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Unbekannte Einzelheiten aus dem Leben von Maria und Josef – Fromme jüdische Familien pflegten die Verbindung mit der Geisterwelt Gottes – Aufklärung über die Verkündigung der Geburt Jesu.
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 6/2016 zum Thema Maria und Josef – ihre Verbindung mit der Gotteswelt
Geistige Welt 6/2016
Maria und Josef – ihre Verbindung mit der Gotteswelt
Beschreibung

Über die irdischen Eltern von Jesus überliefert die Bibel nur weniges. Das Lukasevangelium berichtet über die Geburt Jesu: Der Engel Gabriel erschien der Jungfrau Maria, die mit einem Mann namens Josef verlobt war. Er begrüsste sie als die Begnadete und verkündete ihr, sie werde schwanger werden und einen Sohn gebären; der heilige Geist werde über sie kommen und die Kraft des Höchsten werde sie überschatten. (Luk. 1, 26–35.) Diese Darstellung der Bibel hat in der Christenheit zu viel Unverständnis und Irrtum geführt. Geistlehrer Josef geht in diesem Vortrag näher auf das Geschehen ein. Er gibt Aufklärung über das Verhältnis von Maria und Josef und über ihre Verlobungszeit. Im Besonderen beleuchtet er ihre innige Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Denn das Wissen um diese Verbindung mit der Jenseitswelt ist der Schlüssel, um das Geschehen der Geburt Christi zu verstehen. Im zweiten Vortrag des Heftes erklärt Geistlehrer Josef die Ereignisse bei der Verkündigung der Geburt von Johannes dem Täufer und zieht den Vergleich zu jenen bei Jesus.

Themenheft 6/2016: Maria und Josef – ihre Verbindung mit der Gotteswelt

Inhalt
Unbekannte Einzelheiten aus dem Leben von Maria und Josef

Josef, 1. Dezember 1979

Unbekannte Einzelheiten aus dem Leben von Maria und Josef

Über die irdischen Eltern von Jesus überliefert die Bibel nur weniges. Das Lukasevangelium berichtet: Der Engel Gabriel erschien der Jungfrau Maria, die mit einem Mann namens Joseph verlobt war. Er begrüsste sie als die Begnadete und verkündete ihr, sie werde schwanger werden und einen Sohn gebären; der heilige Geist werde über sie kommen und die Kraft des Höchsten werde sie überschatten. (Luk. 1, 26 –35.) Diese Darstellung der Bibel hat in der Christenheit zu viel Unverständnis und Irrtum geführt. Geistlehrer Josef geht in diesem Vortrag näher auf das Geschehen ein. Er gibt Aufklärung über das Verhältnis von Maria und Josef und über ihre Verlobungszeit. Im Besonderen beleuchtet er ihre innige Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Denn das Wissen um diese Verbindung mit der Jenseitswelt ist der Schlüssel, um das Geschehen der Geburt Christi zu verstehen.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, es naht die Zeit, da die Christenheit an die Geburt des Herrn erinnert wird, an sein Erlösungswerk. Vermehrt leuchten Lichter, und für den frommen Christen ist es ein Hinweis dafür, dass das Licht in die Welt gekommen ist – dass, wie verkündet, der Erlöser die Menschheit errettet hat und sie wieder mit Gott verbindet. Dies mag der fromme Christ denken. Es gibt aber so viele Christenmenschen, die keinen tiefen Glauben haben. Gewohnheitsmässig feiern sie diese Festtage, diese Feiertage; aber diese haben keinen höheren Wert für sie. Sie feiern sie als Tradition.

Wenn sich der fromme und gerechte Mensch jedoch darüber im Klaren ist, dass der Christenheit durch die Menschwerdung Christi so viel Gnade gegeben wurde, muss er sich auch dankbar dafür erweisen. In seiner Dankbarkeit sieht er darin auch ein Geschenk Gottes, und in seiner Welt, wo er lebt, glaubt er, aus diesem Anlass seine Mitmenschen beschenken zu müssen. Er will ihnen Freude machen, denn das Christfest ist ja im Besonderen ein Fest der Liebe. Aus Liebe und aus Dankbarkeit will man dem Menschen dementsprechend begegnen und ihm eine Freude bereiten.

Das mögen die Gedanken eines nach oben ausgerichteten Menschen sein. Es gibt aber unter den Christen so viele, die dieses Fest oder überhaupt diese christlichen Festtage nicht verstehen. Sie sagen, sie können damit nichts anfangen, sie können nicht glauben. So ist es doch gerade meine Aufgabe, dem Menschen den Glauben wiederzugeben, ihn auf diesen Weg zu führen, dass er wenigstens anfängt zu überlegen und vielleicht zu suchen. Denn die christliche Lehre und der Schöpfungsplan und alles, was dem Menschen auf dieser Welt begegnet, sind etwas Wunderbares. Es liegt in allem so viel Weisheit und auch viel Erbarmen. So wäre es für manchen Menschen sehr interessant, nach diesen Dingen zu forschen.

Es gibt gläubige Christen, sie verstehen die Bibel nicht. Sie können mit dem, was niedergeschrieben ist und was auch seinen Wahrheitsgehalt hat, nicht viel anfangen. Sie versuchen, es nach ihrem persönlichen Empfinden auszulegen. Und was die Menschen im Allgemeinen irreführt und verunsichert, ist das Letzte Gericht, von dem man immer wieder redet. Sie meinen, das Letzte Gericht werde noch kommen und in diesem Letzten Gericht würde es eine Auferstehung des Fleisches geben. Diese Menschen machen alles durcheinander – sie kommen nicht zurecht. Sie verstehen nicht, was wirklich gemeint ist, was in der Vergangenheit geschehen ist, was für die Zukunft bestimmt ist und was seinen ständigen, gegenwärtigen Wert hat. Das vermögen sie von sich aus nicht zu begreifen, wenn nicht in der christlichen Lehre darauf hingewiesen wird. Ich versuche immer wieder darauf hinzudeuten, und ich möchte dem heutigen Menschen klarmachen, dass er sich doch diese Dinge etwas mehr mit seinem Verstand überlegen, die Dinge etwas vergegenwärtigen soll. Er sollte auch versuchen, sich das Geschehen von einst vorzustellen, sich in jene Zeit hineinzuversetzen. Man kann ein Geschehen von dazumal nicht in die heutige Zeit hineinbringen und Vergleiche ziehen mit heute. Der Mensch muss sich eben einige Erkenntnisse erwerben; er muss zu den Anfängen kommen: zum Anfang der Schöpfung der Welt, und er muss zum Anfang seines eigenen, wirklichen geistigen Lebens kommen.

Der heutige Mensch ist gewohnt, viele Dinge genau zu überlegen und alles auseinanderzunehmen; er versucht zu prüfen und wieder Beweise für seine Beweise zu bringen. Warum denkt er denn nicht mehr über die Gespräche nach, die Christus geführt hat? Warum überlegt er sich diese Worte, die in der Bibel stehen, nicht genauer? Es gibt Menschen, die beharren darauf, dass es ein Letztes Gericht gebe; sie meinen damit den Jüngsten Tag, das Weltgericht, den Untergang der Welt – einfach die Vernichtung –, und wenn dann das Letzte Gericht und der Jüngste Tag komme, dann würde es eine Auferstehung des Fleisches geben. Ich möchte die Frage an jene Menschen richten, die in der Lage sind zu denken, wie sie sich denn das vorstellen. Wenn der Mensch stirbt, wird sein Fleisch und alles, was an ihm verweslich ist, zunichtegemacht oder aufgelöst. Es ist dann von diesem einstigen Fleisch gar nichts mehr vorhanden. Was soll denn da auferstehen, wenn alles vernichtet ist? Und wo sollen dann all diese leben? Jene Menschen meinen ja mit dem Fleisch “Fleisch und Blut”, das auferstehen würde, beziehungsweise den Menschen, der in dieser Weise auferstehen und leben würde. Wenn man aber überlegt, dann ist ja nur diese Erde für solches Leben bestimmt. Und das Leben dieser Erde ist doch nicht das Reich Gottes. Christus hat deutlich gesagt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Ich habe mit ihr nichts zu tun; diese Welt ist nicht mein Eigentum.” Und nun soll es eine derartige Erlösung geben, die Christus zustande gebracht haben soll, eine Auferstehung von Fleisch und Blut?

Ich möchte einen anderen Hinweis geben: Als der Leib Christi ins Grab gelegt wurde, wurde dieser Leib aufgelöst. Darüber gab ich schon öfters Erklärungen. Christus zeigte sich aber [am dritten Tage] den Jüngern in seinem grobstofflichen Kleid – also als Mensch. Und die Jünger erschraken, weil sie glaubten, es stehe ein Geist vor ihnen. Sie hatten also diesen Gedanken an einen Geist. Doch Christus musste ihnen sagen: “Ich bin kein Geist. Betastet mich, legt eure Hände in meine Wunden.” Weiter erklärte er ihnen: “Ein Geist hat nicht Fleisch und Blut.” Was heisst das, “ein Geist hat nicht Fleisch und Blut”? Christus hatte sich materialisiert; die göttliche Welt war ihm behilflich, die Stoffe aufzubauen, um ihm die Erscheinung wiederzugeben, die er einst hatte. Diese Materialisation war stets zeitlich begrenzt. Christus entschwand ja plötzlich wieder vor den Augen der Jünger. Das sind geistige Gesetze, die man in den Einzelheiten erklären kann. Es muss einem heutigen Menschen nicht schwerfallen, das zu begreifen und zu verstehen. Es sollte doch möglich werden, dass man sich Gedanken darüber macht, dass das mit der Auferstehung nicht in der Weise stimmen kann, wie es die Vorstellung jener Menschen ist, welche glauben, der Jüngste Tag sei der sogenannte Weltuntergang. Dabei ist dieser Jüngste Tag, ist das Letzte Gericht längst vorüber.

