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Christus ist “das Wort Gottes”, “das Licht der Welt”, “das lebendige Brot”, “das lebendige Wasser”. Gläubige Christen sind wohl bereit, das als solches zu bejahen, aber versteht man auch wirklich, was damit gemeint ist? Das vorliegende Heft hellt diese Sinnbilder auf. So gehörten die Menschen vor der Erlösung nicht dem lebendigen Reich Gottes an, sondern waren dem Herrscher der Finsternis zugehörig, waren sie mit ihrem Abfall von Gott doch zu geistig Toten geworden. Erst dank der Menschwerdung Christi und seines Erlösungswerks, seines Sieges über den Herrn des Totenreichs, ist die Heimkehr ins Vaterhaus wieder möglich, denn “niemand kommt zum Vater denn durch mich” (Joh. 14, 6). Christus hat indes nicht nur die Tore des Himmelreichs wieder aufgestossen. Er hatte auch die gesamte irdische Schöpfung mit all ihren Stufen des Aufstiegs geplant und gestaltet und sodann alles Leben auf dieser Erde, auf welcher Stufe es auch steht, ins Leben gerufen, es lebendig gemacht.
Dieses Heft zeigt zudem auf, was darunter zu verstehen ist, wenn Christus “der eingeborene Sohn Gottes” genannt wird oder er selber sagte: “Der Vater ist in mir, ich bin in ihm” (Joh. 10, 38).
Josef, 12. November 1977
Das Wort – der eingeborene Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit – ist das Licht der Menschen geworden.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister: “Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott. Und durch das Wort ist alles geworden, was da ist. Und das Wort ist Licht des Menschen geworden, das leuchtete in die Finsternis.” (Joh. 1, 1–5.) Das Wort ist Christus. Und beifügen möchte ich noch: “Und er kam in die Welt, und die Seinen erkannten ihn nicht, sie nahmen ihn nicht auf” (Joh. 1, 10–11).
Wenn ich nun die Erklärungen über diese Worte gebe, dienen sie dazu, eure bisherige Erkenntnis zu festigen und euch im Glauben zu stärken, damit ihr erkennt, dass alles, was ich euch bisher an Erklärungen gegeben habe, seine Richtigkeit hat.
“Am Anfang war das Wort.” Vermöchte doch der Christenmensch näher darüber nachzudenken. Gott ist ewig. Nun aber ist von einem Anfang die Rede, es gibt einen Anfang: “Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott.” Daraus geht hervor, dass Christus, der eingeborene Sohn Gottes, nicht ewig ist, nicht seit Ewigkeit war. Ich erkläre dies, weil es Christenmenschen gibt, die der Auffassung sind, dass auch Christus seit ewig wäre. So muss man erkennen können, was mit diesen angeführten Worten gemeint ist. Wenn doch von einem Anfang geredet wird, so heisst das, dass nicht Ewigkeit gemeint ist.
“Und dieses Wort ist Licht der Menschen geworden.” Warum sind denn die Menschen auf dieser Welt nicht selbst ein selbstständiges Licht? Was ist denn damit gemeint, wenn es heisst: “Und das Wort ist Licht der Menschen geworden”? Dies muss doch seine Ursache haben. Menschen tragen als Geschöpfe Gottes auch ein Licht in sich, aber ihr Licht ist so schwach und vermag weder die Umgebung noch den Weg zu beleuchten, um zeigen zu können, wohin der Weg geht. Zu schwach ist das Licht der Menschen – zu schwach ward es. So kam dieses grosse Licht und leuchtete den Menschen.
Das heisst also: Christus hatte den Weg bereitet zurück zum Vater, er hat die Seinen mit dem Vater versöhnt; er kam zu den Seinen, und sie erkannten ihn nicht. Welche Welt, welch Unterschied von dieser Welt des Menschen zur geistigen Welt! So ist es ein Kampf, den Christenmenschen die unsichtbare, göttliche Welt nahezubringen, sie ihnen glaubhaft zu machen. Denn sie ist die Welt, in die sie eintreten werden, wenn sie gestorben sind. Ihr Leib wird der Erde zurückgegeben, aber das Lebendige, das Geistige in ihnen, wird zurückgeführt in die himmlische Welt, in die Ewigkeit. Der Mensch oder der gläubige Christ muss aber auch wissen, dass dieses Licht, das den Menschen leuchtete, wahrhaftig auch hinunterleuchtete in die Finsternis und heute noch seine Strahlungskraft in die Finsternis hineinwirft.
Christus, das Wort, Licht der Welt oder lebendiges Brot – symbolisch ist dieses ausgedrückt. So hatte er es stets den Menschen klargemacht: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12), “Ich bin das Brot des Lebens” (Joh. 6, 35), “Ich bin das lebendige Wasser” (vgl. Joh. 4, 10). Die Menschen müssen erkennen, was damit gemeint ist. Und von besonderer Bedeutung ist es auch, zu wissen, was mit diesem Lichte gemeint ist. Denn dass dieses Licht in dieser Welt leuchtet, heisst doch, dass der Weg bereitet ist zu Gott, dass es möglich ist, diesem Lichte nachzugehen und so den Weg zu finden zu Gott.
Gläubige Menschen sind wohl bereit, das zu bejahen, was ihnen dargelegt wird, ohne darüber nachzudenken. Aber man versteht es nicht, man weiss nicht, was damit gemeint ist. Und wenn man es nicht richtig erkennt, dann vermag auch der Glaube nicht so stark zu sein; denn man kennt ja die Wahrheit nicht, man kann nicht in der Wahrheit glauben. Man soll aber in der Wahrheit glauben können.
Christus hatte seinen Jüngern und jenen, die ihm folgten und ihm zuhörten, auch Dinge gesagt, die Menschen nicht ohne Weiteres annehmen wollen – beispielsweise über die Wiedergeburt. Gläubige sagen: “Nirgendwo hat Christus auf die Wiedergeburt aufmerksam gemacht.” Oh doch, er sprach davon, er sagte: “Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet, dann könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen” (Joh. 3, 3). Doch die Menschen von dazumal verstanden es nicht; sie hatten ihre besonderen Vorstellungen von diesem Wiedergeborenwerden. Christus wusste es ja, dass es schwer war, ihnen die ganze Wahrheit zu sagen; denn sie waren doch nicht reif dafür, diese Wahrheit zu erkennen. Und so sagte er – und jetzt zitiere ich, wie es teils in dieser oder jener Bibel geschrieben ist, nicht überall ist es auf dieselbe Weise dargelegt –: “Wenn ihr nicht aus dem Wasser und dem heiligen Geist geboren werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen” (Joh. 3, 5). Richtig ist aber, tatsächlich gesagt hat er: “Wenn ihr nicht aus dem lebendigen Wasser und dem lebendigen Geiste wiedergeboren werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich eingehen.”
Nun, auch diese Worte bedeuten dem einen oder andern nicht viel mehr, weil er die Zusammenhänge nicht kennt, weil er die Lücken, die in der christlichen Lehre sind, nicht zu füllen vermag. Überlegt: Christus sprach diese Worte vom lebendigen Wasser und vom lebendigen Geist, als er seinen Auftrag noch nicht erfüllt hatte. Diese Worte, dass sie ins Reich Gottes einkehren würden, sollten ihre Gültigkeit haben, wenn sie durch das lebendige Wasser und durch den lebendigen Geist gegangen sein würden. Und dieses war erst dann möglich, wenn Christus den Auftrag erfüllt hatte. Diese Worte sprach er aber vorher, im Hinblick auf die Zukunft – der Himmel war damals noch geschlossen. Sie sollten ins Himmelreich zurückkehren können durch das lebendige Wasser. Und das ist das, was ich erwähnte – Christus sagte von sich: “Ich bin das lebendige Wasser.” Und durch diese geistige Lebendigkeit sollte die Menschheit schreiten müssen. Auch dieses ist symbolisch dargelegt. Aber wenn ihr nachdenkt, was das Wasser auch für euch für eine Bedeutung hat: Ohne Wasser gibt es kein Leben. Es gibt also kein lebendiges Leben, oder man kann also nicht ins Himmelreich eingehen, wenn man nicht durch dieses lebendige Wasser hindurchgeht. Das heisst im Weiteren: Christus musste zuerst seinen Auftrag erfüllen und den Weg frei machen, damit die Seinen ins Himmelreich zurückkehren konnten. Er, Christus, ist für die Menschheit für alle Zeit das lebendige Wasser. Denn niemand kommt zum Vater, ohne dass er an Christus vorbeigeht (Joh. 14, 6). Christus hat die Tore des Himmelreichs aufgemacht. Auch die Menschen von dazumal mussten sich klar darüber werden, dass dies von besonderer Bedeutung war. Aber sie nahmen diesen Christus nicht als den Gottessohn und den Erlöser an, obwohl es ausdrücklich heisst (Joh. 6, 40), dass sie nur dann ins Himmelreich eingehen könnten. Und dafür musste Christus also seinen Auftrag erfüllen.
Und wie es im angeführten Wort weiter heisst, sollten die Menschen auch durch den lebendigen Geist gehen – dann wäre das Himmelreich offen für sie. Vor der Erlösung durch Christus gehörten die Menschen nicht dem lebendigen Reich Gottes an. Sie waren dem Herrscher der Welt zugehörig, jenem Herrscher der Finsternis; von ihm waren sie umfangen. In sein Reich kehrten sie nach ihrem Tode zurück, dahin, wo er seine Rechte hatte über die Geister, die ihm zugesprochen waren; ihm zugehörig waren sie. Und das waren keine lebendigen Geister, sondern das waren die toten Geister, die geistig Toten. Und darum heisst es: Durch das lebendige Wasser, durch den lebendigen Geist konnten sie ins Himmelreich eingehen.
Dieses sagte Christus, ehe er seinen Auftrag erfüllte. Aus diesen Worten geht doch auch hervor, wie sehr er mit der göttlichen Welt verbunden war und wie sehr er auch bemüht war, dem Menschen den Weg zu zeigen, ihm Hoffnung zu machen. Aber was nützte es? Jene Menschen von damals verstanden es nicht. Sie wussten nicht, was mit diesem lebendigen Wasser und mit diesem lebendigen Geist gemeint war. Christus sprach aber in die weite Zukunft hinein, wenn er vom lebendigen Geist sprach und von dem, dass man wiedergeboren werden müsse, wenn man ins Reich Gottes eintreten wolle. Christus selbst erkannte doch den schweren Weg zurück ins Himmelreich, und er erkannte, dass es [einem aufsteigenden Geistwesen] doch nicht möglich war, in einem einzigen Menschenleben so viel zu erreichen, um in Gottes Nähe zu kommen.
Anderseits kommt durch diese Worte das grosse Wissen zum Ausdruck, das in Christus war. Christus wusste um die Gesetze, die er zum Teil mit dem Vater besprochen hatte, ehe er in dieses Menschsein trat. Vieles wurde erst zum Teil besprochen, denn endgültig festgelegt werden sollte es erst später, wenn er seinen Auftrag erfüllt haben würde. Denn Christus wurde doch den Menschen in allem gleich, und wie bangte doch auch die Gotteswelt um ihren König, dass er seinen Auftrag erfülle. So sicher war man nicht. Dieses ist auch etwas, was Gläubige nicht verstehen wollen. Wir sagen euch stets: Bei Gott wird nur Sinnvolles getan und ausgeführt. Hätte von allem Anfang an mit Sicherheit festgestanden, dass Christus seinen Auftrag erfüllt, dann wäre es doch überflüssig gewesen, dass er diesen schweren Weg beschreiten musste. Aber Christus musste diesen schweren Weg gehen; er bedeutete für ihn viele Anstrengungen und manche Prüfung.
Auch er wurde geprüft. Darüber habe ich euch Erklärungen gegeben. Er war aber Gottes Sohn, und er hatte die Schau in die Ewigkeit; er hatte Verbindung mit den Geistern Gottes, er sprach mit seinem Vater. Doch er wurde manches Mal auch sich selbst überlassen; selbst, ohne göttlichen Beistand, musste er leben. Und so auf sich selbst angewiesen, rief er manches Mal dem Vater: “Erhöre mich, lass mich nicht allein!” Er flehte zum Vater. Auch gläubige Menschen vermögen dieses nicht zu begreifen und zu verstehen. Es ist in der christlichen Lehre aber so bedeutungsvoll, diese Erkenntnis zu haben und zu wissen, dass es Christus im Leben manches Mal schwer gemacht wurde; nicht nur in seiner Leidenszeit, schon vorher war ihm das Leben nicht immer leicht gemacht worden.
Dass nun der Mensch wiedergeboren werden sollte, beweist doch die gewaltige Güte und Weisheit, die von Gott kommt. Denn hier liegt doch wahrhaftig diese grosse Barmherzigkeit und diese grosse Güte.
Versucht euch einmal vorzustellen, als Geist in der geistigen Welt zu leben. So viele Dinge sind es, die in jener Welt entfallen: Es gibt kein Geld, es gibt keine Lüge, es gibt keine Erpressungen; man kann den Nächsten nicht erniedrigen noch falsch anschuldigen. So vieles fällt weg. Und anderseits sind da im menschlichen Dasein so viele Dinge, die dem Menschen das Leben eben schwer machen, weil er auf diese Welt ausgerichtet ist, weil er ein materialistisches Denken hat; weil er nicht an die Ewigkeit glaubt, nicht glaubt, dass er nach seinem Tode als Geist weiterlebt, nicht daran glaubt, nicht weiss, dass es eine Wiedergutmachung gibt, dass alles bis in alle Einzelheiten wiedergutgemacht werden muss. Davon weiss der Gläubige nur wenig. Aber man offenbart es ihm.
Durch Christus ist alles geworden, was da ist in dieser Welt und im Jenseits. In der Jenseitswelt sind so viele Aufstiegsstufen. Auch im Totenreich gibt es Aufstiegsstufen, und es gibt auf dieser Welt stumme, stille Aufstiegsstufen. Davon wissen Menschen nur wenig oder überhaupt nichts. Wie bedeutsam wäre es aber, wenn sie nur einiges von den Stufen der Jenseitswelt wüssten, von dem, was durch Christus geworden ist im Auftrage des Vaters und durch den Beistand der weiteren hohen Geisteswelt.
Menschen, die sich in ihrem Leben verschulden, werden in der Jenseitswelt ihr geistig Auge öffnen; für sie ist die Welt vorbereitet. Sie treten ein in diese Welt, wo sie wiedergutzumachen haben, wo sie zu sühnen haben. So gibt es einen weiten Weg, den man beschreiten muss, bis man nur einigermassen in ein Leben hineinkommt, von dem man sagen kann: “Es ist eine harmonische Welt, in der ich leben kann.” Versucht darüber nachzudenken, wie viele es sind, die ständig von unten her im Aufstieg sind, und wie nieder ihre Gesinnung noch ist. Für sie müssen Wege offen sein für den weiteren Aufstieg nach oben, und dies wird ein langer Weg sein für jene, die eine niedere Gesinnung haben.
Des Öftern hat Christus selbst darauf hingewiesen: Wer nicht an ihn glaube, werde nicht Anteil haben an der Herrlichkeit Gottes (vgl. Joh. 3, 36). So sind es gewisse Stufen, die im Glauben und im gerechten Leben erreicht werden müssen, um eine solche geistige Stufe zu erreichen, um in den göttlichen Frieden einzukehren. Wer nicht den Glauben an Christus hat, wer nicht nach den Gesetzen lebt, die dem Menschen geoffenbart sind, wird draussen stehen müssen. Er wird in eine Welt abgesondert werden, wo er keinen Frieden hat.
So weit, so gross sind die geistigen Entwicklungsstufen, die durchschritten werden müssen. Wer da von unten kommt und wer sich in seinem menschlichen Leben derart belastet, der wird in seiner Seele gezeichnet, gezeichnet für ein zukünftiges Leben. Wer sich in dieser Welt dem Mitmenschen gegenüber aufs Schlimmste verschuldet, der wird es nicht leicht haben in einem neuen menschlichen Dasein. Wie dunkel sieht es aus in der Seele jener zurückgekehrten geistigen Wesen, die in ihrem Menschenleben keinen Glauben hatten, für die es keine geistigen Gesetze gab; wie unbelehrbar sind sie in der Geisteswelt! Es braucht für die Geister Gottes viel Aufopferung, um sich solcher anzunehmen.
Und da ist es möglich, dass welche, die sich so sehr verschuldet haben und sich in der geistigen Welt den Anordnungen nicht fügen, gebannt werden. Und zwar wird ihr Geist in dieses Erdenreich zurückgeführt und hier an Materie gebannt – es kann ein Baum sein, es kann ein Fels sein, es kann die Stufe einer Treppe sein, es kann eine Strasse sein, über die Menschen schreiten. Und dieser Geist bleibt da gekettet und gebunden. Er wird erniedrigt. [...] Schwerste Sühne hat er zu leisten. Wie lange er gebannt sein wird, bestimmt die Geisterwelt Gottes.
So mag es jenen ergehen, die sich aufs Schlimmste verschuldet haben. Sie haben draussen zu leben – so nennen wir es. Denn es kann doch möglich sein, dass auch ein solcher in einem früheren Leben an Gott geglaubt, Gutes getan hatte und eine dementsprechende geistige Entwicklungsstufe einnahm. Sollte er nun, nachdem er sich in seinem letzten Leben derart verschuldet hat, in eine friedvolle Welt zurückkehren dürfen? Nein, man hat die Türen zugemacht. Wohl gehört er jener Entwicklungsstufe an, aber beschreiten wird er sie erst dann wieder können, wenn er sich in seiner Seele von seiner üblen Gesinnung frei gemacht hat. So lange bleibt er gebunden. Doch solche Gebundenen werden von der Geisterwelt Gottes stets beobachtet; keiner wird sich selbst überlassen sein in dem Sinne. Geister Gottes haben da ihre Aufgabe, indem sie Nachschau halten, wie weit es mit der Gesinnung eines Gebundenen gediehen ist. Ist er noch ohne Reue, wird er noch belassen. Kehrt aber ein Funke Reue in ihn ein, hat man Mitleid mit ihm. Und durch das Mitleid der Geister Gottes kann er befreit werden von dieser Gebundenheit. Das heisst aber nicht, dass er nun gleich zurückkehren könnte in seine einst erworbene Stufe. Er hat immer noch draussen zu bleiben, je nach seiner Belastung und je nachdem, wie er bereit ist wiedergutzutun.
In vielen Fällen wird es so gehandhabt, dass der Betreffende dann durch das Eingreifen der Gotteswelt in ein neues Erdendasein geführt wird. Man will ihm die Möglichkeit geben, seine Verschuldung abzutragen und schneller aufzusteigen. Wer aber so belastet ist, der wird auch in ein beschwerliches Leben eintreten. Die Geisteswelt Gottes wird es bestimmen, auf welche Art und Weise er zu leben hat, wohin er geboren wird; es werden die Möglichkeiten ausgeforscht, ausgesucht, die für ihn gut sein werden.
So überschaut die göttliche Welt die bisherige Entwicklung des einen wie des andern. Vielleicht hat einer mehrere Erdenleben hinter sich, in denen er immer einen kleinen Gewinn erzielte – und plötzlich ist er gestrauchelt, schwer gestrauchelt. Die Gotteswelt erkennt dann das Inwendige des Betreffenden und macht sich ihr Bild. Es kann also möglich sein, dass einer gestrauchelt ist, dass man aber in seiner Seele auch viel Gutes sieht, das Möglichkeiten schafft für ein besseres Leben, für einen schnelleren Aufstieg. Dementsprechend zeichnet man das Geistwesen, das für ein neues Menschenleben bestimmt ist, und dementsprechend wird es auch in ein irdisches Dasein geführt.
Von all dem, was die Geisteswelt vor dem Eintritt in ein neues menschliches Dasein tätigt, weiss kein Mensch etwas. Wer aber die geistige Lehre kennt, der müsste wissen, welches Verhalten notwendig ist, um ins Himmelreich einzukehren. So müsste doch der Mensch alles von sich weisen, was ihn in irgendeiner Weise belastet und ihm nicht die Möglichkeit eines friedvollen geistigen Lebens gibt. Er müsste in seinem Erdendasein die Vorbereitungen treffen, um das Himmelreich zu erreichen. Er müsste sich vertraut machen mit dem lebendigen Licht, mit dem lebendigen Geist und die christliche Lehre in der Wahrheit erkennen und seine Erkenntnisse bei Gelegenheit den Mitmenschen offenbaren, um ihnen einen Nutzen zu geben von seinem Wissen, von seinen Erkenntnissen. Das will nicht heissen, dass man auf den Mitmenschen einen Zwang ausüben soll; denn das, was euch gegeben wird, ist doch etwas so Kostbares, und dieses Kostbare soll als das aufgenommen, aufgehoben und bewahrt bleiben. Es gibt aber im Leben des Menschen viele Möglichkeiten, ihm etwas zu offenbaren von dieser geistigen Wahrheit.
Christus wusste wohl, warum er gesagt hatte: “Ich werde dann den Geist der Wahrheit senden, er wird euch über all diese Dinge unterrichten” (Joh. 14, 26). Überlegt doch einmal, welch einfaches Denken die Menschen dazumal hatten; die meisten konnten weder lesen noch schreiben, es waren wirklich einfache Menschen. Und so war es Christus doch gar nicht möglich, ihnen mehr zu sagen. Selbst die Apostel, die die Lehre Christi weiterverbreiteten, sagten zu den Ihrigen, zu den Heiligen, wie sie sie nannten: “Wir können euch nur leichte Speise geben; eine schwere Speise vertragt ihr nicht” (1. Kor. 3, 2). Damit war eben das gemeint: Die Apostel konnten den Menschen damals nicht alles sagen, was sie ihnen so gerne dargelegt hätten; diese verstanden es ja nicht, konnten es nicht begreifen.
Beim heutigen Menschen ist es doch ganz anders; der heutige Mensch ist so wissensdurstig, er möchte wissen. Und es gibt glücklicherweise Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind. Sie möchten glauben. Doch das, was man ihnen anbietet, das festigt sie nicht im Glauben.
So gilt es doch einmal, das Grundlegende der christlichen Lehre zu kennen, und das heisst: Man muss wissen, dass sein eigenes Leben einen Sinn hat und dass jeder in seinem Leben einen Auftrag oder eine Aufgabe zu erfüllen hat; und damit ist seine Aufwärtsentwicklung gemeint. Man muss dafür besorgt sein, dass man sich geistig vorwärtsentwickelt. Um aber in seinem Denken so weit zu kommen, muss man die Erkenntnis haben, dass man wahrhaftig ein Erbe Gottes ist und man durch Christus wieder zurückkehren kann ins Vaterhaus, dass man sich wieder ein Kind Gottes nennen darf. Durch Christus ist man aus der Knechtschaft herausgekommen und hat die Kindschaft Gottes wieder zurückerhalten. Das alles ist Christus zu verdanken, dem eingeborenen Sohn Gottes, von dem es heisst: “Am Anfang war das Wort.”
Wenn einer gläubig ist und zu Gott betet, muss er doch auch die Vorstellung davon haben, dass es einen Ort gibt, wo Seligkeit ist. Er muss wissen, dass Christus, der König der Geisterwelt, die Seinen wieder zurückhaben will in seinem Reich und dass man eine Familie sein muss mit Christus, dem König. Es muss wieder eine Einheit geben in der geistigen Welt, um als Geist in der Einheit mit heiligen Geistern zusammenleben zu können. Und um diesen Besitz muss der Mensch kämpfen, und das heisst: Er muss nach Gottes Gefallen leben. Und es kann der Mensch nach Gottes Gefallen leben, er bekommt Kraft dazu von der heiligen Geisteswelt. Wenn er willens ist, wenn er die Hände ausbreitet nach denen, die ihm helfen wollen, werden sie ihn durchs Leben führen.
Aber es ist doch so, der Mensch möchte Näheres wissen; er möchte wissen, woher er kommt und wohin er geht. Woher er kommt, das ist ihm gesagt: Er kommt aus der Geisteswelt; er hatte sich einst in der Geisteswelt verschuldet. Erlöst von dieser grossen Schuld wurde er durch Christus. Christus hat es möglich gemacht, dass man wieder ins Himmelreich zurückkehren kann. Aber dazu ist es notwendig, eine Stufe um die andere zu überschreiten, um so einzukehren in eine Welt des Friedens und der Seligkeit. Welt des Friedens und der Seligkeit – glaubt, liebe Geschwister, manche, die in der Jenseitswelt auf jenen erhöhten Stufen stehen, wünschen nicht mehr in ein menschliches Dasein zurückzukehren. Und doch wird ihnen erklärt, dass es für den Heilsplan notwendig ist, dass auch geistig Erstarkte in dieses irdische Dasein berufen werden, um Licht für andere zu sein.
So, liebe Geschwister, versucht nachzudenken über all das, was ich euch gesagt habe. Versucht, die Gesetze Gottes zu halten. Versucht, zu eurem eigenen Heil und Segen Vorbereitungen zu treffen für eure eigene geistige Zukunft. Damit kann man nicht früh genug beginnen. Der Himmel will sich freuen, edel Gesinnte in Empfang zu nehmen, mit ihnen zu jubeln und Gott zu loben und zu preisen für seine Güte und seine Barmherzigkeit, dass er es geschehen liess, dass er seinen geliebten Sohn in dieses menschliche Dasein sandte, damit er die Menschen wieder mit dem Vater versöhne und ihnen den Weg zurück ins Himmelreich bereite.
So möge Gottes Segen euch alle behüten und beschützen. Möget ihr alle gesunden, die da krank sind an Leib oder Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 12.11.1977 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 24. September 1969
Die Menschheit hat Christus so viel zu verdanken. Er hat ihr den Weg gebahnt zur Rückkehr ins Vaterhaus. Er gestaltete die irdische Schöpfung mit all ihren Stufen des Aufstiegs. Alles Leben auf dieser Erde, auf welcher Stufe es auch steht, ist von Christus ins Leben gerufen worden, und das Wort Gottes hat es lebendig gemacht.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr wisst, dass es meine Aufgabe ist, euch Gott näherzuführen, euch mit dem Göttlichen zu vereinen, euer innerstes Wesen zu erheben. So bin ich ja immer etwas näher an euch, an euer Innerstes, herangekommen. Und ich will gerne annehmen, dass ich von allen verstanden werde. Wenn dem nicht so ist, sind noch genügend Freunde da, die Fragen beantworten können; man kann sich an sie wenden, wenn man das eine oder andere nicht versteht. Es gibt erleuchtete Freunde, die darüber Auskunft geben können.
Liebe Geschwister, ich möchte auch in dieser Stunde an euch herantreten [4. Abend der Meditationswoche 1969]. Ich möchte euch erklären, dass ihr in euch einen Hohepriester habt, der Einkehr halten möchte bei euch. Ich sage aber ausdrücklich: Dieser Hohepriester möchte Einkehr halten. Ich sage also nicht: Du selbst bist der Hohepriester deiner Seele. Nein, dieses Mal nicht. Du kannst dein eigener Priester sein [wie am 3. Abend dargelegt], aber über dem Priester steht der Hohepriester. Und ihn kennt ihr alle wohl, denn in seinem Namen sind wir alle hier beisammen.
Ihm verdankt ihr euer Sein auf dieser Erde, er ist euer aller Hohepriester. Er ist Hohepriester in seiner Welt, in seinem Reich. Ihr wisst, dass die Engelschar ihm huldigt, und ich brauche nicht auf das Genaueste auf den einstigen Abfall zurückzukommen. Ich komme aber nicht darum herum, davon zu reden, denn ich muss doch Ursache und Wirkung erklären können.
Christus, der Sohn Gottes, der König der Geisterwelt Gottes, das “Wort Gottes”, ist Fleisch geworden. Er hat unter der Menschheit gewohnt. Man kann Christus auch das Wort Gottes nennen, denn er verkündet Gottes Willen, so wie er ihn damals verkündete; Gottes Wort war in ihm. Christus war in seinem Wesen Gott gleich – mit ihm eins geworden. Er ist sein eingeborener Sohn, sein geliebter Sohn, die höchste Schöpfung Gottes. Und wohl keiner in der Gotteswelt hatte nur annähernd etwas von der Schönheit erreicht, die der König besitzt. Vom Schöpfer wurde Christus zum König gesalbt; ihm sollten sie alle untertan sein: Sämtliche Engelschaften, sämtliche Heerscharen – sie alle sollten ihm untertan sein, dem Gesalbten Gottes.
Nun kam es ja zu dieser Trennung. Darauf brauche ich, wie ich betont habe, nicht näher einzugehen. Ich möchte jedoch auf etwas aufmerksam machen: Es lag in Gottes Barmherzigkeit, den Seinen den Weg zurück zu ebnen. So hatte er einen Plan erdacht, und diesen Plan besprach er zuerst mit seinem geliebten Sohn. Doch so, wie man glaubte, es auf dem kürzesten Wege erreichen zu können [über das geistige Paradies], ging es nicht; aber man hatte diesen Versuch unternommen. Auch darüber wissen die meisten Bescheid, und ich möchte daher nicht in Einzelheiten gehen. Wenn Freunde da sind, die es nicht verstehen, können sie sich mit den andern Geschwistern besprechen.
Ich möchte jetzt Erklärungen geben vom Zeitpunkt des Abfalls an. Er liegt Millionen und Millionen und Millionen [Milliarden] Jahre zurück. Es soll euch nicht erschrecken, es ist so. In dieser Zeit wurden die Wege geebnet, geplant für einen Aufstieg. So sollte doch die Erde so geschaffen werden, dass es möglich würde, Leben in dieser Lebensform darauf leben zu lassen, wie es heute ist. Es brauchte dazu sehr viel, und ihr wisst, dass Christus es ist, dem man dieses Leben zu verdanken hat, dass er tätig war in der irdischen Schöpfung. Ihm ist dieses Leben hier auf Erden zu verdanken, Gott hat es in seine Hände gelegt. Christus sollte das Leben schaffen, alles Leben auf dieser Erde, auf welcher Stufe es auch steht. Von ihm aus ist es ins Leben gerufen worden; das Wort Gottes hat es lebendig gemacht.
So könnt ihr euch doch vorstellen, dass der aus Gott Geborene diese schöpferische Kraft im höchsten Masse besass, sodass es ihm möglich wurde, das Leben auf Erden zu gestalten. Er hat nicht allein alle Arbeit geleistet, denn ihm standen göttliche Wesen zur Verfügung, die ebenfalls schöpferische Talente hatten, die schöpferisch mit tätig sein konnten. Zuerst musste aber ein Plan festgelegt werden, und diesen Plan gab der Schöpfer aller Dinge, der himmlische Vater, der Vater allen Lebens. Gott zeigte den Plan seinem Sohne und übergab ihm den weiteren Ausbau.
Der Sohn Gottes ging daran und zeichnete die verschiedensten Entwicklungsstufen, die für ein Leben, das sich auf dieser Erde vollziehen müsste, notwendig sein würden. Er fing an die Stufen zu zeichnen – von den niedersten bis zu den höchsten –, und so plante er alles hinein. Diese Pläne gab er seinen fürstlichen Geschwistern. Sie sollten ihrerseits mit ihren schöpferischen Gaben und Talenten mitwirken an der Vollendung dieses Schöpfungsplanes. Dieser Schöpfungsplan sollte in allen Einzelheiten in seiner grossen Vielfalt entstehen. Es waren viele Engel Gottes, die sich daran beteiligten.
Wenn ich euch nur auf weniges aufmerksam machen darf, beispielsweise auf das Tierreich – wie vielfältig ist dieses Tierreich doch gestaltet! Es gibt harmonische, schöne Tiere, die für euer Auge lieblich sind, und es gibt welche Tiere, von denen ihr glaubt, dass man an ihnen nicht so eine besondere Freude haben könnte. Nun wisst ihr aber, dass im Tierreich so viele Stufen sind und dass es Christus war, der auch die niederste Stufe im Plane festhielt – sagen wir ein Insekt, das dem Menschen lästig ist, das aber im Plane Gottes auch eine Aufgabe erfüllen muss; es muss auch eine Stufe durchschreiten, um mit der Zeit zu höherem Leben zu kommen. Wie viel solch niederes Getier lebt da in seiner Vielgestaltung. Dafür haben die Engel Gottes unter sich gewetteifert; sie haben diese vielen Gattungen geschaffen und sie in die Stufen eingereiht, wie es ihnen befohlen wurde. Dann musste jedes und alles dem Sohne Gottes zur Begutachtung gegeben werden. Er sollte sagen, ob es richtig, ob es für den Schöpfungs- und Heilsplan dienlich sei. Da und dort wurden auf Anweisung des Königs Änderungen vorgenommen.
So wurde im Laufe von Jahrmillionen zuerst einmal dieser Plan mit diesen Stufen festgezeichnet: vom niedersten Getier bis zum schönsten und erhabensten Tier, das in seiner geistigen Entwicklung eine gewisse Höhe einnimmt. Die Geister Gottes hatten wahrlich Zeit genug – in Jahrmillionen, nach eurer Zeitrechnung, wurden diese Pläne fertiggestellt. Zuerst wurde geplant, und danach, als die Wege zu einem Erwachen geebnet wurden, als es möglich gemacht wurde, dass Leben eintreten konnte, wurde auch dieser göttliche Funke darin eingekleidet: Nach Aber- und Abermillionen von Jahren gab es die Einkleidung in die verschiedenen Leiber.
Wenn ihr die Pracht der Blumen bestaunt: Wie einfache Blümchen und wie wertvolle Blumen nach eurem Massstab gibt es doch. Auch in diese Blumen hinein musste der Kern der Lebendigkeit eindringen, damit sich das Leben zeigte. Um leben zu können, mussten diese Blumen – von der einfachsten bis zur köstlichsten – so gestaltet und geformt werden, dass es möglich werden konnte, zur bestimmten Zeit diesen Funken mit seinem Ewigkeitswert einzukleiden, um ihm die Möglichkeit zur Weiterentfaltung, zum weiteren Aufstieg zu geben.
Wie vieles ist noch in der Natur, wie vieles liegt bei euch Menschen herum – verborgen, missachtet, teils verachtet –, und es trägt ewiges Leben in sich! Noch ist es verstossen und wartet auf seinen weiteren Aufstieg.
Dies alles musste zuerst einmal geplant werden, um es dann einzusetzen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Aber es ist so, und das versteht ihr doch, dass diese grosse Vielfalt in der Schöpfung nicht von einer Stunde zur andern vorhanden war. Eine kleine Einheit von jedem, das geplant worden war, sollte seinen Platz einnehmen, sollte auf das geistige Erwachen in einem neuen Leib warten. Kleine Einheiten da und dort, von der niederen bis zur erhöhten Entwicklungsstufe. Überall wurde es so geschaffen, dass die Möglichkeit bestand, sich weiterzuentfalten, sich langsam weiter auszudehnen und mithilfe der Menschen dann grössere Entfaltung, grössere Pracht, grössere Bedeutung zu finden. Vieles ist dem Menschen übergeben worden, um es zu veredeln. Aber der Kern ist von der göttlichen Welt bereitgestellt und aufgebaut worden. Er wurde an seinen Platz hingeführt und so eingekleidet und verdichtet, dass es die Gestalt erhielt, welche ihm bestimmt war zu tragen.
Das war eine grosse Leistung, die getan werden musste. Nun, ihr wisst genau, was alles für Leben eure Erde beherbergt und was alles für dieses Leben notwendig ist, damit es seine Lebensform erhalten kann und es ihm möglich ist, sich hier zu entfalten und sich auszudehnen. Kräfte sollten aufgebaut werden, Kräfte sollten sich entfalten können, sollten umgewandelt werden können. Die Kerne dafür wurden in den Luftraum, in die Atmosphäre dieser Erde gegeben, damit sie diese Entfaltung zustande bringen, die es zum Leben braucht. Dafür waren Engel Gottes am Werk.
Ich erklärte schon am ersten Abend, dass für jede Tätigkeit nur ein dafür geeignetes Geistwesen beauftragt wird. So war es auch mit der Schöpfung. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele tätige, wahrhaftig tätige geistige Hände es brauchte und wie angestrengt das Denken dieser Geistwesen sein musste? Gott übergab eben aus sich heraus diesen Engeln Talente, schöpferische Fähigkeiten. Denn sie sind ja aus Gott – alles ist aus Gott.
Die Kraft der ihm treu gebliebenen, reinen Geister war so gross, und so vermochten sie in wunderbarer Weise alles auszudehnen, das Einzelne auszuschmücken, um so Stufen um Stufen um Stufen zu schaffen. Denn es sollte Leben geben, das dann wieder den Weg in die Ewigkeit zurück findet – es sollte wieder zum ewigen Leben zurückkehren. Dafür aber wird es viele Millionen und Millionen Jahre brauchen – es gibt keine Zahl, die ich nennen könnte –, bis dieser Schöpfungsplan seine Aufgabe erfüllt hat. Noch steht man am Anfang.
Und nun, liebe Geschwister, zum Hohepriester eurer Seele. Christus ist Mensch geworden; das Wort Gottes ist unter die Menschen gekommen. Christus hat seine Aufgabe zur Erlösung der Menschheit erfüllt. Versucht jetzt einmal, euch im Geiste in die Zeit zurückzuversetzen, in der diese Engel Gottes im Schöpfungsplane tätig waren – was alles für den Aufstieg geschaffen werden musste. Dabei soll man jenen Fürsten der Versuchung, Luzifer, nicht vergessen, der von den Engeln Gottes zurückgedrängt wurde und der der Letzte sein wird, der auf diesem Wege von unten nach oben zum Himmel ins Haus des Vaters ziehen wird. So wusste man auch, dass die Menschheit, die auf dieser Erde leben sollte, diesem Luzifer, dem Herrscher der Welt, zugetan war – hatte er doch die Macht über sie. Denn obwohl alles aufs Wunderbarste in allen Einzelheiten geplant worden war, war [den gefallenen Geistern] die Rückkehr noch nicht frei gemacht. Für diese Rückkehr musste auch noch ein Weg gefunden werden, und dies deutete Gott seinen Getreusten an. Ihr wisst, dass es Christus war [der diese Aufgabe übernahm]. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass für ihn von jenem Zeitpunkte an, wo er von Gott die Zustimmung erhielt, diese Aufgabe zu erfüllen, die Huldigung im Himmelreich noch viel gewaltiger wurde. Er war der Gesalbte Gottes, der König der Geisterwelt.
Und so berichtete man schon Jahrmillionen zuvor, dass es eine Erlösung geben müsse und dass dieser Weg nicht einfach sein werde. Christus hatte neben seinem himmlischen Vater auch seine getreusten geistigen Freunde. Er hatte einen Thron – im wahren Sinn des Wortes hat er einen Thron, denn dies zu glauben, macht manchen Menschen Schwierigkeiten. Aber ein König hat Besitz, und ein König thront, und das zuerst im Himmelreich.
So wollte Christus mit seinen engsten Freunden abklären, auf welche Weise sie ihm dereinst in seinem menschlichen Leben beizustehen hätten. Er selbst wählte sich diese Freunde aus, die ihm dann, wenn es so weit sein würde, beistehen würden. Ihr wisst – ich erklärte es euch schon –, es gibt Engel des Kampfes, es gibt Engel der Güte, es gibt Engel des Trostes, und es gibt Engel des Mitleids. Und der Engel des Trostes kann nicht ein Engel des Kampfes sein. Christus wählte unter den Heerscharen diejenigen aus, die ihm dereinst in seinem zukünftigen Menschenleben zur Seite stehen sollten. In seiner Welt schon hatte er sie ausgewählt, obwohl zu jener Zeit nicht in allen Einzelheiten bekannt war, welchen Tod er erleiden müsste. Man wusste aber, dass es hart auf hart gehen würde. Denn nicht der Kampf der Menschen war es, der ihn in den Tod brachte, sondern der Kampf der Geister, jener niederen Geister. Sie bedienten sich der Menschen und beeinflussten sie. Ja man darf wohl sagen, dass zu jener Zeit die ganze Hölle aufgeboten wurde, um diesen Christus nicht zum Sieg kommen zu lassen. Und es ist trotzdem gelungen: Christus hat gesiegt! Nun ist er der Hohepriester.
Als Christus alle seine Aufgaben erfüllt hatte, ist er ins Himmelreich zurückgekehrt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, mit welchem Jubel er empfangen wurde. Dafür habt ihr keine Begriffe. Im Himmelreich jubelte man über den Gesalbten Gottes, der heimgekehrt war. Und auf Erden, unter den Menschen, bei den Aposteln war grosse Trauer, grosse Trauer, obwohl sie versuchten, sich selbst zu trösten und sich an die Worte ihres geliebten Meisters zu erinnern. Denn er sprach ja so viel vom Himmelreich. Aber sie waren Menschen, und sie verwechselten so oft das Himmelreich mit der irdischen Welt.
Sie wussten nicht, was er meinte, wenn er vom Reich Gottes, vom Reich des Vaters, sprach. Sie verstanden ihn lange nicht, als er ihnen erklärte, dass er ein König sei. Sie hofften doch so lange auf das Königreich auf Erden mit ihm und glaubten, dann an seiner Seite dienen zu können. Diese einfachen Menschen konnten es lange, lange nicht verstehen. Ja sie verstanden es nicht einmal, als er schon heimgekehrt war. Als dann der Geist der Wahrheit [an Pfingsten] ausgegossen wurde, so wie Christus es versprochen hatte, wurden sie erleuchtet, und sie erinnerten sich an die Worte, die er gesprochen. Plötzlich hatten diese Worte doch eine andere Bedeutung. Aber mit ihrem menschlichen Denken hatten sie mit dem, was der Meister ihnen gesagt, lange nichts anfangen können – erst durch die Erleuchtung, als der Geist der Wahrheit kam, ihnen Mut brachte, ihnen Trost zusprach und ihnen beistand, wurde es ihnen klar.
Aber auch ihnen wurde das Leiden nicht erspart. Denkt einmal an die ersten Christen, welchen Kampf sie ausgefochten, was sie um des Glaubens willen auf sich genommen! Vielleicht werdet ihr sagen: “Ja, das Wort Gottes war in ihnen eben noch viel lebendiger. Die einen hatten noch die Erinnerung an sein Leben, sie hatten ihn gesehen, mit ihm gelebt, während wir von ihm so wenig wissen. Wir haben ihn nie gesehen, nie gehört. Und weil das Wort Gottes sich so weit von uns entfernt hat, ist es vielen Menschen nicht mehr möglich, das zu ertragen und so zu glauben.”
Oh, liebe Geschwister, das ist nur eine Ausrede. Kämpfe fanden statt um diesen Gottesglauben, um den Glauben an Christus und um den Glauben an die heilige Geisterwelt, dass es Geister Gottes gibt, die den Weg zu den Menschen finden, und es möglich ist, dass Menschen das Wort Gottes verkünden, so wie es heisst: “Gott sprach durch die Propheten zu den Menschen” (Heb. 1, 1). Dieses hiess es schon vor Christi Geburt, und nach Christus sollte der Geist der Wahrheit kommen und die Menschen über diese andern Dinge auch noch unterrichten.
Mit der Zeit hatte der christliche Glaube Fuss gefasst, und der Hohepriester war bereit, zu der Menschheit zu kommen und seines Amtes zu walten, so wie er es wünschte. Christus wollte doch unter den Seinen sein, für die er gelebt hatte und für die er gestorben war. Er wollte jedem Hohepriester sein. Aber was wurde getan? Dieser Hohepriester wurde weggewiesen. Man hatte sich einen eigenen Hohepriester oder mehrere Hohepriester gewählt. Und so blieb der wahre Hohepriester in seinem himmlischen Reich. Denn die Menschen, die behaupteten, Christen zu sein, wählten sich ihren Hohepriester selbst. Aber nicht durch einen Geist der Wahrheit wurde er gewählt, sondern durch mächtig gewordene Menschen dieser Erde. Sie sprachen ihr Machtwort; Menschen, die in regierender Stellung waren und sich zum Christentum bekannten, wählten ohne heiligen Geist ihre Hohepriester selbst.
Welche Trauer war in der himmlischen Welt; welche Trauer, zu sehen, wie der wahre Hohepriester verstossen wurde und wie an seine Stelle Menschen gestellt wurden, ihnen ein Amt aufgetragen wurde und man behauptete, dass jener von den Menschen Gewählte nun der Stellvertreter Jesu Christi wäre. Ein Mensch, gewählt von Menschen, die in ihrer irdischen Welt ihre Macht ausüben, gewichtige Worte sprechen und mehr politisch als geistig denken. Menschen, der irdischen Welt voll und ganz verschrieben, erlaubten sich, die Menschen zu Hohepriestern zu wählen, die sie für geeignet hielten. In welch schlechten Ruf kam nun das wahre Wort “Hohepriester”. Es mag wohl auch würdige Priester geben – und das sei gelobt –, die aus innerer Überzeugung und nach bestem Wissen, das ihnen zur Verfügung steht, ihr Amt auszuführen versuchen. Diese Priester meine ich nicht. Ich meine die Menschen, die den Rohbau gestaltet haben der weltlichen Kirche, so wie sie heute ist. Menschen haben ihre Hohepriester selbst bestimmt und ihnen Namen gegeben.
Die ersten Christen kannten auch ihre Bischöfe. Diese Bischöfe waren ganz bescheidene, einfache Männer; ehrbare Menschen mussten es sein. Geister Gottes bestimmten sie für das Amt, das sie auszuüben hatten, um in der Seelsorge der Heiligen tätig zu sein.
Wenn wir heute die irdische Kirche betrachten, sehen wir nur den Rohbau. Innen ist er nicht ausgestattet. Und es ist ein schlechter Rohbau; schlecht ist das Material, mit dem dieser Rohbau errichtet worden ist. Inwendig kann er gar nicht ausgeschmückt werden, denn der wahre Hohepriester ist nicht da.
Auch sei gesagt: Menschen versuchen, längst verstorbene gute Menschen in ein Heiligtum zu berufen. Mit welchem Recht? Warum und wieso? Aus dem allein solltet ihr, liebe Geschwister, erkennen können, dass das Wort “heilig” unter euch eine falsche Bedeutung bekommen hat und dass die Menschen mit dem wahren Heiligtum gemacht haben, was sie wollten. Denn, liebe Geschwister, ihr alle hier seid heilig. Jeder, der an Gott glaubt, an seine geistige Heimkehr und an das ewige Leben, ist heilig. Jeder ist heilig, der daran glaubt – ausnahmslos, was er auch für eine Tätigkeit im Leben ausüben mag –, er ist ein heiliger Mensch; denn er dient dem Heiligtum, er ist entsprungen aus einem Heiligtum. Der Mensch ist heilig; heilig ist er, wenn er glaubt und mit Gott eins wird.
Mit welchem Recht bestimmen Menschen, wer heilig sein darf? Längst Verstorbene erklären sie zu Heiligen, um sie anzubeten, um besonders zu ihnen zu beten. Da könnt ihr wiederum sehen: welche Ablenkung! Man verstösst den wahren Hohepriester, und an seiner Stelle hat man andere Heilige unzähliger Namen. Und der wahre Hohepriester steht im Hintergrund. Wohl betet man oberflächlich auch zu ihm, und in seinem Namen bittet man Gott. Aber mehr stellt man vor ihn hin; der wahre Hohepriester wird verdrängt durch das falsche Denken und Handeln jener Menschen von einst und von heute.
Kein Mensch hat das Recht, dem andern zu seinen Lebzeiten sein heiliges Wesen, sein Heiligtum abzusprechen als gläubigem, frommem Menschen, wenn der andere in sich einen Gottestempel hat, wenn zu ihm göttliche Wesen kommen und in sein Innerstes einkehren. Sie kehren nur da ein, wo es heilig ist. Ist ein Mensch in diesem tiefen Glauben, darf er sich sagen: “Ich bin ein heiliger Mensch.”
Aber vor euren Augen und für euer Ohr ist dies eine Überheblichkeit, weil ihr falsch denkt. Unter Heiligkeit verstehen wir etwas ganz anderes. Die Menschen haben etwas zu einer Heiligkeit aufgebaut, zu einer Heiligkeit ausgerufen, was es gar nicht gibt. Man kann nicht nach dem Tode eines Menschen sagen, dass jetzt dieser und jener im Himmelreich heilig wäre. Alle, die an Gott glauben, sind im Himmelreich heilig. Es sind alles Heilige. Die ersten Christen nannten sich untereinander “die Heiligen”. Wenn ihr nun beispielsweise einem andersgläubigen oder andersdenkenden Menschen sagen würdet: “Ich bin ein heiliger Mensch”, da brauche ich nicht zu sagen, was jener denken oder sagen würde. Ihr würdet nicht mehr ernst genommen. So ist die Menschheit, so verkehrt ihr Denken.
So sind sie ihrerseits überheblich. Sie glauben, berechtigt zu sein, zu sagen, wer und was heilig ist. Sie glauben, einen Menschen als den Heiligen Vater titulieren zu können. Er hat jedoch nicht mehr Rechte als der niederste Mensch auf Erden; vor Gott sind sie alle gleich – es gibt vor Gott kein Ansehen der Person. So kann ein Mensch, der die niederste Arbeit tut, heiliger sein als jener, den man öffentlich als einen Heiligen anspricht. Verkehrte Menschheit, verkehrt im Denken. Was ist da aufgebaut worden!
Ihr braucht euch gar nicht zu wundern, wenn die weltlichen Kirchen anfangen zu wanken, denn sie stehen nicht auf Fels; sie sind ja nur im Rohbau hingestellt, und durch Winde können sie ohne Weiteres zusammenbrechen. Es soll eine andere Kirche sein, die nicht durch Stürme vernichtet werden kann. Die geistige Kirche Gottes kann nicht vernichtet werden, denn der Hohepriester Christus waltet seines Amtes in der geistigen Kirche Gottes; er wirkt in dieser für die Menschen unsichtbaren Kirche.
Nun wisst ihr selbst, dass ihr erst am Anfang steht. Wenn ihr versucht, in euer Innerstes einzugehen, und eure menschlichen Verhältnisse betrachtet, so steht ihr verlassen da. Ihr seid wohl eine Schar Menschen – aber was vermöchtet ihr gegen jene Gewalttätigen zu tun. Stellt euch Christus vor, wie er den Kampf ausfechten musste. Er hatte doch auch seine Gläubigen, seine Getreuen um sich, und er hatte Menschen, die ihm anhingen, die eine bedeutende Stellung einnahmen. Aber sie waren unsicher und voller Angst. Sie waren in der Minderheit und konnten nichts tun. So hatte es die Masse, die Macht zustande gebracht, Jesus in den Tod zu führen.
Wie steht es heute mit der Kirche, mit der wahren Kirche Gottes, mit dem wahren Hohepriester? So haben wir in der weiten Welt eine Schar Menschen, die wohl eine grosse irdische Kirche bis zum letzten Platz füllen würden – und trotzdem sind sie in der Minderheit. Es würde eine andere Gewalt, eine andere Macht kommen und sie verdrängen. Daher kann nur eines sein: Der Rohbau dieser weltlichen Kirche muss zerfallen, in sich zusammenfallen. Dazu braucht es einige Stürme; ein, zwei, drei Stürme genügen noch nicht. Von allen Seiten her müssen die Stürme kommen und wüten, damit dieser Rohbau nun endlich zusammenbricht und man von Neuem beginnen und aufbauen kann. Aber dann mit dem wahren Hohepriester.
Im Herzen und in der Seele des gläubigen Menschen ist der Gedanke an Christus. Der fromme Mensch vermag das Bildnis in sich zu tragen, mit sich herumzutragen, so wie man Bilder von Christus sieht, wie man das Kreuz sieht, wie er am Kreuze ist. Im Denken ist es, in der Erinnerung des Menschen. Der fromme Mensch trägt Christus mit sich. Es ist dem frommen Menschen jedoch nicht möglich, sich so zu entfalten, wie es notwendig wäre in einem wahren Christentum, denn es fehlt ihm an der Kraft. Er besitzt keine Quelle, wo er sich erlaben kann. Er muss aber eine Quelle haben, wo er schöpfen kann, wo er innerlich bereichert wird, wo er zum Gebenden wird. Er muss eine Quelle haben, wo er hingehen kann, wenn er durstig geworden ist, damit er daraus trinken kann. Er muss eine Quelle haben, wo man zu ihm kommt und ihn tröstet, wenn er in der Not ist. So muss es sein.
Man muss sich sein eigener Priester sein – das ist von grosser Bedeutung. Sein eigener Priester sein heisst nicht etwa, auch sein eigener Hohepriester zu sein, der Priester aller Priester, der über allen, allen steht. Für ihn soll man den Tempel bereithalten, für ihn sollte die geistige Kirche aufgebaut werden.
Diese geistige Kirche ist zuerst die Kirche des Glaubens, der Herrschaft Gottes, die da waltet. Es ist das Denken des Menschen, es ist sein Glaube an das Ewige, an das Unvergängliche, es ist das Verständnis, das er für diese für ihn unsichtbare Welt aufbringen muss. Sein Geist in ihm muss so lebendig sein, dass sein Auge so hell, so licht und so kraftvoll wird, dass er in das geistige Reich hineinblicken kann und er den Hohepriester in der geistigen Kirche Gottes sieht. Er soll den Hohepriester sehen, wie er am Altare steht und seine Arme ausbreitet. Und er soll diesen Hohepriester hören, wie er sagt:
“Kommet, kommet zu mir, die ihr alle so voll Mühsal seid. Kommet zu mir, die ihr so belastet seid. Bringt mir eure Sorgen. Kommt zu mir, ich will euch helfen. Ich bin euer Hohepriester. Ich bin da, um deiner Seele Heil zu geben. Komm zu mir.”
Wie viel braucht es, bis ein Mensch so weit ist, um es im Geiste auf diese Weise zu erleben – dass er für sich die Umgebung so schafft und es ermöglicht, dass sein leibliches Wesen im Hintergrund steht, dass sein Geist sich von ihm löst und er Verständnis hat für das Göttliche, dass er sich mit dem Göttlichen vereint und nicht der leiseste Gedanke von Zweifel aufkommt. Denn hinter sich werfen muss er das Irdische, das, was ihn belastet, das, was ihn hindert vorwärtszukommen, was an ihm anhängt. Fort mit alldem. Man muss frei werden im Geiste, sich loslösen aus der Gefangenschaft des Leibes und eintreten in die geistige Kirche Gottes, um dort niederzuknien und zu beten. Man soll diesen Trost mit in den Alltag nehmen und sich sagen:
“Ich bin nie ein verlassener Mensch. Ich bin nie hilflos. Ich lebe immer in der Freude. Ich bin immer von Glück umgeben.”
Welche Erhebung seines eigenen Ichs, seines Geistes! Er legt das Beschwerliche, das Irdische hinter sich. Ein solcher Mensch kann nicht krank sein, ihm kann nichts geschehen.
Und wo steht ihr, liebe Geschwister? Auf welcher Stufe der geistigen Kirche steht ihr? Wie nahe steht ihr vor dem Hohepriester? Hört ihr vielleicht nur das Echo, wenn er ausruft: “Kommet zu mir, ihr Kranken, ihr Leidenden!”? Oder hört ihr es überhaupt nicht? Glaubt ihr vielleicht nicht einmal, dass eure Atmosphäre mit solchen heiligen Worten durchdrungen wird? Seid ihr der Welt derart verschrieben und an sie gekettet, dass ihr immer noch zweifelt? Legt euren Zweifel ab, legt ihn ab. Auch der Letzte, der hier ist, muss diesen Zweifel ablegen. Den einen von euch stehen noch schöne Jahre des Lebens bevor, bei andern sind die Jahre gezählt. Versucht die Zeit des Lebens nützlich zu verbringen. Gott hat euch in die Welt stellen lassen, damit ihr hier eure Aufgaben erfüllt. Aber ihr sollt seinen Ruf hören, ihr sollt hören, was er euch zu sagen hat. Und ihr sollt den Hohepriester nicht verleugnen, ihn nicht wegschicken, wie es so viele tun und getan haben. Bei euch soll der Weg vom Hohepriester zu eurem Tempel frei sein.
Ihr sollt mit eurem ganzen Sein eins werden mit ihm. Ihr sollt versuchen, euch mit dem Göttlichen zu verschmelzen. Ihr sollt Bausteine sein der wahren Kirche Gottes, und ihr könnt daraus erkennen: Im geistigen Sinne verstehen wir unter einer Kirche etwas ganz anderes als ihr Menschen. Wenn ihr sagt: “Ich gehe in die Kirche”, dann meint ihr damit: “Ich gehe in das Gott geweihte Haus.” Man geht dahin, um dort zu beten oder nur um da gewesen zu sein. Es ist für uns schmerzlich, zu erkennen, dass Menschen nur mit einem solchen Denken – nur um da gewesen zu sein – und in einem solchen Verlangen in die Kirche gehen, auch wenn es eine weltliche Kirche ist.
Nach unserem Begriff ist eine Kirche nicht ein steinernes Gebäude. Wir haben eine Kirche des Glaubens. Eine Kirche ist beispielsweise das, was sich in dieser Stunde hier vollzieht. Das ist eine Kirche Gottes, denn es sind gläubige Menschen hier, die unter der Herrschaft Gottes stehen. Eine solche Kirche braucht nicht die Äusserlichkeiten aufzuweisen, wie dies bei den irdischen Kirchen ist. Von uns aus mögt ihr dieses Wort “Kirche” wohl in den Mund nehmen. Aber für uns ist es wichtig, dass man an einem solchen Orte den Weg und das Gespräch zu Gott findet. Dann mag es für uns eine geistige Kirche sein.
So kann jeder für sich zu Hause eine Kirche gestalten. Wenn er zu Gott betet, wenn er sich mit den Seinen versammelt, so hat er eine kleine Kirche Gottes. Und da soll er Gott loben und preisen. Was nützt es, grosse irdische Gebäude zu haben, wenn es an Gläubigen fehlt, die darin beten? Dann ist es ja nur ein Gebäude. Wir aber wollen ein geistiges Gebäude haben, das mit dem geistigen Glauben aufgebaut ist, das im geistigen Glauben zusammenhält. Das ist die wahre Kirche Gottes und die Kirche, in der Christus als Hohepriester walten will.
Darüber, liebe Geschwister, könnt ihr auch nachdenken. Vieles gibt es darüber nachzudenken. Und nehmt euch vor, diesem Hohepriester seine würdige Stätte zu bewahren. Er ist der heiligste unter allen Heiligen; er ist euer Bruder. Er ist Gottes, so wie ihr Gottes seid. Werdet eins mit ihm, huldigt ihm, und gestaltet euer Innerstes zu einem wahren Heiligtum, sodass wenigstens wir Geister Gottes euch im Geiste als unsere heiligen Freunde betrachten dürfen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 24.9.1969 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1969 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 19. Dezember 1976
Weihnachtsabendmahl: Mit Christus ist das göttliche Licht in die Welt gekommen und hat der Menschheit Befreiung gebracht.
Josef: Gott zum Gruss.
Himmlischer Vater, in Christi Namen sind die Deinen hier versammelt, um Dich zu loben und zu preisen, Dich aber auch zu bitten, Du mögest ihnen alle Sünden vergeben. Sie bitten Dich um den Segen für ihr ganzes Leben, um ihre Aufgaben zu Deinem Gefallen erfüllen zu können. So knien sie im Geiste vor Dir, beten Dich an und rufen Dir zu: Heilig, heilig, heilig bist Du, o Gott.
Liebe Geschwister, es verlangte euch, hierherzukommen, um in Christi Namen dieses Liebesmahl einzunehmen. Damit bringt ihr innerlich und äusserlich eure Zugehörigkeit und Verbundenheit zum Ausdruck – zu Christus und seiner heiligen Geisteswelt. Wo zwei oder drei im Namen Christi beisammen sind, ist er unter ihnen. So ist es die heilige Geisterwelt Gottes, die in seinem Namen, in seinem Auftrag ausgeht und all jenen den Segen spendet, die danach verlangen und in inniger Verbindung mit ihm leben. So behüten die Geister Gottes das Haus des Menschen, seine Umgebung, wenn man wahrhaftig verbunden ist mit Gott, mit Christus und der heiligen Geisteswelt.
In diesen Tagen verkündet man in den christlichen Kirchen die Frohbotschaft von der Geburt des Herrn. Diese Frohbotschaft wird in alle Zeiten hinein verkündet werden, bis der Letzte den Weg zurück ins Haus Gottes antritt und zurückkehrt. Versucht euch diese Zeit vorzustellen, die damit gemeint ist; wie weit ist diese Zeit noch entfernt ... Der Himmel aber wird seine Tore offen halten, und stets werden die Engel Gottes heraustreten und diese Frohbotschaft der Welt verkünden, dass Christus geboren und – wie es in der christlichen Lehre auch verkündet wird – Friede der Menschheit gegeben wurde durch Christus, dass durch ihn Licht in die Welt gekommen ist und durch ihn die Menschheit wieder mit Gott versöhnt wurde. Solches wird dem Menschen immer wieder verkündet werden, in alle Zeiten hinein. Immer wieder wird vom Frieden gesprochen und von der Versöhnung und vom Lichte, das der Welt durch Christus gebracht wurde.
Ihr wisst aber selbst, wie es um diese Welt bestellt ist und um den Frieden der Menschen. So könnte ich sagen: Diese Welt gleicht einer dunklen Gasse, wo stets verbotene Dinge getan werden. In dieser dunklen Gasse werden viele unerlaubte Dinge getan, die nicht ans Tageslicht kommen. Und trotzdem, auch wenn man von einer dunklen Gasse spricht, gibt es Zeiten, wo da oder dort die Sonne durchdringt und ein wenig Licht in diese Dunkelheit hineinströmt. Das ist ein symbolisches Bild, ein Vergleich, wie wir diese Welt sehen. Wenn wir so von ihr sprechen, meinen wir doch jene Menschen, die noch unter der Herrschaft des Bösen stehen, und dass es ein steter Kampf sein wird, das Böse zu überwinden, damit das Gute den Menschen beeinflussen kann. Es ist die gute Geisteswelt, die versucht, den Menschen auf ihre Weise zu gewinnen.
So wird in diesen Tagen von der Liebe Gottes im Besonderen so viel geredet. Durch die Güte, durch seine Barmherzigkeit ist es doch möglich geworden, dass göttliches Licht in diese Welt hineingekommen ist. Und mit diesem göttlichen Lichte ist doch Christus gemeint, der wahrhaftig der Menschheit Befreiung gebracht hat. Befreiung empfindet aber nur der auf Gott ausgerichtete Mensch. Nur derjenige findet sie, der sich verbunden fühlt mit dem Göttlichen, der eine Beziehung zu Christus und zu Gott hat; für ihn gibt es diese Befreiung. Es gibt für den Menschen eine innerliche, geistige Befreiung, auch wenn er nicht in allen Einzelheiten die göttlichen Gesetze erkennt. Wohl dem aber, der darüber hinaus höhere Erkenntnisse besitzt, denn ihm bedeutet das Christfest mit den Frohbotschaften, die da gegeben werden, viel mehr. Sein Inneres, seine Seele, sie wird aufgewühlt, sie vermag zu jubeln, sie gibt durch den Mund des Menschen der Dankbarkeit Ausdruck; denn er kennt den Sinn und die hohen Werte des Menschseins Christi. Er hat in allen Dingen ein anderes Verständnis; er begreift diese Frohbotschaft. So wird sie für den einzelnen Menschen von einer anderen Bedeutung werden als für den üblichen Gläubigen, der das Weihnachtsfest traditionsgemäss feiert und sich gewohnt ist, Geschenke auszutauschen, aber keinen wertvollen Gedanken in sich aufkommen lässt, warum denn wahrhaftig dieses Fest gefeiert wird.
Die Menschheit oder, genauer gesprochen, die Christenheit hat sich ausgerichtet nach den Evangelien; sie hat sich ausgerichtet nach der Kirche, die das Wort verkündet. So wird der Christenheit ja auch dargelegt, dass das Wort bei Gott ist und dass alles, was da ist im Himmel und auf Erden, durch das Wort geworden und dieses Wort Mensch geworden ist (vgl. Joh. 1, 1–3 und 9). Glaubt mir, manche Christen verstehen nichts anzufangen mit der Auslegung, dass mit diesem Wort – auch symbolisch dargelegt oder ausgesprochen – Christus gemeint ist: Christus ist das Wort.
Wenn ich weiter zurückgehen darf, um so in euch das Verständnis zu wecken für die Wahrheit, für diese wahre Geisteslehre, so möchte ich doch auch euch darauf aufmerksam machen, dass im Alten Testament vom Zorn Gottes, von der Rache Gottes gesprochen wird: “Mein ist die Rache” (5. Mos. 32, 35), heisst es. Versucht doch einmal zu überlegen, ob wahrhaftig dieses Wort auch dazumal seine Berechtigung hatte oder ob es einfach von den Menschen selbst mangels besserer Sprache und Kenntnis so ausgelegt wurde. Wäre es nicht viel besser, wenn es heissen würde: “Mein ist die Gerechtigkeit”? Aber niemals “Mein ist die Rache”; Gott nimmt keine Rache! “Mein ist die Gerechtigkeit”, das ist die Wahrheit.
Ich möchte nun, so gut es mir gelingt, euch im Geiste noch weiter zurück in vergangene Zeiten führen, um euer Verständnis dafür zu wecken. Denn ihr kennt doch den Sinn eures Lebens, und ihr kennt die Ursachen, warum es zu einer Versöhnung zwischen der Menschheit und Gott gekommen ist. Ihr seid darüber belehrt worden, dass Christus der eingeborene Sohn Gottes ist und dass Christus eine unaussprechlich lange Zeitspanne allein mit Gott gelebt hat. Versucht euch dies im Geiste vorzustellen: Gemeinsam zu zweit ein Glück, eine Seligkeit, und es brauchte in dieser Zeit des Glücks, des Friedens keine besondere Ordnung, keine besonderen Gesetze. Denn sie waren von Anfang an eins in ihrem Denken, eins in ihrer Liebe, eins in ihrer Güte. Versucht euch vorzustellen, dass Christus aus Gott geboren ist; das Wunderbare, was in Gott ist, was ihm eigen ist, hat dieser Sohn vom Vater geerbt. In seiner Wesenheit ist er ein Abbild Gottes geworden. Die Zeit, die sie in ihrem Glück und in ihrer Seligkeit verlebten, war eine Zeit ohne besondere Gesetze, ohne besondere Ordnung. Doch wurde der Wunsch in ihnen geweckt, eine göttliche Familie zu haben, die Himmel zu beseelen. Denn unendlich weit waren und sind diese Himmel. Dies in den tiefsten Gründen zu erklären, ist mir nicht möglich. Ich muss auf diese Art und Weise versuchen, euer Verständnis zu bekommen. Seid ihr einmal selber dort in der Herrlichkeit angelangt, mag es möglich werden, dass ihr in diese tiefsten Gründe Einblick bekommen könnt, sofern es dem Verständnis des Einzelnen möglich wird, es zu begreifen. Denn nicht ein jedes Wesen wird die Fähigkeit besitzen, es zu verstehen. Es gibt Wesen, sie verlangen nicht danach; ihnen bedeutet das Glück und die Seligkeit alles, sie leben im Vertrauen auf Gott.
Nun möchte ich aber wieder auf jene Zeit zu sprechen kommen, als weitere Wesenheiten ins Leben gerufen wurden und es dann notwendig geworden war, für jene Geistwesen eine einfache Ordnung aufzubauen, die als Erstlinge in der himmlischen Welt lebten; es bedurfte auch für sie einer einfachen Ordnung. Ihr begreift ja nichts von den Zeitabständen seit der Geburt jener Erstlinge oder der “Söhne Gottes”, wie sie genannt werden. Ihr kennt und begreift nicht diese Zeiten, die notwendig waren, um die Himmel zu beseelen – nur langsam war es geschehen. Einen Anfang gab es und eine Fortsetzung, doch nicht in dem Massstabe, wie bestimmte Menschen sich das vorstellen und es ihnen dargelegt wird, dass durch ein Wort Gottes alles geworden und dass diese Welt in sieben Tagen erstellt worden sei. Wie unmöglich ist es doch, solches den Menschen zu erzählen. Menschen sollten begreifen und verstehen, dass solches nicht die Wahrheit ist.
Im Kleinen wurde aufgebaut, was sich später im Grossen, in der Vielfalt weiter entfalten sollte. Daher wurde es auch mit der Zeit in der himmlischen Welt notwendig, die erwähnte Ordnung auszubauen. Je mehr göttliche Familien es gab, je notwendiger wurde es, für sie eine Ordnung aufzubauen und ihnen Gesetze zu geben. Es musste ihnen erklärt werden, was der Wille Gottes ist. Sie mussten erkennen, dass Gott der Schöpfer ist und die Herrschaft über alles hat. So wurde eine Ordnung geschaffen und diese immer weiter ausgebaut. Auch gab es göttliche Gesetze, die immer weiter entfaltet, immer exakter ausgebaut wurden.
Sicherlich haben sich Menschen, die ganz besonders geistverbunden sind, nähere Gedanken darüber gemacht, wie es denn einstmals zu einem solchen Aufruhr in den Himmeln kommen konnte. Es zu verstehen, bereitet manchem Christen Schwierigkeiten, und dies ist ein Grund dafür, dass sich Menschen von Gott abwenden oder behaupten, sie könnten nicht glauben, weil dies für sie einfach unverständlich sei. Sie leben in Unkenntnis, kennen die geistigen Gesetze nicht, und daher ist es für einen Christen notwendig, dass er über die geistigen Gesetze orientiert wird. Werden diese Erkenntnisse in die Welt hinausgetragen, wird die Christenheit von dieser Wahrheit erfasst werden. Dann werden auch die Menschen wieder bereit sein, ihre Hände nach dem Schöpfer auszubreiten. Sie werden das Verlangen haben, gemeinsam mit andern Menschen zu beten und zusammen mit den Geschwistern das Wort Gottes anzuhören.
Wenn es so weit gekommen ist, dass Menschen von der Wahrheit erfasst werden, gelangen sie von innen heraus selbst zur Erkenntnis, dass es die Wahrheit ist. Wenn sie sich darüber Gedanken gemacht haben, dass es möglich war, dass ein solcher Aufruhr in den Himmeln geschehen konnte, so heisst das auch: “Die Himmel sind nicht rein von den Gedanken der Engel” (vgl. Hiob 4, 18 und 15, 15). Versucht auch im Geiste mit mir in jene Zeit zu gehen, als die Engel in Seligkeit miteinander lebten und sie keine Sorgen oder Bedrängnisse hatten. Dennoch wurde es möglich, dass da einer [Luzifer] aufstand und die Herrschaft an sich nehmen wollte. Wie war solches möglich?
Da ja gerade Christus mit Gott so verbunden war und stets zu seiner Rechten war, führten sie Gespräche miteinander. Darüber wurden die anderen Söhne Gottes nicht orientiert. Und vor dieser Geisterschar Gottes – zuerst im Kleinen – hatte der Schöpfer seinen Sohn zum König der Geisterwelt Gottes gesalbt. Diese Kunde wurde mit der Zeit in alle Himmel ausgebreitet und verkündet, dass Christus der Gesalbte Gottes ist. Für die Geisterscharen gab es in der Zeit des Glückes immer wieder die Möglichkeit, Orte aufzusuchen, wo sich die beiden, der Vater und der Sohn, all diesen Legionen von Engeln zeigten. Und der Vater hatte immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass Christus der König der Geisterwelt Gottes ist.
Es ist nicht so einfach, euch diese Dinge verständlich zu machen. Und ich vermag auch nicht, in alle Einzelheiten alles zu erklären, fehlen ja dafür bei manchem von euch auch die Begriffe, um dieses zu verstehen. So versuche ich es möglichst allgemein verständlich darzulegen. Dass Christus immer wieder mit Gott zusammen war, mag euch wohl verständlich sein. Aber wissen sollt ihr auch, dass der Vater sein eigenes Reich besass und auch der Sohn. Oder um es noch verständlicher zu machen: Jeder besass für sich sein Reich mit seinen Gebäuden, mit seinen herrlichen Gärten, mit dieser himmlischen, gewaltigen Natur. Und sie fanden den Weg immer wieder zueinander; denn je grösser diese himmlische Familie wurde, je mehr gab es miteinander zu besprechen. Denn eins sollten sie sein: Was der Vater wollte, wollte auch der Sohn; alles, was der Vater zum Ausdruck bringen wollte, musste der Sohn wissen. Der Sohn selbst sagte: “Was der Vater sagt, das sage auch ich; was der Vater will, will auch ich” (vgl. Joh. 5, 19 und 30). Und dieses kann nur möglich sein im gegenseitigen Gespräch.
Dass es zu diesem grossen Aufruhr im Himmel gekommen ist, ist ja das Resultat dieser Eifersucht, dass Luzifer glaubte, auch er könnte König der Geisterwelt sein, auch er könnte regieren. Er wollte die Rechte an sich nehmen. Ihr sollt nicht glauben, dass das nur über eine kurze Zeitspanne hin ging. Ich kann euch keine Zeit bezeichnen für die Länge dieses Aufruhrs und des Hintertreibens von Luzifer. Denn versucht euch im Geiste diese Legionen von Geistern vorzustellen, die er für sich gewonnen; dafür brauchte es seine Zeit – auch im Geistigen. Auch sollt ihr euch Gedanken darüber machen, dass Christus doch erkannt hatte, was da getan wurde, und nicht stumm blieb; dass er doch das, was er gesehen, was er gehört und erkannt, seinem Vater sagte und sich mit dem Vater besprach: “Was willst Du? Wie muss ich mich verhalten?” Und Christus, der die wahre Liebe hat, so wie sie in Gott ist, Christus wäre bereit gewesen, zurückzustehen, wenn es der Wille Gottes gewesen wäre. Er wollte sich fügen – alles sollte nach dem Willen Gottes geschehen, und das aus seiner grossen Liebe heraus, die er vom Vater geerbt. Doch der Vater sagte: “Mein ist die Gerechtigkeit”, denn er hatte ihn zum König gesalbt – “Mein ist die Gerechtigkeit”. So wollte der Vater, dass der Sohn schweigen soll, und er erklärte ihm, dass er eingreifen werde, wenn die Zeit gekommen sei. Der Sohn fühlte sich beim Vater geborgen, sah er doch das Unheil auf sich zukommen, hatte doch der Vater mit dem Sohne längst diese Dinge besprochen. Man wartete nur auf den Zeitpunkt, da Gott einschreiten sollte.
Als es so weit war, geschah es: Der Vater schritt ein. Und hatte der Vater nicht gleich nach dem Sturz der Wesenheiten für alle jene Geschöpfe Liebe gezeigt und Erbarmen gehabt? Gleich danach hatte er sich wiederum mit dem Sohne besprochen, was getan werden könnte, dass die Seinen wieder zurückkehren könnten. So hatte man sich miteinander besprochen und schaffte Möglichkeiten – zuerst einfachere Möglichkeiten. Man glaubte, es könnte möglich sein, diese Rückführung im Geistigen, als geistiges Leben, zu ermöglichen, also ohne solches menschliches Dasein [gemeint ist der Aufstieg in der geistigen Welt, über die Ebene des Paradieses; doch da dies nicht gelang, wurde ein anderer Weg des Aufstiegs geschaffen, der Weg über die materielle Erde]. Wie lange es gedauert hatte, bis es so weit geworden – ich habe keine Möglichkeit, es euch darzulegen.
So wurde die Ordnung geschaffen, so wurden die Gesetze [für diesen Aufstieg] aufgestellt, und Christus in seiner Liebe und Güte sollte die Aufgabe auf sich nehmen, die Seinen für sich wieder zurückzugewinnen. So war es geschehen, liebe Geschwister; ein weiter, weiter Weg stand bevor. So wie der Vater in seiner Güte und Liebe war, war es auch der Sohn. Er, der König der Geisterscharen, hatte beim Vater erbeten, diese Aufgabe auf sich nehmen zu dürfen. Und so geschah es; er trat ins menschliche Dasein, um die Möglichkeit zu schaffen, dass sie alle wieder zurückkehren können.
Kennt man etwas von diesen göttlichen Wahrheiten, dann versteht man auch, was damit gemeint ist, wenn vom Brot des Lebens gesprochen wird, vom Licht der Welt, vom Weg der Wahrheit. Dies alles ist durch Christus geschehen. Er ist in das menschliche Dasein getreten, um Licht zu bringen in die dunklen Gassen dieser Welt, aber auch Licht zu bringen in die Seele des Menschen – Licht dem einsamen Menschen zu bringen, der glaubt, nicht gesehen zu werden in seiner Welt, nicht geachtet zu sein. Dem sich einsam fühlenden Menschen ist Christus ein Wegweiser. Er ist ihm Licht der Welt und Brot des Lebens. Christus ist für die ganze Menschheit das Brot des Lebens, das Licht der Welt. Denn ohne dieses Brot des Lebens hätte es keine Rückkehr gegeben. So sollte es die Menschheit erkennen und erfassen. Sie sollte in ihrem Innersten dankbar sein für all das, was Christus für die Menschheit getan hat, und sein Wesen erkennen, ihn als Gottes Sohn anerkennen und dadurch den Sinn des eigenen Lebens erfassen und es dementsprechend danach ausrichten. Denn jetzt geht es um die Heimkehr. Wenn eine Botschaft des Himmels verkündet wird, so heisst dies immer: “Wache auf, Seele, erwache, denn der Weg ist dir bereitet. Kehre zurück in das Reich, aus dem du hinausgegangen bist.”
Wenn Menschen diese christlichen Festtage feiern, soll es für sie ein Erwachen geben; sie müssen den Sinn all dieser Erinnerungstage erkennen. Vermögen sie ihn zu erfassen, wird jeder Einzelne ein besonderes Verhältnis zu dieser andern Welt bekommen. Doch wie weit entfernt sind die Menschen noch! Sie hören die Botschaften, aber sie richten sich nicht danach; sie glauben nicht an sie. Dabei spricht doch der Himmel, wenn diese Botschaften verkündet werden. Laut und deutlich ist das Wort Gottes, wie jetzt, in dieser Zeit, wenn die Christenheit an die Geburt des Herrn erinnert wird. Es ist das Wort, das aus den Himmeln in alle Welt hinaus ertönt: “Christ ist geboren, Welt ging verloren.” Diese Welt soll jenem verloren gehen, der die Herrschaft über sie ausübt. Die auf ihr lebende Menschheit soll dem Licht entgegengehen, dem geistigen Licht, und erkennen, dass man zu Gott zurückkehren muss. Doch wie weit ist die Zeit entfernt, um dafür bei einem jeden das notwendige Verständnis und den Glauben zu bekommen. Als umso bedeutungsvoller und wichtiger betrachten wir es, eine Gemeinschaft zu haben, die sich nach der Wahrheit erkundigt und sie erfasst. Man gelangt so zu höheren Erkenntnissen – der Glaube ist inniger und tiefer geworden. Freier ist man in der Seele, im Denken und mutiger im Reden. Das ist Gott gefällig, und solches wird von Gott durch seine Boten gesegnet. Diese Wahrheit muss in alle Welt hinausgetragen werden, damit die Menschen sie verstehen lernen und erkennen. Man muss den Mut haben, dazu zu stehen, dass an dem, was bis anhin dem Christenmenschen geboten wurde, so vieles falsch ist. Irregeführt und schwach geworden sind die Menschen im Glauben, weil darin nichts Lebendiges mehr vorhanden ist. Ist es aber das wahrhafte Wort Gottes, wird der Glaube lebendig. Denn im Glauben ist diese Lebendigkeit enthalten, die den ganzen Menschen aufrüttelt, ihn wach macht. Er kann dadurch auf den göttlichen Glauben zurückgreifen, denn Gott ist der Vater der Lebendigen. Und das lebendige Wort wird stets verkündet werden, bis der Letzte über die Brücke gegangen ist, so wie ich es anfangs gesagt hatte.
Liebe Geschwister, mit Gleichgesinnten seid ihr hier zusammen, und es verlangt euch, im Gedenken an Christus dieses Liebesmahl einzunehmen. Aus innerer Dankbarkeit möchtet ihr doch dieses geistige Erleben zum Ausdruck bringen: “Ich gehöre in Christi Reich hinein. Ich will geführt werden von den Boten des Himmels. Denn Christus ist mein Herr, Christus ist mein König.” Leben die Menschen nach den Geboten Gottes und richten sie sich nach Gottes Gefälligkeit aus, dann wird die Geisterwelt Gottes kommen, die Hände all jener ergreifen und sie führen. Dann werden eure Hände festgehalten, und man wird euch führen und geleiten. Man wird euch jene Kräfte für euer Leben geben, die ihr braucht – ihr werdet behütet und beschützt sein. Doch denkt daran, es genügt nicht, nur zu rufen: “Vater, Vater.” Der Mensch muss auch nach dem Willen des Vaters leben, damit er seinen Segen empfängt.
Nun, liebe Geschwister, ehe man Wein und Brot vom Tisch des Herrn zu sich nimmt, soll man versuchen, im Innersten der Seele Ordnung zu machen. Man richte sein Denken nach oben und sei willens, von der Liebe, der Barmherzigkeit und der Gnade, die man empfangen hat, auch selbst zu geben. Nun soll etwas Musik gespielt werden, um euch die Möglichkeit zu geben, euch mit eurem Denken nach innen zu wenden.
Himmlischer Vater, Dich bitten wir: Segne dieses Brot, Sinnbild vom Leibe Jesu Christi, der am Kreuz gestorben ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne dieses Brot, und lass es jedem heilsam werden, der davon nimmt.
Himmlischer Vater, segne diesen Wein, Sinnbild vom Blute Jesu Christi, das am Kreuz geflossen ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne diesen Wein, und lass ihn heilsam werden für jeden, der davon nimmt.
So bitte ich, euch zu erheben – nehmet, esset und trinket davon.
Vater im Himmel, die Deinen danken Dir für den Segen. Sie bitten Dich, Du mögest sie stets durch Deine heiligen Boten begleiten. Sie danken Dir für das tägliche Brot, das Du ihnen stets gibst. Sie loben und preisen Dich in alle Zeiten hinein. Heilig, heilig, heilig bist Du in alle Ewigkeit. Amen.
Liebe Geschwister, nun ist diese heilige Feier beendet. Geister Gottes mögen euch in eurem Leben begleiten. Möget ihr alle behütet und beschützt sein. Gesunden sollt ihr an Leib und Seele, wer da krank ist – in Christi Namen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 19.12.1976 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Eine Erklärung zu den ersten Worten im Johannesevangelium: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott.”
Josef: Liebe Freunde, die Belehrungen und das geistige Schauen [die Offenbarungen] Johannes’ haben unter den Menschen so viele Missverständnisse gegeben, und ein jeder legt das aus nach seinem eigenen Befinden oder Gutdünken. Ich möchte euch hierzu in einer ganz besonderen Angelegenheit einige Worte geben, und ich darf sie euch heute geben, denn heute könnt ihr sie verstehen. Ich werde immer wieder versuchen, euch auf frühere Belehrungen zurückzuführen. So sprechen die Menschen, wie sie es lesen: “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, und im Anfang war das Wort bei Gott.” Richtig ist – und höre gut zu, lieber Freund –: “Im Anfang war schon das Wort in Gott. Durch das Wort ist alles geschaffen worden. Und durch das Wort ist das Licht in die Finsternis gebracht worden. Und das Wort ist gekommen zur Erde, in sein Eigentum, und sie haben ihn nicht erkannt; aber die ihn erkannt haben, sind Kinder Gottes geworden.” (Vgl. Joh. 1, 1–13.)
Verstehst du, lieber Freund? Wer ist das Wort? Weder Ton noch Schall noch Klang – das Wort ist Christus. Ich habe euch doch diese Worte schon so oft gegeben, und ihr kennt sie. Gott allein, dem Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt, gebührt Dank, Lob und Ehre, und er allein ist ewig. Aus Gott ist Christus. Also kannst du nun vergleichen. Die Worte “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott” haben die Menschen durcheinandergestellt. Richtig ist: “Im Anfang schon war das Wort in Gott.” Der Funke oder die Kraft, die Macht war schon im Anfang in Gott, woraus Christus geschaffen wurde. Und aus Christus ist die geistige Welt, die ganze Engelschar geschaffen. Also, alles ist geschaffen aus dem Wort. So, liebe Freunde, sind diese Worte zu verstehen.
Die Menschen legen diese Worte oft auf unmögliche Art und Weise aus. Und so ist es notwendig, dass die Menschen den Heilsplan und den Erlösungsplan Gottes kennenlernen, dass er ihnen dargebracht wird, denn so viele Worte sind enthalten in euren Schriften, wobei ihr das nachprüfen könnt; ihr selbst sagt doch, dass durch das Wort alles entstanden sei. Und ich sage euch – schon oft, schon viel früher, bevor ich das nun erkläre, habe ich euch die Worte gegeben –, dass aus Christus heraus alle anderen Wesen geschaffen wurden und dass Gott seine grosse, besondere Liebe Christus gegeben hat, wenn er doch sagt: “Dieses ist mein einzig geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe” (Mat. 3, 17). Ja, so wurde doch Christus ernannt zum Fürsten und König über die geistige Welt. (Ausschnitt aus dem Vortrag vom 17.2.1951)
Woher kommt der Königstitel Christi? Ist dieser Titel nicht etwas Irdisches, Menschliches?
Josef: Wenn ich jeweils erklärte, dass Christus der König der Geisterwelt ist, dann hat man dieses nicht verstehen wollen und behauptet, ein solcher Titel wäre etwas Menschliches. Ja die Menschen haben diesen Königstitel übernommen, die Geisterwelt hat ihn ihnen gebracht. Diese Führertitel hatte man ja schon längst im Reiche Gottes. Christus ist der König der ganzen Geisterwelt Gottes; er ist der Gesalbte Gottes. Das will heissen, dass Christus tatsächlich von Gott gesalbt wurde in einem grossen Fest und Geschehen, in Herrlichkeit. Gott hat seinen Sohn vor den andern Geistwesen zum König ausgerufen, ihn dazu gesalbt. Die Menschen salben auch ihre Könige. Sie haben das nur von den Geistern übernommen, und es ist irrig, wenn man glaubt, das sei zu menschlich. Ihr neigt nämlich sehr schnell dazu, wenn man Erklärungen gibt, die mit euren Verhältnissen viel Ähnlichkeit haben, zu sagen: “Ja das kann nicht stimmen, das ist zu menschlich.” Nein, die Menschen haben es ja von uns. Also: Christus ist der Gesalbte Gottes, er ist der König der Geisterwelt, und unter ihm gibt es weitere Fürsten, die ihm zu Diensten sind, und auch weitere höhere Wesenheiten, die diesen Heilsplan Gottes führen. (Fragebeantwortung vom 5.12.1956)
Warum spricht man von Christus als dem “eingeborenen Sohn”?
Josef: Ich darf wohl sagen, dass es Menschen von heute schwer haben, zu verstehen, wenn vom “eingeborenen Sohn Gottes” gesprochen wird. Sie haben keine Vorstellung davon, sie fühlen und sehen ja viel zu menschlich; alles ist für sie menschlich. Dass Christus aus Gott geboren ist, das können sie nicht begreifen. Ich kann euch die Zeit nicht nennen, in welcher dies geschehen ist, wie ich euch auch nicht Gott in seiner Macht und in seinem Erstehen erklären kann. Das kann ich nicht. Aber ich kann euch wahrhaftig vieles erklären.
Es ist so, dass Christus der Träger vom Geistesleib Gottes ist. Gott ist eine Person und hat einen geistigen Leib. Das ist euch schon gesagt worden. Gott kann geschaut werden, und schauen kann man ja nur etwas, was eine Form und eine Gestalt hat. Also: Gott hat Form und Gestalt. Es ist nicht so, wie Menschen behaupten, die sagen, dass er einfach eine Kraft wäre, die Gott sozusagen nicht als eine Person anerkennen wollen und keine Vorstellung von der Jenseitswelt haben.
Wenn Christus sagt: “Der Vater ist in mir, ich bin in ihm” (Joh. 10, 38 und 14, 10–11), so heisst das, Christus ist Träger vom Geistesleib Gottes. Denn Christus wurde von Gott aus dessen Od geformt und geschaffen. Christus in seiner Person ist ein Stück vom Leibe Gottes. Darum hatte er immer betont: “Der Vater und ich sind eins. Was der Vater will, das will auch ich.” (Vgl. Joh. 10, 30 und 5, 30.) Christus ist ein Stück von Gott, von Gottes Persönlichkeit; von Gott persönlich, aus seinem Od, ist er geformt worden. Deshalb heisst es auch: Christus ist der Anfang und zugleich das Ende (vgl. Off. 21, 6 und 22, 13), denn er ist die einzige direkte Schöpfung und wird es bleiben. Und damit – dass er der Anfang in der Schöpfung Gottes ist und zugleich das Ende – ist nicht nur gemeint “in der Erfüllung des Ganzen”, sondern es wird niemand nach ihm kommen, der aus dem Od Gottes als Geschöpf ins Dasein treten kann. Christus ist der Erstling und bleibt der Erstling; er ist Träger vom Od Gottes, von seinem Leibe, von seiner Gestalt. So ist Christus aus dem Od Gottes geformt und gestaltet worden und ist eben so zu erkennen: als der Eingeborene, der aus Gott Geborene. Er ist Träger vom geistigen Leibe Gottes, aus Gottes Od geformt, und alles, was nach Christus in der Schöpfung geworden ist, ist aus ihm geworden (Kol. 1, 15–16). Dies war deshalb möglich, weil Christus Träger ist von Gottes Kraft und auch von gewisser Macht. Es heisst ja auch: Der Vater hat ihm von sich gegeben, hat ihm alles gegeben (vgl. Luk. 10, 22) – Christus ist ja aus seinem Od entstanden.
Es ist manchmal schwer, dem Menschen in dieser Beziehung etwas zu erklären. Ich kann es euch jetzt sagen, da ihr Verständnis dafür habt. Aber ich kann diese Erklärung nicht jedem Christenmenschen geben; er kann ja nicht einmal einfachere Dinge erfassen, wie sollte er dann so etwas erfassen können? Christus spricht immer wieder von der Liebe – dass seine Liebe wie die Liebe des Vaters sei. Er spricht auch: “Ich habe das vom Vater gehört, der Vater hat es mir gesagt” (Joh. 8, 28; 12, 50; 14, 10). Es ist eben zwischen dem Vater und seinem Sohne eine solche Innigkeit und eine solche Verbundenheit. Und dies war und ist der Menschheit zum grossen Glück. (Aus der Vorstandssitzung vom 22.1.1982)