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Im Laufe ihrer langjährigen Lehrtätigkeit gab Geistlehrerin Lene viele Anleitungen für eine geistig gewinnbringende Meditation. Ihre Vorträge enthalten vielfältige meditative Führungen, in denen sie die Zuhörer im Geiste mit in die jenseitige Welt nimmt, um sie dort an geistigen Erlebnissen teilhaben zu lassen. In diesem Themenheft ist eine Auswahl solcher Führungen vorgestellt. Sie zeigen, wie der Mensch in der stillen Stunde Gast in der jenseitigen Welt sein kann und die Verbindung mit Geistern Gottes erleben darf. Um die Geisteswelt aber in ihrer Herrlichkeit zu erleben und Stärkung für Körper, Geist und Seele zu erhalten, bedarf es gewisser Vorbereitungen und persönlicher Anstrengung. Es braucht Zeit und Kraft, sich von der Hetze der Arbeit und von den Einflüssen des Alltags zu lösen. Das Themenheft enthält neben den Erklärungen von Lene auch Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef. Darin geht er beispielsweise auf die Frage von Zuhörern ein, weshalb sie in ihrer Meditation trotz ihrer Bemühungen zu keinem geistigen Erlebnis gelangen, was sie ändern oder verbessern müssen, damit es doch dazu kommt.
Lene, 18. April und 23. Mai 1955
Im Frühling 1955 gab Geistlehrerin Lene in sechs aufeinanderfolgenden Vorträgen eine Einführung in die Meditation. Sie erklärte den Zuhörern den Sinn des Meditierens, was der Mensch in einer stillen Stunde an Segen für Körper und Seele gewinnen kann. An den sechs Abenden wies Lene den Weg, wie es dem Menschen gelingen kann, sich von den Gedanken des Alltags frei zu machen, sich vom Irdischen zu lösen und im Geiste zu wandern. Die sechs Einführungsvorträge mit vielfältigen Übungen und Anleitungen zur Durchführung einer geistig erfolgreichen Meditation sind veröffentlicht im Band “Meditationen 1954 –1959”, auf den Seiten 22– 85. Die folgenden Ausführungen stammen aus dem ersten und dem sechsten Vortrag dieses Meditationszyklus.
Lene: Gott segne euch diese Stunde. Ich bin Lene. Ich habe den Auftrag, mit euch diese Meditationsübungen durchzuführen. Diese Übungen haben den Zweck, euch geistig und körperlich zu stärken. Wir machen jeweils zuerst einige Übungen zur Entspannung, ohne aber das Hauptgewicht auf diese Turnübungen zu legen. Da ich mit euch allen vorwärtsschreiten muss, kann ich nicht auf die Entwicklung des Einzelnen Rücksicht nehmen, sondern muss das geben, was jedem hilft, geistig und körperlich zu gesunden.
Wir wünschen vor allem, das Denken der Menschen zu heben. Wir wollen versuchen, euch zu lösen, dass ihr mir im Geiste folgen könnt. Auf diesem Wege können auch mediale Fähigkeiten gefördert werden. Ihr werdet hinterher auch nach dem Erlebten gefragt. Das erste Mal wird euch vieles unverständlich sein, und wir verstehen das, denn ihr lebt in dieser materiellen Welt und seid an sie gebunden. Wir leben in der geistigen Welt, und uns beeindruckt all das Materielle gar nicht. Das, worauf ihr den grössten Wert legt, ist uns gleichgültig, nebensächlich; was ihr für unwichtig haltet, ist für uns in vielem von grosser Wichtigkeit.
Wenn ich gesagt habe, diese Übungen hätten den Zweck, euch körperlich und geistig zu stärken, so ist dabei von grosser Wichtigkeit, dass ihr eure Gedanken erhebt. Ihr sollt wissen, dass der Körper für den Geist ein Gefängnis ist und man dieses Gefängnis erträglicher oder beschwerlicher gestalten kann. Wenn ihr mit vielem Unangenehmem von eurer Welt nicht fertig werdet, so verdüstert es euch, es macht euch krank. Wenn ein Mensch seelisch leidet, wird er seinem Körper schaden. Ist ein Mensch körperlich krank, so wird seine Seele nicht diese Befreiung finden wie diejenige in einem gesunden Körper.
Der Gesunde also sollte so viel Mut und Energie haben, sich auf Wege zu begeben, auf denen er seiner Seele das zuführen kann, wonach sie sich sehnt. Es ist notwendig, dass der Mensch in erster Linie für eine Befreiung in seinem Körper sorgt, dass er eine vernünftige Lebensweise führt. So kann er von aussen eine Kraft anziehen, die ihm körperlich von Nutzen ist; dann wird diese Kraft auch der Seele weitergegeben.
In den meisten Fällen aber ist es so, dass der Leidende unzufrieden ist. Es fehlt ihm der Mut und die Energie zur Arbeit, ja er mag sogar nicht mehr beten. Wie viel kann doch der Mensch zu seiner körperlichen Gesundung selbst beitragen! Einmal soll er nicht trübe Gedanken pflegen und nicht jenen Dingen nachgrübeln, die ihm schaden. Mutlosigkeit, Freudlosigkeit, Pessimismus schaden. Der Mensch sollte sich mit jenen Kräften verbinden können, die eine heilende Wirkung haben; sie befreien. Das versuche ich in diesen Stunden mit euch zu üben, dass ihr eure Gedanken hebt und sie nicht Unwichtigem zuwendet.
Nun, meine lieben Freunde, wenn wir jeweils hier zusammenkommen, bringe ich auch eine grosse Schar himmlischer Gäste mit, und ein jeder Bruder, eine jede Schwester hat einen solchen himmlischen Gast neben sich, der sie in dieser Stunde führt. Diese himmlischen Gäste überbringen euch einen wunderbaren Balsam. So wollen wir in erster Linie auch unsere himmlischen Gäste begrüssen, die uns zur Freude und zum Heil für euch alle mitgegeben wurden. Ihr sollt euch in dieser Stunde jeweils nicht an diesen Raum gebunden fühlen; wir treten im Geiste hinaus. Ihr sollt jetzt, ohne lange zu fragen, versuchen, meinen Worten zu folgen.
So treten wir gemeinsam mit unseren Gästen hinaus auf einen schmalen Weg, einem Walde zu. In diesem Walde machen wir einige Übungen zu eurer Befreiung, damit ihr von all dem Materiellen, das euch heute beeindruckt hat, befreit werdet. Ihr sollt körperlich vollkommen entspannt sein. Diese Pflege von Geist und Körper sollt ihr dann auch zu Hause vornehmen, immer wieder. Ihr werdet dadurch in mancher Beziehung Befreiung finden.
Dieser Wald ist so herrlich, so angenehm kühl – herrliche Bäume. Mitten hindurch fliesst ein kleines Bächlein. Nun wollen wir zuerst die Frische des Waldes einatmen. Versucht nun, mir dieses Atmen nachzutun. Freilich könnt ihr die Bewegungen, die ich euch vormache, nicht mit mir ausführen [da die Teilnehmer zu eng sitzen]. Ihr sollt es aber in der Weise zu Hause tun, liegend, sitzend, wie es euch beliebt, das spielt keine Rolle. Diese Übungen dienen zur Lockerung, zur Befreiung. Wann immer während eurer Meditationen Gedanken an euer Geschäft und an andere materielle Dinge kommen, sollt ihr solche Atemübungen einschalten oder ein bestimmtes Bild vor Augen halten, damit ihr von allen anderen Dingen abgelenkt werdet. Es bedarf dazu auch eines Trainings; darum tut ihr gut, es immer wieder zu üben.
So wollen wir durch die Nase einatmen – die Luft wieder ausstossen durch den Mund. Ich mache euch Bewegungen dazu vor [in kurzer Schrittstellung, mit ausgestreckten Armen, gelockertem Körper in die Knie gehen und zugleich den Oberkörper nach vorn neigen und mit Armen und Händen wie schöpfen, sie während des tiefen Einatmens von unten bis über den Kopf schwingen, zugleich sich wieder aufrichten, Kopf leicht nach hinten neigen, mit Bauch und Brust voll einatmen, Atem etwas anhalten und wieder mit Macht durch den Mund ausstossen, dabei sich erneut vornüberfallen lassen mit Senken der Arme – zu erneutem Atemschöpfen].
Ihr sollt aber in Gedanken den Wald um euch sehen; ihr dürft den Anblick dieses herrlichen Grüns nicht verlieren. Ihr müsst sogar imstande sein, seine Frische einzuatmen. Ihr müsst in der Vorstellung leben, dass euch die Frische des Waldes umgibt, dass ihr sie einatmet und sie euch wohltut. Wenn ihr einatmet, soll sich der Leib ausdehnen, so wie ein Schlauch, der mit Luft gefüllt wird; wenn man sie wieder herauslässt, fällt er zusammen. So auch hier. Atmet ein, so gut ihr könnt, und lebt im Geiste in diesem Walde. Versucht, während des Atmens in dieser Vorstellung zu verbleiben. Es ist schwer. Wem es Mühe bereitet, der soll das Atmen allein üben: In gelockerter Stellung die Luft einziehen, kurz anhalten und wieder durch den Mund ausstossen.
Nun lasst eure Hände locker; schüttelt sie im Handgelenk. Ihr habt euch nun zwar ganz auf diese Übung konzentriert, habt aber die Vorstellung vom Walde vergessen. Das macht für den Anfang nichts. Versucht nochmals die Übung mit den Händen – die Arme schütteln, dann das Atmen. Ihr wisst, dass euch wunderbare Kräfte umgeben. Nicht jeder Mensch aber braucht gleich viel davon. Manche besitzen von einer bestimmten Art schon genügend; so müssen sie bestrebt sein, die ihnen fehlenden Kräfte an sich zu ziehen: Hände in Kopfhöhe nach vorn halten, Arme gelockert, Finger bewegen, wie Anschluss an diese Kraftstrahlen suchend. Ihr weilt aber immer noch in diesem herrlich grünen Walde, in dieser angenehmen Frische, und ihr zieht diese wunderbaren Kräfte in Gedanken an euch.
Die Erde in diesem Walde, auf der ihr steht, enthält alle Kräfte, die euer Körper braucht. Denn jeder Planet gibt der Erde eine besondere Kraft ab, je nach seiner Stellung zur Erde, abwechselnd, und die Erde nimmt von allen diesen Kräften auf. Nun, du stehst jetzt auf dieser Erde, du wühlst mit deinen Füssen in dieser Erde, die alles besitzt, was du für ein gesundes Leben brauchst. Du siehst mit deinem geistigen Auge die heilenden Kräfte der Erde aufsteigen, dich durchströmen, und du atmest davon ein [wieder die Übung, wie vorher beschrieben]. Du schöpfst [mit den Händen] von dieser wunderbaren Kraft, die dich umgibt, übergiesst dich damit. Es ist wichtig, auch den Kopf zu drehen, nach allen Seiten zu bewegen und gleichzeitig mit dem Körper mitzuschwingen. Dann, als wunderbare Stärkung für die Augen, versucht die Augen zu rollen – seitwärts, nach unten, nach oben.
Ich habe von dem wunderbaren Bächlein gesprochen, das durch diesen Wald fliesst und das so viel heilsame Kraft ausströmt. Diese Kraft sollt ihr euch ebenfalls nutzbar machen. Ich möchte hier aber noch einflechten: Es kommt ganz darauf an, welches Ziel man bei diesen Meditationen verfolgt. Wenn man sie ausführt, um gestärkt zu werden, damit man Gott besser dienen kann, dann wird dem Menschen diese wunderbare Kraft zugänglich gemacht. Es gibt nämlich auch meditierende Menschen, die keine göttlichen Gedanken haben, deren Ziel nicht das geistige Höherstreben ist, die sich nur darum körperlich zu kräftigen suchen, um im Leben mehr materielle Gewinne zu erzielen. Solche Menschen vermögen zwar von diesen in der Natur freiliegenden Kräften auch anzuziehen und aufzunehmen, aber nur bis zu einem bestimmten Grad.
Wenn wir hier zusammen meditieren, damit ihr durch diese körperliche und geistige Stärkung euch besser in den Dienst Gottes stellen könnt, dann sind euch nicht nur die göttlichen Kräfte zugänglich, sondern die himmlischen Boten bemühen sich um euch und leiten die für euch guten Kräfte euch zu. Also empfangt ihr gleichzeitig geistige Hilfe, und das ist zu unterscheiden. Diese Überzeugung ist auch wichtig.
So wollen wir nun dieses Bächlein, das eine solche Kraft besitzt, bewusst betreten. Ihr müsst die Kühle des Wassers an euren Füssen fühlen, ja sogar den Schlamm um die Zehen, der ebenfalls eine wunderbar heilsame Wirkung auf euch ausübt. Es gibt Menschen, die jeweils barfuss im Walde gehen und derartige Kuren anwenden. Wir tun nun dasselbe im Geiste, und es soll dieselbe Wirkung haben. Unter unserer Führung werdet ihr in diese Ströme hineingeführt, und diese Odkraft wird für euch so verdichtet, dass ihr alles in dieser Vorstellung tatsächlich erlebt. Ihr müsst also in der Vorstellung das Wasser und den Schlamm um eure Füsse wirklich fühlen, damit ihr diese Heilkräfte im Geiste anziehen könnt.
So gehen wir nun geruhsam im Geiste diesem Bächlein entlang, fühlen das Nass und den Schlamm. Stellt euch die heilenden Kräfte jetzt als goldenen Regen vor, der aus dem Wasser aufsteigt und euch übergiesst. Wir halten an, um den ganzen Segen einzuatmen, der uns umgibt [erneute Atemübungen]. Nun fühlt ihr, wie ihr frei werdet. [...]
Oh, liebe Freunde, folgt mir im Geiste, damit euch diese göttliche Kraft durchdringe, dass eure Gedanken gestärkt werden:
“Durchströme mich, Heilkraft des Wassers! Reinige mich, alles in mir!”
Wenn du, lieber Freund, ein Leiden hast, dann lenke deine Gedanken auf die kranken Organe, und stelle dir vor, dass die göttliche Kraft sie durchfliesst, sie reinigt und das Dunkle darin vernichtet. Stelle dir die Organe vor, und beobachte das Einfliessen des goldenen Regens, dieses Segens, wie die Organe durchspült und durchströmt werden. Es hilft dir besser, wenn du dir davon eine Vorstellung machst. Du sollst im Geiste erkennen, wie diese goldene Kraft von unten heraufsteigt. Es ist wie Tau, der in dich eindringt, und du saugst ihn auf wie ein Schwamm. Halte ihn mit dem Atem fest [Anhalten des Atems während einiger Sekunden], es ist Heilkraft.
Nun, liebe Freunde, durchschreiten wir im Geiste dieses Bächlein und gelangen jenseits auf eine Anhöhe. Der Weg führt weiter durch Wiesen und Felder. Teilweise ist das Gehen etwas mühsam, doch mit der Zeit werdet ihr leichteren Schrittes wandern, je länger der Weg zu sein scheint, denn wir wollen zu den Gärten Gottes gehen. Wir durchwandern sie, diese Gärten, bis wir in einem von ihnen ein kleines Feuer erblicken. Um dieses kleine Feuer sollt ihr euch versammeln. Es ist euch die Aufgabe gegeben worden, es zu entfachen und zu entfalten; denn dieses Feuer muss hinausgetragen werden, um eine Aufgabe zu erfüllen. Daran mitwirken kann der Einzelne aber nur, wenn er persönlich stark genug ist dazu, wenn er besitzt, was man von ihm verlangt. Wenn man nun von dir verlangt, das Deinige zur Entfaltung dieses Feuers beizutragen, so kannst du es ja nur, wenn diese Kraft in dir selbst vorhanden ist. So musst du diese Kraft in dir haben, denn dieses Feuer, an dessen Verbreitung du mithelfen sollst, soll das Feuer des Friedens sein. Diese Kraft in dir soll so gross sein, dass du zum Friedensfeuer beitragen kannst, damit es gross wird.
In den Meditationen geht es ja nicht immer nur um den persönlichen Vorteil, um nur für sich selbst zu gewinnen. Man kann in der Meditation auch für andere wirken. Das Verlangen nach Frieden ist doch so gross bei den Menschen. Wer zum Frieden beitragen will, muss ihn zuerst selbst besitzen; denn wer nichts hat, kann nichts geben. So müssen die Gefühle des Friedens in jedem Einzelnen schon vorhanden sein. Nur dann kann er das Seinige zum grossen Friedensfeuer beitragen, das unbedingt entfacht werden muss. So hast du diese Gefühle des Friedens in dir aufzubauen. Du sollst dir vornehmen, diesen Frieden zu pflegen und ihn in deiner Umgebung zu wahren. Diese Gedanken müssen jetzt ganz stark sein. Du musst dir sagen:
“Ich will diesen göttlichen Frieden erreichen. Ich will diesen göttlichen Frieden in mir bewahren, ich will den Frieden um mich fühlen.”
Diese Worte dürfen aber nicht oberflächlich ausgesprochen werden, sondern man muss sich tagtäglich darin üben, den Frieden zu pflegen. Dann wird man in kleinstem, kleinstem Masse zum grossen Friedensfeuer beitragen. Nun, ihr seid alle guten Willens. Das Verlangen nach Frieden und Harmonie ist so gross in euch, dass kleine Fünklein in euch sind. Diese sollt ihr beitragen zu diesem grossen Friedensfeuer. So siehst du doch, Bruder, Schwester, im Geiste dieses kleine Feuer flackern inmitten dieses herrlichen Gartens. In dem Augenblick, da du dich dem Feuer näherst, springt ein Funke aus dir hinein und vermehrt es. So viele Freunde sind hier, und sie alle tragen das Ihre zur Entfaltung des Friedensfeuers bei. Vielleicht können nicht alle erkennen, dass es sich dabei um eine Wirklichkeit handelt – aber es ist Wirklichkeit.
Nun stehst du hier vor dem Feuer. Du hältst ihm deine Hände entgegen, denn du möchtest dich auch von seiner Wärme durchdringen lassen, von ihr ganz durchdrungen werden, damit die Gefühle des Friedens in dir grösser werden, damit du immer zum Frieden beizutragen vermagst. Und dadurch, dass nun das Feuer des Friedens vor dir so gewaltig geworden ist, vermag es dich zu reinigen, geistig und körperlich; denn du hilfst zugleich am Heilsplane Gottes mit. Du willst vor diesem Feuer stehen und seine Kraft aufnehmen; in dem Masse, wie dieses Feuer durch deine, durch die Kraft aller grösser wurde, willst du nun für dich davon empfangen. Nun hast du es aufgenommen, hast dich daran erwärmt. Du spürst noch die in dich gedrungene Wärme. Dir ist aber dadurch eine Aufgabe erwachsen: Jetzt sollst du hingehen und die Glut des Feuers austragen, wohin du willst. Das heisst, dass du von göttlicher Kraft durchdrungen bist und dich im Geiste jenen Menschen nähern kannst, die du mit der Glut des Friedens umgeben möchtest – seien es Verwandte, Bekannte, seien es regierende, Macht ausübende Menschen. Nähere dich ihnen im Geiste, und umgib sie mit dem Friedensfeuer. So kannst du das Deinige zum Frieden beitragen. Denke aber daran, wenn du dieses geistige Wirken wiederholen willst, dass du die Gefühle des Friedens in dir haben musst. Denn wenn du nichts davon in dir hast, kannst du auch nichts geben. Je mehr dich die Gefühle des Friedens erfüllen, desto grössere Möglichkeiten sind dir gegeben, solche Funken von dir ausgehen zu lassen, als Beitrag zum grossen Feuer des Friedens, das dann von dir, von Freunden oder auch von den himmlischen Boten weitergetragen wird, damit über diesem oder jenem Reich der Erde kleine Friedensfeuer leuchten. Im Geiste könnt ihr so viel wirken.
Betrachte die heutige Welt, wie viele Menschen andern Nationen und nicht nur der eigenen Befehle erteilen. Oft kommt das auch einem Zerstören des Friedenslichtes in einem irdischen Bereiche gleich. So finden Menschen über Meere hinweg zueinander hin, um entweder den Frieden zu bringen oder aber das Feuer des Friedens zu zerstören. Deshalb folgt mir, geht zu diesem Feuer des Friedens, entfacht es! Das ist eine wunderbare geistige Übung. Ihr könnt darüber meditieren, ihr könnt zu diesem Feuer hintreten. Wie viele leuchten da und dort schon. Viele Wesenheiten schreiten zu ihnen, um diese Glut in sich aufzunehmen und hinauszutragen – oder um sie zu löschen. Nun, lieber Bruder, liebe Schwester mein, es ist eine wunderbare geistige Aufgabe, in dieser Weise mitzuwirken, im Geiste das Feuer des Friedens zu vermehren zu suchen.
Jetzt aber verlassen wir diesen Garten wieder und durchwandern herrliche Sphären. Wir wenden uns einer kleinen Anhöhe zu. Schon von Weitem erblickt ihr einen herrlichen Quell. Zu ihm wollen wir nun gehen, denn ihr wollt von diesem reinsten Wasser trinken. Es soll euch kräftigen, denn ihr bedürft immer wieder der Kraft des Mutes, der Kraft, um eure Aufgaben zu erfüllen, um den Versuchungen zu widerstehen. Mut und Kraft muss euch immer begleiten. Wenn du nun im Geiste zu diesem göttlichen Quell hintrittst und davon trinkst, so lasse mich dir sagen, dass unser himmlischer Meister, unser Führer Jesus Christus, jeden Tag einmal an diesem Quell im Garten Gottes verweilt, vor dem wir jetzt stehen, und zu uns spricht:
“So rein wie dieses Wasser, so rein ist meine Liebe zum Vater, meine Liebe zu allen Geschöpfen. Wer von diesem Quell trinkt, wird leben.”
Dann schreitet Christus wieder von dannen; doch er besucht immer und immer wieder diesen Quell.
Nun darfst du dich im Geiste diesem heiligen Quell nähern, vor ihm stehen und daraus trinken – reines Wasser. Du aber sollst darin die reine Liebe erkennen, die grosse Liebe, die du dem himmlischen Vater schuldest wie allen deinen Brüdern und Schwestern. Es soll dich daran erinnern, dass du in gleicher Liebe leben sollst wie der himmlische Meister, dass der Quell dich reinigt. Du sollst es immer vor deinem geistigen Auge sehen, wie Christus zu diesem Quell hinschreitet, den du nun im Geiste gesehen hast, und wie er über ihn den Segen spricht; und es muss dir bewusst werden, welche Verpflichtungen du hast und auch welche Kraft dir dieser Quell gibt. Christus gibt dir Mut und Kraft für dein Leben. Bist du oft beunruhigt und in Zweifeln, dann suche diesen Quell auf; er wird dich erquicken und dich stärken. Darum schöpfe nun mit deinen Händen aus diesem Quell und trinke im Geiste vom heiligen Wasser. Halte deine Hände noch recht lange in diesen Quell hinein, damit alles Unreine aus dir herausgezogen wird. Halte deine Hände in das kühlende Wasser, und lege sie dann auf deine Stirn, dass dich diese Kraft durchdringe und alles an dir reinige. Und atme, atme an diesem göttlichen Quell.
Aber noch andere Gärten stehen offen, und so schreiten wir weiter, einem andern zu. Dort wollen wir unseren besonderen Dank darbringen. Wieder öffnet sich uns ein herrlicher Garten, darin der Tempel der Andacht steht. Dort möchten wir Gott darbringen, was wir besitzen. Ihr sollt eure himmlischen Begleiter bitten, es in das Haus Gottes zu tragen. Sie sollen hintragen euer grosses Verlangen nach Gott; sie sollen für euch bitten, dass Gott seinen Segen ausbreiten möge und dass dieses Verlangen, diese Sehnsucht nach Gott, in jedem Menschen noch mehr gesteigert werden möge. Oh, diese Sehnsucht in euch überbringen sie und bitten zugleich, dass ihr sie noch vermehrt, damit ihr noch mehr an das Göttliche gebunden werdet. Unsere himmlischen Begleiter sollen Lob und Dank darbringen für alles, was ihr bis heute empfangen durftet. Den Dank sollen sie Gott darbringen, ihn loben und preisen, und wir stimmen im Geiste mit ein. In diesem Tempel der Andacht sollst du Gott preisen. Du sollst darum bitten, dass die Sehnsucht in dir noch grösser werde, dass die Bande zu Gott noch enger geknüpft werden können. So bringen unsere himmlischen Begleiter deinen Dank und deine Wünsche zu Gott.
Da nun der Mensch immer wieder schwache Stunden hat – auch du, Bruder, Schwester –, so leite deine Bitte dahin, dass ein himmlisches Wesen dich begleite, das dich segne und stärke. Es ist die Begleitung gemeint in jenen Stunden, da dein Körper ruht und dein Geist geführt wird zu den heiligen, göttlichen Quellen, wo du gestärkt und erquickt wirst, dass ein gewaltiges Gefühl der Befreiung und des Friedens sich in dir auslöst. Dieser Segen ist Balsam für dich, und der himmlische Bote, der dich begleitet, überreicht dir den geistigen Trunk, damit du gekräftigt wirst. Dein geistiger Körper soll durchdrungen werden von göttlicher Kraft. Durch diesen heilsamen Trank sollst du noch besonders gestärkt werden, sodass dich die göttliche Kraft von allen Seiten umgibt und in dir wirksam wird. Dein Körper, in den du zurückkehrst, saugt von diesen Kräften auf, und je mehr du ihm zu geben vermagst, desto kräftiger und mutiger wirst du; denn das wirkt sich in dieser Weise aus.
So sollst du dir immer bewusst sein, dass dein Geist in himmlische Sphären ziehen kann, um sich dort zu kräftigen, dass du dich also mit dem Gedanken befassest, dass eine göttliche und heilsame Kraft deinen Geist umgebe und er in die himmlischen Auen geführt werde. So begleiten dich deine Schutz- und Führergeister und deine Lieben zu diesen Quellen, so du das Verlangen hast danach. Darum, wer nicht die Gefühle des Friedens hat, vermag nicht das Feuer des Friedens und der Liebe anzufachen; auch wer nicht den inneren Wunsch hat, aufzusteigen und göttliche Dinge zu erleben, wird es nicht. Je grösser aber das Verlangen danach in dir ist, desto grösser ist die Möglichkeit, dass es dazu kommt, dass du bewusst aufnimmst, was in dieser geistigen Führung alles geschieht.
Nun, meine lieben Freunde, versucht auch zu Hause gewisse Abende einzuschalten für die Meditationsübungen. Dann sollt ihr sie ebenfalls in einer bestimmten Reihenfolge durchführen. Ich habe nun versucht, an wenigen Abenden in grossen Zügen viel zu geben. Nun habt ihr Gelegenheit, über Dinge zu meditieren, euch hineinführen zu lassen in die göttlichen Bereiche, um zu erleben; und ich empfehle euch, meine Lieben, dies zu tun, denn ihr seid dann nicht allein, wenn ihr diese Übungen macht. Eure Lieben sind mit euch und auch bestimmte Engel Gottes.
Nun, da wir wieder zurück sind, wollen wir auch dieses herrliche Feuer in diesem Raum betrachten, von seiner Wärme aufnehmen. Ihr sollt von dieser göttlichen Kraft einatmen. Aber nicht nur dieses Feuer erblicken wir, sondern auch einen wunderbaren Brunnen, der seinen Segen über euch ergiesst. Seine feinen Strahlen steigen empor, um wieder auf euch herabzusprühen. Auf der einen Seite habt ihr das Feuer, auf der andern das Wasser. So nehmt auf von dieser heilsamen Kraft und bittet:
“Segen Gottes, begleite mich auf allen Wegen. Segen Gottes, bleibe immer bei mir. Vater im Himmel, Dank sei Dir für alles, was Du mir gegeben hast, für Freud und Leid, und Dein Wille geschehe mit mir. Göttliche Kraft, bleibe bei mir. Dank sei Dir, himmlischer Vater, für alles – Lob und Preis!”
Ich weiss wohl, dass ihr sehen und hören konntet. Tragt diese Erlebnisse mit euch hinaus. Es soll sich daraus eine solche Kraft entfalten, dass ihr immer fähiger werdet, geistig aufzusteigen und das zu erfüllen, was von euch verlangt wird.
Und nun, meine lieben Freunde, ziehe ich mich wieder zurück in meine Welt. Ich nehme eure Grüsse und Wünsche mit, und während die euch begleitenden Wesen bei euch noch verweilen, trage ich eure Grüsse und Wünsche ins göttliche Reich hinein. Nehmt auf den Segen Gottes, der in reichem Masse ausgebreitet ist. Der Segen des Heils beglücke euch. Werdet froh und frei. Der Segen Gottes begleite euch auf all euren Wegen. Gott zum Gruss.
Aus den Vorträgen von Geistlehrerin Lene vom 18.4. und 23.5.1955 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef, 1955 und 1956
Lieber Josef, Lene hat uns in der Meditation zu einer geistigen Quelle geführt. Kann unser Geist dann diese Quelle wirklich sehen und erleben?
Josef: Meistens ist er noch nicht fähig, diese Quellen richtig zu sehen und zu erleben. So ist der eine von euch vielleicht fähig, sich eine Quelle vorzustellen, einem andern genügt das Wort “Quelle”, und er empfindet, dass er an einer Quelle steht, sodass er ihre Kraft aufnehmen kann. Dieses Empfinden ist vom einen zum andern verschieden, denn nicht ein jeder hat die gleichen Kräfte.
Es kann aber auch sein, dass sich der Geist in dieser Führung so frei machen kann, dass er wirklich zu solchen göttlichen Quellen gelangt und dort sein eigenes Erleben hat. Bei den Meditationen, wie sie euch vorgeführt werden, beobachten wir die verschiedenen Fähigkeiten der anwesenden Freunde. Man schafft Gelegenheit, jedem etwas zu geben. So wird jeder gestärkt werden können, und zugleich werden vorhandene schlummernde mediale Fähigkeiten gefördert, wenn der Geist des Betreffenden tatsächlich bis zu diesen göttlichen Quellen folgen kann.
Wenn während der Meditation von geistigen Quellen gesprochen wird, und ihr werdet darüber nicht einig, wie ihr euch eine solche vorzustellen habt, so müsst ihr euch bewusst sein, dass diese Wesen, die euch in dieser Stunde führen, fähig sind, in diesem Raume eine solche Quelle aufzubauen, um euch an sie zu führen. Diese himmlischen Boten haben die Möglichkeit dazu – sie ist ihnen anvertraut.
Für den Anfang der Meditation ist das [die genaue Vorstellung dieser Quelle] gar nicht das Wichtigste. So sollen nicht viele Worte um etwas gemacht werden, was erst in viel späteren Meditationen zum Ausdruck kommt und vom einen und andern selbst erlebt werden kann. Die Meditation muss zur Folge haben, dass der Meditierende etwas erlebt. Sein Geist muss so gelenkt werden, dass er erleben kann. Er muss sich frei machen, sich von der Schwere dieser Erde heben; denn er wird ja immer wieder zurückgezogen an seinen Arbeitsplatz, in sein Haus, an unmögliche Dinge heran. Das Führen zu diesen Quellen hat vorerst zum Ziel, den Geist einmal frei zu machen. Dann sind immer noch andere Dinge mit eingeschlossen. Denn auf dem Wege zu diesen geistigen Quellen kann der eine oder andere wieder abgelenkt werden, weggeführt, gestört werden. Somit muss er überwinden können, er muss die Kraft besitzen, an diese Quellen zurückzukehren. Er denkt: “Ich finde ja gar keine Quellen, wie soll ich mir diese nun vorstellen?” Er ist noch nicht fähig, dem zu folgen, was seinem geistigen Auge vorgezeigt wird oder wohin er seine Aufmerksamkeit lenken muss.
So braucht es ein grosses Training, es ist nicht so einfach, wirklich zu meditieren. Denn es soll zur Folge haben, dem Körper wie dem Geiste Kräfte zuzuführen, und zugleich muss er etwas mit in sein Leben nehmen können: Er muss die Erkenntnis erlangen, wie er sich zu verhalten hat im Leben. Es darf nicht nur in egoistischem Sinne meditiert werden, es muss zu seinem Heile sein wie zum Heil seiner Mitmenschen. Dies ist ein besonderer Weg, auf dem der Mensch so viel Kraft bekommt, dass er fähig sein muss, die gewonnene Kraft und diese Erkenntnisse auszuwerten.
Lieber Josef, sind die Bilder, die Lene uns an den Meditationsabenden schildert, eine geistige Wirklichkeit?
Josef: Je mehr der Einzelne in die Meditation geht, je mehr er sich verfeinert, desto reiner kann er sehen. Dies ist ja nur der Anfang, die Bilder und das Schauen müssen verfeinert werden. Denn von eurem Auge muss noch so viel entfernt werden, es muss gereinigt werden. Wer den Wunsch hat, dem Gesagten zu folgen, der schafft schon gewisse Bedingungen für sein geistiges Schauen. Und dann, wenn er immer wieder in diese Meditation geht und diese Stille aufnimmt, werden die Geistwesen das geistige Schauen bei ihm fördern helfen. Es kann geschehen, dass dabei diese Fähigkeit rein ausgebildet werden kann.
So besteht also bei Einzelnen die Möglichkeit, dieses Schauen zu verfeinern, wenn es der Geisterwelt gelingt, das Grobstoffliche von ihren Augen aufzulösen, sie in den verfeinerten Zustand hineinzubringen. Bei Verschiedenen aber ist das nicht möglich, sie sind einfach nicht zugänglich dafür. Aber auch diese Menschen sollen mitschwingen in der Meditation, damit sie von dieser Herrlichkeit erahnen können.
Lieber Josef, ist es besser, wenn man während der Meditationen von Lene sich die Schilderungen genau vorstellt oder wenn man nur gefühlsmässig mitgeht?
Josef: Ich möchte sagen, jeder soll nach seinem Gefühl handeln, aber er muss mitgehen. Denn die himmlischen Wesen, die doch da sind, führen ihn. Es ist doch so, dass es hier bei der Meditation – etwas grob ausgesprochen – eine gewaltsame Lösung des Geistes vom Körper geben muss, wenn der Mensch von seinen Gedanken an die täglichen Geschäfte nicht loskommt. Dann ergibt sich durch die Himmelsbotin Lene in gewissem Sinne ein gewaltsames Wegführen für das geistige Erleben.
Darum fragt sich dann derjenige, der einfach nichts sehen kann: “Ist es wohl Phantasie, was die andern sehen? Ich sehe einfach nichts”, weil er den Geist ja nicht zu diesen Erlebnissen gehen lässt. Und das ist es doch, was man in dieser Beziehung fertigbringen will, dieses Loslösen, diese vollständige Entspannung, dieses Mitschwingen mit den Worten, die gesprochen werden. In diesen Rhythmus hinein muss der Einzelne kommen, um das zu erleben. Das öffnet dann die Wege für viele andere Dinge.
Lieber Josef, was soll ich tun? Wenn ich mich abends immer ganz positiv zum Meditieren einstelle, treten auf einmal negative Gedanken ein, die mich so beschäftigen, dass ich das Haus verlassen muss, um mich wieder zu beruhigen.
Josef: Es ist richtig, wenn du dann hinausgehst, doch nicht um einfach Zerstreuung zu suchen. Du kannst vielleicht in die Nähe eines Baches gehen oder vielleicht dem See entlang. Dann atmest du jene wunderbare Kraft ein und bewunderst die Natur. Denn weisst du, dies sind Prüfungen. Das will aber nicht heissen, dass du diese Meditationsübungen nicht immer wieder machen sollst.
Doch wenn immer wieder andere Gedanken zu dir kommen, dann stelle dir – sagen wir – ein Feld mit Blumen von einer gewissen Art vor. Du musst aber dieses Bild im Geiste festhalten. Sagen wir ein Feld mit lauter Veilchen oder einer Blume, die du besonders liebst. Es können auch Tiere sein, die du liebst, auch Dinge. Du darfst nur nicht davon abgehen, im Geiste immer diese Blumen oder Formen vor dir zu sehen. Du musst davon eine grosse Fläche vor dir haben und Reihe für Reihe davon beobachten, ob all die Blumen oder andern Dinge in ihrer schönsten Form vorhanden sind. Wenn du dieses immer übst – und das ist notwendig –, dann kannst du weitergehen. Du musst dich so zwingen. Probier es einmal! (1955)
Ein paar Monate nach den Meditationsanleitungen von Lene ging Geistlehrer Josef in einem Vortrag ausführlicher auf die Frage von Freunden ein, warum sie in der Meditation keinen Erfolg hätten, warum es ihnen trotz ihrer Bemühungen nicht gelinge, in der stillen Stunde etwas Geistiges zu sehen oder zu erleben.
Josef: Liebe Freunde, in letzter Zeit habe ich auch über das Meditieren gesprochen, wie notwendig es für den Einzelnen wäre, in der Weise die stille Stunde zu pflegen und so die Verbindung zur Gotteswelt herzustellen. Heute möchte ich noch weitere Belehrungen und Erklärungen dieser Art zu eurem Heile geben. Besonders möchte ich auch auf die verschiedenen Fehler aufmerksam machen, die da und dort begangen werden. Damit sollte jedem verständlich werden, welches seine Fehler sind, dass er geistig nicht weiterkommt, was er besser zu machen hat und so weiter.
Als Vorbereitung für die stille Stunde empfehlen wir immer, dass jener Raum gut durchlüftet sein soll. Denn durch das Hereinlassen von frischer Luft – oder frischem Od – tragt ihr zu eurem eigenen Wohlbefinden bei. So helft ihr den göttlichen Wesen, die Schwingung zu steigern, dass es ihnen leichter wird, sich euch zu nähern; denn die göttlichen Wesen lieben die frische Luft. Es ist eine Grundbedingung, nicht in einem muffigen Raum zu meditieren, da die Kraft dadurch verringert wird. Ihr sollt alles tun, um diese Kraft zu steigern, die es den guten Geistwesen erleichtert, sich euch zu nähern.
Das Verlangen, Gott näherzukommen, ist in den Herzen vieler Menschen, selbst bei jenen, die einerseits immer wieder zweifeln, anderseits die notwendige Durchschlagskraft nicht aufbringen. Aber gerade jenen schwermütigen Menschen, die immer wieder von Geistern der Verzweiflung und der Schwermut umfangen werden, ist schwer zu helfen; denn sie schliessen die Wege selbst ab, durch welche die göttliche Kraft zu ihnen dringen möchte. Wer niedergeschlagenen Gemüts, in einer gewissen Ungeduld und voller Misstrauen in die stille Stunde geht, vernichtet durch seine negativen Gedanken die Kraft, die ihm dienen möchte. Wer also solche Gedanken pflegt: “Man kann mir doch nicht helfen”, oder: “Ich erreiche doch nichts”, verschliesst sich diesen göttlichen Kräften.
Wer aber mit Freuden und wohlgemut in die Meditationen geht, belebt die Schwingung, diese Kraft. Durch sein positives Denken und Gehobensein öffnet er alle Wege zur göttlichen Welt, dass ihn die heilsamen Ströme durchfliessen können und er gekräftigt wird.
Zuerst möchte ich mich noch mit jenen befassen, die sich sagen: “Ich habe schon so viel über dieses und jenes meditiert. Aber ich höre und fühle nichts, und man kann mir doch nicht helfen.” Doch viele, die so denken, fühlen sich dennoch immer zu diesen stillen Stunden gedrängt. Wer aber solche verzagten Gedanken pflegt, wird, wie ich gesagt habe, von den Geistern der Verzweiflung und Schwermut umfangen. Sie flüstern den Menschengeistern zu: “Siehst du, dein Leben als Mensch ist so schwer, und deine Mitmenschen sind so falsch. Du kannst von ihnen keine Hilfe erwarten, wenn du in Not bist. Du kannst arbeiten, so viel du willst, du hast doch kaum das Notwendigste zum Leben. Betrachte deine Mitmenschen in ihrem Reichtum. Sie schaffen nicht wie du. Sie verstehen es, auf leichtere Art das Geld zu verdienen. Für sie ist gesorgt. Du aber hast nichts.”
Diese Einflüsterungen werden ihnen bewusst, und sie schmücken sie selbst noch aus. Sie schwingen mit und sagen sich: “Ja, ich muss schwer arbeiten und habe kaum das Nötigste, obschon ich eine wunderbare Verbindung zur göttlichen Welt habe. Wo ist denn ihre Hilfe? Ich sehe nichts und höre nichts. Was nützt es mir da, diese Verbindung weiter zu pflegen!” Solche Freunde gibt es viele. Es sind Zeiten grösster Prüfung für sie. Wenn sie dann aber so denken, ziehen sie die Geister der Verzweiflung an und schliessen die Wege, auf welchen die Engelwesen zu ihnen kommen wollen. Stattdessen öffnen sie die Wege zur Welt der Düsterheit. Und jene Geister der Schwermut und Verzweiflung, die selbst das Glück nicht kennen, flüstern ihnen zu: “Was hast du schon Schönes auf dieser Welt? Verlasse sie doch. Dann bist du frei von Sorgen. Komm zu uns. Wir bieten dir unsere Freundschaft und wollen uns dir widmen. Du wirst es schöner haben. Verlasse diese Welt!” So versuchen sie solche Menschen sogar zum Selbstmord zu treiben. Und wenn der Mensch ihnen Gehör schenkt, dann nimmt er von ihrer Kraft auf, wird noch verzweifelter, noch leidender an Körper und Seele.
Mein lieber Bruder, meine liebe Schwester, hast du nicht auch schon oft so gedacht? Denn wenn du keine Zeit für die stillen Stunden findest, so nimmst du dir doch Zeit zum Grübeln. Du findest dann oft das Leben sinn- und zwecklos, findest keine Liebe bei den Nächsten. Dadurch aber hast du jenen Geistern der Verzweiflung schon Zutritt gewährt, dass sie sich in dir ausleben können. Gott will aber nicht, dass du unglücklich bist in dieser Welt. Du sollst glücklich sein.
Und was musst du tun, um diese düstere Einstellung zu überwinden? Du sollst die geistigen Gesetze kennenlernen, dann wirst du zur Erkenntnis gelangen, und dein Leben, gleich welches Schicksal du zu ertragen hast, findest du wundervoll. Denn es ist dir Gelegenheit gegeben, so vielseitig zu wirken.
Als Mensch kannst du durch dein Gebet zum Beispiel für deine Lieben in der geistigen Welt mehr wirken, als wenn du selbst bei ihnen wärst. Auf diese Art kannst du auch ein gewisser Meister sein im Heilsplane Gottes, indem du den Seelen, die noch nicht befreit sind, den Weg zeigst. Wenn du allen Anfechtungen gewachsen bist, werden dir solche Seelen zugeführt, die noch unglücklich sind, damit sie deine Tapferkeit sehen, deine Grossmut, deinen Gottesglauben. Oder du hast die Möglichkeit, den Menschen ein Beispiel der göttlichen Liebe zu sein. Klage nicht über die Lieblosigkeit deiner Mitmenschen, niemals. Deine Aufgabe, dein Sehnen soll sein, andern so viel Liebe aus deiner Seele zu geben und nicht erst zu fragen, was man dir dafür bietet. Du sollst geben können von ganzem Herzen, deine Aufmerksamkeit, dein Wohlwollen, dein Verständnis, deine Hilfe. Dadurch dass du hilfst, dass du Liebe spendest, wirst du selbst gesunden an Leib und Seele. Der Mensch muss viel geben, damit er empfangen kann. Dann wird er gekräftigt und auf wunderbare Weise geführt.
Nun bitte ich dich: Höre aufmerksam zu, dann wirst du zu meinen Worten selbst die Ergänzung finden und herausfühlen, was ich zu sagen habe. So können Menschen, die diese Verbindung zur göttlichen Welt lieben und die stille Stunde pflegen, immer wieder eine wunderbare Kraft empfangen. Viele haben dies schon auf wunderbare Weise erfahren. Wenn sie auch die Geistwesen um sich nicht sehen oder fühlen können, so ahnen sie doch ihre Nähe; seien es ihre Lieben, seien es ihre eigenen Schutzgeister oder höhere Himmelswesen, die sich mit ihnen beschäftigen können. Wenn du willst, dass dich die Gotteswelt führt, dann befolge meinen Rat: Sei frohen Mutes und Gott dankbar. Begib dich in diese Stille, um zu empfangen. Öffne dein Herz, und sage dir: “Ich bin bereit, von den Kräften der göttlichen Quellen aufzunehmen. All das Herrliche möge mich durchfliessen. Ich bin so glücklich und froh. Ich liebe alle Menschen. Ich liebe die ganze Welt. Ich liebe sie so, wie sie ist.”
Du musst dich heben in deinem Denken und Wollen. Dann hast du dafür gesorgt, dass der göttliche Strom sich dir nähert und die Engel Gottes der Liebe und der Kraft dich umfangen können. Du sollst Glücksgefühle empfinden. Dann nähern sich dir die Engel und versuchen an dir zu arbeiten. Und sie werden gerade das zuerst tun, was für deinen geistigen Fortschritt am notwendigsten ist. Denn nicht jeder Mensch bedarf desselben. (4.3.1956)
Lene, 18. Oktober 1961
Um in der stillen Stunde die Geisteswelt in ihrer Herrlichkeit zu erleben und Stärkung für Körper, Geist und Seele zu erhalten, braucht es gewisse Vorbereitungen und persönliche Anstrengung. Es braucht Zeit und Kraft, sich von der Hetze der Arbeit und von den Einflüssen des Alltags zu lösen. Zu den notwendigen Vorbereitungen gehört es auch, sich im täglichen Leben nach den hohen Zielen auszurichten und als gerechter Mensch zu wirken. Denn auf diese Weise schafft man sich die Verbindung zu Geistern Gottes und kann sie in der Stunde der Meditation als Gäste empfangen oder darf selber Gast in ihrem Reiche sein.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, das Meditieren ist eine persönliche Angelegenheit. Nicht alle Meditationen, so wie ich sie durchführe, sagen jedem zu. Der eine geht mit, einem andern bedeutet es nicht viel oder überhaupt nichts. Das will nicht heissen, dass diese keine guten Menschen wären oder solche, die nicht mit uns einig wären – nein. So hat der eine den Drang zu dem, und der andere möchte wieder etwas ganz Besonderes oder Eigenartiges haben. So ist es eben unsere Aufgabe, diese Meditationen jeweils so durchzuführen, dass wir dem grössten Teil der Freunde gerecht werden und sie auch etwas mit nach Hause nehmen können. In dieser Woche [Meditationswoche in Wildhaus], wo ich Gelegenheit hatte, jeden Abend zu sprechen, da hat man die Meditationen vielseitig aufgebaut. Man wollte den Freunden auch zeigen, wie abwechslungsreich die geistige Welt dem Menschen etwas bietet.
Nun versuche ich diese Stunde wiederum auf eine besondere Art zu meditieren mit euch. Dabei ist es immer notwendig, dass man sich von den Gedanken befreit, die einen begleiten. Geschäfte soll man zur Seite legen, auch Sonstiges. Mit allem Möglichen beschäftigt sich der Mensch; beim einen geht es um die Zukunft, der andere ist krank, oder er verfolgt ein besonderes Ziel. Nichts dergleichen soll ihn diese Stunde beschäftigen, keine Geschäfte, nichts. Ganz frei soll er werden. Er sollte es sich ermöglichen, etwas von der Schwere dieser Erde zurückzulassen. Er sollte sich erheben, ins Geistige hineintreten, ins Reich Gottes. Die geistige Sprache, wie wir sie reden, ist nicht dasselbe, was der Mensch spricht. Und darum versteht man uns oft so wenig.
Pflanzen, Tiere, Menschen, sie alle brauchen, jedes auf seine Art, ihre Nahrung. Aber auch die Seele braucht ihre Nahrung. Man vergisst dieses und will nur dem äusseren Menschen alles Notwendige zuschieben. Doch zum Leben muss auch die Seele genährt werden; auch sie muss gepflegt werden, um zu leben. Man kann das auf verschiedene Arten tun, je nach der Einstellung des Einzelnen. Dem einen genügt der allgemeine Glaube an Gott – dieses nennt er auch Seelenpflege. Doch der Gottesglaube allein ist noch nicht genügend; die Seele will mehr Nahrung als nur den Gottesglauben. Bedenkt, wie wenig Menschen an eine Verbindung zur Geisterwelt Gottes glauben. Diese Menschen, die eben nicht an Geister Gottes glauben, können nicht das erleben wie diejenigen, die es glauben. Doch müssen wir auch dem Geistgläubigen klarmachen, was zu tun ist, um der Seele die richtige Nahrung zu geben, dass es keine Oberflächlichkeit ist.
Ordensleute vermögen grosse Aufgaben auf sich zu nehmen. Sie gehen durch Erniedrigungen, sie haben zum Teil ein schweres Leben; sie ertragen es, sind duldsam. Sie tun es für ihren Erlöser. Viele von ihnen sind stille Dulder und Dulderinnen. Sie können die grösste Arbeit leisten – mit “die grösste” möchte ich sagen: Sie können Kranke pflegen, es wird ihnen nie zu viel. Wenn ein Mensch wirklich gepflegt werden muss wie ein kleines Kind, mögen gewisse Pflegerinnen und Pfleger abgestossen sein und sich entsprechend darüber äussern; oder sie leisten diese Arbeit nur, weil sie einen guten Verdienst haben. Jene Menschen, die im Dienste Gottes stehen und den Dienst am Nächsten erfüllen, sie klagen nicht. Sie arbeiten nicht um irdischen Lohn, sie arbeiten für ihren Erlöser, für Gott und tun so jede Arbeit. Sie sind zum allergrössten Teil sehr pflichtbewusst; sie sprechen nicht viel über ihre Arbeit, und wenn sie da und dort gefragt werden, warum sie wohl so viel Ausdauer und Geduld hätten, so geben sie die Antwort: “Wir tun es ja aus Liebe zu den Menschen und aus Liebe zu Christus und zu Gott.” Es gibt Menschen, die, wenn sie in ähnlicher Weise wirken, es sehr laut ausrufen, was sie tun. Und das ist schade. Jene andern, die so still ihrer Arbeit nachgehen, sind ein Stück weit ins Reich Gottes hineingetreten.
Der geistverbundene Mensch, dem es daran gelegen ist, immer näher an Gott heranzurücken, immer näher mit der guten Geisteswelt in Verbindung zu kommen, muss sich über drei Dinge klar werden:
In seinem täglichen Leben braucht es das Streben nach den hohen Lebenszielen, des Weiteren muss er ins Reich Gottes eintreten, und dann muss er das Reich Gottes erleben können.
Jene, von denen ich gesagt habe, sie glaubten nicht an Geister Gottes und an eine Verbindung zu ihnen, können solches, was ich euch nun diese Stunde sagen möchte, gar nicht erleben; sie kommen nicht in den Genuss dieser Freuden. Es fehlt ihnen am Glauben. Weil sie es nicht sehen können, wollen sie es nicht glauben. Sie haben aber auch einen Glauben, einen Glauben an Gott und an Christus, obwohl sie diese auch nicht sehen können – aber sie wollen glauben. Doch die Boten Christi, die von Gott gesandt sind, wollen sie nicht annehmen; von den Geistern, die von Gott sind, wissen sie nicht viel.
Dann möchte ich erklären: Das, was man in der Meditation erlebt, soll man nicht andern erzählen; man sollte es ganz für sich behalten. Das Meditieren auf diese Art und Weise ist etwas für jene Menschen, die schweigen können und das Erlebte für sich behalten. Wir machen auch darauf aufmerksam: Für gewisse Menschen kann eine Gefahr bestehen, wenn zu viel von Geistern gesprochen wird, wenn sie glauben, so viel zu sehen, da, bei dem oder dort. Die Meditation ist eine heilige Sache, sie soll jedem sehr heilig sein. Und wenn es ihm zur heiligen Angelegenheit geworden ist, wird es keine Gefahr.
Kostbarkeiten sind nicht auf der Strasse zu finden, sie müssen erworben werden. Auch das Geistige erwirbt man nur mit grosser Ausdauer. Wenn man die gute Geisterwelt für sich beanspruchen will, braucht es Ausdauer und manches Bitten und Flehen; denn ihre Hilfe ist kostbar. Die niedere Geisteswelt lässt nicht manches Mal rufen; sie ist schnell bereit, dem Menschen Dienste zu leisten. Ich möchte jetzt aber nicht Erklärungen über die niedere Geisteswelt geben; ich möchte nur auf die Gefahren hinweisen und auf die Möglichkeit, dass jene schnell am Platze sind, um die Menschen irrezuführen. Und so muss sich der geistverbundene Mensch klar werden: Es braucht viel, um im täglichen Leben sozusagen in ständiger göttlicher, geistiger Verbundenheit zu sein. Ihr wisst es aus den Erklärungen unseres Bruders [Josef], dass so viele irrende Geister Menschen aufsuchen und versuchen, sich bei ihnen auszuleben.
Wenn ihr nun meditieren wollt, müsst ihr die Stille aufsuchen. Und auf die Meditation sollt ihr euch freuen. Es soll euch etwas Heiliges und Kostbares sein. Ihr sollt den Tag und die Stunde dafür bestimmen, vielleicht eine ganze Woche oder noch mehr zum Voraus. Und ihr sollt euch vorbereiten für diese Meditationsstunde. Es ist nämlich sehr schwer, von der Hetze der Arbeit wegzugehen, um für eine heilige Sache zu meditieren. Es wird euch ganz klar, wie viel ‘Anhang’ man mit sich bringt, aus dem Geschäft, von der Strasse – überall sind solche Geistwesen. Es braucht auch eine Zeit und eine Kraft, diesen Anhang loszuwerden, denn diese Geister haben oft sehr viel Kraft, grosse Ausdauer, und sie wissen den Menschen immer wieder abzulenken. Sie legen ihm die Gedanken nahe, sie legen sie ihm zurecht, um ihn für sich zu gewinnen. Alle Geister sehen, ob ein Mensch nach den hohen Zielen strebt oder ob er ein Gleichgültiger ist. Und da, wo einer nach den hohen Zielen strebt, da werden auch viele Versuchungen an ihn kommen.
Wenn ich euch sage: Bestimmt den Tag und die Stunde für eine solche heilige Meditation, vielleicht schon Wochen zum Voraus, oder nehmt euch vor, jede Woche immer zur selben Zeit zu meditieren, und haltet euch daran, und freut euch, so wie ihr euch freut, wenn ihr ein irdisches Vergnügen erleben dürft, das etwas Besonderes ist. Das Geistige ist das Wertvollste. Wenn ihr diese Vorbereitungen getroffen habt – und das heisst, man soll sich freuen, aber man soll auch den Weg für sich erleuchten für diese Meditationsstunde –, so muss man auch beten, eben Gott verbunden sein. Zum Gebet gehören die Taten. Was eine grosse Notwendigkeit ist: sich mit der Umgebung gut zu verstehen. Wenn euch eine besondere Freude bereitet worden ist, so vermögt ihr kurze Zeit danach mit einem, den man nicht so besonders liebt, auch etwas nachsichtig zu sein – aus einer Freude heraus. Wenn man ständig in dieser Freude lebt, dann vermag man auch nachsichtig zu sein. Wenn ich sage “nachsichtig”, so ist damit nicht gemeint, dass alles zu übersehen wäre, jede Ungerechtigkeit und dergleichen – nein. Aber die Seele muss in ihrem Streben ihren Ausdruck geben können; die hohen Ziele müssen von den Mitmenschen erkannt werden. So wird man auch geschätzt und geachtet werden.
Es braucht also eine Vorbereitungszeit, will man eine wirklich gute Meditation durchführen, will man das erleben, von dem ich sprechen werde. Es wäre irrig, wenn man glaubt, nur den Wunsch aussprechen zu müssen: “Komm, o Geist des Himmels, kehre bei mir ein, und führe mich!”, und es würde gleich ein hoher Geist des Himmels herbeieilen.
Es sind die Schutzgeister, die am Menschen die Aufgaben erfüllen; aber man möchte eine besondere Verbindung haben, man möchte Besonderes erleben – man muss also eintreten ins Reich Gottes, so wie ihr es im täglichen Gebet erbittet, dass dieses Reich kommen möge. Man muss in das Reich Gottes hineintreten, und dann kann man das, was sich hier abspielt, erleben. Und das ist wohl das Schönste für den geistverbundenen Menschen. Wenn ich sage “geistverbundenen Menschen”, so ist selbstverständlich jener Mensch gemeint, der mit der guten Geisteswelt verbunden ist.
Wie kommt es zu diesem Erleben? Mit Recht habe ich darauf hingedeutet, dass man nicht annehmen kann, man könne einfach einen Geist aus den höchsten Himmeln erbitten. Es braucht eine Vorbereitungszeit. Auch der Eintritt ins Reich Gottes muss einem schon zum Erlebnis werden. Der Mensch muss erfüllt werden von innerer Freude, von Glücksgefühl, Zufriedenheit. Und dann, wenn er sich einen Platz ausgewählt hat, wo er ruhig erleben kann, was sich im Geistigen abspielt, dann rückt er ja immer mehr vom Irdischen weg, und das muss er – ganz langsam sich erheben zum Geistigen.
Was für die Menschen eine Notwendigkeit ist, wenn sie ihre körperlichen und geistig-seelischen Leistungen aufs Höchste steigern wollen, das ist die Gesundheit. Sie müssen etwas für die Gesundheit tun – nicht im irdischen Sinne. Wenn man jetzt in diese Meditationsstunde schreitet und geistverbunden ist, wenn man bewusst Bruder, Schwester ist zu allen erhabenen Wesen, da erbittet man diese zu sich. Man kann sozusagen zum Gastgeber werden dieser heiligen Geister Gottes. Ihr wisst, die Geister haben ihre Aufgaben. Jeder erfüllt auf einem bestimmten Gebiet mit seiner ganzen Kraft und Hingabe seine Aufgaben. Nun, es ist notwendig, den Geist Gottes, den Geist der Gesundheit, zu sich zu bitten, dass er bei einem wohnen möge. So versuche man, ihn zu erleben, diesen Geist. Und man bitte ihn:
“Erfülle mich mit deiner ganzen Kraft.”
Denn er ist heilig und in Gottes Nähe. So flehe ihn an:
“Geist der Gesundheit, hülle mich ein mit deiner Kraft, und mache mich stark, damit ich überall meine Aufgaben erfülle.”
Ist man tief in das Reich Gottes hineingetreten, so kann man diesen Geist der Gesundheit in seiner äusseren Form, in seiner äusseren Erscheinung erleben. Man kann ihn sehen in seiner Gewandung, wie er dahinschreitet. Man soll nicht glauben, das wäre nun eigene Phantasie, was man sehe. Ich sage: Es braucht Vorbereitung zu diesem Erleben. Man muss also bitten:
“Kommet hernieder, ihr Geister des Himmels, ihr himmlischen Brüder, und seid Gast bei mir. Ich bitte den Geist der Gesundheit, dass er bei mir Wohnung nimmt. Ich bitte den Geist der Gesundheit, dass er am frühen Morgen schon mir zur Seite steht. Ich bitte, dass er mich den ganzen Tag begleitet, dass er mich stets erfüllt mit seiner heiligen Kraft.”
Und wenn man abends zur Ruhe geht, so ist das letzte Denken zu Gott hingewandt: Man dankt für alle Gaben des Tages, für jede Hilfe seiner heiligen Geisterschar. Ich möchte nicht, dass da oder dort der Gedanke aufkommen könnte, auf diese Weise würde man dem einzelnen Geiste zu viel Ehre antun. Die Ehre des einzelnen Geistes soll zur Ehre Gottes gereichen, alles zur Ehre Gottes. Die Geister des Himmels, die da kommen, kommen im Auftrage des Erlösers, im Auftrage Gottes.
Nun, wenn man in dieser Stunde diesen Geist erlebt, so lässt man ihn sozusagen an sich vorüberziehen; man erlebt ihn, man sollte ihn sehen. Aber es geht nicht nur um das Erleben in dieser Stunde. Denn was der Geist der Gesundheit während der anderen Zeit macht, wenn ihr beispielsweise bei eurer Arbeit seid, das könnt ihr nicht sehen. Aber ihr müsst ihm den Zugang frei machen, zu jeder Stunde, ob ihr arbeitet oder ob ihr euch vielleicht irgendwo auf der Strasse befindet. Der Weg muss immer frei sein, und diesen freien Weg schafft man sich in der besonderen Stunde der Meditation. Man bittet also den Geist der Gesundheit: “Komm hernieder, sei mein Gast.” Er will nur zu gerne bei dir Wohnung nehmen, wenn man die Bedingungen für ihn erfüllt hat. Man kann ihn kommen und gehen sehen. Man kann es erleben, was er mit sich bringt. Vielleicht kommt er nur schön gekleidet, vielleicht sieht man ihn mit irgendeinem Gefäss oder mit sonst einem Gegenstand. Man weiss es nicht zu deuten. Das spielt auch keine Rolle. Man muss es erleben, man muss ihn sehen, ob er kommt ganz weiss oder ganz blau oder ganz grün gekleidet oder in einer Farbenpracht. Und er trägt vielleicht ein Buch bei sich; fraget nicht: “Warum dieses Buch, was spielt es für eine Rolle?” Das Wesentliche ist, dass es der Geist der Gesundheit ist, der beim Einzelnen Wohnung nimmt. So kann man ihn erleben. Man kann ihn kommen sehen mit einem Becher oder mit einem Krug. Man soll sich nach der Meditation keine weiteren Gedanken darüber machen, nichts Weiteres ausmalen; denn da wäre die Gefahr, dass man mit der Frage “Was wollte er mit diesem Gegenstand?” anfangen würde, sich Dinge auszumalen oder zuzusprechen. In der heiligen Stunde der Meditation soll eine Hingabe an das Göttliche sein, und dann soll man es erleben. Ist die Meditationsstunde vorüber, erfüllt man als Mensch seine Aufgabe, wie es von Gott befohlen ist. Man steht mitten in der Arbeit, und die Arbeit soll zum Gebete werden, ohne dass man den Mitmenschen aufmerksam machen muss, wie fromm man ist – die Tätigkeit des Menschen soll das Gebet sein. So erlebt man eine Meditationsstunde und erbittet den Geist der Gesundheit zu sich.
Ich möchte einen weiteren Geist erflehen, der ebenso notwendig ist für den Geistverbundenen und für die Kräftigung und Nahrung der Seele. Es braucht auch einen Geist wahrer Frömmigkeit. Diesen Geist wahrer Frömmigkeit soll man sich auch erbeten. Manche behaupten von sich, fromm zu sein. Es gibt solche mit fanatischer Frömmigkeit, mit oberflächlicher Frömmigkeit. Solche können nicht dieses geistige Erlebnis finden, wie ich es euch andeute. Die wahre Frömmigkeit muss erfleht werden. Hier muss man beten, Gott bitten, denn es geht alles nach seinem heiligen Willen. Der heilige Geist der Frömmigkeit wird kommen und eure Seelen und eure Herzen stärken, kräftigen, den Glauben stärken, die Frömmigkeit mehren, die wahre Frömmigkeit, das Gebet und das gerechte oder das fromme Leben. Mit “frommem Leben” ist nicht gemeint beten vom Morgen bis Abend, sondern gerecht, im Frieden, in Harmonie wirken – das ist ein frommer Mensch. Es ist nicht so leicht, ein frommer Mensch zu sein. Das Gebet muss aus tiefer Andacht kommen. Es ist besser für den Menschen, wenn er sich den Weg zur Meditation vorbereitet hat. Schwierigkeiten, Versuchungen konnte er in der Vorbereitung aus dem Weg räumen. Er hatte sich eine angenehmere Atmosphäre, eine geistig angenehmere Atmosphäre geschaffen. Er wird weniger – ich sage weniger, vielleicht überhaupt nicht – abgelenkt. Er kann wirklich beten. In erster Linie bittet er ja um den Geist der Frömmigkeit, dass dieser bei ihm Gast werde. Man muss ihn erleben, man muss ihn sehen, wie er auf einen zuschreitet. Ich sage jetzt, man müsse ihn erleben – vielleicht kann man ihn nicht sehen. Man muss dann eine solche Meditation in derselben Art und Weise immer wiederholen, bis es zum Erlebnis kommt. Das Nichterleben soll nicht betrachtet werden als Strafe oder dass derjenige von der Geisterwelt Gottes nicht gesehen oder gehört würde. Es wird auch als Prüfung geschehen, dass man nichts erlebt. Die Menschen werden sehr auf die Ausdauer geprüft.
Erlebt man dann diesen Geist der Frömmigkeit in einer solchen Stunde und hat man das Gefühl, dass er ganz nahe bei einem ist, so darf man zu ihm sprechen, wie man auch zum Geist der Gesundheit spricht. Und ob dieser Geist wirklich bei einem ist, sollte man merken durch das Glücksgefühl, durch die gehobene, freudige, selige Stimmung, die man hat, sodass man vor Freude jauchzen möchte und gar nicht mehr das Gefühl hat, auf Erden zu leben, sondern in einer ganz anderen Welt; man hat sich gehoben, ist entflohen von der Schwere der Erde, ist tief hineingetreten in das Reich Gottes.
Der Geist der Frömmigkeit ist die Säule der Kirche Gottes, und er sollte jeden Einzelnen so stärken. Es ist für mich schwer, dieses mit Worten zu erklären; es muss erlebt werden. Durch den Besuch dieses Geistes der Frömmigkeit soll also einmal eine innere Freudigkeit erstehen, und dieses Glücksgefühl muss sich im Lauf der Meditation steigern. Man soll mit seinen Gedanken also ja nicht zurücksinken in das irdische Leben, in die vergangene Tätigkeit vom verflossenen Tag und so weiter, nichts dergleichen. Kann man es nicht, so werde man darüber nicht unglücklich, sondern übe sich immer wieder.
Es ist eine irrige Auffassung des Menschen, zu glauben, es wäre ein Misserfolg und er habe den Weg nicht recht vorbereitet, wenn er trotz seinem besten Willen und seiner ehrlichen Überzeugung, mit der er in diese Meditationsstunde hineingeschritten ist, nichts erlebt und zu zerstreut ist. Wenn er trotz den Vorbereitungen nichts sieht, so muss man es eben immer wieder üben. Man glaubt manchmal, man sollte mit einer Meditation in einer Stunde eine ganze, abgeschlossene Angelegenheit haben, es sollte ein Thema oder irgendein Erlebnis zu Ende erlebt werden. Ihr seid an Zeit und Ort gebunden. Im wahren Geistigen aber ist dies nicht so; man ist weder an Ort noch an Zeit gebunden. Das zu überwinden braucht auch eine gewisse Geduld.
Also: Hat man es nicht erreicht, soll man trotzdem ein zufriedenes Gefühl in sich haben – man ist am Orte angelangt, aber man hat nur nichts gesehen und erlebt. Das ist kein Unglück. Merkt euch das. Ihr sollt nicht meinen, eine solche Stunde der Verinnerlichung müsse euch ein ganzes, fertiges Bild bieten. Wenn ihr also nichts dergleichen erlebt, so ist es ein Zeichen dafür, dass ihr immer wieder denselben Weg antreten müsst, die Vorbereitungen besser treffen, tiefer ins Reich Gottes hineingehen müsst. Durch die Vorbereitungen, die es braucht, will man einen Nutzen aus einer solchen Meditation ziehen; man will etwas erleben. Was man auf diese Art und Weise mit erhabenen Geistern Gottes, die man erfleht, erlebt, soll man still für sich behalten. So besteht auch keine Gefahr. Der Geist der Frömmigkeit ist die Säule zur Kirche Gottes.
Wir wissen, das Meditieren ist eine individuelle Angelegenheit, und so kann man in einer Stunde der Meditation auch einen anderen Geist erflehen. Heute spreche ich als Beispiel von drei Geistern – den Geist der Gesundheit und den Geist der Frömmigkeit habe ich bereits genannt. Je nach eurer Kraft, die euch zur Verfügung steht, könnt ihr aber an einem Abend vielleicht nur einen Geist erleben.
Nun, es scheint uns für den heutigen Menschen auch eine grosse Notwendigkeit zu sein, um einen Geist Gottes zu flehen, der die Aufgabe hat, über Vernunft und Verstand zu walten. Bittet darum:
“Heiliger Geist des Himmels, heiliger Geist der Vernunft, komme hernieder, stärke und entfalte mich.”
Ein Geist der Vernunft – ihr sollt nicht annehmen oder glauben, so etwas gebe es nicht. Geister ganzer Legionen sind dafür bestimmt, Verstand, Vernunft des Menschen zu schärfen. Und das ist es, um was man flehen soll. Man soll ihn sehen, diesen heiligen Geist der Vernunft, wie er kommt und wie er geht, und es erleben. Er soll bei einem zu Gaste sein. Denn ein Geist der Vernunft ist gleich dem Altar der Kirche Gottes, auf den Gaben gestellt werden, wo man niederkniet und betet. Bittet darum, dass Vernunft und Verstand geschärft werden, nach dem heiligen Willen Gottes, nach den heiligen Gesetzen Gottes. Lasst ihn nahe an euch herankommen, und bittet: “Erfülle mich mit deiner heiligen Kraft.” Bittet immer darum. Es gibt Menschen, die es erleben, dass sie bis in ihr hohes Alter hinein klaren Denkens sind. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Mensch einen scharfen Verstand hat, dass er ein rechtes Denken hat. Auch hier muss man darum flehen.
Wenn man es fertigbringt, diese drei Geister Gottes zu erleben und zu sehen, dann darf man mit ihnen noch ein tieferes Stück ins Reich Gottes hineingehen, wenn es einem gelingt. Was sie zu jedem Einzelnen sagen, ist auch ganz verschieden. Dazu kann ich keine Worte geben, denn jeder Mensch hat seine besondere Persönlichkeit, seine Ausdrucksweise, und die Geister werden sich ihm anpassen; sie werden versuchen, die Sprache zu ihm zu reden, die er versteht. Und das ist auch nicht so leicht. Menschen verstehen die Worte gerne so, wie es ihnen gefällt. Die Worte in ihrer Wahrheit, in ihrer Klarheit zu verstehen, das ist nicht so leicht. Ist man aber wirklich ins Reich Gottes eingetreten und erlebt man den Geist dieser oder jener Art, dann muss man seine wahre Sprache, seine ehrlichen Worte verstehen. Hat man es so weit gebracht und bittet man nun diese Geister:
“Gebt von eurer Kraft, was euch möglich ist. Bewahrt mich vor Irrtum. Gebt mir die Kraft, die ich brauche, meine Aufgaben richtig zu erfüllen, um Gott zu dienen. Stützt mich, dass ich nicht strauchle”,
so werden sie es tun. Es kommt auf die Bereitschaft des Menschen an. Denn diese heiligen Geister werden gleich auch ihre Empfehlungen machen. Da kommt es nun darauf an, ob der Mensch diese Empfehlungen annimmt. Ist er mit den guten Geistern verbunden und hört auf sie, dann ist es für sie ja angenehm, ihn zu führen. Je tiefer sie den Menschen, der in der Meditation vom Irdischen entrückt ist, in das Reich Gottes hineinführen, desto mehr werden sie ihm göttliche Schönheiten und vielleicht Geheimnisse offenbaren. Sie werden ihm das zum Erleben geben, was für seine Seele, für sein Verständnis von Gutem ist. Je nach der Frömmigkeit des Menschen, je nach seinem Streben werden sie ihn im geistigen Reiche einherführen. Zuerst waren sie Gast in der Wohnung des Menschen; er hatte darum gebeten, dass sie kommen mögen. Nun ist es der Gast, der den Menschen bittet: “Komm mit mir. Komm zu uns in unser Reich hinein.” Und von diesem Reich der Seligkeit weiss er zu geben. Es handelt sich jetzt bei diesem Geben nicht mehr um die persönlichen Fähigkeiten dieses oder jenes Geistes. Von ihrer Kraft, von ihrer Fähigkeit haben diese heiligen Geister schon gegeben. Nun hat sich das ‘Amt’ gewechselt: Sie sind Gastgeber geworden, und der Mensch ist jetzt der Gast. Diese Gastgeber öffnen nun die Tore des Himmels.
Ich möchte nicht eingehen auf dieses Erleben, denn je nach der Entwicklung des Einzelnen wird ihm die geistige Welt offenbart in ihren Geheimnissen, in ihrer Herrlichkeit; je nachdem kann nun der Gast seine Begegnungen haben, seine Erlebnisse. Der eine hat nur ein Verlangen: “Ich möchte den Erlöser erleben, wie er jetzt in der Gotteswelt lebt und wirkt.” Vielen aber wird es nicht zugestanden. Es wird ihm jedoch zu einem fruchtbaren Erlebnis, wenn er seine eigene Mutter, seinen Vater oder sonst ein geliebtes Angehöriges sehen darf, wenn er hört, welche Art Arbeit dasselbe ausführt, was seine Beschäftigung ist, durch welche Stufen es geschritten ist. So vieles vermag ein solcher Geist dann zu offenbaren. Es soll und kann zu einem lebhaften Erlebnis werden. Und diese Erlebnisse nach dieser Art und Weise sind wohl die bedeutendsten, die der Mensch erleben kann, die ihn festigen in seinem Glauben.
Kann man einen solchen Weg der Meditation beschreiten und es so erleben, ist es etwas Wunderbares. Viele aber können die Meditation nicht in dieser Art und Weise ausführen. Sie haben aber auch den Drang, das Beste zu tun für sich, für die Umwelt, für Gott. Und da kommt die Geisteswelt ihnen ein Stück entgegen, auf ihre Art. Sie zeigt ihnen etwas im Traum, wie ihr es nennt. In diesem Traum, da erlebt man; der Geist sieht mit seinen Augen, er erlebt es. Mit Vernunft, Verstand, die im Geiste verankert sind, erlebt und sieht er es klar. Und so ist auf diesem Wege schon manches manchem gegeben worden und hat ihn gestärkt, gefestigt im Glauben an die Geisteswelt. So vermögen wir euch immer wieder Hinweise zu geben, auf welche Art man die Geisteswelt erleben kann in ihrer Herrlichkeit. So geschieht es, aus persönlicher Anstrengung heraus, dass man auf diese Art und Weise das Wunderbarste erlebt.
Ich habe nun von drei Geistern gesprochen. Es scheint uns notwendig für den Menschen, dass er für seine Gesundheit sorgt, dass er nie nachlässt in seiner Frömmigkeit und dass er sein Denken auch immer überprüft und darum bittet, sein Verstand möge geschärft bleiben. Es mag sein, dass dies für gewisse Menschen nicht das Notwendigste ist, sondern sie möchten mehr Lebensfreude haben. Sie haben keine Freude am Leben, daher möchten sie Lebensfreude. Andere sind mutlos. Sie möchten Mut haben, um ihre Aufgaben zu erfüllen und ihr Ziel zu erreichen; es fehlt ihnen an Mut. Wieder andern – sie wissen es – fehlt es am Verständnis und am Wohlwollen für den Nächsten. Sie sind gesund. Was brauchen sie um den Geist der Gesundheit zu beten? Und sie glauben, sie sind fromm. Und sie glauben auch, dass sie gesund denken. Wir überlassen es dem Menschen. Er hat seinen freien Willen, aus dem er entscheidet. Und wenn er die Geister erfleht, von denen er glaubt, sie könnten einen wesentlichen Anteil an der Förderung seiner geistigen Aufwärtsentwicklung leisten, dann ist es gut – wenn er die Geister auch wirklich erreicht, wenn dieser Segen, den er erfleht, auch wirklich zu ihm kommt.
Wir vermögen ja nicht, sie alle herbeizuflehen. Ein jeder soll auf seine Art jenen Geist erbitten, von dem er findet: “Für mein Leben, für meine Stellung brauche ich einen solchen Geist”, und er soll mit ihm hineinschreiten in das Reich Gottes.
Ist man nun auf dem Höhepunkt angelangt und hat ein solches tiefes Erlebnis, dann soll man es nicht unterlassen, für das Gegebene zu danken. Denn es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es gegeben wird. Der eine hat manchen Weg zu machen, um es zu erreichen. Für alles Erreichte soll man danken. Man soll, wenn man klug ist, gleich welches Leben man durchschreitet, Gott danken für das, was er gegeben hat. Wenn nämlich die Geisteswelt Gottes sieht: Aus bescheidenem Herzen heraus dankt ein Mensch für die geringen Talente, für die wenigen Gaben – oh, Gott kann es wandeln! Er kann die Bescheidenheit dieses Menschen belohnen, und er wird es ihm auf eine Art und Weise vergelten.
Die geistige Welt kann aber nicht Unmögliches an einem Menschen erfüllen. Um ihm diese oder jene Gabe überbringen zu können, müssen die Wege eingeleitet sein. Das gebe ich nur nebenbei als Erklärung. Denn wenn einer zum Beispiel darum bittet und fleht, malen zu können oder ein Musiker oder ein Künstler auf irgendeinem Gebiete zu werden, so kann es nicht zu einem Höhepunkt von Leistungen kommen, wenn die Veranlagungen dazu nicht vorhanden sind. Das sind auch Angelegenheiten, die der Mensch in Betracht ziehen muss. Wenn jener Geist Gottes, der Vernunft und Verstand stärkt, die Möglichkeit hat, es dem einen nahezulegen, wird er es verstehen. Ein anderer wird es nie verstehen, denn er klagt immer: “Gott hätte es mir geben können. Er kann es tun, er hat die Macht, er kann Berge versetzen, er kann auch mir diese grossen Talente geben.” Nein, so ist es nicht – es geht alles nach der Ordnung.
So, liebe Geschwister, habe ich euch einen Weg zur Meditation erklärt. Möge er von Erfolg gekrönt sein, wenn ihr ihn beschreitet. So möge Gottes Segen euch alle erfüllen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.10.1961 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich Vorlage: Tonbandaufzeichnung