GL Zürich Login Plus
Mehr Inhalte entdecken: Audioarchiv, Onlineliteratur – mittlerweile über 50 Bücher –, Stichwortsuche sowie Fragen und Antworten.


Als einst die Botschaft von der Geburt Christi verkündet wurde, brach für jene Menschen die Morgenröte an, die den Weg zu Gott suchten und mit Sehnsucht den Erlöser erwarteten. Seit der Erfüllung von Christi Erlösungswerk ist das Leben eines jeden Menschen erfüllt von Trost und Hoffnung; denn durch Christus ist es einem jeden wieder möglich gemacht, in die himmlische Heimat zurückzukehren. Aber wie wenige hören diesen wirklichen Trost, diese wahrhaftige Hoffnung? Viele wollen Trost in der Zerstreuung, im Vergnügen, in der Ablenkung.
Dem geistig ausgerichteten Menschen kann in jeder Zeit seines Lebens der hoffnungsvolle Trost gegeben werden. Auch wenn er in Bedrängnis und Leid ist, kann ihm jene Hoffnung gespendet werden, die für ihn Balsam ist, die für ihn zum Wegweiser wird und ihm wieder Kraft zum Leben gibt. Wer die geistigen Gesetze kennt und erfüllt ist vom Glauben, der fürchtet sich auch nicht vor dem Sterben; denn er ist sich gewiss, unter dem Schutz göttlicher Wesen zu stehen und unter ihrer Führung einer besseren, schöneren Zukunft entgegenzugehen.
Lene, 21. November 1962
Als die Kunde von der Geburt des Erlösers verbreitet wurde, brach die Morgenröte an. Das ganze Leben des Menschen ist erfüllt von Trost und Hoffnung; doch nur wenige hören diesen christlichen Trost. Viele Menschen suchen Trost in der Zerstreuung, im Vergnügen, in der Ablenkung.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, bald geht wieder die frohe Kunde in der Christenheit von Mund zu Mund, dass der Heiland geboren ist, und man freut sich über die Geburt des Herrn. Dann dauert es eine gewisse Zeit, und man erinnert sich an das Leiden und Sterben des Herrn. Es geht wieder eine Zeit vorüber, und die Christenheit wird daran erinnert, dass der Herr gen Himmel gefahren ist. Wieder verfliesst etwas Zeit, und es naht das heilige Pfingstfest. Man erinnert sich an jene Begebenheiten. Man versucht, sich im Geiste zurückzuversetzen und mitzufühlen, dankbaren Herzens zu sein über die Erfüllung des Heilsplans.
Dazumal, als die frohe Kunde von der Geburt des Heilands verbreitet wurde, brach die Morgenröte an. Morgenröte gab es für jene Menschen, die den Weg zu Gott suchten, die die Gewissheit haben wollten, dass ein Erlöser gekommen ist, dass man wieder zu Gott zurückkehren darf. Die Morgenröte war dazumal angebrochen. Morgenröte kann man es nennen, aber man kann auch sagen: Ein Wetterleuchten hat begonnen. Denn in der Zeit, als Christus bei seinen Eltern war, lebte er mit ihnen glücklich, aber jene Zeit war für Maria und Josef manchmal mit grossen Sorgen verbunden. Schon gleich nach der Geburt fingen für sie die Sorgen an. Sie standen jedoch unter dem Schutze Gottes, sie hatten herrliche Führer und wurden inspiriert. Ihnen wurde im Traum erklärt, was geschehen sollte. Die hohe Geisteswelt konnte an diese beiden herangehen, denn es war der Gottessohn, der bei ihnen lebte. So mussten sie schon bald fliehen und hatten auch beschwerliche Tage.
Wenn der Christ von heute daran erinnert wird: “Jetzt wird es Weihnachten” – ja, dann weiss der Fromme, was dieses heilige Weihnachtsfest bedeutet. Es ist das Fest der Liebe. Und man will selber Liebe spenden in seinem Gedenken, weil Gott so unendlich voller Güte war und seinen Sohn der Menschheit gab. Aus dieser Dankbarkeit heraus haben sich dann die Menschen aufgemacht, um den andern auch etwas zu schenken. Sie schenken aber in erster Linie materielle Dinge, und so wollen sie das Herz der andern erfreuen. Es ist viel Äusserlichkeit und Drum und Dran, womit gefeiert wird, und leider weicht der Christ von der wahren Verbindung ab. Er weiss nicht um die wahre Bedeutung dieses Festes.
Die Geisterwelt Gottes möchte doch ganz besonders einmal der ganzen Christenheit zum Ausdruck bringen, was bedeutungsvoll ist an diesen heiligen, frohen Tagen – dass man doch auch etwas Einkehr hält. Würden die Christen das tun, würden sie zu einem andern Ergebnis kommen, als die meisten gekommen sind. Der Christ, für den das heilige Weihnachtsfest ein Fest der Liebe ist und der daran glaubt, dass der Gottessohn als Mensch gelebt und sein Leben hingegeben hat, der wird ja nicht nur die frohe Botschaft von der Geburt des Herrn hören. Sondern ihm ist ja die Gelegenheit gegeben, immer wieder auch die andern Erinnerungsfeste zu feiern. Ihm bedeutet nicht nur das heilige Weihnachtsfest viel, sondern für ihn fliesst sozusagen alles in allem zusammen: Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Das sollte so sein; es sollte das Ergebnis sein von den Erkenntnissen, die er erworben hat.
Wenn nun die Christen darüber nachdenken würden: “Warum hat Gott denn seinen Sohn zur Erde gesandt? Warum musste er diese schwere Aufgabe erfüllen?” – ich weiss, dass ihr mir die Antwort geben könnt. Aber es hat auch welche unter euch, sie fallen immer wieder zurück, und sie sind sich dessen gar nicht so sicher. Ich möchte versuchen, es kurz zu deuten. Wenn Gott alles von allem Anfang an gewusst hätte – wie Menschen behaupten: “Gott weiss alles, er weiss alles zum Voraus, was geschieht” –, wenn er zum Voraus gewusst hätte, dass sein Sohn diese schwere Aufgabe erfüllen wird –, warum lässt er ihn dann diese Aufgabe noch erfüllen? Warum genügt ihm nicht das Wissen, dass er es erfüllt? Nun, darin liegt ja schon eine Antwort. Nein, Gott hat jedem Geschöpf den freien Willen gegeben, auch seinem Sohne, und so spielt dieser freie Wille eine grosse Rolle. Unter diesem freien Willen musste er [in seiner Aufgabe] die Entscheidung bringen.
Es glauben viele Menschen, dass vieles, was im Leben geschieht, nicht mit der Gerechtigkeit und Weisheit Gottes übereinstimme. Aber sie denken und sagen solches nur, weil sie sich in diesen Gesetzen nicht auskennen. Auch glauben sie, dass ein jenseitiges Wesen zu jeder Zeit über alle Dinge Bescheid wissen müsste. Doch wie soll denn ein Gott unterstelltes Wesen in jeder Beziehung zu jeder Zeit Bescheid wissen, wenn Gott selbst nicht wusste, ob sein Sohn die Aufgabe erfüllen konnte. Dies darf man aber nicht damit verwechseln, dass es der Geisterwelt möglich ist, in einem Falle Stunden zum Voraus zu sehen, was sich ereignen wird, in einem andern Falle Tage vorher, wieder in einem andern Falle Wochen und Monate und vielleicht ein Jahr, zwei, drei Jahre im Voraus, je nach dem Fall. Dessen sollte sich ein jedes bewusst werden.
Darüber möchte ich jetzt aber nicht sprechen und nicht dabei verweilen, sondern ich möchte vielmehr von der trostreichen Zeit sprechen, die sozusagen in der Christenheit immer gegeben ist, ob es Weihnachten ist, ob es irgendeine Zwischenzeit ist von Weihnachten zu Neujahr, von Weihnachten zu Ostern oder von Ostern zu Pfingsten oder bis wieder zu Weihnachten, das ist ganz gleich. Die ganze Zeit, das ganze Leben, das der Mensch lebt, ist erfüllt von Trost und Hoffnung. Aber wie wenige hören diesen Trost, wie wenige fragen nach Trost, nach christlichem Trost. Viele wollen Trost in der Zerstreuung, im Vergnügen, in der Ablenkung – es sind keine nach innen ausgerichtete Menschen. Während eben der ganzen Christenheit, den Gläubigen, dieser hoffnungsvolle Trost gegeben werden kann.
Man sollte jedoch jedem Menschen zu jeder Zeit seines Lebens, besonders wenn er in Bedrängnis ist, Trost spenden können, Trost, der für ihn Balsam ist, der für ihn zum Wegweiser wird, Trost, der wieder Kraft zum Leben gibt, dass man wieder weiterkommt. Nicht einige salbungsvolle Worte sind Trost, nicht, etwas Unmögliches zu erzählen, ist Trost für den andern. Man soll ihm den wahrhaftigen Trost spenden – das ist es, was man tun sollte und was auch möglich ist. Dieser Trost, diese Hoffnung, dieser Hinweis muss einen jeden Menschen wieder aufrichten, muss ihn erfüllen mit Freude und Zuversicht. Aber kann man einen Menschen mit Freude und Zuversicht erfüllen, wenn er keinen Glauben hat, wenn sein Glaube so gering ist?
Wenn da zum Beispiel ein Mensch im Sterben liegt, und er hängt noch mit allen Fasern am Leben – er steht sozusagen in der Blüte seines Lebens, er hat eine unheilbare Krankheit und muss die Welt verlassen trotz seines noch jugendlichen Alters. Er hat eine Familie und Kinder, und es fällt ihm schwer. Er klammert sich ans Leben; er will nur leben, er will nur arbeiten, damit seine Familie zu leben hat. Er möchte die Seinen nicht verwaist zurücklassen. Es ist einerseits seine Pflichterfüllung, die er noch spürt; anderseits ist er verzweifelt, weil er keinen Ausweg mehr findet. Er spürt, dass er scheiden muss.
Es ist aber von der göttlichen Welt bei vielen wunderbar eingerichtet. Durch ihre Schmerzen, durch ihre Krankheit klammern sie sich nicht mehr ans Leben. Sie sind gegenüber dem äusseren Leben gleichgültig geworden. Sie haben keine Kraft mehr zum Denken, sie haben keine Kraft mehr zum Leben. Es ist ihnen alles gleich. Auch wenn sie in der Blüte des Lebens stehen, es ist ihnen gleich. Auch so etwas geschieht. Sie vermögen eine Botschaft nicht mehr aufzunehmen. Doch ihr wisst: Der Geist hört mit.
Nun aber geht es doch um jene Menschen, und es sind deren gar nicht wenige, die sich ans Leben klammern, ob jung oder alt. Sie wollen nicht in jene andere Welt, von der man nicht weiss, wie sie ist. Man hat Angst vor dem, was kommen wird, weil man keine Kenntnisse hat über diese andere Welt, weil man nicht weiss, ob es mit dem Leben überhaupt aus ist oder ob es weitergeht. Diese Unsicherheit, dieses “Nicht wissen, was mit mir geschieht”, wird vielen zur Qual. So klammern sich dann so viele an ihr Leben und glauben, es dadurch zu verlängern. Sie haben die Hoffnung, man würde sie noch retten können. Das ist das Ergebnis – weil man keinen tiefen Glauben hat und, noch deutlicher ausgedrückt, weil man die Erkenntnisse nicht besitzt.
Wie anders aber ist es, wenn man einem, der scheiden muss, sagen kann: “Freue dich, denn bald wirst du dem Erlöser gegenüberstehen” – sofern er nach den göttlichen Gesetzen gelebt hat –, “bald wirst du deine Lieben sehen, Mutter, Vater, Schwester, Bruder, viele Freunde, die du vielleicht gehabt hast. Es wird ein frohes Wiedersehen geben, denn sie sind schon lange Zeit in der andern Welt. Bestimmt haben sie für dich die schönsten Vorbereitungen getroffen. Bestimmt freuen sich deine Mutter und dein Vater.” Und ist der Glaube an das Wiedersehen in der Tiefe der Seele, dann kann man sich freuen: “Ja, ich will mich freuen, die Meinen wiederzusehen. Wie haben sie wohl meine Umgebung gestaltet? Wie werden sie mich wohl empfangen?” Man wird dem Scheidenden Grüsse mitgeben, die er bestellen soll, und man wird ganz anders mit ihm reden. Man ist voller Hoffnung, und man gibt ihm Aufträge – man erlaubt sich, ihm dieses oder jenes mitzugeben. Als eine Bitte soll man es vortragen, wenn es möglich ist. Vielleicht bittet man noch darum: “Wenn es dir möglich ist, gib mir dann die Antwort, dass du es ausgerichtet hast.” Und man wird deutlich auskundschaften, auf welche Art und Weise es am besten gehen wird, dass man die Antwort hört. Man macht Abmachungen, und jedes freut sich. Dasjenige, das hinübergehen muss, freut sich auf das Wiedersehen mit den Seinen. Es ist froh, endlich dieser vielen Sorgen und dieser grossen Hast los zu sein. Und das andere, das zurückbleibt, freut sich, indem es sich sagt: “Nun ist wieder eines meiner Lieben beim Erlöser, in seinem Reich, in seiner Herrlichkeit, und es wird seine Aufgabe im Heilsplane weiter erfüllen. Der ganze Himmel wird sich freuen, wieder ein Werkzeug für den Himmel erhalten zu haben.”
So kann man wirklich Trost spenden. Und dieser Trost muss so sein, dass der andere sich nicht ängstigt oder denkt: “Nun will er ja, dass ich sterbe, und das Sterben hat doch etwas Grauenhaftes, etwas Furchterregendes an sich.” Nein. Angst und Furcht vor dem Sterben muss genommen werden. Das kann ich wohl sagen. Ich möchte aber, dass die ganze Christenheit davon erfasst wird, dass man jede Furcht und jede Angst vor dem Sterben ablegt. Wohl weiss ich, dass es solche gibt, die sich nicht ängstigen. Aber ich habe ja gerade von jenen gesprochen, die sich mit all ihren Fasern noch ans Leben klammern. Und ich habe von jenen gesprochen, denen man Trost geben soll. Ja, man sollte jenen, die sich auf diese Weise ans Leben klammern, Trost spenden und die richtigen Worte geben können, damit sie es verstehen. Man kann es tun, es kommt ganz darauf an, in welcher Art und Weise. Denn der Scheidende, der da liegt, vermag es wohl zu spüren, in welcher Hast und Aufregung diejenigen sind, die um sein Bett stehen. Und er empfindet es, wenn sie nur darauf warten, bis er gestorben ist.
Aber die dastehen und dem andern Trost spenden, sollen eben in einer herrlichen, nahen Verbindung mit der göttlichen Welt sein. Sie sollten sozusagen in dieser Stunde, wo das andere Abschied nimmt, auch hellsichtig werden, um ihm auf diese Weise besser den Weg erklären zu können. Also man soll nicht in Tränen und in Verzweiflung oder Hast dastehen, sondern ergeben steht man da und zeigt noch dem Scheidenden den Weg. Man gibt ihm noch gute Ratschläge mit, so gut man es kann, genauso wie wenn man jemanden, der eine grosse Reise unternimmt, noch auf dieses und jenes aufmerksam macht – so kann man dies auch dem Scheidenden zum Ausdruck bringen.
Nun, dieses sollte eben allen Christen gesagt werden dürfen; Trost auf diese Weise sollte jedem Christen gespendet werden. Es eignet sich dazu wohl jedes Erinnerungsfest, an das man sich halten kann, das man sozusagen als Bild nimmt, um den andern an die wunderbare Botschaft des Herrn zu erinnern, an die Erfüllung seiner grossen Aufgabe, an sein schweres Leben und sein Sterben. So sollte eben die ganze Christenheit erfüllt werden davon. Und ich möchte sagen, dass nicht nur jene des Trostes bedürfen, die nun scheiden müssen. Gerade in dieser Welt, in der ihr lebt, gibt es doch für jeden so viele Probleme zu lösen. So viele sind dann und wann in Ängsten um irgendetwas, und sie hätten gerne Trost. Aber sie empfinden: “Der andere nimmt ja nur oberflächlich Anteil an meinem Geschick. Er hat keine Zeit, er hat ja selbst seine Probleme.”
Ja, wahrhaftig ist es so, dass wohl jeder seine Probleme auf seine Art hat. Und das können wir auch verstehen. Wir können auch verstehen, dass nicht jeder Mensch die Fähigkeit hat, den andern zu trösten, weil es nicht in seiner Wesensart liegt. Der eine ist etwas rau, und er vermag nicht diese tröstlichen Worte auszusprechen. Aber in der Christenheit, in der grossen christlichen Familie, sollte es doch überall Menschen geben, die Zeit aufbringen, Trost zu spenden, und zwar Trost, der ihnen aus dem Herzen kommt, und die sich jener andern annehmen, gleich welche Sorgen und Probleme sie haben, mögen diese gross oder klein sein. In der christlichen Familie sollten solche Menschen sein, die eigentlich gar keine andere Aufgabe hätten, als andern Trost zu geben.
Es gibt so viele Menschen, die näher zu Gott kommen möchten und immer wieder nach den Aufgaben suchen und fragen: “Welche Aufgabe könnte ich erfüllen, dass Gott an mir Freude hätte?” Ja es gibt auch in dieser Beziehung für den einen und andern eine wunderbare Aufgabe zu erfüllen, indem er sich Zeit nimmt und sich vielleicht sagt: “In dieser Woche opfere ich diesen oder jenen Abend für jene, die des Trostes bedürfen. Ich will mich den ganzen Abend nur einem einzigen Menschen widmen. Ich will nicht klagen, wie lange er meine kostbare Zeit in Anspruch genommen hat, sondern ich will mich sozusagen verschmelzen mit seiner Seele. Ich will sozusagen seine Schmerzen spüren, sein Leid auf mich legen. Ich will so aber versuchen, ihm mit meinem gesunden Denken und mit göttlicher Inspiration den Weg zu zeigen, nicht in Hast, nicht in Eile.” Und man soll dann den andern fühlen lassen, dass es einem wahrhaftig daran gelegen ist, ihm zu helfen. Man soll sich seiner annehmen und ihm den Weg zeigen.
Wohl hat man nicht immer Erfolg. Gewisse Menschen, die selbst gesunden Denkens sind, werden den Trost, den man ihnen gibt, annehmen. Sie werden sich dankbar erweisen, dass man sich ihrer annimmt, und sie werden dann auch langsam, langsam den Weg wieder finden. Aber es gibt Menschen, die sich im Gegensatz zu jenen schon in ihrem Leben in ihrer Wirrnis so verloren haben, dass man ihnen keinen rechten Trost mehr geben kann. Sie sind nicht fähig, die Botschaft, den Trost zu hören. Das ist wiederum eine andere Angelegenheit. Mit solchen Menschen, die schwer zu trösten sind und denen schwer zu helfen ist, muss man besonders behutsam umgehen. Man soll sich eine Zeit ausbedingen – nicht für sie, sondern für sich selbst. Man soll sagen: “Ich stelle mich so viele Wochen, so viele Monate zur Verfügung, diesem Menschen zu helfen.” Ist dann die Zeit vorüber, und man hat nichts erreicht, dann sollte es so sein, dass man die Aufgabe einem andern übergibt. Vielleicht kann der andere zu Ende führen, was der eine begonnen hat. Denn nicht jeder hat in allen Dingen die Möglichkeit, dem andern zu helfen.
Nicht zu unterlassen ist, dieses Wirken mit dem Gebet zu verbinden. Ob es ein Mensch ist, der vorübergehend in Not geraten ist, oder ob es sich um eine schwerwiegendere Angelegenheit handelt – in jedem Fall sollte man dem andern die Hand zum Gebete reichen. Man sollte ihm sagen: “Komm, wir beten miteinander.” Aber der andere soll fühlen, dass man sich mit der Seele, mit dem Herzen an ihn ‘gekettet’ hat, dass man sozusagen verschmolzen wurde mit ihm und es so wie ein Gebet aus einem Munde ist – dass man dann im Namen Jesu Christi bittet um den Beistand, um Hilfe, um Erleuchtung, dass man die Kraft hat, das Richtige zu tun, die Kraft bekommt, wieder voller Zuversicht ins Leben hinauszugehen.
Ohne Gebet geht es nicht, denn durch das Gebet kommt die Kraft. Das Gebet ist Balsam für die Seele. Aber vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet ist es ein Beugen vor der Allmacht Gottes. Man beugt sich vor seiner Macht. In seine Hände legt man das Geschick und bittet: “Vergib mir, wie auch ich vergebe.” Man bittet, dass man bekommt, und man soll so weit sein, selbst zuerst zu geben, dass man erhalten darf. So soll man beten. Und je nach der Innigkeit des Gebetes ist die Aufmerksamkeit der heiligen Geisterwelt Gottes für diese Bittenden verschieden. Je nach dieser Aufmerksamkeit wird dem einen eben die Hilfe voll und ganz gegeben, und bei einem andern darf sie vielleicht nicht gegeben werden – aber man lässt ihn nicht im Stich. Man ist nicht so voller Härte, wie Menschen es sind, sondern man gibt es ihm zu verstehen: “Trage nun in Erhabenheit dein Schicksal.”
Und dann kommt dem Christen doch wiederum etwas zu Hilfe: Es ist das Kreuz, das er auf sich nimmt und dessen Last er in seinem Leben verspürt. Das Kreuz ist es, an dem man sich aufrichtet. Das Kreuz zeigt den Weg im Leben. Und wenn da einer in Sorgen und Nöten ist und keinen Ausweg findet, und es kann ihm nicht geholfen werden – Trost findet er, wenn er die Kenntnisse hat: “Das alles, was ich trage, ist aus meiner Schuld entstanden. Es ist meine Schuld, und ich will es tragen. Ich will das Schwere tragen, und ich will mich nur daran erinnern, dass auch Jesus Christus das Kreuz trug. Aber er war ohne Schuld, und er trug das Kreuz für mich. So will ich nicht klagen, ich will nicht jammern. Ich will froh sein darüber, dass Gott mir das Leben gegeben hat.” Man muss zur Erkenntnis kommen, gleich in welcher Lage man ist: “Das Leben, das man lebt, ist kostbar. Es ist aus Gottes heiligstem Willen entstanden. Es ist etwas Wertvolles, und mit diesem Leben muss man Wertvolles gestalten. Das Leben ist heilig, und ich will es nicht schmähen.” Denn mancher, der die Ursache seines Leidens nicht kennt, hat sein Leben schon zutiefst geschmäht.
Das alles aber würde in der Christenheit wegfallen, wenn man von allem Anfang an die Gesetze kennen würde, wenn man diesen wahren Trost, den der eine dem andern geben darf, versteht – dass er von aufrichtigem Herzen kommt und es nicht irgendwelche aufgebauschten Worte sind, die nicht von Herz zu Herz gehen. So hat jeder Christ die Möglichkeit, Trost zu erhalten von der Geisterwelt Gottes und von den Menschen, wenn diese in der Verbindung zur heiligen Geisterwelt Gottes sind. Viel wird gesündigt auf diese Art und Weise, aus mangelnder Erkenntnis, und wie gut wäre es doch, die Menschen würden besser unterrichtet. Es braucht alles seine Zeit.
Diese Ratschläge, die ich gebe, werden doch in Anwendung gebracht bei jenen Menschen, die in wahrhaftiger Verbindung zur heiligen Geisterwelt Gottes sind. Darum rufe ich euch auch immer wieder auf: Versucht doch, so viel Zeit aufzuwenden, damit ihr ganz verbunden seid mit der andern Welt, mit der göttlichen Welt. Ihr sollt oder der äussere Mensch sollte den engsten Kontakt mit dem Geiste aufnehmen. Denn es gibt welche Freunde, die können mit den Meditationen, wie sie manchmal gegeben werden, einfach nichts anfangen. Die einen empfinden es als Phantasie – sie können nicht mitgehen. Dann versuche ich jeweils, diese Meditationen abwechslungsreich zu geben, um auch jenen einmal ans Herz und an die Seele zu pochen, die dieses eben nicht so recht verstehen.
Ich habe vorhin auf das Kreuz hingewiesen – dass der Anblick des Kreuzes doch für jeden Menschen von einer grossen, ehrfurchtsvollen Bedeutung ist. An dieses Kreuz denkt man auch in der Zeit, da die frohe Botschaft verkündet wird, dass der Heiland geboren ist, als in jener Zeit sozusagen verkündet wurde: “Jetzt ist die Morgenröte angebrochen.” Zu jeder Zeit kann man die Stille finden und im Geiste ein Kreuz vor seine Augen stellen, das Kreuz, das von so grosser Bedeutung war, das Kreuz, das heilig geworden ist. Und wie sollte man nicht seine innere Freude zum Ausdruck bringen? Man sollte die geistige Sprache sprechen, wenn man für sich allein ist, wenn man sich so ganz allein verbinden kann mit dem Göttlichen.
Wenn man voller Dankbarkeit und Freude etwas tun möchte, aber nicht weiss, auf welche Art und Weise – da möchte ich doch einmal sagen: Wenn eines eurer Bekannten vielleicht seinen Geburtstag hat oder wenn sonst ein besonderes Fest ist, da werden zum grossen Teil Blumen gegeben. Die Blumen sprechen ja auch ihre Sprache; sie bringen ja auch etwas zum Ausdruck. Und wie sollte man nicht auch in dieser Beziehung, wenn man innerlich voller Dankbarkeit gegenüber Gott und voller Freude ist, eine besondere Sprache sprechen? Warum sollte man nicht auch da diese Blumen zu Hilfe nehmen, wenn man etwas sagen möchte, aber einfach keine Worte findet? Man kann innerlich erfüllt sein von grosser Freude und Dankbarkeit – vielleicht ist etwas Besonderes erreicht worden, etwas Besonderes gelungen, oder man schuldet Dank, man hat gespürt: “Die Geisterwelt Gottes hat mir den Weg gezeigt, hat mir geholfen.” Ihr wisst sonst auch, auf welche Art und Weise ihr euch erkenntlich zeigen könnt, damit Gott und seine Geisterwelt mit euch zufrieden sind. Wenn euer Herz jubelt und ihr so voller Freude seid, warum sollt ihr nicht hingehen und einem Mitmenschen etwas geben, der nichts hat? Warum sollt ihr nicht irgendeiner Institution etwas geben, die es wiederum ihrerseits weitergibt? Das ist auch eine Ausdrucksweise des Dankes – wenn man es kann.
Aber vielleicht hat nicht jeder gerade die Mittel dafür, und dennoch möchte er seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, seine Seele jubelt. Da kann er sich eben dieses Kreuz im Geiste vor seine Augen stellen, und er kann anfangen, es mit Blumen zu belegen. Er kann das Kreuz, sagen wir, mit Rosen schmücken. Er soll zum Beispiel sagen: “Jetzt nehme ich die schönsten Rosen, die ich überhaupt erhalten oder mir vorstellen kann”, und man legt sie auf das Kreuz und sagt: “Zur Ehre Gottes, zur Ehre des Sohnes, des Erlösers, und zur Ehre aller heiligen Geister lege ich diese Blumen auf das Kreuz.” So wie ihr euren Mitmenschen Blumen spendet, wenn ihr eure Dankbarkeit, eure Freude zum Ausdruck bringen möchtet, so kann man es auch im Geistigen tun.
Aber vielleicht gibt es noch viel Weiteres, das euch bewegt, und so kann man doch das ganze Kreuz mit Rosen schmücken. Man kann noch weitere Blumen dazulegen aus Dankbarkeit dafür, dass Gott dir das Leben geschenkt hat – dass du dein Leben nicht als Last betrachtest, sondern als etwas, das durch göttlichen Willen geworden ist. Aus dieser Dankbarkeit willst du es tun und als Ausdruck dafür, dass alles, was aus dem Willen Gottes geschieht, dir recht und gut ist, dass du dich vor dem Willen Gottes beugst und der Wille Gottes dir das Heiligste ist. Du wirst diese Rosen oder diese Blumen, gleich welcher Art, auf das Kreuz legen, weil deine Seele es verlangt, weil deine Seele in voller Dankbarkeit ist über das, was Gott dir gegeben, dass Gott dir dein Leben gegeben hat. Und du gehst weiter. Du bist ihm weiter Dank schuldig, denn du bist gesund und hast deine Arbeit. Du willst ihm auch dafür danken und legst dafür die Blumen nieder. Und du gehst weiter. Du dankst dem Schöpfer für die grosse Barmherzigkeit und für die grosse Gnade, die er allen seinen Geschöpfen gab. Nun soll dieses in diesem Kreuz zum Ausdruck kommen, denn du willst es mit Blumen geschmückt haben. Es soll leuchten, dies ist dein Wunsch. Du willst das Kreuz so kostbar gestalten mit diesen von Gott gewollten Blumen.
Du kannst weitergehen je nach den Verhältnissen, in denen du lebst, und du kannst sagen: “Aus Freude darüber, o Gott, dass du es ermöglicht hast, dass Vernunft über Gewalt gesiegt, lege ich dir die schönsten Blumen auf das Kreuz.” So kannst du es tun und noch vieles, vieles dazu. Viele Blumen, ob gross, ob klein, haben Platz auf diesem Kreuz. Schmücke das ganze Kreuz so wunderschön, und sorge dafür, dass es dir in der Pracht, in der Schönheit erhalten bleibt. Sorge dafür, dass die Blumen nie welken, dass das ein Feuer ist, was aus deiner Seele kommt und diese Blumen frisch erhält. Oder sorge dafür, dass aus deiner Seele jener Quell fliesst und sich mit diesem Kreuz verbindet, damit diese Blumen immer in Kraft und Pracht erhalten bleiben. Lass nie, nie diese Blumen welken. Stell nie gleichgültig dieses Kreuz zur Seite, denn die Blumen wollen gepflegt sein – wie jede Blume, wenn sie nicht raschestens welken soll. Und so sollen die geistigen Blumen, die du auf das Kreuz hingelegt hast, aus geistiger Kraft genährt werden, immer in der Dankbarkeit gegenüber Gott. Deine Augen sollen immer wieder darauf gerichtet sein: auf das Kreuz, das heilig geworden ist, das Kreuz, das von grosser Bedeutung ist. Sorge dafür, dass es immer wohlgeschmückt ist.
Und wenn diese heilige Weihnachtszeit naht, dann weiss wohl der, der die Gesetze der jenseitigen Welt kennt, dass an diesen heiligen Tagen manche Angehörige und Verwandte einen kurzen oder längeren Besuch abstatten. Und sie werden das, was man im Geiste aufgerichtet hat, sehen. Sie werden das Kreuz mit den Blumen sehen, und sie werden sich freuen. Sie ihrerseits werden auch versuchen, etwas zur Pracht dieser Blumen beizutragen. Sie werden sich freuen, und auch die Gottesengel freuen sich.
So sollte man immer dieses Kreuz pflegen und es sich im gepflegten Zustande vor Augen halten. Es gibt Kraft fürs Leben, denn eine ungeheure Kraft fliesst aus diesem heiligen Kreuz. Trost bekommt man. Man schöpft und schöpft, man richtet sich auf, und man schreitet mit dem Kreuz hinüber ins Reich des Herrn.
Liebe Geschwister, versucht einmal, auf diese Art und Weise zu wirken und zu meditieren.
So möge der Segen Gottes euch alle gesund erhalten. Mögen jene, die krank an ihrem Leibe sind, im Namen Jesu Christi gesunden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 21.11.1962 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 19. Januar 1977
Der Mensch braucht in seinem Leben Hoffnung und Liebe; sie sind für ihn etwas Notwendiges. Doch beides, Hoffnung und Liebe, ist in dieser Welt etwas Unvollkommenes. Nur in der hohen göttlichen Welt sind die Hoffnung und die Liebe vollkommen. Spricht ein Engel Hoffnung aus, dann ist es Wahrheit, denn diese Hoffnung erfüllt sich.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, möget ihr eure Gedanken, eure tägliche Geschäftigkeit für eine Stunde überwinden, damit euer Herz und eure Seele geöffnet werden und ihr meine Worte besser verstehen könnt. Einer solchen Stunde sagt ihr Meditation. Ich versuche über ein Thema zu euch zu reden, aber meine Meditation oder meine Erklärungen sind Erlebnisse oder Begebenheiten aus der himmlischen Welt. Ich will euch die Tore des Himmels öffnen, ich lasse euch Einblick nehmen in diese geistige Welt; ich möchte, dass ihr hineinschauen könnt in diese geistige Welt, wo die Tore geöffnet werden, und ihr auf den verschiedensten Entwicklungsstufen und auf den verschiedensten Geisteshöhen Einblick bekommt. Ich versuche euch dieses Schauen als Mensch, mit euren Gefühlen zu ermöglichen; ich versuche euch hineinzuziehen in diese für euch unsichtbare Welt und sie euch so in ihrer Lebendigkeit zu schildern, dass ihr sie auch mit euren menschlichen Gefühlen erleben könnt und ihr euch eine Vorstellung von ihr machen könnt. Freilich wird es mir nicht bei einem jeden Anwesenden gelingen, das zu erreichen, was ich gerne möchte: diese Lebendigkeit in der Weise zu erleben, wie ich sie zu schildern versuche.
Auf den verschiedensten Gebieten habe ich euch schon Erklärungen gegeben. Ich habe euch Dinge erklärt, die ihr gerne gehört habt, die euch erfreut haben; ich habe vielleicht auch schon Dinge gesagt, die man nicht für glaubwürdig hielt. Meinetwegen ... Das kommt ja eben ganz auf die Entwicklung des Menschen an, und es kommt ganz darauf an, wie weit er sein Herz geöffnet und seine Seele aufgetan hat. Es kommt ganz darauf an, auf welcher Entwicklungsstufe er steht, ob das, was ich ihm zu sagen habe, für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, weil er es einfach fühlt, weil er sozusagen dieses Wissen in sich hat und er der Auffassung ist: “Das ist nichts Neues für mich, das ist eine Bestätigung von all dem, was ich ahne, was ich fühle und von dem ich glaube, dass es so ist.” Für einen andern ist es eben nicht so, weil die Türe zu seiner Seele geschlossen ist und weil er im Geiste solche Erlebnisse noch nicht gehabt hat oder sie ihm ganz fremd und weit entfernt sind, weil ihm, einfacher und schneller gesagt, einfach das Verständnis fehlt. Es ist wie bei euch: Wenn ihr etwas erklären wollt, das vielleicht etwas kompliziert ist, dann wisst ihr auch: “Ach, diesem oder jenem brauche ich davon gar nichts zu sagen, er versteht es ja sowieso nicht.” Das könnte ich auch manchmal sagen. Aber eben, ich habe ja viele verschiedene Geschwister hier; der eine steht da, der andere steht dort, und das, was ich erkläre, hört ja schliesslich ein jeder. Das ist es eben ... Nun, ich möchte nichts Weiteres darüber sagen.
Ich will heute in erster Linie euch den Himmel auftun. Ich möchte über die Hoffnung sprechen und über die Liebe – zuerst über die Hoffnung und die Liebe des Menschen, die beide in der christlichen Lehre eine ganz bedeutende Rolle spielen. Dann möchte ich anderseits die Hoffnung und Liebe von geistiger Sicht aus beleuchten, wie beide von geistiger Sicht aus zu erleben sind.
Wenn einem Menschen Hoffnung gegeben werden darf und gegeben werden muss, ist das für den Betreffenden ganz bestimmt etwas Tröstliches. Denn auf dieser Welt unter den Menschen muss Hoffnung auch sein. Hoffnung gibt euch Menschen Mut, gibt Kraft, gibt Ausdauer, wenn man sie euch auf irgendeinem Gebiete einfliessen lassen kann. Es gibt Situationen, in denen der Mensch die Hoffnung braucht und sie ihm eine geistige Nahrung, eine geistige Kraft ist. Hoffnung braucht der Mensch, sie ist für ihn notwendig. Aber diese Hoffnung, die ihm auf der Erde gegeben werden kann, ist etwas Unvollkommenes, so wie auch die Liebe unter den Menschen unvollkommen ist. Und dennoch ist auch die Liebe unter den Menschen eine dringende Notwendigkeit. Aber beides ist in dieser Welt etwas Unvollkommenes. Es ist unvollkommen, weil die Lebendigkeit fehlt. Die Hoffnung ist etwas auf Zeit, sie ist etwas, das vielleicht die Erfüllung bringt, die man erwartet; aber sie ist nicht das Unbedingte, das Vollkommene, das, was sich unbedingt erfüllen sollte. Beides, ob Hoffnung oder Liebe – wie es der Mensch braucht –, liegt doch für ihn in weiter Ferne und wird doch manchmal sehr fraglich. Und doch ist es für den Menschen auf dieser Welt eine Notwendigkeit.
Aber betrachten wir einmal diese Welt und alles, was es auf dieser Welt gibt: Nichts davon ist vollkommen, absolut nichts. Selbst das Schönste, das euer Auge oder euer Ohr erfreut – und damit deute ich jetzt auf die schönen Künste hin –, ist nicht vollkommen, auch wenn es für euch Menschen eine hohe Kunst sein mag. Nehmen wir beispielsweise die wunderbare Musik der grossen Meister, die uns gefällig ist genau wie euch: Diese Musik erfreut euch, sie mag sogar von Meistern gespielt sein, sodass ihr euch sagen müsst: “Besser als von diesen Menschen kann diese Musik nicht mehr gegeben werden” – ihr betrachtet es also als meisterhafte Leistung auf der höchsten Stufe des Könnens, als eine meisterhafte Leistung für die Welt. Vielleicht enttäusche ich euch, wenn ich jetzt sage: Es ist dennoch unvollkommen; alles auf eurer Welt, auch eure schönsten Künste, ist unvollkommen.
Jetzt möchte ich versuchen, euch dies etwas näher zu erklären. Aber ich kann es euch nur dann verständlich machen, wenn in eurem Inwendigen die Seele offen ist, die Gefühle verfeinert sind und man meine Sprache versteht. Und so möchte ich so gerne alle ansprechen.
Ich will jetzt auf die Musik zurückkommen, eben gerade auf diese hohe Kunst der Musik. Der Himmel oder die ihm dienenden geistigen Wesen brauchen die Musik, die ihr auf Erden spielt; denn sie dient zur Ehre Gottes, zur Verschönerung eures Gottesdienstes. Diese hohe, schöne Musik hat einen Einfluss auf den Menschen, auf sein Denken und auf seine Ausdrucksweise. Ich möchte sagen, der Mensch, der da zuhört, schwingt sich sozusagen in diese Musik hinein, er schwingt mit der Musik.
Auf sichtbare Weise geschieht dies – um ein deutliches Beispiel zu nennen – bei der Musik, die die heutige Jugend liebt. In dieser Musik ist Rhythmus. Die Menschen, die diese Musik hören, gehen mit im Rhythmus, sie schwingen mit im Takt der Musik, es ist ein Mitleben. Und dieses Mitleben müssen sie mit ihren Körperbewegungen zum Ausdruck bringen. Ich möchte das jetzt nicht als eine Empfehlung sagen, dass ihr bei schöner Musik auch in diesem Sinne in den Rhythmus kommen sollt; so ist es natürlich nicht gemeint. Ich will nur die Andeutung machen und darauf hinweisen, dass dieses Mitschwingen bei diesen jungen Menschen im Körperlichen, Grobstofflichen, geschieht; aber es ist doch von der Wirklichkeit übernommen, sie schwingen mit mit der Musik, sie schwingen mit ihrem Körper mit.
Im Unterschied zu diesem Grobstofflichen, Körperlichen, gibt es das Veredelte, Verfeinerte: Da schwingt der Zuhörer auch mit, aber er braucht dazu nicht die Körperbewegung; sondern die Seele, das Inwendige, schwingt mit. Der Zuhörer kann ganz ruhig dasitzen, und inwendig wühlt sich etwas auf oder schwingt etwas mit. Das ist der verfeinerte, veredelte Zustand. Was ich damit sagen will, ist: Es gibt verschiedene Stufen des Mitschwingens; der eine schwingt sichtbar mit, mit seinem vergänglichen Körper, während ein anderer innerlich etwas erlebt, auf der hohen Geistesstufe; es schwingt nur die Seele mit, das Veredelte, das Verfeinerte. Vielleicht versteht man mich.
Darum kann ich auch sagen: Alles, was auf dieser Erde ist, ist unvollkommen, und sei es die schönste Pracht der Blumen. Für euer Auge ist es wunderbar, es erlabt euch, es erfreut euch. Ihr bewundert die Natur, und im Grunde genommen ist es ja das Schöne. Der Mensch, so wie er ist mit seinem – sagen wir jetzt – grobstofflichen Denken, bewundert es. Aber wer mehr fühlt und jetzt beispielsweise die schönste Blumenpracht sieht, bei dem gibt es auch ein inwendiges Miterleben und Mitschwingen; es gibt ein Ahnen des Vollkommenen, das in der Gotteswelt ist. Auch für die Natur, jetzt im Allgemeinen, gibt es eine innere Bewunderung, ein inwendiges Miterleben von all dem, was dem Menschen dargeboten wird. Doch im grossen Ganzen gehen die Menschen eben einfach darüber hinweg. Und sie gehen deshalb darüber hinweg, weil sie ja diese geistige Schau und diese geistige Verbindung nicht haben, sie nicht kennen oder nicht wollen. Sie haben ja keinen Glauben an dieses Höhere, an dieses Unsichtbare; darum können sie auch nicht eine höhere Empfindung haben in dieser Art und Weise, wie ich es euch jetzt darlege. Also diese Erklärung einmal zu dem, was euer Auge betrifft, zum Äusseren, das ihr wahrnehmen könnt.
Ich möchte jetzt wiederum auf die Musik hindeuten: Wunderbar war die Musik, die vorhin gespielt wurde; sie war wunderschön, und sie hat euch – ich will es hoffen – in eine höhere Schwingung hineingeführt. Aber diese schöne Musik, die für euch so schön ist, ist vom geistigen Standpunkte aus gesehen, von mir aus gesehen, so wie ich die Musik im Himmel erlebe, eine Musik, die den Geistwesen in den untersten Aufstiegsstufen zu Gehör gebracht würde. Das ist dann auch die Musik, die sie lieben, die sie schätzen, die sie verstehen – die sie verstehen. Demgegenüber ist die Musik, die ich liebe, die bei uns gespielt wird, etwas Lebendiges, das jedes Mal zu einem neuen Erlebnis wird.
Wie kann denn die Musik lebendiger werden als so, wie sie euch dargeboten wird? Ja, das ist es eben ... Das ist vielleicht auch etwas, was nicht alle hier Anwesenden verstehen können, wenn ich jetzt von dieser Lebendigkeit der hohen Musik spreche, die in den höchsten Himmeln gespielt wird und zu einem besonderen Erlebnis wird. Ich habe euch auf das Mitschwingen der jungen Menschen hingewiesen, die sich im Rhythmus der Musik mitbewegen und sich in sie hineinschwingen. Ich habe gesagt, das hohe Schöne erlebt man in der Seele, inwendig, also im Geist. Ich als Geist erlebe die Musik eben inwendig. Und alle, die mit mir auf derselben Stufe sind, erleben es auf diese Weise. Auch wir bringen dann, wenn das Spiel oder das Konzert beendet ist, unsere Freude zum Ausdruck, genauso lautstark, wie es bei euch üblich ist; denn auch wir wollen unsere Bewunderung kundtun, und da sind wir natürlich nicht einfach nur still, ohne eine Bewegung und einen Laut von uns zu geben. Auch wir wissen diese Überraschungen und das Lebendige zu schätzen und bringen daher als Geist auch unsere Freude zum Ausdruck. Denn unsere Welt ist eine lebendige Welt, die schwingt und die bewegt ist und immer in Bewegung ist.
Aber jetzt zur Frage: Wie erleben wir diese Musik, und warum wird sie für uns jedes Mal zu einem Erlebnis, sodass wir dementsprechend unsere lautstarke Bewunderung zum Ausdruck bringen? Wir hören die Musik mit unseren geistigen Ohren, und ihr Klang ist reiner, also vollkommener; die Musik ist also viel schöner, als sie bei euch ist. Das ist einmal das eine, das, was das geistige Ohr wahrnimmt. Wir nehmen aber die Musik nicht nur mit den Ohren wahr. Ich habe auch vom Rhythmus gesprochen; dieser Rhythmus bewegt uns auch – inwendig. Aber wie gesagt, dabei bleiben wir ruhig. Die Musik, die bei uns oder bei mir in meiner Welt gespielt wird, ist aber auch etwas für die Augen. Und da haben wir unseren grössten Genuss oder den genauso grossen Genuss. Denn die Musik, die aufgeführt wird, diese verschiedensten Instrumente, die spielen, das alles ist lebendig, kommt in eine gewisse Schwingung; und da es eben lebendig ist, ist eine unbeschreibliche Farbenpracht mitzuerleben. Die Töne sind nicht nur etwas Wahrnehmbares für das Ohr, sondern die Musik wird auch durch ihre Schwingung in Farbenpracht lebendig.
So möchte ich nur als Beispiel sagen: Spielt nun jemand die Harfe, so sprüht jedes Mal, wenn eine Saite gezupft wird, eine Farbenpracht aus dieser Saite heraus, hinaus in die Weiten. Ich könnte fast sagen, es ist wie ein kleines Feuerwerk. Und dieses zu erleben, ist eine Überraschung; diese vielfältigen Farben, die durch die Töne der Musik entfliehen, und das Spiel, das geboten wird mit dieser Musik, das ist Lebendigkeit. So verschiedene Musikinstrumente, wie ihr habt, haben auch wir; wir haben noch mehr. Aber bei uns gibt jedes göttliche Wesen, das ein solches Instrument spielt, mit seiner Darbietung sozusagen ein kleines Feuerwerk von sich – wenn ich das nach euren Begriffen so sagen darf. Das ist Lebendigkeit. Die Musik ist gewaltig, unerhört. Da schwingt man mit. Und was man mit dem geistigen Auge sieht, das ist so prachtvoll, das ist so lebendig, das ist so etwas Wunderbares, dass ihr davon gar keine Ahnung habt und es gar nicht verstehen könnt.
Wohl wird in der Geisteslehre eingeflochten: Alles ist Schwingung, und alles bewegt sich in Schwingungen. Diese Bewegung, diese Schwingungen erzeugen auch Farben. Und wenn dann diese Schwingungen eben mit Musik oder durch Musik zum Ausdruck kommen, dann wird das eine Lebendigkeit, etwas Vollkommenes. So wie beispielsweise bei euch die Dirigenten versuchen, jeder auf seine Art und Weise, den genauen Einsatz anzugeben und ein Stück so zum Ausdruck zu bringen, dass es, wie er glaubt, auf einer noch höheren Ebene noch bewunderungswürdiger, noch lebendiger nach Menschenart dargeboten wird, so ist es auch bei uns. Dieselbe Musik kann des Öftern genau gespielt werden, auch dieselben Sinfonien können von Zeit zu Zeit wieder aufgeführt werden, und jedes Mal ist es ein anderes Feuerwerk, weil es wieder anders gespielt oder interpretiert wird. Das sind Erlebnisse. Das ist das Vollkommene, das wir erleben, und es ist nur zu wünschen, dass auch ihr solches erleben könnt, wenn ihr zu uns herüberkommt, und ihr euch dann nicht zuerst mit der üblichen Musik begnügen müsst.
Ich habe von der Hoffnung und von der Liebe gesprochen und darauf hingewiesen, dass beides auf Erden nur etwas Unvollkommenes ist. Ich habe jetzt versucht, einen Vergleich zu machen zwischen der Vollkommenheit bei uns und der Unvollkommenheit eurer Welt. Alles, was in eurer Welt ist, ist also unvollkommen und kann doch wunderschön und von grösster Bedeutung und notwendig sein für das Leben des Menschen. Aber die Welt ist einfach nicht vollkommen; und alles, was geboten ist und was der Mensch in der Natur erlebt, mag bewunderungswürdig sein und ist bewunderungswürdig, aber in seiner Lebendigkeit und Vollkommenheit ist es erst bei uns.
Darum: Die Hoffnung, die man Menschen gibt und geben darf und geben muss, ist tröstlich für den Menschen, und er mag sich begnügen mit dieser Hoffnung. Es ist aber eine Hoffnung auf Zeit – für uns unvollkommen. Aber sie ist tröstlich und notwendig für den Menschen, und wir unterstützen es, wenn dem Menschen diese Hoffnung gegeben wird. Wir unterstützen ja alles, was auf dieser Welt für den Menschen gut ist; wir unterstützen es, auch wenn es unvollkommen ist. Wir können ja nicht das Vollkommene in eine unvollkommene Welt hineinbringen, das wäre gesetzwidrig. Stellt euch einmal vor – um auf den Vergleich mit der Musik zurückzukommen –, ein Konzert nicht nur zu hören, sondern zugleich das ‘Feuerwerk’ zu sehen, das aus den Klängen sprüht. Das ist bei euch Menschen ja nicht möglich, schon rein technisch nicht. Und das, was ich euch sage, ist in erster Linie einem Geistesmenschen verständlich; gleichwohl mag es noch welche Freunde geben, denen das auch nicht so verständlich ist.
Mit der Liebe ist es ebenso wie mit der Hoffnung: Es ist eine unbedingte Notwendigkeit, dass unter den Menschen die Liebe herrscht. Diese Liebe aber, die unter den Menschen ist, ist unvollkommen. Denn die wahre Liebe kennt nicht Hass, sie kennt nicht Neid, nicht Eifersucht, sie kennt nicht Herrschsucht; sie ist eben das, was wir in den höchsten Himmeln haben. Und diese vollkommene Liebe ist das, was in Gott ist und aus Gott herausgekommen ist; die wahre Liebe ist das, was Christus ausgetragen hat, das ist wahre Liebe. Und diese vollkommene, wahre Liebe ist in ihrer Vollkommenheit eben nur in der Gotteswelt.
Die Liebe mag unter den Menschen auch verschiedene Stufen oder verschiedene Grade haben, aber sie ist und bleibt unvollkommen. Jeder muss mir darin recht geben. Wäre die Liebe unter den Menschen, gäbe es keine Kriege, es gäbe keine Erpressung, keine Entführung, nichts dergleichen. Ihr habt nur ein Wort für diese Liebe, und ihr wisst genau, was mit diesem Wort gemeint ist, was darunter zu verstehen ist als Empfindung, als Zuneigung. In diesem Wort ist im Grunde genommen alles enthalten, alles. Aber in einer unvollkommenen Welt ist auch die Liebe nicht vollkommen. Das soll euch nicht etwa deprimieren, sondern es soll euch bewusst werden, dass ihr in einer unvollkommenen Welt lebt und dass ihr hier das Beste zu machen habt, was in dieser Welt möglich ist, und was im Göttlichen in höchster, vollkommener Art zum Ausdruck kommt. Ihr sollt euch klar darüber werden, dass es sowohl bei der Hoffnung als auch in der Liebe den Grad des Vollkommenen nur im Jenseits, nur in der Gotteswelt gibt. Euer Leben ist ja vergänglich. Man kann euch Hoffnung machen in dieser Welt, ihr könnt Liebe empfangen in dieser Welt als Mensch, solange ihr lebt; dieses alles ist auf euer irdisches Dasein begrenzt.
In der Jenseitswelt gibt es auch Hoffnung; sie ist aber lebendig, sie ist vollkommen. Bei uns gibt es auch Liebe, und auch sie ist vollkommen. Vollkommen ist sie aber nur in den höheren Stufen – das möchte ich deutlich zum Ausdruck bringen, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen; denn in den Aufstiegsstufen ist es noch nicht vollkommen. Vollkommen ist es in Gottes Nähe, vollkommen ist, was aus Gott herausgeht. Den vollkommenen Grad allen Erlebens gibt es in Gottes Nähe, in jenen hohen Stufen der himmlischen Fürsten, die im Hause Gottes ein und aus gehen können und dürfen. Die Liebe in ihrer Vollkommenheit ist dort zu erreichen, wo der König seinen Thron hat, wo er sich bewegt. Also sollt ihr wissen, dass in den Aufstiegsstufen im Umgang mit den Geistgeschwistern noch keine vollkommene Liebe zu erleben ist. Ich habe euch vorhin etwas weit, vielleicht sogar zu weit hinaufgehoben. Vielleicht liegt es einfach in meinem Wesen, dass ich manchmal zu weit gehe ...
Jetzt möchte ich von der vollkommenen Hoffnung in der jenseitigen Welt reden. Wer zu uns kommt und dort Hoffnung erlebt und Trost erlebt, der weiss: Diese Hoffnung ist lebendig, weil sie erfüllt wird; sie ist nicht etwas Zeitbedingtes wie beim Menschen. Beim Menschen ist die Hoffnung ja nur auf Zeit, in der Gotteswelt ist es aber nicht so. Hoffnung wurde den geistigen Wesen schon bald nach ihrem Sturz [aus den Himmeln] gebracht, Hoffnung, die sich erfüllte, die lebendig wurde. Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich diese Hoffnung erfüllen würde. Was dem Einzelnen, der zu uns in die göttliche Welt kommt, an Hoffnung gegeben wird, das geht in Erfüllung; es ist und wird lebendig. Diese Hoffnung zu vernehmen, ist für den Betreffenden auch tröstlich, weil es ihm Mut gibt, weil er mehr Kraft bekommt, weil mehr Ruhe zu ihm gelangt und er mehr Ausdauer erhält. Er versteht besser, er wartet auf Besseres, weil er ganz genau weiss: Das, was ihm an Hoffnung gegeben ist, wird sich bei ihm erfüllen.
Spricht ein Engel diese Hoffnung aus, so ist es Wahrheit. Es ist keine Vorspiegelung falscher Tatsachen, wie es bei den Menschen geschieht, wo man einen tröstet, ihm Hoffnung gibt, auch wenn man genau weiss, dass sie sich nicht erfüllen wird. Das ist ja eben das Unvollkommene. Aber es ist doch notwendig, dem Menschen den Trost und den Beistand zu geben, damit er Kraft findet im Leben. In der geistigen Welt erfüllt sich die Hoffnung, die einem gegeben wird. Und so sich der Betreffende in die Gesetze und in das geistige Leben vertieft, bedeutet ihm diese Hoffnung auch etwas. Und Hoffnung wird dem gemacht, der womöglich in einer Bedrängnis ist; ihm muss man doch Hoffnung machen auf das Kommen besserer Zeiten, auf schönere Erlebnisse oder eben: dass seine Bedrängnis, in der er lebt, nicht ewig dauert, sondern dass sie vorübergeht und er hoffen und sicher sein kann: “Es ist Wahrheit, diese Bedrängnis geht vorüber. Diese Hoffnung, die man mir macht, ist wahr.” Das ist Lebendigkeit, das ist wahre, lebendige Hoffnung, die für den Einzelnen in den Aufstiegsstufen von grosser Wichtigkeit ist. Er muss wissen: “In dieser Hoffnung, die man mir gibt, werde ich nicht enttäuscht werden.”
Bei den Menschen dagegen kann einem falsche Hoffnung gemacht werden. Aber in der Gotteswelt geht alles nach dem Gesetz und der Ordnung; hier werden keine falschen Hoffnungen gegeben. Allenfalls wird geschwiegen. Geschwiegen wird dann, wenn man sieht, dass einem das Verständnis dafür fehlt; dann schweigt man und gibt keine falsche Hoffnung, und der Betreffende lebt sein Geistesleben entsprechend seiner geistigen Entwicklungsstufe. Wenn aber einer in Bedrängnis ist und es versteht, was es bedeutet, wenn er ein göttliches Wesen vor sich erlebt, das ihm in seiner bedrängten Lage Trost und Hoffnung gibt, dann weiss er: “Was man mir sagt, ist Wahrheit”, und er klammert sich an diese Hoffnung auf eine bessere Zukunft; er klammert sich daran, denn er weiss: “Es ist Wahrheit, es wird in Erfüllung gehen.” Das ist der Unterschied zur Hoffnung beim Menschen. Darum ist die Hoffnung in der Gotteswelt etwas, was vollkommen ist.
So ist es auch mit der Liebe, wie ich euch erklärte. Die Liebe beinhaltet alles. Aus Liebe liess Gott seinen eingeborenen Sohn in das menschliche Dasein treten. Aus Liebe und Erbarmen zu seinen Geschöpfen hatte er Wege ebnen lassen zu ihrer Heimkehr und ihnen die Hoffnung darauf gegeben. Das, was vom Himmel, was von der Gotteswelt kommt, das ist Wahrheit, das ist echt, das ist vollkommen, das ist ohne Täuschung. Denn schlussendlich muss ja alles zurückkehren, es kommt ja alles zurück. Und die Hoffnung und die Liebe unterstützen diese Wesenheiten in ihrem Aufstieg zu Gott.
Hoffnung und Liebe sind notwendig auf dieser Welt. Denn ohne Hoffnung und Liebe wäre wohl das Leben zu schwer. Es kommt aus der Liebe des Menschen, wenn er in dieser unvollkommenen Welt Erbarmen zeigt. Und dieses Erbarmen zeigt man seinem Mitmenschen, indem man ihm hilft, ihm beisteht, seine Leiden lindert, seine Not lindert – auf menschliche Art und Weise hilft man, auf dieser Welt sind ja Menschen. In der Gotteswelt, da erlebt man eben die vollkommene Liebe. Aber wann versteht man diese vollkommene Liebe und diese grosse Hoffnung? Man versteht sie auch in der jenseitigen Welt nicht ohne Weiteres. Denn wenn man einem aufsteigenden Wesen erklärt, welchen Weg es noch zu beschreiten hat, wie schmerzhaft er sein kann, dass die Bedrängnis aber vorübergehen wird und man überwinden muss und in der Hoffnung leben darf, dass es wahrhaftig vorübergeht und dann das Bessere kommt, so stärkt dies in der geistigen Welt jene Wesen, die bereits in höherer geistiger Erkenntnis leben und die auch ein besseres Empfinden haben als üblicherweise ein Geist des Aufstieges; sie mögen es ahnen, was vollkommene Hoffnung heisst, und sie mögen sich an diese Hoffnung und an die Liebe Gottes klammern. Und dann sind sie auch bereit, den schweren Weg menschlichen Daseins zu beschreiten, weil in ihrem Innersten, in ihrer Seele, die höhere Erkenntnis ist von der wahren Begebenheit, von der Erfüllung dieser Hoffnungen und vom Erfüllen der Liebe und des Miterlebens von Hoffnung und Liebe.
Ich weiss nicht, ob jedes von euch versteht, was ich damit sage und sagen will. Der Unterschied von eurer Welt zu unserer Welt ist eben ziemlich gross ... Dass wir unsere Freuden haben und in Freuden leben dürfen und dass unser geistig göttlich Dasein auch voll angenehmer Überraschungen ist, das ist für uns auch ein Stück Lebendigkeit. Wie euch längst erklärt wurde, wird diese himmlische Welt oder werden die Umgebungen in ihrem Aussehen ja immer wieder verändert; es gibt immer wieder neue Überraschungen. Und je weiter nach oben es geht, desto grösser und vielfältiger sind diese Überraschungen und desto schneller folgen sie aufeinander. Man braucht also nicht so lange auf eine nächste angenehme Überraschung zu warten; man kann sie oft nacheinander erleben. Es kommt vielleicht noch darauf an, in welcher Tätigkeit man ist, welche Aufgaben man zu erfüllen hat. Wenn ihr euch nun überlegt, dass ich durchschnittlich einmal des Monats die Möglichkeit habe, mich bei euch kundzutun und euch den Himmel zu offenbaren, so bleibt mir ja noch viel Zeit übrig, um Schönes zu erleben, auch wenn ich mich auch noch mit andern befassen muss.
Jetzt zu etwas anderem – doch nichts von Gnomen, nichts von Elfen [wie bei den letzten beiden Malen], nein. Ich möchte euch auf meine Art, auf meine Weise einen Erlebnisbericht geben von einem Menschen, der starb und zu uns gekommen ist. Ich dringe ja mit meinen Begleitern in diese irdische Atmosphäre hinein, ich begebe mich ja unter euch und zu weiteren Freunden, ich halte mich auch auf in dieser irdischen Atmosphäre, unter den Menschen. Ich mache meine Beobachtungen, und das gehört auch zu meiner Aufgabe. So hatte ich einen Menschen beobachtet, der da gelebt. Es war ein Mensch, zu dem in der geistigen Welt auch von Hoffnung geredet wurde. In seinem früheren menschlichen Dasein hatte er sich sehr belastet, und er war dementsprechend in der geistigen Welt bestraft worden. Diese Strafe allein genügte aber nicht; er wurde gezeichnet für ein weiteres Erdenleben, in dem er wiedergutmachen sollte, was er in einem früheren Dasein verschuldet hatte.
Als er für dieses neue menschliche Dasein vorbereitet wurde, wurde ihm auch Hoffnung gegeben auf ein besseres Leben in späteren Zeiten. Aber diese Hoffnung gelangte nicht in die Tiefe seiner Seele; er wusste mit dieser Hoffnung nichts anzufangen. Er hörte zwar: “Ja, es kann einmal besser werden”, aber sein Glaube daran war nicht wirklich vorhanden. Er stand ja viel zu tief unten in der Geistesstufe, als dass er mit diesem Wort “Hoffnung”, mit seiner wahren Bedeutung, etwas hätte anfangen können. Aber er nahm die Hoffnung mit sich: “Also, gelegentlich wird es dann einmal besser gehen ...”
So kam er in ein menschliches Dasein, in dem er gezeichnet war durch ein beschränktes Denken. Was ich euch jetzt berichte, geschah in einer längst vergangenen Zeit, in einer Zeit, wo man sich des einzelnen Menschen in seiner Notlage und Bedrängnis nicht so besonders annahm, wie es bei euch der heutige Fortschritt mit sich gebracht hat. Es war also eine Zeit, wo man solche Menschen in ein besonderes Haus brachte, entweder in ein sogenanntes Irrenhaus oder in ein Armenhaus, wie es zu jener Zeit genannt wurde. Dahin brachte man jene, die nirgends zu Hause waren und die ihren Platz in der Gesellschaft der Menschen nicht haben konnten. Stand es schlimm um einen Menschen, kam er in das Irrenhaus, andernfalls fristete er eben sein Dasein in einem solchen sogenannten Armenhaus.
Dieser Mann, von dem ich berichte, war, wie ich erwähnt habe, in seinem Denken beschränkt. Arbeiten konnte er wohl, doch fiel es ihm schwer, die Arbeit immer so auszuführen, wie es von ihm verlangt wurde. Er wurde auch seines Aussehens wegen oder – wie soll ich das sagen? – seines Getues wegen sehr oft ausgelacht. Er war also für die andern Menschen einer, der eben beschränkt war. Und dieser beschränkte Mensch musste jetzt ein solches Leben auf sich nehmen, weil er sich in seinem Vorleben zu sehr belastet hatte. Jetzt wurde er doch in seiner Seele erniedrigt, soweit es ihm möglich war, diese Erniedrigung wahrzunehmen. Er wurde also ausgelacht, sehr oft ausgelacht von den Mitmenschen.
Manche, denen es auch so ergeht, werden dann sehr oft wütend und jähzornig. Er aber wurde nicht wütend und auch nicht jähzornig; doch es schmerzte ihn, es tat ihm weh, zu sehen, dass er nicht war wie die andern und dass man ihn auslachte und ihm so verschiedene Spottnamen gab. Das tat ihm weh, das verstand er wohl. So lebte er das ganze Leben in diesem Armenhaus und wurde von der Umwelt nur ausgelacht und nicht ernst genommen.
Nun kam ja für ihn auch die Stunde, wo er sich von dieser Welt trennen durfte. Es wird euch jeweils erklärt: Legt man den irdischen Leib ab, so ist der Geist klar in seinem Denken, er erkennt die Veränderungen, und er erkennt nun auch, was er in seinem zurückgelegten Leben erlebt hat. Die ganze Wesensart eines Heimgekehrten, seine ganze Ausdrucksart, also sein Benehmen, kommt ja in der ersten Zeit in der jenseitigen Welt genauso zum Ausdruck wie einst als Mensch. Zwar kann die Seele als solche oder das geistige Wesen als solches nicht beschränkt sein. Aber das Denken und das Fühlen, das man hatte zur Zeit des menschlichen Lebens, ist in der ersten Zeit nach dem Sterben noch nicht ausgesondert oder ist noch nicht entflohen. Der Geist nimmt ja die Gefühle in seine Seele hinein; die Seele nimmt die ganzen Kräfte, die den irdischen Leib durchflutet hatten, das ganze irdische Od, mit zu sich hinein. Und darum hat ein Verstorbener in der ersten Zeit noch dieselbe Ausdrucksweise wie einst als Mensch. Bei dem einen mag es etwas schneller gehen, dass es zu einer Reinigung seines Odes kommt, bei dem anderen geht es eben etwas länger – das kommt ganz auf den Zustand seines Odes an, auf die Belastung oder auf die Farbe seines Odes. Je klarer das Od wird, desto schneller wird er zu klarem Denken und Handeln kommen. Ist bei einem Wesen die Fähigkeit, zu einem normalen Denken und zu richtiger Erkenntnis zu kommen, noch nicht vorhanden, dann benimmt es sich in der ersten Zeit in der jenseitigen Welt eben noch genauso wie als Mensch. Das ist euch schon öfters erklärt worden, aber ich muss es nochmals betonen, denn ich will das begründen, was ich euch jetzt zu sagen habe.
Ich hatte nun diesen Heimgekommenen beobachtet und auch gesehen, welcher Tätigkeit er sich hingab. Er war ein Geistwesen, dessen sich die Geisteswelt Gottes nicht sofort angenommen hatte; das heisst, man hatte ihn wohl in die jenseitige Welt hinübergeleitet, aber man liess ihm die Freiheit. Dieses Geistwesen hatte ja nur ein Verlangen: wieder zurückzukehren in die Welt, in der es gelebt hatte; es war also in seinem Denken noch so belastet. Man hatte diesen Betreffenden also nicht in eine Schule geführt, um ihn in den geistigen Gesetzen zu unterrichten; denn dafür fehlte ihm noch die Aufnahmefähigkeit. Was man hätte tun können, war, ihn in ein geistiges Spital zu bringen, wo man ihn hätte betreuen und mit geistigen Medikamenten in einen geistigen Schlaf bringen können. Doch es bestimmt die Geisterwelt Gottes, wer in ein solches geistiges Spital begleitet oder geführt werden darf, wer würdig ist, diesen Vorzug zu erhalten, auf diese Weise besonders betreut zu werden, um so seinen Aufstieg oder seine Klärung oder Besserung zu finden. Darüber urteilen eben ganz bestimmte Geister Gottes, was mit einem solchen Heimgekehrten zu geschehen hat: ob man ihn in ein solches Spital nimmt oder ob man ihn in seiner Freiheit belässt, bis er sich selbst durchringt und selbst zu besseren Erkenntnissen kommt und grössere Klarheit findet. So liess man diesen Betreffenden eben gehen, und so fand er den Weg zurück zu den Menschen.
Er ging aber nicht in das Haus, in dem er gelebt hatte; zu schlecht war seine Erinnerung daran, dorthin wollte er nicht mehr gehen. In der kurzen Zeit seiner geistigen Schau in der Jenseitswelt hatte er diese erkannt, das heisst, er hatte erkannt, dass es eine andere Welt gibt, in der man als Geist lebt. Er hatte wahrgenommen, dass der irdische Leib vergänglich ist und man ihn der Welt zurücklässt und man nun als geistiges Wesen weiterlebt. Das hatte er erkannt. Aber sein Od und damit auch sein Denken waren noch so getrübt, dass er nicht fähig war, zu höherer Erkenntnis und besserem Handeln zu kommen. Dennoch aber hatte er in sich ein Verlangen, etwas zu tun, um aus dieser Atmosphäre von Bedrängnis und Erniedrigung herauszukommen. Er hatte die Erinnerung an bestimmte Erlebnisse in sich; sie waren in ihm so lebendig und veranlassten ihn zum Handeln. Er hatte in Erinnerung, dass man in das Haus, in dem er gelebt, jeweils Männer hinbrachte, die sich dem Trunk hingegeben hatten. Man hatte sie auf der Strasse aufgelesen, sie in dieses Armenhaus gebracht und in eine dunkle Kammer gesperrt, in der sie so zwei, drei Tage ihren Rausch ausschlafen mussten. Und das hatte jeweils auch dieser Betreffende gesehen. Er hatte Mitleid mit diesen Menschen, die da gebracht wurden; diese Gefühle des Erbarmens hatte er. Er wusste, was mit jenen geschah, er kannte die Kammer, in welche man sie hineinführte; er hatte sie des Öftern gesehen, aber er selbst musste nie dort hineingeführt werden. Es hatte ihn also in seiner Seele beschäftigt und ergriffen, dass es das gibt, dass man diese Menschen da einsperrt und am Schluss mit Schimpf und Schande davonjagt.
Nun glaubte er, hier eine Aufgabe erfüllen zu können: Er wollte jetzt solches verhüten und sich damit den Himmel verdienen. Und was tat er? Er ging zu den betreffenden Gaststätten und stellte sich da vor die Türe. Die Menschen konnte er freilich nicht aufhalten hineinzugehen; sie hatten ihren Willen und traten einfach ein. Aber es waren auch geistige Wesen da. Auch sie füllten diese Gaststätten, sie gingen mit den Menschen hinein, belustigten sich und hatten den Drang mitzutrinken und übten so ihren Einfluss aus auf die Menschen.
Das wollte nun dieser Betreffende verhüten. Er glaubte, den Kampf aufnehmen zu dürfen mit diesen geistigen Wesen und sie daran hindern zu können, auf diese Menschen Einfluss zu nehmen oder überhaupt in diese Stätten hineinzugehen. Da aber ein Geistwesen nicht auf die Türe angewiesen ist – es durchdringt ja die irdische Materie –, war das Lokal ja offen für sie. So kamen sie von allen Seiten her und konnten hineindringen. Und da sah nun unser Bruder doch verschiedene Geistwesen, wie sie da in diese Gaststätten hineingingen, sich zu den Menschen setzten und diese eigentlich in Versuchung führten. So glaubte er, es wäre nun seine Aufgabe, den Kampf aufzunehmen mit diesen Wesen. Er versuchte sie aufzuklären, dass sie solches nicht tun dürften, dass es eine grosse Sünde sei und sie bestraft würden. Und so kam er des Öftern sogar in einen gewissen Streit mit ihnen.
Nun, das Tun dieses Geistbruders wurde von der Geisterwelt Gottes schon beobachtet, doch man griff noch nicht ein. Man griff nicht ein, weil man einfach die Zeit und die Klärung seiner Seele noch nicht für gekommen hielt. Er war in seinem Denken noch nicht so weit. Sonst hätte man ihn dann eben in ein solches geistiges Spital führen müssen, und das war in seinem Fall nicht gestattet; denn er war auf eine Weise belastet, dass ihm das nicht erlaubt werden durfte.
Dazu möchte ich noch nebenbei erwähnen, was wir euch auch schon gesagt haben. Es ist nämlich so: Wenn wir einen bestimmten Geist beobachten und zu ihm hingehen – so wie ich jetzt zu diesem geistigen Bruder hingegangen bin und ihm gesagt habe: “Ja, weisst du, das, was du tust, ist gut und recht, aber es hilft dir natürlich nicht so besonders weiter”–, so hört ein solcher belasteter Geist ja gar nicht darauf, was man ihm sagt. Er weiss es besser, denn er fühlt sich belastet und schuldig und will etwas abtragen; er will etwas guttun auf seine Art und Weise, und so sieht er seine Aufgabe. Ich sehe das, ich nehme Notiz davon. Aber nicht ich allein sehe dieses Geistwesen auf diese Weise da wirken; es sind ja noch viele andere helfende Geschwister, die sich darum kümmern und bemühen. Dann spricht man miteinander über den Betreffenden, und wir geben ihm einen Namen. Wir geben ihm aber nicht den Namen, den er im Erdendasein getragen hatte. Hätte ich diesen Bruder, von dem ich berichte, danach gefragt, wie er geheissen oder wie man ihn gerufen hatte, hätte er mir diesen Namen schon gesagt, aber mit diesem Namen wollte ich ihn ja gar nicht mehr nennen. Denn wir haben für solche Geistwesen natürlich unsere eigenen Namen, genauer gesagt Übernamen. Diesem Betreffenden nun, der es ja gut meinte, aber das Falsche tat, gab man auch einen solchen Übernamen. Dieser kommt nicht von mir, sondern von einem anderen Geistgeschwister; denn wir besprechen uns miteinander über dieses und jenes Geistwesen für die Förderung ihres Aufstiegs, also müssen wir sie ja schliesslich auch bei einem Namen nennen, obgleich wir sie auch bildlich vor uns sehen. Diesen Geistbruder nun nannten wir den “Polizeirat”, denn er spielte im gewissen Sinne Polizist.
Und so wussten wir alle in unserer Gruppe, die wir uns mit ihm befassten, was es bedeutete, wenn es hiess: “Der Polizeirat ist noch nicht weiter, wir müssen mit ihm noch Geduld haben.” Das will natürlich nicht heissen, dass wir daran unsere Freude gehabt hätten, aber ich will damit sagen, dass wir die Dinge nicht immer so bitterernst nehmen, wie sie sind; also das dürfen wir doch nicht, denn wir haben doch schliesslich auch etwas Gemüt, und wir sehen in die Zukunft. Die Hoffnung, die wir diesen Geistgeschwistern geben, ist ja etwas Lebendiges, und wir bringen ihnen lebendige Liebe. Und so ist es für uns eben nicht so schwer. Also haben wir uns in diesem Fall über diesen Polizeirat stets informiert und uns über ihn unterhalten, und wir haben gefunden, dass es noch nicht so weit sei, um einzugreifen. Wir liessen ihn, und er war so eifrig in seinem Tun: Er hielt diesen auf, hielt jenen auf, drohte dem und drohte diesem, er würde von Gott bestraft und so weiter, und er glaubte, damit könnte er jetzt seinen Himmel gewinnen.
Schliesslich kam es dann mit diesem Bruder doch so weit. Er war einmal sehr traurig, weil er von den andern ganz unsanft weggeschoben worden war, weil man von ihm nichts wissen wollte. Er war traurig, dass die himmlische Welt sich seiner nicht mehr annahm, und überhaupt, dass sie nicht eingriff gegen diese niederen Geister, welche die Menschen in Versuchung führen, und die Gotteswelt das nicht endlich einmal abstellte, so wie er sich ausdrückte. Da beobachtete ich, wie ein helfender Geist Gottes besonderes Erbarmen mit ihm hatte und sich seiner besonders annahm. Er erklärte ihm: “Siehst du, auf diese Art und Weise kommst du nicht vorwärts. Ich will mich deiner annehmen, aber du musst mir Gehorsam leisten, du musst den Weg gehen, den ich dir erkläre.” Er musste ihm fest zureden, und auch wir, eine kleine Gruppe, die wir uns solcher ärmsten Geschwister annehmen, haben ihm zugeredet. Das hat ihm nun Eindruck gemacht. Plötzlich sah er uns anders als am Anfang, als sein geistig Auge noch so getrübt war. Bisher hatte er uns wohl als geistige Wesen gesehen, aber wir waren für ihn so, wie er selbst aussah; er konnte uns gar nicht anders sehen. Indem wir ihm nun so zusprachen, änderte sich sein Denken doch etwas; er wurde willens, sich führen zu lassen. Und in diesem Moment wurde auch sein geistig Auge etwas geläutert, und so sah er uns anders. Mit helleren Augen, mit klareren Augen sah er uns und war erstaunt über unser Aussehen. Und dann, als wir mit ihm sprachen und ihm zuredeten, hatte er das Gefühl, der Himmel hätte sich für ihn aufgetan, er wäre jetzt aufgenommen worden vom Himmel und Gott hätte ihm die Engelswelt gesandt, um sich seiner anzunehmen. Nun haben wir ihn eben aufgeklärt, und er wurde von dem betreffenden Geist, der sich seiner besonders annahm, belehrt und geführt. Nun hatte er kein Verlangen mehr, diese Gaststätten aufzusuchen. Jetzt ging er den Weg, den dieser Geist Gottes ihm zeigte, den er gehen musste. Er schenkte ihm Gehorsam, und wir freuten uns darüber.
Das ist also ein Erlebnis, von dem ich euch – so nebenbei – auch berichten wollte. Diesem Betreffenden ist auch Hoffnung gegeben worden, lebendige Hoffnung. Und diese lebendige Hoffnung, die ihm gegeben wurde, gab ihm Mut und Zuversicht. So änderte er durch diese lebendige Hoffnung seine Gesinnung, die er bis anhin hatte. Er erklärte sich bereit, sich führen zu lassen, weil sich eine andere Welt vor ihm auftat und er sich an diese Hoffnung klammerte: an die Hoffnung auf etwas Besseres, das auf ihn wartet, und darauf, dass die Bedrängniszeit und sein belastetes Denken vorübergehen, dass es so werden wird, wie man es ihm sagte: “Du wirst klarer sehen, und du wirst klarer denken können. Etwas Zeit musst du dir schon noch geben, du musst schon noch etwas warten; aber freue dich darauf, es wird besser werden. Licht wird dich umgeben, und man wird dir helfen, und Gott wird dir verzeihen. Du wirst begreifen und verstehen, warum du diesen schweren Weg gehen musstest. Freue dich auf die Zukunft, denn anderes, Besseres wirst du erleben, Schöneres wartet auf dich.” Und die Hoffnung auf das, was man ihm sagte, erfüllte ihn. Und die Liebe, die man ihm gab, die Aufmerksamkeit und die Zuneigung gaben ihm die Kraft, zu einem besseren Denken zu gelangen und sich führen zu lassen.
Sich führen zu lassen, liebe Geschwister, das ist es, was man auch lernen sollte, wenn der Himmel sich auftut und das Wort Gottes so nahe zum Menschen kommt.
Aber jetzt, liebe Geschwister, die Zeit ist vorgerückt. Ich überlasse euch alle dem Schutze und dem Segen Gottes. Er lasse euch begleiten, damit ihr behütet und bewahrt bleibt vor Gefahren. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.1.1977 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1951 und 1954
Lieber Josef, darfst du mir wohl sagen, ob ich eine Schuld abzutragen habe, da so viel seelisches und anderes Leid über mich gekommen ist, woraus ich keinen Ausweg finde? Darf ich dich herzlichst um einen Trost und Rat bitten?
Josef: Ja, meine liebe Seele, weisst du, in vielen Dingen brauchtest du eigentlich nur mehr Mut zu haben. Denn oftmals ist die Hoffnung, die Freude, das Glück in deiner Nähe, und du verstehst es nicht, zuzugreifen. Du sollst nun deinen Engel, der dich behütet, bitten, dass er dich führen möge und dass du Freude empfangen darfst. Denn der Mensch soll nicht glauben, dass es immer eine Belastung oder ein Karma ist, wenn Leid über ihn gekommen ist. Oft entstehen solche Verhältnisse durch den Menschen selbst, weil er nicht die Kraft hat, aus sich herauszugehen, weil er nicht den Mut hat, einen Strick zu zerreissen, der schon längst morsch ist und wozu es keiner grossen Anstrengung mehr bedarf. Aber dieser Strick sollte zerrissen werden, und so wäre dann auch der Durchgang frei. So, liebe Seele, wird die Zeit kommen, wo eine solche Welle dich umgibt und wieder Freude zu dir kommt. Doch bitte inständig darum. (1951)
Lieber Josef, wie soll man sich einem Kranken gegenüber verhalten, der nicht weiss, dass ihm nicht mehr zu helfen ist? Darf man es ihm sagen?
Josef: Liebe Freunde, wir vom geistigen Standpunkte aus befürworten das, was nicht zum Schaden ist für den Betreffenden. Versucht zuerst zu erforschen, ob es der Kranke wünscht, dass man ihm die Wahrheit sagt. Wenn dies sein fester Wille ist, dann soll man es tun. Findet man aber ein solches Menschenkind zu schwach, klammert es sich noch so an das Leben, dann soll man ihm den Sachverhalt umschreiben. Ich will damit nicht sagen, dass man ihm dann etwas ganz Verkehrtes zu sagen habe. Sondern es gibt so viele Möglichkeiten, den Menschen zu trösten, auf dass er mehr Hoffnung hat. Was man ihm sagt, darf auf ihn nicht wie ein Schock wirken.
Denn ist ein Mensch in seinen Gefühlen zu wenig verfeinert, dann ist er nicht fähig, das zu verarbeiten. Der Geist des Kranken aber sieht ja, wie es um seinen Körper steht; er sieht auch die Stunde der Befreiung nahen. Dem Geiste wird diese Erkenntnis nicht schwerfallen. Wenn aber ein Mensch nicht gläubig ist, dann ist er geistig auch nicht so gehoben; und es ist für ihn nicht von Schaden, wenn ihm der wahre Sachverhalt verschwiegen wird. Denn trennt er sich dann vollständig vom Körper, so nehmen ihn seine Lieben in der geistigen Welt auf, erklären ihm alles und trösten ihn. Das ist dann viel besser, als wenn man ihn am Ende seines Lebens noch in einen grossen Schock versetzt hätte. Denn nimmt ein Mensch das Gefühl des Entsetzens, dass er sterben muss, mit in die jenseitige Welt hinüber, so machen sich diese Gefühle in der ersten Zeit des geistigen Lebens bemerkbar, trotz den Erkenntnissen des Geistes. Ist er jedoch frei von solchen Gefühlen, ist es besser für ihn.
Ihr könnt dies mit euch selbst vergleichen. Im erregten Zustande seid ihr nicht fähig, einem Menschen ein gutes Wort zu geben oder ihm etwas zuliebe zu tun, selbst wenn ihr in eurer Seele gut seid und dem andern sonst jede Gefälligkeit erweisen würdet. Es braucht eine Zeit, um sich von einer Erregung zu lösen. Ist sie vorüber, dann seid ihr wieder bereit, dem Nächsten dienstbar zu sein und ihn zu verstehen. Aber so wie ihr euch selbst zuerst von einer Erregung befreien müsst, so ist es bei einem solchen Geistwesen der Fall. (1954)