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Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Gott hat ihn nach seinem Bilde geschaffen und ihm geistige Kostbarkeiten in die Seele gelegt. Diese Kostbarkeiten sollte der Mensch genauso pflegen wie seinen Körper. Er sollte die inneren Werte wie Liebe, Güte, Glauben, Wohlwollen aufbauen, bewahren und im Alltag umsetzen. Geistlehrerin Lene erläutert in diesem Heft, wie man diese Werte durch geistiges Training und tägliche Selbstprüfung stetig höherentwickeln und seine Seele wieder zu einem göttlichen Tempel gestalten kann – zu seiner eigenen Freude und zur Freude seiner Nächsten.
In einem weiteren Vortrag in diesem Heft berichtet Geistlehrer Josef von der Heimkehr eines Mannes, der in seiner grossen Geschäftigkeit die Pflege seiner Seele vernachlässigt hatte. In der geistigen Welt erhält er die Gelegenheit, zuerst einmal seine Hast abzulegen und zur Ruhe zu kommen. So wird es ihm mit der Zeit möglich, die Gesetze der neuen Welt schätzen zu lernen und seine Strebsamkeit auf höhere Werte zu richten.
Josef, 17. November 1951
Die Seele will leuchten, sie will wirken, und sie will die Aufmerksamkeit auf sich lenken zur Freude des Nächsten. Deshalb ist es eine Notwendigkeit, jeden Tag die Seele zu pflegen und darüber nachzudenken, wessen sie bedarf.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, ich möchte ausrufen: Alles, gar alles bedarf seiner Pflege. Dein Haus muss gepflegt werden, wenn es an seinem Wert nichts einbüssen soll; deine Kleider wiederum müssen gepflegt sein, sonst werden deine Nächsten Abstand von dir nehmen; dein Körper muss ebenfalls gepflegt werden, sonst wirst du krank.
Nun, mein lieber Freund, es bereitet dir wirklich Mühe, dein Haus zu pflegen. Für viele Menschen ist es schon mühevoll, ihre Kleider zu pflegen, denn sie müssen so notwendig von Zeit zu Zeit gewaschen, gereinigt und gelüftet werden. Denn wenn du in schmutzigen Kleidern einhergehst, schenken dir deine nächsten Freunde nicht dieselbe Aufmerksamkeit, du stösst sie ab. Also wird schon von dieser Seite her eine besondere Pflege verlangt von dir. Und das gilt auch für deinen Körper. Wie vielen Menschen bedeutet es aber ebenfalls so viel Mühe, ihren Körper zu pflegen.
Nun, so notwendig ist es auch, dass der Mensch seine Seele pflegt. Denn auch die Seele bedarf der Pflege, lieber Freund; sie will leuchten, sie will an den für sie bestimmten Platz geführt werden. Ich möchte dir dafür einen Vergleich geben mit einem kostbaren Gemälde. Wenn du ein solches besitzt, musst du auch ihm seinen bestimmten Platz einräumen und es pflegen, dass es seinen Wert behält. Du darfst es nicht einfach in einen feuchten Keller stellen. So würde dein kostbares Bild Schaden erleiden und dann wertlos sein. Pflegst du hingegen ein solches Bild, wirst du es auch seinen bestimmten Platz einnehmen lassen. Denn dieses kostbare Bild will strahlen, es will die Aufmerksamkeit auf sich lenken, es will dem Menschen Freude bereiten. Und so die Seele, liebe Freunde. Es muss auch die Seele gepflegt werden, und auch die gute Seele will ihren bestimmten Platz einnehmen, denn auch sie will nicht nur die Aufmerksamkeit der Umgebung, sie lenkt sie wirklich auf sich. Diese gute, schöne Seele ist es, die einerseits die Menschen sichtbar beglückt, anderseits unsichtbar – sichtbar, indem sie gute Werke tut, unsichtbar, indem sie ihre Kraft und ihren Glanz ausstrahlt. Eine solche Seele soll zur Freude der ganzen Umgebung werden. Was ich aber damit sagen will, ist, dass es so notwendig ist, dass die Seele wirklich gepflegt wird.
Ich möchte dafür nur zwei Beispiele geben. Wenn, sagen wir, in eurer Stadt plötzlich ein Aufruf erginge, der einem Befehl gleichkäme, dass nun während einer Woche oder mehr alle Menschen zueinander besonders höflich oder freundlich sein sollen, und der Aufruf ginge durch alle Zeitungen, und, ja, mit Lautsprechern in den Strassen würden die Menschen aufgefordert, freundlich zu sein, so würde ein jeder Mensch versuchen und sich tatsächlich Mühe geben, überall freundlich zu sein – weil er dazu aufgefordert wird, weil Stimmen ihm zurufen: “Mein Freund, gib deinem Nächsten ein gutes Wort.” Vielleicht gehört er zu denen, die sich nicht gewohnt sind, freundliche Worte aufzunehmen oder zu empfangen. Du beglückst den Menschen mit deiner Freundlichkeit, und mit deiner Freundlichkeit bekämpfst du eine über die ganze Welt verbreitete Krankheit: das nervöse Hasten der Menschen. Also wirke mit, kämpfe gegen diese Krankheit an, sei immer höflich und gut. Glaubt, liebe Freunde, dass wirklich Tausende und Abertausende von Menschen diesem Befehle nachkommen und sich bemühen würden, gut und freundlich zu sein, zu Hause, im Geschäft, auf der Strasse, überall. Wenn man es von ihnen verlangt, wenn man es ihnen zuruft, wenn man sie auffordert, gut zu sein, dann tun sie es. Vergessen aber sind die guten Vorsätze, vergessen die Höflichkeit, vergessen die Liebenswürdigkeit in dem Masse, wie sie sie befolgten, sobald diese Zeit vorüber und die Worte verklungen sind.
Ein weiteres Beispiel. Kommt eine Katastrophe über ein Land, werden die Menschen aufgefordert, den Armen dort aus ihrer höchsten Not zu helfen. Und so viele Menschen sind sogleich zu geben bereit, wiederum deshalb, weil sie aufgefordert werden, zu helfen, gut zu sein; so sind sie bereit, es zu tun. Und ist wieder eine Zeitspanne vorüber, sind diese armen, Not leidenden Menschen bald vergessen. Aber vergessen hat der Mensch nicht, was er gegeben hat, denn noch manchmal wird er sagen, dass er auch soundso viel beigesteuert habe; das vergisst er nicht. Und wenn wieder jemand an seine Türe pocht und für arme Menschen bittet, dann sagt er, er habe schon gegeben.
Liebe Freunde, ich möchte ganz leise an euch treten. Ich will euch auch begreifen, aber ich möchte euch helfen, etwas zu überwinden. Denn besonders heute ist es so: Wenn die Menschen nicht in der Lage sind, ein grosses Geldstück auszuhändigen, wollen sie lieber nichts geben. Dabei vergessen sie, dass viele kleine Münzen auch eine grosse Summe ergeben können. So möchte ich dir sagen, lieber Freund, dass du auch eine kleine Münze geben kannst, deiner Situation entsprechend, in der du dich befindest. Geht es dir gut, dann gib etwas mehr. Hast du selbst wenig, gib mit Freuden, von Herzen von dem wenigen, und schäme dich nicht, von diesem wenigen zu geben. Gib gerade so viel und das, was dir deine momentanen Verhältnisse erlauben, und so ist es gut. Denn viele sind es, die lieber nichts geben, wenn man die Hand hinhält und man sehen kann, was gegeben wird; denn dann wollen viele nur ein gutes Stück geben. Und so sage ich euch, schämt euch nicht, eine kleine Münze zu geben, wenn man an eure Türe klopft, und glaubt nicht immer, dass ihr nur viel geben müsst. Ich betone: Gib deinen Verhältnissen, deiner besonderen Lage entsprechend.
Ja, lieber Freund, nun kannst du mich vielleicht besser verstehen, denn es geht darum, die Seele, das Geistige zu pflegen, und wenn man diesem die Pflege versagt, den geistigen Weg vernachlässigt, wird der Mensch arm, ganz arm werden. Du siehst an deinen materiellen Dingen, wie sehr doch alles der Pflege bedarf – und dass es bei den Menschen so ist, dass man sie nur aufzufordern braucht, gut zu sein, und dann werden sie gut und tun das Gute. Doch so schnell vergessen sie wieder. Deshalb ist es eine Notwendigkeit, jeden Tag die Seele zu pflegen, immer daran zu denken, wessen es bedarf für die Pflege der Seele; denn sie will leuchten, sie will wirken, und sie will die Aufmerksamkeit auf sich lenken zur Freude des Nächsten. So kannst du überall den Wert des Gepflegten erkennen und was an Wert verloren geht, wo die Pflege vernachlässigt wird, im Materiellen wie im Geistigen. Mit deinen Augen kannst du sehen, wie diese irdischen Dinge wachsen und an Wert gewinnen, wenn sie gepflegt werden. Und so ist es im Geistigen. Wenn das Geistige immer wieder gepflegt wird, gewinnt es und ist zur Freude des Menschen und der ganzen geistigen Welt.
Nun, mein lieber Freund, möchte ich dir zwei Bilder geben, woran du Auswirkung und Ursache erkennen kannst, wo die Seele gepflegt und wo sie nicht gepflegt wurde, welche Auswirkungen sich dadurch für das Leben danach ergeben. Eine Seele wurde von der irdischen Welt weggeführt und von ihrem geistigen Führer begrüsst. Der Führer sprach zu dieser Seele: “Nun, fünfzig Jahre wohntest du auf deiner irdischen Welt. Siebzig Jahre wären dir gegeben worden. Auf höheren Befehl musste ich dich wegführen von der irdischen Welt, weil du deine Aufgaben in keiner Weise erfüllt hast und weil bei dir keine Aussichten bestanden hatten, dass du deine Aufgaben noch erfüllst. Für den Rest der dir gegebenen Jahre ist dir in der geistigen Welt Gelegenheit gegeben, noch Gutes zu wirken, das, was du auf Erden versäumt hast. Denn du siehst, wohl warst du in deinem vorletzten Leben ein guter Mensch, und du kamst mit so vielen geistigen Früchten zurück, aber in deinem soeben zu Ende gegangenen Leben hattest du so viele irdische und keine geistigen Früchte. So hast du noch Zeit gutzumachen.”
Nun wurde diese Seele eine Zeit lang durch die Läuterung geführt, und nachher wurden ihr Aufgaben gestellt, die sie ausführen musste. Denn es war so: Diese Seele war in ihrem vorletzten Leben auf der irdischen Welt ein ganz armer, armer Mann. Er besass ein kleines Haus und einige Kleintiere, die ihm den Unterhalt gaben für sich und seine grosse Familie. Und trotz seiner Armut gab er so viel her von seiner kärglichen Habe, er teilte davon aus. Sein kleines, dürftiges Haus stand jedermann offen, denn es war eine Zeit, da Krieg in jenem Land herrschte. Er gab vielen armen Menschen Obdach, und er gab Speise und Trank von dem wenigen, das er hatte. Dadurch hatte er sich in seinem armseligen Leben grosse geistige Verdienste erworben. Er wurde geistig reich und dementsprechend auch gelobt, als er nach diesem guten Leben in die geistige Welt einging. Seine Aufgabe war jedoch, wieder auf die irdische Welt zu gehen, und ihm wurde in seinem letzten Leben das geschenkt oder gegeben, was er in seinem vorletzten Leben nicht besessen hatte. Er wurde in wohlhabende, ja reiche Verhältnisse hineingeboren, und der Reichtum ward ihm zur Sünde, meine Freunde. Und so wurde diese Seele früher abberufen, als in ihrem geistigen Plane festgezeichnet war; denn es bestand tatsächlich keine Möglichkeit, dass dieser Mensch noch geistige Werke vollbracht hätte.
