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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 4/2023 zum Thema Die Parallelstufe
Geistige Welt 4/2023
Die Parallelstufe
Beschreibung

Nicht alle Geistwesen, die einst beim Geisterfall aus den Himmeln gestürzt wurden, gehen denselben Weg der Heimkehr. Es gibt neben dem Aufstiegsweg auf Erden auch eine parallele Entwicklung in der jenseitigen Welt. Geistschwester Lene unterrichtet im ersten Vortrag des vorliegenden Heftes über diese Parallelstufe zur Erde. Sie erklärt, wer für diesen geistigen Weg des Aufstiegs ausgewählt wurde und welche Vorteile er diesen Geschwistern bietet. So bleiben ihnen zwar viele Sorgen und Leiden erspart, die ein Leben auf der Erde mit sich bringt, doch auch sie haben zu arbeiten und sich im Zusammenleben mit dem Nächsten zu bewähren. Und wenn sich ein Wesen nicht bemüht, kann es geschehen, dass es die Parallelstufe verlassen und zur Beschleunigung seines Aufstieges in ein menschliches Dasein treten muss. Möglich ist indes, wie in einer Fragebeantwortung ausgeführt wird, auch der umgekehrte Fall: Menschen, die durch teuflisches Wirken – wie etwa im Holocaust – unsägliches Unrecht und Leid erlitten haben und ohne Hass geblieben sind, können in der Parallelstufe Aufnahme finden; ein weiteres Menschsein bleibt ihnen erspart.

Themenheft 4/2023: Die Parallelstufe

Inhalt
Die geistige Parallelstufe zur Erde

Lene, 24. September 1970 (5. Abend der Meditationswoche 1970)

Die geistige Parallelstufe zur Erde

Nicht alle Geistwesen, die einst beim Geisterfall aus den Himmeln gestürzt wurden, gehen denselben Weg der Heimkehr. Es gibt neben dem Aufstiegsweg auf Erden auch eine parallele Entwicklung in der jenseitigen Welt. Geistschwester Lene unterrichtet in diesem Vortrag über diese Parallelstufe zur Erde. Sie erklärt, wer für diesen geistigen Weg des Aufstiegs ausgewählt wurde und welche Vorteile er diesen Geschwistern bietet. Das Leben in der Parallelstufe ist in verschiedener Hinsicht einfacher als das Leben auf Erden. So sind zum Beispiel keine niederen Geister da, die diese Wesenheiten beeinflussen und in Versuchung bringen. Sie müssen ganz aus der Kraft ihrer eigenen Seele heraus wirken und sich um ihre Höherentwicklung bemühen. So haben auch sie ihre Aufgaben zu erfüllen und Prüfungen zu bestehen.

Lene: [...] Liebe Geschwister, ihr seid Abend für Abend sehr gespannt, was wohl dargebracht wird. Wir überlegen uns gut, wessen ihr würdig seid und was man euch jetzt sagen darf oder was notwendig ist, euch zu sagen. Wir wollen euch, euer Wissen ja bereichern, eure Herzen und eure Seelen erwärmen.

Ich möchte nun über etwas sprechen, das bisher verhältnismässig wenig berührt worden ist. Es geht um jene geistige Sphäre, die man die Parallelstufe zur Erde nennt.

Ich habe euch am Anfang dieser Woche von den Plänen Gottes erklärt. Darin ist ja alles nur angedeutet – und es kann auch nur angedeutet bleiben, da noch nichts vollendet ist, weil es ja in den Anfängen steht. Alles, was auf einem Plane festgezeichnet ist, kann wiederum etwas abgeändert werden. Man passt sich eben der stetigen Vorwärtsentwicklung an. Es wäre eine falsche Auffassung der Menschen, zu meinen, bei Gott wäre es so, dass er bis in alle Ewigkeit über alle Dinge im Voraus Bescheid wüsste. Wenn er über alle Dinge schon Bescheid wüsste, dann müsste die Entwicklung gar nicht diesen langen Weg gehen. Es könnte ja einfach vollendet werden nach seinem Willen und nach seinen Worten, sodass alles so wäre, wie er es wünscht. Ich muss nicht lange darüber reden, dass Gott seinen Geschöpfen den freien Willen gegeben hat. Durch diesen freien Willen wird eben manches geändert, und die Pläne Gottes werden durchkreuzt. Daher muss man sich immer wieder den neuen Gegebenheiten anpassen.

Jetzt will ich auf diese geistige Parallelstufe zur Erde zu sprechen kommen. Sie ist ein für sich geschlossenes Paradies – so möchte ich es nennen. Diese Parallelstufe ist in ihrer Entwicklung, in ihren Aufstiegsstufen genau wie hier auf Erden. Nur ist dieses Paradies eben ein geistiges Paradies – ein für sich besonders geschlossenes Paradies. Dort wohnen Geistgeschwister, die ihrem Aufstieg entgegengehen, genauso wie ihr. Dort gibt es ein Tierreich, ein Pflanzenreich, ein Mineralreich. Alles, was bei euch auf der Erde in verdichteter, materieller Form vorhanden ist und auf seinen Aufstieg wartet, ist auch im Geistigen. Im Geistigen sind sie jedoch nur in ihre geistigen Leiber gekleidet, sie haben also keine irdische Materie, wie ihr sie habt. Es ist eine geistige Welt mit denselben geistigen Bedingungen, wie ihr sie in eurer irdischen Welt als irdische Bedingungen habt.

In der Parallelstufe wohnen Geistgeschwister, die sich einst beim Abfall nicht allzu sehr verschuldet, also nicht diese grosse Schuld auf sich geladen hatten wie die andern, die aus den Himmeln verstossen wurden und zu ihrem Aufstieg die Menschwerdung annehmen müssen.

Ich möchte euch nun darlegen, wie jene sich verschuldet hatten, wie gross ihre Schuld war und dass sie sich doch noch vorwärtszuentwickeln haben, denn dies wird euch bestimmt interessieren.

Damals fand im Geistigen dieser Kampf statt – ich brauche darüber nicht detaillierte Erklärungen zu geben, sondern ich will im Moment nur darauf hinweisen, dass es seinerzeit Luzifer darum ging, Christus das Recht abzusprechen zur alleinigen Führung der ganzen Geisterschar Gottes. Luzifer glaubte, ebenfalls berechtigt zu sein, diese Führung zu übernehmen. So hatte er sich eben gegen Gott gewandt, beziehungsweise er wurde gegen Gott ungehorsam. Nun gab es diesen Kampf. Es dauerte lange, lange Zeit, bis es wirklich zum Sturze kam. Es gibt in der geistigen Welt unzählbar viele Legionen von Geistern. Diese Legionen sind eingeteilt in der Ordnung Gottes, und jeder Legion steht ein hoher Geist vor. Er ist ihr Führer, wenn wir ihn so nennen wollen. Der König über alle Wesenheiten ist und bleibt jedoch Christus – er ist der Herr. Doch auch Christus braucht tätige Helfer und getreue Mitarbeiter, und die haben ihm jeweils Rechenschaft abzugeben über das Leben in dieser oder jener Legion. Denn nicht jedes Wesen aus einer so grossen Legion kann direkt zum König gelangen, wenn es ihm gerade gefällt. Das sollte euch klar sein, wenn ihr eure irdischen Gesetze kennt und ihr das erfasst habt, was euch jeweils im Laufe der Zeit erklärt worden ist.

Der König hat also seine Mitarbeiter. Es sind erhabene Geister Gottes, die mit hohen Talenten und mit grosser Intelligenz ausgestattet sind. Sie führen eben diese Legionen. Diese Führung liegt nicht nur bei einigen dieser hohen Geister; sie bedienen sich auch anderer Führer, die sich wiederum ihrer Geisterschar anzunehmen haben. Diese Scharen wurden in Gruppen eingeteilt, wobei jeder führende Geist eine ganz bestimmte Anzahl Geistgeschwister hatte, über die er Rechenschaft abgeben musste. So wie es auch bei euch Menschen in einem geordneten Staate ist, der von verschiedenen Menschen oder Ministern meinetwegen geführt und gelenkt wird, so ist es auch im Geistigen.

Seinerzeit beim Abfall war es so, dass sich gerade hohe Geister, die Christus unterstanden, von Luzifer überreden liessen. Sie waren auch der Meinung, es wäre eine Ungerechtigkeit, dass Christus allein diesen gewaltigen Legionen als König vorstehe; dieses Amt könnte doch bestimmt ein zweiter Geist mit ihm teilen. So ging das eben vor sich, und mit der Zeit hatte man sich zum Kampfe gegen Christus vorbereitet. Darauf will ich nicht weiter eingehen; es ist aber notwendig, dass ich dies erwähne, wegen der Geistgeschwister, die sich weniger verschuldet haben. Es gab nämlich unter den Legionen Führer, die ihre Geistgeschwister aufforderten, ihre Einstellung zu teilen, sie anzunehmen. Teilweise gab es welche, die gleich mit ihren Führern einverstanden waren, andere aus diesen Legionen erhoben Widerspruch. Ich habe euch ja erklärt, dass man in der geistigen Welt auch nicht immer gleicher Meinung ist, wenn jemand etwas sagt oder etwas Neues zur Entfaltung bringen möchte. Man spricht sich aus und hat eben auch verschiedene Auffassungen.

So waren auch damals jene Geistgeschwister unterschiedlicher Meinung. Ein geistiger Führer, der einer solchen Legion vorstand, hatte natürlich sehr grossen Einfluss auf seine Geistgeschwister, die ihm unterstanden.

Nun war unter ihnen ein geistiger Führer, der sich nicht ganz dafür begeistern konnte, dass Luzifer diesem Christus seine Würde absprechen wollte, damit er auch als König hervortreten würde. Einerseits äusserte er sich dahin, dass ja auch zwei Könige regieren könnten, da es so viele Legionen von Geistgeschwistern gebe und es sicherlich nichts ausmache, wenn noch ein zweiter König da wäre. Man könne die Geisterschar wohl aufteilen. Im gleichen Atemzuge gefiel ihm das dann doch nicht, was er gesprochen hatte, und er sagte: “Nein, ich kann mich nicht dafür begeistern, denn Christus ist der von Gott Gesalbte, der von Gott eingesetzte König. Wir müssen uns an das halten, was Gott befohlen hat. Wir können hier nicht nach unserer Meinung Entscheidungen treffen.”

Eine kleine Bemerkung: Ihr könnt hier sehen, wie gross die Freiheit der Geister Gottes war und ist in ihrer Meinungsäusserung und in ihren Handlungen, dass sie es überhaupt wagten, Stellung zu nehmen. Daraus könnt ihr erkennen: In der Geisteswelt besteht eine überaus grosse Freiheit.

Nun zurück zu diesem Führer, der diese Gespräche führte und seine Geisterschar darüber unterrichtete, dass es eben möglich wäre, dass man sich teilen könnte. Andererseits sei ihm nicht ganz wohl dabei, er wolle doch nur Christus allein angehören. Er hatte also gewisse Zweifel, Unsicherheiten. Die Geistgeschwister, denen er vorstand, waren auch seiner Meinung. Sie erhoben sich nicht gegen Gott und eigentlich auch nicht gegen Christus. Sie wurden plötzlich unsicher und waren der Auffassung: “Warum nicht? Warum kann es in diesem gewaltigen Gottesreich neben Gott nicht auch noch einen weiteren, einen zweiten König geben? Was ist schon dabei? Wir können ja trotzdem das tun, was Gott befohlen hat.”

Das genügte schon. Ihr Verhalten wurde ihnen als Zweifel angerechnet. Es sollte kein Geist Gottes den Himmel bewohnen, der nur den geringsten Zweifel hatte, Christus als den alleinigen König anzuerkennen. Es genügte hier der leiseste Zweifel. Daher kam es auch für sie zur Trennung. Mit dieser Trennung sollten sie jedoch nicht diese schweren Prüfungen durchleben müssen, sondern für sie sollte ein etwas leichterer Weg geschaffen werden. Doch die Tore dieser geistigen Welt blieben auch für sie geschlossen. Es war nicht möglich, in das andere, das göttliche Reich hinüberzutreten.

Dieses Reich, dieses besondere Paradies, hat mit dem Paradies, auf das ich am Anfang dieser Woche hingedeutet habe [wo Adam und Eva geprüft wurden], nichts zu tun. Das Reich, von dem ich jetzt rede, ist ein für sich abgeschlossenes Paradies, wo sie auch auf die Erlösung durch Christus harren mussten, aber sie mussten nicht durch die Menschwerdung gehen. Es sollten im Geistigen ganz genau die gleichen Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen werden wie auf der Erde. Nur die Menschwerdung blieb ihnen erspart. Darüber seid ihr auch schon orientiert worden. Ich habe es nun etwas näher erklärt und will damit eben andeuten, dass auch diese Geister so lange auf ihren Aufstieg zu warten hatten, bis sie von Christus erlöst wurden. Es wurde ihnen auch klargemacht, dass Christus die Menschwerdung annehmen werde und er durch eine harte, schwere Prüfung gehen müsse, um so für die Befreiung aller Geschöpfe zu kämpfen. Darüber wurden sie unterrichtet. Diese Geistwesen dort haben Erkenntnisse vom Heils-, Erlösungs- und Schöpfungsplan, denn sie sind Geister und können leichter von geistigen Wesen besucht und unterrichtet werden.

Ich erkenne schon jetzt in den Gedanken einiger Freunde das Wenn und Aber, das Wieso und Wann. Ich versuche darauf einzugehen, aber in allen Einzelheiten vermag ich das kaum zu tun.

In dieser für sich geschlossenen geistigen Sphäre hatte es auch Geistgeschwister, deren Verschulden etwas grösser war als bei jenen, die nur diese unsicheren, zweifelnden Worte ausgesprochen und sich dann doch wieder zu Christus bekannt hatten, also wankelmütig gewesen waren. Auch sie mussten nicht die unterste Stufe einnehmen, sie wurden nicht umgewandelt in die Tiefe oder in das Tiefste hinein, sondern sie behielten ihren geistigen Leib.

Es waren aber genügend Geistwesen da, die umgewandelt werden mussten, weil ihr Denken ihre Seele mehr belastete. Für sie musste es eine lange Prüfung sein; der Weg für sie sollte so gestaltet sein, dass sie sich wirklich im Glauben festigen konnten.

Gott hoffte damals, als er den zwei Geistgeschwistern [Adam und Eva] in der geistigen Welt die Prüfung auferlegte, dass sie diese im Namen der ganzen Geisterschar bestehen würden. Hätten diese beiden ihre Prüfung bestanden, hätten auch die mehr belasteten Geistwesen die Umwandlung nicht durchmachen müssen. Diese Umwandlung in die tiefste Entwicklung oder in die tiefere Entwicklung geschah als Folge der Nichterfüllung der Prüfung jener zwei Geistwesen, die Gott auserwählt hatte. Sie waren zwei führende Geister aus den Legionen Gottes gewesen. Man setzte sie ein und erlegte ihnen die Prüfung des Gehorsams auf. Es gelang eben wieder nicht. Daher musste dieses Vorhaben aufgegeben werden. Es mussten andere Wege geschaffen werden, die eine viel grössere Zeitspanne in Anspruch nahmen. Der neue Weg, der nun erdacht wurde – diese neue Schöpfung –, musste so gestaltet werden, dass er unbedingt zum Ziele führt. Dafür mussten solche sicheren Möglichkeiten geschaffen werden.

Wenn ich nun nochmals darauf zurückkommen darf: Ich habe angedeutet, dass eben diese vielen Pläne, diese verschiedenen Aufstiegsstufen, gezeichnet werden mussten – es gab einen Wettbewerb. Man plante, wie man von einer Stufe zur andern hinüberschreiten kann und wie ein Aufwärtsschreiten möglich sein würde, um wieder das göttliche Bewusstsein zu erlangen, um in ein höheres Leben hinüberzukommen. Ihr könnt ja sehen, wie es um euch bestellt ist: Durch das menschliche Dasein müsst ihr schreiten, durch die Sorgen und Probleme in eurer Welt.

In der Parallelstufe, in diesen geistigen Ebenen, von denen ich jetzt spreche, muss auch gearbeitet werden, es gibt auch Werkstätten. Alles, was ihr auf Erden besitzt, wie Dörfer oder Städte, ist dort im Geistigen ebenfalls vorhanden. Die Bewohner arbeiten auch. Sie sind auch künstlerisch tätig; sie können sich dort entfalten und auch schöpferisch tätig sein.

Das Leben dort mag angenehmer sein als das eurige. Denkt nur daran, dass sie keinen kranken irdischen Leib haben, der sie plagt. Sie werden nicht von Schmerzen geplagt; der Körper ist ihnen keine Last. Sie haben ja einen geistigen Leib, und der ist gesund. Das Denken und Wollen jener Geistgeschwister muss geprägt werden vom göttlichen Bewusstsein. Das ist es, was sie in ihrer Seele haben müssen, und die Seele muss sich vervollkommnen.

Sie gehen also ihren Beschäftigungen nach. Sie haben es leichter, sie haben keinen irdischen Leib, der sie plagt. Und sie haben kein Geld. Man arbeitet nicht um des Geldes willen. Geld ist etwas, das sie nicht kennen. Das gibt es dort nicht. Bedenkt einmal, was das bedeutet.

Jene, die darum gearbeitet haben, haben auch Häuser, haben einen Besitz. Aber erworben wurde er nicht mit Geld, sondern mit Fleiss, mit Tugenden, mit Hingabe, mit grosser Strebsamkeit, die Höhen zu erreichen; er ist ihr Lohn.

Nun ist es so: Keine Blume, die dort wächst, und kein Tier, das dort lebt, gehört einem persönlich. Kein Haus, das man bewohnt und einem zugesprochen worden ist, ist persönliches Eigentum. Alles gehört Gott. Es würde niemandem einfallen, nur daran zu denken, ein Haus als Eigentum zu betrachten. Denn das darf nicht sein. Es darf kein Gefühl von irgendwelcher Raffgier geben. Das gibt es nicht in jenen Ebenen, das kennt man nicht.

Die Umstände dort, in denen man lebt, sind ganz anders. Alles, was dort wächst und gedeiht, was zu erleben ist, was man erarbeitet, gehört Gott. Das ist ganz selbstverständlich. Der grösste Künstler, den es dort geben mag, der irgendeine Plastik wertvoller Art schafft, betrachtet sein Werk nicht als sein Eigentum, sondern er gibt zu bedenken: “Diese schöpferische Kraft habe ich von Gott. Es ist von Gott gegeben. Ich gehöre Gott. Das, was ich erarbeite, gehört Gott. Das gehört allen Geschwistern.” Man ist sich darüber klar, dass alles Gottes Eigentum ist und dass Dinge, die einem zugesprochen werden, nur anvertraut sind. Man darf sie benützen, aber niemand betrachtet sie als sein persönliches Eigentum.

Die Geistwesen in der Parallelstufe leben in einer wunderbaren Gemeinschaft. In den verschiedenen Stufen – von den niederen zu den höheren, höchsten Stufen – weiss jedes Geistgeschwister, dass alles Gott beziehungsweise der ganzen Gemeinschaft gehört, wo man auch wohnt, sei es in einem Dorf oder in einer Stadt, was es auch sein mag. Man weiss, es gehört allen, und alles gehört Gott.

Man kann dort nicht Dinge raffen, und man kann keine Betrügereien begehen. Auch die Lüge gibt es nicht wie bei den Menschen. Man kann wohl einmal etwas sagen, was nicht stimmt, aber gleich wird erkannt, dass man die Unwahrheit gesprochen hat. Man kann nicht irgendetwas behaupten, es wäre so oder so gewesen, es hätte sich anders abgespielt, und damit erhoffen, einen persönlichen Vorteil zu erreichen durch eine solche täuschende Redensart. Das kann man nicht, weil die Wahrheit offenbar ist. Daher sind gar nicht so viele Möglichkeiten vorhanden, sich zu belasten.

Nun muss ich hier das Wort “aber” setzen – die Entwicklung geht in der Parallelstufe viel, viel langsamer vor sich. Das Leben dort, ich darf es wohl sagen, ist viel gemütlicher. Viel ruhiger geht man die Dinge an.

Ich möchte an dieser Stelle noch etwas sagen. Damit will ich auch einigen Zweiflern eine Antwort geben. Nehmen wir einmal an, ein Mensch hätte, nach eurer Zeitrechnung, ein Alter von siebzig Jahren. In diesen siebzig Jahren vermag ein Mensch vieles zu erreichen. Er kann sich geistig vorwärtsentwickeln und gut aufwärtssteigen, wenn er den wahren Sinn des Lebens sieht. Um zu gleichen Erkenntnissen zu kommen oder die gleiche Willenskraft aufzubringen, um so viel zu erreichen, wie ein Mensch leisten kann, braucht es in der Parallelstufe die doppelte Zeit im Vergleich zur irdischen Welt.

Man sieht hier, dass es auch eine geistige Zeitrechnung gibt. Man sagt auch, im Geiste gebe es keine Zeit. Doch, es gibt eine Zeitrechnung, aber man kann sie nicht mit der irdischen Zeit vergleichen. Einem aufsteigenden Geist ist die geistige Zeitrechnung auch nicht gleich bekannt; es ist ihm nicht bewusst, wie die Zeit vergeht, denn er kennt keine solchen Wochentage wie ihr Menschen. Er lebt einfach dahin und ist sich nicht über die Zeiträume im Klaren. Für ihn wird die Zeit sozusagen zeitlos. Er ist nicht an die Wochentage gebunden, wie ihr es seid. Darum wird für ihn die Zeit nicht so berechnet, wie ihr Menschen es tut. Aber es gibt eine geistige Zeitrechnung.

Nun werdet ihr denken, dass es auch dort eine Vorwärtsentwicklung gibt. Freilich, es gibt genauso einen solchen Aufstieg wie bei euch. Es gibt einen Aufstieg zum höheren Bewusstsein, und es hat dort Wesenheiten, die eben nicht durch diese tiefen Entwicklungen gehen mussten, die also ihren geistigen Leib behalten durften. Nun ist es so, liebe Geschwister – und ich hoffe jetzt, ich werde verstanden; ich werde vorsichtig sein und doch nicht ganz alles auf einmal sagen –: Es gibt genauso wie bei euch Familien. In diesen Familien sind Kinder, die heranwachsen – man lebt in der Familie. Wenn nun diese Geistwesen, wie ich vorhin erklärt habe, eine gewisse geistige Entwicklung erreicht haben in diesen Zeiträumen, die so lange andauern, werden sie aus dieser geistigen Ebene herausgenommen.

Denn es gibt kein Verbleiben in jener Sphäre bis in die Unendlichkeit hinein; sie ist ja auch eine Ebene der Aufwärtsentwicklung im Geistigen, wo es aber keinen irdischen Leib und also kein Sterben gibt wie bei den Menschen. Diese Geistwesen werden dann aus dieser Ebene herausgeholt und in die geistige Welt hineingeführt, von der wir im Allgemeinen immer reden. Von dort aus machen sie ihren weiteren geistigen Aufstieg. Dort eröffnet sich ihnen eine neue Welt mit neuen Pflichten, neuen Aufgaben, und von dort aus geht dann die Entwicklung dem Hause Gottes entgegen. Auf diese Weise treten also die Geistwesen aus dieser Ebene hinaus.

Ihr könnt nun vielleicht verstehen, dass das Leben, das sich von unten aufwärtsentwickelt, von den Geistern Gottes auch gewandelt werden muss, wenn es von den untersten Stufen kommt – genauso wie bei euch im irdischen Reiche. Alles, was auf Erden atmet, ist beseelt, ist mit Leben umfangen, und so ist auch in der Parallelstufe alles beseelt und bedarf der stetigen Umwandlung in das höhere Leben hinein.

Ich deutete an, dass es bei jenen Geistwesen, die in der Parallelstufe leben, eben gleich ist wie bei euch. Die Kinder wachsen zu jungen Menschen heran und kommen auch in jene Zeit hinein, wo sie auf Brautschau gehen. Ich hoffe, ich werde verstanden. Das dort zu erleben, ist natürlich etwas ganz anderes als unter euch Menschen auf der Erde. Ihr sollt auch wissen, dass es in dieser Parallelstufe, die ja eurer Welt so ähnlich, so gleich ist – nur dass sie eben nicht dieselbe Verdichtung aufweist –, ebenfalls Unterhaltungen gibt; man trifft sich, man kennt Spiele. Man unterhält sich und findet sich auf diesem Wege. Wie bei euch gibt es Städte und Dörfer, und man besucht andere Städte und Dörfer. Man geht einander besuchen und wählt sich die Schönste aus ... So werden die Familien gegründet, und wie bei euch wird Hochzeit gefeiert. Es ist gleich wie in eurem Leben, denn es muss eine Aufwärts- und Vorwärtsentwicklung geben. Das Leben von unten muss die Möglichkeit haben, aufzusteigen, zum göttlichen Bewusstsein zu kommen.

Wenn ich euch gesagt habe, dass dort alles so gemütlich vor sich geht, könnt ihr euch auch vorstellen, dass dies alles viel mehr Zeit – jetzt muss ich das Wort “Zeit” verwenden – in Anspruch nimmt, denn das Leben ist ganz anders. Es ist nicht so hektisch wie bei euch. Das ist ganz und gar unmöglich.

Jetzt muss ich weiter erklären, dass es in jener Welt auch so ist wie bei euch – dass eben verschieden entwickelte Geistgeschwister miteinander leben. Dort ist es auch so, denn der Aufstieg ist ja genau derselbe. Man kann dort auch einen geistigen Reichtum zugesprochen bekommen – Reichtum ist vielleicht zu viel gesagt, aber man kann einen Besitz erlangen. Diesen Besitz betrachtet man nicht als Eigentum, sondern er ist einem anvertraut worden. Man erreicht etwas, wenn man in der göttlichen Gefälligkeit lebt, wenn man so viel wie möglich an Tugenden aufzuweisen hat – wenn man den einen wie den andern stärkt mit seinen Tugenden, mit seiner Erhabenheit, mit seiner göttlichen Gesinnung, mit seinem göttlichen Bewusstsein. Man wird dafür seine Belohnung finden und dann eben auch geistig reich werden. Dementsprechend ist das Aussehen, und dementsprechend hat man unter seinen Geistgeschwistern auch ein geistiges Ansehen.

Ich möchte euch nun einen Einblick in eine solche Hochzeit geben, wenn sich zwei Geistwesen gefunden haben und sich um dieses höhere göttliche Bewusstsein bemühen. Dort ist dies eben ganz anders als bei euch, wo man sozusagen ständig auf euch einreden muss: “Werdet euch bewusst, göttliches Bewusstsein zu erlangen; pflegt es, erweitert es.” Das ist dort eine Selbstverständlichkeit, weil viele Untugenden gar nicht zum Ausdruck kommen können und weil Gefahren, die auf den Menschen lauern, nicht vorhanden sind. Es sind keine niederen Geister da, die diese Wesenheiten beeinflussen und sie in Versuchung bringen könnten.

Diese Geistwesen dort müssen ganz aus der Kraft ihrer eigenen Seele heraus wirken. Die eigene Seele muss hervorbringen, was in ihr liegt. Auf diese Weise gibt es ein Vorwärts- und Aufwärtsschreiten, ohne dass man von niederen Geistwesen in Versuchung gebracht würde. Damit ist aber nicht gemeint, dass es nicht auch unangenehme Dinge gibt, denn die Meinungen der Mitgeschwister unterscheiden sich. Die einen können in ihren Ideen sehr hartnäckig sein. Sie können unwillig oder sogar unzufrieden sein – das gibt es auch. Aber es gibt nicht in dem Masse diese Untugenden, wie sie beim Menschen möglich sind. Diese Wesen werden nicht von niederen Geistern beeinflusst, sondern es geht dort ständig um die Läuterung, um die Verfeinerung der Seele und das Ausmerzen irgendwelcher Unebenheiten. Es ist also in dieser Beziehung schon anders.

Nun aber zur Hochzeit, von der ich reden möchte, wenn sich zwei gefunden haben, die, sagen wir, jetzt eben geistig wesensgleich sind. Denn meistens ist es so, dass man den Weg zu seinesgleichen findet. Man wird einen Partner wählen, der einem wesensgleich ist, weil diese Welt eben doch anders ist als die eurige. Auf Erden sieht man nur das Äussere des Menschen, dort aber sieht man das Inwendige des geistigen Wesens. So gibt es eine Vermählung in dieser Wesensgleichheit. Auch herrscht in einer solchen Ebene Ordnung, genau wie bei euch. Eine solche himmlische Hochzeit, wenn ich sie so nennen darf, möchte ich aber nicht vergleichen mit jener erhabenen, göttlichen Ehe, die im Himmel [zwischen Dualen] geschlossen wird – das ist wieder etwas anderes; ich kann vielleicht ein anderes Mal darauf zurückkommen [Lene tat dies am 3. Abend der Meditationswoche 1978]. Aber zurück zur Parallelstufe: In jener Wesensgleichheit, die dort herrscht, entschliesst man sich dann, einen Bund fürs Leben miteinander einzugehen, und dieser Bund wird von einem Engel Gottes gesegnet und bestätigt. Es ist doch ein Leben im Geiste.

Feste werden dort gefeiert, wann immer möglich. Man hat immer Gelegenheit, an einer solchen Hochzeitsfeier teilzunehmen. Aber es soll Ordnung sein, und man kann nicht bei jeder Gelegenheit da oder dort ein solches Fest miterleben. Das bestimmt die höhere Geisterwelt Gottes. Sie bestimmt dann den Zeitpunkt – ich muss hier von Zeit reden –, wann solche Feste gefeiert werden dürfen, denn sie ziehen sich wahrlich in die Länge. Zu diesen Festen wird geladen; es können alle kommen, die da wollen. Das ganze Dorf oder die ganze Stadt macht sich auf zu einem solchen Fest, zu einer Hochzeit oder sonst einem Anlass. Es ist auch nicht so, dass man etwas bezahlen müsste; es gibt nichts zu bezahlen. Die Tafel ist für einen jeden reichlich gedeckt, und keiner kommt zu kurz. Es ist alles da. Alles gehört Gott, alles kommt von einem Ort.

So wird die Tafel für diese Hochzeit gedeckt. Dafür sind Diener da, das ist ihre Tätigkeit, und sie sorgen dafür. Musik wird gespielt, und es werden Reigen getanzt; es ist ein frohes, frohes Fest. Wenn man dann zur Einsegnung fährt, möchte man auch zeigen, mit welcher Freude und Sorgfalt dieses Fest vorbereitet wurde. Zugleich zeigt man sein geistiges Ansehen – ich muss beide Worte aussprechen: das Ansehen, das man hat unter den Mitgeschwistern, und das Aussehen, das man sich selbst gibt durch das göttliche Bewusstsein, das man entfaltet hat. Dieses göttliche Bewusstsein ermöglicht eben die vornehme Erscheinung.

So will auch die Braut eine schöne Braut sein. Sie braucht sich nicht um ihr Kleid zu kümmern, denn es wird ihr gebracht. Das Kleid, das sie trägt, ist vorher schon von vielen getragen worden und wird auch nachher noch von vielen getragen, aber das stört sie nicht. Sie erhält ja dieses Kleid. Alles, was zur Hochzeit gehört, empfängt man aus dem Reiche Gottes. Natürlich geht man nicht zu Fuss, denn in dieser Welt, ich sagte es, ist alles, alles da wie bei euch. So fehlt auch nicht die Kutsche, es fehlen nicht die Pferde. Je nach dem persönlichen geistigen Reichtum wird die Hochzeit mehr oder weniger vornehm sein.

Ich hatte kürzlich die Freude, eine solche Hochzeit mitzuerleben. Acht weisse Pferde zogen einen Wagen. Und stellt euch vor: Auf jedem Pferd sass eine Elfe. So gingen sie zur Einsegnung, natürlich mit grosser Freude und unter grossem Jubel. Das ist die Welt Gottes. Lange wird gefeiert, und man freut sich. Da dies eine geistige Ehe ist, wird man auch auf seine Aufgaben und Pflichten im Heils- und Erlösungsplan Gottes aufmerksam gemacht, denn dies tut auch not. Alles muss aufsteigen; es ist ein Lechzen, ein Verlangen nach Befreiung. Das erlebt man in dieser Welt auf besondere Art und Weise.

Wenn ihr noch nicht müde seid, möchte ich weiterfahren. Ich möchte jetzt nicht weiter von der Hochzeit erzählen, wo Feste gefeiert wurden. Die Hochzeit fand schliesslich auch ihr Ende, und so gingen diese Geistgeschwister gemeinsam in das Haus, das ihnen zugesprochen wurde, wo das junge Leben seinen Anfang nahm. Vielmehr will ich jetzt über jene Geistgeschwister reden, die eben aus dieser Ebene geholt werden. Stellt euch vor: Diese Geistgeschwister sind ja ganz eingenommen von dem, was sie erlebt haben in ihrer Welt. Die irdische Welt ist ihnen hingegen so fremd. Sie werden darüber unterrichtet, sie besuchen auch Schulen. Sie werden also belehrt, es wird ihnen von dieser irdischen Welt, vom Menschsein erzählt. Für sie ist es aber so schwer, dies zu verstehen und zu glauben – genauso wie es für viele Freunde schwer ist, das anzunehmen und zu glauben, was ich jetzt gesagt habe.

So müssen diese Geschwister eben auch darüber aufgeklärt werden. Wenn sie in die übliche geistige Welt hineingeführt und eingereiht worden sind an ihren Platz, wird ihnen eine Tätigkeit aufgetragen. Es wird der Zeitpunkt kommen, wo man zu ihnen sagt: “Nun musst du etwas von dieser irdischen Welt sehen. Du sollst dir einmal vor Augen führen, in welcher Gottesgnade du die ganze Zeit hindurch leben durftest, während deine anderen Brüder und Schwestern auf der Erde diesen verdichteten Leib annehmen und durch grössere Probleme, grösseres Leid und grösseren Schmerz gehen mussten.”

Nun werden solche Geschwister zur Erde hingeführt. Man führt sie da oder dort zu einem leidgeprüften Menschen, damit sie erkennen können, wie schwer es diese Menschen haben. Man führt sie auch ans Sterbebett. Dort können sie sehen, wie sich der Geist vom irdischen Leibe löst, wie er in der Jenseitswelt in Empfang genommen wird und was seiner wartet. Sie müssen auch mit ansehen, wie Menschen krank sind, wie sie leiden. Dies alles wird ihnen vor Augen geführt, um ihnen klarzumachen, wie schwer es diese Menschen haben und wie notwendig es ist, dass sie Unterstützung erhalten von der guten Geisterwelt Gottes. Denn damit will man erreichen, dass solche Geistwesen – wenn sie sich eingelebt haben in die neue Ordnung und in ihre neuen Aufgaben – sich des Menschen annehmen, um ihm den Beistand zu geben. Denn es ist wahrlich viel zu tun, wenn man die Menschen in dieser Welt betrachtet – ihre Sorgen, ihre Leiden, ihren Kummer. Da gibt es für die gute Geisterwelt Gottes viel zu tun.

Damit will man erreichen, dass sie sich in ihrer Dankbarkeit und ihrem tiefen Glauben an Gott bestärkt fühlen. Im Weiteren möchte man sie als Mitarbeiter im Heilsplane Gottes wissen, indem man sie anspornt, sich aufzumachen und sich in den Dienst des Nächsten zu stellen. Die Geister haben ja ihren freien Willen, und ganz besonders in diesen Ebenen, wo man es mit der Arbeit sehr gemütlich nimmt, hat es auch sehr viele Geistgeschwister, die in dieser Zeit hohe Gaben entfalten konnten. Sie möchten dann eben am liebsten nur diese hohen Gaben zum Ausdruck bringen. Sie sehen nicht ein, dass auch allerlei ‘niedere’ Arbeit notwendig ist und getan werden muss.

Sie müssen auch dafür herangezogen werden. Man muss ihnen erklären, dass sie mitzuhelfen haben, anderes Wichtiges zu bewerkstelligen. Auch anderes ist notwendig und muss in Erfüllung gebracht werden, als sich nur den schöpferischen Talenten zu widmen. So möchte man, dass sie vielseitig tätig sind, denn Geister von dort sind sehr oft hochbegabte Geistgeschwister. Solche Wesenheiten werden ja auch in der geistigen Welt gefördert. Aber nicht allein diese hohen Gaben und diese besonderen Talente dürfen bei einem Geistwesen das Wesentliche und die Hauptsache sein; es muss auch anderes tun können und unter Beweis stellen, dass es dazu fähig ist. Denn in der Geisterwelt Gottes gibt es vielerlei Arbeit. Man muss mancherorts helfen, und man kann sich nicht nur auf seine Begabung und auf seine schöpferischen Talente berufen. Man muss manchmal auch einem Menschen auf eine Weise beistehen, dass es ihm ermöglicht wird vorwärtszukommen, und ihm das Leben leichter gestalten. So muss man in allen Dingen unterrichtet und belehrt werden.

Liebe Geschwister, ich habe euch wiederum eine neue Welt erklärt und eröffnet. Ich habe versucht, die Antwort zu geben, die sich schon da und dort ein Freund gestellt hat. Ich habe versucht, es auf die Weise zu erklären und zu erzählen, wie ich glaube, dass ihr es verdient. Ich könnte wohl noch in vielen Dingen ausführlicher werden, aber die Zeit ist nicht reif dafür. Ich nehme gerne an, ihr seid mit mir zufrieden, denn ihr habt durch diese Erklärungen wieder Wissenswertes erhalten. Ihr habt ja die Möglichkeit, immer wieder hierherzukommen und von mir zu hören. Ihr seid doch meine Vertrauten, und ich werde als eine vertraute Schwester zu euch reden.

Gottes Segen möge euch begleiten. Möget auch ihr euch um dieses göttliche Bewusstsein bemühen. Denkt daran, was ich euch als Leitsatz [dieser Woche] gesagt habe: “Selig sind, die Gottes Wort hören und es in sich bewahren.” Das besagt, treu im Glauben zu dem zu stehen, was euch gesagt wurde, und Gott zu bitten, dass er euren Geist erleuchte und eure Seele, damit ihr es im vollen Umfang verstehen könnt. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 24.9.1970 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1970 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Vom parallelen Aufstiegsweg in der jenseitigen Welt

Josef, 19. November 1966

Vom parallelen Aufstiegsweg in der jenseitigen Welt

Wer in der Parallelstufe seinen Aufstieg durchmachen darf, dem bleiben viele Sorgen und Leiden erspart, die ein irdisches Leben mit sich bringt. Das heisst aber nicht, dass die Geistwesen der Parallelstufe nicht auch ihre Sorgen und grossen Herausforderungen zu meistern haben. Wie Geistlehrer Josef in diesem Vortrag darlegt, müssen auch sie arbeiten und sich im Zusammenleben mit dem Nächsten bewähren. Wenn ein Wesen sich nicht bemüht und dem Stillstand verfällt, kann es geschehen, dass es zur Beschleunigung seines Aufstiegs eine Einverleibung auf Erden auf sich nehmen muss.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Geisterwelt Gottes hat die Tore weit aufgetan, damit die vorbereiteten Geistwesen zur Einverleibung geführt werden können. Auf den verschiedensten Aufstiegsstufen sind diese Tore weit aufgetan worden. Gott will die Menschheit dazu zwingen und bringen, dass sie der Erde grössere Fruchtbarkeit abringt, damit die Menschen, die auf der Erde zu leben haben, ihr täglich Brot erhalten. Der technische Fortschritt der Menschheit ist so gross geworden. Doch sollten sich daraus entstandene Errungenschaften zum Heil und nicht zum Unheil des Menschen entfalten. Kann die Menschheit diese Errungenschaften zu ihrem Heil entfalten, wird genügend Platz und Brot für alle sein. So will Gott, dass die Menschen der Erde grössere Fruchtbarkeit abringen. Doch dazu wird es seine Zeit brauchen, bis sie so weit sind und erkennen, dass das alles eine Notwendigkeit ist. In den verschiedenen Aufstiegsstufen sind die Tore aufgetan worden. Dort sind die Tore geöffnet worden, wo man in den Hallen die Umwandlungen zur menschlichen Einverleibung vorgenommen hat. In grossen Scharen sind diese Geistwesen von unten aufgestiegen. Ihr nächster Weg ist der Weg ins menschliche Leben. Dort haben sie Aufgaben zu erfüllen und müssen sich um den weiteren geistigen Aufstieg bemühen.

So hat die gute Geisterwelt Gottes eine grosse Tätigkeit auszuüben, indem sie diesen von unten aufgestiegenen Geschwistern ihren Beistand gibt. Sie tut es aus grosser Liebe und grossem Pflichtbewusstsein. Denn der grosse Meister und König spornt sie an, den Heilsplan in Erfüllung zu bringen, den er begonnen hatte. So ist der Zeitpunkt gekommen, dass die von unten Aufgestiegenen diesen grossen Schritt wagen müssen, um ihren eigenen Aufstieg zu beschleunigen. Ihr wisst, dass in diesem menschlichen Leben jedem Aufgaben und Prüfungen gegeben sind und dass es gerade das menschliche Leben ist, das einem die Möglichkeit zur Förderung seines Aufstieges gibt. Denn es ist im menschlichen Leben so viel zu überwinden.

Ich habe euch auch schon darüber unterrichtet, dass es in der geistigen Welt zu den andern Aufstiegsstufen eine Parallelstufe gibt, also eine Stufe, wo Geistgeschwister ihre Aufwärtsentwicklung in der jenseitigen Welt durchlaufen können. Ihr glaubt, dass dies wohl ein Vorzug wäre. Da kann man verschiedener Auffassung sein. Denn in jenen Sphären, wo diese Geistgeschwister leben, ist das Dasein im Gegensatz zum menschlichen Leben ganz anders. Im irdischen Leben hat man härtere Prüfungen zu bestehen. Körperliche Leiden und Sorgen verschiedener Art sind es, die das Leben schwer machen. In der geistigen Welt gibt es diese Art Leiden nicht. Es gibt also in dem Sinne kein körperliches Leiden, denn der geistige Leib ist nicht krank. Es gibt auch nicht diesen Kampf um das tägliche Brot, keine Jagd nach Gütern wie im menschlichen Leben. In jenen Sphären herrscht wohl grösseres Wohlwollen, grösseres Verständnis und grössere Aufmerksamkeit. Doch will dies nicht heissen, dass man in jener Welt von keinen Untugenden geplagt würde; denn auch dort hat man einiges unter Beweis zu stellen. Man hat wohl keine Möglichkeit, einen andern umzubringen oder zu verleumden. Denn alles, was man tut, ist ja offenbar. Man kann nicht so lügen, wie es die Menschen tun, damit die Wahrheit nicht zum Vorschein kommt, die man dann zuerst nach allen Seiten beweisen muss. In der geistigen Welt ist jede Tat festgehalten und ist somit erkennbar, wo man hingegangen ist, was man getan hat. Also kann man nicht den andern belügen oder betrügen – das gibt es nicht. Aber ich sage: Es gibt dafür ähnliche Untugenden, Unarten, wie sie auch im menschlichen Leben vorkommen. Beispielsweise kann es dem einen am besonderen Eifer fehlen; er ist sehr gemütlich in der Ausübung seiner Tätigkeit, die ihm aufgetragen wird. Oder er kann zur Streitsucht neigen. Ihr seht also, es gibt wohl solche Untugenden, die auch in jenen Aufstiegssphären vorkommen können und die dann hinderlich für den Aufstieg sind. Man lebt auch in jenen Sphären entweder gemeinschaftlich zusammen oder in Familien. Und so muss man sich in der Gemeinschaft, im Zusammenleben mit den andern bewähren und zeigen, ob man sie versteht und genügend Geduld für sie aufbringt. Also ist auch das ein Problem für jene Geistgeschwister. Man soll nicht annehmen, dass die vollste Harmonie eine Selbstverständlichkeit wäre. Denn in der Parallelstufe sind ja auch Geistgeschwister, die von unten aufsteigen und die auch, wie die Menschen, um ihren Höhenflug zu ringen haben.

Nun, wenn ihr Aufstieg in der geistigen Welt längere Zeit dauert, ist das doch wohl verständlich. Denn diese Geistgeschwister können und müssen nicht Prüfungen auf sich nehmen, die in der Art und Weise zählen wie bei den Menschen. Die Menschen können bei ihren Überwindungen grössere Verdienste erzielen, während jene aus der Parallelstufe in der geistigen Welt nur einen geringen Lohn für das bekommen, was sie verbessern. Denn das Leben verläuft dort, wie ich betonte, unter ganz anderen Umständen. Vieles haben sie nicht zu ertragen, womit sie sich belasten könnten, wie es beim Menschen der Fall ist. Die hohe Geisteswelt ihrerseits muss aber auch über den Aufstieg jener Geistwesen ein wachsames Auge halten. Nicht nur bei euch Menschen muss sie für diesen Aufstieg und dessen Ordnung besorgt sein, sondern auch jene Geistwesen der Parallelstufe sind an die geistige Ordnung gebunden. Aber nicht nur sie; auch jene hohen Geistwesen, die den andern Geschwistern zu Diensten stehen, müssen sich immer an das Gesetz Gottes halten.

Beim Menschen ist es so: Wenn er sich in seinem Leben allzu sehr verschuldet hat, die Welt verlässt und wieder in die Jenseitsbereiche einkehrt, muss er für seine Schuld sühnen. Er wird je nach Verschulden hart oder weniger hart bestraft. Ist sein Verschulden besonderer Art und besonders hart, wird er einer dementsprechenden Strafe zugeführt. Die hohe Geisteswelt betrachtet jeweils den unselig gewordenen Geist und prüft zu seinem Heil die Möglichkeit einer schnelleren Einverleibung. Wie ich euch die letzten Male in den Erlebnisberichten geschildert habe, hat sie die Möglichkeit, einzugreifen, um den Aufstieg zu fördern. Wenn sie Möglichkeiten dafür sieht, wird sie alles daransetzen und es tun. So kommt wiederum der betreffende Geist, der durch die Einverleibung gegangen ist, in einen gewissen Vorzug. Dieser Vorzug ist aber auch gerecht, denn man weiss in den Himmeln, dass das Erdenleben nicht so leicht ist.

Die Geistwesen, die ihren Aufstieg in der Jenseitswelt nehmen, können aber auch in einen Stillstand verfallen. Dann muss die hohe Geisteswelt einschreiten. Sie tut das, weil es ihre Aufgabe ist, alle Geschwister in ihrem Aufstieg zu fördern und alles zu tun, um sie vorwärtszubringen. Und das geschieht auch, wenn ein solcher Geist sich in seiner Welt wohl zurechtfindet, aber nicht die Kraft hat, sich vorwärtszubewegen. Dann kommt der Geist Gottes zu ihm und macht ihn darauf aufmerksam, dass er aus seiner Entwicklung herausgenommen werde und dass er nun auf Erden einverleibt werden müsse, denn sein Aufstieg müsse beschleunigt werden. Jene Geistgeschwister werden immer wieder unterrichtet über das Geschehen, den Fortschritt, das Verschulden der Menschen. Sie sind über das Leben auf dieser Erde gut unterrichtet. Man zeigt ihnen manchmal einen solch verstorbenen Menschen, der heimgekommen ist und der bestraft werden muss, weil er seine Aufgabe nicht erfüllt hat. Man führt ihnen manchmal aber auch solche vor, die in ihrem menschlichen Leben viel erreicht haben, und stellt sie als gutes Beispiel vor. So sind jene von einer bestimmten Entwicklungsstufe an über das Leben und über die Geschehnisse im Erdenreich gut unterrichtet. Obwohl sie in den himmlischen Werkstätten tätig sind, führen sie nicht nur ihre Arbeit aus, sondern werden auch von den Engeln Gottes über den Heils- und Ordnungsplan unterrichtet. Sie bedürfen also genau auch dieser Belehrung.

Und dann haben sie nicht nur in diesen Werkstätten zu arbeiten, sondern auch in der Parallelstufe gibt es eine stete Umwandlung zu höherem Leben. Nicht nur jene Geistwesen haben den Vorzug, in der Parallelstufe ihren Aufstieg durchzuschreiten, sondern es gibt ebenso, wie auf der Erde, ein Pflanzen- und Tierreich. Auch dort gibt es eine stetige Umwandlung. So müssen jene Wesenheiten, die vorwärtsgeschritten sind, auch hierbei ihre Tätigkeit aufnehmen und bei der Umwandlung der von unten aufsteigenden Geistgeschwister in der Parallelstufe teilnehmen. Es sind da grosse Gärten mit Blumen, Sträuchern, Bäumen. Diese Blumen, diese Sträucher, diese Bäume, alles, was da lebt, hat eine begrenzte Lebenszeit. Es muss zu einer ständigen Umwandlung kommen, zu höherem Leben. Und je niederer Art dieses Leben ist, umso schneller wird das Leben umgewandelt – so wie bei euch das niedere Leben auch eine kurze Lebensdauer hat, sagen wir die Insekten. Das niederste Leben hat die kürzeste Lebenszeit, denn es braucht ja – nach euren Begriffen gesprochen – so viele Umwandlungen und so viel Zeit, damit sich dieser Aufstieg vollziehen kann. So geschieht es auf jenen Parallelstufen. Je niederer das Leben, je schneller wird es umgewandelt. Schnelllebigkeit kommt da zum Ausdruck.

So haben jene Geistwesen auch eine grosse Tätigkeit auszuführen. Ich möchte dabei betonen, dass jene Wesenheiten sich nicht eignen, den Menschen auf dieser Erde Schutz zu geben. Ihre Wesensart ist nicht geeignet dafür, die Menschen, so wie sie leben, zu führen; sie haben nicht die Fähigkeiten, um an ihnen Aufgaben zu erfüllen. So werden sie eben ihre Aufgaben auf jenen Parallelstufen in ihren Bereichen ausüben und bei diesen Umwandlungen mithelfen.

Wenn auf jenen Stufen die herrliche Zeit des blühenden Lebens ist, ist dieses blühende Leben den höheren Wesen zur Freude, zum Genuss. Doch dieses Leben vergeht, es wandelt sich. Betrachtet bei euch selbst die Natur: Die Blätter werden welk, die Blumen verlieren ihre Farbenpracht und fangen auch an zu welken. So ist es auf dieser Ebene. Es gibt in diesem Sinne ein Sichzurückziehen. Die geistige Kraft, die ihnen einst das Leben, das blühende Leben, gab, zieht sich in den Kern oder in den Funken zurück. Und nach einer bestimmten Zeit wird sich aus diesem Funken eine neue Kraft entfalten, und höheres Leben wird aufsteigen. Aber es geschieht dann nicht einfach so wie bei euch Menschen: Wenn ihr dafür besorgt seid, dass die Erde ihren Nährstoff hat, so werden dementsprechend eure Sträucher, eure Felder und Bäume wieder kräftige Blätter, kräftige Früchte bringen. In der geistigen Welt muss in dieser Beziehung die höhere Geisteswelt mithilfe jener Geschwister, die zu diesen Parallelstufen gehören, die Umwandlung oder den Eingriff ins höhere Leben vornehmen.

Je niederer das Leben im Aufstieg, je einfacher die Umwandlung. Je höher aber das Leben fortgeschritten ist, je grösser, je anspruchsvoller wird die Umwandlung sein. Das geschieht eben, wie ich betonte, unter der Mithilfe dieser göttlichen Wesen. So geschieht in jenen Parallelstufen eine stetige Umwandlung zu höherem Leben. Sie greifen ein, die Geister Gottes. Es bedarf beim niederen Leben nur eines geringen Eingriffs. Es ist ein Zuströmen von göttlicher Kraft, welche ihnen die Möglichkeit dieses kleinen Übertritts zum erhöhten Leben gibt, während bei höherem Leben schon grössere Anwendungen oder Vorkehrungen notwendig sind.

So haben jene Geistwesen ihre Tätigkeit auszuüben. Die einen tun es auf die Weise, indem sie sich zum grössten Teil bei den steten Umwandlungen in ihren Aufstiegsstufen betätigen. Andere betätigen sich in den geistigen Werkstätten. Auch sie haben ihre Himmel mit verschiedenen kostbaren und seltenen Dingen geschmückt, je nach der Höhe ihrer Stufe, wo sie stehen.

Aber jetzt muss ich auf das zurückkommen, was ich angedeutet habe: dass es einzelne Wesenheiten gibt, die sich zufriedengeben mit dem, was sie besitzen und was ihnen aufgetragen wird. Sie haben keine Kraft zum Streben. Dann wird der Einzelne gewarnt; es kommt ein Geist Gottes und sagt ihm: “Wenn du dich nicht mehr bemühst, muss ich dir einen anderen Weg auftun. Es kann so mit dir nicht weitergehen.” Er wird ihn einige Male mahnen. Hilft es nichts, ist er immer noch so träge und kann er sich nicht entschliessen, den Aufstieg zu beschleunigen, dann wird er aus der Parallelstufe herausgenommen und zuerst einmal mit andern, die auch diese Stufen verlassen mussten, gemeinsam unterrichtet. Man legt ihnen dar, dass ihr Aufstieg nun durch eine Einverleibung gehen müsse, sie würden jetzt für das irdische Leben vorbereitet. Ihnen ist aber eine besondere Aufmerksamkeit gegeben worden, da ihre Wesensart ganz anders ist. Im Innersten ihrer Seele sind sie nicht etwa boshaft. Es sind bestimmte Eigenschaften, Untugenden an ihnen, die sie nicht loswerden können. Daher muss ein Eingriff gemacht werden, und dieser geht nun durch die Einverleibung, durch ein Menschenleben. Sie werden dafür gesamthaft in jene Hallen geführt, wo die erste Einverleibung zum menschlichen Leben vor sich geht. Dort bestimmt die Geisterwelt Gottes ihren Lebensweg, den sie durchschreiten müssen. Sie werden also gezeichnet – sie erhalten das Lebensbuch des Menschen.

Da diese Wesen in ihrer Art nicht boshaft sind, sie jedoch noch vieles zu verbessern haben, wird besondere Rücksicht auf sie genommen. Es ist ja so, dass sich die Geisterwelt Gottes des Einzelnen annimmt und jeden auf die für ihn vorgezeichnete Bahn schiebt, damit er durch diese Beeinflussung ins menschliche Leben hineinkommen kann und damit das, was nun geistig beeinflusst worden ist, in seinem menschlichen Leben zum Ausdruck kommen kann. So hilft die hohe Geisteswelt und führt den Einzelnen in jene Bahn, die er durchlaufen muss und wo ihm Möglichkeiten gegeben werden, sein Leben zu verbessern; es so zu gestalten, dass er sich aufwärtsbewegen kann, sei es durch ein Karma, das er durchzustehen hat. All das ist in seinem Lebensbuch festgehalten, wird auf das Sorgfältigste beobachtet und in jene Bahnen hineingelenkt, damit es Einfluss auf ihn nehmen kann. Das zur allgemeinen Erklärung.

Ich möchte nun über einen solchen Menschen einiges sagen, wie er in seiner Welt lebte. Es handelt sich um einen Geist, der sich nicht bewährte und den die Gotteswelt auf diese Art und Weise vorbereiten liess, ihn einverleibte und die Menschwerdung annehmen liess. Es war so, dass er in der Tiefe seiner Seele keine Boshaftigkeit hatte. Aber er vermochte sich mit dieser Welt, in die er gesandt wurde, nicht anzufreunden. Er blieb, wie die Umwelt von ihm sagte, ein steter Träumer. Die Menschen hatten das Gefühl, als wäre dieser Mensch nicht immer mit vollen Sinnen bei der Arbeit, bei seiner Aufgabe, als wäre er gewissermassen anderswo. Dies mögen Menschen so beurteilen und sagen. Jener Mensch zeichnete sich auch nicht durch eine intensive Tätigkeit aus. Dabei kann ein solcher Mensch eine besondere oder eine überdurchschnittliche Intelligenz haben. Das alles hindert ihn nicht, sein träumerisches Wesen zum Ausdruck zu bringen.

Die hohe Geisteswelt weiss wohl, dass das Leben für ein solches Wesen in dieser Beziehung mit Schwierigkeiten verbunden ist. Aber ist man eben einverleibt, dann steht man den irdischen Gesetzen gegenüber. Man muss sich an das neue Leben, in das man eingekehrt ist, gewöhnen, sich den Verhältnissen anpassen, sich mit ihnen auseinandersetzen. Und somit sollte die Möglichkeit geschaffen sein, dass ein solcher Mensch grösseren Eifer gewinnt. Es werden auch Prüfungen an ihn herankommen, und man wird ihn auf sein träumerisches Wesen aufmerksam machen. Er wird von Mitmenschen, Lehrern und Beratern wohl aufmerksam gemacht, dass er es zu überwinden hätte, sich dieser Welt anpassen müsse, damit auch er seine Aufgabe erfülle. So vermag mancher dann doch ein weniges davon anzunehmen. Es kommt auch noch auf die Erbanlagen an, die man erhalten hat, auf die Charakterstärke, auf den Willen. Vieles spielt mit, denn die Möglichkeit muss vorhanden sein, dass sich ein solcher Mensch im Erdenleben wandelt. Sonst würde man ihn nicht zu diesem Schritt zwingen. Die geistige Welt will nur den Fortschritt, das Sinnvolle. Sie würde niemals etwas tun, was nicht sinnvoll wäre und keinesfalls Fortschritt bringen würde. Somit hofft die geistige Welt darauf, dass er sich doch durch das Erdenleben um einiges verbessert.

So war es auch bei diesem Menschen, den ich nun herausgreife und von dem ich erzählen möchte. Er ist durch ein solches Leben gegangen und wurde von seinen Mitmenschen immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass er sich mit mehr Kraft einsetzen müsse. Er versuchte es zeitweise und konnte auch überwinden. Am Ende seines Lebens war es so, dass er Fortschritte gemacht hatte. Er erkannte die Notwendigkeit, dass man im Leben seinen Einsatz zeigen, ihn zum Ausdruck bringen muss. Dieses hatte nun die Tiefe seiner Seele erfasst, und das war es, was die göttliche Welt doch wollte.

Als er zurückkehrte, ging er wieder in jene Stufe zurück, von wo er ausgegangen war. Überaus gross war bei ihm die Freude, dass er das menschliche Leben hinter sich gebracht und dass er kein bedeutendes Verschulden auf sich geladen hatte, sondern nur gestrauchelt war, wie es andere Menschen auch und in grösserem Massstab tun. Er hatte also keine Belastungen auf sich geladen. Das träumerische Wesen, das seine Umwelt ihm zum Vorwurf gemacht hatte, war für die geistige Welt nicht strafbar. Denn sie wollte nur, dass er zu grösserer Tätigkeit angeregt würde, zu grösserem Eifer, zu mehr Mut, dass er mehr davon zum Ausdruck bringen würde, und das war doch geschehen. Er hatte in seinem menschlichen Leben etwas errungen. Er wusste nun seinen Geschwistern viel zu erzählen: über die Umstände im menschlichen Leben, über die Bedrängnisse der Menschen und all das, was sie lieben und schätzen. Er war sehr glücklich, wieder zurückgekehrt zu sein.

Dann kam die hohe Geisteswelt zu ihm und sagte: “Du hast jetzt deine Freunde, deine Lieben begrüsst, und du hast durch deine Einverleibung einen Verdienst erworben. Du sollst dafür einige Schritte aufwärtssteigen, und dort wird dir grössere Verantwortung übertragen. Diese Verantwortung musst du auf dich nehmen und gewissenhaft ausführen.” Nun, diese Worte erfüllten ihn mit Stolz, denn sein Wesen war doch durch die Menschwerdung etwas gewandelt worden. Er wollte jetzt in seiner Sphäre alles, was ihm an geistiger Kraft zur Verfügung stand, zum Ausdruck bringen und beweisen, dass das menschliche Leben für ihn doch sehr nützlich gewesen war. Durch die Einverleibung, die er hatte annehmen müssen, hatte er viel gelernt. Denn diesen Geistwesen in der Parallelstufe wird jeweils so viel von den Menschen erzählt. Ihre Werke, die sie ausüben, werden bewundert. Aber man hat auch Mitleid mit ihnen und wendet sich von denen im Geiste ab, die nicht nach dem Willen Gottes und den göttlichen Gesetzen leben.

Er wollte jetzt zum Ausdruck bringen, dass er doch durch das menschliche Leben etwas erreicht hatte. So galt das für die andern als ein grosser Ansporn, tätig zu sein, da sonst auch ihnen der Weg zu einem menschlichen Leben aufgemacht werden könnte. Und da sie im Bilde sind über das Leben des Menschen, beliebt es ihnen gar nicht, ein solches annehmen zu müssen. Denn sie fürchten, dem nicht gewachsen zu sein und auch als Träumer behandelt und angesehen zu werden. Ich sagte ja, sie haben eine ganz andere Wesensart. Die Tiefe ihrer Seele ist nicht verwuchert wie bei den andern, die von unten aufsteigen und in deren Seele so viel Hass liegt, der zum Ausdruck kommt. Dies kennen sie nicht; dafür haben sie andere Unarten und Eigenheiten, die verbessert werden müssen.

So steht es mit der Entwicklung dieser Wesen in der Parallelstufe in der geistigen Welt. Und wenn sie – wie ich es betonte – nicht vorwärtskommen, werden sie herausgenommen und müssen diesen härteren Weg gehen. Und dieser härtere Weg soll ihnen dazu dienen, das, was sie durch ihre Untätigkeit verloren haben, wieder zu gewinnen.

So bemüht sich die Geisterwelt Gottes, überall den Aufstieg zu fördern. Aufgetan hat sie die Tore zu jenen Hallen, und jene Wesen strömen heraus. Denn sie verlangen nach dem Näher-zu-Gott. Dieser Weg geht jedoch nur durch Prüfungen, durch Bedrängnisse. Dadurch können sie den Weg zu Gott wiederfinden. Gestärkt und einsichtig sollen sie werden, sich wandeln. Dann wird ihnen ein Platz in den himmlischen Wohnungen zugewiesen.

So, liebe Geschwister, gab ich euch heute wieder Einblick in die Gesetze und in das Wirken Gottes. Möge der Segen Gottes euch begleiten, möge er euch behüten und beschützen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 19.11.1966 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen und Erläuterungen

Fragen und Erläuterungen

Im voranstehenden Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einem Wesen der Parallelstufe, das zur Förderung seines Aufstiegs die Parallelstufe verlassen und in ein menschliches Dasein treten musste. Da stellt sich die Frage: Ist auch der umgekehrte Fall möglich – dass ein Mensch für seinen weiteren Aufstieg in die Parallelstufe aufgenommen werden kann? Eine Antwort darauf findet sich in der Vorstandssitzung vom 12. September 1979. Josef wurde damals auf die Opfer des Holocaust angesprochen. Er wurde gefragt, wie es denn jenen Menschen in der Gotteswelt ergangen sei, die selbst ohne karmische Belastung dieses grosse Leid ertragen mussten und die ohne Hass und ohne Rachegefühle geblieben sind.

Josef: Es ist so, dass es auch ein sogenanntes Gemeinschaftsschicksal gibt, ein Mittragen am Schicksal des andern, ein Gemeinschaftsschicksal, in das Menschen hineingezogen werden können. Wenn Menschen ohne karmische Belastung durch teuflisches Wirken eine solche Ungerechtigkeit, ein so grosses Leid zu ertragen haben, möchte ich auf die Bergpredigt aufmerksam machen (Mat. 5, 1–12). Jene, die in solchem Leid von dieser Welt abgetreten sind, sind wahrhaftig von den Engeln des Himmels getragen worden zu den geistigen Höhen in die himmlische Welt hinein, wo es zu einem Ausgleich gekommen ist. Sie konnten in ihrer Entwicklung einen grossen Schritt aufwärts tun. Und zwar ist damit nicht gemeint, dass die Betreffenden nun in der himmlischen Welt eine besonders erhöhte Stellung einnehmen würden.

Ich kann und darf euch aber sagen, dass solche Menschen, die ein solches Leben hinter sich gebracht haben und ohne Hass geblieben sind, in der geistigen Welt in der Parallelstufe Aufnahme fanden, in einer Welt, die sich ihnen öffnete und in der man ihnen das Versprechen gab oder ihnen erklärte: “Hier werdet ihr euren weiteren Aufstieg machen, und ein weiteres Menschsein wird euch in Zukunft erspart bleiben. Ein solches Leid, eine solche Ungerechtigkeit, wie es euch angetan wurde, kann euch nicht wieder angetan werden. Ihr werdet vor weiteren Schicksalen bewahrt. Und ihr werdet auch selbst nicht mehr in gleichem Mass wie bis anhin in die Lage kommen, Verfehlungen zu begehen, in Sünde zu verfallen und Unrecht zu tun.” Denn die himmlische Welt ist eine offene Welt; in diesen Parallelstufen ist ein ganz anderes Leben als auf Erden. Es gibt hier nicht Lug und Betrug, sondern man wirkt in der Schöpfung.

So wurden sie, die so viel Leid ertragen mussten, in diese Parallelstufen aufgenommen. Und auch wenn die Entwicklung hier langsamer vor sich geht, so ist dies für die Betreffenden kein Nachteil; es ist ja keine Notwendigkeit, dass sie schneller vor sich zu gehen hat.

Lieber Josef, hat ein Wesen die Möglichkeit, bei der Entscheidung mitzuwirken, ob es seinen Aufstieg in der Parallelstufe oder auf der Erde durchmacht?

Josef: Nein, das wurde von der hohen Geisteswelt bestimmt.

Hat ein Wesen der Parallelstufe die Möglichkeit, seine Aufgabe bei einem Menschen zu erfüllen?

Josef: Ja, wenn es ihm gestattet wird, hat es die Möglichkeit dazu. Es hat den freien Willen, und wenn jemand von der Parallelstufe eifriger sein will als die anderen, werden dafür alle Wege geebnet, dass er in seinem Streben gefördert wird.

Aber es ist nicht so, dass jedes Wesen der Parallelstufe Zugang zu uns Menschen hat.

Josef: Nein, es können nicht einfach alle diese Wesen hingehen, wo sie wollen. Alles ist in einer Ordnung. Diese Wesen werden von den hohen Geistern für eine Aufgabe beim Menschen ausgewählt, oder sie können sich freiwillig dafür melden.

Im Vortrag vom 22. September 1981 unterrichtete Geistlehrerin Lene näher über die Aufgaben, die Wesen der Parallelstufen bei den Menschen erfüllen können:

Lene: Wenn es darum geht, den Heilsplan zu fördern, können diese Parallelstufen auch geöffnet werden. Es hat Geistwesen in diesen Paradiesen – ich sage jetzt dieses Wort –, die in ihrer Entwicklung und ihren Belehrungen so weit fortgeschritten sind, dass sie die Parallelstufe bald verlassen und in die grosse Seligkeit eintreten können. Noch ehe dies geschieht, können solche Geistwesen, die erstarkt und geläutert sind, von den Engeln Gottes hervorgenommen und zu den Menschen mitgenommen werden. Man zeigt ihnen diese irdische Welt, man zeigt ihnen die Bedürfnisse der Menschen, ihre Sorgen, ihre Probleme, und man will sie nun einsetzen als Missionsgeister. Sie müssen als Missionsgeister ihre Arbeit auf dieser Erde erfüllen. Damit wird der Ordnungsplan Gottes nicht verletzt, denn sie werden ja nicht einverleibt als Mensch. Aber als geistige Wesen, als Missionsgeister, können sie wunderbare Aufgaben erfüllen, denn sie sind in ihrer Entwicklung zum Teil so fortgeschritten. Man nimmt ja nur die heraus, die geläutert sind, deren Seele, deren Gottesfunke wieder leuchtet, deren Ausstrahlung wieder so klar, so herrlich, so fein geworden ist. Nur solche nimmt man heraus und bringt sie zu den Menschen. Und mancher Mensch von heute braucht in seinem Leben einen solchen Missionsgeist. Denn diese Missionsgeister haben auch die Aufgabe, gequälte, gefolterte Menschen, denen Leid und Ungerechtigkeit zugefügt worden ist, zu uns hinüberzuführen, sie in eine Welt hineinzuführen, wo sie Trost finden, wo sie Gesundung und Heilung finden, die ihnen zukommen. Sie sollen einen Ausgleich erhalten zum Unrecht, das ihnen vom Teufel in besonderer Weise zugeführt worden ist.

Lieber Geistfreund Josef, hat Luzifer in der Parallelstufe auch seinen Einfluss?

Josef: Nein, dort nicht. Diese Wesen durchkämpfen auch einen gewissen Aufstieg in der jenseitigen Welt. Aber dort hat Luzifer keinen Einfluss; er hat ihn unter den Menschen.

Ergänzende Informationen zur Parallelstufe aus weiteren Vorträgen:

Josef: Meine Erklärungen aus dem Jenseits wären unvollkommen, wenn ich nicht auch von jenen andern sprechen würde, die ihre Aufwärtsentwicklung in der jenseitigen Welt durchlaufen, das heisst, die nicht Mensch zu werden brauchen. Ihr werdet nun denken: “Warum dürfen sie ihre Entwicklung in der jenseitigen Welt durchlaufen? Waren sie besser als wir? Haben sie sich beim Abfall weniger belastet als wir?” So möchte ich euch heute die Erklärung geben. [...]

Die Geister, die ihre Vorwärtsentwicklung in der jenseitigen Welt durchlaufen, sind Wesen, die aus den verschiedenen Sphären, die vom Abfall betroffen waren, entnommen wurden. Gott wollte, dass aus allen diesen Sphären ein gewisser Teil der Geistwesen ihre Weiterentwicklung in der jenseitigen Welt durchlaufen kann. Das will also nicht heissen, dass jene sich nicht auch verschuldet hätten. Es ist von der Gotteswelt ausgeschieden worden, wie viele aus einer Stadt oder aus einer Sphäre ihre Entwicklung in der jenseitigen Welt durchmachen dürfen. So wurden sie in der Geisteswelt zusammengefasst und leben da in ihren Sphären, in ihren Städten, in ihren Dörfern, Tälern und Weilern. Sie sind genauso zusammengewürfelt, wie ihr Menschen es seid. Unter euch gibt es geistig höher entwickelte und es gibt ganz tief stehende Menschen, die miteinander zu leben haben. Dasselbe findet man in jenen Sphären der Parallelstufe auch. [...]

Nun, was tun diese Wesen, die ihre Entwicklung im Jenseits durchlaufen? Was ist ihr Tagesablauf, wenn man dem so sagen darf? Ihr sollt nicht glauben, dass jene nicht arbeiten müssten. Sie haben zu arbeiten. Sie bewohnen ihre Häuser und gehen in ihre Werkstätten.

Die Gotteswelt hat jedem Einzelnen auch eine Zeit festgelegt, in der es sich verbessern muss – für jeden ist eine geistige Uhr da, die aufleuchten wird, wenn es so weit ist. Denn alle diese Sphären – oder nach euren Begriffen: diese Stätten – haben ihre Stufen. Und wenn man in ein besseres Leben hinübertreten und eine vornehmere, edlere Beschäftigung ausführen will, dann muss man zuerst eine bescheidenere Aufgabe erfüllt haben. Man geht also von Stufe zu Stufe aufwärts. Hat einer in der vorberechneten Zeit seine Aufgabe nicht erfüllt, bleibt er auf seiner Stufe stehen und muss so lange da verweilen, bis er jenen Grad erreicht hat, da es ihm erlaubt wird weiterzutreten.

Diese Wesen haben keine Sorgen ums tägliche Brot, es gibt keine Krankheiten des Leibes. Sie kommen nicht in den Kontakt mit euch Menschen, sie werden nicht zu ihrer Belehrung zu euch gesandt; sie bleiben da, wo es für sie bestimmt ist, ihre Aufgabe zu erfüllen. Sie haben ihre Werkstätten, sie haben ihren Unterricht und ihre Gottesdienste. Sie haben auch ihre Probleme. Das Wichtigste von allem, womit sie sich zu bewähren haben, ist das Zusammenleben; denn im Zusammenleben in einer grossen Gemeinschaft kommt das wahre innere Wesen zum Ausdruck. Denn diese Wesen sind in ihrem Charakter ja so verschieden; ihre Eigenarten haben sie gleich wie die Menschen, denn es sind unvollkommene Wesen. Nun leben sie in grossen und in kleineren Gruppen zusammen, und hier müssen sie sich aneinander gewöhnen. Es muss das Verständnis gepflegt werden, man muss die Liebe zum Nächsten lernen. Diese Wesen haben also auch ihre Probleme und ihre Sorgen. Ihr würdet sagen: “Für uns sind das keine Sorgen.” Ja es ist so, wenn du als Mensch deinen Nachbarn betrachtest, und er beklagt sich über irgendetwas und sagt, dass das seine grösste Sorge sei, vermagst du zu lachen und sagst: “Wenn ich nur diese Sorge hätte, wäre ich glücklich.” Ja, so hat jeder seine Sorge. Und die eigene Sorge ist einem so nahe und von so grosser Bedeutung. Und das muss überwunden und geklärt werden.

Auch in der Parallelstufe ist es so: Wenn man mit dem andern zusammenleben muss, passt einem manches nicht. Man muss sich mit ihm verständigen, denn es gibt kein Ausweichen. Da kommt keine Geisterwelt Gottes und sagt: “Weil ihr beide euch nicht versteht, wollen wir euch trennen.” In diesen Sphären gibt es das nicht. Denn auch ihr Menschen seid in euren Familien gezwungen, mit euren Angehörigen auszukommen, mit ihnen zu leben; ihr dürft auch nicht auf und davon laufen, weil dieser oder jener eine Untugend hat. Man muss aneinander wachsen. Man muss sich läutern können am andern, sei es an seinen Fehlern oder sei es an seinem Licht. Man muss sich einigen können. Denn ihr sollt bedenken: Wenn dereinst alles wieder in diesen Zustand gesetzt wird, wie es einst war, und man wieder in grossen und kleinen Familien in der Seligkeit zusammenlebt, da müssen wohl grössere Toleranz, grösseres Wohlwollen und ein grösseres Verständnis aufgebracht werden, als ihr Menschen es untereinander aufbringt. Denn solange das nicht möglich ist, ist der Weg zu dieser Seligkeit noch unendlich weit entfernt. [...]

Also sind es jene Sorgen, die sich im Zusammensein ergeben; es ist das, was diesem oder jenem nicht passt. Auch spielt Eifersucht eine gewisse Rolle. Jedes leistet seine Arbeit, und das eine hat grössere Fähigkeiten als ein anderes. Man wird eifersüchtig auf die höheren Leistungen des andern, und das muss auch überwunden werden. Ihr könnt also sehen: Es ist nicht etwa so, dass, wenn man im Jenseits wäre, alle nun glücklich und zufrieden wären und vollstes Verständnis füreinander hätten. Diese jenseitigen Sphären sind Parallelstufen zu euch; dort sind Wesenheiten, die aufsteigen genau wie ihr; nur sind sie eurer grossen Sorgen enthoben – dafür machen sie ihre eigenen Sorgen gross.

Es ist für euch bedeutungsvoll, wenn ich euch erkläre: Die Geister, die in der jenseitigen Welt in ihrem Aufstiege sind, werden nicht etwa von den Engeln Gottes betreut, behütet und unterrichtet. Ihr aber werdet, wenn ihr zurückkehrt, von Engeln Gottes betreut und getröstet. Dieses ist das gewaltige, grosse Entgegenkommen Gottes, das man denen gibt, die den schweren Weg ins Erdenleben durch das Menschwerden gegangen sind. Dieses Entgegenkommen haben sie von der göttlichen Welt. [...]

Es wäre doch nicht in der Gerechtigkeit, wenn jene Wesenheiten, die ihre Entwicklung in der Seelenwelt durchlaufen, immer in der Betreuung der Engel wären. Es wäre für sie ein Leichtes, aufwärtszusteigen, wenn sie ständig in Begleitung eines göttlichen Wesens wären, das immer sagt, was man tun und was man lassen muss. Nein, ihr Wille wird geprüft. Sie haben auch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was ihnen gefällt und was nicht. Es muss also auch bei ihnen von innen heraus reifen, was einst gross und stark werden soll.

Nun möchte ich aber nicht unterlassen zu erklären: Im Aufstieg jener Wesenheiten zeichnen sich immer gewisse Wesen aus durch vorbildliche Leistungen, durch die Hingabe an ihre Arbeit, durch ihren starken Glauben und ihre Treue zu Gott. Es sind die vornehmen und edlen Wesen, die schneller aufwärtssteigen, genau wie bei euch, wo es Menschen gibt, die durch ihr vornehmes Wesen eben rascher vorwärtskommen. Jene sind es dann, die von der göttlichen Welt belehrt werden. Das heisst, hier kommt die Engelswelt zu ihnen; sie unterrichtet dann diese Wesen und macht sie zu sogenannten Führern ganzer Gruppen. Solche führenden Geister sind es dann, welche ihre Geschwister durch alle Sphären hindurchzuführen haben, die ihnen zu raten und manchmal auch da oder dort zu schlichten haben und wenn nötig auch einzelne Wesen bestrafen, so sie die geistigen Gesetze zu wenig achten.

Ihr könnt also sehen, auch in der Parallelstufe gibt es eine direkte Verbindung zur Engelswelt, und die Wesenheiten, die diese Verbindung haben, führen dann ihre Geschwister. Es ist wie bei euch, wo es möglich ist, dass ein Mensch eine Verbindung zur Gotteswelt anknüpfen kann und von dort die Antwort erhält und sie an seine Mitmenschen weitergibt. Ihr selbst könnt ja den führenden Geist Gottes nicht sehen, ihr könnt mit ihm nicht sprechen. Aber es ist dafür eine Mittelsperson [Mittlerin Beatrice Brunner] gefunden, die diese Aufgabe ausführt.

In der Parallelstufe, wo diese Wesen im Aufstieg sind, haben sie nun ihrem führenden Geiste Gehorsam zu leisten. Tun sie es nicht, werden sie abgesondert, und sie werden ihrer Bestrafung zugeführt. Und diejenigen, die ihre Arbeit erfüllen, erhalten ihr Lob und neue Hinweise. Es gibt dort viele aufgestiegene Geister, die die andern Geschwister unterrichten können. Diese brauchen ihren Unterricht im Heilsplan Gottes, sie brauchen Anweisungen für ihre Arbeit, die sie ausführen, und sie brauchen führende Geister, die die Gottesdienste ordnen und ausführen. So ist alles in wunderbarer Weise geordnet.

Ich erwähnte, dass nach einem gewissen Zeitabschnitt jedes Einzelne geprüft wird. Es ist also auch eine Schule, die man durchläuft, und man weiss: “Nun ist die für mich vorberechnete Zeit bald vorüber, und ich werde geprüft, ob es mir möglich ist, weiter aufzusteigen.” Und fällt man durch diese Prüfung, bleibt man, wo man ist, und tut dort weiter seine Arbeit. Aber man wird getadelt und zugleich angespornt, mehr zu leisten, um schneller vorwärtszukommen.

Diese Wesenheiten, die dann Stufe für Stufe aufwärtsschreiten können, werden zur Belehrung der andern herangezogen. Und da und dort trifft es sich, dass ein solches Wesen nun von der Engelswelt belehrt oder in Anspruch genommen wird. Ihr könnt aber sehen: Sie selbst sind nicht in diesem engsten oder persönlichen Kontakt mit der Engelswelt. Sie haben also auch ihre Welt, die sie als Geist zu durchwandern haben, und sie haben ihre Aufgaben zu erfüllen, sie haben ihre Prüfungen und ihre Sorgen. Und aus diesen müssen sie herauskommen und daran wachsen.

Diese Geister wissen alle, wer ihr grosser Führer ist, dass Jesus Christus ihr Erlöser ist und sie es ihm zu verdanken haben, dass sie in der Geisteswelt zusammenleben und hier ihren Aufstiegsweg durchschreiten dürfen. Natürlich werden sie auch unterrichtet über die Menschen; es wird ihnen Bescheid gegeben von ihrem Aufstieg, von ihren Taten, die sie ausführen, und das soll ihnen zum Ansporn sein. Gerne schildert man ihnen immer wieder Beispiele vom Leben der Menschen. Man zeigt ihnen den schweren Weg, den die Menschen durchlaufen, und man erklärt ihnen, dass diese dadurch eben grössere Möglichkeiten zum schnelleren Aufstieg haben. Man erklärt ihnen: “Ihr habt nicht das Leiden, nicht diese grossen Sorgen wie die Menschen, und ihr sollt eure kleinen Sorgen nicht zu grossen machen. Ihr sollt euch bemühen, im Gleichschritt mit den Menschen zu sein, ihr sollt euch anstrengen.” Und so werden sie aufgefordert, ihren Weg zu beschleunigen. Denn ihr Weg ist ja der langsamere Weg. [...]

Ich möchte es aber nicht unterlassen zu erwähnen: Jene, die die höchste Stufe dieser Geistesentwicklung erreicht haben, werden in eine andere Sphäre geführt. Sie treten dann in jene grosse Geistesfamilie hinein, sie vereinen sich mit den aufgestiegenen Menschenseelen und machen gemeinsam mit ihnen ihre Weiterentwicklung durch; sie nähern sich Gott immer mehr, sie gehen immer mehr der Vollkommenheit entgegen. So werden sie mit der Zeit auch dahin kommen, wo sie vor dem Abfall gewohnt hatten, in ihre ursprüngliche Heimat, in ihre wirkliche frühere Stadt oder in ihr Dorf. Und sie werden von dort aus ihre Aufgaben erfüllen. Denn sie bleiben niemals untätig. Sie werden dort auf ihre Geschwister warten, und sie werden die Engel Gottes darum bitten, sie möchten jenen Geschwistern gegenüber Gnade walten lassen oder in irgendeiner Weise ein Entgegenkommen geben.

Ja, liebe Geschwister, so durchlaufen diese Geister in der jenseitigen Welt ihren Aufstieg. Und vielleicht fragt sich der eine oder andere von euch: “Ja wie viele mögen es sein, die da in diesen Sphären sind?” Ich kann euch keine Zahl nennen. Ich habe euch am Anfang gesagt: Aus jeder Stadt, aus jeder Sphäre, die vom Abfall betroffen war, ist ein gewisser Teil der Wesen abgetrennt worden, damit sie ihre Entwicklung im Jenseits durchmachen. Ihr selbst könnt nun die Vergleiche ziehen. Euer Weg ist kürzer, er ist schmerzlicher als der ihrige, doch wenn man dann in das Reich Gottes kommt, fragt man nicht mehr allzu viel nach dem vergangenen Weg. Er ist vorüber, er ist durchlaufen, und man lebt dann in der Gegenwart.

Josef: Ihr wisst, dass es in der Geisteswelt noch eine Parallelentwicklung gibt gegenüber derjenigen des Menschen. Es sind jene Geister, die nicht so sehr verschuldet sind, wie es der grösste Teil der Menschen ist. Es sind Wesenheiten, die sich beim Abfall auch belastet haben, deren Belastung aber nicht so ins Gewicht gefallen ist – die aber auch wieder ihren Weg zurück zu Gott gehen müssen; auch sie machen einen Entwicklungsweg durch. Von Stufe zu Stufe schreiten sie bis zu diesem Punkt, wo sie das Höchste ihrer Entwicklung erreicht haben, um wieder in die göttliche Familie eingegliedert zu werden. Ihre Entwicklung geht aber viel, viel langsamer vor sich als bei den Menschen. Man könnte wohl sagen, die menschliche Entwicklung kann auch eine gewaltsame, rasche Entwicklung sein, denn dem belasteten Menschen ist wahrhaftig die Möglichkeit des schnelleren Aufstiegs gegeben. Er besitzt viel mehr Möglichkeiten, seinen Weg zu kürzen, er kann viel schneller überwinden. Aber jene andern, sie brauchen eine längere Zeit. Sie leben ja unter ganz anderen Bedingungen als die Menschen, sie können sich nicht wieder aufs Neue belasten, wie es Menschen tun. [...]

Ihr werdet euch fragen, wie denn diese Wesen in der Parallelstufe leben. Sie leben so wie viele in der Geisteswelt, nur haben sie ihre gewissen Vorzüge vor den Menschen. Sie bewohnen gleichfalls ihr Haus, und sie haben gleichfalls ihre bestimmten Bequemlichkeiten, und je höher sie hinaufkommen, desto grösser werden die Bequemlichkeiten und die Schönheiten.

Nun aber, die Prüfungen, die jene Wesenheiten durchzustehen haben, sind für sie auch sehr bedeutend. Beim Menschen ist es so, dass man in Liebe und Zuneigung in erster Linie dem Familiengliede zugetan ist, man möchte überhaupt das Erworbene zusammenhalten, es soll in der Familie bleiben; man ist also gebunden innerhalb dieser Familie. In gewissem Sinne ist das auch bei jenen Geistern so, auch sie haben ein grosses Zusammengehörigkeitsgefühl. Man verwaltet jedoch keine irdischen Güter. Es sind aber gleichwohl Gegenstände da; es sind Gegenstände, die man entweder selbst angefertigt hat oder die man durch geistigen Lohn erworben hat, die nun zum persönlichen Eigentum des Einzelnen werden. Hier kann nun die Seele auch wieder geprüft werden, ob sie das Gut an sich reisst, aus egoistischen Gründen nur für sich behält oder ob sie imstande ist, etwas zu geben.

Ihr dürft also nicht vergessen: Jene Wesenheiten gehen ihren Arbeiten nach, sie haben ihre Verdienste in verschiedenen Formen, und das Verdiente ist ihr Eigentum. Diese Familien müssen nicht etwa abgesondert leben, sondern es sind wie bei den Menschen Städte und Dörfer vorhanden; man nimmt miteinander den Kontakt auf und versucht, gewisse Gegenstände beim andern auszutauschen. Hier wacht aber in erster Linie der führende Teil der Familie darüber, dass alles richtig gehandelt wird. Ist nun dieser führende Geist nicht imstande, nach Gottes Willen zu handeln, dann schreitet die Gotteswelt ein und wird ihn zurechtweisen; denn man lebt ja unter der Führung der geistigen Wesen – diese finden den Kontakt zu einem. Ihr sollt aber nicht annehmen, dass die Höchsten des Himmels ständig ihren Weg zu diesen Geschwistern machen. Das ist nicht der Fall. Denn es sind ganz bestimmte und geschulte Wesenheiten, die ihre Aufgaben an ihnen erfüllen. Denn die Entwicklung, die diese Geschwister mitmachen, ist eine Schule. Und sie werden durch diese hohen Besuche nicht im Besonderen belohnt; sondern sie müssen in erster Linie einmal sich bewähren, sie müssen ihre Aufgaben erfüllen. Und sie werden erst dann in die hohe Geistesfamilie eingegliedert, wenn sie alle ihre Prüfungen bestanden haben.

Der Unterschied zu euch Menschen besteht aber doch in dem Sinne, dass jene Geschwister nicht zweifeln an der Existenz Gottes und Christi, denn sie leben im Reich des Geistes. Beim Menschen ist im Vergleich dazu die Entfernung zu Gott gross, und wer in sich diese innigste Frömmigkeit und Zuneigung zu Gott nicht hat, der hat es überhaupt schwer in seinem Aufstieg. Und wenn dann die Stunde kommt, wo er die Schwelle zum Jenseits überschreitet, dann ist es zu spät für die Einsicht. Aber eben gerade die Treue im Glauben in dieser gewaltigen Entfernung fördert ihn in seinem Aufstieg. [...]

Die Geister, die ihre Entwicklung in der Jenseitswelt machen, werden genauso streng geprüft wie die Menschen. Nur die Zeit spielt dort nicht die Rolle wie hier auf Erden, denn dort lebt man in der Ruhe beisammen, auch wenn man seiner Aufgabe nachgeht.

Zu erwähnen ist, dass in jener Welt viele künstlerische Tätigkeiten ausgeübt werden. Was dort in künstlerischem Tun – es ist gleich, in welcher Art und Weise, in welcher Kunst – verarbeitet und errungen wird, wird auch einander gegenübergestellt. Wenn nun in einem Geist das Gefühl der Eifersucht aufsteigt, weil ein anderer Bruder oder eine andere Schwester ein grösseres Können hat oder das Bessere, das Schönere bieten konnte als er, dann hat er seine Aufgabe nicht erfüllt; er kann dann nicht vorwärtsschreiten.

Bei diesen Wesen gibt es noch weitere negative Gefühle: Wenn zum Beispiel einer künstlerische Gegenstände verarbeitet, weiss er genau, dass er eine Belohnung findet, wenn er Wertvolles schafft. Er weiss aber auch genau, dass es viele Brüder und Schwestern gibt, die dasselbe tun. Doch ihnen möchte er keinen Vortritt geben. Also ist es das Gefühl des Egoismus, das auch noch in ihnen ist. Oder es kann eine Neigung des Geizes sein. Man will nichts hergeben; man will nur den grösseren Profit haben, aber nie aus freien Stücken etwas geben.

So werden diese Geschwister aufs Genaueste überwacht, ohne dass sie es sehen und davon Kenntnis haben; denn ein Geist der Ordnung, dem dies alles untersteht, wird genau Rechenschaft geben über alle Familien, die ihm unterstellt sind. Er kennt jedes Einzelne, und er weiss, wo die Schwächen dieses oder jenes Bruders, dieser oder jener Schwester sind. Man erkennt aber auch schnell, wo der eine einen Fortschritt macht, was ihm besonders liegt, was er liebt.

Ihr könnt also wieder sehen, dass es darum geht, wie man sich dem Nächsten gegenüber verhält, der nicht zur Familie gehört, wo nicht die Bande der Familie zusammenhalten. Auch ausserhalb der Familie muss man dasselbe Gefühl zum Ausdruck bringen wie in der eigenen Familie.

Das ist eben dieses Gesetz, von dem Christus auch gesprochen hat, und es ist wohl etwas sehr Bedeutendes auch für die ganze Menschheit. Denn aus Egoismus, aus Neid heraus, aus Sucht nach irdischem Besitz entstehen ja auf Erden die Kriege, entsteht Unzufriedenheit auch innerhalb von Familien – weil man mehr sein möchte als der andere, weil man mehr haben möchte als der andere und weil man unbedingt recht haben möchte. Das alles sind Dinge, die noch bereinigt werden müssen. Wenn man den Weg der Vollkommenheit schreitet, dann muss das alles weggelegt werden; in allen Einzelheiten muss es in Ordnung gebracht werden. Die wirkliche Ausgeglichenheit muss zum Ausdruck kommen in jeder Beziehung. Schade, wenn der Mensch auf einem Gebiete seine grossen Fortschritte macht und Vorzüge hat, während er auf einem andern Gebiete alles wieder herunterreisst und damit das, was er aufbaut – und man sich daran freuen könnte, weil er es richtig tut –, nutzlos wird, weil er nicht das Gleichgewicht hat. Er kehrt wieder in dieselbe Stufe zurück und geht wieder von derselben Ebene aus ins neue Leben. Schade darum.

In der Jenseitswelt in jenen Parallelstufen sind also auch grosse Verschiedenheiten anzutreffen; vieles ist zu bereinigen in dieser und jener Beziehung. Denn diese Wesen gehen ja alle den Weg der Vollkommenheit. Und wenn diese Schwächen nicht in der Tiefe ihres Innersten wären, würden sie ja auch viel schneller nach oben schreiten können. Sie müssen in der Parallelstufe länger geprüft werden, weil dort die Möglichkeiten zum schnelleren Aufstieg nicht in dem Masse vorhanden sind wie beim Menschen.

Heft 4/2023
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm