott verherrlicht im Gebet, und imstande ist, zuerst für den andern zu flehen, dann wird auch die göttliche Welt erkennen, wessen man persönlich bedarf; denn dann beginnt sich die göttliche Welt für den Einzelnen zu interessieren. Und wenn ich sage “die göttliche Welt”, dann meine ich seinen persönlichen Schutzgeist, seine sich für ihn interessierenden Geistboten, die an die Höhen des Himmels angeschlossen sind. Es ist genauso, wie wenn ihr euch mit einem Mitmenschen unterhaltet und ihr ständig von euch persönlich sprecht, von euren Sorgen, euren Erlebnissen, was für den andern uninteressant ist, ja belastend wirkt. Da zeigt der andere auch keine besondere Anteilnahme, denn es wird ihm sozusagen zuwider, ständig das Gejammer und von euren eigenen Leistungen, von eurer Persönlichkeit zu hören.
Es ist aber ganz anders, wenn man anfängt, sich für den andern zu interessieren, und man sich nach seinem Wohl erkundigt und versucht ihm beizustehen, wenn es notwendig ist – wenn man also den Helferwillen zum Ausdruck bringt und ihn dann auch tatsächlich ausführt. Ein taktvoller Mensch, dem man auf diese Weise begegnet, wird doch selbstverständlich seinerseits fragen: “Und wie geht es dir?” – denn er weiss, dass der andere ganz bestimmt nicht immer nur hören will, was seine eigenen, persönlichen Verhältnisse betrifft, sondern er ist so taktvoll und interessiert sich auch für das Wohlergehen seines Mitmenschen oder seines Freundes. So fängt man an, einen Ausgleich zu vollziehen. Und ist von zwei solchen Menschen einer der geistig Stärkere, dann wird er eben dem Schwächeren beistehen und ihm helfen. Dazu braucht es eine innere Bildung, eine geistige Kraft, eine bestimmte Entwicklung. Aber das ist dann ein taktvolles Benehmen, wenn man sich um den andern auch kümmert.
Bei der Geisterwelt Gottes ist es so: Wenn ein Mensch im Gebete ist, Gott verherrlicht, ihn lobt und preist und daneben vielleicht für diesen oder jenen bittet, ihn ins Gebet einschliesst – er braucht gar nicht viele Worte zu sagen, sondern er möchte einfach für ihn bitten – und für den Frieden der Welt fleht und gar nicht an sich denkt, dann wird die hohe Geisteswelt, wie der taktvolle Mensch, sich für das persönliche Wohl des Bittenden interessieren. Weil er Gott die Verherrlichung gibt und weil er nicht sich persönlich in den Vordergrund schiebt, gerade darum will ihm die Geisterwelt Gottes auch zukommen lassen, was ihm gehört, was er haben muss. Und die Geister Gottes werden nun sein Leben betrachten und alle, die mit ihm zu tun haben; sie werden also anfangen, sich für das Persönliche zu interessieren, und sie werden ihm ganz still und leise beistehen und ihm in den Problemen helfen, und sie werden ihm das Leben erleichtern – er wird den Dienst der Engelswelt erhalten können. Aber ich betone: Das Zurückstellen des eigenen Ichs ist sozusagen die Grundbedingung, um von oben zu empfangen. Wem der Nächste der Liebste ist, der Bruder, der neben einem steht, wenn der Freund der Allernächste ist und man ihm das gibt oder versucht an ihm das zu erfüllen, was man an sich selbst erfüllt, dann wird die hohe Geisteswelt auch den eigenen stillen Wünschen nachkommen. Das kann man durch das Gebet erflehen. Im Gebet liegt eine wunderbare, ja ich möchte fast sagen, eine geheimnisvolle Kraft; denn auf eine so wundersame Art und Weise kann man Erhörung finden.
Dass es wichtig ist, sein persönliches Ich immer zurückzustellen, möchte ich doch ganz besonders diesen Abend betonen. Denn so versuche ich nun, mit euch wieder zu meditieren, und das gibt euch Gelegenheit, nachzudenken, nachzuahmen.
Nun, wenn ihr in ein Konzert geht, in dem klassische Musik gespielt wird, habt ihr in erster Linie eine Dankbarkeit dem Komponisten gegenüber, der diese wunderbare Musik geschrieben hat. Ihr habt also für ihn eine grosse Verehrung. Denn durch diesen bestimmten Menschen ist es möglich geworden, jetzt und auch für die Zukunft eine wundersame Musik zu haben. So freut man sich über diese herrliche Musik, und die Menschen, die da musizieren, bringen mit ihrer ganzen Kraft die beste Leistung hervor; und so werden auch sie, die diese Musik wiedergeben können, umjubelt. Aber in erster Linie gilt die tiefe Verehrung jenen Komponisten, die so unsterbliche Musik geschrieben haben. So lebt, so denkt, so handelt ihr Menschen.
Nun wenden wir uns dem Geistigen zu. In der Geisterwelt Gottes gibt es hohe Wesen, die ebenfalls solche wunderbaren Talente besitzen; sie bieten ihr Können zur Ehre Gottes dar. Also einfach gesagt: Auch in der geistigen Welt gibt es solche grosse Meister, grosse Könner, die zur Ehre Gottes immer wieder Neues komponieren und deren Musik dann weitere selige Geschwister aufführen. Sie wird zur Ehre Gottes und zur Ehre des Königs der Geisterwelt gespielt, und dazu werden ja in diesen hohen Himmeln immer Geschwister eingeladen. Diese Einladungen können in kleinerem Rahmen geschehen, in einem grossen Rahmen oder im gewaltigen Rahmen, je nach dem Feste, das gefeiert wird. Die Hohen des Himmels werden, wenn sie solcher wundersamen, kostbaren Musik lauschen, am Schluss auch ihrer Freude Ausdruck geben. Derjenige aber, der diese Musik komponierte, und diejenigen, die sie spielen, stellen sich zur Seite. Sie geben ihrer Freude auch Ausdruck, dass das Werk zustande gekommen ist und dass es, wie sie hoffen, zur vollsten Zufriedenheit aller ausgeführt werden konnte – denn es musste auch eingeübt werden. Die Spielenden wie der Komponist stellen sich aber zur Seite. Mit allen Zuhörern gibt man seiner Freude Ausdruck, weil man das Wunderbare Gott darbieten darf, weil Gott dieser Musik zuhört, weil man es zu seinen Ehren spielt und aus tiefer Dankbarkeit für seine Güte und weil man in dieser Musik, wo jeder Ton ein Wort bedeutet, die Liebe, die Barmherzigkeit und die Güte des Allmächtigen zum Ausdruck bringen will. Man spricht es nicht mit Worten aus, sondern in der Musik. So ehrt und lobt man Gott.
Man soll aber nicht glauben, dass die grossen Könner – ich möchte sie jetzt auch so nennen –, diese Meister der Kunst, nicht etwa geehrt würden. Sie haben sich durch ihre Leistung auch ein Ansehen geschaffen. Aber das Ansehen ist nicht von egoistischer Art, wie es bei den Menschen üblich ist; sondern diejenigen, die diese wunderbaren Leistungen vollbracht haben, sind erfüllt mit Freude und Dankbarkeit, dass Gott ihnen diese Inspiration, diese Kraft zur Ausführung gegeben hat. Denn sie wissen, dass die Kraft der Inspiration von Gott ist und dass sie diese grossen Leistungen nur vollbringen konnten, weil Gott es gewollt. Und so ist es eben ein ganz anderes Verhältnis. Kein hoher Geist wird für diese Leistungen besonderen Applaus, besondere Anerkennung annehmen, denn er weist auf Gott hin:
“Gott habe ich es zu verdanken, denn ich bin ein Werkzeug, ich habe es zu seiner Ehre getan. Würde er mir die Kraft nicht geben, wäre ich ein Nichts; ich könnte ja nicht spielen, er könnte mir die Kraft dafür nehmen.”
Zu dieser Einsicht kommen aber alle, die in diesen höheren Welten sind. Sie sind Gott dankbar dafür, dass er diese Inspirationen jenen Brüdern und Schwestern gegeben hat, die das ausführen konnten. Denn nicht jeder hohe Geist hat dieselben Fähigkeiten oder alle Fähigkeiten auf dem Gebiete der Kunst oder, ich darf wohl auch sagen, in einer Wissenschaft. Es ist alles so wundersam verteilt. So wisst ihr, dass es Engel gibt, die nichts anderes tun als musizieren, während es Engel gibt, die sich nur der Güte und der Barmherzigkeit widmen.
