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“Wenn du mühselig und beladen bist, dann suche die Stille, und trete ein in das geistige Reich, und lass dich erfüllen von dieser wundersamen Kraft.” Im ersten Vortrag dieses Heftes führt einen Geistlehrerin Lene in die göttliche Welt. Sie beschreibt, wie man in der Meditation an der Seite seines Schutzengels ein Stück Himmelreich erleben und an verschiedenen Stationen Kraft für Körper und Geist empfangen darf. Doch nicht nur im Himmelreich, auch auf Erden hat Gott – so die weiteren Vorträge in diesem Heft – für das Heil des Menschen viele und unterschiedliche Quellen geschaffen. So vieles lässt Gott auch in der irdischen Welt zur Freude des Menschen wachsen und gedeihen, und der Mensch soll von diesen Quellen nehmen, wie es ihm gefällt. Denn erhält die Seele, wonach sie sich sehnt, wird sie froh und beglückt und vermag ihren Frohmut auf den äusseren Menschen zu übertragen und auf diese Weise auch zur Überwindung von Krankheiten, zur Gesundung des Leibes beizutragen.
Lene, 12. Juli 1958
“Wenn du mühselig und beladen bist, dann suche die Stille, und trete ein in das geistige Reich, und lass dich erfüllen von dieser wundersamen Kraft.” Geistlehrerin Lene durchwandert in diesem Vortrag einen Weg in der göttlichen Welt. Sie beschreibt, wie man in der Meditation an der Seite seines Schutzengels ein Stück Himmelreich erleben kann. Der Weg führt an verschiedene Stationen, wo man Kraft für Körper und Geist empfangen darf.
Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ich versuche nun, euch diese Stunde eine Meditation zu geben, die für euch heilsam sein soll und die ihr immer wieder zu Hause üben könnt in derselben oder in ähnlicher Weise. Wenn der eine krank ist oder in Not, so empfehlen wir ihm, die Stille aufzusuchen, sich mit der Gotteswelt zu verbinden. Da versuchen wir ihm beizustehen und Kraft zu geben. Wir müssen aber die Menschen aufklären, dass sie oftmals selbst schuld sind an ihren körperlichen Krankheiten. Sie können aber zu diesen göttlichen Quellen hintreten und Linderung, ja sogar Heilung holen.
So möchte ich, bevor ich euch in diese Meditation hineinführe, doch einmal erklären: Wenn Unangenehmes zu euch kommt, dann müsst ihr versuchen, euch in euren Gedanken zu heben, euch also in eine höhere Schwingung hineinzuversetzen. Wenn zum Beispiel der eine sich in besonderer Weise über irgendwelche Dinge aufregt – ja, diese Aufregung kann so stark sein, dass sie da oder dort den Tod hervorruft –; durch seine Einstellung, durch diese Erregung wird von seiner Seele heraus ein, ich möchte sagen, gewisses Gift auf seinen irdischen Leib, in seine Organe geführt, die in ihm diese Erregung entfaltet, was sehr schädlich sein kann. Wenn man sich aufregt, kann man davon krank werden, und diese Krankheit kann von längerer Dauer sein. So schadet sich ein jeder selbst, wenn er sich aufregt. Er schädigt seine Seele, die so verbunden ist mit dem Leibe; er hat seine Kanäle, und durch diese Kanäle fliessen diese Kräfte, die von ihm entwickelten aufbauenden oder vernichtenden Kräfte. Wenn du also etwas Unangenehmes hast in deinem Leben, musst du dich darin üben, stärken, dass du es überwinden kannst, damit dein Körper gesünder bleibt und du in dieser körperlichen Gesundheit Gott und dem Nächsten viel mehr dienen kannst. So hat jeder die Möglichkeit, das zu überwinden. Und wenn du dann wieder in dein Leben hinaustrittst und diese unangenehmen Dinge zu dir kommen, die dir diese innere Unruhe bringen, dann denke an diese Stunde und versuche darüberzustehen; denn dieses niedere Denken, dieses Aufregen versetzt dich in eine solch niedere Welt, in eine niedere Schwingung hinein, von wo aus nichts Heilvolles kommt. Und schliesslich, wenn du diese Dinge gesund betrachtest, sollst du Herr werden über alles. Du sollst Gott bitten, dass er dir den Weg zeigt, das Üble zu überwinden, und er dir Licht gibt auf deinem Lebensweg. Du sollst also nicht verzweifeln. Es möge kommen, was wolle – richte dich auf, erhebe deine Gedanken, dein ganzes Sinnen und Wollen. Von dort, von diesen Höhen, kommt eine wundersame Kraft zu dir.
Nun, es neigen viele Menschen gerade in der heutigen Zeit dazu, es in der Meditation dem östlichen Menschen gleichzutun. Wenn das, was diese östlichen Menschen ihnen nahebringen, heilvoll ist, sinnreich, dann mögen sie es ja so halten und sich in dem üben. Aber auch ich bin der Auffassung, dass viele Menschen Sinnloses tun. Sie sollen also versuchen, nur das zu tun, was sie geistig wirklich bereichert, was ihnen auf dem Wege zu Gott dient. Denn ihr sollt euch einmal vorstellen: Was für den östlichen Menschen gut ist, ist es für den westlichen noch lange nicht, denn die Lebensbedingungen jener Menschen sind ganz anders. Gott hat es so wunderbar geschaffen; denn jene Menschen in jener Welt, wo sie leben, haben ihre ganz besondere Lebensweise. Ihr sollt euch einmal im Geiste dorthin versetzen. Ihr sollt all das Treiben dieser Menschen sehen können; ihr sollt aber auch die Armut, den Schmutz dieser Menschen sehen können, die ganzen Lebensbedingungen erfassen. Dann sollt ihr daraus zur Erkenntnis kommen, dass in dem Lande, wo ihr lebt, ganz andere Bedingungen sind. An euch können ganz andere Anforderungen gestellt werden als an jene Menschen. Denn so sind es die kosmischen Strahlen, die in gewissem Sinne mithelfen, den Menschen zu formen, wie er ist, und zu gestalten in seiner Ausdrucksweise. Er ist mit seiner irdischen Scholle verbunden; und da, wo er lebt, sind besondere Kräfte, Ein- und Ausstrahlungen, die bei ihm das erfüllen und zustande bringen, was er ist – oder ich möchte sagen, durch diese äusseren Einflüsse wird die verschiedenartige Mentalität des Menschen geformt und gestaltet. Man kann dem westlichen Menschen nicht zumuten, dass er dasselbe erfüllen und tun soll, was jene Menschen im Osten leisten, denn diese leben unter anderen Bedingungen, und sie werden von anderen Kräften geformt. Dementsprechend ist auch die Medizin, die dort für den Menschen gut ist, hier nicht unbedingt auch gut.
Ich habe gesagt, wenn einer von euch nun etwas von jenen östlichen Menschen übernommen hat, das er gut findet, das für sein Leben heilvoll ist, dann soll er es weiter tun. Wer aber nach dem Guten und Heilvollen sucht, der soll doch das tun und befolgen, was ihm entspricht; denn er erhält die volle Unterstützung von all dem, was von seiner Scholle oder der Erde, wo er lebt, auf ihn einwirken kann. Seine Umgebung hat die ganz bestimmte Kraft, die an ihm erfüllt und formt, wie es sein soll.
Nun versuche ich, euch in die geistigen Bereiche zu führen, damit ihr diese wunderbaren Kräfte bekommen könnt. Ich möchte euch in eurem Denken heben. Ich bitte euch, eure Augen zu schliessen, um besser zu empfinden. Dann müsst ihr versuchen, euch von der Schwere dieser Ebene zu lösen, um mit mir zu kommen, mir zu folgen. Ich versuche nun, anhand von Bildern euch diese Erlebnisse zu geben. Dazu möchte ich euch die Erklärung geben: Ihr müsst euch vorstellen, dass euch ein grosser Film gezeigt wird und ihr all diese Worte, die ich spreche, erlebt. Diese Bilder, die ich euch gebe, sind alle im geistigen Reiche vorhanden. Menschenseelen werden dorthin geführt, damit sie gekräftigt werden. Es ist einem medialen Menschen möglich, gewisse Bilder festzuhalten, das heisst, sie richtig zu erleben, richtig mitzukommen, während andere da sind und sich fragen: “Ja das mag vielleicht nur Einbildung sein.” Nun, ich habe nicht die Zeit, nähere Erklärungen darüber zu geben, sondern ich möchte euch nur raten: Kommt mit, hebt euch, und ihr werdet daraus einen Gewinn haben für euer zukünftiges Leben.
Meine lieben Freunde, wir treten ein in einen geistigen Bezirk. Der Weg führt durch den Wald. Schön kühl, angenehm empfindet ihr es. Mitten in diesem Walde erblicken wir einen grossen, grossen Brunnen, und du setzt dich auf den Rand dieses Brunnens. Das gesegnete, heilvolle Wasser ist zugeflossen vom Hause Gottes. Es ist das heilvolle geistige Wasser, das aus den himmlischen Höhen durch alle Sphären fliesst und da und dort gesammelt wird wie auch mitten in diesem Walde. Du sitzt nun auf dem Rande dieses Brunnens. Neben dir steht dein Schutzengel; er entnimmt aus seiner Manteltasche einen Becher. Ganz einfach ist er geformt. Es ist der Becher, den er immer wieder für dich bereit hat, aus dem du schon längst getrunken hast, ohne dass du es weisst. Er füllt dir nun diesen Becher und fordert dich auf, davon zu trinken. Nun musst du mit mir kommen; du musst es tun. Du musst den Becher im Geiste entgegennehmen, du musst trinken. Während du diesen Becher leerst, denkst du – so du ein körperliches Leiden hast – an dieses Leiden und hältst den Gedanken fest: “Es ist gesegnetes, heilvolles Quellwasser aus der Gotteswelt. Dies lässt mich gesunden – dies lässt mich gesunden.” Und du trinkst davon.
Du gibst den Becher zurück, und er wird von deinem Schutzgeist von Neuem gefüllt. Du sollst nun deine Hände öffnen wie zu einer Schale: Hier hinein lässt er das Wasser fliessen, und nun sollst du dein Antlitz damit befeuchten und benetzen. Du massierst dein Gesicht, deine Augen besonders, wenn du leidend bist. Denke: “Diese heilsame Kraft stärkt mich.” Halte deine Hände, die so gefüllt sind mit dieser Kraft, über deine Ohren. Und auch diesen Gedanken nimm in dich auf: “Es ist heilvoll für mich.” Berühre deine Lippen, atme es tief ein. Nimm diese herrlich kühlenden Hände, halte sie über deinen Hals, und denke an dein Leiden, das dich beschwert, und sieh dich im Geiste gesund.
Der Engel nimmt aufs Neue den Becher und füllt ihn wieder. Du faltest die Hände, wie zum Gebete, und er giesst dir dieses gesegnete Wasser über deine Hände. Er giesst es dir über deine Arme. Er schöpft von Neuem, giesst es über deine Beine, über deine Füsse. Es ist gesegnetes Wasser, und du hältst den Gedanken fest: “Ich werde gesund. Es hilft mir, dieses gesegnete, göttliche Wasser.” Der Gottesengel fordert dich auf weiterzuschreiten. Er hat nun seinen Becher wieder in seiner Tasche versorgt und will ihn dir gerne wieder füllen lassen, wenn du seiner bedarfst. Wenn du die Zeit findest, wieder zu diesem Brunnen zu gehen, dann tue es und trinke davon, und lass alles an dir in der Weise geschehen.
Nun gehen wir weiter. Der Weg führt wieder aus diesem geistigen Walde heraus. Aber bevor wir ihn verlassen, machen wir noch einen Halt. Es sind so schöne, herrliche Bäume, alle Sorten. Bei dem, der dir besonders gefällt, bleibst du stehen. Mit deinen Händen streichst du am Stamm dieses Baumes hinunter, und du hältst wieder den Gedanken fest: “Diese segnende, heilvolle Kraft durchströme mich ganz und lasse mich gesunden an Leib und Seele.” Dein geistiges Auge soll erkennen, dass am Stamm dieses Baumes Tropfen von geistigem Balsam hinunterfliessen, gleich wie Harz, wenn ein Baum beschädigt ist und blutet. Doch es ist geistiger Balsam, den du hinunterfliessen siehst. Diese Kraft benötigst du jetzt und nimmst davon, reibst deine Hände ein; denn es ist geistige Substanz, feines Od, das du nur in dieser Stunde erleben kannst. Es soll dich, deinen irdischen Körper durchdringen, es soll mithelfen, deine Blutzirkulation anzuregen. Und nun stehe vor diesem Baum, der den heilsamen Balsam gegeben. Im Geiste breite deine Arme aus und atme tief, atme diesen wundersamen Duft des herrlichen Waldes, und behalte den Gedanken:
“Ich danke Dir, mein Schöpfer, liebender Vater, dass Du mir diese Kraft gibst zu neuem Leben.”
Nun verlassen wir diesen Wald, und der Weg führt durch Wiesen – durch Wiesen hindurch zu einem grossen, grossen Ährenfeld. Du schreitest jetzt mitten hinein in dieses Ährenfeld, und du fängst an, diese Ähren abzubrechen. Du nimmst in deinen Arm, so viel du halten kannst; fülle deinen ganzen Arm damit. Streiche mit den Händen über dieses reife Korn, und halte deinen Kopf hinein. Nimm den Duft der reifen Ähren in dich auf, und halte den Gedanken in dir:
“O Gott, wie bist Du herrlich, wie bist Du gütig. Ich danke Dir. Es ist Dein Brot, Dein Brot ist es.”
Der Gottesengel, der dich begleitet, fordert dich auf, ihm diesen Ährenstrauss zu geben. Er hält ihn eine Zeit lang fest, doch kommt ein Engelwesen und nimmt den Strauss in Empfang und möchte ihn für dich aufbewahren. In der himmlischen Welt ist eine Kammer für dich, wo diese Kostbarkeiten aufbewahrt werden.
Und nun, mein lieber Bruder, meine liebe Schwester, wenn es dir mangelt am täglichen Brote, wenn du in unsicherer Lebenslage bist: Wandere im Geiste in diesem reifen Ährenfeld, und pflücke, so viel du halten kannst. Bitte deinen Schutzgeist, dass er sie für dich aufbewahre und dir in gegebenem Momente das überreicht, was du haben musst. Wenn es dir an diesem Brote mangelt, dann bitte ihn, dass er davon hole und es dir bringe. Bitte ihn darum, und er geht hin und holt von diesen Ähren. Behalte dieses Bild in deinem Herzen. Hast du kein Obdach, dann schreite im Geiste wieder hin zu diesem Feld, und sammle die Ähren ein, überreiche sie deinem Schutzengel und bitte ihn: “Gib mir das, was ich brauche. Gib mir ein Dach über den Kopf. Gib mir das, damit ich satt werde. Ich bitte dich, schenk es mir.” Wenn du immer wieder diesen Weg tust und darum bittest, dann wird es in deine Verhältnisse geformt und gestaltet, damit du als glücklicher Mensch leben und als gesunder Mensch deine Aufgaben erfüllen kannst. Bitte den Schutzengel, dass er dich führe und von dir weghalte all das, was hinderlich ist für deinen geistigen Aufstieg. So kannst du sprechen zum Engel Gottes und kannst eintreten ins himmlische Reich. Viele Sphären sind geöffnet, in die man eintreten und aus denen man Stärkung holen darf für sein Leben.
Nun, wir treten aus diesem Ährenfeld wieder heraus, und der Weg geht nun etwas aufwärts, und zwar über lauter Blumenfelder. Der Weg ist sehr lang. Man sagt dir: “Blicke aufwärts; dort siehst du einen Säulentempel, dort kehren wir ein.” Du berührst auf dem Wege die Blumen, und du freust dich; du pflückst keine. Du schreitest mitten durch diese Blumenfelder dem Ziel zu, diesem Tempel. Von Weitem schon hörst du himmlische Musik. Dein Schutzengel fordert dich auf: “Steh zu meiner Seite. Ich führe dich dort hinein.” Arm in Arm gehst du mit ihm in diese Halle und hörst mit. Du singst mit in diesem Jubel; dieser Lobpreisung Gottes stehst du bei. So atmest du in der Ruhepause; denn welch herrlicher Duft, welch erhebende Atmosphäre, welch Beglücken hier! Kannst du sie sehen mit deinem geistigen Auge, diese Engel Gottes? Sie loben und preisen den himmlischen Vater. Du wirst aufgefordert, das Deine dazu beizutragen. Du verweilst noch dort, nachdem die Gottesengel schon langsam aus diesem Tempel gegangen sind und er ganz leer ist. Noch verweilst du, noch vernimmst du im Geiste die Klänge dieses wunderbaren Gesangs. Noch jubelt dein Herz, noch dankst du Gott für das Wunderbare, das dir in dein Leben hineingegeben wurde. Dann wirst du aufgefordert, den Tempel zu verlassen. Du schreitest wieder die Höhen hinunter und hast nun eine viel bessere Schau: Gewaltig sind die Felder der Blumen, der sonderbarsten Blumen, denen du in deinem Erdenleben nicht begegnest. Kleine, feine, rankende Blümchen, grosse, mächtige in allen Arten und Sorten, in einer wunderbaren Farbenfülle. Erst jetzt empfindest du diese Herrlichkeit. Und du pflückst keines davon, du neigst dich aber nieder zur geistigen Erde und nimmst den Duft dieser Blumen auf und freust dich über diese Herrlichkeit, die dir zum Segen ist. Denn der Duft dieser Blumen hat in sich die geistige Medizin, die du brauchst in deinem Leben. Du wirst von jenem Blumenduft berührt, der das in sich trägt, was du brauchst, um gestärkt zu werden. Je weiter du hinuntersteigst und wie du diese Ebenen verlässt, entschwinden dir diese herrlichen Blumenfelder.
Nun stehst du wieder mitten im Grün und erblickst wiederum einen Wald. Durch diesen Wald sollst du schreiten. Dein Schutzgeist sagt dir: “Die Wanderung, die wir jetzt machen, ist etwas mühsam und lang. Wir führen dich zum Fusse eines Berges. Von der Höhe dieses Berges stürzen die Wasser hernieder.” So gehst du zu diesem Weg hin und siehst den Fall der Wasser von Weitem schon. Du wirst aufmerksam gemacht, nicht in nächster Nähe vor diesem Fall zu stehen. Dein Schutzgeist erklärt dir, wo du Halt zu machen hast; denn das Nass dieses gewaltigen Falls trifft dich, auch wenn du weit, weit weg davon stehst. Vielleicht hat dein geistiges Auge schon erblickt, dass es nicht Wasser ist, wie du es in deinem Erdenreich findest, sondern dieses geistige Wasser ist in den Farben von Regenbogen; so fliesst und strömt es hinunter in gewaltigen Mengen – ein Farbenmeer, wunderschön. Der Tau von diesem Nass stiebt bis zu dir hin, und du findest dich nass an deinen Händen, an deinem Haupte. Der Schutzengel nimmt seine Hände und reibt dir über deine Hand, über deinen Arm; und indem er es tut, zieht er gleichsam wie Fäden entlang an deinem Leibe, deinen Armen nach. Diese Farben sind auf deinem Körper. Der Engel streicht auf und nieder, und dieses Nass dringt in deinen Leib hinein. Er berührt dir dein Haar, massiert dir deinen ganzen Kopf. Er hält selber die Hände aus nach dem Tau des herrlichen Wassers, berührt dir deine Augen, deine Ohren, deinen Mund, massiert dir dein Gesicht. So wird dieses heilsame Wasser in dich hineindringen, gleichsam wie ein wundersames Öl. Du empfindest es so angenehm, ja duftend noch. Du bist erfüllt von dieser Herrlichkeit, von all dem Schönen. Du stehst ja weit oben und noch nicht auf der Höhe des Berges und blickst in die Weiten hinaus, in die weiten Sphären des Jenseits. Was vermagst du wohl zu sehen? Was erblickst du? Keine Geister siehst du. Du erlebst dich ganz selbst. Du siehst nur die Landschaften, nur die Hügel, erkennst nur die Ströme und die Flüsse. Dies alles erblickst du von dieser Höhe. Dein Schutzgeist fordert dich auf: “Breite deine Hände aus, und danke Gott für das, was er dir gegeben, dass du zur Erkenntnis kommst und den Sinn des Lebens erfasst.”
Dann wirst du aufgefordert, langsam, langsam diese Stätte zu verlassen, und du schreitest hinunter mit jubelndem Herzen. Ein schmaler Weg wird dir eröffnet, und umschlungen von deinem Engel gehst du diesen schmalen Weg. Du sprichst mit ihm, du sprichst von deinem Leben. Du fragst ihn nach deinen Freunden, nach deinen Verwandten, deiner Mutter, deinem Vater, deinem Bruder, deiner Schwester. Er hält dich fest in den Armen und gibt dir die Antwort. Du fragst ihn: “Was soll ich tun in meiner Lebenslage? Hast du gesehen mein Leid, das ich trage? Hast du gesehen die Sorge um mein Kind? Hast du gesehen meine Not? Hast du gesehen meine Bedrücktheit? Hast du gesehen meine Hemmungen?” Und der Engel schliesst noch enger den Arm um dich und hüllt dich ein in jene herrliche Kraft, die er mit sich trägt, von der er immer aufs Neue erfüllt wird aus seinem göttlichen Tun heraus. So schreitest du auf diesem schmalen Pfad, und du bittest ihn: “Bleibe bei mir, verlass mich nicht. Ich will nicht mehr zurückkehren, lass mich selig sein bei dir.” Und er sagt zu dir: “Noch ist es nicht Zeit, noch hast du nicht vollendet, was von dir erwartet wird. Ich führe dich bis zur Erfüllung deines Lebens. Ich verlasse dich nicht, und ich helfe dir in Zeiten der Bedrängnis. Ich versuche dich zu lösen von Krankheit und Hemmungen.” Und er sagt dir: “Versprich auch du mir, das zu tun, was in unserer Welt Bedingung ist: Liebe, Aufopferung.” Du sagst dir in deinem Herzen: “Was in meiner Kraft liegt, will ich tun, will ich geben: Aufopferung, Liebe, Verständnis.” Du sagst aber: “Ich kann es nur tun, wenn du mir immer wieder diesen Becher reichst, den du an meinen Mund geführt hast. Dann will ich mein Leben erfüllen.” Und der Engel Gottes macht dir ein Kreuz auf deine Stirn, ein Mahnzeichen für dich. Nun, er küsst dich auf deine Stirn als Zeichen von Liebe und Verbundenheit.
Aufs Neue wirst du auf diesem schmalen Weg geführt. Dein Geist verlässt dich nicht, er erklärt dir: “Komm, ich weiss eine wundersame Stätte – ein neuer Tempel ist es. Dort ist die Tafel gedeckt für dich.” Und dein Schutzgeist sagt dir: “Nun, Menschenkind, müde wanderst du auf deinem Lebensweg. Ich aber führe dich an einen Ort wundersamster Erquickung. Ein neuer Tempel steht dir offen.” Und schon hast du ihn im Geiste vor dir – wiederum ein Säulentempel. Eine grosse, grosse Tafel ist gedeckt. Ein jedes von euch hat seinen Platz. Hinter dir steht dein Geist Gottes. Du hast Platz genommen an diesem Tische und erblickst wiederum den Becher und daneben ein Brot. Der Engel fordert dich auf: “Nimm und trink, nimm und iss, und halte den Gedanken der Dankbarkeit an den Erlöser fest. Danke Christus Jesus für seine Aufgabe, die er an dir erfüllte. Danke ihm für das Wunderbare, das er getan. Danke dem himmlischen Vater für seine unendliche Güte, für sein Erbarmen, das er zeigte.” Du brichst dir dein Brot selbst, und im Geiste wanderst du in jene Zeit hinein, als Christus das Brot brach und es austeilte, wo er den Becher nahm, ihn emporhob und um Segen bat, wo er Brot und Wein gesegnet, um es dann seinen Jüngern zu geben. Im Geiste befindest du dich dort und hörst die Worte mit, die er sprach: “Tut dies zu meinem Gedenken.” Du nimmst nun kein Wasser; göttlichen Wein aus den Weinbergen des Herrn hat man für dich bereitgestellt. Himmlisches Brot nimmst du auf, nimmst es zu dir im Gedanken, dass du gesundest – gesundest an Leib und Seele, damit du dein Leben erfüllest. Der Engel Gottes spricht für dich das Gebet; er spricht die Worte:
“Vater im Himmel, verlass mich nicht. Gib immer mir Kraft und Gnade. Vater im Himmel, lass immer mich begleitet sein durch deine himmlischen Boten, auf allen Wegen. Dir sei Lob, Ehre und Dank, Dir, Deinem Sohne, der ganzen Geisterschar Gottes.”
Der Engel führt dich wieder hinaus. Du hast den Becher geleert, das Brot genommen. Wiederum geht er mit dir, dich eng umschlingend. Nicht weit von diesem Tempel ist ein grosser Platz, mitten im herrlichsten Grün, und in diesem Grün brennt eine Flamme, gross und mächtig. Der Engel sagt zu dir: “Es ist die Flamme des Friedens.” Und er fordert dich auf: “Nimm alles, was in dir ist an guten Gedanken, und leg es im Geiste in die Nähe dieser Flamme.” Du tust es, und sie entfachen sich auch zum Feuer und vergrössern es wiederum. Der Engel erklärt dir: “Im Geiste trete hin zu dieser Flamme des Friedens. Wenn du in deinem Leben eine Tat vollbracht, die dich besonders beglückte, warte nicht auf den Dank der Menschen, sondern leg hin das, was dich beglückte, in die Nähe dieses Feuers, damit es von dem gewaltigen Feuer erfasst wird und es immer mächtiger und mächtiger wird, damit die Wärme dieses Feuers nicht nur in den geistigen Zentren festgehalten wird, sondern dass die Engel Gottes dorthin gehen, die Hände in die Nähe halten, um seinen Segen einzunehmen, und denselben austragen, hintragen zu den Menschen, dass diese göttliche Wärme euch erfülle. Göttliche Wärme enthält alles in sich: Liebe, Verständnis, Friede und Freude – alles ist darin enthalten, denn es ist zusammengetragen worden von vielen Seiten. So sollst du empfangen dürfen auf diese Weise von den Engeln des Himmels. Du sollst mithelfen, dieses Feuer zu vergrössern.” Nun, du neigst dich in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor deinem Schöpfer. Du lobst und preist ihn aus deinem ganzen Herzen und bittest darum:
“Lass mich immer, immer in diesem frommen Verlangen sein nach Dir.”
So soll es geschehen.
So habe ich euch in dieser Stunde Wunderbares gezeigt, was für euch zum Heile ist. Und wenn du mühselig und beladen bist, dann suche die Stille, und trete ein in dieses geistige Reich, und lass dich erfüllen von dieser wundersamen Kraft. So durfte ich dich führen, ich, eine Schwester vom Hause Linus, und mein Name ist Lene. So ziehe ich mich wieder zurück in dieses Haus und trage mit mir eure Grüsse, eure Bitten, euren Dank, damit es dorthin geführt werde, wo man darauf wartet. So möge Gottes Segen über euch allen sein. Gehet hinaus in eure Welt und erfüllet das Leben. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 12.7.1958 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner in der Aula der Carl-Langhans-Schule, Prinzregentenstrasse 33, Berlin, anlässlich einer Veranstaltungswoche in Deutschland (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 20. Januar 1965
Gott hat viele und unterschiedliche Quellen geschaffen, an denen der Mensch im Laufe seines Lebens vorbeikommt und aus denen er Stärkung für Körper und Seele schöpfen kann. Es ist bedeutsam, diese verschiedenen Quellen kennenzulernen, um nicht achtlos an ihnen vorüberzugehen. Eine kostbare Quelle der Gesundheit und der Lebensfreude kann auch ein Mitmensch sein, der mit seinen Fähigkeiten und Leistungen im Dienste des Nächsten steht.
Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ihr alle habt das Verlangen, Gott näherzukommen. Aber nicht nur ihr, sondern auch andere gläubige, fromme Menschen haben dieses Verlangen. Gott hat viele Wege aufgetan, um ihn wieder zu finden. Er hat allen ein Rüstzeug gegeben, er hat viele Wege geschaffen. Er hat auch Wege geschaffen für jene, die das Rüstzeug nicht annehmen. Unter diesem Rüstzeug ist mitunter auch der Glaube zu verstehen, der Glaube an Gott, an den, der die Wege geebnet hat, der Herr ist über alles Leben, über alle Schicksale. Glaube ist auch ein Rüstzeug. Aber da sind welche, die dieses Rüstzeug nicht annehmen. Auch für sie sind Wege geschaffen worden, die zu Gott führen – auch wenn sie nicht glauben. Ebenso sind Wege geschaffen worden für jene, die mitten auf dem Lebensweg das Rüstzeug fortwerfen oder die es mitten auf dem Weg oder vielleicht schon am Anfang verlieren. Es sind Wege geschaffen auch für jene, die mit dem Rüstzeug gut vorwärtskommen. Es bedeutet für sie eine Stütze; sie finden den Weg.
Ich möchte über den Weg des Menschen zu Gott meditieren. Sinnbilder, Symbole sind es, die ich euch gebe; aber ihr könnt darüber nachdenken und könnt zu Hause, in der Stille meditieren. Ihr könnt nach dem Weg fragen; er ist bestimmt auch für euch gezeichnet. Auch von eurem Wege rede ich diese Stunde. Der Weg zu Gott – es ist euer Lebensweg, von dieser Welt zu Gott. So viele Wege sind geebnet, und sie sind voller Quellen – Quellen der Eintracht mit Gott. Aber man kann an diesen Quellen des Lebens vorübergehen; man sieht sie nicht mehr, sie sind zu alltäglich geworden. Aber jeder hat auf seinem Lebensweg ungezählte Quellen, an denen er vorbeikommt und sich erlaben und stärken kann. Es sind Quellen, die für sein Seelenheil vorteilhaft sind. Darunter kann auch eine Station des Leidens sein, die ihm aber Heil bringen sollte. Doch neben dieser Leidensstation sollte er die vielen andern Quellen zu seiner Stärkung auch sehen. Sie sollten ihm nicht so selbstverständlich sein oder ihm überhaupt nichts bedeuten. An diesen Quellen könnt ihr in dieser Stunde des Meditierens verweilen.
Die grosse Quelle, das Rüstzeug, das Gott in seiner Güte und Liebe gegeben hat, ist der Glaube. Ohne Glauben kann ein Mensch nicht voll und ganz glücklich sein. In diesem Glauben liegt ja unendlich viel Kraft. Es gibt also auch eine Quelle des Glaubens, und es gibt eine Quelle des Gebens der grossen Liebe und Güte Gottes. An dieser Quelle muss jeder vorübergehen. Und wenige machen sich Gedanken über diese Quelle des Gebens der Liebe, Güte, Weisheit.
Wenn beispielsweise ein Mensch kranke Hände, kranke Füsse hat, so ist er bestimmt unglücklich oder sogar unzufrieden, und es sind wenige Menschen, die zum Schicksal Ja sagen. Ich sage jetzt: Wenn einer kranke Füsse und Hände hat, dann soll er an dieser Quelle des göttlichen Gebens verweilen. Wohl kann er sich nicht fortbewegen, er kann seine Hände nicht gebrauchen, wie es andere können – aber diese Quelle des Gebens göttlicher Liebe hat ihm womöglich doch das gesunde Augenlicht gegeben. Seine Augen sind es, die als Geschenk Gottes zu betrachten sind. Wenn seine Hände und seine Füsse krank sind – er hat Augen, gesunde Augen, er hat Ohren, um zu hören. Wie soll er denn nicht glücklich darüber sein, dass ihm Gott doch dieses Geschenk gemacht hat? Zufrieden soll er sein, sehen und hören zu können.
Ein anderer wiederum ist durch einen Schicksalsschlag um sein Augenlicht gekommen. Dafür aber kann er von Gott ein scharfes Denken erhalten haben. Vielleicht darf er starke Hände und Arme, gesunde Beine, Füsse haben. Ein anderer klagt, wenn er nicht alles hat, wenn er vom Schicksal gezeichnet ist, und er fängt an zu fragen: “Warum muss ich dieses haben? Warum muss diese Bitternis mich mein ganzes Leben begleiten?” Dann muss man einem solchen Menschen sagen: “Die Quelle göttlichen Gebens ist mannigfaltig. Du musst im Glauben sein, du musst deinen Glauben stärken. Und du musst vor den vielen andern Dingen, die in dieser Quelle göttlichen Gebens enthalten sind, stehen bleiben. Was dir auf der einen Seite genommen ist – genommen wurde –, kann dir auf der andern Seite um ein Vielfaches gegeben werden.” So verweile man an dieser Quelle des Gebens der grossen Güte Gottes.
Wer nicht klagen darf, wer gesunden Leibes ist, der soll dankbar sein. Aber wer gesunden Leibes ist, kann eine kranke Seele haben, und die seelischen Schmerzen können viel grösser sein als körperliche. Ein solcher Mensch leidet, und es kann möglich sein, dass diese seelischen Leiden anfangen, an seinem irdischen Körper zu nagen, zu zehren, sodass auch der Körper krank wird, und zwar so krank, dass man dem Leiden nicht beikommt, das Übel nicht findet. Dieser Mensch ist im Grunde in der Seele krank, und seine Seele strömt nun von der Unreinheit ihrer Krankheit aus, überträgt es dem Körper in alle Organe. Alles ist oder wird dann auch krank, und man findet nichts – bei Menschen, die seelisch leiden.
Aber es gibt doch auch Menschen, sie leiden weder seelisch noch körperlich. Sie sind zufrieden mit sich und mit der Umwelt. Es sind dies glückliche Menschen. Sie sind nicht allzu häufig zu finden.
Es ist notwendig, die Quellen auf dem Weg vom Diesseits zum Jenseits kennenzulernen, bei ihnen zu verweilen und nicht achtlos an ihnen vorüberzugehen. Denn für jedes Leiden und Unbehagen ist etwas für den Kranken geschaffen. Andere Quellen sind es, wie ich euch sagte, und ungezählte sind es. Und an einer solchen andern Quelle kann man stehen bleiben und den Ausgleich suchen, um der Seele das Heil wiederzugeben, um wieder Trost zu finden, wenn man glaubt, nicht verstanden zu werden. Wenn man ein Schicksal mit sich trägt, dann gibt es Quellen noch und noch, die jeden stärken können. Der eine verweilt an dieser und der andere an jener Quelle – verschiedene sind es ja.
Nun, eine herrliche Quelle, die auf dem Lebensweg zu finden ist, ist eine weitere Quelle des Gebens, die Gott geschaffen hat; es ist aber eine Quelle des Gebens vonseiten der Menschen. Gott hat sie nicht vergessen, denn Gott hat jenen, die diese Quelle stützen, symbolisch gesprochen ein Rüstzeug gegeben – ein Rüstzeug, das sie nicht im Laufe ihres Lebens fortwerfen dürfen, sondern zum Heil und Segen ihrer Umwelt tragen sollen. Und dieses heisst: Dienst am andern. Es ist der Arzt, es ist der Krankenpfleger, die -pflegerin. Sie sind wundervolle, kostbare Quellen auf dem Lebensweg des Menschen. Ist ein Mensch krank, so darf er einen andern aufsuchen und von ihm erwarten, dass er ihm hilft – er darf jenen aufsuchen, der von Gott das Rüstzeug bekommen hat. Er darf zu ihm gehen und Gott dankbar sein, dass er Menschen mit solcher Kraft ausgestattet hat. Wie dankbar muss man sein, an einer solchen Quelle stehen und aus ihr trinken zu dürfen, denn sie macht wieder gesund. Ist es so ganz selbstverständlich beim Menschen, dass er jene Menschen, von denen ich sprach, als göttliche Quellen betrachtet? Ist er nicht oftmals ungeduldig? Verlangt er nicht oftmals zu viel, weil er zu wenig Bescheidenheit kennt? Nun, dankbar muss man für solche Quellen sein.
Es gibt weitere Quellen, an denen man sich erlaben kann, wo man Kraft holt und Zuversicht, wieder Lebensfreude und Mut. Sind es nicht die Quellen der schönen Künste? Wie mancher, der sich einsam und verloren fühlt und unverstanden von der Welt, sucht bei diesen Quellen vielleicht, sagen wir, Zerstreuung – aber das Verweilen an diesen Quellen richtet ihn neu auf, gibt ihm neuen Lebensmut und Freude. Gott hat Menschen ein Rüstzeug gegeben, eine Begabung, um eine Quelle zu bilden auf der Strasse vom Diesseits zum Jenseits, auf dass jene, die auf dieser Strasse wandern, sich erquicken, damit sie wieder frisch werden, wieder neuen Lebensmut erhalten.
Sind es wohl alle Menschen, die gerade an diesen Quellen der schönen Künste Erlabung finden? Gibt es nicht welche, denen sie nichts bedeuten, die achtlos an ihnen vorübergehen? Aber Gott hat ja so viele Quellen geschaffen, damit wohl ein jeder eine oder einige davon findet, die ihm die notwendige Kraft geben, die er fürs Leben braucht. Denn wohl selten wird ein Mensch an allen Quellen stehen bleiben oder werden ihm alle dasselbe bedeuten. So vieles ist für den Menschen geschaffen. Gott hat Rüstzeug gegeben für die, die ihm wieder näherkommen möchten. Sie müssen Dienst am Nächsten leisten, sie müssen mit ihrem Rüstzeug selbst zur Quelle werden. Doch wer an der Quelle steht, soll es nicht oberflächlich nehmen; er soll sich bewusst sein, wie vieles auf dieser Strasse des Lebens zu finden ist.
Es sind Quellen da, die dem Menschen dienlich sind, die ihn wieder gesund machen und froh. Und es sind Quellen da, von denen man sagen kann: Es ist die Quelle des Gebets und des Glaubens. Es ist ein Mensch, der im Gebet, im Glauben an Gott und seine heilige Welt sich glücklich findet. Das Gebet ist für ihn das, was ihn glücklich macht. Und wenn er wirklich – wirklich – richtig betet, dann schöpft er aus einer wunderbaren Quelle. Er steht dann vor jener kostbaren Quelle, von der Christus sagte: “Ich bin das lebendige Wasser.” Von diesem lebendigen Wasser trinken, gesunden ... Auch das ist bildlich gesprochen. Die Menschheit kann ohne Wasser nicht leben. Also muss der Mensch in diesem Wasser etwas mehr erkennen als das Übliche, das er erhält. Er muss in diesem Wasser einen grossen Segen sehen – das Blühende, Wachsende, Gedeihende erkennen. Er muss erkennen, dass alle diese Quellen, von denen ich spreche, lebendiges Wasser in diesem Sinne sind. Von Gott ist es gegeben. Gott hat seine höchsten Wesen euch entgegengesandt. Sie kommen euch entgegen, sie führen euch zurück. So sollt ihr an den Händen dieser hohen Wesen durch diese Strasse ziehen. Denn sie wollen euch nicht alleine lassen. Sie wollen euch fortwährend aufklären. Denn diese vielen Quellen, die geschaffen wurden, sind nur durch Gottes heiligsten Willen geworden.
Gott hat dem Menschen das Rüstzeug gegeben – einmal den Glauben, an dem er sich halten muss, der ihm den Weg erleichtert. Dann hat er so viele Menschen mit Rüstzeug ausgestattet, das für die Mitmenschen wertvoll ist. Diese sollen doch von der Kraft, von den Leistungen des andern profitieren dürfen, sich stützen können; sie trinken sozusagen auch von dem Wasser des andern. Die Leistungen des andern können dem einen zur Freude und zum Heil werden.
Es sind viele Quellen, und für jeden wird die richtige gefunden werden. Es sind auch Quellen da für jene, die forschen und suchen: die Wissenschaft. Es sind Menschen mit Begabung, mit Rüstzeug, das nicht ein jeder besitzt. Sie sind nur dann glücklich und zufrieden, wenn sie an dieser Quelle des Forschens, des Suchens verweilen dürfen. Es sind Menschen, die alles um sich vergessen können, nichts mehr sehen als nur ihre Quelle. Sie sind wie jene, für die es nur gute Musik gibt, um sich wieder zu erholen, zu kräftigen, die nichts anderes haben möchten als nur Musik – während einem andern die Musik nichts bedeutet, da er eine andere Quelle hat, bei der er verweilt und glücklich ist. Es sind sehr viele Quellen auf dem Lebensweg.
Wer im Verlangen steht, in Gottes Nähe zu kommen, der kann nur zu ihm kommen, wenn er tiefer in die geistigen Gesetze Einblick nehmen kann und wenn er dadurch den Weg findet und dieser ihm so beleuchtet wird, dass er zufrieden und glücklich wird – und ihm der Weg gesichert bleibt.
Ich sprach jetzt von den vielen Quellen, die da sind, damit es für jeden etwas gibt. Es gibt die Quelle des Gebets, des Glaubens. Es ist die Quelle des Trostes da, man kann auch an ihr verweilen. An dieser Quelle des Trostes kann ein liebender Mensch stehen, der Verständnis für Sorgen und Probleme hat, der selbst die Quelle des Trostes bildet, an der man sich stärken kann.
Wenn ich zu euch spreche, so möchte ich euch sagen: Ihr müsst nun euren eigenen Lebensweg betrachten, wenn ihr meditieren wollt. Ihr müsst eure eigenen Quellen auf der langen Strasse vom Diesseits zum Jenseits sehen. Ihr müsst alle diese Quellen schätzen lernen. Es sind alles göttliche Quellen. Bedenkt aber, was ich euch sagte: Es gibt Menschen, die gehen achtlos an alldem vorüber. Es sind Egoisten, es sind Menschen, die vom Wege abgehen. Statt dass sie Gott entgegengehen, laufen sie durch Seitenwege. Sie machen zu grosse Umwege. Und trotzdem hat ja Gott auch für sie Wege bereitet.
Es gibt aber auch Lebenswege, wo Leidensstation an Leidensstation zu finden ist, eine schmerzvoller als die andere. Aber diese Stationen sind vom Menschen selbst geschaffen. Durch Unvernunft, durch Eigensinn hat er sich diese Stationen des Leidens selbst geschaffen. Der Engel Gottes geht auch zu jenem hin, nimmt ihn an der Hand und zeigt ihm die Strasse seines Lebens. Er zieht ihn ein Stück dieser Strasse entlang, und während er dieses tut, zeichnet sich Station an Station, ein Leiden nach dem andern. Sie sollten aber auch zur Quelle des Heils werden. Der betreffende Mensch sollte zur Vernunft gebracht werden können. Vielleicht gelingt dies nicht in diesem Leben; es kann in einem weiteren Leben sein, oder es braucht dafür mehrere Menschenleben, um zu Vernunft zu kommen. Vernunft muss man anwenden, in der Vernunft muss man sich üben; gleich wie man sich im Geben oder im Lieben üben muss oder wie man sich im Verzichten üben muss, die Überwindung üben muss, so muss die Vernunft auch geübt werden. Gott hat sie dem Menschen gegeben, und sie ist auch ein Stück Rüstzeug. Der eine verwirft es, und der andere versucht, diese Vernunft zu entfalten.
So hat man auf dem Lebensweg vieles zu beobachten. Es sind die Geister Gottes, wie ich betonte, die ihre Schützlinge an der Hand führen und dafür besorgt sind, dass ihnen das Heil zukommt, das für sie notwendig ist. Sie sind aber auch beauftragt, das Schicksal – oder vielleicht die sofortige Strafe – zu vollziehen, wenn es notwendig ist. Es ist das Eingreifen der Geister Gottes. Wenn man eine Freundschaft geschlossen hat mit einem Menschen, den man liebt, gönnt man ihm alles; man könnte das Seinige ihm übertragen. Dies tut man in inniger Verbindung, in der Liebe. Die Geister Gottes haben mit ihren Schützlingen diese Freundschaft. Sie möchten ein Stück von ihrer Seligkeit, von ihrem Glück und Besitz ihren Schützlingen geben. Sie werden geben, wenn die Freundschaft geschätzt wird. Wenn man eins miteinander ist im Handeln, dann werden sie von dem geben, was ihnen möglich ist – zum Teil nicht sichtbar für des Menschen Auge.
Sie werden ihn auf diesem Lebensweg begleiten; sie werden ihn an diese, an jene Quelle führen, und sie werden mit ihm dort verweilen. Sie werden Einfluss auf den Schützling nehmen, und sie werden ihm sagen: “Siehe, das ist die Quelle, die dich glücklich macht. Du findest an dieser Quelle göttlichen Gebens so eine Antwort, dass du dich wandeln musst im Denken und du zufrieden sein musst mit deinem Leben. Bedenke doch, dass es Menschen gibt, die kranke Glieder haben, die nicht sehen, die nicht hören, die nicht gehen können. Und was hast du? Hast du nicht zwei wunderschöne Augen? Kannst du nicht mit deinen Augen die herrliche Schöpfung sehen? Du kannst dich erfreuen an kleinen Dingen; deine Augen sind es, die dir die Freude, den Genuss übermitteln. Sei dankbar für das, was du hast, und geh an den andern Dingen vorüber. Sie sind nicht wichtig, sie sind Störenfriede deines Lebens. Halte dich nicht an ihnen auf, sondern versuche nur, an der Quelle des Heils zu stehen, denn sie macht dich gesund.”
So werdet ihr geführt. Je inniger und ehrlicher die Verbindung ist, desto grösser die Erwartung. Doch man täuscht sich manchmal selbst. Das sollte vermieden werden. Täuschen kann man nur den Mitmenschen; einen Geist Gottes kann der Mensch nicht täuschen. Ein Geist Gottes wird dementsprechend seine Stellung zu ihm einnehmen. Er wird ihn nicht verlassen; er wird hoffen, dass sich der Mensch wieder ändert. Vielleicht ist dieser nur kurze Zeit unvernünftig geworden, und der Engel Gottes weiss, dass er sich in der Vernunft übt und sie wieder zurückkommen wird – und man wird wieder gut Freund sein und wieder Hand in Hand gehen. Die Geister Gottes wissen: Wenn sie mit Menschen in Beziehung kommen, müssen sie mit den Schwächen des Menschen rechnen. Und sie müssen diese Schwächen von allem Anfang an einbeziehen, samt Enttäuschungen. Aber die Geister Gottes hoffen, dass die Enttäuschung vorübergeht. Sie wissen, dass die Welt, wo die Menschen leben, eine Welt der Bedrängnis, der Besorgnis ist, und sie werden sich nicht so leicht abkehren. Sie werden sich nur dann voll und ganz abwenden, wenn man sich in der Vernunft nicht mehr übt, wenn man sein Denken ganz gewandelt hat zum Schlechten. Dann gehen sie – verlassen den Menschen aber trotzdem nicht; sie beobachten ihn von Weitem. Denn Gott hat für jeden einen Weg bestimmt. Auch jene werden nicht verlassen, die mitten im Leben das Rüstzeug von sich werfen. Auch für sie gibt es einen Weg.
Die Geister Gottes freuen sich an jenen, die den geraden Weg gehen, die einmal an dieser Quelle, einmal an jener Quelle stehen und bewundern; denn Gott hat diese doch gegeben. Vieles ist dem Menschen zur Freude gegeben, er soll kein einseitiges Leben leben. Er soll den Arzt aufsuchen, wenn er ihn braucht; Gott hat dem Arzt das Rüstzeug gegeben. Man soll, wenn man Musik liebt, sich an dieser Quelle aufhalten, wenn es einem Freude macht. Wenn man an die Quelle des Trostes schreiten will, wo ein lieber Mensch bereit ist, die Sorgen zu hören, so soll man zu ihm gehen. Denn auch dieser Mensch ist mit seinem Rüstzeug Werkzeug Gottes, denn er gibt ja Worte des Trostes, die ja der Engel geben möchte. Und so legt dieser die Worte des Trostes in den Mund des Menschen – dieser ist Werkzeug Gottes. Und so hat jeder sein Rüstzeug.
Die Einseitigkeit wird von der göttlichen Welt bekämpft. Gott ist so unendlich vielseitig, so vieles bietet er dem Menschen. Er ist nicht fanatisch. Viele Wege sind dem Menschen zum Aufstieg gegeben. Vieles wächst und gedeiht in der irdischen Welt zur Freude des Menschen. Viele Quellen sind auf dieser Erde zu finden, um sich zu freuen. Vieles hat Gott gegeben, und man soll davon nehmen, wie es einem gefällt – wie es einem gefällt. Und nicht vergessen darf man, den andern zu schätzen, auch wenn er nicht bei derselben Quelle steht. Gott hat auch für den andern Quellen aufgetan. So muss das Verständnis für den Mitmenschen wachsen – ihn verstehen lernen und ihn nicht verurteilen, weil er gerade etwas anderes liebt. Viele Möglichkeiten sind geschaffen.
Wenn man sich klar ist, dass man auf dem Weg zu Gott ist, dann muss man auch versuchen, das Höchste aus der Seele herzugeben. Wenn man auf dem Weg zu Gott schreitet, soll das Handeln göttlich sein. Und wie ist Gott? Wie handelt Gott? Er hat für alle einen Weg geschaffen – auch für jenen, der das Rüstzeug von Anfang an weggeworfen hat. Gott sagt nicht: “Nun ist es aus, ich will von ihm nichts wissen.” Nein, ein anderer Weg wird aufgetan, damit er auch zum Ziele kommt.
Und wenn einer einst mitten auf dem Weg dieses Rüstzeug weggeworfen hat, da spricht man auch nicht: “Von dir will ich nichts mehr wissen.” Ein anderer, neuer Weg wird aufgetan, damit er dereinst auch den Weg findet. Der eine wirft sein Rüstzeug fort von Anfang an, der andere mitten auf dem Weg, wieder ein anderer verliert es. Und was heisst das? Wenn man ein Rüstzeug hat dieser oder jener Art, und man verliert es, so verliert man es durch Gleichgültigkeit, durch Oberflächlichkeit. Man ist gleichgültig im Glauben, gleichgültig den Menschen gegenüber; es ist keine Gewissenhaftigkeit. Man ist nicht boshaft – man ist gleichgültig, man verliert das Rüstzeug aus Unachtsamkeit. Aber deshalb sagt die Geisteswelt auch nicht: “Du bist selbst schuld, für dich gibts keinen Weg mehr” – nein, ein neuer Weg wird aufgetan, damit der Betreffende auch dereinst ans Ziel kommt.
So, liebe Geschwister, könnt ihr über euer eigenes Leben meditieren. Ich habe es euch vorgemacht. Ihr könnt an den Quellen stehen bleiben, damit ihr gesunden könnt. Ihr sollt an den Quellen stehen bleiben.
So, liebe Geschwister, müsst auch ihr versuchen, die Stille zu finden und auf diesem Wege in die Nähe Gottes zu kommen und so die Boten des Himmels zu spüren und zu fühlen, wie nahe sie sind. Denn sie sind in inniger Freundschaft verbunden mit euch, vergesst das nicht. Und vergesst nicht, was ihr dieser Freundschaft schuldig seid.
So möge Gottes Segen euch erfüllen. Möge euer Leben gesegnet sein. Möget ihr euch bewusst werden, welches Rüstzeug euch Gott gegeben hat. Werft es nicht fort. Verliert es nicht. Wandert Hand in Hand mit euren geistigen Freunden zu eurem Ziel, zu Gott. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.1.1965 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 18. Mai 1966
Die Seele hat ein anderes Empfinden und andere Bedürfnisse als der äussere Mensch. Sie braucht geistige Nahrung, um gesund zu sein. Die irdische Welt bietet jedem Menschen viele Möglichkeiten, die für seine Wesensart geeignete geistige Speise zu finden. Erhält die Seele, wonach sie sich sehnt, dann wird sie froh und beglückt und vermag ihren Frohmut auf den äusseren Menschen zu übertragen und auf diese Weise auch zur Überwindung von Krankheiten, zur Gesundung des Leibes beizutragen.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, der Mensch lebt nicht vom Brote allein. Ihr braucht für euren Leib eure Nahrung, ihr braucht aber auch für eure Seele Nahrung. Wie man einseitige Nahrung dem Leibe zuführen kann, so kann man dies auch der Seele. Dem Leibe bekommt es nicht gut, wenn er einseitig ernährt wird, und bei der Seele ist es ebenso; es bekommt ihr nicht gut, wenn sie nur einseitige Nahrung erhält. Aber was soll denn die Seele für Nahrung bekommen?
Ich muss in erster Linie darauf hinweisen, dass wir immer von einem äusseren und von einem inneren Menschen sprechen möchten. Der äussere Mensch wird beeindruckt von der äusseren Welt; die äussere Welt, seine Umgebung, hat Einfluss auf ihn. Auf den inneren Menschen hat die innere Welt ihren besonderen Einfluss. Eine besondere Bindung und Zuneigung hat der innere Mensch eben zur inneren oder zur geistigen Welt. Der Geist ist es, der den Menschen lebendig erhält. Über diese Lebendigkeit des Menschen, über das, was inwendig im Menschen ist, möchte ich diese Stunde mit euch meditieren. So viele Einflüsse, Eindrücke kommen an den äusseren Menschen heran. Wenn ich aber mit euch meditiere, möchte ich nicht über diese äusseren Dinge sprechen, sondern über das, was den inneren Menschen, was die Seele beglückt, wo sich die Seele hingezogen fühlt, wovon sie angesprochen wird und was sie selbst anspricht.
Die Seele will ihre Speisen haben, sie will Speise und Trank – sonst leidet sie Hunger und Durst. Wenn sie hungert und dürstet, dann leidet die Seele. Wenn sie also keine oder zu einseitige oder zu geringe Nahrung erhält, fängt sie an zu leiden. Dieses Leiden kann sich sogar auf den äusseren Menschen auswirken. Heute geht man daran, solche Leiden zu erforschen. Man will in die Tiefe der Seele dringen und so versuchen, das Leiden zu ergründen. Es muss also nicht nur der Leib seine Nahrung haben, sondern auch die Seele lebt in ihrem Verlangen und will diesem Verlangen nachkommen. Der Mensch darf nicht nur beeindruckt werden von der äusseren Welt. Eine ganz andere Sprache spricht der innere Mensch, die Seele. Sie hat ein ganz anderes Empfinden als der äussere Mensch.
Ich will nun versuchen, dieses euch zu erklären, und damit zu eurem besseren Verständnis beitragen. Betrachtet einmal die Menschen – ihre Neigungen sind so verschieden. Während der eine es liebt, der Kunst nachzugehen, freut es einen anderen beispielsweise, wenn er sich stundenlang in einem Walde aufhalten kann. Der Aufenthalt in einem Walde bedeutet ihm sehr viel. Es gibt Dichter und Sänger, die so Wunderbares über den Wald zu sagen haben, die mit dieser Welt in eine engere Beziehung kommen. Durch die Dichtkunst kann ein Dichter seine innige Beziehung zu dieser Welt zum Ausdruck bringen. Er findet erlesene, kostbare, schöne Worte für den Wald, und er erlebt das alles in seinem Innersten. Diese Feinheiten kommen durch das Wort zum Ausdruck. Er kann schöne Gedichte sprechen, rezitieren, über diesen Wald. Wer das Ohr hat dafür, lauscht dem, der das Wunderbare auszusprechen vermag; er weiss, das ist Geistesgut, das beim Dichtermenschen zum Ausdruck kommt. Nicht jeder ist imstande, solches zu vollbringen. Wie lebt da ein solcher Mensch in einer innigen Beziehung zu dieser Welt. Und jene, die es ebenfalls schätzen und miterleben, bewundern diese Dichtkunst, denn sie selbst sehen, dass jener mitgelebt hat, dass diese Worte lebendig geworden sind und lebendig bleiben, und zwar in einer solchen Art und in einer solchen Form, wie es nicht üblich ist zu sprechen. Man bewundert es, denn es ist eine Kunst, es richtig auszuführen. Welch Leben entfaltet sich darin!
Betrachten wir nun den Sänger, der eine besondere Liebe zum Gesang hat, der das Letzte und Beste aus seiner Kehle herausgibt, um auch etwas von seinem geistigen Gut herauszubringen – wie glücklich und froh ist ein solcher Mensch; heisst es doch: “Wo Menschen singen, lass dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder.” So kommt doch in diesem Verlangen, in diesem Gesang das geistige Verlangen zum Ausdruck; das geistige Leben will gelebt, erlebt werden. Wenn man singt – und dieses im Verein mit andern Menschen –, versucht man doch, sich vom Alltag abzuwenden und sich einem andern Leben hinzugeben, auch wenn dieses Leben und Erlebte nur vorübergehend ist; aber man neigt dazu, dem Geiste eine Nahrung zu geben. Es klingt nicht nur für die Ohren der Menschen angenehm, wenn jemand ein schönes Lied singt, sondern es klingt auch für die Seele angenehm, wenn sie zuhören kann, wie gesungen wird, wenn sie mitleben kann, wenn geistiges Leben wirksam wird. Das ist Nahrung für die Seele.
Mancher Mensch, der ein Leiden hat und es nicht richtig ergründen kann, würde gut daran tun, nicht nur seinem Leibe die notwendige Speise zu geben, sondern auch der Seele die Speise zu verabreichen, nach der sie sich sehnt. Das könnte zur Gesundung des Leibes beitragen; es würde Frohmut zum äusseren Menschen dringen, Krankheiten würden dadurch überwunden, zum Teil ganz aufgelöst. Je mehr die Menschen sich nach dem materialistischen Denken ausrichten und es pflegen, desto grösser wird die Gefahr, dass ihre Seele verkümmert. Sie erhält keine Speise, keinen Trank, sie fängt an zu leiden. Dieses Leiden kann auf verschiedene Art zum Ausdruck kommen: in Form von Unzufriedenheit – das ist auch ein Leiden –, in Form von Depressionen – das ist ein schweres Leiden. Solches kommt, weil die Seele hungert und dürstet nach der geistigen Nahrung.
Menschen fühlen sich zu verschiedenen Dingen hingezogen. Während dem einen beispielsweise die Begegnung mit dem Wald alles bedeutet, bedeutet es dem andern nichts. Er weiss damit nichts anzufangen, er liebt anderes. Er zieht es vor, auf die Berge zu gehen, er hat sein Erlebnis mit den Bergen. Alle seine Sorgen und Probleme kann er vergessen, wenn er wandert, wenn er immer höher steigt; auch wenn er diese Höhen nur mit körperlicher Anstrengung erreicht, wird es ihm wohl zumute. Er fühlt sich wohl, befreit von vielem Unangenehmen, das ihm sonst im täglichen Leben begegnet und ihn plagt – frei ist er. Er hat eine Beziehung zu diesen Bergen, obwohl er ihnen nichts mit Worten zu sagen hat; mit dem Gefühl gibt er es zum Ausdruck. Wohl hat er einige wenige Worte dafür, dass die Berge ihm alles bedeuten, aber er kommt nicht an den Dichter heran, der doch versucht, das, was er sieht und erlebt, aufs Schönste, Liebenswürdigste zu erzählen; der Dichter kann es mit Worten ausdrücken. Derjenige aber, der solches nicht kann, der dazu die Fähigkeit nicht hat und dessen Ohr auch nicht geübt ist, solche feinen Worte zu hören, er will auf die Berge steigen. Bei ihm sind es Hände und Füsse, die zu Worte kommen – im geistigen Sinne ausgedrückt. Doch mag das für einen Menschen viel bedeuten, dass er solche Besteigungen oder Wanderungen unternehmen kann, und wenn es ihm dadurch wohl zumute wird, erhält auch seine Seele die Speise. Die Seele wird nämlich beglückt durch solches Tun.
Andere Menschen wiederum sagen: “Berge können mich nicht ansprechen, ich habe keine Beziehung zu ihnen.” Doch ganz sicher gibt es bei jedem Menschen etwas, wovon er angesprochen wird, was ihm viel oder alles bedeutet. Nennen wir auch jene Menschen, die mit ihren Schiffen die Weltmeere durchqueren. Sie sind oft in grossen Gefahren, doch sie trotzen ihnen. Die Gefahren gehören in ihr Leben hinein, und sie wissen ihnen zu trotzen. Es ist ihr Leben geworden. Glücklich und selig sind sie nur dann, wenn sie diesen Elementen gegenüber sind. Und die Seele ist mit diesem äusseren Menschen glücklich, denn sie erhält die Nahrung, die sie braucht.
In diesem Sinne erlebt man auch die Kunst, beispielsweise den Tanz, der auch seine Bedeutung hat. Es ist nicht das übliche Tanzen der Menschen gemeint, sondern es ist das gemeint, was in das Wort “Kunst” eingekleidet werden darf. Auch durch den Tanz können Worte gesprochen werden. Es kann etwas ausgelebt werden, eine Idee, eine Anschauung. Durch einen Tanz kann es einen besonderen Ausdruck geben – auch da lebt man mit, und beglücken wird es jene Menschen, die diese Aufgabe ausführen, die sich dieser Kunst hingeben. Es kann also auch solches einem Menschen das Leben bedeuten, wenn es, wie ihr sagt, zur hohen Kunst geworden ist. Dem, der es ausführt, bedeutet es das Leben. Dem, der zuschaut, bedeutet es Abwechslung und Freude und vielleicht auch ein Stück Leben. So wird der eine Mensch zum Werkzeug, um etwas von der gewaltigen Vielfalt des Geistes zum Ausdruck zu bringen.
So ist es doch in der Kunst im Allgemeinen, sei es nun in der Malerei oder sei es sonst wo, beispielsweise in der Musik, im Gesang: Das geistige Gut kommt zum Ausdruck. Es braucht für einen Künstler Inspirationen, um solche erhabenen Werke auszuführen. Woher kommen diese Inspirationen? Nicht die äussere Welt ist es, die ihm unbedingt als Erstes die Inspirationen gibt, wenn es um das Hohe, Edle und Feine geht. Die feine Ausdrucksweise, wo sie auch zu finden ist, hat ihren Ursprung im Geistigen. Mag ein Mensch seine Inspirationen von der äusseren Welt empfangen, so muss er versuchen, sie zu verfeinern und ins geistige Leben hinüberzusetzen; es soll als geistiges Gut erkannt, anerkannt werden, und andere Menschen sollen angesprochen werden durch dieses geistige Gut, denn es bildet Nahrung für den Menschen, Nahrung für seine Seele.
Wenn ich aber von dieser geistigen Nahrung spreche, so habe ich gleich anfangs darauf hingedeutet, dass es der Seele nicht gut bekommt, wenn ihr nur einseitige Nahrung gegeben wird. Wie es dem Leibe nicht gut bekommt, wenn er einseitige Nahrung oder Nahrung im Übermass bekommt, so ist es auch bei der Seele. Wir machen einen Unterschied zwischen der Tätigkeit eines Menschen im grossen Eifer, wo er Grosses im Eifer leistet, und dem fanatischen Leben und Wirken, dem Überborden. Das fanatische Leben und Wirken, das Überborden, hat mit Feingeistigkeit nichts mehr zu tun. Wenn das Geistige dem Menschen und der Umwelt zur Last wird, dann ist es nicht mehr wahres geistiges Gut. Für uns muss die Feinheit des Geistigen immer zum Ausdruck kommen, die Feingeistigkeit muss immer vorhanden sein – massvolles Leben, massvolles Wirken in jeder Beziehung.
So wäre es sehr ratsam für manchen Menschen, darüber zu meditieren, wonach seine Seele dürstet, was seiner Seele zugeführt werden kann, damit der innere wie der äussere Mensch in Harmonie zusammenkommen, sich auf der harmonischen Linie begegnen. Ist ein Mensch harmonisch, so ist zum grossen Teil zu sagen, dass auch sein Innenleben harmonisch abgestimmt ist. So kommt alles von innen heraus. Das Wesen des Menschen hat seinen Ursprung, seine Ausdrucksweise in seiner Seele. Es dringt an den äusseren Menschen heran, zu ihm hervor. So vermag man in der Meditation vieles zu seinem körperlichen wie geistigen Heile zu wirken. Einen starken Willen braucht es, um das auszuführen. Es braucht Geduld und Zeit dafür.
Viele Menschen könnten glücklicher leben, würden sie sich auch nach dem inneren Leben, nach der inneren Welt ausrichten und nicht nur auf die äussere Welt und ihren Schein. Es wäre um manchen Menschen besser bestellt, wenn er nicht nur seinem Leibe die tägliche Nahrung gäbe, sondern auch seiner Seele. So will die Seele froh sein. Sie wird froh, wenn es ihr von aussen her ermöglicht wird, ihren Neigungen nachzugehen – wenn von aussen her die Möglichkeiten geschaffen werden, dass auch der innere Mensch sein Leben leben kann.
Ich weiss, es ist vielleicht viel verlangt. Euer Denken ist nach eurer Welt ausgerichtet – mein Leben, mein Denken ist nach der inneren Welt ausgerichtet. So geht es nun darum, euch Menschen aufmerksam zu machen, dass man sich nicht nur in dieser äusseren Welt auslebt, sondern dass man versucht, sich auch in der inneren Welt auszuleben. So seht ihr also, wir sagen euch nicht: “Du musst nur beten, dann wirst du das Himmelreich erreichen” – wir sagen zu euch solches, wie ich es eben erklärt habe. Denn alles, was ihr hier auf diese Weise erleben könnt und nach dem ihr ein Verlangen habt, also dieses geistige Gut, hat seinen Ursprung in der geistigen Welt. Wie wir Geister Gottes, so müssen auch jene, die im Aufstiege begriffen sind, sich nicht immer nur der notwendigen Arbeit hingeben, sondern sie haben auch ein erfreuliches Leben, das sie leben können, wenn sie so weit in ihrer Entwicklung gekommen sind, dass sie dieses schöne, erfreuliche Leben kosten dürfen. Wer als Heimgekehrter zu sehr mit der Last des irdischen Denkens verbunden ist, ist nicht fähig, in diesem himmlischen Glück und in dieser Freude zu leben; es ist nicht möglich, weil das Kostbare nicht geschätzt, nicht als Kostbarkeit anerkannt würde. So geht der Aufstieg langsam vor sich, und erst mit der Zeit erlebt man das wahre, herrliche geistige Leben.
Wenn ich euch sagte, wir fordern euch nicht auf, von morgens bis abends zu beten, euren Himmel mit dem Beten zu verdienen, so fordern wir euch aber auf, euer Leben so zu gestalten, dass es ein harmonisches Leben sein wird, dass man nicht Anstoss nimmt an eurem Leben. Auf diese Weise vermag man viel zu verdienen für sich und für seine zukünftige Welt. Es ist selbstverständlich ebenso wichtig, dass man eine grosse Zuneigung, ein grosses Verlangen nach dem wahren Göttlichen hat. Es muss dem Menschen sein Leben bedeuten, die Gebote Gottes zu befolgen, so wie es Menschen ihr Leben bedeutet, die Kunst oder sonst etwas Besonderes zu geniessen. Es muss im Menschen ein Verlangen sein und zu seinem inneren wie äusseren Leben gehören, den geistigen Gesetzen nachzuleben. Dann kommt er in das richtige geistige Verhältnis mit der hohen Welt, mit der Geisteswelt Gottes.
Ich deutete darauf hin, dass das, was dem einen alles bedeutet, dem anderen nichts gilt. Und solche Verlangen hat man auch in sich, wenn der irdische Leib abgelegt ist. Man wird also auch in der geistigen Welt in näherer Beziehung zu einem solchen besonderen Erleben sein. Und wenn unsere Welt, also die hohe Geisteswelt Gottes, in ihrem wahren Glück mit allen Geschwistern zusammenlebt, dann kann nicht nur allein für sich gearbeitet werden, sondern es muss solches geleistet werden, was den andern Geschwistern zur grossen Überraschung, zur grossen Freude wird. Wenn ihr auf dieser Erde Künstler habt, vollbringen sie nur Bruchstücke oder Stückwerke im Vergleich zum kostbaren Gut der Geisteswelt. Dort vermag das Kostbare seinen Ausdruck zu haben, und dort kann man auch einen besonderen Hang zu gewissen Gegenständen haben oder auch – wie ihr Menschen – eine besondere Liebe zu Tieren. Die Liebe zu ihnen könnt ihr auch in der geistigen Welt haben, wo diese Geschöpfe auch vorhanden sind. In der geistigen Welt pflegt man auch die hohen Künste, denn dies ist eine Notwendigkeit, wie ich schon betonte.
Es sollte euch erfreuen, zu wissen, dass in der Tiefe der Seele Fähigkeiten eingeschlossen sind, die zum Ausdruck gelangen werden, wenn eine gewisse persönliche Entwicklungsstufe erreicht worden ist. Diese Verlangen sollen einem Menschen nicht nur das Leben hier auf Erden angenehm gestalten; er soll in seiner Tätigkeit seine Zufriedenheit und seine Freude finden. So ist es auch im geistigen Leben, bei den Geistern: Sie sollen ihre Tätigkeit finden, die ihnen alles bedeutet, damit sie durch diese Freude und durch diesen Eifer immer Grösseres leisten können.
So könnt ihr Menschen euch an das geistige Leben anlehnen. Ihr könnt durch dieses geistige Leben, das ausgedrückt wird, auch eure inneren Freuden haben – es kann die Musik sein, es kann sonst ein Gebiet der Kunst sein, das euch im Besonderen erfreut. Aber was euer Innerstes erfreut, währt ja bei euch Menschen meistens nur kurze Zeit, nur vorübergehend. Die Bedingungen dieser äusseren Welt sind es, die euch das Schöne wieder vergessen lassen; diese äussere Welt ist es, die euch ruft, den Aufgaben dieser äusseren Welt nachzugehen, und sie ist es, die euch hindert, das geistige Leben so auszuleben, wie es sein sollte.
Nun möchte ich aber doch etwas zum geistigen Leben sagen, zur Frömmigkeit, zur Hingabe an das Göttliche. Ihr kennt eure Aufgaben, die zu erfüllen sind, die ein Christ erfüllen sollte. Man kann auch durch die Meditation ein Verlangen nach Gott fördern. Man kann in grosser Ausdauer und Geduld ein Gefühl in sich erwecken, das die Seele ebenfalls beglückt, indem sie sich dem göttlichen Leben zuwendet. Sich ganz dem göttlichen Leben zuwenden heisst aber nicht alles andere etwa verachten, verstossen, was andere Menschen schätzen und lieben, was zum geistigen Gute gehört; das soll nicht damit gemeint sein. Es wird wohl wenige Menschen geben, die das wahre geistige Leben so ausleben können, dass sie sich damit die hohen Stufen des Himmels verdienen. Ihr wisst selber um die vielen Widerstände, die die äussere Welt bietet, und wie schwer es ist. Das möchten wir euch sagen: Wir ahnen es und haben Kenntnis davon. Darum schätzen wir jene Menschen, die guten Willens sind und die versuchen, das geistige Leben zu leben.
So habe ich versucht, euch das nahezulegen, was nicht nur den Menschen erfreut, sondern was auch in der geistigen Welt grosse Freude verbreitet, dieses Erleben auf verschiedene Arten. Dieses geistige Gut kann ein Mensch zu seinem Heile auswerten. Das geistige Gut, das ihm immer wieder begegnet, das der Menschheit gegeben ist, die Fähigkeiten auf diesem und jenem Gebiet – dass er selbst fähig wird, etwas anzusprechen, oder dass er von etwas Lebendigem oder von einem bestimmten Gegenstand angesprochen wird –, können seiner Seele Nahrung geben und ihn beglücken. Das alles, was ich euch nun dargelegt habe, ist im Geistigen auch zu erleben. Und darauf will ich ja hindeuten, dass man in der geistigen Welt dieses geistige Leben in dieser Art und Weise in seiner Feingeistigkeit auch erleben kann, dass der Einzelne sich beglücken kann durch das, was andere ihm anbieten, dass er aber selbst auch der Glückliche wird, indem er anderen Freude bereitet, andere beglückt. So wird jeder dereinst in jene Welt eingehen, in der er in wirklicher Zufriedenheit und Freude lebt.
Ich möchte euch sagen: Denkt jetzt einmal darüber nach, was für eine Tätigkeit ihr ausüben müsstet, damit jedes von euch in grösster Zufriedenheit wäre – denn auch in der geistigen Welt muss eine Tätigkeit ausgeübt werden. Aber überlegt: Was wäre es wohl, was euch wirklich zufriedenstellen würde? Könnt ihr dieses Rätsel lösen und wirklich herausfinden, was euch Freude bereitet für alle Zeiten? Wenn ihr jetzt nachdenkt, denkt ihr ja als Mensch, und ihr könnt euch jetzt etwas vorstellen, das auszuüben euch bestimmt Freude machen würde – die Gefahr aber besteht, dass ihr dessen recht bald wieder überdrüssig würdet und ihr etwas anderes sähet, das euch mehr Freude bereitet. Also könnt ihr im wahren geistigen Sinne noch gar nicht erfassen, welche Tätigkeit euch wirklich glücklich machen würde. Aber trotzdem dürft ihr nachsinnen, und trotzdem sollt ihr so tun und versuchen, zu erleben, was euer Innerstes bewegt und glücklich macht; ihr sollt dem nachgehen, was Speise für euch ist – es wird Gesundheit sein für Leib und Seele.
Selbstverständlich ist es so, dass ganz gewisse Geistgeschwister, sei es im Diesseits oder im Jenseits, besondere Fähigkeiten auf verschiedenen Gebieten haben. Wie man als Mensch auf Erden solche Fähigkeiten ausüben kann, geschieht das auch in der geistigen Welt. Aber ich möchte nicht unterlassen zu sagen, dass solche besonderen Talente nicht einem jeden gegeben sind, dass es grössere Familien sein können, die diese Fähigkeiten auf den verschiedenen Gebieten haben. Darum ist es auch möglich, als Mensch auf verschiedenen Gebieten in einem hohen geistigen Grad oder etwas von hohem geistigen Wert zu schaffen.
Wenn ihr in die geistige Welt eintretet, werdet ihr selbstverständlich kaum, wie ich glaube, gleich bei eurem Übertritt in diese Freuden eingehen und jene Tätigkeiten ausüben können, die ihr auf der höchsten Stufe eurer Entwicklung dereinst ausüben werdet. Womit ihr euch als Mensch aber befassen müsst, ist die Frage: “Was ist es, womit ich meiner Seele Nahrung geben kann? Wie kann ich mein geistiges Leben wirklich ausleben? Womit kann ich mein inneres Leben noch bereichern, und wie werde ich glücklich?” – glücklich, allein für sich als Mensch. Und als glücklicher Mensch leben heisst: Harmonie verbreiten in der Umwelt.
So, liebe Geschwister, könnt ihr eure besonderen Beziehungen haben. Der eine kann beispielsweise ganz besonders einen bestimmten Baum lieben; dieser bedeutet ihm mehr als andere. Wenn er diese Beziehung spürt, dann soll er diesem Verlangen mehr nachgehen; er soll versuchen, in eine Bindung mit einem solchen Baum oder mit was es auch sein mag, zu gelangen, mit ihm näher zusammenzukommen.
Es wäre so vieles noch zu sagen, denn: Das, was ihr liebt, was euch von aussen her bekömmlich ist, bringt Nahrung für die Seele, aber das alles beruht auch auf einem Schwingungsfeld. Wenn ihr solche Beziehungen oder näheren Kontakte habt, sei es zur Tierwelt, zur Natur oder sei es zu ganz gewissen Gegenständen, so können diese auf euren irdischen Leib einen grossen Einfluss haben. Manchmal sagt ein Mensch, ohne dass er weiss warum – er fühlt es einfach –: “Mir tut diese Nähe nicht gut”, oder: “Ich fühle, diese Umgebung ist für meine Gesundheit besonders wirksam.” Also ist es der Mensch, der angesprochen, angezogen wird von ihrer Lebendigkeit, weil sie einen Einfluss auf ihn ausübt.
Wenn ich nun diese Stunde so mit euch meditiert habe, so möchte ich doch besonders zum Ausdruck bringen, dass ihr wirklich dem nachgeht, was ich euch gesagt habe. Wir wünschen, dass jeder Mensch in Frieden lebt, in Zufriedenheit, und er glücklich ist, dass er Obdach und Brot hat, wie er es braucht in seinem äusseren Leben – aber daneben soll er nicht vergessen, auch das geistige Leben auszuleben.
Ich habe an verschiedene Gebiete angeknüpft und so verschiedenen Freunden etwas gegeben, wonach sie greifen können, was für sie, für ihren Leib und für ihre Seele heilsam wird. So könnt ihr gesunden, wenn ihr so lebt, und ihr werdet glückliche und zufriedene Menschen dadurch. Unser Wunsch ist es, dass ihr eure Hände uns entgegenhaltet, dass wir Hand in Hand mit euch schreiten können.
So, liebe Geschwister, denkt an den morgigen Tag. Es ist ein Erinnerungstag der Christenheit [Christi Himmelfahrt]. Versucht auch hier, ihn in eurem inneren Leben zu erleben. So, liebe Geschwister, möget ihr begleitet werden vom Segen Gottes. Er möge euch behüten, beschützen. Möget ihr die Kraft erhalten, den Weg zu gehen, der für euch zum Heile ist. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.5.1966 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef aus den Jahren 1950 und 1951
In den ersten Jahren seiner Lehrtätigkeit, als die Gemeinschaft noch klein war, war es Geistlehrer Josef möglich, auch auf persönliche Fragen und Sorgen von Zuhörern einzugehen. Gelegenheit dazu boten jeweils die Vorstandssitzungen sowie die Frageabende im kleinen Kreis.
Lieber Freund Josef, ich habe zwei Operationen hinter mir. Was kann ich tun, damit ich wieder ganz gesund werde?
Josef: Ja – ich brauche etwas Zeit [einige Sekunden]. Ja, meine Liebe, ich möchte dir empfehlen, ja ich möchte sozusagen an dich dringen, Folgendes zu tun: Jeden Tag einmal sollst du vor dem offenen Fenster Atemübungen machen. Du sollst dir vorstellen, dass ein goldener Strom dich durchfliesst und dass du diesen auch aufnimmst. Denn es ist Kraft Gottes. Und denke immer: “Diese Kraft stärkt meinen ganzen Körper.” Tue dies, du musst den Willen dazu aufbringen. Du musst dir auch bewusst sein, dass mit diesen goldenen Fäden und Strömen tatsächliche Kraft in dich eindringt. Der Wille dazu muss vorhanden sein. Du kannst ihn aufbringen. Dann wirst du fröhlich werden, und dein Körper wird wieder widerstandsfähig werden, du wirst kräftiger werden.
Ich möchte auch hier eine allgemeine Erklärung geben. Der eigene oder der freie Wille des Menschen ist ein Geschenk Gottes. Dieses Wollen, dieser Wille des Menschen gibt eine ungeheure Kraft von sich. Er erarbeitet sich einen glühenden Funken – eine Kraftwelle gibt es. Und diese Kraftwelle durchströmt den ganzen Körper. Es ist eine ganz feine, dünne Masse wie ein Hauch. Eine bestimmte Kraft ist das, und dieses ist Lebenskraft. Wenn ihr diesen Willen immer für das Gute einsetzt, für das Edle, für das Schöne, für das Aufbauende – liebe Freunde, dann könnt ihr keine Disharmonie irgendwelcher Art haben und nicht ernsthaft krank werden. Dieser feste, unbedingte Wille enthält eine ungeheure Kraft, und diese Kraft braucht ihr für euer täglich Leben. (1950)
Lieber Geist Josef, ich möchte einer lieben Freundin von uns gerne eine Antwort geben. Sie weiss nicht, ob sie zu einem Arzt gehen sollte, ob sie ein Geschwür im Magen hat, das operiert werden sollte.
Josef: Ja, da kann ich sagen, oder dieses sage ich im Allgemeinen: Die Menschen sollen doch zum Arzt gehen und damit nicht zu lange warten. Wie ich schon öfters betont habe, ist es viel leichter, den Weg zum Arzt zu machen, der dann sagen kann, es sei gut, dass man so zeitig gekommen ist, als dass er sagen muss: “Ja, Ihnen hätte ich helfen können, wenn Sie früher gekommen wären.” So betone ich: Gib dieser Seele Bescheid, dass sie zu einem Arzt gehen soll. Denn jeder Mensch, wer es sei, hat die Pflicht, sich zu pflegen. So ist es auch in diesem Falle, so hat auch sie diesen Weg zu gehen und sich beraten zu lassen.
Dann möchte ich sagen, dieses betone ich immer: Wenn Menschen verbunden sind mit der geistigen Welt, werden sie auch an einen bestimmten Ort geführt, und es wird ihnen dann auch geholfen werden, oder – sagen wir – ihr Leiden kann gemildert werden. Ich kann nicht zum Voraus sagen, dass es so oder so ist; ich gebe dies als allgemeine Erklärung, dass besonderer Schutz und Segen über den Menschen ist, die diese geistige Sprache kennen, und dass es gut ist, wenn diese Seele einen Arzt aufsucht. So möchte ich sagen, kann es nicht so schlimm sein. Geht zeitig! (22.11.1950)
Lieber Josef, im Tessin hat es eine “heilige” Quelle. Sie heisst “Madonna della Fontana”, und die Leute dort sagen, dass seit Jahrhunderten alle Gebrechen durch sie geheilt würden. Ist es wirklich so?
Josef: Meine lieben Freunde, es gibt Menschen, die mit einem solchen Vertrauen zu jener Quelle hingehen, und ihr Glaube ist so gross, dass sie dort geheilt würden, dass dann wahrhaftig bei dem einen oder andern dieser Glaube stark genug ist, dass er geheilt wird.
So ist es eben oft notwendig, dass der eine oder der andere Mensch an einen solchen Ort geführt werden kann, wenn er von diesem oder jenem Wasser Heilung erhofft. Und wenn Menschen zusammen wirklich diesen Glauben in sich tragen, kann auch dieser Quelle ein besonderer Segen gegeben sein. Es braucht aber nicht unbedingt so zu sein, denn der Mensch erzeugt durch seine eigene Willenskraft und sein Vertrauen diese Kraft in sich selbst; und durch seinen Glauben an Gott erzeugt er in sich eine ungeheure Kraft, die ihm für seinen Körper zum Heile ist.
Es kann ihm auch zum Heile sein für seine Seele; denn im Menschen ist ein ständiger Antrieb durch seine Gedanken, seine Willensäusserungen. Und wenn er für das Gute wirkt, so treibt er dieses Rad ständig und bringt es in die grösste Schwingung, und es gibt seinem Körper eine grosse Kraft und Energie, dass er wieder gesundet.
So sage ich doch so oft zu den Menschen: Ihr habt in euch so ungeheuer viel Kraft. Und dieses heisst: Vertrauen, Mut muss der Mensch haben, Energie muss er aufbringen, und dann kann er so viel zu seinem Heile beitragen, und sein Heil liegt in seinem Körper wie in seiner Seele, wenn er dieses erkannt hat. (1951)
Lieber Geist Josef, ist die Wetterempfindlichkeit, unter der hier so viele Menschen leiden, eine Sache der körperlichen Veranlagung, oder spielen dabei Geistwesen in der Atmosphäre eine verhängnisvolle Rolle?
Josef: Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas ausholen. So habe ich doch schon von diesen verschiedenen Chören der Engel erzählt, die ihre Kräfte überallhin verteilen. Und der Mensch muss sich doch auch bewusst sein, dass er so vieles von sich abgibt, so viele verschiedene Farben oder Wellen oder Dünste, die er aussendet. Und so hungert er – möchte ich sagen – nach bestimmten Kräften, und wenn ihm dieselben nicht wieder zugeführt werden, so wird eben eine Unpässlichkeit über ihn kommen. Es entsteht dann ein Mangel an diesen Strahlen, die in der Regel doch in Hülle und Fülle dem Menschen gegeben sind. Aber dann können Stunden oder Zeiten kommen, wo eben ein Mangel an ganz bestimmten Kräften auftritt. So gibt es Menschen, die bei Föhn sehr empfindlich sind und krank werden. Sie hungern eben nach einer anderen Kraft, nach einer anderen Speise, die ihnen nicht gegeben werden kann. Und so sind sie eben empfindlich, und ihr Körper scheidet etwas aus, was für sie nicht gut ist.
So ist jeder Mensch verschieden in seiner Art. Der eine hat so viel Widerstandskraft, dass ihm solches nichts antun kann; der andere wieder hat eine solche Feinheit an sich und ist so empfindlich, wenn ihm diese oder jene Kräfte nicht zugeführt werden können, die ihm normalerweise in Hülle und Fülle gegeben sind, aber eben [bei Föhn] ihm nur spärlich gesandt werden können. Und so entstehen diese Unpässlichkeiten, dieses Unbehagen.
Können wir denn irgendwie diese Widerstandskraft in uns stärken?
Josef: Lieber Freund, diese Unpässlichkeit dauert gewöhnlich nur kurze Zeit. Es geht wieder vorüber, und der Mensch soll sich dessen bewusst sein, dass er auszuharren hat. Und für solche Stunden ist ihm doch ein wunderbares Mittel gegeben, das ihm Kraft gibt: Das ist das Wasser. Wascht euch mit diesem Wasser, wenn ihr euch nicht wohl fühlt. Nehmt von dieser feinen, glühenden Masse [geistig gesehen] und wascht euch damit. Denn in dieser glühenden Masse sind doch viele, viele Kräfte vorhanden, die du sonst [wenn du es dir nicht bewusst machst] nicht aufnehmen kannst. Nimm dieses Wasser, diese Kraft, und es geht doch wieder vorüber. Vertraue Gott und bitte, dass er dich stärken möge, dass er dich doch in gewissem Sinne unempfindlich machen möge gegen dieses Übel. Dies kann einem Menschen auch gegeben werden, wenn er darum bittet. So können die Engel des Heils ihm diese Kraft ständig spenden. (1951)