Man muss sich auch im Klaren darüber sein, dass Christus einen geistigen Kampf geführt hatte. Man muss eben das glauben, was in der Bibel steht, aber davon seine richtige Vorstellung haben. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Christus in die Hölle hinabgefahren und am dritten Tag von den Toten auferstanden ist. Doch was machen die Christen aus diesen Toten, zu denen Christus gegangen ist? Die Menschen meinen, die Toten wären die verstorbenen Menschen. Warum klärt man die Christenheit nicht auf, dass es im wahren Sinn ein Totenreich gibt und dass mit diesem Totenreich die Trennung von Gott gemeint ist und dass Christus es war, der die Toten erlöst hatte, die im Totenreich waren, und alle, die schon im Aufstieg waren? Denn keines [der gefallenen Geistwesen] konnte ja ins Himmelreich zurück. Davon redet man nicht, weil man nichts weiss, weil man nichts überlegt. Dabei stimmt es wohl, dass es eine Auferstehung von den Toten gibt – aber nicht so, wie es sich die Menschen vorstellen, sondern es gibt die Auferstehung aus dem Reich der Toten, die Auferstehung geistiger Wesen. Ihnen soll der Aufstieg ermöglicht werden, und ihnen wurde dieser Aufstieg ermöglicht – sie konnten der Hölle entfliehen. Und die Gesetze sind so aufgestellt, dass mit der Zeit auch jenen Geistwesen, die sich noch im Totenreich befinden, der Weg zur Auferstehung gebahnt wird. Diese Toten sind gefallene Geistwesen.

Wenn es in der Christenheit und in der christlichen Lehre nun so ist, dass man nicht wissen will, dass es Geister gibt, dann kann man überhaupt nicht über diese Dinge sprechen. So aber wird einer nie den wirklichen Glauben finden. Im Grunde genommen ist es paradox: Derjenige, der behauptet, aktiver Christ zu sein, glaubt an Christus und lebt sozusagen im christlichen Glauben, aber er findet sich nicht zurecht. Er versteht nicht, was mit diesen Toten, mit diesem Letzten Gericht gemeint ist. Man wartet noch auf dieses Letzte Gericht, und dabei haben die Menschen so viele Beweise für die Aufwärtsentwicklung und die Vorwärtsentwicklung. Sie bekommen Beweise dafür, aber für den Menschen sind es eben keine Beweise. Er möchte andere Beweise haben, die seiner Vorstellung entsprechen. Nun gibt es eben ein göttliches Gesetz, das so weise ausgerichtet ist. Die Menschen haben sich nach diesem Gesetz zu richten – sie werden einfach hineingeführt und können nichts dagegen tun.

So ist es für einen jeden Menschen eine Angelegenheit seiner persönlichen geistigen Entwicklung. Was er in seinem momentanen Leben, das er zu leben hat, an geistigem Fortschritt nicht erreicht – was seine Seele betrifft, sein höheres Leben –, wenn er nicht zu höheren Erkenntnissen über das wahre menschliche Dasein kommt und nicht nach Antworten sucht und über die Probleme nachdenkt, die er glaubt zu haben, wenn er sich damit nicht befasst, kommt er auch nicht zu weiteren Erkenntnissen. Er bleibt dann eben geistig rückständig. Doch eines darf wohl gesagt werden: Mit der Zeit wird es gelingen – es muss gelingen; denn Christus hat seinen Auftrag erfüllt, und das Ganze wird seine Vollendung finden. Dies geschieht aber nicht von heute auf morgen; alles braucht seine Zeit. Wie viel wäre jedoch getan, wenn die christliche Lehre in ihrem Wahrheitsgehalt verbreitet werden könnte und es den einen oder andern zum Nachdenken aufmuntern würde, damit er Vergleiche zieht.

Nun, ich möchte heute noch über etwas anderes reden, was ich bereits beim letzten Mal angesprochen habe. [Josef bezieht sich auf den Vortrag vom 17. November 1979; er gab darin Erklärungen über den Besuch des zwölfjährigen Jesus im Tempel, der mit andern gleichaltrigen Knaben gemäss dem jüdischen Gesetz den Pharisäern und Schriftgelehrten vorgestellt werden musste.] Es geht mir darum, Vergleiche zu ziehen und, so gut ich es kann, von meiner Sicht aus Beweise sowie Gegendarstellungen und Erklärungen zu geben. Ich habe das letzte Mal erklärt, dass der betreffende Knabe, der in die jüdische Gemeinde aufgenommen werden sollte, zuerst – bevor er den Namen des Vaters nannte – den Namen der Mutter nennen musste. Ich sagte zu euch: “Darüber sollt ihr selbst nachdenken und die Antwort dafür finden.” Man hat wahrhaftig darüber nachgedacht. Aber man war verschiedener Meinung darüber, was der Grund dafür gewesen sein könnte. Ich versuche nun, es euch zu erklären. Ich tue dies, weil eben gerade in der nächsten Zeit in den christlichen Kirchen die Botschaft von der Geburt des Herrn verkündet wird.

Es hatte doch seine Gründe, wenn der Knabe zuerst den Namen seiner Mutter nennen musste. Zum einen war es so, dass der Mann sich, wenn eine Ehe kinderlos blieb, noch eine zweite Frau nahm. Man muss sich nicht vorstellen, die Juden von dazumal wären so fromm gewesen. Man hat sehr oft die Möglichkeit gehabt, eine zweite Frau zu sich zu nehmen – nicht in jeder Ehe, wo es keine Kinder gab, aber es geschah sehr oft. Die männlichen Wesen galten doch sehr viel, und so ging man dann mit Stolz in den Tempel, wenn es möglich geworden war, dass die zweite Frau einem Knaben das Leben geschenkt hatte. Das einmal in diesen Fällen. In anderen Fällen war es auch so, dass man eben, wenn die erste Frau gestorben war und keine männlichen Nachkommen da waren, auch den Namen der zweiten Frau – der Mutter des Knaben – nannte. So wusste man da genau: Das ist der Sohn dieser Frau von jenem Manne, und alles wurde registriert.

Es war auch so, dass man die Frau entliess – sie fortschickte. Diese Männer hatten dann sozusagen ihre persönlichen, eigenen Gründe dafür. Darum sagte ich: Man soll sich nicht unbedingt auf das strenge Gesetz berufen, welches dieses oder jenes nicht zugelassen hätte. Es ist manches geschehen, was nicht hätte sein dürfen, und Christus hatte sie deswegen angeklagt.

Ich möchte da auf das Gespräch hinweisen, in welchem man Christus fragte: “Ist es erlaubt, die Ehefrau zu entlassen?” Nun möchte ich einmal die Gegenfrage stellen: Wieso kommt man denn überhaupt auf den Gedanken, diese Frage zu stellen, ob es erlaubt sei, die Frau zu entlassen? Jene hatten es ja längst getan, auch wenn es durch das Gesetz nicht gestattet war. Und was gab ihnen Christus zur Antwort? Er fragte sie, und sie selbst konnten ihm die Antwort geben: “Mose hatte uns erlaubt, einen Scheidebrief zu geben.” Und mit diesem Scheidebrief sollte es dann gestattet sein, die Frau zu entlassen. Christus antwortete ihnen: “Ja, Mose hat dies getan. Wegen eurer Herzenshärte, die ihr habt, hat er euch das gestattet.” Denn die Entlassung einer Frau bedeutete viel Leid für die Betroffene. Mose hatte es deshalb gestattet, einen Scheidebrief zu geben, weil durch den Scheidebrief der Schmerz, den die Frau erlitt, etwas gemildert wurde. Manchmal konnte die Frau zu den Eltern zurück, wenn sie noch lebten, oder zu Verwandten, wenn sie aufgenommen wurde. Manchmal war auch niemand da. War aber ein Scheidebrief da, so hatte das Ganze ein anderes Aussehen. Die Frau war nicht einfach aus dem Hause gejagt worden, was für sie eben ganz besonderes Leid bedeutet hätte, sondern sie hatte wenigstens einen Scheidebrief, den sie zeigen konnte, und das milderte die Härte des Ganzen etwas. Also kann man die Vergleiche ziehen. Denn diese jüdischen Männer hätten doch gar nicht erst zu fragen brauchen, wenn sie es mit dem Gesetze so streng genommen hätten.

Christus hatte auch darauf hingewiesen, dass seit Urbeginn der Zeit Mann und Frau zusammenbleiben sollen. Dies hatte er ihnen erklärt. Aber was nützte es? Wie oft klagte er die Pharisäer an, dass sie Heuchler seien, dass sie von den armen Menschen für das geliehene Geld hohe Zinsen verlangen würden. Aber dieses beeindruckte jene Pharisäer nicht. Und Christus hatte ihnen des Öfteren vorgehalten, dass sie sich gar nicht an die Gesetze Mose halten würden. Sie würden sie zitieren, wenn es für sie zum Vorteil sei, aber sie selbst lebten nicht danach. Darum stand ja Christus sozusagen immer im Streit mit den Pharisäern und den Schriftgelehrten. Sie beharrten auf ihrem Recht, dass das, was sie glaubten, richtig wäre. Doch Christus legte ihnen die Wahrheit dar und sagte ihnen, was Gottes Wille ist – dass sie sich in ihrem Denken und Handeln wandeln müssten. Nun, das ist einmal die Antwort zum Thema, welches ich euch das letzte Mal zum Überlegen gab.

Christus ist der Sohn Marias, und sein Vater, sein Pflegevater, war Josef. Nun wird in den nächsten Tagen die Botschaft von der Geburt Jesu verkündet, und auch von der Empfängnis Jesu wird gesprochen. Aber das Ganze in seiner Wahrheit, in seiner Wirklichkeit ist verschleiert und wird nicht offen dargelegt – es kann ja auch nicht offen dargelegt werden. Denn weil man kein Zugeständnis für geistige Verbindung gibt, kann man solches auch nicht aussprechen.

Nun, es verhielt sich so: Maria war als junges Mädchen in das Haus von Josef gekommen. Josef war zu jener Zeit, als Maria in sein Haus kam, verheiratet. Doch seine Frau starb, und die Ehe blieb kinderlos. Es war bei den Juden üblich, dass die Eltern für ihre Kinder die Partner suchten, wenn sie noch klein waren. Die Eltern glaubten, dass es ihr Recht wäre, und sie versprachen oder verheirateten sozusagen ihre Kinder schon in frühester Jugend. Das mochte seine verschiedenen Gründe gehabt haben. Angesehene und vielleicht etwas bessergestellte Juden wollten ihre Kinder auch dementsprechend verheiratet wissen. Und die Kinder ehrten die Eltern und hörten auf das Wort ihres Vaters.

Mit Maria war es so: Sie kam frühzeitig in das Haus von Josef, wie ich erklärte. Wenn nun ein Mädchen so früh in das Haus ihres zukünftigen Mannes kam, dann musste der Betreffende – oder die Familie, die es aufnahm – dafür bürgen, dass diesem Mädchen die Ehre nicht genommen wurde. Die ganze Familie musste dafür bürgen, dass die Ehre erhalten blieb. Das Mädchen, das in die Familie kam – wir sprechen jetzt von Maria –, wurde in die Familie aufgenommen und wie ein eigenes Familienglied behandelt. Im Hause, wo Josef wohnte, waren noch Verwandte da. So wuchs Maria im Hause Josefs heran.

Nun, in der Zwischenzeit war die Frau von Josef verstorben. Jetzt möchte ich dazu eine weitere Erklärung geben. Christus hatte in der Geisteswelt die Vorbereitungen für seine Menschwerdung selber getroffen; er selbst hatte in der Geisteswelt Maria ausgesucht, dass sie seine Mutter werde. Zur Zeit, als Christus noch bei seinem Vater war, hatte er alles selbst organisiert. Man hatte ja längst davon gesprochen – von der Erlösung und der Befreiung der Menschheit –, dass Christus es sei, der der Erlöser sein werde, der Erlöser der Menschheit. Das alles hat aber auch in der Geisteswelt seine Zeit gehabt. Und so wurden eben diese Massnahmen getroffen. Maria war ein reines [nicht gefallenes] Wesen, denn der Gottessohn sollte von einem reinen Wesen geboren werden. Darüber ist man sich in der Christenheit im Klaren. Es mussten aber noch weitere Vorbereitungen getroffen werden, damit diese Wesenheiten zum gegebenen Zeitpunkt in das menschliche Dasein kommen konnten, den man errechnet hatte, dass es der Zeitpunkt für die Menschwerdung Christi werde. Die Geisterwelt Gottes hatte alles so gefügt: nach der Veranlassung, die Christus gegeben hatte. Maria kam in ihr menschliches Dasein in die Familie hinein, die vorbestimmt war, und sie wurde in ihrem Leben vom Zeitpunkt ihrer menschlichen Geburt an bis zur letzten Stunde ihres Lebens von den Engeln Gottes begleitet und behütet. Engel Gottes waren zur Seite Marias, und es wurde alles so gelenkt und geführt, wie ich es vorhin erklärt habe. Josef war ein gerechter, frommer Mann, und diesem Manne durfte Maria anvertraut werden. Sie ward ihm anvertraut, und er hatte dafür zu bürgen, dass Maria ihre Ehre bewahren konnte.

Bei den frommen Juden war es üblich gewesen, dass man, wenn man nicht in den Tempel oder in den Betsaal ging, auch zu Hause betete; man betete mit den Angehörigen. Und so tat es dieser Josef. Maria wuchs heran, und die Angehörigen waren bei dieser Andacht nur mit dabei, wenn es um das allgemeine Gebet ging. Die Gotteswelt fügte alles so. Und wenn es notwendig wurde, führte sie die Angehörigen von Josef aus dem Hause, damit er sein Gebet oder seine Andachtsstunde alleine mit Maria ausführen konnte. Es war stets Josef, der die Gebete sprach, und zwar so: teils im Gesang, teils mit klaren, verständlichen Worten, und dieses geschah so, dass Josef in einen Zustand von Trance kam. In diesem Zustand sang und betete er, und in diesen Gebeten und in diesem Gesang wurde von der Erlösung der Welt gesprochen. Josef wusste nicht, was er sprach, denn ein Geist Gottes sprach durch ihn. Die Menschheit von dazumal wartete ja längst auf den Messias. Von diesem Messias wurde immer wieder geredet. Im Gebet, im Gesang wurde es dargelegt, dass die Menschheit durch den Messias Erlösung finden werde.

Diese Art von Beten und des Zusammenseins hat öfters stattgefunden. Es war also für Maria nichts Besonderes, dass solche Zusammenkünfte in der Weise stattgefunden haben. Nachdem die Andacht vollendet war, hatte Maria Josef erklärt, in welch wunderbarer Weise er Gebete gesprochen und die Zukunft offenbart habe, ohne überhaupt etwas davon zu ahnen, was auf sie zukommen würde. So sassen sie nach den Gebeten, die gesprochen wurden, oder nach dieser Andacht noch eine Zeit lang zusammen. Sie sprachen über das und von dem, was in der Heiligen Schrift prophezeit war. Sie beide freuten sich, dass die Zeit nahe wäre, dass es einen Erlöser gebe. Denn viel Leid herrschte damals in der Welt und in der Heimat jener Menschen. So hoffte man, dass nun – wie in den Schriften verkündet – ein Erlöser Befreiung bringen würde. So kamen die beiden des Öfteren zusammen. Immer wieder wurde davon gesprochen: von der Erlösung, die bald kommen werde.

Maria hatte diesen Zustand von Josef ganz selbstverständlich gefunden. Er kam in Trance, sang, betete und verkündete so in wunderbarer Weise die Zukunft. Nun kam der Moment, wo beim Zusammensein dieser Josef wohl die Gebete sprach, teils singend, teils sprechend, doch dann plötzlich begrüsste er Maria als die gesegnete Frau, die den Erlöser gebären werde. Und Maria erschrak – es stimmt, wie es in den Schriften steht. Sie sagte: “Wie soll das geschehen? Ich lebe mit keinem Manne zusammen.” Das hatte sie verunsichert. Sie hörte auch diesen speziellen Gruss und nahm die Ehrfurcht wahr, wie nun dieser Josef vor ihr stand und sie begrüsste als die Begnadete, die Gesegnete. Und dann weiter – er betete und vollendete die Stunde wie bisher. Nun machte sich Maria Gedanken darüber. Sie ängstigte sich, denn sie kannte doch das Gesetz. Sie dachte, es könnte vielleicht etwas Einmaliges sein, was ihr jetzt gesagt worden war, und dass sich das nicht wiederholen würde. Innerlich wurde sie unruhig, sagte Josef aber noch nichts davon – sie sagte es ihm nicht. Sie wurde immer mehr verunsichert, und anstatt dass sie wie stets mit Freuden die Andachtsstunden mit Josef erlebte, ging sie angstvoll hin; plötzlich bekam sie Angst.

Es geschah, dass Maria immer wieder als die Begnadete, die Gesegnete begrüsst wurde. Und so kam dieser Antrag an sie, dass sie ihr Einverständnis zu geben habe für eine menschliche Verbindung mit ihr, damit es ermöglicht werde, dass das Allerhöchste aus ihr geboren werde. Schliesslich gab Maria ihr Einverständnis dazu. In welchen Ängsten sie zuvor lebte, das wird der Christenheit nicht verkündet. Es ist nicht plötzlich mit einem Mal geschehen, wie dargelegt: “Ein Engel erschien Maria und gab ihr diese Botschaft” – nein. Es geschah so, wie ich es darlegte, und Maria wurde darauf vorbereitet. Sie hatte mit sich zu kämpfen, aber die Engel standen bei ihr und lenkten sie. Sie musste ihr Einverständnis geben, denn sie hatte ihr Einverständnis dazu schon in der göttlichen Welt gegeben. Christus selbst hatte sie ausgesucht und sie gefragt, ob sie bereit wäre, mit ihm einen grossen Auftrag unter den Menschen zu erfüllen, um die Menschheit zu erlösen. Und Maria hatte in der Gotteswelt ihr Einverständnis gegeben, und so waren die Engel bei ihr und lenkten sie, und so gab sie [auch als Mensch] ihr Einverständnis.

Nach dieser Stunde des Zusammenseins musste Maria Josef die Wahrheit sagen. Sie waren ja immer zusammen und sprachen über das, was geschehen war. Jetzt musste sie sagen, was wirklich geschehen war, dass er sie längst mit solchen besonderen Worten begrüsst hatte. Josef, der nichts davon wusste, ängstigte es, denn er hatte sein Ehrenwort gegeben, und wer das Ehrenwort in solchen Dingen brach, auf den wartete harte Strafe. Josef konnte es nicht glauben und nicht verstehen. Er wurde unsicher und fing an, an der Treue von Maria zu zweifeln. Maria ging ja in seinem Hause ein und aus, und eine Verbindung war erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen.