Nun, liebe Freunde, ist es doch traurig, wenn ein Mensch in einem Leben schon so viel erreicht, sein nächstes Leben dann aber umsonst gelebt hat. Denn ihr sollt wissen, dass eine solche Seele in ihrer geistigen Entwicklung zwar nicht zurückgestellt wird, nein, aber sie bleibt stehen auf ein und derselben Stufe; sie hat sich nicht vorwärtsentwickelt, sie ist nicht aufwärtsgeschritten, sie ist stehen geblieben. Es ist nicht die Regel, dass die Jahre des Menschen nach seinem Wirken in diesem Sinne verkürzt werden, aber es gibt solche Fälle. In dem Falle wurde es getan aus Rücksicht darauf, dass diese Seele in ihrem vorletzten Leben so viele geistige Früchte gebracht hatte, und weil man erkannte, dass sie sich nur noch mehr belasten würde. Ich möchte sagen, es war noch ein Verdienst oder eine Gnade für sie, dass sie früher abberufen wurde. Und dieser Seele wird wieder Gelegenheit gegeben werden, gut zu sein, wieder als Mensch auf der irdischen Welt.
Ein zweites Bild. Eine Frau, sie ist eingegangen in die geistige Welt. Ihr geistiger Führer begrüsste sie und sprach zu ihr: “Liebe Seele, sechzig Jahre warst du auf der irdischen Welt, und nur die Hälfte davon war für dich bestimmt, die andere Hälfte ist dir geschenkt worden.” Denn diese Seele kam mit vielen, vielen geistigen Werken. Sie ist eingegangen in eine wunderbare Herrlichkeit. Und auch ihr Führer erinnerte sie an ihr vorletztes Leben. So war es, dass sie in ihrem vorletzten Leben in eine Familie hineingeboren ward, die sehr fromm gelebt hatte. So kannte sie auch die geistigen Gesetze durch und durch, aber sie befolgte sie nicht; fast ihr ganzes Leben ward zu einer Sünde. Nach der Zeit ihrer Läuterung – ich möchte sagen, nach einer kurzen Zeit der Läuterung – bat sie selbst darum, wiedergeboren zu werden als Mensch, um gutzumachen. Und so wurde es ihr erlaubt. Sie bat darum, nur dreissig Jahre möge man ihr geben; dann, wenn sie in der schönsten Blüte ihres Lebens stehe, sei sie bereit abzutreten, zur Sühne. Und so geschah es. Als die Seele wiedergeboren wurde, in einfache Verhältnisse hinein, zu frommen Menschen, ward sie ein wirklich guter Mensch. Ich möchte davon keine Einzelheiten erwähnen. Sie ward eine liebe, gute Seele, ja sie tat so viel Gutes, dass von der geistigen Seite her befohlen wurde: “Ein solcher Mensch, der mithilft im Heilsplane Gottes, der um sich so viel Güte verbreitet und so viel Gutes tut, ist eine Notwendigkeit für die irdische Welt. Diese Seele muss ihr Leben länger auskosten. Noch einmal so viele Jahre müssen ihr gegeben werden, damit ihr geistiger Reichtum noch grösser wird, damit sie verbessern kann, was sie vorher verschuldet hatte. Die Gelegenheit wird ausgekostet.” So durfte diese Seele in ein herrliches Paradies eingehen, denn sie hatte sich gepflegt im wahren Sinne; sie hatte ihr gegebenes Versprechen gehalten.
Du wirst dir sagen: “Ich kenne mein früheres Leben nicht, und ich weiss nicht, welche Versprechungen ich gemacht habe. Folglich kann man von mir nicht verlangen, dass ich ein solches Leben führe, denn ich weiss es nicht.” Zur Antwort gibt man dir: “Du kennst die Gebote Gottes, und es genügt, zu wissen, welchen Weg du zu gehen hast.” In den Geboten ist so viel enthalten. Und so möchte ich dir zurufen: Es ist zur Freude deiner ganzen Umgebung, wenn du eine solch herrliche Seele bist, und du bist es, mein Freund, du verbreitest einen unendlichen Glanz aus dir, wenn du den geistigen Weg beschreitest. Du sollst nicht glauben, dass zu viel von dir verlangt wird und dass ich meinerseits mit so vielen Vorwürfen komme. Nein, denn ich will dir nur Ermahnungen geben, ich muss dich aufmerksam machen. Denn weisst du, es ist so: Wenn ich dir sage, sei gut, liebe Seele, dann weiss ich – und es ist so –, dass du dir Mühe gibst, genauso wie wenn man dich aufruft, etwas Gutes zu tun. Du hast in deinem Leben noch so viel Gelegenheit, Gutes zu tun. Es muss nicht immer mit materiellen Mitteln sein; es gibt viele andere Möglichkeiten auch. Das heisst seine Seele pflegen, und dies tust du wahrhaftig, wenn ich dich aufmerksam mache. Denn bei so vielen Freunden ist es der Fall: Wenn sie dieses Haus verlassen haben, haben sie drei Viertel meiner Worte vergessen. Man soll es mir nicht übel nehmen, wenn ich euch immer aufmerksam mache, denn es ist so: Wenn ich euch viele Worte dafür gebe, wird eure Seele viel mehr gepflegt; denn sie bedarf der Pflege, wie dein irdisches Haus von dir gepflegt wird, damit du Freude daran hast und es dir Freude bereitet, darin zu wohnen.
Lieber Freund, es ist wunderbar, wenn du als Mensch eine solch gepflegte Seele besitzt, denn so kann sie auch unsichtbar wirken. Du musst zuerst sichtbar wirken durch gute Werke, gute Worte, und dann wird auch unsichtbar von dir eine Kraft und ein Glanz ausgehen. Und noch weit andere Möglichkeiten bestehen. Denn in deinen stillen Stunden, das heisst, wenn du in deiner Ruhe bist, wird dein Geist geführt, und je nach seinem Glanze kann er in diese oder jene Herrlichkeit eingehen, und schönere und wertvollere Aufgaben werden ihm gegeben. So herrscht auch eine grosse Freude seitens eurer geistigen Führer über euch. Denn besser, leichter könnt ihr geführt werden, wenn ihr eure Seele pflegt; viel besser geht das geistige Führen.
Wir wollen zusammen auch immer all jener Freunde gedenken, die in Not und krank sind. Für sie, meine lieben Freunde, sollt ihr auch beten, sie nie vergessen. Und je schöner eine Seele ist, je kraftvoller ihr Gebet, desto mächtiger das Feuer wird, das aus ihr steigt. Und dieses Feuer, dieses Licht braucht die irdische Welt. Sie ist auf den letzten Funken dieses Lichtes angewiesen. Denn, wie ich schon erklärt habe, du sollst ein geistiger Führer und Lehrer sein und als solcher durch die irdische Welt schreiten, und dementsprechend ist deine Kraft; deine Kraft in dir baut sich auf, sie entwickelt sich mit deiner Ausdauer.
Meine lieben Freunde, ein besonderes geistiges Bild ist euch diese Stunde gegeben. Ein Kranz von kleinen, zarten Röschen schwebt über euren Häuptern, in der Mitte des Saales. Von diesem Kranze aus ziehen goldene Fäden auf euch hernieder. Ich möchte sagen, ihr haltet diesen Kranz daran fest; ein starkes Band hält diesen Kranz. Das geistige Bild wird eingehen in eure Sphäre. Es schmückt dort jenen Baum, der für euch blüht.
Nun, meine lieben Freunde, ich habe euch genügend Worte gegeben. Ihr kennt das Ziel, und ihr wisst um eure Aufgabe: Pflege deine Seele. Das ist alles, was ich euch zu sagen habe. Es bringt euch Freude und Glückseligkeit, und ihr dürft sie geniessen früher oder später. Es kommt zu dir zurück, was du gegeben hast, auf dieselbe Weise, wie du gegeben hast; alles wirst du wieder erleben.
So walte der Segen Gottes mit euch allen. Der Friede sei in deinem Hause, der Friede sei mit dir, in dir und über dieser Welt. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 17.11.1951 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 17. Oktober 1973
Die Pflege der Seele ist genauso wichtig wie die Pflege des Körpers. Jeder Mensch sollte sein “geistiges Haus” in Ordnung bringen, das heisst innere Werte wie Glauben, Güte und Wohlwollen aufbauen, bewahren und im Alltag umsetzen. Lene erklärt, dass man sich durch tägliche Selbstprüfung und inneres geistiges Training höherentwickeln und so mit den himmlischen Boten in enge Führung kommen kann. Es genüge nicht, gläubig oder fromm zu sein. Die Kunst ist, die hohen Werte aufzubauen, zu pflegen, sie zu mehren und auch den Mitmenschen zum Nutzen zu machen.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, der Körper des Menschen bedarf der Pflege, wie auch die Seele der Pflege bedarf. Heute gehen die Menschen dahin, ein gewisses Training abzulegen, um gesund und beweglich zu bleiben. Wir geben absichtlich keine Ratschläge für das Wohlbefinden des äusseren Menschen; auch geben wir keine Ratschläge, wie sie leben sollten. Wir möchten doch annehmen, dass geistig ausgerichtete Menschen auch den rechten Weg zum Leben finden können. Wir könnten manchem einen Ratschlag geben, doch das wäre für uns und für euch sehr gefährlich – wir haben es mit allerlei Leuten zu tun. Würde ich einen Ratschlag geben, der nun dem einen gefallen würde, dann würde er bestimmt übertreiben, und er würde all seinen Freunden empfehlen, dasselbe zu tun. Die Gefahr, dass man das Mass verliert, fanatisch wird, ist leider sehr gross. Darum müssen wir zurückhaltend sein, damit kein Schaden bei den Mitmenschen angerichtet wird – und auch bei denen nicht, die dieses oder jenes gerne hören und tun möchten. Dies nur so nebenbei. Vielmehr richten wir uns und richte ich mich nach dem inneren Leben des Menschen. Auch das seelische, geistige Leben des Menschen kann einem sogenannten Training unterworfen werden. Damit will ich sagen, dass man nicht gleichgültig sein soll, sondern auch geistig beweglich bleiben muss. Dies kann nur geschehen, wenn man an diesem Training festhält – also dass man das, was wir dem Menschen empfehlen, auch verwirklicht.
Ich möchte heute darüber reden, dass ein jeder sein geistig Haus bestellen soll und muss, denn das betrachten wir als etwas Wichtiges. Das, was ich sage, kann ja nur symbolisch sein, es ist symbolisch zu verstehen. Anderseits weiss man gut, wie ich das meine, wie man das verwirklichen kann, wie die Form verändert werden muss. Das Haus bestellen heisst in erster Linie dafür besorgt sein, dass man alles sichert, was zu diesem geistigen Haus gehört, dass man versucht es zu schützen, damit nirgends Schaden zugeführt wird. Das ist eine Notwendigkeit. Im Weiteren muss man geistige Werte aufbauen, und man muss sie schützen. Man muss versuchen, sie zu mehren, um sie für andere nutzbar zu machen.
Es gibt also in diesem geistigen Hause Werte, und um diese Werte geht es uns. Sie müssen gepflegt werden, zum eigenen Nutzen und zum Nutzen anderer. Daneben muss man dafür besorgt sein, dass in späteren Zeiten das ganze erworbene geistige Gut oder die geistigen Werte jedem von Nutzen sind, auch den Erben. Denn jeder hat seine Erben. Das ist so zu verstehen: Wenn der Mensch seinen Leib auf dieser Welt zurücklässt und in das Geistige, Ewige zurückkommt, dann sind auch persönliche geistige Erben da, die ihren Nutzen haben können von dem, was man in seinem Leben bestellt und aufgebaut hat.
Nun versuche ich davon zu berichten, wie man das eigene Haus schützt, das heisst die Seele, das Geistesleben. Dieses soll man schützen, damit von keiner Seite aus Schaden zugefügt wird. Denn von aussen kann man Schaden hineinbringen. Man kann aber auch selbst eigenen Schaden anrichten. Unter diesem Schaden könnte man vieles aufzählen, wovor Menschen sich hüten müssen, damit ihnen, ihrem Geistesleben – ich kann auch sagen: ihrem Inwendigen – kein Schaden zugefügt wird. Schaden wird zugefügt, wenn ein Mensch den Glauben an die Geisteswelt hat – an Gott, an Christus – und nun jemand kommt und es fertigbringt, den Betreffenden von seinem Geistesglauben abzubringen. Er versucht es mit allen Mitteln zu tun, denn ich spreche jetzt von Schaden, von wirklichem Schaden. Diesen Schaden kann ein Mensch nicht unbedingt feststellen, denn wenn er dem andern nachgibt, fehlt es ihm ja an Erkenntnis, er hat sie nicht, und so lässt er sich überreden. Es wird ihm so von aussen her Schaden zugefügt. Dann sind es auch die Menschen selbst, die sich durch ihre eigene Unvernunft Schaden zufügen.
Es gibt so viele verschiedenartig entwickelte Menschen. Sogar unter euch sind die Stufen verschieden. Der eine ist überaus empfindlich: Es kann ein Mitmensch nur eine Bewegung tun, die mit dem Gegenüber überhaupt nichts zu tun hat, und schon sieht dieser eine Antwort darin; er fühlt sich verletzt, obwohl es ihn überhaupt nicht angeht. Solch empfindliche Menschen gibt es. Es gibt aber auch die anderen Mitmenschen: Mit ihnen kann man reden, ihnen deutlich Dinge darlegen, und sie empfinden es nicht. Um aber in irgendeiner Sache zu einem Erfolg zu kommen, muss mit ihnen manchmal deutlich geredet werden. So verschieden muss man den Menschen begegnen.
Nun soll ja der Einzelne sein Haus schützen; er soll versuchen, dass seiner Seele kein Schaden zugefügt wird – weder von aussen noch durch sich selbst. Verliert man diesen Schutz, wird der Empfindsame von sich aus seiner Seele Schaden zufügen, genau wie jener andere, mit dem man hart reden muss. Auch er fügt seiner Seele Schaden zu. Geistesmenschen versuchen, mit dem einen wie mit dem andern zu reden. Vielleicht hilft es, nützt es – es kommt ganz darauf an, auf welcher geistigen Entwicklungsstufe der Betreffende steht, welchen Willen er hat und welche Erkenntnis und Erleuchtung in ihm ist. Fehlt es am guten Willen, fehlt es an höherer Erkenntnis, ist überhaupt nichts zu machen, weder da noch dort.
Ich habe euch gesagt: Nicht nur der äussere Mensch muss etwas tun, um beweglich zu sein, um gesund zu bleiben, auch der geistig ausgerichtete Mensch muss dafür sorgen, dass er die geistige Beweglichkeit erhält. Man kann sich eine solche Beweglichkeit aneignen, indem man um höheres Denken bittet. Man muss, um sich dieses höhere Denken anzueignen, in gewissem Sinne in ein geistiges Training einsteigen.
Die Menschen kennen wohl ungefähr ihre Fehler, aber sie wollen sie nicht zugeben. Gewisse Schwächen kennen sie wohl. Und in folgendem Punkte stimme ich ebenfalls [mit Geistlehrer Josef] überein: Wenn du von solchen nichts weisst und glaubst: “Bei mir ist alles in bester Ordnung”, dann frage deinen Nachbarn, frage deinen Nächsten, bitte ihn um Ehrlichkeit. Du wirst erstaunt sein, was da alles zum Vorschein kommt. Dann kommt es wiederum auf die Grösse des Menschen an: Kann er das ertragen, was man ihm sagt? Will er sich bemühen, geistig beweglicher zu werden? Will er versuchen, diese Schwächen zu überwinden und durch dieses geistige Training stark zu werden? Um dies zu erreichen, darf man nicht einfach die Hände in den Schoss legen und erwarten, dass der liebe Gott dann schon alles gibt und die Geisteswelt kommt und gibt; man brauche nur zu bitten.
Nein, da muss man sich viel Zeit nehmen. Man muss sich täglich selbst fragen: “Habe ich heute etwas von meinen Untugenden erkannt?” Man kann sich selbst darüber orientieren, indem man den Ablauf des Tages vom Morgen an betrachtet. Gegen Abend weiss man dann, was alles falsch getan worden ist, oder man sollte zu dieser Erkenntnis kommen, wenn man sich abends überlegt, was an einem vorübergegangen ist und mit wem man sich unterhalten hat. Da muss man in dieses Training gehen. Für viele wäre es sogar sehr gut, man würde Papier und Bleistift zur Hand nehmen, wenn man die Zeit dafür aufbringt, sich diese Dinge aufzuschreiben, die sich im Laufe des Tages abgespielt haben. Dann kann man abends alles so schön zusammenzählen. Man muss ganz stille werden und sich sagen: “Ich versuche, dieses und jenes zu überwinden.” Man muss gründlich – beim einen wie beim andern – alles überlegen und das höhere göttliche Bewusstsein zu sich ziehen. Das heisst, man muss lernen, die Sprache des Ewigen zu reden. Wisst ihr, was das heisst? Die Sprache der Ewigkeit, die Sprache, die Gott spricht, muss man lernen.
Man kennt den Schöpfer als den Liebenden, den Verzeihenden, den Gütigen. So soll man versuchen, das, was man für sich von Gott erwartet, auch dem Mitmenschen zu geben. Man muss die Sprache der Ewigkeit oder die Sprache Gottes reden können. Man muss lernen, Nachsicht zu zeigen, wo Nachsicht am Platze ist, Güte, wo Güte am Platz ist; aber auch energisches Einschreiten muss man lernen, wo es nötig ist, wenn es dem Fortschritt des andern dient. Gott straft doch auch. Gott ist die Liebe, aber er lässt die Ungerechtigkeit nicht wachsen, nicht gedeihen; er schreitet ein und will, dass solches überwunden wird. Denn es ist doch so, wie auch sinnbildlich dargelegt wird: Das Korn wird gesammelt und vom Unkraut getrennt; das Unkraut wird verbrannt, vernichtet (Mat. 13, 30).
Was heisst das? Wenn man von einer solchen Trennung spricht, so glaubt ihr mit eurem menschlichen Denken, es sei ja nichts Weiteres dabei. Doch das Unkraut ist zu vernichten. Es wird verbrannt, es muss vernichtet werden. Denn das, was falsch ist, was der Mensch falsch macht, da hat Gott dafür gesorgt, dass es mit der Zeit vernichtet wird. Ist das, was der Mensch falsch macht, von grosser Bedeutung und zu seinem grossen persönlichen Schaden, dann wird in sein Seelenleben eingegriffen. Dieses Eingreifen kann schmerzlich werden. So wird mit einer bestimmten Strenge in das Leben des Menschen eingegriffen, um das, was ihm schadet, mit der Zeit aufzuheben. Damit er es nicht vergisst, muss seiner Seele, seinem Empfinden spürbarer Schmerz zugefügt werden. Er muss sich mit dem befassen und beschäftigen, damit es mit der Zeit gelingt, das Übel zu überwinden. Das ist das, was ich sage: Güte dem Menschen geben, wo Güte am Platz ist, Wohlwollen, wo Wohlwollen am Platz ist, und Hilfe anbieten, wo sie notwendig ist. Wo eine Ungerechtigkeit ist, wo es zum Schaden des andern wird, muss man auch eingreifen. Das ist etwas, was Menschen manchmal nicht verstehen wollen. Bei ihnen ist es sehr oft so: Gerade wenn von der Geisteswelt etwas gesagt wird, möchte man nur Dinge hören, die in jedem Ohr einen wunderbaren Klang haben. Nein, liebe Geschwister, so ist es nicht. Fragt euch einmal: “Warum gibt es denn Karma, warum prüft Gott die Menschen?” Das hat doch seinen Sinn, hinter all dem ist eine Ursache. Es ist notwendig, euch dies darzulegen, damit ihr es versteht.
So muss man sich vor dem Schaden schützen, der durch andere in die Seele hineingetragen wird, und vor dem Schaden, den man sich selbst zufügen kann. Dafür muss man sorgen, und jeder wird zur Rechenschaft gezogen. Man soll einmal versuchen, sich selbst zu überwachen, und alles auf diese Weise ablegen, überwinden. Denkt doch, wie schade es ist, wenn ihr noch so manches Mal in das Menschsein treten müsstet. Wir möchten euch doch in der Ewigkeit sehen, in der Gemeinsamkeit, im Dienste Gottes. Denn jedes von euch muss ein Glied in der Kette werden, die den einen mit dem andern umschliesst.
Das ist etwas, was sehr notwendig ist. Man muss sich darüber Gedanken machen, dass man das Haus richtig bestellt und es vor Schaden schützt. Auch ihr Menschen versucht, euer irdisches Haus oder eure Wohnung zu schützen. Auch ihr wünscht keine Eindringlinge. Ihr wollt an eurem materiellen Besitz nicht geschädigt werden. Das alles ist aber vergänglich. Viel wichtiger ist das, was zur Ewigkeit gehört und nicht vergänglich ist. Das ist der Schutz, den man anwenden muss für sein persönliches geistiges Haus. Versucht es in der Weise: Trainiert euch, und führt diese geistige Beweglichkeit ein.
Es geht um die geistigen Werte. Man wird verpflichtet, solche Werte aufzubauen und sie zu nutzen, damit man selbst einen Nutzen hat und damit andere auch in den Gewinn dieses Nutzens kommen. Auch hier muss man richtig verstehen lernen, was denn zu einem wirklichen geistigen Besitz gehört, was geistige Werte sind, wie sie von der Ewigkeit aus beurteilt werden. Es geht um die Werte, die im Menschen sind, die zu seinem geistigen Haus gehören. Da stellt sich mancher vor, seine Frömmigkeit, sein Geistesglaube genüge, um gottgefällig zu sein und Werte zu entfalten. Der Geistesglaube und die Frömmigkeit alleine sind nichts, wenn nicht die Werke damit verbunden sind. Das brauche ich euch im Besonderen nicht zu sagen, aber es gehört dazu. Da meine Worte niedergeschrieben werden und in die weite Welt hinausgehen, ist es sehr gut, dass auch jene feststellen können, was zu diesen geistigen Werten gehört.
Es gibt auch Menschen, die fromm, gläubig sind – geistesgläubig, gottgläubig, christusgläubig. Da ist nichts auszusetzen; sie tun ihre Werke. Aber daneben sind Hass, Neid, Eifersucht. Und das gibt doch keine Werte. So meint der eine, was er an Kostbarem in sich habe. Aber er selbst tut durch seine Untugenden diesen geistigen Werten, die vorhanden wären, Abbruch. Er schafft sich in seiner Seele die grösste Unordnung. Einerseits ist wohl der Glaube da, aber anderseits ist so vieles an Untugenden da. Wir möchten es vergleichen mit einer Wohnung, die im grössten Durcheinander, in der grössten Unordnung ist – dass wohl Werte daliegen, aber es ist so viel Unrat da, dass diese Werte nicht gesehen werden und nicht zur Geltung kommen. Es ist zu viel Unrat da, es besteht keine Ordnung. Das Wertvolle, was noch da ist, wird nicht als solches angesehen und geschätzt, weil es in der Unordnung ist.
Das ist auch etwas, was des Öfteren bei den Menschen zu finden ist: Sie haben ihre Werte im grössten Unrat. In eine solche Wohnung treten Geister Gottes nicht ein. Sie versuchen wohl, andere vorzuschieben und es dem Menschen klarzumachen, dass es an der Zeit wäre, Ordnung zu schaffen, um die Werte, die da drin sind, zur Geltung zu bringen. Vorübergehend gelingt es, dann aber kommt wieder so viel Unrat hinzu. Es kann keine Wertschätzung geben, wenn so viel Unrat darin ist. Darüber muss man sich auch klar werden, und das begreifen Menschen sehr oft nicht. Denn sie selbst wollen nicht zugeben, dass sie im Leben so vieles falsch tun. Sie wollen nicht zugeben, dass sie so neidisch, überheblich sind, geizig womöglich, herrschsüchtig und streitsüchtig. Das alles sehen sie nicht. Sie sehen nur ihre Frömmigkeit. Arme Menschen.
Es ist doch so: Es gibt einerseits jene Menschen, die glauben, gottgefällig zu sein, doch sie sind es eben nicht. Weiter gibt es Menschen, die Gutes tun, und sie haben vielleicht gar nicht besonders viele Untugenden, aber sie haben keinen Glauben. Man würde unter den Menschen sagen: “Das ist ein liebenswürdiger, vornehmer, feiner Mensch. Er tut nie etwas Schlechtes, vielmehr so viel Gutes.” Ja, das ist alles recht und gut. Aber er hat den Gottesglauben nicht, er hat keinen Geistesglauben, er fragt nicht nach der Schöpfung Gottes, nach ihrer Ursache, ihrem Wirken. Es kümmert ihn nicht. Es gibt für ihn keinen Gott, aber er sagt: “Ich weiss wohl, was ich zu tun habe.” Ja, das mag gut und recht sein, doch auch hier: Es sind Werte da, doch sie verlieren dadurch, dass solche Menschen ihre hohen Werte in den grössten Unrat hineinbringen. Niemand erkennt dann in diesem Unrat diese hohen Werte – das ist geistig gemeint. Es wird euch als gläubigen Menschen verständlich sein, dass solche Menschen von uns aus nicht in die höheren Entwicklungsstufen eingereiht werden können, wenn bei dem einen dieses fehlt und beim anderen jenes. Es sind also grosse, schwerwiegende Mängel da. Das ist sehr, sehr schade – sehr schade.
Für geistige Werte besorgt sein, wie es euch empfohlen wird, bedeutet, das eine wie das andere zu tun und stets darüber zu wachen, dass sie niemals ihren Wert verlieren. So muss auf allen Gebieten alles wohlgeordnet sein. Es darf im Innenleben des Menschen kein Durcheinander geben. So ist jeder dazu aufgerufen, für diese hohen geistigen Werte besorgt zu sein. Natürlich haben wir Freude, solche Menschen zu kennen – es ist ja zu ihrem eigenen Nutzen, und es ist und wird zum Nutzen ihrer geistigen Erben.
Jetzt komme ich auf diesen Punkt zu sprechen, auf die geistigen Erben. Was meint ihr, was darunter wohl zu verstehen ist? Kommt man zu uns in die Ewigkeit hinüber, wird doch gleich erkannt, was ein Mensch in seinem Leben erreicht hat, wo man ihn hinführen darf. Die Werte werden abgeschätzt, gesondert – alles nacheinander. Kommt da einer mit solch hohen Werten, sagen wir jetzt, eine Seele, die das Erdenleben hinter sich hat und viele geistige Verdienste hat, was glaubt ihr, wie eine solche Seele umjubelt wird? Es sind nicht nur die Angehörigen da, die ein solches Heimgekehrtes begrüssen; es kommen aus den verschiedenen Himmeln Engel und bringen ihre Freude zum Ausdruck. Sie bringen dem Heimkommenden geistige Geschenke. Sie bereiten ihm Freude, laden ihn ein zu Empfängen. Es gibt eine wunderbare Begrüssung. Man organisiert sogar Sänger und vieles andere dazu, sodass es ein kleines Fest wird, ich sage: ein kleines Fest. Für den Heimkommenden ist es ein wunderbares Erlebnis, eine Überraschung. Er glaubt sich in den höchsten Stufen des Himmels zu sehen. Er ist so frohgemut, er ist so glücklich, diesen Himmel in der Weise zu erleben. Er ist voller Freude und Dankbarkeit. Mit der Zeit wird dann ein höherer Geist Gottes sogar einschreiten und sagen: “Jetzt ist genug des Jubels. Nun kommen andere, höhere Geistwesen, die mit dem Heimgekehrten zu reden haben.” So kann man seine grossen, freudigen Überraschungen erleben. Das muss doch wohl auch gesagt werden. Der Himmel ist schön, er hat so viele verborgene Schönheiten, so viele verborgene Liebenswürdigkeiten – ich sage: verborgene.
Wir sind doch gerne dabei, wenn es um so viel Freude und Jubel geht. Auch wir wollen zu Wort kommen. Wir möchten auch andeuten, dass wir gewisse Verdienste haben. Wir sind wohl bescheidener bei uns. Aber in dieser Beziehung scheuen wir uns dann nicht, hervorzutreten und zu sagen: “Das sind unsere Verdienste, meine lieben Geschwister.” Und so fragt man dann: “Weshalb, warum, woher?” So interessiert man sich immer mehr für uns. Ich habe euch auch schon gesagt: Man interessiert sich in den Himmeln für meine stete Abwesenheit.
Nun will ich ja von den Erben reden. Jeder Mensch, der auf Erden lebt, hat noch seine Bindung zu den Geschwistern, zu seinen Verwandten, die mit ihm zusammengelebt haben oder die zu ihm gehört haben. Dann sind aber noch weitere, solche, mit denen man geistig verwandt ist, man hat geistige Freundschaften, man hat geistige Versprechen abgegeben, dem einen zu helfen, wenn es möglich wäre – man muss diese Versprechen einlösen. Es sind so viele Bindungen da. Diese Bindungen sind nicht etwa erloschen in der Zeit des Menschenlebens, dass man nicht spüren würde, zu wem man sich hingezogen fühlt oder mit wem man verbunden ist. Es ist euch ja längst erklärt worden, dass vom Menschen, von seiner Seele, solche feine Fäden ausgehen, die ihn mit all jenen verbinden, mit denen er einst zu tun gehabt hat.
Man interessiert sich in der geistigen Welt sehr für die Menschen, die hier sind. Denn in gewissen Ebenen in der geistigen Welt sind so viele, die nicht besonders glücklich sind mit ihrem Himmel oder mit ihrer Sphäre, in der sie leben. Sie möchten gerne in eine höhere Ebene eintreten, aber es ist niemand da, der für sie Fürsprache leistet. Sie selbst fühlen sich geistig zu schwach; es sind irgendwelche Gründe vorhanden, weshalb sie aus ihrer Stufe, ihrer Ebene, nicht herauskommen und der Hilfe eines andern bedürfen. Ist diese Möglichkeit vorhanden, kann man ihnen diese Befreiung geben. So ist das Interesse jener Wesen in der Geisteswelt am Menschen sehr gross. Und besonders ist ihr Interesse gross, wenn sie einen Nutzen erblicken.
Wer in der Geisteswelt ist und einen Verwandten, einen Bekannten auf Erden hat, der belastet ist, der betet für ihn genauso um Gottes Gnade, wie ihr für die armen Seelen im Himmelreich betet. In der Geisteswelt aber ist man auch stolz darauf, zu wissen und sagen zu können: “Ich habe jemanden auf dieser Erde. Ich warte auf ihn, und ich werde mich mit ihm in Verbindung setzen, denn ich komme so zu einem gewissen Gewinn. Ich habe einen Nutzen von seinem hohen Leben, das er lebt.” So ist es, denn alle sind ja Erben Gottes. Jeder ist Erbe Gottes. Doch beim einen ist eben das Erbe noch so eingeschlossen. Er hat noch gar keine Möglichkeit, Anspruch auf das Erbe zu erheben. Ein anderer darf dann das Erbe gleich in Empfang nehmen, und er verschafft sich so in der Jenseitswelt eine gewisse Stellung. Er erhält einen geistigen Besitz, er hat Ansehen unter den Geistern Gottes. Einen solchen macht man sich eben zunutze.
Man versucht dann, durch hilfreiche Geister die Wege freizubekommen. Es sind welche, die bereit sind, diesen Dienst zu tun, den Betreffenden Hilfe zu leisten. So geschieht es, dass jene, die mit diesen hohen Gewinnen, herniedersteigen oder ihre Bekannten aufsuchen, die in der Sehnsucht nach ihnen leben, und sie leisten für sie Fürbitte, stehen für sie ein, sind ihnen vielleicht sogar behilflich bei ihrer Arbeit und geben ihnen Erklärungen für ihre geistige Höherentwicklung. Sie geben ihnen einfach Beistand. Es gibt so viele Möglichkeiten – man versucht, ihnen Nutzen zu bringen.
Man muss also das, was man erreicht hat, nicht nur für sich selbst nutzbringend erwerben, sondern auch nutzbringend für die andern. Denn in der Gotteswelt ist man nicht egoistisch, man denkt nicht nur an sich selbst, sondern man weiss, dass jedes ein Glied in der Kette ist und die Kette geschlossen werden muss. Glied für Glied muss sich zusammentun, damit sie gross wird. Man weiss das. Man hat nicht diese menschlichen egoistischen Gefühle, sondern man will, dass dem andern auch gegeben wird, dass er auch in das himmlische Glücksgefühl kommt.
Es gibt eine besondere Belohnung, wenn ein Mensch erreicht, dass er in seinem Leben das Haus so bestellt, dass es für ihn selbst von grossem Wert ist und er sagen darf: “Nicht nur für mich allein habe ich gesorgt, sondern ich habe auch gesorgt für die andern, für meine Mitgeschwister oder für die Erben Gottes.” Dass es dafür eine besondere Belohnung gibt, ist doch ganz verständlich. Wenn man solches fertigbringt, steht man schon auf einer geistig gehobenen Stufe, und man darf mit den himmlischen Boten in engster Fühlung sein. Auf diesem Wege kommen dann höhere Verbindungen zustande, bis man zu diesem Punkt hinkommt oder das erreicht, was wohl eines jeden Christen Wunsch ist.
So gibt es vieles, das getan werden muss. Man muss sich all diese Dinge immer vor Augen halten und überlegen, wie man lebt – und dafür besorgt sein, dass das geistige Haus richtig bestellt ist. Der Schutz für das Haus muss sichergestellt werden, die Werte des Hauses müssen wertvermehrend wirken können und ihren hohen Wert zum Ausdruck bringen. Wer sein Haus bestellt hat, soll sagen dürfen: “Ich habe alles wohlgeordnet. Meinen weiteren geistigen Freunden und Erben Gottes soll es zur Freude sein.” So ist die Gotteswelt vom Menschen abhängig und der Mensch von den göttlichen Wesen.
Wenn man das auf das Irdische überträgt, gibt es auch Nutzen. Wenn einer sein Haus so bestellt hat, dann wird er auch von den Mitmenschen dementsprechend geschätzt und geachtet werden. Man wird auch erkennen, dass im Menschen hohe Werte sind, die gepflegt werden. Und denkt daran: Diese Werte dürfen nicht vermindert werden, indem durch unüberlegtes Handeln und Denken der hohe Wert dieser Dinge abgetragen wird, durch Eifersucht, durch Streitsucht und dergleichen. Die Werte müssen erhalten bleiben. Dafür muss ein jeder selbst besorgt sein.
Ja, liebe Geschwister, versucht, ein solches geistiges Training aufzubauen und durchzustehen. Versucht, euch diese geistige Beweglichkeit anzueignen. Ein Ratschlag, den wir euch hierbei geben können: Man bemüht sich um höheres Denken und Wissen, man überlegt und fragt sich immer: “Würde Gott – oder würde ein hohes Geistwesen, das in seinem Wesen mit Gott gleich ist – auch so handeln, auch so denken?” So könnte manches überwunden und verbessert werden. Und von dem Moment an, wo Einsicht zum Menschen kommt, wird dem Menschen vermehrt geistige Kraft gegeben, und seine Erkenntnisse werden erweitert, seine Einsicht gestärkt, sodass es Gott und seiner heiligen Geisteswelt in allen Dingen gefällig wird. Mensch sein ist eine Prüfung – sie durchzustehen, in allen Dingen gerecht zu werden, ist eine schwere Herausforderung. Geistige Beweglichkeit hineinbringen ist das, was man versuchen muss – und diese Ratschläge befolgen, die wir oder die ich euch jetzt in dieser Stunde gegeben habe.
Nun, liebe Geschwister, wenn ihr versucht, das, was ich euch empfohlen habe, auszuführen, werden wir dereinst sehr glückliche Zeiten vor uns haben. Für heute will ich euch entlassen. Ich überlasse euch alle dem Segen Gottes. Jedes Einzelne, das hier ist, hat seinen geistigen Begleiter. Diese Begleiter braucht ihr – für euer Leben, zu eurem menschlichen Schutz und vor allem für euren geistigen Schutz. Sie helfen euch, euer geistig Haus richtig zu bestellen, wenn ihr bereit seid, sie anzunehmen.
So möge Gottes Segen euch alle begleiten. Möget ihr behütet und beschützt sein vor allen Gefahren, vor jeder Not, vor Krankheiten. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.10.1973 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 17. März 1971 (Ausschnitt)
Lene: [...] Die Seele möchte das höhere Bewusstsein aus dem Menschen hervorbringen, denn sie ist verbunden mit dem Göttlichen. Sie weiss um die Wichtigkeit, um die Ordnung, um die Gesetze, um den Willen Gottes. Und der geistig höherstehende oder vielleicht hochstehende Mensch will nichts anderes als in diesem höheren Bewusstsein als ganzer Mensch leben und wirken. Er wird alles daransetzen, um seine Untugenden zu überwinden. Er wird ihnen also keine Pflege angedeihen lassen, sondern er wird versuchen, sie wie Unkraut auszumerzen.
In der Seele ist nun höheres Bewusstsein, göttliches Bewusstsein, und dieses göttliche Bewusstsein muss genauso gepflegt werden. Gepflegt werden kann es, indem – wie es hier geschieht – dem Menschen klargemacht wird, was recht und was unrecht ist. Wir versuchen dies dem Menschen auch anhand von Vergleichen begreiflich zu machen.
Ihr könnt ein Samenkorn in die Erde setzen und mit Sehnsucht darauf warten, was sich daraus entfaltet, wie gross der Gewinn wird. Man ist gespannt, was daraus wird, wie es gedeiht. Und ist es dann so weit, so erkennt man, dass es aus diesem Samen eine wunderbare Entfaltung gab. Aus einer Einheit gab es eine Vielheit, es mehrte sich. Und was es auch sein mag: Der Mensch wird sich über den Gewinn freuen, der sich in der Natur auf diese Weise sichtbar für ihn ergeben hat.
Im Geistigen betrachten wir es ähnlich. In die Seele gelegt ist das göttliche Bewusstsein, aber dieses göttliche Bewusstsein ist nicht bei einem jeden Wesen in gleichem Masse entfaltet. Der Same dieses göttlichen Bewusstseins ist aber in der Seele drin, und durch die Pflege, die der Seele von aussen gegeben wird, gibt es Entfaltung, gibt es Wachsen, Gedeihen. Auch hier kommt also aus einer Einheit heraus eine Vielheit. Dieses göttliche Bewusstsein mehrt sich. Es kann sein, dass man nur auf einem Gebiete im göttlichen Bewusstsein lebt, während man auf vielen andern Gebieten weit davon entfernt ist. Also muss dieses göttliche Bewusstsein auch von aussen her gepflegt werden, genauso wie beim Samen. Denn der Same muss schliesslich auch die Pflege haben, er muss auch in gute Erde hineingelegt werden, und er braucht die notwendigen Stoffe zum Wachsen. Es braucht Wasser, es braucht Luft, es braucht Sonne; es braucht also von aussen her ein Einwirken zum Gedeihen, dass es aus der Einheit eine Vielheit gibt.
Und hier steht ja der Mensch in einer Welt, die für ihn fremd ist; er ist in diese Welt hineingestellt, und so mancher weiss nicht um den Sinn seines Lebens. Aber es gibt doch göttlich ausgerichtete, suchende Menschen, die eben das Richtige tun und ihrer Seele die richtige Pflege geben sollten. Sie sollten also versuchen, zu überwinden und sich zu bemühen, dass es aus dieser Einheit, die in die Seele gegeben worden ist, eine Vielheit, eine Entfaltung göttlichen Bewusstseins gibt. Das ist doch erforderlich für einen geistig aufstrebenden Menschen. Wachen und beten soll der Mensch. Dies soll geistig verstanden werden – ich nehme an, ich spreche zu geistig ausgerichteten Menschen, die das verstehen können. Dann sollte doch auch das menschliche Bewusstsein etwas auf das Innere, auf das Göttliche abgestimmt sein. Und so braucht es für dieses Wachsein unbedingt den ganzen Menschen. Der Mensch muss wachen können, dass seiner Seele die Pflege zuteilwird. Denn ich sagte, von aussen her muss der Seele das zufliessen, damit es möglich ist, dieses göttliche Bewusstsein zu grösserer Entfaltung zu bringen. Und so ist es der Mensch, der darüber wachen muss, dass nicht menschliche, weltliche Begierden von ihm Besitz nehmen, dass nicht die “Welt”, wie wir es in unserer Sprache sagen, sich des Menschen bemächtigt, sodass es ihm nicht möglich ist, die Seele weiter zu beeinflussen.
Der Mensch muss also wachsam sein, dass keine Diebe sich einschleichen und ihm etwas stehlen können von seinem göttlichen Besitz, von den wertvollen Dingen, die in der Tiefe der Seele eingeschlossen sind. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.3.1971 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 19. Januar 1972 (Ausschnitt)
Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Als Geschöpf Gottes trägt er geistige Kostbarkeiten in sich. So soll sein Innerstes ein göttlicher Tempel sein, der immer so gepflegt wird, dass seine Pracht erhalten bleibt.
Lene: [...] Liebe Geschwister, wenn ich mich mit euch unterhalte, dann will ich ja eure Seele ansprechen – das betone ich immer wieder. Und so möchte ich jetzt auf das Göttliche in der Seele zu sprechen kommen. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Seele des Menschen eigentlich ein göttlicher Tempel ist. Das wird euch immer wieder gesagt. Die Seele des Menschen sollte ein göttlicher Tempel sein – sollte. Der Mensch muss aber versuchen, diesen Tempel zu pflegen; denn er wird ihm in seiner Pracht nicht erhalten bleiben, wenn er nicht Tempelpfleger und Tempeldiener hat. Er selbst kann sein eigener Tempeldiener und ‑pfleger sein.
Es gibt aber auch Tempelräuber und Tempeldiebe. Wenn bei euch Menschen einer einen Besitz hat, ein Haus oder eine Wohnung meinetwegen, dann wird er versuchen, seinen Besitz zu pflegen, damit er ihm erhalten bleibt. Die Hausfrau wird in ihrem Haus Ordnung schaffen und für Ordnung sorgen. Man wird auch vorsichtig sein müssen, weil man nie wissen kann, wann vielleicht einmal ein Dieb oder ein Räuber kommt und in das Haus oder in die Wohnung einbricht. Das kann da geschehen, wo das Haus oder die Wohnung gut gepflegt wird – vor Dieben und Räubern seid ihr Menschen in eurem weltlichen Leben nicht sicher. So ist es auch im Geistigen; auch da ist man nicht sicher, wann ein solcher Dieb kommt. Ein Dieb kommt gewöhnlich auf leisen Sohlen, ganz leise, und er will oder wünscht, dass man ihn nicht erwischt. Und dann, wenn er eingebrochen ist, sucht er und entwendet, was ihm wertvoll erscheint und von Bedeutung ist. Er geht damit fort und schädigt so den andern; er ist also unerlaubterweise eingebrochen. Es gibt auch Diebe, die nicht auf leisen Sohlen kommen. Sie gehen mit ihrem wahren Gesicht und überfallen den andern und rauben ihn aus. Das sind die Räuber.
Nun möchte ich doch von der Pflege des Tempels sprechen, von der Pflege der Seele. Wir, das heisst nicht nur ich, sondern auch meine Geistgeschwister, versuchen doch, auf diese [sinnbildliche] Weise mit dem Menschen zu reden und ihm klarzumachen, was an Kostbarem er in der Seele hat. Seine Seele ist göttlich. Aber nicht jeder Mensch erkennt den hohen Wert dieser Göttlichkeit seiner Seele. Und weil er diesen Wert nicht kennt, ist es ihm gar nicht möglich, das Wertvolle zu pflegen. Er sieht nichts Kostbares in sich und kommt daher auch nicht auf den Gedanken, etwas pflegen zu müssen. Er beschäftigt sich also nicht mit den Kostbarkeiten seiner Seele.
Ihr wisst: Im Menschen, in seiner Seele, ist etwas vom Göttlichen. Gott wirkt ja durch den Menschen. Hier dürft ihr mich aber nicht falsch verstehen; damit ist nicht Gott in Person gemeint, sondern es sind göttliche Fähigkeiten, die den Geschöpfen ausgeteilt wurden, die durch den Menschen wirksam werden können – in diesem Sinne ist das ‘Gottwirken’ aus dem Menschen zu verstehen. Gott hat also von seiner Kostbarkeit in das Leben, in die Seele des Menschen etwas gegeben. Dieses Kostbare hat der Mensch anzuerkennen und zu pflegen. Er kann sein eigener Diener sein, indem er dafür sorgt, dass in seiner Seele, in diesem Tempel Gottes, immer Ordnung ist, das heisst, dass in seinem Denken und Wollen göttliche Ordnung wirksam ist. Und dass im Menschen der göttliche Tempel ist, der gepflegt werden muss, geht doch schon aus den Worten hervor, die Christus einst gesprochen hatte: “Ich will mit dem Vater in euch Wohnung nehmen” (Joh. 14, 23).
Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen; Gott hat ihn als Geist nach seinem Bilde geschaffen. So muss es doch etwas Kostbares sein, wenn Gott als der Höchste, als der Vollkommenste etwas schafft nach seinem Bilde. Das muss man als eine Botschaft im Tempel auf dem Altar bewahren. Der Tempel in der Seele, das Göttliche, muss gepflegt werden; es muss gepflegt werden durch das göttliche Bewusstsein, das stets angewandt wird. Und der göttliche Diener muss dafür besorgt sein, dass weder ein Dieb einschleicht, noch ein Räuber ihn überfällt. Dazu soll der Mensch fähig sein. Er soll sein ganzes Leben so einteilen, dass er sich über sein Gottesbewusstsein klar ist. Denn er ist doch ein Geschöpf Gottes, geschaffen nach dem Bilde Gottes als geistiges Wesen, das nun eingekleidet ist in die Materie, eingehüllt in die Materie, die er als Mensch mit sich herumtragen muss. Ist die Zeit des Erdenlebens vorbei, kann er diese Materie abstreifen. Dann steht er da als Geist, der aus Gott nach dem Bildnis Gottes geschaffen ist. Hat er sich im irdischen Leben mit dem Gottesbewusstsein befasst, hat er zeit seines Lebens seinen Tempel, das Göttliche, gepflegt, dann wird er in harmonischer Erscheinung sein. Hat er nichts vernachlässigt, so wird er aus seinem menschlichen Leben seine Gewinne erzielt haben, die ihm nun angerechnet und verwertet werden.
Ja, liebe Geschwister, im Leben des Menschen ist es manchmal möglich, dass ein Dieb oder ein Räuber kommt, der ihm sein göttliches Bewusstsein stiehlt oder ihn überfällt und ihm Schaden zufügt. Wer das tut, wird seiner Strafe entgegengehen. Nun kann der Mensch aber in gewisser Beziehung Distanz halten zu solchen Dieben und Räubern, er kann sich vor ihnen schützen, auch wenn er von ihnen ausgesucht wurde, um diesen geistigen Überfall an ihm vorzunehmen. Der Mensch kann mit seinem Gottesbewusstsein in seiner Seele Ordnung schaffen; er selbst hat die Aufgabe, Tempelpfleger, Tempeldiener zu sein und als solcher Gott zu dienen und seine Seele so zu pflegen, dass sie ihre Göttlichkeit bewahrt.
Darüber lässt es sich meditieren. In der Meditation findet der Mensch Kraft, geistige Erholung, geistigen Trost, wenn er sich darüber klar geworden ist, dass in seinem Innersten dieser Tempel Gottes ist, den er selbst pflegen darf, für den er selbst für Ordnung zu sorgen hat. In der Meditation findet er Kraft, geistige Erholung und Trost, wenn er sich mit diesem Gedanken befasst und diesen Gedanken pflegt: “Nach Gottes Bildnis bin ich geschaffen; ich lebe wohl hier als Mensch eingehüllt in die Materie und gebe das Äusserste her. Ich will ein Diener Gottes sein.”
Das Äussere des Menschen, seine Erscheinung, sein harmonisches Wesen, kann übereinstimmen mit dem harmonischen Leben in der Seele. Auch das Unharmonische am Menschen zeigt die Seele, es zeigt die unharmonische, die vernachlässigte Seele, das Inwendige des Menschen, das eben nicht gepflegt wird, sodass da eingebrochen und das Kostbare durcheinandergemacht oder zerstört wird. So sollte sich der Mensch darüber klar sein, und zwar sollte er jeden Tag darüber nachdenken und sich sagen: “Ich lasse meine Seele durch mich selbst pflegen, durch mein eigenes höheres Bewusstsein, durch mein Denken und Wollen. Ich bringe meiner eigenen Seele den Glanz und die Harmonie, die göttlich ist, die aus dem Ursprung Gottes kommt – das will ich in mir selbst versuchen zu mehren.” Darüber sollte man nachdenken und sich auch vornehmen: “Ich lasse keinen Dieb oder irgendwelchen Störenfried in mein Innerstes treten. Ich bin mein eigener Wächter. Ich werde dafür besorgt sein, dass die Göttlichkeit in ihrem vollen Werte erhalten bleibt.” [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.1.1972 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 4. Juli 1959
Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von der Heimkehr eines Mannes, der in seiner grossen Geschäftigkeit die Pflege seiner Seele vernachlässigt hatte. In der geistigen Welt erhält er die Gelegenheit, zuerst einmal seine Hast abzulegen und zur Ruhe zu kommen. So wird es ihm mit der Zeit möglich, die Gesetze seiner neuen Welt schätzen zu lernen und seine Strebsamkeit auf höhere Werte zu richten.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich möchte heute im Besonderen von einer Seele sprechen, die als Mensch eine materialistische Weltanschauung hatte. Ihr ganzes Interesse ging also sozusagen dahin, so viel wie möglich an Geldern zusammenzubringen, für sich selbst ein angenehmes Leben zu gestalten und dementsprechend auch den Kindern etwas zu hinterlassen. Durch diese einseitige Einstellung wurde die Seelenpflege vernachlässigt. Dieser Mensch glaubte wohl an Gott und betete dann und wann, aber er machte sich keine Vorstellung von der andern Welt, sondern er wollte dem Leben so viel wie möglich abgewinnen; an das andere Leben dachte er nicht. Diese Einstellung ist bei den Menschen sehr oft anzutreffen, und so sind es ungeheuer viele, die mit diesem gleichen Denken und Verschulden in die andere Welt einkehren und hier verwundert sind über das neue Leben.
So wurde nun auch diese Seele in der Jenseitswelt von den Verwandten und Freunden begrüsst, doch dauerte diese Begrüssung nicht sehr lange. In solchen Fällen ist es oft so, dass die Engelswelt sich sofort einmischt und diese Heimkehrenden an den Ort führt, wo sie hingehören. So ist es nicht immer gestattet, dass man vorher lange Gespräche mit seinen Freunden oder Verwandten führen kann. Je nachdem wie es die höhere Geisteswelt für gut befindet, lenkt sie das Geschick des Einzelnen.
Diese Seele, von der ich nun sprechen möchte, wurde in eine Umgebung geführt, von der man nicht sagen kann, dass sie nicht schön gewesen wäre; doch von einer ausgeprägten Schönheit kann auch nicht die Rede sein. Das Besondere an dieser Gegend war, dass es hier viele Wälder und Seen gab. Dieser Geist wurde von den Engeln Gottes dahin geführt, und es wurde ihm erklärt: “Du musst dich nun im gemeinschaftlichen Leben mit den andern zurechtfinden. Denn es gibt so vieles, was du gutzumachen hast, so vieles, was du zu lernen hast. Du warst in deinem menschlichen Leben gewohnt, viel zu arbeiten, und hast dafür auch den Lohn erhalten. Über alldem hast du aber deine Seelenpflege vollständig vernachlässigt. Mit dieser Seelenpflege ist vom geistigen Standpunkte aus die Liebe gemeint, das Wohlwollen und Verständnis für den Mitmenschen. An dem hat es dir und vielen andern gemangelt. Du hattest eine materialistische Anschauung und widmetest dich ganz besonders den materiellen Belangen. Jetzt werden wir dir Zeit lassen; du sollst dich in deinen Anschauungen ändern. Du hast dich nun ganz anderen Interessen zuzuwenden, und du musst das, was du in deinem Menschenleben vernachlässigt hast, hier nachholen und pflegen.”
Dieser Geist durfte nun nicht etwa mit Freunden oder Verwandten zusammen sein, sondern es waren alles fremde Wesenheiten; sie alle waren in selber Art verschuldet wie er. So lebten sie in einer grossen Gemeinschaft zusammen. Sie hatten einander zu verstehen und mussten lernen, ihre Gefühle im Zaum zu halten und sich zu überwinden. Denn gerne hätte der eine am andern dieses oder jenes gerügt. Der Heimgekehrte, von dem ich berichte, nahm sich zusammen; er betrachtete alle diese andern als Fremde und konnte nicht so sprechen und seinen Unwillen kundtun, wie er es unter seinen eigenen Verwandten oder Freunden getan hätte. Er musste also seine Gefühle im Zaum halten; er musste viel Unangenehmes, was von andern zum Ausdruck kam, in Kauf nehmen und versuchen zu überwinden. Der Geist, der ihn an diesen Ort geführt hatte, erklärte es ihm: “Siehst du, nur in der Gemeinschaft mit diesen andern Wesen kannst du dich verbessern.”
Freilich gefiel es diesem Geist nicht, mit so vielen zusammen zu sein, deren Interessen so verschieden waren. Sein Denken ging immer noch zurück zu seinem früheren Leben. Er interessierte sich immer noch für das Geschehen der irdischen Welt und ganz besonders für den Fortgang seines eigenen Hauses und für das Wohlergehen seiner Familie. Die Engelswelt war in dieser ganzen Sphäre reichlich vertreten. Denn die Wesenheiten hier lebten in grossen Häusern in grossen Gemeinschaften zusammen, und genauestens wurde alles überprüft. Keinem war es gestattet, zurückzukehren ins Erdenreich. Wohl durften sie darüber nachdenken, was sich dort alles ereignen könnte, wie man von ihnen reden würde und so fort; aber die Verbindung zur Erde war ihnen vollständig abgeschnitten. Sie waren gebunden an diese Häuser und dieser Gemeinschaft verpflichtet.
Die Sphäre hier war aber sehr gross und hatte ihre grossen Wälder und Seen. Diese Wesen durften in diesen Wäldern wandern – wenn es ihnen gelang, allein; sie konnten es auch zu zweit, zu dritt oder in grossen Scharen tun. Sie konnten sich auch an den Ufern der Seen aufhalten, aber sie durften nicht arbeiten, sie hatten keine Beschäftigung. Die Engelswelt unterrichtete sie und sprach zu ihnen: “Ihr alle wart in eurem menschlichen Leben so eifrig. Hier müsst ihr nun diesen Arbeitseifer – in der Art und Weise, wie ihr ihn gepflegt habt – überwinden. Ihr müsst versuchen, euer Denken anders auszurichten. Denn während eures ganzen Erdenlebens hattet ihr die Seelenpflege vernachlässigt. Ihr müsst nun einmal lernen, was überhaupt überwinden heisst und was Verständnis ist für den andern. Ihr müsst versuchen, Liebe aufzubringen.”
Das schien nun die grösste Aufgabe für sie alle zu sein, und es war in Tat und Wahrheit eine grosse Aufgabe für sie. Denn sie alle, die da vom Erdenreich kamen, waren sich so sehr an das geschäftige Tun gewöhnt, und sie vermochten sich viel zu wenig den göttlichen Gesetzen zu widmen. Nur zu gerne wären sie wieder zurückgekehrt ins irdische Reich und hätten sich irgendwo bei einem Menschen betätigt; sie hätten dabei Ablenkung und Zerstreuung gefunden. Aber nun hatte man sie gebannt an einen Ort, wo sie keine Beschäftigung hatten und wo sie versuchen sollten, sich dem höheren Denken hinzugeben. Das ist schwer, sehr schwer für solche, die von Gott weit entfernt sind, weil ihre Gebete, die sie in ihrem menschlichen Leben verrichtet hatten, nicht in einer Innigkeit und Andacht gesprochen worden waren. Sie hatten auch gebetet, doch nur, weil man es von ihnen verlangt hatte. Sie gingen dann und wann zur Kirche, weil es zum guten Ton gehörte, weil man sie in die Kirche gehen sehen wollte. Aber sie hatten keine innere Verbindung zur göttlichen Welt, keine Sehnsucht, kein Verlangen nach Gott, sondern ihr grösstes Interesse galt nur den Geschäften. Und nun mussten sie in der Jenseitswelt, fernab von all diesen Geschäften und all diesem Wollen, versuchen, der Göttlichkeit näherzukommen.
Die Engelswelt stand ihnen zur Seite und unterrichtete sie in der Liebe, im Verständnis und erklärte ihnen, was alles sie in ihrem Leben vernachlässigt hatten. Sie übertrug ihnen aber keine Aufgaben besonderer Art, sondern sie erklärte ihnen nur, was sie im Leben hätten tun sollen. Das Einzige, was die Gotteswelt bei diesen allen anstrebte, war die Ruhe; die seelische Ruhe sollten sie gewinnen. Dazu eignete sich diese Umgebung wunderbar. Sie war zwar nicht besonders schön, aber sie hatte doch das Wunderbare an sich, diese Ruhe auf all diese Wesenheiten zu übertragen. Sie hatten die Möglichkeit, in diesen geistigen Wäldern zu wandern, nur zu wandern, fernab vom irdischen Reich und all dem, was sie in ihrem menschlichen Leben beschäftigt hatte. All das sollte weit entfernt von ihnen bleiben. Gezwungen wurden sie, in diese Ruhe einzugehen. Vergessen sollten sie all ihre irdischen Geschäfte, all das Getriebe ihres vergangenen Lebens. Sie sollten zuerst einmal zur Ruhe kommen.
Sie hatten auch die Gelegenheit und wurden dazu aufgemuntert, den Seen entlangzugehen, dort zu wandern. Sie wurden aufgefordert, miteinander zu sprechen, und so konnte ein jeder von seinem Leben, von seinen Interessen, die er hatte, reden. Und so merkten sie bald, dass sie alle in gleicher Art und Weise gelebt hatten und den gleichen Zielen nachgegangen waren. So erkannten sie, dass sie die göttlichen Gesetze verletzt hatten, dass sie sich nicht nach ihnen erkundigt und diese Seelenpflege vernachlässigt hatten. Nun sollte nichts anderes als eine Ruhe über alle diese Wesenheiten kommen.
Nun war es so, wie ich betonte, dass die Engelswelt in dieser Sphäre zahlreich vertreten war und den einen wie den andern immer genau beobachtete. Denn während die einen eifrig bemüht waren vorwärtszukommen, nahmen andere einfach hin, was geschah, und gaben sich damit zufrieden. Trotz der vielen Belehrungen der Engelswelt gelingt der Aufstieg dieser Wesen nicht in der Eile, wie man es sich von der göttlichen Seite her wünscht, weil der Charakter vom einen zum andern eben so verschieden ist und der eine eher bestrebt ist, schneller aufwärtszukommen, während ein anderer sich dafür genügend Zeit lassen möchte.
Diese Seele, von der ich im Besonderen sprechen möchte, hatte nun in dieser Sphäre Gelegenheit, an das gelebte Leben zurückzudenken. Sie sann auch darüber nach, dass bei ihrer Heimkehr in die Jenseitswelt die Eltern, die Freunde und Verwandten nur so kurze Zeit da gewesen und dann entschwunden waren. Da fragte dieser Geist: “Wo sind denn meine Angehörigen?” Und man erklärte ihm: “Sie gehören nicht hierher.” – “Ja und wenn meine Kinder ins geistige Reich kommen, werden sie hierherkommen? Wo stehen sie? Darf ich mich dann mit ihnen unterhalten?” Und der Engel sprach zu ihm: “Deine Kinder werden nicht in diese Sphäre kommen, denn so wie wir es bis heute betrachten, dürfen sie in Sphären eingehen, die weiter oben sind.”
Das beeindruckte nun diesen Geist, und er bedauerte es, denn er wollte es nicht haben, dass er als Vater im Geisterreiche tiefer unten stehen sollte als seine Kinder. Aber es war ihm eigentlich schon verständlich, denn er wusste, seine Kinder hatten andere Anschauungen als er. Er war wirklich nur darauf ausgegangen, so viel wie möglich an irdischem Gute zusammenzutragen. Aber er wollte es ja nicht allein für sich, sondern es sollte seinen Kindern zugutekommen. Und hier musste man ihn belehren, dass eben diese irdischen Güter im Reiche Gottes nichts zählen, dass nur die geistigen Werte von Bedeutung sind und dass nun eben gerade seine Kinder grösseres Interesse daran hätten, geistige Werte zusammenzutragen. Ja, wohl freute er sich darüber, dieses zu hören, und er wusste auch, dass sie in ihrer Lebenseinstellung ganz anders und frommer waren, als er es gewesen. Ja aber was sollte er nun tun? Er wollte nie und nimmer auf dieser unteren Stufe stehenbleiben, während dann dereinst seine Kinder über ihm sein sollten. Er schämte sich. Er wollte nicht, dass seine Kinder ihn hier unten besuchen sollten. Nein, er selber wollte von oben hinuntergehen und seine Kinder begrüssen. Doch der Engel sagte: “Das ist nicht möglich. Du hast viel zu viel verloren; du kannst nicht von oben nach unten steigen. Deine Kinder werden dereinst dich besuchen, wenn alles so weitergeht, wie sie bis jetzt ihr Leben geführt haben.”
Dann sprach dieser Vater: “Ich wünsche alles zu tun, die grössten Anstrengungen zu unternehmen, um doch wenigstens auf die gleiche Ebene zu kommen wie sie. Ich möchte sie an dem Ort und an der Stätte begrüssen, wo sie eingehen werden. Ich möchte mit ihnen zusammen sein.” Und der Geist, der ihn belehrte, sprach: “Wenn du dich beruhigt hast und der erste Teil deiner Entwicklung oder der Anfang deiner Läuterung abgeschlossen ist, dann werden wir einen weiteren Schritt tun. Wir haben in diesen Läuterungszeiten, die dir bevorstehen, Möglichkeiten für dich, dass du gutmachen und aufwärtskommen kannst. Vielleicht gelingt es dir, wenn du dafür wirklich Ausdauer und Mut hast. Aber du kannst nichts dagegen einwenden, dass du genau den Entwicklungs- und Läuterungsweg aufwärtsschreiten musst, der für dich gezeichnet und angeordnet wurde. Du erlebst nun den ersten Teil: Du musst deiner Seele diese Ruhe zuführen, damit es dir möglich ist, all diese Belehrungen aufzunehmen.” Und man erklärte es ihm: “Es ist genauso wie im Menschenreich: Wenn eine Pflanze in gute Erde gesetzt wird, besteht die grosse Möglichkeit zu ihrem Wachsen und Gedeihen. Wenn nun dementsprechend im Geisterreiche eine Seele an einen Ort gesetzt wird, wo sie die Möglichkeit hat, zur Ruhe zu kommen, dann ist für sie die grösste Möglichkeit zum Aufstieg gegeben.”
Dabei möchte ich Folgendes erklären: Es sind so viele, die auch in der Geisteswelt noch genauso sind, wie sie es in ihrem menschlichen Leben waren, so hastig und nervös – sie leben im selben Zustand. Wer dagegen eine stille, ruhige Wesensart hat, hat sie auch im Geiste. Wer viel spricht und hastig ist, tut und ist es auch im Geiste. Denn es ist der Geist, der sich durch den Leib zum Ausdruck bringt.
Nun, auch ihr kennt in eurer Welt Mittel und Wege, wie man sich beruhigen kann. Auch ihr sucht dementsprechende Orte auf, ihr sondert euch ab von Menschen, um zur Ruhe zu kommen, um andere Gedanken zu pflegen, um euch zu heben in eurem Denken. Also muss dafür die Umgebung geändert werden. Und so ist es im Geisterreiche. Man hat diesen Seelen vorerst keine Arbeit zugewiesen, sondern man wollte sie zuerst in diese Ruhe hineinbringen. Die Hast, die sie von ihrer Welt mit hinübergetragen haben, musste zuerst gelegt werden. Denn es ist genau wie bei euch, wenn ihr zu Menschen redet, die so nervös sind: Sie hören ja oft nicht zu, was ihr sprecht, sie reden einfach weiter. Genauso ist es mit diesen Wesenheiten in der Geisteswelt. Was hätte es für einen Sinn, wenn die Engel ihnen Erklärungen geben würden, sie selbst aber sprechen von andern Dingen und hören nicht zu?
Man will solchen, die sich in ihrem Leben nicht auf eine besondere Art verschuldet haben, nicht mit grösster Strenge begegnen, wie es möglich wäre und in andern Fällen getan wird. Denn nicht allen Wesenheiten ist es gestattet, in eine solche Welt einzukehren, wo sie zuerst in diese Ruhe hineinkommen. Hat sich einer aufs Schwerste belastet, wird er von der Hand Gottes auch dementsprechend hart angefasst, und es wird ihm nicht gleich diese Ruhe dargeboten. Und das bedeutet, dass er für seine Läuterung viel länger braucht; es ist die einschneidende Wunde, dieser Schmerz, den er haben muss. Bei den andern aber sieht die Geisteswelt: “Ja, sie wurden als Menschen geblendet in ihrer Welt. Ihr Herz aber ist gut, man muss dementsprechend mit ihnen umgehen.” Man erkennt also ihren guten Willen, und so gibt man ihnen in der Geisteswelt Gelegenheit für eine schnellere Entwicklung. Sie werden aber auch genau geprüft, und nicht bei einem jeden geht es gleich schnell. Der eine bleibt lange in dieser Sphäre, bis er zur Ruhe kommt, der andere ist schneller einsichtig.
So kann sich also ein Geist sagen, so wie dieser, von dem ich jetzt spreche: “Ich wünsche alles zu tun, um aufzusteigen; denn ich möchte meinen Angehörigen nicht in dieser Welt begegnen, wenn sie selbst geistig über mir stehen.” Er kommt also zur Einsicht, dass er sich um seine schnellere Entwicklung bemühen muss – vielleicht aus einem gewissen Stolz, weil er nicht unter ihnen stehen möchte; vielleicht ist auch die Liebe zu seinen Kindern oder zu seinen Angehörigen so gross, dass er mit ihnen zusammen sein möchte. Und hier ist es wiederum die gnadenvolle Gotteswelt, die sofort bereit ist, einem Geiste die Hand zu bieten und ihm zu sagen: “Wenn du glaubst, dass du es erreichen kannst, sind wir bereit, dich zu führen. Wir wollen dich dahin bringen, wo du die beste Möglichkeit hast, schneller aufwärtszukommen.” Aber ich betonte: Er muss durch diese Stufen der Läuterung gehen, die für ihn gezeichnet sind.
Wenn nun die Zeit der Ruhe das Wunderbare an ihm erfüllt hat und er zu dieser Erkenntnis gekommen und in seiner Wesensart ruhiger, aufnahmefähiger geworden ist, dann beginnt die zweite Phase der Läuterung. Der Engel führte ihn nun an einen andern Platz; der Weg dahin blieb aber in derselben Sphäre. Diese Sphäre ist so gross und der Wege sind so unendlich viele, aber aus eigener Kraft finden diese Wesen hier nicht den Weg da- oder dorthin; man begreift die Weiten dieser Sphäre nicht, man weiss nicht, wo man ist. Nur durch die Führung der Gotteswelt gelangt man an diesen oder jenen Platz, der in derselben Sphäre etwas angenehmer sein kann.
Nun, diese zweite Phase, die er durchzumachen hatte, war folgende: Der Engel begleitete ihn weit weg zu einem Walde. An dessen Rand stand ein unendlich langes Gebäude, das sehr niedrig gebaut war. Man sah eine Zelle an der andern. Es gab keine Türen, jede Zelle war offen; doch jede war für sich abgegrenzt, und die Sicht ging in den Wald hinein – nichts anderes konnte man sehen als diesen Wald. Und so wurde dieser Geist in eine solche Zelle geführt, und es wurde ihm klargemacht: “Keine Grenzen sind dir gesetzt, es ist also kein Riegel geschoben, offen ist dein Platz. Aber du darfst ihn nicht verlassen, du hast hier in dieser Zelle zu verweilen, und Ausblick hast du nur in den Wald. Du hast hier so lange zu bleiben, bis du wieder geholt wirst. Du darfst nicht ins Gespräch mit den andern kommen, und du sollst keine Laute von dir geben. Ruhig sollst du hier bleiben, hier ist die Fortsetzung deiner Läuterung. Du hast in deinem Leben manches falsch getan. Hier hast du die Möglichkeit, zu dir selbst zu kommen, mit dir selbst zu reden. Hier kannst du Gott bitten, dass er dir Kraft gibt, um einsichtig zu werden, und dass du die Kraft erhältst für diesen Aufstieg, den du erreichen möchtest. Du bist hier frei und dir ganz selbst überlassen.”
Dieser Geist nahm nun Platz in einer solchen Zelle. Ja, er wollte es auf sich nehmen, denn er dachte zurück an seine Kinder. Und er erkundigte sich: “Wie lange muss ich denn hier bleiben? Ich kann ja keine Zeit messen, ich habe keine Möglichkeit dazu.” Und der Engel Gottes sprach zu ihm: “Du brauchst nichts von Zeit zu wissen. Du sollst nur über dich selbst nachdenken.” Denn die Engelswelt wollte bei jedem dieser Wesen, die in den Zellen dieses gewaltig langen Gebäudes waren, nur die Einsicht. Sie sollten sich fragen: “Was habe ich falsch getan in meinem Leben? Was möchte ich besser tun, oder was würde ich heute mit meinen Erkenntnissen besser tun?” Sie sollten über alles nachdenken und Annäherung suchen an die Göttlichkeit; sie sollten beten, im Gebete Kraft finden, Ausdauer haben im Gebet. Um das ging es. Alle diese Wesenheiten wurden geprüft auf ihren Gehorsam, auf ihre Ausdauer. Nichts war ihnen gesperrt, denn sie hätten hinaustreten können in diese Wälder hinein. Dann hätten sie aber ihre Aufgabe nicht erfüllt, und die Engelswelt hätte sie nach gewisser Zeit wieder dorthin zurückversetzt, wo sie diese Ruhe in sich aufnehmen sollten. Das wusste ein jeder. Jeder wollte aufwärtskommen und unbedingt Gehorsam leisten. Keiner in diesem grossen Gebäude tat einen Schritt hinaus. Sie sassen in ihrer Zelle, sie knieten, sie dachten nach, sie beteten und baten darum, Gott möge ihnen Erkenntnis und Kraft geben. So brachte jeder zum Ausdruck, dass er willens war, der Engelswelt Gehorsam zu leisten.
Ihr Interesse am irdischen Reich entschwand nun immer mehr. Man dachte nach über die vielen Geschwister im Himmelreich. Man dachte an jene, die schwer belastet waren und an dementsprechenden Stätten verweilen mussten. Man dachte nach, wie ihnen zu helfen wäre. Man dachte nach, wie der Aufstieg vor sich gehen könnte. Man hatte über so vieles nachzudenken und hatte so viele Fragen. Und all ihr Denken war offensichtlich in ihnen gezeichnet. Denn wenn sich die Geister Gottes ihnen näherten, sahen sie, in welche Richtungen ihr Denken ging, wie ihre Anschuldigungen oder ihre Einsicht waren. Es wurden nicht gleich alle zusammen weggeführt. Der eine brauchte länger in seiner Zelle zu verweilen, bis er einsichtig wurde, dem andern genügte eine kurze Dauer. Und dann, wenn es so weit war, kamen die Engelwesen – jedem war ein eigener Engel Gottes zur Seite – und führten sie fort.
So erging es auch diesem Geist, von dem ich berichte. Er betete, und sein ganzes Verlangen richtete sich nach Gott und den göttlichen Gesetzen seiner neuen Heimat – denn es wurde ihm bewusst, dass sie ihm die wirkliche Heimat geworden war. Nun kam der Engel Gottes zu ihm und sagte: “Es ist gut, wie du deine Gesinnung gepflegt hast. Nun kommt die dritte Phase in deiner Läuterungszeit.” Und er führte ihn wiederum an einen andern Ort in derselben Sphäre, in ein schönes Haus hinein, auch wieder in Gemeinschaft mit vielen andern. Hierher kamen viele Engelwesen und beschäftigten sich mit jedem Einzelnen, denn jeder hatte seine besondere Aufgabe erhalten. Obwohl sie ja gemeinsam durch diese Läuterung gingen, war jeder doch anders. Jeder hatte seine Eigenart und auch sein besonderes Verschulden. Nun sprach der Engel Gottes zu dieser Seele: “Du hast dich dem Erdenreich schon etwas entwöhnt und vieles davon vergessen. Aber jetzt müssen wir dorthin gehen. Dort soll die neue Prüfung beginnen.”
Nun führte man diesen Geist zu Menschen hin, die von gleicher Wesensart und genauso geschäftig waren, wie er es gewesen war. Man stellte ihn neben einen solchen Menschen hin und sagte: “Was tust du? Was hast du nun für einen Einfluss und für eine Macht über diesen Menschen? Was beliebt dir zu tun?” Prüfen wollte man ihn auf seine wahre Gesinnung. Prüfen wollte man ihn, ob er seine einstigen Gefühle wirklich überwunden hatte. Oder wurden sie jetzt alle wieder offenbar? Er sprach dann zum Engel: “Ich selber möchte mich nicht mit diesem Menschen beschäftigen, es sei denn auf deinen Hinweis. Ich möchte ihm nur verständlich machen, dass er seine Interessen nicht so sehr auf dieses irdische Gut richten möge.”
Und der Engel führte ihn weiter an einen andern Ort, diesmal in eine Unterhaltungsstätte. Er wollte ihn prüfen, ob er Gefallen finde an alldem, ob er vielleicht einen Menschen finden könnte, an dem er Gefallen hätte, bei dem er verweilen mochte. Sein Denken wurde wiederum geprüft in einer andern Umgebung. Bestand die Möglichkeit, dass gewisse Leidenschaften zum Ausdruck kämen? Und wiederum sprach er – denn er dachte doch an seine Kinder und an seinen Aufstieg, den er erreichen wollte –: “Ich wünsche eigentlich nicht, hier zu verweilen. Begleite mich vielmehr dahin, wo im frommen Gesang und mit Musik Gott gelobt und geehrt wird. Da hätte ich eine grössere Freude.”
Und der Engel führte ihn wieder weg, aber nicht dahin, wo im Gesang und mit Musik Gott gelobt und gepriesen wurde. Denn dieser Geist musste geprüft werden, und so wurde er aufs Neue zu einzelnen Menschen hingeführt. Und bei jedem sollte er seine Bemerkungen machen; er sollte zum Ausdruck bringen, ob er Gefallen finde am Tun dieses Menschen, und man prüfte ihn, in welcher Art und Weise er sich dieses oder jenes Menschen bemächtigen mochte. Und er sprach zu seinem Begleiter: “Ich werde nichts tun ohne deinen Hinweis. Wenn du mir sagst, dass ich es so und so zu tun habe, werde ich dir Folge leisten. Ansonsten werde ich nur beten für ihn, dass er den richtigen Weg findet. Ich werde keinen Einfluss auf ihn ausüben, sondern nur im guten Denken mit ihm verbunden sein, dass er Gott finden möge.” Der Engel prüfte ihn so auf vielerlei Arten.
Dann nahm er ihn wieder mit und begleitete ihn zurück an die letzte Stätte, von wo er mit ihm ausgegangen war, und sprach: “Du ahnst ja nicht, wie viel Zeit nach irdischer Berechnung seit deiner Einkehr in die Geisteswelt vorübergegangen ist. Ja, es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis deine Kinder, eines nach dem andern, auch in diese Welt kommen werden. Du hast nun durch Ausdauer und guten Willen deine Aufgaben erfüllt.”
Nun ging dieser Engel Gottes mit ihm in eine wunderschöne Halle, in der Engel Gottes versammelt waren, um Gott zu loben und zu preisen. Und auch hier, nach dem Eintritt in diese Halle, prüfte man ihn auf sein Denken und Wollen, auf sein ganzes Trachten. Ja man durchschaute ihn, ob er wirklich mit einstimmen wollte in diesen Lobpreis, ob er wirklich im Verlangen war, Gott näherzukommen. Und dem war so. Er bestaunte den Gesang, er bestaunte die Engelswelt und war glücklich. So wusste man, dass er doch einigermassen gefestigt war, und man erklärte ihm: “Wir entfliehen nun dieser Sphäre und gelangen dorthin, wo deine Kinder hinkommen werden. Du sollst aber nicht glauben, dass deine Aufgaben und Prüfungen beendet wären. Sie werden wieder beginnen, auf eine andere Art; doch die Läuterung im geistigen Reiche soll jetzt für dich vorüber sein – beginnen werden sie wieder mit einem neuen Leben. Du hast nun so viel gelernt, und wenn du dann für das neue Leben vorbereitet wirst, setzt man auf dich und hofft, dass du mehr gewinnst und mehr leistest für den Heilsplan Gottes.”
Die Welt, in die er nun einkehrte, war so farbenprächtig und so schön, und er wartete mit Ungeduld auf die Einkehr seiner Lieben. Jetzt war es ihm gestattet, nach freiem Ermessen zu ihnen auf Erden zu gehen. Es wurde ihm auch erklärt, wann sie in die Jenseitswelt kommen würden. Und so näherte er sich all jenen, die für die baldige Heimkehr gezeichnet waren. Er durfte dabei sein bei ihrem Erwachen, er durfte sie begrüssen. Er war glücklich, und er war froh über sich selbst, dass er den Weg zu seinem Aufstieg gefunden hatte.
So, liebe Freunde, gab ich euch diese Stunde wiederum Einblick in die göttlichen Gesetze. Wie mancher Vater, wie manche Mutter sehnt sich nach ihren Lieben. Und sie hoffen auch, wenigstens am Anfang zusammen sein zu dürfen. Sie hoffen auch, sich nicht trennen zu müssen. Wie wunderbar ist es, wenn man eine solche Verbindung zum Geisterreiche pflegt – und nicht nur das, sondern wenn man auch die Seelenpflege kennt und in Anwendung bringt. Sie hilft zu diesem Aufstieg zu Gott. Und so möge es sein. Pflegt eure Seele. Das bringt euch Gesundheit und Heil. So gehet alle hin im Frieden. Der Segen Gottes begleitet euch. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 4.7.1959 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)