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Thema dieses Heftes ist die Eigenverantwortung des Menschen für seinen Aufstieg, für seinen Weg zurück ins Himmelreich. Christus hat den Weg zurück zu Gott für alle Menschen, für alle Gefallenen frei gemacht, doch ein jeder muss sich die Rückkehr ins göttliche Reich aus eigener Kraft erobern. Auch wenn man dabei auf göttlichen Beistand zählen darf, bleiben dem Menschen Leid und Widerstände nicht erspart. Sogar Christus, der Sohn Gottes, musste die Erfüllung seines Auftrages aus eigener Kraft leisten, musste gegen Widerstände, gegen Versuchungen kämpfen und enormes Leid ertragen.
Geistlehrer Josef beleuchtet in seinem Vortrag von 1965 auch den schweren Kampf, der von den farbigen Völkern um ihre Gleichberechtigung geführt wird. Er schildert, wie weisse Menschen – und Christen – deren Aufstieg zu hindern suchen und sich damit genauso als Werkzeuge der niederen Geisteswelt erweisen wie die Menschen, die seinerzeit Christus verurteilt hatten. Es sollte jedoch, so Josef weiter, der Starke dem Schwachen seinen Beistand geben; was fortgeschrittene Menschen erreicht haben, sollte nicht nur ihnen selbst, sondern allen Völkern zugutekommen.
Josef, 27. Februar 1965
Geistlehrer Josef spricht in diesem Vortrag von der Eigenverantwortung des Menschen für seinen Aufstieg. Christus hat für alle Gefallenen den Weg zum Himmel frei gemacht, doch ein jeder muss das Himmelreich aus eigener Kraft erringen. Auch wenn man dabei auf den göttlichen Beistand zählen darf, bleiben keinem Menschen Widerstände und Leid erspart. Josef macht den Vergleich zum Leben des Erlösers: Selbst Christus, der als Sohn Gottes den grösstmöglichen Beistand der Gotteswelt erhielt, musste die Erfüllung seines Auftrags aus eigener Kraft leisten. Auch er musste gegen Widerstände, gegen Versuchungen kämpfen und viel Leid ertragen, um für die Seinen die Brücke zurück ins Reich Gottes zu erobern.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr alle, die ihr guten Willens seid und das Verlangen habt, in Gottes Nähe zu kommen, habt euch im Namen Gottes und Christi versammelt. Ihr seid mit ihnen im Bunde. Ihr möchtet aus der Tiefe eures Herzens und eurer Seele den Bund mit Gott, mit Christus, dem Erlöser, und mit seiner heiligen Geisteswelt immer enger ziehen. Ihr wollt aber auch um Gottes Schutz bitten, ihr möchtet doch unter seinem Segen leben. Der einzelne Mensch ahnt nicht, was Gott mit ihm vorhat, was der einzelne für Aufgaben oder Schicksale durchzumachen hat.
Es gibt Menschen, die ihre Verbundenheit mit Gott, ihre Innigkeit und Treue zum Ausdruck bringen möchten, indem sie sagen, sie würden ihr Leben in seine Hände legen, sie würden sich von Gott, von Christus und seiner heiligen Geisteswelt führen lassen. Ja, man kann diese Aussage sogar so weit ausdehnen, dass man erklärt, man lasse sich nur von Gott führen. Damit will man einerseits seine Verbundenheit mit ihm zum Ausdruck bringen; aber anderseits möchte man den Mitmenschen erklären, dass man unfehlbar auf dem richtigen Weg wäre, dass die ganze Lebensführung unantastbar wäre, weil man sich von Gott – oder von Christus und seiner heiligen Geisteswelt – führen lasse. Man erklärt dies in der Annahme oder Absicht, keinen Widerspruch entgegennehmen zu müssen.
Wir bemühen uns, euch mit unseren vielen Belehrungen und Erklärungen die Wahrheit nahezubringen. Wir möchten auch, dass diese Lehre, die euch schon so viele Jahre hindurch begleitet, wahrhaftig in die Tiefe eurer Seele dringt. Wir möchten, dass alles Unwahre verdrängt wird, dass man nicht auf Unwahrheiten baut. Wenn wir euch diese Erklärungen geben, so bedeutet das, Licht zu bringen in die Rätsel, Licht zu bringen in die vielen Unsicherheiten. Leider ist es so, dass man wohl Bescheid weiss über verschiedene Dinge, aber noch auf der allerersten Stufe des Aufstiegs zu dieser grossen Weisheit steht. Euch Menschen ist es ja gar nicht möglich, dies alles in seiner Auswirkung zu erfassen. Denn ihr lebt in einer Welt, die andere Begriffe hat. Ihr vermögt nicht, das von der göttlichen Welt Befohlene, dieses geistige Gesetz und seine Ordnung, in allen Dingen zu erfassen.
Wenn wir euch dieses erklären, gilt das nicht etwa nur für einen einzelnen Menschen, sondern es sind heute viele, die von unserer geistigen Lehre genährt werden. Die Worte, die ich euch geben darf, finden doch heute – ich darf wohl sagen – weltweite Verbreitung.
So ist uns doch daran gelegen, dass diese Wahrheit Fuss fassen kann und man auch wirklich im Sinne Jesu Christi lebt. Denn es ist euch ja als Beispiel gegeben, wie Christus der Menschheit von dazumal die Wahrheit brachte, wie er Licht in das Dunkel brachte, wie bescheiden und einfach die Lehre des Erlösers war. Was ist aus dieser einfachen und bescheidenen Lehre heute in der Welt geworden? Man ist nicht zufrieden mit einfachen Worten, man will keine einfache Erklärung. Je unverständlicher und komplizierter, desto lieber – und so glaubt man dann, der Wahrheit viel näher zu kommen. Und wenn ihr bedenkt: Jesus Christus hatte es zum grössten Teil mit einfachen, ungeschulten Menschen zu tun; er erzählte ihnen vom Vater; er gab ihnen wohl symbolische Bilder und Beispiele, die aber ihre Gültigkeit bewahrt haben bis auf den heutigen Tag. Einfach war die Sprache des Erlösers. Und wie machte er doch einen Unterschied zwischen sich und dem Vater, dass er der Sohn Gottes sei und er seine Aufgabe erfülle, während sein Vater der Herr und allein der Gute sei (Mark. 10, 18). Was hat man auch daraus gemacht? Ich will aber nicht darauf eingehen, sondern ich möchte euch doch erklären, dass ihr Menschen hier auf Erden seid, um die Wiedergutmachung in Erfüllung zu bringen.
Christus hat euch den Weg zurück ins Himmelreich geebnet – das ist eine Angelegenheit für sich: Der Weg zum Vater wurde frei gemacht. Aber jeder Mensch muss sich dieses Himmelreich selber erobern. Weder Christus noch Gott werden es für den Einzelnen erobern, sondern jeder Einzelne muss ringen um das Himmelreich. Gott gibt die Kraft, den Segen, den Beistand, dass man das Himmelreich erobern kann. Aber man kann nicht sagen: “Ich lass’ mich vom Herrn führen”, und dabei annehmen, dass alles, was man tut, recht wäre. Wenn dem so wäre, wäre ja das menschliche Leben unnütz. Denn wenn Gott oder Christus einen Menschen stets so führen würden – wie dieser glaubt –, dann müsste er die Menschwerdung gar nicht annehmen. Es geht doch um viele, viele andere Dinge: Man muss das göttliche Reich aus eigener Kraft erobern, und dabei werden dem besten Menschen Widerstände in den Weg gelegt. Der Weg zu Gott ist nicht so leicht zu finden. Ihr betet ja nicht umsonst um Beistand in der Stunde der Versuchung. Christus lehrte es, dass man darum bitten soll, denn er selbst wusste um die Notwendigkeit.
Nun möchte ich einmal erläutern, dass es auf jeden einzelnen Menschen ankommt, was er persönlich für eine Stellung zu Gott einnimmt. Denn jeder unterscheidet sich vom andern. Betrachten wir einmal die Menschen: Der eine ist im Charakter zögernd, unsicher; ein anderer ist ein Draufgänger, wieder ein anderer ist befehls- und herrschsüchtig. Alle diese Eigenschaften bilden das Wesen des Menschen. Ein unsicherer, zaghafter Mensch hat auch ein ganz anderes Verhältnis zu Gott als ein herrschsüchtiger oder ein Draufgänger. Aber sie alle, ob draufgängerisch, herrsch- und befehlssüchtig oder unsicher und zögernd, sie alle können in der Tiefe ihrer Seele das Verlangen haben, in Gottes Nähe zu kommen. Jeder kann gleichsam mit seiner ganzen Kraft, die ihm zur Verfügung steht, diesen Weg zu Gott antreten. Aber bei jedem gibt es doch ein ganz anderes Handeln, es besteht ein ganz anderes Verhältnis. Der Zögernde wird sich vieles besser überlegen als ein Draufgänger – das eine Mal zum Vorteil, das andere Mal zum Nachteil. Der Draufgänger schaut nicht nach rechts und nicht nach links; er will, was will: in kurzer Zeit sich durchsetzen ohne Widerspruch. Bei einem solchen Menschen besteht doch ein ganz anderes Verhältnis zu Gott als beim zögernden. Und wenn einer so herrschsüchtig ist, will er mit seinen Eigenschaften sozusagen auch Gott und seine ganze Schöpfung beherrschen, er will Gott befehlen. Im Grunde seines Herzens aber kann er sich trotzdem vor Gott beugen, er will doch Gott als den Mächtigen anerkennen. Ihr könnt also sehen: Das Motiv zur Gottesverehrung kann dasselbe sein.
Aber nun schafft die Geisteswelt die Bedingungen für das Verhältnis des Menschen zu Gott. So kommt es eben auf das Wesen des Menschen an, ob einer imstande ist, mit Mut und Ausdauer etwas zur Entfaltung zu bringen, oder ob einer sich aus Bequemlichkeit zurückzieht, nirgends Unangenehmes erleben möchte, nichts riskiert. Es ist doch ein grosser Unterschied zwischen einem Menschen, der voller Mut ist und voranschreiten will, und einem, der zuerst für sich selbst, für seine Bequemlichkeit sorgt.
Kein Mensch kann sagen: “Ich stehe unter dem Schutze Gottes, ich lasse mich nur vom Herrn, nur vom höchsten Geiste führen.” Wenn dem so wäre, warum kommen dann auch über solche Menschen Schicksale? Es gibt Menschen, die werden aus religiösen oder aus anderen, vielleicht politischen Gründen verfolgt, obwohl sie alle sagen: “Ich lass’ mich vom Herrn führen” – das Schicksal erfasst sie doch, oder es können andere disharmonische Verhältnisse sein, in die sie hineingeraten. Man kann nicht einfach sagen: “Ich lasse mich von Gott führen”, während vieles andere nicht in Ordnung ist.
Gott verlässt seine Kinder nicht, die Kinder verlassen Gott. Wie vieles tun sie im Leben, was falsch ist. Sie sind ja der irdischen Welt mit ihrem Machtanteil verschrieben. Aber die göttliche Welt will, wie ich anfangs betonte, jedem Menschen den Beistand geben; sie will ihn führen, dass er den richtigen Weg findet.
Ich möchte euch nur Beispiele anführen: Johannes der Täufer war ein Gottesmensch. Heute, nach euren menschlichen Begriffen, würdet ihr sagen: “Das ist ein Sonderling” – war er doch wahrhaftig ein Sonderling mit seiner Ernährung, die er zu sich nahm. Er war aber anderseits ein Gottesmensch. Dies hat aber nicht ausgeschlossen, dass er menschlichen Schwächen und Verfehlungen oder Irrtümern anheimfiel.
Betrachtet doch einmal das Leben von Johannes, so wie es euch aus der Heiligen Schrift bekannt ist, und bedenkt, welches Schicksal ein Mann wie Johannes tragen musste. Hat denn ein Mensch, der sich von Gott führen lässt, nicht das Anrecht auf Schutz, dass ihm niemals etwas Widerliches passiert? Ein Mensch, der nur von Gott geführt würde, könnte doch nur Angenehmes erleben; denn Gott ist die Harmonie und die Vollkommenheit, und wenn man nur von ihm geführt würde, würde man doch nur dem Schönen und Edlen entgegengehen. Es geht doch um ganz andere Dinge, und es ist eine grosse Frage, ob man den Beistand von Gott bekommt. Nicht der Mensch kann ihn herbeibefehlen. Es ist die hohe Geisteswelt, die entscheidet, wem und wann man einen grösseren Beistand geben darf, wer sich darum verdient gemacht hat.
Betrachtet diesen Johannes gegenüber Christus, dem Sohn Gottes. Die Lebensweise Christi unterschied sich doch von derjenigen des Johannes. Christus lebte bis zu jenem Zeitpunkt, wo er hervortreten musste, wie jeder andere Bürger. War er nicht der Gottessohn? Heisst es aber nicht: “Und er ist dem Menschen in allem gleich geworden” (Phil. 2, 7)?
Christus als Sohn Gottes wurde in der Wüste versucht. Luzifer selbst setzte alles daran, um ihn zu Fall zu bringen. Ist denn Christus nicht von Gott geführt worden? Christus hatte seine Aufgabe übernommen und sollte dem Menschen in allem gleich werden: Er musste also mit den Versuchungen kämpfen wie jeder andere, er lebte ja wie die anderen Menschen auch. Der Menschheit sollte damit der Beweis gegeben werden, dass Christus in dieser Beziehung keine Vorzüge gegeben wurden. Denn wenn ihr als Menschen eure Aufgabe erfüllen müsst, dann sollt ihr in ihm ein Beispiel vor euch haben, das ihr nachahmen könnt. Hat Christus als Gottessohn nicht unendlich viel Leid ertragen? Warum hat Gott ihn nicht davor bewahrt?
Ihr könnt doch daraus sehen, dass es immer um etwas anderes geht: Es geht um die Eroberung. Christus musste für die Menschheit die Brücke zum Himmel erobern. Und ihr Menschen müsst euren eigenen, persönlichen Weg im Aufstieg nach oben erobern. Ihr müsst mit eurer ganzen Kraft, die euch zur Verfügung steht, wirken, um zu erobern. Es wird keinem leicht gemacht. Jeder hat früher oder später Schicksale zu tragen. Es sind bestimmt wenige Menschen, die so leicht durchs Leben gehen können.
So hatte Christus einst die Seinen gefragt: “Was sagen die Menschen, wer ich bin?” (Mat. 16, 13). Warum musste Christus als Sohn Gottes dieses fragen? Man tut seiner Ehre keinen Abbruch, wenn man darüber spricht. Es ist die Wahrheit, wie sie alle Menschen erfassen müssen, um die Lehre Christi auch in allen Einzelheiten erkennen zu können: Wenn er, wie es heisst, dem Menschen in allem gleich geworden ist, so sind auch an ihn Zweifel herangekommen; er ist auch plötzlich unsicher geworden: “Stimmt das, was ich höre, was ich sehe?” Er selbst konnte sich immer wieder davon überzeugen. Was hatten ihm die Seinen geantwortet (siehe Mat. 16, 14)? – Doch er gab sich damit zufrieden. Also, auch der Gottessohn musste kämpfen.
Und wenn ich euch noch darauf hinweisen darf, dass Christus am Kreuz ausrief: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mat. 27, 46). Ja, liebe Geschwister, daraus muss man erkennen, dass es noch um andere Dinge geht, eben um diese Eroberung. Christus musste als Mensch allen Schmerz ertragen und alles Leid verspüren, so wie es ein jeder andere in diesem Fall auch hätte erleiden müssen. Christus sollte ganz allein, ohne den Beistand der göttlichen Welt, seine Überzeugung zum Ausdruck bringen. Wenn jedoch die heilige Geisterwelt Gottes ihm seinen Schmerz und sein Leiden erleichtert hätte, wenn er davon nichts gespürt hätte, dann hätte doch diese Erlösung in der Weise nicht stattfinden können. Man wollte einem andern – nämlich dem Widersacher – beweisen, dass Christus unter grösstem Schmerz seine Treue zum Vater hält, dass er in dieser Prüfung nicht durchfällt. So musste er in diesen schweren Stunden seines Sterbens allein sein, allein, und so als Mensch seine Aufgabe erfüllen – als Mensch. Man könnte sonst doch leicht sagen, dem Gottessohne wäre in den schwersten Stunden des Leidens Beistand oder Erleichterung gegeben worden oder er hätte dieses Leiden gar nicht ertragen müssen. Menschen könnten doch daran zweifeln und sagen: “Warum musste denn dieser Gottessohn ans Kreuz? Gott hätte ja nur ein Wort sprechen müssen, um es zu verhindern.” Nein, Christus musste als Mensch seine Aufgabe erfüllen, und dabei kam so viel Leid an ihn.
Was sagte Christus damals, als er seiner Verhaftung oder Gefangennahme entgegenging und einer seiner Getreuen einem Soldaten ein Ohr abhieb? “Wenn ich den Vater bitten würde, so würde er mir Legionen schicken” (Mat. 26, 53). Wie bescheiden war Christus. Er sah seine Aufgabe, die er erfüllen musste; er flehte den Vater nicht an: “Schick mir die Legionen, ich ertrage es nicht mehr.” Er musste als Mensch ganz allein seine schwere Aufgabe erfüllen. Er musste also durch seinen Kreuzestod die Probleme lösen. So hatte er der Menschheit – den Menschen wie allen Geschöpfen – die Erlösung gebracht.
Anhand dieser vielen Beispiele sollte man das Verhältnis zu Gott erkennen. Denn auch Christus sagte: “Nicht mein, sondern dein Wille geschehe” (Mat. 26, 39). Nicht so, wie wollte, sollte es sein, sondern wie Gott es wollte. So sollen sich Menschen nicht in Sicherheit wiegen: “Es ist alles recht, was ich tue, denn ich tue es in Gottes Namen.” Nein, sondern: “Nicht mein Wille, sondern dein Wille, Herr, geschehe.” Und was weiss der Mensch, was der Wille Gottes ist?
Es könnten so viele Beispiele angeführt werden, um zu zeigen, dass es eben um diese Eroberung geht und dass Christus seinen Beistand wirklich hatte, wenn es in Gottes heiligstem, gerechtem Willen war.
Als er vor seinem Tode im Garten Gethsemane betete und hellsehend seinen Kreuzestod voraussah und voller Angst zitterte, da bat er als Mensch: “Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen” (Mat. 26, 39). Was heisst das? “Vater, wenn es ist, dann befreie mich vom Leiden. Aber nicht wie ich will, sondern wie du es willst: Dein Wille geschehe, nicht der meine.” Als er in diesen Stunden vorausschauend das schwere Leiden sah, das auf ihn wartete, wurde ihm angst und bange, und er zitterte und wurde schwach am Leibe. Da kamen die heiligen Engel des Himmels und stärkten ihn, sie brachten ihm den geistigen Trunk. Ein Engel kam zu ihm und stärkte den Menschen – dieser schon leidende Mensch wurde gestärkt. Auch während seiner Leidenszeit, als er im Gefängnis war und man ihn quälte, kamen die Engel des Himmels und brachten ihm die geistige Speise, um seinen Leib zu kräftigen. Denn er hätte ja schon allein durch diese Qualen, die er ertragen musste, sterben können. Denn seine körperliche Konstitution war nicht so wie die eines starken Menschen; er war ein feingliedriger, zarter Mensch. Mit dieser Unterstützung, mit der Stärkung des Leibes, musste er dieses Leiden bis zum Letzten tragen. Denn es ging darum, dem Widersacher, dieser Macht des Verderbens, den Beweis zu geben, dass der Sieger ist und es daran keinen Widerspruch gibt. Christus erfüllte seine Aufgabe.
Und nun, meine Lieben, betrachtet euch selbst und euer Verhältnis zu Gott. Ihr mögt euch rühmen, von Geistern Gottes begleitet zu werden. Ja, es sind eure Schutzgeister, es sind teils Verwandte und Angehörige, die sich eurer annehmen. Aber ihr wisst: Ihnen allen sind die Grenzen gesetzt, wie weit sie ihren Beistand geben dürfen. Denn sonst wäre ja das irdische Leben überflüssig, sinnlos – und Gott schafft nichts Sinnloses, liebe Geschwister, merkt euch das. Also wird dem Menschen der Beistand bis zu einem bestimmten Punkt gegeben, und dann muss er aus eigener Kraft heraus das Weitere tun.
Auch wenn man ein gutes Motiv hat, kommt es immer auf das persönliche Verhältnis des Einzelnen zu Gott an. Die heilige Geisterwelt weiss recht bald Bescheid darüber. Denn ich erklärte euch, wie grundverschieden der eine vom anderen ist. Und jeder lobt und preist Gott, jeder bereut zu gewissen Stunden seine Verfehlungen, jeder ist willens, wieder Gutes zu tun oder Gutes zu machen. Und trotzdem ist bei jedem das Verhältnis anders. Denn jeder schafft sich sein Verhältnis zu Gott selber in seinem Alltag. Da kommt es nicht nur auf gewisse Stunden an. Man kann im Leben nicht einfach nur in gewissen Stunden oder Zeiten Einsicht, Reue oder Verinnerlichung zeigen, sondern es muss eine ständige Verbindung zur Gotteswelt da sein; man muss ständig auf dem Weg zur Eroberung schreiten. Und, liebe Geschwister, es wird dem Menschen auf seinem Weg nach oben nichts erspart: Enttäuschungen kommen an alle Menschen, an gerechte wie an ungerechte. Denn Gott lässt auch die Sonne über Gläubige und Ungläubige scheinen. Und wie mancher verdirbt sein Verhältnis zu Gott durch voreiliges Unternehmen.
So kann kein Mensch behaupten, bestimmen zu können, in welchem Verhältnis er zu Gott steht, sondern er soll darum bitten:
“Vater, führe von mir alles weg, was meinen Weg trübt zu Dir. Vater, hilf mir, dass ich den Weg zu Dir finde. Unterstütze mich, wenn ich das Gute und Rechte tue.”
Man soll nicht in Überheblichkeit leben. Was den Propheten nicht möglich war, ist einem Menschen von heute auch nicht möglich. Man muss bescheiden sein, man muss die Bescheidenheit lernen. Wir wissen wohl, dass Menschen aus einem überaus grossen Eifer zu solchen Behauptungen kommen. Aber man muss eben auch da lernen, das Richtige zu sagen und das Richtige zu tun. Man soll Gott bitten, er möge alles aus dem Weg schaffen, was den Weg zu ihm trübt. Denn wenn ein Mensch behauptet: “Ich lass mich nur vom Herrn führen, mir geschieht nichts”, dann will er damit in vielen Dingen mit andern Worten sagen: “Widerspruch dulde ich nicht.” Durch einen solchen Ausspruch ist schon viel Unheil unter den Menschen angerichtet worden.
Ich erkläre euch ein Beispiel. Ein Mensch lebte auf Erden, der behauptete, er wäre in ständigem Zwiegespräch mit Christus. Das sagte er zu seinen Freunden und zu seinen Verwandten in der Annahme, keinen Widerspruch entgegennehmen zu müssen – er duldete keinen Widerspruch. Dadurch schaffte er viel Leid in der Umgebung. Dieser Mensch war sehr herrschsüchtig, sehr egoistisch, aber er behauptete: “Ich rede direkt mit Christus, ich hole nur von ihm die Ratschläge. Er mahnt mich, er sagt mir aber auch, was ich zu tun habe.” Die Worte “er mahnt mich” sagte er einerseits zu seiner Entschuldigung und anderseits, um keinen Widerspruch hören zu müssen.
Auch er kam ins Reich Gottes zurück, auch er wurde er von einem Geist Gottes in Empfang genommen. Dieser sagte ihm: “Du trägst die Sünde wider den Geist auf dir, und du hast vieles gutzumachen. Aus Berechnung hast du deinen Mitmenschen jeweils gesagt, Christus rede mit dir und du würdest nun seine Befehle zum Ausdruck bringen. Wie viel Unheil und Streit sind dadurch entstanden. Sie glaubten dir nicht, denn dein Leben war nicht das Leben eines Heiligen. Wenn Christus einem Menschen tatsächlich so nahe kommen sollte, wie du es von dir behauptet hast, so möchte er doch sehen, dass dieser Mensch sich in allen Dingen bemüht, den heiligen Weg zu gehen, um in allen heiligen Dingen mit ihm einig zu werden.” Und der Geist Gottes fuhr fort: “Da du die Sünde wider den Geist auf dir trägst, musst du durch eine harte Läuterung gehen. Wenn dann der Letzte, dem du geistigen, seelischen Schaden zugefügt hast, in der Geisteswelt den Weg zu dir gefunden hat, dann darfst du einen Schritt aus der Bedrängnis heraustun.”
Wie lange wird es gehen, bis dann der Letzte in der Jenseitswelt an diesen denken wird, der einst behauptet hatte, die Befehle von Christus persönlich entgegengenommen zu haben? Jeder, der da zurückkommt, hat in der ersten Zeit mit sich selbst so viel zu schaffen und ist auf die Hilfe von andern angewiesen; er vermag im seltenen Falle von Anfang an seine Hilfe einem andern zu geben. Denn er braucht selber Hilfe, er ist selbst in Bedrängnis. Er möchte zuerst auch in eine gewisse Freiheit kommen, und diese Freiheit lässt ihn dann diesen oder jenen vergessen. Vielleicht übt er eine Tätigkeit aus, die ihn ganz in Anspruch nimmt, und er ist nur noch auf sein eigenes Wohl bedacht und denkt gar nicht an jenen. So dauert es lange, bis der Letzte – wie es der Engel Gottes sagte – den Weg zu ihm gefunden hat und er einen Schritt aus seiner Bedrängnis tun kann.
Freilich ist es so, dass auch der, der in Bedrängnis ist und zur Einsicht kommt, Beistand von der Geisterwelt Gottes empfängt. Diejenigen, die ihm den Beistand geben, werden dann auch jene andern aufsuchen und aufmuntern, zu ihm hinzugehen, um an seiner Befreiung mitzuhelfen. Ich habe euch schon anhand verschiedener Beispiele erklärt, wie Seelen befreit wurden, indem andere für sie gebetet haben, mit ihnen ein Stück auf ihrem Leidensweg gegangen sind und eine besondere Leistung für sie ausgeführt haben.
Ja, es ist fast so wie bei euch Menschen: Wenn jemand ein glückliches Zuhause hat, dann bewahrt er sein Glück zu Hause und mag sich nicht so in die Verhältnisse anderer einmischen, oder er kümmert sich nicht so darum. So ist es bei Menschen, die nur ihr eigenes Glück behüten – das ist zum grossen Teil so. Wie herrlich ist es aber, wenn es Menschen gibt, die bereit sind, nicht nur ihr eigenes Glück zu behüten, sondern sich aufmachen, um andern Menschen Erleichterung und Freude zu bringen; sich aufmachen, einem einsamen Menschen, der in der Gesellschaft der andern nicht gern gesehen ist, ihre Aufwartung zu machen. Wie herrlich ist es, wenn man nicht nur so in diesem irdischen Leben lebt, sondern sozusagen wie ein Geist Gottes unter den Menschen wirkt und wie ein Geist Gottes wohlwollend jedem gesinnt ist und keine Mühe scheut, einem kein Opfer zu gross ist, um unermüdlich immer wieder von Neuem zu beginnen. Solche Menschen sollte es geben.
So, liebe Geschwister, denkt darüber nach. Festigt euer Verhältnis zu Gott; festigt es in Bescheidenheit, in wohlwollender Liebe, wie Christus es tat. Schaut zu ihm auf, betrachtet sein Leben – nicht nur allein den Kreuzestod, den Sieg, den er davongetragen. Betrachtet vielmehr das Wirken seines ganzen Lebens, seine Gespräche und Unterhaltungen, und lernet daraus.
So möge Gottes Segen euch behüten und bewahren vor Not und Bedrängnis. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 27.2.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Aus einer Fragebeantwortung aus dem Jahre 1951:
Lieber Geist Josef, in der Bibel gibt es eine Stelle, die besagt, dass man das Himmelreich mit Gewalt an sich reissen solle (vgl. Mat. 11, 12; Luk. 16, 16). Kannst du uns hierüber eine Erklärung geben?
Josef: Ja, mein lieber Freund, dieser Ausdruck bedeutet doch, dass der Mensch für sich selbst zu kämpfen und zu sorgen hat, dass er also so durch Gewalt das Himmelreich für sich erzwingen kann. Und das sind die vielen Tugenden, die von den Menschen verlangt werden, wenn er in das Himmelreich, in diese Herrlichkeit, in diese wunderschöne geistige Welt eingehen will.
Und so kann ein jeder Mensch das Himmelreich mit Gewalt an sich reissen, indem er in sich so viel Energie und Kraft aufbringt, um immer nur das Gute zu tun und das Böse zu bezwingen, dass er immer ganz energisch kämpft für das Gute, eben für das Himmelreich. So soll dieses “mit Gewalt das Himmelreich an sich reissen” verstanden werden, dass ein jeder selbst sich das Himmelreich erkämpfen muss.
Josef, 6. März 1965
Der Weg der Heimkehr ins Himmelreich führt für die Gefallenen durch verschiedene Entwicklungsstufen auf Erden: durch das Mineralreich, das Pflanzen- und Tierreich und schliesslich das Dasein als Mensch. Je nach dem früheren Verschulden gestaltet sich für den Einzelnen sein Aufstiegsweg. Die einen brauchen nicht alle Stufen in der gleichen Weise zu durchschreiten. Sie können aufgrund ihres geringeren Verschuldens auf schnellere Art zur Menschwerdung geführt werden. In diesem Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einer Schar von Geistwesen, die von der Gotteswelt aus dem Reich Luzifers geholt und für einen beschleunigten Aufstieg ausgewählt wurden.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es ist schade, dass es unter den Gläubigen so wenige gibt, die sich um das Leben nach dem Tode kümmern. Sie wollen sich nicht darum bemühen – sie interessieren sich nicht für das Leben nach dem Tode. Menschen geben zur Antwort: “Ich will davon nichts wissen; es ist ja noch früh genug, wenn es so weit ist. Ich möchte mich nicht mit diesen Dingen beschäftigen.” Dann bringen sie allerlei Argumente und glauben, sich damit entschuldigen zu können: “Man soll die Toten nicht befragen” (vgl. 5. Mos. 18, 11).
Es ist so schade, dass die Menschheit – sagen wir die Christenheit – nicht mehr Interesse daran findet und sich fragt: “Was geschieht eigentlich mit uns, wenn wir gestorben sind? Wie geht denn das Leben weiter?” Soll es denn ein Geheimnis bleiben? Warum macht man ein Geheimnis daraus, wenn man doch andererseits die christlichen Festtage zu Ehren Jesu Christi feiert – zum Beispiel das Osterfest, da der Menschheit, der Christenheit im Besonderen, die Auferstehung Christi nahegelegt wird? Warum zitiert man nicht die verschiedenen Herrenworte, in welchen Christus auf dieses Weiterleben hinwies? Man möchte und man will eine eigene Macht besitzen. Man will eine eigene Kirche haben und nach menschlichem Ermessen urteilen. Man versucht wohl, die geistigen Gesetze mit einzubauen, aber man passt sie dann den menschlichen Verhältnissen und Situationen an, die gerade gegeben sind. Man will sich nicht daran erinnern, dass Christus sagte: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden” (vgl. Joh. 14, 16–18). [...]
Christus konnte zu Lebzeiten den Seinen den Himmel freilich nicht so offenbaren, wie man es eigentlich heute tun könnte. Die Menschen von dazumal hatten nur ein bescheidenes Denken. Heute seid ihr ja so fortgeschritten – ihr vermögt viele Rätsel zu lösen. Warum vermögt ihr denn nicht auch die Tiefen des religiösen Lebens zu ergründen? Warum vermögt ihr denn nicht viel mehr nach Ursache und Wirkung des Lebens zu fragen? Wenn man so viele Fragen hat, gelangt man doch auch zur Frage nach der Menschwerdung. Man möchte doch so gerne wissen, warum der eine ohne viele Schicksale durchs Leben gehen kann und warum der andere krank ist und so viele Probleme und Sorgen hat. Das sind eigentlich die einfachsten Dinge, die ein jeder Christ wissen sollte: Jeder Christ sollte doch darüber Bescheid wissen, dass es ein Karma gibt; jeder Christ sollte glauben, dass es eine Wiedergeburt gibt. Dieses alles wird aber den Christen nicht verkündet, sondern man verlangt von ihnen einfach, dass sie glauben müssen.
Liebe Geschwister, im Lauf der Jahre haben wir uns immer wieder bemüht, euch etwas vom Himmel zu zeigen – die Türe ein wenig zu öffnen, damit ihr Einblick bekommt und eure Erkenntnisse grösser werden und ihr durch diesen Einblick in eurem Glauben gefestigt werdet. Dadurch werdet ihr auch eine ganz andere Lebenshaltung einnehmen, und ihr werdet den Mitmenschen, der euch begegnet – gleich wie er ist, ob hoch oder niedrig, ob arm oder reich –, vom geistigen Standpunkte aus betrachten, behandeln und ihm helfen. Ja, liebe Geschwister, das sind ganz einfache Dinge. Und darüber schreitet man hinweg, und vieles an Lebendigkeit geht dadurch verloren.
So können wir euch vieles erklären von jenen Seelen, wie sie in der Geisteswelt durch die Läuterung ziehen müssen. Wir machen euch auf das verschuldete Leben aufmerksam, das sie auf sich geladen hatten, und dass nun die Wirkung dieses schuldhaften Lebens nicht ausbleibt. Dass hingegen derjenige, der in Bescheidenheit, in Frieden gelebt, der Gutes getan und wahrhaftig aus ganzer Kraft heraus versucht hatte, nach den göttlichen Gesetzen zu leben, der vielleicht unter den Seinen kaum beachtet wurde, in dieser anderen Welt für seinen Mut, seine Tapferkeit und seine Ausdauer Belohnung findet. Sehr oft hat doch ein Mensch ein Unrecht ein halbes Leben lang zu tragen, und plötzlich wird ihm die Wahrheit dargelegt. Nun erkennt er, wer der Schuldige ist, und es ist ihm ganz gleichgültig geworden, was für Leid er dadurch im menschlichen Leben tragen musste. Wichtig ist ihm jetzt, dass er vor den Augen Gottes rein dasteht; wichtig ist für ihn, dass die göttliche Welt gesehen hat, wie er gelitten hatte. Wenn er das Unrecht, das ihm angetan wurde, tapfer getragen hat, wird ihm das Belohnung bringen. Es gibt doch so vieles im Leben des einzelnen Menschen. Wie viele sind es, die einsam und alleinstehend durchs Leben gehen müssen – sie werden von den andern nicht erkannt. Wenn man jedoch um das andere Leben weiss, kümmert man sich viel weniger um das, was unter den Menschen geschieht und geredet wird, sondern man richtet sich nach dem Reiche Gottes aus. Auf diese Art und Weise wird eben der Glaube lebendig gestaltet, und man kann dadurch vieles gewinnen.
Ich möchte versuchen, euch auch in dieser Stunde einen Einblick in die Schöpfung Gottes zu geben. Ich weiss wohl, dass ich mit dieser Erklärung nicht von allen verstanden werde, daher möchte ich jene, die es nicht verstehen, bitten, sich an die Freunde zu wenden, die schon weitere Erkenntnisse über die geistigen Gesetze haben. Zudem möchte ich ihnen sagen: Kommt immer wieder und hört mir zu. Ihr werdet so immer tiefer in das Reich Gottes hineingeführt. Ihr sollt alles genau überprüfen und nicht gleich Dinge verwerfen, die ihr nicht versteht. Versucht, zuerst zu ergründen und verstehen zu lernen. Dann werden wir wunderbare Freunde werden. Und wenn das eine oder andere das Verlangen hat, in seine Kirche zu gehen, in die es früher gegangen ist, dann sagen wir ihm: Gehe hin und bete – aber dein Weg in deiner Kirche soll dir nutzbringend sein, verschmolzen mit den Erkenntnissen, die du hier gewinnst. Versuche, weiter aufzubauen. Es wird der Tag und die Stunde kommen, wo wir uns immer besser verstehen; es wird der Tag und die Stunde kommen, wo wir uns Auge in Auge gegenüberstehen.
Wenn ihr diese wunderbare Schöpfung Gottes betrachtet, dann gibt es doch so viel zu bewundern. Der ungläubige Mensch aber glaubt, dass das, was die Erde auf sich trägt, einfach von selbst gekommen wäre. Dies ist ein Irrtum! Von selbst kann es nicht gekommen sein, denn hinter allem ist ein Wirken, ist ein Planen und Schaffen. Bei euch wird ein Haus auch nicht, weil ihr es euch in eurer Fantasie vorgestellt habt, plötzlich am Morgen fertig dastehen. Ihr müsst alles Notwendige veranlassen, Vorkehrungen treffen, und es wird euch Mühe und Arbeit kosten, bis es so weit ist. Wenn wir nun von der Schöpfung Gottes reden, wie wunderbar sie ist, so gibt es aber in dieser Schöpfung Gottes auch Dinge, die dem einen oder andern nicht gefallen, da er davon keinen Nutzen hat. Er kann all dies nicht verstehen; aber es ist so, dass dies alles zum Aufbau gehört.
Wenn ihr nun einem Menschen gegenübersteht, ihn betrachtet und mit ihm redet, so kann man aus seinen Reden, seinen Gebärden gleich erkennen, wessen Geistes Kind er ist. Ihr werdet euch bestimmt freuen, Menschen gegenüber zu sein, die feinfühlig, edelmütig und verständig sind. Ihr werdet hingegen jenen ausweichen, die so rechthaberisch sind, die jähzornig, allwissend, egoistisch und streitsüchtig, also unliebsame Menschen sind. Ihre Gesellschaft sucht man nicht so gerne auf; das können auch wir verstehen. Nun aber geht es ja darum, den Menschen in seinem Wesen verstehen zu lernen – ihn nach seiner Entwicklung, die er hat, zu taxieren. Je nach seinen Gebärden, je nach seinem Reden weiss man schnell, woran man ist. Ein gehobener Mensch, ein geistig Aufgestiegener, wird sich in seinen Redensarten gewählt ausdrücken. Er wird sich Mühe geben, den Mitmenschen nicht zu verletzen, und versuchen, ihn zu verstehen; und wenn er auch nicht gleicher Meinung ist, wird er es ihm auf eine gehobene Art und Weise zu verstehen geben, dass er seine Auffassung nicht teilt. Nun, ein anderer Mensch, der glaubt, über alles Bescheid zu wissen, der egoistisch, rechthaberisch ist, lässt womöglich den andern gar nicht zu Worte kommen; er lacht ihn aus, er belehrt ihn, und in einem solchen Ton, dass es abstossend ist. Also weiss man auch, mit wem man es zu tun hat. Man muss nur Augen und Ohren offen halten, und dann kann man den Menschen gleich einteilen, wohin er gehört.
Wir geben euch ja immer den Rat, alle Menschen verstehen zu lernen. Ich erwähne das jetzt deshalb, weil ich euch nun eine dementsprechende Erklärung gebe: dass eben solche, die von unten aufsteigen, das aus ihrem Innersten herausgeben, was in ihnen ist. Sie können nicht anders, weil nichts Besseres in ihnen ist und weil sie sich gar nicht bemühen, besser zu werden. Es kann jedoch auch einer von unten aufsteigen, und er bemüht sich um den Fortschritt. Ich habe es euch das letzte Mal erklärt, dass der eine friedfertig, duldsam und gutmütig ist [siehe den Vortrag vom 27. Februar 1965 vorne in diesem Heft]. Und nach diesen Eigenschaften, die er in sich hat, bildet er ja sein Wesen und wirkt dementsprechend. Dabei spielt auch die Erbanlage mit eine Rolle. In erster Linie kommt es jedoch auf Folgendes an: Wenn man willens ist, wahrhaft willens ist, den Höhen entgegenzugehen, muss man manchmal auch etwas untendurch gehen – und dann kommt man zum Ziel. Aber dieses Untendurchgehen bedeutet eben für den Betreffenden Erniedrigung, und das will er sich nicht gefallen lassen; also kann er die Demut nicht zeigen – er zeigt einfach, was in ihm ist, er kann nicht anders. Auf irgendeine Art und Weise kommt es zum Ausdruck, wer er ist und wohin er gehört. Aber jeder kann sich bemühen, wenn er will. Es geht um dieses Wollen. Wenn er versucht, sich im Glauben zu stärken, dann wird er auch den Beistand von der göttlichen Welt bekommen. Doch die göttliche Welt will, ehe sie einem Menschen hilft, dass dieser sich in vielen Dingen ändert. Sie möchte sich doch um einen Menschen bemühen, bei dem Aussicht besteht auf Erfolg. Wo sie von Anfang an sieht, dass es aussichtslos ist, einem rechthaberischen Menschen zu helfen, da wird sie abseits stehen. Man wird ihm wohl seinen Beistand geben, wie man ihn jedem andern auch gibt – aber das Zusätzliche wird man ihm nicht geben.
Liebe Geschwister, ich erzähle euch nun von einer Schar Geister Gottes, die in die Tiefen gegangen sind und solche Seelen aus dem Reich der Toten geholt haben, um sie dem geistigen Aufstieg entgegenzuführen. Geister Gottes haben Zutritt in die höllischen Bezirke; Luzifer kann ihnen den Eingang nicht versperren. Diese Geister Gottes durchschreiten die höllischen Sphären und suchen nach jenen, die ihre Gesinnung auf das Göttliche gelenkt haben. Dann sammeln sie sie und verlassen mit ihnen jene höllischen Sphären. Man soll nun aber nicht annehmen, die betreffenden Wesen könnten gleich in einen Menschenleib einkehren und so ihren Aufstieg durchschreiten. Noch ist vieles zu bereinigen – noch sind ihre Gefühle niederer Art. Sie haben zwar den Willen aufgebracht, sich Gott gegenüberzustellen; sie wollten in den Dienst Gottes treten. Dies genügt, um ihnen den Weg für den Aufstieg frei zu machen. Wir nehmen jetzt eine Zahl an – sagen wir hundert –, die von einer Schar göttlicher Wesen gesammelt und geholt wurden. Sie haben nun den Wunsch, so rasch wie möglich ihren Aufstieg beginnen zu können. Ihnen wird jedoch erklärt, dass das so schnell nicht möglich sei. Sie müssten die verschiedenen Entwicklungsstufen durchschreiten – man könne aber ihre Entwicklung beschleunigen. Sie alle, die ganze Schar, hatten innig darum gebeten, man möge ihnen doch diesen Weg des Aufstiegs beschleunigen. Die Geister Gottes hatten ja nur solche ausgewählt, bei denen sie erkannten, dass sie ihre Gesinnung geändert hatten und man sich auf sie verlassen könnte. In diesem Sinne wollte die Geisterwelt Gottes auch das Ihrige dazu tun.
Die Gesetze sind errichtet worden, dass sie erfüllt werden. Je nach ihrem früheren Verschulden müssen die Betreffenden den Weg des Aufstiegs gehen. Die einen brauchen nicht alle Stufen zu durchschreiten – sie können infolge geringeren Verschuldens gleich, auf schnellere Art, zur Menschwerdung geführt werden.
Nun sagte der führende Geist Gottes: “Ich bringe euch jetzt in das Erdenreich”, und er führte sie zu einem Berge hin. Er zeigte ihnen einen Felsen und sagte: “In diesen Felsen muss ich euch für eine bestimmte Zeit bannen [binden]. Hier müsst ihr verweilen. Danach werdet ihr dem weiteren Aufstieg entgegengehen.” Da diese aufsteigenden Wesen keine Zeitrechnung haben, sind sie darüber glücklich und froh, dass sie von den Händen göttlicher Wesen geführt werden, und sie wollen ausharren, bis sie wieder gerufen werden. Sie sollten dort verweilen. Ihr Aufstieg sollte beschleunigt werden. Ich möchte es nach euren Begriffen erklären: Sie sollten dort, an diesen Felsen, zehn Jahre gebunden bleiben; das ist eine kurze Zeit. Zwischendurch kamen Geister Gottes zu ihnen und redeten mit ihnen. Als nun diese Zeit vorüber war, wurden sie von dem Felsen befreit. An ihrer Stelle sind andere aufsteigende Wesen eingekehrt.
Ich habe euch, wenn ihr euch erinnern könnt, schon erklärt, dass die Geister Gottes bei den betreffenden Wesen, die von der einen Aufstiegsstufe zur andern gehen, stets eine Umwandlung vornehmen. Nun geht es um diese Umwandlung. Die Geister, die von diesem Felsen befreit worden waren, wurden jetzt in eine andere Entwicklungsstufe hineingeführt – es ging in die Tiefe eines Waldes.
Ihr interessiert euch vielleicht, wie diese aufsteigenden Geister denn aussahen oder wie ihr Leib in einem solchen Zustand aussieht. Da muss ich euch sagen: Sie haben einen geistigen Leib, der dem Leib des Menschen ähnlich ist. Ihr Aussehen aber, ihre Gestalt, ist unförmig; sie sind ja noch belastet. So versucht man, von einer Entwicklungsstufe zur anderen zu gehen.
Von Neuem werden sie in eine weitere Stufe hineingeführt. Dieses Mal geht es zu den Bäumen. Die Geister Gottes haben sich dafür einen Wald ausgesucht, in dem sich Tannen und Buchen befinden. Hier sollten diese Wesen an die Bäume gebunden werden. Ihr möchtet aber auch wissen: “Können sie denn reden, wenn sie gebunden sind? Können sie sehen, was um sie herum vorgeht? Und gleichfalls da, als sie im Felsen gebunden waren?” Wenn die Geister Gottes zu ihnen kommen, dann werden ihre geistigen Augen und ihr geistiges Ohr geöffnet, und sie können die Stimme der Geister Gottes hören, sie können sie vernehmen. Die Geister Gottes können aber diese Gebundenheit auch so gestalten, dass die Betreffenden in einen Schlaf gelegt werden. Sie schlafen sozusagen in diesen Felsen oder in diesen Bäumen; sie sind darin gebunden. Sie aber geben diesen Bäumen die Lebendigkeit. An einem Baume können mehrere gebunden sein – sie können verteilt sein von unten bis hinauf zur Krone des Baumes. Die Geister Gottes beurteilen unter sich, wie es zu geschehen hat, so wie sie es zu tun pflegen.
Diese Schar von hundert Wesen, die ich genannt habe, sollte zusammenbleiben. Ihr Leben dort im Walde sollte nicht von allzu langer Dauer sein – im Vergleich zur Gebundenheit im Felsen sollte es nur die Hälfte betragen. Aber in der Zeit, da sie an die Bäume gebunden waren, wurde von den Geistern Gottes keine Zwiesprache mehr mit ihnen gehalten; es gab auch keine Unterhaltung untereinander, denn sie waren in einem Schlaf. Dies im Gegensatz zur vorhergehenden Gebundenheit in dem Felsen, die eine bedrängte war und wo es ihnen dann und wann ermöglicht wurde, miteinander eine Unterhaltung aufzunehmen, um sich gegenseitig zu trösten. In diesem Walde nun sollte die Gebundenheit weniger lang sein – etwa die Hälfte, also fünf Jahre, um wieder eine runde Zahl zu nennen. Als diese Zeit nach geistiger Berechnung vorüber war, wurden sie wieder zusammengeführt. Und waren die Bäume nicht zum Fällen bezeichnet, so hatten schon wieder andere Geistwesen dort den Platz eingenommen.
Nun ebneten die Geister Gottes ihnen wieder einen anderen Weg. Man band sie an Sträucher, die auch im Walde waren. Hier waren sie alle zusammen wiederum in einen Schlaf gelegt und sollten erst aufgeweckt werden, wenn die Geister Gottes sie erlösen würden. Nun denkt ihr vielleicht: “Was geschieht, wenn ein Zweig gebrochen wird oder wenn die Sträucher gerodet werden?” Es sind ja immer Wächter da, die dafür besorgt sind, dass alles nach der Ordnung Gottes geht. Man kann jedoch einen Menschen nicht aufhalten, einen Zweig zu brechen oder die Sträucher zu roden. Dann werden die betreffenden Geister einfach in andere Sträucher hinein gebunden, die in nächster Nähe sind. Es kommt nicht darauf an, dass der einzelne an einen einzigen Zweig gebunden ist. Das ist etwas, was ihr nicht so richtig verstehen könnt und das für eure Begriffe nicht verständlich ist; ich kann es jedoch nicht anders erklären. Denn diese Geistwesen – so wie sie sind, an diese irdische Materie gebunden, mit ihr verwachsen – werden erst dann davon befreit, wenn ein Geist Gottes entscheidet, dass diese Umwandlung oder Wandlung [der Erscheinung] geschieht.
Diese Zeit sollte wiederum etwas gekürzt werden. Die Geistwesen blieben ja zusammen, und diese ganze Tätigkeit hatte nicht nur einem Gottesgeist unterstanden, sondern es ist eine Anzahl göttlicher Wesen, die sich jeweils darum bemühte.
Nun, man weckte sie wieder. Ihre Erscheinung war etwas verändert worden – ihre Gestalt war, sagen wir, um ein Geringes verbessert. Man hatte sich von der Gotteswelt aus mit ihnen unterhalten und ihnen erklärt, welches der nun folgende Weg zum weiteren Aufstieg sei. Es würde noch nicht zur Menschwerdung reichen, es müssten noch weitere Stufen durchschritten werden. Die Geisterwelt Gottes führte sie alle in einen Garten; dies war ein grosses Tulpenfeld. Es konnten also wieder alle zusammenbleiben. So waren sie vom Felsen zum Baum, anschliessend zum Strauch bis zu den Blumen gelangt. An diese Blumen mussten sie so lange gebunden bleiben, bis sie von Menschenhänden gepflückt oder, sagen wir, durch Sturm oder Wetter geknickt wurden. So waren sie an diese Blumen gebunden, und die Zeit der Gebundenheit wurde wiederum gekürzt. Es war ihnen zuvor ja klargelegt worden: “Es geht immer weniger lang, und so wird die Zeit sich immer mehr nähern, da ihr reif werdet für eine Menschwerdung.”
Die kurze Zeit, während der die Geistwesen in diesem Tulpenfeld an die Blumen gebunden waren, wurde von der Geisterwelt Gottes zur weiteren Planung genutzt. Ich muss erwähnen, dass in diesem Tulpenfeld wohl alle zusammen waren, aber nicht alle Blumen gleichzeitig geknickt wurden. Jetzt nahm man daher die betreffenden Wesen in das geistige Reich hinüber, denn dort ist zu dieser Entwicklung eine Parallelstufe, und in diese Stufe wurden sie hinübergeführt. Dort mussten sie nun warten, bis der Letzte von allen eingekehrt war, wie dies von der geistigen Welt angeordnet worden ist, da sie gemeinsam den Entwicklungsweg durchschreiten mussten. Dort konnte die Geisterwelt Gottes mit ihnen von Geist zu Geist reden. Ihre Gestalt hatte sich abermals etwas verbessert; man hatte jedoch ihren geistigen Leib in dieser Parallelstufe wiederum für eine unbestimmte Zeit gebunden. Währenddem diese Wesen in dieser Parallelstufe verweilen, klären die Geister Gottes den weiteren Weg des Aufstiegs ab – sie müssen auf dieser irdischen Welt nach weiteren Wegen suchen. Auch wenn es jetzt um einen schnelleren Aufstieg geht, müssen noch alle durch die Gebundenheit des Tierreiches gehen. Das Tierreich sollte jedoch bei diesem beschleunigten Aufstieg ihr letzter Weg sein bis zur nächsten Inkarnation: der Menschwerdung.
So hatten die Geister Gottes sich eine Schar von Tieren ausgesucht. Diese Tiere – ich brauche sie nicht im Besonderen zu nennen – hatten auch nicht eine allzu lange Lebenszeit. Nach dem Tode dieser Tiere kehrte der Geist wiederum in das geistige Vorbereitungsreich zurück. Ich möchte noch erwähnen, dass jenen gesagt wurde, ehe sie nun an einen Tierleib gebunden würden, müssten sie die Gefühle teilen mit dem Tiere. Die Gefühle, die es hätte, würden durch den Tierleib wahrgenommen; der Schmerz des Tieres würde auch zu ihrem Schmerz werden. So müsste nun die Seele lernen, in der Weise mitzuempfinden. Während es früher wohl eine Empfindung gab – aber nicht in dieser Art –, mussten sie nun mit ihrer Seele den Schmerz dieses Tieres empfinden. Sie waren mit ihm verwachsen – an das Tier gebunden.
Nun konnten diese Wesen in der Zeit der Einverleibung – oder der Geist, der in diesem Tier ist – nicht reden. Der Geist ist gebunden, er kann nicht sprechen. So wie er während der früheren Gebundenheit im Schlafe lag, nicht reden und nicht empfinden konnte und man trotzdem für seinen Aufstieg besorgt war, wurde jetzt in dieser Wandlung [zum Tier] das Empfinden entfaltet. Darum bittet man doch die Menschheit, für die Tierwelt auch ein Empfinden, Gefühle zu haben.
Wenn das Tier getötet wird, dann löst sich die Gebundenheit des Geistes, und er wird wieder, wie ich betonte, in die betreffende Vorbereitungssphäre eingeführt. Die Geisterwelt Gottes kann nun dieselbe Schar Geister in weitere Tiere binden, die derselben Gattung angehören. Sie kann aber, wenn es um einen beschleunigten Aufstieg geht, wie ich es nun erklärt habe, diesen Aufstieg kürzen, das heisst, das Einkehren in die verschiedenen [belebten] Materien beschränken, um so den Weg nach oben zu beschleunigen. Nun, das beurteilt die Geisterwelt Gottes. Es gibt zudem noch verschiedene Zwischenwege – ich erklärte euch jetzt nur einen kleinen Ausschnitt des beschleunigten Aufstieges.
Ehe es zu einem Menschenleben kommt, muss man in der göttlichen Welt diesen Wesen, die man vorbereitet, noch vieles erklären. Sie müssen sich jetzt auch in ihren Empfindungen stärken. Es gibt viele Belehrungen, ehe sie für das erste Menschenleben bestimmt werden. Ich möchte sagen, dass in der letzten Zeit der geistigen Entwicklung dieser von unten aufsteigenden Wesen eine beschleunigte Entwicklung vorhanden ist. So weist die Ordnung Gottes wieder neue Wege. Jene, die zum ersten Male die Menschwerdung annehmen, werden zuvor von den Geistern Gottes durch die irdischen Bereiche in die Nähe der Menschen geführt. Sie sollen nun die Welt, wie sie ist, vom geistigen Standpunkt aus, kennenlernen, sie müssen sie auch mit ihren grossen Problemen und Sorgen kennenlernen: Menschen in ihrer Streitsucht, wie die Kriege geführt werden, aus welchen Hassgefühlen, und welche Ansprüche man immer an andere Völker stellt; dass es nur ständig darum geht, Gewinne für sich zu erzielen, dem anderen von seinem Gute wegzunehmen. Man will sich nur ständig bereichern und bringt so andere Menschen ins Verderben und ins Unglück.
Die Geisterwelt Gottes zeigt diesen Wesen auch die Wege der Versuchung, die die Menschen gehen müssen. Sie unterrichtet sie in der Geisteswelt, aber sie erhalten auch noch in dieser Weise Aufklärung. Sie werden von den Geistern Gottes auf ein Erdenleben geprüft, denn sie erkennen nun die Gefühle der Einzelnen. Sie können bei ihnen Rückschau halten, wie gross ihre Vergehen einst waren, wie stark ihre Beteiligung am Geisterfall war, in welcher Weise sie mitgewirkt hatten. Sie können auch erkennen, wie ihre Beschäftigung in der langen Zeit seit dem Abfall war.
Die Geisterwelt Gottes führt nun diese Geistwesen dorthin zur Menschwerdung, wo man erkennt, dass sie ein solches Leben verdienen und dass sie noch lernen müssen, durch Not und Leid zu gehen. Darüber bestimmt die Geisterwelt Gottes. Diese Wesen müssen sich dann im menschlichen Leben bewähren. Das wenige, das ihnen gegeben ist, oder das grosse Leid, das sie tragen müssen – aufgrund dessen, wie sie es tragen, wie sie leben, wie sie sich dem andern gegenüber verhalten, wie sie die irdischen Gesetze befolgen und ob sie auch geistige Gesetze annehmen und befolgen, dementsprechend können sie dann einen weiten Schritt nach oben machen. Haben sie ihre Aufgaben nicht erfüllt, wie es die Gotteswelt erwartet, werden sie so lange wieder zurückgeführt und haben dasselbe Schicksal zu ertragen, bis sie fähig werden, sich zu bessern, und einsehen, dass es Gottes Wille ist, dass man auf Erden lebt; dass man als Mensch versuchen muss, das Äusserste herzugeben und zu tun, um den andern das Leben zu erleichtern. So spielen schon gleich das Verständnis und die Liebe eine Rolle. Und diese Menschen, die zum ersten Male dastehen, erhalten ja von der Menschheit, die in den oberen Stufen steht, ihre weiteren Belehrungen.
Nun, liebe Geschwister, habe ich euch heute in besonderer Weise einen Einblick gegeben. Es wird mir wieder gestattet werden, euch weitere Einsicht in diesen Aufstieg zu geben, damit ihr das wunderbare Gestalten, Formen und Walten der göttlichen Welt erkennen lernt.
So, liebe Geschwister, möge der Segen Gottes euch kräftigen. Möge euer Glaube lebendig werden. Möget ihr nach dem Sinn des Lebens suchen. Ihr sollt durch Gottes Segen behütet und bewahrt werden vor Unglück und vor Not. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 6.3.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 13. März 1965 (Ausschnitt)
Geistlehrer Josef nahm die dramatischen Ereignisse jener Tage zum Anlass, den Kampf der schwarzen Bevölkerung um ihre Gleichberechtigung aus geistiger Sicht zu beleuchten.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, letzten Samstag [siehe vorne S. 9 ff.] erklärte ich euch etwas über den beschleunigten Aufstieg einer Schar Wesen aus dem Reich der Toten. Ihnen wurde es ermöglicht, diesem Reich zu entfliehen. Ich erklärte euch, dass Luzifer jenen Wesen, die eine höhere Gesinnung annehmen und sich Gott zuwenden, den Weg frei machen muss. So wartet ja alles [gefallene Leben] auf seinen Aufstieg.
Letzten Mittwoch wurde ich [in der Vorstandssitzung] gefragt, ob wohl jene, die in diesem beschleunigten Aufstieg sind und nun zum ersten Mal als Mensch geboren werden, auch unter euch weilen würden. Ich bestätigte dies; es werden welche auch bei euch geboren und unter euch weilen. Ich muss dazu aber folgende Erklärung geben: Die weisse Rasse ist jene Rasse, die in der Entwicklung des Aufstiegs am weitesten fortgeschritten ist. Das will aber nicht etwa heissen, dass alle weissen Menschen ihre hohen Lebensziele erreicht hätten, sondern es heisst, dass sie im Allgemeinen am weitesten in der Aufstiegsentwicklung fortgeschritten sind. Nun aber gibt es einen Kampf um diesen Aufstieg; es wird nun auch jenen andern, den Farbigen, ermöglicht, ihren Aufstieg zu beschleunigen. Wesenheiten wie jene, von denen ich euch letztes Mal erklärt habe, werden nicht etwa nur allein bei euch als Mensch geboren; sondern unter ihnen sind auch solche, die von anderer Hautfarbe sind als ihr und deren Aufstieg beschleunigt werden muss.
Nun, der Kampf um diesen beschleunigten Aufstieg hat im Geisterreiche schon längst begonnen. Durch die Erklärungen, die ich euch jeweils gebe, versuche ich euer Verständnis zu wecken und zu finden für meine Darlegungen. Dieser Kampf um den beschleunigten Aufstieg spielt sich in der Geisteswelt in ähnlichster Weise ab, wie ich es euch letzten Samstag erklärt habe: Es sind Scharen von Wesenheiten, die nun versuchen, jenen luziferischen Mächten zu entweichen; sie haben eine andere Gesinnung angenommen, sie haben angefangen, Gott zu suchen. Nun kann Luzifer wohl versuchen, sie aufzuhalten, sie zu täuschen, sie irrezuführen – genauso wie er es mit euch macht. Wer aber starken Willens ist, vermag seinen Schritt nach oben zu lenken. So werden sie nun von der höheren Geisteswelt aus dieser luziferischen Welt hinausgeführt. Zu diesem Zeitpunkt hat ihr Aufstieg also schon längst begonnen.
Der Kampf um diesen Aufstieg war in der Geisteswelt noch viel stärker als der Kampf, der heute um die Gleichberechtigung der farbigen Völker geführt wird. Diese Menschen versuchen heute hervorzudringen, sie bringen Mut an den Tag. Ihnen ist auch ein menschlicher Führer gegeben. So wie im Geistigen eine Schar Wesen von einem Höheren geführt wird, so ist es heute auch bei den farbigen Menschen – sie werden auch von einem Führer geführt. Um sie herrscht heute auch ein Kampf – es ist ein schwerer Kampf für sie, wie ihr es nennt. Man will sie nicht als gleichberechtigt anerkennen, man möchte sie nicht haben, und man hat viele, viele Ausreden dafür.
Nun, weisse Menschen und Christen sind es, die heute ihren Aufstieg zu verhindern versuchen. Diese Menschen, die jene Völker in ihrem Aufstieg zu hindern versuchen, sind Werkzeuge der niederen Geisteswelt – so wie dazumal Menschen Werkzeuge Luzifers und seiner Helfershelfer waren, als Christus, der Sohn Gottes, verurteilt wurde. Die niedere Geisteswelt benützt den Menschen als ihr Werkzeug. Luzifer versucht ja, die [göttlichen] Pläne zu durchkreuzen; er versucht, die Menschen an ihrem Aufstieg zu hindern. Er muss doch erkennen, dass sein Reich im Abnehmen begriffen ist. Er übt wohl noch seine Gewalt und seine Macht aus über die Seinen, aber zusehends verkleinert sich seine Schar. Er muss zusehen, wie jene aus seiner Welt hinübertreten in das Reich Gottes. Er versucht sie zu täuschen, sie irrezuführen. Die Schwachen vermag er zu gewinnen; die Starken aber, die voller Mut, Hoffnung und Zuversicht sind, die kann er nicht täuschen. Es ist ja fast gleich wie bei den Menschen: Mit welcher Schläue kommen diese Versucher an sie heran, um sie zu gewinnen, und wie schnell fällt ein Mensch der Versuchung anheim. Dabei ist er sich gar nicht immer bewusst, dass er nun ein Werkzeug der niederen Geisteswelt war. So versucht Luzifer mit seinen Helfern, seine Scharen zusammenzuhalten, ihnen grosse Versprechungen zu machen – er täuscht sie. So wie er Christus versuchte und ihm Versprechungen gemacht hat, so macht er solche auch den Seinen, die noch in seiner Welt sind. Sie aber erkennen seine Falschheit und seine Lüge, und sie wünschen nun den Aufstieg, sie möchten diesen höllischen Bereichen entrinnen. So musste Luzifer diese ungeheuren Zahlen von Wesen freilassen, sie entflohen ihm.
Er ist nun sehr aufmerksam, wie viele da die Menschwerdung annehmen – er kann ja den Aufstiegsplan beobachten. Wie nun seine Macht [in den höllischen Bereichen] eine bedeutende Rolle spielt, so spielt sie auch heute noch bei den Menschen im Allgemeinen eine Rolle. So geht nun sein Wirken dahin, sich willige Werkzeuge zuzuführen und sie irrezumachen; denn er will ja nicht, dass es den Menschen gut geht, dass sie dem Aufstieg entgegengehen. Darum ist heute dieser grosse Kampf der farbigen Menschen. Luzifer wird seine Werkzeuge immer finden. Aber das Endresultat des Kampfes ist der Sieg dieser farbigen Menschen. Sie werden ihre Stellung in der menschlichen Gesellschaft einnehmen, sie werden sich behaupten. Die gute Geisteswelt ihrerseits fördert den guten Willen der weissen Menschen, die bereit sind, jene als gleichberechtigt anzuerkennen. Es ist also, wie ihr sehen könnt, schon im Geistigen ein Kampf: Die Geister kämpfen durch die Werkzeuge, die die Menschen sind. Die guten Geister versuchen die Menschen zu stärken, sie mutig zu machen, und die niedere Geisteswelt versucht das Ihrige zu tun.
Die Menschen ahnen nichts von diesem unsichtbaren Kampf. Doch die niedere Geisteswelt ist es, die sich des Menschen bemächtigt – und es ist dies sozusagen Luzifers letzter Trumpf, den er ausspielen kann: Wenn er erkennt, dass jene, die seinem Reich entflohen sind, nun die Menschwerdung angenommen haben, dann versucht er auf sie Einfluss zu nehmen; als Herrscher der Menschen hat er ja noch das Recht, sie in Versuchung zu führen, und so kann er über sie herrschen. Dies ist sein letzter Trumpf, den er ausspielen kann. Wenn aber jene farbigen Völker von ihren geistigen Führern geführt werden und wenn sie zum Gebete aufgerufen werden, da wird auch die gute Geisteswelt das Ihrige dazu beitragen. Ihr sollt aufgrund dieser Erklärung aber nicht annehmen, dass sich dies alles von heute auf morgen regeln lasse; sondern es gibt noch einen langen Kampf, man wird hin und her gerissen und geschoben. Doch der Sieg bleibt nicht aus.
Wenn wir nun die Menschheit – und zwar die ganze Menschheit, gleich welchen Glauben sie haben – darauf aufmerksam machen könnten, so möchten wir sie doch daran erinnern: Es sind ja alle Geschwister, auch jene Farbigen sind euch Bruder und Schwester. Sie haben durch den Willen Gottes ihr Leben erhalten, und jene Völker sind nun eben im Nachzug, sie werden jetzt ihren Aufstieg beginnen.
Die Menschen beschäftigen sich allzu sehr damit, wie sich die Menschheit vermehren könnte und ob es dann zu wenig Brot geben würde. Es wäre viel besser, sie würden danach fragen: “Wie könnten wir die Kriege von dieser Welt abwenden? Was könnte man tun, um sich gegenseitig anzuerkennen und in Frieden zu leben?” Es hätte auf dieser Erde genug Platz und genug Brot für alle Völker – es muss ja einmal so weit kommen. Aber solange die Menschen noch eine solch grosse Raffgier in sich haben, ist der Zeitpunkt dafür noch weit weg.
Ich möchte euch doch jeweils darauf hinweisen, worauf es ankommt in diesem Leben. Es kommt doch darauf an, so viel wie möglich an geistigen Verdiensten zu erwerben, seine Gefühle zu veredeln, als geistig hochstehendes Wesen zu leben und sich etwas von diesen irdischen Begierden abzuwenden; denn das geistige Leben – ich meine jetzt das geistige Leben in der Seelenwelt – kann wunderschön sein. Denn wenn ich euch anfangs sagte, dass die weisse Rasse diejenige sei, die im Aufstieg im Allgemeinen am weitesten fortgeschritten sei, so muss doch für ihre Angehörigen auch einmal der Zeitpunkt kommen, wo sie immer weniger die Menschwerdung annehmen müssen. Es muss also der Zeitpunkt kommen, ab dem man den Aufstieg in der Jenseitswelt weiterbeschreitet; es muss so weit kommen, dass die hohen Engel sagen können: “Du und du hast es nicht mehr nötig, als Mensch geboren zu werden.” Denn in der Geisteswelt warten noch ungeheure Arbeiten, und es werden so viele Seelen benötigt, die hier ihre Arbeit ausführen. Dann sollte man in jene Sphären hineinkommen, wo man ohne Bedrängnis irgendwelcher Art leben kann, also ohne körperliche Behinderung und ohne Kampf um das tägliche Brot, und wo keine körperliche Müdigkeit den Einzelnen übermannt. Voller Tatendrang, voller Freude und innerer Seligkeit soll das Wesen sein, um so im Schöpfungsplane Gottes als bedeutendes Wesen seine Aufgabe zu erfüllen. Die Jenseitswelt wartet darauf, dass diese weissen Menschen geistige Gewinne erzielen, um in der Geisteswelt ihrem weiteren Aufstieg entgegenzugehen.
Der geistige Fortschritt der Menschen sowie der technische Fortschritt sollen den Schwachen zum Nutzen sein. Der Starke muss dem Schwachen seinen Beistand geben. Indem so viele technische Fortschritte erreicht worden sind, sollte es möglich werden, jenen farbigen Völkern ihren Aufstieg zu erleichtern und zu beschleunigen. Das, was geistig fortgeschrittene Menschen erreicht haben, soll nicht etwa nur ihnen allein zugutekommen, sondern der ganze Fortschritt, geistiger und technischer Art, soll allen Völkern der Menschheit zugutekommen; er soll also auch den noch Rückständigen den Aufstieg erleichtern und ihr Leben lebenswert machen. So muss der Starke dem Schwachen beistehen – dieses ist ein geistiges Gesetz, und davon sprechen wir ja immer: Helft dem Schwachen, stützt ihn. So ist es auch im geistigen Reiche: Jene, die fortgeschritten sind, haben ihre Arbeit zu leisten für die Schwachen. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.3.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 30. März 1961 (Ausschnitt)
Christus hat die Brücke zum Vater geschlagen, doch jeder Mensch muss diesen Weg im Leben selbst gehen. In treuer Verbundenheit mit seinen Geschwistern wirkt Christus weiter, tritt für sie beim Vater ein und sendet seine Getreuen, um Wahrheit, Beistand und Frieden zu bringen. Im täglichen Ringen entscheidet sich, ob der Mensch diesen Frieden annimmt oder den Mächten des Unfriedens Raum gibt.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, morgen Karfreitag ist der Erinnerungstag an Jesu Leiden und Sterben.
Als Christus am Kreuz die Engel Gottes nahen sah, sprach er die Worte: “Es ist vollbracht” (Joh. 19, 30). Die Engel des Himmels waren nun gerüstet für den Kampf im Totenreich. So zogen sie hinab zur Hölle. “Auf zur Hölle”, sprach Christus zu den Seinen. Der Kampf war ausgefochten unter den Menschen, die das Werkzeug teuflischer Mächte waren. Dort war der Kampf vorüber: Christus war dem Vater treu geblieben, er hat an seinem Glauben festgehalten. Trotz Versuchungen dieser teuflischen Mächte gelang es ihnen nicht, den Sohn Gottes zu Fall zu bringen.
Als sein Leiden vorüber war und sein Geist mit den anderen Geschwistern aus den hohen Himmeln zur Hölle niederstieg, trat Christus Luzifer gegenüber – und die Worte bekamen ihre Gültigkeit: “Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?” (1. Kor. 15, 55). Christus war es, der dem Tod den Stachel brach und die Hölle des Sieges beraubte. Ja, es gab diesen Kampf mit Luzifer; ich habe im Laufe der Zeit schon öfters darüber gesprochen und möchte nun nicht mehr im Besonderen darauf zurückkommen. Nur eines möchte ich betonen, nämlich dass durch den Sieg Christi dem Tod der Stachel genommen wurde, das heisst, dem Teufel war der Stachel genommen worden und der ganzen Hölle ihr Sieg! Fortan sollten die Menschen nach ihrem Tode nicht mehr in jene Bereiche zurückkehren müssen; nun war Christus bereit, die Seinen in Empfang zu nehmen. Vorüber war es mit dem Sieg der Hölle.
Ja, Christus hat dieses wunderbare Werk erfüllt. Jetzt aber liegt es an jedem Einzelnen, seinen eigenen, persönlichen Sieg zu erringen. Frei sind die Wege ins Himmelreich zum Vater, aber auch diese Wege müssen von jedem Einzelnen errungen werden. Nicht durch Christi Tod allein ist der Weg zum Vater frei geworden; die Brücke ist wohl geschlagen, doch jeder selbst muss durch eigene Anstrengungen über diese Brücke schreiten. Je nach seinem Leben, nach seinen geistigen Verdiensten kann er in den Himmel kommen, den Christus ihm vorbereitet, in eine der Wohnungen, von denen er gesprochen hat. So muss nun der Weg zu Christus erkämpft werden.
Durch den schmerzlichen Tod, den Christus ertragen musste, hat er doch eine ganz besondere Verbundenheit zu seinen Geschwistern. Ich möchte sagen: Eine Mutter, die ihre Kinder unter grossen Schmerzen zur Welt bringt, umsorgt sie nachher mit grosser Liebe, mit Aufopferung; ja sie verteidigt ihre Kinder, sie schützt ihre Kinder. Die Liebe begleitet sie durchs ganze Leben. Und Christus hat noch die viel grössere Liebe, viel grösseres Verständnis für das Straucheln seiner Geschwister; er gibt ihnen auch Schutz, bietet ihnen Verteidigung an.
Diejenigen, die zu Lebzeiten in den Bund mit Christus gekommen sind, werden einst den Vorzug haben, wenn sie ins Jenseits kommen. Den Bund mit Christus besiegeln soll der Christ, damit man ihm nicht gegenübertritt und sagt: “Er kennt dich nicht. Du hast ihn auch nicht gekannt.” Der wahre Christ ist gezeichnet bei seinem Übertritt. Christus selbst ist es, der einem jeden den Bund mit ihm empfiehlt: “Tritt ein in den Bund mit mir, werde einig mit mir.” Denn Christus ist es, der die Herrschaft hat über die Geisteswelt. Er sendet seine Getreuen hin zu den Menschen; jene Getreuen sollen es ihm gleichtun, denn sie sind auch im Bund mit ihm. Auch sie haben die Aufopferung, das Verständnis, die Güte, die Liebe; sie sind in seinem Bund und sind von ihm belehrt worden. So sollen diese Getreuen zu den Menschen hingehen, denn er hat es zu Lebzeiten den Menschen versprochen: “Ich sende euch den Geist der Wahrheit, er wird euch über vieles belehren” (Joh. 14, 16–17 und 26). Sie sollten nun von seinen Getreuen über viele Dinge unterrichtet werden, die sie zu Christi Zeiten nicht gelehrt werden konnten.
Diese Getreuen Gottes und Christi schreiten unter den Menschen einher, denn sie wissen um das Recht Luzifers: Obwohl er seines Sieges beraubt wurde, hat er das Verführungsrecht. Er kann die Menschen in Versuchung bringen, und ihm stehen so viele Helfer bei. Da er keinen besonderen Anteil mehr hat an ihnen – da sie nicht mehr zu ihm zurückkehren in seine höllischen Bezirke –, muss er sich damit begnügen, den Einzelnen im Aufstieg zurückzuhalten. Er will den geistigen Aufstieg verhindern, verhindern will er den Frieden und das Glück der Menschen untereinander. Er will, dass sie zweifeln an Gott und an seiner Gerechtigkeit. Er will Christus den Sieg absprechen. Es gelingt ihm auch, Menschen zu finden – Werkzeuge niederer Mächte –, die auf solche Einflüsterung eingehen.
Und heute? Wenn wir die Menschheit so betrachten – viele sind es, die an Christus vorübergehen. Sie gehen an ihm vorüber und haben keinen Bund mit ihm, obwohl sie behaupten, Christ zu sein. Den Nachteil ihrer Gesinnung werden sie im Jenseits erfahren. Diejenigen, die den Bund mit ihm geschlossen haben – die in seinem Namen den himmlischen Vater bitten, dass er ihnen das tägliche Brot, den Frieden des Herzens, den Frieden der Welt gebe –, sind gezeichnet. Sie verstehen es, bei Christus haltzumachen, sich an ihm aufzurichten, sich an ihm und seinem Kreuz festzuhalten.
Wenn die Worte ihre Bedeutung haben sollen: “Ich werde bei euch bleiben bis zum Ende der Welt” (Mat. 28, 20), will das heissen: “Ich werde unter euch bleiben bis zum Ende der Welt. Ihr sollt mit mir leben, in meinen Bund geschlossen, stark im Glauben an Gott und an mich sein. Wenn ihr meine Worte befolgt, werde ich hier unter euch sein, denn mein Wort ist lebendig. Ich bin die Quelle des ewigen Lebens. Ihr werdet das ewige Leben haben, so ihr an mich glaubt.” Ja wo sind die Menschen, die einen wahrhaft tiefen Glauben haben? So viel Oberflächliches gibt es auf dieser Welt in diesen Weltreligionen – die Tiefe des Glaubens, der Ehrlichkeit fehlt. Man könnte nicht so viel straucheln, würde man den wahrhaftigen Glauben in sich tragen.
So wird es eben notwendig, dass man bewusst von Zeit zu Zeit an diese Quelle des lebendigen Lebens schreitet, sich im Geiste mit Christus in Verbindung setzt und bittet: “Du, Sohn Gottes, Sohn des Allerhöchsten, Dir ist Macht gegeben im Himmel und auf Erden. Dir treu zur Seite stehen ungeheure Scharen von Engeln des Himmels, Du sprichst mit ihnen, sie stehen Dir von Antlitz zu Antlitz gegenüber. Ich, Mensch hier auf Erden, vermag im Geiste Deine Herrlichkeit zu ahnen und Dich zu preisen für Dein Werk, das Du erfüllt hast.”
Man kann so mit ihm in Verbundenheit kommen, wenn man sich darüber klar wird, was er gesprochen hat: “Ihr habt mich nicht auserwählt, ich erwählte euch” (Joh. 15, 16). So wird man viel bescheidener, voller Demut. Diese Bescheidenheit und diese Demut braucht es im Leben des Menschen, ohne sie kommt man nicht aus. Ein Leben ohne Christus gibt keinen Gewinn. Er hat so viel in Gleichnissen und Bildnissen gesprochen, so wenn er zu den Seinen sagte: “Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Aber der Rebzweig bringt keine Frucht, wenn er nicht am Weinstock ist. Wenn ihr mit mir lebt, wird euer Leben Früchte tragen. Lebt ihr aber ohne mich, werdet ihr keine Früchte, keinen Anteil an mir haben. Keiner kommt zum Vater ausser durch mich.” (Joh. 15, 1–8 und 14, 6.) So kann man ihm im Geiste gegenübertreten und voll dankbaren Herzens sein für das grosse Werk, das er erfüllte. Denn er wählte euch, ihr wähltet ihn nicht. Er ging freiwillig diesen schweren Weg.
Und wenn Christus zu allen Zeiten in dieser engsten Verbundenheit zu seinen Geschwistern bleibt, wird er manches Mal den Vater bitten, so wie die Mutter ihre Kinder verteidigt und da und dort Fürbitte für sie leistet. Er tritt ein für seine Geschwister und bittet den Vater ihretwegen. Er ist es, der sie verteidigt; er ist es, der seinen Geschwistern Trost spenden lässt, Liebe, Entgegenkommen, Wohlwollen – was alles aus der Seele Christi hervorgeht –, ein Herz voller Güte, in Vollkommenheit dem Vater gleich. Unendliches fliesst aus ihm heraus, denn er will seinen Geschwistern den Beistand geben. Hilfe, Trost, Mitleid soll ihnen zugutekommen.
Christus selbst kann ja nicht zu einem jeden seiner Geschwister auf Erden gehen und sagen: “Hier bin ich, mein Kind, mein Bruder, meine Schwester. Was willst du? Ich erfülle, was du willst, was du dir wünschst.” Oh nein, so ist es nicht gemeint. Vor ihm beugen sich die Höchsten des Himmels. Die höchsten Geschwister neben ihm gehen hin zu den Menschen; diese Geschwister müssen das tun, was er ihnen befiehlt. Sie erfüllen seinen heiligen Willen und somit den Willen des Vaters, denn es ist auch des Vaters Wille, dass aus der Fülle jenes Herzens voller Güte geschenkt, die Menschheit gespiesen werde. Ja, da gehen sie, die erhabensten Geister des Himmels und tragen das den Menschenkindern an: Hilfsbereitschaft, Unterstützung. Sie geben ihnen in schweren Stunden den Beistand, sie geben ihnen Wohlwollen, sie bringen ihnen das Licht und Wasser aus dem Quell des ewigen Lebens. Sie müssen das Ihrige leisten, um das zur Vollendung zu bringen, was im Heilsplane Gottes ist. Die reinen Geister des Himmels sind dazu verpflichtet worden, in dieser Hülle und Fülle zu geben, wie Christus es bereit war zu tun. So schöpft die Menschheit aus jenen himmlischen Schleusen von der Güte, von der Liebe, von der Wahrheit – wenn sie will, wenn sie Willens ist zu schöpfen.
Die Getreuen des Himmels kommen unter die Menschheit und nehmen den Kampf auf; sie kämpfen mit jenen Mächten der Versuchung. Doch es ist der Mensch selbst, der zu entscheiden hat, wem er sein Recht geben möchte: dem Guten oder dem Bösen. Das Böse, das Niedere, das Verwerfliche, weiss sich oft in so schmeichelnde, schöne, trügerische Worte zu kleiden, ja es hat das Recht, den Menschen zu täuschen. Sie sind Künstler in diesem Täuschungswerk. So stehen sie da, die Geister des Himmels, und sagen dem Menschen: “Blicke aufwärts, von dort kommt die Kraft.” Sie muss aber errungen werden; sie wird dem Menschen nicht so ohne Weiteres zum Mund geführt. Der Weg wird ihm nicht unbedingt so leicht gemacht. Man prüft ihn – auf seine Ehrlichkeit, auf seine Geisteskraft, auf seine Ausdauer. Ja, die Menschen nehmen es oftmals zu leicht. Die Sprache der himmlischen Boten ist für sie manchmal nicht so leicht zu verstehen. Aber leicht zu verstehen ist sie für den, der mit Gott und Christus im wahrhaftigen Bunde steht; denn er weiss, dass jene Grenzen nicht so leicht zu erringen sind – ein ständiger Kampf im Alltag um den Sieg.
Die Geisteswelt vollendet ihr Werk, indem sie sich der Menschheit nähert und ihr bringt, was Christus ihr befohlen hat. Auch der Mensch hat seine Aufgabe, sein Ziel: Er muss sein Leben in Erfüllung bringen. Dieses Leben hat keine Erfüllung im bequemen, herrlichen, schönen Leben. Dieses Leben findet Erfüllung, indem man durch grosse Hindernisse geht, manche Erniedrigung auf sich nimmt, manchmal zu schweigen hat und manches Opfer bringt. Auch der Mensch hat Opfer zu bringen, wenn er als Sieger aus diesem Leben hervorgehen will. Aufopferung gehört zum Leben des Menschen, genau wie Christus sich aufgeopfert hat. Diese Hingabe, die Christus kannte, ist auch beim Menschen notwendig, denn ohne diese Hingabe geht es nicht. Hingabe im reinen Sinne des Wortes wird im Alltag so viel gebraucht, sei es im geschäftlichen Leben – um seinen Broterwerb geht es da –, sei es in seinen religiösen Anschauungen. Hingabe an das Reine, das Klare, das Lautere wird vom Christen verlangt, wenn er Sieger sein will. Es braucht viel, um das Ziel zu erreichen. Für dieses Ziel braucht es manches Erdenleben. Immer wieder kehrt er zurück und fängt dort wieder an, wo er gefallen ist, wo er in seiner Entwicklung nicht mehr weitergekommen ist. Dort wird wieder angesetzt. So hindert er seinen Aufstieg, und er muss warten, das herrliche Glück zu erleben.
Wenn man sich darüber einig wird, dass man als Christ seine Aufgaben erfüllt, und wenn solche Erinnerungstage nahen, an denen der eine von Wehmut ergriffen wird, wenn er an jene furchtbaren Leiden und an das Sterben des Herrn denkt, dann aber an die Auferstehung denkt, dann beginnen seine Seele und sein Herz zu jubeln: Der Sieg ist errungen, Christus hat es vollbracht.
Christus ist es nun, der den Vater bittet, er möge den Menschen gnädig sein, “denn sie wissen nicht, was sie tun” – auch heute nicht. So sind Menschen zu verwerflichen Handlungen bereit, und Christus muss es sein, der beim Vater bittet: “Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Ich bitte dich, verhindere dieses oder jenes Unglück.” Und der Vater liebt es, wenn sein Sohn zu ihm kommt und bittet. Darum hat Christus es doch den Menschen gesagt: “Bittet den Vater in meinem Namen, und er wird es euch geben” (Joh. 15, 16). Doch mit diesem Bitten hat es beim Menschen auch seine Grenzen, und jeder bedenke: Wenn seine Bitten in Erfüllung gehen sollen, dann nur, wenn er im Bunde steht mit Christus, wenn Christus sagen kann: “Er gehört zu mir, ich kenne ihn.”
Seine Getreuen sind es, die dem Menschen so nahe kommen und die bereit sind, das Ihrige zu geben. Denn von Zeit zu Zeit nähern sie sich dem König, sie stehen ihm gegenüber, und sie haben nur einen Wunsch: “Unsere Schützlinge, die wir zu betreuen haben, möchten doch bei ihrer Rückkehr dem König der Geisterwelt gegenübertreten. Sie möchten nicht unendlich lange warten und durch die Läuterung ziehen müssen, bis sie würdig geworden sind, ihm zu begegnen oder von ihm zu hören und ihn zu sehen” – wohl wenigstens ihn zu hören und zu sehen, auch wenn sie ihm nicht persönlich gegenüberstehen können.
Es ist doch gerade diese österliche Zeit, die euch Menschen veranlasst, euch in eurem Glauben an Gott, an Christus und seine ganze heilige Geisteswelt zu stärken. Denn so geht sie zum Menschen hin und will ihm den Beistand bringen. Es war doch damals der Wunsch von Christus, und dies sollte in Erfüllung gehen – und es wird geschehen, bis der Letzte über die Brücke gegangen ist. Auch der Letzte, der über die Brücke schreitet, wird seinen Beistand bekommen.
Ja, meine lieben Geschwister, richtet euch in diesen heiligen Tagen empor. Erhebt eure Herzen, eure Augen zu Gott, und bittet im Namen des Erlösers, er möge die Menschheit vor Not und Bedrängnis bewahren. Bittet den Vater im Namen Jesu Christi: “Bring der Menschheit den Frieden.” Ja, den Frieden – und wenn es nur Entspannung ist für die Menschheit, bedeutet das schon etwas. Nie soll man aufhören, um den Frieden der Welt zu bitten. Immer wieder soll man anklopfen, so wie Christus es sagte: “Klopfet an, und es wird euch aufgetan” (Mat. 7, 7). Wenn man euch das erste Mal nicht öffnet, auch nicht das zweite, dritte Mal oder ihr bis zum zehnten Mal nichts hört – wenn man immer und immer wieder anpocht, dann öffnen wir schon deshalb, weil wir die Ausdauer bewundern. Um dieser Ausdauer willen schenkt man euch Gehör. Darum sollen die Menschen nie aufhören, um den Frieden der Welt zu bitten. Man soll im Namen des Erlösers bitten, denn er ist es, der es hört; er vernimmt es und bespricht dies mit seinem Vater. So wie die Mutter zum Vater oder zum Manne geht und ein gutes Wort für die Kinder einlegt oder so wie die Mutter oder der Vater irgendwohin gehen, um ein gutes Wort für den Sohn oder die Tochter zu sprechen, um sie zu verteidigen – aus Liebe in der Familie, im Gefühl der Zusammengehörigkeit –, so lebt Christus mit seinen Geschwistern in dieser Zusammengehörigkeit. So nähert er sich dem Vater und bittet ihn.
Leistet das Eurige dazu, damit die niedere Geisteswelt nicht allzu sehr die Macht erhält unter den Menschen. Ihr wisst genau, was für ein leichtes Spiel sie da und dort hat und wie dadurch viel Unglück über Familien oder über ganze Völker kommen kann. Ja, diese teuflischen Mächte geben sich nicht so leicht zufrieden, denn sie wollen keinen Frieden der Welt. Wollt ihr am Frieden der Welt mitwirken, so ist es Grundbedingung für den Einzelnen, für den Frieden der eigenen Seele zu sorgen, denn aus der Seele eines jeden dringt ein Funke, der mithelfen kann, den Frieden in der Umgebung zu verbreiten. Doch nur da, wo man den Frieden der Seele und des Herzens kennt, besteht diese glühende Kraft, die sich ausdehnt und entfaltet und immer grösser wird. Denn die Liebe ist bereit zu verzichten, sie kennt keine Machtstellung. Sie ist voller Verständnis, voller Güte und Hingabe. Das ist die Liebe, und diese Liebe verbreitet den Frieden. Es ist so wichtig, dass jeder Mensch den Frieden in sich trägt und vorsichtig ist mit seinem Schalten und Walten.
Der Mensch ist fähig, durch Unbeherrschtheit und unüberlegtes Reden Unfrieden zu verbreiten und somit diesen teuflischen Mächten das zu geben, was sie zur Verbreitung ihrer Macht benötigen. Sie wollen nur Unfrieden unter den Menschen, sie wollen das Unglücklichsein des einzelnen. Und somit muss man in diesem christlichen Glauben erkennen, welchen Weg man zu gehen hat, um den Frieden zu gewinnen. Frieden in sich bringt Frieden um sich. Solche Menschen werden zu lebendigen Quellen des Lebens, aus denen man schöpft. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 30.3.1961 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)