Dann hatte Josef eben jenen Traum, von dem auch in der Bibel steht. Der Engel hatte gesagt: “Josef, steh auf, und nimm Maria, deine Frau, zu dir. Denn alles, was geschehen ist, ist in der Wahrheit. Du sollst dich nicht fürchten.” Weiter heisst es: “Und Josef stand auf und holte Maria zu sich.” (Mat. 1, 20 und 24.) Ja, man würde denken: “Josef, mitten in der Nacht – wo wohnte Maria? Die Menschen wohnten weit auseinander und nicht unbedingt im selben Dorf ...” Maria hatte aber im selben Haus nur eine andere Kammer. Aber in welchen Ängsten war doch diese Maria; sie wusste, was geschehen war, und sie war schon zuvor in grossen Ängsten. Sie sollte befreit werden von diesen Ängsten und wartete darauf, dass sie von Josef aufgenommen würde. Nun ging Josef mitten in der Nacht und holte Maria aus der andern Kammer in sein Gemach. Von nun an hatte sie ihren Platz in seinem Gemach. “Und er erkannte Maria nicht, ehe sie ihren Sohn gebar” (Mat. 1, 25) – auch das hat seine Wahrheit.

Nun kann man sich doch vorstellen, dass in Maria andere Gefühle wach geworden sind; sie wurde von ihren Ängsten befreit. Jetzt fühlte sie sich sicher, und Josef selbst wusste, dass es wahr sein musste. So unternahm er das, was seine Pflicht war: Er meldete Maria als seine Frau an.

So ist es in Wahrheit geschehen. Vielleicht mag es für mich ein Wagnis sein, dass ich euch dies so frei und offen erklärt habe – ich habe wahrlich lange damit zugewartet. Vielleicht kann ich das Geständnis machen, dass ich glaube, dass die Zeit gekommen ist, euch dies sagen zu dürfen. Denn das Verständnis dafür ist heute bei euch vorhanden, und ihr könnt es annehmen. Es ist euch doch in der Weise ganz verständlich.

So viel könnte verhütet werden, so mancher Mensch würde doch den Weg zum Glauben finden, wenn man ihm auch wirklich die Wahrheit sagen würde. Warum soll denn das so verschleiert, so unmöglich dargelegt werden, sodass es eben Menschen gibt, die sagen: “Das ist doch sowieso nicht wahr!”?

Ist da aber nicht noch etwas, was zuerst – an erster Stelle – sein muss? Man muss an eine Geisterwelt Gottes glauben und verstehen, dass man die Möglichkeit hat, von der Gotteswelt die Wahrheit zu empfangen – dass eben diese Möglichkeit da ist. Man muss aber – und dies betone ich immer wieder – Folgendes beachten: “Prüfet die Geister, ob sie von Gott sind.” Was hat ein Geist, der durch einen Menschen spricht, für ein Interesse an den Menschen? Wenn er im Plane Gottes eingereiht ist, hat er nur ein Interesse: diejenigen über alles aufzuklären, die im Unklaren sind über die göttlichen Gesetze, über den Ordnungsplan Gottes – sei es der Schöpfungsplan, sei es der Erlösungsplan. Das ist die Hauptsache, das ist die Aufgabe eines Geistes, wenn er im Dienste Gottes steht. Den Menschen in seinem Aufstieg zu fördern, das ist das Wichtigste. Der Mensch muss in seiner geistigen Entwicklung vorwärtskommen. Geister, die durch Menschen sprechen, die mehr Interesse an weltlichen Dingen haben, sind kaum Geister, die aus der Ordnung Gottes kommen. Ein Geist aus der Ordnung Gottes erklärt die Gesetze Gottes, und er hat nur einen Wunsch: dass sie alle, die in Unwissenheit und im Unglauben leben, den Weg zum Glauben und zu höherer Erkenntnis finden.

Es wird einst Jubel und Herrlichkeit im Himmel sein, wenn sie in Scharen zurückkehren und in den hohen Stufen göttlicher Seligkeit Eingang finden. Es ist doch so herrlich, Feste zu feiern, wenn viele zusammen sind und wenn sie alle den Schöpfer und Christus für sein Erlösungswerk lobpreisen. So gibt es ein Eifern im Gesang, in der Musik – sind es doch die aufsteigenden Geister, die einst in Menschengestalt waren, die dann den Himmel beleben und dem Himmel weiteren Glanz und Herrlichkeit geben können. Sie fühlen, schuldig zu sein, es zu tun – zur Ehre Gottes und zur Ehre des Erlösers.

Nun, liebe Geschwister, ich habe euch vieles offenbart, worüber ihr nachdenken könnt und das wichtig zu wissen ist. Es wird ganz verständlich, man kann es begreifen und verstehen, so, wie ich es euch darzulegen versucht habe und wie es in Wahrheit geschehen war.

So, liebe Geschwister, möget ihr behütet und beschützt sein durch den Segen Gottes. Möget ihr gesunden, wer da krank ist, sei es an Leib oder Seele. Der Wille Gottes geschehe im Himmel und auf Erden. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 1.12.1979 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fromme jüdische Familien pflegten die Verbindung mit der Geisterwelt Gottes

Lene, 25. September 1973 (Ausschnitt)

Fromme jüdische Familien pflegten die Verbindung mit der Geisterwelt Gottes

In der Meditationswoche 1973 vermittelte Geistlehrerin Lene neue Erkenntnisse über das Leben Jesu Christi. Am dritten Abend sprach sie auch von Maria und Josef und ihrer Verlobungszeit. Lene zeigt auf, wie damals unter frommen Juden der Kontakt mit der Geisterwelt Gottes als etwas Natürliches und Selbstverständliches empfunden wurde. In den Sorgen und Problemen des Alltags sehnten sich die Menschen nach göttlichem Beistand, und sie baten um die Hilfe der Geister Gottes.

Lene: Ich möchte euch nun etwas erklären, das ihr nirgendwo sonst lesen könnt, worüber aber die ersten Christen auf genau demselben Weg orientiert wurden, wie es jetzt geschieht.

Als Christus in der Geisteswelt mit dem Vater zusammenlebte, noch ehe er die Menschwerdung annahm, und man den Erlösungsplan aufzeichnete, musste doch seine Geburt in eine bestimmte Zeit festgelegt werden, die günstig war. Sie musste, das möchte ich erwähnen, in eine Zeit hineinkommen, in der es genügend oder mehr gottgläubige Menschen gab; also wurde ein solcher Zeitpunkt gewählt. Von Christus selbst wurde Maria in der Geisteswelt ausgewählt und für ihre Aufgabe bestimmt und ebenso Josef. Christus hatte den ersten Schritt getan und alles vorbereitet für die Erlösung der Menschheit – von allem Anfang an. So wie durch ihn alles in der Schöpfung geworden ist, hat Gott es ihm in dieser Beziehung auch selbst überlassen, alles in seine Hände zu nehmen.

Man soll nun nicht annehmen, Maria und Josef wären sich zufällig im Leben begegnet. Nein, dies war und musste Bestimmung sein, in der Ordnung Gottes, eingebaut im Erlösungsplan. So fügte es die heilige Geisterwelt, dass diese beiden Menschen zusammenkamen.

Nun möchte ich etwas zu ihrer Verlobungszeit sagen. Maria und Josef kamen jeweils zusammen, wie es üblich ist, wenn Menschen diesen Schritt wagen wollen, miteinander, gemeinsam durchs Leben zu gehen. So hatten auch sie sich jeweils allein getroffen. Beide waren sehr, sehr fromme Menschen – überaus gottgläubig. Es war zu jener Zeit üblich, dass man sich abends in der Familie versammelte. Wer die Schrift lesen konnte, las darin, und man betete. Man muss sich vorstellen, dass es sich um fromme Juden handelte, die es mit ihrer Religion ganz gewissenhaft nahmen und sehr streng waren. So hatte man sich jeweils gemeinsam zum Gebet versammelt. Es war dann gar nichts Aussergewöhnliches, wenn einer der Anwesenden oder eines aus der Familie – es konnte der Vater, die Mutter oder sogar ein herangewachsener Sohn oder die Tochter sein – das Wort ergriff zu dem, was aus der Schrift gelesen wurde. Und man betete gemeinsam.

Zu jener Zeit lebte man in der Erwartung des Messias. Unter diesem Volk war doch der Glaube an den Messias, der kommen werde, so stark, dass man in gewisser Hoffnung lebte, man könnte, wenn man betete, von höherer Seite nähere Auskünfte erhalten. Man sprach darüber – dies alles war so selbstverständlich. Wenn eines das Wort ergriff, erkannten die Anwesenden gleich, dass bei diesem Familienmitglied, das nun in grosser Andacht und in Eifer sprach – mitunter mit geschlossenen Augen –, ein heiliger Geist seinen Platz eingenommen hatte. Man hörte ihm zu und war in dieser Erwartung, Bescheid zu erhalten über den Messias, der da kommen würde, über das Wo und Wie.

Zu der Zeit war es so, dass jenen Menschen durch die heiligen Geister auch Antwort gegeben wurde auf ihre täglichen Probleme. Denn sie hatten auch Probleme und Sorgen – da und dort gab es Krankheiten in der Familie. Dazu ist noch Folgendes zu erwähnen: Diese Geister Gottes gaben jeweils auch Bescheid oder überbrachten die Botschaft, dass eines der Verwandten, welches eine weite Wegstrecke von ihnen entfernt wohnte, sehr krank geworden sei und man das Betreffende besuchen müsse; oder man erhielt die Botschaft, dass ein Verwandter im Sterben liege. Es wohnten doch nicht alle im selben Dorf oder in derselben Stadt. Und es war ja damals nicht so wie heute, liebe Freunde, dass man so einfach und bequem, wie ihr es könnt, in weite Fernen Nachricht geben konnte. Ihr könnt beispielsweise einen Brief schreiben, macht nur ein paar Schritte, werft diesen Brief in einen Kasten, und ihr braucht euch um das Weitere nicht mehr zu kümmern. So etwas gab es damals noch nicht. Daher hatte die Geisterwelt Gottes diesen Gläubigen eben Verschiedenes mitzuteilen. Die Verbundenheit vom Menschen zum Geiste war in dieser Art und Weise gar nichts Besonderes; unter frommen Menschen fand man das sehr oft. Ich will und muss dieses betonen, um es in euer Verständnis, in euer menschliches Denken hineinzulegen, damit ihr das, was nun folgt, besser begreifen und verstehen könnt.

So war es auch mit Maria und Josef; sie waren eben fromme Menschen und gottgläubig. Sie hatten aber auch ihre Probleme, denn sie wollten doch einen neuen Hausstand gründen und hätten gerne gewusst, wie, wann und wo es möglich würde. Sie waren daher in der stillen Hoffnung, etwas zu erfahren, etwas zu erleben, ohne dass sie deswegen Fragen gestellt hätten. Josef war medial, er war ein Medium. Maria und Josef beteten jeweils miteinander, und so war es möglich, dass sich stets ein Geist Gottes durch Josef kundtat. So vernahm Maria auch Verschiedenes, was sie persönlich betraf, was ihre Familie anging oder wie es um ihre Verwandten stand. Sie wurde auch aufgefordert, sich um diese Verwandten zu kümmern. Das waren aber nur nebensächliche Dinge. Es war eben eine geistige Verbindung da, ohne dass man – wie soll ich das für heutige Begriffe erklären? – besonderen Wert darauf legte oder meinte, man müsste hierzu für einen bestimmten Menschen besondere Vorbereitungen treffen. Es fehlen mir die richtigen Worte, es zu erklären; ich kann nur sagen, es ist nicht so, wie die Menschen es heute meinen. Es war damals unter diesen Juden, in dem Masse wie die Durchgaben kamen, nicht notwendig, dass man zuerst einen Menschen zu einem Medium ausbilden musste. Ich möchte jedoch nicht unterlassen zu sagen, dass es seinerzeit wohl Medienschulen gab, die sich dann aber in einer anderen Gesinnung gestalteten, denn dort erwartete man von der Geisteswelt andere Nachrichten. Bei den frommen Juden waren es jedoch Familienglieder, die in ihrem Verlangen und ihrer engsten Verbindung mit der Geisteswelt es durch die Gnade Gottes erleben durften, dass ein Geist Gottes sie inspirierte und mit ihnen redete.

Maria und Josef sind also des Öftern zusammengekommen, und so war es für Maria gar nichts Besonderes, wenn sich die Gotteswelt bekundete, denn sie hatte das selbst in ihrem Elternhaus erlebt. Man wusste um die innere, geistige Vorbereitung, die dafür notwendig war, nicht aber um das Äussere. Es kam dann der Zeitpunkt, da Maria die besondere Botschaft erhielt (Luk. 1, 26 –38). In dieser besonderen Botschaft wurde sie durch Josef, ihren Verlobten, eben als die “Gesegnete”, die “Auserkorene” begrüsst. Sie wusste, jetzt ist er in Verbindung mit der Gotteswelt. Über diese Begrüssung wurde sie jedoch zum ersten Mal stutzig; dies war ihr fremd, denn das war so nicht üblich.

In solchem Sinne gab es die Zusammenkünfte nicht. Man hatte sich nicht miteinander verabredet, um so, auf diese Weise, den Geist Gottes hören zu können, sondern man wartete. War es in Gottes Willen, ward es möglich, nahm man es dankbar entgegen. Es war, ich möchte fast sagen, etwas Alltägliches, es auf diese Weise zu erleben, und daher nichts Besonderes. Vermochte niemand das Wort zu ergreifen, dann betete man – man war darüber nicht enttäuscht.

Nun, Maria staunte über diese Begrüssung; jetzt war es für sie etwas ganz Besonderes. Und sie fragte: “Ja wer bist du denn?” Bis anhin hatte man sich nicht um die Namen gekümmert oder gefragt, was für ein Geist es sei. Man wusste, es ist ein Geist Gottes, und gab sich damit zufrieden. Selbst prüfte man das, was einem gegeben worden war, ob es gut war oder nicht. So fragte Maria: “Wer bist denn du, dass du mir solches sagst? Du bringst mich in Erstaunen. Ich kann das nicht begreifen; ich kann das nicht verstehen.” Das sagte Maria, und dann bekundete sich dieser Geist Gottes als Engel Gabriel: “Ich bin es, der durch Josef spricht.” Und Maria musste die Feststellung machen, dass Josef, der neben ihr war und ihr die Botschaft gab, eigentlich ein ganz anderes Aussehen, eine ganz andere Ausdrucksweise hatte. Im Gegensatz zu früher war etwas Wesensfremdes da. Wenn Josef sonst den Geistern Gottes zur Verfügung stand und sie durch ihn reden konnten, blieb er in seiner äusseren Erscheinung, in seiner Wesensart immer derselbe.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ihr zu meinem Ausdruck, zu meinen Bewegungen sagt, es seien nicht die Bewegungen des Menschen, der vor euch sitzt. Es sind meine Bewegungen, denn ich habe Gewalt über den Leib, über die Hände, über das Wort. So war es auch bei Josef. Maria fühlte es und stellte die veränderte Atmosphäre fest. Aber es war in dem Sinne nicht eine Geistermaterialisation. Die Ausdrucksweise war es, welche ganz anders war. Und dieser Geist Gottes gab dann die Botschaft durch, die Maria dazu bewegen sollte, dass dieser Gruss, so wie sie angesprochen wurde, in Erfüllung ginge. Dieser Geist Gottes klärte sie auf, denn sie war doch ganz verwirrt; sie war tiefgläubig und kannte doch die Folgen. Erst als sie nach langem Reden und Zureden überzeugt wurde, gab sie ihr Jawort. Christus selbst wollte Josef für diese Zeugung benutzen – er wollte alles selbst tun, vom Anfang dieses Erlösungsplanes bis zu seinem Ende.

Es ist so schade, dass diese Wahrheiten keine Verbreitung gefunden haben, dass die Niederschriften vernichtet wurden. Warum wurden sie vernichtet? Aus genau denselben Gründen, wie man die Durchgaben und Bestätigungen – die ich euch gestern [über Jesus und seine Familie] gegeben habe – vernichtet hat: weil man glaubte, etwas von der heiligen Sendung dieses Christus wegzunehmen, dass er dadurch entwürdigt würde. Dieses habe ich euch noch erklären wollen.

Vergleiche zwischen der Verkündigung der Geburt von Johannes dem Täufer und der Geburt Jesu

Josef, 12. Januar 1980

Vergleiche zwischen der Verkündigung der Geburt von Johannes dem Täufer und der Geburt Jesu

Johannes der Täufer, der wiedergeborene Elia, war Vorläufer von Christus. Seine Mutter Elisabeth war eine Verwandte Marias. Wie die Bibel berichtet, galt sie als unfruchtbar und war bereits betagt, als ihrem Mann, dem Priester Zacharias, ein Engel erschien und ihm die Geburt eines Sohnes ankündigte. In diesem Vortrag vergleicht Geistlehrer Josef dieses Geschehen mit der Verkündigung der Geburt Jesu.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, das letzte Mal sprach ich vom Wirken Jesu – von seiner Jugendzeit bis zum Zeitpunkt, als er an die Öffentlichkeit trat. Ich erzählte euch von seiner Arbeit, die er leistete. Zuvor [siehe den ersten Vortrag in diesem Heft] gab ich euch Erklärungen von Josef und Maria, wie Maria als junge Tochter ins Haus von Josef kam. Ich sprach von den menschlichen Beziehungen der Anfangszeit und versuchte die Art und Weise des Zusammenseins darzulegen – im Gebete – und wie die Verkündigung zustande kam.

Ich weiss, dass ich mit meinen Erklärungen bei gewissen Zuhörern oder Lesern auf Widerstand stosse. Es gibt Leute, die es nicht glauben und dann nachher nichts mehr von mir wissen wollen. Nun, das ist ihre Sache. Ich möchte hier auf Christus selbst aufmerksam machen, als er seiner Umgebung wirklich schwere Erklärungen oder Worte geben musste: Er sprach von seinem Fleisch, das man essen, und von seinem Blut, das man trinken müsste (Joh. 6, 53– 56). Die Zuhörer waren darüber enttäuscht; viele liefen doch davon. Christus sagte zu seinen Jüngern, als er ihre enttäuschten Gesichter sah: “Wollt auch ihr davonlaufen? Auch ihr könnt gehen.” Die Jünger waren verunsichert – vorübergehend –, aber sie gingen nicht. Sie ahnten doch, dass diese Worte eine ganz andere Bedeutung haben müssten. Aber es war so: Die Menschen verstanden diese Worte Christi nicht und gingen davon. Sie wollten nichts mehr von ihm wissen.

Diese Erklärungen, die ich gebe, sind wahrhaftig Erklärungen bescheidener Art. Sie passen nicht jedem; sie sind nicht jedem verständlich. Mancher Mensch ist vielleicht voreingenommen, oder er beharrt auf jenem Standpunkt der Lehre, die ihm eingepaukt wurde – ich habe kein anderes Wort dafür. Man gab ihm – und das vielleicht sogar bis heute – ja keine Gelegenheit, vernünftig zu überlegen und über die Dinge nachzudenken. Es ist leider manchmal so, dass die einen Menschen eher bereit sind, Unmögliches, Unvernünftiges, Unerklärbares anzunehmen, und das Erklärbare, das Vernünftige verneinen sie. Auch ich habe solches in Kauf zu nehmen. Ich kann Erklärungen geben, doch man wird mir erwidern: “Das glaube ich nicht” – und man wendet sich davon ab.

