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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 3/2026 zum Thema Wahrheit schafft Klarheit
Geistige Welt 3/2026
Wahrheit schafft Klarheit
Beschreibung

So wie Christus vor Pilatus sagte, er sei in die Welt gekommen, um für die Wahrheit zu zeugen (Joh. 18, 37), so unterrichtet Christi Lehre wahrlich über Ursache, Sinn und Zweck des irdischen Daseins. Seine Lehre zeigt auf, warum die Menschen auf dieser Welt zu leben und was wir zu tun haben, um wieder in die einst verlorene himmlische Heimat zurückkehren zu können. Wer willens ist, dem von Christus verheissenen Geist der Wahrheit Gehör zu schenken, wird nicht nur Klarheit über den Sinn seines Lebens erhalten, sondern auch Aufklärung darüber, wer denn der wahre Herrscher dieser Welt ist, weshalb in ihr so viel Ungerechtigkeit und Not herrscht und warum Gott, der doch als der Gütige und Gerechte gepriesen wird, all dieses viele Leid zulässt. In ihrer Wahrheit gibt die christliche Lehre dem Menschen – gleich in welcher Situation er auch sein mag – Orientierung und Hoffnung; sie gibt ihm Antwort auf seine Probleme und Sorgen und hilft ihm, den richtigen Weg im Leben zu finden.

Themenheft 3/2026: Wahrheit schafft Klarheit

Inhalt
Die Suche nach dem wahren Ursprung und Sinn des Lebens

Josef, 18. Oktober 1980

Die Suche nach dem wahren Ursprung und Sinn des Lebens

Die Lehre Christi unterrichtet über die Ursache des irdischen Daseins und über das Ziel des Menschen, wieder in die einst verlorene himmlische Heimat zurückzukehren. Christus hatte den Seinen die Geister der Wahrheit verheissen, die ihnen seine Lehre näher ausführen und erklären sollten. Wer willens ist, dem Geist der Wahrheit Gehör zu schenken, wird Klarheit über den Sinn seines Lebens erhalten. Denn im Lichte der Wahrheit findet der Mensch den Weg zurück zum Vater.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, die Wahrheit muss im christlichen Glauben verkündet werden können. Denn der Unglaube in der Menschheit muss vermindert werden. Die Wahrheit macht frei.

Wenn gläubige Menschen ihren Weg zu Gott gefunden haben, so möchten sie in einem innigen Verhältnis zu Gott stehen. Dieses innige Verhältnis kann nur zustande kommen, wenn man nach dem Anfang sucht. Euch wird stets erklärt, dass diese Welt Milliarden von Jahren gebraucht hat, bis sie zu dem geworden ist, was sie heute ist, und es möglich wurde, dass menschliches Leben auf dieser Erde seine Aufgaben erfüllen kann. Daher muss man auch nach dem Anfang fragen, denn es muss doch einen Anfang gehabt haben.

Wer gläubig ist, der kennt auch die Gleichnisse, die Christus gegeben hat, und er erinnert sich an die Gespräche, die Christus mit seinen Jüngern führte, denn dieses wird ihm ja immer wieder verkündet. Nun ist aber die grosse Frage: Versteht man das, was Christus verkündet hat? Versteht man seine Gleichnisse? Versteht man überhaupt den Sinn des Lebens? Versteht man überhaupt etwas von der Ursache der Menschwerdung? Es sind so viele Fragen.

Alles hat auch seinen Anfang, Christus selbst sagte es: “Ich bin der Anfang.” Frage: Kann wahrhaftig jeder Christenmensch verstehen, was Christus mit diesen Worten “Ich bin der Anfang” gemeint hat? Und er hat nicht nur diese Worte gesprochen, sondern er hat auch noch dazu gesagt: “Ich bin der Anfang und das Ende” (vgl. Off. 21, 6 und 22, 13).

Es gibt verschiedene Auslegungen dieses Herrenwortes, aber sie liegen nicht in der Wahrheit. Doch um die Wahrheit geht es: Die Wahrheit muss Fuss fassen können unter den Menschen. Es hat Milliarden von Jahren gedauert, bis das zustande gekommen ist, was zustande kommen musste, und menschliches Leben auf dieser Erde seine Aufgaben erfüllen kann. Anderseits sind es vom heutigen Zeitpunkt aus noch nicht zweitausend Jahre her, seit Christus die Erlösung der Menschheit gebracht hat. Und das glückliche Ende dieser Welt ist noch lange nicht zu sehen. Ich spreche vom “glücklichen Ende dieser Welt” – also kann es noch Millionen, Milliarden von Jahren gehen.

Versucht jetzt, in die Zeit zurückzudenken, da Christus gelebt, an den Zeitpunkt, als er von den Jüngern Abschied genommen hatte und in den Himmel aufgefahren war, um zum Vater zurückzukehren. Die Jünger blieben verwaist zurück, sie fühlten sich einsam und waren ängstlich. Was sollte denn mit ihnen geschehen ohne den Meister? So hatten sie Angst bis zu diesem Zeitpunkt, da Christus das Versprechen einlöste und ihnen den Geist der Wahrheit sandte. Und er gab die Geister des Mutes und der Kraft jenen Jüngern, auf dass sie hinaustreten und die christliche Lehre so gut wie nur möglich verkünden konnten.

In den Anfangszeiten war diese Verkündung sehr bescheiden, sehr einfach, auch wenn die Jünger erfüllt waren und erfüllt wurden von einem heiligen Geist, von der heiligen Geisteswelt. Sie verkündeten stets die Liebe, die Güte, die Barmherzigkeit – es waren die Gebote, die Christus ihnen im Besonderen auferlegt hatte. Dies hatten sie in der ersten Zeit verkündet.

Wisst ihr überhaupt, wie in der ersten Zeit Gottesdienste gefeiert wurden? Da ging man zu Familien: Man versammelte sich in einem Haus bei einer Familie, hatte Gleichgesinnte zu sich gerufen. Man betete – in der ersten Zeit hauptsächlich darum, dass Christus bald wiederkommen möge. Denn sie hatten doch nicht alles verstanden, was Christus gesagt hatte, und so warteten sie stets auf seine Wiederkunft.

Sie fingen auch an, untereinander die Beispiele und Darlegungen, die Christus ihnen gegeben hatte, weiterzuerzählen; denn er hatte so viel symbolisch zu ihnen gesprochen. Dann begann man auch, all das, was Christus gesprochen hatte, niederzuschreiben und zusammenzulegen [siehe dazu den Vortrag “Wie die Evangelien entstanden” auf S. 141 ff. im Buch “Geistige Welt 1980”]. In der Anfangszeit – ich spreche jetzt ausschliesslich von dieser Anfangszeit – möchte ich dieses mit einer Quelle vergleichen, dort, wo das Wasser am reinsten ist, wo der Ursprung ist. Da war auch das Wort, das verkündet wurde, so christusnah, denn die Jünger, die es verkündeten, waren doch noch mit ihrem Meister zusammen gewesen, und sie erinnerten sich an so viele Begebenheiten und erzählten davon.

Mit der Zeit vergrösserte sich die Gemeinschaft, obwohl die ersten Christen von der Regierung nicht geduldet und verfolgt wurden und ihres Glaubens wegen sterben mussten. Die ersten Christen hatten es wahrhaftig nicht leicht. Sie starben für ihren Glauben an ihren Herrn. Sie waren noch so fest überzeugt von all dem, was er ihnen im Leben gegeben hatte. Und sie erinnerten sich an diese Wunder; sie erinnerten sich auch, dass er vom Reich Gottes gesprochen hatte, wie herrlich das Reich Gottes sei und dass sie dann dort mit ihm zusammenleben würden.

Aber die Jünger und die ersten Christen machten noch so manches durcheinander, weil sie es nicht richtig verstanden hatten. So wurde einerseits dieses verkündet und anderseits anderswo wieder etwas anderes. Und eben dieses andere [dieses Abweichende], das verkündet wurde, fand dann mehr Verbreitung und bekam mehr Macht. Doch dazumal in den Anfangszeiten war es noch möglich, dass ein Mensch [medial] sprechen konnte, dass ein Geist Gottes durch ihn sprach und dieser Mensch durch diesen Geist Gottes geleitet und geführt wurde. Der sich bekundende Geist Gottes hatte den Menschen auch manches dargelegt, was ihnen nicht gefiel.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf etwas Wesentliches zurückkommen. Es ist doch so, dass die Herrschaft dieser Welt Luzifer zugesprochen ist und er versuchte seine Werkzeuge zu finden. So hatte Luzifer es in der Anfangszeit auf die Weise versucht, indem man diese Christen anklagte und verfolgte. Als er dann zur Einsicht kommen musste, dass er damit sein Ziel nicht erreichte, ja dass es mit der Zeit so weit kommen würde, dass immer mehr Menschen diesem Glauben anhangen würden, versuchte er es eben auf eine andere Art und Weise. Dazu fand er auch wieder seine Werkzeuge. So hatte man aus dem Christentum und aus diesem christlichen Glauben etwas gemacht, was Christus nie wollte. Es wurde etwas aufgebaut, es fand seine Macht und weitete sich aus. Und Luzifer hatte mitgetan oder mitgespielt – übel mitgespielt hat er. Denkt nur an die Inquisition!

Dabei hatten doch die Jünger seinerzeit gerade das verkünden können, was sie von ihrem Meister gelehrt worden waren: Sie sprachen von der Liebe – von der Liebe! –, von der Güte, vom Verzeihen. Und dass Christus ihnen klargemacht habe, dass man keine Rache nehmen dürfe; das sei Sünde wider den Geist, die nicht vergeben werde, und zu dieser Sünde wider den Geist gehöre eben die Rache.

Wie kann es in des Menschen Macht liegen, zu befehlen, was Gott gefällt oder was ihm nicht gefällt? Wie schrecklich war doch jene Zeit, als man Menschen im Namen Gottes verbrannte. Dies alles, liebe Geschwister, gehört in den Aufbau der christlichen Lehre von heute. All das kann nicht abgeleugnet werden, das kann nicht vernichtet werden. Doch beschönigen kann man es, man kann viele Entschuldigungen dafür haben.

Aber so ist es nicht. Gott ist die Liebe, Gott ist die Güte. Denn Christus sprach: “Ich bin in diese Welt gekommen, um zu retten, und nicht, um zu vernichten und zu verurteilen” (vgl. Joh. 12, 47). Was aber haben die Menschen gemacht? Sie haben verurteilt. Sie haben das gemacht, was Christus verboten hatte zu tun.

Wenn ihr nun versucht, euch im Geiste in kommende Jahrhunderte hineinzuversetzen, dann muss es euch doch ganz klar werden, dass so manches in der christlichen Glaubenslehre seine weitere Veränderung finden würde, wenn es nicht möglich wird, mit der Wahrheit durchzudringen. Und diese Wahrheit wird sich durchsetzen! Dies hat Christus selbst gesagt. (Vgl. Mat. 24, 35.) Doch spielt eben in der Gotteswelt die Zeit nicht die Rolle wie für den Menschen.

Christus hat gesagt: “Ich bin der Anfang, und ich bin das Ende.” Warum erklärt man den Christenmenschen nicht, was diese Worte bedeuten, was er damit meinte? Denn die ersten Christen waren über die Wahrheit auch aufgeklärt worden, und zwar geschah dies auf die gleiche Art und Weise, wie ihr heute hier darüber aufgeklärt werdet. Nur hat man damals dann diese Wahrheiten nicht angenommen und hat sie [die entsprechenden Schriften] verbrannt. Doch es nützt ihnen nichts; es kommt die Zeit [da die Wahrheit an den Tag tritt].

Was für eine Rolle spielen bei Gott schon tausend Jahre? Heisst es nicht: “Bei Gott sind tausend Jahre wie ein Tag” (vgl. Ps. 90, 4; 2. Pet. 3, 8)? Bei Gott spielt diese Zeit nicht die Rolle, wie sie bei den Menschen von Bedeutung ist. Sonst wäre ganz bestimmt beim Aufbau dieser Welt nicht so viel Zeit dazu verwendet worden, um alles genau und exakt durchführen zu können. Dies, weil man auch diesen glücklichen letzten Tag sehen konnte. Denn dieser letzte Tag, der der glückliche Tag aller Wesenheiten sein wird, muss kommen und wird kommen. Aber wann? Das spielt keine Rolle.

Überlegt euch doch, dass Gott sich nicht scheute, seinen geliebten Sohn dieser Welt zu geben, die ihn verurteilen liess. Man sollte doch in dieser Beziehung auch etwas näher über diese Dinge nachdenken. Wenn man schon gläubig ist, muss man sich sagen: Gott hätte doch niemals seinen geliebten Sohn in dieses menschliche Dasein gesandt, wenn es keine Erfüllung daraus geben würde. Denn es ist doch dem Menschen klargemacht und erklärt worden, dass nun der Weg zum Himmel wieder frei gemacht worden ist, und zwar durch Christus. Christus hat die Menschheit wieder mit dem Vater versöhnt.

So komme ich erneut auf die Worte Christi zurück: “Ich bin der Anfang und das Ende.” Der gläubige Christ weiss, dass Christus der eingeborene Sohn Gottes ist, aus Gott geboren, Erstling in der Schöpfung Gottes (vgl. 1. Joh. 4, 9). Und Christus wird der Einzige bleiben, der aus Gott geboren ist – keiner mehr wird nach ihm aus Gott geboren werden. Denn Christus ist der Erstling und bleibt der Erstling in der Schöpfung Gottes. Er ist der Erste, der aus Gott geboren ist, und keiner wird nach ihm aus Gott geboren werden. So hatte Christus mit Recht sagen können: “Ich bin der Erste, ich bin der Anfang, aber auch das Ende.”

Dem Christenmenschen wird eine solche Erklärung nicht gegeben. Doch in der jetzigen Zeit geht es auch darum, den Menschen im Glauben stark zu machen. Dazu muss er die Wahrheit im Glauben finden. Denn es geht um die Zukunft. Und die Menschen, die die Wahrheit erfasst haben, müssen sich ausbreiten. Viele, viele Menschen müssen doch diesen Weg finden und in der Gemeinsamkeit stark werden, damit das andere ungehört bleibt. Nur auf diese Art und Weise ist es möglich, Sieger zu werden. So muss auf diesem Wege die Wahrheit gefunden und verbreitet werden. Und von den Menschen muss die Wahrheit bejaht werden, um so diesen Unglauben zu vermindern und den Irrglauben ebenso.

Ich möchte euch auch an das kommende Fest erinnern. Es geht gar nicht mehr so lange, dann feiert die Christenheit im Gedenken an den Herrn wieder das Fest der Geburt Christi. Man wird daran erinnert, dass Christus, der Sohn Gottes, Mensch geworden ist. Doch in der christlichen Lehre wird in dieser Beziehung so vieles geheim gehalten. So versucht man es dann als Geheimnis darzustellen. Ich glaube jedoch, dass die Zeit nicht mehr so ferne ist, dass den Menschen ganz klar und deutlich erklärt werden kann, auf welche Art und Weise es möglich geworden ist, dass Christus den Zugang in diese Welt gefunden hat. Menschen werden auch in dieser Beziehung in ihrem Denken und Reden etwas freier. Und die geistige Welt macht sich das zunutze; sie wird im gegebenen Moment frei und offen darüber reden können. Im gegebenen Moment wird sie deutlicher oder so deutlich werden, dass es kein Verneinen mehr gibt.

Denn die Wahrheit muss Fuss fassen in dieser Welt. Dieser christliche Glaube muss in Erfüllung gehen, so wie Christus sich dies vorgestellt hat und wie es in der Gotteswelt geplant worden ist. Es muss eine Zurückführung geben von dieser Welt ins Himmelreich hinein. Dies zu verstehen und zu begreifen, soll dem Menschen nicht unmöglich sein. Aber er muss sich auch klar darüber werden, dass es mit seinem gegenwärtigen Leben allein nicht getan ist. Er muss wissen, dass diese Erde nichts anderes ist als eine Prüfungsstation. Der Mensch wird in seinem Leben geprüft; er hat zu beweisen, auf welcher Seite er stehen will.

Warum erklärt man denn den Gläubigen nicht, dass Luzifer Macht hat über die Menschen? Anderseits redet man doch vom Himmelreich. Christus hat ja verheissen: “Da, wo ich hingehe, müsst auch ihr hinkommen” (Joh. 14, 3).

Christus hatte dazumal, als er von seinem Vater redete, zu den Umstehenden, zu den Pharisäern gesagt: “Ich bin von oben. Aber ihr seid von unten” (Joh. 8, 23). Denn sie hatten Christus beschuldigt, er hätte einen bösen Geist (Joh. 8, 48). Doch Christus wehrte sich und sagte ihnen: “Ihr kennt ja den Vater nicht. Ihr habt ihn nicht gesehen. Ich aber kenne ihn, ich habe ihn gesehen.” (Vgl. Joh. 8, 55.) Und mit diesem “gesehen” meinte Christus die Zeit vor seinem menschlichen Dasein und vor dem menschlichen Dasein jener, zu denen er sprach, sie hätten den Vater nicht gesehen, aber er habe den Vater gesehen. Und er rede das zu den Menschen, was er beim Vater gehört, und was der Vater ihm sage, das verkünde er (vgl. Joh. 8, 28).

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass es jenen Menschen auch schwergefallen war, zu glauben, dass er Gottes Sohn sei. Denn sie wussten, er war ein Sohn aus der Familie von Maria und Josef – und nun komme er und behaupte, er sei Gottes Sohn.

Nun aber sagte Christus: “Ich bin Gottes Sohn”, und er hatte Beweise dafür gebracht. Er hatte Kranke geheilt, er hatte Blinde sehend gemacht und Lahme gehend. Er hatte Krankheiten aller Art geheilt; denn es gab dazumal viele kranke Menschen. Der grösste Teil war gezeichnet mit schweren und schwersten Krankheiten. Und das grösste Leiden, das es dazumal gab, war die Besessenheit. Dieses steht auch in der Heiligen Schrift. So viele Menschen hatten einen bösen Geist.

Die Menschen, die dazumal mit Christus lebten, sahen und erlebten solches ja. Jene, die einen solchen bösen Geist hatten, waren wahrhaftig eine Plage, eine Plage für die Menschen, denn das war Satans Werk. Die so besessen waren, wohnten auf den Dächern der Häuser; doch müsst ihr euch diese Häuser nicht in der Grösse vorstellen, wie sie heute sind, es waren niedrige, einfache Häuser. Sie wohnten auch auf Bäumen und schliefen dort; sie belästigten die Menschen, die vorübergingen. Sie schliefen auch mitten auf der Strasse oder in Höhlen und belästigten die Mitmenschen auf verschiedenste Art und Weise. Sie liefen schreiend und heulend durch das ganze Dorf; sie schreckten die Menschen nächteweise auf mit ihrem Geschrei. Und die Menschen mussten solche Mitbrüder und Mitschwestern oft in Ketten binden und einsperren, weil sie ihnen so sehr zur Qual wurden.

Solche Besessenheit durch böse Geister darf heute nicht mehr geschehen. Christus hat es doch fertiggebracht, dass es in dieser Art und Weise nicht mehr geschehen darf. Wer heute von einem bösen Geist besetzt, behaftet ist, der hat eine eigene Schuld, der trägt diese Schuldenlast [aus einem früheren Erdenleben] zu seiner Strafe; sie ist ihm aufgeladen. Es ist also nicht wie dazumal, als Luzifer sich die Leute willkürlich aussuchen konnte. Dieses ist Luzifer von jenem Zeitpunkte an, wo Christus über ihn gesiegt und Gericht gehalten hatte in der Hölle, nicht mehr gestattet worden.

Gerade zu jener Zeit, da Christus lehrte, zogen ihm doch so viele Menschen nach, auch viele, die krank waren. Sie gingen in seine Nähe und versuchten, ihn nur zu berühren; denn ihr Glaube war so fest, dass sie annahmen, wenn sie ihn nur berührten, würden sie gesund. In einem Falle ist dies auch in den Schriften festgehalten (Mat. 9, 21). Aber es ist des Öftern geschehen.

Es waren Angehörige, die die Kranken mitschleppten in die Nähe von Christus. Besonders jene brachten sie, die von einem bösen Geist besetzt waren, damit er sie heilen würde. Denn Christus trieb so viele böse Geister aus den Menschen aus. Auch das steht in den heiligen Schriften. Aber warum war es möglich, dass dazumal so viele böse Geister Einlass fanden bei Menschen? Das kann niemand erklären. Denn wenn man von den Anfängen der christlichen Lehre nichts weiss, kann man das auch nicht erklären, und so betrachtet man es als Geheimnis.

Die Menschen gingen dazumal Christus nach; sie hörten seine Worte, die er sprach. Aber sie baten ihn auch: “Mach uns gesund, wir sind krank.” Sie flehten ihn an und bedrängten ihn. So kamen sie auch mit diesen Ärmsten, die von bösen Geistern umfangen waren, und baten Christus um Hilfe.

Und diese Menschen, die von bösen Geistern besetzt oder besessen waren, riefen, als sie ihn von Weitem sahen: “Dich kenne ich. Du bist der Sohn Gottes.” (Vgl. Mat. 8, 29; Mark. 5, 6–7.) Sie hatten Angst vor dem Sohn Gottes, denn sie wussten, dass das, was sie sich leisteten, was sie taten, nicht in der Liebe Gottes war. Und sie fürchteten sich, sie könnten nun bestraft werden für ihre Untaten, die sie im Laufe der Zeit getan hatten. Sie fürchteten sich und riefen ihm ja von Weitem zu: “Du bist der Sohn Gottes. Tue uns nichts an.” Und Christus, was tat er? Er trieb diese bösen Geister aus diesen Menschen aus und machte sie gesund. Die Menschen, die dieses an sich erleben durften, nahmen äusserlich ein ganz anderes Aussehen an und sprachen plötzlich vernünftig (vgl. Mark. 5, 15).

Das eine Mal sagte Christus: “Geht, aber erzählt niemandem etwas davon” (Mat. 9, 30; Mark. 7, 36; Luk. 8, 56). Ein anderes Mal sagte er: “Geht, zeigt euch den Priestern” (Mat. 8, 4; Mark. 1, 44; Luk. 17, 14). So verschieden war es, wie Christus reagierte.

So erlebten es die Menschen von dazumal. Und die solches miterlebten oder es selbst an ihrem eigenen Leibe erfahren konnten, erkannten, dass dieser Jesus kein gewöhnlicher Mensch war. So fingen sie doch an, ihm anzuhangen und an ihn zu glauben. Und so konnte er Beispiele und Erklärungen geben, obwohl sie manches nicht verstehen konnten. Doch das, was er ihnen sagte, ist noch heute bedeutsam, ja besonders wichtig.

Die Pharisäer versuchten, auf Christus einzudringen und ihn herauszufordern, indem sie sagten: “Es ist doch nicht möglich, dass du der Sohn Gottes bist” – sie wollten es ihm nicht glauben. Doch Christus sagte ihnen, dass der Vater im Himmel sein wirklicher Vater sei. Aber ihr Vater, das sei der Teufel, denn sie kämen von dort; der Satan sei der Vater der Lüge, und sie gehörten zu ihm (vgl. Joh. 8, 44). Solches hörten die Pharisäer nicht gerne – nein. So hatten sie doch stets versucht, Mittel und Wege zu bereiten, um Christus anzuklagen.

Als Christus wieder einmal in einem solchen Gespräch mit diesen Pharisäern war, musste er ihnen sagen: “Ich war, ehe Abraham war.” Denn die Pharisäer hatten sich auf Abraham berufen; sie wären keine Knechte, Abraham wäre ihr Vater. Christus aber sprach: “Doch. Ihr seid Knechte Abrahams. Ich aber war vor Abraham, und Abraham sehnte sich, den Tag zu sehen, an dem ich in dieses Dasein trete.” (Vgl. Joh. 8, 33–34 und 56–58.) Und er wurde ja ausgelacht; er wolle behaupten, dass er vor Abraham gewesen wäre, dabei wäre doch Abraham längst vor ihm da gewesen. Sie verstanden es ja nicht.

Auch heute noch gibt es Christen, die es nicht verstehen, wenn man ihnen sagt: “Christus war, ehe Abraham war. Abraham ersehnte sich, den Tag der menschlichen Geburt Christi zu sehen.” Warum musste Abraham diesen Tag ersehnen? Weil er keinen Zugang hatte ins Himmelreich. [Siehe hierzu die Ausführungen von Geistlehrer Josef auf S. 275 f. im Buch “Geistige Welt 1980”.] Weil Abraham ausserhalb des Himmelreiches war und warten musste, bis Christus kam, den Kampf mit Luzifer aufnahm und durch seinen Sieg die Erlösung brachte. Darum konnte Christus dieses sagen.

Diese Worte Christi haben ja auch heute noch ihre Gültigkeit. Allein, wer spricht noch davon? Darum ist es so wichtig, über diese Anfänge zu reden, sagte doch Christus: “Ich bin der Anfang.” Jeder Christ soll darüber Bescheid wissen, was dieses Wort “Ich bin der Anfang” bedeutet. Christus war doch wahrhaftig der Erstling der Schöpfung in der Jenseitswelt, mochte es auch Milliarden von Jahren gedauert haben, denn nur langsam hatte sich die weitere Schöpfung entfaltet. “Aus ihm, Christus, ist alles geworden, was da ist, sei es im Himmel oder auf Erden” (vgl. Kol. 1, 16). Dieses wird in der Christenheit heute noch verkündet.

Aber man soll es den Menschen auch erklären, denn das ist es, was sie heute wollen. Sie wollen glauben, sie wollen den Weg zurück zu Gott finden. Sie wollen eine tiefere Beziehung zum Göttlichen haben. Aber sie möchten Erklärungen erhalten, sie möchten den Weg sehen. Sie möchten nicht einfach auf das Geratewohl hin glauben, sondern sie möchten Klarheit haben über all diese Dinge.

Diese Klarheit kann ihnen gegeben werden, denn es gibt keine Geheimnisse. Je weiter die Zeit voranschreitet, umso eher wird es den Menschen möglich werden, diesen Dingen besser und gewissenhafter nachzugehen und darüber nachzudenken. Heute ist es ihnen doch nicht mehr unverständlich, wenn ich beispielsweise erkläre: Es besteht die Möglichkeit, dass eine ganze Schar geistiger Wesen den Vater und Christus im Himmel sehen kann, dass er sich ihnen für eine bestimmte Zeit zeigt und sie ihn von weit her schauen können; und sie können Christus, den König, bei seinen Festen sehen, die er mit den Seinen feiert. Ja alles, was sich dort abspielt, können sie von ferne sehen. Hätte man solches noch vor einer bestimmten Zeit erklärt, nämlich ehe es den Menschen selbst möglich war, in der Weise zu sehen, was sich zur selben Zeit weit über die Meere hin abspielt – man hätte es nicht geglaubt. Doch ist nun die Menschheit so weit gekommen. Wir haben euch immer gesagt: Was die Menschen besitzen, was die Menschen haben, ist im Himmelreich schon längst vorhanden.

So wird auch die Zeit, die Stunde kommen, wo den Menschen mehr an Klarheit und Wahrheit gesagt werden kann, weil sie es heute besser verstehen. Ihre Begriffe sind anders geworden; sie haben mehr Verständnis für diese Dinge, weil sie dies selbst erleben. So muss es mit diesem Glauben sein. Der Geistesglaube muss Zugang zum einzelnen Menschen finden. Und dieser Glaube findet den Weg; denn die Wahrheit dringt durch. Die Wahrheit liegt im Licht. Christus selbst sagte es: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12 und 12, 46). In diesem Licht ist die Wahrheit. Und auf diesem Wege findet der Mensch den Weg zurück zum Vater.

Der Mensch muss aber anfangen, zu glauben, dass es eine Geisterwelt Gottes gibt. Er muss anfangen, zu glauben, dass diese Geisterwelt Gottes die Möglichkeit hat, eine Verbindung mit dem Menschen aufzunehmen, und dass sie ihrerseits bemüht ist, ihn für ihre Seite zu gewinnen. Aber er muss wissen, dass es nicht nur eine gute Geisteswelt gibt, sondern dass da noch ein anderer die Herrschaft ausübt.

Genau so, auf diesem Wege, muss es gehen: Durch den Glauben an die Wahrheit müssen doch Luzifer die Rechte abgesprochen, vermindert werden. Luzifer muss zurückgedrängt werden. Denn das ist das Endziel in der Schöpfung Gottes, dass ein jedes wieder seinen Platz findet im Reiche des Vaters und des Königs der Geisterwelt Gottes. So braucht es seine Zeit. Aber es geht nichts verloren auf dieser Welt von all den Worten, die Christus gesprochen hat. Alles, was er verkündet hat, wird sich erfüllen. Denn es kann nichts davon aufgelöst werden.

So sollten die Menschen doch versuchen, sich nach innen zu wenden und nach dem Höheren zu suchen, nach ihrem eigenen höheren Ich – so werden sie eine Antwort hören. Aber sie müssen sich anstrengen, um den richtigen Ton zu vernehmen, das richtige Wort zu hören, das ihnen von den Geistern Gottes gegeben werden will. Denn um den Menschen kämpft ja noch ein anderer, und darüber muss man sich im Klaren sein. Es nützt nichts, zu rufen: “Herr, Herr” – das allein genügt nicht, um ins Himmelreich zu kommen.

Die Christenheit muss zur Erkenntnis kommen, dass es zwei Lager gibt auf dieser Erde, dass es zwei Herrscher sind, die sich um den Menschen bemühen, ihn zu gewinnen. Das sollte doch dem Christenmenschen klargemacht werden. Dann muss man aber von Geistern reden – doch von Geistern spricht man nicht oder nur im dringenden Falle.

Allein, auch diese Zeit rückt heran, da Menschen frei und offen miteinander reden können, jedoch ist sie noch nicht zu sehen, nicht heute und nicht morgen. Ihr steht am Anfang dieser Zeit. Aber dieser Anfang kann beschleunigt seinen Weg nach oben nehmen. Denn das, was ich mit meinen geistigen Geschwistern euch bis anhin darzulegen vermochte, kann nie mehr vernichtet werden – nie mehr vernichtet werden! Möge es niemals eine Zeit der Ruhe geben, möge es ständig in Bewegung bleiben, um den Menschen die Wahrheit nahezubringen und ihnen zu erklären, dass es nicht möglich ist, Dinge zu vernichten, sondern dass alles, was von Gott kommt, wieder zutage gefördert und den Menschen wieder klargemacht wird. Denn der Mensch muss wieder den Weg zu Gott finden und stark werden im Glauben.

So wird doch mancher sein Leben ändern, wenn er die Wahrheit kennt, die wahrhaftige christliche Lehre. Diese Wahrheit muss man kennen. Immer wieder muss man darüber orientiert und unterrichtet werden. Denn bedenkt doch, wie viele Menschen es sind, die nichts von dieser Wahrheit wissen. Sie stehen da, blind, auf einem Weg zu Gott, wie sie glauben, aber sie können nicht vorwärtskommen, denn sie sind ja geistig blind. Man soll aber geistig sehend werden, und geistig hören muss man. Das alles will aber auch erkämpft werden.

Liebe Geschwister, so sollt ihr über all das nachdenken, was ich euch dargelegt habe. Ihr könnt die Bestätigung dafür in den heiligen Schriften finden. Dann werdet ihr auch begreifen und verstehen, warum Christus sagte: “Ich bin das Brot des Lebens”, und: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 6, 35 und 8, 12). Dann haben diese Worte Christi einen wirklichen Sinn, wenn man viele andere Beispiele auch versteht. Dieses ist möglich. Es ist nicht so schwer, sie zu verstehen. Die Lehre Christi ist eine einfache Lehre, mit einfachen Worten, es ist eine einfache Sprache. Denn ein jeder soll diese Sprache verstehen. Ein jeder soll diese Gebote verstehen, für jeden sollen diese Worte klar und deutlich genug sein. So ist diese Wahrheit, die euch verkündet wird, eine einfache, aber eine klare Sprache.

Nun, liebe Geschwister, geht in Frieden mit dem Segen Gottes, gestärkt in eurem Herzen und in eurer Seele. Von der Wahrheit erfasst und durchdrungen möget ihr euer Leben ausrichten. So seid behütet und beschützt. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 18.10.1980 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Geistige Erkenntnisse – die grösste Hilfe im Leben

Josef, 10. September 1977

Geistige Erkenntnisse – die grösste Hilfe im Leben

Geistlehrer Josef beleuchtet in diesem Vortrag die Bedeutung des Wissens über den Heils- und Erlösungsplan Gottes. Die christliche Lehre in ihrer Wahrheit gibt dem Menschen Orientierung und Hoffnung, gleich in welcher Situation er ist. Sie gibt ihm Antwort auf seine Probleme und Sorgen. Sie gibt Aufklärung über das Böse in der Welt und führt aus, auf welche Werte es ankommt, um im Leben den richtigen Weg zu finden.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, mit meinen Worten möchte ich euch auf eurem Lebensweg begleiten. Mit meinen Erklärungen möchte ich euch den Weg zurück [in eure geistige Heimat] zeigen; dadurch solltet ihr diesen Weg zurück besser finden können. Ich gebe euch Erklärungen, ich erkläre euch die Gleichnisse Christi, und zugleich könnt ihr in der Bibel nachschauen; ihr findet darin die Bestätigung von dem, was ich euch zu sagen habe.

Wenn ihr in eine grosse fremde Stadt geht, und ihr sucht in dieser Stadt eine Strasse, so braucht ihr eine Auskunft oder einen Plan, um diese Strasse zu finden. Habt ihr keinen Plan und gibt euch niemand Auskunft, dann werdet ihr lange suchen müssen. Vielleicht findet ihr das Ziel, vielleicht kehrt ihr aber unverrichteter Dinge wieder zurück. Gut ist es, wenn man eine Auskunft bekommt; und gut ist es, wenn man dazu noch einen Plan hat, mit dem man die erhaltene Auskunft kontrollieren kann – so findet man das Ziel besser. Und ebenso ist es mit diesem Weg der Heimkehr: Wenn ich euch diesen Weg erkläre, wird es euch eher möglich sein, das Ziel zu finden. Und damit ihr sicher seid, dass euch der richtige Weg erklärt wird und ihr den richtigen Weg geht, nehmt ihr dazu doch die Bibel zur Hand. Dann findet ihr mit meinen Erklärungen die Bestätigungen, und dann sollte es euch nicht schwerfallen, diesen Weg zurück zu finden.

Die Menschen sind heute kritischer eingestellt als früher. Heute vermag man einen Menschen nicht mehr in der Weise wie früher zu zwingen, etwas anzunehmen, etwas zu glauben. Er ist kritischer geworden, er will selbst überlegen, er denkt. Er lässt sich heute nicht mehr zwingen, das oder jenes zu glauben; er fühlt sich freier. Und vor allem ist er fähig, selber und auch kritisch zu denken. So ist es mit dem Glauben.

Die geistchristliche Lehre ist im Kommen, und es besteht Grund genug, den Menschen, der auf diesem Weg gehen will, zu begleiten und ihm diesen Weg zu erklären. Es gibt grundsätzliche Dinge, die man dem heutigen suchenden Menschen zu erklären hat, wenn er sein Ziel in kürzerer Zeit finden will. Wohl kommt er auch ohne diese Erklärungen gelegentlich zum Ziel – die Frage ist nur wann. In der Ewigkeit spielt ja die Zeit nicht die Rolle wie bei euch Menschen; aber für den Menschen ist es von Nutzen, wenn er das grosse Ziel vor Augen hat und dieses doch möglichst schnell oder schneller erreicht. So gibt es grundsätzliche Auskünfte, die man dem Suchenden zu geben hat. Denn was ihm bis anhin in der christlichen Lehre dargeboten worden ist, gibt ihm nicht die Möglichkeit, diesen Weg so zu finden – er findet ihn nicht ohne Weiteres, denn er ist ihm nicht in der Wahrheit erklärt worden. Wohl spricht der Gläubige von der Wahrheit, aber ob man das glaubt, was man sagt, das ist dann wieder eine andere Sache.

Was zu diesen grundsätzlichen Auskünften gehört, die Menschen, die sich für diese geistchristliche Lehre interessieren, erhalten müssen, ist einmal, was diese “Welt” überhaupt bedeutet. Denn von dieser “Welt” steht in der Bibel viel; Christus erwähnt sie sehr oft. Aber wer kann erklären, was mit dieser Welt gemeint ist? Oder sind es einfach überflüssige Worte, die da gesprochen wurden? Nein. Diese Welt steht unter der Herrschaft des Bösen – das muss man wissen –, diese Welt wird regiert von jenen geistigen Wesen aus der Dunkelheit. Sie üben ihre Herrschaft aus, und Menschen sind ihre Werkzeuge. Das muss man wissen; dann versteht man auch, warum Christus gesagt hat: “Diese Welt hat nichts an mir” (vgl. Joh. 14, 30) – sie hatte kein Anrecht auf ihn. Das muss man wissen.

Diese Welt bietet dem Menschen so viele Versuchungen, und so muss man wissen, was damit gemeint ist. Es ist das Böse, das diese Welt beherrscht. Diese Welt steht unter der Herrschaft des Bösen. Wenn man in diesem Sinne weiss, welche Aufgaben den Bewohnern dieser Welt gestellt sind, dann wird man ein anderes Verhältnis erhalten zu dieser Welt. Diese Welt – wie es des Öftern in der Bibel angesprochen wird – beherbergt die gefallenen Geister. Christus hatte diese oder ähnliche Worte des Öftern gesprochen, jedoch bei andern Gelegenheiten, und dadurch bekamen sie auch einen andern Sinn. Es kam also darauf an, bei welcher Gelegenheit er solche Worte benutzte. So konnte er doch den Zuhörern sagen: “Vieles hätte ich euch zu sagen und über euch zu richten” (Joh. 8, 26). Das sagte er bei einer ganz bestimmten Gelegenheit – hier sprach er vom Richten: “Vieles hätte ich euch zu sagen und über euch zu richten.” Wahrhaftig hätte er ihnen sagen können, wer sie sind, die Menschen. Aber sie hätten es nicht begreifen und nicht verstehen können; die Zeit war nicht reif dafür, ihnen alles klar darzulegen. Einiges davon vermochte er seinen Jüngern auszulegen, aber auch sie verstanden ihn nicht.

Auch seine Jünger verstanden es nicht, wenn Christus von seinem Reiche sprach und sagte: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt” (Joh. 18, 36). Sie meinten immer noch, er spreche von einem irdischen Reich, das ein Königreich werde – sie begriffen es also nicht, sie verstanden ihn nicht, obwohl sie um ihn waren und so viel von ihm hörten. Wenn Christus nun sagte: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt”, so sollte es einem denkenden gläubigen Menschen doch klar werden, dass man sich an ein anderes, geistiges Reich halten muss, an das Reich, in das Christus zurückgekehrt ist. Aber man muss auch daran glauben. Menschen oder Gläubige reden wohl von diesem geistigen Reich, aber mit dem Glauben daran ist es nicht weit her; sie wollen nichts hören, wenn man von geistigen Wesen spricht. Und so ist es doch eine Notwendigkeit, zu wissen, dass es ein geistiges Reich gibt und man in dieses geistige Reich zurückkehrt, wenn man seinen irdischen Leib abgelegt hat.

Im Menschen ist das Lebendige, das, was nicht vergeht. Man muss sich damit anfreunden, dass man einen Geistesleib hat, auch wenn man diesen Geistesleib nicht sieht. Denn sterben kann nur der irdische Leib, der vergänglich ist; er trennt sich vom geistigen Leib und wird der Verweslichkeit übergeben. Dann ist die Frage: Was hat dieser Geist, der da in einen Menschenleib eingekleidet wurde und weit weg von Gott zu leben hatte, für sich getan? Denn er wurde ja zu einem bestimmten Zweck in dieses menschliche Leben hineingeführt, um eine Aufgabe zu erfüllen.

Ist einer gläubig, dann sollte es ihm auch klar und verständlich werden, dass ein menschliches Dasein seinen Sinn hat und nicht einfach umsonst ist. Betet man zu Gott, dem Schöpfer, soll man sich ihm vertraut hingeben und glauben, dass er der Schöpfer aller Dinge, allen Lebens ist und dass dieses Leben nicht der Vernichtung für alle Zeiten anheimfällt, sondern dass dieses Leben, das von Gott gegeben wurde, Auferstehung heisst, Auferstehung durch Christus – er hat es wieder möglich gemacht, zum Vater zurückzukehren.

Wo in der christlichen Lehre wird es so deutlich und mit wenigen Worten dem Menschen klargemacht, wer er ist, woher er kommt, wohin er geht, was für Aufgaben ihm im Leben gestellt sind und was er, je nach seinem Leben, zu erwarten hat? Versprechungen macht man dem Gläubigen; man verunsichert ihn mit komplizierten Redewendungen und beharrt dann darauf, dass nur das von Bedeutung wäre, was so kompliziert und unverständlich wie möglich dargelegt ist. Ich habe es meinen Zuhörern längst erklärt: Die wahre Lehre Gottes ist eine einfache Lehre, eine Lehre mit einfachen, verständlichen Worten, für jeden bestimmt, auch für jenen, der nur an ein einfaches, bescheidenes Denken gewöhnt ist. Gott liebt alle seine Geschöpfe, Gott liess den Weg ebnen für alle seine Geschöpfe. Die einen brauchen einen längeren Weg, während die andern das Ziel auf dem kürzeren Weg erreichen können.

Man hat die Möglichkeit, die Wahrheit zu hören. Man hat auch die Möglichkeit, alles Mögliche mit anhören zu dürfen, das auf Nebenwege, Umwege, Irrwege führt. Würde doch der Mensch denken und sich wahrhaftig auf die Suche machen, auf die Suche nach dem Zurück, müsste er unweigerlich genauer überlegen, um den Weg auch wirklich zu finden. Es gibt nur eine Wahrheit, aber diese eine Wahrheit zu finden, scheint für manche schwer zu sein.

Ich habe gesagt, die geistchristliche Lehre ist beim Menschen im Kommen. Menschen fangen an, mehr zu überlegen, mehr zu denken und sich auf den Weg zu machen. Es ist aber gut, wenn man einen Begleiter hat und einem der Weg gezeigt wird und wenn man dazu noch einen Plan hat – die Bibel in diesem Fall –, um Vergleiche zu ziehen. In der Bibel soll man mit dem Verstand, mit dem Herzen und mit der Kraft der Seele zu lesen versuchen. Zuvor soll man sich dem Höheren zuwenden und um höhere Erkenntnis und Kraft, um Inspiration bitten, um es zu verstehen. Für den einen braucht es oft viele Worte, damit er es begreift, während einem andern schon wenige genügen.

So sollte es dem Menschen möglich sein, den Weg zurück zu finden. Er sollte es verstehen, was damit gemeint ist, wenn Christus gesagt hat – und er hat es des Öftern gesagt –: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12). Wenn Christus das Licht der Welt ist und man darüber nachzudenken versucht, dann muss man sich sagen: “Licht ist etwas, das ich sehe, es leuchtet in der Dunkelheit – also ist diese Welt eine geistige Dunkelheit.” Christus ist das Licht der Welt und bleibt das Licht der Welt. Und diesem Licht in dieser Welt muss man nachgehen. Wohl habt ihr euer Tageslicht, aber nicht das ist gemeint. Christus sprach die geistige Sprache.

Wenn er vom geistigen Reiche sprach, meinte er nicht die Herrschaft der Menschen. Das eine Mal sagte Christus – ich erwähnte es bereits –: “Ich richte, ich habe über euch viel zu sagen und zu richten”, und ein anderes Mal, bei einer anderen Gelegenheit, sagte er: “Ich bin nicht in diese Welt gekommen, um über sie zu richten, sondern um sie zu erretten.” Damit meinte Christus nicht die weltliche Herrschaft; für sie interessierte er sich nicht. Wie versuchte man doch, ihn herauszufordern, indem man ihn fragte: “Was sagst denn du dazu, dass man Steuern zahlen muss?” Und er antwortete: “Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.” (Mat. 22, 15–22.) Auch mit diesen Worten distanzierte er sich von der menschlichen Herrschaft und Regierung dieser Welt. Ihm ging es nur um die Errettung des Menschen, darum, das Reich Gottes zum Menschen zu bringen. Und das Reich Gottes – so wie ihr betet, dass dieses Reich Gottes zu euch kommen möge –, was heisst es denn im Grunde genommen? Eben: sich nicht der Herrschaft dieser Welt zu unterwerfen, sondern sich darüber im Klaren zu sein, dass es noch eine andere Herrschaft gibt, die Herrschaft Gottes, und dass man sich dieser Herrschaft Gottes zuwenden muss, obwohl man in dieser Welt, in diesem Prüfungslande, leben muss, das für den Menschen eine ständige Prüfung sein wird.

Durch das Erlösungswerk Christi ist es doch möglich geworden, aus der Herrschaft des Bösen herauszutreten, in das Reich Gottes hinüberzusiedeln und so zu leben, wie es im Reiche Gottes verlangt wird. Im Reiche Gottes sind andere Bedingungen als unter der Herrschaft dieser Welt, wo ihr lebt. Als ganzer Mensch müsst ihr entscheiden können, auf welche Seite ihr treten wollt: ob ihr euch ein Leben lang neigt vor den Bedürfnissen, dem Willen, der Herrschaft von unten oder ob ihr bereit seid, euch davon abzuwenden und euch einer höheren Welt zuzuwenden und als Mensch im Geiste zu leben. Dabei gilt es zu versuchen, das, was inwendig ist, durch den ganzen Menschen zum Ausdruck zu bringen und mit einem höheren Denken, mit einem höheren Handeln zu leben, höheres Bewusstsein zutage zu fördern und anders zu leben als jene, die Werkzeuge jener sind, die ihre Herrschaft in dieser Welt ausüben. Es gilt, sich jenen zuzuwenden, die die Liebe, die Barmherzigkeit, die Güte fördern, und zu versuchen, in die höhere Welt einzutreten. Es ist gar nicht so unmöglich, es auf diese Weise zu erreichen. Wenn sich der Mensch im Klaren ist darüber, was Wirklichkeit ist, vermag er es wohl, sich dem Besseren zuzuwenden.

Man hat heute ja so viele Fragen. Warum, so fragt man sich, ist es möglich, dass in dieser Welt die Verbrechen überhandnehmen? Daraus allein schon sollte ein gläubiger Mensch die Antwort finden, dass es eben so ist, dass es dem Bösen möglich ist, die Herrschaft in dieser Welt auszuüben, und es Gefallen hat am Leid, an der Not, am Schmerz des Menschen. Wie viele sagen doch: “Sieht denn Gott nicht, was auf dieser Welt vor sich geht? Hat sich denn Christus abgewandt von dieser Welt?” Nein, niemals. Die Geisteswelt Gottes ist dem Menschen nahe. Unsichtbar für ihn kämpft sie einen harten Kampf. Einen harten Kampf hat sie auszufechten in der Nähe des Menschen. Sie kämpft um das höhere Denken, um die Beeinflussung des Menschen. Sie kämpft darum, Güte, Verständnis, Liebe in die Seelen der Menschen einfliessen zu lassen.

Denn auf der andern Seite wird auch gekämpft. Da geht es darum, Hass, Neid, Eifersucht in das Denken, in die Seele des Menschen einführen zu lassen. Und es ist so gut möglich, den Menschen dazu zu beeinflussen, wenn er eben so mit dieser Welt, die ich meine, verbunden ist. Wenn ihm diese Welt so alles bedeutet, wenn er an ihr hängt, wenn sein Denken ein materialistisches Denken ist, wenn ihm die Werte der vergänglichen Welt alles bedeuten, dann hat er sich geöffnet für die Habgier, für die Eifersucht, für den Neid.

Man muss seine Seele aber auf eine andere Art und Weise öffnen. Man muss versuchen, in jenes geistige Reich hineinzutreten. Dieses geistige Reich ist für den Menschen unsichtbar, aber es kann ihm so viel an hilfreichen Kräften zuführen. Wenn man sich diesem Reich zuwendet und als Mensch den Willen Gottes erfüllt, dann kann man auch durchstrahlt und durchströmt werden von diesem geistigen Reich.

Ich weiss, es sind Zuhörer hier, sie sehen ihre Sorgen, ihre Probleme und denken: “Wenn ich davon frei wäre, wäre es für mich ein Leichtes, mich in diesem Reiche Gottes zu bewegen, von dem hier die Rede ist. Aber zuerst muss ich einmal frei werden von meinen Sorgen und von meinen Problemen. Dann wird es mir möglich sein, mich im Reiche Gottes zu bewegen.” Was weiss der Mensch schon von seinem Leben, das er durchzustehen hat. Was weiss der Mensch schon von seinen Aufgaben, die er vielleicht freiwillig auf sich genommen hat. Vielleicht hat er etwas abzutragen, und es ist ihm eine Zeit bestimmt dafür, es ist eine harte Prüfung für ihn. Und gerade in dieser Zeit harter Prüfungen muss er unterscheiden können, welches die Welt ist mit ihren Bedingungen, Angeboten, Versuchungen und welches das geistige Reich ist. Dieses geistige Reich weiss doch um die Prüfungen und um das Leid des Menschen, und die Geister Gottes sind bereit, den Menschen auf seinem Prüfungsweg zu begleiten und ihn ständig zu stützen, ihm immer so viel Kraft zu geben, dass er es versteht und sein Schicksal bejaht. Sie begleiten ihn und warten, dass das, was ihm auferlegt worden ist, auch abgetragen werden kann und abgetragen wird. Das Leben in dieser Welt wird dem Menschen nicht so leicht gemacht. Denn sonst hätte wohl Christus diesem Luzifer nicht das Zugeständnis gemacht, den Menschen in dieser Welt noch in Versuchung führen und beeinflussen zu dürfen. Luzifer darf den Menschen aber niemals mehr ganz und gar in Anspruch nehmen; das heisst, der Weg des Menschen führt nach seinem Tode nicht mehr zu Luzifer zurück.

Christus hat doch Gericht gehalten: Als er als Mensch gestorben war und als Geist in diese Unterwelt hinabgestiegen ist, da stand er diesem Luzifer gegenüber. Es gab einen harten Kampf, und Christus blieb Sieger und stellte die Bedingungen. Christus hat dort, in der Unterwelt, Gericht gehalten; er war mit dieser göttlichen Gesetzgebung hinuntergestiegen zu Luzifer. Dort wurde Gericht gehalten, dieses Letzte Gericht, das seine Gültigkeit haben sollte bis zum Ende der Welt, das heisst, bis das Böse die Herrschaft über diese Welt verloren hat.

So hatte Christus gesagt: “Ich richte” (vgl. Joh. 8, 26); er sagte aber auch: “Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu erretten” (Joh. 12, 47). Erretten wollte er die Seelen der Menschen; er wollte die Menschen aus der Herrschaft des Bösen herausführen. Er hatte nichts mit weltlicher Regentschaft zu tun. Deshalb sagte er: “Ich bin nicht gekommen, um über diese weltlichen Rechte zu richten.”

Also sprach Christus doch vom geistigen Reiche. Seine Gleichnisse sind geistig zu verstehen. “Ich bin das Brot des Lebens” (Joh. 6, 35) – wer an Christus glaubt, der wird nicht verloren sein, er wird auch von den Geistern Gottes geführt. Denn die Seele des Menschen braucht doch ihre Nahrung. Der Mensch braucht nicht nur irdische Nahrung für den Leib, er braucht auch geistige Nahrung. Oft hungert, dürstet und friert das Inwendige im Menschen. Und das ist nicht der Leib des Menschen, sondern das Geistige, die Seele. Der Geist im Menschen empfindet Hunger und Durst und möchte Hilfe haben.

An dieses Inwendige soll sich der Mensch wenden, an das, was in ihm ist, was nicht stirbt, was in der Ewigkeit weiterlebt. Danach sollte sich der Mensch ausrichten. Glauben sollte er, dass es ein Leben nach dem Tode gibt. Glauben sollte er an das Reich Gottes und daran, dereinst wirklich in eine Wohnung eintreten zu können, von der Christus sprach (Joh. 14, 2–3). Aber Menschen wollen nur das annehmen, was sie fühlen können, was sie beweisen können oder ihnen bewiesen wird. Das Unsichtbare wollen sie nicht annehmen. Und doch sind es Gläubige, die täglich zu Gott, dem Vater im Himmel, beten. Aber an seine Welt, an seinen Himmel, der so wunderbar ist, wollen sie nicht glauben. Sie sind weit entfernt davon, an diese geistige Welt zu glauben, die bereit ist, die Zurückkehrenden wieder aufzunehmen, wieder in den Frieden hineinzubringen, ihnen das Verlorene wieder zurückzugeben. Dafür sind sie bereit, anderes zu glauben: das, was man ihnen mit so komplizierten Worten darzulegen und als Wahrheit auszugeben versucht, das im Grunde genommen aber eine Irreführung ist, nichts ist, weil es zu viele Worte braucht, sodass man die Wahrheit nicht mehr erkennen kann. Denn die Wahrheit braucht gar nicht so viele Worte, es braucht nur Klarheit. Und nach dieser Klarheit und nach dieser Wahrheit muss der Mensch suchen, wenn er den rechten Weg der Heimkehr antreten will. [...]

Nun, liebe Geschwister, es ist jedem hier selbst überlassen, sich in seinem Denken so anzustrengen, um seinen Weg zu finden. Es ist jedem selbst überlassen, sich mit dieser Jenseitswelt so zu verbinden und sich der Verantwortung bewusst zu werden, die er in seinem gegenwärtigen Leben trägt – denn zur Verantwortung wird er ja gezogen.

So, liebe Geschwister, sollt ihr über all das nachdenken. Und ihr werdet, wenn ihr euch Mühe gebt, den Weg finden, der für euch notwendig ist.

So möge Gottes Segen euch alle begleiten. Möge durch den Segen und durch die Kraft Gottes gesunden, wer da krank ist, sei es an Leib oder Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.9.1977 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Aufklärung über Irrtümer und Widersprüche in der christlichen Lehre

Josef, 23. Januar 1982

Aufklärung über Irrtümer und Widersprüche in der christlichen Lehre

Die Zeit ist gekommen, wo Menschen anfangen, sich Fragen zu stellen. Sie möchten Klarheit darüber erhalten, was mit ihnen nach ihrem Tode geschieht, wohin der Weg führt. Sie möchten auch Klarheit darüber erhalten, warum in dieser Welt so viel Ungerechtigkeit und Not herrscht – warum Gott, der doch als der Gütige und Gerechte gepriesen wird, dieses viele Leiden zulässt. Je mehr man sich mit dem Geistigen befasst und je tiefer man in die Geisteslehre eindringt, desto mehr wird man die Wahrheit erkennen und Antwort erhalten.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, Christus sprach: “Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Die Stunde ist gekommen, sie ist da, wo die Toten die Stimme des Gottessohnes hören werden. So wie der Vater Leben in sich hat, hat auch der Sohn Leben in sich.” (Joh. 5, 25–26.)

Liebe Geschwister, ich versuche, vom einen zum andern Mal euch Erklärungen zu geben, die euch in eurem geistigen Wissen bereichern sollten. Dadurch solltet ihr die Geisteslehre besser verstehen lernen. Wenn nun Christus – wie er es des Öftern getan hat – die Worte sprach, die in eurer Sprache mit “wahrlich, wahrlich” umgesetzt werden, so bedeutete das: “Es ist bestimmt so, es ist Wahrheit, was ich euch sage. Das ist Wahrheit.”

Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal darauf aufmerksam machen, dass Christus auch gesagt hat: “Ich werde euch den Tröster senden, und er wird bei euch bleiben in alle Ewigkeit.” Auch dieses hatte er gesagt, und ein denkender Christenmensch sollte darüber seine Überlegungen anstellen: “Der Geist der Wahrheit wird kommen und bleiben in alle Ewigkeit.” (Joh. 14, 16–17.) Das heisst also, dass die Geister der Wahrheit den Weg finden werden zum Menschen, um für diese Wahrheit da zu sein und sie zu verbreiten, bis dieser Heilsplan in Erfüllung gegangen ist. Es mag bis dahin so vieles geschehen und an Irrtümern verbreitet werden – es braucht alles seine Zeit. Im Geistigen wird die Zeit eben anders berechnet als bei euch Menschen. Ihr lebt in der Gegenwart, und ihr macht eure Berechnungen für eure Zeit und vielleicht auch für eine Zukunft. Aber was bedeutet eine Zukunft, die sich nur auf das irdische Leben des Menschen bezieht? Wohl kann sich der Mensch über seine menschliche Zukunft seine Gedanken machen; aber man muss sich auch über die geistige Zukunft Gedanken machen und sich an die Worte halten, die Christus gesprochen hat, wonach es eine Erfüllung geben muss.

Jetzt möchte ich euch zum Überdenken geben: Was meinte Christus, als er zu den Seinen sprach: “Die Stunde ist gekommen, und sie ist da, wo die Toten die Stimme des Gottessohnes hören” (Joh. 5, 28)? Was sollten die Toten hören? Was Christus sprach, das sprach er zu seinen Jüngern, zu seinen Zuhörern. Menschen verstehen heute unter den “Toten” einfach die Abgeschiedenen, die Verstorbenen. Sie machen sich über diese Toten keine weiteren Gedanken. Wenn ihr euch aber überlegt: Wenn Christus sagte, die Toten hätten die Worte des Sohnes Gottes gehört, dann hätte er ja – nach eurem Empfinden – nicht nur zu den Anwesenden in gewohnter Weise gesprochen, sondern er müsste laut gerufen, er müsste eine besondere oder eigene Sprache für diese Toten geführt haben; denn er sagte ja: “Die Toten haben die Stimme vom Sohne Gottes gehört.”

Im Weiteren sprach Christus von dem Lebendigen, dass der Vater Leben in sich hat und er das Lebendige auch dem Sohne übergeben hat und dass er dem Sohne Macht gegeben hat zum Richten. Und Christus selbst sagte: “Ich höre, dass ich Gericht halten werde” (Joh. 5, 30), und er erwähnte, dass diese Toten hervorkommen würden – in der Bibel steht hier fälschlicherweise, sie würden aus den “Gräbern” herauskommen. Aber da könnt ihr eben auch wieder erkennen, wie die Menschen – dazumal gleich wie heute – alles vom menschlichen Aspekt her sehen und nach dem menschlichen Leben und Erleben beurteilen. Das wirklich Geistige ist ihnen weit entfernt; sie haben keine Verbindung zu diesem Geistigen, geschweige denn ein Verständnis dafür.

Christus sagte in Wahrheit, diese Toten würden “hervorkommen aus ihren Höhlen [im Totenreich]”, nicht aus den Gräbern, sondern “aus ihren Höhlen, und die, die Gutes getan, werden hervorgehen zur Auferstehung, und die, die Böses getan haben, werden hervorgehen für das Gericht” (Joh. 5, 29). Nun müssen diese Worte auch verstanden werden, und bringt man das Verständnis dafür auf, dann vermag man vieles andere auch besser zu verstehen.

Man muss bei den Aussagen Christi unterscheiden können, auf welche Zeit sie sich beziehen, ob Christus etwas von der geistigen Zukunft andeutete, von seinem Erleben, das ihm bevorstand, oder ob er etwas sagte, das sich auf die damalige Gegenwart bezog. Das muss die Christenheit unterscheiden lernen. Denn wenn man es nicht unterscheiden kann, wird man die Wahrheit nie finden, und die Erklärungen Christi werden immer ein Rätsel bleiben. Und dann wird das Rätsel als Wunder hingestellt; es heisst dann, in diesen Erklärungen von Christus gäbe es eben Dinge, die man überhaupt nie verstehen könne. Dies ist aber grundfalsch. Christus ist nicht in das menschliche Dasein gekommen und hat Zeugnis gegeben, dass er Sohn Gottes ist, damit dann seine Worte ein Rätsel bleiben sollen und die Menschen verunsichert würden und sie diesen Heilsplan nie begreifen, sie also stets im Unklaren gelassen würden. Denn gibt man dem Menschen die Wahrheit nicht, kann er sein Ziel, das er erreichen sollte, nie erreichen. Wenn er die Wahrheit nicht kennt, gibt es immer Hindernisse und ist ihm immer etwas im Wege, das ihn am wirklichen Aufstieg hindert.

Darum ist es von grosser Notwendigkeit – dies darf ich euch wohl sagen –, dass die Stunde kommt, wo ein Gebäude erstellt wird [Hinweis auf den damals geplanten und im Jahre 2001 eingeweihten Saalbau der Gemeinschaft], wo Menschen Zugang haben werden, um die Wahrheit zu erfahren, und von wo aus es möglich sein wird, diese Erklärungen, die gegeben werden, zu verbreiten – dass diese Erklärungen auch in Einzelheiten zusammengefasst und sogenannte Lehrgänge verfasst werden, damit es die Christenheit endlich begreifen lernt, was Wahrheit ist. Das ist ein Weg hin zur Vollkommenheit. Es ist also eine Notwendigkeit, dass man diese Wahrheit anhören kann. Und dazu braucht es dann auch Menschen, die aus diesen Lehrgängen Erklärungen geben können, die es vorsprechen und erläutern können. Denn gerade jetzt in dieser Zeit gibt es Freunde, die sich fragen: “Ja was geschieht denn einmal, wenn wir nicht mehr die Möglichkeit haben, diese Worte direkt [aus der Jenseitswelt] zu hören?” Ja was glaubt ihr? Dies alles wäre einfach nur eine vorübergehende und vergängliche Angelegenheit? Die Geisteswelt gebe sich so viel Mühe nur für eine bestimmte Zeit und liesse nachher alles wieder vergehen? Nein, Christi Worte werden in Erfüllung gehen, aber dieses braucht auch seine Arbeit, seine Tätigkeit, seine Ordnung. Es muss etwas geschaffen werden, um es den Menschen auf dieselbe Art und Weise zu erklären, wie ich es in dieser Stunde euch erkläre. Denn schaut euch einmal unter euren Bekannten um und fragt sie nach den einfachsten Dingen der christlichen Lehre – sie wissen nichts, sie wissen wahrlich nichts. Sie stellen ihre Behauptungen auf und können sie nicht begründen, und was sie nicht verstehen, bleibt ein Wunder. Doch für diese Wunder ist Christus nicht am Kreuz gestorben, liebe Freunde. Die Wahrheit muss ihre Verbreitung finden, und dazu muss eben ein Anfang gemacht werden. Dieser Anfang ist [1948 mit dem Beginn der Mittlertätigkeit von Beatrice Brunner] im Kleinen entstanden und hat sich erweitert durch Bewährung – und durch den Willen Gottes ist es zu dem geworden, was es heute ist, und wird zu dem werden, was im Plane Gottes vorgesehen ist. Und das ist einmal eine Antwort, über die ihr euch eure Gedanken machen sollt.

Christus hatte ja verhältnismässig nur kurze Zeit gelehrt. Ein Teil von dem, was er gesprochen und getan hatte, ist niedergeschrieben und verbreitet worden. Aber es blieb unverstanden. Die Menschheit war ja in ihrer geistigen Entwicklung noch derart rückständig, ihr Denken war so einfach und bescheiden. Es gab damals nur wenige Menschen, die eine Schule besuchen und lesen und schreiben lernen konnten. Es waren wahrlich andere Verhältnisse als heute. Und betrachtet einmal die heutige Zeit, wie sie ist. Die Gotteswelt wird immer versuchen, sich den Gegebenheiten, dem, was die Menschheit von sich aus schafft, anzupassen. Und sie wird auch eingreifen, wenn es notwendig wird. Doch sollt ihr nicht glauben, dass ihr nur einige Stossgebete an Gott richten könnt und er würde dem Gehör schenken. Dazu braucht es wahrhaftig mehr. Denn ihr – und ich wiederhole es – nahmt euch [einst in der himmlischen Welt] auch Zeit dafür, um gegen Christus zu sein, und ihr nahmt euch wahrhaftig Zeit für den Ungehorsam, um dem nachzugehen und euch in diesem Ungehorsam einzuleben. Dies vermögt ihr vielleicht auch nicht so zu verstehen. Aber je mehr ihr euch mit dem Geistigen befasst und je tiefer ihr in die Geisteslehre eindringt, umso eher wird es euch möglich werden, zu verstehen, warum diese Welt heute so ist, wie sie ist. Und die Zeit ist gekommen, oder ich kann auch sagen, die Stunde ist gekommen, wo Menschen anfangen, sich Fragen zu stellen: “Was geschieht denn mit mir oder was geschieht denn überhaupt nach dem Tode? Wohin führt der Weg?” Von geistiger Seite aus betrachtet muss man sich sagen: Die Menschen sind in ihrem Denken wahrhaftig noch immer recht bescheiden. Denn sie feiern die christlichen Erinnerungstage, sie feiern das Fest der Geburt Christi und verkünden gemäss der Bibel: “Friede den Menschen auf Erden” (Luk. 2, 14). Haben sie Frieden? Nein, sie haben keinen Frieden. Warum haben sie keinen Frieden? Das kann man beantworten.

In wunderbarer Weise zeugte Christus von der Auferstehung. Er war vom Tode auferstanden – aber nicht als Mensch in dem Sinne. Er erschien den Seinen [als materialisiertes Geistwesen], doch war dies stets nur für eine kurze Zeit; aber er brachte ihnen den Beweis der Auferstehung, und dieser sollte für die ganze Menschheit gelten. Die Christen feiern auch das Fest der Himmelfahrt Christi. Ja glauben sie denn überhaupt an diese Einkehr Christi in den Himmel? Man soll sich doch wirklich selber einmal diese Frage stellen und sagen: “Ja, ich bin ein Christ, und ich bin als Christenmensch darüber belehrt worden, dass Christus in den Himmel aufgefahren ist. Und er hatte doch gesagt: ‘Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen’” (Joh. 14, 3). Glaubt ihr denn wirklich daran, dass ihr dahin kommen werdet und dahin gehen werdet, wohin er vorangegangen ist? Um das geht es doch wahrhaftig. Und es ist doch bedauerlich, dass die Wahrheit verkündet wird und man sogar die Worte der Wahrheit nachspricht – aber glauben? Nein. Man spricht einfach von Rätseln, von Wundern.

Wenn man aber dieser Sache näher auf den Grund geht, dann bekommt man die Antwort, warum diese Welt so ist, wie sie ist, warum auf ihr kein Friede ist. Darüber reden aber die Menschen nicht. Dabei wäre es wahrhaftig gut, sie würden darüber sprechen, um das Böse bekämpfen zu können. Denn sie alle, aus jeder Religionsrichtung, sollten die Erkenntnis haben, wer der Herr und Herrscher dieser Welt und über die Menschen ist. Denn wäre wahrhaftig Christus der Herr, dann würde doch – dies habe ich schon des Öftern betont – die Menschheit erfüllt werden von seiner Liebe, von seiner Wesensart. Es würde doch keine Kriege, keinen Betrug geben. Man würde nicht Menschen betrügen und Menschen hassen und umbringen. Christus hat doch eine ganz andere Lehre verkündet, als wie die Menschen leben. Da ist doch ein grosser Unterschied. Also muss sich der Mensch darüber Gedanken machen, wer denn tatsächlich der Herrscher dieser Welt ist [nämlich Luzifer].

Christus ist mit dem Vater verbunden, und er will, dass sie alle wieder zu ihm zurückkehren und zurückkommen. Und sie werden zurückkommen. Aber das wird Milliarden von Jahren gehen. Menschen, die da leben und es wahrhaftig ernst nehmen mit ihrem Glauben, die können das Ihrige dazu tun, damit diese Zeit verkürzt wird – diese Möglichkeit ist der Menschheit doch gegeben. Dazu muss aber doch einiges geschehen beim Einzelnen, er muss bereit sein für diesen göttlichen Glauben und sich dafür öffnen.

Und jetzt komme ich zurück auf diese Worte, wonach die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden. Christus sagte: “Die Stunde kommt und ist jetzt da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören.” Aber jene Toten – und das sind jene, die im Totenreich [Luzifers] waren –, die konnten die Stimme nur vernehmen, wenn diese Stimme nahe an sie herangebracht wurde, wenn ihnen diese Worte laut und deutlich zugetragen wurden. Es wurde euch auch schon gesagt, dass in der Hölle Wächter Gottes stehen, die eingreifen müssten, wenn Luzifer in seiner Macht zu weit gehen würde. Die Hölle ist also überwacht, und das muss nicht sichtbar sein für jene Wesen, die dieses Totenreich bevölkern. Geister Gottes können sich unsichtbar machen, wenn es sein muss. Denn die Atmosphäre in der Hölle ist wahrhaftig eine unselige Atmosphäre, und Geister Gottes haben die Kraft, das zu überwinden, sodass sie für jene Wesen dort unsichtbar sind; diese Möglichkeit besitzen sie. Dass nun diese Toten, also die Wesen in der Hölle, die Stimme vom Sohne Gottes vernehmen konnten, war deshalb möglich, weil auf der Schwelle dieses Totenreichs Engel Gottes standen und es so laut in diese höllischen Sphären und Ebenen hineinriefen: “Der Erlöser ist auf dem Weg zu euch! Geduldet euch noch. Christus ist der Erlöser, und er wird in euer Reich eintreten. Es gibt für euch eine Erlösung!” Es waren Engel Gottes, die auf der Schwelle des Totenreichs standen und diese Botschaft laut verkündeten; sie kündigten sie mit Posaunen an, sodass diese Wesen, die sich in der Hölle in ihren Höhlen versteckt hielten, hervorkamen und diese Botschaft vernehmen konnten. Christus hatte die Schau und das Wissen von diesem Geschehen, und er wollte doch, dass die Seinen wieder zu ihm zurückkehren.

Betrachten wir noch einmal die Menschen von heute, wie heute noch von diesem Letzten Gericht [das Christus damals in der Hölle gehalten hatte] etwas ganz anderes behauptet wird als die Wahrheit: Sie warten immer noch auf das Letzte Gericht. Und so gibt es ja welche, die behaupten, dass man dann dereinst aus den Gräbern heraussteigen und wieder leben und dastehen würde als Mensch. Ja wie soll denn das geschehen mit jenen Verstorbenen, die verbrannt wurden und deren Asche in alle Winde zerstreut wurde? Solches gab es auch schon früher. Vor der Zeit Christi wurden Menschen sogar lebendigen Leibes verbrannt, um sie den Göttern zu opfern. Grausames ist geschehen mit den Menschen. Wie sollen denn jene auferstehen? In welchen Gräbern sind sie denn?

Zwar wollen Menschen über die Vergangenheit Bescheid wissen, und sie versuchen zu Erkenntnis und zu Wissen zu kommen, wie es denn in der Vergangenheit war – aber sie interessieren sich nur für Dinge, die ihnen von Nutzen sind in ihrem menschlichen Dasein und worüber sie andere Menschen unterrichten können. Aber diese Erkenntnisse gehören in den Bereich menschlichen Wissens und haben mit dem Geistigen, mit dem Heils- und Schöpfungsplan nichts zu tun. Dabei gäbe es doch in der Vergangenheit wahrlich vieles zu erforschen und zu erkennen über den Schöpfungsplan und auch über diesen Heilsplan. Danach zu forschen, wäre höchst interessant; manches könnte man erleben, und man würde darüber staunen. Aber in diese Richtung forschen Menschen nicht ...

Und so müssen sie eben auf diese andere Welt aufmerksam gemacht werden. Es muss ihnen so manches verdeutlicht werden, damit sie es mit ihren Begriffen aufnehmen können, dass es eine unsichtbare Welt gibt und dass es eben neben dem lebendigen Reich Gottes auch ein Totenreich gibt mit den geistig Toten. Christus sprach vom Lebendigen, er sagte: “Der Vater hat Leben in sich, so hat auch der Sohn Leben in sich” (Joh. 5, 26) – denn Christus ist der eingeborene Sohn Gottes; er ist [als Einziger] aus Gott geboren, er ist aus dem göttlichen Od Gottes geformt worden. Dieser Christus ist der Erstling in der Schöpfung, und er ist Träger vom geistigen Leibe und vom geistigen Ode Gottes. Er ist Gottes Sohn. Er ist Sohn, er ist nicht Gott. Er ist eine Person für sich, und Gott ist eine Person für sich.

Wie lange wird es wohl dauern in der Christenheit, dieses verständlich zu machen und diese Irrtümer [wie eben beispielsweise das Dogma der Trinität] einzusehen? Ich möchte euch empfehlen: Richtet euer Interesse doch einmal darauf, auf welche Art und Weise jene Dogmen entstanden sind, unter welcher Macht und Gewalt, und mit welcher Rücksichtslosigkeit sondergleichen sie dem Christenmenschen als etwas Heiliges dargelegt wurden und man ihm drohte: Wenn er nicht daran glaube, dann komme er in die Hölle. Diese Sprache muss ihre Änderung finden; und man ist erst am Anfang, man gesteht erst einiges ein, aber man ist noch nicht willens weiterzugehen. Denn zu viele Widersprüche sind da, und so würden im Menschen zu viele Zweifel aufkommen, wenn er einsehen müsste: “Dieses ist falsch.” Er würde sich fragen oder sich sagen: “Ja was soll ich denn noch glauben? Ist denn das alles falsch? Wenn das falsch ist, kann ja das andere, was man uns sagt, auch falsch sein.”

Darum bedarf es der richtigen Aufklärung – eines nach dem andern. Dazu gehört auch das Wissen um die Wiedergeburt. Warum will man die Wiedergeburt nicht anerkennen? Es wäre doch paradox, wenn man das Wiedergeborenwerden anerkennen würde, während man anderseits daran glaubt, dass man an einem fernen Tage beim Jüngsten Gericht vom Tode auferstehe. In welcher Person oder in welchem Leib soll man denn auferstehen? Es kann eine Person ja nur eine Gestalt haben. Darum will man doch diese Wiedergeburt nicht anerkennen. Denn sonst wäre es mit der Lehre vom Jüngsten Gericht und von der Auferstehung, wie sie verkündet wird, auch aus ...

Es kann aber nur eine Wahrheit geben. Und man sollte den Mut haben, die Irrtümer einzugestehen. Man sollte den Menschen klarmachen, dass jene Menschen, die damals diese Irrtümer verbreiteten, dies mangels Erkenntnis taten. Man kann doch dazu stehen, dass man zu höherer, besserer Erkenntnis gekommen ist und diese höheren und besseren Erkenntnisse verbreiten will. Man kann es dem Christenmenschen nahebringen, dass es wahrhaftig eine Erlösung und eine Versöhnung gibt. Aber dem Christenmenschen muss man auch erklären, von was er denn überhaupt erlöst worden ist.

Ein Wandel kann aber nicht eintreten, solange man verschweigt, dass es ein Totenreich und einen Teufel gibt, der täglich versucht, Menschen auf Irrwege zu führen und sie zu täuschen; solange man den Mut nicht hat, zu sagen, wer diese Welt regiert – weil man sich als Stellvertreter Christi hinstellt. Ein solcher Stellvertreter sollte doch die Macht haben, die Verbrechen in dieser Welt zu bannen. Also, wenn ihr nur einigermassen euer Denken anstrengt, müsst ihr doch erkennen, dass da Widersprüche vorhanden sind und es wahrhaftig an der Zeit ist, dass die Menschen es endlich einsehen, was Wahrheit ist und was Irrtum ist und wie man Menschen auf diese falsche Fährte geführt hat. Aber solange diese Macht so gross ist und solange es Menschen gibt, die sich vor jenen Menschen verneigen und ihren Irrtümern ehrerbietig Glauben schenken, so lange ist es immer noch schlimm bestellt um die Wahrheit. Diese zu verbreiten ist nicht so einfach, es ist ein Kampf. Der eine oder andere von euch hat es schon selbst erleben müssen, weil er gegenüber Mitmenschen Andeutungen dieser Art machte und man ihn dann einfach mit wenigen Worten zu erniedrigen oder so hinzustellen versuchte, als hätte er keinen gesunden Verstand, dass er solches behaupte.

Ja, liebe Geschwister, die Macht, die vom Totenreich ausgeht, ist gewaltig und gross. Ihr erlebt es ja täglich, wie grausam die Menschen untereinander sein können. Wenn es diesen Gott, der in der Religion als der Gütige, der Liebende vorgestellt wird, wahrhaftig gibt, warum kann er denn solches zulassen? Warum gibt es Menschen, die noch von einer Knechtschaft Gottes reden, während die Knechtschaft längst aufgehoben ist? Eine Knechtschaft des Menschen gab es nur so lange, bis Christus die Erlösung brachte – danach war diese Knechtschaft beendet. Christus hat den Menschen die Kindschaft Gottes zurückgebracht, er hat sie als Erben Gottes bezeichnet. (Vgl. Gal. 4, 1–7; Röm. 8, 17; Eph. 1, 11.) Darüber sollte man sich doch auch seine Gedanken machen. Und warum ist es nicht möglich, dass dieser gütige und liebende Gott in dieser Welt eingreift und Ordnung schafft? Warum tut er es nicht? Er könnte es ohne Weiteres – er tut es nicht, er lässt dem Teufel die Macht.

Aber fragen wir einmal nach der Ursache, nach den Gründen. Eine Antwort darauf, warum Gott nicht eingreift und warum dieser Satan der Herrscher der Welt ist, kann man erst dann finden, wenn man die Ursache des irdischen Daseins kennt, wenn man darüber orientiert ist, wie denn eine Menschwerdung überhaupt zustande gekommen ist und warum es zu einer Menschwerdung gekommen ist. Es muss eine Ursache vorhanden sein, dass es überhaupt zu dieser irdischen Schöpfung gekommen ist. Und nach dieser Ursache muss man suchen, doch wenn man sich nicht dafür interessiert, wird man nie zum Licht der Wahrheit kommen.

Man muss wissen, woher man kommt und wohin man nach dem irdischen Tode geht – dass es eben ein Leben nach dem Tode gibt. Und man muss auch wissen, wie es in dieser andern Welt aussieht. Ja, auch darüber kann man den Menschen orientieren. Aber Glauben finden wird er ja erst, wenn er etwas von den Anfängen seines Daseins weiss und wenn er etwas von der Ursache des menschlichen Daseins Christi weiss. Warum musste Christus in dieses menschliche Dasein kommen? Das hatte doch seine Gründe. Kennt man diese Gründe nicht und interessiert man sich nicht dafür, wird man die Wahrheit nie erfahren. Dann bleibt es ein Rätsel, es bleibt ein Wunder. Doch Gott hat den Menschen und diese Schöpfung nicht geschaffen, damit es ein Rätsel und ein Wunder bleiben soll. Die Menschen sollen zur Erkenntnis kommen, und durch die Erkenntnis können sie dementsprechend ihr Leben gestalten. Durch ihren Glauben werden sie dazu geführt, ein anderes, besseres Verhältnis zum Leben und zum Mitmenschen zu haben. Sie werden sich ihrer Verantwortung bewusst. Denn das Menschsein auf dieser Welt bedeutet für jeden eine grosse Verantwortung. Und jeder wird zur Verantwortung gezogen werden, so wie Christus es angedeutet hat: “Und die, die das Gute tun, werden hervorgehen zur Auferstehung. Und die das Böse tun, werden hervorgehen zum Gericht.” (Joh. 5, 29.) Ja, die das Böse tun, die werden nach dem geistigen Gesetz verurteilt. Strafe wartet auf sie. Und je nach ihrem Vergehen kann die Strafe hart sein, sehr, sehr hart. Haben doch Menschen keine Ahnung, wie das vor sich gehen wird; sie haben keine Ahnung, in welcher Art und Weise nun dieser Übertritt vom irdischen ins geistige Dasein geschieht.

Dieses habe ich euch auch schon erklärt. Aber ich weiss, ich habe jedes Mal wieder neue Zuhörer hier, die überhaupt noch nie etwas auf diese Art und Weise vernommen haben, die es nicht begreifen und verstehen können, was ich jetzt zu euch rede – weil sie den Anfang [der Geisteslehre] nicht kennen. Aber sie mögen doch innerlich bereit sein für eine Aufnahme. Es nimmt sie wunder, was man ihnen alles erklären kann. Sie möchten schon gerne wissen, was Wahrheit ist. Wissen möchten sie es schon – ob sie sich aber dem höheren Denken und Wollen zuwenden, das ist wieder eine Angelegenheit für sich.

Und darum ist es notwendig, dass in dieser Gemeinschaft diese Lehre so aufgebaut wird und verschiedene Lehrgänge den Einzelnen belehren. Und zwar wird man es so machen müssen, dass man auch dem Unwissenden, dem Ungläubigen etwas geben muss; man muss ihm Bescheidenes darlegen, denn er ist nicht fähig, diese ganze Lehre in ihrem Endeffekt zu begreifen und zu verstehen. Er muss an die Anfänge zurückgeführt werden, und man muss ganz bescheiden versuchen, ihm zuerst darüber einige Erklärungen zu geben. Denn er tritt als Neuling da in eine Lehre hinein. Es ist wie bei einem Schüler, der die erste Klasse besucht; ihm wird ja auch nicht gleich Lehrstoff aus der höheren Mathematik vorgelegt, den er verstehen soll. So ist es auch mit der Christenheit, und so ist es mit der Verbreitung dieser Geisteslehre. Damit sie fruchtbar wird, muss es gezielt vor sich gehen. Und dafür werden wir besorgt sein und werden unsere Freunde genau orientieren, auf welche Art und Weise sie es tun müssen – für die Zukunft. Denn so viele Menschen sind da, die nach der Wahrheit hungern, die in Unkenntnis leben, und ihnen muss geholfen werden, und ihnen kann auch geholfen werden.

Wenn auch Anfechtungen kommen, lasst euch nicht beirren. Denn es ist verständlich, dass nicht gerne zugegeben wird, was man falsch gemacht hat. Das ist sogar bei alltäglichen Angelegenheiten des Menschen so; er hat viele Ausreden, wenn ihm etwas nicht gelungen ist und man ihm Vorwürfe macht, was er falsch gemacht hat. Zuzugeben, dass man es falsch gemacht hat, das ist nicht so leicht und gelingt nicht jedem. Ausreden sind viel schneller da. Und das ist jetzt in Bezug auf das allgemein Menschliche gesagt. Wenn es dann aber an die Substanz geht, dann wird man versuchen, sich zu wehren. Aber es nützt den Betreffenden nicht viel. Sie mögen sich wohl eine Zeit lang wehren. Aber es ist ja dem Menschen überlassen, was er glauben will, dieses oder jenes. Und wenn es dann so weit ist, dass jene Gebäude nur noch leer stehen oder für Theaterspiele vermietet werden – dann ist die Zeit gekommen, dann ist die Zeit der Reife angebrochen, wo die Wahrheit durchdringen kann. Und diese Wahrheit wird ihre Verbreitung finden. Denn Christus hat es gesagt: “Ich werde euch den Tröster senden bis in die Ewigkeit hinein”, das heisst: bis zu dem Zeitpunkt, da der ganze Heilsplan sich erfüllt hat.

Ja, liebe Geschwister, ich habe vielleicht etwas strenge Worte gesprochen, und ich muss sagen, ihr versteht es ganz gut. Es liegt nun an euch selbst, euch zu wandeln, euch zu diesem Glauben zu bekennen, das Eurige zu leisten für den weiteren geistigen Aufstieg. Denn wenn ihr dereinst in die Ewigkeit kommt, werdet ihr für das Gute, das ihr getan habt, belohnt. Und jene, die mit geistigem Wissen kommen, die werden im Besonderen ihre Aufgaben erhalten, und sie werden sich auch besonders darüber freuen, eine solche Aufgabe ausführen zu dürfen. Denn es kommen doch verstorbene Menschen in die Jenseitswelt, die einst in ihrer Welt viel Ansehen hatten und nun in der neuen Welt kaum beachtet werden. Sind sie bereit, sich in die Ordnung Gottes einzureihen, wird ihre Tätigkeit, die sie ausüben können, von ganz bescheidener Art sein; und sie werden froh sein, überhaupt eine Beschäftigung ausüben zu dürfen, und wenn sie noch so unbedeutend und noch so gering ist.

Ja, liebe Geschwister, der Mensch ahnt nicht, was ihm bevorsteht, wenn er seine irdischen Augen schliesst, wenn sein irdisches Augenlicht erlischt und die geistigen Augen sich auftun. Dann kommen die Fragen. Wer aber Erkenntnis hat, muss nicht fragen – so sagte es Christus schon zu seinen Jüngern: “Wenn ihr bei mir seid, dann werdet ihr keine Fragen mehr haben. Ihr werdet mich nicht mehr fragen.” (Joh. 16, 23.) Denn als sie dann bei Christus waren, wurde ihnen alles klar, was er ihnen auf Erden offenbart hatte. Denn dann wurde ihnen alles zum Erlebnis, was sie von ihm gehört hatten, und sie mussten nicht mehr fragen: “Meister, wie hast du das gemeint?” Es wurde ihnen alles klar.

Und so geht es dem Heimkehrenden. Der eine hat Fragen über Fragen, weil die neue Welt ihm fremd ist – in eine unbekannte Welt ist er eingetreten. Während der andere, der Erkenntnis hat, ja nicht erst zu fragen braucht. Er aber bittet um eine Arbeit, die sinnvoll ist für die Schöpfung und für den Heilsplan, die zur Ehre Gottes dient und die ihm auch Freude bereitet. Denn man ist nicht untätig in der Jenseitswelt. Da steht einem die Ewigkeit bevor, eine Zeit, die ihr nicht mit Jahren und Tagen wie auf dieser Erde berechnen könnt. Wohl gibt es eine geistige Zeitrechnung, aber die wird dem Heimkehrenden nicht offenbart. Er kommt in etwas Zeitloses hinein, er sieht keinen Anfang und kein Ende. Er ist in einer fremden Welt, und der eine interessiert sich dafür und möchte Fragen beantwortet haben. Aber je nachdem, wo er hingekommen ist, ist er umgeben von solchen, die ebenfalls nichts wissen und ihm keine Antwort geben können. Denn wer ohne geistige Erkenntnis in die jenseitige Welt eintritt, bleibt lange Zeit ohne Erkenntnis und weiss nichts – es sei denn, er darf Schulen besuchen und wird belehrt, über Gesetz und Ordnung unterrichtet.

So kommt es eben auf die geistige Entwicklung des Einzelnen an, wo er hinkommt. Denn es kann dem Heimkehrenden Verschiedenes geboten werden – dem einen nur Bescheidenes oder nur Strafe, einem andern viel Freude und Beglückung. Wer zu seinen Lebzeiten in Verbindung mit dem Göttlichen war, darf das göttliche Leben erleben. Er tritt ja ein in eine Welt, die er schon zu seiner menschlichen Zeit anerkannt hat. Jetzt kommt er in seine Heimat zurück und wird von den Seinen empfangen, und die Seinen freuen sich über seine Rückkehr, und die Freude wird gross sein.

Ich glaube, ich habe für diesen Abend genug geredet, und ihr habt dementsprechend genug zum Nachdenken. Tut es, es ist euch zum Nutzen. Es ist zum Nutzen für euch als Mensch, und es ist auch für den inwendigen Menschen, für euren Geist, für euer höheres Bewusstsein zum Nutzen. So entlasse ich euch mit dem Segen Gottes, auf dass ihr behütet und beschützt bleibt vor Not und Gefahr. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.1.1982 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 3/2026
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm