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Der Glaube und das Verlangen nach Gott kommt aus dem inneren Menschen, aus seiner Seele. Was jedoch ein Mensch glaubt und wie er seinen Glauben lebt, hängt von seiner persönlichen geistig-seelischen Entwicklungsstufe ab. In einem Vortrag dieses Themenheftes unterrichtet Geistlehrerin Lene über die grosse Herausforderung im Erdenleben, nach dem wertvollen Gehalt des Glaubens zu suchen und nach den hohen Tugenden zu leben. In einem zweiten Vortrag erklärt Geistlehrer Josef, wie Engel Gottes Menschen und aufsteigende Geistwesen in der Glaubenskraft stärken können. Er schildert dies am Beispiel eines verstorbenen Mannes, der auf Erden nicht an Gott glauben konnte, der aber in seinem Denken und Handeln edel und gut war. Das Themenheft enthält auch verschiedene Fragebeantwortungen, so beispielsweise die Frage eines Geistchristen, ob ihm sein inniger Geistesglaube im nächsten Erdenleben erhalten bleibe. Oder die Frage: Wie beurteilt die geistige Welt die Möglichkeit, die Menschen durch wissenschaftliche Beweise des nachtodlichen Lebens dem Glauben und dem christlichen Spiritualismus näherzubringen?
Josef, 15. Februar 1969
In der Christenheit hat sich im Laufe der Jahrhunderte das Verhältnis zum Glauben geändert. Während früher die Menschen zum Glauben gezwungen wurden, herrscht heute kein Glaubenszwang mehr. Ein ausgeprägtes materialistisches Denken hat dazu geführt, dass es in weiten Kreisen zu einer Abkehr vom Gottesglauben gekommen ist. Andererseits aber haben sich viele Menschen in gewissem Sinne in ihren Gefühlen und in ihrem Denken verfeinert. Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag, wie Engel des Glaubens sich ganz speziell solcher Menschen und Verstorbenen annehmen, die zwar keinen Glauben haben, doch in ihrem Wesen edel und gütig sind: Ihnen übertragen sie von ihrer Kraft, um sie für den Glauben zu gewinnen und sie darin zu stärken.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, durch den Glauben und das gerechte Leben kommt man Gott näher; durch Unglauben und ständige Verfehlungen im täglichen Leben entfernt man sich von Gott. Die heutige Wissenschaft und Technik haben grosse Fortschritte gemacht. Das aber verhilft der Menschheit nicht zu grösserem, stärkerem Glauben. Menschen, die nur an wissenschaftlich exaktes Denken gewöhnt sind, können nicht ohne Weiteres an Gott glauben. Und wenn wir die heutige Menschheit betrachten – und ganz besonders die Christenheit –, so stellen wir fest, dass sie sich im Glauben nicht gestärkt, aber doch in gewissem Sinne verfeinert hat. Die Menschen von heute zeigen im Allgemeinen mehr Einfühlungsvermögen, mehr Verständnis für die Not der Mitmenschen.
Wenn wir aber zurückblicken – sagen wir nur hundert Jahre –, so stellen wir fest, dass damals der Glaube stärker war; aber stärker durch Gewaltanwendung, durch Glaubenszwang, was eine Gewöhnung an den Gottesglauben zur Folge hatte, aber keine Vertiefung. Immerhin, man glaubte. Aber anderseits waren die Menschen damals gefühlloser, gewalttätiger. Einerseits konnten sie einen gewissen Fortschritt aufweisen, anderseits kamen Nächstenliebe, Wohlwollen, gütiges Verständnis viel spärlicher zum Ausdruck als heute.
So hat sich demnach die Menschheit nicht ebenmässig entwickelt. Indem heute der Glaubenszwang nicht mehr in dem Masse ausgeübt wird wie damals, ergibt sich als Folge, dass der vom Glaubenszwang befreite Mensch das ausspricht, wie er es versteht und es für richtig hält. Mit dem exakten Verstandesdenken allein kommt er in Glaubenssachen nicht weiter. Vieles bleibt unerklärt, und da kann und will man nicht einfach glauben; es sei denn, dass bei einem Menschen der Gottesglaube im Innersten seiner Seele so verwurzelt ist. Hier kann der Glaube trotzdem und ungeachtet dessen, was im äusseren Leben um ihn vor sich geht, zum Ausdruck kommen. Weil dieser Mensch eben auch anders denken kann und sich sagt: “Hinter allem Geschaffenen muss doch ein Meister sein!” Bei solcher Überlegung kommt er zur Einsicht, dass aus nichts auch nichts entstehen konnte und dass ein Schöpfer aller Dinge existiert. Er fühlt in sich auch die Kraft des Gottesglaubens und den Kraftstrom allen Lebens, der von Gott kommt. Das kann der eine und andere in seinem Inneren begreifen. Damit will ich also nicht sagen, dass alle so exakt Denkenden Gott nicht finden könnten. Glücklicherweise gibt es auch unter ihnen wahrhaft Gläubige. Und ich versuche auch diesen Abend darauf hinzuweisen, wie es möglich ist, die Kraft des Glaubens zu steigern und zu entfalten.
Dabei möchte ich euch wiederum einen Einblick geben in die Heimkehr eines verstorbenen Menschen – eines Menschen, der auch nicht ohne Weiteres glauben konnte, der ein exaktes Verstandesdenken gewohnt war und der Gott im Leben nicht finden konnte. Daneben aber war er ein vornehmer Mensch, feinfühlend und wohlwollend den Mitmenschen gegenüber.
Als er auf dem Sterbebett lag, sah er in der nächsten Nähe seine verstorbenen Eltern. Er sah auch, wie sie den Mund bewegten, also zu ihm sprachen; aber er konnte sie nicht verstehen. Er lebte noch. Angehörige standen um ihn herum. Er konnte sie nicht mehr sehen, aber er konnte sie sprechen hören; er verstand jedoch den Sinn nicht mehr, konnte eigentlich mit dem, was sie sprachen, nichts mehr anfangen.
Dann kam der Moment, da der Geist sich aus dem Leibe vollständig lösen konnte und er die Worte seiner Eltern verstand. Diese gaben ihrer Freude Ausdruck, nannten ihn beim Namen und sagten: “Wir freuen uns, dich in der geistigen Welt begrüssen zu dürfen. Du wirst staunen, wenn wir dir versichern, dass das Leben wirklich weitergeht, dass du nur den irdischen Leib abgelegt hast.” Ja, erstaunt hörte er ihnen zu, und verwundert sah er seine Eltern vor sich, auch weitere Verwandte und Bekannte. Aber kaum hatte er sie begrüsst, waren sie alle wieder schnell entschwunden. An ihre Stelle waren Engel Gottes getreten, und diese fragten ihn vorwurfsvoll: “Warum hast du nicht an Gott geglaubt und schon gar nicht an ein Fortleben nach dem Tode? Nun siehst du es: Du lebst im Geiste, ohne irdischen Leib. Damit du es auch siehst, wollen wir dich zu deiner eigenen Beerdigung führen.”
Die Engel Gottes nahmen ihn mit. Sie wollten ihm beweisen, dass sein irdischer Leib der Erde übergeben werde, dass er aber in einem Geistesleib auferstanden sei und mit seinesgleichen in der geistigen Welt weiterleben werde. Die Engel Gottes rühmten ihn seines gerechten Lebens wegen, und sie tadelten ihn wegen seines Unglaubens. Weil er gut zu den Menschen gewesen war, nahmen sie sich seiner an. Sie wollten ihn über so manches aufklären, denn gleich hatte er sich beklagt, dass man es die Menschheit nicht besser vernehmen lasse, dass das Leben nach dem Tode weitergeht. Er fragte: “Warum greift ihr nicht sichtbar und gewaltsam ein, wenn dieses Wissen doch so wichtig und heilsam für die Menschen ist? Warum schweigt ihr denn der Menschheit gegenüber?”
Und nun wurde er darüber belehrt. Man machte ihn aufmerksam auf die christliche Verkündigung von der Auferstehung Christi – wie viele Christen nicht einmal daran glauben würden, wie ganz allgemein die Wahrheit von den Menschen nicht geglaubt, nicht angenommen werde. Und so wollten sie ihn an das Sterbebett eines anderen Menschen führen, wo er den Vorgang des Sterbens erleben sollte, wie er von geistiger Seite aus beobachtet werden kann.
Als er dann in Begleitung der Engel Gottes in der Nähe des Sterbenden stand, stellte er fest, dass auch dieser seine irdischen Angehörigen nicht mehr sehen, sondern nur noch ihr Sprechen wahrnehmen konnte. Er bemerkte, dass der Geist des Sterbenden jetzt auch schon die Schau ins Geistige hatte. Dann sah er, wie sich nach und nach über dem irdischen Leibe eine feinstoffliche Masse bildete, wogegen aber der sterbende Mensch anzukämpfen schien. Denn immer wieder, wenn sich die Geisteshülle etwas mehr über den Leib hinausdrängte, wurde sie wieder zurückgezogen. Dieser Vorgang dauerte einige Stunden.
So konnte aber mit der Zeit diese Feinstofflichkeit, die nur für die Geistwesen sichtbar war, immer grössere Formen annehmen – das Gebilde wurde immer ausgeprägter und deutlicher, je mehr die Kraft des daliegenden Menschenleibes abnahm, es wieder zurückzuziehen. Hierauf traten Engel Gottes hinzu und halfen, den Geistesleib ganz aus dem irdischen Leibe herauszubringen. Nun schwebte diese Gestalt – der Geist des im Sterben begriffenen Menschen – über dessen Leib, mit dem er immer noch verbunden war mit einem feinen Band, mit der silbernen Schnur. Der Geistesleib schwebte also noch über dem irdischen Körper und konnte sich nicht entfernen, bis es ihm endlich aus eigener Kraft gelang, immer weiter vom irdischen Leibe wegzurücken, wobei das Band zerriss. Und in dem Moment war auch der Tod wirklich eingetreten – getrennt waren Geist und irdischer Leib.
Nun lag der Leib des Menschen leblos da, und die Geister Gottes entflohen mit dem Heimgekehrten aus seiner irdischen Gebundenheit und der irdischen Nähe. Und der Bruder, den die Engel Gottes dahin begleitet hatten zu seiner Belehrung, konnte den ganzen Vorgang genau verfolgen. Jetzt hatte er den Beweis, dass der Geist den Menschen lebendig erhält, dass es ein Geist ist, der im menschlichen Körper einverleibt ist, und dass der Tod des Menschen eintritt, wenn der Geist aus seinem Leibe scheidet.
Da dieser Bruder ein guter Mensch gewesen war, durfte er diese Belehrung empfangen. Also wurde er sich der Wahrheit über das Sterben und das ewige Leben bewusst. Man erklärte ihm auch: “Gott ist Geist, und anbeten soll man ihn im Geiste” (Joh. 4, 24). So erfuhr er auch, dass alle, die den irdischen Körper verlassen, als Geistgeschwister in das Reich des Geistes und der Geister eingehen. Die Beweise dafür hatte er erhalten, und er war damit zufrieden.
Die Engel Gottes aber sahen an ihm doch eine grosse Aufgabe; denn er war ja geistig einseitig entwickelt. Einerseits hatte er als gewissenhafter, wohlwollender, gütiger Mensch gelebt, und anderseits fehlte ihm der Glaube, die Gottesverehrung. Er konnte auch nicht an Christus glauben, ihn nicht anerkennen. So war eine grosse Lücke da, die es auszubessern galt.
Nun aber nahmen sich die Engel Gottes seiner an, da er guten Willens war, und sie erklärten ihm: “Wir werden dich jetzt Engeln Gottes zuführen, die die Kraft des Glaubens besitzen, die mächtig sind in der Kraft des Glaubens. Sie werden ihren Einfluss auf dich ausüben in dieser Kraft des Glaubens, wenn es ihnen möglich ist. Da du die Güte kennst und das Wohlwollen, die Barmherzigkeit und das Verständnis für den Nächsten, brauchst du darüber nicht näher belehrt zu werden. Sondern es hat dir am Glauben gefehlt, und durch deinen Unglauben bist du nicht in Gottes Nähe gekommen. Aber wir werden dir die Möglichkeit des schnelleren Aufstiegs bieten, wenn du das Deinige dazu tust und wiedergutmachst, wo du gefehlt.”
So geschah es. Er wurde einer kleinen Gruppe Engelwesen übergeben, und diese stellten sich ihm vor: “Wir sind die Engel des Glaubens, wir besitzen die Kraft des Glaubens. Unsere Aufgabe besteht darin, Menschen im Glauben zu stärken. Unsere Aufgabe erstreckt sich aber auch auf die geistige Welt. Hier haben wir aufsteigende Geistgeschwister im Glauben zu stärken und im Glauben zu führen.” Und dann sagten sie ihm: “Wir wollen auch dich aufnehmen und dir beweisen, dass man im Glauben tätig sein muss, dass die Menschen der Kraft des Glaubens bedürfen, wenn sie die Glaubenskraft nicht schon selbst in sich haben.”
Die Aufgabe dieser Engel Gottes erwies sich als vielseitig und gross, und dieser Bruder war damit einverstanden, sich von ihnen führen zu lassen. Denn er hatte seinen grossen Fehler eingesehen, und nun war es sein grosser Wunsch wiedergutzumachen. Dazu führte man ihn zu den Menschen. Denn bei den Menschen ist viel zu lernen, aber auch viel zu tun. Und da nun diese Geister Gottes ihre Aufgabe im Glauben haben, suchen sie Menschen aus, die beispielsweise in eine grosse Not geraten sind und in dieser Not anfangen zu beten, zu suchen. In diesem Moment, wo sie zu glauben bereit sind, kommen diese Geister Gottes des Glaubens, unterstützen sie im Glauben und beten mit ihnen. Sie schaffen auch die Möglichkeit, dass solche Menschen sich im Glauben zu festigen vermögen. Das ist die Aufgabe dieser Engel; sie besitzen nur diese Aufgabe: ihre Glaubenskraft den Menschen zu übermitteln. Und wenn nun der Mensch betet, hat er Geister des Glaubens neben sich, die ihn im Glauben stärken wollen. Das allein aber genügt beim Menschen nicht – es kommen auch die Engel des Gebetes, die ihre edlen Geschwister des Glaubens unterstützen. Sie beten mit, sie lenken so das Denken des Hilfe suchenden Menschen auf Gott. Dann aber ist auch der Engel des Schicksals da; denn wenn der Mensch in Not ist, kann auch der Engel des Schicksals in sein Leben eingreifen.
Es ist wie ein Wetteifern bei diesen Geistern Gottes um den Menschen. Die Engel des Glaubens tun ihr Bestes, wie jene des Gebetes, und der Engel des Schicksals spricht auch sein Machtwort. Sie alle aber sind vom Menschen abhängig. Der Mensch muss selbst entscheiden, welchen Weg er gehen will. Vielleicht verliert er die Kraft des Glaubens, weil seine Not sich nicht ändert, weil das Schicksal für ihn bestimmend ist. Vielleicht kann er im Glauben nicht ausharren und hört auch auf zu beten. Dann vermag der Geist des Glaubens seine Kraft nicht voll über ihn auszuschütten, und wenn er sieht, dass es aussichtslos ist, diesen Menschen zu gewinnen, wird er ihn wieder verlassen. Auch der Geist des Gebetes wird ihn verlassen, wenn er sieht, dass dieser vom Schicksal gezeichnete Mensch so willensschwach, vielleicht noch bösartig ist. Denn hört dieser eigenwillig auf zu beten, dann hat der Geist des Gebetes auch keine weitere Möglichkeit mehr zu wirken, und auch er oder sie – wenn es mehrere sind – verlassen ihn. Es kann sich um mehrere Geister Gottes handeln, die einem Menschen helfen wollen, oder es kann sich auch nur um einen handeln – es ist ganz verschieden. Doch kann man daraus ersehen, dass es zu guter Letzt der Mensch selbst ist, auf den es ankommt: Er muss zeigen, ob er die Ausdauer hat im Gebet, um Gottes Hilfe anzurufen, ob er wirklich willens ist zu glauben oder ob ihn die Hoffnungslosigkeit überwältigt hat.
Denn die Hoffnungslosigkeit ist auch ein Geist, der Einfluss nehmen kann auf den Menschen. Aber nicht der Geist der Hoffnungslosigkeit spricht das letzte Wort, sondern der Mensch selber muss es tun. Denn sonst wäre ja das Leben voller Prüfungen für den Menschen überflüssig. Er muss bestimmen und willens sein, von innen heraus gedrängt, das Rechte zu tun. Dadurch gibt er seinen Willen zum Ausdruck, und er bekundet seine geistige Entwicklung.
So sah nun dieser Bruder die grosse Tätigkeit der Engelwesen, wie sie von einem Menschen zum anderen gehen. Er konnte sich auch davon überzeugen, wie sie bei einem Menschen, der in grosser Not, aber im Glauben und Gebet nicht fest war, nichts erreichen konnten. Wo dies der Fall ist, gehen sie auf die Suche nach anderen Menschen. Er sah, wie sie bei einem anderen Menschen, der in einer bedrängten Lage war, der aber auch einen unerschütterlichen Glauben hatte, ihren ganzen Einfluss auf den inneren Menschen ausüben konnten. Wo Geister Gottes solche antreffen, heben sie deren Denken, stärken sie im Guten, in der Zuversicht, bringen ihnen edle, wohltuende und befreiende Gefühle. Dann empfinden sie ihr Schicksal, das sie eben noch als schwere Bürde empfunden haben, plötzlich nicht mehr so schwer, sodass es für sie etwas Nebensächliches wird. Ja, ein solcher Mensch ist sogar aus innerer Überzeugung dem Schicksal dankbar, dass er durch diese Prüfungen gekommen ist, um den Glauben an Gott zu festigen.
Man soll also nicht meinen, der Mensch wäre in einer Notlage ganz allein auf sich gestellt, ohne jegliche Hilfe. Das stimmt nicht. Wenn er darum bittet, hat er den Beistand. Aber wichtig ist, zu wissen, dass ein Schicksal auch unabänderlich und fürs Leben bestimmt sein kann. Dann gilt es das Schicksal zu bejahen, es ohne zu hadern anzunehmen und aus allem das Beste zu machen. Wenn dies ein Mensch kann, dann wird sein Gemüt erleichtert, und er wird die Last seines Schicksals nicht mehr so empfinden, und so empfängt er auch den Beistand der Geister Gottes.
Auf diese Weise durfte der Bruder die Besuche bei verschiedenen Menschen miterleben. Da waren Kranke, die um Genesung baten, die aber, ehe sie das Leid getroffen hatte, den starken Glauben nicht besassen. Dann erst hatten sie angefangen, sich mit Gott zu befassen, und die Geister des Glaubens hatten den Weg zu ihnen gefunden. Das heisst nun aber nicht, dass dann das Leiden unbedingt von ihnen genommen würde. Es ist auch immer zu prüfen, welcher Art das Leiden ist. Handelt es sich um eine Krankheit, die mit der Zeit die irdischen Organe zersetzt, etwa im vorgerückten Alter, so nimmt sie ihren normalen Verlauf. Was aber die Geister Gottes in solchen Fällen dennoch tun können und gerne tun, ist, diesen Kranken beizustehen, ihnen die Schmerzen zu nehmen oder ihr Unbehagen zu mildern. Sie wollen dafür besorgt sein, dass Frohmut und Freude, ja sogar wieder Lebensbejahung in sie zurückkehren, damit sie auch ihr Schicksal, ihr Leid mit Erhabenheit tragen.
Das alles konnte also dieser Geistbruder miterleben, worüber er doch in vollständiger Unkenntnis gewesen war – so wie auch Menschen über Dinge ihres Lebens in grosser Unkenntnis sein können und hadern, weil es ihnen nicht gut geht, weil sie vom Schicksal gezeichnet sind, weil Gott ihnen nicht hilft. Sie können ja nur hadern, weil sie in Unkenntnis leben. Wären sie über die geistigen Gesetze orientiert, hätten sie ein Einsehen und könnten ihr Leben bejahen.
Der Christenheit fehlt viel Wissen in dieser Beziehung, sie lebt in grosser Unkenntnis des Heils- und Erlösungsplanes. Eine grosse Lücke ist vorhanden, und diese Lücke bringt manchem Unwillen und Verzweiflung. So tut es not, diese Gesetzmässigkeit darzulegen. Dadurch werden Irrtümer verhütet, und das Verständnis für die Not der Mitmenschen wird grösser, wenn man den wahren Grund und die Ursache kennt.
Auf diese Weise hatte nun dieser Geistbruder gesehen, wie die Engel des Glaubens wirken. Aber wie ich erklärte, gehört zum Gottesglauben auch das Gebet. Da und dort muss auch der Wille gestärkt werden. So umwirbt jeweils eine Anzahl Geister Gottes den Menschen, dessen Willen sie zum Guten beeinflussen möchten. Aber bestimmen tut der Mensch. Beeinflussen lässt er sich von Mitmenschen, wenn er dadurch Vorteile für sein äusseres Leben erhofft. Engel Gottes sind dagegen auf geistige Gesetze abgestimmt ...
So ist es gut, diese geistigen Gesetze kennenzulernen, und dazu hatte nun der Heimgekehrte, von dem ich sprach, Gelegenheit. Er hatte den grossen Vorzug, von Geistern Gottes belehrt zu werden. Er musste aber auch erfahren, dass die Schuld, die man aus dem Erdenleben mit in die Geisteswelt hineinbringt, der Wiedergutmachung bedarf. Er war im geistigen Reiche Wesen begegnet, die im menschlichen Leben keinen Glauben an Gott und kein Mitgefühl für die Mitmenschen hatten, die eher gewalttätig und roh waren. Er hatte gelernt, dass diese Geistwesen ganz anders als er behandelt werden müssen, dass sie nicht so leicht für das Gute beeinflusst werden können. Doch haben sie im geistigen Reiche die Gesetze zu lernen und ihre Fehler wiedergutzumachen. Sie müssen durch eine Bedrängnis und Läuterung gehen. Die Läuterung kann für sie schmerzhaft sein und je nach ihrem Vergehen von kürzerer oder längerer Dauer. Die Schmerzen, dieses Unbehagen, zwingt sie zu einem Umdenken. Sie wollen ihre Pein loswerden. Und da sie nun Gottes Macht kennengelernt haben, sind sie auch willens, sich dieser Macht zu beugen. Doch ihnen steht ein längerer Weg des Aufstiegs bevor. Ihre Tätigkeit, die sie auszuüben haben, ist für sie nicht unbedingt erfreulich, im Gegensatz zu den Geistgeschwistern, die mit Verdiensten in die geistige Welt heimkehren und eine beglückende Tätigkeit ausüben dürfen.
So, liebe Geschwister, könnt ihr erkennen, wie die Geisterwelt Gottes eingreift und jeden führt und jedem gibt, wie und was ihm gebührt – dass es immer einer genauen Abklärung des Lebens bedarf, was gut und was falsch gemacht wurde im Leben. Da gibt es keine oberflächliche Beurteilung. Die Geister Gottes nehmen es sehr gewissenhaft und genau. Darum ist es für den Menschen sehr ratsam, dass er seine geistigen Verpflichtungen den geistigen Geboten entsprechend gewissenhaft erfüllt, dass er sich geistig ausrichtet.
Der Mensch hat wohl die Freiheit, das äussere Leben zu geniessen; aber er soll nie vergessen, dass er daneben eine grosse, viel bedeutendere Aufgabe hat. Er darf das geistige Leben in sich nicht vernachlässigen. Was er für seine unsterbliche Seele tut und für das geistige Reich, ist viel wichtiger.
Nun, liebe Geschwister, gab ich euch Einblick in die göttliche Gesetzmässigkeit und in die Notwendigkeit des lebendigen, starken Glaubens. So möge Gott euch die Kraft dazu geben, dass ihr stark bleibt im Glauben und ihr stets das Richtige tut, was Gott gefällig ist, damit ihr behütet und beschützt werden könnt; damit die Engel Gottes euch zur Seite stehen dürfen und euch vor schädlichen Einflüssen bewahren. Dass sie euch im guten Willen stärken, auf dass ihr die Kraft habt, dem Göttlichen entgegenzugehen, allem Göttlichen zuzustimmen, es zu mehren. So werdet ihr alle früher oder später dafür Gottes Segen empfangen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 15.2.1969 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Lene, 17. Mai 1967
Der Mensch bringt den Glaubensdrang ins Erdenleben mit. Hat sich sein Geist bereits in der jenseitigen Welt nach Gottes Ordnung ausgerichtet und in ihr gelebt, so wird die Sehnsucht nach Gott auch im irdischen Dasein zum Ausdruck kommen. Die Neigung zum Glauben kann noch gestärkt werden durch eine entsprechende Erbanlage, durch die Frömmigkeit der Eltern. Um in ein inniges Verhältnis zu Gott zu gelangen, kommt es auf den hohen Gehalt, auf den wertvollen Inhalt des Glaubens an. Nach ihm zu suchen und danach zu leben, ist eine grosse Herausforderung.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, man kann darüber meditieren, in welchem Verhältnis man persönlich zu Gott steht. Man kann auch darüber meditieren, in welchem Verhältnis die Familienangehörigen, die Freunde zu Gott stehen. Wenn man in die Stille geht, so muss man versuchen, dem Irdischen zu entfliehen, und in das geistige Leben eintreten, sich die geistige Welt vorstellen. Es soll also eine Verbindung geben von Geist zu Geist, vom Geistigen zum Geistigen. Auf diese Art und Weise kommt man zu wunderbaren Erkenntnissen.
Die Meditation oder das Meditieren ist etwas so Wertvolles, das viel mehr geübt werden sollte. Und zwar soll es eben richtig ausgeübt werden. Man kann auf vielerlei Arten, auf den verschiedensten Stufen meditieren. Und jeder wird so meditieren, wie es seiner persönlichen geistigen Entwicklung entspricht, da es ja beim Menschen verschiedene Entwicklungsstufen gibt. Dementsprechend sind auch die Verhältnisse vom einen zum andern verschieden. Und auch das Verhältnis zu Gott unterscheidet sich vom einen zum andern.
Wenn man jetzt darüber meditiert, wie stark der Glaube sein muss, was man unter dem Glauben zu Gott versteht, dann kann man sich einmal selbst fragen: “In welchem Verhältnis stehe ich mit meinem Glauben zu Gott? Was für ein Verhältnis haben meine Nachbarn oder meine Angehörigen?” Und da muss man sich wiederum sagen: “Ja, es gibt Menschen, die sind nur ein einfaches Denken gewohnt, und sie werden auf ihre Weise eine Verbindung mit Gott haben. Der Glaube wird bei den Menschen entsprechend ihrem Denken oder ihrer Intelligenz verschieden sein.” Dazu gilt es zu betonen: Es gibt unter den einfach denkenden Menschen gläubige wie ungläubige; ebenso gibt es unter jenen Menschen, die ein scharfes Denken gewohnt sind, die vielleicht intelligenter sind, solche, die sehr gläubig sind, und solche, die ungläubig sind. Auch unter geistig höherstehenden Menschen – also im geistigen Sinne – gibt es welche, die einen festen Glauben haben, die aber diesen Glauben nicht so verwirklichen und nicht so in ihm leben, wie es die Ordnung Gottes befiehlt.
Wenn man also das einmal betrachtet, so erkennt man: Der Glaube, die Verbindung zu Gott, kommt aus dem inneren Menschen. Diesen Glauben, dieses Sich-zu-Gott-hingezogen-Fühlen, bringt nicht der äussere Mensch fertig, sondern dieses Gott-Nähertreten ist das Verlangen des inneren Menschen. Und wenn ich sage “inneren Menschen”, so ist damit der Geist des Menschen gemeint. Er gibt das Verlangen zum Ausdruck, das in ihm ist. Und von diesem Verlangen dringt etwas in den Menschen hinein, durch diesen ganzen Menschen. Neben dem Verlangen nach Gott kann noch etwas Zusätzliches in diesem Geiste sein: Er kann noch ein grosses Geschenk erhalten haben durch die Erbanlage der Frömmigkeit von Vater oder Mutter. Wenn seine Eltern diese Eigenschaft oder diesen Glauben hatten, wird dies also als Erbanlage noch dazukommen, und sein Glaube, sein Verlangen, die Sehnsucht nach dem Göttlichen, nach der Wahrheit wird noch gestärkt. Es kann aber auch das Umgekehrte der Fall sein: Es kann im Menschengeist, also im inneren Menschen, ein Verlangen sein, sich nach Gott auszurichten, aber er hat von Vater oder Mutter die Erbanlage der Ungläubigkeit geerbt. Dieses Erbe muss nun nicht unbedingt mit seiner ganzen Kraft einwirken, aber es neigt dazu, seinen Glauben, seine Sehnsucht abzuschwächen. Es kann also bei einem Menschen durch die Erbanlage entweder zu einer Steigerung des Glaubens kommen oder zum Gegenteil. So spielt die Erbanlage immer wieder eine Rolle, das muss immer wieder in Betracht gezogen werden.
Nun, sprechen wir von diesem inneren Menschen, denn an ihn möchten wir uns doch ganz speziell wenden, denn wir haben ja die grössere Beziehung zum inneren als zum äusseren Menschen. Warum vermag denn der innere Mensch einen stärkeren Glauben zu haben als der äussere? Das kommt also auch von daher, dass sein Verhältnis zu Gott und seine Aufgaben bereits in der geistigen Welt dementsprechend waren: Wenn er sich im Glauben gestärkt, wenn er die Nähe Gottes gesucht hat, wenn er sich Mühe gegeben hat, in die Ordnung Gottes hineinzukommen, wenn er also strebsam war und die höheren geistigen Stufen erreichen wollte, dann sind in ihm nicht nur die Belehrungen, die er erhalten hat, sondern vielmehr das Verlangen nach Gott geblieben. Es ist im inneren Menschen, in seinem Geist, und es vermag also im Erdenleben zum Ausdruck zu kommen.
Betrachtet einmal jene Geistgeschwister, die im Aufstieg sind. Wie bei den Menschen gibt es auch unter ihnen welche, die ein einfaches Denken gewohnt sind, die ganz bescheidene Arbeiten ausführen, und es gibt solche, die sich schon an ein komplizierteres Denken gewöhnen oder danach suchen und fragen, die intelligenter sind, bei denen diese Intelligenz nun zum Ausdruck kommen kann, wo sie nicht eingeengt ist, wo sie sich entfalten kann. Also spielt nicht die Intelligenz eine Rolle, um sich geistig schneller vorwärtszuentwickeln. Das ist weder bei den Menschen noch bei den Geistgeschwistern der Fall. Es ist vielmehr der Gehorsam, das Sich-Einfügen in die göttliche Ordnung, wenn man in der Geisteswelt ist und man diese neue Welt bejaht mit allem, was sich einem bietet.
Nicht jeder, der von seinem Menschendasein hinüberkommt ins geistige Reich, wird hier dasselbe Leben finden mit jenen Annehmlichkeiten, mit jenem Besitz, den er auf Erden hatte. Es mag also eine ganz andere Einwirkung auf ihn kommen, und er kann in Unzufriedenheit geraten. Er klagt, dass ihm Unrecht geschehe, und er vermag auf diesem Wege nicht vorwärtszuschreiten. Er hadert und ist unzufrieden. Diese Unzufriedenheit, die in ihm ist, nimmt er mit in den Menschenleib – er wird ja wieder einverleibt werden, und dabei bleiben sein Wille, seine Ansichten zum grossen Teil erhalten.
Es ist also in erster Linie eine geistige Angelegenheit, ob ein Mensch im Verlangen ist, Gott näherzukommen. So findet ihr gerechte, fromme Menschen in allen Entwicklungsstufen, und in allen Bildungskreisen sind Gläubige wie Ungläubige zu finden.
Nun aber ist es doch auch ratsam für euch, einmal über den Glauben zu meditieren. Der Glaube muss einen hohen Gehalt haben; ein wertvoller Gehalt muss in diesem Glauben sein. Man kann auf verschiedene Weise glauben. Man kann sich eine Vorstellung von diesem Glauben machen, man kann sich sagen, es genüge, an Gott zu glauben, es brauche weiter nichts – das wäre die Hauptsache und das, was die Kirche vorschreibt, der man zugehörig ist. Das ist vielen Menschen die Hauptsache: glauben, der Glaube an Gott. Wir Geister Gottes ersehen daraus, wie bescheiden der Mensch in seinem Denken ist oder wie eingeengt sein geistiges Denken ist.
Wir möchten es euch so erklären: Der Glaube als solches ist ein Gerüst, eine Fassade, die ohne das Inwendige wertlos ist. Der Glaube allein verbindet noch nicht auf das Innigste mit Gott, er verschmilzt den Menschen noch nicht mit dem Göttlichen. Glaube ist wie eine Fassade, wie ein Gerüst. Dazu gehört der hohe Gehalt; ein wertvoller Inhalt gehört zum Glauben. Wie Christus ja gesagt hat: “Das Gebet ohne die Werke ist nichts”, so ist der Glaube allein, ohne seinen wertvollen Inhalt, ebenfalls nichts. Dieser wertvolle Inhalt ist zu ergründen.
Man soll sich vorstellen: Gott wirkt in grosser Liebe und zeigt eine grosse Bereitschaft für seine Geschöpfe, er lässt immer wieder Barmherzigkeit walten; in Gott sind doch alle hohen Tugenden vorhanden. Und wenn man an Gott glauben will, so genügt es nicht, nur an ihn zu glauben oder zu sagen, dass man ihn kennt. Man kann nur dann von einer innigen Verbindung sprechen, wenn man das Wirken Gottes erfasst hat, wenn man sich darüber klar wird, dass dieser Glaube eingekleidet werden muss in diese hohen Tugenden, in die edle Gesinnung. Und wenn einer an Gott glaubt, dann glaubt er doch oder weiss er, dass Gott die grosse Güte ist. Wenn er wirklich ehrlich ist, dann muss er zur Erkenntnis kommen, dass Gott alle seine Kinder liebt und es ihm darum geht, dass sie alle zu ihm zurückkommen. Es ist aber so, dass man eben den Gehalt dieses Glaubens ergründen und auf diesem Wege schreiten muss, damit es zu einer geistigen Verschmelzung kommt vom eigenen höheren Leben zum Leben Gottes. Der Glaube als blosses Wort ist nur Stückwerk; ein Ganzes wird es erst mit dem wertvollen Gehalt, den dieser Glaube in sich birgt. Man muss also dem Göttlichen ganz nahe treten.
Es mag für den Menschen nicht immer so einfach sein, diese Verbindung herzustellen, sein Denken so zu lenken, dass er in eine solche enge Verbindung kommt. Darum sprechen wir zu euch so viel von den Engeln des Himmels. Bedenkt doch: Jene Wesenheiten leben ständig in der Seligkeit mit Gott, aber sie gehen aus, um ihren andern Geschwistern den Weg zurück zu bahnen, den Weg zu beleuchten. Und sie handeln so, wie Gott es will. Sie kommen auch dem Menschen in grosser Nachsicht und grosser Liebe entgegen. Sie führen ihn so, dass es für seine Entwicklung gut ist. Und wenn gesagt wird, dass sie den Menschen in grosser Liebe und Nachsicht führen, dann heisst das nicht, dass nicht auch ein Karma oder ein Schicksal dem Menschen auferlegt werden könnte. Denn beides wird ja auch aus Liebe gegeben zur Heilung der Seele, zur Heilung des Menschen; zur Beschleunigung seines Aufstiegs muss dieser Weg beschritten werden. So sind diese Heiligen des Himmels voller Güte und Liebe. Wenn sie mit Gott zusammenwirken, sind sie eins in ihrem Tun. Sie kennen die Gesetze, die Ordnung, und es geht ihnen darum, diese Ordnung zu verkünden, diese Wahrheit zu verbreiten, die dem Menschen verloren gegangen ist – den Menschen diese geistige Welt so zu offenbaren, dass sie den hohen Gehalt ihres Glaubens entfalten können.
Nur zu sagen “Du musst glauben”, das ist nicht richtig. Es gibt religiöse Menschen, die glauben, einen andern zum Glauben zwingen zu können. Man kann im Geiste niemand zwingen. Wenn Gott dies richtig fände, würde er es sicher tun. Aber er tut es nicht; er auferlegt niemandem einen Zwang, an ihn zu glauben. Jeder muss den Weg zu ihm selbst finden. Der Weg aber ist weit, und man macht viele Umwege, wenn man die geistigen Gesetze und den Gehalt des Glaubens nicht kennt. So muss man nach diesem hohen Gehalt des Glaubens streben. Hat man diesen Gehalt gewonnen, dann kann man immer näher an Gott herantreten. Denn in diesem hohen Glaubensgehalt ist nur Wohlwollen, nur Verständnis, nur Bereitschaft, nur Güte. Alles das, was aus Gott strömt, ist Inhalt des Glaubens an ihn. Also nicht nur leere Fassade soll der Glaube sein, inhaltsvoll muss er sein. Und dann wird man das Verständnis aufbringen, das man für die Schwachheiten der Mitmenschen aufbringen muss. Und man wird lernen, den andern zu verstehen, der behauptet, gläubig zu sein, der aber den hohen Inhalt des Glaubens nicht erfasst hat. Den hohen Gehalt des Glaubens besitzen heisst: wahrhaftig so leben, wie Gott es wünscht, dass man lebt, – ich möchte fast sagen – auf dem Wege der Vollkommenheit schreiten, sich im Wesen mit ihm verschmelzen.
Wenn man so weit ist und eine solche Vorstellung vom Gottesglauben hat, dann werden viele andere Dinge so unwichtig werden – und man kann einen Mitmenschen bedauern, weil er unter diesem Glauben nicht das Richtige versteht, weil er nach Äusserlichkeiten trachtet und glaubt, das wäre Gottes Gesetz und Gottes Wort, was Menschen aufgebaut haben, was Menschen behaupten, dass es richtig wäre. Was können denn Menschen behaupten, was oder wer heilig ist oder heilig wird? Das können doch Menschen nicht sagen. Man muss doch in erster Linie die Ordnung Gottes suchen, den Heils- und Erlösungsplan ergründen. Ganz exakt soll man forschen, wie die Wissenschaftler sich gewohnt sind, zu forschen und zu suchen. Wenn man auf diesem Gebiet anfangen würde, so zu forschen, zu suchen, da würde man – langsam, langsam nur – Antwort für Antwort bekommen. Und immer mehr würde man vom Gesetz verstehen, das in der Ordnung Gottes eine Rolle spielt; immer mehr würde man einen Begriff von der göttlichen Ordnung bekommen. Aber wie weit sind doch die Menschen davon entfernt, diesen wahren, hohen Gehalt des Glaubens als das Bedeutendste zu betrachten. Wer behauptet, an Gott zu glauben, sollte doch schon in der Lage sein, nach seinem Willen zu handeln. Aber wo ist der Mensch, der an Gott glaubt und auch vollkommen ist? Viele könnten eine geistig höhere Stellung einnehmen, wenn sie sich nach dem hohen Gehalt des Glaubens ausrichten würden.
Für Gott sind doch alle Geschöpfe seine Kinder. Er liebt sie alle, ob sie geistig auf einer noch niederen oder einer höheren Stufe stehen. Er ist der Liebende, der Gütige, der Verzeihende. Er schafft für jeden die Möglichkeit des Aufstiegs. Welch grossen Umweg müssen die einen machen, bis sie nur eine ordentliche Geisteshöhe einnehmen können. Wenn man sich aber darüber klar wird, dass Gott derjenige ist, der jedem die Hand für den Aufstieg bietet, gegenüber jedem verzeihend ist, warum vermag man denn nicht, Ähnliches oder Gott Gleiches zu tun? Warum kann der Mensch nicht ebenfalls so verzeihend, so gütig sein wie Gott selbst? Dies ist doch ein Beweis dafür, dass die Menschen eben noch sehr weit von Gott entfernt sind und dass sie eben diesen Glaubensgehalt nicht kennen. Wie mancher sagt von sich: “Ich bin gläubig und froh. Ich bete fleissig zu Gott.” Wie eng ist da sein Glaube. Was ist das für ein Glaube? Ist das nicht ein ganz ehrgeiziger Mensch, ein egoistischer Mensch, der nur für sich schaut, Gott nur für sich allein haben will? Das kann doch nicht der wahre Glaube sein. Das Wort “Glaube” ist nur das Äussere, die Fassade. Es kommt auf den Inhalt, auf den Gehalt an, welchen der Glaube haben muss – auf diesen Gehalt kommt es an.
Wie viele Weltreligionen besitzt ihr, wie viele Glaubensrichtungen werden vertreten? Und wie hoch ist der Gehalt, der wahre Gehalt, dieser Glaubensrichtungen? Ist es nicht überall so, dass es in jeder Religion Menschen gibt, die den hohen Gehalt des Glaubens kennen und sich danach ausrichten? Wohl mögen sie auf einem Gebiete vielleicht etwas rückständig sein, aber in der Hauptsache handeln sie nach Güte und Gerechtigkeit. Ein Mensch auf dieser Welt kann nicht vollkommen sein. Er kann diese Vollkommenheit anstreben, nach ihr leben, so wie die Kraft ihm zur Verfügung steht; das kann er tun. Wenn man nun gerade diese verschiedenen Religionen betrachtet und zu all diesen Ja sagen muss, so heisst das eben: Es ist alles eine Frage der Entwicklung, und man hat allen diesen Menschen so zu begegnen, wie Gott ihnen begegnet mit seiner grossen Nachsicht, mit seiner grossen Güte und Liebe. Gott wird sie alle durch seine heiligen Geister führen lassen.
Nun aber kommt es doch wohl darauf an, dass man einen Vorzug hat, wenn man den wahren Gehalt des Glaubens in sich hat und diesen Glauben mit seinem hohen Gehalt immer mehr entfaltet. Solche Menschen kommen doch in einen Vorzug, je näher sie an Gott herankommen, je mehr Einsicht sie in seine Ordnung, in seine Schöpfung bekommen – und umso grösser wird beim einzelnen die Sehnsucht nach dem Göttlichen. Dann kann der Glaube im Allgemeinen als ein Ganzes betrachtet werden; als ein Ganzes betrachtet muss er werden mit seinem hohen Gehalt. Ein Mensch, der nun die Erkenntnisse über diese geistigen Gesetze und über die Ordnung Gottes hat und der von der Verbindung der Geister Gottes zu den Menschen weiss, der wird dementsprechend auch geführt werden. Und ist ein solcher Geistesmensch, der diesen Glauben hat, klug genug, dann wird er sich auch ein entsprechendes Verhältnis schaffen von sich zu den Geistern Gottes – und diese haben ihren Weg direkt ins Haus des Vaters –, und so kommt man also in eine Bevorzugung, in ein besonderes Verhältnis, in eine Beziehung zu den Höchsten des Himmels. Durch diese Beziehung, die man sich im menschlichen Leben anbahnt, wird man dereinst in der jenseitigen Welt den Vorzug geniessen. Denn diese geistigen Freunde werden für einen einstehen, sie werden für einen ein gutes Wort einlegen.
Es ist ja ähnlich bei euch Menschen: Wenn einer etwas erreichen möchte, und er kennt an massgebender Stelle eine Persönlichkeit, dann wendet er sich an diese Persönlichkeit, um zu seinem Ziel zu kommen; es braucht eine Fürsprache, ein gutes Wort, Zuneigung. So ist es im Geistigen: Es braucht die Zuneigung der Geister Gottes zu den Menschen. Und diese Zuneigung verschafft man sich durch den Kontakt mit der göttlichen Welt. Die Geister Gottes wollen ja dem Menschen erklären, was zu tun und was zu lassen ist; sie wollen ihm ja diese Welt offenbaren, sie wollen ihm erklären, worauf es ankommt. Sie wollen auch sein Verständnis entfalten für die Not und für das Leben anderer. Sie offenbaren ihm also das Tun der göttlichen Welt.
Und so vermag eben ein Geist Gottes beim Menschen dann zu wirken, wenn dieser dazu neigt, ihn anzunehmen, wenn er sich führen lässt und in ihm diese notwendigen Tugenden doch etwas leuchten. Dann kann ein Geist Gottes einen Menschen im verstärkten Masse führen und ihn ans Ziel bringen. So soll man also nicht glauben – wenn wir davon sprechen, dass die geistige Welt doch jedem Menschen ihre Aufmerksamkeit schenkt, gleich welche Glaubensrichtung er pflegt –, dass gar kein Unterschied bestehe zwischen unserer Verbindung mit euch und der Verbindung mit jenen Menschen, die ihren Glauben besitzen. Es kommt also, wie wir euch sagen, nicht auf den Glauben allein an. Der Glaube ist das äussere Gebilde; es muss den wertvollen Inhalt in sich tragen, dann wird es ein wertvolles Ganzes werden.
Die Geister Gottes, und dieses möchte ich auch immer wieder betonen, haben ja auch ihre Tätigkeiten, die sie ausüben, und zwar übt jeder seine Tätigkeit da aus, wo er ein Meister ist. Die Heiligen des Himmels üben viele Berufe aus, die bedingt wurden durch den Aufstieg der Geistgeschwister. Es gibt also viele Berufe, darunter auch welche, die sehr, sehr erfreulich sind, sie auszuüben. Da ist zum Beispiel die Tätigkeit, die dazu dient, die Seligkeit des Himmels zu erweitern. Und die Geister Gottes, die nun diese Tätigkeit ausüben, um diese Seligkeit immer neu zu entfalten, treten aus den Himmeln heraus und suchen den Weg zu euch Menschen. Denn ihr Menschen seid ja diejenigen, an denen es der göttlichen Welt besonders gelegen ist – es geht doch um euren Aufstieg, ihr sollt eintreten in die Gemeinschaft mit allen Heiligen. Also müssen auch jene hohen Geister des Himmels sich herniederneigen, und sie tun es gerne. Und so bringen sie, jeder auf seine Art, dem Menschen von ihrem Können.
Für einen Menschen, der auf einer geistig gehobenen Stufe steht, wird es zum beglückenden Leben, wenn er in einer solchen Verbindung mit einem Geiste Gottes steht, dessen Tätigkeit im Seligmachen eines Menschen besteht. Da muss ich vielleicht diesen Begriff etwas näher erklären. Unter Seligkeit versteht ihr vollkommenes Glück oder höchstes Glück. Unter Seligmachen versteht man aber auch, dem Menschen die Freuden entgegenzubringen, die der Himmel besitzt. Ein Geist Gottes kann dem Menschen ja nur Stück für Stück nahebringen; er kann es ja nur dem inneren Menschen bringen. Dem einen braucht er Frohsinn zu bringen. Diesen Frohsinn bringt er ihm, indem er versucht, sein Auge auf fröhliche, auf schöne Dinge zu lenken. Diese Geister Gottes versuchen, das Gemüt des Menschen zu erfassen und den Menschen zu dieser Seligkeit, zu diesem Frohsein hinzulenken. So muss also auch der Mensch willens sein, dem Geist Gottes seine Wohnung, also sein Innenleben, zur Verfügung zu stellen. Er muss schon als Mensch versuchen, alle Unannehmlichkeiten, die er erlebt, die ständig an ihn herankommen, zur Seite zu schieben.
Er sollte sich darüber klar werden, dass es für ihn immer zwei Dinge gibt: dieses weltliche Leben mit all seinen Widerwärtigkeiten und Notwendigkeiten, aber auch Bequemlichkeiten; und anderseits das geistige Leben mit seinen Bedingungen, mit seiner Ordnung – aber auch dem Bewusstsein, gehoben und geführt zu werden von dieser anderen Welt. So muss man einerseits dieser irdischen Welt, in der man lebt und der man auch Rechenschaft schuldig ist, gerecht werden; und anderseits muss man dieser andern, dieser unsichtbaren Welt gerecht werden. So steht ja der Mensch zwei Welten gegenüber: jener unsichtbaren, die aber mit ihrer ganzen Kraft auch auf ihn einwirkt, und jener sichtbaren Welt, die für ihn Realität ist, mit der er auch fertigwerden muss. So muss er dazwischen hindurchschreiten. Und er kann es. Er muss aber immer mehr um die Bedürfnisse der geistigen Welt besorgt sein, er muss sich immer nach der geistigen Ordnung ausrichten. Denn diese unsichtbare Welt mit ihren Bestimmungen und Bedingungen bestimmt nämlich das irdische Leben mit seinem ganzen Inhalt – steht doch dieses geistige Leben über dem irdischen Leben, das er erfassen und erkennen kann, in dem er lebt und wirkt. Zu dieser Erkenntnis muss man kommen, und diese Erkenntnis gilt es zu behalten: dass es eine Welt gibt, die wohl unsichtbar ist für das irdische Auge, die aber so gross, so mächtig und so stark ist, dass sie diese irdische Welt darin verschwinden lässt.
Für uns mag es vielleicht leicht sein, euch dies alles zu erklären, aber für euch ist es ganz bestimmt nicht so leicht, diese geistige Welt auch als eine Realität zu betrachten. Doch diese geistige Welt ist diejenige, die über eurem Leben steht und von euch fordert. Ihr, liebe Geschwister, werdet von der für euch sichtbaren Welt abtreten müssen, und dann, dann wird jene andere Welt auf euch einstürzen – für den einen zur grossen Freude, dem andern wird es angst und bange. Es braucht dem Menschen aber nicht angst zu werden, wenn er in seinem Leben den wahren Weg findet, wenn er den Weg zu Gott findet und der hohe Gehalt seines Glaubens mit dem Willen Gottes verschmilzt, dass sein Wille im Willen Gottes ist, sodass es eins wird, ein Ganzes.
Ja, liebe Geschwister, meditiert einmal über den Glauben und über den Gehalt des Glaubens. Das ganze Wissen, das ihr auf diesem Gebiete aufbauen konntet, soll euch zum Gewinn sein. Wenn ihr zu uns hinübertretet, dann sollt ihr mit Freuden in diese Welt einkehren. Ihr sollt als Freunde begrüsst und aufgenommen werden. Ihr sollt keine Fremdlinge sein. Und wenn man Freunde hat, wenn man in dieses andere Reich hinüberkommt, ist es ein grosser Vorteil. Man fühlt sich rasch zu Hause.
So möge Gottes Segen euch alle beglücken. Möget ihr froh werden, und mögen alle gesunden, die krank sind. Richtet euer Denken aus nach Gott, und sucht und fördert den hohen Gehalt des göttlichen Glaubens, so werdet ihr eins werden mit Gott und seiner heiligen Geisteswelt. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.5.1967 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1951 bis 1980
Lieber Josef, du hast einmal von einem Geist berichtet, der in seinem letzten Erdenleben nicht an Gott glaubte, währenddem er im vorhergehenden Erdendasein ein gläubiger Mensch gewesen war. Ich war der Ansicht, dass der Glaube und andere Erkenntnisse nicht mehr verloren gehen können, sonst müsste man ja von einem Rückschritt sprechen. Dann würde sich unsere Entwicklung ins Unendliche ausdehnen.
Josef: Nein, das ist nicht richtig. Denn es ist ja so: Der Mensch, der in diesem Erdenreich lebt, steht so vielen Anschauungen gegenüber. Und immer wieder muss ich diese Bemerkung machen, dass der Mensch vom irdischen Gut geblendet werden kann. Er kann einfach fallen durch diese Schönheiten oder durch das Geld, das in dieser Welt eine grosse Rolle spielt. Er wird von seiner geistigen Entwicklungsstufe im Jenseits nicht zurückfallen; er wird einfach wieder dahin zurückkehren, von wo er ausgegangen ist, und wird im Jenseits wieder dementsprechend seinen Unterricht bekommen.
Ihr müsst das auseinanderhalten: Der Mensch kann von den äusseren Dingen so beeindruckt werden, dass er eine verneinende Stellung einnimmt, während aber sein Geist Gott bejaht. Diese Gottbejahung kommt nicht zum Durchbruch infolge seiner falschen Anschauung. Würde nun ein solcher Mensch etwas mehr in sich gehen und etwas mehr meditieren oder das Innenleben besser pflegen, würde er bestimmt zu besserer Erkenntnis kommen.
Also auch hier in dieser Beziehung kann ich nicht einfach sagen: Es geschieht so und so, weil er Gott verneint hat. Es ist immer alles genau zu betrachten, und nur wir Geister erkennen, welches die wahre innere Gesinnung in einem Menschen ist, ob er geblendet ist von den äusseren Dingen oder ob auch der Geist Gott verneint. (1.10.1958)
Es gibt so viele Menschen, die nichts mit einem Glauben zu schaffen haben wollen und ein schlechtes Leben führen. Ich habe Mühe, dies zu verstehen, denn auch diese Menschen oder diese Seelen hatten doch einst den Weg über die Brücke angetreten, die Christus durch seine Erlösungstat gebaut hat. Weshalb waren sie eigentlich über diese Brücke geschritten, wenn sie sich nachher derart von Gott abwenden und zutiefst von einem Glauben und seinen Geboten Abstand nehmen?
Josef: Ja weisst du, du urteilst jetzt so global. Diese Menschen oder ein solcher Mensch, der jetzt in ein Dasein tritt und nicht glauben kann, der hat womöglich in seinem vorhergehenden Leben schon geglaubt. Er hat sich vielleicht in seiner Lebensweise in Sachen Glauben sehr verschuldet, hat vielleicht sogar im Namen Gottes getötet; er war so fanatisch in seinem Glauben, dass er nichts anderes aufkommen liess als nur seine Richtlinie. Er verlangte von den andern, das zu glauben, was er selber als richtig annahm. Und wer das nicht tat, dem wurde mit der Hölle gedroht, oder er wurde von dem Betreffenden geschädigt oder gefoltert. Und so kann einer eben in einem Leben einen solchen fanatischen Glauben gehabt haben.
Nun kommt er in ein neues Erdenleben hinein, und es wird ihm als Prüfung gegeben; er soll jetzt versuchen, in seinem neuen Erdendasein seinen wahren Glauben zum Ausdruck zu bringen. In der Zwischenzeit ist er ja in der Jenseitswelt geläutert worden, er ist bestraft worden, womöglich hart bestraft worden wegen seiner Verfehlungen, wegen seiner autoritären Einstellung.
Er wird nun für ein neues Erdenleben vorbereitet – die Strafe, die er erhalten hatte, ist so in sein Bewusstsein hineingegangen, dass es in seinem Wesen, in seinem Denken eine vollkommene Kehrtwendung gegeben hat. Er ist so hart bestraft worden, und er findet diese Strafe eine Ungerechtigkeit. Denn er meint, er hätte für Gott gelebt, gekämpft, sogar für Gott getötet – und nun wurde er im Jenseits dafür bestraft. Er ist geistig ja gar nicht so weit, dass er zur Einsicht kommt. Jetzt wendet er sich von Gott ab und will von ihm überhaupt nichts mehr wissen. Jetzt ist er in einem neuen Dasein, und dieses ist ein Prüfstein für ihn. Er soll jetzt mit dem, was ihm in das neue Erdendasein mitgegeben worden ist, beweisen, ob er zum wahren Glauben kommt oder nicht, ob er schwach ist. Doch er ist von der Strafe, die er in der jenseitigen Welt empfangen hatte, so durchdrungen, obwohl er in seinem menschlichen Dasein ja nicht weiss, wer er war und woher er kommt.
Dies ist jetzt ein Beispiel – man kann nicht alle zu diesen zählen. Aber bei einem grossen Teil ist es so, dass sie sich in einem vorherigen Leben stark belastet haben. Sie wurden dafür bestraft, und nun ist noch etwas in ihnen, das ihnen keine Überzeugung zum Glauben gibt. Durch ihre niedere Geisteshaltung liegt ein Schatten über ihrem Funken; das Licht ist noch eingehüllt und verdunkelt, sodass es entwicklungsgemäss einfach nicht möglich ist, dass es hervortreten kann. Vielleicht braucht es beim einen oder andern nur Überwindung; ein anderer kommt vielleicht zu gläubigen Eltern, oder er macht die Bekanntschaft mit Freunden, die ihn überzeugen können, sodass er sein Denken wandelt und zum Glauben kommt.
Aber oft ist es bei solchen Menschen auch so: Sie kommen unter Mitmenschen, und da sind sie sehr wachsam, ob einer gläubig ist. Und wenn dieser vielleicht etwas tut, was nicht in den Glauben hineingehört, dann bestärkt sie dies in ihrer Ablehnung – besonders dann, wenn es dem andern materiell noch besonders gut geht und ihnen selbst nicht und sie sich für menschlich besser halten. Sie finden so viele Ausreden! Dabei möchte ich sagen: Überall ist etwas vorhanden, was es eben verunmöglicht, dass sich der Glaube in ihnen entfalten und verbessern kann.
Ist das richtig, wenn ich das so verstehe, dass man bei einem landläufig ungläubigen Menschen sagen könnte: Es ist nur der äussere Mensch, der nicht glauben kann, während der innere Mensch um die glaubensmässigen Bedingungen weiss?
Josef: Ja es ist schon der inwendige Mensch, der weiss oder der wissen sollte, welchen Weg er vor sich hat und er zu gehen hat. Aber es sind ja die äusseren Dinge, die an den Menschen herankommen und ihn beeinflussen, und das Äussere, was der Mensch in seiner Umwelt wahrnimmt, beeinflusst dann das Innere. Aber auch das Innere, sagen wir, die innere Kraft, strömt zum äusseren Menschen heraus. Es ist ein Wechselspiel. Und da kommt es eben darauf an, wer der Stärkere ist: Ist es das Inwendige, oder vermag ihn das Äussere in Gewalt zu nehmen.
Lieber Josef, in diesem Zusammenhang möchte ich dich noch fragen: Wenn ein Mensch in diesem Erdenleben wirklich den wahren Glauben gefunden hat, hat er dann die Gewissheit, dass ihm dieser wahre Glaube auch in späteren Leben erhalten bleibt?
Josef: Ich glaube, dass man dies im Allgemeinen bejahen darf. Ist der Glaube bei einem Menschen so tief, dann ist ja seine innere geistige Entwicklung so fortgeschritten, dass er, sagen wir, den äusseren Versuchungen eher standhalten kann als ein innerlich schwacher Mensch. (Vorstandssitzung, 6.2.1980)
Lieber Josef, wie beurteilt die geistige Welt heute die Möglichkeit, die Menschen durch wissenschaftliche Beweise des nachtodlichen Lebens dem Glauben und dem christlichen Spiritualismus näherzubringen?
Josef: Wie wir das beurteilen – es kann nicht von heute auf morgen geschehen. Die Christenheit steht ja am Anfang einer Umwälzung, und diese Umwälzung braucht Zeit. Es braucht ein Abtreten vom Bisherigen. Das muss vom Menschen persönlich ausgehen. Er muss persönlich den Entscheid treffen, sich vom Alten zu trennen, und er muss selbst auf die Suche nach etwas Besserem gehen. Es kann nicht erzwungen werden, es braucht seine Zeit. Die geistige Welt tut von ihrer Seite aus das Möglichste, diese Zeit zu beschleunigen. Ich hatte ja die Möglichkeit am letzten Samstag, darauf hinzuweisen, wie das vor sich geht: dass ja auch im Geistigen ein Kampf stattfindet um diese geistige Beschleunigung der Vorwärtsentwicklung; dass es sich aber nicht erzwingen lässt, denn es sind noch zu starke Strömungen von kirchlicher Seite vorhanden. Diese Macht muss noch mehr gebeugt und gebrochen werden können, sodass sich eine noch grössere Freiheit und eine grössere Selbstständigkeit im religiösen Denken der Menschen entwickeln kann.
Lieber Josef, du hast einmal gesagt, dass es dem Menschen erlaubt ist zu forschen.
Josef: Ja, dem steht nichts im Wege. Aber trotzdem kann die Wissenschaft nicht gezwungen werden. Sie kann forschen, aber sie wird auf ihre Weise forschen. Sie kann richtige Beweise bekommen, und sie kann diese Beweise trotzdem noch anzweifeln. Es braucht für das Geistige eine innere Bereitschaft, es anzunehmen und zu glauben. Und wenn diese Bereitschaft eben fehlt, wenn man schon mit einem Vorurteil an dieses Forschen herangeht, wird es eben auch schwer sein.
Aber wäre die geistige Welt bereit, Beweise zu geben, wenn bei den Wissenschaftlern wirklich das Interesse und die innere Bereitschaft vorhanden wären?
Josef: Ich möchte sagen, es ist weniger das Interesse, das vorhanden sein muss, als vielmehr die innere Bereitschaft zum Glauben. Dann wird die geistige Welt ihrerseits das Ihrige dazu beitragen. Die Neugierde des Menschen ist sehr gross, aber der Neugierde wegen wird die Geisterwelt nicht in dem Masse beistehen. Es muss eine innere Bereitschaft zum Glauben da sein, um die Erkenntnisse, die man erworben hat, zu bejahen und um das Erworbene auch zu entfalten und zu versuchen, diesen Glauben auszudehnen. Das schafft die Möglichkeit zu einer Intensivierung der geistigen Welt.
Der Mensch muss sich wieder mit dem Glauben an die Ewigkeit befassen, er muss sich wieder mit diesem Glauben auseinandersetzen. Obwohl doch der Christ der Auffassung ist, dass er gläubig ist, glaubt er nur ganz oberflächlich an eine Ewigkeit; er setzt sich eben doch nicht mit dieser Ewigkeit auseinander, diese Ewigkeit ist ihm doch etwas Fremdes. Er kennt ja die geistigen Gesetze nicht. Wenn man diese geistigen Gesetze nicht kennt und sich mit ihnen nicht befasst, so kann man auch nicht an ein Ziel kommen. (Vorstandssitzung, 10.11.1971)
Lieber Josef, ich möchte einen mir nahestehenden Menschen unbedingt auf den Weg meines Geistesglaubens bringen. Wie kann ich das?
Josef: Liebe Seele, kein Mensch hat das Recht, einen anderen Menschen zu zwingen, etwas zu glauben oder eine Auffassung zu teilen, die ihm nicht passt. Ich möchte ganz besonders betonen: Wenn ein Mensch sich ablehnend oder abweisend verhält, dann darf man ihn nicht so drängen, dann soll man für ihn bitten. Die Wesen Gottes werden einen solchen Menschen führen. Doch wenn er in seiner Entwicklung nicht so weit ist, wird es ihm nicht helfen, er setzt seinen Willen durch. Und ihr sollt nicht sein wie Luzifer, der allen seinen Willen aufzwingen will. Dieses sollt ihr nicht! Ein jeder Mensch hat den freien Willen. Und darin liegt diese grosse Toleranz von meinen Worten, von meiner Aufgabe, die ich erfüllt sehen möchte an euch, an allen meinen Freunden: ohne jede Aufdringlichkeit, ohne viele aufdringliche Worte an den Menschen heranzugehen. Der Mensch selbst muss mit seinem Leben zeigen, auf welcher geistigen Stufe er steht. Und er soll bereit sein, überall dem Nächsten den freien Willen zu lassen. Und aus diesem freien Willen geht seine Entwicklung hervor oder zeigt sich sein geistiger Stand. Denn kein Mensch kann denselben verleugnen. (1951)
Lieber Josef, im Evangelium wird überliefert, Christus habe an einem Feigenbaum Feigen gesucht, obwohl es nicht die Zeit der Feigen gewesen sei. Da er keine Feigen fand, habe er den Feigenbaum verwünscht, indem er sagte, der Baum möge keine Früchte mehr bringen. Da war der Baum am nächsten Tag verdorrt. (Mark. 11, 12–14 und 20.) Wie ist das zu verstehen?
Josef: Lieber Freund, es gibt noch einen Anhang dazu.
Ja, Jesus sagte dann zu den Jüngern: “Habet Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge sagt ‘Hebe dich empor und wirf dich ins Meer!’ und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass das, was er sagt, geschieht, dem wird es zuteilwerden.” (Mark. 11, 22–23.)
Josef: Ja, das ist so, liebe Freunde: Christus war mit seinen Jüngern hinausgezogen; denn ihr wisst doch, dass die Menschen zu jenen Zeiten nicht genau soundso viele Stunden arbeiteten im Tag. So zog Christus mit seinen Jüngern hinaus, und da und dort liess er sich nieder und verkündete das Wort Gottes. Es kam aber auch die Zeit, da sie Hunger hatten. Und es war nicht so, wie es die Menschen heute haben in Städten und Dörfern, wo sie so schnell etwas zu sich nehmen oder in einen Laden eintreten können. Jene Menschen damals sind oft weit gewandert und fanden keine Gelegenheit, sich zu verpflegen. Sie fanden nur die Früchte der Bäume.
Christus selbst konnte wohl lange fasten, er besass die Kraft zum Überwinden. Die Jünger waren es, die zuerst hungerten. Und so fragten sie den Meister: “Hast du uns nichts zu essen? Wir haben Hunger!” Und so kamen sie zu einem Feigenbaum, und sie sprachen zu ihm: “Siehst du, hier ist ein Feigenbaum, hier können wir sicher etwas zu essen finden”, obwohl sie wussten, dass es nicht die Zeit der Feigen war.
Sie hungerten und wollten Christus anderseits auf die Probe stellen. Die Jünger zweifelten, sie waren eben im Glauben noch nicht so stark. So wünschten sie von Christus ein Wunder zu sehen, dass der Baum – obwohl es nicht die Zeit dafür war – voll reifer Früchte sein sollte, damit sie sich satt essen könnten.
Da nun Christus ihnen immer so viel von seiner göttlichen Kraft bewiesen hatte, war er über die immer wiederkehrenden Zweifel der Jünger etwas missgestimmt. Und deshalb sprach er, dass der Baum keine Früchte mehr tragen und verdorren werde, weil sie keinen Glauben hätten. Ihr Glaube an die göttliche Kraft Christi war noch viel zu gering. Deshalb sagte er auch: “Wenn ihr Glauben hättet, könntet ihr Berge versetzen.” Es betrübte Christus, dass sie nicht voll und ganz an ihn und an seine göttliche Kraft glaubten.
So war es eine Mahnung für die Jünger. Deshalb durfte solches geschehen. Und so müssen zum Verständnis dieser Stelle die Worte über den Glauben miteinbezogen werden. Denn Christus hatte den Jüngern genug Beweise seiner Kraft gegeben, und doch wollten sie immer noch mehr sehen und glaubten nicht.
Auch so viele meiner Freunde hier – sie hören so viele Worte, die ihnen dienlich sind im Leben, und bald wieder zweifeln sie, ob es denn wirklich so ist, dass ein Geist auf diese Weise sprechen kann. Jahrelang hören sie zu ...
Würdest du uns noch etwas sagen zu diesem Ausspruch, dass man so fest glauben soll und in diesem Falle sagen könne: “Berg, hebe dich empor und wirf dich ins Meer!”?
Josef: Das ist bildlich so gemeint, dass der Mensch, der grossen Glauben hat, vieles tun kann und Kraft bekommt. Wie tief der Glaube eines Menschen ist, spielt eine grosse Rolle. Und ich kann euch nur sagen, geht in euch selbst und fragt euch einmal: “Wie stark ist mein Glaube? Was glaube ich? Wo zweifle ich? Wo bin ich meiner Sache sicher? Und was gefällt mir nicht oder kann ich nicht fassen?” Darüber sollt ihr einmal nachdenken. (1.7.1953)
Frage eines Lehrers: Auf welche Weise können wir am besten den lebendigen Gottesglauben in die Herzen der Kinder pflanzen?
Josef: Ja, der grösste Teil der Kinder ist sehr aufnahmefähig, und das Wort eines Lehrers bedeutet ihnen sogar oft mehr als das der Eltern. Sie betrachten den Lehrer oder die Lehrerin als eine gestrenge Respektsperson, vielleicht mehr als die Eltern. Denn die Eltern werden oftmals schwach, lassen ihnen so manches durch, wohingegen der Lehrer, der wohl in Liebe verbunden sein soll mit den Kindern, eher fähig ist, diese Strenge zu wahren, eben um die Achtung der Schüler ihm gegenüber aufrechtzuerhalten.
Wenn da ein Lehrer versucht, in die Herzen der Kinder einzudringen, so muss er ihnen das bringen, was für diese Kinderherzen verständlich ist. So möchte ich es ganz deutlich benennen: keine schwere Kost, sondern auf einfache Art und Weise. Das geschieht am besten über den Weg zu den Engeln, von den Engeln zu Christus, doch soll immer Gott im Vordergrund gehalten werden. Von ihm soll stets in grosser Ehrfurcht gesprochen werden, seine grosse Liebe soll man ihnen klarzumachen versuchen. Man soll ihnen aber nicht von einem strafenden, bösen himmlischen Vater erzählen!
Viel besser ist es, wenn man den Kindern – und damit meine ich jetzt die kleineren, die in den ersten Schulklassen – den Weg ebnet von den Engeln zu Christus, von Christus zu Gott. Und dann wird ihr Glaube lebendig. Man soll ihnen Erklärungen geben, die für sie verständlich sind, so wie sie es mit ihren Sinnen aufnehmen und verarbeiten können. (1955)
Lieber Josef, wie stellt sich die geistige Welt zur Gewalt und zum mangelnden Glauben in der heutigen Zeit – sieht sie einen Weg aus dieser Sackgasse?
Josef: Bestimmt, denn die Entwicklung geht ja vorwärts. Ich habe euch schon Erlebnisberichte gegeben von Menschen, die sich heute so schwer belasten, die aber in ihrem früheren Leben gläubig waren, sich für ihre Familien aufgeopfert und Verdienste erworben haben. Und das war ein Hinweis dafür, dass man dann trotzdem ganz plötzlich zu solchen Dingen fähig ist.
Ihr müsst immer auch daran denken: Die hohe Geisteswelt versucht die geistige Entwicklung beim Menschen zu fördern, ihn zu höheren Erkenntnissen zu bringen. Doch das ist ein geistiger Kampf. Wenn ihr heute Gespräche von Wissenschaftlern hört, wie sie das Geistige auf ihre Weise zu erklären suchen, es wissenschaftlich darlegen möchten, so kann dazu nur gesagt werden, dass das Geistige nicht auf diesem Wege erklärt werden kann.
Es ist ja noch ein grosser Schritt, bis sich auch nur ein Teil der Christenheit wieder mit dem Geistesglauben vertraut machen kann. Es wird immer noch dagegen gekämpft. Es sind gläubige, fromme Menschen, sie beten zu Gott, doch sie haben keine Vorstellung von Gott; und von Geistern darf man zu ihnen schon gar nicht sprechen, denn das wäre für sie etwas, was ja nur vom Teufel sein kann. Bis diese Ansicht einmal überwunden ist, geht es schon noch eine gewisse Zeit. Und bevor sich etwas unter den Menschen durchringt, wird der Kampf im Geistigen ausgetragen. Denn die niedere Geisteswelt hat das grösste Interesse daran, dass die Wahrheit so spät wie möglich unter die Menschen gebracht wird; also sie verhindert es, dass die Menschen die Wahrheit erkennen. Und diese niederen Mächte haben es ja eigentlich leicht, das zu verhindern. Sie haben doch die Gewalt auf dieser Welt und Macht.
Ihr müsst einmal selbst überlegen, worauf man als Mensch alles verzichten müsste und wie man sich im Umgang mit dem Mitmenschen überhaupt benehmen müsste, um wirklich zur höheren geistigen Erkenntnis zu gelangen oder, ich möchte jetzt sagen, um die hohen geistigen Erkenntnisse, die man zeitweise erhält, zu bewahren. Dafür müsste man sich eben auch im täglichen Leben etwas ändern. Denn es ist doch gerade beim geistgläubigen Menschen so, dass er gewisse Tage und bestimmte Stunden hat, da übersprudelt er sozusagen aus seinem Innersten heraus vor Güte und Aufmerksamkeit und Wohlwollen; dann kann aber doch plötzlich wieder etwas an ihn herankommen, und alles, was er für sich im Geiste aufgebaut hat, wird wieder vernichtet. Es kann etwas kommen, das sein Leben verändert – indem er beispielsweise sein Leben bequemer gestalten kann und die Äusserlichkeiten des Lebens für ihn von so grosser Bedeutung werden, dass er nicht bereit ist, darauf zu verzichten, und er dann im Geiste einen Rückschritt macht. Die niederen Geister haben auf dieser Welt eine Macht, und sie wissen genau, wie sie dem Menschen zu schmeicheln haben und wie sie ihn führen müssen.
Und so wird eben auch im Unsichtbaren, von Geist zu Geist, um den Menschen gekämpft. Die gute Geisteswelt ringt für sich, und die niedere Geisteswelt versucht das Ihrige zu tun. Und so kommt es darauf an, was für eine Entscheidung der Mensch trifft. Er spricht das letzte Wort, er entscheidet durch seinen Willen, auf welche Seite er sich neigen will, was er tun will. Es ist immer der Mensch, der entscheidet, und darüber muss man sich im Klaren sein.
Sowohl die Geister Gottes als auch die niederen Geister haben die Möglichkeit, Einfluss auf den Menschen zu nehmen. Aber an ihm selbst liegt es, die Entscheidung zu treffen. Denn es gibt Stunden, wo gute Geister die Möglichkeit haben, einen Menschen voll und ganz in Besitz zu nehmen und ihn zu führen; aber diese Möglichkeit hat auch die niedere Geisteswelt. Und es gibt Zeiten, wo weder die niedere noch die hohe Geisteswelt Macht über den Menschen hat, sondern wo er ganz allein dasteht und selbst, aus seinem eigenen, inneren Willen heraus, entscheiden muss. Er muss entscheiden, wohin er sich wendet. Und das gehört eben zur Entwicklung des Menschen. Das ist ein Gesetz Gottes. Darüber muss man sich auch im Klaren sein. Denn wer diese geistigen Gesetze eben nicht kennt, der steht vor vielen Rätseln. Er fragt sich: “Warum ist es denn so, und warum hätte es nicht anders sein können?” Und, sagen wir, wenn man Jahre hindurch mit dieser geistigen Lehre vertraut geworden ist, sollte man diese Gesetze kennen und wissen, aus welchem Grunde dieses oder jenes geschieht. (12.2.1975)
Lieber Josef, wie soll man sich einem Sterbenden gegenüber benehmen, der den Glauben an Gott hat, und wie gegenüber dem, der keinen Glauben hat?
Josef: Mit beiden soll man beten. Der da glaubt, hilft mit im Geiste; der, der keinen Glauben hat, er betet nicht, er hört stumm zu. So kann er aber gleichwohl das Gebet aufnehmen. Denn in den letzten Stunden seines irdischen Lebens ist der Geist doch teilweise schon gelöst vom Körper, und so kann der Mensch mit seinen ihm noch verbleibenden Kräften dieses Gebet aufnehmen, das ihm eine angenehme Schwingung bedeutet.
Für einen gläubigen Menschen ist es nicht schwer zu sterben, sofern er wirklich an Gott glaubt, wenn er das Vertrauen zu Gott hat und um die Herrlichkeit weiss, die seiner wartet. Wenn er ein gerechtes Leben geführt hat, freut sich der Geist, in die himmlische Schönheit eingehen zu dürfen. Der Geist weiss, was seiner wartet, ob Schönheit oder Busse. (1953)