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Die Vorträge und die Fragebeantwortungen dieses Themenheftes beleuchten die geistige Bedeutung des Kreuzes. Das Kreuz weist den Menschen auf die hohen Lebensziele hin; es erinnert ihn an die Opferbereitschaft, die Friedfertigkeit und Demut von Christus, der zur Erlösung der Menschheit gestorben ist. Für den gläubigen Christen ist das Kreuz ein Wanderstab durchs Leben. Er wurde im Zeichen des Kreuzes getauft, und es hat für ihn eine Bedeutung bis zur letzten Stunde, ja über diese letzte Stunde hinaus. Wenn er schon längst keine Beziehung mehr hat zu dieser Welt, steht das Kreuz noch über seinem Grabe. Immer ist es das Kreuz – es ist das Zeichen des Glaubens und der Hoffnung. Nicht nur auf Erden ist das Kreuz zu einem Mahnmal geworden; auch in der jenseitigen Welt ist es von grosser Bedeutung. In einem Vortrag dieses Themenheftes wird berichtet, wie Verstorbene, die in ihrem Erdenleben nie zum Kreuz aufgeblickt und ihre Lebensaufgaben nicht erfüllt haben, mithilfe des Kreuzes zur Gesinnungsänderung gelangen.
Josef, 3. April 1958 (Ausschnitt)
Das Kreuz weist den Menschen auf die höheren Lebensziele hin. Es erinnert ihn an die Opferbereitschaft, die Friedfertigkeit und Demut von Christus, der zur Erlösung der Seinen gestorben ist. Wenn der Mensch aufblickt zum Kreuz, beleuchtet es ihm den Weg für seine eigenen Aufgaben und gibt ihm Kraft, diese zu erfüllen.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, das Kreuz Christi ist der Wegweiser des Menschen. Ihr lobt und preist den Schöpfer aller Dinge. Ihr beugt euch vor ihm. Ihr habt euch aber auch zu beugen vor dem Erlöser, denn an ihm vorbei führt der Weg zu Gott. Das Kreuz als Wegweiser offenbart dem Menschen die höheren Lebensziele. Ist einer mutlos und verzagt, dann soll er aufblicken zu diesem Kreuz und sich wieder aufrichten; denn eine wundersame Kraft strömt aus dem Kreuz heraus. Es gibt immer wieder Menschen, die es nicht erkennen wollen, dass der Weg zu Gott an Christus vorbei führt, dass man sich auch vor ihm zu beugen hat.
Die Geisterwelt Gottes versucht, dem Menschen diese höheren Lebensziele zu erklären, denn sie sind notwendig. Wenn die Stunde kommt und er im Jenseits angelangt ist, dann wird nach diesen höheren Lebenszielen gefragt. Und so soll sich ein jeder um sie bemühen. Die Antwort erhält er im Erlösungsplan, und ganz besonders in diesen Tagen wird er erneut darauf hingewiesen. Er soll sich auch fragen: “Ja was bedeutet mir das Kreuz Christi? Was hat es mir zu geben? Welche Stütze ist es für mich?” Oder glaubt der Mensch, daran vorübergehen zu können, ohne aufzublicken? Es kommt die Stunde an ihn, wo er aufblicken muss zu diesem Kreuz. Und die Geisterwelt Gottes versteht es immer wieder, es vor des Menschen Auge zu führen, auf dass er es in seinem Geiste erlebt. Er soll in sich gehen, um zu erfahren, was es für ihn bedeutet und bedeutet hat.
So hat Christus ein jedes losgekauft durch sein Kreuz, losgekauft aus der Gefangenschaft – aus der geistigen Gefangenschaft Luzifers, seines einstigen königlichen Bruders; denn dieser schaltet und waltet über die Menschen und ist der Verführer der Menschen. So kämpfte Christus und kaufte ein jedes los. Also hat dir das Kreuz die Freiheit gebracht – die geistige Freiheit. Denn die Wege zum Hause Gottes sind wieder geöffnet, und du kannst wieder aufwärtsschreiten, um dort einzukehren, von wo du ausgegangen bist. Doch wie lange, lange wird es dauern, bis du jenen Platz, den du verlassen musstest, wieder einnehmen darfst.
Christus hat mit seinem einstigen Bruder abgerechnet und dich losgekauft, denn du warst dessen Gefangener. Und nur im menschlichen Leben hat er noch das Recht auf dich – dich zu gewinnen, dich zu verführen; denn er ist ein Meister darin, und viele der Knechte sind es, die in seinen Diensten stehen.
Wenn du heute aufblickst zu diesem Kreuze, soll es dir bewusst werden, was die Erlösung Christi für dich bedeutet, welchen Dank du schuldest, was du zu tun und zu lassen hast und wie du nach diesen höheren Lebenszielen trachten sollst und sie förderst. Diese hohen Ziele des Lebens müssen vom Menschen angestrebt werden. Denn dieses Loskaufen oder diese Erlösung hat nur die Bedeutung, dass du aus der Herrschaft Luzifers befreit bist und somit wieder aufsteigen kannst – aber wie du aufsteigst, in welcher Eile, das ist dir selbst überlassen.
So betone ich immer wieder: Es ist falsch, die Ansicht zu vertreten, Christus hätte den Menschen von allen seinen Sünden befreit, von jenen der Vergangenheit wie der Zukunft. Nein, das wäre doch keine Gerechtigkeit. So muss der Mensch immer wieder mit neuem Eifer darangehen, sich zu verbessern, nach diesen höheren Lebenszielen zu forschen; denn er muss sich bewusst werden, dass er schuldig war. Und wenn er aufblickt zu diesem Kreuz, muss er erkennen, dass Christus, der unter den Menschen gelebt, unter den Menschen gelitten hat, freiwillig diesen Weg gegangen ist – für dich, um dir zu helfen, um dich wieder zurückzuführen. Wenn du nun denkst: “Ich bin schuld”, kannst du vielleicht schon höhere Lebensziele erfassen; denn betrachte doch diese grosse und gewaltige Opferbereitschaft von Jesus Christus.
Wenn du aufblickst und dieses Kreuz dir den Wegweiser ins Leben gibt, dann musst du erkennen: “Ich bin ein Sünder. Jesus Christus ist für mich in den Tod gegangen. Er hat gelitten. Durch ihn bin ich frei geworden. Das hat er getan. Was ist wohl an mir, zu tun, um ein kleiner Helfer im Heilsplane Gottes zu sein?” So hast du die Antwort darauf. Denn auch du sollst nach deinen besten Kräften hilfsbereit sein. Hilfsbereitschaft gehört zu den höheren Lebenszielen – Hilfsbereitschaft. Sage nicht: “Dieser Mensch war mir nicht gutgesinnt, ich bin nicht geneigt, ihm meine Hilfe zu geben.” Wer bist du, der du solches denkst? Wenn du zugleich aufblickst zum Kreuz, zu ihm, der freiwillig diesen schweren Weg zu deiner Befreiung gegangen ist – ist es denn nicht auch an dir, mitzuhelfen, den Heils- und Erlösungsplan ganz zu vollenden? Denn ganz vollendet wird er erst sein, wenn in einem jeden Herzen diese Hilfsbereitschaft vorhanden ist und der Mensch nicht fragt: “Was bist du? Wer bist du? Was hast du mir alles angetan? Dir kann ich nicht helfen.” Dann erst, wenn alles überwunden ist und man von innen gedrängt wird, mitzuwirken an der Befreiung des andern, dann, wenn alle so denken, wird es eine wundersame Zeit sein für die Menschheit. Wann wird dies wohl sein?
Wenn du diesen Wegweiser betrachtest, der Christus für dich ist, so erfasst du diese höheren Lebensziele und diese Opferbereitschaft. Wunderbar sind sie. Sie gelten für einen jeden gleich, ohne Ausnahme. Erst dann, wenn diese Ziele befolgt werden, wird man aufsteigen können von Sphäre zu Sphäre, immer weiter in die schöneren Himmel hinein.
Denke auch daran, dass Christus der Menschheit den Frieden brachte und er die Seinen begrüsste mit: “Friede sei mit euch!”, wenn er unter sie trat. Frieden wollte er bringen, am Frieden arbeitete er und tut es heute noch. Für den Frieden der Menschen steht er ein. Und ihm zu Diensten sind seine Getreuen, auf dass der Friede dereinst in Erfüllung gehen wird. Friedfertigkeit gehört auch zu diesen edlen, hohen Zielen des Menschen. Das Schönste, was es gibt, ist Opferbereitschaft, Friedfertigkeit – friedfertig sein, Verständnis für alles haben, was den Nächsten betrifft, womit der Nächste sich beschäftigt, was ihn belastet, und ihm helfen, ihm Frieden in seine Seele legen durch gütige Worte, durch Ermahnungen.
Ja, jeder hat die Gelegenheit, in dieser Weise zu wirken. Doch immer wieder wird vom Einzelnen nach besonderen Aufgaben gefragt, weil er glaubt, zu Höherem berufen zu sein, grosse Leistungen vollbringen zu können. So denke doch jeder an diese hohen Lebensziele; ob es auch die Opferbereitschaft ist – er kann sie erbringen in seiner Familie, an seinem Arbeitsplatz. Vielleicht findet er den Weg da oder dort in ein Haus hinein, wo Hilfe nottut. Es sind der Wege so viele offen und so viele Möglichkeiten vorhanden zur Erweiterung dieser höheren Ziele. So findet ein jeder, wenn er sucht.
Und wenn er fragen muss: “Welches sind meine Aufgaben, die ich im Besonderen leisten könnte?” O du arme Seele, du, siehst du denn nichts? Hast du wirklich das Gefühl, dass deine Opferbereitschaft ausgekostet wäre? Hast du wirklich das Gefühl, dass deine Friedfertigkeit vollkommen wäre? Ja, hier braucht es ein Stillestehen, ein Aufblicken zum Kreuz und ein Sichfragen: “Wer bin ich? Wer warst du, der du für mich gelitten, mich erlöst?” Vielleicht erkennst du dann deine Schuld, dass du der schuldige Teil bist und wohl vieles gutzumachen hast.
So gibt es in diesen Tagen für jeden Gelegenheit, wenn er danach greift. Suche die stille Stunde, mache Halt vor diesem Kreuz, und frage nach deinen Aufgaben. Und die Geister Gottes werden es dir zu verstehen geben, wenn du willens bist, es auszuführen. Glaube nicht und denke nicht, du hättest alles getan und alles wäre in Ordnung, was in dir und um dich ist. Noch vieles liegt in Unordnung. Suche, und du wirst finden. Dein Blick aufwärts zum Kreuz gibt dir die Antwort, leuchtet dir deinen Weg. So sollst du es tun, diese höheren Ziele des Lebens pflegen: Verständnis, Opferbereitschaft, Friedfertigkeit. Und ein Weiteres ist die Demut, an der es da und dort mangelt. Wer nach diesen höheren Zielen trachtet, muss diese Demut auch pflegen. Sie gehört zur Opferbereitschaft und zur Friedfertigkeit, und sie ist ein wunderbares, herrliches, hohes Ziel des Lebens: Demut, Bescheidenheit.
So erhältst du heute, morgen, übermorgen und weiterhin die Antwort darauf, was für dich die hohen Ziele deiner Lebensführung sind. Und lass es nicht nur an diesen heiligen Tagen damit bewenden, sondern übe dich in diesen hohen Zielen, pflege sie. Und dann, wenn die Stunde kommt und du den Geistern Gottes gegenüberstehst, bist du froh um diese Vorarbeit, die du in deinem menschlichen Leben geleistet hast. Denn du wirst erkennen, wie schwer es ist gutzumachen.
Nun betrachte doch, in welch wunderbarer Art und Weise diese frohe Botschaft der Auferstehung Christi verbreitet wurde. Wenn du darüber nachdenkst, dass Christus auferstanden ist vom Tode, dass er den Sieg über die Toten errungen, dass er für dich gekämpft hat, musst du zur Dankbarkeit verpflichtet sein, und du musst dich dementsprechend in deinem Leben einstellen, wenn du gewinnen willst, und diese höheren Lebensziele pflegen.
Welch wunderbare Botschaft ist es, zu vernehmen: “Christus ist auferstanden, der Kampf ist vorüber, die Leidenszeit beendet! Der Sieg über das Totenreich ist errungen, der Weg ins Himmelreich ist frei!” Und du darfst es erleben, wie er da, wie er dort seinen Lieben erschien, wie er zeigte, dass er lebt – welch frohe Botschaft!
Gibt es doch unter den Christen so viele, die nicht daran glauben oder die daran zweifeln, dass Christus erschienen ist. Wie schade um jene Menschen, dass sie nicht mehr in sich gehen und es ihnen fehlt an diesem Eifer, am Aufblicken zum Kreuz. Welche Notwendigkeit ist es im Leben eines jeden Menschen! Wie viel Kraft ist daraus zu empfangen, Trost, Mut und Heilung. Wessen Glaube so stark ist, der wird auch seine Heilung empfangen für seine Seele, auch für sich als Mensch.
So ist es etwas Wunderbares, in diesen Tagen aufblicken zu können im Bewusstsein, dass diese himmlischen Heerscharen in ihrem Glanz und in ihrer Herrlichkeit aus ihren Himmeln heraustreten und durch alle Sphären ziehen bis zu ihren unseligen Geschwistern hin, um ihnen erneut diese Botschaft zu verkünden. Und diese Gottesengel, sie tun es ebenso bei den Menschen. Auch ihnen nahen sie sich in dieser Pracht und Herrlichkeit. Sie versuchen, den Menschen zu stärken im Glauben und ihn aufs Neue hinzuweisen auf diesen Wegweiser des Kreuzes. Sie wollen ihm erklären: “Richte dich auf an diesem Kreuze, so du verzagt bist. Hol dir dort Kraft und Mut.” Die Engel Gottes stehen in allernächster Nähe des Menschen. Es gibt Menschen, die sie erkennen und fühlen können; doch es gibt zur Genüge welche, denen sie fern und für die sie eine Unmöglichkeit sind.
Nun glaube nicht, dass nur die Gottesengel – die dir Freude ins Leben bringen möchten, dir Segen und Heil darbieten – da wären. Denn du bist Mensch und unterstehst den Gesetzen dieser Erde. Und jener Meister, der über die Menschheit Herrscher ist, Luzifer, auch er ist emsig daran, mit seinen Knechten auszufahren; immer wieder aufs Neue an diesen heiligen Tagen will er es nicht für wahr halten [dass Christus gesiegt hat] und die Menschen dementsprechend gewinnen, sie inspirieren: “Glaube es nicht, was dir gesagt wird! Es ist unmöglich!” Wie leicht, wie leicht erfasst es jenen Menschen, der wankelmütig ist, der schon dazu neigt, dies nicht zu bejahen. So vermögen jene düsteren Mächte ihr Werk noch zu vollenden, und sie sind genauso eifrig wie die Gottesengel. Bist du aber im Geiste aufgerichtet, ist dein Glaube so stark, deine Dankbarkeit in dir so gross, dann werden jene Mächte in dementsprechendem Abstand von dir sein, und in die nächste Nähe werden deine geistigen Freunde treten. Sie werden dir das mitteilen, was für dein Leben von Notwendigkeit ist. Und mögest du es doch auch hören, damit es dir tatsächlich zum Vorteil in diesem Leben wird; denn derjenige, der mit uns verbunden ist, er weiss um die grosse Hilfsbereitschaft der Geister Gottes. Und so sollt ihr Menschen die Freundschaft zu den Geistern Gottes immer enger knüpfen. Denn diese Geister Gottes sind es, die von ihrem Herrn und Meister und König alles genau befolgen. So wird sein Wille durch diese Boten an euch erfüllt. Wohlgefällig ruhen Gottes Augen auf euch.
So bitte weiter um den Frieden, um den Frieden deiner Seele, in diesen herrlichen Tagen, in dieser vermehrten Kraftzuströmung. Dann bitte um den Frieden der Welt. Und indem du dies tust und versuchst diese hohen Lebensziele zu fördern, wirst du an dir gewinnen und bei den andern. So wird diese frohe Botschaft von der Gotteswelt verkündet, dass Christus auferstanden und das Erlösungswerk in Erfüllung ist und dass es an dir ist, mitzuhelfen, dieses Erlösungswerk seiner Vollendung entgegenzuführen. Du hast Zeit in den nächsten Tagen, dich über vieles zu besinnen, und so kannst du vieles an dir verbessern. Und indem du das tust, hilft dir auch ein Gottesengel zu überwinden. So mögest du in diesen Tagen aufblicken zum Kreuz des Herrn, und es möge dir Kraft geben für dein Leben, für deine Aufgaben, die für dich oft so schwer sind, dass du glaubst, sie wären nicht in die Zukunft hinein tragbar. Wenn du aufblickst, empfängst du Segen des Heils, und es wird dir leichter und angenehmer werden. Und wenn du bejahst, dann wirst du auch für deine Ausdauer in deinem Leiden, in deinen Sorgen Belohnung finden. [...]
Nun gedenke dieser wunderbaren heiligen Tage, es sollen Tage der Besinnung sein für dich. Und suche nach diesen hohen Lebenszielen. Es ist dir zum Segen.
So gehet alle hin im Frieden. Der Segen Gottes begleitet euch. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 3.4.1958 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 15. Mai 1963
Das Kreuz ist für den Menschen ein Wanderstab fürs Leben. Es ist aber zugleich eine Ruhebank und ein Schemel, worauf er knien und wo er beten kann. Das Kreuz begleitet den frommen Christen wahrhaftig durchs ganze Leben. Es hat für ihn eine Bedeutung bis zur letzten Stunde, ja über diese letzte Stunde hinaus. Wenn er schon längst keine Beziehung mehr hat zu dieser Welt, steht das Kreuz noch über seinem Grabe. Immer ist es das Kreuz – es ist das Zeichen des Glaubens und der Hoffnung.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Ostern ist vorüber, Pfingsten naht, doch zuvor ist das Fest Christi Himmelfahrt. Könnt ihr euch vorstellen, mit welcher Herrlichkeit man Christus entgegenging, als man ihn in den Himmel hineinführte?
Wenn Menschen für längere Zeit abwesend sind, ein fremdes Land besuchen und dann wieder zu den Ihren zurückkehren, da bringen sie bestimmt auch Geschenke mit. Sie wollen die Ihrigen erfreuen, sie bringen etwas mit aus dem fremden Lande und möchten so Zeugnis geben von dem, was sie gesehen, was sie erlebt haben, wo sie gewesen sind. Sie möchten ein Stück von jener Welt in irgendeiner Form eines Andenkens mitbringen und den Ihrigen geben, um ihnen so eine Freude zu bereiten.
Als Christus in die Himmel einging, da hatte er ja auch wunderschöne Geschenke mitgebracht – nicht Geschenke materieller Art, geistige Geschenke waren es, denn er hatte ja seine Aufgabe, die ihm aufgetragen worden war, erfüllt. Welch wunderbares Geschenk war es für den Himmel, dass er seinen Auftrag erfüllt und was er in dieser Beziehung zurückgebracht hatte. Grosse Freude herrschte in den Himmeln, als er zurückkam, denn er hatte viel gebracht. Er hatte aber auch jenen Menschen, unter denen er gelebt, viel gegeben, wahrhaftig viel. Grosse Geschenke hatte er ihnen dargebracht, und die Welt oder die Menschheit oder die Christenheit vermag es ja kaum zu fassen, was gegeben worden ist.
Nun, wer im christlichen Glauben lebt, der ist sich im Klaren, was Christus der Welt geboten hatte. Wenn man mit ihm einen engeren Kontakt hat, freut man sich, man jubelt im Innersten über das Wunderbare, das er fertiggebracht hat, denn er hatte der Menschheit doch etwas so Wertvolles gegeben, der ganzen Menschheit, auch jenen, die nicht gewillt sind, ihn anzuerkennen, an ihn zu glauben. Er hatte der Menschheit wahrhaftig viel gebracht. Ihr kennt alle den schweren Weg, den Christus gegangen ist, und was er der Menschheit bedeutet.
Immer wieder pflegen wir euch auch in der Meditation das Kreuz vor Augen zu führen. Denn das Kreuz bedeutet doch der ganzen Christenheit unendlich viel. Das Kreuz ist für den Menschen ein Wanderstab fürs Leben. Es ist aber zugleich ein Schemel, auf den er knien und wo er beten kann. Selbstverständlich ist dieses geistig gemeint; man erlebt das im Geiste. Im Geiste nimmt man das Kreuz als Wanderstab, und im Geiste kniet man darauf und betet und bittet zu Gott. Aber dieses Kreuz ist für den Christen auch gleich einer Ruhebank. Welche Erlösung, was alles ist aus diesem Kreuz heraus gekommen! Das bedeutet für die Menschheit so unendlich viel. Christus selbst gab ja oft Hinweise dazu: Man soll das Kreuz auf sich nehmen und ihm nachfolgen. Das Kreuz tragen können – das wird auch heute noch der Christenheit empfohlen.
Bedenken wir, der fromme, wahre Christ richtet sich am Kreuze auf, es begleitet ihn wahrhaftig durchs ganze Leben. Es ist ihm Wanderstab, Schemel und Ruhebank, und es steht auch dereinst über seinem Grabe. Dieser Gedanke, dieses Erleben des Kreuzes geht mit einem Menschen, der Christus ehrt, ihn liebt. Das Kreuz hat unendlich viel Bedeutung bis zu seiner letzten Stunde, ja über diese letzte Stunde hinaus. Wenn er schon längst keine Beziehungen mehr hat zu dieser Welt und sein Körper in der irdischen Erde ruht, so steht über dem Grabe das Kreuz. Immer ist es das Kreuz; es ist das Zeichen des Glaubens und der Hoffnung. So sollte es sein. Dadurch will man doch zum Ausdruck bringen: “Ich gehörte in sein Reich. Das Kreuz war mir mein Wanderstab, es war mir mein Schemel, meine Ruhebank, und als Letztes noch steht es über meinem Grabe.”
Im Laufe des Tages, wenn man seine Arbeit gewissenhaft verrichten muss, vermag man ja nicht immer so göttlich zu denken, wie man es sollte. Man ist in einem Arbeitseifer, man ist sehr oft abgelenkt – aber wenn man morgens das Haus verlassen und den Wanderstab mitgenommen hat, dann wird man auch im Laufe des Tages daran erinnert, denn man stützt sich auf diesen Wanderstab, man schöpft aus ihm Kraft. Er ist wahrhaftig eine Stütze, denn das Kreuz ist ein Stück des christlichen Glaubens, es ist Ausdruck dieses Glaubens sowie der Hoffnung und der Zuversicht. Verlässt man morgens sein Haus im Gedanken: “Ich habe den Wanderstab bei mir, ich stütze mich auf dieses Kreuz”, dann wird es ganz unbewusst so werden. Denn das Kreuz ist heilig geworden, und eine grosse Verbindung besteht zu ihm. Denn wenn man mitten in der Arbeit und in einem Übereifer ist, kann man doch gemahnt werden; man kann daran erinnert werden, dass man das Richtige tut. Man muss doch mit dem Nächsten zusammenleben, und Christus gab in seinen Lehren den Seinen Kunde davon, dass man über alles den Vater, den Schöpfer aller Dinge, lieben solle und dass nach der Liebe zum Vater die Liebe zum Nächsten komme. Wenn ihr jetzt denkt: “Ja, auch Christus ist doch der Liebe wert”, so vergesst nicht: Wer den Vater liebt, liebt ja auch seinen Sohn (vgl. Joh. 5, 23).
Wenn man nun in seinem Alltag steht, kann man darauf aufmerksam gemacht werden, intuitiv; denn es geht ja so viel um das Leben des Nächsten. Hier ist der Wanderstab die Stütze für den Menschen. Aber es ist eigentlich nur ein Symbol. Es ist so: Der Mensch muss sich eine Vorstellung davon machen; er muss das Gefühl haben, sich an etwas halten zu können. So wie sein Körper Nahrung braucht, so braucht auch die Seele ihre Nahrung; die Seele nimmt davon, denn es ist für sie Balsam. Wenn sich nun der Mensch dieses Kreuz vorstellt als Wanderstab, der ihn körperlich und seelisch stützt, wenn dieser Gedanke durch sein Gehirn geht, wird es ihm klar, wie man sich benimmt – dass man den andern nicht verletzt und man nicht nur für sich, sondern für den andern lebt. Denn Christus lebte für die andern. Man sagt sich: “Ich gehöre in Dein Reich, ich gehöre zu Dir. Ich tue das, was Du befiehlst.” Der Mensch kann dies aber nur tun, wenn er sich etwas vorstellt, wenn er seine Gedanken festigen und aufbauen kann zu einem Ganzen und er so dieses Kreuz im Geiste vor sich sieht und sich in der Stunde der Versuchung an ihm hält. Aus dem Kreuze dringt die Kraft für ihn. Von so grosser Bedeutung ist das Kreuz für die ganze Christenheit.
Wer die stille Stunde der Meditation pflegt und ganz für sich alleine die innere Verbundenheit zur geistigen Welt, zu Christus zum Ausdruck bringen möchte – gibt es da wohl etwas Schöneres als die Vorstellung von diesem Kreuz? Dieses kann man sich so vorstellen, wie man sich in seinen Gedanken das Abendmahl vorstellen kann, wie Christus bat, man möge das Abendmahl, das er ja mit den Seinen einnahm, zu seinem Gedenken weiterführen, dass es weiter verbreitet und gelebt werde, dass es so in den Menschen hineindringe, damit er in engste Verbindung mit Christus komme und er sich im Glauben stärke und Christus ganz erlebe. Wenn der Mensch nach einem Tag, der viel Kummer, vielleicht viel Enttäuschung, viel Sorgen gebracht hat, die Stille sucht, vermag er in der Vorstellung des Kreuzes so viel Kraft zu schöpfen. Er stellt sich ein Kreuz vor und kniet im Geiste darauf. Das Kreuz bedeutet Sieg über alles. In dieser Vorstellung betet er zu Gott. Er bittet um Kraft, er bringt seine Ehrfurcht zum Ausdruck, seinen tiefen Glauben, seine Treue, seine Zuversicht, seine Hoffnung, seine Freude – alles. Es wird ihm wohl zumute werden. Denn das, was er sich im Geiste so vorgestellt, was sich so geformt hat zu einem Ganzen, ist Tatsache. Im Geistigen wird es erkannt von einem jeden, der an diesem Betenden vorübergeht. Man sieht ihn nicht nur im Geiste da knien und beten, sondern durch seine grosse Verbundenheit, durch seinen festen Glauben hat er im Geiste wahrhaftig unter seinen Knien ein solches geistiges Kreuz errichtet, ein strahlendes Kreuz.
Nie ist der Mensch allein. Und wenn er glaubt, dass er alleine betet, so irrt er sich. Es sind viele da, die bereit sind, mit ihm zu beten und mit ihm auf dieses Kreuz zu knien. Es sind auch viele da, die dieses Kreuz in seinem Glanz, in seiner Kraft erkennen, die aber einen grossen Umweg darum machen. Sie wollen nicht in die Nähe jenes Betenden gehen. Das Kreuz, das so viel Kraft ausströmt, ist für sie Schmerz. Wie es für die suchenden Seelen und für den betenden Menschen Balsam ist, so ertragen es die andern nicht; sie wollen das Kreuz nicht sehen, sie entfernen sich vom Betenden. Aber es sind viele da, die suchen betende Menschen; sie suchen das Heil.
Es beten viele Menschen, aber sie beten ohne Inbrunst, ohne Innigkeit; sie haben kein tiefes Verhältnis zur jenseitigen Welt, zu Gott. Sie beten, weil sie es gelehrt worden sind, weil es ihr Glaube vorschreibt, aber es ist kein Feuer im Gebet. Wenn die vielen Wesen, die um den Menschen sind, solche oberflächlich Betenden sehen, werden sie nicht angezogen. Wohl schenken sie diesem Gebet die Aufmerksamkeit, aber sie erkennen, dass es ohne Kraft ist. Derjenige aber, der im Geiste auf dem Kreuze kniet und betet, weiss, was zum Gebet gehört. Er weiss, dass es nicht genügt, nur zu beten; denn ihm bedeutet dieses Kreuz ja so unendlich viel. Der Name Jesus Christus sollte in aller Munde sein, durch die ganze Menschheit gehen – sein heiliger Name muss in aller Munde sein! Es wird die Zeit auch kommen, dass ein jeder diesen heiligen Namen ausspricht. Es mag lange dauern, bis es so weit ist.
Ich habe euch gesagt, dieses Kreuz ist euch nicht nur ein Wanderstab, auf den ihr euch stützen könnt, der euch Kraft gibt, und es ist nicht nur der Schemel, wo ihr niederkniet und betet, sondern das Kreuz ist auch eine Ruhebank. Wie wohltuend ist es für jenen Menschen, der im Namen Jesu Christi, im Namen dieses Kreuzes Gutes zu tun weiss. Wie herrlich ist dies für ihn, wie glücklich ist sein Geist. Ihm ist das Kreuz die Ruhebank, ihm bringt es Freude, Erholung und Genesung der Seele. Ihm bedeutet es alles. Das Kreuz soll nicht nur Zeichen des Schmerzes sein. Es ist Erfüllung – am Kreuze wurde das Werk erfüllt. Das Kreuz heisst Sieg. Darum sollte das so tief im Innersten eines jeden Menschen verankert sein. Auf diese Weise vermag man viele Meditationen zu erleben; man kann einen ganzen Abend nur über den Wanderstab des Kreuzes meditieren.
Es gibt Menschen, sie haben es schwer, und sie stützen sich auf das Kreuz. Es gibt aber auch Menschen, denen geht es immer gut im Leben, und auch ihnen bedeutet dieses Kreuz viel, doch auf eine andere Art und Weise. Während es dem Leidenden hilft, sein Leiden besser zu tragen, das Schwere besser zu überwinden, weil er im Kreuz den Schmerz und das Leid erlebt, kann ein froher Mensch in diesem Kreuze die Auferstehung sehen, die Erfüllung. Die Freude erlebt er und was alles wunderbar durch dieses Kreuz geschaffen wurde. Er sieht die Heimkehr aller. Er findet, es ist Zeit, dass man singt und sich freut über das, was vollbracht wurde durch dieses Kreuz. Er kann den Schmerz nicht so erleben, er trägt ihn nicht, denn in seinem Leben geht er seine besonderen Wege. Er hält sich an das Auferstandene. Sein Leben bereitet ihm keine Schwierigkeiten, keinen Kummer – darum versteht er das Kreuz nicht als Schmerz wie jene, die da krank und leidend sind, sondern für ihn ist das Kreuz Erfüllung, Freude und Hoffnung zugleich. Er hat nur Jubel im Herzen, dass es vollbracht wurde und es geschehen ist, dass er befreit und sein Weg in den Himmel geebnet ist. So ist das Kreuz für einen solchen Menschen eine Ruhebank; denn dort hat er sich erholt, dort hat er die Freude empfangen, die Einsicht, seine Begeisterung, seine Treue, die er immer wieder aufs Neue kundtut. So verschieden sind die Menschen, und so verschieden sind ihre Wege.
Ich habe ganz am Anfang darauf hingedeutet, welch wunderbares Geschenk doch der Menschheit gegeben worden ist durch die Erfüllung dieses grossen Werkes und dass die Geschenke nicht nur der Menschheit gegeben wurden, sondern dass Christus sie auch in seine Welt hinübergetragen hatte. Wie viele waren es auch in der Jenseitswelt, die auf dieses Geschenk gewartet hatten!
Wenn ihr eine tiefe Verbundenheit und einen tiefen Glauben habt, dann müsst ihr zur Einsicht kommen, dass auch ihr in die neue Welt, in die ihr eingehen werdet, solche Geschenke zu bringen habt. Ihr müsst auch der Welt, die ihr hinter euch lasst, ein Geschenk zurücklassen. Denn ihr seid doch die Nachfolger von Christus, und ihr solltet es ihm gleichtun. So wie dieses Kreuz unendlich viel bedeutet und von der Menschheit in alle Zeiten nie vergessen werden wird, so soll auch der Mensch, der da lebt, seiner Welt ein Vermächtnis machen. Auch er soll in der Art etwas zurücklassen, was für die Seinen – damit meine ich seine Verwandten, seine Allernächsten – unvergesslich ist, damit sie noch lange darüber reden und immer seinem Beispiel folgen. Jeder hat ein solches wertvolles Geschenk oder ein solches Erbe zurückzulassen. Nicht nur, dass man es seinen Mitmenschen, mit denen man gelebt hat, zurücklässt, sondern man bringt diese wunderbaren Geschenke auch in die neue Welt, in die Geisteswelt, hinein. Auch dort warten viele darauf. Wie notwendig ist es, dass man ins geistige Reich ein Erbe mitbringt von der Welt, wo man gelebt!
Ihr werdet immer wieder unterrichtet, und es wird euch gesagt, was ihr tun und was ihr lassen sollt. Der Himmel möchte aber auch von euch hören, dass ihr in irgendeiner Form etwas – ich möchte fast sagen – Unvergängliches, Unauslöschliches zurückgelassen habt, etwas, was nur im Geiste wachsen kann, was nur im Geiste sich entfaltet und dann in den Dienst des Nächsten kommt; dass etwas zurückgelassen wird, was zum Heil, zum Segen der Nachwelt ist. Das ist bedeutend, darüber sollte man meditieren. Man soll sich nicht anklagen und sagen: “Ich bin ein armer Mensch, mir fehlt die Kraft; ich habe nichts, ich kann der Welt nichts geben; ich kann nichts zurücklassen.” Oh doch, jeder Mensch kann etwas zurücklassen. Denn viele kleine Kohlen machen ein grosses Feuer. Wenn nun der eine es fertigbringt, nach dem göttlichen Gesetz zu leben, und, sagen wir, sich auf einem Gebiete ganz besonders auszeichnet, eben so, dass die Nachwelt voller Ehrfurcht über ihn spricht, dann hat man doch auch etwas zurückgelassen, was nicht ausgelöscht werden kann. Andere werden dann versuchen, dasselbe zu tun. Man wird in der Folge in vermehrtem Masse zusammentragen, und es wird auf diesem Wege mehr Liebe geben, mehr Verständnis. Man nimmt sich einen Menschen als Beispiel und versucht es ihm gleichzutun – und so hinterlässt man ebenfalls eine Spur. Der Welt muss man unbedingt etwas Wertvolles zurücklassen können. Wenn es dann Zeit wird, um Abschied zu nehmen, sollte man nicht suchen müssen, sich nicht mehr fragen müssen: “Habe ich auch wirklich etwas Gutes getan?” Sondern das Leben – jedes Leben – hinterlässt seine Spuren. Vom geistigen Standpunkte aus sollte jeder Mensch der Welt etwas Wertvolles zum Vermächtnis machen, so wie das Kreuz der Menschheit so unendlich viel bedeutet. In diesem Sinne sollte der Mensch den Weg finden für sich allein; er kann in der Meditation suchen, welches Vermächtnis er der Welt zurücklässt.
Wenn man so verbunden ist mit der göttlichen Welt und bereit, für sie etwas zu tun, muss man verstehen lernen, das Richtige auszuführen. Das Leben soll wertvoll werden. Ich kann nicht aufzählen, was für ein Erbe ihr zurücklassen sollt. Jeder weiss es selbst. In seinem Kreise, wo er lebt, sind ihm genügend Möglichkeiten gegeben. Aber damit streife ich so etwas Wunderbares, wenn ich von einem solchen Vermächtnis an die Welt spreche. Ist es da nicht etwas Wunderbares, wenn man einen Glauben hat und sich öffentlich zu dem bekennt, was viele nicht annehmen wollen – wenn man sagt: “Ich glaube wahrhaftig daran, dass es ein Leben nach dem Tode gibt; und ich glaube wahrhaftig daran, dass ich mit Christus leben und in sein Reich kommen werde”? Denn Christus sagte es: “Ich gehe jetzt zu meinem Vater, und da, wo ich hingehe, will ich, dass auch ihr hinkommt” (Joh. 14, 3). Ja, ihr alle sollt da hinkommen, wo er ist – und wo er will, dass auch ihr alle hinkommt. Das darf man sagen, auch wenn der Nächste darüber staunt. Man muss den Mut aufbringen, dies sagen zu können; man muss die Kraft besitzen, dies zu verbreiten. Aber es ist dies – wie wir immer betonen – etwas so Heiliges, etwas von so grossem Werte, dass man es nicht einfach auf billige Art preisgibt. Es ist heilig, wie das Kreuz heilig ist. Man kann den andern nur überzeugen, wenn man selbst gerecht lebt, wenn man dem andern wahrhaftig ein gutes Beispiel ist, dass er sich sagen muss: “Wenn es dieser Mensch glaubt, dann steht mir wohl nichts im Wege, es auch anzunehmen.” Ja, wenn man Christ ist, darf man den andern auf die Worte aufmerksam machen, die Christus sagte: “Ich gehe nun zum Vater; und da, wo ich hingehe, möchte ich, dass auch ihr alle hinkommt, denn wo ich bin, sollt auch ihr sein.” Das sollen doch nicht leere Worte sein. Sondern man hinterlässt in der Weise der Menschheit auch ein Vermächtnis. Es ist wiederum ein Stück Kohle. Anderswo wird ein weiteres dazugetragen, und es wird zu einem Feuer kommen; es wird ein grosses Feuer geben dadurch.
So kann man auch in dieser Weise der Menschheit dienen. Denn gerade bei meinen Freunden ist es sehr oft so, dass man immer wieder sucht und fragt: “Was kann ich denn tun? Ich möchte etwas für meine weitere Entwicklung tun.” Denke daran: Hinterlasse der Menschheit ein wertvolles geistiges Erbe, dass sie glauben kann, dass sie weiter aufbauen kann auf dem, was von euch errichtet worden ist. Könnt ihr euch vorstellen, was den Menschen dadurch gegeben wird? Vielleicht könnt ihr es. Wenn ihr tief mit uns verbunden seid, vermag dadurch mancher Mensch seinen Lebensweg zu ändern. Seine Seele wird gewinnen, er wird nicht mehr ein oberflächliches Leben führen, er wird es gewissenhaft mit sich selber nehmen, er wird das Recht vom Unrecht unterscheiden lernen. Schon dies sind Vorteile.
Es gibt viele Menschen, die den Wert des Erlösungsplanes nicht erfassen, und es gibt unendlich viele, die es nicht erfassen, dass es ein Leben nach dem irdischen Tode gibt und man weiterlebt. In grosser Lauheit wird Christus nachgeahmt, und man wendet seine Aufmerksamkeit Dingen zu, die ganz nebensächlich sind, und die Hauptsache ging verloren: den Menschen aufmerksam zu machen auf die himmlische Wohnung, die er beziehen wird, und dass es um die geistigen Werte geht; dass man den Menschen erinnert, dass auch er mit einem Geschenk in den Himmel eintreten muss.
Christus wird euch, ebenfalls im Geiste, als das Feuer und das Licht vorgestellt – er, das unendliche Licht, das leuchtet in alle Finsternis. Allein über diese Worte vermag man zu meditieren. Sein Licht leuchtet in die Finsternis. Aber auch dein Glaube, dein fester Glaube, leuchtet in die Finsternis. Auch du kannst durch diesen festen Glauben, durch dieses Verhältnis zu Gott und zur heiligen Geisterwelt, zu einem Lichtträger werden. Auch du kannst im Geiste dein Licht in die Tiefen strahlen. Auch du kannst wie Christus, der in seinem Innersten so viel Güte und so viel Barmherzigkeit besitzt, durch deinen Glauben deine Güte und deine Barmherzigkeit in dir entfalten. Nicht oberflächlich und leicht sollen die Worte ausgesprochen werden: “Gott möge denen vergeben und verzeihen, die in der Dunkelheit sind”, sondern aus dir heraus muss ein solches Feuer, eine solche Kraft dringen, dass es zur Barmherzigkeit, zur Liebe in diesen Tiefen kommt. Durch deinen festen Glauben und durch deine Barmherzigkeit wird dieses in Erfüllung gehen; denn die Engel des Himmels werden zur Ehre Jesu Christi und zur Ehre all jener, die ihm nachfolgen, diese Gnade und Barmherzigkeit in die Tiefen tragen. Und dort wird es Balsam sein. Tröstende Worte sind für jene, die in Bedrängnis sind, etwas Wunderbares, genau wie bei einem Menschen, der nicht mehr ein und aus weiss und zu dem plötzlich einer kommt und ihm den Weg zu zeigen vermag. Wie atmet er auf, auch wenn er weiss, dass es noch eine Zeit geht – doch er hat Zuversicht. Diese Zuversicht wird jenen in den Tiefen gegeben. Das alles vermag aus dem Feuer der Seele eines Menschen zu dringen, denn sein Glaube hat sich so in einen Kraftstrahl, in ein Feuer gewandelt, dass jene davon profitieren, die in Leid sind.
Gott lässt durch seine heilige Geisterwelt jene frommen Menschen suchen. Die Geister Gottes werden immer ausgesandt, und es wird ihnen allen gesagt: “Wenn ihr viele findet, die eine wahre innere Verbindung mit uns, mit Gott, mit seiner Welt haben, dann tragt zur Freude Barmherzigkeit zu den Leidtragenden. Jubelt darüber, dass der Glaube sich im Herzen der Menschen und in ihren Seelen gefestigt hat. Freut euch darüber, und verbreitet die Gnade und die Barmherzigkeit – aus Freude darüber, solche Menschen gefunden zu haben.” Das ist himmlischer Lohn. Und Menschen ahnen so wenig davon; sie wissen gar nicht, dass sie so bedeutungsvoll sind auf dieser Welt und sie sozusagen wie ein Quell sind, um den viele Durstende stehen und daraus trinken. Denn wenn das Verhältnis dieser Menschen so innig und so herrlich ist, dann haben sie auch für die Unseligen etwas getan; denn diesen wurde Erleichterung geschaffen.
Glaubt nicht, liebe Geschwister, dass der Himmel es so selbstverständlich findet, dass die Menschen fromm und gerecht leben – denn gross sind die Versuchungen hier auf Erden. Das Werk von Luzifer ist so gewaltig, und er ist so unternehmungsvoll. So viel ist ihm zu trotzen. Aber: Wer es kann, wird belohnt, wahrhaftig – und nicht nur dadurch, dass seine eigene Seele an Glanz gewinnt, sondern er wird zur Kraftspende für den ganzen Heilsplan. Er wird wie zu einem Tau-Rieseln und strömt auf diese angenehme Art und Weise von seiner Kraft in verschiedene Richtungen aus. Es werden nicht nur eure Mitmenschen von eurem edlen Denken und Handeln profitieren, nicht nur sie fühlen sich glücklich und wohl, wenn ihr so gehobene Menschen seid und euer Herz und eure Seele von Gnade und von einer überaus grossen Güte durchdrungen ist – auch die heilige Geisterwelt jubelt und freut sich, zu sehen, wie viele gehobene Menschen es doch gibt. Es ist uns nicht selbstverständlich, doch sehen wir, dass Menschen immer wieder angespornt werden – und wir sehen, dass mancher mehr leisten könnte. Diese werden dann nicht zu dem, was wir gerne sehen möchten; denn aus ihren Seelen dringt nicht die Kraft von Güte und Herrlichkeit, dass ihr Licht in die Tiefen dringen kann.
Wenn ihr aber Zeit findet für die nächste Meditation, dann versucht einmal, in eurem Leben mehr Ordnung zu schaffen. Versucht, in eurer Seele und in eurem Herzen diese Liebe, dieses Liebesfeuer zur Entfaltung zu bringen. Denn was an Herrlichkeit aus deinem Munde strömt, das wird jenen Leidenden zugutekommen – göttliches Denken, gehobenes Denken. Weit entfernt sollen sein jeder Neid, jeder Hass, alle niederen Gefühle – nichts dergleichen. Sondern man soll durchströmt und erfüllt sein vom Willen, zu helfen in Liebe und Verständnis, um das wunderbare Werk mit in Erfüllung zu bringen. Das ist die Aufgabe des wahren Christen – nicht nur sagen: “Ich bin ein Christ”, sondern als Christ wirken, tätig sein in seinem Reich, in seiner Familie.
Es soll nicht so sein, dass das Kreuz über ihm ist als Zeichen des Leides, das für ihn ausgestanden wurde. Das Kreuz soll für den wahren Christen von heute noch viel weitere Bedeutung haben. Es soll so sein, dass er in grosser Liebe und in Verständnis mit den Menschen lebt und dass er glücklich ist mit sich selbst – mit sich selbst. Wer ist dies? Wer ist voll und ganz glücklich mit sich selbst? Wäre es nicht Zeit, dieses Glücksempfinden herbeizuführen, damit man sagen kann: “Ich bin glücklich, in der Seele glücklich.” Nicht glücklich in Bezug auf das, was die Welt an Schönem, Materiellem bietet, sondern von innen heraus glücklich sein. Der Weg zum Himmel ist offen – warum soll denn ein Mensch traurig sein? Er soll das Seine leisten und jenen, die noch in Unverständnis sind, die den Weg noch nicht finden und viele Irrwege durchschreiten, ein Lichtstrahl, ein Wegweiser sein. Dann erfüllt ein Mensch so viel. Es gibt viele, die suchen und fragen immer nach den höheren Zielen des Lebens und nach ihren Aufgaben – doch so vieles kann man erfüllen auf Erden. Diese Stunde habe ich auf viele Aufgaben hingedeutet und verschiedene Antworten gegeben.
Liebe Geschwister, jedes von euch soll nun ein Stern sein. Du sollst leuchten für die Deinen, und die Deinen sollen sich an dir aufrichten können, weil du stark bist, weil Gott dich liebt, weil Gott dir die Kraft der Erkenntnis gegeben hat, weil dir dieser Weg geebnet worden ist. Ein leuchtender Stern sollst du sein, und alle sollen ihre Augen auf dich richten und sich an dir freuen können. Das solltest du in Erfüllung bringen – und darüber solltest du meditieren. Denn bald kommt das Erinnerungsfest von der Himmelfahrt des Herrn. Denkt an seine Worte: “Ich gehe zum Vater, und wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen”, ihr alle – alle, alle.
Nun, liebe Geschwister, versucht, in diesen folgenden heiligen Tagen darüber zu meditieren. Wir werden euch beistehen und helfen. Dann werdet ihr etwas an Wertvollem dieser Nachwelt zurücklassen – euer geistiges Erbe soll leuchten in die Zukunft. So möge Gott euch alle segnen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 15.5.1963 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 4. März 1961
Das Kreuz hat dem Menschen in jeder Situation so viel zu sagen, in gesunden und in kranken Tagen. Es ist das Zeichen von Trauer, Leid und Schmerz; es ist aber auch das Zeichen von Hoffnung, Mut, Befreiung und Erlösung. Nicht nur beim Menschen spielt das Kreuz eine grosse Rolle. Auch im Jenseits ist es das Mahnmal geworden. Verstorbene, die in ihrem Erdenleben nie zum Kreuz aufgeblickt und ihre Lebensaufgaben nicht erfüllt haben, können mithilfe des Kreuzes zur Gesinnungsänderung gelangen.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, bald naht das heilige Osterfest; die Christenheit wird wiederum an das wunderbare Erlösungswerk des Herrn erinnert. Das Kreuz, das er trug und an dem er starb, ist das Mahnmal des Christen. Das Kreuz hat so viel zu sagen. Es ist das Zeichen von Trauer, Leid und Schmerz; es ist aber auch das Zeichen von Hoffnung, Mut, Befreiung, Erlösung. So viel hat dieses Kreuz dem Christen zu sagen.
Das Kreuz findet man in den christlichen Kirchen, man findet es auch in den Häusern der Menschen, in den Ställen. Man sieht es mitten auf einem Acker, man sieht es an einem Wanderweg. Doch überall, wo das Kreuz ist, hat es seine besondere Bedeutung. Menschen möchten auch das Ihrige dazu sagen, ja sie möchten bitten, sie bringen ihre Wünsche zum Ausdruck. Der Mensch ist es, der etwas verlangt, erhofft, erbittet.
Aber das Kreuz seinerseits hat auch viel zu sagen. Wenn das Kreuz in der Kirche steht und die Menschen, die da hingehen, frommen Herzens sind und zu diesem Kreuze aufblicken, dann möchten Worte aus diesem Kreuze herauskommen und diesem Gläubigen und Frommen in seine Seele hineinreden; denn man möchte ihm sagen: “Ja, du bist hierhergekommen, du hast dich aufgemacht, um den Beweis zu geben, dass du in Gemeinschaft mit mir leben möchtest. Nun, ich will in dir, in deiner Seele wohnen, denn deine Seele ist ein Stück vom Reich Gottes, und darin lass mich wohnen, lass mich Gast sein bei dir.” Und dieser fromme und bittende Mensch will sagen:
“Herr, meine Seele ist weit offen, und Du sollst bei mir Gast sein, Du sollst das Gastrecht bei mir besitzen bis zum Ende meines Lebens. Du sollst bei mir wohnen, denn in der Tiefe meiner Seele ist ein Stück von Deinem Reich. Meine Seele ist ein Stück vom Reiche Gottes, und darin sollst Du wohnen. Ich will ja in Gemeinschaft mit Dir leben, ich will ja Deine Gesetze befolgen. Und in der angenehmen Hoffnung, dass Du in mir bist und in mir wirken kannst, fühle ich die Kraft, die Du gibst zum Überwinden und zum wahren höheren Leben.”
Denn die Seele ist ein Stück vom Reich Gottes, vom Garten Gottes; die Seele ist ein Teil Gottes. Und so hat der Herr den Zugang zu diesem Reiche, zu diesem heiligsten Reich im Innersten des Menschen; dahinein kommt er und will Wohnung nehmen. Wenn nun der Fromme zum Kreuz aufblickt – wunderbar lässt es sich meditieren darüber, und er kann sagen: “Der Weg zu mir ist frei. Komm, tritt herein”, und so kann man glücklich leben in Gemeinschaft mit ihm.
Da gibt es Kirchengänger, die blicken oberflächlich auf zum Kreuz. Sie sind sich nicht richtig bewusst, in Gemeinschaft mit dem Herrn zu leben. Sie glauben fromm zu sein, aber sie haben nicht diese tiefe und engste Verbindung mit ihm, sie kommen nicht dazu, zu sagen: “Herr, meine Seele ist geöffnet, und in meinem Innersten ist ein Stück Garten Gottes; Du sollst bei mir zu Gaste sein.” Sie vermögen dies nicht aus innerster Überzeugung zu sagen, sie sprechen Worte nach, die sie gelernt haben, wie man betet – ohne tiefen Sinn. Sie können nicht von der Kraft des Kreuzes geniessen wie jene andern, die so voll Hingabe aufblicken zu diesem kraftspendenden, befreienden Kreuze; sie haben also ein anderes Verhältnis zum Kreuz.
Das Kreuz an einem frommen Ort, wo fromme Menschen hingehen, um zu beten, um es als das Heiligste und Höchste zu betrachten – welch wunderbare Kraft strömt da heraus aus diesem Kreuz, das heilig geworden ist. Und wenn da einer, ein Fremder, in das Haus eines Nachbarn oder eines Nächsten kommt, und er sieht beim Eingang das Kreuz, da wollen ihm die Menschen, die in diesem Hause wohnen, sagen: “Wir sind fromme Christen, wir stehen unter dem Schutze des Herrn. Das Kreuz bietet uns Schutz und Segen.” Ja, in dieser Art und Weise hat dieses Kreuz seine Bedeutung. Tiefreligiöse Menschen stehen in dieser innigsten Gemeinschaft mit dem Erlöser; und dieses Kreuz, das sie irgendwo in einem Raume ihres Hauses aufgestellt haben, soll die deutliche Sprache davon sprechen, welcher Art Gesinnung sie sind.
Aber es gibt auch Menschen, sie haben ein solches Kreuz in ihrem Hause aus Berechnung, nicht aus Frömmigkeit, nicht weil sie in innigster Verbundenheit mit Christus leben, sondern weil sie hoffen und glauben, durch das Kreuz immer geschützt zu werden, immer vor Unglück und vor Not bewahrt zu sein. Es ist für sie ein sogenannter Glücksbringer, das Kreuz soll sie schützen. Ist aber keine Frömmigkeit in den Herzen jener Menschen, dann ist das Kreuz auch kein Glücksbringer. Denn das Gesetz Gottes verlangt vom Menschen: “Willst du in inniger Gemeinschaft mit Christus und Gott leben, dann musst du auch tun, was das Gesetz vorschreibt. Du sollst voller Güte und Liebe und voller Gerechtigkeit und in keinen Dingen berechnend sein.” Zuerst kommen der christliche Glaube und seine Gesetze. Erfüllt man das, dann wird auch das Kreuz den Einzelnen behüten und vor Unglück bewahren. Es wird für ihn der Trostbringer und der Segenspender sein; es bedeutet Befreiung, Glück. Doch kommt es immer auf die innere Einstellung des Menschen an. Denn Christ sein heisst nicht, einen Freipass zu haben, dass man überall durchgehen könnte und freigesprochen würde von aller Schuld. Der Christ hat seine Pflicht gewissenhaft zu erfüllen, wenn er in wirklicher Gemeinschaft mit Christus und Gott leben will.
Wo die Menschen ebenfalls das Kreuz aufstellen, das ist in den Ställen zum Schutze der Tiere, damit sie bewahrt werden vor Seuchen und Krankheiten. Spricht der Bauer aber kein Gebet und ist er egoistisch, sucht nach seinen eigenen Vorteilen, wie könnte ihm da das Kreuz Glück bringen, wenn er nicht in Einigkeit und Gemeinschaft mit Christus lebt? Wenn der Mensch nur glaubt, die Vorteile aus dem Sinn des Kreuzes herauszuholen, so täuscht er sich. Es können trotzdem Krankheiten und Seuchen über ihn kommen, denn schwach war sein Glaube, und berechnend war er. Ist aber einer frommen Herzens und übt er auch gute Taten und Werke aus und betrachtet er das Kreuz als das, was es ist, dann mag ihm Schutz und Segen gegeben werden. Und wenn auch er bereit ist, ein Stück schwere Last zu tragen, und Ja dazu sagt, dann wird er auch bestimmt die Hilfe Gottes bekommen. Denn im einen wie im andern Falle, wo die Verbindung vom Menschen zur göttlichen Welt oder, sagen wir jetzt, zum Kreuze besteht, da sind Engel um diesen Menschen, ob er nun in der Kirche steht oder zu Hause ist oder an seiner Arbeit. Die Engel sind zu seiner rechten und zu seiner linken Seite und betrachten sein Denken und Wollen. Und sie freuen sich, wenn sie sehen können: “Dieser Mensch frommen Herzens will nur eines: in Gemeinschaft stehen mit unserem König, mit uns allen.” In Gemeinschaft stehen mit Christus heisst: in Gemeinschaft sein mit Gott und der ganzen guten Geisterwelt; einig sein, verbunden sein in einer Familie – so wie Christus sagte, dass er das Haupt der Familie ist und die andern die Glieder.
So seht ihr, man muss wahrer Gesinnung sein, um seinen Profit von der göttlichen Welt zu bekommen, um den Nutzen vom Kreuz zu holen. Und wenn ihr ein Kreuz seht, das mitten auf dem Felde steht, so haben es die Menschen aufgestellt, auch deshalb, damit sie vor Not bewahrt werden und damit die Ernte reichlich werde. Segen soll sich über ihr Feld entfalten, aus dem Kreuze will man den Segen empfangen und den Schutz. Und man glaubt, dass das Kreuz die niedere Geisterwelt davon abhalten würde, Untaten zu begehen. Das Kreuz soll Schutz bedeuten.
Die Menschen, die in der Nähe eines solchen Kreuzes vorübergehen und die selber edler Gesinnung sind, sie sind sich bewusst: “Der Träger des Kreuzes hat für mich gelitten, er hat das wunderbare Werk erfüllt. Ihm sei Lob und Dank!” Wer edler und hoher Gesinnung ist und in diesem Denken am Kreuze vorübergeht, dem wird das Kreuz zu einem kraftspendenden Quell. Ja, es schützt und schirmt und entfaltet Segen, denn Engel Gottes kommen auch in die Nähe jener Mahnmale, und sie tun das Ihrige, um den Schutz und den Segen im Namen ihres Königs zu entfalten.
Steht da ein Kreuz am Wanderweg, und der Wanderer geht achtlos an ihm vorüber, so kann es ihm nicht ein Kraftspender sein, wenn er in ihm kein Mahnmal sieht. Wenn er blind an diesem Kreuz vorübergeht und es ihm nichts mehr zu sagen hat, kann das Kreuz ihm auch nichts mehr bieten. Ist da ein Wanderer versunken in seinen Gedanken, sinnt womöglich seinen Problemen nach, und plötzlich steht er vor einem Kreuz – dieses Kreuz vermag ihm die Antwort zu geben, dass er das Schwere, was er in seinem Leben hat, bejahen muss und auch das Kreuz zu tragen hat.
Geht es ihm gut und ist er glücklich und froh und besitzt sein tägliches Brot unbesorgt, auch dann hat er stillzustehen vor dem Kreuz. Auch in den guten Tagen möchte ihm das Kreuz etwas sagen; auch da ist es das Kreuz, das den Einzelnen jeweils aufruft und sagt: “Vergiss mich nicht, bete du, und danke Gott für das tägliche Brot.” Und manchem Wanderer, der achtlos am Kreuz vorübergeht und dem es nun in seinem Leben vielleicht nur zu gut geht, dem möchte das Kreuz sagen: “Nicht alle Tage kann es dir gut gehen. Es kommen Zeiten, wo du bedrückt wirst, wo du krank sein kannst, wo plötzliche Not über dich kommt; und dann bist du ohne deinen Glauben verloren, du findest den Weg nicht mehr so schnell zum Kreuz, und es ist schade um dich. Auch wenn du dein tägliches Brot reichlich besitzt, so bist du umso mehr verpflichtet, Gott und dem Erlöser zu danken und sie um Kraft zu bitten, dass du den Weg nicht verlierst und dich nicht mit Leib und Seele dem irdischen Gute vergibst, sondern dich den guten Taten hingibst.” Das Kreuz hat dem Menschen in jeder Situation so viel zu sagen, in gesunden und in kranken Tagen.
Leider entdecken wir aber unter der Christenheit so viele nachlässige Menschen. Sie gehen achtlos am Kreuz vorüber, am Kreuz, das ein grosser Segenspender ist und so viel bedeutet. Denn heilig ist es geworden, und es kann dem Menschen so viel geben. Er kann aufblicken zu ihm, und aus diesem Kreuze heraus dringen so viele Worte zum Menschen heran: Man will ihm den schweren Weg des Erlösers zeigen, den er gegangen ist, und dass er die Last freiwillig auf sich genommen hat – gerade auch für ihn, der aufblickt zum Kreuz.
Der Einzelne glaubt wohl manchmal, dass es für ihn ja gar nicht solch grosse Bedeutung hätte, denn Christus wäre ja für die gesamte Menschheit gestorben, und für ihn selbst wäre vielleicht nur eine kleine Schuld, nicht so viel, abzutragen gewesen. Und doch: Sie alle sind schuld, der eine vielleicht etwas mehr als der andere. Aber genau so wie Christus das Kreuz freiwillig auf sich genommen und die schwere Last getragen hat, so soll auch der Mensch, der glaubt, weniger schuldig zu sein, doch freiwillig die Schuld auf sich nehmen und auch ein Stück der Last des andern tragen. Und damit möchte ich doch sagen: Keiner soll sich über den andern erheben, und keiner soll sagen: “Ich danke Gott, dass ich nicht bin wie der andere, dass ich nicht so schlecht denke und handle wie er.” Man soll nicht tun wie jene Pharisäer. Denn dieses gibt es ja heute noch, dass Menschen Gott danken, dass sie nicht sind wie die andern.
Leider ist dieser Hochmut in den Herzen vieler Christen zu finden, statt dass sie sich demütigst neigen vor Gott und vor dem Erlöser und ihm danken für das wunderbare Werk, das er erfüllte, und statt dass sie Gott danken, dass er es ihnen ermöglichte, auf dieser Welt zu leben, und dass jeder das Seinige zur Erfüllung des Erlösungsplanes beitragen darf. Man soll sich selbst nicht auf die hohen Stufen heben wegen der vielen Werke, die man erfüllt, wegen der vielen Gebete, die man ständig spricht. Nein – wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich erniedrigt, der wird erhöht werden. Ja ich möchte ganz energisch diese Worte an alle richten, denn sie werden von vielen nicht ernst genommen. Viel zu viel spricht man im täglichen Leben von seinen geistigen Leistungen, die man vollbringe – die man aber von uns aus gesehen nicht vollbracht hat. Wer sich erhebt, wird erniedrigt werden. Und es ist schade, wenn er nicht die Sprache verstehen lernt, die wir zu ihm sprechen.
Nun, nicht nur bei den Menschen spielt das Kreuz eine grosse Rolle. Im Jenseits wie im Diesseits ist es das Mahnmal geworden. Wenn auf Erden so viele geistig unterschiedlich entwickelte Menschen untereinander wohnen, so heisst das, dass das Jenseits die Tore verschiedener Entwicklungsstufen geöffnet hat, durch welche die Geistwesen in das Erdendasein treten konnten, und dass nun jeder eben auf Erden nach seiner Kraft, nach seiner Entwicklung, die er in sich trägt, lebt und nach seiner Entwicklung die Sprache versteht. Wenn wir den Menschen auf das Kreuz hinweisen, dann versteht der eine, was damit gemeint ist, während ein anderer nur zur Kenntnis nimmt, was das Kreuz bedeuten soll, doch keine Beziehung zu ihm hat und nicht in Gemeinschaft mit Christus lebt. Ja, wenn da alle diese verschiedenen Tore geöffnet sind und die Menschen untereinander leben, so heisst das: Es mögen geistig erstarkte unter ihnen sein, aber es leben auch geistig sehr schwache unter ihnen; und die starken sollen die schwachen stützen. So ist es gemeint.
Kehrt man in die jenseitige Welt zurück, so wird manch Ungläubiger das Kreuz tragen müssen, denn er bekommt nun in der jenseitigen Welt die Last dieses Kreuzes zu spüren. Wenn einer sagt, er wäre Christ gewesen, hat aber nicht nach den christlichen Grundsätzen gefragt und sie auch nie befolgt, so wird man ihm die Bedeutung des Kreuzes auch beibringen. Man wird ihm ein solches Kreuz zur Last auf die Schulter legen. Wenn er im menschlichen Leben gespottet hat über dieses Kreuz und über jene Gläubigen, dann wird ihm dieses schwere Kreuz auf die Schultern gelegt, und er muss es ziehen in seiner Sphäre von Ort zu Ort. Und keiner wird da sein, der ihm sagt: “Komm, ich helfe dir ein Stück die Last tragen.” Alle, die ihm begegnen, kennen ihn und wissen: “Er war einer von denen, die über das Kreuz gespottet haben; er war einer von denen, die nie aufgeblickt haben zum Kreuz. Nun muss er es lernen, einmal die Last des Kreuzes tragen zu können.” Und keiner hilft ihm. So gibt es im Jenseits viele Wanderer mit solchen schweren Lasten. Ein solcher tritt diesen schweren Weg aber nicht allein an. Er wird begleitet von hilfsbereiten Geistern Gottes, die mit ihm im Jenseits von Ort zu Ort gehen und dafür sorgen, dass er sich seiner Last nicht entledigen kann.
Diese Geister Gottes begleiten ihn auch in das Menschenreich, denn auch dort wandert er mit dem Kreuz. Und dieses ist zur Belehrung und zum Mahnzeichen der vielen umherirrenden Geister, die unter den Menschen weilen und sich nicht in den Heilsplan Gottes einreihen lassen. Es ist aber auch ein Mahnzeichen für den Menschengeist [den einverleibten Geist], der oft ein leichtlebiges Leben führt: dass es ihm dereinst nach seinem Tode ebenso ergehen und er die Last des Kreuzes zu spüren bekommen könnte. Es kann ihm ja während seines Lebens ganz gut ergehen, er braucht weder krank zu werden, noch braucht er Mangel an Brot zu haben – und er kann so zum Spötter des Kreuzes werden. So wird man ihm das Kreuz auf die Schultern legen.
Und diese Geister Gottes, die dafür sorgen, dass sich einer des Kreuzes nicht entledigen kann, sie begleiten ihn sehr oft mitten unter Scharen von Menschen, die sich versammelt haben in vergnüglicher Art; denn da sind sie anzutreffen, diese Geister verschiedener Gesinnung. Und hier sehen sie dann den einen oder mehrere, die das Kreuz tragen, und es ist auch für sie der Mahnruf: “Werde anderer Gesinnung, ändere dich, sonst wirst du auch in dieser oder jener Art und Weise die Last des Kreuzes zu spüren bekommen.” Vielleicht muss er nicht unbedingt das Kreuz tragen wie derjenige, den er vor sich sieht, sondern er kann auf eine andere Weise eine Last zu spüren bekommen; denn er wird bestraft für sein ungerechtes Leben, dafür, dass er gespottet hat über Gott und über den Glauben des Nächsten.
So sorgt die Geisterwelt Gottes immer dafür, allen Geschwistern – gleich welcher Gesinnung und welcher Entwicklungsstufe, ob sie im menschlichen Leibe sind oder ob sie als Geist wandern – die Antwort aus dem Jenseits zu geben. So können sie es erleben und sehen. Die Geister Gottes benutzen diese Kreuzträger aber nicht nur als Werkzeuge, um sie im irdischen Reich als Mahnmal umherzuführen; sondern sie wandern mit ihnen auch in die Tiefen der Unseligen. Dort sollen sie jene erkennen, die in ihrem grossen Leiden sind. Aber auch diese Leidenden ihrerseits sollen sehen, dass man die Last des Kreuzes tragen muss und dass man mit einer Gesinnungsänderung seine eigene Last erleichtert. Ja, so führt man sie, diese Kreuzträger, durch alle Welten, durch alle Sphären hindurch.
Es sind aber nicht nur belastete Geister, die die Aufgabe haben, das Kreuz zu tragen – es sind ja nur einzelne, denen dieses Kreuz auferlegt wird. Es gehen auch hohe Geister Gottes aus mit einem Kreuz, aber mit einem leuchtenden Kreuz, und sie tragen es durch diese geistigen Sphären hindurch. Sie möchten auf diese Weise dem Einzelnen sagen, was das Kreuz bedeutet. Sie möchten ihm sagen: “Blicke auf zum Kreuz, es bringt dir Befreiung und Licht.” Und wenn diese Geister Gottes, die mit diesem leuchtenden Kreuze durch hohe und niedere Sphären ziehen und überall ihre besondere Sprache sprechen, seine besondere Bedeutung zum Ausdruck bringen, mit ihrem leuchtenden Kreuz auch durch das Reich der Menschen ziehen, so begegnen sie genau denselben wie jene mit dem schweren Kreuze. Es sind Menschengeister da, die das leuchtende Kreuz sehen, dessen Kraft sich auf ihren Körper auswirkt. Und es sind umherirrende Geister da, die in diesem leuchtenden Kreuz den Befreiungsweg für sich selber sehen und hinter diesen Geistern Gottes hergehen und sie bitten: “Helft uns, zeigt uns den Weg, den wir gehen müssen. Wir sind schwach, stützt uns und bringt uns ans Licht.” Und jene Geister Gottes sind auch bereit, diesen Hilfesuchenden ihren Beistand zu geben.
So findet ein jeder das, was er braucht. Derjenige, der in Not ist, findet den Trost; und ist er gläubigen Herzens, da wird ihm die Kraft gegeben, den Weg zu finden und sich so auf diese Art und Weise zu entfalten, dass es für ihn selbst und für seine Umgebung zum Segen ist. Und da, wo einer in seinem Glück steht, in seiner Zufriedenheit, auch da hat das Kreuz ihm viel zu sagen. Und wenn das menschliche Auge diesen wandernden Gottesgeist nicht sehen kann – wenn einer sich in der Meditation vertieft, dann vermag er einen solchen Geist Gottes an sich vorüberziehen zu sehen, und dieses leuchtende Kreuz hat ihm so viel zu bieten. Denn auch jener Mensch, der behauptet, glücklich zu sein im Leben, kann nicht leben ohne den Schutz und ohne den Beistand der göttlichen Welt. Auch an ihn kommen Stunden der Verzagtheit, auch er zweifelt oftmals an sich, an seinem eigenen Können. Er zweifelt an seinen Mitmenschen, an ihrer Ehrlichkeit, an diesem und jenem. Und wie schnell vermag auch der beste Mensch nicht immer ein günstiges Urteil zu geben. Vertieft man sich in der Meditation und beansprucht man nun die Hilfe Gottes, erhält man die Antwort – das Kreuz gibt die Antwort. Der Engel kann es auf solch wunderbare Art und Weise tun.
So wird die geistige Welt ihre Sprache reden; es ist nicht die Sprache der Menschen. Die Menschen möchten so gerne immer Komplimente hören, von der wohlwollenden Gesinnung der Geisterwelt ihnen gegenüber. Sie möchten keinen Tadel hören. Doch in Wirklichkeit hat die Geisterwelt Gottes den Menschen so viel zu tadeln, und sie macht ihn aufmerksam auf diese und jene falsche Gesinnung, die er hat, auf den falschen Weg, den er geht – während er glaubt, dass er auf dem glanzvollen Wege geht. Und die Geisterwelt Gottes kann ihn in der Meditation tadeln. Aber bedenke, welche Offenheit, welche wahre Hingabe, welche Demut und Bescheidenheit in der Seele eines Menschen sein muss, um die wahren Worte zu hören und nicht falschen Anspielungen zum Opfer zu fallen.
Wenn doch so viel vom Leben in der Gemeinschaft mit Christus gesprochen wird, so muss man sich doch bewusst werden, dass der König der Geisterwelt Gottes im Himmel thront und dass er seine getreuen Diener hat, die er aussenden möchte. Und diese Geister Gottes, die den Willen des Herrn erfüllen, sie werden sich dem Menschen nähern und ihm sagen, wer er ist und was zu tun ist, um die geistigen Höhen zu erreichen, durch welche dornenvollen Wege man zu gehen hat und wie anspruchslos man sein soll, wie man leben muss.
Ach, meine lieben Geschwister, es ist nicht leicht für uns; denn die Menschen werden geblendet von dem Glanz dieser Welt. Und der Glanz dieser Welt – ihr wisst, wer das Recht besitzt über diese Welt. Es ist Luzifer mit seinem Anhang, der der Störenfried ist und sich einmischt da und dort. Und gerade da, wo ein Mensch das Beste will, da stehen sie und mischen sich ein und täuschen ihn. Und haben sie erreicht, was sie wollen, dann lachen sie. Sie wollen nicht den Fortschritt des Menschen, sie wollen nicht die Einigkeit untereinander, sie wollen nicht die Gemeinschaft mit Christus. Sie verhindern diese Gemeinschaft und diese Einigkeit. Und es braucht eine gestrenge Führung, um wieder auf den rechten Weg zu kommen. Die Geisterwelt Gottes, sie trägt grosse Nachsicht mit Diesseitigen und Jenseitigen.
Ja, meine lieben Freunde, der Einzelne ist mit sich selbst viel zu wenig streng. Mit sich selbst übt er alle Nachsicht. Dabei sollte es umgekehrt sein. Mit dem Mitmenschen muss er jede Nachsicht üben und Wohlwollen walten lassen, mit sich selbst aber muss er sehr gestrenge sein. Das möchten ihm die Engel Gottes sagen, die das Kreuz zum Mahnmal in seine Nähe tragen. Das möchten die Engel auch jenen Menschen sagen, die da oder dort, sei es im eigenen Hause, sei es am Feldweg oder sei es in der Kirche, ihre Augen erheben zum Kreuz und Schutz und Kraft erbitten von ihm. Sie haben dem Menschen diese Worte zu sagen: “Bete zu Gott, lobe und preise ihn, und vergiss nicht, dass du als demütiges Wesen zu beten hast.” Das möchten sie dir sagen. So wird dann die Kraft des Kreuzes seine Macht über dich bekommen, wenn du in der Einigkeit lebst mit der Geisteswelt Gottes, deren Führer und oberstes Haupt Christus ist. Denn seine Boten sind es, die seinen heiligen Willen erfüllen, die neben dich treten und dich führen, dich befreien von der Last des Kreuzes oder dir das Kreuz auf die Schulter legen. Nicht Christus persönlich kommt zu dir und legt dir das Kreuz auf, es sind die, die in seinem heiligsten Namen schalten und walten, die auch in Gemeinschaft mit ihm leben.
So sollst du versuchen in nächster Zeit, aufzublicken zum Kreuze und zu hören, was es dir zu sagen hat, denn es ist oder naht ja wieder die heilige Zeit. Und so strömt der Segen Gottes zu euch nieder. Und dieser Segen soll sich in euch entfalten, mitwirken an eurem geistigen Aufstieg. So begleite euch dieser Segen durch euer Leben. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 4.3.1961 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich Vorlage: Tonbandaufzeichnung
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1953 und 1959
Lieber Josef, in manchen ländlichen Gebieten stehen Kreuze am Weg. Wie stellt sich die geistige Welt dazu?
Josef: Ja, das Kreuz ist doch für die Christenheit das Bekenntnis zu Christus. Also wer das Kreuz hält, bekennt sich doch zum Christentum. Und das Kreuz hat auch eine ganz bestimmte Kraft. Je nach dem Verlangen des Menschen und seinem Verhältnis zum Göttlichen steigt aus einem solchen Kreuz etwas wie eine magische Kraft. Unter diesem Kreuze weiss der Christ: Der Erlöser ist gestorben und auferstanden, und er hat den Sieg errungen. Und dasselbe muss der Christ für sich selber im Kreuze sehen: “Es bedeutet für mich ein schweres Leben, aber es bedeutet für mich Auferstehung.”
Die dunkle Geisterwelt, sie liebt nicht die Erinnerung an das Kreuz, denn sie wird sich eben dieser Erlösungstat bewusst. Hätte nämlich Luzifer damals auch nur im Leisesten geahnt, dass dieses Kreuz in späteren Zeiten eine so gewaltige Verehrung finden würde, hätte er die Menschen nicht dazu getrieben, Christus ans Kreuz zu schlagen. Er aber hatte geglaubt: Wenn über einen Menschen das zu jener Zeit schändlichste Todesurteil ausgesprochen wird, werde die Menschheit sich von ihm abkehren. Nun war das Gegenteil der Fall: Das Kreuz wurde geheiligt, und die Menschen blicken auf zum Kreuz, weil sie die Erlösungstat und die Erfüllung des Heilsplanes sehen. So ist dieses Kreuz geheiligt worden. (4.11.1959)
Lieber Josef, du hast uns einmal geschildert, wie armen Seelen in der Tiefe ein Kreuz gebracht wurde, das ihnen Licht hinterliess. Was ist der Sinn davon?
Josef: Wisst ihr, liebe Freunde, wenn zu besonderen Zeiten die Gnade in jene Tiefen dringt und Engel Gottes solchen Seelen ein Kreuz bringen mit seinem Licht, so hat dies zum einen die Wirkung, dass die bösen Mächte vor diesem Kreuze weichen, weil sie nicht an seine Bedeutung erinnert werden wollen. Infolgedessen lassen sie dann die armen Seelen in der Umgebung dieses Kreuzes in Ruhe; denn die düsteren Mächte wollen nicht in der Nähe des Kreuzes bleiben. Es passt ihnen nicht, es ist ihnen nicht angenehm, ja es erschreckt sie, und sie wollen nicht daran erinnert werden. Doch für den Menschen ist das Kreuz heilig geworden, und so ist es für die armen Seelen im Bereich eines solchen Kreuzes eine Wohltat, in seinem Lichte zu sein.
Lieber Josef, von alters her besteht der Glaube, dass durch ein Kreuz böse Geister von einer Wohnung ferngehalten oder vertrieben werden können. Könntest du uns bitte erklären, ob dies zutrifft?
Josef: Ja, dies ist möglich. Es gibt aber auch Geister, die ein solches materielles, von Menschenhand hergestelltes Kreuz nicht unbedingt erkennen. Es kommt auch ganz darauf an, mit welcher Überzeugung Menschen ein solches Kreuz in ein Haus tragen. Wenn sie selbst eine niedere Gesinnung haben, so kann es sein, dass es gar keine Wirkung hat, besonders dann, wenn es nur oberflächlich als Zeichen in einen Raum gestellt wird. Denn ein Kreuz, das die Menschen herstellen, ist in materieller Weise hergerichtet und nicht in geistiger Weise.
Wenn aber Menschen in ihrer Seele gut und von der Kraft des Kreuzes überzeugt sind und auch dementsprechend für die armen Seelen beten, so kann dieses Kreuz seine Wirkung haben und ein geistiges Licht hinterlassen, das diese Seelen erkennen und vor dem sie dann entweder zurückgedrängt werden oder durch das sie selbst zur Einsicht kommen und darum flehen und bitten, dass sie erlöst werden. (1953)