Nun aber genug davon. Ich möchte das, was in den heiligen Schriften steht, verständlich machen, indem ich Vergleiche ziehe, um so die Erkenntnis des Einzelnen zu festigen. Ich versuche, den Menschen im Geistesglauben zu festigen. Es ist aber immer ihm überlassen, ob er es annimmt. In dieser Gemeinschaft wird auf keinen Menschen in irgendeiner Weise Zwang ausgeübt. Man geht auch nicht einem Menschen nach und versucht ihn so zu überzeugen. Das gibt es nicht. In dieser Gemeinschaft gilt die wirkliche Freiheit des Glaubens; er muss von innen heraus gefestigt werden. Ein interessierter Mensch wird eben veranlasst, über die Dinge nachzudenken und darüber mit andern zu reden.

Es ist nicht so, wie es vielleicht in einer Kirche ist, wo einer eine Predigt hört, aus dieser Kirche hinausgeht und danach kein einziges Wort über diese Predigt spricht, die da gehalten wurde – einfach deswegen, weil die Predigt ihn ja gar nicht angesprochen hat. Sie hat ihn nicht dazu bewogen, darüber zu sprechen. Man hat die Predigt einfach angehört, aber inwendig ist der Mensch nicht davon erfasst worden. Solches möchte ich eben bei meinen Zuhörern nicht haben. Ich finde es gut und notwendig, dass man nachher miteinander über das Gehörte spricht – sich also damit beschäftigt. Das ist richtig so, und auf diesem Weg wird es möglich sein, den Einzelnen von höherer Seite zu inspirieren. Was einer nämlich selbst erringt, gibt er nicht so leicht wieder her. Wenn er selbst überzeugt ist von einer Sache, dann behält er sie auch in sich.

Nun möchte ich über etwas reden, das auch zum Heilsplan, zum Erlösungsplan gehört. Ich muss jetzt auf Johannes den Täufer zurückkommen, und zwar auf die Verkündigung seiner Geburt. Ich möchte euch auf diese Weise Vergleichsmöglichkeiten darlegen. Der Vater von Johannes dem Täufer hiess Zacharias, und er war Priester. Das ist wohl den meisten von euch bekannt. Seine Frau hiess Elisabeth. Beide waren angesehene und fromme Menschen. Nun hatte das Los Zacharias, den Priester, getroffen: Er musste nun – so war es üblich – eine Woche lang Tempeldienst verrichten. Er hatte die Aufgabe, im Tempel zu wirken. Nun muss ich eine Präzisierung geben: Damals, beim Priester Zacharias, war es so, dass im Tempel sozusagen ein Zelt eingeschlossen war. Der Priester, der nun diesen Tempeldienst hatte, brachte innerhalb des Zeltes sein Rauchopfer dar. Da verschiedene Priester zur Verfügung standen, wurde jeweils durch das Los bestimmt, wer nun eine Woche lang diesen Tempeldienst zu versehen hatte. Es war aber nicht nur ein Priester, der diesen Tempeldienst führte, ihm stand zur rechten Seite – um es nach den heutigen Begriffen zu erklären – ein Hilfspriester. Zacharias, der nun dieses Rauchopfer darzubringen hatte, hatte also noch einen Helfer zur Seite.

Der Sinn des Rauchopfers war folgender: Durch dieses Opfer, die Opfergabe, wurde in diesem Zelt eine Odkraft zusammengeballt. Diese Odkraft ermöglichte es, dass das Wort Gottes hörbar wurde – ich sage: hörbar wurde, jetzt auch für diesen Hilfspriester. Er half mit, diese Opfergabe zu bereiten, und war so viel wie ein Medium. Er hatte dann das Wort Gottes zum Ausdruck gebracht.

Denn das hatte doch seinen Sinn. Dieser Gottesdienst hatte den Sinn, dass dem Volke, das ausserhalb dieses Zeltes war, erklärt wurde, was nun Gott dem Priester oder den Priestern gesagt hatte. Nach einer bestimmten Zeit trat der Priester aus dem Zelte hinaus vor das Volk hin. Er erklärte dem Volke, was ihm gesagt worden war. Es war das Wort Gottes, doch es war nicht Gott selbst, der da sprach, sondern die heilige Geisteswelt. Ein hoher Geist Gottes hatte eben die Möglichkeit, in diesem Zelt zum Sprechen zu kommen. Und der Priester hatte dann dem Volke zu sagen, wie es sich verhalten solle. Denn die Menschen von damals wurden auch verfolgt. Sie hatten in jeder Beziehung ihre grossen Nöte im Leben. So fragten sie Gott – und der Priester war die Verbindung zu Gott. Auf diese Weise erhielten sie stets Antwort auf ihre Fragen. Der Priester gab ihnen die Antwort, aber er gab auch Ermahnungen, Tadel, Erklärungen. Er sprach im Namen Gottes das zum Volke, was ihm eben innerhalb des Tempels oder innerhalb dieses Zeltes offenbart wurde.

So geschah der heilige Gottesdienst. Ausserhalb des Tempels waren Menschen, die Gott lobten, priesen und sich streng an die Gesetze Mose hielten. Sie glaubten an Gott, lobten und verehrten ihn. Es war ein Gottesdienst – dies möchte ich ausdrücklich erwähnen, während es zur selben Zeit anderswo Götzendienste gab. Bei diesen Götzendiensten sprachen auch Geister, aber diese Geister waren aus dem Totenreich. Es waren böse, uneingereihte Geister, die zu Luzifer gehörten. Diese Menschen glaubten nicht an Gott, erhofften aber – und es war ihnen ganz gleich, von woher –, auf ihre Fragen und Probleme eine Antwort zu erhalten. Aber Gott anerkannten sie nicht. Dort hatten sie also Götzendienst, und in diesem Götzendienst wurden Opfer dargebracht. Es wurden Tiere getötet, geopfert, und das Blut dieser Tiere ermöglichte eine solche Ausströmung von odischer Kraft, dass es möglich ward, mit der niederen Geisteswelt in Verbindung zu kommen. Es war ja später den Christen verboten worden, Opferfleisch zu essen (Apg. 15, 28 –29). Denn dieses Opferfleisch stammte von Götzendiensten. Als dieser Priester Zacharias seine Tätigkeit ausgeübt hatte, waren eben, in jener Zeit, von der ich jetzt gesprochen habe, Götzendienste noch üblich, und dies auch noch längere Zeit darüber hinaus.

Nun war es so, dass in jener Zeit, als der Priester sein Rauchopfer darbrachte, eben der Hilfspriester zu Zacharias sprach. Ein Geist Gottes trat in diesen Nebenpriester oder Hilfspriester hinein und sprach dann Zacharias an, indem er ihm sagte: “Dein Gebet, das du und Elisabeth jeweils gesprochen habt, ist erhört worden. Es wird euch ein Sohn geboren werden. Diesem sollst du den Namen Johannes geben. Es wird Freude und Jubel über diese Geburt geben, denn der Menschheit wird es zum Heile sein. Dieser Johannes wird vorbahnen und Wegbereiter sein für den Erlöser, der da kommen wird. Heil wird der Menschheit gebracht, und Heil und Segen wirst du und Elisabeth erleben.” Mit diesen Worten und mehreren noch dazu wurde Zacharias begrüsst. Er war genauso erstaunt, wie später Maria erstaunt war, als durch Josef ein Geist Gottes zu ihr sprach, dass aus ihr das Heiligste geboren würde, und es war ja so, dass dieser durch Josef Maria mit besonderen Worten, auch als die Gnadenvolle, die Gnadenreiche, begrüsste. Und Maria war darüber, wie ich es erklärte habe, so erstaunt und verunsichert. Genauso erstaunt und verunsichert war auch Zacharias gewesen. Er antwortete diesem sprechenden Geiste: “Das glaube ich nicht. Das ist unmöglich.”

Zacharias war wahrhaftig erstaunt, dass dieser sprechende Geist sagte, er sei ein Geist, der in der Nähe Gottes – “vor dem Angesicht Gottes” – stehe. Zacharias antwortete ihm: “Dies glaube ich dir nicht.” Er wollte es nicht annehmen. “Es ist nicht möglich”, fuhr er fort. “Ich bin in meinem Alter vorgerückt, und Elisabeth ist bekannt als die Unfruchtbare”, wie man es damals nannte. “Ihre Jahre sind vorüber. Das, was du erzählst, kann nicht möglich sein.” In dieser Art und Weise wehrte sich Zacharias. Darauf wurde der Engel, der durch jenen Menschen sprach, energisch und sagte: “Du glaubst mir nicht, und weil du mir nicht glaubst und ich dir gesagt habe: ‘Ich bin einer von denen, die vor dem Angesicht Gottes stehen’, und du Priester bist und als Priester Gottes Wort verkünden willst, wirst du von diesem Moment an stumm bleiben, und zwar so lange, bis sich das erfüllt hat, was ich dir gesagt habe” (Luk. 1, 19–20).

Der denkende Mensch sollte doch so weit kommen und sich fragen: “Weshalb hat dieser Engel Gottes eine so harte Strafe ausgesprochen? Nur darum, weil der Priester sagte: ‘Es ist nicht möglich; ich bin vorgerückt in den Jahren, und meine Frau ist als die Unfruchtbare bekannt, ihre Jahre sind vorüber’?” Wegen solcher einfachen Worte würde doch ein Engel Gottes nicht eine solch harte Strafe aussprechen.

Dies ist eben der Menschheit nicht in der richtigen Form dargelegt worden. Um den Christenmenschen in seinem Glauben zu festigen, muss er die ganze Wahrheit haben. So mache ich jetzt eben hier Vergleiche. Bei Maria war es anders. Maria selbst wie auch Josef wussten: Die Propheten verkündeten in ihren Psalmen, dass der Erlöser von einer Jungfrau geboren werde (vgl. Jes. 7, 14). Maria hatte ihrerseits Kämpfe auszufechten. Auch bei Josef war es so. Aber dort ging es um den Sohn Gottes, der – geboren von einer Jungfrau – in die Menschwerdung treten sollte. Hier waren die Verhältnisse anders. Zacharias und Elisabeth waren in ihren Jahren vorgerückt. Der Engel aber sagte: “Bei Gott ist nichts unmöglich.” Er hatte Zacharias erklärt, dass er Freude haben würde – Freude komme über ihn und über die Menschheit. Er aber hat es nicht geglaubt. Das, was dieser Engel erklärte, schien ihm nicht mehr möglich zu sein. Er glaubte also diesem Engel nicht. Und daher, für seinen Unglauben, hatte er eben die Strafe erhalten.

Nun war es so: Das Volk, das ausserhalb des Zeltes war, ahnte, dass etwas geschehen war, denn so lange ging es normalerweise nicht, bis der Priester aus dem Zelte heraustrat. In diesem Falle hat es seine Zeit gedauert – die Gespräche gingen längere Zeit hin und her. Das Volk ausserhalb wurde ungeduldig, und als dann die Gespräche vollendet waren, trat der Priester aus dem Zelt heraus vor das Volk. Er machte nur eine Bewegung mit dem Finger [hier führte Geistlehrer Josef den rechten Zeigfinger an die Lippen], dass er nicht mehr reden könne. Jetzt wusste das Volk: “Es ist etwas geschehen; Zacharias ist stumm und kann nicht mehr sprechen.” Und als der andere Priester, der wieder in seinen gewöhnlichen Zustand zurückgekehrt war, heraustrat, musste er ihnen sagen, dass eben etwas vorgefallen war. Er selbst wusste nicht Bescheid über die Dinge, aber er sah nun: Der Priester Zacharias konnte nicht mehr reden. Er musste sich der Schrift bedienen beziehungsweise mit Zeichen zum Ausdruck bringen, was er zu sagen hatte.

Als die Zeit – diese Woche – vorübergegangen war und er seinen Gottesdienst erfüllt hatte, kehrte er nach Hause zurück, zu Elisabeth. Dies war stets ein weiter Weg, den er zu gehen hatte. Er erklärte Elisabeth, was geschehen war. Er musste es ihr eben auf einer Tafel mit Worten und Zeichen zum Ausdruck bringen, was geschehen sei und dass er nicht mehr sprechen könne. Er erklärte ihr auch, dass man ihm gesagt habe, dass ihnen ein Sohn geboren würde. Er sagte Elisabeth, dass dieser Geist, der im Tempel zu ihm gesprochen hatte, ihm darlegte, dass ihr Schoss vom heiligen Geist erfüllt würde. Damit sei also gemeint, dass bei ihm zu Hause ein Geist Gottes in der Kraft und in der Person von Elia sie umgebe. Freude würde über sie kommen, und die Herzen der Väter würden erfüllt werden über diese Botschaft. Sie würden es ihren Kindern erklären: von der Weisheit Gottes und von all der Güte und der Herrlichkeit, die von Gott her komme, auf dass es erfüllt würde und der Menschheit Heil gegeben werde. Und dass dieser Sohn, der ihnen geboren würde, ein hoher Geist sei und weder Wein noch Berauschendes zu sich nehmen würde. All das war dem Priester Zacharias erklärt worden.

Als er zu Hause ankam und es Elisabeth erklärte, wurden sie erfüllt vom heiligen Geist. Nun erfüllte sich das, was der Engel gesagt hatte. So erlebte es Elisabeth, und sie empfand, dass sie schwanger war. Sie getraute sich nicht, an die Öffentlichkeit zu gehen. Teils schämte sie sich in ihrem hohen Alter, teils freute sie sich, dass Gott ihr Gebet erhört hatte, denn es war so: Die beiden beteten stets zusammen, dass Gott ihnen einen Sohn schenken möge. Dieses taten sie von Anfang ihres Zusammenseins an und blieb stets eingeflochten bis in ihre alten Tage hinein. Darum durfte der Engel Zacharias sagen: “Gott hat dein Gebet erhört. Ihr hattet ja stets um diesen Sohn gebetet.” Und nun antwortete Zacharias dem Engel: “Es ist nicht möglich.” – Ihm wurde noch dazu erklärt: “Du hast ja darum gebetet – und bei Gott ist nichts unmöglich.” Nun waren beide voll der Freude und ahnten, dass das Kindlein, das geboren werden würde, etwas Besonderes sei. Bald ging die Kunde in diesem Gebirge, wo Zacharias wohnte, von Haus zu Haus. Man sprach von etwas Besonderem, von einem Wunder und dass es ganz bestimmt ein Prophet sein müsste, denn dies wäre wahrhaftig ein Wunder.

Bei Maria war es doch so. Als sie die Botschaft bekam, dass sie empfangen würde, sagte sie: “Es ist nicht möglich. Ich kenne keinen Mann.” Bei einem späteren Zusammensein erklärte man Maria: “Elisabeth ist im sechsten Monat schwanger.” Es war bei ihr also möglich, obwohl sie als die Unfruchtbare bekannt war. Maria war verwandt mit Elisabeth. Als die Zeit vorüber war und Maria empfangen hatte, ging sie zu Elisabeth, um ihr beizustehen. Dies habe ich schon erklärt. Beim ersten Augenblick, als Elisabeth Maria sah, begrüsste sie sie als die Begnadete, die Auserwählte. Sie selbst sagte: “Das Kind in mir jubelt, denn die Mutter des Erlösers ist zu mir gekommen.” (Luk. 1, 41– 44.) Elisabeth sprach dies ebenfalls erfüllt oder inspiriert vom heiligen Geist, wie man dem sagt. Ich erkläre dies nämlich aus dem Grund, um Vergleichsmöglichkeiten zu geben. Einerseits war es ja zuerst dem Priester Zacharias verkündet worden, dass ihnen ein Sohn geboren würde, andererseits erklärte ich, dass es dieser Geist Gottes in der Kraft von Elia war, der umherging, sie erfülle, und es so möglich wurde. Dies als Vergleichsmöglichkeit der einen Begebenheit zur andern.

Nun, Maria und Elisabeth waren verwandt. Sie fanden jeweils zusammen. Johannes hatte ja genau den Namen erhalten, wie es der Engel befohlen hatte und wie es dazumal Zacharias wünschte. Er schrieb den Namen auf eine Tafel, weil die Verwandten es nicht haben wollten, er aber darauf beharrte. Von dem Moment an konnte er wieder reden. Nun hatte er wahrhaftig die Bestätigung dafür, dass ein Geist Gottes zu ihm gesprochen hatte und dass sein Sohn etwas Besonderes sein würde. So wuchs dieser Johannes heran. Aber schon recht früh war er ein Sonderling, wie man es in eurer Sprache nennen würde. Er war ein Mensch, der nur auf Gott ausgerichtet war. Er verkündete, dass das Reich Gottes nahe sei. Johannes kannte diesen Jesus, aber er erkannte dessen Auftrag noch nicht. Als junge Menschen waren sie zusammen und verhielten sich so, wie es auch unter heranwachsenden jungen Menschen üblich war. Als sie dann etwas herangereift waren, ging dann jeder seinen Weg.

Johannes fing ja an zu taufen. Als er im Jordan taufte – und dieser Johannes führte eine harte Sprache – und er nun Jesus kommen sah, wurde es ihm klar. Er fragte sich: “Bist du es?” Er musste es erkennen. Jesus wollte doch von ihm getauft werden, obgleich sich Johannes wehrte. Er aber bekam die Bestätigung dafür, wer dieser Jesus war. Denn es heisst: “Es öffnete sich der Himmel.” Vom Himmel her kam ein Licht auf Jesus, und ein feiner Dunst umgab sein Haupt. Dieser Dunst nahm die Form einer Taube an – und daraus heraus hörte man die Stimme: “Dies ist mein viel geliebter Sohn.” Hier erhielt Johannes selbst den Beweis, wer dieser Jesus war. (Mat. 3, 13 –17.)

Weil nun dieser Johannes eine so harte Sprache führte, es so gestreng nahm mit seinem Gottesglauben und auch sein Leben danach richtete – wahrhaftig danach auch lebte –, hatte er unter der Obrigkeit ein gewisses Ansehen. Ja man könnte sagen: Man fürchtete ihn als den Mann Gottes. Als es aber dann so weit kam, dass man ihn einsperrte – ich brauche nicht zu erklären, auf welche Weise er getötet wurde –, und Jesus davon hörte, war er sehr, sehr traurig.

Dazu möchte ich Folgendes sagen: Es steht klar in der Heiligen Schrift, dass dieser Geist in der Kraft des Elia einherging und Johannes der wiedergeborene Elia war. Jesus bestätigte dies ja auch in einem Gespräch, als man von Johannes dem Täufer, von Elia sprach. Er sagte: “Er war ja schon da, und ihr erkanntet ihn nicht.” (Mat. 17, 10 –13.) Diesen Dingen geht man im christlichen Glauben nicht nach, obwohl es eine Notwendigkeit wäre, wahrhaftig zu erfassen, dass es für den Menschen nicht nur ein Leben gibt, sondern er wieder und wieder zu kommen hat – dass dies in der Heiligen Schrift steht und dass man sich diese Worte immer wieder einprägen muss. Man soll sich im Klaren über diese Handlung sein und sich das, was sich dazumal wahrhaftig abgespielt hat, einprägen. So war dies doch den Menschen klargemacht worden und ist heute noch mit diesen Worten verankert. Aber darüber wird nicht gesprochen. Man zieht keine Vergleiche, obwohl Vergleichsmöglichkeiten vorhanden sind. Und wenn sie auch nicht gleich in ihrer Art sind, so findet sich doch Ähnlichkeit in der Verkündigung. Es sollte für den heutigen Christenmenschen von Wichtigkeit und Bedeutung sein, über diese Dinge nachzudenken und sich darüber klar zu werden.

Maria hatte empfangen, Elisabeth hatte empfangen. Warum will man das den Menschen von heute nicht sagen? Scheut man sich davor? Denn was für Gott recht und gut ist für die Menschen, um es ihnen klarzumachen, um ihnen den Weg für den Aufstieg zu zeigen – alles, was aus Gott kommt und gegeben wurde, ist in seiner Reinheit, ist vollkommen. Aber der Mensch ist es, der das Reine in den Schmutz zieht. Es ist dem Menschen gegeben, zu erkennen, was aus Gottes Willen kommt, was zur Vollkommenheit dient und was zum Aufstieg des Menschen gehört – dass es gut und edel ist. Es ist Sache des Menschen, das Vollkommene zu erkennen, das Gott gegeben hat. Dies kann ja nur ein Mensch, der im Glauben an Gott und das Vollkommene ist, der den Sinn der Schöpfung kennt und sich über den Sinn seines eigenen Lebens im Klaren ist. Er muss auch seine Aufgabe erkennen, die er im Leben hat, und stets nach Höherem und nach Vollkommenem streben. Er soll sich der wahren Lehre Christi bewusst werden, die Christus verkündet hat in seiner Liebe, in seiner Güte, und sich seinen Weg vor Augen halten, den er gegangen ist, um den Menschen den Weg zurück zu ebnen. Was hat Christus alles auf sich genommen! Das alles hat sich erfüllt in den Offenbarungen von damals, die gegeben wurden, als Maria die Botschaft erhielt, dass das Heiligste aus ihr geboren werde – der Sohn Gottes, das Höchste – und dass dieser Sohn Gottes der Menschheit Befreiung bringen werde von der grossen Sünde.

Was ist dem Priester Zacharias gegeben worden? Man hatte ihn gelobt wegen seiner Frömmigkeit und ihm erklärt, dass man sein Gebet gehört habe. Er solle glücklich und froh sein über all das, was sich ereignen werde. Er konnte nicht glauben, er erhielt aber die Beweise dafür. Und die Menschheit, die Christenheit? Sie hat die Beweise, die Vergleichsmöglichkeit.

Der eine oder andere denkt so weit, dass er sich fragt: “Warum ist heute so etwas nicht mehr möglich?” Wo steht ihr denn in eurer Entwicklungsstufe? Wenn von Milliarden von Jahren geredet wird, bis sich alles erfüllt hat, seid ihr ja erst am Anfang. So kann sich noch vieles ereignen. Aber zuerst muss doch der Mensch bereit sein, an die Geisterwelt Gottes zu glauben, an ihre Wirksamkeit und an diese Verbindung mit der heiligen Geisterwelt Gottes. Es müssen noch mehr Menschen von diesem Glauben erfasst werden, und es müssen Menschen in ihrem Gottesglauben, den sie verkünden, demütiger, bescheidener werden und alle Weisheit und alles Vollkommene dem zuschreiben, von dem es kommt. Dort ist das Vollkommene zu finden, wo das Höchste wirkt und sein Wort Gültigkeit hat. Der Wille Gottes geschieht im Himmel und auf Erden. Nicht der Wille des Menschen geschieht auf dieser Erde und im Himmel, sondern der Wille Gottes geschieht im Himmel und auf Erden. Das sind zwei verschiedene Dinge, und vieles steht hinter diesen Zeilen – steht ihr doch am Anfang eures geistigen Aufstieges. Manches muss sich doch wahrhaftig noch ändern, denn es muss den Höhen entgegengehen. Die Wahrheit muss sich ausbreiten. Die Wahrheit muss stark machen. Stark muss der Christenmensch werden in der Wahrheit und im Glauben an Gott. Diese Wahrheit muss man suchen. Ringen muss man um diese Wahrheit. So wird der Einzelne selbst zu höherer Erkenntnis kommen. Was meine Aufgabe ist: Ich versuche, wie in diesem Falle, euch Vergleiche darzubieten.

So, liebe Geschwister, möget ihr über das, was ich euch in dieser Stunde gesagt habe, nachdenken und miteinander darüber reden. Dann seid ihr von innen heraus erfüllt worden von dem, was ihr gehört habt. Es muss euch beschäftigen, ihr müsst euch die Antwort selbst geben können und den Weg der Wahrheit finden.

Liebe Geschwister, möge der Segen Gottes und seine Kraft über euch kommen. Möget ihr alle behütet und beschützt sein vor Not und Gefahr, und möge die Kraft Gottes euch so erfüllen, damit ihr zu höheren geistigen, göttlichen Erkenntnissen gelangt. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 12.1.1980 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Der Schutz der heiligen Familie – die Geisterwelt Gottes behütet und führt die Menschen, die mit ihr verbunden sind

Josef, 8.12.1974 (Ausschnitt)

Der Schutz der heiligen Familie – die Geisterwelt Gottes behütet und führt die Menschen, die mit ihr verbunden sind

Josef: Liebe Geschwister, Weihnachten – Fest des Friedens, der Freude; man wird erinnert an die Zeit von einst, als Christus geboren. In den christlichen Kirchen wird immer wieder dieses Geschehen verkündet, nach der Überlieferung. Was ich euch zu sagen habe, ist doch Folgendes: Ich erkläre euch immer wieder, dass die Geister Gottes herniedersteigen, Verbindung aufnehmen mit den Menschen und bereit sind, sie zu führen. Der Himmel ist offen, und die Menschen müssen im Verlangen sein, von den Heiligen der jenseitigen Welt geführt zu werden. Euch wird auch immer wieder erklärt: So ihr dieses Verlangen habt, ist euch der Schutz sicher. Der Schutz der heiligen Geisteswelt ist all jenen sicher, die in der Tiefe der Seele sich mit ihr verbunden fühlen.

Nun möchte ich auf Folgendes hinweisen: Als Christus geboren, wurde er auch von den Engeln des Himmels behütet und beschützt. Sie bewachten die Umgebung. Sie mussten ein wachsames Auge haben, denn mit viel Vorbereitungen in der himmlischen Welt ist er ausgegangen, um eine Mission auf sich zu nehmen. In der Hoffnung, dass sie erfüllt werde, hat die Gotteswelt das Ihrige getan.

Nach der Geburt Jesu erschien seinem Pflegevater im Traum ein Engel Gottes. Dieser ermahnte ihn, mit seinem Pflegesohn und mit Maria zu flüchten; man würde nach dem Leben Jesu trachten. (Mat. 2, 13.) Dies war jedoch nicht das erste Erlebnis Josefs. Ein wohl ganz bedeutendes Erlebnis mit einem heiligen Engel des Himmels hatte er zuvor. Wie es in der Überlieferung heisst, war er verlobt mit Maria; und sie hatte ihm kundgetan, dass sie guter Hoffnung sei. Josef wollte dieses nicht begreifen und nicht verstehen, und so sann er danach, sie zu verlassen. Da erschien ihm ein Engel im Traume und forderte ihn auf: “Nimm Maria zu dir.” Dies war für ihn ein besonderes Erlebnis, obwohl ihm eine Verbindung zur Geisterwelt Gottes schon längst bekannt war. Er ist dem gefolgt; dies war für ihn ein bedeutender Hinweis für seine Zukunft, für sein Ansehen überhaupt. (Mat. 1, 18–24.)

Sein zweites Erlebnis war dann eben das, als ein Engel Gottes ihm im Traume – so muss man es euch vielleicht erklären – erschien und ihm sagte: “Fliehe, denn das Leben Jesu ist gefährdet.” Und wie man es ihm befohlen und die Weisung gegeben hatte, welchen Weg er zu gehen hätte, machte er sich auf und ging. Er war so stark im Glauben; er wusste um den Schutz Gottes, und er wusste um die Aufgabe, die er zu erfüllen hatte. Er wurde auch wieder aufgerufen, als die Zeit gekommen war, dass er zurückkehren konnte. Von Neuem erschien ihm der Engel und forderte ihn auf: “Kehre wieder zurück.” (Mat. 2, 19–20.)

Dieses sind geistige Erlebnisse; es sind der geistige Schutz, die Inspiration und das Einstehen eines göttlichen Wesens für einen Menschen. Dies gab es dazumal, und es gibt dies auch heute noch. Früher war die Bindung und der Glaube an die Geisterwelt mehr verbreitet als heute. Leider war zu jener Zeit auch der Götzendienst üblich. Aber man erkannte, so man gottgläubig war, den Unterschied zwischen der Verbindung zur Gotteswelt und der Verbindung zur bösen Welt. Und so pflegte Josef selbst die Verbindung zur guten Geisterwelt, auch mit Maria, denn auch sie hatte ihre Erlebnisse; auch zu ihr kamen die Engel Gottes und setzten sie in Kenntnis von dem, was geschehen würde. Auch bei ihr war der Glaube an Gott und die heilige Geisterwelt so stark, dass sie dem Folge leistete, was ihr gesagt wurde.

Heft 6/2016
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm