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Woher kommen die Impulse zu einem guten oder zu einem schlechten Gewissen? – Die Gesetzgebung Gottes ist mit jeder Seele verbunden – Das Gewissen ist ein Lehrmeister des Menschen

Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 6/2017 zum Thema Gewissen
Geistige Welt 6/2017
Gewissen
Beschreibung

Der Mensch hat in seinem Innern eine leise Stimme, die ihn in seinem Handeln leitet. Sie lobt ihn und gibt ihm ein gutes Gefühl, wenn er etwas Gutes vollbracht hat; und sie tadelt und mahnt, wenn er etwas Übles verrichten will oder bereits verübt hat. Es ist das Gewissen, das in dieser Weise als ein geistiger Lehrmeister und Wächter waltet. Wie aber funktioniert das Gewissen? Wie ist es möglich, ein gutes oder ein schlechtes Gewissen zu haben? Wer gibt dem Menschen die Impulse, die seelischen Gefühle dazu? Die Vorträge in diesem Themenheft geben Auskunft über die Funktionsweise der leisen Stimme im Innern des Menschen. Geistlehrer Josef unterrichtet über die Verbindung, die von der allgemeinen Gesetzgebung Gottes zu jeder Seele besteht. Der eigene Geist des Menschen, seine Seele, weiss genau Bescheid über Recht und Unrecht. So meldet sich die Seele, je nach dem Handeln des Menschen. Anderseits ist es die Geisterwelt Gottes, die zum Menschengeist spricht. Es sind die persönlichen Schutz- und Führergeister, die ihm Lob oder Tadel übermitteln. Das Themenheft unterrichtet über die Notwendigkeit, das Gewissen zu schulen und fein auszubilden. Es wird auch erklärt, weshalb gewisse Menschen kein Gewissen haben, weshalb sie diese innere Stimme nicht vernehmen können.

Themenheft 6/2017: Das Gewissen

Inhalt
Die Gesetzgebung Gottes ist mit jeder Seele verbunden

Josef, 5. Dezember 1964

Die Gesetzgebung Gottes ist mit jeder Seele verbunden

Wie funktioniert das Gewissen des Menschen? Wie ist es möglich, ein gutes oder ein schlechtes Gewissen zu haben? Wer gibt dem Menschen die Impulse, die seelischen Gefühle dazu?

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Adventslichter leuchten, Geschenke werden zusammengetragen, Vorbereitungen zum heiligen Weihnachtsfest werden gemacht, damit man dann seinen Lieben Freude bereiten und sie überraschen kann. Ein grosses, wohl das grösste Geschenk, das Gott der Menschheit geben konnte, war, dass er seinen eingeborenen Sohn Mensch werden liess, um sie von der Sünde des Abfalls zu befreien. Es ist dies ein grosses Geschenk, das Gott der Menschheit gegeben hat. Die Menschen sind durch die Erlösung Jesu Christi wieder frei geworden; sie können wieder zurück ins Vaterhaus.

Nun kommt wieder das heilige Weihnachtsfest, und man erinnert sich wieder an die Geburt des Herrn. Und aus Freude darüber will man selbst dem andern Freude bereiten. Gott hat aus übergrosser Gnade und Liebe seinen Sohn Mensch werden lassen. Und nun sind es die Menschen, die Christen, die aus Dankbarkeit über diese grosse Gnade unter sich selbst einander beschenken, aus Freude, dass Gott dieses Wunderbare geschehen liess. Man will seine Dankbarkeit zeigen, man möchte damit zum Ausdruck bringen: “So wie Gott uns beschenkte, möchten auch wir die Unsern zu diesem Anlass beschenken und ihnen zu seiner Erinnerung auch Freude und Frieden bringen.” Wenn die Christenheit dieses Fest feiert, sollte sie es auch als ein Fest des Friedens betrachten, für den Frieden der eigenen Seele. Die Christen sollten besorgt sein dafür, dass diese Friedensbotschaft, die dazumal verkündet wurde, in der eigenen Seele wieder erneuert wird, dass man durch diese Botschaft wieder gestärkt wird. Man soll versuchen, in sich den Frieden auch wieder zu erweitern und auch in Ordnung zu bringen, was in Unordnung ist, um so dieses Fest wirklich aus einer inneren Freude heraus feiern zu dürfen.

Es gibt so viele Christen, die dieses Fest oberflächlich feiern. Sie denken nicht daran, dass sie dereinst dem König der Geisterwelt gegenüberstehen müssen. Sie denken nicht daran, dass er für sie so unendlich viel getan hat und sie dankbar sein müssen. Ja sie denken eben nicht daran und glauben auch nicht, dass man ihm begegnen wird, dass das Leben nach diesem irdischen Tode weitergeht. Viele Christen können es nicht fassen. Immer wieder werden dieselben Botschaften verkündet. Doch wir Geister Gottes knüpfen die Verbindung umso enger zu jenen, die diesen Glauben haben, die mit uns verbunden sind und die noch heute auf die Gnade hoffen, daran glauben, dass sie kommt. So wie einst die Gnade ausgegossen wurde über die ganze Menschheit, so kann sie im Kleinen beim einzelnen Menschen Einzug halten. Wie viele leben in ihren Sorgen und Problemen. Und von niemandem haben sie eine Hilfe zu erwarten. Gott ist es, der ihnen helfen kann.

Nun, liebe Geschwister, die vorweihnachtliche Zeit ist eine besondere Gnadenzeit. In dieser heiligen Zeit sollte man eben die Geisterwelt Gottes bitten, dass sie sich um einen besonders annimmt. Denn mehr als sonst macht sie ihre Aufwartung bei den Menschen und ganz besonders bei jenen, die mit ihr eng verbunden sind. Es ist ja gerade diese heilige, vorweihnachtliche Zeit, die es den Jenseitigen ermöglicht, ihre Angehörigen aufzusuchen. In diesen heiligen Tagen ist es manchem gestattet, das heilige Fest mit den Seinen zu feiern, neben ihnen zu sitzen, neben ihnen zu stehen, sich mit ihnen glücklich zu fühlen, mit ihnen zu beten und zu singen, so wie es euch schon erklärt wurde. Diese heilige Zeit eignet sich besonders gut dafür, seine Sorgen und Probleme der Geisterwelt Gottes und Jesus Christus anzuvertrauen. Sie werden das Ihrige tun. Durch diese vielen Erklärungen, die ihr schon gehört habt, wisst ihr auch: Wenn man euch für würdig befindet, wenn ihr eurerseits das Notwendige geleistet habt, dass man euch helfen kann und darf, dann wird auch die Gnade zu euch kommen.

Nun, liebe Geschwister, ich möchte euch in dieser Stunde etwas erklären, was euch schon so oft beschäftigt hat, und man hat mich darum gebeten, ich möge die Erklärung dafür geben. Es handelt sich um das Gewissen. Das Gewissen könnt ihr nicht sehen, ihr könnt es fühlen. Man kann nach diesem Gewissen suchen, man findet dieses Gewissen. Aber es ist nicht in der handfesten Art zu finden und zu erleben, zu spüren, wie Menschen es glauben. Ihr wisst doch, dass es sowohl ein gutes Gewissen geben kann als auch ein schlechtes und, wie ihr sagt, überhaupt kein Gewissen. Im Weiteren darf man jene Menschen nicht vergessen, die man als nicht zurechnungsfähig betrachtet und die man für ihre Persönlichkeit nicht verantwortlich machen kann. Wenn Menschen, die irre geworden sind, auch ein Verbrechen verübt haben, so können sie für ihre Tat nicht verantwortlich gemacht werden. Sie werden einer Bestrafung, wie sie sonst bei den Menschen üblich ist, vielleicht auch entgegengehen; man wird sie internieren. Man sondert sie aus der menschlichen Gesellschaft aus, damit sie keinen weiteren Schaden anrichten können.

Aber nun, liebe Geschwister, zum guten Gewissen. Wenn jemand angeklagt wird, wegen irgendetwas, und er fühlt sich schuldlos, so hat er ein gutes Gewissen. Und er wird sagen: “Ich habe ein gutes Gewissen. Ich kann sagen, was ich getan, was ich gesprochen habe. Ich habe ein gutes Gewissen.” Er ist also unbelastet, und er kann von diesem guten Gewissen sprechen. Und warum kann er von diesem guten Gewissen reden?

Die Seele des Menschen, sie gibt diese feinen Gefühle zum Ausdruck. Die Seele ist es, die diese Impulse ausströmt. Und die Seele ihrerseits, sie steht unter der Ordnung Gottes. Über ihr schwebt die Ordnung Gottes. Über dieser Ordnung Gottes stehen wiederum Geister. Es sind jene Wächter, die dafür besorgt sind, dass diese Ordnung in Erfüllung geht. Aber: Von der allgemeinen Gesetzgebung Gottes besteht eine Verbindung zu jedem Menschen, zu jeder Seele. Diese göttliche Gesetzgebung bedeutet für den Menschen Schutz und Sicherheit. Ich möchte es vergleichen mit der Bekleidung des Menschen. Die Bekleidung gibt dem Menschen Schutz und Sicherheit. Aber man darf nicht unerwähnt lassen, dass trotz Kleidung, trotz dieser Sicherheit, die durch diese Kleidung dem Menschen gegeben wird, der Körper seinen Schaden nehmen kann. So ist es mit dieser Gesetzgebung, die mit der Seele des einzelnen verbunden ist: Trotzdem dass sie über diesen Menschenseelen ist, kann die Seele Schaden nehmen. Sie wird aber weniger Schaden davontragen, als wenn diese Gesetzgebung nicht vorhanden wäre.

Über die Ordnung, über diese Gesetzgebung wachen Geister Gottes. Geister Gottes mahnen den Menschengeist, sie tadeln ihn, wenn er etwas falsch gemacht hat. Sie loben ihn, und sie belohnen ihn, wenn er etwas Gutes gemacht hat. Diese Belohnung wird wiederum durch die feinen Gefühle der Seele ausgelöst. Es sind diese Impulse, die ausschlagen und die im Menschen das Gefühl von Freude und Seligkeit auslösen. Ein Vergleich – ihr Menschen sagt manchmal im Volksmund: “Du hast mir jetzt aus der Seele gesprochen”, oder ihr sagt: “Du hast mich bis in die Seele hinein beleidigt. Du hast mich bis in die Seele hinein verletzt.” Das sind Aussprüche, die dann und wann von Menschen ausgesprochen werden. Die Seele ist es, die in Beziehung mit diesem Gewissen steht. Die Seele löst diese Gefühle aus. Ihr selbst durftet es doch schon erleben, wenn ihr etwas Gutes getan habt: Welch Freude ist über euch gekommen, welch Glücksgefühl; ihr konntet es nicht beschreiben. Ihr hattet, wie man sagt, auch ein gutes Gewissen und eine unbeschreibliche Freude. Die Seele ist es. Zu Geist und Seele wird gesprochen, wird gemahnt und getadelt; und dieser Tadel oder diese Lobesworte kommen wie ein Echo durch diese Gefühle der Seele zum Menschen.

Der Geist des Menschen weiss über mehr Dinge Bescheid als der äussere Mensch. Denn der Geist des Menschen kann sich in der Zeit, in der sein Körper ruht, mit andern Wesen befassen. Da nützt der Geist die Möglichkeit aus und bespricht sich mit Geistern Gottes. Er kann auch mit andern in Verbindung kommen, mit uneingereihten Geistern. Aber auch hier waltet die Ordnung Gottes, und sie wird nichts zulassen, was diesem Menschengeist Schaden zufügen könnte. Ordnung herrscht in allen Dingen.

Betrachten wir nun das schlechte Gewissen. Der Mensch, der eine Schuld mit sich trägt, wird nun von dieser Gesetzgebung erfasst. Diese geistige Gesetzgebung beschreibt auf der einen Seite das, was es zum geistigen Aufstieg braucht, auf der anderen Seite das, was man tun und was man lassen muss, um sich nicht zu belasten. Es ist wohlgeordnet. Euch habe ich immer wieder erklärt: In eurem menschlichen Leben tragt ihr selber die Bausteine zusammen für euer jenseitiges Haus; ihr selbst webt in eurem Leben die Stoffe für eure Gewandung, die ihr dereinst in der andern Welt tragen müsst. Wie kann so etwas zustande kommen, dass alles, was man tut, aufbewahrt bleibt? Es ist von Gott in der Ordnung geschaffen; es ist eine Kraft, man nennt sie die odische Kraft, die alles Geschehen wie einen Film aufnimmt. Diese odische Kraft kann zu jeder Zeit wieder das Bild zurückgeben, wenn es sein muss. Und die Seele des Menschen ist mit dieser Odkraft eingehüllt. Sie nimmt alles auf und bewahrt es. Jedes Wort, jede Tat, jeder Gedanke, alles nimmt die Seele auf und bewahrt es auf unbestimmte Zeit. Dieses ist in der Ordnung Gottes so wunderbar geschaffen.

Wenn ein Mensch nun ein schlechtes Gewissen hat, weil er eine böse Tat verübt hat, dann wird er in erster Linie einmal in der Seele durch seine Untat geprägt. Es sind nun diese seelischen Gefühle, diese Impulse, die durch den Menschen gehen und ihm Angst und Qual verursachen; denn es ist aus der Unordnung geschehen. Dieses Od ist so dicht, so beschaffen, dass es die Gefühle, die Sinne des Menschen derart beeinflussen kann, dass dieser Mensch in Angst und Unruhe versetzt wird. Anderseits ist es die Geisterwelt Gottes, die auch das Ihrige dazutut. Während die Beeinflussung der Seele durch das verdichtete Od sich von selbst vollzieht, nach dem Gesetz, gehen die Geister Gottes, die um das Heil des Menschen, um seinen Aufstieg bemüht sind, zu ihm heran und sprechen mit dem Menschengeist. Während ein Geist Gottes sich mit dem Menschengeist unterhält und ihm zuspricht, Ordnung zu machen, zu verbessern, was möglich ist, und zu bekennen, da fängt das Gewissen an zu wanken – wenn man mit euren Begriffen reden darf. Durch diese Inspiration, durch diese Einsprache des höheren Wesens dringt in die Seele des Menschen eine hellere Kraft, ein besseres Od, das seinerseits wiederum andere Impulse durch den Menschen bringt und ihn drängt, zu der Untat zu stehen, Ordnung zu machen. Das Gewissen plagt ihn, wie er sagt. Und der Geist Gottes kann ihm so lange keine Ruhe lassen, bis er es in Ordnung gebracht hat. Der Geist Gottes versucht, den Menschen zu beeinflussen, damit er wieder Ordnung in sein Seelenleben bringt.

Böse Geister haben auch die Möglichkeit, in den Menschen einzudringen, ihn zu beeinflussen. Denn es heisst: “Ein Geist des Unwillens sprach aus ihm. Ein Geist des Unfriedens sprach aus ihm. Ein böser Geist wurde aus ihm vertrieben.” So könnt ihr sehen, dass Geister einen Einfluss auf den Menschen haben. Dies brauche ich nicht besonders zu betonen. Wenn es aber darum geht, einem Menschen zu helfen, ihm den Beistand zu geben, und die gute Geisterwelt sich seiner annimmt, ihn aufrüttelt, so geschieht dies doch, um ihn den Höhen zuzuführen. So tut einerseits die Geisterwelt Gottes, was sie nur kann.

Nun kommt aber der andere Punkt: Jeder Mensch hat seinen freien Willen. Er kann aus übler Gesinnung oder aus Angst diese Ordnung nicht zustande bringen. Er trägt sein schlechtes Gewissen mit sich herum, weil er zu feige ist, zu bekennen, was er falsch gemacht hat. Der Grund dafür kann in der eigenen, persönlichen Schwachheit, in der Feigheit liegen. Es kann aber auch sein, dass er von der niederen Geisteswelt beeinflusst wird, die Wahrheit zu verschweigen. Aber über allem steht sein freier Wille. Die gute Geisterwelt schüttelt und rüttelt ihn, die Wahrheit zu sagen, denn er wird ja geplagt von Unruhe und Ängsten, und es ist ihm erst dann wieder wohl, wenn er die Wahrheit hervorgebracht hat. Wenn er Ordnung geschaffen hat, dann ist es ihm wieder wohl zumute, obwohl die Last auf ihm liegt – aber er sagt: “Ich habe mein Gewissen befreit.”

Nun gibt es Menschen, von denen ihr sagt, sie hätten überhaupt kein Gewissen. Das sind jene, deren Seele keine Möglichkeit hat, ihre feinen Impulse durch den Menschen zu bringen, da sie von düsterem, dichtem Od derart eingehüllt ist, dass das geistige Od der göttlichen Gesetzgebung nicht durchdringen kann. Auch wenn ein Geist Gottes einem solchen Menschen helfen will und sich ihm zur Verfügung stellt, ihn mahnt und tadelt, können seine Worte beim Menschen nicht zum Durchbruch kommen. Das höhere, bessere Od des guten Geistes kommt nicht zum Durchbruch, weil die Seele des Menschen so verdichtet ist in unreinem Od, weil Last auf Last, Laster auf Laster auf ihr liegen.

Nun mag es aber trotzdem vorkommen, dass es Tage gibt, wo dieser schwer Belastete sich hinterfragt und sich doch schuldhaft vorkommt. Wenn er aber so tief gesunken ist, braucht es für ihn unendlich viel, sich von dieser schweren Last zu befreien. Denn nicht im Fluge löst sich dieses schmutzige, verdichtete Od über seiner Seele. Denn nicht von einer Stunde auf die andere vermag sich ein Mensch zu wandeln, der so tief gesunken ist. Es mag Ausnahmen geben. Es mag vorkommen, dass durch die Hilfe, durch das Zureden eines gewissen Mitmenschen vieles geleistet und beseitigt werden kann. Das ist aber eine grosse Leistung, wenn ein Mensch es vollbringt, einen andern aus der Tiefe, aus der er kommt, in der er steht, erheben zu können; wenn er ihm helfen kann, sein Gewissen zu erleichtern. Denn alles, was der so tief Gesunkene begangen hat, das lastet in seiner Seele. Er wird dafür zur Rechenschaft gezogen, denn seine Taten löschen nicht aus. Aber er wird in eine andere Verbindung mit der göttlichen Gesetzgebung kommen, wenn er reuig ist. Auch ein Gefallener kann doch reuig werden, er kann wahrhaftig reuig werden. Und die Geisterwelt Gottes entscheidet ja, was dann diesem oder jenem Menschen an Schuld nachgelassen wird. Durch seine Reue schafft er sich ein anderes Verhältnis zur Gesetzgebung. Er wird sich also bemühen, das Gesetz nicht mehr zu übertreten. Er kommt also in die Ordnung Gottes hinein. Und damit leistet er doch schon etwas Bedeutendes – er kommt in die Ordnung Gottes hinein.

Es ist vielleicht für euch Menschen schwer, diese Erklärung sofort zu begreifen. Ihr sollt aber wissen, dass diese Gesetzgebung in der Verbindung mit eurer Seele ist und dass die Seele alles in sich aufnimmt und aufbewahrt. Und wenn die Seele zur Gesetzgebung im harmonischen Verhältnis steht, so darf man vom guten und ruhigen Gewissen sprechen. Dieses gute Gewissen löst doch eine Freude aus beim Menschen, macht ihn glücklich. Alle Wesen werden glücklich, wenn sie in die Ordnung Gottes eingetreten sind. Denn in der Ordnung Gottes ist das Glück zu finden. Dort ist die Gnade, die Liebe, das Verständnis, die Hingabe, die Aufopferung – dies alles, alles findet man in der Gesetzgebung Gottes, in seiner Ordnung. Man kann es Menschen vom Antlitz ablesen, wenn sie glücklich und zufrieden sind; denn das Glück, das Gefühl des Friedens kommt aus ihrer Seele heraus, so wie ihr sagt: “Du hast mir aus der Seele gesprochen.” Die Seele empfindet es. Die Seele kann überaus glücklich sein. Und dieses Glück spiegelt sich im äusseren Wesen des Menschen.

Nun, diese vorweihnachtliche Zeit ist eine Zeit der Gnade für euch Menschen, das betonte ich am Anfang. Sie ist es aber nicht nur für euch Menschen, sondern die Gnade weht auch in der göttlichen Welt, und kein Mensch kann bestimmen von sich aus, was Gott gefallen soll oder nicht. Die Geisteswelt ist es, die den Willen Gottes erkennt, denn sie sieht die göttliche Gesetzgebung vor sich. In dieser Gesetzgebung Gottes ist auch die Gnade verankert, denn Gott gab doch aus seiner grossen Gnade und Liebe dieser Menschheit seinen Sohn, damit sie erlöst werde von der Sünde des Abfalls; die Menschen auf dieser Erde sollten befreit werden.

Diese Gnade dauert an. So wie das ewige Licht leuchtet in alle Zeiten, so leuchtet auch die Gnade Gottes in alle Zeiten. Wiederholt habe ich euch von den verschiedenen Heimgekehrten berichtet, was sie alles erlebten, wie man ihnen begegnete. Nun möchte ich euch von einer Seele erklären, die sich im menschlichen Leben sehr belastet hatte, und zwar durch ihr fanatisches Wesen und durch Gewaltsamkeit. Fanatische Menschen sind meistens gewaltsam; auch wenn beim einen diese Gewaltsamkeit nicht bösartig ist, so versuchen fanatische Menschen aber doch gewaltsam, dem andern die Meinung aufzuzwingen. Und das steht im Widerspruch zur Ordnung Gottes. Denn Gott gibt dem Menschen den freien Willen, selber zu entscheiden. Was Gott gegeben hat, ist so bedeutend. Und darum: Wenn er den Menschen auf Erden und den Wesen der göttlichen Welt den freien Willen lässt zu ihrer freien Entscheidung, so muss sich auch der Mensch daran halten. Was Gott Gesetz ist und was er achtet, das muss auch sein Geschöpf achten. Und so belastet sich derjenige, der anfängt andere zu zwingen, anzunehmen, was seine Meinung ist.

So ist es diesem Heimgekehrten ergangen. In religiöser Richtung hatte er sich betätigt, und anstatt dass er auf Erden für seinen Aufstieg gewirkt hätte, hatte er für seine Verbannung gearbeitet. Denn man kann nicht andern den Willen aufzwingen, sei es auf diese oder jene Art. Nun wurde dieser Bruder gebannt, und es wurde ihm klargemacht, was er falsch gehandelt hatte. Er sah es ein, denn als Geist in der göttlichen Welt war er einsichtiger. Und so erklärte er sich auch bereit, alles auf sich zu nehmen, so viel wie nur möglich zu tun, um aus seiner Verbannung herauszukommen. Er bat darum, man möge ihn befreien; er würde dann eine Aufgabe erfüllen, die man an ihn stellen würde, gleich welcher Art – nur aus der Verbannung kommen, das möchte er. So bat er Gott um Vergebung für das, was er falsch gemacht hatte.

Auch zu diesem Bruder in seiner Verbannung kamen die Engel Gottes und die hilfreichen Geister, und sie erklärten ihm: “Nach menschlicher Zeitrechnung feiert man das Christfest.” Sie beteten und sangen bei ihm und gaben ihm zu verstehen, dass diese weihnachtliche Zeit eine Gnadenzeit sei. Dann bat er die Geister, die ihn besuchten, man möge doch auch über ihn die Gnade kommen lassen. Und wahrhaftig, man holte ihn aus der Verbannung. Denn in der göttlichen Welt ist man zur Freude und zum Jubel zusammengetreten, und die Christenheit erinnert sich an die Geburt Christi, und aus Anlass dieser Erinnerung sollte den Menschen wie den Geistern des Jenseits Gnade zuteilwerden.

So durfte dieser Bruder im Aufstieg eine Stufe weiter hinauf treten und von dort aus seine Aufgaben erfüllen. Dort fühlte er sich so glücklich, gelöst und befreit. Er hatte hier die Möglichkeit, mit andern Geschwistern zu reden, und er hatte viel mehr Zugang zu den Engeln Gottes. Er war glücklich, nach so langer Zeit befreit worden zu sein. Und so jubelte es in ihm, und er freute sich, denn seine Seele war geläutert worden, denn er hatte sich im Denken gewandelt. Gestärkt ging er aus dieser Läuterung hervor, gereinigt von seinem falschen Denken, das bei seiner Heimkehr noch auf seiner Seele gelastet hatte. Befreit von alldem war er nun, und er konnte sich jetzt einer neuen, einer besseren Aufgabe hingeben. So war er glücklich und dankte für die Gnade Gottes.

Liebe Geschwister, ich versuche noch welche Botschaften zu geben.

Ein männlicher Geist, mittelgross, mit einem Schnurrbart, von Beruf war er Gerber. Er lebte nicht immer in Frieden mit den Seinen, und er liebte auch den Alkohol. Dadurch war viel Unfriede in die Familie gekommen. In der göttlichen Welt hatte er es am Anfang schwer, sich zurechtzufinden. Aber nun hat ihn die Ordnung Gottes erfassen können; er ist zufrieden und glücklich und spricht seinen Segen und den Gruss über die Seinen aus.

Ein weiterer Mann, er zeigt sich in einer grünen Schürze. Von Beruf war er Maler. Er hatte jeweils die Kirchenfenster bemalt. Er hatte ein gütiges Wesen. Er liebte die Seinen und ist in eine selige Welt eingekehrt. Auch über diese Familie wird Gruss und Segen ausgesprochen.

Und noch der Gruss einer Frau und Mutter. Sie hatte in ihrem Hause einen Webstuhl. Durch ihre Arbeit und durch ihren Verdienst konnte sie in der Familie und in der Umgebung viel Freude bereiten. Auch sie ist von der Ordnung Gottes erfasst, auch sie lebt zufrieden und glücklich und will den Segen und Gruss übermittelt wissen.

Es sind noch viele von der Gemeinschaft, die ihren Gruss und ihren Segen über ihre Angehörigen sprechen möchten. Sie sind in dieser Stunde und dann in der heiligen Feier des Abendmahls dabei. Sie versuchen, euch zu betasten, in eure Nähe zu kommen. Und sie stehen schützend und segnend über den Ihrigen.

So, liebe Geschwister, möge die Gnade euch alle erfüllen. Mögen die, die krank sind, gesunden. Mögen denjenigen, die Probleme haben, diese Probleme gelöst werden. Mögen jene, die den Frieden suchen, den Frieden erhalten. Sie alle stehen unter der Gnade. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 5.12.1964 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen und Erläuterungen

Josef, Fragebeantwortung vom 9.12.1964 und Ausschnitt aus dem Vortrag vom 26.2.1972

Fragen und Erläuterungen

Lieber Josef, du hast am letzten Samstag über das Gewissen gesprochen [siehe den voranstehenden Vortrag vom 5. Dezember 1964]. Du hast uns in diesem Vortrag erklärt, dass die Seele diese feinen Gefühle zum Ausdruck bringt, die auf den Menschen einwirken. Spielt es dabei eine Rolle, was für eine Erziehung ein Mensch genossen hat beziehungsweise durch welche gesellschaftlichen Verhaltensweisen er geprägt wurde?

Josef: Jawohl, auch das. Was sich in der Umwelt abspielt – besonders die Erziehung des Kindes –, ist doch so wichtig, denn das Kind nimmt die Belehrungen an beziehungsweise sollte diese Belehrungen annehmen. Es kommt ganz auf die Sorgfalt der Erziehung an, ob Eltern vermögen, auf das Kind so einzuwirken, dass es die Seele verfeinert. Denn die Erziehung hat ja den Sinn, dass das Kind zu einem besseren Leben oder zu einem guten Leben gelenkt wird.

Die Erziehung, die ganze Umgebung hat selbstverständlich einen Einfluss auf die Seele. Zu einem grossen Teil, wenn auch nicht ausnahmslos, könnt ihr folgende Beobachtung machen: Wenn Eltern für ihre Kinder leben und Zeit für ihre Kinder haben, sie in Ruhe zu erziehen, dann haben sie etwas Grosses geleistet. Sie haben dann an der Erziehung der Seele des Kindes mitgearbeitet.

Wenn Eltern für ihre Kinder keine Zeit haben und ihnen die Erziehung gleichgültig ist, wenn sie es selbst nicht gewissenhaft nehmen mit Recht und Unrecht, dann vermögen sie auch keinen Einfluss auf das Kind auszuüben. In einem solchen Falle wird das Kind eben das in der Umgebung aufnehmen, was ihm am nächsten liegt und was ihm gerade passt. Wenn aber Eltern in Sorgfalt und in Hingabe ihr Kind erziehen, gibt diese Erziehung dem Kinde und der Seele einen Schutz.

Natürlich kann es auch so sein, dass Eltern mit grosser Liebe an die Erziehung ihrer Kinder gehen und das Kind trotzdem nicht gehorsam ist. Dann wisst ihr aus eurer geistigen Erkenntnis, dass es sich hier um einen Geist handelt, der von unten kommt. Einem solchen Kind etwas beizubringen, ist eben schwer, denn der niedere Geist ist noch nicht so empfänglich – er ist nicht bereit, willig, etwas anzunehmen.

Ein aufsteigender guter Geist ist hingegen bereit, Gehorsam zu zeigen. Da er eben willig und gehorsam ist, trägt er vieles zum Heil seiner Seele bei, während ein niederes Wesen eben widerspenstig und voller Widersprüche ist. In dessen Seele liegt eben dieser Ungehorsam, diese Disharmonie. Ein solcher Geist vermag nichts zuzugeben, vermag nicht zu gehorchen. Dann ist es natürlich für die Eltern schwer, ein solches Kind zu erziehen.

Lieber Josef, du hast auch vom schlechten Gewissen gesprochen und dargelegt, wie ein Mensch von seinem Gewissen geplagt werden kann; er fühlt sich gedrängt, eine schlechte Tat zu bekennen, um in seinem Innern wieder Ordnung zu schaffen und frei und entlastet zu sein. In diesem Zusammenhang haben wir uns gedacht, dass die Beichte in der katholischen Kirche in gewissem Sinne doch auch einen Vorteil hat.

Josef: Bei den ersten Christen war es doch so, dass sie zum Vorsteher gingen, der die Gemeinde führte, und man ihm diese Anliegen vorbringen konnte. Er war ja selbst medial und von der Geisteswelt als Vorsteher der Gemeinde gewählt worden. Dann konnte dieser Vorsteher dem Beichtenden, sagen wir jetzt, Ratschläge geben. Er konnte ihm sagen, ob Gott ihm die Sünde vergeben hätte und was er zu tun hat. So fand dann der eine eben Erleichterung. Der Vorsteher konnte also offenbaren, was der Betreffende an Unrecht getan hat, was ihn beschwert und belastet. Und der Beichtende selbst konnte sogleich die Antwort in Empfang nehmen, was er eben wieder tun müsste zu seiner Erleichterung.

Dieses wurde ja dann von der katholischen Kirche eben so übernommen. Aber sie hat es nicht im richtigen Sinn übernommen – sie hat die Beichte zur Pflicht gemacht. Dadurch hat sie natürlich vieles falsch getan, indem sie die Menschen dazu gezwungen hat. Die Kirche hat dies als ein Sakrament erklärt und die Menschen gezwungen. Sie hatte für sich selbst einfach das aufgestellt, was ihr diente und ihre Macht verbreitete.

Lieber Josef, du hast in deinem Vortrag auch kurz angetönt, dass es geisteskranke Menschen gibt, die unzurechnungsfähig sind und überhaupt kein Gewissen haben. Kannst du uns Näheres dazu erklären?

Josef: Es wäre noch zu erwähnen, dass man jene irren Menschen, die man zur Behandlung in Anstalten oder Kliniken einweist, nicht verantwortlich machen kann, wenn sie etwas Falsches getan haben, das heisst, wenn festgestellt wird, dass ein Mensch eben irre, also psychisch krank ist.

Der grosse Teil der Menschen von heute will nicht zugeben, dass dieses Irresein zum grössten Teil eben eine Besetzung durch einen andern Geist ist. Ein solcher Mensch ist dann nicht mehr Herr über sein Denken, weil der andere Besitz von ihm genommen hat und eben den ganzen menschlichen Apparat des Betroffenen stört. So kann ein solch besetzter Mensch nicht verantwortlich gemacht werden für sein Leben oder für seine Tätigkeit. Man kann ihm auch nicht zumuten, dass er sich nun im Leben zurechtfindet. Man muss ihm also einen Beistand geben.

Eigentlich sollte dies die Menschen schon näherbringen, zu erkennen, dass in einem solchen Menschen ein anderer Geist oder mehrere andere Geister sind, die eben diesen Menschen besetzt halten. Auf diese Weise kann das Gewissen eines solchen Menschen überschattet werden, wenn er von einem Geist oder mehreren Geistern geplagt wird. Er kann ja in einem solchen Fall gar nicht über sein Gewissen verfügen. Es sind ja die andern, die eben sein Gewissen überschatten – sie haben den Menschen, seine Seele, an sich gekettet. Die Seele ist nicht frei, sie bleibt gekettet an jene Geistwesen, denen es möglich geworden ist, in den Leib eines solchen Menschen einzutreten.

Menschen, die ein gesundes Denken haben dürfen, sollten dafür auch wirklich dankbar sein. Und es sollte eben der Menschheit eine Antwort sein, dass jene, die irre sind und die behaupten, eine ganz andere Person zu sein, dass in ihnen wahrhaftig ein fremdes Geistwesen Besitz genommen hat.

Es könnte vielen in den Kliniken geholfen werden, wenn man mit ihnen beten würde – besonders wenn lange Behandlungen nicht helfen, die die Ärzte ausführen. Es sollten eben nicht nur Ärzte, die medizinisch geschult sind, solche Kranken betreuen; sondern es sollte so sein, dass mediale Menschen zu diesen Kranken den Zugang bekommen. Sie sollten mit ihnen zusammen sein und beten, damit sie etwas, nur etwas, vom früheren Seelenleben erkennen können – oder erkennen, was für Wesen es sind, die sie gefangen halten. Es ist noch ein langer und schwerer Weg, bis es so weit kommen wird und die Menschheit bereit ist, anzuerkennen, dass ein fremdes Wesen Besitz vom Menschen nehmen kann.

Wenn klar wird, dass man einen Menschen inspirieren kann – dass ein Mensch diese Inspirationen von oben erhält –, so sollte es doch klar werden, dass er nicht nur eine Inspiration zum Lösen seiner Probleme erhält, sondern dass er auch von Wesen inspiriert und gefangen werden kann, die ihm Schaden zufügen. Wenn man das eine anerkennt, so muss man auch bereit sein, das weniger Gute anzuerkennen. Wenn man Ja dazu sagen will, dass man eine gute Inspiration erhalten hat, so sollte man auch Ja dazu sagen können, dass es genauso möglich ist, dass man von der niederen Geisteswelt gefangen gehalten wird, und zwar so, dass eben der Mensch nicht mehr fähig ist, selber über sich schalten und walten zu können. (9.12.1964)

Im Vortrag vom 26. Februar 1972 sprach Geistlehrer Josef von den Voraussetzungen, um die leise Stimme des Gewissens vernehmen zu können.

Josef: Der Geist des Menschen hat viel höhere Einsichten und Erkenntnisse als der äussere Mensch. Damit meine ich Folgendes: Der eigene Geist weiss über viele Dinge Bescheid und über die Wahrheit, aber das menschliche Bewusstsein stört diese Einsicht. Das menschliche Bewusstsein legt sich wie ein Schatten darauf. Es wird bestimmt durch die Äusserlichkeiten, die den Menschen umgeben und beeindrucken, durch seinen Willen. Der eine hat einen starken, der andere einen schwachen Willen, der eine neigt zur Religiosität, ein anderer nicht. Es spielen so viele Faktoren eine grosse, bedeutende Rolle dabei.

Und wenn ich sage, der Geist weiss mehr Bescheid, dann darf ich auch sagen, dass es eben der Geist des Menschen ist, der manchmal über sich selbst und seine Lebensweise sehr traurig ist, über die Handlungen, die der ganze Mensch vollführt. Man spricht von der Stimme des Gewissens, von der inneren Stimme. Gewissen und innere Stimme sind nichts anderes als der Laut der Seele, das Wort, das aus der Seele kommt, das mahnende, das tröstende, auch das vorwurfsvolle. Denn in der Seele – wenigstens des aufwärtsstrebenden Menschen – sollte doch eben ein höheres Bewusstsein vorhanden sein, und er sollte in diesem höheren Bewusstsein leben. Dann erlebt der eigene Geist die schmerzliche Enttäuschung über diese oder jene Tat, die der Mensch begeht. Der Mensch kann ja auch zur besseren Einsicht kommen, er kann seine Fehler einsehen. Geschieht dies, so ist der äussere Mensch bereit, auf das innere Wort zu horchen und der Seele die Freiheit des göttlichen Bewusstseins zu geben.

Die Menschen atmen auf dieser Welt ständig aus der Seele Gottes. Denn die Erde ist ein Teil der Seele des Himmels, ständig gespiesen von der Kraftquelle des Himmels. Sie wurde der Menschheit für ihren Aufstieg und zur Pflege des Gottesbewusstseins gegeben. Sein höheres Selbst pflegen heisst eins werden mit dem Göttlichen, in sich selbst kehren. Das ist wohl der grösste Wunsch der helfenden Geisteswelt, dass man sich nicht nur nach dem Äusseren dieser Welt ausrichtet. Denn diese Welt hat ja keine Ewigkeitswerte. Sie ist doch vergänglich. Was nützt es dem Menschen, wenn er auf dieser Welt ein Millionenvermögen besitzt. Wenn er in der geistigen Welt erscheint, kann er mitunter sogar ein Bettler sein. Denn zählen tut nur das, was Gott seinen Geschöpfen an Ewigkeitswerten gegeben hat, die die Seele erfüllen und den Menschen beglücken. Dazu braucht es selbstverständlich die Tugenden. Hat man die Tugenden, dann hat man in sich bestimmt auch geistige Werte und ist ein begehrenswerter Mensch. Es sind allein diese geistigen Werte, die im anderen Leben, in der geistigen Welt, gewürdigt werden. Man spricht so viel von Liebe und Gerechtigkeit. Ja, das sind göttliche Werte, und wer sie in der Seele hat, muss sie pflegen und sorgfältig bewahren. (26.2.1972)

Das eigene Gewissen ist ein Lehrmeister des Menschen

Josef, 13. November 1971

Das eigene Gewissen ist ein Lehrmeister des Menschen

Das Erdenleben ist eine Vorbereitung auf das grosse Examen, das den Menschen nach seiner Heimkehr erwartet. In diesem Examen wird geprüft, welche geistigen Werte und Verdienste er sich in seine Seele gelegt hat. Zu einer guten Vorbereitung auf diese Prüfung gehört es, die Gesetze und die Ordnung Gottes zu kennen. Daher ist es für den Menschen so bedeutsam, auf sein Gewissen zu hören; denn es ist sein eigener Lehrmeister.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es gibt Christen, die von einer Verbindung zur Geisterwelt Gottes nichts wissen wollen. Es gibt sogar solche, die sagen, ihr Weg führe direkt zu Gott, sie würden nicht zuerst zu Christus gehen – diesen Umweg würden sie nicht machen. Wenn man als Christ so redet und sagt, man brauche Christus nicht, man gehe direkt zu Gott, so möchte man sich damit selbst in ein besseres Licht bringen. Und jene, die sich auch Christen nennen und gläubig sind, möchten von einer Geisteswelt nichts wissen. Sie möchten auch nicht darüber belehrt werden, was nach dem Tode geschieht. Sie wünschen keine Verbindung zur Ewigkeit; sie möchten nichts über das Dasein in jener anderen Welt vernehmen. Denn sie sagen: “Es ist noch früh genug, wenn wir es dann tatsächlich selbst erleben müssen.” Diejenigen, die so reden, tun dies ja aus völliger Unkenntnis. Sie wissen nichts über geistige Gesetze noch etwas über die geistige Ordnung und die Notwendigkeit, über diese Ewigkeit auch etwas unterrichtet zu werden.

Das menschliche Leben ist doch eine Vorbereitung auf ein Examen. Dieses Examen wird abgenommen nach diesem irdischen Leben. Wenn man das Zeitliche gesegnet hat, dann kommt die grosse Prüfung. Und dann kommt es darauf an, ob man sie besteht. Also ist im Grunde genommen das irdische Leben nichts anderes als eine Vorbereitung auf dieses Examen, das da stattfinden wird nach dem irdischen Tode. Wenn man sich als Mensch aber nicht belehren lassen will, dann kann man dieses Examen bestimmt nicht bestehen. Wenn man von den geistigen Gesetzen, von der göttlichen Ordnung nichts wissen will, dann wird es bei diesem Examen auch nicht zum Besten stehen.

Dann ist noch etwas Weiteres, das man wissen muss: Zu dieser Vorbereitung im menschlichen Leben gehört doch eine Schule, und in diese Schule gehören Lehrmeister. Diese Lehrmeister können die Geister der Wahrheit sein, die den Menschen unterrichten und ihm erklären, was notwendig ist, was er wissen muss für jene grosse Prüfung, die ihm abgenommen wird. Es sind aber nicht allein die Geister der Wahrheit, die die Lehrmeister des Menschen sind, sondern sein eigenes Gewissen ist auch ein Lehrmeister. Auf das Gewissen sollte man hören, denn es mahnt, es spricht auch Mut zu, und es vermag auch zu trösten. Aber man muss sich nach diesem Gewissen ausrichten, man muss nach innen horchen; dann wird man das alles vernehmen. So ist dieses eigene Gewissen ein Lehrmeister. Es ist die Seele, die genau Bescheid weiss über die Entwicklung. Und die Seele ist es, die versucht, in das menschliche Denken hineinzusteuern und einerseits zu mahnen, sich selbst Vorwürfe zu machen, andererseits aber auch dann und wann zu trösten. Es ist wichtig, die mahnende Stimme des Gewissens zu vernehmen, denn es ist ein wichtiger Faktor. Man kennt nämlich die Gesetze Gottes inwendig in der Seele. Und so versucht das Gewissen, sich bemerkbar zu machen. Es will sich selbst in eine gewisse Unruhe bringen, in Ängste. Ja es versucht durch diese Unruhe, die es ausströmt, den Menschen dazu zu veranlassen, Ordnung zu schaffen, damit das Gewissen wieder zur Ruhe kommt. Wie gut wäre es, wenn wirklich jeder Mensch wüsste, dass in ihm selbst ein Lehrmeister ist, dass sein Gewissen sein eigener Lehrmeister ist.

Er hat aber nicht nur diesen einen Lehrmeister in seinem Innersten; es gibt noch weitere Lehrmeister, die sich bemerkbar machen. Dies können Mitmenschen sein, die ein vorbildliches Leben führen, die man wirklich als geistige Lehrmeister betrachten kann und die ebenfalls zu Recht mahnen und Vorwürfe machen, wenn es notwendig ist. Dies alles ist doch zum Seelenheil. Denn in dieser grossen Prüfung, die dereinst abgenommen wird, geht es ja darum, dass man inneren Reichtum zusammengebracht, dass man sich in seiner Seele bereichert hat. Das ist eine Notwendigkeit – und dass man zu dieser Bereicherung sich zugleich noch geläutert hat, sodass man frohen Mutes zu diesem grossen Examen gehen kann und keine Angst zu haben braucht vor der Prüfung. Aber dafür muss man im Laufe des Lebens immer entsprechend orientiert werden und darf nicht vom Wege abgehen. Man darf nicht gleichgültig werden. Denn es sind ja die Gesetze genau vorgeschrieben. Es ist genau vorgezeichnet, was man von einem Menschen, der da in diesem menschlichen Leben steht, verlangt. Und wenn er dann ins geistige Reich hinüberkommt, brauchen die Engel Gottes nicht lange zu suchen. Sie wissen genau, wie sie ihn zu prüfen haben, was sie von ihm abnehmen können, ob er überhaupt geistiges Gut mitgebracht, solche geistigen Werte in sich geborgen hat. Es kommt also sehr darauf an, wie man als Mensch lebt; denn dieses Leben ist eine einzige Vorbereitung auf jene grosse Prüfung.

Der Glaube des Menschen spielt ebenfalls eine Rolle, und zwar auch der Geistesglaube. Und der Glaube ohne die Werke ist nichts – denn man kann auch nur oberflächlich glauben und dabei keine Werke tun. Man kann aber nicht meinen, es genüge, an Gott zu glauben, und sich nicht um die Gebote Gottes kümmern. Zum Glauben werden auch die Werke verlangt.

Hat ein Mensch einen Geistesglauben, so ist dies auch etwas Bedeutungsvolles. Wenn er in die Geisteswelt hinüberkommt, wird er froh und dankbar sein über alles Wissen, das er im Laufe seines Lebens gewonnen hat. Wer ohne diesen Glauben in die Ewigkeit kommt, der hat es erst einmal schwer, sich zurechtzufinden. Der andere, der sich mit dem Geistesglauben vertraut gemacht hat, ist ihm ja in vielem voraus; er braucht nicht zu staunen und zu fragen. Also sollte man mit diesem Geistesglauben, den man glaubt zu besitzen, dafür besorgt sein, im Leben die Vorbereitungen auf die Prüfung auch wirklich zu treffen. In der Geisteslehre wird immer wieder darauf hingewiesen, was der Mensch tun und was er lassen muss.

Ich werde euch nun an einem Beispiel erklären, wie bedeutungsvoll es ist, in diesem menschlichen Leben vorzusorgen für das, was nach dem irdischen Tode kommt. Dazu möchte ich noch vorausschicken, dass es ja kluge Menschen gibt, die im Laufe ihres Lebens für ihre alten Tage vorsorgen. Sie möchten nicht mittellos leben, wenn sie alt geworden sind. Sie sorgen in ihren gesunden Tagen vor. Und das ist nur vorsichtig und ganz vernünftig. Aber noch viel bedeutungsvoller ist es, für die geistige Zukunft vorzusorgen. Denn jene Zukunft dauert weit länger als die wenigen Jahre menschlichen Lebens. Wenn man also schon um die paar Jahre im menschlichen Leben besorgt ist, wie viel notwendiger ist es dann, für jene Zeit besorgt zu sein, die man in der Ewigkeit verweilt; denn jene Jahre können nicht gezählt werden. Für jene Zeit vorzusorgen, das ist bedeutungsvoll.

Euch werden stets Erlebnisberichte gegeben, und sie dienen dazu, euer Wissen zu bereichern. Ich spreche nun von einem Manne, der da gelebt. Ich möchte gleich erklären, wie er sich verhielt, als er in die Geisteswelt hinüberkam. Er klagte, als er zu dieser Prüfung geführt wurde und sie an ihm vollzogen wurde. Er klagte Gott an, dass er ihm nicht mehr Intelligenz gegeben habe, dass er in seinem Leben keine Fähigkeiten besessen habe und als Kind nicht bei seinen Eltern leben durfte; hätte er einigermassen die notwendige Intelligenz und bestimmte Fähigkeiten besessen, so hätte er ein ganz anderes Leben führen können. Dies finde er nicht gerecht, da andere Menschen mit grosser Intelligenz und mit Fähigkeiten leben würden. So bezweifle er Gottes Gerechtigkeit und Liebe. Wenn Gott alle seine Geschöpfe lieben würde, müsste er alle im selben Masse beschenken. Er aber habe absolut keine Intelligenz und keine Fähigkeiten besessen, und so sei er gestrauchelt und stände nun belastet da.

Die Geisterwelt Gottes hatte ihm Vorwürfe gemacht, denn in seinem zurückgelegten Leben hatte er sich keine Verdienste erworben. Er war – er wusste es nicht – wieder an denselben Platz zurückgeführt worden, von dem er in sein Erdenleben ausgegangen war. So hatte er nur zu klagen, denn in seiner Erinnerung waren jene gescheiten Menschen, die zu Wohlstand und Ansehen gekommen waren, während aus ihm nichts habe werden können, da er – wie er glaubte – keine Fähigkeiten und nicht die notwendige Intelligenz dazu gehabt habe. Auch habe er nicht das Glück gehabt, bei Eltern zu leben, von ihnen betreut zu werden. Er sei also vernachlässigt worden in der Schöpfung Gottes, und deswegen fände er es nicht gerecht, dass man ihn nun für sein Straucheln bestrafe. So klagte er Gott und die Geisterwelt an.

Dies alles hörten sich diese Engel Gottes an. Dann sagten sie ihm: “Du weisst, jetzt bist du in die Ordnung Gottes eingetreten. Du wirst von ihr aufgenommen, und wir verurteilen dein Tun in deinem Leben. Du wirst nun für alles bestraft, was du falsch getan hast. Aber vorerst überlassen wir es deinem Willen, noch ausserhalb der Ordnung zu leben. Vielleicht ist es dir ausserhalb der Ordnung möglich, Antwort zu finden und dich zu beruhigen. Wir überlassen es dir, selbst zu entscheiden, ob du dich jetzt in die Läuterung führen lassen willst oder ob du ihr noch ausweichst.” Er aber beharrte darauf, in dieser Ordnung zu verweilen. Er sagte: “Ich will nicht ausserhalb der Ordnung Gottes stehen. Ich will innerhalb der Ordnung Gottes leben, und ich erwarte Barmherzigkeit und Gnade für mich. Um diese flehe ich.”

Die Geister Gottes wussten ja, dass dieser Heimgekommene die Ursachen seines Strauchelns nicht kannte. Da er aber so darauf bestand, innerhalb der Ordnung Gottes zu leben, jedoch nicht bereit war, Strafe auf sich zu nehmen, sondern um Verständnis, Barmherzigkeit und Nachsicht bat, da erläuterten ihm die Geister Gottes sein früheres Leben. Jetzt mussten sie ihm erklären, warum er als ein solcher Mensch, in solch bescheidenen Verhältnissen durchs Leben gehen musste. Aber Worte allein hätten bei ihm nicht genügt; sondern sie liessen ihn Rückschau halten in seine frühere Einkehr in die Geisteswelt – er sollte sehen, wie er aus seinem vorletzten Leben in die Jenseitswelt zurückgekommen war.

In seinem vorletzten Leben besass er Intelligenz und Fähigkeiten auf den verschiedensten Gebieten – nicht manueller Art, in künstlerischer Hinsicht. Er hatte Ansehen und Reichtum. Dies alles hatte ihm aber Verderben gebracht. Er hatte sich durch seine Intelligenz und seine Fähigkeiten belastet, und belastet kehrte er in die geistige Welt zurück. Da er aber in jenem Leben geglaubt hatte, gläubig und besonders religiös zu sein, und von einer Ewigkeit, von ihrer Vielfalt und Schönheit geahnt hatte, war er bei seiner Heimkehr zutiefst enttäuscht, dass ihm das nicht geboten wurde, dass er auf diese himmlische Harmonie verzichten musste. Er selbst erkannte, dass er falsch gelebt, und er war bereit, die Strafe auf sich zu nehmen. Er selbst bat darum, man möge ihm in seinem nächsten Erdenleben weder Intelligenz noch besondere Fähigkeiten geben noch sollte man ihm ein trautes Zuhause geben. Er möchte im zukünftigen Leben büssen, als einfacher, womöglich verstossener Mensch. Er behauptete, dass er trotz dieser erschwerten Bedingungen die Gesetze Gottes befolgen würde und es nichts geben könnte, das ihn aus der Bahn bringen würde; er würde am Glauben und an der Treue, am Gehorsam gegenüber Gott und seinen Gesetzen festhalten. So gab er Versprechungen, und er bat darum: “Lasst mich auf diese Weise wieder Mensch werden.” Und die Geisterwelt erklärte ihm: “Falls es möglich wird, dass du unter diesen Bedingungen, in diesen Verhältnissen, dich behauptest, dann könntest du einen grossen Schritt in deiner Entwicklung vorwärts tun.” Und darum ging es ihm ja. Denn es war ihm klargemacht worden, dass er noch auf den unteren Stufen des Aufstiegs stehe. Und so glaubte er, stark genug geworden zu sein, um ein solches Leben auf sich zu nehmen und als bescheidener, ja sogar verstossener Mensch zu leben und tief im Glauben und im Gehorsam zu sein. Nun, er erfüllte diese Versprechen eben nicht.

Jetzt, wieder zurückgekehrt in die jenseitige Welt, hatte er es selbst gesehen und erlebt. Die Engel Gottes mussten es ihm nicht lange erklären; denn womöglich hätte er sogar an ihren Worten gezweifelt, so wie er an der Gerechtigkeit Gottes gezweifelt hatte. So hatte man ihn in die Rückschau geführt; er sollte Vergangenes in der Gegenwart erleben dürfen, um so mit Bestimmtheit zu erfahren, dass bei ihm nur Gerechtigkeit gewaltet hatte. Jetzt erlebte er es und musste es mit ansehen, dass in ihm alles an menschlichem Können, an Fähigkeiten einfach eingeschlossen war. Es sollte und durfte nicht zum Vorschein kommen. Und er selbst hatte sich diesen Weg gewählt, obwohl die Engel Gottes ihn damals darauf aufmerksam gemacht hatten, dass es gar nicht so viel brauche, dass er wieder strauchle, und er dann gar keine Fortschritte machen würde. Aber dieses hatte er nicht geglaubt. Erst jetzt, als er wieder in die geistige Welt zurückgekehrt war und man ihm die Wahrheit nahelegte, sah er, wer er in seinem vorletzten Leben gewesen war und dass er sich die bescheidenen Verhältnisse im letzten Leben selbst gewählt hatte. Dann sagte man ihm: “Siehst du, es ist keine Ungerechtigkeit. Du selbst hast dir diesen Weg ausgewählt. Und du hättest die Möglichkeit gehabt, die Prüfungen zu bestehen. Aber deine Seele war zu wenig geläutert, und zu wenig gefestigt warst du im Glauben. Darum bist du wieder gestrauchelt.”

Nun, er hatte den festen Willen, in der Ordnung Gottes zu bleiben. Doch für die Zukunft wünschte er sich nicht mehr einen solchen Weg der Wiedergutmachung. Die Geisterwelt Gottes sah seinen guten Willen. Sie sah aber auch seine grossen Schwächen, denn er war ein Geist, der noch aus der Tiefe aufstieg. Dieser Heimgekehrte bat nun aber so sehr um Gnade und Nachsicht und fragte: “Ist es denn nicht möglich, dass ich hier einen Verteidiger bekomme, wie es in der irdischen Welt üblich ist, wenn ein Mensch angeklagt ist und er sich einen Verteidiger leisten darf?” Und die Geisterwelt Gottes sagte ihm: “Wohl sollst du deinen Verteidiger haben, und wir werden ihn dir gleich zeigen. Er wird zu dir kommen und sich vorstellen. Er wird dir sagen, dass er dich sogar in deinem menschlichen Leben begleitet hat und deinem Gewissen so nahestand, dass er dich so oft gewarnt, gemahnt hat, dir aber auch Mut zugesprochen hat. Dieser Verteidiger ist nun bereit, für dich einzustehen und für dich zu bitten. Er stand dir nahe in deinem menschlichen Leben. Er versuchte, dein Denken zum Guten hinzulenken und abzuwenden, was verwerflich ist. Aber das Menschliche in dir oder das Verlangen nach diesen Untaten war so gross, dass es diesem Verteidiger, diesem Engel Gottes, eben nicht möglich war, dich zu beeinflussen.” Dieser Verteidiger war ihm ja auch nahegestanden, wenn er sich mit seinem Geiste unterhalten konnte, das heisst in jener Zeit, wenn der Körper ruhte. Aber dies half nicht viel, denn die Begierden in der Seele waren eben noch vorhanden, und das Zusprechen hatte nicht viel Wirksamkeit.

Auch hier musste es dieser Heimgekehrte selbst sehen und erleben. Er konnte wiederum Rückschau halten in sein vergangenes Leben. Er konnte sich sehen und daneben diesen Geist Gottes, der auf ihn einsprach und ihn mahnte. Und er musste zugeben, wie oft er ein unruhiges Gewissen gehabt hatte. Und dies wurde ihm jetzt von diesem Verteidiger bestätigt. Dieser Engel kam und sagte ihm, wie energisch er jeweils versucht hatte, diese Unruhe in ihm wachzuhalten und ihn zum Umdenken zu zwingen. Aber es war nicht gelungen. Also auch hier bekam dieser Bruder sichtbar und fühlbar die Bestätigung dafür, und er durfte wiederum Gottes Gerechtigkeit und Nachsicht erleben.

Nun verlangte er von diesem Geist Gottes: “Tue doch etwas für mich. Du siehst doch, ich bin bereit, mich im Heilsplan Gottes dienlich zu machen. Ich bin doch bereit wiedergutzumachen. Aber wenn ich eingekleidet bin in einen menschlichen Leib und das Äussere der Welt über mich kommt und auf mich eindringt, dann bin ich verloren.” Und er bat nun diesen geistigen Verteidiger: “Schaff mir doch wenigstens die Möglichkeit, dass ich mich in der Geisteswelt von meinen Schulden läutere, und zwar nicht nur vorübergehend, sondern dass ich im Geiste gestärkt werde, gestärkt im Glauben an Gott und an seine Gerechtigkeit, für ein gerechtes, gottgefälliges Leben überhaupt.”

Er bat so inständig darum, dass diese Geister Gottes Erbarmen hatten mit ihm. Denn hier stand einer, zurückgekommen von einem Erdenleben, in dem er wiederum gestrauchelt war, und es tat ihm leid, er sah seine Schwächen ein, und er erkannte doch Gottes Macht. So wollte man ihm entgegenkommen. Und man erklärte ihm einen neuen Weg, den er gehen könnte, der vielleicht für sein Seelenheil doch von Nutzen wäre. Die Hilfe, die man ihm nun geben wollte, sollte darin bestehen, dass ein Engel Gottes als ein göttlicher Wächter mit ihm zur Erde herniedergehe, wo Menschen und Tiere leben, und er selbst sollte ihnen Wächter sein. Denn als ein solcher Wächter in der Natur hatte er nun die Möglichkeit, mit dem Bösen, mit dem Niederen in eine Verbindung zu kommen, das Böse kommen zu sehen und es aufzuhalten. Auf diese Weise, als ein Wächter Gottes, sollte er nun seinen Dienst ausüben. Aber nicht allein, denn allein wäre er zu schwach gewesen; er hätte sich überwältigen lassen von jenen niederen, düsteren, bösen Geistwesen. Er musste an der Seite eines Geistes Gottes stehen. Und dieser, der ihm Verteidiger war, übernahm nun vorübergehend diese Aufgabe als ein göttlicher Wächter in der Natur. Und so konnte er ihn stets aufmerksam machen auf die Gefahren, die kamen, und wie man den Gefahren begegnet, wie sie überwunden werden können. Er konnte mit ihm reden.

Dieser belastete Geist wurde also zu dieser Tätigkeit geführt, und er war nun unter Menschen. Doch da sein Denken ja noch so sehr auf das Menschliche ausgerichtet war, hatte er noch nicht das hohe und edle Denken und edle Wünsche in sich. Obwohl er willens war, alles Niedere zu überwinden, wurde er doch wieder vom Bösen und Düsteren überwältigt. Da er aber in der Nähe des Engels war, konnte dieser seine Gedanken erkennen und ihm zum Voraus sagen, dass das, was er überlege, falsch sei. Dieser Engel Gottes versuchte also mit ihm, ein höheres Denken zu pflegen; er versuchte ihn in seinem ganzen Denken und Wollen zu beeinflussen – er nahm so Besitz von ihm. Und dieser belastete Geist, er wünschte es ja, er bat immer darum: “Weise mich zurecht, führe mich, lenke mich in meinem Denken, beeinflusse mich, wo es dir nur möglich ist.” Und so tat es dieser Geist Gottes.

Sie hatten viele Möglichkeiten, Böses, das im Kommen war, abzuwenden, Menschen, die dem Bösen, der Versuchung gegenüberstanden, abzulenken und auf andere Wege zu führen. Sie versuchten auch, die Menschen im Denken zu beeinflussen, soweit es ihnen nach den Gesetzen Gottes erlaubt war. Sie standen da als Wächter Gottes, um das Niedere und Böse aufzuhalten. Sie waren Wächter, aber sie standen nicht ununterbrochen, Tag und Nacht, zu jeder Stunde oder Minute, bei einem einzelnen Menschen. Sie mussten ihn auch wieder verlassen und ihn seine eigenen Wege gehen lassen, um ihn zu prüfen, ob er nun fähig geworden ist, seinen Willen zum Guten durchzusetzen. Und so oft kamen sie zu einem Menschen zurück und wurden enttäuscht. Sie hatten geglaubt, ihn im Willen zum Guten gestärkt und beeinflusst zu haben, ihm genügend zugeredet zu haben – doch sie erlebten manche Enttäuschung, wie es beim Menschen eben ist. Er vermag in einer Stunde oder an einem Tag den Vorsatz zu fassen, dieses oder jenes auszuführen, und anderntags ist er reuig über das Versprechen, über die Gedanken, die er gepflegt hatte, das Gute zu tun – das Gute, das ihm Nachteile gebracht hätte. Am andern Tag will er nichts mehr davon wissen. Und so wird die Geisterwelt Gottes enttäuscht. Heute, in dieser Stunde, ist der Mensch willens, das Edle und Vornehme zu tun, dann geht er wieder seine eigenen Wege, ist unbeeinflusst vom Geist Gottes, und sein menschliches Schauen richtet sich auf den Glanz der Welt, und schon hat sie ihn überwältigt – er hat also die Prüfung nicht bestanden.

Jetzt konnte der Bruder mit diesem Geist Gottes von Mensch zu Mensch ziehen und hier seine eigenen Enttäuschungen erleben. Da, wo er sich an der Seite dieses Engels die grösste Mühe gab, um bei einem Menschen einen geringen Erfolg für sein Seelenheil zu erreichen, wurde er so oft bitterlich enttäuscht. Aber diese Enttäuschungen waren es, die seiner Seele Heil brachten. Er erkannte nun, was es brauchte – welche Überwindung, welche Einsicht –, um als Mensch das Richtige zu tun. Und so musste er mit diesem Engel Gottes von einem Menschen zum andern gehen, und die Enttäuschungen, die sie erlebten, verursachten ihm stets einen gewissen geistigen Schmerz; denn er sah doch seine ganze Mühe umsonst angewandt. Der Engel Gottes, sein geistiger Verteidiger, musste es ihm klarmachen: “So erging es mir ja auch mit dir. Auch ich hatte mir alle Mühe gegeben, doch du hast mich immer wieder enttäuscht.” Diese Erfahrung sollte nun zu seinem Seelenheil werden.

Nicht nur bei Menschen mussten sie Wache stehen, um diese zu schützen und vor dem Bösen zu bewahren; sie hatten auch in der Natur, bei der Tierwelt ihre Aufgaben. Auch Tiere waren zu beschützen, doch diese Tiere waren auf eine andere Art und Weise vor dem Ungemach, vor Unglück, vor Leid zu bewahren. Diese Aufgabe schien dem Bruder weniger Sorgen zu bereiten, denn die Tiere enttäuschten ihn nicht. Enttäuschung fand er ja bei denen, die geistig höher entwickelt waren – bei den Menschen, bei denen ein Denken, eine Überlegungskraft und ein Einfluss aus dem Gottesreich vorhanden waren. Menschen nehmen göttliche Kraft und göttlichen Segen auf in ihrem täglichen Leben, sie werden von diesem Segen und von dieser Kraft gestärkt und belebt – und doch erweisen sie sich als undankbar, besonders jene, die Gott und seine heilige Geisteswelt nicht bejahen und infolgedessen auch nicht verstehen können, dass Segen über sie ausgeströmt wird, dass dieser Segen ihnen tägliches Brot gibt und sie durch diesen Segen Gesundung finden an Leib und Seele.

So erlebte dieser Bruder die grosse Undankbarkeit der Menschheit. Und dies alles hatte sein Innerstes in der Seele gewandelt. Auf diesem Wege erlebte er eine Läuterung. Aber er sollte sich ja bewähren in einem neuen menschlichen Leben. Denn in der geistigen Welt, wo man der Wahrheit und dem geistigen Leben gegenübersteht, ist einem vieles klar: Es ist verständlich, dass Gott gerecht ist und nur jene straft, die es verdienen, und dass die Strafe zu ihrem Heile ist. In jener Welt, wo man auch die Liebe Gottes kennenlernt, die Macht Gottes kennt, da ist es wohl nicht schwer, diese Welt zu bejahen und in ihr zu leben, wenn man willens ist aufzusteigen. Ist man aber als Mensch weit von dieser geistigen Welt entfernt und hat diese Ewigkeitsverbindung nicht mehr und lebt nicht mehr im Gefühle der Zusammengehörigkeit mit dem Ewigen, so glaubt man, ein verlassenes Wesen zu sein. Man erlebt die Macht Gottes nicht, man hört nicht die Stimme der helfenden geistigen Wesen, denn man hat sich eingemauert in seinem Denken; man ist in seinem Fühlen weit weg von der Ewigkeit, man hat kein geistiges Schauen, kein geistiges Ahnen, zerflossen ist alles, was an die Ewigkeit erinnert. Als Mensch zu leben in einer Welt weit weg vom Göttlichen, das scheint für viele sehr schwer, weil sie sich nicht mit dem Glauben an Gott und an seine Gesetze, an seine heilige Geisterwelt zufriedengeben. Gott ist für sie zu weit weg. Sie können ihn nicht erleben, sie können ihn nicht erfassen. Es ist für sie unmöglich. Es ist für sie eine fremde Welt, eine Welt, zu der man ein grosses Fragezeichen macht.

So stehen sie als Mensch im irdischen Reiche und leben als Zweifler und gottfremd. Und wenn dann die Zeit gekommen ist, wenn das Leben beendet ist und das geistige Auge sich auftut, da steht man jener andern Welt gegenüber, jener wirklichen Welt, die man verleugnet hat. Und dann bedauert es so mancher, dass er sich in seinem menschlichen Leben nicht die Mühe genommen hat, etwas mehr zu meditieren oder nachzusinnen über das Woher und Wohin. Diesen grossen Fehler macht man in der Christenheit; man sinnt zu wenig nach über das Woher und Wohin. Und so braucht es eben seine Zeit, so muss der Mensch von einem Leben in das andere kommen und immer wieder von Neuem belehrt werden und durch neue Prüfungen gehen. Und wie viel braucht es für den Menschen, bis er es zugesteht, dass er sich in seinem Leben auf ein Examen vorbereiten muss. Wie wenige Menschen gibt es, die es anerkennen, dass das menschliche Leben eine einzige Vorbereitung ist für die grosse Prüfung, die einem abgenommen wird, wenn man aus dem Leben geschieden ist.

So kämpfen wir für diesen Glauben, nicht nur für den Glauben an Gott, sondern auch für den Glauben an die jenseitige Welt. Wir kämpfen, dass der Mensch sich Mühe gibt, um für sich diese Verbindung zur Ewigkeit anzustreben, dass er nach dieser Verbindung Sehnsucht hat und sie pflegt. Denn er ist ja ein Teil der Ewigkeit. In ihm ist ja der ewige Funke Gottes. Er ist ja ewigkeitsverbunden, auch wenn er es leugnet und davon nichts wissen will. Umso schwerer wird das Erwachen sein für all jene, die diese Wahrheiten nicht angenommen haben. Und so ist es zum Heil des Menschen, wenn er sein Leben als Vorbereitung für jene besondere Stunde betrachtet und sich Mühe gibt, sich in seinem Leben darauf vorzubereiten. So wird er auch den Mut finden, das Richtige zu tun; er wird sich nach den Gesetzen Gottes ausrichten und Vorsorge treffen für sein zukünftiges Leben in der Geisteswelt Gottes.

So, liebe Geschwister, versuchte ich euch im Glauben an die Geisteswelt Gottes zu stärken. Möge eure Seele erleuchtet werden, möget ihr gesegnet von dannen gehen, und möge gesunden an Leib und Seele, wer da krank ist. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.11.1971 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Beeinflussung und Schulung der Seele

Lene, 16. April 1969

Beeinflussung und Schulung der Seele

Die Geisterwelt Gottes möchte den Menschen im Guten unterstützen. Es sind jenseitige Erzieher und Meister, die ihrem Schützling ein edles Denken und hohe Gefühle zu übermitteln versuchen. Sie rütteln auch an seinem Gewissen, wenn dies nötig ist.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, unter meinen Freunden finde ich Bewunderung und Verehrung. Es ist aber notwendig, dass Bewunderung und Verehrung gegenseitig ist. Ich möchte nicht nur von euch verehrt und bewundert werden, ich möchte auch euch verehren, auch euch bewundern, denn das wäre eine wunderbare Melodie.

Die Sprache des Menschen ist oftmals sehr hart – gefühlsarm kann er sein. All das kann in Worte gekleidet werden. Es kommt durch den Mund des Menschen zum Ausdruck, sodass man nicht von Melodie reden kann. Die Sprache des Menschen ist oft wirklich sehr hart und gefühllos.

Die Geister Gottes, die den Menschengeist und seine Seele umsorgen, sprechen die Sprache ihrer Herkunft. So wie der heranwachsende Mensch von seinen Eltern betreut und erzogen wird und ihm später weitere Erzieher, Lehrer und Meister gegeben werden, damit diese ihm ein Wissen beibringen, beeinflussen auch jene geistigen Lehrer und Meister den jungen Menschen. Sie unterrichten ihn auf diesem oder jenem Wissensgebiet.

Der Mensch wird von seinen Meistern und Lehrern nicht nur belehrt, er wird auch durch sie erzogen. Die Meister haben auch Einfluss auf den Charakter. Ich persönlich bin ja dieser Welt so abgewandt – und doch muss ich mich in sie hineinfühlen. Ich muss zu den Menschen hingehen, zu euch Freunden hintreten und versuchen, euch zu verstehen und sogar mit euch ein Stück des Weges zu gehen. Im Geiste gibt es also auch Meister, Erzieher, Lehrer – und zwar für den Menschengeist und seine Seele.

Auf die Seele komme ich nun zu sprechen. Diese verschiedenen Lehrer, Erzieher, die nun eine solche Seele beeinflussen und umsorgen, geben auch von ihrem Wissen. Sie erziehen den jungen Menschen wie auch den Menschen, der in der Mitte des Lebens steht oder im Herbst des Lebens. Und das ist doch etwas Besonderes. Man muss um diese geistigen Lehrer werben. Bei euch Menschen ist es so, dass man auch um diese Lehrer und Meister werben muss, man will ja von ihnen unterrichtet und belehrt werden. Das ist für das Leben notwendig. Wenn man im Leben selbst ein Meister werden will, muss man zuerst die unteren Stufen durchschreiten und willens sein, das anzunehmen. Man muss sich also belehren lassen. Der Meister lehrt, und der Schüler muss lernen.

Nun möchte ich aber zur Seele sprechen, denn mit ihr bin ich enger verbunden. Um die Seele geht es, um das Gemüt, das geistige Gemüt, und um das Wollen des Menschen. So ist es möglich, den Menschen, das heisst seine Seele, zu beeinflussen. Das geschieht doch hier in dieser Gemeinschaft. Die Seele des Menschen wird für das höhere Leben geschult und beeinflusst.

Ihr habt euch schon Gedanken darüber gemacht, welche Art von Belehrung man im Geiste empfangen kann. In der Meditation kann man belehrt werden, dann muss aber das Denken des Menschen mit eine Rolle spielen. Wenn jemand meditieren will, muss er auch seinen Geist lenken; er kann sich nicht einfach stumm, willenlos hinsetzen und glauben, es vollziehe sich bei ihm eine wunderbare Meditation. Vielmehr kann man nun sein Denken zu Gott erheben. Ist man willens, nach den hohen Zielen des Lebens zu suchen, so kann das Denken des Menschen von den geistigen Lehrern, Meistern und Erziehern beeinflusst werden.

So muss der Mensch selbst zuerst seine Gedanken zu Gott erheben. Er kann sich im Geiste mit Problemen beschäftigen, Fragen stellen. Aber er muss Zeit aufbringen, um die Antwort zu vernehmen. Es ist eine irrige Auffassung des Menschen, zu glauben, man könne sich hinsetzen mit einem Problem und auf Befehl würde dann die Antwort gegeben. Die Geisteswelt lässt manchmal lange Zeit verstreichen, bis sie die richtige Antwort gibt. Darum werdet ihr aufgefordert, nie übereilig zu urteilen und nicht allzu schnell die persönliche Meinung zum Ausdruck zu bringen. Nicht den eigenen Willen soll man durchsetzen, sondern sich Zeit lassen. Ihr sagt ja manchmal: “Lasst mich noch einmal oder ein paar Mal darüber schlafen.”

Der Mensch befasst sich mit irgendwelchen Problemen und möchte gerne von der geistigen Welt eine Antwort haben. Es kann möglich sein, dass er ganz unbewusst im täglichen Leben an die Lösung herangeführt wird, ohne dass es ihm als Mensch eigentlich bewusst wird, dass es durch die geistige Welt geschehen ist. Wenn ich noch einmal auf das Meditieren zurückkommen darf, möchte ich folgenden Ratschlag geben: Übereilt nichts, lasst euch Zeit, denn die Geister Gottes nehmen sich bestimmt des suchenden und bittenden Menschen an und werden für ihn die Probleme lösen.

Man kann – und ich betone dies – auf verschiedene Weise meditieren. Man kann beten und sich im Geiste vertiefen. Diese Lobpreisung des Geistes wird auch eine Meditation sein. Das Gebet des Menschen soll nicht immer nur so gesprochen werden, dass von Gott gefordert wird, indem man ihm die Sorgen und die Nöte des Langen und Breiten erzählt. Solches zu tun, ist falsch. Die Geisterwelt Gottes weiss doch, was um den Menschen geschieht. Wenn man auf diese Weise meditieren will, ohne dass man ein Problem berührt, ohne dass man versucht, eine geistige Schau zu erhalten, so nutzt man die Meditation dazu, dass sie allein nur zur Verherrlichung Gottes dient und man von der Melodie der Seele, vom Gesang der Seele sprechen kann. Es muss also eine andere Sprache sein als die Sprache des Menschen im üblichen Sinne. Die Seele muss zu Worte kommen; es muss Gesang, es muss Melodie werden.

Herrlich kann auf diese Art und Weise meditiert werden. Denn Himmel und Erde lobpreisen den Herrn. Betrachtet die Natur, was sie Wunderbares und Schönes hervorbringt, und betrachtet das Tierreich. Wie kann doch in wunderbarster Weise eine Verherrlichung Gottes stattfinden – in diesem Erleben. Zu Gott beten heisst auch ihn lobpreisen, ihn ehren, ihm huldigen. Im Geiste können auf diese Art und Weise die wunderbarsten Erlebnisse erreicht werden. Aber solches ist eben abgekehrt von dieser eurer Welt. Es ist leider so, dass die Menschen sich mit ihren täglichen Problemen, Nöten, Sorgen stark befassen. Diese äusseren Dinge scheinen ihnen so wichtig, dass sie es Gott erzählen. Dabei weiss Gott ja längst Bescheid darüber. Doch der sich in Not befindende Mensch glaubt, ihm könne nur dann geholfen werden, wenn er Gott oder der heiligen Geisterwelt diese Not vor Augen führt.

Dabei genügten in der Meditation ein paar ganz einfache Worte:

“Herr, Du siehst auf mich hernieder, Du siehst mein Leben, wie es sich gestaltet hat. Oh, lass Deine heilige Geisterwelt mich führen, zu meinem Heile und zum Heile der Mitmenschen und Dir, o Gott, zu Ehren.”

So braucht man nichts zu erzählen; damit ist Genüge getan. Man soll sich im Geiste erheben und zur Seele reden lassen. Die Seele sollte eben diese Melodie in sich aufnehmen können. Das, was um den Geistesmenschen gesprochen wird, soll zu einer wundersamen Melodie werden. Denn bei ihm befindet sich sein geistiger Erzieher, sein Lehrer, sein Meister; sein Schutzgeist ist miteinberechnet. Sein Schutzgeist kann ein Meister sein; sein Schutzgeist aber kann ihm Erzieher sein; sein Schutzgeist kann auch Lehrer sein. Ihr könnt sehen: Dem Schutzgeiste sind verschiedene Stellungen dem Schützling gegenüber möglich. Ein Geist Gottes aus den Höhen kann als Schutzgeist eines Menschen dienen. Anderseits aber kann der Schutzgeist ihm stets Betreuer und Erzieher sein. Seine Aufgabe besteht darin, ihn durchs Leben zu begleiten. Er ist für ihn sein schützender Geist, er ist der Geist, der ihn ins Leben getragen hat und der ihn aus dem Leben herausträgt.

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass im Laufe des Lebens solche Schutzgeister auch ausgewechselt werden können. Sie werden dann ausgewechselt, wenn man geistige Verdienste erworben hat. Wird man geistig in eine höhere Stellung geführt, hat man dieser geistigen Stellung entsprechend auch einen höheren Schutzengel. Dabei ist die Bindung zu jenem Schutzgeist, der zuerst den Auftrag erhielt, den Schützling durchs Leben zu tragen, nicht abgebrochen. Er bleibt Schutzgeist, aber seine Mission ist hier vollendet – er ist abgelöst worden. Es ist aber auch möglich – und hier betone ich die Vielseitigkeit –, dass der neu erworbene höhere Schutzgeist mit dem Schutzgeist, der den Schützling bis anhin durchs menschliche Leben getragen hat, gemeinsam die Aufgabe übernimmt und sie ihn dann gemeinsam weiter durchs Leben tragen und hinaufführen.

Menschen haben also verschiedene Geister um sich: Es sind einmal die im Plane Gottes von der Ordnung Gottes bestimmten Geistgeschwister; dazu können noch Verwandte kommen, denen es gestattet ist, auch in der Nähe des Menschen zu sein. So vielseitig ist die Begleitung durch die Geister Gottes.

Ist der äussere Mensch mit dem inneren Menschen in Harmonie, dann wird von den Geistern Gottes, die eben Lehrer, Meister, Erzieher sind, eine wunderbare Melodie angestimmt. Es ist eine schöne Sprache, eine herrliche Sprache. Es ist Harmonie, eine holde Melodie. Solches erleben jene Menschen, die mit dem Geistigen verbunden sind und nach den hohen Zielen des Lebens streben.

Man soll jetzt aber nicht der Auffassung sein, dieses Zusammensein und Zusammenwirken göttlicher Wesen werde in diesem vollen Umfange von einem jeden Menschen erlebt beziehungsweise die Seele erlebe nun das Zusammensein dieser holden Geistgeschwister. Man kann es sich nämlich auch mit diesen Meistern und Lehrern verscherzen. Es kommt also in erster Linie darauf an, sie zu erwerben und sie zu behalten. Es nähert sich mancher Geist Gottes dem Menschen, der ihm so vieles darzubieten hat, aber der Mensch versteht die Sprache jenes hohen Geistes nicht. Er schenkt dieser hohen Sprache keine Aufmerksamkeit.

Geister Gottes beeinflussen den Menschen. Wie geht das? Ihr Menschen redet vom Gewissen. Wenn man etwas getan hat, das nicht richtig ist, kann man vom Gewissen geplagt werden. Vielleicht kann ja gar niemand etwas in Erfahrung bringen von dem, was man falsch getan hat. Keiner erkennt es, und trotzdem plagt den einen und andern das Gewissen. Der Geist ist doch mit seiner Seele verbunden. Die Seele wird beeinflusst von den Geistern Gottes. Vom Ewigen ist sie angesprochen. Denn auch Menschen, die dann und wann die Gesetze verletzen, aber noch ansprechbar sind auf ihr Gewissen, werden von diesem Gewissen wachgerüttelt. Es sind die geistigen Erzieher, Lehrer, Meister, Schutzgeister, Verwandte, die an das Gewissen des Menschen appellieren. Vielleicht ist es nur ein einzelner Geist, während sich die andern etwas abgewandt haben. Dieser Geist kann der Schutzgeist sein, der den Menschen beeinflusst und an seinem Gewissen rüttelt.

Das Gewissen im Menschen kann man nicht sehen, so wie man auch die Seele mit den irdischen Augen nicht sehen kann. Das geistige Auge aber ist auf alles Geistige ansprechbar. Geistige Wesen sprechen das Geistige im Menschen an. Von innen heraus dringt dann diese Mahnung zu ihm und löst bei ihm Unsicherheit, Angstgefühle, Unruhe aus. Denn der mahnende Geist möchte doch, dass sein Schützling nichts Falsches tut – dass er ihm ein guter, williger Schüler ist. Dann und wann gelingt es, einen solchen Menschen so zu beeinflussen und sein Gewissen so wachzurütteln, dass er das Unrecht in Ordnung bringt. In das Bewusstsein des Menschen kann also einiges dringen, das von der Geisterwelt Gottes zum Menschen herangebracht wird.

Nun möchte ich noch hinweisen auf die wunderbare Beeinflussung, das wunderbare Zusammenleben jener Betreuer mit ihrem Schützling, in der Zeit, wenn der Leib ruht und das Geistig-Seelische des Menschen frei ist. Für die geistigen Betreuer wird er jetzt ansprechbar. Man mahnt ihn, man tröstet ihn, wenn es notwendig wird. Man macht ihn auf die Pflichten aufmerksam, die er zu erfüllen hat, und man spricht oft auch ernstliche Worte. Denn das ist ja des Meisters und der Erzieher Aufgabe. Ihre Aufgabe ist ja, ihren Schüler erfolgreich zu machen. Sie wollen ihm das beibringen, was für die geistigen Gesetze und für das geistige Leben von Bedeutung ist.

Wer keinen starken Gottesglauben hat, wer allzu sehr im Leben strauchelt, der kann nicht annehmen, dass er auf ganz besondere Art und Weise Betreuung findet. Aus der Gnade Gottes aber wird einem jeden zeitweise eine solche liebevolle Betreuung zugutekommen. Aber stellt euch vor: Wenn in einem menschlichen Leben eine solche Betreuung vielleicht nur drei- oder viermal geschehen ist, ist das wirklich wenig. Wenn sich hingegen einer zum Göttlichen hingewandt hat und mit ihm verbunden ist, ist auch die Verbundenheit unsererseits da. Wenn er im Geiste Verehrung für das hohe Geistige hat, wenn er im Geiste verbunden ist mit Gott, mit seiner Gerechtigkeit, dann schafft er sich ja ganz andere Bedingungen. Er ebnet so den Zugang der höheren Welt zu sich.

Es kommt so sehr darauf an, was des Menschen Wille ist. Liebt er Gott als ganzer Mensch? Liebt er die Mitmenschen wie sich selbst? Steht er in einem engeren Verhältnis mit der höheren Liebe? – “Liebe den Nächsten wie dich selbst” (Mat. 19, 19). Kann er das im wahren Sinn des Wortes zum Ausdruck bringen? Gönnt er dem Nächsten genauso viel und genau das, was er für sich selbst beansprucht? Liebt er den Nächsten so? Lebt er so? Wenn ja, dann wird diese wunderbare Melodie angestimmt, denn sie alle sind sich in einer Sprache einig. Dabei spielt es keine Rolle, ob es nun um den persönlichen Schutzgeist geht oder um einen Meister oder sonst einen Geist Gottes, der seine Zugehörigkeit, seine Anhänglichkeit, seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringt. Welch ein Glück übersonnt ihn. Er erlebt ein Stück Himmelreich um seinen Schützling, der zu betreuen ist. Hat man nicht diese Gefühle, liebt man den Nächsten nicht, gönnt man ihm nicht das, was man sich selber wünscht – dann gibt es keine hohe, herrliche Melodie. Man ist sich nicht einig, und die Sprache der Geister, dieser Betreuer, ist verschieden im Klang.

Ich möchte nicht gerne darüber reden, wie man sich belastet, wenn man den Nächsten nicht liebt. Aber es ist doch eigentlich etwas, was es wert ist zu betonen, denn die Worte Christi haben einen so hohen Wert: “Liebe den Nächsten wie dich selbst.” Damit ist gemeint, dass man den Nächsten nicht nur für einige Stunden, Tage oder Wochen lieben soll wie sich selbst, sondern ein ganzes Leben lang. Und zwar alle Menschen, nicht nur einen Menschen, den man bevorzugt. Es ist vielleicht schwer – überlegt es einmal. Liegt da nicht beim einen oder andern eben eine Schuld, weil er gar nicht fähig ist, den Nächsten so zu lieben wie sich selbst? Wenn er ihn lieben würde, würde er ihm nie Schmerz bereiten. Er würde ihn nie durch harte Worte verletzen.

Nun zum Erleben der Seele, wenn man im Schlaf frei ist von den Beeinflussungen der äusseren Welt, wenn man losgelöst ist von ihr. Man ist ihr aber nicht gänzlich abgewandt, da man durch das silberne Band gebunden ist. Der wunderbare Schlaf ist dem Menschen gegeben worden, um etwas von den Äusserlichkeiten loszukommen – von dem, was auf ihm liegt, ihn bedrückt, ihn manchmal zu erwürgen scheint. So kann der Mensch in diese geistige Ruhe eingehen, für Stunden nur.

Ich möchte mich jetzt denen zuwenden, die den Nächsten lieben wie sich selbst. Ein solcher Mensch – oder sagen wir ihm Schützling –, der da in der Ruhe ist, hat seine vielen Wünsche. Man wird diesen Wünschen nachkommen, wenn man die Möglichkeit hat, sie zu erfüllen, so er nicht Unmögliches verlangt. Es ist eben so, dass diese Erzieher, diese Meister, die den Schützling umgeben, führend sind. Sie geben ihm Ratschläge und erklären ihm, was für ihn gut wäre zu erleben oder was er erleben darf. Wenn ein Mensch den Nächsten lieben soll wie sich selbst, so wie ich es erklärte – und dieses ist wohl sehr, sehr viel verlangt –, wird er, wenn er doch alles tut, um das vollbringen zu können, auf irgendwelche Art und Weise wieder andere menschliche Schwächen zeigen.

Nun sagte ich ja, dass dieser Schützling seine Wünsche aussprechen kann. Sie beziehen sich selbstverständlich nicht etwa auf irgendetwas im menschlichen Leben, sondern es spricht ja das Seelisch-Geistige. Die Seele ist es ja, die ihre Wünsche äussert. Und so sollen diese Wünsche auch nur im seelisch-geistigen Bereiche sein. Ich möchte das so zum Ausdruck bringen, dass man sich darüber klar wird, dass es um ein geistiges Erleben geht, um ein Leben, das für den Menschen nicht sichtbar ist, das er wohl ahnt, von dem er nun hört. Wenn ein solcher Mensch seine Wünsche äussert, kann einer von diesen Betreuern sagen: “Ich habe auch meine Bedingungen. Du forderst solches von uns, und so musst du für das, was du forderst, bezahlen. Du musst dem gerecht werden.” Damit meinen die Geister Gottes, dass er in seinem Leben weitere geistige Erfolge erzielt, sagen wir, von seinen Untugenden überwindet und Fehler in seinem Leben ausscheidet. Das ist die Forderung des hohen Geistes an den Schützling. Er sagt ihm: “Du kannst das, worum du nun bittest, erreichen, wenn du das andere tust.” Der eine fordert vom andern, und man wird sich so gegenseitig gerecht. Kann man diese Leistungen, die verlangt werden, vollbringen, steht dem Verlangten nichts im Wege. Manchmal wird ein hoher Preis verlangt, und dieser hohe Preis kann nicht immer bezahlt werden. Das heisst, man erreicht nicht, was man im Geiste wünscht.

Diese Betreuer machen ihren Schützling aber auch darauf aufmerksam, man solle bescheidenere Wünsche aussprechen, denn sie sehen ja den ganzen Menschen und wissen um seine Fähigkeiten. Sie kennen seine Schwächen, und sie kennen auch seine Stärken. So verlangen sie von ihm das, was sie glauben, dass er es auch erreichen kann. Diese Betreuer versprechen, ihren Beistand zu geben. So kann es dann eben zu diesen geistigen Erfüllungen kommen.

Diese Wünsche sind ja so verschieden. Sie sind deshalb verschieden, weil der Geist, der einverleibt ist im Menschen, noch zu sehr an das Äussere seiner Welt gebunden ist und davon beeindruckt wird. Somit ist er auch nicht immer imstande, ein richtiges geistiges, erhebendes Verlangen auszusprechen. Dazu stehen ihm die Betreuer zu seinen Diensten und raten ihm.

Wer mit der Geisteswelt und mit Gott verbunden ist, der möchte doch gerne in diese Höhen hineinblicken. Wer möchte denn nicht den Wunsch äussern, wenn er die Verehrung für Christus hat, ihn in seiner nächsten Nähe zu sehen, oder sogar das Verlangen haben, nur den Saum seines Kleides, seines Mantels zu berühren. Mancher ist mit dem zufrieden; denn wenn er solches kann, ist er Christus ja persönlich nahe. Ihr wisst jedoch, dass es ja auch ein geistiges Schauen gibt, wo man dem Geschauten nicht persönlich gegenübersteht, wohl aber alles sieht und miterlebt, was sich abspielt. So ist es doch ein grosser Unterschied, ob man selbst in nächster Nähe mit dabei ist.

Dann und wann kann einem der Wunsch in Erfüllung gebracht werden, nur den Saum vom Gewand des Königs zu berühren. Seine Gewänder sind weit – kostbar sind sie – und lang die Schleppen, die von den Engeln Gottes getragen werden. So ist es möglich, in seine Nähe zu kommen und den Saum seines Gewandes zu berühren. Andere haben selbstverständlich grössere Wünsche. Sie möchten vor ihm niederknien, sie möchten seine Hände küssen. Doch was glaubt ihr, wie viel es dazu braucht? Viel, sehr viel. Aber es geschieht auch. Denn er ist der König, und er ist für die Seinen da und spricht zu ihnen. So geschieht es, wenn einer grosse geistige Leistungen im Leben vollbracht hat, dass er würdig geworden ist, ihm vorgestellt zu werden, zu ihm zu reden.

So kann man dem König begegnen. Wenn ihr nun glaubt, dass ein verstorbener Mensch, der dies erreicht hat, in die höchsten Höhen hinaufkommen müsste, so kann ich dem widersprechen und sagen: Es ist der König selbst, der sich herniederneigt, der durch seine Sphären schreitet, durch die Himmel zieht und zu jenen Geistgeschwistern hingeht, die sich auf dem Wege nach oben befinden, aber noch nicht jene höchste Stufe erreicht haben. Auch sie dürfen ein Erleben mit ihm haben, denn er ist der König. Er kümmert sich um die Seinen, denn er lebt nicht abgeschlossen oder zurückgezogen, weil er der König ist. Vielmehr lässt er sich sehen, er spricht zu den Seinen. So wird Gelegenheit gegeben, ihm zu begegnen, ihm nahezukommen.

Dieses Erleben kann ein verstorbener Mensch haben; aber auch in der Zeit, wenn der Körper ruht, kann der Geist in der Geisteswelt ein solches Erleben haben und diese Schau erhalten. Man kann den König im Geiste sehen. Das ist wahrlich schon geschehen und hat Menschen in ihrem geistigen Leben total gewandelt. Nicht allzu oft geschieht solches; es geschieht aber – manchmal gerade da, wo man es nicht erwartet.

So ist das Leben des Menschen: Es spielt sich in der sichtbaren Welt ab – und da ist andererseits das geistige Leben, wo sich auch so unendlich viel abspielt, das aber nur in sein geistiges Bewusstsein dringt. Nur der Geist erlebt es. Wenn ihr nun vielleicht denkt: “Was nützt es mir, wenn solches Geschehen, solches Erleben nicht in mein Bewusstsein kommt? Was nützt es?” Oh, liebe Geschwister, wenn es im Willen Gottes ist, ist es weise gehandhabt, so wie es ist. Denn ihr habt auch nicht Kenntnis davon, was ihr im letzten Leben wart. Auch dies ist weise durchdacht worden. Und trotzdem wird im gewissen Sinne der ganze Mensch durch solche geistige Erlebnisse beeinflusst. Ein solches Erlebnis – dies betone ich – findet ja meistens nur statt, wenn man aufs Engste mit dem Göttlichen verbunden ist. Dadurch kommt durch den ganzen Menschen eine Harmonie. Sein ganzes Wesen ist wie eine herrliche Melodie, denn er ist geklärt – er hat ein ausgeglichenes Wesen. Er muss spüren, dass er auf diese Weise im Geiste andere Erlebnisse hat, ein anderes Leben lebt als nur das äussere menschliche Leben mit seinen Pflichten. Denn dieses vergängliche Leben bringt ja jedem Menschen so viele Enttäuschungen.

Dieses irdische Leben ist eben unvollkommen. Und deshalb ist es nicht richtig, wenn der Mensch sich allzu sehr mit den Fehlern der Mitmenschen oder allzu lange mit seinen eigenen Fehlern befasst. Bedeutungsvoll ist es aber, dass er versucht, zur Einsicht zu kommen, vorwärtszublicken und sich zu ändern. Er soll sich nicht am Vergangenen festhalten und bewusst in den Fehlern leben, indem er sagt: “Ich kann einfach nicht anders.” Das ist ungeschickt. Im Geiste muss man die hohen Ziele des Lebens vor sich sehen. Man muss vorwärtsschreiten, den geistigen Höhen zu, und Vergangenes vergangen sein lassen. Denn dies tun auch Gott und Christus. Bedenkt einmal, wie würde es mit euch aussehen, wenn Gott euch ständig die Fehler von früher vorhalten würde. Es gäbe ja keinen Fortschritt. Vielmehr soll man vorwärtsblicken, die hohen Ziele des Lebens vor sich sehen, nach ihnen trachten und sich nach ihnen ausrichten. Man soll immer Neues gewinnen, immer Schöneres zu erreichen suchen – das ist es, was der Mensch tun muss. Dazu wird er ja vom Geiste von innen heraus angespornt. Er wird so beeinflusst.

Wir machen euch darauf aufmerksam, dass der Wille des Menschen eine so bedeutende Rolle spielt. Er muss sich hingeben, er muss nach dem Guten suchen, er muss nach dem Willen Gottes forschen und danach leben. Willensstark muss man werden und die Schwächen, die Willensschwachheit überwinden. Wohl weiss ich, dass es schwer ist, weil es viele seelisch kranke Menschen gibt. Da kann man zu ihnen reden, reden, und es hilft nichts. Es ist gerade so, wie wenn der Arzt den Patienten eine Medizin gibt, und sie nehmen die Medizin nicht, weil sie sagen: “Es hilft ja doch nichts.” Sie sagen das, weil sie kein Vertrauen haben, keine Zuversicht, keine Hoffnung auf etwas Besseres und weil sie keinen Glauben haben. Sie sind ungehorsam, mutlos und schwach, weil sie nicht dem Wort eines über ihnen stehenden Menschen glauben wollen. So kann der Mensch vieles für seinen Fortschritt tun. Er selbst kann seinen Fortschritt aufhalten und seinem geistigen Glück im Wege stehen – es ist aber auch möglich, sein geistiges Glück zu fördern.

Ich kenne wohl die Gedanken da und dort. Menschen sagen sich: “Ich bin nicht fähig, weil ich depressiv veranlagt bin.” Dieses ist eine seelische Krankheit. Mit solchen Menschen müsste man viel, viel Geduld und viel Zeit aufwenden, um ihnen neue Hoffnung fürs Leben zu machen, ihren Willen zu stärken und die edle Gesinnung zu fördern. Dazu braucht es helfende Menschen, die bereit und fähig sind, für Geist und Seele wie ein Arzt zu wirken.

Nun, liebe Geschwister, ihr habt die Möglichkeit, im Geiste Verschiedenes zu erleben. Für die Meditation gibt es verschiedene Wege. Ihr könnt in der Hoffnung leben, dass euch im Geistigen Wunderbares geboten wird, wenn ihr auch Leistungen vollbracht habt. Man fordert von euch, und dann wird euch gegeben. Man kann allein schon über das Wort “Liebe den Nächsten wie dich selbst” meditieren. Meditieren heisst ja nichts anderes als sich abwenden von der äusseren Welt und sich hineinfühlen in die Ewigkeit, um das geistige Auge weit aufzutun, sein Ohr so zu öffnen, um zu vernehmen, was die Betreuer einem sagen möchten.

So, liebe Geschwister, vermag ich euch den Weg zu zeigen. Gerne wiederhole ich dieselben Worte: Ich will nicht nur von euch bewundert werden, ich möchte auch euch bewundern und wirklich an eurer Bewunderung für alles geistig Erlebte teilhaben. Ich möchte mit euch bewundern, was ihr erlebt. So möge Gottes Segen über euch kommen. Möget ihr glückliche Menschen werden – froh im Herzen, froh in der Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 16.4.1969 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 6/2017
Preis USD 4.00
25 Seiten, 21 × 29,7 cm