Nun, so kehren wir jetzt wieder zu den Menschen zurück. Ihr nennt die klassische Musik die unsterbliche Musik, und das ist sie auch, diese klassische, edle Musik. Wenn ihr Gelegenheit habt, diese Musik zu hören, und sie in der Tiefe eurer Seele erfasst, dann muss euer Herz mit Dankbarkeit erfüllt werden für das Wunderbare, das jene Komponisten zum Ausdruck bringen konnten, und weil Gott es ermöglicht hatte, dass Menschen mit solch schöpferischem Geiste solche Werke zustande gebracht haben – weil es durch Gottes Willen geschehen ist. In der Meditation kann man so wunderbar in dieser unsterblichen Musik beten, meditieren. Und diese Musik kann man zur Ehre Gottes spielen lassen. Zu seiner Ehre in erster Linie soll sie erklingen. Selbstverständlich kann der feinfühlende Mensch und Musikliebhaber wohl auch auf die Rechnung kommen, denn er hört ja mit. Aber es ist notwendig, dass man das Wunderbare in seinem Herzen oder in seiner Seele Gott zur Ehre darlegt. Zu seiner Ehre soll es gespielt sein, aus Dankbarkeit aus tiefem Herzen.
Viele Menschen finden ihre Ruhe wieder, wenn sie solcher unsterblichen Musik lauschen dürfen. Viele lenken sich von den Alltagsproblemen ab, sie treten sozusagen in eine andere Welt hinüber. Aber noch grösseren Profit hat man davon, wenn man in dieser wunderbaren Musik sagt:
“Jeder Klang ist Dir, o Herr, zu Deiner Ehre – für Dich, für unseren König, unseren Erlöser Jesus Christus, und die ganze heilige Geisterschar.”
So soll man es den höheren Zielen widmen und es nicht nur hören, weil es einem gefällt, weil man findet: “Es ist wunderbar.” Oh ja, es ist auch eine schöne Empfindung auf diese Art und Weise, aber warum kann man nicht dieses wahrhaftig Köstliche, Unsterbliche mit den höheren Zielen des Lebens verbinden? So soll diese wundersame Musik ein Stück Gebet werden. So kann man mit solcher Musik meditieren. Man kann versuchen, sich von dieser Welt zu lösen, sodass der Geist wandern kann und in eine ganz andere Welt eintritt, dort verweilt und aus dieser andern Welt Kraft schöpft. Denn man kann wahrhaftig aus diesen unsterblichen Melodien Kraft für Körper und Geist holen. Das kann derjenige, der sozusagen mit Leib und Seele jeden Klang aufnimmt. Für ihn ist es nicht nur Musik, für ihn wird es Nahrung für den Leib, für die Seele.
Wir befürworten es, wenn Menschen versuchen, ihre Ruhe zu erhalten, ihre Ruhe, ihre Selbstsicherheit zu fördern in einer solchen Atmosphäre, wenn sie diese Musik zu Gottes Ehren spielen lassen. Darin verbindet man sich nun mit Gott. Denn für ihn ist nur das Schönste gut genug. Und dessen muss man sich bewusst werden. Man soll also nicht nur ein Ich-Mensch sein und dieser Musik zuhören, weil man Gefallen daran findet, sondern man soll sagen:
“Dieses gilt Dir, o Herr und Schöpfer, denn Du gabst jenem Genius die Kraft dafür.”
Und so soll man dankbaren Herzens sein. Wie selten sind ja diese grossen Meister! Und wollen wir hoffen, dass sie nach dem Ablauf einer Zeit wiederkommen werden und ihr Werk fortsetzen. Bestimmt werden sie wiederkommen – doch wann sie wiederkommen, diese grossen Meister, bleibt noch dahingestellt.
Nun aber, meine lieben Geschwister, möchte ich versuchen, euch im Geiste in unser Reich hineinzuführen, in das Reich der Herrlichkeit, und zwar in eine himmlische Halle. In dieser himmlischen Halle wird kein Wesen musizieren, aber dort empfängt man – und damit meine ich jetzt die hohen Engel des Himmels – jene seltsame Kraft; der eine, um seine Talente mehr zu entfalten, seine Leistungen noch mehr zu steigern, der andere, um in seiner Liebe, Güte und Barmherzigkeit ausdauernd zu sein, damit er die wahre Liebe und das wahre Verständnis jedem gegenüber geben kann.
Ihr braucht für euren Leib die Speise. Es gibt auch in der himmlischen Welt eine Speise, die man zu sich nehmen kann. Man nimmt sie oft gemeinsam ein, an besonderen Festen – man ist nicht abgesondert wie der Mensch, denn man ist jedem Bruder oder Schwester; so ist ein innigeres Verhältnis. Aber doch sind ja verschiedene Welten, und die hohen Geister, die ihre Aufgabe im Heilsplane Gottes haben, haben auch ihre wunderbaren Stätten, ihre Wohnungen, so wie es Christus genannt hat. Sie haben ihre schönen Wohnungen auf diesem Hügel, in jenem Tal, und so lädt man einander zu sich ein, um ein Fest zu feiern.
Ich brauche euch nicht zu wiederholen, dass es in allen Sphären Gebetstempel gibt – ich nenne es jetzt nach euren Begriffen so. Nun spreche ich ja von dieser himmlischen Halle, die auf einer hohen Ebene liegt. Diese himmlische Halle ist sehr, sehr gross; ich habe für ihre Grösse keinen Massstab, es euch zu erklären. Sie ist wunderbar gebaut, alles aus edlen Stoffen. Sozusagen die Hälfte der Halle darf nicht betreten werden, es ist genau abgegrenzt. Das heisst, sie darf zu gewissen Zeiten nicht betreten werden, und zwar sind es jene Zeiten, wo man jene wunderbar spielende Kraft sehen kann. Ich muss es euch so erklären: Aus dem Boden dieser Halle steigen feine Kräfte empor, die für unser geistiges Auge wie einzelne, zarte Fäden aussehen. Teils sind sie wie Röhren gebündelt, teils sind es Spiralen. Sie sind nicht einheitlich geformt, sie sind, wie ich betonte, spiralförmig. Sie kommen aus einer schmalen Öffnung, aus einem schmalen Rohr – vielleicht ist dies das richtige Wort – und dringen dann in einem grösseren Umfang hervor, steigen auf; und diese Halle ist sehr hoch. Diese wunderbaren Fäden gehen wie in einem Spiele. Sie ziehen kreuz und quer, sie winden sich, sie fangen sich auf und geben ein wunderbares Spiel; denn alles ist in einer unendlichen Farbenpracht. Es ist an Farben alles zu finden, was es überhaupt in der geistigen Welt gibt – eine solche Vielfalt von Nuancen, dass ihr es euch nicht vorstellen könnt und mir sozusagen die richtigen Worte fehlen dafür. Diese Fäden schweben hinauf, blitzschnell, sie ziehen langsam hinauf, sie treiben sozusagen ein Spiel. Und dieselben Kräfte, die aufsteigen, werden nicht etwa irgendwo entfliehen, sondern sie sammeln sich wieder in der Höhe des Raumes und werden in einem anderen Gebilde, in einer anderen Form wieder die Tiefe der Halle erreichen. Es ist also ein Auf- und Absteigen von diesen wunderbaren Kräften, von diesen vielen Fäden. Dabei geht es nicht einfach wie ein Wasserstrahl, der hinaufsteigt, sondern es ist wie ein Wasserspiel, das seine wunderbaren Figuren und Formen darbringt. Es ist eine unendliche Kraft.
Ich betonte, dass man die Hälfte dieses Saales nicht betreten darf – also da, wo diese Kräfte von unten aufsteigen und wieder niederfallen. Es liegt eine so unendliche Gotteskraft darin. Es ist aber nicht so, dass es die Geschwister irgendwie schädigen könnte, sondern es ist das heilige Gesetz, dass das nicht betreten wird. Denn da werden ja diese wunderbaren Bilder und Kräfte gegeben. Man bestaunt dieses Werk, dem man wohl so sagen darf, diese Farbenpracht. Es ist aber auch so, dass man einerseits einen wundersamen Duft davon aufnimmt; anderseits ist es wie ein feiner Tau, der sich über dieser gewaltigen, grossen Halle ausgiesst. Diese Kräfte vermögen also etwas von ihrer Kraft zu zersplittern und so alle mit dieser wunderbaren Kraft zu umhüllen. So vieles ist in dieser Kraft enthalten, und ich möchte sagen: Jeder Strahl hat seine Bedeutung, seine Aufgabe sozusagen; und zugleich vernimmt man zeitweise aus dieser Farbenpracht, aus diesem Mosaik, aus der Vielfalt der Farben eine wunderbare Musik. Es ist diesen hohen Geschwistern nicht fremd, sie haben dieses Spiel schon oft erlebt. Aber die Kraft, die da dargeboten ist, ist für alle Anwesenden so etwas Erbauendes, so etwas Herrliches – denn der Vater gibt es seinen Kindern.
Ihr werdet euch vielleicht im Stillen fragen: “Wie ist es in dieser Halle möglich, dass plötzlich eine solche Kraft emporkommt?” Ich sagte, das kann man nur in diesen wirklich hohen Stufen, in dieser hohen Welt erleben. Da vermag das Wort Gottes vieles zu leisten; denn durch Gott ist es zustande gekommen. Er hat wiederum seine Getreuen, seine Könner, und sie verstehen es, diese Kräfte zu sammeln, sie so in dieser Weise einzubauen – auch hier kann ich es nicht nach eurem Denken erklären, weil ja mein Erleben auf ganz anderer Ebene ist und ich es nicht mit euren Verhältnissen vergleichen kann. Diese Kraft wird von Gott gegeben und wird nun von den hohen Geschwistern auf das Genaueste, nicht irgendwie, sondern auf das Genaueste berechnet und eingesetzt, dass es auch zu diesem Spiele kommt, das die Geschwister erfreuen soll. Es sind alle Kräfte vorhanden, alle, die hier in ihrem Element, in ihrem Feuer sind; und von diesen Kräften entflieht so viel in alle Welten. Es sind unzählbare Kräfte vorhanden, die ihre Aufgabe bei jedem einzelnen kleinsten Ding erfüllen müssen – für das Wachsen und Gedeihen, für das Leben im Diesseits und im Jenseits, für den Aufbau von allem, für alles Leben, für alle Pracht und Herrlichkeit, wo sie auch sein möge, sei es im Diesseits oder im Jenseits. Für alles sind solche Kräfte vorhanden, die entweichen, um überall, in allen Welten, in allen Sphären, das zu bringen, was man dort braucht zum Leben, was dort dienlich ist.
Es gibt einen Zeitpunkt, wo solche Kräfte, solche Strahlenbündel – ich weiss nicht, wie ich es nennen soll, ich könnte auch sagen solche Lichtquellen –, sich allen Geschwistern zuwenden, wo sie sozusagen über die Häupter aller Geschwister hinstreben und da ihr Spiel weiter vollenden. So betrachtet man es, und es ist wohltuend und erfreut, und es stärkt jedes einzelne, und die Freude und die Bewunderung für das Herrliche, was Gott seinen Kindern bietet, wird unendlich. Anderseits besteht eine grosse Dankbarkeit, so viel von gotteigener Kraft empfangen zu dürfen – Dankbarkeit, weil man diesen wahrhaftig unendlichen, göttlichen Kräften so nahe kommt, weil Gott dieses Wunderbare den Seinen gibt.
Dieses Spiel geht aber nicht unentwegt fort. Es wird wieder seine Eindämmung finden, und die Halle wird wieder geleert. Doch nie würde man ein solches heiliges Gebäude verlassen, ohne zuerst Gott, dem Schöpfer, zu danken, ihn zu loben und zu preisen, seine Heiligkeit, seine unendliche Liebe zu besingen.
Dann, wenn man so erfüllt und so erfreut ist, geht man wieder seinen Problemen nach, um sie zu lösen. Auch die hohe Geisteswelt hat Probleme; sie werden einem von andern Geistern dargeboten. Nun geht es aber auch darum, dass die schöpferisch veranlagten Geschwister ihre Tätigkeit vollenden. In dieser Zeit haben sie durch das Farbenspiel, durch das Wunderbare, das ihnen geboten wurde, wiederum neue Inspiration empfangen. So vermag es der eine mit wunderbaren Worten auszudrücken, er kann ein Gedicht darüber schreiben. Ja, schreiben; es soll doch allen erhalten bleiben, sein ganzes Erlebnis von diesem Schauen. Wie unendlich vieles ist auf diesem Gebiete schon dargeboten worden! Ein anderer bringt die Vollendung seiner himmlischen Musik in einem Teil zustande. Die Kunst des Himmels beruht aber nicht nur auf Musik. Sie ist so vielseitig, wie es auch bei euch Menschen ist – ja im Himmel gibt es noch viel mehr als bei euch. Erfüllt mit neuer Tatkraft, mit neuen Ideen, gehen die Geschwister aus, um zu Gottes Ehre weiter schöpferisch tätig zu sein. Denn der himmlische Vater gab ihnen allen aus seiner Kraft. Er zeigte ihnen nur das Farbenspiel, er zeigte ihnen nur alle Farben. Das eine Mal liess er es schneller, ein anderes Mal langsam auf- und niedersteigen, und die Bilder haben sich ineinander gekreuzt und gewirbelt, und doch ist etwas daraus entstanden. Und die Inspiration hat man in seinem Innersten und verarbeitet sie.
In diesem Farbenspiel liegt aber nicht nur die Kraft der Kunst. Sondern wie viele Geschwister holen da wiederum Freude, frische Tatkraft für ihre Aufgabe! Wie mancher Engel des Himmels muss doch hinuntersteigen, und wie manches Mal hat er auch schon am einen oder andern Menschen gezweifelt. Vielleicht ist er nicht selbst zu ihnen herniedergegangen, aber es werden ihm so viele Anliegen gebracht, die behandelt werden müssen – und er hat die Aufgabe, das Wissen und das Können, diese Anliegen zu behandeln, Probleme zu lösen. Er möchte es gleichtun in dieser wunderbaren Liebe, so wie Gott es gegeben hat – indem er jeden Einzelnen so Wunderbares erleben liess, damit sie aufs Neue angespornt sind, in gleicher Weise, jeder auf seine Art, die grösste Kraft und die grössten Leistungen hervorzubringen und sie so wieder in den Dienst des andern zu stellen. So kann ein Engel des Himmels nie müde werden, denn er selbst wird ja immer wieder von oben gesättigt; er empfängt ja immer wieder das Schönste und Kostbarste in Hülle und Fülle, und er gibt von seiner Welt, in der er lebt, von dieser Welt des Gebens, der Freude, der Hoffnung. Sein ganzes Wesen ist durchdrungen von Geben, von Freude, von Glück. Und wenn er auch hinuntersteigen muss, so wird sich seine Wesensart nicht ändern; denn er wird immer wieder aufs Neue erfüllt, und so gibt er doch auch jenen, die es nicht verstehen können, dass man auf so eine Art und Weise dem Nächsten beisteht, dass man immer schenkt und immer gibt und immer hofft.
So kommt diese ständige Kraft und dieser ständige Ansporn aus der höchsten himmlischen Quelle, aus Gott. Denn Gott kann sich ja nicht immer persönlich mit jedem einzelnen dieser unendlichen Scharen von Engeln unterhalten. Aber wie viel Wunderbares erlebt man in einer solchen heiligen Halle, das durch Gottes heilige Kraft entstanden ist und das jedes Geschwister wiederum erfüllt mit grosser Freude. Im Himmel gibt es nicht nur eine solche Halle – dies noch nebenbei bemerkt –, sondern viele, viele. In diesen hohen Sphären gibt es noch viel anderes dazu, wo man genauso gespeist und genährt wird von Gott – von seiner Unendlichkeit, von seiner Kraft. So gibt er von sich heraus den Seinen. Er gibt seinen Kindern von seiner schöpferischen Kraft, die in ihm liegt, damit sie diese schöpferische Kraft austragen, entfalten, sie überall hintragen. Und so werden die Hohen des Himmels Gott in seiner Heiligkeit loben und preisen, und sie werden diese Kraft weitertragen; denn sie kennen ihre Aufgabe, ihr Ziel, dass es erfüllt werden muss.
Nun noch etwas: Wir entfernen uns von diesen Höhen und betrachten wiederum den Menschen – oder dich selbst. Wenn der einzelne nun die Möglichkeit hat, irgendeine besondere Leistung zu vollbringen – und zwar eine Leistung nicht so im üblichen materiellen Sinne, sondern eine wirklich bewunderungswürdige Leistung –, so muss auch er zur Einsicht kommen, dass er es nicht aus sich selbst zustande gebracht hat. Sondern die ganze Kraft, seine ganze Intelligenz hat er von Gott; Gott hat es ihm ermöglicht, das zu vollbringen. So soll er sich nicht aufspielen wegen seiner Leistungen und vor den Menschen grosstun. Ein Geistesmensch, ein wirklich geistig ausgerichteter Mensch, tut das nicht. Denn er weiss, dass er die Kraft von Gott hat, und er wird Gott stets dankbar sein für das, was er leisten kann. Er wird alle seine Leistungen zu Gottes Ehre ausführen. Er wird sagen:
“Ich will nicht von Menschen umjubelt werden, ich will keine Dankbarkeit von den Menschen; denn ich schaffe es für Dich, o Herr. Du hast mir die Kraft gegeben, Du hast Macht und Gewalt über mich.”
Dann wird ein solcher Mensch auch wahrhaftig ein geistig gehobener Mensch sein. Denn er wird so auf bescheidene Art und Weise in seinem täglichen Leben grosse Leistungen hervorbringen.
Der Egoismus ist der heiligen Geisterwelt nicht sympathisch. Sie steht nicht gerne Menschen zur Seite, die immer zuerst ihr persönliches Ich vorschieben. Denn es ist nicht üblich in der Geisteswelt, dass man so wirkt. Es schmerzt einen Engel des Himmels, wenn er einem Menschen beisteht, einen Menschen fördert, der dann seine ganzen Leistungen preist: “Was habe ich alles getan – kommt und bewundert und schaut, was ich geleistet!” So ist es aber im Grossen wie im Kleinen. Stellt das Ich zurück; und hat jemand etwas wirklich Wertvolles vollbracht, dann danket Gott dafür. Denn etwas von jener unendlichen Kraft, von der die Menschen ja keine Ahnung haben, ist auch aus einer solchen geistigen Halle entwichen und hat den Weg gefunden – den Weg gefunden zu jener Stunde, wo die Geburt dieses Menschen stattgefunden hat. Etwas von jener Kraft hat ihn umhüllt und ihn befähigt, dereinst eine oder mehrere besonders bewunderungswürdige Leistungen zu vollbringen. Es ist aber nicht nur die Stunde der Geburt, in der das Leben des Menschen von solchen Kräften umhüllt wird, sondern es ist ja auch der Alltag; auch in der Stunde der Gegenwart, in der ihr lebt, ist es euch möglich, von jenen Kräften aufzunehmen. Denn von jener unendlichen Kraft entweicht so viel, und die Engel, die in dieser Seligkeit leben, sie steigen hinunter zum Menschen. Auch wenn sie nicht in seine unmittelbare Nähe kommen, so nähern sie sich ihm dennoch, indem sie ihre Anweisungen wieder andern Geschwistern übertragen. Und von jener unendlichen Kraft entweicht so viel, dass jedes Geschöpf davon nimmt, in welcher Form, in welchem Kleide es auch ist.
Es ist doch etwas Herrliches, zu wissen, welche wunderbaren Kräfte des Himmels dem Menschen offenliegen – dass er sich öffnen und davon nehmen kann und dass er im Gebete, in seiner Versunkenheit diese Kraft in sich aufsaugt. Ja, er betet, er dankt, er lobt und preist Gott – sein Ich stellt er zurück, er stellt sich in den Dienst Gottes, in den Dienst des Nächsten. Und so wird er ja umhüllt von jener wunderbaren Kraft. Das geistige Gesetz erfüllt sich bei ihm zu seinem Heil, zu seinem Fortschritt, wenn er als Mensch geneigt ist, das zu tun, was in der Geisteswelt getan wird. So kann einem Menschen nichts Leidvolles geschehen, wenn er versteht, sich in dieser Art und Weise einzustellen. Denn in jenen Stunden des Gebetes, da man mehr für den andern betet als für sich, nähert sich die heilige Geisteswelt, und sie wird dann auch den Wünschen des Betenden nachkommen. Denn durch sein Gebet ist es ermöglicht worden, das zu erfüllen. Und so unendlich viel Kraft liegt im Gebet, in der Bewunderung, in der Lobpreisung Gottes. Betrachtet die Natur – an einem sternenklaren Abend hebt eure Augen nach oben und bewundert diese Welten. Ihr ahnt ja nichts von jenen Herrlichkeiten. Sie sind von euch weit entfernt – und wer erzählt euch schon von jenen Welten.
So, liebe Geschwister, verabschiede ich mich von euch und überlasse euch alle dem Willen und dem Segen Gottes – dem Segen, der euch behütet vor jeder Not und jeder Bedrängnis, dem Segen, der euch frei macht in der Seele und gesund an eurem Leibe. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.2.1963 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 2. Juni 1971
Kehrt ein Mensch mit einer besonderen künstlerischen Begabung in die jenseitige Welt zurück, besteht die Möglichkeit, dass er in seinem Talent gefördert wird. Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von einer jäh aus dem Leben gerissenen Mutter, die dank ihrer Liebe zur Musik die Trennung von den Angehörigen überwinden kann. Ihr musikalisches Talent öffnet ihr eine neue Welt, in der sie im schöpferischen Wirken unterrichtet wird und Glück und Erfüllung findet.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich habe die Aufgabe, euch wiederum etwas von den göttlichen Gesetzen zu erklären. Und auf die beste Art und Weise geht dies ja immer durch Erlebnisberichte. Ich erzähle euch jetzt von einer Mutter und ihrem Kind, die eines plötzlichen Unfalltodes starben, wie es heute so oft geschieht. Die Mutter sah das Unglück auf sie zukommen, konnte aber nichts mehr dagegen tun. Sie sass neben ihrem Mann und hatte ein zwei Jahre altes Kind auf ihren Knien. Hinten, im Fond des Wagens, waren noch zwei weitere Kinder. Es gab also einen plötzlichen Zusammenstoss, und diese Mutter wie auch das Kind auf ihren Knien waren sofort tot.
Als nun der Geist der Mutter aus dem Körper gelöst war und die ganze Situation erkennen konnte, stellte er einmal fest, dass der Leib eingeklemmt war. Diese Mutter und ihr Kind waren also vom irdischen Leib getrennt und befanden sich nun als Geistwesen in unmittelbarer Nähe dieses ganzen Geschehens. Sie schrien, und die Mutter rief um Hilfe. Sie sah sich da, eingeklemmt; sie sah auch ihren Mann, der ihr behilflich sein wollte, sich zu befreien. Sie konnte aber nicht erfassen, dass sie jetzt mit ihren geistigen Augen das ganze Geschehen betrachtete und dass sie ja eigentlich ihren toten Leib sah mit dem toten Leib des Kindes. Die Erinnerung, wie sie eben noch mit dem Kind im Arm da gesessen, war ihr noch gegenwärtig. Und so sah sie sich auch, aber jetzt mit dem geistigen Auge. Sie, also der Geist, wollte nun den Leib und den Leib des Kindes befreien, in der Meinung, dass sie doch gar nicht tot wären. Sie verstand es ja gar nicht und wurde nicht gewahr, dass sie wirklich als geistiges Wesen daneben war. Sie hatte alle Erinnerungen in sich und glaubte, das wäre eben ihre Persönlichkeit. Sie meinte, sie wäre nur in Ohnmacht – aber doch konnte sie reden, und sie wollte sich selbst und das Kind sozusagen wachrütteln.
Dann musste sie aber von ihrem eigenen Manne vernehmen, dass er sagte: “Ich glaube, die beiden sind tot.” Sie schrie und sagte: “Nein, ich bin nicht tot, ich bin doch da.” Dann hatte sie versucht, ihren irdischen Leib zu berühren, was ihr ohne Weiteres gelang, denn sie konnte ja diese irdische Materie durchdringen. Doch es war ihr nicht möglich, ihren Leib frei zu machen von dieser irdischen Materie, durch die er eingeklemmt war. Sie konnte auch zusehen, wie man schliesslich ihren Leib mit dem Leib des Kindes auf eine Bahre legte und davonfuhr, während sie immer noch an Ort und Stelle bei diesem Auto war.
Nun rief sie eben weiter um Hilfe. Da kamen geistige Wesen, Missionsgeister. Es ist doch die Aufgabe der Missionsgeister, in solchen Situationen den Bedrängten beizustehen. Diese Geister sagten der Mutter: “Du bist jetzt aus deinem irdischen Leibe ausgeschieden. Du bist für die Welt gestorben, aber nicht für uns, nicht für Gott. Du lebst, du hast doch ewiges Leben und dein Kind auch.”
Diese Mutter, das heisst ihr Geist, hatte immer noch das Kind in den Armen. Eng umschlungen hielt sie es – also nicht den toten Leib, der weggeführt worden war, sondern den geistigen Leib. Und das Kind, das Geistkind, weinte. Denn seine Seele hatte doch den Schmerz gespürt und das Schreien gehört, und so kam eben auch aus diesem Geistkind dieses Schreien, dieses Weinen. Die Mutter versuchte das Kind zu beruhigen. Aber sie selbst war ja in grösster Unruhe. Man sagte ihr: “Du bist gestorben.” Sie aber wollte es nicht wahrhaben und sagte: “Das kann unmöglich sein. Ich habe noch zwei Kinder, und ich habe einen Mann. Man braucht mich in der Familie. Es darf nicht wahr sein, dass ich nicht mehr leben sollte. Ich lebe doch, ich kann doch reden, und das ist mein Kind.” Und sie drückte das Kind an sich heran zum Zeichen, dass sie wirklich lebte.
Aber die Gute, sie wusste nichts von einem ewigen Leben. Man hatte nie so etwas gehört, nie darüber gesprochen. Es schien ihr aber schon sonderbar, diese Gestalten, die da waren, diese Persönlichkeiten. Sie waren viel vornehmer in ihrem Aussehen als ein Mensch, und ihr Antlitz war viel gütiger und viel liebevoller.
Nun kam ein Missionsgeist mit einem Gefäss und einem Becher. Er schenkte aus seinem Gefäss in diesen Becher ein und gab der Mutter davon zu trinken und sagte: “Nimm davon, es wird dich beruhigen. Gib auch dem Kind davon zu trinken. Wenn du davon trinkst, wird es auch das Kind tun.” Der Missionsgeist hatte ihr den Becher voll gefüllt und erklärt: “Trink, so viel du magst, so viel du kannst. Es tut dir gut.” Die Mutter nahm davon und fand, es wäre ein köstliches Getränk. Der Engel Gottes füllte den Becher nach, und die Mutter gab ihn dem Kind zum Trinken. Mit Weinen trank es nun auch aus diesem Becher.
Da kamen weitere Missionsgeister hinzu, um da zu helfen. Sorgsam stützte man die Mutterseele mit dem Kind auf den Armen. Denn dieser Trank, den man ihr gegeben hatte, sollte sie in einen sanften Schlaf versetzen – es blieb sozusagen nichts anderes übrig, als dieses zur Beruhigung dieser Mutterseele mit ihrem Kind zu tun. Man hatte sie anfangs gestützt, dann aber waren weitere Missionsgeister dazugekommen, und man legte ihren geistigen Leib mit dem Leib des Kindes, das sie immer noch umschlungen hielt, auf eine geistige Bahre. Dann entfloh man mit ihnen, weg von jenem Unglücksort, hinein in eine geistige Ebene – ich könnte vielleicht auch sagen: in einen Vorhimmel oder in ein Stück Himmel hinein. Dort brachte man sie in ein Haus, in dem es sehr ruhig war und eine wundersame, feine Atmosphäre herrschte. Der Raum, wo man diese Bahre mit Mutter und Kind hinbrachte, war auch sorgsam gepflegt.
Man liess die beiden schlafen, und zwar eine längere Zeit. Diese sorgsame, wunderbare Atmosphäre, die da in diesem Raume herrschte, tat nun das Ihrige dazu, dass dieser geistige Schlaf nicht allzu früh unterbrochen wurde. Man liess hier also den Geist dieser Mutter ruhen, und man liess ihr das Kind in den Armen. Engel Gottes waren zur Seite und beobachteten und betreuten die beiden.
Als man ausgerechnet hatte, dass die Beruhigung nun eingetreten war, weckte man beide aus ihrem Schlaf, zuerst die Mutter und dann das Kind. Diese Mutterseele war natürlich sehr erstaunt; die Umgebung war ihr ja völlig fremd. Aber sie hatte nicht mehr die Unruhe, und sie musste nicht mehr weinen. Auch das Kind schien beruhigt zu sein. Sie hielt es aber fest in ihren Armen.
Die Engel Gottes, die sich mit ihr unterhielten, mussten sie nun auf die neue Situation aufmerksam machen und mit ihr über ihre und des Kindes Zukunft sprechen. Sie erklärten ihr, dass es am besten wäre, wenn sie das Kind nun zur Betreuung den Engeln Gottes übergeben würde; denn man müsse sich jetzt ihrer annehmen, jetzt sei sie ja in einer neuen Welt. Jetzt sei eine neue Situation mit anderen Möglichkeiten, und so müsse alles anders gestaltet werden.
Diese Mutterseele konnte sich aber damit nicht einverstanden erklären. Obwohl sie viel ruhiger geworden war, waren die Gefühle in ihrer Seele noch so stark und die Bindung zu ihren Angehörigen so gross – also die Erinnerung an das Vergangene hatte auch durch diesen Schlaf nicht ausgelöscht werden können. Er hatte Beruhigung gebracht, aber nicht Vergessenheit. Und die Mutter sagte: “Es ist recht und gut, was ihr mir anbietet, und dafür bin ich dankbar.” Sie aber sah mit ihrem geistigen Auge in ihr Haus zurück, in dem sie gewohnt hatte; sie sah die Umgebung, wo sie gelebt, und sie fühlte sich von dieser Umgebung so angezogen, und es schien für sie gar keine grosse Distanz zu sein. So äusserte sie den Wunsch, einfach zurückzukehren in ihr Haus, man solle es ihr doch gestatten. Sie sagte: “Lasst mich doch zurückkehren, vielleicht für ein paar Wochen; vielleicht brauche ich nur ein paar Tage, ich weiss es nicht. Vielleicht habe ich das Gefühl und das Verlangen, dass ich längere Zeit dort verweilen muss.” Und diese Engel Gottes sagten: “Wie du willst. Es ist aber schade. Wir könnten dir hier in deiner neuen Welt behilflich sein, und du würdest hier sehr glücklich werden.” Das alles nützte nichts. Sie wollte zurück. Und so wurde sie wie von einem Magneten angezogen, und sie war auch recht bald schon wieder da in ihrem Haus, wo sie früher gelebt hatte.
Nun stellte sie eigentlich mit Staunen fest, dass da alles in bester Ordnung war. Eine Verwandte war in die Familie gekommen und schien nun zum Rechten zu sehen. Was sie zuerst interessierte, war die Zeit: Sie wollte wissen, welcher Monat, welcher Wochentag war, und sie suchte danach. Und da stellte sie fest, dass ja nach ihrer, nach menschlicher Berechnung seit ihrem Tode schon drei Monate vergangen waren. Sie war einerseits angenehm überrascht, zu sehen, dass sich alles in Ordnung befand. Natürlich ahnte sie um die Trauer ihrer Angehörigen, ihrer Kinder und ihres Mannes.
Sie war mit dem Kind zu ihrem einstigen Haus gegangen. Sie hatte es den Engeln Gottes nicht gelassen, und diese hatten auch nicht darauf beharrt. Nun, was tat die Mutter? Sie hatte das Gefühl, das Kind wäre müde, und es sollte jetzt einmal wieder in sein Bettchen zurück und dort schlafen. Sie legte also den geistigen Leib da in dieses kleine irdische Bett, sprach ihrem Kinde zu, dass es ruhig sein solle, dass es sich wieder in seinem Bettchen befinde. Das Kind schien auch zufrieden zu sein, denn alles kam ihm ja wieder bekannt vor. Aber mit der Ruhe war es nicht weit her. Dieses Geistkind wollte da nicht schlafen, es empfand keine Müdigkeit, und es versuchte immer wieder, aus dem Bett hinauszugehen, und tat es teilweise. Und die Mutter nahm es wieder, tat es zurück und sprach ihm zu. Da fing dieses Geistkind an zu weinen, denn auch ein Geistwesen, auch ein Geistkind kann weinen.
Nun stellte diese Mutter aber fest, dass sie da in ihrer früheren Wohnung ja eigentlich gar nicht allein war. Es gingen fremde Wesenheiten ein und aus, als wäre es ihr gutes Recht, da ein und aus zu gehen. Anderseits musste sie aber sehen, dass es ja für diese geistigen Wesen kein Hindernis war, da hineinzugehen. Sie machte sich Gedanken darüber und glaubte: “Ja es sieht fast so aus, als wäre ich in freier Natur, und es können da Leute oder Wesen oder was es sein mag, zu einem hinkommen ohne irgendwelche Hindernisse.” Die irdischen Mauern waren für den Geist eben kein Hindernis. Noch war sie ja nicht so weit unterrichtet, um zu wissen, dass dem so ist.
Nun sah sie solche Geistwesen kommen, und diese sahen die Unruhe des Kindes. Unter ihnen waren solche, die anfingen, sich mit diesem Geistkind zu beschäftigen. Sie sprachen ihm zu, erzählten ihm Geschichten, machten ihm kleine Freuden, fingen an mit ihm zu spielen – sie hielten sich also bei diesem Geistkind auf. Anfangs dachte die Mutter: “Ja das ist recht und gut, das tut man eben so, wenn man im Freien ist; da kommen die Leute auf einen zu und fangen an zu reden und sich mit einem zu unterhalten. Aber es ist doch schliesslich meine Wohnung”, dachte sie, “und die haben doch kein Recht, einfach so in meine Wohnung zu kommen.”
Doch es ging einfach fortwährend so weiter; wenn der eine ging, kam schon wieder jemand anders. Und sie alle waren recht freundlich. Es kam niemand mit irgendwelchen bösen Absichten oder bösen Redensarten, sondern sie schienen alle recht freundlich zu sein. Sie selbst aber wurde immer unsicherer. Sie sah, dass sie eigentlich nichts zu tun hatte im Haus, dass ja alles zum Besten bestellt war. Da fing sie doch an, nachdenklich zu werden, während ihr Kind, das Geistkind, da in diesem Raum umherging, so gut es dies nach seinem Alter – auch nach den geistigen Jahren berechnet – tun konnte.
Plötzlich kam ein Engel Gottes in diesen Raum. Er nahm gar keine Notiz von der Mutter, aber vom Kinde. Dieser Engel Gottes ging zum Kind hin, zog eine Flöte aus der Tasche seines Mantels und fing an zu spielen. Er kniete nieder zum Geistkind, und dieses machte sich bei ihm zu schaffen, krabbelte an ihm herum, betastete nun diese Flöte und gab zu verstehen, dass es sie besitzen möchte. Der Engel Gottes gab dem Kind die Flöte ohne Weiteres zum Spielen, und für das Kind war sie ja nur ein Spielzeug. Recht bald hatte es genug davon und liess sie einfach fallen. Der Engel Gottes nahm sie wieder zu sich und fing an, mit dem Kind zu reden und zu singen. Da kamen auch gleich noch andere Wesenheiten dazu, die sich nur mit diesem Geistkind befassten. Sie fingen an zu erzählen, was man im Himmel erleben könnte, und brachten das Kind sogar zum Lächeln. Das Kind war nun gar nicht mehr so unruhig, denn es hatte plötzlich Freude gewonnen an diesen so farbenprächtigen göttlichen Wesen. Es konnte sozusagen mit diesen Engeln auch tun und machen, was es wollte, sie liessen sich allerlei gefallen. Mit Vergnügen und mit gewisser Beruhigung schaute die Mutter zu.
Nun mussten sich diese Engel natürlich wieder verabschieden. Sie gingen wieder, und die Mutter blieb mit dem Kind zurück. Selbstverständlich fing nun das Kind an zu weinen, denn es hatte Verlangen nach dieser Unterhaltung. Doch diese Mutterseele wollte ja eigentlich das Kind für sich haben, sie wollte es doch gar nicht hergeben. Und so versuchte sie es zu trösten, so gut es ging. Sie wollte es immer wieder in sein früheres Bettchen zurückführen, damit es dort ausruhen sollte. Aber mit dem Schlaf war es nicht weit her. Das Kind wollte nicht.
Nun musste diese Mutterseele einsehen, dass es doch so nicht weitergehen konnte und dass sie doch nicht am richtigen Ort war. Sie machte sich ihre Gedanken darüber, dass man sich wohl des Kindes angenommen hatte. “Eigentlich”, dachte sie, “ist es genau so, wie wenn man auf der Strasse oder irgendwo in einer Parkanlage ist: Die Leute befassen sich mit dem Kind, nicht mit der Mutter. Es ist eben auch hier so.” Aber sie fühlte sich fremd und verlassen.
Sie hörte dann ihre Angehörigen nach Hause kommen, doch die nahmen keine Notiz, weder von ihr noch vom Kind. Man sah sie also nicht – dies zu ihrer grossen Enttäuschung. Obwohl sie den einen wie den andern beim Namen rief, nahm ja niemand sie wahr. Dann musste sie sich doch überlegen, ob es wohl nicht besser wäre, sie würde sich in der neuen Welt eingliedern. Und so hatte sie nur im Sinn, so lange zu warten, bis wieder ein solches Wesen in ihre Nähe kam, von dem sie feststellen konnte, dass es sich um ein göttliches Wesen handelte und nicht um irgendein Wesen, das sich da einfach aufhielt. Denn die Engel Gottes sind ja an ihrem Aussehen gut zu erkennen, sie haben ihre würdevolle Erscheinung.
Und so ging es auch gar nicht so lange, da kamen sie ja wieder, diese Engel Gottes, und sie schienen sich eben wieder mit dem Kinde unterhalten zu wollen. Dann erhob die Mutter Einsprache und sagte: “Lasst mir doch das Kind. Entweder beschäftigt ihr euch auch mit mir, oder ich gehe mit dem Kinde weg von hier.” Sie ahnte ja nicht, dass diese geistigen Wesen ihr ja folgen konnten, dass sie sich nicht irgendwo aufhalten und verstecken konnte – sie konnte also nicht einfach irgendwohin gehen mit dem Kinde, um es nicht den Engeln zu überlassen. Sie hatte ja im Sinne, dass die Engel sich auch mit ihr befassen sollten, und so sagte sie dann auch: “Bitte nehmt doch auch mich auf, nicht nur das Kind. Ich bin verlassen. Führt mich doch an einen Ort hin, wo ich mit dem Kinde leben kann.” Dann sagten diese Engel zu ihr: “Dies ist nicht möglich, wir müssen dir das Kind wegnehmen. Du kannst nicht dahin kommen, wo das Kind in Zukunft leben wird. Dein Kind muss doch betreut werden, und wir wollen es auch im Himmel erziehen.”
Damit konnte sich die Mutter nicht einfach ohne Weiteres einverstanden erklären. Sie ängstigte sich, obwohl sie sah, wie liebevoll diese Wesen mit ihrem Kinde waren. Sie wollte einfach dabei sein. Und der Engel sagte: “Siehst du, du sollst auch eine Betätigung haben, du sollst dich auch für bestimmte Dinge interessieren und tätig werden. Und wir werden uns mit dem Kinde befassen und uns mit ihm unterhalten, genauso wie wir es bis jetzt getan haben.”
Da kam ein Geist ganz nahe an diese Mutterseele heran, fasste sie an den Händen und sagte ihr: “Du hast doch in deinem Leben musiziert, du hast Talente zum Musizieren. Diese Talente besitzt du ja noch. Warum willst du sie denn nicht auch hier unter Beweis stellen? Du hast hier noch viel mehr Gelegenheit dazu als in deinem menschlichen Leben. Wir wollen dir hier Gelegenheit geben zu musizieren. Wir werden das Kind gut betreuen und für es besorgt sein.” Jetzt war sie doch etwas erstaunt, das zu hören. Denn in ihrem menschlichen Leben hatte sie tatsächlich die Musik über alles geliebt. Nun hörte sie, dass sie jetzt auch da in ihrer neuen Welt musizieren durfte und, wie man ihr sagte, noch viel schöner und viel besser.
Jetzt machte man ihr den Vorschlag, dass man das Kind einfach zeitweise in Obhut nehmen würde; und während das Kind von den Engeln betreut werde, sollte sie nun versuchen, ihre Aufgabe in der Musik zu finden. Damit war sie einverstanden, denn sie wusste, dass das, was die Engel versprechen, ganz bestimmt auch erfüllt wird. Also gab sie das Kind in die Obhut der Engel. Und so entfloh man nun mit dieser Mutterseele in eine geistige Ebene hinein, wo sie in Zukunft leben durfte.
Man führte sie in ein Haus, in dem ein grosses Gespräch, eine grosse Unterhaltung im Gang zu sein schien. Man sass in Gruppen zusammen, und es waren lauter Musiker. Sie hatten ihre Instrumente, und da und dort versuchte man in Gruppen zu komponieren, zu reden. Es wurden also eifrige Gespräche geführt. Was ihr auch sonderbar auffiel, war, dass ganze Wände voll wunderbarer Gemälde waren. Man unterhielt sich über diese Gemälde, über einzelne Bilder auf diesen Gemälden, über diese Landschaften, Blumen, Menschen, über all das, was da auf diesen Gemälden festgehalten war – teils waren es Menschen, teils geistige Wesen, teils Engel Gottes mit ihren wallenden Gewändern. Es war einfach etwas Wunderbares, etwas Neues, das sie erlebte.
Man sprach also über diese Bilder, und nun fing man an, die Instrumente abzustimmen. Man sollte nun über diese Bilder oder über ein Bild oder einen Abschnitt eines Bildes eine Sinfonie zusammenbringen. Es schienen Lehrer da zu sein, die alles in allen Einzelheiten erklärten. Auf diesen Gemälden war alles in reichen Farben wunderbar dargestellt, und zwar so lebendig, als würde das Bild eine Sprache sprechen.
Nun, diese Mutterseele interessierte sich sehr für alles, was sie jetzt erlebte, und sie fing eigentlich an, das Kind zu vergessen. Das war ja eine ganz interessante neue Welt, die sie nun erlebte. Und da sagte man ihr: “Du kannst auch auf deiner Geige spielen. Wir haben alle Instrumente auch, wie man sie im menschlichen Bereiche hat, und noch weitere dazu. Du wirst dich etwas auf das Neue einspielen müssen, aber du hast ja einen Sinn für Musik, du hast Talente dafür; so ist es doch ein Leichtes, dich in all das hineinzubringen und dieses Neue zu erleben.” Sie war fasziniert von alldem, und gespannt hörte sie den Lehrern zu, wie sie alles auf das Genaueste erklärten. Sie sprachen vom Ton und vom Bild und von all dem, was es zu bedeuten hätte und wie sie es wiederzugeben hätten und wie man sich das vorstellte. Und so bekam sie recht bald auch eine geistige Geige in die Hand.
Man hatte sie auch einer kleinen Gruppe von Geistgeschwistern vorgestellt. Aber sie musste doch als Neuling zuerst Versuche machen, sich in diese neue Umgebung einzuleben, damit vertraut zu werden und all das Neue zu verstehen. Sonderbarerweise fiel es ihr gar nicht so schwer, das alles, was da geboten wurde und was sie angesprochen hatte, zu verstehen. Denn jetzt hatte sie das Gefühl: “Eine ganz neue, herrliche Welt geht auf, und ich kann die Musik viel besser verstehen.” Sie hatte ein wundersames Gefühl, sie fühlte sich vom Glück gehoben – und darüber vergass sie ihr Kind. Es musste ein Engel auf sie zugehen und ihr sagen: “Komm, ich erinnere dich an deine Pflichten. Du hast doch gesagt, du möchtest mit deinem Kind wieder zusammen sein.” – “Oh ja”, sagte sie, “ich will mit meinem Kind zusammen sein”, und wie in Gedanken abwesend verliess sie dann diesen Raum, aber innerlich erfüllt vom Neuen, von dem, was ihr geboten wurde.
Da ging sie zum Kind hin. Sie freute sich, und sie fand es friedlich und ruhig, begleitet von Engeln Gottes. Und nun bat sie selbst, man möge sich doch weiterhin seiner so annehmen, denn sie möchte sich jetzt doch auch der neuen Aufgabe widmen – und selbstverständlich möchte sie von Zeit zu Zeit mit dem Kinde zusammen sein. Und so traf man da eine Abmachung: Der Engel Gottes sollte sie jeweils holen und zum Kinde führen, und sie sollte sich mit ihm unterhalten, mit ihm spielen, mit ihm reden und es reden lehren.
So war diese Mutterseele dann eine gewisse Zeit bei diesem Kind. Aber eine Sehnsucht in ihr zog sie wieder zu den andern, denn das, was sie dort erleben durfte, hatte sie so gefesselt. Und plötzlich kam ihr die Überlegung: “Das ist der wahre Himmel. Ach, sind die Menschen doch dumm. Hängen sie so an einem Leben, das voller Kummer und Sorge ist, während weit von ihnen entfernt eine Herrlichkeit ist, die man auskosten und geniessen kann, in der man schöpferisch tätig sein kann. Ach, sind die Menschen doch befangen und so eingenommen von ihrer Welt, die sie doch einmal verlassen müssen, die doch nichts bedeutet, die nichts als Kummer und Sorgen bringt. Wie können sich die Menschen der Vergänglichkeit widmen, während auf sie etwas so Wunderbares wartet.” Ach, das war dieser Mutterseele einfach in ihrem Innersten, das war in ihrem Bewusstsein. Sie ahnte ja nichts von anderen Himmeln, sie ahnte ja nicht, wie vielfältig, wie gross sie sind – und wie viel Kummer es auch in dieser andern, geistigen Welt gibt, bei den aufsteigenden Geistern [in den tieferen Ebenen].
Also ging sie zurück zu den andern und fing an, sich mit ihnen zu unterhalten und mitzumusizieren, mitzustimmen, mitzulernen. Und da machte sie der Lehrer aufmerksam: “Ja, jetzt haben wir eine Zeit hier verbracht, also in einem Raum vor diesem Gemälde, jetzt gehen wir hinaus. Jetzt gehen wir in unsere Welt, in die geistige Welt, dahin, wo diese wunderbaren Gärten Gottes sind, wo diese himmlischen Wälder sich befinden und das schöne, herrliche Tierreich; wir gehen auch ins Paradies der Kinder, wir halten uns überall auf, wo wir angesprochen werden. Und da versuchen wir, uns selbst ein Gedicht zu machen über all das, was wir im Geistigen erleben, von dem wir angesprochen werden. Und von jedem wird gefordert, von jedem.” So ging es in Gruppen, und jeder musste selbst ein Gedicht machen über all das, was er erlebte.
Der Engel Gottes erklärte das Wunderbare des Himmels. Er erklärte von diesen göttlichen Blumen in ihrer Pracht, in ihrer Herrlichkeit, für wen sie da waren, um zu leuchten, wen sie zu erfreuen hatten. So gingen sie in die geistigen Wälder, um dort dem Treiben zuzuschauen, um diese geistige Sprache dort einmal auch im Worte festzuhalten und es nachher zu einer Musik zu gestalten.
Anfangs war es für diese Mutterseele natürlich nicht so leicht. Sie bekam einen Lehrer. Er unterrichtete sie, und sie musste einsehen, dass man viel lernen musste, dass es doch nicht gar so einfach war. Man musste lernen, aber sie war sehr lernbegierig. Denn dieses neue, herrliche Leben faszinierte sie so. Sie sah in all dem, was ihr begegnete – in diesen geistigen Gegenständen und Lebewesen – nicht nur Form und Gestalt, sie erkannte auch den Ton, die Musik. Eine geistige Sprache vernahm sie aus jedem Leben, das dort war. Und das war die Aufgabe jener Wesen: das zusammenzufassen und zu gestalten, zu formen und zu Musik zu machen.
So wurde sie ganz eingenommen und hatte ihr Kind ganz und gar vergessen – so sehr wurde sie erfüllt von all dem, was sie umgab. Aber der Engel Gottes kam wieder zu ihr und erklärte ihr, dass es Zeit wäre, sich um das Kind zu kümmern. Und dann bat sie: “Nehmt es doch in eure Obhut. Ich werde dann gelegentlich wieder bei euch vorbeikommen und mich um das Kind kümmern. Ich bin ganz beruhigt, es in euren Händen zu wissen, denn es wird von euch gut umsorgt. Es ist ja im Reiche Gottes, und ihr umsorgt es mit Gottes Liebe. So viel wie ihr vermag ich ihm nicht zu geben.”
Im Grunde genommen war es eine glückliche Fügung in der geistigen Entwicklung dieser Mutterseele, dass sie jene Stufe erreichen konnte. Sie war verhältnismässig jung gestorben, noch nicht allzu sehr belastet, und sie brachte ihre Talente mit, und die göttliche Welt tat das Ihrige dazu: Sie zog den Nutzen aus den Talenten dieses heimgekommenen, verstorbenen Menschen und gab diesem Geistwesen Gelegenheit, sich im Geistigen weiterzubilden. Und indem diese Mutterseele gerade von Anfang an auf dieses Wundersame und Herrliche aufmerksam gemacht wurde, war es möglich, die Trennung von ihrem Kind viel besser zu gestalten, sodass es schliesslich sozusagen schmerzlos verlief und sie sogar selbst den Wunsch äusserte, die Engel Gottes möchten das Kind mit der Liebe Gottes weiter betreuen. Und sie selbst, sie selbst wollte sich der hohen Kunst widmen. War es doch herrlich und eigentlich ganz anders als bei den Menschen; man konnte hier in der Musik schöpferisch tätig sein. Wie wunderbar war es. Aber sie sah auch, wie viel sie noch zu lernen hatte, bis sie miteinstimmen und mitmusizieren konnte im grossen himmlischen Chor. So liess man sie lange Zeit, und so wurde ihre Seele erfüllt; das heisst also, ihr ganzes Denken und Wollen wurde auf all das Herrliche ausgerichtet. Sie hatte schöpferische Talente.
Nun aber war doch noch einiges in Ordnung zu bringen. Erst nachdem man ihr nun all dies Wunderbare erklärt und von ihrer zukünftigen Arbeit im Himmel gesprochen hatte, musste man ihr auch klarmachen, dass anderes noch in Ordnung zu bringen sei. Sie sei im Leben auch gestrauchelt. Dieses müsse auch noch geordnet werden, und nebst der schöpferischen Tätigkeit bedürfe sie auch noch weiterer geistiger Schulung. Sie fand sich dazu bereit und erklärte: “Ich will alles tun, was ihr von mir verlangt. Ich fühle mich glücklich hier in dieser Welt. Ich sehe: Will man schöpferisch tätig sein, dann muss man auch Arbeit leisten, nicht nur speziell auf einem Gebiet, sondern man muss vielseitig interessiert werden. Ich will Wissen haben von den Gesetzen dieses Himmels, und so bitte ich: Unterrichtet mich. Ich will euch eine dankbare Zuhörerin sein. Und ich will alles wiedergutmachen, was ich im Leben falsch gemacht. Ich will mich in den Dienst Gottes stellen. Steht mir bei, stützt mich, helft mir, und ich will dem Himmel eine Dienerin sein.”
Mit so viel gutem Willen, mit so viel Eifer war diese heimgekehrte Schwester an ihre schöpferische Aufgabe herangegangen. Der Himmel hatte ihr seine Tore geöffnet und ihr auf diese Weise erklärt und gezeigt, was auch im Himmel getan werden muss. Ununterbrochen sind Geister des Himmels schöpferisch tätig, auf den verschiedensten und vielfältigsten Gebieten. Denn der Himmel muss, wie es euch immer wieder erklärt wird, neu gestaltet werden. Immer wieder muss er mit seiner Vielfalt die höchsten Fürsten des Himmels überraschen und beglücken. Neues wird immer wieder geschaffen und dargeboten. Und diese schöpferische Kraft erhält ja jedes einzelne Wesen von Gott. Gott gibt ihnen Kraft, dass sie ihrerseits da schöpferisch wirksam sein können, wo ihnen ihre Talente geschenkt worden sind. Da sollen sie sich entfalten, zu ihrer eigenen Beglückung und auch zur grossen Freude des Himmels.
So, liebe Geschwister, war es mir gestattet und erlaubt worden, euch zu eurer Freude anlässlich dieser Pfingsttage, dieser Feierlichkeiten, die ja auch in den Himmeln begangen werden, einen besonderen Einblick zu geben. Es wurde mir gestattet, diese besondere Erklärung zu geben zu einem besonderen Anlass. Auch daraus könnt ihr eure Lehren ziehen, und ihr könnt sehen, was der Himmel den Seligen zu bieten hat, wenn sie zurückkommen – dass es nicht so ist, dass man nur getadelt werden müsste. Es gibt auch solche, die zu uns kommen, die reinen Denkens und Wollens sind und die man in ihrem reinen Denken und Wollen stützt. Und so man besondere Begabungen hat, lässt man ihnen diese Begabung und gibt ihnen die Kraft zur weiteren Entfaltung und lässt sie so diese schöpferische Welt erleben. Dieses ist eine besondere Antwort an meine Freunde, die treu ergeben hier erschienen sind.
So möge Gottes Segen euch alle beglücken, möge Gottes Segen euch im Leben begleiten. Möget ihr in eurem Denken unterstützt und inspiriert werden, das Richtige zu tun und das richtige Wort am richtigen Ort zu sprechen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 2.6.1971 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1950, 1951 und 1955
Lieber Josef, du hast des Öftern von himmlischer Musik gesprochen. Wäre es für uns Menschen möglich, in der Verbindung mit der geistigen Welt solche Musik zu hören?
Josef: Liebe Freunde, solche Musik kann gehört werden von hellhörenden Menschen. Solche Musik schwebt nicht nur hier über euch, wenn ihr hier in der Gemeinschaft zusammengekommen seid; sie ist auch im Freien. So kann man sie wahrnehmen zum Beispiel in einer bestimmten Höhe oder im Walde, an Orten, wo eine gewisse Harmonie aus der Erde herausdringt, wo hellhörende Menschen diese Musik wahrnehmen können. Die Musik in der geistigen Welt ist viel schöner als diejenige, die ihr kennt. Die Instrumente sind wohl gleich in der Form und in der Art, doch ihre Beschaffenheit ist aufs Feinste eingestellt. Ich kann den Unterschied vergleichen mit dem zwischen einem grobstofflichen Menschen und einem Engel Gottes, der in seinem Glanze und in seiner Herrlichkeit dasteht.
So, liebe Freunde, ist es auch mit dieser Musik. Diese allerfeinste Feinheit ist nur zu finden in der geistigen Welt, weil dort ganz andere Verhältnisse, ganz andere Schwingungen sind, wodurch diese Feinheit der Töne so hergegeben werden kann. Wenn ihr zum Beispiel in einem Raum Musik spielt, der nicht dafür gebaut ist, der keine besondere Akustik besitzt, dann wird der Klang niemals so schön und tragend sein, wie in einem für die Musik ausgemessenen Raume. Und so ist in der geistigen Welt dasselbe abgestimmt auf eine Reinheit, auf eine Feinheit, sodass alles in seiner Herrlichkeit wiedergegeben wird, sei es nun Musik, Malerei und so weiter. Liebe Freunde, dessen müsst ihr euch immer bewusst sein, dass die geistige Welt eine Welt der Feinheit ist. (1951)
Lieber Josef, in einsamen Berggegenden gibt es Stellen, wo man glaubt, Musik zu hören wie weit entfernte Chöre. Hat dies eine geistige Ursache? Könntest du darüber etwas sagen?
Josef: Ja, liebe Freunde, sagen wir, auf einem hohen Berge sind die Strömungen und Schwingungen eben viel feiner. Von dieser groben Masse ist eben etwas weggefallen, und es ist wie eine schöne geistige Sphäre. Und so können Menschen, die etwas hellhörend sind, dies eben aufnehmen, weil dort wieder eine ganz andere Kraft und Schwingung ist. So gibt es Menschen, die mit grosser Vorliebe immer nur auf einen Berg wollen, weil sie sich dort glücklich und gestärkt fühlen. Ja, es ist so; denn dort herrscht eine ganz andere Strahlung, sodass dann diese Menschen sich ganz mit dieser Herrlichkeit füllen können. Und wenn es zugleich Menschen sind, die eine grosse mediale Veranlagung haben, so können sie Wunderbares erleben. Doch wenn ihr ganzes Tun immer in Eile ist und sie nicht tagelang dort verweilen können, wenn sie sich wieder nach kurzer Zeit entfernen, so kann es nicht zu einem solchen Erlebnis kommen. (1950)
Beethoven und andere Künstler haben uns Musik himmlischer Prägung geschenkt. Stammen nun gewisse disharmonische Melodien des Jazz und so weiter aus tieferen Sphären?
Josef: Meine lieben Freunde, diese grossen Künstler und Meister waren doch nichts anderes als mediale Menschen, die diese Musik aufnehmen konnten, oder sie haben sie einst [in der geistigen Welt] erlebt. Weil sie in grossem Masse medial veranlagt waren, konnten sie geführt und inspiriert werden, seien es Dichter, Maler oder Sänger und so weiter. Diese alle sind mediale Menschen in besonderer Weise. Und wenn nun Menschen, die das Göttliche, die Feinheit, das Ruhige suchen, heute eine solche Musik, die ihr nicht liebt, ablehnen, so kann ich sagen, dass diese Musik eine Angelegenheit der jetzigen Entwicklung und nicht von grosser Bedeutung ist. Es ist in allem so, sei es in der Musik oder in der Malerei, dass es gewisse Höhen und Tiefen, dass es Schwankungen gegeben hat. Und so ist es auch mit dieser Musik, die ihr als so schreiend empfindet – sie wird noch einige Zeit gehen und dann wieder verdunsten, möchte ich sagen.
So lasst diese Musik doch den Menschen; denn es ist eine Sache der Entwicklung, und die Menschen werden dieser Herrlichkeit Gottes wieder näher- und in sie hineingeführt. Denn, meine lieben Freunde, es werden wieder Menschen kommen, und sie werden wieder diese Musik bringen wie Beethoven und so weiter. Dann wird wieder eine andere Welle über diese irdische Welt hinweggehen, und es wird jenen wieder zugejubelt, und die Menschen im Einzelnen versuchen, sich wieder dieser Musik anzuschliessen, sie versuchen sich wieder zu verbessern, zu veredeln. Doch dieses braucht wieder eine Zeit. So kann ich sagen, es liegt dies in den Schwingungen, es sind dies die Höhen und Tiefen, die durch diese irdische Welt gehen. (1951)
Lieber Josef könntest du uns etwas über die Künstler und über die Quelle ihrer Inspiration sagen? Es ist ja nicht alles, was als Kunst gilt, schön und harmonisch.
Josef: Wisst ihr, liebe Freunde, Menschen, die Musik schreiben, Schriftsteller und Dichter werden doch so oft von der geistigen Welt inspiriert. Der Mensch aber kann noch vieles selbst dazutun, es nach seinem Empfinden ausschmücken. So geschieht es oft, dass das, was ihm die jenseitige Welt geben will, gegen sein eigenes Dazutun nicht in seiner Reinheit durchzudringen vermag.
Dann gibt es auch Geistwesen, die einen Menschen inspirieren, die aber die himmlischen Schönheiten noch nicht erleben. Sie haben aber diese Fähigkeit, die Menschen für solches zu inspirieren. Da sie selbst aber noch nicht in der vollkommenen Harmonie leben, sind sie noch mit Unvollkommenem behaftet. So vermögen sie es auch nur unvollkommen, nicht in reiner Weise dem Menschen durchzugeben. Dazu gibt dann auch der Mensch als unvollkommenes Geschöpf von seiner Unvollkommenheit etwas dazu. So kann aber daraus doch etwas entstehen, was für andere ein grosses Erlebnis wird.
Wenn die göttliche Welt aber von den höheren Ebenen aus geben möchte und einen Menschen so zu inspirieren vermag, dann wird es etwas Harmonisches sein, das die Menschen nur beglücken kann, und es wird nichts Dämonisches irgendwelcher Art oder etwas Unvollkommenes eingeflochten werden können. Ihr könnt aber wohl selbst ermessen, wie schwer es ist, Menschen in dieser hohen Weise zu inspirieren, dass es ihnen unmöglich wird, etwas daran zu verändern. (1955)