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Für die Jünger Jesu war es stets eine besondere Freude, wenn sie mit ihrem Meister alleine zusammen sein konnten. In solchen Stunden erzählte er ihnen von seinen geistigen Erlebnissen, von den Gesprächen mit seinem Vater und den himmlischen Geschwistern sowie von der Herrlichkeit seines Reiches, in das auch sie dereinst heimkehren würden. Die Jünger bewunderten ihren Meister, denn er hatte ihnen so viel zu sagen. Sie glaubten an ihn und fühlten seine Kraft, erlebten sie doch auch die Macht der Wunder, die er wirkte. Er sprach zu ihnen von seiner Aufgabe, die er zu erfüllen habe, und er betete mit ihnen, damit sie stark bleiben sollten, denn sie waren dazu bestimmt, sein Werk nach seinem Tode weiterzuverbreiten.
Als Christus dann nicht mehr auf Erden weilte, begann für die Jünger eine schwere Zeit. Doch ihre Erlebnisse mit dem Meister und der Beistand der heiligen Geisterwelt erfüllten sie mit Kraft und Mut für ihre Aufgabe.
Im Weiteren wird in diesem Heft erläutert, wer die Verfasser der biblischen Evangelien waren und wie diese mit der Hilfe der Geisterwelt Gottes entstanden sind.
Lene, 15. März 1967
Für die Jünger war es stets eine besondere Freude, wenn sie mit ihrem Meister alleine zusammen sein konnten. In solchen Stunden der Gemeinsamkeit erzählte er ihnen von seinen geistigen Erlebnissen. Er berichtete ihnen von den Gesprächen mit seinen himmlischen Geschwistern und mit dem Vater. Er erzählte ihnen von der Herrlichkeit seines Reiches, in das auch sie dereinst heimkehren würden. So wurden die Jünger gestärkt in ihrem Glauben an ihn. Sie glaubten an ihn und fühlten seine Kraft und seine Macht.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, nur noch kurze Zeit trennt euch vom heiligen Osterfest, und ihr werdet wieder an das Leiden und Sterben des Erlösers erinnert, aber ihr dürft auch die grosse Freude erleben, dass er am dritten Tag auferstanden ist. So wird die Christenheit in Gedanken in jene Zeit zurückgeführt. Versucht in dieser Stunde nach innen zu blicken, euer Herz und eure Seele zu erheben, denn wir möchten euch an jene Zeit erinnern: an das Leben und Wirken des Erlösers, an sein Leiden und an die glückselige Auferstehung. Es steht mir ungefähr eine Stunde zur Verfügung, um zu euch zu reden, mit euch zu meditieren und euch auf viel Wichtiges aufmerksam zu machen.
Wenn ihr nun im Geiste versucht, euch in jene Zeit einzufühlen, so mangelt es euch doch an sehr vielem, denn jene Zeit habt ihr im Geiste nicht vor euch. Das Leben hat sich gewandelt, fortgeschritten sind die Menschen von heute. Heute haben sie ein ganz anderes Leben als dazumal, wo Brot nicht im reichen Masse vorhanden war, wie ihr es heute habt, und keine Bequemlichkeit, wie ihr sie heute kennt. Zum grössten Teil wurde ein armes Leben gelebt. Es gab damals eine Schicht von Menschen, die ihren Reichtum besassen, doch sie hätten sich wohl gewundert, wenn sie zu jener Zeit einen Einblick in die heutige Zeit hätten tun können. Denn wenn ihr glaubt, dass ihr heute nicht reich seid: Ihr seid im Vergleich zu jener Zeit sehr reich. Eure Ansprüche sind gewachsen, das Leben hat sich geändert, und daher ist es auch schwer, dem heutigen Christenmenschen das wahre geistige Leben vor Augen zu führen. Es war schon zu jener Zeit schwer, das geistige Leben zu verstehen und die Botschaft, die Christus durch sein Leben und Wirken brachte. Er wurde als Sohn Gottes auf diese Welt gesandt, um seine Aufgaben zu erfüllen, um die Menschheit zu erlösen. Aber die Menschheit wollte vom Sohn Gottes nichts wissen, sie nahm ihn nicht an.
Christus wurde von den Heiligen des Himmels durch sein Leben begleitet; er war hellsehend, hellfühlend, hellhörend. Er konnte so mit seinen erhabenen Geschwistern in Verbindung kommen, und er konnte mit seinem Vater reden. Könnt ihr nachfühlen, wie schmerzlich es für Christus gewesen sein muss, dass ihn die Menschen nicht annehmen wollten? Er, der mit dem Vater sprach und ihn im Geiste sah, er, der mit den erhabenen Geschwistern im Gespräch stand, im Geiste alles erlebte – er stand einer Welt gegenüber, die von ihm nichts wissen wollte. Es war die Welt, die dank ihm entstanden ist; um seinetwillen hat es Gott für die Erlösung der Menschheit gefügt. Christus hat mitgewirkt an der Schöpfung, er hat mitgeplant an der Vielfalt des Lebens, das auf der Erde sein Dasein fristen sollte. Dank ihm geschah es.
Christus wurde in eine arme Familie hineingeboren. Wohl wurde bei seiner Geburt verkündet, dass der Menschheit Heil gebracht werde, denn der Heiland und Erlöser sei geboren worden. Glauben konnte es Maria, seine Mutter, glauben konnten es auch sein Nährvater Josef und weitere Verwandte, aber in der weiteren Umgebung nahm man diesen Jesus nicht als den Sohn Gottes an. In der Familie lebte er mit seinen Brüdern und Schwestern zusammen; er war nicht das alleinige Kind von Maria, denn dieser Familie wurden weitere Kinder gegeben.
Jesus hatte schon frühzeitig diese Verbindung mit der Geisterwelt Gottes. Er hatte sie, als sich mit dem Heranwachsen sein Verstand gefestigt hatte. Er konnte im Geiste hinüberblicken und kam ins Gespräch mit seinen erhabenen geistigen Geschwistern. Sie sagten ihm, was der Vater ihm empfahl. Er sah es, er erlebte es im Geiste. In der Familie hatte er viele Anmerkungen gemacht. Seine Eltern und seine Geschwister waren sehr religiös; die Eltern erzogen die Kinder nach den strengen religiösen Sitten. Vieles gefiel diesem Jesus nicht. Er tadelte das, was seine Geschwister taten und sprachen; er war nicht einverstanden mit dem, was seine Mutter ihm sagte. Jesus lehrte anderes. Dann wurde er von den Eltern getadelt, und so war nicht lauter Freude. Doch Jesus konnte schweigen, denn er wusste um seine Sendung, und es wurde ihm auch erklärt, wann die Zeit kommen würde und er hervortreten sollte.
So lebte Jesus in der Familie mit den Seinen zusammen, und er hatte seine eigenen Ansichten. Seine Geschwister waren mit diesen Lehren nicht einverstanden, denn sie gehorchten den Eltern und fanden, ihr Bruder sei ein sonderbarer Mensch, der behaupte, besondere Fähigkeiten zu haben. Das eine Mal konnten sie aber staunen über seine Gelehrsamkeit, und das andere Mal schenkten sie ihm wieder keinen Glauben. So wurden sie selbst hin- und hergerissen, bis die Zeit kam, wo Jesus anfing, Wunder zu wirken. Nun staunten sie über ihren Bruder und gingen mit ihm. Und so wurde er zeitweise auch für sie ein Meister, doch schwankten sie. Das eine Mal bewunderten sie ihn, das andere Mal kam eine Schwäche über sie, und sie konnten ihren Bruder nicht verstehen. Sie erlebten aber, wie viel Volk ihm anhing und wie viele Wunder er ausführte. Da mussten auch sie staunen, und sie fingen an, zu ihrem Bruder zu halten.
Christus suchte sich eine Schar Jünger aus, mit denen er in Freundschaft zusammenleben wollte. Er suchte sich einfache Männer aus, die dafür bestimmt waren, sein Werk weiterzuverbreiten. Er suchte sie mit der Hilfe der Geisterwelt Gottes aus, die ihm diese Jünger zuführte. Er kam stets mit ihnen zusammen. Sie folgten Christus und lebten sich mit ihm ein – er war ihr Meister geworden. Sie bewunderten ihn, denn er hatte ihnen so viel zu sagen.
Jesus hatte seine Jünger jeweils in einem Garten versammelt; dort kamen sie zu bestimmten Zeiten zusammen. Er ging oft alleine dorthin, um zu beten. Die Seinen wussten, wo er zu finden war, und wenn es ihnen die Zeit erlaubte, gingen sie auch in diesen Garten, um mit ihm zusammen zu sein. Dort belehrte er sie, dort sprach er von seiner Sendung, die ihm Gott gegeben hatte. In diesem Garten setzte man sich auf die Steine nieder – man liebte die Zeit des Abends. Man versammelte sich zum Gespräch, zum Gebet und lauschte. Der Meister hatte so viel zu erzählen.
Christus sprach von dieser Welt, von den Menschen und von der Macht, die auf dieser Welt sei. Er sprach von seiner Aufgabe, die er zu erfüllen habe, und dass es ihm sehr schwer gemacht würde. Viel Leid würde über sie alle kommen, über die Jünger – dass aber nach dem Leid wieder grosse Freude käme. Diese Freude sei nicht nur auf dieser Welt bei den Getreuen vorhanden, sondern sie würde in der jenseitigen Welt, im Reiche des Vaters, noch viel grösser sein. Die Freude sei nach dem Leid so unendlich gross, sie könne den Seligen des Himmels nicht streitig gemacht werden. In dieser grossen geistigen Freude dürften sie leben, während die Freude, die die Menschen nach dem Leid überkomme, dem einen und andern wieder streitig gemacht werde – den Menschen würde die Freude abgerungen. Er erklärte ihnen, dass in dieser Welt, wo die Menschen lebten, auch eine Macht vorhanden sei, die solchen Einfluss auf die Menschheit habe, dass diese von ihr in Versuchung geführt würde.
Er durfte ihnen erklären, dass er auch hinaus in die Wüste gehen würde, um zu beten, wenn es ihm im Garten zu unruhig sei. Wenn Christus nicht mit seinen Jüngern zusammen sein wollte, wenn er ganz allein sein musste, um mit seinem Vater ins Gespräch zu gelangen, dann ging er hinaus in die Wüste. Er erklärte ihnen, dass er dort beten würde; er würde mit dem Vater und mit seinen erhabenen Geschwistern sprechen. Dort würden sie ihm offenbaren, was er alles zu erfüllen habe. So sprach er zu seinen Jüngern, wenn sie sich jeweils in diesem Garten versammelt hatten. Er erzählte ihnen auch von der grossen Versuchung, die an ihn gekommen war, wie er bangte und wie es ihn ängstigte. Dieser Widersacher, dieser Herrscher der Welt, Luzifer selbst, sei zu ihm gekommen und habe ihm grosse Angebote gemacht. Christus erzählte den Jüngern auch, was dieser Luzifer von ihm verlangte. Er erzählte, wie er ermattet gewesen sei, da er nicht geschlafen, nicht gegessen habe, und wie schlimm es geworden, als dieser Widersacher selbst gekommen sei. Luzifer habe zuerst andere niedere Geistwesen zu ihm gesandt, die mit ihm ins Gespräch kamen und ihn zu Fall bringen sollten.
Als diese niederen Geistwesen aber nichts erreicht hatten, musste sich Luzifer selbst aufmachen, und er stand neben seinem König von dazumal. Da Christus nun die Menschwerdung angenommen hatte und den Menschen in allem gleich geworden war, in allen Schwächen und im Empfinden des Schmerzes, des Hungers und der Angst, glaubte Luzifer, ihn besiegen zu können. Doch Jesus blieb fest; er hatte die Kraft dazu, diesen Luzifer fortzusenden. Er sagte ihm: “Du hast an mir nichts zu tun!”, und als dieser Kampf im Geiste vorüber war, kamen die Engel des Himmels und brachten ihm Speise und Trank, um ihn zu kräftigen. Dieses erzählte er seinen Jüngern, und er sprach von dieser köstlichen Speise und dem Trank. Er offenbarte ihnen, dass er von seinen erhabenen Geschwistern öfters geistige Speise bekomme, die ihm Kraft und Mut gebe.
Auf diese Weise erlebten die Jünger Christus. Er erzählte ihnen, was er selbst im Geiste alles sehen konnte. Die Jünger bewunderten ihren Meister, und ihr Glaube wurde gestärkt in der Zeit, da der Meister ihnen nahe war. Sie waren ganz von ihm eingenommen, sie glaubten an ihn und fühlten seine Kraft und seine Macht. Sie erlebten doch die Macht jener Wunder, die er wirkte. So freuten sich jene Jünger jeweils, mit ihm zusammenzukommen. Es waren aber nicht immer alle Jünger regelmässig versammelt. Wenn irgend möglich, war jedoch Johannes da. Er war der Lieblingsjünger von Jesus. Mit ihm sass er oft zur ebenen Erde auf einem Stein. Beide hielten sich die Hände, um gemeinsam zu beten. Da Johannes sein Lieblingsjünger war, vertraute er ihm mehr Dinge an: mehr Erlebnisse, mehr von den Gesprächen, die er mit seinem Vater und mit den erhabenen Geschwistern hatte. Johannes zweifelte nie, er glaubte an seinen Meister, und der Meister liess seinen Lieblingsjünger schützen. So konnten die Jünger jeweils in diesem Garten eine Stunde der Erbauung, des gemeinsamen Zusammenseins erleben. Es war dazumal keine Sonderlichkeit, wenn man sich in Gruppen abgesondert und gemeinsam gebetet hatte. So hatte der Meister jeweils mit den Seinen gebetet, damit sie stark bleiben sollten. Unter diesen Jüngern war jeweils auch Judas dabei. Gerade in der letzten Stunde, als Jesus mit seinen Jüngern zusammenkam, traf man sich im Garten. Und Judas wusste, wo dieser Christus war. Er ging ihm dort, in diesem Garten, entgegen.
Christus hatte seinen Jüngern vom Vater erzählt, von der Schöpfung und welche Rolle er als Sohn Gottes in der Schöpfung innehat – aber sie vermochten nur sehr wenig davon zu verstehen. Sie sprachen öfters zu ihm: “Meister, du redest in Rätseln zu uns. Sprich doch deutlich, damit wir es verstehen können.” Es waren doch Menschen mit einfachem Gemüte. Wie sollten sie verstehen, was ihnen ihr Meister erklärte, wenn ihnen diese andere Welt auch noch fremd war. Sie staunten, glaubten es aber, wenn sie in seiner Nähe waren. Als Jesus dazumal jenem Jüngling sagte: “Lass doch die Toten die Toten begraben”, fragten sie sich wieder, was wohl damit gemeint wäre. “Wie meinst du das?”, fragten sie ihn. Er musste es ihnen wieder erklären, und er sprach: “Ich bin der Weg und die Wahrheit; ich bin das ewige Leben. Wer an mich glaubt, wird den Tod nicht kosten.” Auch solche Worte wollten sie nicht immer verstehen. Er musste es ihnen ganz deutlich erklären: “Ich bin der Sohn Gottes, und wenn ich beim Vater bin, sollt auch ihr dahin kommen, wo ich bin.” So stärkte er sie im Glauben und tröstete sie, wenn es notwendig wurde. Auf diese Weise erlebten die Jünger ihren Meister.
Als die letzten Stunden gekommen waren, bat er die Seinen: “Kommt mit mir in den Garten, um zu beten. Wachet; schlafet nicht, damit das Böse nicht über euch einfällt.” Doch die Jünger waren müde und schliefen ein, als er sich von ihnen etwas entfernt hatte, um allein zu sein – allein zu sein mit dem Vater, um mit ihm und seinen erhabenen Geschwistern reden zu können. Christus musste dann jene Botschaft vernehmen, dass er am Kreuze sterben würde, und ihm wurde angst. Es kamen wiederum Engel des Himmels; sie brachten ihm einen geistigen Trunk und kräftigten seinen Leib. Als er zurückkam und die Seinen schlafend fand, tadelte er sie zuerst – doch bald hatte er Verständnis und Mitleid. Er erzählte ihnen: “Ich habe wieder eine himmlische Speise genossen und einen himmlischen Trank erhalten. So werde ich mit Kraft meine Aufgabe erfüllen – Gott wird mich nicht verlassen.” Noch ahnte er nicht in allen Einzelheiten, was er zu erleben hatte.
Ich brauche euch dies nicht in allen Einzelheiten zu schildern. Es ist mir jedoch daran gelegen, euch zu erklären, dass Christus sich mit den Jüngern im Garten [Gethsemane] versammelte und dort einen Ort wählte, wo er mit ihnen beten konnte. (Mat. 26, 36–46.)
Liebe Geschwister, wenn ihr daran denkt, dass für den Menschen die Meditation, das Gebet und die Stille von Bedeutung sind, so könnt ihr in gleicher Weise daraus schöpfen und nehmen. So wie dazumal die heilige Geisterwelt bereit war, diesem leidenden, sich ängstigenden Christus zu helfen und beizustehen, damit er seine Aufgaben erfüllen konnte, steht heute die heilige Geisterwelt Gottes da, um jenen Menschen, die würdig sind, diese göttliche Speise und diesen Trank zu überreichen. Dem Geiste überreichen sie es. Im Geiste kann man gekräftigt werden in der Not und in Bedrängnis, doch muss man dazu die Atmosphäre schaffen. Man muss dafür besorgt sein, dass einem die heilige Geisterwelt zur Seite steht. Und nicht vergessen darf man, dass auf dieser Welt so viele Geistwesen niederer Art sind, die den Menschen in Versuchung bringen. Sie haben Macht über die Menschen und beginnen jeden Morgen von Neuem, ihr Tagwerk zu erfüllen. Sie suchen sich ihre Menschen aus, um unter ihnen Zwietracht und Unfrieden zu streuen. Denn diese Welt, wo die Menschen leben und wirken, steht unter der Herrschaft Luzifers. Dessen ist sich die Christenheit manchmal nicht bewusst. Und doch sollte es ihr verständlich werden, denn sie erlebt täglich diesen Kampf von Gut und Böse. Wäre es nicht so, dann hätte diese niedere Geisteswelt nicht Macht über die Menschen, und es wäre lauter Friede und Harmonie da. Dieser Friede und die Harmonie werden gestört durch die Herrscher dieser Welt. Die guten Geister Gottes ringen jedoch dieses Recht jenen niederen Wesen ab – abringen tun sie dieses Herrscherrecht jenen bösen Geistwesen, die versuchen, die Menschen zu verführen. Und mittendrin steht der Mensch – er muss entscheiden. Denn Gott hat ihm nicht nur den freien Willen zum Entscheiden gegeben, sondern auch den Verstand. Dieser Verstand muss angewandt werden; vernünftig muss gedacht und gehandelt werden. Es ist doch etwas Wunderbares, dass von der Gotteswelt dem Menschen diese Kraft zum Überlegen und zum Beurteilen gegeben worden ist.
Ihr Menschen ahnt nicht um den Kampf der niederen Geisterwelt, die ihr Herrscherrecht auf die Menschen ausübt. Sie versucht, den gesunden Verstand eines Menschen zu stören. Sie stört den gesunden Verstand eines Menschen, wenn er in seiner Wesensart willensschwach ist, wenn er eine einseitige Lebensweise führt. Ihr werdet dann sagen: “Das ist nicht mehr gesundes Denken.”
Man kann gesundes Denken fördern; es kann gefördert werden, wenn man auf das Genaueste die Ordnung Gottes kennt: was in die Ordnung Gottes hineingehört, was nach dem Willen Gottes geschehen soll. Wer diese Ordnung Gottes nicht kennt, wer sich nicht um diese Ordnung bemüht, kann sich kein Urteil bilden. Er weiss nicht, ob er recht oder falsch gehandelt hat. Nach dem Willen Gottes leben heisst: so leben, dass der Mensch als eine Persönlichkeit seine Aufgaben aus eigener Kraft erfüllt und er so entscheidet, dass seine Entscheidung nur gut ist. Der Entscheid muss so ausfallen, dass nicht die Vorteile der Welt oder des Menschen im Vordergrund stehen, sondern die geistigen Verdienste im Vordergrund sind. Geistige Verdienste können in den Vordergrund treten, wenn der Mensch versteht zu überwinden und zu schweigen, wenn er keinem Menschen übel nachredet, sondern immer guter Gesinnung und guten Willens ist. Wenn er diese Dinge beachtet, dann ist er auf dem Weg zur Ordnung Gottes. Das sollte ein Mensch vollbringen können.
Christus hatte seinen Jüngern von der zukünftigen Welt erzählt – von der andern Welt, vom gütigen Gott, vom liebenden Vater. Er empfiehlt doch den Seinen, dieser Liebe nachzuleben, so wie er sie gelebt hat und wie es die Liebe des Vaters ist – das Verständnis und das Verzeihen.
Wenn nun diese Erinnerungstage kommen, dann treten mehr Geister Gottes aus ihren Himmeln heraus als sonst; denn sie wollen dem Menschen sagen: “Wenn du dich an jene heilige Zeit erinnerst, dann wollen wir dich in deinem Denken unterstützen, dein Erinnern an diese Tage fördern, dir Kraft geben, damit du den Weg zur geistigen Welt findest und den Weg in jenes Haus, wo die Wohnung für dich vorbereitet wurde. Wir wollen dich [im Schlafe, im Gebet, in der Meditation] in diese andere Welt hinüberführen und dir auch im Leben beistehen und mithelfen, deine Aufgaben zu erfüllen, wenn du uns die Hände reichst.”
Das heisst, die guten Geister müssen jenen niederen Geistern ihr Herrscherrecht abringen, denen das Recht und die Macht zusteht, über den Menschen zu verfügen. So ringt die gute, heilige Geisterwelt um euch Menschen.
So sollt ihr nun euer Herz und eure Seele zu Gott erheben und im Geiste erleben. Stellt euch im Geiste jene prachtvolle Welt vor, in die Christus eingezogen ist: jenes Haus mit seiner Schönheit. Ihr sollt euch diese erhabenen himmlischen Wesen vorstellen, die in seiner Nähe wohnen, und dass das Haus Gottes nicht weit entfernt ist vom Hause Christi. Stellt euch im Geiste vor, dass Christus zu seinem Vater geht; ihr sollt ihn im Geiste erleben können in seiner Pracht und Herrlichkeit, wie er für euch bittet. Denn er sagte: “Bittet den Vater in meinem Namen.” Er geht zum Vater, und er fleht und bittet für seine Geschwister.
Nun sind wir doch wieder an einem Punkte angelangt, da gesagt wird: “Bittet und ihr werdet empfangen.” Wie mancher fromme Christ hat schon gebetet und im Namen Jesu Christi zu Gott gefleht: “Hilf mir, steh mir bei; gib mir dieses, gib mir jenes; schenke mir Erleuchtung, gib mir Kraft” – und das Gebet konnte nicht erhört werden. Kann man deswegen wohl an der Richtigkeit der Worte zweifeln, wenn Christus gesagt hat: “Bittet den Vater in meinem Namen, und er wird es euch geben”? Kommt nicht da zum Ausdruck, dass, bevor es geschehen kann, noch andere Dinge erfüllt sein müssen? Dem einen wird geholfen, dem andern nicht, obwohl dieser noch so viel gebetet und noch so viele Werke getan hat. Der fromme Christ wird deshalb nicht verzweifeln, sondern es wird ihm klar werden: Etwas muss da sein, das sich mit diesem Ausspruch nicht vereint; etwas muss es sein – die Ordnung, das verstandesmässige Handeln und Verlangen ... Man muss wissen, dass man nicht in allen Dingen erhört wird. Darüber sollte man nachdenken.
Ist man aber frommen Herzens und aufrichtig in seinem Denken, in seiner Seele, dann nähert sich die gute Geisterwelt – so es erlaubt ist –, um zu mildern, um zu helfen, so gut es ihr nur möglich ist. Sie bringt Trost, Trost, der sehr wichtig ist, und sie bringt geistige Nahrung. Durch diese geistige Nahrung kann ins Leben des Menschen Mut, Klarheit, Zuversicht kommen. Diese Zuversicht kann von grösserer Bedeutung sein als Dinge, die der Mensch verlangt, die aber für die göttliche Welt bedeutungslos sind. Einem Menschen kann geholfen werden, wenn er das Leid tragen muss, weil es die schwere Operation ist, die er durchzustehen hat. Tragen muss er es, denn jetzt, in dieser Zeit, wird er daran erinnert, dass Christus öfters zu seinen Jüngern sprach: “Auch ihr – und die andern – müsst, wenn es nottut, die Kraft haben, das Kreuz zu tragen.” Wenn es heisst “das Kreuz zu tragen”, dann kommt das daher, weil Menschen zu jener Zeit sehr oft gekreuzigt wurden. So wurde ihnen klargemacht: “Trage das Kreuz.” Diese Worte sollten unvergänglich sein – auch für den heutigen Menschen hat es noch seine Gültigkeit, dieses Kreuz zu tragen.
Es wäre so ratsam, wenn man die Stille findet und Gott bittet:
“Gib Du mir die Kraft, das Kreuz zu tragen, wenn es nach Deinem Willen ist.”
Und das Kreuz kann entfernt werden, wenn es im Willen Gottes ist. Wenn man aber zuerst darum bittet: “Herr, lass mich das Kreuz tragen”, dann fällt der Geist in eine Demut, in eine Ergebenheit. Man wendet sich von dieser Welt ab, man ist bereit, das Leid zu tragen und nicht zu klagen. Mancher Seele würde eher geholfen, wenn sie sagen würde:
“Herr, hilf Du mir durch Deine heilige Geisterwelt, das Kreuz zu tragen. Gib Du mir die Kraft, dass ich es tragen kann bis zum Ende meines Lebens.”
Dann sind es andere Worte, als wenn der Mensch betet: “Lieber Gott, nimm die Sorgen von mir weg, lieber Gott, hilf mir doch, gib mir doch.” Es kann sein, dass ein Geist Gottes im Laufe des Lebens eines solchen Menschen hinter ihm hergeschritten ist und ihn angefleht hat: “Lieber Bruder, liebe Schwester, überwinde doch. Lass es bleiben, lass die Streitsucht, lass die Habgier; erhebe dein Herz zu Gott, erfülle deine Seele mit Frömmigkeit.” Flehen können nämlich auch Geister Gottes. Jahre hindurch können sie flehend neben einem Menschen hergehen, Jahre hindurch. Wenn dieser Mensch nicht hört, können sie sich von ihm abwenden. So kann dann der Mensch anfangen zu flehen: “Vater, hilf mir; Vater, gib mir” – und es wird nicht gehört, denn der Mensch, er hörte auch nicht.
Liebe Geschwister, wenn diese heilige Osterzeit kommt, solltet ihr euch bereit erklären, das Kreuz zu tragen, wenn ihr eines zu tragen habt. Ist lauter Freude und Friede in eurem Herzen und in eurer Umgebung, dann jubelt aus voller Kraft, und dankt dem Herrn für seine Wohltaten, die er euch gegeben hat. Denn so wird sich der Himmel darüber freuen, und die Wohltaten werden sich mehren.
So, liebe Geschwister, habe ich euch den Weg gezeigt und erklärt, wie ihr diese heiligen Tage nutzen sollt, damit es zum Heil der Seele und des Leibes wird. Versucht es zu tun, und wandert im Geiste in jene Zeit zurück. So möge Gott euch die Kraft geben; möge diese Kraft in euch bleiben und nie von euch weichen, sodass sich die Heiligen des Himmels immer bereitfinden, gegen das Böse zu kämpfen. So möge es geschehen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 15.3.1967 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, Ausschnitte aus Vorträgen von 1980 und 1981
Christus hatte zu seinen Aposteln eine innige Beziehung. Sie waren ihm nicht nur Begleiter und Vertraute, sondern auch Gehilfen bei der Bewältigung seiner vielen Aufgaben.
Josef: Als Christus seine Lehrtätigkeit begann, suchte er sich die Apostel aus. Er kannte seinen Auftrag; er war in die Welt gekommen, um der Menschheit Erlösung zu bringen. Im Laufe der Jahre hatte er seine Erfahrungen gemacht und Erlebnisse gehabt und dadurch seinen Auftrag erkannt. Wie oft war er in die Einsamkeit gegangen und hatte mit seinen himmlischen Geschwistern Gespräche geführt, die für ihn notwendig waren. Er hörte die Worte der Geister Gottes, was für ihn, für seine Zukunft, von Bedeutung war. Er wusste auch um die Schwere seines Auftrages, der darin bestand, die Menschheit zum Vater zurückzuführen. Er wollte auch, dass die Menschen wieder ihm angehören und nach ihrem irdischen Tode in sein Reich eintreten würden – sie sollten wieder im Bunde mit ihm und mit dem Vater sein. [...]
Christus musste in dieses menschliche Dasein kommen, um die Wahrheit zu bringen, die Wahrheit und die Erlösung. Während der Zeit seines öffentlichen Wirkens vermochte Jesus nicht alles alleine zu meistern. Er hatte sich seine Jünger ausgesucht und ihnen bestimmte Aufgaben gegeben. Der eine sollte in dieser Art wirken, der andere auf jene. Sie sollten ihm nicht nur einfach Begleiter sein, sondern auch Gehilfen. Auch dieses war für ihn doch eine Notwendigkeit. Aber Menschen von heute machen sich keine wirklichen Gedanken über jene Zeit, weder über die Ursache von Christi Menschwerdung noch über all diese Notwendigkeiten.
Es ist euch bekannt, dass es des Judas Aufgabe war, das Geld zu verwalten. Aber nicht nur er hatte eine Aufgabe bekommen. Denn in der Gemeinschaft mit Christus hatte man auch arme Menschen betreut. Die Jünger mussten die armen Menschen, die man kannte, aufsuchen und ihnen Geld bringen. Denn auch Christus bekam Spenden, ihm wurde Geld übergeben in der Zeit, als er wirkte. Er sagte es auch deutlich, dass er dieses den Armen wieder zugutekommen lasse. Zudem war es auch so: Christus war kein armer Mann. Dies ist euch schon erklärt worden [im Vortrag vom 16. Mai 1981]. Also auch seinen eigenen Besitz, den er [sich als Planer und Gestalter von schönen Häusern und Gärten erworben] hatte, verwaltete er nicht mehr selbst, als er angefangen hatte zu wirken, sondern er liess dies durch die Jünger besorgen.
Da Jesus während seiner Lehrzeit von Ort zu Ort zog und nicht jeden Abend nach Hause zurückkehren konnte, mussten sie einmal an diesem, einmal an jenem Ort Einkehr halten. Teils wurden sie eingeladen, teils mussten sie sich selbst verpflegen. Auch damit waren Jünger betraut worden, gemeinsam mit den Frauen, die mit ihnen gingen. Auch die Frauen hatten ihre Aufgaben zu erfüllen. Jesus zog also mit seinen Jüngern von Ort zu Ort, und er besprach es zuvor, wohin er nun zu gehen gedenke. Und so organisierte er es auch mit seinen Jüngern. Man soll also nicht meinen, dies alles wäre einfach nur immer dem Zufall überlassen worden. Christus, der doch wahrhaftig die Ordnung Gottes in allen Einzelheiten kannte und einst im Geistigen schon um alle Einzelheiten besorgt gewesen war, um Ordnung und Disziplin – denn ich erinnere euch an die Worte “Alles, was geworden ist, ist durch ihn geworden” (Kol. 1, 16) –, er wollte doch auch als Mensch alles zuerst überdacht und organisiert haben. Und so war es auch mit seinem Auftrag, mit dem er in die Welt gekommen war – auch da wurde alles organisiert.
Christus wusste zum Beispiel genau, welche Orte er zu welcher Zeit zu meiden hatte. Es gab Zeiten, in denen er nicht nach Jerusalem oder an diesen oder jenen Ort gehen durfte. Dies alles besprach er zuvor mit seinen Jüngern, und so mussten sie es mit ihm organisieren.
Man verbreitete stets auch die Kunde, in welchen Orten und an welchen Tagen Jesus auftreten werde. Denn dahin wurden ihm dann besonders die Kranken gebracht, und um die ging es ihm auch. Die Kranken sollte man ihm bringen. Er wollte sie heilen und ihnen den Beweis dafür geben, dass er wahrhaftig in einem höheren Auftrag in dieses Dasein gekommen war. Jesus bekannte sich als Sohn Gottes und gab Beweise dafür. Dafür wurde er immer wieder getadelt; man versuchte, ihm dieses als Gotteslästerung auszulegen, um seiner habhaft zu werden. Immerhin konnte er drei Jahre wirken, und diese drei Jahre waren auch nicht einfach zufällig. Sie waren im Plane Gottes für sein Wirken vorgesehen. Es sollte eine Zeit sein, die für die Menschen von dazumal genügen würde, Jesus als den Erlöser anzuerkennen. Sie erhielten in dieser Zeit genügend Beweise dafür, dass er der Sohn Gottes war, um an ihn glauben zu können. Dafür sollte also eine Zeit von drei Jahren zur Verfügung stehen.
Christus gab so viele Gleichnisse und Beispiele, und er erklärte: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden. Er wird euch über all diese Dinge unterrichten.” (Joh. 14, 16–17 und 26.) Denn die Menschen von dazumal verstanden so wenig von der Ursache seines Menschseins; sie konnten ihn nicht begreifen und nicht verstehen. Sie bauten vielmehr auf die Propheten, die vor ihm gekommen. Daher heisst es ja: “Er kam zu den Seinen, und die Seinen erkannten ihn nicht” (vgl. Joh. 1, 10–11). Und so war es.
Ich habe in der letzten Zeit vielfach Gelegenheit gehabt, diese Beispiele, diese Gleichnisse Jesu zu erklären und die Wahrheit zu bringen. Denn um die Wahrheit geht es. So sagte Christus einmal zu den Seinen: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen” (Joh. 14, 3). Mit diesen Worten wollte er sagen: “Wenn ich in meinem Reiche bin, im Reiche meines Vaters, wird auch für euch ein Platz da sein. Ich werde euch entgegengehen, und ihr dürft mit mir zusammenleben.” Sie lebten auf Erden mit ihm zusammen, sie teilten die Freuden, sie teilten das Leid. Sie hatten viele Zweifel, doch sie wurden wieder aus den Zweifeln herausgehoben. Ihr Leben mit diesem Jesus war auch für die Jünger nicht immer einfach. Manches konnten auch sie nicht begreifen und nicht verstehen, obwohl er es ihnen in allen Einzelheiten erklärte. Sie waren doch zu sehr mit der Welt verbunden. Er sprach vom Reich Gottes auf Erden, und sie glaubten an ein sichtbares Königreich, das er errichten würde auf dieser Welt.
Er sagte: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen.” Ich versuche nun euch im Geiste in jene Zeit zurückzuführen, wo ein Jünger nach dem andern nach einem schweren Leben, das auch sie durchstehen mussten, eingetreten war ins Reich Gottes. Da ist Christus ihnen entgegengegangen mit einer Schar von Engeln Gottes, und er übergab ihnen ein Reich. Sie waren in die Herrlichkeit, in die Seligkeit Gottes zurückgekehrt, sie durften nun die Freuden teilen. Und sie hatten keine Fragen mehr – wie Christus einst zu ihnen gesagt: “Wenn ihr dann bei mir seid, werdet ihr keine Fragen mehr haben” (vgl. Joh. 16, 23). Sie kamen in die Herrlichkeit zurück, sie sahen die Seligkeit, sie erlebten die Seligkeit, sie waren wieder eingebettet worden in diese Seligkeit. Sie waren zurückgekehrt, und sie mussten nicht mehr fragen, denn alles war ihnen offenbar.
In der Zeit seines Wirkens musste Christus seinen Jüngern bei einer anderen Gelegenheit aber sagen: “Da, wo ich hingehe, kann ich euch nicht mitnehmen” (vgl. Joh. 13, 33 und 36). Was sollten die Jünger darunter verstehen? Was hatten die Pharisäer alles darunter verstanden (vgl. Joh. 7, 34–36 und 8, 21–22) – nur die Wahrheit kannten sie nicht! Den Jüngern aber konnte er nur sagen: “Da, wo ich hingehe, kann ich euch nicht mitnehmen.” Als sie allein waren, da fragten sie ihn: “Was hast du damit gemeint: ‘Da, wo ich hingehe, kann ich euch nicht mitnehmen’? Du hast doch gesagt: ‘Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen.’ Wie müssen wir das verstehen?” Und Christus versuchte es ihnen so gut wie möglich darzulegen; er musste ihnen sagen: “Ich gehe an einen Ort hin, und da, wo ich hingehen muss, ist kein Friede. Ich aber versuche, auch dorthin den Frieden zu bringen, und ich versuche, jene zu befreien, die in den Zwängen des Satans sind, dieses Herrschers, der die Welt regiert. Zu ihm werde ich gehen, und seine Rechte werde ich ihm schmälern. Es wird mit ihm eine Auseinandersetzung geben. Aber wenn ich dorthin gehe, bin ich nicht mehr Mensch. Wenn ich als Mensch gestorben bin und mich von dieser Welt gelöst habe, werde ich als Geist in sein Reich, in die Hölle, eindringen, und ich werde dort eine neue Gesetzgebung in Kraft setzen. Ich werde Gericht halten bei jenem, der die Welt beherrscht.”
Längst zuvor hatte Jesus seinen Jüngern erklärt: “Die Wahrheit können die Menschen dieser Welt nicht annehmen, weil sie sie nicht sehen können. Sie werden die Wahrheit nicht bejahen. Sie sehen sie nicht, und weil sie die Wahrheit nicht sehen, können sie sie nicht annehmen.” (6.12.1981)
Als Jesus seine Jünger aussuchte, übernahm er für sie und ihre Familien auch eine finanzielle Verantwortung. Denn Jesus war kein armer Mann, als er seine Lehrtätigkeit begann. Wie Geistlehrer Josef und Geistlehrerin Lene in verschiedenen Vorträgen darlegten, war er damals ein gefragter künstlerischer Planer und Gestalter von schönen Häusern und Gärten und hatte es durch diese Tätigkeit zu einem gewissen Vermögen gebracht.
Josef: Jesus hatte in jungen Jahren seine Arbeit verrichtet, wie sie ihm sein Vater Josef aufgetragen hatte. Mit der Zeit aber vermochte er schönere Dinge zu gestalten. Er wirkte an Gebäuden mit, er war auch beratend tätig. Er erklärte den andern Arbeitern, wie sie etwas zu gestalten hätten. Er erklärte ihnen, was für eine Art Stein sie nehmen müssten und auf welche Weise sie Figuren in diesen Stein einzuschlagen, einzuhauen oder einzuritzen hätten: Darstellungen von Menschen, wie sie lebten, von Tieren oder von Gegenständen, die man gebrauchte, oder ein Stück Natur. Jesus zeichnete es ihnen vor, so wie es zu seiner Zeit möglich war, solches darzustellen. Seine Fähigkeiten, die er nun entwickelte, waren andere als die bei der üblichen Arbeit seines Vaters erforderlichen. Jesus wirkte beratend da und dort mit – von der Arbeit eines Zimmermanns im Sinne von dazumal war nicht mehr viel die Rede. [...]
In jeder Beziehung, auf jede Art und Weise war er den andern Arbeitern behilflich, wenn es um die Gestaltung, die schöne Gestaltung, ging. Dafür war dieser Jesus bekannt. Und er hatte mehr als genug Arbeit oder Aufträge, wie man dem heute sagen würde.
Jesus hatte mit seinen Leistungen, die er vollbrachte, das Seinige verdient, und von dem, was er verdiente, unterstützte er seine Familie. Denn damals war es Brauch, dass ein Sohn, der arbeitete und zu Hause wohnte, einen Teil seines Verdienstes seinen Eltern übergab. Wenn es möglich war, beliessen die Eltern einen Teil des verdienten Geldes den Söhnen – doch nur dann, wenn die Eltern nicht das gesamte Geld für den Unterhalt der Familie brauchten. So war es auch bei Jesus.
Er wurde sogar von Pharisäern und Schriftgelehrten gerufen, die nicht in so bescheidenen Häusern wohnten. Auch für Synagogen arbeitete er; er schmückte Betsäle aus und nahm sich dazu seine Helfer. Jesus wurde bezahlt, und seine Helfer wurden bezahlt. Seine Leistungen aber mussten besser bezahlt werden, und er konnte sich auch behaupten. [...]
Ich möchte noch einmal ganz besonders auf Jesu wunderbare künstlerische Fähigkeiten hinweisen und betonen, in welch verschiedensten Formen und Arten sie bei ihm zum Ausdruck kamen. Sozusagen auf dem Höhepunkt seines Könnens trat er dann von dieser Tätigkeit zurück. Als die Gotteswelt ihm sagte: “Die Zeit ist jetzt gekommen”, wusste er: “Jetzt beginnt mein Erlösungswerk.” Diese Verbindung war ja schon längst vorhanden, und es hatte Gespräche gegeben. Doch über alle Einzelheiten war er nicht unterrichtet, sollte es auch nicht sein, denn es hätte ihn in seinem Leben an seiner Entfaltung gehindert. Er wusste um seine hohe Aufgabe, die er vom Vater hatte, und er selbst schwieg sich ja in vielen Dingen aus.
Erwähnen möchte ich noch, dass sich Jesus durch seine Fähigkeiten und Leistungen etwas hatte verdienen können. Mit dem Geld, das ihm persönlich zur Verfügung gestanden, hatte er Häuser gekauft. In diesen Häusern liess er seine Verwandten wohnen, und später liess er seine Jünger einziehen, und wer in einem seiner Häuser wohnte, hatte keinen Zins zu zahlen. Jesus hatte sich dies alles verdient. Von geistiger Seite aus war ihm schon erklärt worden, und er war darauf aufmerksam gemacht worden, dass eine Zeit kommen werde, wo er froh darüber sei, in seinem eigenen Hause einkehren zu dürfen. Als nämlich seine Lehrzeit begann und er seine Jünger zu sich bat, hatten sie ja alles verlassen und waren ihm nachgefolgt. Jesus hatte ihnen von seinem irdischen Eigentum zur Verfügung gestellt, damit sie da wohnen konnten. Sie brauchten nichts zu zahlen, sie waren seine Jünger; sie sollten nicht Not leiden, sie sollten ein Haus haben.
Doch Jesus hatte es für sich ausbedungen, dass er einen Raum für sich zur Verfügung hatte, wo er lehren konnte. So hatte er dann, als seine Lehrzeit begann, die Möglichkeit, da und dort einzukehren; denn er ging nicht regelmässig in sein Elternhaus zurück, er hatte ja die Möglichkeit, bei seinen Jüngern einzukehren, und er brauchte sie nicht einmal darum zu bitten, bei ihnen wohnen zu dürfen, es war ja sein Haus. So nahm er doch in der Zeit, da er seine Lehre verbreitete, Menschen mit hinein.
Später, als Christus erkannte, welchen Weg er zu gehen hatte und dass er sterben müsse, als ihm alles offenbar war, schenkte er sein irdisches Eigentum – ihm bedeutete dieses doch nichts – seinen Geschwistern und seinen Jüngern. Sie sollten es besitzen, sie sollten es haben, ihnen sollte es gehören; seine Mutter hatte ein Haus. Nie hatte Jesus Geld genommen von den Menschen, die in einem seiner Häuser wohnten. (5.1.1980)
Die eigenen Häuser boten Jesus während seiner Lehrzeit, in der er von Ort zu Ort zog, eine gewisse Unabhängigkeit. Sie boten ihm auch die Möglichkeit, sich mit seinen Jüngern zurückzuziehen, wenn er mit ihnen allein sein und ihnen die Gleichnisse, die sie nicht verstanden hatten, näher erklären wollte.
Josef: Christus hatte die Jünger stets aufgeklärt. Sie baten ihn jeweils darum, denn sie verstanden es ja nicht, was er meinte. Und da heisst es in der Heiligen Schrift: “Er nahm sie auf die Seite und erklärte es ihnen” (vgl. Mark. 4, 10–13).
So möchte ich in diesem Zusammenhang auf jene Schriftstellen aufmerksam machen, wo es heisst, Christus habe das Volk entlassen (z. B. Mat. 13, 36); denn die Leute gingen ihm jeweils nach. Es kam auch auf sein Befinden an, denn manchmal vermochte er nicht den ganzen Tag von einem Dorf zum andern zu wandern, und er entliess die Leute eben vorher. Grösstenteils ging er morgens früh von zu Hause weg, und so geschah es, dass er womöglich gegen Mittag schon das Volk entliess. In anderen Fällen suchte er mit ihnen einen Platz auf, wo ihnen etwas Schatten geboten wurde, und er lehrte sie dort. Manchmal blieb er bis zum späten Abend. Es war ganz verschieden, so wie gerade seine persönliche Verfassung war.
Wenn es heisst: “Er nahm die Seinen auf die Seite”, so besagt dies, dass er mit ihnen allein sein wollte. Das tat er jeweils dann, wenn er in der Nähe eines Hauses war, in das er mit den Jüngern eintreten konnte, entweder weil es ihm selbst gehörte oder weil dort ein Jünger oder ein ihm sonst gut Bekannter wohnte, der ihn womöglich eingeladen hatte. Dann kam er in ein persönliches Gespräch mit seinen Jüngern.
Die Leute gingen Christus nach, denn da hörten sie von den Wundern, die er erwirken konnte. Es gab ja so viele Kranke; im Besonderen gab es sehr viele, die von einem bösen Geist besessen waren. Christus trieb solche bösen Geister aus. Vielen Menschen ging es dazumal weniger um die Lehre, die er verbreitete, als vielmehr darum, dass sie von ihren Übeln, die sie hatten, befreit wurden. Und so gingen sie ihm nach.
Wenn er sie dann entlassen, sie nach Hause schicken wollte, sagte er zum einen oder andern: “Du wirst zu Hause erwartet.” Vielleicht musste er dem einen sagen: “Eines deiner Kinder ist plötzlich erkrankt. Du musst sofort nach Hause gehen. Wenn du aber zu Hause bist, dann reiche diesem Kinde in meinem Namen die Hand, und das Kind wird gesund.” Bei einem andern sagte er, dass seine Frau oder sonst ein Angehöriges plötzlich erkrankt sei oder dass irgendetwas Unangenehmes geschehen sei, und er machte ihn darauf aufmerksam, das Übel werde vorübergehen, sobald er in das Haus treten werde.
Die Leute, die dabei waren, waren sehr neugierig. Daher gingen sie mit den Betreffenden dorthin, wo sie wohnten, wenn es nicht allzu weit entfernt von dem Orte war, wo Christus gelehrt hatte. Sie wollten das miterleben, sie wollten sehen, ob das wahr sei, was dieser Mann gesagt hatte, und so liefen sie jenen nach.
So sind im Laufe der Zeit, da Christus lehrte, viele Dinge geschehen, die nicht aufgeschrieben sind. In den erwähnten Fällen war es so, dass die Leute sich überzeugen wollten und mit jenen Menschen mitgingen. Dann konnte Christus mit seinen Jüngern und mit denen, die er zum besonderen Gespräch ausgewählt hatte, allein sein, sie um sich haben. (4.10.1980)
Die Möglichkeit dieses Zusammenseins mit Christus war für die Jünger wertvoll und bedeutsam. Denn im kleinen, vertrauten Kreis liess sich auch immer wieder klären, wenn es unter ihnen zu Unklarheiten und Meinungsverschiedenheiten gekommen war.
Josef: Selbst die Jünger konnten doch so manches nicht begreifen und hatten ihren Meister immer wieder gefragt. Oder sie wurden untereinander uneinig und stritten sich, denn mancher von den Jüngern behauptete, der Meister habe es so gesagt und so gemeint. Christus selbst musste jeweils unter diesen Jüngern schlichten. Von diesem Streit steht so viel wie nichts in den Schriften. Man soll also nicht die Vorstellung haben, dass unter den Jüngern stets Einigkeit gewesen wäre; sie waren auch unterschiedlich in ihrer geistigen Auffassung. Aber der Meister hat sich Zeit genommen, wenn er sah, dass seine Jünger etwas nicht verstanden. Er nahm sie zu sich und erklärte es ihnen näher. Sie sagten dann jeweils: “Ja wenn du es uns so erklärst, können wir es eher verstehen und begreifen.” Dieses steht da und dort auch an gewissen Stellen in den Evangelien. Aber es ist öfters vorgekommen, dass die Jünger den Meister nicht verstanden haben und nicht begriffen, was er meinte, oder jeder etwas anderes meinte, bis Christus selbst ihnen die Erklärung gab. (30.5.1981)
Josef, 1. April 1978
Als Christus nicht mehr unter seinen Jüngern weilte, begann für sie eine schwere Zeit. Doch ihre Erlebnisse mit dem Auferstandenen und der Beistand der heiligen Geisterwelt gaben ihnen Kraft und Mut für ihre weiteren Aufgaben.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, als Christus aus dem Reich der Toten auferstanden war, erschien er zuerst den Seinen. Wo Christus sich aufgehalten hatte bis zu jenem Zeitpunkt, da er in den Himmel auffuhr, darüber wird nichts gesagt.
Die Evangelisten haben das Wirken Christi festgehalten. Sie berichten von seinem Auftrag, den er hatte, und von den Gesprächen, die er mit den Aposteln führte. Sie haben von seinen Wundern geschrieben, von seinem Leiden und von seinem Sterben. Die Evangelisten taten dies unter der Einwirkung der heiligen Geisteswelt. Heilige Geister führten die Evangelisten, und so haben sie im Allgemeinen dasselbe wiedergegeben mit kleinen Wortveränderungen; sie unterscheiden sich also im Besonderen nicht voneinander. Das sollte doch ein Beweis dafür sein, dass die heilige Geisteswelt [wie von Christus verheissen; Joh. 16, 13] eben ihre Tätigkeit aufgenommen hat und wirksam geworden ist. Die heilige Geisteswelt hat den Evangelisten das durchgegeben, was Christus im Auftrage Gottes zu erfüllen hatte und erfüllte. So hat die Christenheit ihre Belege dafür.
Von jener Zeit an, da Christus nicht mehr unter den Seinen weilte, begann für die Apostel eine schwere Zeit. Christus hatte es ihnen auch vorausgesagt. Er hatte ihnen kurz vor seinem Sterben gesagt: “Bis jetzt habe ich alles auf mich genommen; alle Bedrängnisse, alles Übel habe ich auf mich genommen. Wenn ich aber einmal nicht mehr bin, dann werdet ihr das Schwere, das ich allein getragen habe, auf euch nehmen müssen. Ich habe es für euch getragen.” (Vgl. Joh. 15, 18–21.)
Denn zu jener Zeit, als Christus lehrte, wurde er von den Pharisäern und Schriftgelehrten stets angegriffen, stets beschuldigt, und man trachtete nach ihm – nicht aber nach seinen Jüngern, nur nach ihm. Als Christus dann nicht mehr auf Erden war, ging man auch gegen die Apostel vor und beschuldigte sie. So fing auch für sie eine schlimme Zeit an, als ihr Meister nicht mehr unter ihnen weilte. Sie hatten Angst und versteckten sich ja auch; denn die Gesetze der Juden von dazumal waren sehr streng. So wurden nun auch Christi Jünger beschuldigt und verfolgt, und verfolgt wurden auch jene, die diesen Glauben annahmen. Denn die Jünger gingen doch hinaus und verkündeten das Wort Gottes und die Lehre Christi.
Dies taten sie von jenem Zeitpunkt an, da ihnen der Geist der Wahrheit gegeben wurde [an Pfingsten], als der Geist Gottes herniederkam und sie mit Kraft und Mut erfüllte. Und so gingen sie hinaus und waren nicht mehr von Angst geplagt, wie sie es vorher gewesen. Der Geist Gottes hatte ihnen diesen Mut gegeben. Und sie sammelten Menschen um sich und bekamen auch eine Anhängerschaft.
Menschen liessen sich zu jener Zeit auch taufen – man wollte diesen Glauben durch eine Taufe besiegelt haben. Es war eine schwere Zeit, und die Taufe als solche hatte dazumal einen ganz anderen Sinn als heute. Denn Menschen, die sich öffentlich für ihren Glauben taufen liessen, waren auch der Verfolgung ausgesetzt. Ihr müsst versuchen, euch in jene Zeit zurückzuversetzen. Damals gab es nicht eine solche Gemeinschaft, in der man sich treffen konnte, um sich sozusagen im Stillen taufen zu lassen. Getauft wurde auch, wenn man in den Familien zusammenkam, da wurde auch eine Taufe gespendet. Dies geschah aber unter ganz anderen Voraussetzungen.
Wurde in der Öffentlichkeit getauft, so wie es seinerzeit Johannes der Täufer tat, vernahm auch gleich die Obrigkeit davon. Ihr müsst euch nicht vorstellen, dass die Menschen einander nicht kannten – es gab ja nicht so viele Menschen wie heute, die Städte waren nicht so gross. Man kannte sich, und es wurde dann eben weitergesagt: “Jener oder jene hat sich taufen lassen.” Man ging weiterhin in den Tempel, in die Synagoge, in die Betsäle, hatte sich andererseits aber zu diesem christlichen Glauben bekannt; aus Angst vor Verfolgung gingen diese Menschen trotzdem noch in diese Betsäle, in die Synagogen. Doch diejenigen, die sich taufen liessen, wurden eben preisgegeben. Es gab genug solcher Leute, die darauf ausgingen, Mitmenschen zu verraten: “Dieser liess sich taufen, jene liess sich taufen.” Somit waren dann diese Christen der Verfolgung ausgesetzt. Die Taufe war ein öffentliches Bekenntnis.
Man soll sich also nicht vorstellen, dass die christliche Lehre von allem Anfang an so ohne Weiteres angenommen wurde. Es gab Verfolgungen. Ihr habt ja auch Zeugnisse, Beweise dafür, wie die ersten Christen für ihren Glauben sterben mussten, welchen Mut und welchen starken Glauben sie hatten. Sie waren von der Lehre, die ihnen verkündet wurde, die sie angenommen hatten, so überzeugt, um dafür zu sterben. Man soll sich das einmal vorstellen: von etwas so überzeugt zu sein, dass man sein Leben dafür hingibt. Es war also in jener Zeit nicht so einfach, Christ zu sein, da es Verfolgungen gab. Und aus Angst vor Verfolgungen hatten sich die ersten Christen ja auch zu verstecken versucht. Sie wollten nicht an die Öffentlichkeit treten. Doch es gab immer Verräter. Und so sind diese Heiligen für ihren Glauben eines schmerzvollen Todes gestorben. Diese Verfolgungen der Christen der Anfangszeit dauerten über das erste Jahrhundert hinaus – immer wieder wurden Christen verfolgt.
Dass ich dieses nun im Besonderen betone, hat seinen Grund. Ich weiss wohl, dass einige meiner Freunde längst Kenntnisse darüber haben. Ich erkläre es aber mit einer Absicht. Christus hat doch versprochen, den Geist der Wahrheit zu senden. Die Menschen sollten über Dinge aufgeklärt werden, die zu jener Zeit nicht verstanden werden konnten. Nun, ich habe in meinen ersten Worten schon auf einen solchen Punkt hingedeutet: Wo war Christus denn in der Zeit, als er vom Reich der Toten aufgestiegen war und den Jüngern erschien, sich ihnen dann und wann zeigte, aber auch wieder entschwand?
Die Jünger und seine Anhänger sollten doch die Bestätigung finden, dass es wahrhaftig eine Auferstehung gibt, dass ihr Meister, ihr Herr, auferstanden war. Sie erhielten dafür den Beweis. Christus hat also in dieser Beziehung die konkretesten und wunderbarsten Beweise des Weiterlebens nach dem Tode gegeben. Er hat den Menschen den Beweis so gegeben, wie es von ihnen hätte erwartet werden dürfen, dass sie es auch verstehen.
Denn ich muss von meiner Seite auch immer wieder betonen, dass die Worte, die Christus gegeben hat, seine symbolischen Auslegungen immer geistig verstanden werden wollen. Mit seinem Königreich, von dem er sprach, war ein geistiges Königreich gemeint. Bezeichnete er sich als “das Licht der Welt”, “das Brot des Lebens”, “das lebendige Wasser”, so war das doch nicht die übliche Sprache der Menschen, sondern diese Worte waren geistig zu verstehen. Sie bezogen sich also auf die andere Welt, auf das Leben in der anderen, unsichtbaren Welt, auf die Ewigkeit.
So erwartete man in der Geisterwelt Gottes, dass es die Menschen mit der Zeit verstehen würden. Es bestand die Hoffnung, dass in den Jahren, nachdem Christus längst ins Himmelreich eingekehrt war, diese geistige Sprache, diese Geisteslehre, wie sie gegeben worden war, erkannt, erfasst würde. Das war aber nicht der Fall. Aus der christlichen Lehre, wie Christus sie gegeben und ausgelegt hatte, wurde etwas anderes aufgebaut, es wurde anders verstanden. Es entstand daraus eine menschliche Herrschaft, in der das Geistige zu einer Nebenerscheinung wurde. In erster Linie war es eine menschliche Herrschaft, in erster Linie bestimmten nun Menschen und nicht die Geister Gottes.
Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, wie es dazumal bei den ersten Christen gewesen war. Sie fanden sich zusammen, sie hatten die Apostel. Die Apostel waren ihnen heilig, und so gingen die Menschen, die den Glauben angenommen hatten, mit ihren Sorgen und Problemen zu ihnen. Die Apostel gaben ihnen Antwort. Die Apostel vermochten auch Kranke zu heilen; auch sie trieben böse Geister aus den Menschen aus. Denn zu jener Zeit gab es das sehr häufig; es gab viele Menschen, die von bösen Geistern besetzt waren. Auch darüber will man nicht sprechen, auch das ist man nicht bereit anzunehmen. Und doch ist es so. Man versucht es auf verschiedene Art und Weise, anders auszulegen. Dabei ist es in den heiligen Schriften festgelegt. (Apg. 5, 12–16; 8, 4–8; 16, 16–18.)
Doch immer wieder muss ich auch darauf zurückkommen und betonen: Wenn man den Ursprung der Geisteslehre nicht kennt, kann man auch diese Dinge nicht verstehen. Denn man weiss ja nichts von einem Totenreich, weil man unter einem Totenreich etwas anderes versteht, nämlich ein Reich, wo die verstorbenen Menschen sind. Und man macht sich keine Gedanken darüber, dass Gott ja lebendig ist, es um den lebendigen Gott geht; also können die, die zu ihm gehören, nicht tot sein, sondern sie sind lebendig. Wenn es aber um das Totenreich geht und man von Toten spricht, so handelt es sich doch um etwas ganz anderes – nämlich um jene gefallenen Geister, die unter der Herrschaft dessen stehen, der Herrscher über die Toten ist.
Dies alles wird aber in der christlichen Lehre nicht auseinandergehalten, nicht erklärt. Das ist auch der Grund, warum Menschen heute im Glauben, den sie gerne haben möchten, nicht das Fesselnde finden, nicht das, was sie anspricht. Sie finden im Glauben nicht die Kraft, nicht das Kraftvolle; sie finden darin keine Hoffnung, keine Zuversicht. Doch der Glaube an Gott sollte dem Menschen eben diese Kraft in seinem täglichen Leben geben. Der Glaube an Gott sollte den Menschen mit Mut, mit Hoffnung und Zuversicht erfüllen. So sollte der Mensch von sich aus die Antwort auf die Probleme finden, die er hat. Aber er vermag es nicht, er kann die Antwort nicht finden, und so kann er sich im Glauben auch nicht festigen. Es sei denn, es handle sich um Menschen, die aus einem inneren Verlangen heraus glauben können, die bereit sind zu glauben, ohne lange zu fragen oder zu überlegen. Wenn solche Menschen in der wahren christlichen Lehre und nach den Gesetzen Gottes leben, bewegen sie sich in ihrem geistigen Aufstieg nach oben.
Im grossen Ganzen fragen die Menschen von heute viel mehr nach dem Warum und Wieso. Sie möchten die Dinge im Einzelnen erklärt und auseinandergelegt haben. Nun, das Unsichtbare, das Ewige, können sie aber nicht in der Weise auseinanderlegen. Doch es kann dem Menschen in seinem täglichen Leben an göttlichen Beweisen für die Ewigkeit noch genug gegeben werden. Anderseits ist es eben auch eine Prüfung für den Menschen. Denn Gott hat ihn ja weit weg von sich gesandt, damit er in der Ferne beweise, dass er ihn nicht vergessen hat, dass er Gott zugehörig ist und es ihm in den Sinn kommt, dass er auch noch eine geistige Heimat hat. Dieses sind Prüfungen, die Gott dem Menschen auferlegt hat.
Nun möchte ich auf das zurückkommen, was ich eigentlich darlegen will. Ich musste aber diese näheren Erklärungen geben, denn sie dienen jenen Zuhörern zum besseren Verständnis, die die Geisteslehre noch nicht in den Einzelheiten kennen.
Es stellt sich also die Frage: Wo ist denn Christus in der Zeit geblieben, ehe er zum Himmel aufgefahren ist? Als Christus nach seinem Sieg über Luzifer aus der Hölle, aus dem Totenreich, aufgestiegen war, erschien er zuerst den Seinen. Zuvor war für ihn ein Vorhimmel aufgebaut worden. In diesem Vorhimmel sollte Christus bis zu dem bestimmten Zeitpunkt verweilen, da er seinen Einzug in den Himmel, in die Ewigkeit halten sollte. Als Christus vom Totenreich aufstieg, ward er von seinen kämpfenden Engelscharen begleitet. Ein Teil dieser Engel zog ins Himmelreich zurück, ein weiterer Teil dieser Scharen ging mit Christus in diesen Vorhimmel.
Eine Vorstufe zum Himmel war auch für jene Wesen [die heimkehrwilligen Abgefallenen] geschaffen worden, die Christus aus dem Totenreich mitgenommen hatte. In diese Vorstufe wurden sie hinübergeleitet; das habe ich auch schon erklärt.
Christus aber nahm seinen Platz in dem von der Engelswelt vorbereiteten Vorhimmel ein. In diesem Himmel dienten ihm auch Engel Gottes. Engel Gottes trafen für ihn die Vorbereitungen zu seiner Heimkehr. Deshalb gab es wahrhaftig ein Hinuntersteigen von den Himmeln in diesen Vorhimmel zu Christus und ein Hinaufsteigen – es war ein ständiges Niedersteigen und Hinaufsteigen. Dieses wurde notwendig für die Vorbereitungen.
Doch kein Menschenauge hat je die Schau in die Ewigkeit von diesem Erlebnis der Rückkehr Christi gehabt; das muss ich betonen. Es wäre wohl möglich gewesen, dass gewisse Menschen eine solche Schau hätten erleben können und dieses Erlebnis dann auch seine Niederschrift gefunden hätte. Da aber gleich nach dem Erdentode Christi die Verfolgung der Christen angefangen hatte, kam es nicht dazu. Der niederen Geisteswelt war es möglich, unter den Menschen ihre Werkzeuge zu finden und die Menschen von der Wahrheit wegzuführen. So war für jene einzelnen, die in sich diese Heiligkeit gehabt hätten, diese Schau zu erleben, es deshalb nicht möglich, weil zu viel Kummer, zu viel Sorge, zu viel Bedrängnis sie umfingen. Dabei ging es nicht nur um diese einzelnen Menschen, sondern auch um jene, die sich zum christlichen Glauben bekannten und verfolgt wurden – ihrer hatte man sich anzunehmen. In ganz besonderer Weise richtete sich doch das Interesse auf die Umsorgung der Menschen, die diesem Glauben anhingen. Und daher konnte es nicht möglich werden, dass ein Mensch in jener Zeit in der Weise eine solche Schau erlebte. Und dies war auch nicht von vordringlicher Bedeutung.
Von Bedeutung war, dass die Lehre, die Christus gebracht hatte, unter der Menschheit ihre Verbreitung finden würde. Die Gesetze Gottes sollten so, wie sie von Christus gebracht und dargelegt worden waren, von den Menschen aufgenommen werden. Der christliche Glaube sollte seine Verbreitung finden. So kann man sich doch vorstellen, dass eine solche Schau von der Heimkehr Christi zum Vater nicht angenommen worden wäre, es also nicht sinnvoll gewesen wäre zu jener Zeit, solches den Menschen darzulegen; denn sie vermochten ja nicht einmal das Einfachste zu glauben.
Sie wollten ja nicht glauben, dass Christus der Sohn Gottes ist. Auch die vielen Beispiele und Auslegungen, die Christus in symbolischer Art und Weise gegeben hatte, wurden nicht verstanden, obwohl er oft nachträglich versuchte, es ihnen zu erklären und auf sein Reich hinzudeuten, auf sein Reich der Ewigkeit, indem er sagte: “Mein Reich ist nicht in dieser Welt” (Joh. 18, 36), und: “Ich bin nicht gekommen, um zu richten, sondern um zu erlösen, um zu befreien” (Joh. 12, 47). Doch diese einfachen Worte, diese Lehre wurde nicht verstanden.
Wenn ich euch erkläre, in welch wunderbarer Art und Weise der Himmel diese Vorbereitungen für die Heimkehr Christi getroffen hatte, fehlt auch euch das Verständnis dafür. Ich weiss wohl, es sind Freunde hier, die mit der christlichen Geisteslehre so vertraut sind – ihnen ist es nicht fremd, das zu verstehen und daran zu glauben. Hat man aber schon Mühe, zu glauben, dass das, was auf dieser Erde ist, lebt [beseelt ist] und sich [durch eine unsichtbare Kraft] entfaltet, so vermag man auch das nicht zu verstehen, was von einer unsichtbaren Welt geschildert wird. Wenn gesagt wird, dass alles, was ihr besitzt, längst auch in der Geisteswelt vorhanden ist, bereitet es dem einen oder andern Schwierigkeiten, dies zu verstehen. Man sucht dann im Kleinen, im Einzelnen; aber von diesen kleinen Dingen aus kann man sich die Ewigkeit nicht vorstellen. Denn die Ewigkeit zeigt sich in ihrer Vielfalt, in ihrer Grösse, in ihrer Pracht. Das ist für manchen Menschen schwer zu verstehen.
So ist es für heutige Christen auch schwer zu verstehen, wie es möglich war, dass Christus nach seinem Tode den Seinen sichtbar erscheinen konnte – sie können es nicht begreifen. Dabei habe ich auch schon erklärt, auf welche Art und Weise solches zustande kommt.
Zum besseren Verständnis möchte ich nur nebenbei, nur so nebenbei, ein Beispiel anführen. Wenn in der Winterszeit ein Baum kahl, wie verdorrt ist, dauert es doch nicht allzu lange, bis der Winter zu Ende geht und der Frühling kommt. Die Sonne vermag dann mit ihrer Kraft der Natur schon etwas zu geben – sie weckt die Natur aus ihrem Schlaf. Überlegt euch doch einmal: In verhältnismässig kurzer Zeit ist dieses möglich. Plötzlich fängt dieser Baum, der noch so kahl war, an den Ästen und Zweigen zu spriessen an und bringt Blätter hervor. Der vorher kahle Baum zeigt sich in einer Fülle. Er ist von einer Kraft durchdrungen worden, und durch diese für den Menschen doch unsichtbare Kraft fängt der Baum an auszutreiben. Er bildet seine Knospen, seine Blüten, seine Früchte, und das doch in verhältnismässig kurzer Zeit. Es ist also in der Natur ein Aufbau vorhanden, es gibt ein Werden.
Nun, ich habe euch schon erklärt, dass der Geistesleib von feinstofflicher Art ist. Bei Christus ist er von allerfeinststofflicher Art. Der Geistesleib eines verstorbenen Menschen weist, je nach der geistigen Entwicklung seiner Seele oder seines ganzen Wesens, eine entsprechende Stofflichkeit auf. Es ist also nicht diese Feinststofflichkeit da [wie bei Christus], besonders bei jenen nicht, die in ihrer Seele belastet sind. Ich spreche nun aber von Christus, von seinem geistig allerfeinststofflichen Leib. Die Engel dienten ihm zu, und es war die Aufgabe dieser ihm zur Seite stehenden Engel, seinen feinststofflichen Leib einzuhüllen oder diesem feinststofflichen Leib von der Stofflichkeit aufzutragen, um ihn für Menschen sichtbar zu machen [zu materialisieren]. Dazu nahmen die Engel von der erwähnten Kraft, die [in der Natur] für den Aufbau, für das Werden, auch für das Werden des Menschen, zur Verfügung steht. So taten diese Engel Gottes das Ihrige. Sie förderten und bauten in viel kürzerer Zeit [als in der Natur] das Notwendige auf, damit Christus den Seinen sichtbar erscheinen konnte.
Als Geist vermochte Christus die irdische Materie zu durchdringen. Wenn er dann seinen Aposteln erschien, die sich entweder schon im Raum versammelt hatten oder sich im Freien bewegten, so nahm dieser Aufbau auch eine gewisse Zeit in Anspruch. Doch dauerte es nur eine kurze Zeit, denn dies kam eben mit dieser grössten Kraft Gottes zustande, mit ihr ist dieser Aufbau geleistet worden. Wenn Christus den Seinen erschien, blieb er stets eine gewisse Zeit, und dann entschwand er ganz plötzlich wieder und war einfach nicht mehr da. Dieses Auflösen des Aufgebauten ward eben auch wieder möglich mit den der Geisteswelt Gottes zur Verfügung stehenden geistigen Kräften.
Damit sollte doch der Menschheit für die ganze Zukunft der Beweis gegeben werden, dass es wahrhaftig ein Weiterleben nach dem Tode gibt. Es ist den Menschen also auch etwas davon erklärt und gezeigt worden, auf welche Art und Weise es möglich ist, dieses aufzubauen, um sie überhaupt auf das Werden und Vergehen aufmerksam zu machen.
Betrachtet einmal die Natur. Die Natur hat auch ihre Sprache, eine wunderbare Sprache. Der geistig ausgerichtete Mensch kann diese Sprache verstehen. Aber hinter dieser Sprache soll man nicht einfach nur dieses Fühlbare, dieses Tastbare akzeptieren und das, was sichtbar ist, sondern man muss hinter alldem auch den Baumeister erkennen können. Denn von nichts kann nichts aufgebaut werden. Wo etwas zustande gekommen ist, ist es aus den Kräften der Natur geschehen, oder es ist aus dem Wirken des Menschen, durch seiner Hände Arbeit entstanden. So hat alles seine Ursache.
Jetzt ist für die Christen das Osterfest, die Osterzeit vorbei, und nur wenige Menschen denken noch weiter darüber nach, was Wunderbares der Himmel hergegeben hat, um den Menschen, die da auf dieser Erde leben, den Weg zurück wieder zu ebnen, sodass sie diesen Weg auch finden. Im Glauben kann man diesen Weg finden, und das wird gefördert, man findet den Weg schneller, wenn man die Wahrheit kennt, wenn man die ursprüngliche Lehre kennt, den Ursprung also, warum das menschliche Leben notwendig ist. Über dieses Warum und Wieso müssten die Menschen doch auch aufgeklärt werden.
Denn dieser grosse Baumeister kennt die Seinen. Er hat ein geistiges Haus für sie bereitet, und in dieses geistige Haus will er sie zurückhaben. Noch leben sie in dieser irdischen Welt, noch leben sie da, wo alles vergänglich ist. Er will sie aber in seinem Reiche wissen. Durch die Erlösungstat Christi ist doch ein jeder zum Erben Gottes ernannt worden. Er ist von der Knechtschaft befreit worden, und in die Kindschaft Gottes ist er eingetreten.
So sollte man sich doch im Laufe des Lebens darüber Gedanken machen. Dadurch aber wird der Mensch auch dazu verpflichtet, sich nach den Gesetzen Gottes auszurichten. Dann wird das Himmelreich seine Tore weit öffnen, und es wird für den Heimkehrenden ein Staunen, ein Erleben geben. Und dann ist es für ihn auch möglich, die einstige Heimkehr Christi zu erleben.
Heute kann ich euch dieses doch wohl erklären. Es ist für euch nicht mehr unverständlich. Hätte ich es aber vor einigen Jahrzehnten gesagt, hätte man womöglich daran gezweifelt. Aber in heutiger Zeit vermögt ja auch ihr selbst ein Erlebnis festzuhalten und es noch nach Jahrzehnten wieder zu erleben. Und das ist möglich auf dieser Welt unter den Menschen, wo nichts vollkommen ist. In der Geisteswelt aber ist es vollkommen. So ist diese Schau für einen verstorbenen Menschen, der heimgekehrt ist, möglich, wenn er in der Himmelswelt jene Stufen einnimmt, wo man sagen darf: “Er hat seinen Platz in einem erhöhten Himmel.” So wird es für ihn auch diese Gelegenheit geben, denn der Wunsch, solches zu schauen, ist immer da. Auch Engel des Himmels möchten es wiederholt, ungezählte Male wieder erleben: diese Schau, wie Christus von diesem Vorhimmel aus heimkehrte in den Himmel zum Vater, in Gottes Herrlichkeit hinein. Ich habe euch nicht verraten, auf welche Art und Weise dies geschah. Ich kann dieses Geschehen nur in der Weise beschreiben: Es war so unglaublich schön und bewundernswert. Denn der ganze Himmel hatte sich aufgemacht. Alle geistigen Völker des Himmels haben das Ihrige dazu beigetragen, um ihren König auf die wunderbarste Weise zu begrüssen. Ich hoffe, es gebe vielleicht wieder einmal eine Gelegenheit, wo ihr über das Nähere orientiert werdet. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 1.4.1978 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Fragebeantwortung anlässlich der Vorstandssitzung vom 11. Juni 1980
Lieber Josef, du hast uns kürzlich Erklärungen über die Entstehung der Evangelien gegeben [im Vortrag vom 29. März 1980]. Früher einmal hast du uns gesagt, dass der Jünger Johannes auch der Verfasser des Evangeliums ist. Nun wissen wir aber nicht, wer die Verfasser der drei andern Evangelien sind.
Josef: Ja, ich wusste schon, dass du diese Frage an mich richtest. Und vorsorglich – möchte ich sagen – liess ich mich in dieser Beziehung etwas aufklären. Denn ihr dürft nicht der Auffassung sein, dass ihr jede Frage an mich stellen könnt und ich die Möglichkeit hätte, das einfach von mir aus zu beantworten. Ich muss ja auch darüber orientiert werden, ich muss ja auch Aufklärung finden; oder ich werde da, wo ich mich mit den geistigen Geschwistern unterhalte, in solche Gespräche eingeführt und entnehme daraus diese Belehrungen oder Erklärungen.
Ich möchte nun versuchen, euch eine Antwort zu geben, denn ich wurde darüber aufgeklärt. Zunächst muss ich einmal darauf hinweisen, dass für euch heutige Menschen die Zeit der Bibel, des Neuen Testaments oder die Zeit des Lebens Christi weit, weit entfernt ist. Wir sind ja immer darauf bedacht, dass ihr mit der Zeit geht und euch den Fortschritten der Zeit anpasst, um der neuen Zeit gerecht zu werden. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass es auch eine andere Zeit gab und man sich in diese andere Zeit zurückversetzen können muss; man muss sich im Geiste vorstellen können, wie damals zur Zeit der ersten Christen gelebt und gewirkt wurde. Es gibt die Evangelien, sie sind heute in soundso vielen Übersetzungen vorhanden, die Bibel ist soundso oft übersetzt worden – das brauche ich euch nicht zu erklären; sondern ich möchte versuchen, deine Frage zu beantworten. Aber ich kann es nicht, ohne euch im Geiste in jene Zeit zurückzuführen.
Es war damals so: Die Jünger fühlten sich sicher und geborgen, solange Christus bei ihnen war. Doch als Christus von dieser Welt wegging und in den Himmel aufgefahren war, da standen diese Jünger doch zuerst einsam, verlassen, verängstigt da – bis zu dem Moment, wo das in Erfüllung ging, was Christus ihnen versprochen hatte: dass er den Geist der Wahrheit senden würde. Aber diese guten Apostel hatten doch noch keine richtige Vorstellung davon, sie wussten nicht so richtig, was unter diesem Geist der Wahrheit, der da kommen sollte, zu verstehen war. Ihr seid darüber aufgeklärt worden, dass die Jünger [als sie zum Pfingstfest in Jerusalem versammelt waren] von einem Geist Gottes durchdrungen wurden, der sie mutig machte und sie befähigte, dass sie dieselben Lehren, die Christus verkündete, nun weitergeben konnten.
Nun ging es den Jüngern darum, das ganze Geschehen, das Leben und Wirken Christi, sein Leiden und Sterben zusammenzufassen und festzuhalten. Bis anhin hatten sie ja die Möglichkeit, mündlich zu berichten, was geschehen war. In der Anfangszeit waren ja so viele Menschen da, die Christus selbst erlebt hatten. Sie hatten ihn gesehen, sie hatten Heilung durch ihn erfahren, sie waren ihm ja nachgelaufen, sie kannten ihn. Und so wussten in der ersten Zeit die Menschen, die da gelebt hatten, doch selber recht viel von diesem Jesus und von diesen Geschehnissen.
Jetzt aber ging es doch den Jüngern einmal darum, alles, was geschehen war, zu sammeln und festzuhalten – so wie ihr meine Worte aufzeichnet und aufbewahrt. Jetzt gingen in erster Linie einmal diese Jünger zu den Menschen hin, die ihre Erlebnisse mit Christus gehabt hatten, und sammelten ihre Berichte. Ich muss jetzt versuchen, das etwas chronologisch zu erklären. Die Jünger selbst hatten ja ihre eigenen Erlebnisse, und diese wurden aufgezeichnet, aufgeschrieben. Es war ganz besonders Johannes, der ja der jüngste der Apostel war, der sich an diese Geschehen erinnerte und sie aufzeichnete. Auch Petrus und andere Apostel hatten, jeder auf seine Weise, ihre Aufzeichnungen gemacht und ihre Erlebnisse festgehalten. Denn es waren ja nicht bei jedem Geschehen oder bei jeder Handlung Christi alle Apostel anwesend. Das eine Mal ging Christus vielleicht nur mit wenigen Jüngern, und ein anderes Mal war es eine grössere Anzahl. Auf dem Berg Tabor waren beispielsweise nur drei Apostel beisammen, es waren ja nur wenige, die jenes Geschehen miterleben durften. Aber diejenigen, die etwas mit Christus erlebt hatten, mussten auch ihre Aufzeichnung davon machen. Und so trugen die Jünger diese Geschehnisse zusammen. Aber es blieb alles noch unvollständig. Die Jünger gingen dann auch zu den Leuten hin und fragten sie, was sie an Erlebnissen mit Christus gehabt hatten – zur Bestätigung von dem, was die Jünger selbst aufgezeichnet hatten.
Und in welcher Sprache geschah dies? Die Sprache war – das habe ich schon einmal erklärt – die landesübliche Sprache, die Christus und die Jünger mit den Leuten damals gesprochen hatten, und das war die einfache Sprache Aramäisch. Das Zusammentragen dieser Erlebnisse, diese Notizen – würde ich jetzt sagen –, sie waren verschiedener Art, doch das Ganze war noch etwas Unvollständiges.
Ich möchte noch folgende Erklärung geben: Die Juden, die in besonderem Ansehen standen oder die – ich glaube, es ist besser zu sagen – eine besondere Stellung einnahmen, fanden genügend Zeit, neben ihrer aramäischen Landessprache noch die vornehme Sprache zu lernen, die damals in jenem Lande gesprochen wurde. Es war dies das Griechische. Die vornehmen Juden lernten die griechische Sprache, sie liessen sich darin unterrichten; sie hatten genügend Zeit dafür. Aber dies war nur eine besondere Schicht, die etwas darauf gab, als gebildet zu gelten. Es gehörte für sie dazu, neben der üblichen Landessprache noch Griechisch zu sprechen. Es war die vornehme Sprache, die man sprach, wenn man unter gehobenen Juden zusammenkam.
Und so wurde es auch notwendig, die zusammengetragenen Erlebnisse nicht nur in der landesüblichen Sprache festzuhalten. Denn das damals gesprochene Aramäisch war – ich könnte als Vergleich sagen – wie ein besonderer Dialekt, den jeder einfache Mensch sprach; es war nicht die gehobene Sprache. Man wollte nun alle diese Erlebnisse mit Christus, das ganze Geschehen und Wirken, in der gehobenen Sprache der Menschheit weitergeben. Und so wurden diese Aufzeichnungen zuerst ins Griechische übersetzt. In der griechischen Sprache wurden dann diese Erlebnisse mit Christus zusammengetragen. Aber noch war alles unvollständig – das will ich betonen. Jetzt ging es doch darum, dass alles, was durch Christus gesagt wurde, erhalten blieb, dass nichts davon verloren ging, so wie er es selbst gesagt hatte: Es dürfe kein Strich verloren gehen von dem, was er gesagt habe, es müsse alles zusammenbleiben, es müsse alles erhalten bleiben. (Vgl. Mat. 5, 18 und 24, 35.) Und das ist etwas, was die heutigen Menschen nicht einsehen können: Christus hatte doch den Menschen versprochen, dass die Geisterwelt Gottes kommen werde und die Menschen inspirieren und führen werde.
Jetzt ging es darum, die geeigneten Menschen dafür zu finden, um die Geschehnisse in der griechischen Sprache darzulegen. Der betreffende Mensch musste also selber etwas an Fähigkeiten mitbringen. Dies betone ich, weil oftmals die Auffassung herrscht, die Geisterwelt Gottes könnte ja alles tun, sie könnte jeden Menschen zu allem führen und lenken. Nein, sie ist auch an gewisse Fähigkeiten des Menschen gebunden; sie hat nicht die Möglichkeit, einfach jedem unbedingt alles zu geben – es sei denn, es handle sich um einen ganz besonderen Auftrag von Gott mit allem geistigen Einfluss, der möglich ist, dieser betreffenden Person zur Verfügung zu stellen. Aber hier ging es nun darum, geeignete Menschen zu finden, die von der Geisterwelt Gottes als Werkzeug benutzt werden konnten.
Den Evangelisten, die auserwählt wurden, stand nun schon etwas Material zur Verfügung, das die Jünger zusammengetragen hatten. Aber dieses – das möchte ich ausdrücklich betont haben – war unvollständig. Vollständig niedergeschrieben und wiedergegeben wurde es jetzt unter dem Einfluss von Geistern Gottes. Die Geister Gottes hatten Einfluss auf die Evangelisten nehmen können, weil bei diesen Menschen die notwendige Begabung oder Fähigkeit dafür vorhanden war; die Bedingungen waren da, aber die Geisterwelt Gottes hatte diese Menschen zuerst auch suchen müssen.
Im Ursprung wurde das Geschehene also nur stückweise zusammengetragen und dann zu einem Ganzen verfasst. Bei jedem, der diese Niederschrift machte, war ein Geist Gottes mit seinem Einfluss da, damit die Fassungen dieser Evangelisten im Grossen und Ganzen übereinstimmten. Aber auch bei ihnen gibt es gewisse Unterschiede. Wenn ihr aufmerksam diese Evangelisten lest, seht ihr, dass der eine dieses Geschehnis besonders beleuchtet, während ein anderer besonderen Wert auf etwas anderes legt, und das hat auch seine Richtigkeit. Aber es wurde dann zu jener Zeit doch ein vollständiges Werk.
Dann wurden ja diese Evangelien in andere Sprachen übersetzt, und die erste Sprache nach dem Griechischen war das Lateinische. Bei diesen weiteren Übersetzungen war nicht mehr überall der Einfluss der Geister Gottes da, es war dann Menschenwerk. Menschen sassen da vor diesen Schriften, und es wurde manches Wort nicht richtig verstanden, und so, wie es diese Übersetzer verstanden, wurde es dann niedergeschrieben und ausgelegt. So bekam es dann eben oft auch einen anderen Sinn. Und darum ist es auch notwendig für die heutigen Menschen, dass sie die Wahrheit dieser Heiligen Schrift erfahren. Denn zu jener Zeit, als die Apostel alles zusammentrugen, haben sie die Tatsachen so geschildert, wie jeder es auf seine Art und Weise erlebt hatte. In diesen Schilderungen gab es dazumal schon gewisse Abweichungen, Abweichungen in der Sprache oder der Art und Weise, wie es niedergeschrieben wurde – aber es gab keine Entstellung des Sinnes. Ich brauche euch das nicht näher zu erklären, denn bei euch Menschen ist es genauso: Es können zwei Menschen dasselbe erleben, aber jeder erlebt es auf seine Art und Weise und schreibt es auf seine Art und Weise nieder. Und das ist eigentlich das Grundsätzliche, das Wesentliche.
Zu der Zeit, da Johannes alt geworden war, hatte auch er Jünger um sich, und auch diese machten sich daran, das Geschehen um Christus niederzuschreiben, es nachzuerleben und zu übersetzen. Johannes war ja der letzte der Apostel, der Christus noch selbst erlebt hatte, und so konnte er bei diesen Niederschriften manches richtigstellen, was ihm möglich war.
Aber was ist nachher geschehen mit dieser Bibel? Es ist eine Macht darübergegangen, und man hat das Ganze auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet, auf einen Machtbereich, und hat so viele Dinge hineingebracht und Dogmen aufgestellt, dass so vieles unverständlich wurde. Wie konnte man überhaupt dazu kommen, ein Dogma von einem dreieinigen Gott zu erstellen? Wie konnten Menschen überhaupt zu so etwas fähig sein, wo Christus doch immer nur und deutlich von seinem Vater im Himmel gesprochen hat? Ich habe deshalb meinen letzten Vortrag [die Abendmahlansprache an Pfingsten 1980] auf dieses Thema ausgerichtet, auf das besondere Verhältnis zwischen Gott und Christus, zwischen dem Vater und seinem eingeborenen Sohn. Dieses besondere Verhältnis zwischen Gott und Christus zu verstehen und zu begreifen, ist für die Menschen von heute eben oft schwer. Aber es ist die Wahrheit.
Wenn ihr versucht, euch in jene Zeit zurückzuversetzen, muss es euch doch ganz natürlich erscheinen, dass die Evangelien in der Weise entstanden, wie ich es euch geschildert habe. Auch ihr schreibt ja jedes Wort auf, das ich rede, sogar jeden Versprecher – ihr haltet den Wortlaut fest, doch dann wird er korrigiert, und es wird eine Reinschrift angefertigt. Das ist der natürliche Vorgang. So sammelten damals jene Menschen diese verschiedenen Berichte und trugen sie zusammen, und dann wurde es unter dem Einfluss der Geisteswelt Gottes von den Evangelisten niedergeschrieben. Die Geisteswelt Gottes hatte sich diese Menschen ausgesucht, die die Fähigkeiten besassen, dieses niederzuschreiben und ins Griechische zu übertragen.
Vielen Dank, lieber Josef. Ich bin nur sehr erstaunt, zu erfahren, dass auch Petrus Notizen machte. Ich hätte nicht gedacht, dass er als Fischer das konnte.
Josef: Ja, es ist vielleicht nicht richtig gesagt, dass er Notizen machte – dies könnte zu einem Irrtum führen. Aber Petrus hatte doch auch seine Erlebnisse, von denen er berichten konnte. Und es waren ja immer Jünger beisammen; er brauchte nur zu erzählen, und es war immer jemand da, der seine Aussagen aufzeichnen konnte.
Dann ist also das apokryphe Petrus-Evangelium durch jemand anders verfasst worden, der seine Worte aufgeschrieben hatte?
Josef: Ja, genau. Überhaupt haben die Jünger untereinander ausgetauscht, was sie erlebt hatten. Aber ich wiederhole und beharre darauf: Es war unvollständig zum Teil; sie haben einfach ihre Erlebnisse aufgezeichnet, und das wurde dann zusammengetragen. Die Evangelisten hatten dann unter dem Einfluss der Geisteswelt Gottes den richtigen Wortlaut schreiben können. Und selbstverständlich sind dann ihre Niederschriften, diese Evangelien, mit ihrem Namen versehen worden.
Ich habe mich gefreut, dass du von Johannes nochmals die Bestätigung gegeben hast, dass er in hohem Alter gestorben ist, in dem Alter, da er auch die Offenbarung geschrieben hat. In der Geschichtsforschung ist man sich nicht einig, ob Johannes nicht zusammen mit seinem Bruder Jakobus umgebracht worden sei.
Josef: Nein. Christus hatte ja eine Bemerkung dazu gemacht, als er seinerzeit von den Jüngern gefragt wurde: “Was geschieht denn mit Johannes?” (Joh. 21, 21). Er hatte zuvor Petrus gegenüber angedeutet, dass auch Petrus seine Hände ausstrecken werde [das heisst, den Kreuzestod erleiden werde]. Die Jünger hatten diese Worte wohl gehört, aber ihr müsst euch dabei überlegen: Auch wenn einem solches gesagt wird, ist immer Hoffnung da; denn es denkt niemand an einen solchen Tod oder an ein solches Erleben, sondern es ist immer Hoffnung da – erst später erkennt man, was für eine Bedeutung diese Worte in Wahrheit gehabt haben. Weil Christus jedoch bezüglich Johannes nichts geäussert hatte, fragte man ihn: “Ja und Johannes, was geschieht mit ihm?” Darauf antwortete Christus: “Ich will, dass er bleibt, wie er ist; ich will, dass er so bleibt.” Also das heisst, es sollte ihm nichts geschehen. Ja, ich hoffe, ich habe einen Beitrag zur Klärung gegeben.
Ja, vielen Dank, lieber Josef. Darf ich noch etwas dazu erwähnen: Es gibt ja auch das Thomas-Evangelium. Man nennt es in kirchlichen Kreisen apokryph, also nicht zum Kanon der biblischen Schriften gehörend. Heisst das, dass Thomas auch seine Aufzeichnungen gemacht hat und dass da noch ein anderer Evangelist tätig war?
Josef: Das ganze Material, alle Notizen sind ja übernommen worden. Der Grundstoff war da, unvollständige Notizen waren da. Und diese mussten bearbeitet werden oder wurden bearbeitet. Und das tat ja nicht einer allein. Es waren Verschiedene, die ihre Aufzeichnungen machten, wenn auch nicht alle direkt unter dem Einfluss eines heiligen Geistes, wie es bei den Evangelisten der Fall war. Damit will ich nicht sagen, dass nicht auch die andern von der Geisteswelt Gottes beeinflusst worden wären; aber die Geisteswelt Gottes hatte die Evangelisten als die Geeignetsten für diese Aufgabe ausgesucht – sie waren diejenigen, welche die Fähigkeit dafür hatten.
Lieber Josef, wir nehmen also aufgrund deiner Ausführungen an, dass diese Evangelisten nicht mehr eigentliche Jünger Jesu waren, sondern erst verhältnismässig spät oder später dazukamen.
Josef: Später. Aber Johannes war doch dabei.
Er war wohl als einziger Jünger dabei?
Josef: Jawohl.
Lieber Josef, es gibt ja noch weitere apokryphe Evangelien, zum Beispiel das von Maria. Das kann doch nicht stimmen?
Josef: Nein. Ich habe euch die Erklärung dafür gegeben. In den ersten zwei, drei Jahrhunderten nach Christus wurde immer wieder versucht, die Evangelien neu zu bearbeiten und wieder in andere Sprachen umzusetzen, und dabei ist vieles mit diesen Evangelien gemacht worden.
Aber ich habe es euch erklärt: So wie ihr meine Worte aufschreibt und dann das Aufgeschriebene einmal korrigiert und dann in die Reinschrift bringt, so war es bei den Jüngern – das ist der natürliche Vorgang. Sie hatten zuerst Bruchstücke zusammengetragen. Sie gingen sogar auch zu den Leuten hin, die Christus noch selbst erlebt hatten. Und so wurde das Material vom ganzen Leben und Wirken Jesu und von all dem, was geschehen ist, zusammengetragen. Und auch den Jüngern war es daran gelegen, eine Einheit zu finden in alldem. Und so hatten sie das eben auf diese Weise zusammengetragen. Und nachher wurde alles von den Evangelisten unter dem Einfluss der heiligen Geisterwelt in die griechische Sprache gebracht.
Lieber Josef, darf ich noch eine letzte Frage stellen? Hatte Jesus eine Verbindung mit den Essenern [religiöse Gruppe im antiken Judentum]? Das wäre sehr wichtig, wenn man hierüber einmal Klarheit hätte.
Josef: Das möchte ich ein anderes Mal beantworten. Christus war mit allen verbunden, die auf der Geisteslinie waren und mit dieser gehobenen Gesinnung lebten – da war der Einfluss von Christus und die Verbindung vorhanden. Aber sonst hatte er sich von allen distanziert, die ausgeprägte [extreme] Ansichten von sich gaben. Darüber müsste ich vielleicht ein anderes Mal sprechen.
Aber ich habe nun Zeit aufgewendet und euch die Antwort auf eure Fragen gegeben. Und ich hoffe, ihr habt mich verstanden. So möchte ich euch mit dem Segen Gottes entlassen. Er behüte, beschütze und führe euch in eurem Leben mitsamt euren Angehörigen zu Hause. Gott zum Gruss.
Fragebeantwortung von Geistlehrer Josef durch Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Vorstandssitzung vom 11.6.1980 im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)