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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 2/2025 zum Thema Suche nach Geborgenheit
Geistige Welt 2/2025
Sehnsucht nach Geborgenheit
Beschreibung

Wohl die meisten Menschen wünschen, in Geborgenheit leben zu können. Aber sie meinen damit meist bloss eine weltliche Geborgenheit, eine, die das äussere Leben bietet. Doch was vom äusseren Leben kommt, ist unbeständig, oberflächlich. Wirkliche Geborgenheit findet man dagegen in Gott. Geistlehrer Josef erklärt in diesem Heft, was es heisst, in Gott geborgen zu sein, und was es dazu braucht. Er berichtet vom Lebensweg zweier Männer, die ein ähnlich hartes Schicksal zu tragen hatten: Während der eine Gott fernestand und in Hader und Klagen verharrte, lebte der andere in geistiger Geborgenheit und fand darin Trost, Aufmunterung und Kraft. Auf dieser Erde steht der Mensch ja nicht nur unter dem Einfluss der Gotteswelt, sondern lebt unter der Herrschaft des Fürsten dieser Welt, und der versucht, Zweifel zu säen, den Menschen in seiner Entwicklung aufzuhalten, ihn seines Gottesglaubens zu berauben. Sucht ein Mensch indes wahrhaft Zuflucht im Worte und in den Gesetzen Gottes, so darf er die Gewissheit haben, geistige Obhut und den Schutz und Beistand zu erhalten, den er im Leben braucht.

Themenheft 2/2025: Sehnsucht nach Geborgenheit

Inhalt
Wirkliche Geborgenheit findet man in Gott

Josef, 8. März 1969

Wirkliche Geborgenheit findet man in Gott

Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag, was es dazu braucht und was es für den Menschen bedeutet, in Gott geborgen zu sein. Er berichtet vom Lebensweg zweier Männer, die ein ähnliches Schicksal zu tragen hatten. Während der eine Gott fernestand, lebte der andere in der geistigen Geborgenheit und fand darin Trost, Aufmunterung und Kraft.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wohl die meisten Menschen wünschen, in Geborgenheit leben zu können. Aber unter dieser Geborgenheit verstehen viele oder die meisten Menschen jene Geborgenheit, die das äussere Leben bietet. Doch das, was vom äusseren Leben herkommt, ist nicht die wahre Geborgenheit. Wirkliche Geborgenheit findet man in Gott. Das aber mag für den einen und andern schwer sein; es wird dann für ihn schwer sein, wenn er nicht an Gott glauben kann.

Ich möchte jetzt aber nicht von diesen Menschen reden, die nicht an Gott glauben können, sondern vielmehr unseren Freunden nahetreten und etwas von der Wichtigkeit der geistigen Geborgenheit sprechen. Denn die weltliche Geborgenheit ist nur etwas Oberflächliches, etwas Vergängliches. Die geistige Geborgenheit aber, die man in Gott findet, sie macht den Menschen jung, sie macht ihn wieder gesund, und sie macht ihn glücklich – so er auf dem richtigen Weg ist zu dieser Geborgenheit.

Wenn ich sage, diese geistige Geborgenheit ist das Bedeutendste, dann muss ein geistig ausgerichteter Mensch sich auch darüber klar sein, dass es zu dieser Geborgenheit eine rege Verbindung zu Gott braucht. In Gott geborgen sein – das kann der geistig ausgerichtete Mensch, wenn er denkt: “Gott ist Geist, und im Geiste will ich ihm nahetreten, im Geiste will ich mit ihm geborgen sein.”

Damit es zu einer solchen Geborgenheit kommt, ist das Erkennen der göttlichen Gesetzmässigkeit notwendig; man muss etwas von der Ordnung Gottes wissen sowie von seinem Heils- und Erlösungsplan. Das sind also Dinge, mit denen man sich befassen muss. Denn der in Gott lebende und in seiner Geborgenheit seiende Mensch muss das Leben, das an ihn herankommt, als ein Leben von Gott und als ein Leben aus seinem Willen erkennen. Wenn er es als das annimmt, dann steht er auch schon mit einem gewissen Respekt dem Leben gegenüber. Und wer diese Geborgenheit in Gott findet und glücklich sein kann, wird nicht allzu sehr auf die Äusserlichkeiten des menschlichen Lebens achten; er wird sich auch nicht über die Fehler der Mitmenschen aufhalten. Denn wer ständig von den Fehlern der Nächsten spricht, ist nicht in Gott geborgen, er ist der Welt verhaftet. Und wenn ich von dieser “Welt” spreche, dann meine ich damit – ich habe es euch schon öfters erklärt – die Menschen, die auf dieser Erde leben und unter der Herrschaft Luzifers stehen. Wer also ständig von den Fehlern der Nächsten spricht, ist dieser Welt verschrieben; denn nur diese Welt, die diesem Machthaber unterstellt ist, ist unversöhnlich und kann nicht verzeihen. So ist man also seiner Welt verschrieben, die man ja eigentlich überwinden muss.

Menschen, die nicht frohen Herzens und frohen Gemütes sind und die nicht fähig sind, den Mitmenschen in seiner Not, in seinem Schicksal zu verstehen, sind nicht in Gott geborgen. Und auch dann, wenn die Schwächen der Mitmenschen noch so deutlich sichtbar sind und man über diese Menschen herfällt, ist man nicht in Gott geborgen. Denn auch da braucht es nur etwas Überlegung, und man sollte zur Einsicht kommen: Wenn Gott diese Einstellung hätte und sich gegen jedes Geschöpf auflehnen würde, das nicht seinen Willen erfüllt und seine Gesetze befolgt, dann müsste er ja diese Geschöpfe vernichten. Aber er versteht sie in ihrer Not; er zeigt ihnen sogar Barmherzigkeit und lässt sie von der Geisterwelt Gottes ihm entgegenbringen. Das ist eben Gottes Liebe; es ist etwas ganz anderes als das Menschliche, als das, was unter dieser “Welt” zu verstehen ist. Also: Wer sich bemüht, in Gottes Geborgenheit zu leben, muss sich auch seiner Aufgaben bewusst sein, er muss also auch wissen, was notwendig ist für diese Geborgenheit in Gott.

Selbstverständlich ist es ein grosser Vorteil für einen jeden Menschen, wenn er es kraft seines Glaubens und seines guten Willens so weit bringt, dass er sagen kann: “Ich bin in Gott geborgen.”

Nun, liebe Geschwister, ihr denkt und glaubt, dass das Leben nach dem Tode weitergeht, dass ihr als Geist ins geistige Reich, ins Reich des Vaters, eintretet und in die Ewigkeit zurückkehrt. Wenn ihr zu Gott betet, sollt ihr ihn auch im Geiste anbeten. Wenn man zu dieser Auffassung kommt, festigt man sich auch im Glauben an diese andere, für den Menschen unsichtbare Welt. Sich mit dieser unsichtbaren, göttlichen Welt in Verbindung zu setzen, ist etwas sehr Wichtiges, was den Menschen auch in die Geborgenheit führt; denn in diesem Glauben – wenn er ihn erfasst – findet er Kraft, er findet Mut und Ausdauer, er verliert von seiner Ängstlichkeit. Er wird ein überzeugter Christ, denn er hat ja vielen anderen vieles voraus.

Das Erkennen der göttlichen Gesetze, des Willens Gottes, ist doch etwas sehr Wichtiges im Leben. Denn wer nicht in Gott geborgen ist, kann sich gegen einen Mitmenschen auflehnen, er kann über ihn herfallen. Er tut es leichtfertig, weil er die göttlichen Gesetze nicht kennt. Aber wenn ein Geistesmensch solches tut, dann ist es wirklich schlimm. Wer um die göttlichen Gesetze Bescheid weiss und von sich hoffen will, dass er in Gottes Geborgenheit leben darf, muss doch zum Allermindesten im Denken und Walten auch eins werden mit ihm. Göttliches Wirken muss aus ihm herauskommen, er muss ja eins werden mit Gott. Also soll man es doch etwas besser überdenken, was man mit dieser Geborgenheit in Gott meint.

Es ist doch wohl etwas Erfreuliches, wenn man sagen kann, dass man durch diese Geborgenheit die Gesundheit erreicht, dass man sich fröhlich und jung fühlt. Denn auch dafür gibt es eine Antwort: Wenn man im Geiste mit dem Geistigen verbunden ist, gibt es kein Altern. Alt, im wirklichen Sinn des Wortes, mag wohl der äussere Mensch werden; denn sein Leib fängt mit den Jahren an zu zerfallen – aber nicht sein Geist, denn sein Geist bleibt jung. Je mehr er sich mit dem Ewigen verbindet und das Ewige vertritt, desto mehr bleibt er jung im Geiste. Auch wenn man mit der Zeit die Jahre an seinem Äusseren sehen kann, kommt trotzdem etwas Jugendliches zum Vorschein. Wer die gute Verbindung zur göttlichen Welt hat, erlebt diese geistige Jugend; denn die Ewigkeit ist jung und schön, sie ist fröhlich, gut, barmherzig, sie ist gnädig und verständnisvoll – das ist ein Stück Ewigkeit.

Was man in seinem menschlichen Leben erwirbt, hat auch seinen Nachklang im geistigen Leben. Immer wieder mache ich euch in den Erlebnisberichten darauf aufmerksam, dass das Gemüt des Menschen, überhaupt seine Einstellung, auch nach seinem irdischen Tode eine bedeutende Rolle spielt. Denn das, was ein Mensch mit fester Überzeugung immer wieder sagt, ist sein wahres Ich, und dieses wahre Ich wird mit seinem irdischen Tode nicht weggelegt. Und zu diesem wahren Ich gehört eben manchmal die Eifersucht, der Geiz, das Unverständnis des Menschen, der dem andern nie mit Liebe und Wohlwollen begegnen kann. Das alles, was in dieser Art und Weise in seinem menschlichen Leben zum Vorschein kommt, gehört eben zum Eigentum der Menschen dieser Welt, die unter der Herrschaft jenes unliebsamen geistigen Wesens leben müssen. Denn auch unter seinem Einfluss muss doch der Mensch leben. Und wenn er diese Untugenden nicht überwinden kann, dann hat er sie auch im Geiste nicht überwunden. Wenn er die Gewohnheit hat, über andere Menschen herzufallen, dann wird er das auch in der jenseitigen Welt tun – er wird über jene Geistgeschwister herfallen, mit denen er zusammenlebt, er wird mit ihnen ständig in Unfrieden leben. Er wird sich durch dieses Gebaren unbeliebt machen, und er zeichnet sich dadurch – sein ganzes Benehmen ist nur eine Bestätigung seiner niederen Entwicklung. Und wenn doch dieses menschliche Leben eine Prüfung ist, dann hat man ja auch die Möglichkeit, in diesem Leben vieles zu verbessern und dieser Macht, die die Welt auf den Menschen ausübt, zu entfliehen und zu versuchen, an die geistige Geborgenheit heranzukommen.

Denn wenn jemand liebevoll ist in seinem Wesen, verständnisvoll und gütig, dann ist das ein Bestandteil seiner Seele, und es geht mit ihm in die geistige Welt ein; es wird beim irdischen Tode nicht weggelegt. Es ist das, was er will, was er zum Ausdruck bringt. Es ist die Seele, es ist das Geistwesen, das da einkehrt in die andere Welt und von sich selbst spricht und erkennt und sagen muss: “Ich, ich lebe” – und entweder tut es seinen Unwillen kund, oder es gibt seiner Freude Ausdruck. Es ist das Ich, das zum Vorschein dringt, es ist die Persönlichkeit, die sich da zum Ausdruck bringt.

Nun, liebe Geschwister, so ist es doch notwendig, diese Erkenntnisse zu besitzen und zu versuchen, alles wegzulegen, was dem Geistig-Seelischen schadet – und es auch wirklich zu tun und nicht nur einmal den Vorsatz zu fassen, besser zu sein. So, wie man auf dieser Erde lebt und sich dementsprechend Verdienste erwirbt, wird man auch in der geistigen Welt Belohnung finden; oder es wird einem gleichgültig gegenübergestanden, oder man wird auch je nach Fall bestraft werden.

So möchte ich jetzt von zwei Menschen sprechen, um euch in dieser Art und Weise, anhand eines Erlebnisberichts, wiederum Vergleiche zu geben. Auf diesem Wege könnt ihr die göttliche Gesetzmässigkeit kennenlernen. Und zwar möchte ich jetzt von zwei Menschen sprechen, die beide ein ähnliches Schicksal hatten, auch dieselbe Intelligenz, sodass von beiden gleich viel verlangt wurde. Es haben aber nicht beide in gleicher Weise etwas für ihren Aufstieg getan.

Nun möchte ich als Erstes von demjenigen reden, der Gott fernestand. Er war nicht ungläubig, aber er war kein besonders frommer Mensch, und er dachte und glaubte nicht, dass das Leben nach dem irdischen Tode weitergeht. In seinem Leben war er nicht fähig, in diese göttliche Geborgenheit zu kommen. Er war also vom Schicksal gezeichnet worden; er hatte einen schwächlichen Leib, und in der Mitte seines Lebens kam er um sein ganzes Hab und Gut. Da er keinen rechten Gottesglauben hatte – von Geborgenheit in Gott gar nicht zu reden –, fing er an zu hadern. Er klagte, dass es ihm so schlecht gehe und er krank sein müsse. So hatte er auch den Mitmenschen immer geklagt, und wenn diese Mitmenschen ihn aufzumuntern suchten und ihm gut zusprachen, hörte er nicht zu; all das war für ihn nichts – er meinte sich von Gott verlassen. Und so fing er an, ständig zu hadern und zu klagen, und in dieser Weise sprach er auch zu den Mitmenschen. So wurde er mit der Zeit von seiner Umgebung gemieden, schon seines Jammerns wegen – weil es nutzlos war, ihm einen Trost oder gar einen Hinweis zu geben, wie er im Leben neu anfangen könnte oder wie er versuchen sollte, sein Schicksal zu tragen. Er war und blieb unwillig und unzufrieden und jammerte und klagte bis zur letzten Stunde seines Lebens.

Als er dann in die geistige Welt hinübertrat und ein Engel Gottes vor ihm stand, fragte ihn dieser, ob er auch etwas mitgebracht habe aus dem irdischen Leben ins ewige Leben hinüber. Er antwortete: “Oh ja, sehr viel habe ich bei mir, denn ich hatte viel zu leiden. Ich hatte mein Hab und Gut verloren und war auch am Leibe immer krank; so musste ich dieses Leid und alle Kümmernisse tragen, und es war nicht leicht für mich, dieses Leben zu ertragen.” Und der Engel Gottes fragte ihn nach seinem Glauben, nach seinen geistigen Schätzen. Da gab er zur Antwort, er hätte eben nicht glauben können, weil das Schicksal ihn so fest angefasst habe; und weil er immer krank gewesen sei, hätte ihn dieses Kranksein daran gehindert, Gutes zu tun und Gott zu finden; er wäre zu sehr immer mit seinen Leiden und Unbehaglichkeiten beschäftigt gewesen. Der Engel Gottes musste ihn wieder fragen: “Warum hast du dann nicht zu Gott gebetet, dass er dir beistehen möchte?” Und er erwiderte: “Meine Mitmenschen haben für mich genügend gebetet, und es hat mir nicht geholfen.” Und der Engel musste ihm wieder entgegnen: “Es ist wohl gut und recht, dass für einen solchen Menschen, wie du es warst, gebetet wird; aber es wäre ebenso notwendig gewesen, dass auch du deine Knie gebeugt und etwas Demut vor Gott gezeigt hättest. Aber da du ja in völliger Unkenntnis über Gottes Willen und seine Gesetze warst, hast du im Leben nichts erreicht, und so wird für dich eine solche Prüfung nochmals notwendig sein. Aber ehe es so weit ist, sollst du nun im geistigen Reiche eine Tätigkeit ausüben, und du sollst beweisen, dass du es besser machen kannst.”

Nun möchte ich zum andern kommen, der dasselbe Schicksal hatte. Auch er verlor in der Mitte des Lebens sein Hab und Gut und konnte sich nicht mehr zu einem Neuanfang aufraffen; auch er war krank am Leibe. Er aber stand Gott nahe; er lebte in Gottes Geborgenheit, er fühlte sich von Gottes Gerechtigkeit und seinem Willen getragen. Denn was er in seiner Umwelt erlebte, war geistiges Erleben. Er betrachtete alles Leben, das ihn umgab, als ein Leben nach dem Willen Gottes; er erkannte in allem die Erfüllung der göttlichen Gesetze. Er war ein Geistesmensch, und so sah er in seinem eigenen Schicksal Gottes Gerechtigkeit und seine Gesetzmässigkeit. Er betrachtete es als Gottes Willen, was er erleben musste; so wollte er es auch tragen. Denn er wandte sich nicht so diesem irdischen Leben zu, sondern er war im Geiste mit allem Geistigen verbunden. Er war durch das Gebet an Gott gebunden; er lebte in dieser göttlichen Geborgenheit, und diese Geborgenheit brachte ihm Aufmunterung und Trost. Er konnte über sein Schicksal nicht klagen; er nahm es hin, denn er sah darin den Willen Gottes, und er versuchte, nach Gottes Willen zu leben. Wenn andere Menschen zu ihm kamen und seine Not sahen, bedurfte er ihres Trostes nicht; sondern er war es, der die gesunden Menschen trösten musste, jene Menschen, die viel zu sehr mit dem Weltlichen verknüpft und verbunden waren. Sie kamen zu ihm, um Trost zu holen; er gab ihnen den Trost und munterte sie auf. Aus ihm heraus drang eine solche Wärme und ein grosses Verständnis für das Leid und für die Not der andern. Sein Schicksal beklagte er nicht. So hatte er grosses Ansehen unter seinen Mitmenschen; bewunderungswürdig war er, denn er trug sein Schicksal in Gottes Geborgenheit.

Als dieser Mensch das Zeitliche segnete und ebenfalls der Engelswelt gegenüberstand, da sprachen die Engel zu ihm: “Nun hast du deine Prüfung bestanden. Du bist im Geiste gesund, du bist nicht krank.” Im Geiste ist man ja nicht krank. Wenn ein Heimgekehrter glaubt, krank zu sein, dann sind es seine Gedanken, seine schweren Gedanken der Vergangenheit, die er nicht losbringt und die ihn belasten. Wenn aber einer zurückkommt, der im menschlichen Leben in Gottes Geborgenheit gelebt hat, der wird, wenn er sein geistiges Auge geöffnet, von den Geistern Gottes zu seinen Aufgaben hingetragen werden und zu jenen Engeln Gottes, die ihre Zufriedenheit über sein zurückgelegtes Leben aussprechen. Er wird Freude ernten dürfen, und seinem weiteren Aufstieg steht nichts im Weg.

Nun vergleicht die beiden, die dasselbe Schicksal hatten. Der eine hat es bejaht, er hat im Glauben an Gott und in seiner Geborgenheit gelebt und hat dadurch seinen Aufstieg beschleunigt; er hatte im Leben andere getröstet, obwohl er auch Grund gehabt hatte, getröstet zu werden. Der andere hingegen klagte und jammerte; er konnte niemandem Trost geben und wartete nur darauf, dass er selber getröstet würde. Ich sagte, sie beide hätten dieselbe Intelligenz gehabt. Die Intelligenz ist schliesslich auch etwas Wesentliches im Leben des Menschen; denn wenn einer eine gute Überlegungskraft hat, hat er die Möglichkeit, sich in seiner Welt besser zurechtzufinden. Nun, sie beide hatten die Intelligenz, aber aktiv [um sich zu einem Neuanfang aufzuraffen] wurde diese Intelligenz nicht, weder beim einen noch beim andern. Während aber der eine mehr von Gott wegging, ging der andere Gott näher. Und nun sollten sie geistige Arbeiten erfüllen; und in der ersten Zeit gab man beiden dieselbe Aufgabe.

Der Gott Fernstehende wurde nun über seine Fehler belehrt, und ihm wurde klargemacht: “Du könntest doch jetzt im geistigen Reiche noch etwas zu deiner Verbesserung tun, du weisst jetzt, worauf es ankommt. Man soll im Geiste eine ganz andere Einstellung haben, als du sie gehabt hast.” Es wurde ihm auch erklärt: “Du hattest dein Gewissen und deine Schutzgeister, aber du hörtest nicht auf sie; du warst nicht willens, sie anzunehmen.” Nun aber gab man ihm die Gelegenheit, sich etwas zu verbessern, und man sagte ihm: “Du musst noch eine Zeit lang zu den Menschen zurückkehren; und zwar sollst du in die Gefängnisse gehen, wo Menschen bedrückt sind, wo sie gequält werden, wo sie verzweifelt sind und leiden. Gehe zu ihnen, und verbinde dich mit dem Geiste eines solchen Menschen, und bring ihm etwas Trost. Versuche, Einfluss auszuüben im Guten; versuche, sein Schicksal zu erleichtern.” In der ersten Zeit hatte er seine göttlichen Begleiter, die es ihm erklärten, wie man das handhabt, und dann sollte er diese Aufgabe allein übernehmen. Aber es gelang ihm nicht viel. Er war so willensschwach, wie er es eben auch als Mensch gewesen war; er hätte lieber von seinem eigenen Schicksal und von seinen Nöten erzählt, als diesen Menschen Aufmunterung und Trost zu geben. So konnte er die Aufgabe nicht erfüllen und musste einer anderen zugeführt werden.

Nun aber möchte ich vom andern sprechen, der im Leben Gott nahegetreten war. Er erhielt dieselbe Aufgabe und sollte sie auch für eine bestimmte Zeit ausüben. Auch er wurde in Gefängnisse geführt, wo Menschen an Leib und Seele litten, wo so viel Zweifel über sie kam. Hier sollte er mit seiner ganzen Kraft einwirken und versuchen, das Schicksal dieser Leidenden so gut wie möglich zu mildern. Und er konnte es tun, er wurde von höheren Geistwesen dahin geführt. Auch ihm hatten sie erklärt, wie man einem leidenden Menschen im Geiste hilft, und er wurde dann recht bald sich selbst überlassen. Es ergriff ihn grosses Mitleid mit diesen Menschen, und er wollte ihr Schicksal, ihr Leid tragen, so gut es ihm gelang; er wollte seine ganze geistige Kraft anwenden, um das Leiden dieser Menschen zu mildern. Und wie tat er es? Er drang in den Leib eines Menschen ein, er nahm von ihm Besitz und verdrängte so den eigenen Geist dieses leidenden Menschen, wenn der Körper so gequält wurde. Indem er diesen eigenen Geist verdrängte und selbst nun das Leid auf sich nahm, konnte für den Menschen das Schreckliche gemildert werden; denn eine leichte Ohnmacht überkam ihn, sodass er die Schmerzen nicht mehr spüren konnte. Der hilfreiche Geist wiederholte dasselbe immer wieder, um diesem Menschen doch einigermassen beizustehen.

Nun sollte euch ein solches Vorgehen eines guten Geistes nicht unmöglich erscheinen. Denn wenn andere, niedere Geister die Möglichkeit haben, von einem Menschen Besitz zu nehmen und aus ihm zu wirken, so hat es auch ein guter Geist Gottes; auch er kann Besitz nehmen von einem Menschen. Er wird es aber nur dann tun, wenn er von höherer Seite dazu aufgefordert wurde, es auf diese Weise zu tun. So kann er es für kürzere oder längere Zeit oder wiederholt tun, um die Leiden eines Menschen etwas zu mildern.

Dieser gute Geist hatte also auf seine Weise gewirkt und dadurch dem Menschen etwas von seiner grossen Not genommen. Er ist wahrlich den Ärmsten beigestanden. Die Geisterwelt Gottes sah es und war mit ihm zufrieden. Er hatte noch dasselbe Verständnis für das Leid der andern und dieselbe Hingabe wie zur Zeit seines menschlichen Lebens. So half er nun im Geiste, die Not der andern zu tragen und sie zu trösten. Dass er dieses konnte, brachte ihm göttliche Belohnung ein; und so hatte er seinen Aufstieg nicht nur durch sein menschliches Leben beschleunigt, sondern er hat ihn auch im geistigen Reiche weiter vorangebracht durch seine Hingabe und Aufopferung. Er hat auf diese Art und Weise auch bewiesen, dass man dem Nächsten helfen kann; denn er lebte als Mensch in göttlicher Geborgenheit, und Geborgenheit in Gott heisst: gütig, barmherzig, verzeihend, liebevoll zu sein. Auf diese Art und Weise brachte er seine Geborgenheit zum Ausdruck, die er im menschlichen Leben erlebt hatte. Er hat Verdienste erworben im menschlichen Leben und weitere im geistigen Reiche.

So geht es mit den Heimgekehrten. Die einen machen grosse Fortschritte; andere sind mutlos und energielos und bringen es nicht über ihre Stufe hinaus. Wenn ihr aber immer wieder zuhört, wenn euch erklärt wird, was zu tun und was zu lassen ist, sollte für euch die Möglichkeit des Aufstiegs gegeben sein.

Nun, liebe Geschwister, gab ich euch wiederum Einblick in die göttlichen Gesetzmässigkeiten, in Gottes Willen. Und so möget ihr diesen Willen Gottes erkennen und ihn bejahen. Möget ihr gesegnet sein und euch stets zu Gott hinwenden. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 8.3.1969 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Zufluchtsstätten des Gläubigen

Josef, 19. April 1973

Zufluchtsstätten des Gläubigen

Sucht ein Mensch Geborgenheit und Zuflucht im Worte Gottes und in seinen Gesetzen, dann darf er die Gewissheit haben, die geistige Obhut zu erhalten. Denn ist er mit Herz und Seele mit der Gotteswelt verbunden, kommt sie mit ihm ins Gespräch und versucht, Einfluss zu nehmen und ihm den Schutz und Beistand zu geben, den er im Leben braucht.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, von nah und fern seid ihr hierhergekommen, um gemeinsam mit Gleichgesinnten das Osterfest im Gedenken an Christus zu feiern. Im Wort Gottes, in den Gesetzen und in der Ordnung der göttlichen Welt findet ihr Zuflucht und Geborgenheit. Ihr seid hierhergekommen, um Zuflucht zu nehmen. Wer Zuflucht nimmt, der möchte sich doch vor Unheil schützen; er möchte, wenn auch nur vorübergehend, geborgen sein. Diese Zuflucht bekommt ihr, sie ist euch gewiss. Und wenn man in dieser Zuflucht ist und sich da bewegt, lebt und atmet, dann kann man auch gewiss sein, dass einem das gegeben wird, was man nötig hat. Man braucht Schutz, Betreuung; man möchte doch, wenn auch nur vorübergehend, in Obhut sein, seines Lebens sicher sein.

Diese geistige Obhut wird euch stets gegeben; wir können es auch Geborgenheit nennen. In dieser Geborgenheit werdet ihr auch geistig gekräftigt. Wenn ihr Zuflucht sucht im Geiste, dann gibt man euch nicht nur vorübergehend ein Obdach, symbolisch gesprochen. Man gibt euch Trost, wenn ihr ihn braucht, man inspiriert euch, das Richtige zu unternehmen, man führt euch in eurem Leben, man macht euch geistig stark und tapfer, man stützt euch im Glauben. Denn ihr kommt ja in diese geistige Obhut – und da ist es nicht so wie bei den Menschen, wenn jemand während eines Gewitters Obdach sucht, aber nur für so lange, bis er sich wieder sicher fühlt und seines Weges gehen kann.

Nun sind diese heiligen Festtage gekommen, und es ist doch ganz besonders der gläubige Christ, der eben dieses Obdach, diese Zuflucht braucht. Er will sicher sein, dass er in diesem geistigen Zuhause, zu dem er sich hinbewegt, auch seinen Schutz für Leib und Seele erhält. Nun, in diesen Tagen sind diese Zufluchtsstätten hell beleuchtet, ja ich möchte sagen, auf der ganzen Erde ist der Weg zu diesen Orten hell beleuchtet, sodass ein jeder eine solche Zufluchtsstätte finden kann. Bei den Menschen aber ist es heute so: Beleuchtet ist der Weg zu diesen Stätten wohl, aber man geht vorüber; man hat kein Verlangen und ist nicht so tief im Glauben, dass man im Worte Gottes Zuflucht und Geborgenheit sucht. Man weiss wohl, dass Ostern ist; die Christenheit wird daran erinnert. Aber man vergisst, dass man sich auch um das geistige Zuhause kümmern und darin einen Aufenthalt machen muss. Der Weg zu diesen Zufluchtsstätten ist doch in dieser Welt wahrlich überall beleuchtet. Vielleicht ist das zu viel gesagt, wenn ich sage: beleuchtet. Es ist symbolisch gesprochen, und ich meine damit: Man weiss um das Fest, man weiss um das Erlösungswerk Jesu Christi, das er vollbrachte. Ihr wisst selbst, wie wenig Menschen es sind, die sich eben wirklich mit jenem Geschehen und mit der Ursache dieses Festes befassen. Vielmehr kümmern sie sich darum, wie sie diese Festtage vergnüglich feiern könnten. Der Weg zur wahren Zufluchtsstätte ist allen hell beleuchtet, aber es bedeutet ihnen nichts, sie gehen an diesen Orten vorüber.

Nun gibt es Engelwesen, die sich ganz besonders in diesen Tagen mit dem Menschen befassen; es sind Engel, die überall, in allen Städten und Dörfern, wo Christen leben, bereit sind, die Menschen auf diese Zufluchtsstätte und auf diese Geborgenheit im Worte Gottes aufmerksam zu machen. Die einen Menschen mögen sich gedrängt fühlen, ein Gotteshaus aufzusuchen. Für uns ist jedoch wichtig, wie eng die Bindung vom Menschen zur andern Welt ist – ob ihm der Weg zur Kirche zur Gewohnheit geworden ist, ob er jene Stätte auch wirklich als eine Zuflucht zu Gott betrachtet, wo er Schutz sucht und geborgen sein möchte. Im Geiste und in einem göttlichen Haus geborgen zu sein, das bedeutet viel. Wenn man mit Herz und Seele dabei ist und den Weg zu dieser Zufluchtsstätte gesucht hat, wo Gottes Wort verkündet wird, da wird dem Menschen auch versichert, dass er von der Gotteswelt die Hilfe bekommt und unter ihren Schutz gelangt. Man muss aber mit ganzem Herzen und mit der ganzen Seele, mit seinem ganzen Wesen, dabei sein. So vermögen die Geister des Himmels dem Einzelnen die Hand zu reichen und ihn zu führen. Sie kommen mit dem Einzelnen ins Gespräch, versuchen Einfluss zu nehmen auf sein ganzes Wesen, und sie legen es ihm dar: “Denke an das geistige Leben. Nicht diese Welt, in der du lebst, bringt dir das grösste Heil, sondern das wahrhaftige Heil empfängst du von der Gotteswelt.”

So versuchen die Engel Gottes den Menschen zu führen; und sie nehmen sich eines jeden an, keiner ist zu gering. Schreiten sie da zu einem Menschen hin, versuchen sie ihn zu beeinflussen. Und der Mensch entscheidet selbst, ob er diesen Begleiter und diesen Einfluss will oder nicht. Aber es ist nicht so, dass Geister Gottes irgendeinen Menschen für zu gering halten, um ihn in Obhut zu nehmen. Jeder – und ist er noch so belastet – sollte zu diesen Zufluchtsstätten geführt werden und dort etwas von dem göttlichen Heil empfangen dürfen.

So arbeitet die Geisterwelt Gottes beim Menschen. Wenn man sie will, wenn man in Freundschaft mit den Geistern Gottes ist, dann sind sie treu ergeben. Und mag einem auch da oder dort noch etwas Unangenehmes über den Weg gehen, so versuchen sie es nach ihrer Art wegzuräumen. Die Geisteswelt braucht aber gewöhnlich längere Zeit dafür, als die Menschen es annehmen wollen. Wenn Menschen etwas wegräumen, dann kann es ihnen in den meisten Fällen nicht schnell genug gehen, und so gehen sie oftmals falsche Wege. Wir sagen es immer wieder: Lasst euch Zeit; denn diese Zeit wirkt nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Geister Gottes. Denn Geister Gottes müssen sich ja beim Menschen auch um die Einzelheiten kümmern. Man soll nicht annehmen, sie würden sich beim Menschen nur um das kümmern, was der göttlichen Welt hochheilig ist; es gibt viele menschliche Dinge, um die sich die Geisterwelt Gottes auch kümmert, um es in Ordnung zu bringen. Denn sie muss ja, wenn sie den Menschen beeinflussen und ihn für sich gewinnen will, auch mit ihm leben. So fängt sie an, sich auch für die Einzelheiten des Menschen zu interessieren, und sie möchte allzu gerne Ungereimtes wegräumen. Das versucht sie, das ist die Arbeit der Geisterwelt Gottes beim Menschen.

Jetzt aber: Es gibt nicht nur auf eurer Erde Zufluchtsstätten, in denen man das Wort Gottes erlebt. Denkt an die Zeit, wo man im geistigen Reiche seine Augen öffnet und fremdes Land betritt – auch dort gibt es Zufluchtsstätten, wo die Heimgekommenen hingehen können. Auch dort sind die Wege zu diesen Orten beleuchtet, damit man sie besser findet, und auch dort sind es himmlische Wesen, die willens sind, die Heimgekommenen zu führen. Aber hier ist es nicht ganz so wie auf Erden, wo, wie ich sagte, keiner zu gering ist, als dass sich ein Geist Gottes nicht mit ihm befassen würde – es sei denn, es wäre wahrhaftig ein Mensch, der sich stets auf das Allerschlimmste belastet hat und sich weiter fortwährend belastet, sodass die Geisterwelt Gottes von ihm nichts mehr wissen will. In der Geisteswelt ist es so: Da gibt es welche, von denen die himmlischen Wesen Abstand nehmen, die sie nicht kennen und von denen sie nichts wissen wollen. Jetzt hat sich die Situation geändert, jetzt herrschen andere Verhältnisse. Wenn jene im Menschenleibe sind, versichert man sie des Beistands der göttlichen Welt. Man will sie doch schliesslich wieder ins Reich Christi einreihen, und man will auch das Seinige dazu beitragen, sie zu gewinnen. Hat aber das menschliche Leben sein Ende gefunden und sind sie in die geistige Welt hinübergekommen, dann wird doch abgerechnet. Und dann wenden sich göttliche Wesen von jenen ab, die sich zeit ihres Lebens nicht nach der Gotteswelt ausgerichtet haben und von ihr nichts wissen wollten. Nun nimmt man Abstand von ihnen; man führt sie nicht zu diesen Zufluchtsstätten des Trostes und der Hilfe, der Güte, der Liebe, der Barmherzigkeit, sondern man lässt sie draussen stehen, und zwar so lange, bis man sie für würdig findet, dass man sich ihrer annimmt. Es gibt auch keine ständige Verlassenheit, aber es ist nicht so wie im menschlichen Leben, wo göttliche Wesen den Menschen bereitwillig führen, ihm helfen wollen und ihm den Weg zeigen. Wenn man in die göttliche Heimat hinübergekommen ist, ist es anders; da wird jenen Heimgekommenen gesagt: “Du hast ja die Ewigkeit verleugnet, du kannst von uns nicht erwarten, dass wir dich gleich aufnehmen mit Freude und Begeisterung.” Und so lässt man den einen wie den andern allein in der Jenseitswelt, was ihn dann veranlasst, seine frühere menschliche Stätte wieder aufzusuchen und dort zu leben, als wäre er noch ein Mensch. Ihr habt solches schon des Öftern gehört, dass Verstorbene unselig leben – also findet ihr darin die Bestätigung, dass man sich ihrer nicht gleich annimmt, obwohl doch Christus für alle den Weg zum Vater geebnet hat.

Das menschliche Leben ist so wertvoll und bedeutungsvoll; so viel kann ein Mensch hier auf dieser Welt leisten, und er kann seine Vorbereitungen für die Ewigkeit treffen. Auch diese Vorbereitungen und diese Vorsorge für die Ewigkeit sind sehr wichtig. Kümmert man sich nicht um das, was kommen wird, kennt man ja auch keine Vorsorge, und man lebt in den Tag hinein. Und so lässt man sich ja auch nicht von den Geistern Gottes führen. Man sieht nicht das Licht, das in allen Städten, allen Dörfern und überall in allen Landen leuchtet, das jeweils an diesen besonderen Tagen der Erinnerung an den Erlöser dieser Welt scheint. Diese Lichter des Himmels beleuchten doch die Seele des Menschen und drängen ihn zur göttlichen Zufluchtsstätte. Dort soll er doch einkehren, dort findet er Geborgenheit, dort wird er gestärkt in seinem Mut, in seiner Kraft, in seiner Ausdauer, dort wird er umsorgt – in dieser göttlichen Zufluchtsstätte.

Das kann der Mensch auf dieser Welt erreichen. Ist er dann losgelöst von seinem menschlichen Leib, wird im Geistigen zum Vorschein und zum Ausdruck kommen, wes Geistes Kind er wahrhaftig ist, was sein Geist und seine Seele erobert haben im menschlichen Leben. So mancher bedauert es dann, keine geistigen Freundschaften, keine Bindung zu den Heiligen des Himmels zu haben – wie könnte es auch anders sein, wenn man nicht an sie geglaubt hat. Überdenkt, wie schmerzlich es ist, wenn jemand in die Ewigkeit kommt und in seiner Not keine Zufluchtsstätte findet – das ist schmerzlich für jeden Einzelnen.

Es ist ein Glück für den Menschen, wenn er seine geistigen Ohren geöffnet hat, wenn er mit seinem geistigen Auge hinüberzublicken und wahrzunehmen vermag, was es wahrhaftig gibt ausser dieser irdischen Welt, sodass er mit seinem ganzen Sein spürt, dass es etwas Lebendiges geben muss und er sich mit diesem Lebendigen verbinden muss, dass es zu seinem Leben gehört und es Teil seines Lebens sein muss – es geht um diesen Glauben an Gott, an seine heilige Geisteswelt und darum, dass man anfängt sich durchzukämpfen zur Wahrheit, dass man anfängt zu suchen nach dieser göttlichen Wahrheit.

Es ist eben so, wie ich euch anfangs erklärte: Es sind der Zufluchtsstätten viele auf dieser Welt, und sie sind hell beleuchtet – und das sind die Worte des Menschen, die er selbst ausspricht: “Es ist Ostern, es ist das Osterfest.” Man sollte sich erinnern an Christus und an all das, was er der Menschheit gegeben. Aber man denkt nicht daran, obwohl alles in seinen Lichtern hell beleuchtet ist. Es ist zu viel des Lichts, möchte ich sagen, sodass man geblendet wird. Aber für diese Blendung sorgt jemand anders – es ist noch jemand anders da, der versucht, den Menschen aufzuhalten vor dieser Zufluchtsstätte. Ihr wisst wohl, wen ich da meine.

In diesen heiligen Tagen ist die Gotteskraft ausgegossen über die Menschen. Denn Christus ist auch heute noch so interessiert am Leben des Menschen; er hatte doch auch einst wahrhaftig grossen Anteil daran, und es ist ihm nicht gleichgültig, wie die Menschen auf dieser Welt leben. Aber es ist wahrhaftig so: Wenn zwei oder drei in seinem Namen Gott bitten, ist er mitten unter ihnen (vgl. Mat. 18, 19–20). Denn die Erde vermag sich aufzutun und den Himmel in sich einzuschliessen – das wäre möglich. Stellt euch vor: Die Erde würde den Himmel in sich einschliessen. Das würde doch bedeuten: kein Hass, keine Kriege, kein Neid, nichts mehr von all diesen Untugenden; dies alles müsste überwunden sein, und himmlische Zustände müssten sein auf dieser Welt. Das wäre die Seligkeit der Menschen. Weit entfernt noch sind diese Zeiten, und das weiss ein jedes von euch selbst. Im Leben mit dem Nächsten erkennt man, wie fern der Himmel noch ist. Und doch ist es das Verlangen der Engelswelt, dass es erreicht wird; und es ist das Verlangen vieler wahrhaftig gläubiger Menschen. Dieses Verlangen, das sowohl Menschen wie auch Geister Gottes haben, wird dereinst seine Erfüllung finden. Aber reden wir nicht von der Zeit; diese Erfüllung ist noch so weit entfernt – zu weit ist sie entfernt.

Ich möchte zurückkommen auf das geistige Leben. All jene, die im Geistesleben sind, die mit Herz und Seele und im Glauben mit der Gotteswelt verbunden sind, brauchen sich nicht zu ängstigen vor jener Stunde und den Begegnungen, die es geben wird. Wer im Leben Zeugnis gibt von der Gotteswelt, wird dereinst seinen Lohn bekommen. Doch wehe all denen, die es nicht tun. Es sind der Stufen sehr viele in der Gotteswelt, und es sind allzu viele Wesenheiten, die sich noch in den untersten Entwicklungsstufen bewegen und nur mühsam vorwärtskommen, mühsam. Und so ist es von grösster Bedeutung für den Menschen, dass er im Glauben an die Gotteswelt lebt und diesen Glauben bewahrt als das Kostbarste seines Lebens. Denn dieses ist etwas, was nicht vernichtet werden kann. Aller Besitz der irdischen Welt kann vergehen, aber was man da in der Seele besitzt, den geistigen Besitz, der kann nicht zerstört werden, von niemandem.

So sollt ihr, liebe Geschwister, euch in diesen Tagen dieser Zufluchtsstätte auch bewusst sein. Ihr seid heute [am Gründonnerstag] hierhergekommen, und ihr werdet morgen [am Karfreitag] erneut hierherkommen und diese Stätte aufsuchen, um Kraft und Mut zu bekommen. Ihr möchtet in den Schutz Gottes gelangen – auch das soll diese Zufluchtsstätte für euch sein. Sie soll euch allen das geben, was ihr zum Leben braucht.

Nun, liebe Geschwister, möchte ich euch von einem verstorbenen Menschen erzählen, der da auf dieser Welt gelebt und nicht an Gott geglaubt hat, dem Christus fremd war. Als er in die jenseitige Welt zurückkam und hier in dieser neuen Welt als Fremdling seine Augen öffnete, da ging er auf die Suche nach einer solchen Zufluchtsstätte. Aber hier war es nicht beleuchtet, es war dunkel, er konnte keinen Weg finden zu einer Zufluchtsstätte. Denn in seinem Unglauben, in dem er gelebt hatte, hat er seine Seele belastet. Seine geistige Heimat ist keine Heimat des Lichtes. Auf Erden hatte es Licht; die Zufluchtsstätten – und es waren deren sehr viele – waren hell beleuchtet, er hätte sie gut finden können. Und nun findet man in der andern Welt keine – man kann sie nicht finden, weil es dunkel ist. Man hat in geistiger Dunkelheit gelebt, und die geistige Dunkelheit umgibt die Seele, und so wird ein Geist in diese geistige Dunkelheit hineingezogen.

So ging es diesem Heimgekehrten. Nach langer Zeit hörte er Worte des Trostes, der Aufmunterung. Man rief ihm zu, dass er sich selbst einen Weg zum Lichte bahnen müsse, dass er anfangen müsse, umzudenken und Gott um Vergebung zu bitten; und dass er um geistige Hilfe nachsuchen müsse, und dies so lange, bis sie ihm wahrhaftig gegeben werde. Er vermochte nur Worte zu hören, doch wandelte er in der Dunkelheit.

Er war nicht allein, denn es waren noch viele da, die auch in der geistigen Dunkelheit zu leben hatten, weil auch sie Gott verneint und sich nicht nach den Gesetzen Gottes ausgerichtet hatten. So mussten sie für lange Zeit in dieser geistigen Dunkelheit verweilen, denn dies gehörte zu ihrer Bedrängniszeit, zu ihrer Läuterung. Hier konnten sie flehen, rufen und bitten. Und dann und wann vernahm da der eine, dass ein anderer geholt wurde, dass man ihm zusprach. Aber es war nur ein Tasten und ein Fühlen in der Dunkelheit, man vernahm nur ein Rauschen da und dort, das von einem Engel Gottes kam, der sich eines Wesens annahm, um es eine Stufe höherzuführen.

Und so versuchte auch dieses Wesen, sich an einen Engel heranzumachen, als es fühlte, dass einer in der Nähe war. Es tastete nach ihm und klammerte sich an ihn; es hielt sich an seinem Gewande fest und bat: “Nimm auch mich mit ins Licht. Ich weiss, was für ein Mensch ich war; ich bin aber bereit, wiedergutzumachen und zu sühnen. Sage mir, was ich tun muss – doch nur um eines bitte ich: Nimm mich von hier weg.” Und der Engel löst die Hände, die sich an seinem Gewande festklammern, und muss ihm sagen: “Es ist noch nicht die Zeit gekommen für dich” – noch mehr hat dieses Wesen zu leiden, noch mehr hat es zu hungern.

Aber für einen jeden kommt die Zeit, wo die Bedrängnis vorüber ist. Wie lange diese zu dauern hat, ist nach einem geistigen Plane genau gezeichnet. So wurde auch dieses Wesen geholt. Ein Engel Gottes reichte dann auch ihm die Hände und sagte: “Komm mit mir, Bruder, jetzt führe ich dich eine Stufe aufwärts – aber noch nicht ins grelle Licht, erst in die Dämmerung. Langsam soll sich dein geistig Auge an das göttliche Licht gewöhnen.”

Dann, als er ihn in die Dämmerung geführt, sprach er zu ihm: “Verweile hier noch eine Zeit.” Und so musste nun dieses Wesen warten, bis der Geist Gottes wieder kam und es wiederum eine Stufe weiterführte. Aber ehe es dazu kam, gingen viele seelische Leiden und viel Bedrängnis an ihm vorüber. Denn es ist die Sehnsucht, die man in solcher Läuterung hat – man hat Sehnsucht nicht nur nach Befreiung, sondern auch nach jenen, mit denen man zusammengelebt hatte. Gerade diejenigen, die von unten aufsteigen, sind noch in Verbindung mit dem Menschlichen, und sie denken an jene, die in der Gotteswelt sind und ihnen Hilfe bringen könnten und nicht dürfen.

So ist es wahrhaftig für manchen auch ein grosser Schmerz, von den Seinigen getrennt leben zu müssen. Denn das Band der Zusammengehörigkeit ist nicht so schnell gelöst. Je tiefer man in seiner geistigen Entwicklung steht, desto enger sind die Bande meistens geknüpft. Ist man auf den höheren geistigen Entwicklungsstufen, ist man wohl in grosser Liebe mit den Angehörigen verbunden; aber die Liebe ist so frei, sie ist so hilfreich und schön – man fühlt in dieser Liebe etwas anderes als das, was Menschen unter Liebe verstehen. Denn in dieser wahrhaftig göttlichen Liebe ist man bereit, Bande zu lösen, die im menschlichen Leben zusammengeknüpft waren.

In der wahren, göttlichen Liebe erlebt man so vieles. Darin ist die ganze Zukunft festgehalten. In dieser göttlichen Liebe, die man erleben kann, erlebt man Gott in seiner grossen Liebe. Und in dieser wahrhaftigen Liebe findet man die Erleuchtung seiner eigenen Seele, in der man erkennt, was auf einen wartet, welche Wege für einen geebnet sind und was man im Heilsplan Gottes zu erfüllen hat – der gehobene Geist sieht dieses aus dem Gefühl der grossen göttlichen Liebe heraus. Was ist Liebe im göttlichen Sinne doch auch? Nicht nur ein Fühlen, sondern es ist ein geistig Licht, ein geistig Feuer, das ein Wesen durchströmt. Und dieses Feuer vermag den Menschen in Glück und Seligkeit zu bringen; denn er ist ja ein Teil oder ein Teilchen aus Gottes wahrhaftiger Liebe.

So aber, wie ich es an diesem Beispiel zeigte, vermag es einem solchen zu ergehen, der im Leben Gott verneinte, der die Zufluchtsstätte nie suchte, kein Verlangen danach hatte, obwohl sie in der Welt beleuchtet war. Anders ergeht es jenem, der von Zeit zu Zeit in dieser göttlichen Zufluchtsstätte in die Geborgenheit ging, sich einhüllen liess, sich hier Kraft holte für das Leben, Aufmunterung, Lebensfreude, Ausdauer.

Wer in seinem Leben diese Zufluchtsstätten aufgesucht hat, der wird sie auch finden, wenn er zu uns herüberkommt. Doch hier ist die Zufluchtsstätte eine andere als auf Erden: Hier ist es der Tempel Gottes, der hell beleuchtet ist und in dem sich die Heiligen des Himmels zur Ehre Gottes versammeln, um ihn zu loben und zu preisen. Welch ein Erlebnis ist es für einen Heimkehrenden, wenn er ins geistige Reich hinübertritt und diese Welt beleuchtet sieht und hier den Weg geebnet findet zu einer solchen Stätte, zu einem solchen Tempel, wo die himmlischen Wesen sich versammeln, um zu Ehren ihres Königs zu singen und zu musizieren!

Und solches kann man erleben. Die Vorsorge dafür trifft man da auf dieser Welt. Doch es ist gar nicht so leicht, diese Vorsorge zu treffen; mancher wird gehindert daran, mancher wird sich selbst den Weg versperren. Es sind aber himmlische Freuden, die man erleben kann. Nur allzu gerne würden wir diese Himmel auch für das menschliche Auge öffnen und es den Menschen zeigen: “Das könntet ihr erleben, wenn ihr etwas klug wäret.” Aber es darf nicht sein. Der Mensch muss ja geprüft werden; er muss sich ja so weit entfernt von Gott zu ihm bekennen können. Der Himmel muss wahrhaftig verdient werden.

Und glücklicherweise, glücklicherweise hat es in dieser Gemeinschaft schon Menschen gegeben, die solches erleben durften – durch ihren festen Glauben, durch ihren geistigen Kampf, den sie ausgefochten. Und so ist es unser Wunsch für euch alle, dass ihr dieses erreicht. Sucht in eurer Welt diese Zufluchtsstätte auf und kräftigt euch darin, da, wo Gottes Wort euch Geborgenheit und Sicherheit fürs Leben gibt.

Liebe Geschwister, ich versuche noch Botschaften [von verstorbenen Angehörigen] zu geben. Ich möchte aber vorausschicken, dass es mir nicht möglich ist, allen Freunden gerecht zu werden. Ich kann nur eines sagen: Gerade in einer solchen Feierstunde, wo so viele Menschen hierhergekommen und zusammen sind, da sind auch sehr viele Angehörige da; es sind auch all jene mit dabei, die mit ihrem Herzen und mit ihrer Seele verbunden waren mit der Gemeinschaft, mit diesem Glauben. Sie haben da und dort ein Angehöriges, und sie haben es sich erbeten, hierherkommen und in eurer Nähe sein zu dürfen. So versucht das eine, dem Seinen Trost einzuflüstern, ihm Hilfe zu geben; ein anderes versucht, dem Seinen Mut zu machen für sein Leben, ihm Lebensfreude zu geben, es in der Gesundheit zu stärken. So sind es der Geister viele, die euch zugehörig sind, die sich euch nähern und euch helfen.

Und ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen zu sagen: Mancher hätte die Gesundheit nicht, die er hat, wäre er nicht mit uns verbunden; manchem wäre schon längst ein Missgeschick geschehen, wäre er nicht mit uns verbunden. Denn dieses ist ein Zeichen für die Zuflucht, in der man lebt, und für den Genuss, in den man kommt, wenn man diese Zufluchtsstätte kennt und sich darin aufhält. Geistige Worte sind nicht leere Worte. Für den Menschen sind sie schwerlich zu verstehen, denn er will doch alles tasten und alles sehen; er möchte nur glauben, wenn er es sehen, fühlen und tasten kann. Aber glaubt mir, es ist besser so [dass er es nicht kann] – andernfalls wäre es nicht zum Glück des Menschen. Gott ist weise; in seiner Weisheit hat er die Gesetze aufgebaut, und Christus hat ihm dabei geholfen.

Nun möchte ich von einem Vater reden, der die Gewohnheit hatte, stets sonntagmorgens früh mit seinem Hund in den Wald zu gehen und erst gegen Abend zurückzukehren. Er brachte je nach der Jahreszeit einige Blumen oder Zweige von Sträuchern mit oder Beeren aus dem Walde. Dieser Vater hatte manche Untugend, und es war nicht so leicht, mit ihm auszukommen. So war die Familie jeweils recht froh darüber, wenn er sich am Sonntagmorgen entfernte. Nun geht es aber um das geistige Leben und um die Belehrungen, die er empfangen musste. Er hatte in der Geisteswelt Hilfe vonseiten seiner Mutter bekommen. Diese Mutterseele vermochte durch ihren geistigen Einsatz und ihre Verdienste seinen Aufstieg zu beschleunigen; sie stand ihm bei und gab ihm Hilfe. Heute ist dieser Vater beglückt, die Seinigen in der Verbundenheit mit der Gotteswelt zu sehen. Und so bringt er der Familie den Segen, so gut es ihm möglich ist, und behütet und beschützt sie.

Ein weiterer Mann, ein Vater, lässt auch seine Kinder grüssen. Auch bei ihm war es so, dass die Familie nicht in vollster Harmonie gelebt hatte. Sein irdischer Tod liegt schon etliche Jahre zurück. Er selbst hatte die Gewohnheit, in der Woche zwei- bis dreimal nach der Arbeit ein Gasthaus aufzusuchen und sich dort zu lange aufzuhalten. Darüber war man zu Hause besorgt – besorgt schon deshalb, weil von dem kärglichen Verdienst noch etliches wegging. Auch dieser Mann hatte in der Geisteswelt einiges wiedergutzutun. Er war aber willig, und durch seinen guten Willen und seine Bereitschaft hat er seinen Weg nach oben angetreten. Auch er grüsst die Seinen und gibt Schutz und Segen.

Nun ein Gruss von einer Mutterseele: Sie war im Leben gewohnt, stets eine Kopfbedeckung, eine gehäkelte Kappe oder so etwas Ähnliches, zu tragen. Sie war streng in ihrem Urteil und wurde von den Kindern nicht so sehr geschätzt und geliebt, wie man üblicherweise eine Mutter liebt – sie war zu streng und hatte zu wenig Liebe. In der Geisteswelt musste sie auch einiges dazulernen; sie musste lernen, was Liebe ist. Sie musste sich aufopfern für andere, um so die Liebe kennenzulernen, um Verdienste zu gewinnen. Sie hat es auch fertiggebracht, sie ist ebenfalls auf dem Weg nach oben. Auch sie bringt Segen und Schutz der Familie, so es ihr möglich ist, diesen darzubieten.

Nun eine Nebenbemerkung für jene, die denken, dass ausgerechnet nur von solchen Geistwesen Grüsse ausgerichtet werden, die belastet sind. Ja, meine lieben Geschwister, man soll doch nicht annehmen, dass man so viele Verdienste hätte, wenn man den Glauben an Gott in seiner Wahrhaftigkeit nicht gekannt hat – wenn man wohl an Gott geglaubt, aber es doch im Leben nicht so gewissenhaft genommen hat, wie es in den Gesetzen Gottes geschrieben ist. Der Glaube an die Geisteswelt und an Gott selbst wird doch den Menschen dazu veranlassen, sein Leben dementsprechend auszurichten und mit sich selbst und auch mit dem Mitmenschen ehrlich zu sein. Dieses als Nebenbemerkung.

Von einer weiteren Mutter möchte ich reden. Zu einer Zeit, als die Menschen im Allgemeinen bescheiden leben mussten, nach dem Kriege, da ging sie stets unter der Woche, wann immer es ihr möglich war, in den Wald, um Holz zu sammeln. Sie hatte einen kleinen Handwagen oder wie ihr das nennt, und diesen belud sie stets voll mit Holz. So kam sie gegen Abend heim, froh darüber, diesen Besitz zu haben und die Stube warm machen zu können. Diese Mutter war eine aufopfernde und liebevolle Mutter, sie lebte für die Ihren. Auch bei ihr war noch manches zu bereinigen, als sie in die Geisteswelt kam, aber die göttliche Welt behandelte sie mit grosser Nachsicht. Auch diese Mutter will, dass ihrer Familie Segen und Schutz zukommt, und auch sie ist zeitweise in der Nähe. So soll auch für ihre Angehörigen Gruss und Segen gesichert sein.

Nun, liebe Geschwister, noch eine Nebenbemerkung. Man soll selbstverständlich nicht der Meinung sein, es könnte der Mensch in der Sicherheit leben, es könnte ihm nie etwas geschehen, weil man diesen Glauben hätte. Denkt immer daran: Gott hat euch Vernunft und Verstand zum Handeln gegeben. Es kann ein eigenes Verschulden geben – und dieses kann verhütet werden, wenn man Vernunft und Verstand zu Hilfe nimmt. Das ist nämlich auch etwas, was gerade dem Geistesmenschen gesagt werden muss. Die göttliche Hilfe und die göttliche Obhut sind ihm sicher, so er sich ausrichtet nach dem Göttlichen. So wie der Mensch im Geiste oder im Geistigen zu geben hat, so gibt die göttliche Welt von ihrem Schatz, den sie besitzt, den Menschen.

Die Engel des Himmels möchten dem Menschen das Leben erleichtern, und sie wollen ihn in Empfang nehmen und begrüssen. Und so soll es mit euch allen sein. Ihr sollt, wenn ihr euer geistig Auge öffnet, die Stätten der Freude und der himmlischen Seligkeit in heller Beleuchtung wahrnehmen dürfen. Ihr sollt niemals zuerst nach diesen Zufluchtsstätten suchen müssen. Ihr findet sie auf dieser Erde; nutzt sie hier und überwindet. Dafür bekommt ihr Schutz und Segen, Kraft und Erleuchtung für eure Seele.

Nun, liebe Geschwister, möchte ich euch für heute entlassen. Gottes Segen begleite euch und beschütze euch, und ihr alle, die ihr krank seid an Leib oder Seele, sollt gesunden in Christi Namen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 19.4.1973 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Von falscher und von wahrer Geborgenheit

Josef, 11. März 1972

Von falscher und von wahrer Geborgenheit

Es liegt in der Veranlagung des Menschen, nach einem geistigen Zuhause und nach Geborgenheit zu suchen. Doch mancher kommt auf dieser Suche auf Abwege und in falsche Obhut. Denn auf dieser Erde steht er nicht nur unter dem Einfluss der Gotteswelt; er untersteht hier der Herrschaft des Fürsten dieser Welt, der ihn auch in seine Obhut nehmen will. So liegt es in der Aufgabe des Einzelnen, zwischen Gut und Böse unterscheiden zu lernen und danach zu streben, in die Einheit mit dem Göttlichen, Hohen zu kommen.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, von uns aus gesehen teilen wir die Menschen in zwei Lager. Das eine ist das der gläubigen, der gerechten, edlen, geistig vornehmen Menschen. Das andere Lager, das sind die Ungläubigen und jene, die sich den Gesetzen und der Ordnung Gottes, wie auch der irdischen Ordnung und ihren Gesetzen, nicht unterwerfen können.

Die Menschen brauchen einen Führer; es muss jemand da sein, der sie auch geistig führt. Wer ist wohl der Führer der Menschheit? Ich will versuchen, es euch zu erklären. Der Führer der Menschheit ist der Fürst der Welt, also Luzifer. Da wird nun der eine oder andere denken: “Ich lasse mich nicht vom Fürsten der Welt führen. Für mich ist Christus der Führer.” Ich versuche es euch verständlich zu machen: Christus ist der König der Geisterwelt Gottes; hier auf Erden stehen die Menschen aber unter der Herrschaft Luzifers, er ist ihr Führer. Gläubige können ihrer Gesinnung nach Christus anhangen; im Geiste, in ihrer erhabenen, göttlichen Gesinnung gehören sie zu Christus. Herrscher aber auf dieser Erde, unter den Menschen ist der Fürst dieser Welt, und er heisst Luzifer. Wenn ihr überlegt, wie viel Ungerechtigkeit, wie viel Böses auf dieser Welt unter den Menschen geschieht, wie viele Kriege da ausgefochten werden, so muss man doch zur Überlegung kommen, dass jemand da ist, der mit seiner ganzen Kraft einwirkt und die Menschheit führt. Dieses ist eben der Fürst der Welt mit seinem Anhang.

Ihr betet, dass ihr nicht in Versuchung geführt werdet, oder ihr bittet, dass ihr in der Zeit der Versuchung doch einen Beistand bekommt. Wenn wahrlich nur Christus allein die Macht hätte über die Menschen, dann müsste man das nicht beten. Christus würde ganz bestimmt mit seiner heiligen Geisterschar dafür besorgt sein, dass die Seinen nicht in die Versuchung geführt würden. Er würde durch seine heilige Geisteswelt dafür besorgt sein, dass die Menschen sich gut verstehen würden und sie nur edles und erhabenes Denken pflegen könnten. Es ist aber jemand anders da, eben dieser Fürst der Welt. Er hat seine eigenen Interessen; er verbreitet die Lüge, man nennt ihn den “Vater der Lüge”. Er verbreitet durch seinen Anhang Ungerechtigkeit und Streitsucht. All diese Übel werden doch vom Anhang des Fürsten der Welt verbreitet, und die Menschen werden so beeinflusst von ihnen.

So ist es also das Böse, das sich auf dieser Erde unter den Menschen ausbreitet und entfaltet. “Aber warum denn?”, denkt sich der eine oder denken sich besonders jene, die der geistigen Lehre nicht kundig sind. Sie haben überhaupt so viele Fragen. Es ist uns ja daran gelegen, diese immer wieder zu erklären. Denn es geht nämlich darum, dieses Geistesgut zu verbreiten und die geistige Wahrheit unter die Menschen zu bringen, damit sie die Erklärung und die Antwort auf ihre Fragen bekommen. Denn so mancher Gläubige fragt sich doch auch: “Ja warum hat denn Gott das Böse geschaffen?” Es ist doch unmöglich, dass Gott Böses schaffen kann.

Ja wie vieles dieser christlichen Lehre ist doch den Menschen unterschlagen worden! Warum ist ihnen denn nicht erklärt worden oder wird ihnen nicht erklärt, wer Satan ist und was er wirkt, dass er wahrlich existiert und woher er kommt, wieso es möglich ist, dass er die Herrschaft unter den Menschen ausübt? Warum verschweigt man das den Gläubigen? Warum erklärt man es ihnen nicht, dass auch Luzifer ein Sohn Gottes war? Warum sagt man es ihnen nicht, dass dieser Luzifer doch der Bruder von Christus war, an zweiter Stelle stand nach ihm und Lichtengel genannt wurde?

So findet man eben diese grossen Lücken in der christlichen Lehre, und wenn man darüber nachdenkt, so muss es doch einen Grund haben, dass man den Gläubigen solches verschwiegen hat. Was mag wohl der Grund dafür sein, dass man ihnen die Wahrheit nicht sagen wollte? War es doch so, dass man diese göttliche Lehre zu einer Macht gestaltete. Diese göttliche Lehre, so wie Christus sie verkündete, konnte man nicht mehr in ihrer Reinheit wiedergeben, weil man ja die Wahrheit überhaupt nicht wollte. Man wollte nicht den Geist Gottes zu Wort kommen lassen, man wollte eben nicht die Wahrheit hören. Es gefiel den Menschen schon dazumal nicht, wenn ihnen etwas gesagt wurde, was ihnen nicht passte. Gefiel es ihnen nicht, so verwarf man es eben, und man bot an dieser Stelle dann etwas ‘Besseres’ dar. Und so war man selbst von der Wahrheit weggegangen.

Warum kam es dazu, dass dieser Satan die Macht über die Menschen ausbreiten kann? So können wir nie genug wiederholen und betonen, dass gerade dieser Geist in der Gotteswelt einst eine Aufgabe erfüllte und mit der Zeit Gott ungehorsam wurde. Es musste daher zu einer Entfernung kommen, zu einem Sturze aus den Himmeln. Und so muss den Menschen oder den Christen immer wieder erklärt werden, dass der Mensch ein gefallener Geist Gottes ist, der einst mit diesem Luzifer aus den Himmeln gejagt wurde. Es ist etwas so Bedeutendes und Wichtiges, dass dieses in die christliche Lehre wieder aufgenommen und verbreitet wird und dass man auch weiss, warum so viel Böses auf dieser Welt herrscht.

Es ist doch in des Menschen Veranlagung, er möchte eine Geborgenheit haben. Er möchte nicht nur ein irdisches Zuhause haben; sondern sein höheres Selbst, seine Seele, das Lebendige des Menschen oder wie ich es nennen will, das möchte ein geistiges Zuhause haben, das sucht nach Geborgenheit. Die einen finden diese Geborgenheit, sie finden den Weg zum Glauben. Ich habe anfangs gesagt, wir teilen die Menschen in zwei Lager, in das der gläubigen, der edlen und vornehmen und in das der ungläubigen und solcher, die sich nicht an eine irdische und geistige Ordnung gewöhnen können. Dabei möchte ich aber nicht unterlassen, zu sagen, dass wir mit diesen Gläubigen auch jene Menschen anderer Weltreligionen meinen. Die Propheten, die sie verehren, sind ein Bindeglied von ihnen zu Gott.

Zwischen diesen Lagern gibt es ein Hin und Her: Da geht plötzlich ein Gläubiger hin zu den Ungläubigen und lässt sich dort in jenem Lager nieder. Selbst ein gerechter und frommer Mensch kann plötzlich seinen rechten Weg, seine edle Gesinnung verlieren, und er wechselt gleichfalls hinüber ins andere Lager. Da ist aber auch plötzlich ein Ungläubiger, der macht sich auf den Weg und geht ins andere Lager hinüber zu den Gläubigen. Und am Schluss sind sie alle durcheinander, am Schluss gehören sie doch alle zusammen, denn sie alle gehören unter die Herrschaft dieses Luzifer. Man kann sich aber mit seiner Gesinnung von diesem Lager trennen. Seiner Gesinnung nach soll man in das Reich Christi hinübertreten. Und ist man in dieser Gesinnung, so soll man auch die Pflichten und Aufgaben kennen. Wenn man verbunden ist mit dem Göttlichen und mit Christus, dem Erlöser, so findet der Mensch auch ein geistiges Zuhause, eine Geborgenheit. Und er richtet sich aus nach dem Willen Gottes, nach diesen höheren Gesetzen.

Betrachten wir aber einmal die Menschen von heute, die auf der Suche sind nach einem geistigen Zuhause. Ihr könnt wohl eine Ahnung haben, wie es um einen Menschen bestellt ist, wenn er im irdischen Sinne kein Zuhause, kein festes Dach über dem Kopf hat, wie ihr es sagt. Das sind arme Menschen. Im Grunde genommen ist aber die Obrigkeit eines jeden Volkes dazu verpflichtet, besorgt zu sein, dass sie alle ein Dach über dem Kopf haben. Dieses ist nun irdisch, und es mangelt auch hier schon. Es gibt so viele Menschen, die haben kein Zuhause; sie leben in Hunger und Not, sie sind Heimatlose, sozusagen Ausgestossene. Man kümmert sich nicht um sie, man überlässt sie ihrem Schicksal. So etwas gibt es auf dieser Erde, und im Geistigen ist es genauso. Da gibt es solche, die kein geistiges Zuhause haben, die aber ständig auf der Suche sind nach Geborgenheit, nach einem geistigen Zuhause. Bekommt ihr in der heutigen Zeit nicht wirklich genug Anschauung in dieser Beziehung? Begegnen euch nicht heranwachsende, junge Menschen, die auf der Suche sind nach etwas Besserem, nach Geborgenheit, nach einem Zuhause? Aber sie meinen nicht das irdische Zuhause, sie gehen ja fort von zu Hause; das irdische Zuhause bedeutet ihnen ja nichts, sie entfliehen ihm ja. Es ist nicht das, was sie meinen. Doch sie können es nicht sagen; sie wissen nur, dass sie auf der Suche sind, auf der Suche nach Geborgenheit, nach Glücksempfinden, nach Glücklichsein – aber nach einem anderen Glück, als sie es zu Hause erleben; denn sie können dem nicht zustimmen, dass man dem Glück sagt, was sie zu Hause erleben. Sie fliehen, und auch sie sind in gewissem Sinne heimatlos. Sie haben kein geistiges Zuhause, sie haben kein irdisches Zuhause, sie sind aber auf der Suche.

Überlegt: Ist es vielleicht nicht etwas, das den inwendigen Menschen veranlasst, auf die Suche zu gehen nach Geborgenheit, nach einem wirklichen Zuhause? Aber diese Menschen kommen auf Abwege. Sie verstehen ja nichts von einem wahren, geistigen, lebendigen Zuhause, von einer höheren Geborgenheit. Sie wissen nicht, dass die Seele in ihnen nach Geborgenheit ruft, aber dass sie nicht jene Geborgenheit meint, in die diese Menschen fliehen und die sie zu heimatlosen, entrechteten Menschen macht. Diese Menschen hätten ein wirkliches geistiges Zuhause so nötig.

Anfangs sagte ich euch, die Menschen dieser beiden Lager würden geführt, sie hätten einen Führer. Dieser Führer, der Fürst dieser Welt, versucht auf seine Weise eben auch, ein Zuhause, eine Heimat zu geben, jenen, die ihm in der Gesinnung anhangen. So fliehen sie in das Unglück hinein. Ich brauchte es nicht auszusprechen, und doch muss ich es euch sagen: Es ist diese Droge, die sie in einen Rausch versetzt und sie täuscht und sie so in eine falsche Geborgenheit wiegt, ihnen ein falsches Zuhause bietet. Denn beides ist nur ein Wahn; es ist etwas, das ins Verderben führt.

Versucht einmal all das, was ich euch erkläre, nicht einfach nur hinzunehmen und zu hören, sondern es mit dem Geiste zu verarbeiten. Versucht, nach den geistigen Gesetzen zu forschen, euch mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn ich euch sage, dass diese Welt doch vom Fürsten der Finsternis geführt wird, so könnt ihr dazu nicht Nein sagen. Denn sind nicht selbst gläubige Menschen unter jenen, die Kriege führen? Gehören denn jene Menschen vielleicht in das Reich Christi auf Erden? Christus würde die Seinen kaum dazu aufrufen, mit dem andern Krieg zu führen. So können es Menschen sein, die wohl gläubig sind, die aber dieser Welt verpflichtet sind und der Ordnung, die auf dieser Welt herrscht. Die Welt hat einerseits ja auch ihre hohen und edlen Gesetze und ist dafür besorgt, dass sie erfüllt werden; anderseits sind genau dieselben Völker, die sich rühmen, gerecht zu sein, auch jener Welt verpflichtet, in der der Fürst der Finsternis sein Zepter führt. Sie haben auch ihm noch gerecht zu werden. Vielleicht versteht man es, weshalb auf dieser Welt so viel Ungerechtigkeit ist und sich Menschen das Recht nehmen, über andere zu herrschen, über andere zu regieren und Menschen ins Unglück zu führen.

Und im Kleineren? Da gibt es doch welche, sie können nicht gerecht sein, sie können nicht ehrlich sein; sie kennen keine Gewissenhaftigkeit, sie müssen den Menschen täuschen, sie müssen immer zuerst für ihre eigenen Vorteile besorgt sein. Es sind Egoisten, rechthaberische Menschen, Menschen, die in ständiger Eifersucht, in ständiger Missgunst und Habgier leben und die sehr darauf bedacht sind, dass sie persönlich ein hohes Ansehen unter den Mitmenschen geniessen, auch wenn dieses Ansehen auf ungerechte Art und Weise erzwungen wird – nur um den Schein zu erwecken, angesehen, erhaben, gerecht zu sein. So leidet doch die Menschheit unter diesem falschen Schein. So viel Falschheit wird immer wieder hergegeben vom einen und vom andern auf diese oder jene Art und Weise. Und so soll keiner behaupten, es stimme nicht, dass der Fürst der Finsternis der Herrscher dieser Welt ist. Er ist es, und alles Elend dieser Welt ist ihm zuzuschreiben. Er findet willige Werkzeuge, die ihm anhangen und die ausführen, was er erfüllt haben will.

Ja, meine lieben Geschwister, auch diese Wahrheit muss man wissen. Es ist Unsinn, zu denken, es müsste doch auf dieser Welt nichts Böses mehr geben, es könnte sich nur das Gute entfalten, Christus brauchte nur seine Heiligen des Himmels auszusenden, da- und dorthin, und den Frieden und die Seligkeit zu bringen, man brauche nur zu rufen, nur zu befehlen: “Tue dies, tue das”, und dann würde es geschehen. So möchten wir hier doch an den gesunden Menschenverstand dringen und dem Menschen klarmachen, dass es dazu etwas mehr braucht. Es braucht dazu den Willen des Menschen, es anders zu tun. Man kann die heilige Geisterwelt Gottes um ihren Beistand bitten, dass sie kommen möge und Beistand leiste da und dort. Man muss bitten darum. Aber man soll nicht so einfachen kindlichen Glaubens sein, man könnte dem lieben Gott oder Christus nur sagen, was er tun müsste. Wenn man sich überlegt, hat man die Antwort ja schon selbst bekommen; im Laufe der Jahrhunderte hat sie sich ergeben ... Jeder Mensch soll auf die Suche gehen nach seiner eigenen geistigen Heimat, nach seinem eigenen geistigen Zuhause. Und wenn er dieses geistige Zuhause gefunden hat, dann kommt er in Einklang mit dem Göttlichen, mit dem Erhabenen. Dann wendet er seine ganze Gesinnung nur dem Erhabenen zu.

Die Geisterwelt Gottes weiss genau, welch schwere Aufgaben den Menschen gesetzt sind. Sie selbst will ja ihrerseits das Ihrige dazu beitragen und helfen. Sie tut es auch, sie tut es wahrhaftig. Aber ist es nicht so, dass man dies ja gar nicht will? Man lehnt es ab. Man kann nicht unterscheiden zwischen Gut und Böse. Man ist nicht fähig zu prüfen. Ja, man ist nicht fähig; man hat die Fähigkeit nicht dazu zu prüfen, weil man in seinem Denken nicht klar ist. Das soll man wissen: Die Fähigkeit dafür haben heisst, die Erleuchtung der Seele zu haben in ihrer vollen Reinheit. Man soll es wissen, dass die Seele geborgen sein will, in ihrem geistigen Zuhause sein will. Das sind nicht nur fromme Redensarten oder fromme Wünsche, sondern das ist ehrliches, wahrhaftiges, frommes Leben, wahrlich christliches Leben.

Ich weiss, dass man mir schon den Vorwurf gemacht hat, ich würde viel zu wenig von Gott und von Christus reden – ich habe es bereits angedeutet. Aber es ist nun auch sehr wichtig für die heutigen Menschen, ihnen einmal die geistigen Gesetze darzulegen und den Weg zu Gott zu zeigen und sie im Glauben an Gott zu festigen. Wenn sie den Weg zu Gott gefunden und etwas von den geistigen Gesetzen erfasst haben, dann werden sie Gott in sich selbst finden. Denn Gott ist im Menschen. Auch das soll nicht nur so oberflächlich verstanden und ausgesprochen werden. Man soll wissen, was man damit meint: “Gott in sich haben.” Ich habe dies die letzten Male erklärt [in den Vorträgen vom 26. Februar und vom 4. März 1972]. Es ist das höhere Bewusstsein, das göttliche Bewusstsein. Gott hat seinen Geschöpfen etwas gegeben, das ihm eigen ist. Dieses höhere Bewusstsein muss der Mensch anwenden und entfalten – dann hat er Göttliches in sich. Göttliche Eigenschaften, die Erbanlagen aus dem Hause Gottes, sind beim Menschen vorhanden. Man muss es richtig verstehen und richtig anwenden. Und so ist viel zu grosse Oberflächlichkeit im Denken und Reden des Menschen. Er wird es einmal erkennen, wenn er zu uns herübergekommen ist; dann wird es ihm klar werden, dann wird er sich Vorwürfe machen und sagen: “Das war doch eigentlich eine einfache Sache: zu glauben. Wie konnte ich nur?” Dann muss er erkennen, dass es eben einen gibt, der die Herrschaft ausübt und der versucht, den Menschen in seiner geistigen Entwicklung aufzuhalten, ihn des Gottesglaubens zu berauben, ihm die Frömmigkeit des Herzens zu stehlen. So wird er erkennen, dass dieser Fürst der Welt ein Dieb ist, einer, der nur das Böse will.

Wenn man dann in der geistigen Welt ist, dann kommen die Versprechen, was man alles zur Wiedergutmachung tun will. Man wünscht sich sogar recht bald wieder ein neues Erdenleben, um zu beweisen, dass nun dieser Glaube auch durch das menschliche Bewusstsein dringen kann und dass man dann dieses höhere, göttliche Bewusstsein im Leben zum Ausdruck bringen und entfalten will. Das neue menschliche Leben schaut man als eine Möglichkeit an, und man erkennt wiederum nicht die grossen Gesetze und dass bei der Umwandlung [zum neuen Erdenleben] so viel Spuren verweht werden und das ganze Aufwärts- und Heimwärtsgehen zu Gott zu einer grossen und schweren Prüfung wird. Immer wieder wird man geprüft, ob man wohl würdig geworden ist, um das wieder in Besitz zu nehmen, was man einst hatte, und ob man überhaupt fähig ist, im erhabenen göttlichen Glück zu leben, ob es nicht wieder möglich wird, wie es einst möglich wurde, dass da oder dort Spuren von Neid aufkommen könnten. Aus den geistigen Gesetzen vermag man zu erkennen, welche verheerende Wirkung dies gehabt hatte, und so kann man wohl verstehen, dass es nicht zum Guten ist, wenn einer nicht ganz geläutert ist. Keine Spur von Unreinheit soll mehr vorhanden sein. Geläutert soll das Göttliche sein, das den Menschen und den Geist lebendig macht; geläutert muss das Lebendige sein und in seinem vollen Glanze scheinen. Dann kann man begreifen und verstehen. Solange ein Mensch aber immer noch auf dem Wege der Läuterung ist, vermag er noch vieles nicht zu begreifen und zu verstehen. Er vermag auch nicht, die göttlichen Gesetze in allen Teilen zu verstehen. Darum kann diesem Menschen auch nur das gesagt werden, was in seiner Kraft liegt aufzunehmen. Darum ist es notwendig, dass man sich in diese geistige Lehre vertieft, dass man sich mit ihr befasst, sich mit ihr auseinandersetzt. Indem man diese Geisteslehre im höheren und edlen Sinne erkennt und entfaltet, wird sie zur Geborgenheit für einen jeden geistgläubigen Menschen.

Wie es den heimgekommenen, verstorbenen Menschen geht, versuche ich euch immer wieder darzulegen, weil ich dabei auch immer wieder Erklärungen geben kann. Es soll auch ein Hinweis sein für den Menschen, dass man sich stets mit dem Tode befreunden soll. Der Tod soll einem nicht fremd sein, man soll sich nicht ängstigen vor ihm, sondern man soll in Freundschaft treten mit ihm, man soll Freund werden mit ihm. Dann wird es einem auch mehr bewusst, was für eine Rechenschaft man dereinst abzulegen hat, und es wird einem klar, was man alles vorzusorgen hat. Wenn man in ein anderes, ein neues Leben eintritt, wird dieses neue, dieses andere Leben auch seine Bedingungen stellen und seine Ordnung haben. Und so muss man eben schon zu Lebzeiten versuchen, an jene Ordnung heranzukommen und sich mit jener Welt anzufreunden, damit man ihr nicht fremd ist. Denn das Erwachen in jener anderen Welt ist nämlich auch dementsprechend. Das Erwachen eines geistgläubigen Menschen, eines wirklich geistgläubigen Menschen, ist beglückend. Das Erwachen eines Ungläubigen aber ist nicht beglückend. Wer sich mit dieser anderen Welt vertraut gemacht hat, der erlebt die Wirklichkeit. Hat er in seinem menschlichen Leben selbst etwas beigetragen zur Erhaltung dieses ewigen Lebens und zur Verbreitung dieser geistigen Lehre in ihrer Wahrheit, hat er geholfen, sie zu entfalten, so wird er auch dafür im Geistigen seinen Lohn empfangen.

Ich möchte euch nun von einem Menschen erzählen, der sich auf den verschiedensten Gebieten geistige Verdienste erworben hatte, und wie es ihm ergangen ist, wie er dafür belohnt wurde. Da waren in der Geisteswelt seine Angehörigen, sowohl ganz nahe Angehörige als auch weit entfernte Verwandte, Freunde, Bekannte, und sie alle wurden unterrichtet über seine Heimkehr. Sie alle wussten, welche Verdienste er mitbringen wird. Und jeder, auch der weit entfernte Verwandte, war stolz, zu vernehmen, dass er zu seinem Empfang geladen wurde. Jedes, das da anwesend ist, hat seine Freude und seinen Stolz, wenn eines aus der eigenen Verwandtschaft heimkommt, das mit besonderen Ehren empfangen wird. Denn man hat noch eine verwandtschaftliche Bindung; die Bindung ist noch nicht abgebrochen, man gehört, wenn auch nur im menschlichen, irdischen Sinne, zusammen. So ist man stolz darauf. So werden solche Angehörigen und Bekannten zusammengerufen, aber sie kommen aus allen Richtungen. Da hat es welche, die geistig sehr weit unten sind. Im Gegensatz zu ihnen kommen welche aus den Höhen. Und so muss man dann ein Zwischenparadies – oder eine Zwischenebene meinetwegen – vorbereiten, damit sie alle die Möglichkeit haben, an diesem Empfang teilzunehmen. Und wenn sie da sind, dann möchte jedes zu Worte kommen, und ganz besonders jene, die von unten aufsteigen. Sie möchten nun dem Heimgekommenen nahelegen: “Tue etwas für mich, lege für mich Fürbitte ein. Du magst mich nicht kennen, du kannst dich nicht an mich erinnern”, aber man wird sehr rasch den Verwandtschaftsgrad erklären und bitten, man möge doch auch für sie bitten. Man bereitet von Anfang an eine Bittliste vor, um diese vorzulegen, sie vorzutragen, denn man will ja nicht wieder in Vergessenheit geraten.

So kann man dabei sein bei dieser Begrüssung, und man kann ein Stück Himmelreich erleben und ein Stück Seligkeit. Und auch der, der von unten aufsteigt, fühlt sich glücklich, herbeigerufen worden zu sein. Aber auch dieser Empfang wird doch wieder sein Ende finden, und man wird alle auffordern, zurückzukehren an ihren Platz. So gehen jene, die in ihre bescheidene und einfache Welt zurückkehren müssen, voll Trauer dorthin zurück und denken nur eines: dass man sie ja nicht vergisst. Während die, die von oben gekommen, in grosser Freude und Zufriedenheit sind, dass eines aus ihrer menschlichen Verwandtschaft auch mit grossen Verdiensten zurückgekommen ist und man so auch im Geiste eins wird und die geistigen Bande zusammenknüpfen kann. So wird man sich dann eben immer wieder finden, sich miteinander unterhalten und sich an jene erinnern, die die Bitte vorgelegt haben, man möge sie nicht vergessen. Dann können solche verdienstvollen Geistgeschwister darum bitten und flehen, dass man Barmherzigkeit an jenen ausübe. Und in vielen Fällen wird Barmherzigkeit ausgeübt – man tut es aus Freude über den Heimgekommenen, aus Freude über seine grossen Verdienste. Man will so das Beglücktsein zeigen, man will so zum Ausdruck bringen, dass man bereit ist, für das, was geleistet worden ist, entgegenkommend zu sein und Gnade walten zu lassen. Denn sicherlich hat dieser Mensch, der mit diesen grossen Verdiensten kam, auch manch Opfer gebracht; es hat bestimmt auch manche Überwindung gebraucht, er hat es ja verdienen müssen. Und diese Verdienste, die er mitgebracht hat, zählen in der Gotteswelt. So wird man ihm zuliebe Barmherzigkeit und Gnade üben, wenn es nicht gerade um einen verschuldeten verstorbenen Menschen geht, der ein Leben hinter sich gelassen hat, das einer grossen Bestrafung bedarf, weil er sich so belastet und verschuldet hat, dass in die Tiefe seiner Seele gezeichnet wurde: “Du hast alles bis zum letzten Heller zu zahlen.” Dann weiss ein jeder Geist Gottes: Hier kann kaum die Gnade ihn erretten. Aber wollen wir solches doch nicht in allen Fällen erwarten, dass einer, der in seiner geistigen Entwicklung noch unten steht, nun gerade auf diese Weise gezeichnet werden muss.

Wie schön wäre es doch für einen geistig ausgerichteten Menschen, wenn er sich diesen Vorsatz nehmen und versuchen würde, es durchzustehen: “Ich will nicht nur Gott zuliebe und zu seiner Ehre ein gerechtes Leben führen. Ich will auch versuchen, ein Retter zu sein für den Nächsten. Ich will auch dem Nächsten beistehen können, ich will auch ihm ein Helfer sein.” Es ist so vieles in die Hände des Heimgekehrten gelegt worden – doch zuerst war es beim Menschen, in seinem Willen. Er hatte die Möglichkeit zu entscheiden. Er sollte doch auf Erden sein wahres, göttliches Zuhause finden. Er sollte sich in diesem göttlichen Zuhause zurechtfinden und als ein Gottmensch in dem Haus Gottes auf Erden leben. Dieses ist symbolisch ausgesprochen, das kann doch wohl gut verstanden werden.

So, liebe Geschwister, versuche ich euch den Himmel näherzubringen. Ich versuche so, euch die himmlische Welt vertraut zu machen. Ihr sollt euch mit ihr anfreunden. Dann werden auch die Geister Gottes zu euren Freunden werden. Sie wollen ja euch im Leben beeinflussen; sie haben auch das Recht dazustehen, gleich welchem Lager ihr hier angehört. Aber sie können euch nur beeinflussen. Die Entscheidung, was zu tun und was zu lassen ist, liegt ganz beim Menschen; denn sein menschliches Leben ist ihm zur Prüfung gegeben.

So, liebe Geschwister, erflehe ich für euch Gottes Segen und seinen Schutz. Möget ihr behütet sein vor aller Not und Gefahr, vor geistiger und vor irdischer Not und Gefahr. Möge euch der Segen Gottes begleiten. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 11.3.1972 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Sehnsucht nach Geborgenheit

Lene, 17. Januar 1979 (Ausschnitt)

Sehnsucht nach Geborgenheit

Lene: [...] Es gibt viele Menschen, die im Leben unzufrieden sind – sie sind in einer ständigen Sehnsucht. Sehnsucht haben sie nach Geborgenheit, nach Anerkennung, nach Liebe. Finden sie das nicht, was sie suchen, wird es ihnen nicht zugetragen. So wird eben diese Sehnsucht um das, was sie sich vorstellen, was selbstverständlich zum Leben gehört und sozusagen Nahrung für sie sein sollte, nicht genährt. Wenn sie das nicht bekommen, wenn sie dieses nicht erhalten in ihrem Verlangen, in ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe, nach Anerkennung, dann suchen sie auf ihre Weise diese Sehnsucht zu stillen. Das aber wird dann zu einer Sucht, und Süchtigkeit hat mit dem edlen geistigen Streben nichts mehr zu tun.

Auch fromme, gerechte Menschen können in einer Sehnsucht leben und tun dies sehr oft. Sie aber haben eine Sehnsucht vor ihrem Auge, die die Distanz ihres menschlichen Daseins überwindet. Sie greifen in eine andere Welt hinein. Sie haben Sehnsucht nach dem, was das Inwendige, das Ewige des Menschen verlangt, und versuchen, das zu haben, das zu bekommen.

Christus lebte auch in der Sehnsucht nach seinem Vater. Was hatte der Vater ihm zu geben? Wahrhaftig viel. Christus lebte in Frieden, in der Glückseligkeit mit seinem Vater – er sehnte sich nach seinem Vater. Er fühlte sich geborgen, der Vater gab ihm die Liebe, die Anerkennung. Er erhielt alles vom Vater, was der Vater vermochte, ihm zu geben. So sehnte er sich danach, um ihn zu sein, denn der Vater bedeutete ihm Freude, Frieden, Liebe, Einheit. Er wollte in der Einheit sein mit dem Höchsten, mit dem Vollkommensten. So fühlte er sich glücklich, denn er sehnte sich in seinem menschlichen Dasein nach dem Vater.

Die Menschen in ihrem Dasein ahnen nichts von dem, was sie einst besessen hatten. Sie fühlen einfach einen Verlust. Sie leben in der Gewissheit, einst einen grossen Verlust erlebt zu haben. Das ist richtig. Der geistig Höhergestellte, der geistig Ausgerichtete, strebt ja nach geistigen Werten, nach geistigem Besitz, nach Tugendhaftigkeit, nach dem Sinn des höheren Lebens. Er strebt nach seinem höheren Ich, nach seinem höheren Selbst. Derjenige, der geistig ausgerichtet ist, strebt danach – er sehnt sich danach, und er sucht.

Was sucht der andere, der sich vom Göttlichen, Geistigen abgewandt, abgekehrt hat? Er sucht das, was ihm seine Welt zu bieten hat: das Sichtbare, den sichtbaren Besitz – und er versucht, ihn zu mehren. Er ist dem Vergänglichen verschrieben, er ist ausgerichtet auf das Weltliche, auf das Vergängliche. Er hat sich abgewandt von der Wirklichkeit. Von der Wahrheit, vom Göttlichen weiss er nichts oder will er nichts wissen. Aber sein Streben, seine Sehnsucht, seine Sucht ist vorhanden. Er hat das Verlangen zu besitzen, und zwar auf menschliche Art und Weise. Je nach seinen menschlichen Eigenschaften verlangt der eine mehr nach vergänglichen, weltlichen Dingen und ist sehr bestrebt, solches zu besitzen.

Das sind die Menschen. Sie streben nach etwas, was sie verloren haben. Der eine findet den wahren Weg, das Echte, das Kostbare. Das sieht aber ganz anders aus; das kann man nicht tasten und nicht sehen. Es ist etwas, was man fühlt, was den Menschen innerlich wahrhaftig glücklich macht. Es ist eben das Echte, das Wahre. Der andere strebt nach dem Falschen, will besitzen, was er sieht. Er hat nur dieses Verlangen und den Glauben an das, was er fühlen kann, was ihn umgibt. Er hat keine Fragen nach der Ewigkeit, nach dem Unvergänglichen. Für ihn spielt nur die Gegenwart eine bedeutende Rolle. Was nach seinem Tode geschieht, ist ihm gleichgültig, wie er sagt. Denn als Mensch will er Besitz. Er will das haben, wovon er selbst sagt: “Ich will es haben.”

So unterscheiden sich die Menschen, und so sehen wir die Menschen. Wir warten auf sie, und wir geben ihnen Gelegenheit, sich zu wandeln. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.1.1979 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 2/2025
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm