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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 6/2024 zum Thema Die Macht Christi
Geistige Welt 6/2024
Die Macht Christi
Beschreibung

Gott gab Christus die Möglichkeit und die Kraft, die gesamte Schöpfung zu gestalten und zu entfalten, und er salbte ihn, seinen einzigen aus ihm geborenen Sohn, zum König der ganzen himmlischen Geisterwelt. So “ist alles, was geworden ist, durch ihn geworden, und alles ist ihm untertan” (Kol. 1, 15–18). Während unermesslicher Zeiten war Christus sodann der fürsorgliche König aller geistigen Völkerschaften – bis schliesslich einer auftrat, der an seine Stelle treten wollte. So “entbrannte ein Kampf im Himmel, und hinausgeworfen wurde der Teufel, der die ganze Welt verführt, und seine Engel wurden mit ihm hinausgeworfen” (Off. 12, 7–9).
Mit Macht und Gewalt gab Christus in seinem menschliches Dasein die Beweise, dass er wahrhaft der Sohn Gottes ist. Und mit Macht und Gewalt drang er nach seinem irdischen Tod in das Reich des Widersachers ein, um ihm im Letzten Gericht das neue Gesetz aufzuerlegen, das Gesetz, das für alle Gefallenen Gültigkeit hat, bis auch der letzte den Weg zurück in die göttliche Heimat gefunden hat.

Themenheft 6/2024: Die Macht Christi

Inhalt
Gott gab seinem Sohn Macht und Gewalt im Himmel und auf Erden

Josef, 15. Oktober 1977

Gott gab seinem Sohn Macht und Gewalt im Himmel und auf Erden

Christus wurde vom Vater zum König der Geisterwelt Gottes gesalbt. Auch als Mensch auf Erden gab er Zeugnis von seiner Macht, die ihm der Vater gegeben hatte. Er wirkte Wunder, heilte Kranke und trieb böse Geister aus und gab so den Beweis für seine hohe Herkunft und seine Stellung.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Gott gab Christus Macht und Gewalt im Himmel und auf Erden; von allem Anfang an gab Gott Christus Macht und Gewalt. Daran kann auch erkannt werden, dass zwischen Vater und Sohn ein besonders inniges Verhältnis vorhanden sein muss. So ist es Christus möglich geworden, in den Himmeln das Wort zu führen, der Führer der Geisterwelt Gottes zu sein; denn Gott hatte ihn zum König gesalbt, er sollte für die ganze Geisteswelt der Führer sein, auch Fürsprecher beim Vater. Gewalt und Macht in den Himmeln ist ihm gegeben worden. Diese Macht und Gewalt war aber ebenso für diese Erde bestimmt.

Diese Macht wurde ihm aber streitig gemacht; sie wurde ihm streitig gemacht durch Luzifer, der ihm auch seine Machtstellung im Reiche des Vaters streitig gemacht hatte. Damals wurden alle, die sich des Ungehorsams schuldig machten, aus den Himmeln gestürzt, und so sind diese ungeheuren Scharen von Geistern mit Luzifer gegangen, hinein in seine Welt, in dieses Totenreich.

Ich habe das letzte Mal erklärt [im Vortrag vom 8. Oktober 1977], dass ein von bösen Geistern Besessener von Christus geheilt wurde. Denn Christus hatte ja die Macht und die Gewalt von Gott, auch Kranke zu heilen, Blinde sehend, Lahme gehend zu machen und böse Geister auszutreiben. Als nun Christus bei jenem Manne, der von bösen Geistern besessen war, ihn fragte: “Wie heisst du, wie ist dein Name?”, so sagte er: “Legion” (Mark. 5, 9).

Ich möchte heute jenen Freunden, die sich darüber Gedanken gemacht haben, auch die Erklärung geben, warum dieser Mensch, aus dem ein böser Geist sprach, sagte, sein Name wäre “Legion”. Um es euch besser verständlich zu machen, könnte ich ebenso sagen: Er hätte sich auch “Namenlos” nennen können. Denn namenlos wurden sie alle, die aus den Himmeln gestürzt wurden. Sie verloren ihre Würde, ihr Ansehen, ihren Besitz. Sie verloren alles, und sie wussten nicht mehr, woher sie kamen, wer sie waren – namenlos, besitzlos waren sie. Aber eines wussten sie: Sie gehörten zusammen mit den Gleichbelasteten, Gleichgesinnten, sie gehörten zu diesen grossen Scharen geistiger Wesen, die mit Luzifer gegangen waren. Und so sagte dieser Geist den Namen “Legion”. Sie waren zu Namenlosen und Besitzlosen geworden; sie gehörten der Herrschaft des Bösen an, jenem Herrscher, der über sie alle regierte und der sie namenlos gemacht hatte.

Die Wesen in den unteren Sphären – wie überhaupt alle, die im Aufstieg begriffen sind – wissen nicht, welchen Namen sie einst getragen haben, welchen Besitz sie einst hatten. Um dieses Erbe müssen sie sich erst bewerben; sie müssen sich bemühen, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, dass sie einstmals einen Namen hatten, einen Besitz und Ansehen. Um dieses müssen sie sich bewerben. Und es wird keinem leicht gemacht, zur Erkenntnis zu kommen, woher, aus welchen Himmeln, aus welcher Familie er kam, wer einst der Führer jener geistigen Gemeinschaft war. Das alles weiss man nicht, wenn man von unten kommt und sich in den unteren Stufen des Aufstiegs bewegt. Man muss schon in eine höhere Ebene eingetreten sein und seine Verdienste vorweisen können, man muss würdig geworden sein, damit sich die hohe Geisteswelt mit dem Heimgekehrten dahin gehend beschäftigt, dass sie ihn belehrt, ihn unterrichtet und ihm verständlich macht, woher, aus welchen geistigen Chören, aus welchen geistigen Familien er kommt.

So erklärt sich die Antwort jenes Geistes, der für sich den Namen “Legion” verwendete – er wusste nur eines: Er gehörte in diese Schar der Namenlosen, und er kannte seinen geistigen Namen nicht. Ausdrücklich habe ich auch gesagt – da dieser Mensch ja geantwortet hatte –, dass es dem Menschen an sich nicht möglich gewesen wäre, seinen [irdischen, menschlichen] Namen zu nennen, weil sein persönlicher Geist nicht die Herrschaft über seinen Leib ausüben konnte; diesen Namen konnte er also sowieso nicht sagen, dies habe ich wörtlich ausgedrückt. Aber er konnte auch keinen Namen sagen für sich noch für die vielen andern, die mit ihm waren. Sie gehörten alle zusammen zu einer Legion, und sie waren alle namenlos und sind es geblieben bis zu der Zeit, da Christus seinen Auftrag erfüllte und Möglichkeiten schaffte für die Heimkehr und sie sich auf ihrem persönlichen Weg der Rückkehr vorübergehend einen Namen geben konnten. Und in der Regel ist es auch so: Kehrt ein Verstorbener in die geistige Welt zurück, verwendet er noch eine gewisse Zeit lang den Namen, den er als Mensch gehabt hat, mit dem man ihn auf Erden gerufen hatte – doch dieses nur für eine bestimmte Zeit.

Ihr wurdet und werdet ja stets darüber belehrt, dass man im geistigen Reiche einer Tätigkeit nachgehen muss, dass man zuerst in eine Läuterung geführt wird, wo man das Hauptsächlichste wiedergutzumachen oder abzutragen versucht. Man wird zur Rechenschaft gezogen für das, was man im Leben falsch gemacht hat; man muss eine gewisse Zeit dafür sühnen. Da man aber nicht unbedingt alles, was man im Leben falsch gemacht hat, in der Jenseitswelt wiedergutmachen kann, wird es nötig werden, wieder in ein menschliches Dasein zu kehren. Man wird auch als Mensch manches wiedergutmachen müssen, was man im vorherigen Leben falsch getan hat. Darüber werdet ihr stets unterrichtet.

Und diese Geistwesen, die bis zu ihrem neuen irdischen Dasein für längere Zeit in der Geisteswelt leben, werden ja eingereiht in das gemeinschaftliche Leben mit andern. Bewegt man sich auf höheren Ebenen, so ist es womöglich so, dass man in einer kleineren geistigen Familie wohnt und hier einen Namen bekommt. Aber dieser Name muss nicht der wirkliche geistige Name sein – er ist es meistens auch nicht. Man legt sich einen Rufnamen zu, an dem man Gefallen findet oder der etwas zu tun hat mit der Arbeit, die man ausführt. So kann man auf diese Art und Weise einen Namen führen. Ich möchte aber ausdrücklich sagen, dass dieser Name in der Regel nicht der wirkliche geistige Name ist. Es kann vielleicht in seltenen Fällen, auf höherer Geistesstufe, vorkommen, dass man seinen wirklichen geistigen Namen führt. Dies auch als eine Erklärung.

Christus hatte Macht und Gewalt, als er da in sein menschliches Dasein kam. Und als die Zeit seines Wirkens begann, da hatte er von dieser seiner besonderen Macht und Gewalt Gebrauch gemacht; denn dadurch wollte er ja den Mitmenschen den Beweis geben, dass er wirklich Gottes Sohn ist. Denn er war sozusagen immer im Streitgespräch mit den Pharisäern und den Schriftgelehrten, mit all jenen, die im Tempel waren und dort eine Aufgabe hatten. Denn er konnte ja nicht ihrer Meinung sein, und so führte er im Tempel solche Streitgespräche mit ihnen.

Er führte solche Gespräche aber auch ausserhalb des Tempels. Und da war es einmal, dass er einem Blindgeborenen begegnete. Und seine Jünger kamen und fragten: “Meister, wer hat denn gesündigt, dass dieser blind geboren wurde – er selber oder seine Eltern?” Und Christus antwortete: “Weder er noch seine Eltern; dies ist geschehen, damit Gottes Werke an ihm offenbar werden.” (Joh. 9, 1–3.)

Ich habe euch schon des Öftern erklärt: Bevor Christus seinen Auftrag erfüllt hatte, konnten so viele unreine Geister beim Menschen Besitz nehmen. Sie suchten sich Menschen aus und trieben dort ihr Unwesen – sie wurden nicht von einer höheren Macht aufgehalten. Dies war also möglich, bevor Christus seinen Auftrag erfüllt hatte, bevor er in sein Lehramt trat. Er hatte die Macht und die Gewalt, böse Geister auszutreiben und Kranke zu heilen, so wie er es während seiner Lehrzeit getan hat als Beweis für seine Stellung. Ihm war es möglich, in der Weise den Menschen Beweis von seiner Herkunft zu geben, dies auch für die Pharisäer und die Schriftgelehrten; denn sie mussten sich fragen: “Wer ist er denn, dass er solches fertigbringt?” Doch sie wollten es nicht annehmen, was er sagte.

Ich möchte also darauf hinweisen, dass es der niederen Geisteswelt damals, bevor Christus seinen Auftrag erfüllte, möglich war, sich Menschen auszusuchen, um sich bei ihnen auszuleben. Dieses Recht war jener niederen Geisteswelt zugestanden. Und nun kam Christus und übte seine Macht aus und trieb bei diesem oder jenem Menschen den bösen Geist oder die bösen Geister aus. Dieser Christus, er konnte es tun.

Die Menschen von dazumal konnten es nicht begreifen und verstehen, dass Christus wahrhaftig der Sohn Gottes war. Das eine Mal glaubte man ihm, wenn man von einer besonderen Tat oder einem besonderen Wunder, das er vollbrachte, überzeugt wurde – dann glaubte man ihm. Ein anderes Mal aber fielen jene Pharisäer und Schriftgelehrten über Christus her und versuchten, die Zuhörer wieder für sich zu gewinnen. Denn diese Pharisäer und Schriftgelehrten übten auch eine gewisse Gewalt aus auf die Menschen und drohten ihnen. Und so hatten sich doch viele im Geheimen Christus angeschlossen.

Wenn nun die Jünger bei diesem Blindgeborenen ihren Meister fragten: “Wer ist denn schuld an seiner Blindheit – er selbst oder seine Eltern?”, so geht aus dieser Frage doch hervor, dass man an eine Wiedergeburt glaubte, wenn auch nicht in allen Religionsgemeinschaften oder Religionsrichtungen, von denen es damals verschiedene gab – solche, die in ihren Glaubensregeln sehr streng waren, und solche, die etwas grosszügiger waren. Man hatte also das Wissen um das Wiedergeborenwerden.

Christus fragte ja bei einer anderen Gelegenheit auch einmal seine Jünger: “Was sagen die Leute, wer ich bin?” Und auch da mussten sie ihm antworten: “Die einen sagen, du wärst der wiedergeborene Elia oder sonst einer der Propheten.” (Mat. 16, 13–14.) Sie glaubten also an das Wiedergeborenwerden, auch wenn Christus nicht im Besonderen darauf hinwies, da ihm doch vieles viel wichtiger und von grösserer Bedeutung zu sein schien, es den Menschen klarzumachen: Sie wollten ja nicht glauben, dass er Gottes Sohn ist, und sie konnten auch Gottes Barmherzigkeit nicht verstehen, so wie sie durch Christus zum Ausdruck kam.

Als er seinen Jüngern auf ihre Frage bezüglich des Blindgeborenen entgegnete: “Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern es ist geschehen, damit Gottes Werke an ihm offenbar werden”, so sollte das heissen: Gottes Barmherzigkeit und Gottes Gnade sollten eben durch ihn, durch Christus, geoffenbart werden. Denn Gott liess doch aus Gnade, aus Barmherzigkeit und aus Mitleid mit all jenen, die da unter der Herrschaft Luzifers lebten, seinen Sohn ins menschliche Dasein treten; aus Gnade und Barmherzigkeit, aus Mitleid mit ihnen hatte er seinen geliebten Sohn nicht bewahrt vor dieser grossen und schweren Aufgabe, er hat ihn nicht geschont. Christus wurde die Möglichkeit gegeben, sie alle wieder zu sich zurückzunehmen. Denn er war ja der König aller Geister, und als König wollte er sie wieder bei sich zurück haben.

Die Macht und die Gewalt, die Christus auf dieser Erde ausgeübt hat – und er hatte stets die Möglichkeit, dass sein Wille durch seine Engel ausgeführt wurde –, diese Macht und Gewalt bleibt immer bei Christus. Dass es dazumal ein geistiger Kampf war, das ist etwas, was man heute in den christlichen Lehren und Kirchen nicht versteht, nicht lehrt; man spricht nicht davon. Es muss doch eine Ursache haben, dass der Sohn Gottes in das menschliche Dasein trat – dieses erwähnte ich auch. Und es musste doch eine Ursache haben, dass Christus, wie in der christlichen Lehre verkündet, nach seinem Tode niedergefahren ist zur Hölle – aber nicht als Mensch, sondern als Geist. Dort hielt er das Letzte Gericht und trat mit dieser Letzten Gesetzgebung vor Luzifer. Diese Gesetze sollten für alle Zeiten ihre Gültigkeit haben. Und von jenem Zeitpunkte an, als diese Gesetze in Kraft traten, hatten diese bösen Geister nicht mehr so eine uneingeschränkte Gewalt über die Menschen – dieses Recht wurde Luzifer genommen.

Wohl darf man dies nicht verwechseln mit jenen Fällen, wo böse Geister von einem früheren menschlichen Dasein her Vergeltung an einem Menschen üben – das ist etwas anderes. Aber es darf [seit Inkrafttreten der Letzten Gesetzgebung]kein unschuldiger Mensch mehr von einem bösen Geist besetzt oder umfangen werden; so ist das Gesetz. Es wäre doch für das Verständnis der christlichen Lehre so wichtig, dass dem Gläubigen diese Wahrheit offenbart würde; denn dieses ist etwas Grundsätzliches, das er wissen muss. Und gerade das wird ihm verschwiegen, gerade darüber spricht man nicht. Man will nichts wissen von Geistern im Totenreich oder von Geistern, die in dieser Welt ihr Unheil treiben. Man spricht auch nicht von Wiedergeburt. Und auch das wäre so bedeutungsvoll und so wichtig, dass es dem gläubigen Menschen offenbart würde. Die Tore zu dieser Wahrheit sind ihm verschlossen. So wird ihm so vieles vorgesprochen, vorgesagt, doch er weiss damit nichts anzufangen.

Wenn es heisst, Christus sei das Licht der Welt, so ist es einem Geistwissenden klar, was damit gemeint ist. Christus ist der rettende Geist, der Licht in diese Dunkelheit bringen sollte. Denn die Welt ist eine geistige Dunkelheit. Aufgehellt wurde sie durch Christus. Aber es will heute wohl niemand behaupten, dass in dieser Welt so viel geistiges Licht wäre. Daher wäre es für den gläubigen Menschen von grosser Bedeutung, mehr über den Heils- und Erlösungsplan zu wissen. Christus hatte während seiner Lehrzeit so viele Möglichkeiten wahrgenommen, sich kundzutun. So manche seiner Worte würde man viel besser verstehen, und man könnte so viele Vergleiche machen, wenn man die Ursache des menschlichen Lebens kennen würde, wenn man wissen würde, warum menschliches Leben auf dieser Erde notwendig geworden ist.

Gläubige beten doch, sie beten das Vaterunser. Sie wenden sich in diesem Gebet an Gott im Himmel; sie wenden sich von dieser Welt ab und rufen zu Gott im Himmel. Sie anerkennen die unsichtbare Welt, sie bitten um ihr täglich Brot. Wenn man näher über dieses Gebet nachdenkt, so muss man sich doch sagen: “Wenn ich schon Gott bitte um das tägliche Brot, so muss doch eine Person vorhanden sein. Es muss eine Verbindung vorhanden sein, auch wenn sie für das menschliche Auge nicht sichtbar ist – es muss eine geistige Verbindung vorhanden sein.” Wenn man zu Gott im Himmel betet und zu ihm fleht, dann ruft man über die Welt hinaus in eine andere Welt, in diesen Himmel hinein. Und dort sucht man Verständnis, Hilfe für seine Not oder für seine Probleme, die man hat. Wenn in der Welt niemand da ist, der einen versteht, dann entflieht man in seinem Denken dieser Welt und wendet sich der andern, unsichtbaren Welt zu und erhofft von dort die Hilfe.

So wird der Mensch doch von innen heraus gedrängt zu solchem Denken. Denn es ist der eigene Geist im Menschen, der höheres Wissen hat. Aber sein höheres Wissen dringt nicht durch das menschliche Denken, er vermag dem Menschen den Weg nicht zu zeigen, weil der Mensch von den Äusserlichkeiten und vom Sichtbaren dieser Welt so eingeengt und ihr verschrieben ist. Daher vermag er mit seiner Kraft nicht, sein Denken dieser höheren Welt zuzuwenden. Es wäre aber manchem geholfen, würde man ihm den Weg zeigen und ihm Erklärungen geben. Er muss aber auch bereit sein zu glauben.

Und diejenigen, die von sich behaupten, religiös oder gläubig zu sein, sie haben doch die Möglichkeit, in der Bibel zu lesen. Und dann sollen sie die Vergleiche ziehen [zu dem hier Vernommenen], und so werden sie besser verstehen. Aber wie weit entfernt ist das noch. Man ist nicht willens, das Bisherige als falsch anzuerkennen, man ist nicht willens, Fehler zuzugeben. Da man dieses nicht will und nicht kann, muss die Geisterwelt Gottes ihren Weg finden und die Wege suchen. Und diese Wege zur Wahrheit sind im Plane Gottes vorgezeichnet. So wird die Zeit kommen, wo die Wahrheit Verbreitung findet.

Ihr macht euch darüber Gedanken, und ihr habt den Wunsch, das möchte doch recht bald geschehen. Auch da, liebe Geschwister, könnt ihr euch nicht richtig einfühlen in die geistigen Gesetze. Ihr müsst versuchen, euch vorzustellen, welch ungeheure Zeit verflossen ist seit jenem Zeitpunkt, da jene Wesenheiten den Himmel verlassen mussten. Ich habe dafür keine Zahl, die ich nennen kann. Und überlegt im Weiteren und bedenkt: Es sind noch nicht zweitausend Jahre her, seit Christus die Erlösung gebracht hat; und die geistige Entwicklung schritt doch immer etwas vorwärts. Es brauchte aber immer Kämpfe, um diesen Fortschritt zu erreichen. Und wenn ich von diesem Fortschritt spreche, meine ich natürlich nicht, man hätte bereits einen geistigen Höhepunkt erreicht. Aber man hat heute schon einiges erreicht. Man steht nicht mehr unter geistiger und menschlicher Gewalt, seinen Glauben so ausrichten zu müssen, wie es diesen oder jenen Menschen gefällt, andernfalls man bestraft würde. Dieses ist auf diese Weise bei euch wohl nicht mehr möglich. Das bedeutet schon einen Schritt vorwärts, und in hundert Jahren wird es hinsichtlich des Geistesglaubens ganz anders aussehen.

Des Öftern habe ich euch darauf aufmerksam gemacht: Nicht mit Gewalt kann das Bisherige aufgelöst werden, nein, nur langsam kann es gehen. Und es muss vom einzelnen Menschen ausgehen, was nachher oder später da in die Weite ausgestreut werden muss. Langsam nur kann es wachsen und sich festigen. Und so wird es beim Menschen sein, der da auf dieser Erde lebt, der einen Glauben hat. Auch wenn er sich noch nicht auf dem Weg der Wahrheit bewegt und diese Geisteslehre noch nicht kennt, wenn er aber in geistiger religiöser Freiheit leben will und lebt, so ist dieses nicht nur in seinem Denken verhaftet, sondern es ist etwas, was in seiner Seele haftet. In seiner Seele ist diese Überzeugung, und so ist ihm die Möglichkeit geboten, schneller aufzusteigen. Wenn er in die Geisteswelt zurückkehrt, wird er dort ja weiter belehrt werden. Und wer mit gewissen Erkenntnissen zurückkommt, wird einen Vorzug haben; er hat Vorteile gegenüber dem, der gar nichts weiss, dem alles fremd ist. Ein solcher wird auch in der Geisteswelt nicht glauben wollen; denn wenn er noch so erdgebunden ist und so irdisch denkt, dann ist er ja nicht einmal bereit, zu glauben, dass er wirklich gestorben ist.

Wer aber mit der Geisteslehre vertraut geworden ist, der hat doch in seine Seele geistige Werte gelegt. Und diese geistigen Werte zählen. Sie werden gewogen, wenn man wieder im geistigen Reiche lebt. Da zählen diese geistigen Werte, da zählt das geistige Wissen, das man über den Heils- und Erlösungsplan, über den Schöpfungsplan erworben hat. Und dann zählt auch, wie man gelebt hat. Hat man sich nach den Worten Christi ausgerichtet, hat man Gottes Gesetze befolgt? Das wird bedeutungsvoll sein, darüber wird gerichtet werden, das wird abgewogen und gemessen.

Hat ein Heimgekehrter solche geistigen Erkenntnisse, so darf er doch bestimmt in eine höhere geistige Schule eintreten, auch wenn er noch nicht unbedingt in eine höhere geistige Stufe eingekehrt ist. Auch in den unteren geistigen Stufen gibt es verschiedene Schulen und Klassen, und dort kann man sich höheres Wissen aneignen. Man kommt also zu höheren geistigen Erkenntnissen. Dies heisst aber nicht, dass man deshalb schon in einer so herrlichen Welt lebt, die einem so viel Freude und Harmonie im geistigen Leben bereitet. Dieses sind immer Dinge, die man auch beachten muss.

Dass sich der Mensch in seinem Leben Gott zuwenden soll, steht ja auch in den Geboten. “Du sollst an Gott glauben – an einen Gott glauben”, das ist das erste Gebot (2. Mos. 20, 2–3). Das fällt doch wahrlich manchem Menschen schwer. Und schuld daran, dass manche nicht glauben können, sind sehr oft Mitmenschen, die um solche Ungläubige leben. Denn ein wahrhaftig gottausgerichteter Mensch gibt auch Zeugnis davon, dass er Gottes Erbe ist, dass er eine Verantwortung trägt und es ihm um das höhere Leben geht, eben darum, dem Nächsten seine Aufmerksamkeit zu schenken, ihm mit Liebe zu begegnen und ihm auch all das zu schenken, was Christus vorgelebt hat: Barmherzigkeit, Güte, Verständnis. Der Geistgläubige und der Christenmensch wird doch dazu verpflichtet, seinem Glauben Ehre zu erweisen. Wenn er behauptet, dass er gläubig ist, dann soll er auch dementsprechend leben.

So war doch Christus – wie ich betonte – des Öftern im Streitgespräch mit den Pharisäern, mit den Schriftgelehrten. Diese achteten so sehr darauf, dass er nichts Besonderes tat an einem Sabbat. Er sollte am Sabbat nicht Kranke heilen; das sollte er nicht, und sie machten es ihm zum Vorwurf, wenn er es tat. Er wies aber immer wieder auf seine Stellung hin, die er hatte. Und so kam er ja auch ins Gespräch mit ihnen und sagte ihnen: “Ihr nennt euch Abrahams Söhne, ihr wollt Abrahams Söhne sein.” Denn so sagten sie es. Aber sie taten Abrahams Werke nicht – daher konnten sie auch nicht Abrahams Söhne sein. Und dies sagte Christus ihnen: “Ihr seid Söhne jenes Vaters der Lüge. Dessen Söhne seid ihr, aber nicht Abrahams Söhne, sonst würdet ihr seine Werke tun.” (Joh. 8, 37–45.)

Dies gilt auch für den Christenmenschen. Will man von sich sagen, dass man ein Christ ist, dann muss man auch so leben, wie es Christus verlangt, wie es die christlichen Gesetze vom Menschen verlangen.

Als Christus damals jenen Umstehenden sagte, dass er vor Abraham gewesen sei, da wollten sie Steine auf ihn werfen (Joh. 8, 58–59). Sie glaubten ihm nicht, sie konnten ihm nicht glauben, und so war er doch ständig im Streitgespräch mit ihnen. Sie verstanden – dies möchte ich nur nebenbei bemerken – auch folgende Worte nicht, die er zu ihnen sprach: “Abraham ersehnte den Tag, mich zu sehen” (Joh. 8, 56). Was mit diesen Worten gemeint ist, kann wohl ein geistig ausgerichteter Mensch begreifen und verstehen, der die Geisteslehre einigermassen kennt. Er weiss, wie es zu verstehen ist, dass Christus vor Abraham war; und er weiss auch, warum Abraham den Tag der Menschwerdung Christi ersehnte – weil es damit eine Erlösung geben und der Weg zurück ins Himmelreich frei gemacht würde.

Das alles sind Worte, die Christus seinen Zuhörern gab und die heute noch überliefert sind. Doch man weiss damit nichts anzufangen, weil man den Anfang und die Ursache nicht kennt. Wie viel besser wäre es für manchen, er wäre darüber unterrichtet. Es würde ihm in seinem Leben so manches viel leichter gemacht, er würde mit seinem Leben eher fertig, er würde die Sorgen des Mitmenschen verstehen und würde anfangen, sich mit den Problemen des Nächsten zu befassen. So würde er den wahren Sinn der christlichen Lehre erkennen und auch die Gebote halten. Das ist es, was die Geisterwelt Gottes vom Menschen verlangt.

Jeder trägt für sich eine Verantwortung, und er trägt daneben noch die Verantwortung für jene Menschen, mit denen er im engsten Familienkreis lebt; auch für sie trägt jeder eine gewisse Verantwortung. Wie man den andern beeinflusst, wie man ihn einschätzt, wie man mit ihm umgeht, dafür wird man auch einmal zur Verantwortung gezogen. Es ist manches, manches, was mancher besser tun könnte.

Liebe Geschwister, ich möchte euch allen den Segen Gottes überlassen. Dieser Segen Gottes soll euch durchdringen. Ihr sollt durch Gottes Gnade und durch seine Kraft zu diesen geistigen Erkenntnissen kommen, die euch ein gottgewolltes Leben ermöglichen. So soll ein jedes gesunden, das da krank ist, sei es an Leib oder Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 15.10.1977 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Die einzigartige Stellung von Christus, dem König der Geisterwelt

Josef, 25. Mai 1980 (Ausschnitt)

Die einzigartige Stellung von Christus, dem König der Geisterwelt

Der eingeborene Sohn Gottes hat vom Vater die Möglichkeit und die Kraft erhalten, die himmlische Schöpfung zu gestalten, und seiner Macht wurde sie unterstellt. Als der von Gott gesalbte König war Christus der fürsorgliche Führer seiner geistigen Völker, bis einer auftrat, um ihm seine Macht streitig zu machen, sodass es zu einer Revolution im Himmel und zu einer Trennung kam. Doch dank der Macht und Kraft Gottes war es Christus möglich, die aus dem Himmel Gestürzten aus der Herrschaft Luzifers zu befreien und ihnen den Weg der Heimkehr zu bereiten.

Josef: [...] Liebe Geschwister, ihr wurdet darüber belehrt und ihr wisst: Christus ist aus Gott geboren. Er ist der Erstling, der Anfang der Schöpfung – Erstling Gottes (Off. 3, 14; Kol. 1, 15). “Dies ist mein geliebter Sohn”, so sprach Gott. Und in der Heiligen Schrift steht geschrieben: “Zu wem hat Gott je gesagt: ‘Dich habe ich heute gezeugt; du bist mir Sohn, ich bin dir Vater’?” (Heb. 1, 5). Zu niemandem, nur zu seinem eingeborenen Sohn. Ihn nannte er “mein Sohn”. Nur für ihn gab es diesen Namen.

Für Gott sollte nun der aus ihm Geborene nicht nur einfach Sohn bleiben; er sollte nicht nur eine Person sein, der man huldigt, die geehrt wird. Sondern Gott wollte seinem Sohn die Rechte geben, die es ihm dereinst ermöglichen sollten, Macht auszuüben. Gott wollte in ihm mehr als nur einen Sohn haben. Er gab ihm von allem, was er besass. Er hatte es bekundet, und Christus hat es stets bestätigt: “Was dem Vater gehört, gehört mir. Der Vater und ich, wir sind eins.” (Joh. 16, 15 und 10, 30.) Wie gut erinnerte sich Christus doch an jene Zeit zurück, als sie noch allein zusammen waren, allein in Glückseligkeit. Aber dieses alleinige Zusammensein sollte doch nicht das ewige Leben sein – die Schöpfung sollte sich weiter entfalten. Der Vater hatte dies dem Sohne ermöglicht. Sein Sohn wurde ja aus ihm geboren; er hatte die Erbanteile vom Vater, von Gott. Gott hat Vater-Mutter-Prinzip in sich, und sein einziger aus ihm geborener Sohn sollte ebenfalls dieselben Vater-Mutter-Prinzipien in sich haben. Ihm wollte Gott die Möglichkeit, die Macht, die Kraft geben zur weiteren Schöpfung. Durch seinen geliebten Sohn sollte nun alles werden. (Kol. 1, 15–17.) Aber das ewige Leben, das Licht, das, was ewiges Leben gibt, das behielt sich Gott selbst vor. Den lebendigen Funken, das Licht, das aus Gott kommt und Leben gibt, das wollte er selbst verabreichen. Schaffen aber sollte sein Sohn. Ihm wollte er es ermöglichen, dieses Licht vom Vater auszutragen. Ihm wollte er es auch ermöglichen, diese Lebendigkeit auszutragen, die er als Vater ihm stets gab, während der Sohn in seiner Schöpferkraft so vielfältig, so stark war und schaffen und schöpfen konnte, wie die Schöpfung heute ist, wie man sie bewundert in ihrer Vielfalt, in ihrer reichen Gestaltung. Aus sich heraus wollte Gott seinem Sohn die dafür erforderliche Macht geben, er sollte die Möglichkeit haben, und er sollte König werden, König im Himmelreich.

Und wenn man von den “Söhnen Gottes” spricht (Hiob 1, 6), so seid ihr auch darüber orientiert, dass diese ‘Söhne’ ja aus Christus geboren sind. Sie sind “Söhne Gottes” – so nannte man es dazumal [obwohl sie untereinander drei Dualpaare bilden; siehe “Meditationswoche 1975”, 3. Abend].

Aber wie hätte eine Schöpfung sich in der Vielfalt ausweiten können, wenn es nur ein Prinzip gegeben hätte? Somit musste also auch Christus wie der Vater das männliche und das weibliche Prinzip in sich haben. Er hatte es vom Vater geerbt, und er sollte auf diese Weise in der Schöpfung wirken; er brauchte dazu diese beiden Prinzipien. Und so hat Christus nun diese Schöpfung gestaltet, und alles ist ihm untertan. (Kol. 1, 15–18.)

Es gab eine Zeit, die ich nicht mit Jahren bezeichnen kann, wo nur Glück im Himmel war. Die aus Christus geborenen Wesenheiten hatten doch so viel von der Schöpferkraft empfangen, denn sie waren auch Erben, Erben von Christus, und vermochten auch in der Schöpfung mitzuwirken und tätig zu sein. Sie hatten auch Macht, doch ihre Macht war nicht zu vergleichen mit der des Sohnes Gottes. Gott gab seinem eingeborenen Sohne alle Macht. Er sollte schöpferisch wirken und die Möglichkeit dazu haben, und ihm wollte Gott alles unterstellen. Die Engel des Himmels sollten sich beugen vor dem König, vor seinem Sohn. Denn sein Sohn trat in der Gotteswelt, als alles noch in Glück und Seligkeit war, viel mehr hervor als der Vater. Der Vater blieb zurück in seiner Herrlichkeit. Wohl überschaute er all die Dinge, die da geschahen, und wohl lebte er seine Zeit mit seinem Sohn zusammen. Die vielen Gespräche, die sie miteinander führten, bezogen sich doch auf die Entfaltung der weiteren Schöpfung. Und so wurde Christus von seinem Vater auch gelenkt und geführt, und er trat hervor und ging von einem Himmel zum andern. Denn im Himmelreich weitete sich das Leben aus. Es wurden geistige Völker geschaffen, wunderbar in ihrer Vielfalt. Bis die Zeit kam, da jener [Luzifer] aufstand, voll des Neides und der Eifersucht auf Christus.

Wenn man sich darüber Gedanken macht und sich fragt: “Wie kann es denn möglich sein, dass Wesenheiten, die vom Göttlichen geschaffen sind, erfüllt werden von Neid?”, so kann ich dafür nur die Erklärung geben, dass ja jedem Geschöpf des Himmels die Freiheit des Denkens und des Handelns gegeben wurde – dass aber alles unter Gottes Macht stand. Das hiess also: Gott konnte einschreiten, wenn es sein musste. Wie lange die Zeit von Glück und Seligkeit dauerte, dafür habe ich auch keine Zahlen. Ich kann euch nur dieses sagen: Die Wesen lebten eine sehr, sehr lange Zeit in der Herrlichkeit, und sie hatten ihre Freiheit und ihr Glück genossen, und so glaubte jener, tun zu können, was ihm gefiel, und Herr werden zu können über die, die Christus unter sich hatte. Er wollte mehr werden und mehr sein. Und auch diese Zeit des Zweifels und der Beeinflussung [der andern Wesen] dauerte sehr, sehr lange. Und dann kam doch der Moment, wo jener glaubte, stark genug zu sein, um alles an sich zu nehmen.

Ihr müsst bedenken und euch vorstellen: Wenn Gott der Mächtige sich ständig unter den Seinen gezeigt und seine Macht zum Ausdruck gebracht hätte, hätte sich wohl keiner getraut, sich aufzulehnen; denn man hätte sich gebeugt, weil man wusste, gegen Gott kann keiner vorgehen. Da Gott aber, wie schon angedeutet, sich in seiner Herrlichkeit, in seinem Glanz zurückhielt und nicht im täglichen Erleben der Geschöpfe da war – denn dafür hatte er seinem Sohn den Auftrag gegeben –, bekamen die Geschöpfe die Macht Gottes nicht so zu spüren, und so wurde diese Auflehnung möglich. Mit dieser Erklärung könnt ihr es doch wohl verstehen: Ist einer da, der streng das Zepter führt und darauf bedacht ist, dass nichts Falsches gemacht wird, wird man sich gegen ihn nicht erheben; man wird es nicht tun, wenn man die Macht des andern erkennt und sie sieht. Wenn aber diese Macht nicht in der Weise zu erleben ist, wenn sie zurückhaltend ist – und eben der Sohn gesandt wird – und man selbst Macht und Entfaltungskraft besitzt, dann traut man sich schon etwas zu.

So kam es, dass Christus den Weg zum Vater fand und ihm klagte. Und der Vater, er tröstete seinen Sohn und sagte ihm: “Ich werde eingreifen, wenn es Zeit ist. Überlass es mir. Die Macht liegt bei mir.” Und so waren Vater und Sohn in Liebe miteinander verbunden. Sie waren eins in der Güte, in der Liebe, im Verständnis, denn der Sohn hatte ja vom Vater die Tugenden und seine Eigenschaften in sein Dasein mitbekommen.

Und so ist es schliesslich zum Abfall, zur Trennung gekommen, das brauche ich jetzt nicht näher auszuführen. Ich wollte euch nur diese Erklärung geben, weil bei manchem gläubigen Menschen Zweifel sind und er sich fragt: “Wie war denn das nur möglich?” Es war in der Weise möglich, wie ich es geschildert habe.

Gross war der Kummer und das Leid, als es zum Abfall, zu dieser Trennung kam. Ein Teil der Wesen musste den Himmel verlassen, denn sie hatten Ungehorsam zum Ausdruck gebracht. Gott hatte ihnen den Befehl gegeben, seinem Sohn Gehorsam zu leisten. Gott hatte seinem Sohn, seinem Abbild, Macht und Herrlichkeit verliehen. Christus sollte nicht nur Sohn sein, sondern wahrhaftig Macht besitzen, und so ist die Schöpfung durch ihn geworden; alles ist durch Christus geworden, und als König durchwanderte er die Himmel.

Als die Ungetreuen aus dem Himmel gestürzt wurden, kam das grosse Leid. Doch Vater und Sohn erbarmten sich jener, die sich nicht so sehr verschuldet hatten; sie hatten Mitleid mit all jenen, die aus dieser Herrlichkeit heraus in den ‘Tod’ treten mussten, an einen Ort hin, wo nur Klagen, nur Weinen, nur Jammern war. So erbarmten sich der Vater und der Sohn, und man schuf die Möglichkeit des Aufstiegs.

Schon gleich von Anfang an – obwohl das ja Milliarden von Jahren wieder gedauert hat – ist der Gedanke gefasst worden, dass durch den Sohn Gottes eine Erlösung stattfinden könnte. Es wurde aber ihm überlassen, freiwillig darüber zu entscheiden; er hätte es ablehnen können – er tat es nicht. Denn der Vater hatte sie alle ihm anvertraut, ihm gegeben; sie gehörten ja alle ihm, sie hatten seinem Reich angehört. Und so wollte er auch für sie einstehen.

So wurde [zur Heimführung der Gefallenen] die [irdische] Schöpfung im Einzelnen aufgebaut und immer weiter gestaltet; es wurde immer wieder gewandelt, umgestaltet, bis zu dem Punkt, wo es so weit war, dass es zu einem Menschendasein kommen konnte. Dafür wurde ja auch diese Erde geschaffen. Denn man sah den Weg zur Errettung der Gefallenen nur darin, dass sie in weiter Entfernung von Gott, in einem menschlichen Dasein, eine Prüfung ablegen sollten, um nach dem Bestehen dieser Prüfung die Heimkehr wieder antreten zu können. Und so sollte es zu diesem menschlichen Dasein kommen. Aber die auf Erden lebenden Menschen mochten sich in ihrer geistigen Entwicklung noch so aufwärtsbewegt haben, der Himmel blieb ihnen gleichwohl noch verschlossen.

Der König wollte aber die Seinen wieder bei sich haben, und so bat er den Vater darum: “Lass auch mich in dieses menschliche Dasein treten. Die Meinen sind in dieses menschliche Dasein geführt worden, sie leben in einer Welt voller Prüfungen, und sie sind weit von dir entfernt und müssen den Weg zu dir finden. Lass auch mich als Mensch in diese Welt eintreten. Lass mich dasselbe erleben, lass auch mich Mensch werden, und gib auch mir Prüfungen. Ich will meine Treue zu dir beweisen. Ich will die Meinen [aus der Herrschaft Luzifers] erretten, aber dazu muss und will auch ich Mensch werden. Ich will ihnen zeigen, dass der Weg zum Himmel frei werden kann, mag diese Aufgabe auch noch so schwer sein.” Denn dass diese Aufgabe sehr schwer sein würde, war vorauszuahnen; denn man kannte ja das Totenreich und seinen Herrscher.

Und so kam die Zeit, da Christus in dieses menschliche Dasein trat, um das Leid der Menschen doch etwas zu kürzen und um den Weg der Heimkehr doch etwas zu beschleunigen. Denn bis dahin vermochte das Böse noch viel mehr zu wirken als heute; die Macht des Bösen war damals unbegrenzt. Und so trat dieser eingeborene Sohn Gottes, der für den Vater “mein Sohn, mein geliebter Sohn” war, in dieses irdische Dasein und nahm die vielen damit verbundenen Prüfungen auf sich. Er aber erkannte den Vater, er wusste um seine Aufgabe, die er in diesem Erdenreich erfüllen musste. Als die Zeit dafür gekommen war, bekam er vom Himmel her die Antwort; er hatte die Schau in den Himmel und die Gespräche [mit seinem Vater und seinen hohen geistigen Geschwistern]. So konnte er erfahren, wer er war und was für eine Aufgabe ihm bevorstand.

Zu gegebener Zeit trat er dann hinaus und gab Zeugnis von seiner Herkunft. Er wirkte Wunder für die Menschen, denn er heilte Kranke, Gelähmte konnten wieder gehen, Blinde wurden wieder sehend. So gab er Zeugnis, und er nannte sich “Sohn Gottes”. Doch in dieser Welt, wo er lebte, da, bei jenen Pharisäern und Schriftgelehrten, empfand man dies als Gotteslästerung (Joh. 19, 7; Mat. 26, 63–65). Er nannte sich “Sohn Gottes”, genau so, wie ihn der Vater rief, wie ihn der Vater nannte: “Mein Sohn. Du bist mir Sohn.” So vermochte er es den Menschen zu sagen, aber die Menschen, sie waren weit, weit weg vom Himmel, und sie ahnten nichts von einer Vergangenheit solcher Art, wie ich sie geschildert habe. Sie sollten glauben können, denn sie hatten Beweise erhalten. Dieser Sohn Gottes gab ihnen so viele Erklärungen, und er erzählte ihnen vom Himmelreich, und er sagte: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12 und 12, 46).

Ja, er war das Licht der Welt. Aber auch heute versteht ein Christenmensch dies nur dann wahrhaftig und wirklich, wenn er die Geisteslehre kennt. Denn Christus kam als geistiges Licht in diese geistige Dunkelheit. Er brachte das Licht, und er brachte das lebendige Brot; er brachte die wahrhaftige Nahrung, die die Menschen brauchten für ihre Seele, um sich zu stärken, um sich aufzumachen auf den Weg zu Gott.

Ihr, liebe Geschwister, seid doch unterrichtet über all diese Geschehen. Die christlichen Feiertage bringen es euch in Erinnerung, was einst geschah. Heute aber geht davon an Kraft und an Wahrheit verloren, weil der Abstand des Menschen zum Göttlichen viel zu gross geworden ist; denn in der christlichen Lehre sind so viele Lücken vorhanden, sodass die Menschen sich nicht veranlasst fühlen, darüber nachzudenken und zu überlegen. Würden sie nämlich wahrhaftig diese Geisteslehre kennen, dann wäre für sie der Himmel nicht etwas Fremdes, nicht etwas Geschlossenes, sondern der Himmel wäre für sie offen, weit offen. Denn sie wüssten: Christus ist zurückgekehrt; Christus lebt wieder in seinem Reich, bei seinem Vater, und er ist und bleibt verbunden mit dieser Menschheit durch seine getreuen, heiligen Geister, durch all jene, die bereit sind, ihm zu dienen, ihm dabei zu helfen, alles wieder zurückzuführen, um es wieder in den Zustand zu bringen, in dem es einst war.

Wie unendlich viele sind es, die noch stets von unten her im Aufsteigen sind. Und wie schwer wird es der Geisterwelt Gottes gemacht, weil die Menschen nicht bereit sind, all diese Dinge einmal sachlich, unvoreingenommen zu betrachten und nachzudenken und sich einmal zu überlegen, dass es von nichts auch nichts geben kann – dass alles doch seinen Ursprung hat und der Mensch, der hier auf dieser Erde lebt, einstmals im Himmelreich gelebt hat. Von all dem, was der Mensch erleben darf und was er in der Schöpfung bewundert und bewundern darf, waren doch die Samen vorhanden, ehe es diese Welt gab, und auch die Möglichkeit, dass solches sich im Himmelreich entfalten konnte. Darüber sollte man sich seine Gedanken machen. Diese Welt ist doch vergänglich, und die Menschen, die da leben, werden eines Tages abberufen werden und wieder ins geistige Reich hineintreten, wieder an den Ort hinkommen, wo sie entsprechend ihrer geistigen Entwicklung hingehören.

Wie wunderbar wurde doch alles von Gott in seiner Weisheit gefügt und so gestaltet, dass den Gefallenen die Möglichkeit des Aufstiegs gegeben ist. Wie gross ist die Gerechtigkeit, die in der Ordnung Gottes waltet! Diese grosse Gerechtigkeit dürfen die Menschen in den geistigen Gesetzen erleben. Daher sollten sie sich auch ihre Gedanken darüber machen, was es mit dem sogenannten Letzten Gericht auf sich hat. Wie wäre es wohl um diese Welt bestellt, hätte jenes Gericht nicht stattgefunden? [Gemeint ist die Abrechnung mit Luzifer, als Christus nach seinem Kreuzestod in die Hölle hinunterstieg.] Dazumal wurden die Ordnung und die Bedingungen [für die Heimkehr der Gefallenen] festgelegt, die für alle Zeiten gültig und unabänderlich bleiben. Es ist das Letzte Gericht – an seinen Bestimmungen soll und wird nichts mehr abgeändert werden, es soll und wird bei der Ordnung bleiben, die dazumal aufgebaut, neu gestaltet wurde zum Heil des Menschen.

Wenn ihr eure Dankbarkeit für den Beistand der Geisterwelt Gottes zum Ausdruck bringt, bringt ihr eure Dankbarkeit nicht nur der Geisterwelt Gottes dar, sondern euer Dank richtet sich doch auch an den Erlöser. Ihm seid ihr zugewandt, ihm, der es ermöglichte, dass die Seinen den Weg zurück wieder finden, dass alles wieder werden soll, wie es einst war. Und so ist so vieles in die Macht des Menschen gegeben. Der Mensch hat die Möglichkeit, diesen Rückweg zu beschleunigen; er hat aber auch die Möglichkeit, ihn zu behindern, ihn aufzuhalten. Der Mensch hat wahrlich viele Möglichkeiten. Sein freier Wille entscheidet doch so manches. Und bei diesem freien Willen des Menschen spielen seine Gesinnung und seine Entwicklung eine ganz bedeutende Rolle. Doch alles muss wieder zu Gott zurückkehren, und nichts darf verloren gehen. Doch wie lange wird es dauern?

Liebe Geschwister, es ist gut für euch, wenn ihr euch auch darüber eure Gedanken macht. Denn durch das Gehörte werdet ihr in euren Erkenntnissen gestärkt, und durch diese errungenen Erkenntnisse wird es euch möglich sein, in eurer Welt etwas zu leisten, einen Anfang zu machen, etwas zu fördern, damit die Wahrheit näher an den Menschen kommt, damit die Menschen in der Wahrheit leben, nach dieser Wahrheit suchen. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 25.5.1980 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Mit Macht und Gewalt hat Christus den Widersacher bezwungen

Josef, 13. März 1982

Mit Macht und Gewalt hat Christus den Widersacher bezwungen

Geistlehrer Josef gibt in diesem Vortrag Aufklärung über das Herrenwort: “Von den Propheten bis zu Johannes war das Gesetz. Dann kam das Reich Gottes, und mit Gewalt drangen sie hinein” (vgl. Mat. 11, 12). Christus war sich bewusst, dass er nach seinem irdischen Tode mit der Macht und Gewalt Gottes in Luzifers Reich eindringen und ihn besiegen werde. Denn schon im Himmelreich waren die Vorbereitungen für diesen geistigen Kampf getroffen worden. Mit Macht und Gewalt sollte der Sieg über den Widersacher errungen und ihm das neue Gesetz auferlegt werden – ein Gesetz, das seine Gültigkeit hat über alle Zeiträume hinaus, bis der letzte der von Gott Getrennten den Weg zurück in die göttliche Heimat gefunden hat.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ich möchte euch sinnbildliche Worte und Gleichnisse erklären, die Christus gegeben hat, denn solche Erklärungen dienen dazu, dass ihr zu höheren Erkenntnissen geführt werdet und ihr so manches besser versteht.

So muss ich auch auf die Lehrzeit Christi hinweisen, als er von Dorf zu Dorf, von einem Ort zum andern gewandert war und ihm immer wieder Leute gefolgt waren. Verschiedene Menschen waren es, die ihm folgten, solche, die bereit waren, an ihn zu glauben, und solche, die nur darauf warteten, von ihm etwas zu hören, aufgrund dessen sie ihn anklagen konnten. Das waren die Pharisäer. Sie waren streng darauf bedacht, diesen Jesus herauszufordern, um ihn anklagen zu können; denn seine Lehre gefiel ihnen nicht, und er selbst gefiel ihnen auch nicht. So stellten sie ihm manchmal auch unmögliche Fragen und taten dies des Öftern in lächerlicher Art und Weise. Christus ging darüber hinweg; aber er konnte ihnen auch energisch antworten, und anderseits brachte er wieder viel Geduld für sie auf.

So geschah es wieder einmal, als ihm Leute gefolgt waren, dass man ihn herausgefordert und ihm dementsprechend Fragen gestellt hatte und er ihnen auch Antwort gab. Doch es war so: Die Antwort, die er ihnen geben konnte, vermochten sie ja nicht zu begreifen und nicht zu verstehen. Aber diese Worte wurden ja schriftlich festgehalten und aufbewahrt und sind dadurch der heutigen Christenheit erhalten geblieben, wenn auch nicht wörtlich und manchmal sogar sinnentstellt. Doch ist in alldem so vieles an Erklärungen enthalten, das für den Christenmenschen von Bedeutung ist. Zudem ist es heute möglich, den Christen auf sinnentstellte Worte aufmerksam zu machen und sie ihm zu erklären.

Überlegt doch: Man nahm sich in den vergangenen Jahrhunderten keine Mühe, die Worte Christi verstehen zu lernen, sondern es ging vielmehr darum, einen christlichen Glauben aufzubauen, und zwar nach Menschenart und auch mit Gewalt. Man hatte also vom christlichen Glauben seine eigene Vorstellung, und man übte das auch mit Macht aus – Macht stand dahinter und Gewalt. Denn ohne diese Gewalt wäre dieser nach Menschenart geprägte christliche Glaube nicht in der Weise durchgedrungen und hätte die Christenheit bis heute so erfassen können; es hätte viel mehr Splitterungen oder, wie ihr sagt, Sekten gegeben, und diese hätten es dann eben so ausgelegt, wie sie es verstanden. Gross war darum die Gewalt bei der Verbreitung des christlichen Glaubens, denn man wollte ihn auf seine Art durchsetzen. Und die Menschen – das könnt ihr glauben – waren gar nicht so ohne Weiteres bereit und willig, das anzunehmen. Aber unter Gewalt – unter Gewalt – mussten sie dies mit der Zeit, wenn es auch schmerzhaft wurde für viele. Viele opferten auch ihr Leben für ihre Gesinnung und ihren Glauben, weil sie nicht einverstanden waren mit dieser Macht, mit dieser Gewalt oder auch weil man sie fälschlicherweise angeklagt hatte.

Man versuchte also schon in der Frühzeit bei der Verbreitung des Christentums Gewalt auszuüben und die Menschen mit Gewalt zum Glauben zu bringen. Darüber brauche ich euch keine langen Erklärungen zu geben. Es hatte ja auch seine Gründe, dass es zur Reformation gekommen ist. Vielen Menschen ging das doch zu weit, was da [von der herrschenden Kirche] an Gewalt und an Macht ausgeübt wurde. Und so versuchte man sich auf diese Art und Weise zu wehren. Dies ist nur ein kleiner Hinweis auf das ganze Geschehen.

Sucht man aber nach der Wahrheit, so liegt diese im Grunde genommen zeitlich noch viel, viel weiter zurück. Jene Menschen damals konnten die Wahrheit nicht so einfach erkennen, weil ihnen der Geist der Wahrheit nicht gegeben war; demzufolge hatten sie das Notwendige nicht, das sie zum wirklichen Glauben geführt hätte – es konnte ihnen nicht zugeführt werden, sie kannten es nicht. Sie kannten ja nicht den Sinn ihres Daseins, und sie wussten nichts über den Ursprung dieser Welt und die Ursache, warum es zu dieser [irdischen] Schöpfung und zu diesem Erdendasein kommen musste.

Die Menschen jener Zeit waren weit von solchem Wissen entfernt, und das Interesse dafür war auch nicht so sehr vorhanden. Denn der Kampf um das tägliche Brot war dazumal sehr gross, und so nahm man das Leben einfach hin, so wie es gegeben war. Das Leben in jenen Zeiten, auch in den Anfängen des Christentums und früher, war sehr hart, sehr hart und sehr bescheiden. Betrachtet man dagegen das heutige Leben des Menschen, was den Menschen heute geboten wird, so besteht da wohl ein grosser Unterschied zu früher.

Darum möchten wir doch annehmen und glauben, dass die Menschen von heute eher bereit sind und sich mehr Mühe geben, nach den Gründen des Daseins zu suchen, überhaupt das Leben zu erforschen. Da sie ja auch auf anderen Gebieten in ihren Forschungen Erfolge erzielen, so ist dies doch auch mit der Zeit im Geistigen möglich. Aber im Grunde genommen wird es erst dann möglich werden, wenn etwas von der erwähnten Macht entflohen ist und sich einzelne Menschen getrauen hervorzutreten und eben ihrerseits ihre Beweise haben. Ich möchte jetzt nicht so weit gehen und von wissenschaftlichen Beweisen sprechen, könnte es aber auch.

Es wäre auch möglich und wird einmal möglich werden, auf wissenschaftlichem Gebiet das Leben nach dem Tode beweisen zu können. Auch diese Zeit wird kommen, aber es wird nicht heute und nicht morgen sein, und es ist auch nicht unbedingt eine Notwendigkeit, dass man gerade auf diesem Gebiet forscht. Für den Menschen ist es vielmehr eine Notwendigkeit, dass er zum Glauben kommt, dass er seinen Weg zurück zu Gott findet und sich mit ihm vereint. Das ist das Notwendige und Wichtige. Ich gebe euch daher solche Erklärungen, die auch dazu dienen sollen, euch zu weiteren, höheren Erkenntnissen zu führen, die etwas zum besseren Verständnis beitragen.

Ich erinnere euch jetzt daran, wie schwer es Christus seinerzeit auf Erden hatte, als er den Menschen erklärte, dass er der Sohn Gottes ist. Damals waren doch viele Menschen nicht damit einverstanden; sie konnten es einfach nicht begreifen und nicht verstehen. Und Christus gab doch Zeugnis von seiner Herkunft und betonte es: “Nur indem ich Zeugnis gebe, beweise ich, dass ich der Sohn Gottes bin. Denn keiner vor mir hat je das geleistet, was ich leisten kann und an Beweisen gebe.” (Vgl. Joh. 15, 24.)

So geschah es wieder einmal, dass Christus von Menschen umringt war und sie ihm die unmöglichsten Fragen stellten. Doch nicht alles, was geredet und gefragt wurde, steht in der Bibel; denn es wurden auch ganz oberflächliche, unbedeutende Fragen gestellt, die wahrhaftig nicht in die Bibel gehören würden. Aber es ist eine Notwendigkeit, dass man einen Menschen, der heute in dieser Beziehung unterrichtet wird, daran erinnert, wie das Leben dazumal war, dass jene Menschen Christus doch aus verschiedenen Gründen gefolgt waren. Die einen wollten gesund werden, weil sie krank waren. Anderen war es wahrhaftig daran gelegen, in Gottes Nähe zu kommen; sie wollten Gott kennenlernen. Aber es gab auch viele Pharisäer und Schriftgelehrte, und sie waren es, die andere anstifteten und ihnen den Auftrag gaben, Jesus böse Antworten zu geben und ihn zu beleidigen, und die taten es, um den Pharisäern zu gefallen. Viele Menschen, die Jesus ebenfalls folgten, waren in den Betsälen, in den Synagogen oder im Tempel tätig, und so mussten sie auch zu jener Lehre stehen, die dort verkündet wurde, sonst hätten sie ihre Arbeit dort nicht mehr verrichten können oder wären ausgestossen worden.

Ich finde es notwendig, dass ihr auch dieses wisst und euch darüber Gedanken macht; dass ihr nicht nur einfach denkt, wie gesagt wird, Christus sei von Dorf zu Dorf gegangen, habe gepredigt und gelehrt und die Leute hätten zugehört und das sei alles gewesen, er habe seine Wunder gewirkt und schlussendlich sei er verurteilt worden. Das ist so im Grossen und Ganzen das Wissen des heutigen Christenmenschen. Darum gehe ich in die Einzelheiten und fordere euch in eurem Denken heraus.

So komme ich darauf zurück, dass Jesus wieder einmal von Menschen umringt war und sie ihm Fragen stellten, die keine Bedeutung hatten, um ihn damit herauszufordern und zu beleidigen. Jesus gab ihnen dementsprechend eine Antwort. Die Menschen konnten diese Antwort nicht verstehen. Doch diese Antwort hat heute noch ihre Bedeutung. Wenn ihr aber nicht näher darüber aufgeklärt werdet, denkt ihr auch nicht näher über sie nach und könnt sie nicht verstehen.

So sagte Christus: “Von den Propheten bis zu Johannes war das Gesetz. Nach diesen Propheten und diesen Gesetzen, da kam das Reich Gottes, und das Reich Gottes drang mit Gewalt hinein.” So sprach Christus und wollte damit ausdrücken: “Johannes ist der letzte Prophet, und die Gesetze und Belehrungen erhielten die Menschen von den Propheten.” Und er betonte: “Von den Propheten bis zu Johannes war das Gesetz. Dann wurde das Reich Gottes verkündet. Dann kam das Reich Gottes, und mit Gewalt drangen sie [in die Hölle] hinein.” (Vgl. Mat. 11, 12.)

Wenn ihr näher darüber nachdenkt, so ist es euch doch ganz selbstverständlich, dass ein Mensch sich mit den Problemen befasst, mit denen er zu tun hat. Ihr könnt euch selbst als Beispiel nehmen: Wenn ihr eine Aufgabe zu lösen oder eine Arbeit auszuführen habt oder wenn euch sonst irgendetwas beschäftigt, dann befasst ihr euch doch immer wieder damit und unterhaltet euch auch mit Mitmenschen darüber. Denn dies ist für euch wichtig und von Bedeutung. Ihr redet über das, was euch beschäftigt, und nicht über irgendetwas anderes. Wenn es wirklich notwendig ist, dass ihr dieses Problem löst und eine Antwort bekommt, dann redet ihr eben immer wieder darüber, bis dieses Problem seiner Lösung entgegengeht oder man euch Ratschläge gibt.

So war es mit Christus. Er kam doch in diese Welt hinein mit einem Auftrag. Was konnte ihn denn mehr beschäftigen als eben dieser Auftrag? Er kam im Auftrage Gottes. Dies sagte er bei jeder Gelegenheit; bei jeder Gelegenheit machte er auf irgendeine Art und Weise Andeutungen. Dieser Auftrag beschäftigte ihn doch, er wollte ihn doch erfüllen – das war sein Leben. Und so musste er stets darüber reden und gab Antworten, die andere nicht begreifen konnten.

Christus sprach: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12), oder: “Ich bin das Brot des Lebens” (Joh. 6, 35 und 48). Diese Worte hatte er sozusagen bei jeder Gelegenheit wiederholt; denn das Ganze, womit er sich befasste, bewegte ihn in seinem tiefsten Innersten, und was in seinem Innersten war, sollte herauskommen. Doch er konnte es ihnen ja gar nicht so sagen – sie vermochten es, wie er sagte, “nicht zu tragen” (vgl. Joh. 16, 12) und nicht zu verstehen, wie es wirklich war. Er konnte nur in Gleichnissen reden und Beispiele dafür geben.

So hatte Christus darauf hingedeutet, dass das Gesetz von den Propheten bis zu Johannes ging und dass dann ein anderes Gesetz kommen werde. Er sagte: “Und dann wird das Reich Gottes verkündet.” Wie sollten da die Menschen, die um ihn herumstanden und zum Teil solche oberflächlichen und lächerlichen Fragen stellten, begreifen und verstehen, was er mit den Worten meinte: “Und dann wird das Reich Gottes verkündet, und mit Gewalt wird man eindringen”? Die Menschen konnten doch mit diesen Worten nichts anfangen. Und auch heute kann ich diese Worte wiederholen, und viele verstehen sie nicht. Der wahre, gläubige Christ aber weiss, was es heisst, das Reich Gottes zu verbreiten; denn Christus hat das Reich Gottes verbreitet. Darüber mag der Gläubige sich im Klaren sein; aber er ist sich nicht im Klaren darüber, was mit den Worten gemeint ist: “Und mit Gewalt wird man eindringen.”

Der heutige Christenmensch mag sich seine eigene Meinung darüber machen, aber die richtige Antwort wird er nur dann finden, wenn er sich mit den Worten auseinandersetzt, die ich vorhin erklärt habe. Christus hat sich doch ständig mit seinem Erlösungsauftrag befasst und beschäftigt, und daher bezogen sich seine Worte auf diesen Auftrag. Er wusste doch, dass es einen Widersacher gab und dieser Widersacher ein grosses geistiges Reich besass und Wesenheiten unter seiner Gewalt hatte. Aber all diese Wesenheiten waren im Grunde genommen doch sein – Christi – Eigentum, und er wollte sie wieder zurückhaben. Dies konnte Christus doch nicht wörtlich so sagen; aber er konnte darauf hinweisen, dass “mit Gewalt eingedrungen wird”. Denn er wusste, als er mit diesem Auftrag ausging: Möge geschehen, was wolle – er musste ja zu jener Zeit den genauen Grund oder die genaue Ursache seines Todes nicht kennen –, er werde, wenn er gestorben, als geistiges Wesen in das geistige Reich Luzifers eindringen müssen. Als Mensch konnte Christus den Kampf mit seinem gestürzten geistigen Bruder nicht aufnehmen, denn Luzifer war ja nicht im menschlichen Dasein, er war Geist und besass ein geistiges Reich und hatte geistige Rechte. Und Christus ging es darum, ihm diese Rechte zu schmälern und mit ihm abzurechnen – aber nicht als Mensch konnte er dies tun.

Christus wusste also, dass er in Luzifers Reich mit Gewalt eindringen werde. Es ist doch ganz selbstverständlich, dass Christus nicht versuchte mit äusserster Rücksichtnahme in diese höllischen Bereiche einzutreten, sondern dass er dieses mit Macht und Gewalt tat, die ihm jetzt zustanden. Denn er hatte sein Leben hingegeben für seinen Glauben an den Vater und für die Erlösung aller Geschöpfe.

Luzifer hatte ja von Anfang an stets alles versucht, die Menschen in Versuchung zu bringen. Und die Menschen waren ihm Werkzeuge. Wohl hatte Luzifer erkennen müssen, wer dieser Jesus war, doch glaubte er, sich ihm entgegenstellen zu können, so wie er einst auch im Himmelreich eine gewisse Macht gehabt hatte. Obwohl er aus den himmlischen Bereichen gestürzt worden war, hatte Gott ihm diese Macht des Bösen gelassen. So hegte Luzifer die Hoffnung, dass er sich als Meister des Bösen die Macht bewahren könnte, und er glaubte, Christus standhalten zu können und dass dieser ihn nicht besiegen würde. Denn sein Reich, sein teuflisches Reich, war doch unendlich gross, wahrhaftig unendlich gross.

Im Himmelreich waren die Vorbereitungen getroffen worden, um mit Gewalt in die Hölle eindringen zu können. Geister Gottes waren längst in diesem Vorhimmel, dem Paradies, bereit, zum Kampfe anzutreten. Sobald nun Jesus am Kreuz gestorben war, würden sie seinem Geist entgegengehen und Christus in dieses Paradies zurückholen. Auch mussten sie ihn geistig einkleiden und gewanden – der Geist Christi wurde eingekleidet, und er bekam auch dementsprechend seine Waffen. Dafür waren in diesem Paradies längst die Vorbereitungen getroffen worden. Christus hatte schon vor seinem Tode gewusst, dass die Scharen der Getreuen auf ihn warteten – er hatte sie doch mit seinem geistigen Auge gesehen –, und er wusste, dass er mit seinen Engeln nur mit Macht und Gewalt die Tore der Hölle würde aufstossen und in die höllischen Bereiche eindringen können.

Dort sollten der Kampf und dieser Sieg stattfinden, und das neue Gesetz sollte gegeben werden – ein Gesetz, das seine Gültigkeit hat über alle Zeiträume hinaus. Darum hatte Christus zu jenen Menschen gesagt: “Das Gesetz ging von den Propheten bis Johannes”, und darauf hingedeutet: “Und ich werde kommen mit meinem Gesetz, und ich werde mit Gewalt das Reich Gottes dort hineintragen.” Danach wurden dort in der Hölle die Wesenheiten aufgerufen mitzukommen; denn Christus war doch der Sieger, und er nahm alle Wesenheiten mit, die sich bereit erklärten und freiwillig mit ihm gingen.

Christus stieg mit diesen Wesenheiten aus den höllischen Bereichen heraus, und sie alle wurden in geistige Sphären hineingeführt, dahin, wo sie ihrer Entwicklung entsprechend auf ihren weiteren Aufstieg zu warten hatten. Diese geistigen Sphären waren längst vorbereitet gewesen, um jene Wesenheiten dort hineinzuführen; so waren dieses ja grosse Vorhimmel geworden. Die Hölle an sich hatte ja ihre Aufstiegsstufen, und man nahm alle Wesenheiten mit, die mitgehen wollten, und führte sie weg aus der Herrschaft Luzifers und führte sie in besondere Himmel hinein. Dort hatten sie zu warten, was mit ihnen weiter geschehen sollte. Denn verschieden ging ja der geistige Aufstieg vorwärts; nicht bei allen ging er im gleichen Zeitraum vor sich. Viele sollten warten, lange Zeit warten. Aber alles war vorbereitet gewesen.

Christi Worte müssen vom Christenmenschen richtig verstanden werden, und er muss doch auch etwas begreifen und verstehen von dem, was geschehen ist, ehe die Erlösung durch Christus stattgefunden hatte. Doch darüber spricht man so wenig. Man lobt, ehrt und preist Christus – das ist auch richtig, ihm allein gebührt die Ehre, der Dank. Ob es nun ein würdiger Dank ist, der ihm gegeben wird, das entscheiden die Geister Gottes. In welcher Art und Weise der Einzelne seine Dankbarkeit dem Schöpfer und dem Erlöser zum Ausdruck bringt, das erkennen Geister Gottes an der Gesinnung, die der Einzelne offen in sich trägt.

So wird es auch möglich, für jedes Wesen seinen Aufstieg vorzubereiten. Man erkennt seine geistige Entwicklung und seinen Weg. Und so hat mancher einen langen Weg bis zum Menschsein durchzustehen, während es einem anderen schneller gelingt. Denn in der Zeit, wo diese Hölle so beseelt, so bevölkert war, waren ja auch Engel Gottes unsichtbar in der Nähe, und sie konnten die Seelen erkennen, welche geistig bereit waren, ihren Aufstieg zu beschleunigen. Man erkannte ja im geistigen Od, in der geistigen Ausstrahlung, im geistigen Leib, den sie trugen, ihre geistige Einstellung und ihre Entwicklung. Und so war es auch möglich, diese Wesenheiten von den andern zu sondern, um ihnen einen besseren Platz anzubieten und einen schnelleren Aufstieg zu ermöglichen.

Eine Vorstellung davon, wie es in der Hölle zugegangen war und noch zugeht, haben ja die Menschen nicht. Ich möchte mit meinen Erklärungen auch nicht so weit gehen, um nicht beim einen oder anderen falsche Vorstellungen aufkommen zu lassen. Aber eines kann ich betonen: Diese Wesenheiten mussten auch in den höllischen Bereichen arbeiten. Zum Nichtstun waren wohl welche verurteilt, und das war auch eine harte Strafe; der allergrösste Teil jedoch wurde zum Arbeiten herangezogen – sie mussten harte Arbeit leisten. Und so kam man sich – ein Wesen dem andern – sehr nahe; man lebte sehr nahe nebeneinander.

Wenn man Menschen prüfen will, ob es ihnen möglich ist, in Frieden zusammenzuleben, dann sollte man sie in grösserer Zahl in einen Raum zusammenführen, wo sie gemeinsam alles miteinander zu teilen haben und zusammenleben müssen. Dann wird man schnell feststellen, ob der eine oder andere von ihnen wahrhaftig eine höhere Entwicklung hat. Mancher will sich nichts gefallen lassen, wird zornig und ist nur darauf bedacht, dem andern Schaden zuzufügen; er sucht für sich selbst alle Vorteile und ist nur auf den besten Platz für sich selbst bedacht. Er findet nie eine Entschuldigung für das Verfehlen eines andern, sondern schreibt immer nur dem Nächsten alle Fehler zu, klagt immer nur den andern an. Kurzum, er ist nicht imstande, im Frieden mit andern zusammenzuleben; denn das ist nicht so leicht.

Alleine zu leben, ist doch wohl leichter; da braucht man mit niemandem zu streiten, und man kann auch nicht unbedingt jemandem seine Meinung aufzwingen; man ist ja allein, man belastet sich ja durch solches gar nicht. Aber man bringt dadurch auch nichts hervor; man besteht also auch keine Prüfung [solcher Art], weil keine gegeben ist und man keine Möglichkeit hat, sich zu bewähren.

Gerade in der Hölle, wo die Wesen so eng zusammenzuleben haben und das eine dem andern ständig nur die Schuld zuschiebt und dem andern nie ein gutes und freundliches Wort geben kann, da es nur Zorn und Gehässigkeit kennt – bei ihm ist es mit seiner geistigen Entwicklung noch nicht weit. Aber es gibt auch andere Wesen, die sehr duldsam sind und andere trösten und aufmuntern, ihnen Liebe entgegenbringen, wenn sie sehen, dass man über sie herfällt und sie schädigt. Und das sind dann diejenigen, die auch unter harten Bedingungen in dieser Liebenswürdigkeit leben können; unter diesen harten Bedingungen zeigen sie, dass sie höheren Geistes sind. Sie sind es dann auch, die hervorgeholt werden. Sie haben nicht unbedingt von der untersten Entwicklungsstufe an ihren Aufstieg anzutreten, sondern man fördert sie, und so können sie schneller zu ihrem höheren geistigen Aufstieg kommen. Es zeigt sich also: Man beurteilt jedes Wesen persönlich, da, wo es steht. Man hat diejenigen, die Liebe kannten und dem andern mit Umsicht, mit Aufmunterung und Liebenswürdigkeit gegenübertraten, stets berücksichtigt, schon in jenen Zeiten, da sie von unten hervorgeholt wurden. So kam es immer darauf an, was man zu geben hatte: ob es das war, was des Himmels Eigentum ist, oder ob es das war, was der Hölle recht ist.

So trägt ein jedes Wesen selber zu seinem eigenen Aufstieg bei. Und dies gilt auch heute noch, auch heute noch ist ein jedes beteiligt an seinem Aufstieg: Entweder vermag es dies in einer schnelleren Art und Weise und beschleunigt so seinen Aufstieg, oder es behindert seinen Aufstieg. Das ist eines jeden persönliche Angelegenheit, und dementsprechend wird es auch beurteilt. Aber über so etwas spricht man ja nicht. Dabei wäre es doch so notwendig, die Christenheit würde wahrhaftig auch über diese Dinge belehrt werden.

Ja, ich weiss, ihr denkt nun: “Wer belehrt uns denn, wenn niemand etwas davon weiss?” Doch wenn man in der Bibel genau nachliest und heute auch nur einige Erkenntnisse besitzt, dann bekommt man schon manche Antwort zusätzlich und versteht manches besser. Im Laufe der Zeit ist euch doch wahrhaftig so vieles gegeben worden. Und das, was euch gegeben worden ist, muss die Grundmauern des Glaubens bilden, es ist der Fels des Glaubens, des wahrhaftigen Glaubens. Denn nur auf dieser Wahrheit kann sich der Glaube weiter entfalten, können Menschen zum Glauben kommen. Dabei müssen sie in den Anfängen suchen und auch die Anfänge verstehen lernen.

Nun möchte ich auf ein Gleichnis zu sprechen kommen. Und zwar ist euch dieses Gleichnis von dem reichen Mann und dem armen Lazarus wohlbekannt (Luk. 16, 19–31). Wie es in diesem Gleichnis heisst, war der Reiche in Purpur und feines Linnen gekleidet, und er hatte stets die besten Mahlzeiten für sich genossen, er lebte also im Überfluss. Vor seiner Türe sass ein armer, kranker Mann, eben dieser Lazarus. Und es heisst, er wäre froh gewesen um die Brosamen, die vom Tisch des Reichen fielen; aber nicht nur um die Brosamen wäre Lazarus froh gewesen, er hätte auch gerne das zu sich genommen, was dieser Reiche weggeschüttet hatte.

Es ist dies ein Gleichnis, das gegeben wurde, um eben auch einen Beweis zu bringen und es den Menschen auf diese Art und Weise verständlich zu machen, was dann geschah [gemäss den geistigen Gesetzen].

Als nun der kranke Lazarus starb, wurde er, so heisst es, in den “Schoss Abrahams” aufgenommen. Engel trugen ihn in den Schoss Abrahams, Engel. Bedenkt dabei auch, dass die Erlösung durch Christus ja zu jener Zeit noch nicht stattgefunden hatte. Nach einer gewissen Zeit starb auch der Reiche, und er wurde [von Knechten des Totenreichs] in die Hölle getragen. Ich sage “in die Hölle getragen” und nicht, wie es in der Bibel steht, “in der Hölle begraben”. Er wurde also in die Hölle getragen und nicht begraben in der Hölle, um dieses Bild richtigzustellen, damit man sich eine richtige Vorstellung davon macht. In der Hölle wurde niemand begraben. Sie [die geistig Toten] wohnten in ihren Höhlen; Höhlen hatte es in der Hölle, furchtbare Orte.

So wurde dieser Reiche eben in eine solche Höhle hineingetragen. Von dort aus sah er, dass der arme Lazarus im Schosse Abrahams war. Und dann rief er Abraham zu: “Vater Abraham, schicke mir den Lazarus, damit er seine Finger in das Nass tauche und damit meine Zunge kühlen kann, denn ich leide Qual.” Abraham antwortete ihm: “Es ist eine Kluft zwischen uns, niemand kann von hier zu dir hinübergehen. Lazarus kann nicht zu dir kommen. Und von deiner Seite kann auch niemand zu mir herüberkommen.” Da bat der einstige Reiche, Lazarus möchte doch zu seinen Söhnen gehen; er habe fünf Söhne und Lazarus könne als Verstorbener seinen Söhnen begegnen und er solle ihnen dann sagen, dass sie Busse tun sollten, sonst würden sie dasselbe Schicksal ertragen müssen wie er. Abraham entgegnete: “Was stellst du dir vor, sie würden einem von den Toten Auferstandenen glauben? Wenn sie nicht einmal den Propheten glauben und die Gesetze nicht befolgen, so glauben sie auch nicht, wenn einer kommt, der von den Toten auferstanden ist.”

Dieses Gleichnis ist von so grosser Bedeutung; doch es ist ein Gleichnis und muss richtig verstanden werden. Zum einen muss man wissen, wahrhaftig wissen, dass Abraham in diesem Vorhimmel war. Und zu jener Zeit war bei den Juden Sitte, wenn einer starb, zu sagen: “Er ist in den Schoss Abrahams eingegangen.” Damit meinten sie, dass sie an die Propheten glaubten und daran, dass die Betreffenden in die Seligkeit eingegangen seien. In Wahrheit befand sich Abraham in einem Vorhimmel [im Paradies] und hatte dort [auf Christi Erlösungstat] zu warten. Dass dieser einstige Reiche die Schau haben konnte, um über diese Weiten hinauszuschauen in die andere Welt hinein, ist ein Gleichnis.

Es ist aber möglich, dass Christus das Licht in die tiefsten Finsternisse leuchten lassen konnte, sagte er doch: “Ich bin das Licht der Welt.” Und er konnte es tun, er konnte die Finsternisse mit diesem seinem Licht von Zeit zu Zeit so aufleuchten lassen, wie er es für recht hielt. Er hatte die Macht dazu, er konnte es tun.

Was aber auch getan wurde: Engel, die in den höllischen Bereichen [meist] unsichtbar für deren Bewohner Aufsicht hatten, konnten doch die Botschaft verkünden, dass ein Erlöser kommen werde und sie aus ihrer Qual befreit würden. Diese Engel konnten den Wesen auch sagen, was es mit diesem Vorhimmel auf sich hat und wer dort warten würde. Die Engel konnten also Erklärungen geben, sie konnten dies tun. Aber stellt euch die ungeheuren Massen von Wesen in der Hölle vor! Die Engel riefen diese Botschaft nicht so aus, dass es die ganze Hölle vernehmen konnte. Sie mochten es dem einen oder andern sagen, der in seiner geistigen Entwicklung fortgeschritten war und auf jener Schwelle stand, wo er der Hölle entweichen konnte, der in seiner geistigen Entwicklung so weit war, dass er in ein menschliches Dasein treten konnte. Einem solchen in seiner Entwicklung fortgeschrittenen Wesen konnte man eine solche Offenbarung machen; man konnte ihm sagen, dass der Erlöser bereit sei, diesen Kampf [gegen den Herrscher der Hölle] aufzunehmen – diese Zeit werde bald kommen.

Diese Wesen mussten Zeitpunkt und Stunde nicht genau kennen, aber es war ein grosser Trost für sie, solche Worte von Engeln zu hören, dies zu erleben und von ihnen zu erfahren, dass sie nicht auf ewig der Unglückseligkeit verschrieben waren, sondern dass es eine Zeit für sie geben werde, wo sie erlöst werden könnten. Und so lebten sie in dieser Hoffnung, die ihnen durch diese Botschaften gebracht wurde. Solche Botschaften wurden also dem einen und andern gegeben; aber nicht der ganzen Hölle wurde es offenbart, so wie es auch nur für den einen und andern möglich war, das Licht für kurze Zeit zu sehen und etwas zu erkennen. Denn das Licht sollte leuchten in die Finsternis, die Finsternis sollte aufgeweckt werden.

Dieses sind Sinnbilder, Gleichnisse, die Christus dazumal gab. Aber die Menschen verstanden nicht, was mit ihnen gemeint war, sie konnten sie nicht begreifen. Und auch heute werden solche Gleichnisse nur in oberflächlicher Art und Weise gelesen, und man macht sich keine Gedanken darüber, dass hinter allem Geschehen eine Ursache liegt, dass dies alles von Christus gelehrt wurde. Denn Christus hatte sich doch so sehr mit seinem Auftrag beschäftigt, den er zu erfüllen hatte.

Dafür suchte er in der Stille Trost beim Vater. So hatte er es auch erklärt; er sei im Gespräch mit dem Vater und er tue das, was der Vater ihm sage (vgl. Joh. 12, 50). Christus hörte den Vater. Der Vater gab ihm Trost. Und der Vater machte ihn aufmerksam auf solche Gleichnisse, die er den Menschen darzulegen habe. Wenn Christus sich in der Stille seinem Vater zuwandte, vernahm er diese wunderbaren Worte und diesen wunderbaren Trost, den er brauchte, unbedingt brauchte, denn vor ihm stand doch sein schwerer Auftrag.

Und bei jeder Gelegenheit versuchte Christus seine Liebe, seine Anhänglichkeit, seine Treue, die er zu seinem Vater hatte, zum Ausdruck zu bringen. Das ist der Beweis dafür, dass eben dieses Zusammensein mit dem Vater, dieses Schauen und Erleben, Wirklichkeit war. Er erlebte es, er sah im Geiste seinen Vater in seiner Herrlichkeit. Und der Vater zeigte ihm auch von Zeit zu Zeit sein Reich, das Christus einst vor seiner Menschwerdung gehörte; und der Vater zeigte ihm auch, was ihm alles wieder zustehen werde, wenn er zurückkehre. So hatte er manches Erlebnis, inniges Erlebnis, das nirgendwo festgehalten ist. Denn Christus war so sehr mit dem Vater verbunden, doch er hatte nicht alle diese Erlebnisse seinen Jüngern offenbart. Vieles hat er ihnen gesagt und vieles erklärt – aber manches wollte er als Besitz für sich selbst wissen, für sich allein, zusammen mit seinem Vater.

Liebe Geschwister, es steht in meiner Aufgabe, euch im Glauben zu stärken, und ihr findet Glauben. Und eure Aufgabe ist es, das göttliche, geistige Gesetz zu befolgen. Eure Aufgabe ist es, so zu leben, wie Christus gelehrt hat – in Liebe zu leben und auch zu dulden, wenn es sein muss, ihm nachzuleben und die Gesetze zu befolgen. Ihr sollt euch bewusst werden, wie genau und exakt diese geistigen Gesetze aufgestellt worden sind: Jeder findet für das Gute, das er tut, seine Belohnung. Wiedergutmachung und Strafe wartet für alles, was man an Unrecht tut; dabei gibt es keine Ausnahmen, keine Entschuldigungen.

Wem welche Sünde vergeben wird, entscheiden nicht Menschen, sondern die Geisteswelt Gottes. Sie tut es im Auftrage ihres Königs. Denn sie sieht, wer wirklich reuigen Herzens und reuiger Seele ist. Sie sieht die Entwicklung und den Willen zum Aufstieg bei einem jeden Menschen. Die Augen der Geister Gottes durchleuchten den Menschen und erkennen alles, und nichts bleibt verborgen – so wie es Christus selbst gesagt hat: “Nichts bleibt verborgen. Alles wird offenbar werden.” (Vgl. Mat. 10, 26.)

Würden doch die Menschen dies erkennen – es wäre Friede auf dieser Welt. Wären sie sich doch ihrer eigenen Verantwortung bewusst und dass sie zur Rechenschaft gezogen werden. Wer dem andern Leid zufügt, der hat es wiedergutzumachen; bei dem kann es geschehen, dass er auf dieselbe Art und Weise Leid und Schmerz ertragen muss, wie er es einem andern zugefügt hat. Denn Gottes Gesetze sind gerecht.

Aber gross ist die Freude, die man erleben darf, wenn man dereinst eingeht ins Himmelreich, so man sich als Mensch um das Himmelreich verdient gemacht hat. Man darf sich glücklich schätzen, denn man kann auch von Engeln Gottes getragen werden – zwar nicht in den Schoss Abrahams –, getragen werden kann man in die Weiten des Himmels, in die Schönheit und die Herrlichkeit hinein, und dort kann man in seinem Glück und seiner Seligkeit leben. Man kann sein Glück kosten und kann sich freuen. Denn dort ist die wahre Liebe und das wahre Glück. Das kann der Mensch erwerben.

Lasst euch also dereinst, wenn eure Stunde gekommen ist, in diese Herrlichkeiten hineintragen, und wir wollen gemeinsam frohlocken und glücklich sein über das Erreichte. Und meine Worte werden nicht umsonst gewesen sein.

So, liebe Geschwister, überlasse ich euch dem Schutz und dem Segen Gottes. Er soll euch behüten, und bewahrt sollt ihr bleiben vor Not und Gefahr. Mit Freude erfüllt sollen eure Herzen werden, und frei von Angst und Bange sollt ihr sein. Denn Geister Gottes sind in eurer Nähe, so ihr Glaubens seid. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.3.1982 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Der König der Geisterwelt führt die Seinen in Liebe

Josef, 9. Oktober 1965

Der König der Geisterwelt führt die Seinen in Liebe

In der Gotteswelt geht alles nach den göttlichen Gesetzen, die wohlgeordnet sind. Es wird kein Zwang und keine Gewalt ausgeübt. So wird auch einem jeden Menschen Zeit gelassen, seinen Glauben und seinen Weg zu Gott zu finden.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wer den Himmel verdienen will, muss in seinem menschlichen Leben viel überwinden. Macht, Zwang und Gewalt üben die Menschen untereinander aus. Unter dieser Macht, unter diesem Zwang haben viele zu leiden. In der Geisteswelt aber liegt die Macht bei Gott. Gewalt und Zwang wird in der Gotteswelt nicht ausgeübt. Christus, der König der Geisterwelt, führt die Seinen in Liebe. Er ist Herr über die ganze Geisterschar und übt keinen Zwang, keine Gewalt über sie aus. So geht alles nach den göttlichen Gesetzen, die wohlgeordnet sind.

Die Gotteswelt freut sich über jene Heimkehrenden, die in ihrem menschlichen Leben für das Reich Gottes gewirkt haben und die weder Zwang noch Gewalt oder Macht zum Ausdruck gebracht haben, sondern dem anderen in geschwisterlicher Liebe gegenüberstanden, ihm wohlwollend begegneten. Der Himmel lässt sich nicht so leicht verdienen – man muss im menschlichen Leben viel überwinden. Durch dieses Überwinden kann man aber innerlich, geistig reifen und Gott so nähertreten. Wir fordern vom Menschen immer, dass er das hohe und edle Leben pflegt. Aber es gibt ja Menschen, die mit solchen Worten nichts anfangen können, denn sie können nicht an den Himmel glauben. Sie glauben nicht an Gott und nicht einmal an ein Weiterleben. An solche Menschen ist schwer heranzukommen. Gott übt also auch in dieser Beziehung keine Gewalt aus. Würde er Gewalt und Zwang ausüben, könnte er doch all diese Menschen, die nicht gewillt sind, an ihn zu glauben, vernichten. Doch Gott ist die grosse Liebe, die grosse Güte. So wird jedem Menschen Zeit gelassen, seinen Glauben zu finden. Wenn er es in einem Leben nicht schafft, dann stehen ihm ja noch so viele weitere Leben zur Verfügung, denn er muss jenen Standpunkt erreichen können, wo er sagen kann: “Ich glaube an Gott und seine Herrlichkeit. Ich glaube an seine Macht.”

Der Materialismus von heute ist wenig geeignet, um die Menschen auf dem göttlichen Weg zu fördern. Ihnen sind in einer solchen materialistischen Welt so viele Möglichkeiten des bequemen Lebens gegeben, dass sie mehr Interesse an dem finden, was das irdische Leben zu bieten hat. Sie lenken ihr ganzes Denken und ihre ganze Kraft nur auf dieses irdische Leben und wenden sich so immer mehr von Gott ab. Glücklicherweise aber gibt es unter den Menschen solche, die eine höhere Entwicklungsstufe erreicht haben und die sich sagen: “Nichts könnte mich von Gott trennen, nichts kann mich vom Weg zu Gott abbringen. Denn ich glaube an ihn, ich glaube an den Himmel, an die heilige Geisterschar, an Christus, den Erlöser. Er hat der Menschheit die Erlösung gebracht und ist wieder ins Reich des Vaters eingegangen, um dort weiter für die Geschwister zu wirken, die auf der Erde sind und sich auf dem Weg zu Gott befinden.” So wollen Gott, Christus und die ganze heilige Geisterschar, dass der Mensch sich Gott immer mehr nähert. Sie geben ihm ja dafür genügend Gelegenheit und Möglichkeiten.

Wenn ich sage, glücklicherweise gibt es Menschen, die einen festen Glauben an Gott haben, so sage ich das, um jene Freunde damit zu beglücken, ihnen den Weg klarzulegen, zu offenbaren, dass er sich auch für sie öffnen kann. Aber man muss sich bewusst werden, dass die Herrschaft über dieses Erdenreich in anderen Händen liegt als die Herrschaft über das himmlische Reich. Denn in dieser Welt, wo die Menschen leben, sind sie unter der Macht, dem Zwang und der Gewalt der niederen Geisterwelt. Denn Luzifer übt hier als erster Anführer die Herrschaft aus – aber eben: Es ist eine Herrschaft mit Zwang und Gewalt. Den Menschen von heute sollte es verständlich gemacht werden, dass Geister über sie regieren und dass man deshalb den Geisterglauben nicht als eine lächerliche Angelegenheit beiseitelegen darf, sondern dass es eine wahrhaftig ernsthafte Angelegenheit ist. Es muss auch wieder die Zeit kommen, wo die Menschheit ihren Glauben an diese unsichtbaren Wesen wieder gewinnt. So sind es einerseits die guten Geister, die um den Menschen werben; es sind aber andererseits auch diese niederen Geistwesen, die versuchen, den Menschen als Werkzeug zu benutzen – so wie jene Menschen von ihnen als Werkzeug benutzt wurden, als sie Christus verurteilten.

Nun möchte ich aber einen weiteren Schritt machen und euch von einer Seele erzählen, die einen festen Gottesglauben hatte und für den Himmel lebte. Diese Seele musste in ihrem menschlichen Leben vieles überwinden, also das Leben nach Gottes Gefälligkeit ausrichten. Wer dies tut, kann sich auf das andere Leben freuen. Warum soll es den Menschen vor dem Sterben ängstigen? Er braucht vor dem Sterben keine Angst zu haben, denn es wird ihm ein anderes Tor aufgetan, und eine andere Welt wird ihn begrüssen. Er wird entweder als geistig armseliges Wesen zurückkommen, oder er wird mit einem gewissen geistigen Reichtum in diese Ewigkeit eintreten. Vielleicht hat er einen überaus grossen Gewinn in seinem menschlichen Leben gemacht, den man als geistiges Gut betrachtet. Dementsprechend wird er eine Wohnung einnehmen, von der Christus gesprochen hatte: “Ich gehe hin, um euch die Wohnungen zu bereiten” (Joh. 14, 2). Darunter verstehen wir aber etwas anderes als die Wohnungen nach euren menschlichen Begriffen. Es sind nicht jene gemeint, sondern die geistigen Ebenen, Sphären oder Stufen, denn der Himmel hat seine Abstufungen. So wird man dementsprechend in eine Welt hineingeführt, die für den einen eine bescheidene Heimat sein wird, für den andern hingegen das grösste Glück, den grössten Reichtum bedeuten kann. Es kommt daher auf die Vorbereitungen, auf den Gewinn aus dem menschlichen Leben an.

Nun will ich von dieser Seele sprechen, die in eine reiche, herrliche Welt des Friedens und der Seligkeit eingehen durfte. Ich muss aber zuvor eine allgemeine Erklärung geben, weil zu einem solchen Abend wie heute immer wieder Freunde dazukommen, die nichts von den geistigen Gesetzen verstehen; die sozusagen keine Ahnung von der himmlischen Welt haben und sich noch keine Vorstellung von ihr gemacht haben. Ich möchte nur kurz erklären: Wenn vom Himmel gesprochen wird, von einem seligen, herrlichen Leben, so kann man dieses doch nur dann erleben, wenn es wahrhaftig das geistige Auge erfreuen kann, wenn es wechselreich ist und man mit dem ganzen Gemüte des Geistes diese Schönheiten, diese Herrlichkeiten erleben und empfinden kann. Infolgedessen müssen doch diese Herrlichkeiten in Gestalt und Form vorhanden sein. Das scheint manchen Menschen fast unglaublich, doch dem ist so. Denn das, was der Mensch auf dieser Erde besitzt an Bequemlichkeiten, an Schönheiten, an hoher Kunst und dergleichen, ist nur ein Abglanz von dem, was in der Geisteswelt vorhanden ist. Der irdischen Welt wurde – im Gegensatz zur Welt der Herrlichkeit und des Glückes – nur das Schattenhafte gegeben. Dieses zur Erklärung.

Als nun dieser selig Heimkehrende in der Gotteswelt sein geistiges Auge öffnete, war er von all den Herrlichkeiten überrascht. Er wurde von seinen Freunden und seinen Eltern ein Stück des Weges in dieser neuen Welt begleitet. Doch sie begleiteten ihn nur so weit, wie es ihnen möglich war, das heisst, sie konnten ihre Ebene nicht überschreiten. Der aufgestiegene Geist hingegen, er durchschwebte jene Tiefen, und sein Weg führte den Höhen zu, an den Platz, der für ihn vorbereitet worden war. So musste er auf dem Weg seine Verwandten und Freunde wieder verabschieden, und er wurde von den Geistern Gottes weiter zu den Himmelshöhen hinaufgeführt, die er sich im menschlichen Leben verdient hatte. Seiner nahm sich besonders sein Schutzgeist an. Er hatte einen treuen Schutzgeist, der ihn durchs Leben geführt hatte. Dieser hatte nun die Aufgabe, seinen Schützling dahin zu führen, wo er hingehörte.

Nun war aber sein Haus, in dem er wohnen sollte, noch nicht fertig gebaut. Der Geist Gottes bat ihn, er möge nun in seinem Haus – also im Haus des Schutzgeistes – Platz nehmen. Es befand sich auf der gleichen Ebene, wo nun das Haus seines Schützlings gebaut wurde. Das Haus des Schutzgeistes befand sich dicht am Fusse eines Felsens. Hoch über den Felsen floss Wasser, vom Gebirge her kommend, und diese Wasser sammelten sich in einem Bach, der diese Ebene teilte. Ich möchte die Ebene nach euren Begriffen als ein Tal beschreiben. Mitten durch dieses Tal zog also dieser Bach. Der Schutzgeist sagte zu seinem Schützling: “Siehe, am andern Ufer des Baches, da regieren andere Engel. Es sind die Erzengel, die dort ihre Herrschaft haben. Da, wo ich bin, wo ich mit dir wohne, das sind die Besitztümer der Engel. Die andere Seite des Baches gehört den Erzengeln.” Der Geist Gottes machte nun seinem Schützling verständlich, dass er nicht über die Grenzen hinaustreten könne. So hatte er ihm in der ersten Zeit diese neue Welt gezeigt. Sie war für ihn so wunderschön. Er hatte zu staunen über all diese Dinge, die er nun in der Ewigkeit erlebte. Er hatte doch geglaubt, dass all das, was ihm jetzt in dieser neuen Welt begegnete, nur auf der Erde anzutreffen wäre. Nun musste er sehen, dass alles, was man auf Erden erlebte und sah, auch in dieser Welt zu finden ist.

Der Geist Gottes führte seinen Schützling in den nahen Wald. Es war ein Wald aus lauter Tannen, wo vielerlei Arten von Vögeln und anderen Tieren lebten. Diese Tiere aber kannten keine Grenzen. Sie flogen über die Grenzen hinweg oder überquerten den Bach. Es gab für sie keine Begrenzung. So erlebte der Heimkehrende diese Tierwelt in ihrer wunderbaren Art und Weise; viel schöner und edler war sie als die, welche er im menschlichen Leben gekannt hatte. Er wollte sich in diesem Wald recht lange aufhalten, denn hier war die Tierwelt zutraulicher als im Menschenreich, wo sie vom Menschen wegflohen. Hier konnte man sich niedersetzen, an einen Baum lehnen und ein Tier herbeirufen, es berühren, mit ihm sprechen. Das Tier gab Laute von sich; es sprach aber nicht die Sprache des betreffenden Wesens, sondern es gab in seiner eigenen Ausdrucksweise Laute von sich. So freute sich dieses Wesen in der neuen Welt und bewunderte sie. Und der Schutzgeist sagte: “Du wirst vieles erleben dürfen, das dich weiter überrascht, wenn dein Haus gebaut ist.”

So wanderten sie in diesem Tal, und der Engel stieg mit seinem Schützling auf eine Anhöhe, auf einen Felsen. Von dort hatten sie die Übersicht und konnten in die Ebenen der Erzengel sehen. Sie konnten diese Herrlichkeiten betrachten. Der Geist Gottes sagte seinem Schützling: “Nach einer bestimmten Zeit, die du hier verbringen darfst, und wenn du dich weiter um die geistigen Höhen bemüht hast, wird es dir wohl auch möglich werden, diese Stufe zu überschreiten und in die Besitztümer jener Erzengel einzutreten.” Sein geistiger Freund sagte ihm weiter: “Auch die Erzengel haben ihre Besitztümer, genau wie wir Engel die unsrigen haben. Da sind aber noch weitere; es sind die Cherubinen, die Seraphinen, die Herrschaften, es sind die Throne, die Mächte und so fort. Sie alle haben ihre geistigen Besitztümer.”

Und er erklärte weiter: “Es gibt noch mehr Besitztümer, die aber in einem nicht sehr bewunderungswürdigen Zustand sind.” Damit meinte er jene Aufstiegsstufen, durch die nun die Menschengeister schreiten müssen, wo sie in die Geisteswelt einkehren und ihren Platz einnehmen – und dass diese Ebenen einst auch Besitztümer jener göttlichen Wesen waren. Diese Besitztümer hatten aber an Reichtum und Schönheit eingebüsst, das heisst, sie mussten umgewandelt werden. Sie alle, die Fürstentümer aller Himmel, mussten ihren Teil abtreten, damit den aufsteigenden Geschwistern jene Ebenen oder Sphären zum Wohnen bereitet werden konnten, damit sie dann eine Stufe nach der andern nehmen, bis sie in eine solch herrliche Ebene eintreten können, von der man sagen darf: Hier kommen nur solche Wesen hin, die sich auf Erden den Himmel verdient haben.

Es dauert für manchen Heimgekehrten recht lange, bis er es erreicht hat und in eine einigermassen angenehme Welt eintreten darf. Sie leben im Allgemeinen in Unkenntnis über das Himmelreich, so wie die Menschen in Unkenntnis leben, wenn sie nicht darüber unterrichtet sind, wie diese Himmelswelt aussieht, wie der Himmel geordnet ist. In derselben Unkenntnis sind diese Geister des Aufstiegs, und ihnen kann nicht von Anfang an der Schöpfungsplan erklärt werden, weil ihnen dafür genauso das Verständnis fehlt wie den Menschen. Ich kann diese Erklärungen Menschen geben, aber sie glauben es meist nicht. Und so ist es bei den Heimkehrenden: Sie können nicht glauben, zumal sie mit ihrem ganzen Wesen, mit ihrem ganzen Denken noch so mit dem zurückgelegten Leben verbunden sind. Ihr ganzes Interesse und Denken gehört ihrer vergangenen Welt an. Sie können oft den Schmerz nicht überwinden, dass sie nun des materiellen Besitzes verlustig gegangen sind und dass in der neuen Welt alles irdische Gut keine Bedeutung hat. Plötzlich ist nun das ein grosser Reichtum und Wert, an dem man im menschlichen Leben so leichthin vorübergegangen ist. So kann sich der Mensch keine Vorstellung von der grossen Enttäuschung machen, die viele erleben, und dass es ihnen nicht möglich ist, diese neue Welt zu erfassen. Die hohe Geisteswelt gibt den Heimkehrenden auch nicht die Kraft für diese Erkenntnis, denn zuerst müssen diese Wesen das Allernotwendigste, was für ihren Aufstieg dienlich ist, erleben. Man kann mit ihnen nicht als Erstes über die himmlische Herrlichkeit sprechen, sondern nur über das, was momentan für sie von Bedeutung ist. Das muss bei ihnen gefördert werden. Denn ihre Seele liegt noch so im Dunkeln, und langsam muss sich das Dunkel der Seele entfernen können. Dieses nur als allgemeine Erklärung.

Ich komme zurück zu jenem seligen Geist, der von seinem Schutzgeist geführt wurde. Er erklärte ihm die Himmelswelt, und dieser selige Geist hatte doch das Verlangen, auch Gott und Christus zu sehen und alle hohen Heiligen des Himmels. So musste ihm sein geistiger Freund erklären, dass er dies wohl erleben könne, dafür aber noch eine bestimmte Zeit notwendig sei. Er müsse zuerst Einzug in sein Haus halten, sich in der Himmelswelt zurechtfinden und über die notwendigen Dinge, die für seinen Aufstieg auf seiner Ebene wichtig seien, unterrichtet werden. Da sich nun der selige Geist von der irdischen Welt losgelöst hatte und sich nicht mehr an das irdische Leben gebunden fühlte, fiel es ihm leichter, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden und das, was die Geister Gottes ihm erklärten, zu verstehen. Denn eine ganz neue, gewaltige Welt hatte die Tore für ihn geöffnet, und er erlebte die grosse Güte und Liebe Gottes. Er musste nun selbst sehen, dass in dieser himmlischen Welt alles in Liebe geführt wurde, dass es keinen Zwang und keine Gewalt in dieser Welt gab. Er fühlte sich so glücklich bei seinem geistigen Freund, und dieser führte ihn ja in dieser Ebene umher. So konnte er vieles bewundern, vieles an Kunst, was ihn besonders erfreute, und vernehmen, dass er selbst, so er die Veranlagung dazu habe, sich dieser oder jener Kunst widmen dürfe.

Der Geist Gottes begleitete nun seinen Schützling zu dem Haus hin, das fertig erstellt war. Es war ein wunderbar gebautes, grosses Haus. Nach euren menschlichen Begriffen könnte man es als ein kleineres Schloss betrachten. Wenn ich diese Worte ausspreche, so heisst das, dass in der Himmelswelt solche Gebäude in verschiedenen Ausmassen anzutreffen sind. Es ist mir nicht möglich, euch dies nach euren Begriffen zu erklären. Nun, dieses herrliche Gebäude sollte aber nicht nur für diesen heimkehrenden Bruder allein bestimmt sein, denn viele andere sollten auch in dieses Haus Einzug halten. So wie dieser Schutzgeist seinen Schützling führte und betreute, taten es auch viele andere Schutzgeister. Sie durften nun die aufgestiegenen Geistwesen in das neue Haus hineinführen.

Man hatte dazu ein Fest veranstaltet, und wahrhaftig unter Jubel und Freude sollte jeder seine Wohnung einnehmen dürfen. In diesem prachtvollen Gebäude war ein Gemeinschaftsraum erstellt worden, den sich ein Mensch nicht vorstellen kann, denn jene edle und hohe Kunst kennt er im menschlichen Leben nicht, obwohl er glaubt, in der Kunst Vollkommenes anzutreffen. Es wäre für viele unverständlich, wenn ich die Pracht dieses Saales in allen Einzelheiten beschreiben würde. Ich möchte nur nebenbei bemerken, dass es weder an kostbaren Leuchtern noch an kostbaren Teppichen fehlte. Ihr dürft sie euch aber nicht aus vergänglicher Materie vorstellen, wie ihr sie besitzt; denn in der Geisteswelt ist diese geistige Substanz vorhanden, die nicht vergänglich ist und nicht verderben kann. Ich möchte sie als feinststoffliche Materie bezeichnen, zusammengestellt aus einer unbeschreiblich schönen Farben- und Lichtpracht.

So durften nun die Heimgekehrten in diesen Gemeinschaftsraum eintreten. Dort sollten sie ihre Empfänge haben, denn von den andern Himmeln kam man zu diesen Engelscharen hin, um sie zu begrüssen und mit ihnen Feste zu feiern. Und sie sollten auf Einladung hin auch in die Herrlichkeiten anderer Himmelsfürsten eintreten dürfen, denn diese himmlischen Fürsten haben alle ihre Besitztümer, und je höher die geistigen Stufen, umso schöner ist die Pracht.

In diesem Haus hatte auch die heimkehrende Seele ihre eigens für sie bestimmten Räumlichkeiten. Dort sollte sie leben dürfen, dort war alles für diese Seele persönlich bestimmt; es wurde also Eigentum dieses seligen Geistes. Dies war im Verhältnis zum himmlischen Reichtum ja nur eine Kleinigkeit, die dieser heimkehrende Geist als himmlisches Erbe angetreten hatte. So hatte nun dieser selige Geist ein herrliches Haus, in dem er leben durfte, er hatte seine eigenen Räume und auch die Möglichkeit, Geister aus derselben Ebene zu sich einzuladen.

Nun, auch in der seligen Welt ist man nicht untätig. Man bewundert nicht nur das Schöne, sondern in diesen höheren Aufstiegsstufen, in diesen herrlichen Welten, ist man sich bewusst, dass es eine Welt gibt, wo Geschwister leben, die um ihren Aufstieg kämpfen, und dass diese Geschwister den Beistand der ganzen Himmelswelt nötig haben. So wie Christus selbst den Weg zu den Menschen findet und seinen Geistern Anweisungen gibt für ihre Heimkehr, für ihren Aufstieg, für ihre Entwicklung, so bemühen sich alle ihm untergeordneten Gottesgeister, alles zu tun, um jenen Geschwistern den Aufstieg zu erleichtern. So spricht man in der Himmelswelt zur Hauptsache doch nur davon, dass es eine Welt gibt, in der viele ungläubige Geschwister sind, in der es Menschen gibt, die unter der Macht, dem Zwang und der Gewalt anderer zu leiden haben; dass es eine Welt gibt, wo Menschen leben, die von Gott nichts wissen wollen, und dass in jener Welt die luziferischen Mächte ihr Recht ausüben und dem Menschen ein ständiges Hindernis für seinen Aufstieg sind. So weiss die Gotteswelt, dass sie ihr Möglichstes beitragen muss, um den Aufstieg ihrer Geschwister zu beschleunigen. Sie ist aber an die Gesetze gebunden und hat sich an sie zu halten, so wie Gott selbst sich an die Gesetze hält, die er erstellt hat. Sie sind nicht nur für seine Geschöpfe wirksam, sondern auch für ihn selbst bedeutend. Er befolgt die Gesetze selbst auch, wie alle seine Kinder. Nach diesen Gesetzen richtet sich jeder Gottesgeist.

Nicht jeder Geist, der bestimmte Höhen erreicht hat, hat dieselben Befugnisse. In diesen himmlischen Reichen, wo die Fürsten des Himmels thronen, hat jeder seine besondere Aufgabe, und nach diesen Aufgaben richtet sich die Engelswelt. So konnte sich nun diese Seele mit ihrer ganzen Kraft und ihrem guten Willen aufs Neue einsetzen. Sie musste dazu ihre herrliche Welt zeitweilig verlassen, um in jene Welt herniederzusteigen, wo die Menschen leben, die von Gott so weit entfernt sind, und ihnen ihre Dienste anbieten, um am einen Ort die Bande der Liebe enger zu knüpfen, am andern Ort die Bande des Hasses aufzulösen oder an einem weiteren Ort ständiger Begleiter und Beschützer fürs Leben zu sein. So hatte dieser Geist seine vielseitigen Aufgaben, und mit grosser Freude und Genugtuung erfüllte er sie. Denn sein geistiger Freund machte es ihm verständlich: “Je mehr du für den Himmel wirbst, auch in der Gotteswelt, umso grösser werden deine Verdienste sein, denn in einer anderen Welt wird wieder gebaut, und du wirst wieder eintreten können in ein noch herrlicheres Haus, wo noch grössere Herrlichkeit und Glückseligkeit in Gemeinschaft mit den himmlischen Geschwistern zu erleben ist” – und dass dieses Ringen um das Aufwärtssteigen so lange dauern wird, bis dem Heimkehrenden sein ganzes Erbe übergeben werden kann.

So, liebe Geschwister, gab ich euch diese Stunde wiederum Einblick in die himmlische Welt und in ihre Gesetze. So möget ihr euch in eurem Leben bemühen um diese geistigen Verdienste, und mögt ihr nicht vergessen, dass man auf dieser Erde den Himmel nur dadurch erwerben kann, indem man hier so vieles überwindet, was man nicht gerne tut. Nur durch Überwindung und Aufopferung erreicht man diese himmlischen Höhen.

So möge Gottes Kraft euch stärken und im Leben begleiten. So möge Gottes Segen euch bewahren vor aller Not und Bedrängnis. Möget ihr alle mit Herz und Seele mit Gott verbunden sein, und mögen alle, die krank sind, gesunden an Leib und Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 9.10.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 6/2024
Preis USD 4.00
25 Seiten, 21 × 29,7 cm