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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 3/2024 zum Thema Frieden finden
Geistige Welt 3/2024
Frieden finden
Beschreibung

“Friede den Menschen auf Erden!” Welch wunderbare Botschaft wurde den Menschen bei der Geburt Jesu Christi verkündet. Aber was bedeutet dieser Friede? Meist glaubt man, Frieden zu haben, wenn kein Krieg herrscht, wenn man seine Ruhe, keinen Streit mit dem Nächsten und keine Sorgen hat. Doch das ist bloss ein vergänglicher Friede, der von einem Tag auf den andern zunichtegemacht werden kann. Christus brachte den Menschen “nicht den Frieden, wie die Welt ihn gibt” (Joh. 14, 27), sondern den geistigen Frieden – den Frieden, der als Weg zurück zu Gott, in die wahre Seligkeit führt. Dieses Heft gibt einen weiten Überblick über die christliche Geisteslehre und macht so den Unterschied zwischen dem irdischen und dem geistigen Frieden klar. Es erläutert Ursprung und Sinn unseres Daseins und zeigt auf, warum viele Menschen ein schweres Leben durchzustehen haben und dass es geistig erstarkte Menschen braucht, die Not lindern helfen und zum Segen werden. Das Heft macht ferner deutlich, dass sich kein Mensch vor dem Tod sollte ängstigen müssen, sondern sich auf das freuen sollte, was danach auf ihn zukommt.

Themenheft 3/2024: Frieden finden

Inhalt
Tröstliche Worte aus der göttlichen Welt

Josef, 16. Oktober 1982

Tröstliche Worte aus der göttlichen Welt

”Friede den Menschen auf Erden!” Welch wunderbare Botschaft wurde bei der Geburt Jesu Christi den Menschen verkündet. Um diese Worte zu verstehen, bedarf es der Kenntnisse über den Ursprung und Sinn des irdischen Daseins. Geistlehrer Josef gibt in diesem Vortrag einen weiten Überblick über die christliche Geisteslehre. Er beleuchtet dabei verlorenes Wissen der Christenheit und macht bewusst: Kein Mensch sollte sich ängstigen müssen vor dem Tod, sondern er sollte sich freuen auf das, was auf ihn zukommt.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, man spricht heute viel über Frieden. Das Wort “Friede” ist ein wunderschönes, beglückendes, befreiendes, erlösendes Wort. Für diesen Frieden kämpfen Menschen. Auch von Religion wird gesprochen. Mit diesem Begriff bringt man eine Verbindung des Menschen zu Gott zum Ausdruck. Da nun so viel von Frieden geredet wird, besteht bei den Menschen auch ein Verlangen nach Frieden. Und warum reden sie von Frieden? Weil sie in einer Zeit von Unfrieden leben, haben sie das Verlangen nach Frieden.

Bei der Geburt des Erlösers wurde der Menschheit die Botschaft gegeben: “Friede den Menschen auf Erden – Friede!” (Luk. 2, 14). Wenn der Christenmensch sich überlegt, warum diese Botschaft seinerzeit den Menschen gegeben worden ist, dann muss er doch selbst zur Erkenntnis kommen, dass die Menschheit in einer Zeit von Unfrieden lebte. So wurde den Menschen diese Botschaft vom Frieden gegeben. Engel des Himmels waren es, die diese Botschaft verkündeten; der Himmel neigte sich der Erde zu und gab den Menschen diese Botschaft vom Frieden.

Es war der Himmel, der seine Tore öffnete und den Menschen die Botschaft brachte: “Friede den Menschen.” Und heute gibt es Christenmenschen, die nicht glauben, dass es je eine solche Botschaft gegeben hat. Sie glauben nicht daran, dass der Himmel sich geöffnet hat und diese Botschaft vom Himmel gekommen ist – sie wollen es nicht glauben.

Ich möchte mit folgendem Beispiel die Richtigkeit dieser Botschaft aufzeigen, dass sie eben in eine Zeit hineingegeben wurde, in der Unfriede herrschte. Wenn bei euch jemand zum Nachbarn, zu einem Verwandten oder Bekannten geht, in sein Haus eintritt und sagt: “Ich will euch den Frieden bringen, ich will mit euch Frieden machen; ich will, dass wir in Frieden miteinander leben”, und sie haben gar keinen Unfrieden, so sind diejenigen, die das vernehmen, erstaunt, denn sie leben ja nicht in Unfrieden. Es stimmt da also etwas nicht. Denn wenn jemand zum andern geht und sagt: “Ich will Frieden haben mit dir, ich will Frieden schliessen mit dir”, dann muss doch ein Streit vorausgegangen sein. Man macht doch dann Frieden mit dem andern, wenn ein Streit vorausgegangen ist.

Wenn dieses nun auf die Menschheit übertragen wird und in die christliche Religion, in der stets an Weihnachten die Menschen daran erinnert werden, dass Christus geboren wurde und dass der Menschheit Friede [mit dem Himmel] gebracht worden ist, so geht doch daraus hervor, dass die Menschheit im Unfrieden lebte. Und weil sie im Unfrieden lebte, musste einer kommen und den Frieden bringen, den Frieden unter die Menschen verbreiten. Diese Friedensbotschaft hatte also eine Ursache.

Wenn nun heutige Menschen nicht glauben und nicht verstehen können, dass es wahrhaftig eine solche Botschaft gegeben hat, ist dies begreiflich, denn sie kennen ja den Sinn der Schöpfung nicht, und sie fragen auch nicht danach. Sie fragen auch nicht nach dem Sinn ihres Lebens, sie kennen den Sinn ihres eigenen Lebens nicht. Und so kennen sie auch den Sinn der Menschwerdung Christi nicht. All das ist ihnen fremd.

Warum aber wird in der christlichen Lehre nicht auch der Sinn der Schöpfung erklärt? Warum wird nicht über die Ursache und den Grund dieser Schöpfung gesprochen, über die Ursache der Menschwerdung Christi und über Ursache und Sinn des eigenen Lebens? Man sollte doch dem Menschen den Sinn des Lebens erklären und ihn darauf aufmerksam machen, dass es notwendig ist, seinem Leben einen Sinn zu geben, dass er nicht in der Vorstellung lebt, sein Leben habe keinen Sinn. Denn es sind der Menschen noch viele, die in ihrem Leben keinen Sinn finden und ihr Leben als sinnlos betrachten. Solche Menschen aber, die den Sinn ihres Lebens nicht kennen, die den Sinn der Schöpfung nicht erfassen, können nicht zum Glauben geführt werden. Daher gehört es zum Notwendigsten, den Menschen – und im Besonderen den Christenmenschen – in erster Linie einmal über den Sinn der Schöpfung aufzuklären, ihn an den Ursprung der Schöpfung zurückzuführen und ihm zu erklären, dass die Menschwerdung Christi eben einen Sinn hat und dass auch die eigene Menschwerdung einen Sinn und einen Zweck erfüllt.

Doch das ist ein schwieriger Weg. Aber auch seinerzeit, als Christus lehrte, war es schwer für ihn, den Menschen diese Zusammenhänge fassbar zu machen. So hat er doch so vieles in Gleichnissen geredet und sozusagen bei jeder Gelegenheit davon gesprochen: “Ich bin das lebendige Wasser” (vgl. Joh. 4, 10); “ich bin das lebendige Brot” (Joh. 6, 35). “Ich bin das lebendige Wasser” – diese Worte hören Menschen, Christen, auch heute noch; aber diese Worte gehen an ihnen vorbei. Sie machen sich ihre Gedanken und stellen sich vor: “Ja, ohne Wasser kann man eben nicht leben”; doch den wahren Sinn dieser Worte kennen sie nicht.

Ich möchte euch da auf Folgendes aufmerksam machen: Wenn Menschen eine Zeit lang keinen Regen haben, es eine Dürrezeit gibt, dann hungern Menschen und Tiere, und Pflanzen gehen zugrunde. Sie können also ohne Wasser nicht leben. Wenn es zu lange dauert und es kein Wasser gibt, wird der irdische Tod sie von dieser Welt wegrufen. Sie werden sterben, denn ohne Wasser gibt es kein Leben. Doch sie sterben nur den irdischen Tod. Christus aber sagte: “Ich bin das lebendige Wasser. Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stirbt.” (Vgl. Joh. 11, 25.) Mit diesen Worten machte er ja darauf aufmerksam, dass man sterben muss; aber wer an ihn glaubt, der wird leben. Denn Christus ist Leben und bringt Leben, er bedeutet Leben. Er verhiess: “Ich bin das ewige Leben.”

Es ist meine Aufgabe und meine Pflicht, euch Menschen auf die Wahrheit aufmerksam zu machen. Ihr kommt hierher, ihr möchtet immer gerne etwas hören, was zum Teil auch eure Neugierde befriedigt, was für euch neu ist, etwas, von dem ihr sagen könnt: “Ja das habe ich nicht gewusst, das habe ich nicht geahnt; das ist für mich jetzt neu.” Aber ist es nicht auch neu für den Menschen, wenn er die Wahrheit erfasst und wenn er vor dieser Wahrheit nicht davonläuft?

Christus selbst sagte: “Den Geist der Wahrheit, den könnt ihr nicht sehen. Ihr könnt nicht an ihn glauben, weil ihr ihn nicht sehen könnt. Weil es etwas ist, das nicht fassbar ist, darum könnt ihr den Geist der Wahrheit nicht sehen.” (Vgl. Joh. 14, 17.) Also ist es für den Menschen schwer, die Wahrheit überhaupt zu erfassen. Und wenn euch schon diese Wahrheit verkündet und euch erklärt wird, so muss es doch so sein, dass diese Wahrheit in das Innerste des Menschen dringt, dass er anfängt, sich Überlegungen zu machen. Wohl ist es recht und gut, dass die Menschen, die gläubig sind, beten. Der Gläubige muss beten, und er soll zu Christus beten, er soll zu Gott beten und ihn bitten; und ganz besonders, wenn er irgendwelche Probleme hat, soll er sich im Gebet an Gott wenden, an Christus und an die Geisteswelt.

Das ist nun meine Aufgabe, euch die Wahrheit zu bringen. Ich möchte und muss euch Menschen auf diese andere, diese feinstoffliche Welt aufmerksam machen, in die man nach dem irdischen Tode zurückkehrt. Denn von dieser anderen, feinstofflichen Welt wird so wenig gesprochen. Ja man versucht es zu vermeiden, etwas darüber reden zu müssen. Warum denn? Wer diese andere, diese feinstoffliche Welt nicht anerkennen will, dem kann auch keine Antwort gegeben werden, der wird nie eine Antwort finden auf seine Fragen, die er hat. Und wenn der Mensch nicht auf den Ursprung des Lebens zurückgeht, kann man ihm auch keine Antwort geben. Zuallererst muss er zum Ursprung des Lebens zurückkehren. Davon aber wird in der christlichen Lehre wenig oder überhaupt nichts geredet.

So steht der Mensch da in seiner Welt und wird veranlasst, eben das anzunehmen, was ihm gegenwärtig verkündet wird – was Menschen in der Gegenwart von dem zu erfassen vermögen, was in der Vergangenheit geschehen ist. Wenn Menschen aber versuchen, die Wahrheit zu finden, so ist ihnen dies durchaus möglich. Doch dabei sind bestimmte Dinge unbedingt zu befolgen, sonst kommen sie nie zu einer Antwort.

Es gibt Menschen, die sagen: “Ich kann Gott nicht sehen, Gott lässt sich ja nicht blicken. Wir können ihn ja nicht schauen. Wie sollen wir an einen Gott glauben, der sich uns nicht offenbart, den man nicht erleben kann?” Und gerade hier, durch Menschen, die solches sagen, findet ihr die Bestätigung. Solchen Menschen kann doch nur eine Erklärung gegeben werden, wenn man versucht, ihnen den Sinn der Schöpfung und den Sinn ihres eigenen Lebens darzulegen und dann von Christus zu erklären: dass er mit einem Auftrag in diese Welt gekommen ist, weil diese Welt in einem grossen Unfrieden lebte, und dass Christus von sich sprach: “Ich bin das Gesetz. Ich bin das Gericht. Ich bin der Jüngste Tag.” (Vgl. Joh. 5, 22 und 27; 6, 40.)

Auf verschiedene Art und Weise hat Christus versucht, den Menschen Erklärungen zu geben. Aber es war Christus ganz und gar unmöglich, den Menschen von damals, die in ihrem Leben und Denken so bescheiden waren, die ganze Wahrheit zu offenbaren. Sie hätten diese Wahrheit nicht erfassen können. Und so versprach er ja, den Geist der Wahrheit zu senden (vgl. Joh. 16, 13).

Und wenn nun der Geist der Wahrheit kommt und Aufklärung bringt, Erklärungen gibt, so tun sich die Menschen trotzdem noch sehr schwer damit und wollen es nicht glauben. Auch wenn ihnen die Wahrheit offenbart wird, haben sie es schwer, sie zu glauben – und dies nach bald zweitausend Jahren! Dafür gibt es doch einen Grund, eine Ursache muss vorhanden sein, dass die Menschen heute keine besseren Erkenntnisse haben.

In wunderbarer Weise hat Christus mit dem Vater das Gesetz für den Aufstieg der Abgefallenen geschaffen – für den Aufstieg der Menschen zurück in die wahre Heimat. Aber den Menschen muss auch erklärt werden, unter welcher Herrschaft sie auf Erden immer noch stehen. Ehe Christus geboren wurde und seinen Erlösungsauftrag erfüllte, lebten die Menschen unter der Herrschaft eines Fürsten, der uneingeschränkte Macht über sie ausübte, der über sie herrschte, sie quälte, sie unglücklich machte – sodass jene Menschen eben in einem Verlangen nach Frieden waren. Sie wollten Frieden haben, aber sie kannten den Grund und die Ursache nicht, warum sie so gepeinigt und gequält wurden. Die Menschen von dazumal lebten in einer solchen Bedrängnis, und so viele von ihnen waren von bösen Geistern besetzt. So viel Unglück kam damals über die Menschen, und sie nahmen es hin.

Propheten kamen, und sie kündeten von einer besseren Zeit, von einer Befreiung, von einer Erlösung von diesen Qualen, diesen Bedrängnissen. Aber sie vermochten auch nicht, den Menschen die ganze Wahrheit darzulegen – die Menschen hätten es nie begriffen, nie verstanden. Und heute? Man sollte doch meinen, dass es nun an der Zeit wäre, dass die Menschen anfangen würden, ihre Überlegungen zu machen und sich zu fragen: “Wenn doch damals diese Botschaft des Friedens verkündet wurde, ‘Friede den Menschen auf Erden’, warum haben wir keinen Frieden? Was mag wohl die Ursache und der Grund dafür sein?”

Das ist nämlich auch ein Grund, den Menschen anführen, dass sie nicht glauben können: “So viele Ungerechtigkeiten passieren in der Welt, so viel Unheil kommt über diese Welt” – doch dieses Unheil ist von Menschen gemacht. Sie sagen: “Gäbe es einen gütigen, einen barmherzigen Gott, von dem ja geredet wird, so würde er einschreiten; aber dieser gütige und barmherzige Gott schreitet ja nicht ein – also kann man auch nicht an ihn glauben.” Das ist ein sehr häufiger Einwand von Menschen. Sie können nicht glauben, weil sie Gott nicht sehen und weil sie zu viel Bedrängnis erleben müssen und von Bedrängnissen hören und vom Unfrieden der Menschen. Und dies trotz der Botschaft des Friedens, die damals der Menschheit verkündet worden ist.

So ist es doch wahrhaftig notwendig, dass man den Menschen auch darauf aufmerksam macht, welche Aufgaben er persönlich hat und welche Pflichten er selbst zu erfüllen hat. Er muss erkennen, dass sein Leben einen Sinn hat und dass er zur Verantwortung gezogen wird für alles, was er tut und was er spricht – für alles. Nichts geht verloren, kein Wort, das er gesagt. Alles, auch seine Gesinnung, ist festgehalten – nichts geht verloren, nichts geht unter. Seine Gesinnung wird offenbar werden an seinem jüngsten Tag, den er erlebt, das heisst an dem Tag, an dem [nach seinem Erdenleben] in der geistigen Welt über ihn gerichtet wird.

Von dieser feinstofflichen, geistigen Welt sollte viel mehr gesprochen werden. Wenn man dem Menschen klarzumachen versucht, dass er nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde – denn der Mensch wurde nach dem Bilde Gottes geschaffen, wie es in der Bibel steht (1. Mos. 1, 27; Weish. 2, 23) –, dann sollte er sich doch darüber auch seine Gedanken machen. Nach Gottes Bilde wurde er geschaffen. Doch Gott ist nicht Mensch, Gott ist Geist. Also ist er [der Geist im Menschen] nach dem geistigen Bildnis Gottes geschaffen worden. Eine geistige Gestalt hat der Mensch, wie Gott sie hat. Dafür haben Gott und Christus gesorgt. Und wenn man von Christus spricht, sollte man auch über jene Zeit reden, da er mit seinem Vater noch allein zusammenlebte. Man sollte von dieser feinstofflichen Welt sprechen und es dem Menschen klarmachen, dass nach seinem Ableben das Leben weitergeht und dass man ihn zur Verantwortung zieht für alles; dass alles, was er im Erdenleben getan, alles, was er gesprochen, offenbar wird – dass sein Leben einen Sinn hat.

Betrachtet ihr aber jene Menschen von heute, denen es nichts ausmacht, zu rauben, zu stehlen und Menschen umzubringen, so haben jene doch wahrhaftig kein Gefühl für Verantwortung; sie kennen wahrhaftig den Sinn ihres Lebens nicht und den Sinn der Schöpfung überhaupt nicht. Was hat da die Religion dem Menschen zu sagen? Dem Menschen muss die Wahrheit offenbart werden; doch der Mensch darf vor der Wahrheit nicht davonlaufen. Aber er will ja die Wahrheit nicht hören, er will sie nicht hören. Und diesem Menschen muss klargemacht werden, dass er nur Gast auf dieser Erde ist, dass er Gottes Gastrecht geniesst, zeit seines Lebens nur Gastrecht geniesst, dass es einen Gastgeber gibt und dass er nach seinem Ableben zu diesem Gastgeber zurückkehrt und dass dieser ihn zur Rechenschaft ziehen wird.

Ein Mensch aber, der die Ursache der Menschwerdung und auch die Ursache der Schöpfung nicht kennt, wird sich sagen: “Ich glaube das nicht. Nachdem ich gestorben bin, ist alles aus.” Ein solcher hat weder eine Beziehung zu Gott noch eine Beziehung zur feinstofflichen Welt. Es ist ihm alles gleichgültig, alles ist ihm fremd.

Mit der Zeit sollte es jedoch möglich werden, dem Menschen die Verantwortung aufzuzeigen, die er trägt – für sich selbst und für den Mitmenschen. Und wenn es heisst: “Der Mensch wurde nach dem Bilde Gottes geschaffen, nach dem Bilde Gottes wurde er geschaffen”, da muss er sich auch seine Gedanken darüber machen, dass er das Bildnis Gottes in sich trägt. Und was ist zu verstehen unter diesem Bildnis Gottes, nach dem er geschaffen ist?

Es ist so vieles zu sagen, so vieles wäre zu erklären. Auch mir fällt es jeweils schwer, es euch so verständlich darzulegen, dass ihr glauben könnt und anfangt, euch mit der Wahrheit zu befassen.

Seinerzeit schon fragten die Jünger Christus nach dem Vater, denn er redete so viel von seinem Vater. Er sprach: “Der Vater ist in mir, und ich bin im Vater” (vgl. Joh. 10, 38). So wollten schon die Jünger den Vater sehen: “Zeige uns doch den Vater; wir möchten ihn sehen” (vgl. Joh. 14, 8). Es war für Christus selbst doch enttäuschend, sehr enttäuschend, zu erleben, dass seine Jünger ihn auch nicht verstanden, wo er ihnen doch so viel Zeit opferte, mit ihnen allein war und ihnen manches näher erklärte und besser deuten konnte, als wenn er in der Allgemeinheit lehrte. Er war mit seinen Jüngern so verbunden. Er konnte ihnen den Himmel auftun und erzählte ihnen Einzelheiten aus diesem Himmel und vom gemeinsamen, glücklichen Leben mit jenen guten Geistern. Er erzählte ihnen von dem wunderbaren Himmelreich, wie man dort miteinander lebt, wie man miteinander spricht.

So vieles erklärte Christus in den gemeinsamen Stunden mit seinen Jüngern, was er in der Öffentlichkeit und in den Betsälen, in der Synagoge, im Tempel nicht sagen konnte. Er betrachtete die Jünger doch als seine Brüder, und er wollte ihnen Beweise dafür geben, von wo er kam. Er sagte es ihnen auch: “Ich komme von oben.” Doch zu den Menschen, da, wo er lehrte, sagte er auch: “Ich komme von oben, aber ihr kommt von unten. Ich komme vom Himmel, ihr aber kommt von unten.” (Vgl. Joh. 8, 23.)

Darüber machte man sich damals keine besonderen Gedanken. Und auch heute noch, würde ich sagen, gibt es Menschen, Christen, die sich keine Gedanken darüber machen. Es lässt sich einfach anhören: “Christus kommt von oben.” Wie man sich jedoch das Oben vorstellt – ein jeder so, wie es ihm möglich ist, sich eine Vorstellung davon zu machen. In Wirklichkeit aber haben die Menschen keine Ahnung, sie haben keine Ahnung von dieser feinstofflichen Welt, wie sie wahrhaftig ist. Dabei ist ja der Mensch [dank Christi Erlösungstat] wieder Erbe geworden von dieser feinstofflichen Welt, dieser Ewigkeit, denn der Himmel ist eben die Ewigkeit.

Christus sprach zu seinen Jüngern, als es gegen Ende seines Erdenlebens ging, auch davon, dass man ihn bald nicht mehr sehen werde. Da wurden die Jünger traurig, denn sie fühlten sich doch ohne Christus verloren, verlassen, einsam und ihres Lebens nicht mehr sicher. Und Christus sagte: “Warum seid ihr traurig? Freut euch doch, dass ich hingehe zum Vater. Denn da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen. Ich kehre zurück in eine glückliche, herrliche, schöne Welt.” (Vgl. Joh. 14, 3 und 16, 20.) Er versuchte ihnen diese Welt zu offenbaren und zu erklären, was alles man in dieser Himmelswelt erleben kann: welch wunderschöne Orte es dort gibt, was alles an Beglückung und Freude den Heiligen des Himmels geboten wird und dass sie dies alles auch erleben würden, dass ja diese Zeit auch für sie wieder kommen werde. Sie sollten sich freuen, wenn er nun zum Vater zurückgehe. Denn er bleibe ja im Geiste bei ihnen – seinen Jüngern –, im Geiste sei er mit ihnen verbunden.

Christus sprach so viel von dieser feinstofflichen Welt, von diesem Himmelreich. Er gab ihnen auch zu verstehen, dass es ein ewiges Leben gibt, ein Leben in Licht, und dass dies der Himmel sei, die Welt, wo er mit seinem Vater zusammenlebe. Es gebe aber noch eine andere Welt, und das sei das Reich der Finsternis. In jenes Totenreich seien sie [bislang] nach ihrem Tode zurückgekehrt; dort sei kein Leben, dort sei nur Tod. So gab er ihnen zu verstehen, dass es ein Totenreich gebe. Doch es gebe auch ein himmlisches Reich, ein ewiges Leben – und er sei es, der nun Licht in diese Welt bringe: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Joh. 14, 6).

So sagte Christus auch: “Ich bin das Gericht” (vgl. Joh. 9, 39). In diesem Gericht ist der Weg [des Aufstiegs und der Heimkehr] vorgezeichnet und die Wahrheit enthalten. Und Christus ist Leben, ewiges Leben – Christus gibt Leben, und er ist Leben. Dieses hatte er verheissen: “Ihr müsst wieder zurück in die himmlische Heimat. Ihr müsst wieder vereint werden mit mir.” Christus fand gläubige Menschen, und er gab Beweise, dass er der wahrhaftige Sohn Gottes war. Denn keiner vor ihm hatte diese Wunder getan, die er wirkte. Er sprach es auch aus: “Ich gab Zeugnis von meiner Herkunft, ich zeigte euch den Himmel” (vgl. Joh. 8, 14–18). Doch die Menschen vermochten trotzdem nicht die ganze Wahrheit zu verstehen.

Wenn Christus, wie es in der Bibel steht, hinabgestiegen ist zur Hölle, ja was hat er denn getan in der Hölle? Wenn er in die Hölle hinunterging und dort zum Jüngsten Gericht angetreten ist, dann hat er etwas in Ordnung gebracht, was er in Ordnung bringen musste. Er hatte etwas zu bereinigen. Er stellte sich jenem Fürsten der Hölle gegenüber und machte ihm seine Rechte streitig. Aber man muss den Christenmenschen erklären, warum Christus in die Hölle hinabsteigen musste. Er hatte als Geist den Kampf gegen den Geist Luzifer aufgenommen – von Geist zu Geist ging der Kampf. Denn seinerzeit beim Abfall ging der Kampf auch von Geist zu Geist. In der unsichtbaren Welt hatte sich einst das Ganze abgespielt, und in der unsichtbaren Welt ist es wieder bereinigt worden.

Dazwischen [in jenen langen Zeiträumen] mussten Möglichkeiten zu einer Bereinigung geschaffen werden. Darum hatte Christus mit dem Vater einen Plan zur Rückkehr der Abgefallenen geschaffen. Sie wollten doch diese Geschöpfe wieder zurückhaben, und mochte es auch Milliarden von Jahren gehen. Sie alle sollten doch wieder dahin zurückkehren können, von wo sie beim Sturz ausgegangen waren.

In der Christenheit spricht man auch vom Paradies von Adam und Eva. Menschen meinen, dieses Paradies wäre auf Erden gewesen. Doch dieses Paradies war nicht auf Erden; darauf habe ich euch des Öftern schon hingewiesen und euch auch Erklärungen gegeben, wozu dieses Paradies auch heute noch seine Dienste leistet. Man hatte einst die Möglichkeit geschaffen für eine Rückkehr auf einem weniger schwierigen Weg und hoffte, die Abgefallenen würden es auf diesem geistigen Weg schaffen. Doch dies gelang wegen erneuten Ungehorsams nicht. Adam und Eva waren geistige Wesen, und gemeinsam mit ihnen lebten noch viele andere geistige Wesen im Paradies. Adam und Eva waren nicht allein, wie es im Allgemeinen erklärt wird, wenn man von diesem Paradies spricht. Ja sie waren die führenden, die massgebenden Geister und verantwortlich für das, was ihnen aufgetragen worden war. Hätten sie dies erfüllt, dann hätten alle ihren Nutzen gehabt. Da Adam und Eva aber den Gehorsam nicht erbracht hatten, fiel diese Belastung auf alle. Und sie wurden aus dem Paradies vertrieben. Dies steht auch in der Bibel. (Vgl. 1. Mos. 3, 23–24.) Warum macht man sich nicht nähere Gedanken darüber?

Wenn ich euch immer wieder auffordere: “Denkt nach, macht euch eure Gedanken darüber”, so will ich damit sagen: Betrachtet doch die Religion oder den Glauben, wie er heute den Menschen verkündet wird – dass doch mancher eben nicht mehr glauben kann. Die Gewalt, die einst die Gläubigen zusammengehalten hatte, kann hierzulande nicht mehr zum Ausdruck kommen wie einst; also ist in dieser Beziehung ein Schritt aufwärts getan worden, denn es kann heute nicht mehr auf diese Art und Weise geschehen, dass der Mensch mit Gewalt zum Glauben gebracht wird und er das glauben muss, was man ihm vorsetzt. Daher sage ich euch immer wieder: Überlegt, ringt nach höheren geistigen Erkenntnissen, und ihr werdet selber die Antwort bekommen. Massgebend ist, dass man selber zu eigenen Erkenntnissen gekommen ist und sich sagen muss: “Ich weiss, es ist so – genau so. Man kann mir nichts vormachen. Ich bin überzeugt, dass es so und so ist.”

Doch um diese Erkenntnisse muss der Mensch ringen. Und es wird ihm leichter gemacht, wenn man ihn auf die hauptsächlichen Dinge aufmerksam macht und ihm erklärt: “Du wirst nur dann die Antwort finden, wenn du zum Ursprung des Lebens zurückkehrst und nach dem Sinn der Schöpfung fragst, wenn du den Sinn erfasst hast, warum Christus in dieses Dasein gekommen ist. Dann wird dir auch auf wunderbare Weise die Schöpfung offenbar werden. Du wirst zur Erkenntnis kommen, welche Wandlungen und Umwandlungen sich in der Schöpfung Gottes vollziehen, wie es da ein Aufwärtssteigen gibt von dem Unbedeutenden, dem, was man als unwichtig betrachtet. Dann sieht man in allem, was da geschaffen worden ist, einen Sinn und einen Zweck und erkennt, dass es geplant worden ist, dass das nun zu diesen Aufstiegsmöglichkeiten gehört – dass es für das Unbedeutendste eine Möglichkeit gibt, sich zu entfalten, seinen [ursprünglichen] Platz wieder einzunehmen. Man erkennt, dass alles einen Sinn hat, dass gar nichts Sinnloses geschaffen wurde.

Denn alles, was geworden ist, sei es im Himmel oder auf dieser Erde, ist durch Christus geworden” (Kol. 1, 16). Folglich sollte doch die feinstoffliche Welt vom Einzelnen auch erlebt werden können. Es ist ja nicht so, dass sie abgeschlossen ist und man keinen Blick in diese feinstoffliche Welt tun könnte. Der Himmel hat ja seine Schleusen aufgetan, um die Botschaft zu verbreiten: “Friede den Menschen auf Erden.” Diese Botschaft sollte dem Menschen, der zu höherer Erkenntnis gekommen ist, eben mehr bedeuten, es sollten für ihn nicht leere Worte sein. Er sollte in diese Schöpfung hineintreten können, sie miterleben können in ihrem ganzen Aufstieg.

Kein Mensch, der da lebt, sollte sich ängstigen müssen vor dem Tod. Er sollte sich freuen auf das, was auf ihn zukommt und ihn beglücken wird. Aber dazu muss er als Mensch das Seinige leisten. Es darf keine Ungerechtigkeit, kein Unfriede und keine Herrschsucht in ihm sein – nur göttliche Gesinnung. Und diese göttliche Gesinnung sollte den ganzen Menschen prägen. Denn das Göttliche, das er bei seiner geistigen Schöpfung bekommen hat, ging ja [beim Abfall] nicht verloren; es mag nur verschlossen, eingeschlossen sein. Und so sollte doch ein jeder seinen Mitmenschen auch als göttliches Geschöpf betrachten dürfen – ich sage: als göttliches Geschöpf. So sollte jeder Mensch wissen, welche Pflichten, welche Aufgaben er hat und dass er zur Ehre Gottes leben sollte.

Zu Gottes Ehre leben sollte der Mensch, denn er ist Gottes Gast, da in dieser vergänglichen Welt. Gast ist er, und er geniesst das Gastrecht der Welt. Er geniesst aber das, was die Welt ihm zu bieten hat; er geniesst nicht das, was die Ewigkeit zu bieten hat. Doch es kommt darauf an, welche Werte er in die Welt der Ewigkeit zurückbringt, was er mit seinem Leben gemacht hat, was er für den Heils- und Ordnungsplan Gottes getan – auf das kommt es an. Das sind geistige Werte, Werte, die man nicht sieht. Ein Mensch kann geistig schöpferisch tätig sein – man sieht nicht, was er tut. Obwohl man es nicht sieht, kann es gerade von grösster Bedeutung sein. Nicht immer birgt das, was ihr mit euren irdischen Augen erfassen könnt, auch geistige Werte.

Denkt daran: Wenn die Stunde für euch kommt, da ihr die irdische Welt verlasst, könnt ihr nichts mitnehmen. Das, was der Welt gehört, behält sie. Die Welt hat ihren Reichtum, und diesen Reichtum behält sie und lässt ihn wieder vererben. Das ist das Recht der Welt. Das hat aber mit der Ewigkeit nichts zu tun. Denn in das ewige Leben, in das Leben des Lichts, nimmt man keine irdischen Werte mit. Nichts davon nimmt man mit – nur das, was man sich in seiner Seele aufgebaut und erworben hat, was geistig sinnvoll ist, was Menschen beglücken kann, was Menschen in ihrem geistigen Aufstieg fördert und Menschen den Weg zur Wahrheit finden lässt.

Dass Menschen die Wahrheit finden, dafür stehe ich da und rede [als Geist der Wahrheit] zu euch. Ich sage auch immer wieder: Lasst das, was ich sage, nicht einfach nur so an euch herunterrieseln. Die Antwort auf alles bekommt ihr nur, wenn ihr an den Anfang zurückkehrt. Den Weg zu diesem Anfang müsst ihr finden können, dann werdet ihr auch die Antwort bekommen. Ihr müsst so weit zurückkehren können bis zu eurer geistigen Erschaffung.

Ihr seid nach dem Bilde Gottes geschaffen – nach dem Bilde Gottes. Aber diese Erschaffung hat nicht in der irdischen Welt stattgefunden. Diese geistige Erschaffung hat einst im geistigen Reiche stattgefunden. Dass ihr einen irdischen Leib habt, eure geistige Gestalt eingekleidet wurde mit einem irdischen Gewande, das ist die Folge von einem Geschehen in der geistigen Welt. Und dieses irdische, vergängliche Kleid habt ihr wieder abzulegen – ein jeder –, und dann steht ihr wieder in eurem geistigen Gewande da. Das Geistige ist von Bedeutung, das müsst ihr erringen. Und jeder wird sich glücklich schätzen, wenn er das erreicht hat, wenn er einst in der Jenseitswelt ist und alles, was ich gesagt habe, erlebt und als wahr erkennt. Dann wird er froh sein über all jene Dinge, die er getan hat, was man ihm empfohlen hat zu tun: dass er sich nach dem Geistigen, dem Ewigen, ausgerichtet und sich nicht allzu sehr der irdischen Welt verschrieben hat. Dann werdet ihr die Antwort jenen geben können, die nicht glauben und sagen: “Wenn es einen Gott gäbe, liesse er diese Ungerechtigkeiten nicht zu.”

Wer die Verantwortung sieht, die er als Mensch hat, wer nicht so sehr nach Besitz und Macht trachtet, nicht Herrschsucht ausübt, wer diese Untugenden zurückstellt und nicht mehr Knecht jenes Luzifer wird und ist, dem wird sich dann auch eine andere Welt auftun.

So ist es die Pflicht und die Aufgabe des Menschen – ganz besonders des Menschen von heute –, dass er dementsprechend wirkt und versucht, den Mitmenschen zu überzeugen, welch hohen Sinn und grosse Bedeutung sein Leben hat und dass er seinem Leben auch einen Sinn und eine grosse Bedeutung gibt. Denn er wird dereinst für alles zur Rechenschaft gezogen.

Liebe Geschwister, so kann ich euch nur sagen: Denkt darüber nach, und tut das euch Mögliche für euren Frieden, für euren Frieden in der Familie, für euren Frieden in der Umgebung, für den Frieden der Welt. Denn ich habe am Anfang gesagt: Das Wort “Friede” ist ein wunderbares Wort. Wird dieser Friede wirksam, ist er beglückend, befreiend. Es ist ein so harmonisches Wort: “Frieden bringe ich euch, Frieden gebe ich euch”, so sprach Christus, der Herr (Joh. 14, 27).

Nun, liebe Geschwister, Gottes Segen und seine Kraft mögen in euch dringen und euch in eurem Leben führen und begleiten, dass ihr den richtigen Weg findet. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 16.10.1982 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Der Unterschied zwischen dem irdischen und dem geistigen Frieden

Josef, 11. März 1978

Der Unterschied zwischen dem irdischen und dem geistigen Frieden

Geistlehrer Josef unterrichtet in diesem Vortrag über die Bedeutung des Friedens, den Christus der Menschheit gebracht hat. Als Mensch glaubt man, den Frieden zu haben, wenn man seine Ruhe hat, wenn man keinen Streit mit dem Nächsten und keine Sorgen hat. Doch das ist ein vergänglicher, weltlicher Friede, der von einem Tag auf den andern zunichtegemacht werden kann. Mit dem Frieden, von dem Christus sprach, ist etwas anderes gemeint: Es ist ein geistiger Friede, es ist der Friede der Seele, der Ewigkeitswert hat und zurück zum Vater führt.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Christus sprach: “Frieden gebe ich euch, Frieden hinterlasse ich euch. Aber nicht wie ihn die Welt gibt, gebe ich den Frieden. Es kommt der Fürst der Welt; an mir hat er nichts. Er geht um.” (Joh. 14, 27 und 30.) Das sprach Christus zu seinen Jüngern, kurze Zeit bevor seine Leidenszeit begann.

“Frieden gebe ich euch, Frieden hinterlasse ich euch.” Man sollte darüber nachdenken, welche Bedeutung diese Worte haben. Denn man kann sich auch die Frage stellen: Ist denn dieser Welt wahrhaftig Friede gegeben worden? Ist es dieser Friede, von dem Christus sprach und von dem die Menschen glauben, ihn zu verstehen? Dieser Friede ist es nicht.

Christus aber sagte ausdrücklich: “Ich hinterlasse euch den Frieden”, doch er meinte nicht den Frieden, wie ihn die Welt kennt und wie die Welt ihn gibt. Denn für manche Menschen bedeutet Friede gutes Einkommen, gut zu leben, keine Sorgen, keine Probleme, keine Neider zu haben, seine Ruhe zu besitzen. Das mag dem einen oder andern für seinen Frieden genügen. Dies ist aber eben weltlicher Friede, der der Vergänglichkeit gewidmet ist. Doch es gibt einen anderen Frieden: den Frieden der Seele. Und diesen meinte Christus. Wie schon dazumal können auch heute die Menschen dieses nicht unterscheiden.

Christus meinte so vieles im geistigen Sinne. Verstehen kann man seine Worte nur, wenn man dieser Wahrheit nähergekommen ist, wenn man die Worte, die Christus gesprochen hat, in der geistigen Sprache erkennt und erfasst, dass alles seinen geistigen Hintergrund, seinen Ursprung im Geistigen hat. Denn ehe Christus in das menschliche Dasein kam, gab es für die Menschen den Frieden der Seele gar nicht. Aber sie konnten den Frieden der Welt haben, wenn sie um sich Menschen hatten, die sich mit ihnen nicht stritten, wenn sie keine Neider hatten, keine Probleme und wenn sie das besassen, was ihnen das Leben angenehm machte – dann war für sie der Friede vorhanden. So verstanden es die Menschen und glaubten, im Frieden zu leben, wenn man keine Neider hat, wenn man nur auf sich selbst ausgerichtet und mit sich selbst zufrieden ist. Aber das alles ist der Vergänglichkeit unterworfen. Das ist ein Friede vielleicht von einem oder mehreren Tagen, vielleicht auch von Wochen oder sogar von wenigen Jahren; aber von einem ewigen Frieden ist nicht die Rede.

Christus aber wollte den Menschen den ewigen Frieden hinterlassen. Diesen Frieden wollte er in die Seele der Menschen bringen und ihnen verständlich machen. Doch die Menschen von dazumal verstanden es nicht, so wie auch heute die Menschen nicht verstehen, was mit diesem Frieden wahrhaftig gemeint ist, wenn sie die Geisteslehre nicht kennen.

Wohl sind dies schöne Worte für den Gläubigen, wenn er daran erinnert wird, dass Christus gesagt hat: “Den Frieden bringe ich, den Frieden hinterlasse ich euch.” Aber er sagte auch ausdrücklich: “Nicht wie die Welt ihn sieht, gebe ich den Frieden.” Er meinte also einen anderen Frieden, er meinte den Frieden, der mit seinem Auftrag zu tun hatte. Von diesem Frieden sprach er, und dieser Friede hat auch heute noch seine Gültigkeit. Aber etwas von diesem Frieden verstehen kann man erst, wenn man mehr über die geistigen Gesetze und die geistige Ordnung weiss.

Christus sagte den Jüngern auch: “Dieses sage ich euch, damit ihr, wenn es sich erfüllt hat, wisst, dass ich es euch zum Voraus gesagt habe” (vgl. Joh. 14, 29). Und damit meinte er auch, wie er in seinen Gesprächen, die er mit seinen Jüngern führte, zugleich betonte: “Bald wird er kommen, der Fürst der Welt; aber an mir hat er nichts.” Mit den Worten “Bald wird er kommen, der Fürst der Welt” wollte Christus doch zum Ausdruck bringen: Eifrig wird der Fürst der Welt mit seinen Helfershelfern sein, wenn es darum geht, ihn, Christus, zu bezwingen, wie er glaubt.

Was wussten die Menschen von dazumal schon, wie hätten sie es verstehen sollen? Wie ich das letzte Mal ausführlich dargelegt habe, hatten doch die Menschen damals – und versucht euch das zu vergegenwärtigen – diesen Jesus als den Sohn eines Zimmermanns erlebt, der in einer einfachen Familie aufgewachsen war und der sich plötzlich als Sohn Gottes bezeichnete. Die strenggläubigen Juden betrachteten dies doch als eine Gotteslästerung sondergleichen. Denn für sie gab es nichts anderes, als dass dieser Mensch Jesus Sohn eines Zimmermanns war und seine Mutter eine einfache Frau. So glaubten sie doch, Jesus mit Recht der Gotteslästerung anklagen zu dürfen, und dementsprechend verurteilten sie ihn.

Jesus war in seiner Kindheit den andern Kindern gleich; er war verpflichtet, seinen Eltern Gehorsam zu leisten. Und wie es andere Kinder machten, geschah es auch bei ihm. So kam es vor, dass er manchmal von seinen Eltern getadelt werden musste wegen Ungehorsams. Wenn ich dieses sage, mag es vielleicht für die einen oder andern strenggläubigen Menschen eine Enttäuschung sein, weil man der Auffassung ist oder so gelehrt wurde, dass Christus schon von Kind auf niemals einen Fehler gemacht hätte oder den Eltern ungehorsam gewesen wäre. Doch Christus musste auch Gehorsam lernen; daraus sollte er für sein späteres Leben lernen. Denn es heisst: “Er wurde dem Menschen in allem gleich” (vgl. Phil. 2, 7; Heb. 2, 17). Doch soll es nicht so verstanden werden, als wäre Jesus seinen Eltern in grober Art und Weise gegenübergestanden und hätte ihnen so Ungehorsam geleistet.

Seinerzeit, als sie [den zwölfjährigen] Jesus im Tempel vorgestellt hatten und es sich doch gehört hätte, dass er sich nach den Feierlichkeiten wieder seinen Eltern anschloss, blieb er zurück. Und erst nach einer Tagesreise, die die Eltern hatten zurück antreten müssen, fanden sie ihren Sohn wieder, und sie tadelten ihn. Jesus gab ihnen eine entsprechende Antwort, aber weder Maria noch der Pflegevater Josef verstanden sie; doch man machte ihm keine weiteren Vorwürfe.

Christus war von der Zeit seiner Geburt an und auch in seiner Jugendzeit stets von Geistern Gottes umgeben. Sie gaben ihm den Schutz, den sie ihm geben durften. Denn man muss sich doch vorstellen, dass jener Widersacher sehr aufmerksam war, was mit diesem Jesus geschehen sollte; er wusste ja: Es ist der Gesalbte Gottes, es ist der König der Geisterwelt Gottes, er ist Mensch geworden. Luzifer wusste, dass etwas ‘im Tun’ war. Aber es wurde ihm nicht gestattet, Jesus zu vernichten, so wie er es gerne getan hätte, oder so auf ihn einzuwirken, dass er dem Bösen verfallen wäre. Jesus hatte den Schutz, so wie ihn andere heranwachsende junge Menschen auch haben, sodass das Böse nicht in aller Kraft auf sie einwirken kann. Denn es steht im Gesetz und in der Ordnung Gottes, dass ein Mensch nur so versucht werden darf und kann, als es ihm nach seinen Kräften möglich ist, der Versuchung zu widerstehen.

Seinerzeit, als die Botschaft von der Geburt des Herrn und Erlösers verkündet worden war, wurde Luzifer doch aufmerksam. Und so hatte er ihn während seines ganzen Menschseins nie aus den Augen gelassen. Doch Christus hatte, wie betont, den Beistand der Geisterwelt Gottes. Als er zu seinen Jüngern sprach: “Nun geht der Fürst der Welt um; aber an mir hat er nichts”, wollte er ihnen damit sagen: “Mich kann er nicht vom Glauben abbringen.”

Denn der Fürst der Welt ging in jener Zeit wahrhaftig mit seinen Helfershelfern um. Schon von dem Zeitpunkt an, da Christus öffentlich auftrat, hatten die Helfershelfer Luzifers in vermehrter Weise versucht, die Menschen aufzuwiegeln und sie für die Sache Luzifers zu inspirieren. Denn ihm ging es doch darum, sein Reich erhalten zu können. Er wusste: Wenn wahrhaftig dieser Gottessohn in das menschliche Dasein gekommen ist, dann wird etwas geschehen, dann wird man versuchen, in sein Reich einzudringen und seine Rechte zu schmälern. So wollte er aufmerksam bleiben, und er tat dies im wahren Sinn des Wortes.

Doch Christus sagte: “Den Frieden gebe ich euch, aber nicht wie die Welt ihn sieht”, sondern er meinte einen Frieden für die Zukunft, für die Ewigkeit, einen Frieden mit Ewigkeitswerten, der nicht vergänglich sein durfte, nicht vergänglich war. Diesen Frieden der Ewigkeit wollte Christus allen Menschen hinterlassen. Als Mensch soll man aber erkennen, dass dieser Friede nicht auf Vergänglichkeit aufgebaut werden kann, sondern dass dieser Friede ein Friede der Ewigkeit sein muss, also ein Friede, der menschliches Leben überdauert, der nach dem irdischen Tod seine Fortsetzung findet. Es ist ein Friede, in den jeder Mensch eingehen und den jeder erleben kann, den man aber erwerben muss.

Christus kam in dieses menschliche Dasein nicht nur, um als Mensch zu leben und Zeugnis davon zu geben, dass er Gottes Sohn ist. Vielmehr erfolgte nach seinem irdischen Tode die Fortsetzung des geistigen Kampfes. Nach seinem irdischen Tode drang Christus als erster Mensch gewesener Geist in die luziferischen Bereiche ein, um ihnen dann wieder zu entweichen, zu entfliehen und zum Vater zurückzukehren. Keinem Mensch gewesenen Geist war es möglich gewesen, die Pforten der Hölle zu öffnen, ihr aber auch wieder zu entfliehen und ins Reich des Vaters zurückzukehren – doch Christus war es möglich. Er drang in die höllischen Bereiche ein, und er war nicht allein. Mit Christus kamen die Heerscharen des Himmels, die längst gewartet hatten, bis er am Kreuz die Worte ausgesprochen hatte: “Es ist vollendet” (Joh. 19, 30). Dann drangen sie mit ihm in diese höllischen Bereiche ein.

Luzifer ängstigte sich, als er erkennen musste, dass er in der Welt nicht Sieger über den Menschen Christus werden konnte, und er nun erleben musste, wie die himmlischen Heerscharen mit ihren feurigen Schwertern in die Hölle eindrangen und zu kämpfen anfingen. Christus selbst kämpfte gegen seinen einstigen Bruder und besiegte ihn, sodass Luzifer zitternd um Schonung bat. Die Spuren, die sich an den geistigen Gewändern zeigten, bei Christus wie auch bei den andern Engeln Gottes, waren nicht gering; denn es ist wahrhaftig gekämpft worden. Besiegt wurde dieser Luzifer, eingeengt und bedrängt in seiner Welt. Und dann wurden die Bedingungen aufgestellt – wie ihr es in der heutigen Sprache sagt: Der Friede wurde diktiert. Das war dieses Letzte Gericht. Da wurde Luzifer erklärt, was in Zukunft seine Rechte sind. Und Luzifer bat um Schonung.

Damals wurde dieses Letzte Gericht gehalten, von dem die Menschen so wenig wissen und von dem sie immer noch glauben, dass es kommen würde. Dabei hatte Christus lange zuvor gesagt: “Ich bin in diese Welt gekommen, um Gericht zu halten” (Joh. 9, 39). Gläubige aber versuchen, die Vergangenheit von einst in die Zukunft hineinzuverlegen. Sie versuchen alles so auszulegen, je nachdem wie sie es verstehen, und machen alles durcheinander. Daher muss man sich nicht fragen, warum die Menschen von heute Abstand nehmen vom Glauben oder nicht mehr glauben können.

Dabei ist es so eine einfache Sache, den Menschen die Wahrheit darzulegen. Doch diese Wahrheit ist dem Menschen viel zu einfach. Menschen wünschen, dass die geistige Sprache, die ich spreche, viel komplizierter sein müsste. Sie vergessen, dass ein jeder Mensch, der da lebt, der gebildete wie der ungebildete, wie er auch mit Gaben ausgestattet ist, welche Bildung oder welche Intelligenz er hat, verstehen können muss, wie es gemeint ist. Christus hatte sich doch stets ganz besonders den einfachen Menschen gewidmet, gerade den – ich darf es wohl sagen – ungebildeten oder ungeschulten Menschen. Diese einfachen Menschen konnten schneller zum Glauben finden. Aber heute ist es für viele Menschen so schwer, diese einfache Sprache zu verstehen.

Doch Gott ist gerecht, und er gibt jedem das, was ihm die Möglichkeit bietet, den Weg zurück zu finden. Menschliches Ansehen und Rücksichtnahme darauf gibt es für die Geisterwelt Gottes nicht. Ansehen, wie es der Mensch auf dieser Welt hat, zählt nicht. Zählen tut nur das, was in seinem Inwendigen ist, was mit der Ewigkeit zu tun hat, was die Seele als Licht entfaltet hat – nur das zählt.

So sollte der Mensch wissen, was mit Christi Worten gemeint ist: “Frieden gebe ich euch, Frieden hinterlasse ich euch. Aber nicht den Frieden, wie die Welt ihn gibt.” Sondern gemeint ist der geistige Friede, der Friede, der als Weg zu Gott führt, dahin, wo wirkliche Seligkeit zu erleben ist – diesen Frieden brachte Christus der Menschheit.

Nun ist es Sache des Menschen selbst, diesen Frieden anzunehmen und ihn als den Frieden anzuerkennen, der über den Tod hinaus besteht. Denn nicht nur als Mensch soll der eine oder andere sagen können: “Ja, ich lebe im Frieden.” Wohl kann er dies sagen, aber ob er wirklich den geistigen Frieden hat, das ist eine andere Frage. Wie mancher kommt in die Jenseitswelt zurück, der, wie er glaubt, auf der Welt im Frieden gelebt hat, weil er es verstand, aus den andern Menschen so viel herauszuholen, dass es für ihn ein bequemes Leben gab und er dadurch in Frieden leben konnte. Aber das hat mit dem Frieden, den Christus meinte, nichts zu tun; das ist nicht der Friede der Ewigkeit. Friede der Ewigkeit heisst, nach dem irdischen Tod in die Seligkeit einzugehen. Doch um in die Seligkeit eingehen zu können, muss man im menschlichen Leben auch das Seine dazu geleistet haben.

Wohl verbindet sich weltlicher Friede auch mit dem Frieden der Ewigkeit. Und es ist doch Aufgabe und Pflicht eines Christen, dafür zu sorgen, dass man wirklich im Frieden lebt, im Frieden mit sich selbst, im Frieden mit seiner nächsten Umgebung, mit seiner Familie. Man hat alles zu tun, um diesen Frieden zu fördern. Denn das sind Bestandteile, die Ewigkeitswerte haben. Es ist etwas, was die Seele bereichert, ihr Licht und Glanz verleiht, der nicht vergeht. Weist ein in die Ewigkeit Heimkehrender solche Werte auf, so kommt er dann in den Besitz des Lohnes, wenn er diesen geistigen Frieden in seinem menschlichen Leben erkannt und dementsprechend gelebt hat.

So ist es doch eine ganz wichtige Sache in der christlichen Lehre, zu wissen, was mit diesem Frieden, von dem Christus sprach, gemeint ist: dass darunter der geistige Friede, der ewige Friede des Einzelnen zu verstehen ist. Es ist der Friede, in den er hineingeht und der sein Eigentum wird. Es ist also nicht etwas Vergängliches, nicht auf Zeit Abgestimmtes, sondern es sind Werte für die Ewigkeit. Denn ein jeder geht nach seinem irdischen Tod in die Geisteswelt hinüber, und die Frage ist dann, wo sein Platz in dieser unsichtbaren Welt ist. So muss er auch als Mensch kämpfen, um seine Stellung im Geistigen zu erreichen. Er muss von einer Stufe zur andern streben, um so immer höher hinaufzugehen. Denn einst ist er gefallen, und den Rückweg muss er sich selbst verdienen.

Dies wäre gar nicht so schwer. Es ist für einen Menschen, der die geistige Wahrheit gefunden hat, dem die geistige Wahrheit etwas bedeutet, nicht so schwer, denn er weiss sich auszurichten im Leben. Jeder Mensch hat seine Pflichten und Aufgaben in der Welt, und trotz alledem kann er nach dem geistigen Frieden, nach dem Höheren streben. Wer Erkenntnis hat, wird dazu gedrängt; es ist eine innere Stimme, die mahnt: “Das darfst du nicht.”

Hat man keine Erkenntnis, dann hört man diese Stimme nicht. Man sucht dann das, was der Welt gehört; man sucht den Frieden der Welt, und dieser Friede ist oftmals auch Vergnügen und über seine Verhältnisse zu leben. Man meint, das wäre Glück, das würde für einen Glück bedeuten, und man fühlt sich zufrieden. Das ist aber nicht der wahre Friede.

Daher muss mit dieser Geisteslehre einmal der Ursprung erklärt werden. Und wenn der Mensch dieses Ursprüngliche der Wahrheit erfasst, ist es für ihn nicht mehr so schwer, seine Probleme zu lösen und mit dem fertigzuwerden, was ihm im Alltag begegnet. Sein Leben bekommt einen andern Sinn. Er wird sich des Lebens freuen, denn er sieht Aufgaben, nicht nur in der Gegenwart, er sieht Aufgaben für morgen und übermorgen. Er bereichert sein eigenes Leben und bereichert seine Seele.

Das alles geschieht durch Erkenntnis der Wahrheit. Sonst ist das Leben des Menschen eine oberflächliche Angelegenheit. Oder Menschen werden dann in einer Ansicht, in einer Meinung so fanatisch, dass sie zum Ärgernis der Mitmenschen werden. Auch das muss immer wieder betont werden. Und zwar soll man sich doch seine Gedanken darüber machen, dass Gott nicht fanatisch ist. Denn wenn er es wäre, dann gäbe es nicht diese Vielfalt in der Natur; dann gäbe Gott dem Menschen nicht die Freiheit, die er hat, dann wäre er unter Zwang gestellt. Doch der Mensch ist dies nicht, er lebt in einer wunderbaren geistigen Freiheit. Er selbst entscheidet, was er haben möchte oder nicht. Das würde doch ein Vater, der nur einseitig ausgerichtet ist, nicht zulassen. Doch es gibt Menschen, die glauben, Gott einen Gefallen zu leisten, wenn sie in fanatischer Art und Weise leben und regieren. Für sie wird es dereinst schwer sein, wenn die unsichtbare Welt sie in ihre Arme nimmt.

Denn mit dem Frieden, von dem Christus sprach, dass er ihn hinterlasse, ist auch die geistige Freiheit gemeint, die der Mensch hat. Christus gibt doch dem Menschen all das, was der Vater ihm gegeben hat und wie er vom Vater gelehrt wurde. So ist es für einen suchenden Menschen gut, wenn er sich über diese Dinge Gedanken macht – über den wahren Frieden. Denn dieser wahre Friede kommt nur von der Gotteswelt. Und so, wie Christus ihn den Menschen hinterlassen hat, soll auch der Mensch versuchen, diesen Frieden weiterzugeben.

Christus hatte in einem andern Fall zu seinen Jüngern gesagt: “Noch eine Weile, und ihr werdet mich nicht sehen. Und wieder eine Weile, und ihr werdet mich sehen. Danach gehe ich zum Vater.” Und da sie ihn auch nicht verstanden hatten, fragten sie: “Was meinst du damit, ‘noch eine Weile, und ihr werdet mich nicht sehen, dann wieder eine Weile, und ihr werdet mich sehen’?” (Joh. 16, 16–18.) Christus musste ihnen sagen: “Ja, ihr werdet Trauer haben um mich. Aber die Welt wird sich freuen.” (Joh. 16, 20.) Er versuchte, es ihnen verständlich zu machen. Und was musste er ihnen erklären? Noch eine Weile, und sie würden ihn nicht mehr sehen. Diese Worte sprach Christus ja kurz vor seiner grossen Leidenszeit, als er seinen Auftrag zu erfüllen hatte. Auch in dieser Art erklärte er es ihnen: “Ich sage es euch, und wenn es geschieht, wisst ihr, dass ich es euch schon zum Voraus gesagt habe.”

Christi Aussage, dass sie ihn nicht sehen würden, nahm Bezug auf die Zeit unmittelbar nach seinem irdischen Tod, als sein Geist von den Heerscharen des Himmels in die Hölle hineingeführt wurde. Dann würden sie ihn nicht sehen; sie würden nicht mit ansehen, wie er kämpfte, und sie sollten es auch nicht. Darum hatte er gesagt: “Ihr werdet mich nicht sehen.”

Christus sagte des Öftern: “Vieles hätte ich euch zu erklären, doch ich kann es nicht, ihr versteht es nicht. Aber wenn ich beim Vater bin, wenn ich zurückgekehrt bin, dann werde ich den Vater bitten, dass er euch den Geist der Wahrheit sendet, damit dieser es euch erklärt.” (Joh. 14, 16–17 und 16, 12–13.) Diese Worte waren nicht auf jene Zeit bezogen. Mochten sie sich auch in Einzelnem auf jene Zeit beziehen, so sollten sie doch für die Zukunft sein, auf die ganze Menschheit ausgerichtet. Und sollte es auch eine Zeit geben, da diese Wahrheit unterdrückt wird, so würde es gleichwohl wieder möglich sein, sie zu verkünden. Denn nichts, kein Wort wird verloren gehen von dem, was Christus gesagt hat. Alles wird der Menschheit wieder offenbar gemacht. Wenn es Zeit geworden, wenn es möglich geworden ist, wird es dem Geist der Wahrheit ermöglicht, Klarheit in diese Dinge zu bringen. So ist es für den heutigen Menschen schwer, diese Wahrheit zu verstehen. Denn die Jünger vermochten es damals ja auch nicht zu begreifen.

Noch ehe seine Leidenszeit begann, hatte Christus seinen Jüngern angedeutet: “Noch eine Weile, und ihr werdet mich nicht sehen, und wieder eine Weile, und ihr werdet mich sehen.” Und richtig heisst die Fortsetzung dann: “Und danach gehe ich zum Vater.”

Wenn ihr die Erkenntnisse, die ihr gewonnen habt, nebeneinanderreiht, wird es euch verständlich, was Christus mit diesen Worten meinte. In seiner Schau, die er hatte, sah er, was ihm bevorstand, er sah diesen geistigen Kampf. Es ging ja nicht allein um sein Menschsein, sondern geistig musste alles ausgekämpft werden. Denn die Verfehlung von einst und der Fall hatten ja im Geistigen stattgefunden, und im Geistigen musste dieses wieder bereinigt werden. So durfte Christus den Seinen auch sagen: “Und wieder eine Weile, und ihr werdet mich sehen.” Denn als er doch vom Totenreich auferstanden war, hatte er sich materialisiert den Seinen gezeigt, und sie konnten ihn so wieder erleben. “Und danach”, hatte er gesagt, “gehe ich zum Vater.” Und so war es auch.

Menschen vermögen manches nicht zu verstehen. Sie glauben, es wäre auch nicht notwendig, wiedergeboren zu werden. Sie suchen nach verschiedenen Ausreden, dass es nicht möglich wäre, wieder in ein menschliches Dasein zu kommen. Sie suchen und suchen in der Bibel und versuchen Erklärungen zu geben: “Seht, das ist so gemeint.” Nein, sie verstehen es weltlich und nicht geistig, wenn es heisst: “Und es ist dem Menschen bestimmt zu sterben” (Heb. 9, 27) [siehe die näheren Erläuterungen Geistlehrer Josefs am Schluss des Vortrages]. Es war doch [vor der Erlösungstat Christi] dem Menschen bestimmt, nach dem irdischen Tod ins Totenreich zurückzukehren, weil er [einst als Geist] gefallen, des geistigen Todes gestorben war. “Danach das Gericht” (Heb. 9, 27) – durch das Letzte Gericht sollte die Möglichkeit der Befreiung geschaffen, die Rückkehr ins himmlische Reich möglich werden. Doch die Menschen versuchen es nach irdischen Grundsätzen zu begreifen. Sie können nicht anders, weil sie das Unsichtbare, das Geistige, nicht anerkennen, weil sie glauben, dass nur das, was greifbar ist, Realität ist.

So wird es für jene dereinst bei ihrer Einkehr in die geistige Welt schwer sein, wenn sie feststellen, dass es so ganz anders ist, als sie geglaubt hatten und belehrt worden waren. Und mancher, der glaubte, den Frieden in der Welt zu haben, muss nun feststellen, dass dieser Friede der Welt nicht der wahre Friede ist, der Friede, den Christus meinte, der Ewigkeitswert hat, der in der Ewigkeit besteht und fortdauert. Da ein solcher im menschlichen Leben diesen ewigen Frieden nicht erkannt, nicht angenommen hat und nur aufs Weltliche ausgerichtet war, erlebt er nun eine Enttäuschung. Wie mancher war sich gewohnt, im Wohlstand zu leben – und nun ist in der Geisteswelt von diesem Wohlstand nichts mehr vorhanden. In grösster geistiger Armut und Bescheidenheit fristet er sein Dasein, und er kennt nicht Tag, nicht Nacht, er kennt keine Zeit. Wie unglücklich muss sich doch ein solches Wesen fühlen, wenn es den wahren Frieden nicht gekannt hat.

Tritt dann ein geistiges Wesen an einen solchen Heimgekehrten heran und macht ihm Vorwürfe seines Erdenlebens wegen, behauptet er, er hätte zeit seines Lebens nur in Frieden gelebt und doch auch in dieser neuen Welt Anspruch auf etwas Besseres. Dann muss man ihm erklären, es bestehe ein grosser Unterschied zwischen der Welt der Vergänglichkeit, der Welt, die unter der Herrschaft Luzifers steht, und der Welt Gottes, jener Welt, die unter Gottes Herrschaft steht. Man muss ihm klarmachen, dass diese Welt, die unter Gottes Herrschaft steht, eine Welt des Friedens ist und dass es dem Menschen einst gegeben war, für die Besserung seiner Seele zu sorgen, um dadurch in eine bessere Welt hineinzukommen und den wahren Frieden kennenzulernen. Denn die wahre christliche Lehre weiss ihm diesen Frieden auszulegen.

Wer sich im menschlichen Leben an Wohlstand und Bequemlichkeit gewöhnt war, aber sich nicht um die Besserung seiner Seele bemühte, dem wird das Leben in der Jenseitswelt schwerfallen, und er wird unglücklich sein. Es wird eine lange Zeit dauern, bis er sich dieser neuen Welt angepasst hat, denn seine Wünsche und seine Begierden von einst sind noch nicht aus seinem Geistesleib entflohen. Dies soll auch eine Antwort sein für manche Menschen, die sich fragen: “Wie ist es denn möglich? Wenn man in der Gotteswelt ist, so wird man doch wohl sofort höhere Erkenntnisse haben.”

Dabei muss dem Menschen klargemacht werden, dass die Gesetze Gottes so wunderbar geordnet und geregelt sind; dass in diesem menschlichen Leib ganz bestimmte Kräfte waren, die ihn durchflutet haben, und dass diese Kräfte von der Seele und dem Geistesleib zugleich angezogen werden. Was die grobstofflichen odischen Kräfte betrifft, so entfliehen sie beim Sterben aus dem irdischen Leib und werden vom Geistesleib angezogen. Darum meint mancher Verstorbene in der ersten Zeit, er wäre gar nicht gestorben, denn für ihn ist alles noch so lebendig, wie es war. Sein geistiges Auge ist noch nicht geläutert, es ist noch mit so viel getrübtem Od behaftet, dass er sozusagen noch wie ein Mensch sieht. Denn noch umfängt ihn verdichtetes Od. Und erst wenn er mit der Zeit innere Einkehr hält und zu besserer Erkenntnis und höherer Gesinnung gelangt, schwindet dieses verdichtete Od oder – besser erklärt – löst es sich langsam auf und fängt an, sich zu verfeinern. Das aber braucht Zeit. Alles untersteht dem geistigen Gesetz. Langsam nur geschieht es, langsam kommt der Heimgekehrte zu besserer Erkenntnis, und langsam verfeinert er sich. Dann versuchen göttliche Wesen, sich ihm zu nähern, sich immer mehr mit ihm zu beschäftigen, und sie führen ihn dahin, wo er hingehört.

Manchem Menschen gefällt es nicht, wenn davon gesprochen wird, man müsse in der Jenseitswelt arbeiten – hat er doch eine ganz falsche Vorstellung von dieser Geisteswelt. Wenn er aber versucht, dieses anzunehmen, so soll er sich darüber Gedanken machen, dass es auch für ein geistiges Wesen nicht gut wäre, wenn es keine Beschäftigung hätte. Doch zu seinem Trost sei gesagt, es gibt wunderbare Beschäftigungen.

Je nach seinem Lichte, das ein Wesen in sich trägt, je nach seiner geistigen Entwicklung kommt es in diesen göttlichen Frieden hinein und darf auch anfangen, schöpferisch tätig zu sein. Denn je lichter und je heller seine Seele ist, umso verwandter, ähnlicher wird das Betreffende doch dem Göttlichen. Den Geschöpfen Gottes ist doch so viel anvertraut worden, und so soll ein jedes dereinst auch mitwirken an der weiteren Entfaltung und Bereicherung der himmlischen Welt. Denn es gibt auch im Himmelreich ein ständiges Eifern um Neugestaltung – auch in der Kunst, sei es in der Musik, in der Malerei, in der Dichtkunst, im Gesang, im Tanz oder in was es auch sein mag. Viel Wunderbares steht demjenigen bevor, der in seiner Seele den ewigen Frieden gefunden hat.

Dieses soll euch, liebe Geschwister, anregen zu Gesprächen untereinander. Es soll euch aber auch innerlich beglücken. Und so soll der Segen Gottes euch alle durchdringen. Ihr alle sollt gesunden, am Leib und auch in der Seele. Behütet und beschützt sollt ihr sein auf eurem Lebensweg. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 11.3.1978 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich

(Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

An der öffentlichen Vorstandssitzung vom 8. März 1978, also drei Tage vor der vorstehend veröffentlichten Ansprache Josefs, hatte ein Vorstandsmitglied an Geistlehrer Josef die Frage gerichtet: “Lieber Josef, im Zusammenhang mit der Wiedergeburtsfrage verweisen die Kirchen, die ja nicht auf dem Boden der Wiedergeburtslehre stehen, stets auf eine bestimmte Bibelstelle, nämlich auf Hebräer 9, 27: ‘Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, dann aber das Gericht ...’”

Josef: Zuerst zu “wie es dem Menschen gesetzt ist”. Es sollte heissen: “Wie es dem Menschengeist gesetzt ist zu sterben, danach das Gericht.” Es ist also immer ein und dieselbe Antwort: Es geht um den Abfall in der Geisterwelt zu jener Zeit, als Geister, die Gott den Gehorsam nicht mehr gaben, aus dem Himmel gestürzt wurden. Sie mussten des geistigen Todes sterben.

“Und danach das Gericht.” Ist euch nicht ausführlich davon berichtet worden? Es wurde euch gesagt, dass Christus nach seinem Erdentod Gericht gehalten hat und dass durch ihn der Menschheit oder diesen abgefallenen geistigen Wesen Befreiung, geistige Freiheit gegeben wurde und ihnen dadurch die Möglichkeit zur Rückkehr ins Vaterhaus gegeben war. Um dies zu erreichen, war es erforderlich gewesen, dass Christus das menschliche Dasein und das Sterben, das Erleben des irdischen Todes, auf sich nahm. Dies war notwendig, um die andern, die des geistigen Todes gestorben waren, zu befreien.

So ist diese Bibelstelle zu verstehen. Allein, solange man Abstand vom Fall der Geister nimmt und nichts davon wissen will, dass diese ungehorsamen geistigen Wesen des geistigen Todes gestorben waren, so lange wird man sie nicht verstehen. Vielmehr bringt man mit diesem besonderen Wort “einmal” nun etwas ganz anderes zum Ausdruck, und zwar nur deshalb, weil man nicht annehmen will, dass es eine Wiedergeburt gibt. Aber wenn man schon so vorsichtig oder gar schlau gewesen ist, die Wendung “einmal zu sterben” herauszuheben und so auszulegen, so hat man doch immerhin “danach das Gericht” belassen. Daraus könnt ihr ersehen, dass eben nur Bruchstücke der Wahrheit erhalten geblieben sind. Der wahre Sinn dieser Bibelstelle ist: Die von Gott Abgefallenen waren des geistigen Todes gestorben. Dann kam das Gericht, und es gab die Befreiung, ermöglicht durch Christi Erdentod und seinen Sieg über Luzifer.

Gott legt so vieles in die Hände von geistig erstarkten Menschen

Josef, 4. September 1965

Gott legt so vieles in die Hände von geistig erstarkten Menschen

Milliarden von Geistwesen warten in den nächsten Jahrzehnten darauf, die Menschwerdung annehmen zu dürfen, um den Aufstieg, den Heimweg zum Vater, schneller zu durchschreiten. Vielen von ihnen steht ein schweres Leben bevor, daher braucht es geistig erstarkte Menschen, die ihnen ihre Not lindern helfen und zum Segen werden.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, dieser Gruss ist gepaart mit dem Segen Gottes und ganz besonders meinen treuen Freunden gewidmet. Die Geisteswelt Gottes hat [während der Sommerpause] keinen Unterbruch in der Verbindung zu ihren treuen Freunden gehabt, vielmehr ist sie stets bemüht, dem Menschen beizustehen und ihn zu führen. Es ist verständlich, dass man einem treuen Freund grössere Aufmerksamkeit schenkt als jenen, die nur oberflächlich mit uns verbunden sind. Die Himmelswelt will den Menschen beistehen; es sind ja unsere Geschwister, denn alle Menschen, die da auf Erden leben, sind einverleibte Geister. Diese Erde wurde um ihretwillen geschaffen, um ihren Aufstieg zu beschleunigen.

Auf dieser Erde soll der Mensch seine Gottestreue beweisen. Fern, entfernt von der himmlischen Welt lebt er auf dieser Erde. Er soll da seinen Gottesglauben zum Ausdruck bringen. Trotz der Entfernung zur himmlischen Welt soll er die Gesetze befolgen, die Gott gegeben hat. Er soll den Erlöser, Jesus Christus, als König anerkennen. Und er soll sich bemühen, das christliche Leben im wahren Sinn zu leben. Denn die Menschen sind unsere Geschwister. Wir versuchen ihnen nahezutreten, wir möchten ihnen den Beistand geben und mit ihnen reden.

Diese Welt, in der sie leben, hat zur himmlischen Welt eine grosse Kluft geschaffen. Die Menschen haben nicht mehr diesen Kontakt zu ihr, denn ihre Augen können das, was sie früher erlebt hatten, nicht mehr wahrnehmen. Diese Welt, in der der Mensch lebt, ist der Vergänglichkeit gewidmet; alles, was da lebt auf ihr, muss den Weg der Vergänglichkeit gehen. Wenn er dann in das geistige Reich hineintritt, in die Welt der Wirklichkeit, von wo er ausgegangen ist, wird er vor den Engeln Gottes stehen und erkennen, dass sein menschliches Leben zu wenig Erfolg gebracht hat. Wie enttäuscht ist er, wenn keine Gewinne für seine Seele zu erkennen sind. Welche Enttäuschung erleben auch jene Seelen, die glauben, nach ihrem irdischen Tode wäre alles aus. Welche Enttäuschung erleben sie, wenn sie erkennen müssen, dass plötzlich eine andere Herrschaft ausgeübt wird und sie sich dieser Herrschaft zu beugen haben. Das Leben geht weiter, und so erkennt man, dass das menschliche Leben nur ein Prüfungsweg war. Denn diese Erde wurde dafür geschaffen, dass jene einverleibten Geister schneller den Weg nach oben finden. Sie sind weiter von Gott entfernt. Gerade wegen dieser Entfernung und weil man das Geistige nicht mit dem irdischen Auge sehen kann, weil man es nicht unmittelbar fühlen kann, was alles um einen geschieht, gerade deshalb können diese Prüfungen so streng durchgeführt werden.

So muss sich der Mensch im Gottesglauben stärken. Wenn er aber schon behauptet, dass er Gott treu und ihm ergeben ist, muss er sich auch wahrhaftig Mühe geben. Er muss in seinem täglichen Leben um das andere Reich kämpfen, um dieses unvergängliche Reich mit seinen Ewigkeitswerten. Für das muss er kämpfen. Manchmal muss er auch bei sich selbst Rückschau halten und sich fragen: “Ist wohl die Geisterwelt Gottes” – und damit meine ich Gott, Christus und alle Heiligen des Himmels – “mit meinem Leben einverstanden?” Menschen geben oft ein ganz falsches Urteil ab, sie haben für die eigenen Fehler immer Entschuldigungen. Es tut wahrhaftig not, diese geistige Lehre in ihren Tiefen und ihrer Wahrheit zu erfassen. Es ist wahrhaftig gut, wenn man diese geistigen Gesetze kennenlernt, um sich von seiner eigenen Entwicklung ein Bild machen zu können. So wie mancher glaubt, dass ihn die Gotteswelt in Gnade aufnehmen würde, kann eben auch das Gegenteil geschehen. Es kommt so sehr darauf an, auf welche Art und Weise man lebt und wie man sich belastet; es kommt so sehr auf das ganze Wesen des Menschen an. Wenn ein Mensch sich aus Schwäche belastet, vermag die Geisteswelt Gottes Entschuldigungen anzubringen, und seine Strafe wird nicht so hart sein. Entspringen aber die Verfehlungen aus einer inneren Boshaftigkeit und kommt diese Boshaftigkeit bei jeder Gelegenheit zum Ausdruck, dann kann er keine Entschuldigungen erwarten, kein Fürbitterwesen wird sie vorbringen. So urteilt nämlich die Geisteswelt Gottes. Wenn einer weiss, dass er etwas falsch macht, und sich nicht die Mühe nimmt zu verbessern, kann er auch nicht erwarten, dass ihm die Fürbitterengel zur Seite stehen.

Menschen, die im weltlichen oder im religiösen Leben eine führende Stellung einnehmen und sich fortwährend belasten, können nicht von der Gotteswelt erwarten, dass ihnen die Gnade gegeben wird. Ich spreche hier von Menschen, die in einer weltlichen Stellung sind oder eine religiöse Tätigkeit ausüben. Wenn man eine führende Stellung einnimmt, dann ist auch die Verantwortung dementsprechend: Man muss als leuchtendes Beispiel dastehen. Wenn man kein leuchtendes Beispiel für die Umgebung ist, werden auch die Gnadenengel nicht anwesend sein.

So könnt ihr erkennen, wie die Geisterwelt Gottes urteilt. Denn sie erkennt die tiefe Frömmigkeit oder die Oberflächlichkeit. Menschen kann man täuschen, die Gotteswelt nicht. Sie bedient sich sehr gerne jener treuen, aufrichtigen Menschen, die fähig sind, eine Aufgabe zu erfüllen. Ob es Menschen sind, die in weltlicher Art und Weise wirken, oder ob es Menschen sind, die Gott entgegengehen – man urteilt über einen Menschen je nach seiner geistigen Erkenntnis und je nach der Verantwortung im täglichen Leben. Ganz gleich, wie ihr mutmasst, ob dieser oder jener fähig ist, etwas zu erfüllen – die göttliche Welt vermag viel besser zu erkennen, ob der betreffende Mensch fähig ist, diese oder jene Aufgabe zu erfüllen. Man kann den Menschen nicht nach einem Schema beurteilen. So wie sich jeder vom andern unterscheidet, so urteilt auch die Gotteswelt präzis über jeden einzelnen. Wichtig ist, dass man sich Folgendes merkt: Es soll keine Boshaftigkeit im Herzen und in der Seele eines Menschen sein. Man soll sich seiner Gottverbundenheit bewusst werden, denn wer diese Gottverbundenheit hat, weiss auch, was er zu tun hat. Je näher man der Geisteswelt und all ihren Heiligen entgegengeht, desto grösser ist die Hilfe und die Beeinflussung durch die göttliche Welt. Es fehlt aber trotzdem nicht an Prüfungen, die an den Menschen herankommen können. Sie müssen auf ihre Fähigkeiten geprüft werden. Die Gotteswelt fügt es sogar, dass dieser oder jener manchmal hart angefasst werden muss, um ihn auf diese Weise zu prüfen, ob er fähig ist, eine höhere geistige Aufgabe anzunehmen, und ob man ihn einen weiteren Schritt nach oben führen darf. So werden die Menschen geprüft. Wer diese Prüfungen nicht besteht, wird zuerst gemahnt; man lässt ihn nicht sogleich fallen. Hört er aber nicht auf diese Mahnungen, dann wendet man sich von ihm ab. Man wartet, bis er zu besserer Einsicht gekommen ist. Trotzdem nimmt sich die Gotteswelt jener Menschen an. Sie weiss, dass sie die Prüfungen nicht bestanden haben und dass man ihnen keine höhere Aufgabe übertragen kann.

Ich habe schon oft betont, dass die Himmelswelt eine Welt der Ordnung ist – eine äusserst exakte Ordnung herrscht in der himmlischen Welt. Weise ist alles eingerichtet. Gott hat es so gefügt, dass diese Ordnung immer rechtskräftig sein wird, für alle Zeiten. Der Himmel – damit meine ich die himmlischen Scharen, die Engel, die den Himmel bevölkern – ist so hilfsbereit. Ihre Aufgabe ist es seit dem Fall der Geister, sie wieder zurückzuführen. Wie vieles gibt es da in der Gotteswelt zu tun, und wie vieles gibt es unter den Menschen zu arbeiten. Und wenn ihr auch noch vernehmen könnt, dass es Milliarden sind, die auf ihre Menschwerdung warten, Milliarden über Milliarden sind es – sie warten auf die Einverleibung, die in nächster Zeit geschieht. Damit ist eine Zeitspanne von fünfzig Jahren gemeint. Sie sind geistig so weit vorgerückt, um diese Menschwerdung anzunehmen, um den Aufstieg schneller durchschreiten zu können. Aber diese vielen Geister, die in den Vorbereitungen zur Menschwerdung stehen, sind gezeichnet: gezeichnet von Hunger, gezeichnet von Streit, Krieg, Unfrieden. Schicksale sind in die Seelen jener eingekerbt. Sie werden aber trotz dieser Schicksale, die auf sie warten, den Weg durchschreiten. Sie werden diesen Weg gehen wie ihre Geschwister früher, die auch durch Hunger, Not und Kriege gegangen sind. Damit möchte ich meine Freunde nicht in Ängste und Unsicherheit bringen. Jene, die für diese Menschwerdung vorbereitet werden, sind solche, die aus den unteren Stufen des Aufstiegs zur Menschwerdung emporschreiten; ihnen steht nun ein schicksalsschweres Leben bevor. Wenn aber einerseits Menschen auf dieser Erde vom Schicksal gezeichnet sind, müssen anderseits Menschen auf dieser Erde leben, die auf einer geistigen Höhe stehen, denn die Menschen hier auf Erden haben die Möglichkeit, Schicksale zu verringern, Not zu lindern. Den Menschen ist so vieles in ihre Hände gegeben. Ein jeder soll je nach seiner geistigen Entwicklung, die er erreicht hat, Meister werden. Er soll ein göttlicher Führer der Menschheit sein, er soll helfen, all das Übel zu überwinden. Auf die Starken kommt es an. So legt Gott so vieles in die Hände des Menschen.

Wenn euch gesagt wird, dass es nottut, den Aufstieg zu beschleunigen, dass es nottut, die Gesetze Gottes zu achten und nach seinem heiligsten Willen zu leben, so hat das wohl seine weiteren Gründe. Denn Menschen müssen stark werden, und es genügt nicht, wenn nur eine Handvoll Menschen stark ist. Es werden Menschen wiederkommen müssen – also Seelen müssen wiedergeboren werden –, die ihre Prüfungen hinter sich gelegt haben, die durch die Reinigung des heiligen Wassers gegangen sind. Es ist die Lehre Gottes, die Lehre Christi gemeint, wenn davon gesprochen wird, dass sie von diesem heiligen Wasser und von diesem heiligen Feuer gereinigt worden sind. Dann werden sie zum Segen werden für jene, die auf Erden leben. Denn jene, die ein schweres Schicksal haben, vermögen sich in dieser neuen Welt nicht gleich zurechtzufinden, wenn sie nicht von starken Händen geführt werden. Das gute Beispiel, das vorgelebt wird, ist schon von grossem geistigen Wert für sie. Es liegt so vieles in den Händen der Menschen, um die Not der Ärmsten zu lindern, so wie auch ihr eurerseits die Möglichkeit habt, dass ihr jene Menschen nicht vergesst, die nicht im Wohlstand leben wie ihr. Das wird heute als Christenpflicht von euch verlangt. Wer Gott entgegengeht, möchte diese Aufgabe erfüllen und tun, was in seinen Kräften liegt. Er will helfen. Darum ist es heute notwendig, dass ein Teil der Menschheit in diesem Gottesglauben so gestärkt und gekräftigt wird, dass diese Schar der Menschheit eine geistige Höhe einnimmt, sodass sie fähig werden – wenn es Zeit werden sollte, wieder auf diese Erde zu treten –, geistig erstarkte Menschen zu werden. Ob es erst in hundert oder vielleicht für die einen oder andern schon in fünfzig Jahren sein wird, darüber entscheidet die göttliche Welt. Denn je schneller die Entwicklung vorwärtsgeht, umso emsiger ist die göttliche Welt. Sie wird dementsprechend jene wieder senden, von welchen sie glaubt, auf sie bauen zu können, dass sie nützlich sind in diesem Erdenreich, denn sie müssen ja einverleibt werden in einen Körper, um die Aufgaben zu erfüllen. Dabei werden sie unterstützt von den unsichtbaren guten Geistern des Himmels.

Betrachtet euch, betrachtet euren technischen Fortschritt, der sich in kurzer Zeit ereignet hat. Auf diesem Fortschritt wird aufgebaut, wird weitergearbeitet, und die Geisteswelt will Schritt halten mit dem Eifer der Menschen, mit ihrem Bemühen, ihrem Wissen. Sie will ihnen göttliche Erkenntnisse bringen. Sie will die Menschen näher zu Gott führen, ihnen die Aufgaben und die Pflichten im täglichen Leben des Menschen klarlegen, und sie will auch von der Bedeutung des menschlichen Lebens, seinem Sinn und Zweck sprechen. So wie die technische Welt ihren Fortschritt nimmt, muss es auch die geistige Welt tun. Deshalb das Eingreifen der Gotteswelt in das Geschehen. Sie will doch all jenen beistehen, die ihre Hände nach ihr ausbreiten. Sie will alle Hände erfassen, und sie liebt es nicht, wenn aus Schwachheit die Hände von der Geisteswelt Gottes zurückgezogen werden. Umso eher schätzt sie es, wenn man mit Herz und Seele dabei ist, an diese Verbindung zur Gotteswelt glaubt. Denn eifrig ist die göttliche Welt. Sie bemüht sich um den Menschen, um ihn zu gewinnen, ihm beizustehen. Sie muss jene erfassen können, auf die sie zählen kann, die ihre Prüfungen bestehen, von denen man erwarten kann, dass sie ihre Aufgaben erfüllen, dass sie nicht hadern, nicht zweifeln. Auf jene Starken bauen Gott und seine heilige Geisteswelt.

Ihr wisst, dass die himmlischen Wesen in Chöre eingeteilt sind, dass es Legionen von Engeln der Liebe gibt, die nur ihre Aufgabe in der Liebe erfüllen. Sie sind es, die auch um die Freundschaft werben bei jenen geistes- und gottesgläubigen Menschen. Welche aus den Legionen der Liebe sind es, die Freundschaft schliessen wollen mit all jenen, denn sie wollen sie durchdringen mit der wahren, göttlichen Liebe. Sie wollen versuchen, die Wesensart des Menschen zu veredeln. So dringen sie an den Menschen heran und bringen ihm die göttliche Liebe entgegen. Nicht alle sind jedoch bereit, diese göttliche Liebe zu verstehen, und weisen sie oft schroff weg. So wird die geistige Welt wiederum jene ausscheiden von der grossen Aufgabe, für die sie sie vorbereiten möchte. Denn sie will sich jenen widmen, die durch und durch erfüllt sind vom Glauben, vom guten Willen, das Rechte zu tun, den Schwachen beizustehen und ihnen zu helfen.

So führen diese Engel der Liebe ihre Aufgabe bei den Menschen aus. Aber nicht sie allein sind es, die zu Besuch gehen, die Freundschaft schliessen möchten. Es ist doch der Friede des Menschen, der so wichtig ist für sein Leben und für das Leben allgemein; es sind die Engel aus den Legionen der Friedfertigkeit, die die Herzen und die Seelen der Menschen mit den Gefühlen des Friedens erfüllen müssen. Es sind nicht leere Worte, die ich zu euch spreche, wenn ich euch erkläre, dass Engel des Friedens die Freundschaft unter den Menschen suchen. Was glaubt ihr, was diese Liebesengel oder die Engel des Friedens alles auf sich nehmen müssen, um die Freundschaft eines Menschen zu erwerben? In erster Linie muss ein solcher Engel helfen, die Unarten des Menschen zu beseitigen. Er kann ihn nicht gleich mit vollen Händen mit seiner Liebe überschütten. Dabei spielen der Wille, das Denken des Menschen eine grosse Rolle. So muss die Geisteswelt zuerst versuchen, in das Denken des Menschen hineinzugelangen. Aber es ist ja der einzelne selbst, der einem Gottesengel der Liebe keinen Einlass gibt in sein Denken. Denn er hat seinen eigenen Weg, und er öffnet ihm nicht gleich das Herz und die Seele, auf dass der Liebesengel oder Friedensengel zu Worte kommt. Es ist seine Eigenart, seine Veranlagung, die er besitzt und die ihm hinderlich ist. So versuchen diese Heiligen des Himmels mit bestem Willen zuerst einmal diese Unarten beim Menschen zu beseitigen. Wenn es gelingt, dann können sie im Herzen und in der Seele des Menschen ihre Wohnung aufschlagen. Erst dann ist es möglich. So bemühen sich diese himmlischen Wesen um den Menschen.

Liebe und Frieden liegen nahe beieinander. Wenn man von Frieden und Liebe spricht, so kommt als Drittes im Bunde das Wohlwollen des Menschen hinzu. Die wohlwollende Gesinnung muss zum Ausdruck kommen. Wie vermag ein Mensch diesen wohlwollenden Gefühlen Ausdruck zu geben? Niemand kann einen dazu zwingen; es ist etwas, was in der Tiefe der Seele seinen Kern haben muss. Die Neigung zu dieser wohlwollenden Gesinnung muss vorhanden sein. Die himmlischen Wesen des Wohlwollens haben die Möglichkeit, diese Kraft zur grösseren Entfaltung zu bringen, aber wo keine Neigung zu Wohlwollen da ist, vermögen sie nichts zu tun. So könnt ihr sehen, es liegt immer am Menschen selbst, aber man kann etwas erwerben, entfalten – man kann den Kern in die Seele setzen und es so zur Entfaltung bringen.

Es sind die Engel des Himmels, die bei den treuen Freunden – den gott- und geistverbundenen Menschen – die Freundschaft suchen. Denn man soll schon als Mensch edel und gut sein. Wenn er dann die Schwelle in die Jenseitswelt überschreitet, soll seine Seele leuchten; der Funke Gottes soll in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit aus seiner Seele herausstrahlen. Etwas hat angefangen zu leuchten, das Gott jedem gegeben hat zum Leben: Es ist dieser Funke. Wenn es möglich wird und diese Liebe der Liebe Gottes ähnlich geworden ist, beginnt es zu leuchten. Wenn diese Liebe, diese Friedfertigkeit und dieses Wohlwollen den Menschen erfasst haben, dann ist er doch Gott etwas nähergekommen. Da Friede, Liebe und Wohlwollen aus Gott heraus in der wunderbarsten und nicht beschreibbaren Kraft leuchten, sollte es beim Menschen doch wenigstens ein wenig zum Leuchten kommen. Es sind noch viele Tugenden, die erworben werden müssen, und sein Funke ist noch nicht von dieser Allgewalt des Lichtes durchdrungen. Aber es zeigt sich eine wundersame Morgenröte, die so lieblich und erfreulich ist, dass sich die Engel des Himmels darüber freuen. Denn jeder, der mit einem leuchtenden Gottesfunken zurückkommt, wird mit Jubel aufgenommen. Denn bedenkt: Wenn eine Seele zurückkommt, die weder von Liebe noch von Frieden oder Wohlwollen etwas verstehen wollte, stehen plötzlich diese himmlischen Wesen vor ihr und sagen: “Ich habe einst um deine Liebe geworben, ich habe einst um deinen Frieden geworben – du aber hast mich nicht gehört und nicht gefühlt.” Ihr wird gesagt: “Du hast kein Wohlwollen zum Ausdruck gebracht. Noch stehst du auf einer tiefen Stufe der Entwicklung, weit entfernt von Gott. Ein weiter Weg ist es noch, den du durchschreiten musst, um das Gotteshaus zu finden.”

So, liebe Geschwister, soll es euch doch verständlich werden, dass es sich lohnt, in diesem irdischen Reich für diese andere Welt zu kämpfen. Lebt für diese Tugenden, bemüht euch um die Freundschaft dieser himmlischen Wesen. Sie sind es, die Segen bringend sind im täglichen Leben. Hat man eine Freundschaft mit diesem oder jenem Gottesengel geschlossen, ruht der Segen über einem, über der Familie, über den Nachkommen. Denn die himmlische Welt geizt nicht mit dem Segen. Sie ist bereit, ihn in Hülle und Fülle auszubreiten, sie will ihn in einer grossen Fülle ausgebreitet sehen, dass alle, die tätig sind im Heils- und Erlösungsplane Gottes, diesen Segen ausbreiten können.

Bedenkt doch die Tätigkeit der vielen anderen Geister, die notwendig sind, um ihren Menschengeschwistern in ihrem Aufstieg zu Gott ihre Hilfe darzubieten. Wie vieles ist zu tun, wie vielen muss beigestanden werden, wie viele werden geführt, wenn sie in die Ewigkeit kommen, die nicht den Weg aufwärts schreiten dürfen, die stehen geblieben sind, die verbannt werden müssen. Welche Aufgabe erfüllen auch da diese himmlischen Wesen. Und wie sind sie für die Ordnung in eurer Welt besorgt. Denn ich spreche nur von der guten Geisterwelt Gottes und von ihrem Segen, den sie ausbreitet. Aber ich erwähne auch, dass neben dieser guten Geisteswelt jene düsteren Mächte sind, die auch ihre Tätigkeit ausüben, die so gerne den Menschen Schaden zufügen. Es sind wiederum gewaltige Legionen von Engeln, die notwendig sind, um jene in Schach zu halten, damit sie ihre Grenzen nicht überschreiten, sei es in der Natur, wo sie den Menschen viel Übel zufügen könnten.

Über allem, was geschehen mag, steht die Geisterwelt Gottes. Wenn da und dort Völker durch Schicksale geprüft werden, soll man nicht annehmen, dass es die Macht der niederen Geisteswelt ist. Denn sie kann nicht schalten und walten, wie sie will. Was auch auf dieser Erde geschieht, in welchem Erdteil es auch ist, die heiligen Geister des Himmels sind überall da. Und wenn sich Schicksale erfüllen, so sind sie schon gezeichnet. Mag da und dort Schmerz und Trauer über Menschen kommen, es wird dadurch der Menschheit nahegelegt, dass alles der Vergänglichkeit gewidmet ist – was da lebt auf dieser Welt, gehört der Vergänglichkeit –, und die Menschen werden dadurch gemahnt, dass es ein ewiges Leben gibt. Sie werden getröstet, dass der Tod doch nicht so schrecklich ist, denn die Geister des Himmels stehen bereit, um die Seelen aufzunehmen und zu trösten. Sie führen sie hinein in ihre Häuser und beruhigen sie dort. Dass solches jenen hilft für ihren schnelleren Aufstieg zu Gott, können sich Menschen ja nicht vorstellen, wenn sie nicht an eine Ewigkeit glauben, wenn sie nicht glauben, dass es eine Welt gibt, wo die Geister in Frieden zusammenleben, und dass es eine Welt des Geistes gibt, die unter der Herrschaft von Jesus Christus lebt, und es ein Ringen gibt um einen nahen Platz bei Gott. Diese niedere Geisteswelt kann nicht schalten und walten, wie sie will. Man soll dabei nicht von Strafe Gottes reden, sondern man soll denken und hören – denken, dass es Gottes Wille ist, und dadurch die Stimme vernehmen, dass der Wille Gottes geschieht im Himmel und auf Erden. Das betet der Christ, und an das soll er glauben. Er soll dadurch getröstet werden, zu wissen, dass man um Gottes Nähe ringt und diese Nähe nur durch diesen Weg erreicht, der durch die Vergänglichkeit führt. So wird jenen Trost zuteil, die ihn verdient haben, und so werden sie hinaufgeführt auf die geistig erhöhten Stufen.

Liebe Geschwister, ich habe euch Einblick gegeben in die göttliche Gesetzmässigkeit, in die Notwendigkeit des eifrigen christlichen Lebens. So möget ihr alle behütet, beschützt und bewahrt sein vor Not und Bedrängnis. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 4.9.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 3/2024
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm