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Das voraufgehende Heft widmete sich dem siebenteiligen Schöpfungsplan, dem Plan Gottes zur Heimführung all jener Geschöpfe, die sich einst am Aufstand Luzifers beteiligt hatten und deshalb aus dem Himmel gestürzt wurden. In diesem Heft geht es nun um den ersten Plan, der den weniger Verschuldeten einen leichteren Weg der Heimkehr ermöglichen wollte. In einer speziell für sie bereiteten geistigen Ebene, dem Paradies, sollten sie den Beweis erbringen, dass sie Gott Gehorsam leisten können. Im ersten Vortrag gibt Geistlehrerin Lene einen Rückblick auf den Engelsturz und beleuchtet dabei im Besonderen die Persönlichkeit und die Haltung des Himmelsfürsten Adam, der auch im Paradies eine führende Stellung einnehmen sollte. Lene schildert sodann, wie Adam und Eva und all jene, die mit ihnen ins Paradies einkehren durften, in dieser geistigen Ebene lebten, wie aber mit der Zeit all das Schöne immer mehr zur Selbstverständlichkeit wurde und man schliesslich vergass, dass man Gott den Gehorsam versprochen hatte. Lene erklärt, worin das Verschulden lag, welcher Art der Gesetzesbruch war, der zur Vertreibung aus dem Paradies führte.
Lene, 24. September 1974 (Ausschnitt)
Das letzte Themenheft 1/2023 widmete sich dem siebenteiligen Schöpfungsplan. Gemeint ist damit der grosse Plan Gottes zur Heimführung all jener Geschöpfe, die sich einst an der Geisterrevolution Luzifers beteiligt hatten und aufgrund ihrer Auflehnung gegen die Ordnung Gottes den Himmel verlassen mussten. Der erste Plan zur Heimführung der Gefallenen sah vor, den weniger Verschuldeten einen leichteren Weg der Heimkehr zu ermöglichen. Sie sollten in einer speziell für sie bereiteten geistigen Ebene, im Paradies, den Beweis erbringen, Gott Gehorsam leisten zu können. Bevor Lene im folgenden Vortrag auf das Leben und die Verhältnisse in diesem Paradies eingeht, gibt sie einen Rückblick auf das Geschehen des Geisterfalls. Sie beleuchtet dabei im Besonderen die Persönlichkeit und die Haltung des Himmelsfürsten Adam, der auch im Paradies eine führende Stellung einnehmen sollte.
Lene: [...] Liebe Geschwister, ihr seid wieder voller Erwartungen, und ich versuche, euch Weiteres darzulegen, was in der Bibel und in den heiligen Schriften verschwiegen worden ist. Ich habe gestern Abend [über die Entfaltung der himmlischen Familien gesprochen und] aufgehört mit dem Thema der grossen Trauer, die [nach dem Geisterfall] über die Geistgeschwister gekommen war, weil Gottes Wort ausgesprochen wurde und die Strafe über all jene kommen sollte, die sich verschuldet hatten.
Zunächst muss ich noch etwas Besonderes erklären, worauf man mich aufmerksam gemacht hat, dass es doch ganz besonders wichtig sei. Man sagte mir: “Du hast doch das Ganze gesehen und erlebt.” – “Gesehen” und “erlebt” heisst, dass wir in der Gotteswelt die Möglichkeit haben, die Schöpfung von Anfang an zu betrachten und zu erleben – gleichsam so, wie ihr es in einem Film tun könnt. Wir können es auf unsere Weise; auch haben wir noch verschiedene andere Möglichkeiten, uns darüber belehren zu lassen – wir können es wirklich so erleben, als wären wir von Anfang an mit dabei gewesen.
Nun, was ich euch sagen möchte, ist das von dem Fürsten, der euch durch die Heilige Schrift unter dem Namen Adam bekannt ist. Es gibt Fürsten des Himmels ersten, zweiten und dritten Grades; sie tragen den Fürstentitel. Sie sind die nächsten Nachkommen von den Söhnen Gottes, den direkten göttlichen Familien. Sie haben diesen Fürstentitel bis zum dritten Grad übernommen. Nachher wird dieser Titel nicht mehr ausgesprochen, doch bleiben auch jene in besonderer Anerkennung und tragen ihre besonderen Namen als hohe geistige Wesen, als erhabene Wesen des Himmels. Vielleicht habe ich noch Gelegenheit, darauf zurückzukommen. Adam war also ein Fürst des Himmels, ein Fürst ersten Grades, das heisst, er gehört zur direkten Nachkommenschaft einer göttlichen Familie.
Ich möchte gerne annehmen, dass man mich versteht. Ich möchte gerne von all meinen anwesenden Freunden erwarten, dass man das von mir Dargelegte auch wirklich versteht und nicht sagt: “Ich komme nicht nach, ich kann es nicht begreifen, ich verstehe es nicht.” Das wäre schade.
Zu diesem Adam muss ich doch wohl einiges noch erläutern, das der Menschheit auch unterschlagen worden ist, das heisst, es hat seinerzeit jenen, die es vernichtet haben, nicht gepasst. Sie haben es nicht verstanden, und so wollten sie es nicht für wahr halten; daher wurde es eben vernichtet. Das Materielle, was materiell dargelegt oder festgehalten worden ist, kann man zwar vernichten, aber man kann nicht das Geistige vernichten. Was im Reiche Gottes geschieht und was im Geistigen geschieht, kann nicht vernichtet werden. Ihr habt ja nun die Möglichkeit, diese Wahrheit wirklich zu erfahren, und ihr werdet dadurch manches viel besser verstehen – so möchte ich es annehmen.
Nun zu Luzifer; ich habe gestern Abend von ihm gesprochen. Er war ein angesehener, bedeutender Fürst des Himmels, die zweite Schöpfung. Er war ein Fürst des Lichts. Und er hatte seine geistigen Fürstenreiche. Er war der Führer grosser geistiger Völker, wenn ich es so sagen darf, und die Seinen lebten in verschiedenen geistigen Welten, über die er die Herrschaft ausübte. Nun ist es aber so, dass ein Fürst doch die Möglichkeit und Gelegenheit hat, auch jene zu besuchen und zu jenen zu gehen, die unter der Führung eines andern Fürsten stehen. Die Zeitspanne glücklichen Zusammenseins, in der sie lebten, ist unübersehbar für euch, und es gibt für mich keine Zahlen, sie auszusprechen. Was ihr euch aber vorstellen sollt, das ist das Glück und der Friede und wie man in Einheit zusammen und miteinander lebte, sich untereinander besuchte, sich gegenseitig einlud und Feste feierte.
Man musste nicht nur in der Schöpfung tätig sein, um sie weiter zu entfalten; man hatte auch eine bestimmte Zeit der Musse, wo man sich der hohen Kunst auf den verschiedensten Gebieten widmen konnte. Denn wenn von Schönheit, von Pracht, vom Frieden und von Herrlichkeit gesprochen wird, so muss doch alles seine Gestaltung haben. Es muss erlebt und gesehen werden können; man muss mitmachen in dieser Herrlichkeit. Man muss selbst eine gewisse Stellung einnehmen, mitwirken und schöpferisch tätig sein. So wird das einzelne Wesen durch sein Mitwirken an der Gestaltung, sei es auf dieser, sei es auf jener Ebene, ganz persönlich beglückt, weil es ja dadurch von seiner eigenen schöpferischen Kraft etwas darbietet. Und weil die schöpferische Kraft von einem Einzelwesen zum andern so verschieden ist, gibt es eine so grosse Vielfalt. Das Wunderbare, was der Himmel in seinen Welten zu bieten hat, ist zu bewundern – ist doch nicht einfach alles in derselben Weise, nach euren Worten gesagt, “über einen Leisten gezogen”, sondern es wird immer wieder auf eine andere Art hervorgebracht. Bei den einzelnen Wesen wird ein gewisser Eifer zutage gefördert, um eben Gott zu ehren, diesen Eifer zu zeigen und als Geschöpf Gottes immer wieder mitzuschaffen; denn dank der Kraft, der Schöpfungskraft, der Reinheit der Schöpfungskraft, ist es ihnen ermöglicht, die geistige Materie zu entwickeln und zu entfalten. Deshalb ist dies für das einzelne Wesen eine überaus grosse Beglückung, weil man selbst etwas geleistet hat. Es ist ja bei euch Menschen genauso: Wenn euch in irgendeiner Weise etwas Besonderes gelungen ist oder ihr im Leben Erfolg gehabt habt oder habt, seid ihr doch glücklich über eure Leistung, die aus euch, aus eurer eigenen Kraft, eurer eigenen Überlegung und eurem eigenen Denken zustande gekommen ist. Das ist bei euch Menschen doch auch so, und so war und ist es in den himmlischen Bereichen.
Nun zurück zu diesem Fürsten Adam. Ihr wisst von ihm, seid darüber schon aufgeklärt worden; aber die genauen Einzelheiten seines Lebens, von dem die Bibel berichtet, sind nicht dargelegt worden. Es ist von uns bisher in einfacher, ähnlicher Weise dargelegt worden, wie es zum Teil in der Bibel steht. Es ist selbstverständlich von uns schon erläutert worden, was falsch ausgelegt wird – einiges ist euch in dieser Weise erklärt worden; aber in allen Einzelheiten seid ihr darüber nicht unterrichtet worden.
Es war so, dass Luzifer seine Verbindungen zu allen Fürsten des Himmels hatte und dass es ihm ein Anliegen war, vor allem eben die führenden Geister des Himmels für sich zu gewinnen. Luzifer richtete sich also nicht in erster Linie, sagen wir, an die Engelschaften oder an jene Wesenheiten, die ihre Gefolgsamkeit ihrem Führer oder geistigen Fürsten schenkten, sondern er machte sich zunächst einmal an die Fürsten dieser geistigen Völkerschaften heran und versuchte, sie für sich zu gewinnen. Von ihnen aus sollte es gehen; sie sollten Einfluss auf ihre Untertanen nehmen – ich gebrauche jetzt das Wort “Untertanen”, wenn es auch nicht ganz richtig ist, doch waren sie dem Fürsten unterstellt. Er hatte dafür zu sorgen, dass all die Seinen, die ihm zugeteilt waren, Gesetze und Ordnung befolgten, dass sie danach tätig waren. Dieser Fürst war sozusagen in erster Linie Gott gegenüber für sie verantwortlich.
Und so war es mit Luzifer: Er hatte die Freundschaft dieses Fürsten, den ihr unter dem Namen Adam kennt. Luzifer brachte ihm seine Anliegen vor. Dieser Fürst wollte jedoch davon nichts wissen, und er hat Luzifer sogar verboten, je wieder in seine Behausung oder, ich könnte auch sagen, in sein kostbares Haus oder Schloss einzutreten. Ihr Menschen könnt euch ja keine richtige Vorstellung davon machen, aber ich möchte sagen, dass das Gebäude, in dem Adam wohnte, herrlich war. Er hatte die Möglichkeit, anzuordnen, dass geistige Wesen, die ihm zu Diensten standen, Wache hielten über sein Reich, über sein Haus.
Er beauftragte diese Wächter, dafür besorgt zu sein, dass Luzifer nicht mehr zu ihm komme und seine Anliegen vortrage; ebenso wenig sei er bereit, an den Festen teilzunehmen, die von diesem Fürsten ausgingen. Er hatte sozusagen sein Haus für Luzifer geschlossen und seine Untertanen oder seine Geistwesen, die ihm zugeteilt waren, gemahnt, nicht auf die Verlockungen Luzifers zu hören. So war es geschehen.
Luzifer aber war doch ganz schlau, ging überlegt vor. Ich darf wohl das Wort “raffiniert” aussprechen, oder ist das nicht richtig? ... Gut, sagen wir, er versuchte es auf seine schlaue Art und Weise, diesen Adam doch für sich zu gewinnen. Er nahm sich dafür Zeit – er hatte bereits andere für sich gewonnen. Und als der Zeitpunkt kam, wo er glaubte, gross und stark genug zu sein, ist er dann ganz öffentlich oder offiziell vorgetreten oder zum Kampfe angetreten.
Aber ich möchte noch auf das Vorherige zu sprechen kommen, denn das ist das Bedeutende. Eben mit dieser Schlauheit brachte Luzifer es doch fertig, auch wenn er nicht mehr in das Haus des Fürsten gelangen konnte. Es bot sich ihm die Möglichkeit, sich der Adam unterstellten Geistwesen etwas mehr anzunehmen. Und Luzifer verstand es, mit all jenen Geistgeschwistern, die von seinen Darlegungen überzeugt waren, auf die andern im Reiche Adams einzuwirken. Und dann gingen solche, die eine gewisse Stellung einnahmen und glaubten, dass es richtig sei, was Luzifer vorbringe, zu Adam, ihrem Fürsten, hin und legten ihm dar, dass er sich dieses doch noch wohl überlegen möge. Luzifer war bei all jenen mit Schlauheit vorgegangen. Er versprach, ihre Reiche zu vergrössern, ihre Kraft zu mehren und dass er die Entfaltung und die Entwicklung noch auf eine viel bedeutendere, schönere und grossartigere Art und Weise vorantreiben würde. Er versprach, dass ihre Rechte viel grösser würden und sie dem König nicht so Rechenschaft ablegen müssten, wie sie es bis anhin getan hätten. Solche und viele andere Versprechungen hatte er doch gemacht.
Adam hörte ihnen zu, und auf das Flehen der Seinen hin, die ihm doch, sagen wir, untertan waren, sprach er: “Gut, wenn es so ist – ich will mir die ganze Angelegenheit überlegen.” Zuerst hatte Adam den starken Willen gezeigt und wollte Christus treu ergeben sein – er hatte Luzifer sogar verboten, in seine Bereiche einzutreten –, dann zeigte sich bei ihm seine Unsicherheit, seine Wankelmütigkeit. Luzifer hat es fertiggebracht, die Standhaftigkeit Adams zu durchbrechen, indem er dessen Untertanen von seinen – luziferischen – Ideen überzeugte und sie dann Adam doch noch überredeten. So war Adam unsicher geworden; er wusste nicht, ob es wirklich so ist, und er fragte sich: “Soll ich jetzt, wie bis anhin, Christus die Treue halten, oder soll ich zu diesem Luzifer stehen?” Er wusste eigentlich gar nicht, wie er entscheiden sollte – er war wankelmütig, wankelmütig. All jene, die sich in dieser Form gezeigt haben, wurden ohne Gnade aus ihren Bereichen herausgeholt und aus den himmlischen Sphären hinausgestossen.
Ich darf wohl sagen: Gnadenlos gingen sie vor, all jene, die im Kampfe standen gegen Luzifer. Er hatte es so schlau angestellt, dass er sogar noch eine unübersehbare Geisterschar des Kampfengels, des Fürsten Michael, für seine Seite gewinnen konnte. So könnt ihr euch vorstellen, in welcher Art und Weise Luzifer vorging und welche Enttäuschung dieser Fürst Michael erleben musste, dass von seinen Kämpfern, auf die er so stolz war, so viele ihm den Gehorsam verweigerten, denn als ihr Fürst hatte er ihnen befohlen, ihm treu ergeben zu sein. Michael hatte von ihnen dieses Versprechen abverlangt, und somit sollte diese Ergebenheit auch dem König gelten.
So ging dieser Luzifer vor. Ihr könnt euch jetzt vielleicht auch die Enttäuschung noch etwas besser vorstellen und die Trauer der Zurückgebliebenen, wenn welche von den engsten Freunden und Gliedern einer geistigen Familie herausgeholt wurden. Ganze geistige Familien mussten ihre Behausung, ihre Welt verlassen. Es gab Kämpfe in den einzelnen Geisterfamilien, beispielsweise wenn da ein Geistwesen den Verlockungen Luzifers nicht folgte und seine Treue zu Christus bis zum Letzten bewahrte. Ihr könnt euch doch die Gespräche vorstellen, die geführt wurden, und dass es in den himmlischen Welten nicht mehr harmonisch war. Nun mussten jene also die himmlischen Bezirke verlassen. Es ist jedoch so, dass Gott nur nach dem Masse straft, wie man es verdient. Dies ist in der Bibel festgehalten, es wird aber von der Menschheit durcheinandergemacht – man spricht von einem irdischen Paradies, wo Adam gelebt ...
Nun, Adam musste mit seinem Anhang die himmlische Welt verlassen. Er hatte aber nicht so für Luzifer geeifert und daher nicht diese Schuld auf sich geladen, sondern sein Verschulden lag einzig und allein in der Schwachheit. Er war wankelmütig und mit ihm eine grosse Schar der Geister. Sie hatten zwar nicht für Luzifer gewirkt, wussten aber nicht, wie sie sich entscheiden mussten – sie waren wankelmütig. Luzifer hatte in der Zeit, wo er am meisten wirkte, keinen Zugang zu Adam, daher hatte er es hintenherum versucht. Er ist auch so zu seinem Ziel gekommen und gewann einen grossen Teil von Adams Anhang. Noch lag ihr Verschulden nur in der Wankelmütigkeit, der Unsicherheit. Daher wollte Gott jene nicht in die tiefsten Tiefen stürzen lassen, denn sie hatten sich nicht auf diese Weise verschuldet wie die andern, die für Luzifer geeifert hatten. Aber sie mussten die Herrlichkeit verlassen. Sie wurden in eine geistige Welt hineingeführt, von der man hätte sagen können, dass es noch ein Stück Himmelreich sei, hätte man wirklich gesehen, wie es in den tiefsten Tiefen der Hölle aussieht; denn dorthin wurden all jene gestürzt, die für Luzifer geeifert hatten.
In diese geistige Welt oder geistige Sphäre – man könnte sie auch als Paradies oder als ein Paradies bezeichnen – wurden all jene hineingeführt, deren Mass der Verschuldung nicht zu vergleichen war mit demjenigen Luzifers und seines Anhangs. Mit Adam war auch sein Dual gestürzt worden, denn es hatte dieselbe Ansicht und Meinung. So lebten sie im Paradies mit all jenen, die im gleichen Verschulden waren. Geister Gottes hatten diese Sphäre oder dieses Paradies genau abgegrenzt. Es wurden für die da lebenden geistigen Wesen genaue Grenzen gezogen, wie weit sie nun ihren Platz einnehmen durften, und sie mussten arbeiten. Diese geistige Sphäre war aber nicht von einer solchen Feinstofflichkeit wie das Himmelreich, welches sie hatten verlassen müssen.
Das Bedeutendste und wohl Wissenswerteste davon ist, dass diese Geistwesen nicht mehr die Möglichkeit der schöpferischen Entfaltung hatten wie früher. Durch ihren Ungehorsam wurde das harmonische Wesen gestört – sie waren nicht mehr in der Einheit mit Gott. Es hatte sich Dunkelheit über ihren geistigen Leib und ihre Seele gelegt. Mit dieser Seele ist das Unvergängliche, das von Gott Ins-Leben-Gerufene, der Funke, gemeint. Mit dem Sturz wurde dieses Licht Gottes in einen Schatten geführt – Dunkelheit oder Schatten überzog den Funken Gottes, der in ihnen war.
Diese Wesenheiten, die in eine andere Welt hineingeführt wurden, verloren gleichsam ihr göttliches Bewusstsein. Sie waren sich nicht mehr im Klaren, woher sie kamen und was ihre eigentliche Schuld war. Sie wussten aber noch: Sie waren vertrieben worden, man hatte sie aus ihrem bisherigen Bereich ausgestossen. Es war ein König gekommen und hatte das grosse Wort gesprochen, dass sie keinen Platz mehr hätten im himmlischen Reich, und damit ist das Reich Christi gemeint. Das wussten sie – Weiteres wussten sie nicht mehr, denn sie hatten ein anderes, ein getrübtes Bewusstsein. Nicht einmal dieser Adam und nicht einmal diese Eva wussten, dass sie einst zur Fürstenfamilie Gottes gehört hatten.
Sie wurden von geistigen Wesen unterrichtet und geführt; aber diese geistigen Wesen waren für sie nicht mehr in der Weise sichtbar wie zur Zeit göttlichen Glückes. Denn ihr ganzes Wesen, ihre geistige Erscheinung war nun getrübt, das heisst, die Feinstofflichkeit war entschwunden, und eine etwas verdichtete Form kleidete sie ein. Ich möchte aber betonen, dass diese geistige Erscheinung nicht die Erscheinung eines auf Erden lebenden Menschen hatte. Sie unterschied sich von einem göttlichen Wesen, und sie hatte auch keinen irdischen Leib, sondern ihre geistige Erscheinung war etwas verdichtet. Verloren war die Feinheit, die Feinstofflichkeit, die Schöpferkraft – geblieben ist ihnen die Überlegungskraft und das, was Gott ihnen gegeben hat, der freie Wille der Entscheidung.
In diesem Paradies blieb Adam ihr Führer. Er sollte in dieser Welt mit den Seinen leben und besorgt sein für eine Ordnung. Gesetze hatten sie auch, und ihnen wurde klargemacht, was sie tun und was sie lassen müssten. Die Verbindung von der Gotteswelt zu Adam geschah in der Inspiration, in der Vision – so erlebte Adam die höhere Welt. An ihm selbst war jedoch nicht mehr diese Klarheit und Feinstofflichkeit, diese prachtvolle Erscheinung wie als einstiger Fürst – sie war ihm ja genommen, war aufgelöst. Aber trotzdem blieb ihm eine vermehrte Geisteskraft, ihr würdet dem heute mediale Kraft sagen.
Adam blieb, wie erwähnt, der Führer all jener, die mit ihm im Paradies waren. Er war ihr Führer, und so gab es für sie auf Anweisung Gottes Gesetze: Man sollte diese, jene Grenzen nicht überschreiten. Doch auf der anderen Seite dieser Grenzen war das Paradies wunderschön.
Die Bibel spricht davon, dass die Eva ausgerechnet mit einem Apfel den Adam verführt hätte (1. Mos. 3, 6). Ich will darüber keine weiteren Worte verlieren, aber so, wie es dort geschildert wird, war es nicht. Mit diesem Apfel allein war es nämlich nicht geschehen – das sollte doch einem vernünftigen Menschen klar werden. Adam und Eva waren nicht allein in diesem Paradies, sondern mit ihnen lebten unübersehbare Geisterscharen, und Adam war ihr Führer.
Wie ich es betonte und nun wiederhole, war er für sie verantwortlich, dass sie ihm die Gefolgsamkeit gaben – entsprechend waren die Gesetze verschiedener Art. Die Paradiesesgeister mussten arbeiten – arbeiten auf eine Art und Weise, wie es dort eben möglich war, denn ihre Welt war etwas verdichtet worden. Sie hatten es nicht mehr so schön wie einst. Doch wussten sie nichts mehr davon, aus welchen Himmeln sie kamen und wie schön sie es dort gehabt hatten. Sie wussten nur: Das ist unsere Heimat, hier haben wir eine neue Wohnstätte aufzubauen. Das ging auch eine ganz ordentliche Zeit.
In der Bibel und in den Schriften wird beispielsweise dargelegt, Gott hätte in Stunden oder in sieben Tagen das ganze Weltall geschaffen (1. Mos. 2, 1–2). Es ist doch unverständlich, dass solches gläubigen Menschen dargelegt wird und diese nicht imstande sind, sich ihre Überlegungen darüber zu machen. Das schon allein ist ein Zeichen dafür, dass jemand hinter alledem ist und dafür sorgt, dass die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Also lebten Adam und Eva unübersehbare Zeitspannen in diesem Paradies. Dafür habe ich keine Zahlen und keine Worte, es euch zu sagen. Denn Gott eilt es nämlich nicht, wenn er prüft – es ist nicht so wie bei euch Menschen, wo alles so eilt und man unüberlegt handelt.
Schliesslich hat Gott ja auch nicht sofort eingegriffen, als der Gedanke der Herrschaft recht bald in Luzifer wach geworden war, sondern es dauerte unübersehbare Zeitspannen, bis es ein Eingreifen gab. Gott hat nicht eingegriffen, denn zuerst musste alles reifen. Luzifer hätte ja auch zu einer besseren Überzeugung kommen und einsehen können, dass seine Ansichten oder sein Handeln doch falsch sind. Er hätte also mehr als genug Gelegenheit zur Umkehr gehabt. Luzifer konnte damals und kann künftig weder Christus noch Gott den Vorwurf machen, dass man ihn allzu früh verurteilt hätte. Man hatte sehr lange gewartet und erst dann eingegriffen, sodass kein Vorwurf von seiner Seite angebracht war. Das ist Gott, sein Handeln in seiner Weisheit, und so geschah es auch mit Adam und Eva im Paradies.
Da sie nun nicht mehr von dieser Reinheit durchdrungen waren, da nun der Gottesfunke in ihnen im Schatten war, waren schon Gedanken der Unruhe, des Unfriedens, der Eifersucht und auch der Herrschsucht, der Habgier gesetzt. So wollte der eine den andern verdrängen. Man lebte im Paradies nicht mehr im Frieden zusammen. Dafür hätte aber Adam immer zu sorgen gehabt. So fing es eben an. So fingen die Geistwesen an, die Gesetze, die ihnen gegeben worden waren, zu überschreiten, indem sie einmal das eine, dann das andere Gesetz verletzten. Und Gott hat durch seine Geister noch nicht eingegriffen. Er wartete, bis es so weit war, dass diese Übertretung der Gesetze und Gebote auch von den beiden Fürsten selbst begangen wurde.
Die beiden konnten das Treiben der Ihren beobachten und griffen wohl zeitweise ein und machten ihnen klar, dass dieses oder jenes verboten sei – doch mit der Zeit wurden sie gleichgültig. Sie kümmerten sich nicht mehr um die Gesetze. So ist es dann auch geschehen, dass die beiden selbst neugierig wurden und glaubten, dass doch auch für sie die Möglichkeit bestünde, ihre Sphäre auszuweiten, um ihren geistigen Wesen die Möglichkeit zu geben, sich weiter auszubreiten, sodass sie gemeinsam vielleicht mehr in Frieden leben könnten. Es war nicht einmal unbedingt eine böse Absicht der beiden. Aber sie hatten die strengen Gebote und Gesetze Gottes. Sie sollten auf keinen Fall diese Grenzen überschreiten. Sie sollten nicht so neugierig sein und sich nicht dafür interessieren, was über die Grenzen hinaus geschah – ihr Aufenthalt war genau begrenzt.
So kam es dann, dass eben das eine Geistwesen, das ihr Eva nennt, sich über die Grenzen hinausbegab und diese Welt wunderbar fand und dachte, man könnte doch ihre Ebenen ausdehnen. So holte sie sich auch Adam, um ihm zu zeigen, wie schön diese angrenzende Welt sei. Man wurde sich gegenseitig einig, das könnte doch wohl für alle zum Vorteil sein, und man vergass die Gesetze, das Gebot Gottes.
Warum vergass man es? Warum war solches möglich? Nun, in dieser Ebene, die ich euch jetzt dargelegt habe, wo Hass, Neid und Eifersucht in das Denken oder in die Seele, in das Gemüt der Wesen hineingelangte, war der Weg dazu ja schon bereitet. Luzifer, der mit den Seinen in die tiefsten Tiefen gestürzt worden war, hatte die Möglichkeit, den Weg zu all jenen hin zu beschreiten, die mit ihm aus den Himmeln gestürzt worden waren. Daher war es ihm auch möglich, mit den Seinen in diese Sphäre einzudringen. Der Himmel aber war für sie geschlossen.
Ich könnte diese Sphäre, so wie es in der Bibel steht, als ein geistiges Paradies bezeichnen (vgl. Luk. 23, 43). Ich könnte diese Sphäre aber auch als Vorhölle bezeichnen, denn sie ist ja in ihrem Ausdruck nicht so nüchtern und belastend wie die wirklich tiefsten Tiefen der Hölle. Luzifer hatte nun die Möglichkeit, die Seinen zu beherrschen. Alle, die aus den Himmeln gestürzt worden waren, waren ja jetzt in seinem Herrscherreich – er war ihr Herrscher, er war ihr König, er befahl ihnen. Er herrschte über sie alle, die da waren.
So haben die dunklen, düsteren Wesenheiten die Möglichkeit gehabt, die Gedanken dieser geistigen Wesen im Paradies zu lenken und sie zu verführen. Die Paradiesesbewohner sahen ebenso wenig die düsteren Wesenheiten, sowenig sie auch die Geister Gottes sehen konnten, die sich auch in diesem Paradies bewegten und versuchten, die hier Lebenden wieder zum Guten zu führen, sie wieder zu Gott hinzulenken. Aber Luzifer hatte seine Macht, und da eben ihr Funke getrübt und ihr göttliches Bewusstsein nicht mehr vorhanden war, verfielen sie dem Bösen und den Versuchungen. Genauso erging es Adam. Er wusste ja gar nicht mehr, wer er einst überhaupt gewesen – sie alle sollten es nicht mehr wissen. Denn hier war eine genaue Grenze gezogen worden: Das höhere Bewusstsein ward ihnen mit dem Sturz genommen, denn es wäre doch eine ganz einfache Sache gewesen und niemals eine Prüfung, hätten sie alle gewusst, dass sie Gott wirklich den Gehorsam leisten müssen und dass ihnen, wenn sie gehorsam wären, alles wieder zurückgegeben würde. Sie hätten sich doch ganz besonders Mühe gegeben und wären nicht in diesen Ungehorsam verfallen. Sie aber sollten nichts davon wissen; sie sollten nicht wissen, woher sie kamen. Sie mussten von sich aus selbst den Beweis geben, dass sie das Verlangen hatten, die Gesetze zu befolgen, denn man sagte ihnen: “Dieses Gesetz ist euch von Gott gegeben; das sollt ihr befolgen, und das soll euch genügen.” Sie aber hatten Gott vergessen – Eifersucht und Unfriede hatte sich auch in dieser Sphäre verbreitet.
Das war die grosse Prüfung, die doch Gott in seiner Barmherzigkeit diesem Fürsten geben wollte. Dieser Fürst – und wenn ich jetzt nur von Adam spreche, so ist das in dem Sinne gemeint, dass er der führende Geist gewesen. Seine Kraft war so gross – er war noch so gottverbunden –, dass er genau hätte erkennen können, was er tun und was er nicht tun sollte. Da aber ihm selbst dieses göttliche Bewusstsein genommen worden war, wurde er in seiner Schwachheit und in seiner Wankelmütigkeit eben noch grösser. So hatten die niederen Mächte die Möglichkeit, sie alle zu verführen und für sich zu gewinnen. Das ist die Wahrheit. Es sind nicht nur Adam und Eva im Paradies gewesen, so wie es die Bibel schildert. Dieser Adam hatte den grössten Teil seines Anhangs mitgenommen und lebte da mit ihnen unübersehbare Zeiten. Das ist die Wahrheit.
Gott griff auch hier ein, weil keine Möglichkeit mehr bestand, dass Adam seine Prüfung erfüllen konnte. Er selbst konnte es nicht, und die Seinen schon gar nicht. Aber Gott selbst hatte ihn eigentlich dafür als den Führer auserwählt. Er sollte dieser Prüfstein sein. Auf ihn sollte es ankommen, ob er Gott Gehorsam leisten würde, ob er die Möglichkeit, die Kraft hätte, auf die Seinen so zu wirken, um sie auf den richtigen Weg zu bringen, um sie Gott wieder zuzuführen. Es gelang ihm nicht, er hatte nicht die Kraft dazu, denn er war in seinem Wesen zu unsicher, zu wankelmütig. Er konnte sich nicht entscheiden. Er konnte es auch nicht zu jener Zeit, als er noch als Fürst im Himmel lebte. Er wollte zwar, aber die Schwachheit, die Unsicherheit war grösser.
Nun mussten sie alle dieses Paradies verlassen. Jetzt war auch in diesem Paradies keine Bleibe mehr, für niemanden – die Bibel schildert nur das Dasein von Adam und Eva. Sie alle aber mussten hinaus und wurden so wieder in eine tiefere Ebene hineingeführt. In dieser tiefen Ebene hatten sie wiederum lange Zeiten zu verweilen, und wieder grösserer Schatten hat sich auf ihren Funken gelegt.
So bewachten dann, wie es in der Bibel heisst, Engel Gottes diese Ebene (1. Mos. 3, 24); denn sie war kein Teil, kein direkter Teil des Himmels; sie war ja ausgewählt worden, dass die Ungehorsamen dort zu verweilen hätten und der Herrschaft Luzifers angehörten. Nun waren sie in eine andere Welt hineingeführt worden. Hier sollte ihnen klargemacht werden, was für Verfehlungen sie wiederum auf sich geladen hatten. Es blieb dann in ihrem Bewusstsein, dass sie Gott ungehorsam geworden waren.
So nahmen sie dort ihren Platz ein, aber ihr Weg hatte sie nicht zu den tiefsten Tiefen der Hölle geführt, sondern es gab und es gibt in der Hölle auch Aufstiegsstufen. Die Geister Gottes, die einschreiten mussten, machten sich ihnen sichtbar, bemerkbar. Sie wurden nun dorthin geführt, wohin sie entsprechend ihren Belastungen gehörten. Je nach ihrem Verschulden, das sie auf sich geladen hatten, nahmen alle ihren Platz ein.
Jetzt standen sie nicht mehr alle unter der Führung von Adam. Wohl blieb ihm noch eine grosse Schar zugeteilt. Aber wie es auch bei euch Menschen so ist, gab es auch unter diesen Geistwesen welche, die die Fähigkeit hatten, sich in besonders aufrührerischer Weise zu betätigen. Sie sollten dementsprechend ihren Platz einnehmen. So hatte die Gotteswelt es geordnet und sie in die verschiedensten Stufen eingereiht, wo sie hingehörten. Es gab ein langes, langes Warten – ein langes Warten, ein Warten in Unseligkeit, in Unglück, in Leiden, in Verzweiflung. Man machte sich selbst Vorwürfe, und man erhob gegen andere Vorwürfe.
Da Gott ein Gott der Barmherzigkeit und der Gnade ist, hat er jenen von Zeit zu Zeit Geister des Trostes gesandt, um sie aufzuklären, dass es für sie einen Aufstieg gebe, dass Gott für sie etwas vorbereitet habe, sie aber wieder aufs Neue geprüft werden müssten und dass sie so lange zu warten hätten, bis die Vorbereitungen vollendet wären. Was mit dieser Vorbereitung gemeint ist, das wissen wohl jene Geschwister, die die geistige Lehre kennen: Gott liess nun die Erde vorbereiten, und so wurde es möglich, dass Geister in einer weiteren, grösseren Verdichtung auf dieser Erde leben konnten. Dieser Planet, der eine glühende Kugel war, musste erst abgekühlt werden. Er sollte eine Heimat zum Leben werden für die neuen Prüfungen, die für diese Wesenheiten ausgedacht waren. Sie sollten weit weg von Gott, in grösserer Verdichtung ihres geistigen Leibes leben und wirken.
Eure Wissenschaft spricht von Milliarden von Jahren, wenn sie versucht, die Zeiträume dieser Erde zu erforschen. Ihr könnt euch nun ein Bild machen von der Zeit der Unseligkeit und des Wartens, bis es so weit war, dass dieser Ort geschaffen und geistige Wesen einverleibt oder eingehüllt in einen bedeutend verdichteteren Leib da auf der Erde leben konnten. Könnt ihr im Geiste diese Zeit erahnen, was das heisst? Da glauben Menschen immer noch, es hätte nur ein Wort von Gott gebraucht und dann wäre alles von einem Moment zum andern erstellt gewesen. Wenn Gott Gesetze aufstellt für die Seinen und von seinen Geschöpfen verlangt, dass sie diese Gesetze befolgen, dann gelten diese Gesetze auch für ihn. Auch er achtet diese Gesetze und umgeht sie nicht, auch Christus nicht.
Man macht mich gerade auf die fortgeschrittene Zeit aufmerksam. Ich könnte euch, wenn ihr nicht zu müde seid, mir zuzuhören, noch etwas weniges dazugeben.
Ich habe euch ausdrücklich gesagt, und ihr seid von uns in dieser Beziehung unterrichtet worden, dass ich versuche, die Lücken zu füllen. Ich möchte nicht wiederholen, was euch schon dargelegt wurde, wenn es nicht notwendig ist und nicht dazu dient, eine abgerundete Erklärung zu geben. Ich muss euch aber die Wahrheit so darlegen, dass es einem jeden hier Anwesenden möglich ist, sie zu verstehen, und darum muss ich des Öftern Wiederholungen machen. Ich überlasse es dann meinen Freunden, diese zu streichen, wenn es darum geht, das Ganze zu verbreiten. Ich habe da nichts dagegen – es darf dann das Menschliche zum Ausdruck kommen. Aber nichts von der Wahrheit soll verloren gehen – nichts darf verloren gehen.
Als dann die Erde so weit war, dass auf ihr Leben möglich wurde, hat man die Vorbereitungen für die weitere Verdichtung des Geistes getroffen, und man wollte, dass es auf diese Weise seinen Anfang nahm. Und wie sollte es zum ersten menschlichen Leben auf der Erde kommen? Der Zeitpunkt der ersten Menschen, die auf der Erde lebten, liegt weit zurück. Wie diese Erde seinerzeit aussah, ja das vermögt ihr euch vielleicht vorzustellen. Ich möchte weiter sagen: Was habt ihr aus dieser Erde gemacht? Wie sieht sie heute aus? Wie stolz und wie eifrig sind die Menschen – sie freuen sich darüber, auf den Strassen so schnell wie möglich von einem Ort zum andern zu kommen. Ja ob es immer so bleibt, liebe Geschwister? Glaubt es ja nicht ...
Doch zurück zu Adam; ich muss immer wieder auf ihn zurückkommen, denn er ist und war ein Fürst des Himmels. Dieser Adam spielt doch in der irdischen Schöpfung eine bedeutende Rolle. Aber ehe man bestimmt hat, ein menschliches Wesen auf die Erde zu setzen, musste doch schon in gewisser Weise die Natur als solche vorbereitet sein. Es musste eine Pflanzenwelt und auch eine Tierwelt vorhanden sein. Das alles war noch in so bescheidener Form, denn es gab noch viel Wasser, viel Sumpf und Gestein. Die Erde sah noch nicht so aus, wie sie heute aussieht. Es musste in erster Linie einmal für das Leben dieser Pflanzen und Tiere gesorgt werden. Und was für Tiere sollten denn da auf der Erde leben? Woher sollten sie denn kommen?
Es ist nur auf diese Art und Weise möglich, dass es ein Eingreifen Gottes gab und eine Umwandlung vom Geiste in ein erneutes Leben, für einen neuen Anfang, stattfand. So sollten zuerst jene geistigen Wesen, die sich am wenigsten verschuldet hatten, auf die man doch Hoffnung setzte und die einst in der Gotteswelt eine führende Stellung eingenommen hatten, auch als Erste den Anfang des neuen Lebens bilden – eines noch stärker verdichteten Lebens.
Neues Leben sollte seinen Anfang nehmen – wohlausgedacht und ausgeklügelt. In verschiedenen Formen sollte das Leben auf dieser Erde möglich sein. Für die verschiedensten Wesen, auch für jene mit grössten Belastungen und grösstem Verschulden, sollte es die Möglichkeit geben, in ein neues Leben einzutreten, um neue Prüfungen auf sich zu nehmen. Es sollte ein neuer Weg geschaffen werden, der in seiner Entwicklung eine viel grössere Zeitspanne in Anspruch nehmen sollte und jenen den Vorzug gab, die sich in ihrer geistigen Einstellung um höheres Leben bemühten oder bemühen, dass für sie der Weg gekürzt wird.
Gott wollte und will gerecht sein. Aber er wusste, dass es ohne diese strengere Prüfung, diesen härteren, noch längeren Weg, kein Zurück gibt in sein Haus.
Nun werde ich gebeten, euch zu verabschieden. Wir sind ja morgen wieder zusammen. Eigentlich haben meine geistigen Freunde, die mir die Uhr vor die Augen halten, ganz recht: Ihr seid umso mehr gespannt auf morgen.
Nun, liebe Geschwister, Gottes Segen ist mit euch. Er behütet und beschützt euch und die Euren. Die zuhörenden Unsichtbaren sind glücklich über das gehörte Wort, und sie werden auch morgen zeitig hier sein. Gottes Segen über euch alle. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 24.9.1974 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1974 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 19. November 1975, und Josef, 10. März 1979 (Ausschnitte)
Aus Barmherzigkeit und Gnade, aus Güte und Liebe hatten Gott und Christus versucht, den aus den Himmeln gestürzten Wesen einen leichteren Weg der Heimkehr zu bereiten. Glücklich und froh waren all jene, die in die schöne Ebene des Paradieses einkehren durften. Doch mit der Zeit wurde all das Schöne zur Selbstverständlichkeit, und man vergass, dass man Gott den Gehorsam versprochen hatte.
Lene: [...] Ich möchte euch kurz das Paradies von einst schildern. Die Wesenheiten, die in diesem geistigen Paradies lebten, hatten eigentlich alles, was sie sich wünschten; sie hatten ein sorgloses Leben. Ihr möchtet wissen: Wo war denn dieses Paradies? Es war nicht auf dieser Erde. Diese Erde, so wie sie heute ist, bestand damals noch gar nicht. Das Paradies war also eine geistige Sphäre, und die Wesenheiten, die hier lebten, waren nicht einverleibte Menschen so wie ihr, sondern es waren geistige Wesen. Dieses Paradies, das ihnen geöffnet wurde, war eine himmlische Sphäre, die eigens für diesen Zweck errichtet wurde. Es sollte für sie eine Prüfung werden; ihr Leben hier sollte also nicht in dieser vollen Härte zu leben sein, wie es dann bei den Menschen der Fall geworden ist. Ein himmlisches Paradies wurde diesen Wesen aufgetan; sie durften aus den unangenehmen Ebenen [der oberen Höllenbereiche] heraufkommen, und man übergab ihnen zu treuen Händen diese geistige Ebene.
Am Anfang wussten sie das Leben in diesem Paradies sehr zu schätzen, war es doch eine so schöne Welt. Ein grosser Unterschied bestand von hier zu jener andern Welt, die sie hinter sich gelegt hatten – denn sie gehörten ja auch zu denen, die aus den Himmeln gestürzt worden und in den Herrschaftsbereich Luzifers gelangt waren. Sie aber gehörten zu jenem Teil der Gestürzten, die in ihrem Verschulden nicht so stark gezeichnet waren. Diese weniger Verschuldeten wurden dann in dieses geistige Paradies geführt, und ihnen stand ein Führerpaar vor. Dieses Führerpaar kennt ihr, es sind Adam und Eva.
Die Welt dieses Paradieses war schön, die Gärten wunderbar, die Blumen prachtvoll, die Häuser von verschiedener Bauart. Man musste aber auch arbeiten. Denn so ohne Arbeit ist kein Leben schön, weder für Wesenheiten in der göttlichen Welt noch für den gesunden Menschen auf dieser Erde. Das Nichtstun ist für niemanden gut; wer gesund und stark ist, braucht eine Beschäftigung. Und die Geistwesen in diesem Paradies waren doch voller Kraft; sie waren doch jung, wenn ich dieses Wort aussprechen darf, und voller Tatkraft. Sie wollten arbeiten, und sie sollten auch arbeiten. Was sollten sie in dieser herrlichen Ebene tun? Ja in der Kunst gibt es ein Arbeiten, das im gewissen Sinne auf einer etwas höheren Stufe steht. Und die Möglichkeit zu diesem Arbeiten war ihnen gegeben. Sie hatten geistiges Material, das sie verarbeiten konnten; sie konnten auf verschiedene Arten Gegenstände anfertigen. Da sie in diesem Paradies ja in eine geistige Ebene hineingekommen und nicht so weit vom Göttlichen entfernt waren, wurden sie dementsprechend von dieser Kraft gestärkt und von der Umgebung für ihre künstlerische Arbeit inspiriert. Es gab Verschiedenes, was man da tun konnte. Ich brauche das im Einzelnen nicht aufzuzählen; es soll euch genügen, wenn ich sage, dass man auf den verschiedensten Gebieten der Kunst tätig sein konnte und dass alle diese Wesen eine schöpferische Kraft in sich hatten und eben dementsprechend Grosses und Kostbares leisteten. Sie hatten das Ihrige getan, um ihre himmlische Welt, die ihnen gegeben worden war, selber noch weiter zu verschönern.
Allen diesen geistigen Wesen, die in diesem Paradiese leben durften – es war ja nur eine gewisse Anzahl –, waren aber Grenzen gesetzt. Engelwesen hatten es ihnen erklärt: “Das hier ist die Grenze, und über diese Grenzen dürft ihr nicht gehen. Ihr dürft in die Weiten schauen – aber die Herrlichkeit, die ihr habt, soll euch genügen. Und das Wunderbare, das ihr an Arbeit leisten könnt, soll euch doch Freude und Befriedigung geben. Ihr sollt mit dem Leben zufrieden sein.” Sie hatten keinen Mangel, in keiner Art und Weise, auch geistige Speisen waren ihnen gegeben – sie hatten ein Paradies, ein wahrlich herrliches Paradies. Es war begrenzt in seiner Grösse, doch sie konnten glücklich und zufrieden sein.
Anfangs, als man in dieses Paradies hineingeführt worden war, war man bescheiden, man war glücklich und froh, und man versprach dem lieben Gott alles, was er nur wollte. Ich kann keine Zeit nennen, wie lange diese Geschwister in diesem Paradies waren. Doch möchte ich fast sagen, es war bei ihnen wie bei euch: Wenn man von lauter Schönem umgeben ist, wenn man vom Guten so viel hat, schätzt man es nicht mehr, sondern findet es selbstverständlich. Und diese geistigen Wesen hatten alle auch ihren freien Willen. Aus ihrem freien Willen heraus konnten sie wirken. Sie waren ihr eigener Herr. Die Einzigen, die den andern vorstanden, waren das führende Paar, waren Adam und Eva. Aber trotzdem hatten alle zusammen genügend Freiheit. In ihrer Freiheit entwickelten sie ihre Kunst, wie es ihnen gefiel. Sie brauchten nicht zuerst zu fragen: “Soll ich es so machen, darf ich es so tun? Darf ich von dem nehmen, darf ich das machen?” Nein, sie waren frei. In dem ihnen gesetzten Rahmen durften sie sich bewegen und hatten sie ihre Freiheit.
Doch wie es so geht, wenn man ständig so viel Schönes um sich hat und nicht dauernd gemahnt wird, was man tun und was man lassen soll – wenn sich also dieses Wort aus der göttlichen Welt nicht meldet –, da wird man mit der Zeit gewissermassen etwas überheblich und selbstsicher und glaubt, überhaupt vergessen worden zu sein, eben weil man nichts hörte, weil einem die Selbstständigkeit gelassen wurde. Und gerade das war diesen Wesen als Prüfung gegeben worden. Wäre ständig ein Engel Gottes zu ihnen hingegangen und hätte sie ständig gemahnt: “Wisse, du sollst dieses und jenes nicht machen, sonst geht dir der Himmel verloren; wisse, du hast zu gehorchen”, hätten sie doch darauf gehört. Es wäre ihnen klar geworden, dass sie dieses und jenes nicht machen dürfen. Also: Niemand hatte sich da eingemischt; man prüfte ihren Willen, man prüfte sie.
Ausser diesem Führerpaar hat wohl kein geistiges Wesen versucht, sich in dieser Weise hervorzumachen und die Grenzen zu überschreiten. Denn sie waren ja diesem Führerpaar untertan, sie mussten ihm Gehorsam leisten. Also konnte es nur eines von diesen beiden selbst sein. Sie hatten die Aufgabe, diesem Paradiese vorzustehen, und sie hatten den Auftrag, das zu erfüllen, was ihnen einst gesagt worden war: Sie sollten Gehorsam leisten und die Grenzen nicht überschreiten. Und nun war es ausgerechnet eines von diesen beiden, das den Gehorsam brach.
Als es geschehen war, kamen Engel Gottes und erklärten ihnen: “Jetzt ist es aus mit dem Leben im Paradies, jetzt müsst ihr dieses Paradies verlassen.” Und es wurden Engel Gottes an seine Grenzen gestellt, wie es euch in der Bibel erklärt wird, dass ein Cherub oder zwei Cherubinen dastanden mit feurigen Schwertern, um darauf zu achten, dass die Vertriebenen nicht wieder ins Paradies zurückkehren konnten. (1. Mos. 3, 24.) Ich kann sagen: Zwei Engel allein genügten nicht. Es waren ihrer mehr, die da erschienen und die Grenzen bewachten, dass niemand mehr hinüberkam.
Diese wunderschöne geistige Ebene haben diese Wesen also verlassen müssen, sie wurden aus diesem Paradies geführt. Ausserhalb dieses Paradieses war ein anderer Vorhimmel, eine andere Vorstufe, wo von Pracht und Herrlichkeit aber nichts mehr vorhanden war. Hier blühten weder Bäume noch Blumen, und es gab keine kostbaren Früchte mehr. Man sah das Paradies von Weitem, aber die Engel, die da Wache hielten, drängten diese Geistwesen immer weiter weg, fort von diesem schönen Paradies, das ihnen einst als Prüfung gegeben worden war. So standen sie dann im Vorhimmel – oder in der Vorhölle –, wo sie warten sollten. In dieser Vorhölle warteten sie auf die Zeit, die kommen sollte, in der sie dann in eine andere Welt geführt werden sollten [nämlich auf die Erde] – eine andere Prüfung sollte ihnen gegeben werden. Sie gehörten nicht in die tiefsten Tiefen der Hölle, sondern sie waren ja deren oberen Stufen entnommen worden. Sie waren nicht so schwer verschuldet. Jetzt hatte man sie sozusagen in eine gleiche Ebene geführt, doch weit entfernt [vom Göttlichen]. Getrennt war man jetzt; sie gehörten jetzt [wieder ganz] unter die Herrschaft des andern – jetzt war die Rückführung, so wie sie geplant war, nicht mehr möglich. Von nun an sollte für diese Wesen ein anderer, ein schwererer Weg bereitet werden, der ihnen die Möglichkeit des Aufstieges geben würde. Darüber brauche ich jetzt nicht weiter zu sprechen, darüber wisst ihr oder meine Freunde, die diese geistige Lehre kennen, Bescheid. Es ging mir darum, euch dieses geistige Paradies zu schildern, das jenen Geistwesen die Möglichkeit gegeben hätte und gegeben hat, glücklich zu sein, glücklich zu werden, Gehorsam zu leisten – und sie wären wieder aufgenommen worden in den Himmel. Es ging um die Prüfung. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.11.1975 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef: [...] Dann wird ja in der christlichen Lehre auch vom Paradies gesprochen, wo Adam und Eva gelebt haben, und man legt Eva die Geschichte mit dem Apfel zur Last. Auch hier möchte ich sagen: Menschen, die denken, wirklich denken können, können so etwas nicht bejahen. Warum musste denn das damalige Geschehen durch all die Jahrhunderte hindurch den Menschen in so verschleierter Art und Weise vorgesetzt werden? Oder warum schwieg man darüber oder sprach von Geheimnissen? Auch dieses Leben im Paradies ist etwas, was in die Schöpfung hineingehört, in die Schöpfung mit diesen langen und weiten Zeiträumen. Aber auch das Leben von Adam und Eva hatte seine Ursache, worüber ein Christenmensch Klarheit haben sollte. Die Antwort auf diese Fragen findet man noch verschleiert in gewissen Büchern. Je weiter man aber diese Bücher übersetzt, desto weniger werden sie verstanden, und es werden ganze Kapitel überhaupt weggelassen, und man kennt und weiss nichts mehr davon. Wenn dann jemand noch etwas in Erinnerung hat, worüber er belehrt wurde oder er gelesen hat, dann wird es als etwas Geheimnisvolles hingestellt. Es ist aber nichts Geheimnisvolles. Denn in Wirklichkeit war es doch so, dass Gott den gefallenen Geschöpfen die Möglichkeit einer Rückkehr geschaffen hatte; er hatte einen Weg geebnet, der nicht so hart sein sollte [wie später das Erdendasein]. Aus Barmherzigkeit und Gnade, aus Güte und Liebe wollte man versuchen, die Heimführung der Gefallenen auf diesem Weg [über das Paradies] zu schaffen. In grossen Zeiträumen war dies alles geplant worden.
Einstmals, als der Geisterfall stattgefunden hatte und jene ungetreuen Geistwesen aus den Himmeln gestürzt worden waren, nahmen sie ja ihren Platz in der Hölle ein. Sie hatten aber sogar hier die Möglichkeit, gewisse Besserungsstufen zu erreichen, um aufzusteigen. Diese Möglichkeit war ihnen gegeben worden. Und unter jenen, die dem Ungehorsam verfallen und aus dem Himmel gestürzt worden waren, waren auch Adam und Eva – sie waren ein Fürstenpaar. Sie wurden nach einer bestimmten Zeit, wenn ich es so sagen darf, hervorgenommen, herausgenommen aus der gewaltigen Menge der Gefallenen – zusammen mit einer weiteren Schar von Geistern, die sich in der Hölle ebenfalls nach oben entwickelt hatten. Dieses Fürstenpaar wurde gemeinsam mit dieser Schar zur Bewährung und zur Prüfung in eine geistige Ebene hineingeführt. Und diese beiden, Adam und Eva, waren die führenden Geister dieser Schar. Sie hatten Gehorsam gelobt, denn ihnen allen wurden Bedingungen auferlegt. Um ihre Ebene, in der sie wohnten, waren Grenzen gezogen, und diese Grenzen durften sie nicht überschreiten. Denn diese Ebene [das in der Bibel erwähnte Paradies] war ja im Geistigen [also nicht auf der Erde, die damals noch nicht bestand]; es war eine geistige Ebene, es war geistiges Leben. Und in der Geisteswelt unterscheiden sich die Ebenen voneinander, und höhere Stufen oder höhere, schönere Ebenen werden oftmals durch ganz bestimmte Grenzen von den andern geschieden. Diese Grenzen können Flüsse sein, es können Berge sein, es ist eine Trennung da, die es den Wesen der einen Ebene verunmöglicht, in die andere, höhere Ebene hinüberzuschreiten. Wieder andere Grenzen werden von Engeln Gottes bewacht; sie können auch nicht überschritten werden.
Im Fall von Adam und Eva und dieser Geisterschar waren Grenzen gezogen worden, es war für ihr geistig Auge deutlich gemacht worden: “Hier dürft ihr leben. Hier habt ihr eure Aufgaben zu erfüllen. Und über diese Grenzen dürft ihr nicht schreiten.” Sie durften nahe an diese Grenzen herangehen, sie konnten über die Grenze sehen. Sie konnten die Schönheit dieser Ebene sehen, die schönere geistige Natur erblicken. Aber es war ihnen verboten, in die Pracht dieser Gärten hineinzugehen – es war abgegrenzt. Sie sollten Gehorsam leisten, und auf diesen wurden sie geprüft.
Man soll nun nicht meinen, dass diese geistigen Wesen einfach da in eine geistige Ebene hineingeführt wurden, ohne dass man ihnen eine Tätigkeit zugewiesen hätte. Denn geistige Wesen denken, sie bewegen sich, sie sprechen, sie schauen, sie überlegen, genau wie Menschen. Und so mussten sie einmal ihre eigene geistige Landschaft, wenn ich es so nennen will, bebauen. Sie hatten Arbeit genug. Arbeit war ihnen gegeben worden. Sie waren nicht fürs Nichtstun – wie Menschen es sich unter einem Paradies vorstellen – dorthin gesandt worden. Wahrlich war die Umgebung gleich einem Paradies im Vergleich zur Stätte, von der sie herkamen. Sie hatten hier mehr Freiheit, und es war doch alles anders, sie standen unter einer anderen Führung.
Und nun kam es auf dieses Fürstenpaar an, denn sie waren die führenden Geister und verantwortlich für alles, was in dieser geistigen Ebene geschah. Und so war es eben diese Eva, die stets über die Grenze in diese Gärten schaute. Von Zeit zu Zeit kamen Engel Gottes, sprachen mit ihnen, gaben ihnen Anweisungen für ihr Schaffen, für ihre Tätigkeit, für ihr Fortkommen. Da dies aber in immer längeren Abständen geschah und diese Abstände so gross erschienen, kamen die Bewohner dieser Paradiesesebene zur Auffassung, nun ganz selbstständig zu sein und dass sich kein Geist Gottes mehr näher mit ihnen befassen würde. Und so nahm man sich das Recht, über die Grenze zu schreiten und in einen dieser prachtvollen Gärten zu gehen. Und so rief Eva ihren Adam: “Komm mit. Schau einmal diese Pracht, schau nur einmal.” Zögernd ging er, er ging mit – und die Sünde war da, sie hatten den Gehorsam gebrochen. Es war ihnen streng verboten, die bezeichneten Grenzen zu überschreiten.
Und so kamen die Engel Gottes, und was taten sie? Alle, die in dieser geistigen Ebene wohnten, mussten sie wieder verlassen. Engel Gottes geleiteten sie hinaus, und sie mussten wieder an die Stätte zurückkehren, von wo sie gekommen waren. Engel Gottes bewachten dann diese geistigen Ebenen, damit die aus ihnen Vertriebenen nicht wieder zurückkehren konnten. Denn diese geistige Ebene war in der Nähe jener Aufstiegsstufe, von der sie gekommen waren. Jetzt wurde sie bewacht, damit keiner die Möglichkeit hatte, wieder in sie einzutreten – denn wie gerne wäre man doch wieder an seinen Platz zurückgekehrt und hätte seine Tätigkeit vollendet, die man angefangen hatte. Aber das Fürstenpaar Adam und Eva war für sie alle verantwortlich.
Das war der erste Weg, den Gott für die Heimführung der gefallenen Geschöpfe versucht hatte. Es wäre ein leichterer Weg gewesen, ein Aufstieg im Geistigen, also ohne Einkehr in einen materiellen, menschlichen Leib, ohne diese Verdichtung, ohne diese irdische Welt. Und wie viel Zeit war doch verflossen, bis Gott erkennen musste: Auf diesem Weg geht es nicht; sie werden ihren eigenen Weg gehen. Denn Gott gab ihnen ja den freien Willen zur Entscheidung, aber ihre Entscheidung sollte im Rahmen des Gehorsams sein, sie sollten den Willen und die Gesetze Gottes befolgen.
So wurde nun ein anderer Weg der Heimkehr geplant – aber diesmal ein Weg, der sicher zum Ziele führen sollte. Und so wurde in gewaltigen Zeiträumen die irdische Schöpfung geplant und aufgebaut – angefangen von der niedersten Aufstiegsstufe, die geschaffen wurde, um auch jenen die Möglichkeit der Heimkehr zu geben, die sich so arg verschuldet hatten. Um auch ihnen den Weg zurück zu ebnen, bedurfte es der Planung dieser irdischen Schöpfung. Versucht euch nun vorzustellen, welche Zeiträume es dazu gebraucht hat, bis es auf dieser Erde so weit war, dass der erste Mensch auf ihr Fuss fassen, auf ihr leben konnte – lange dauerte es. Aber wie hat sich doch von jenem Zeitpunkt an die Menschheit entwickelt! Wie ist der Aufstieg von unten nach oben gefördert worden! [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.3.1979 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Lene, 22. September 1981 (Ausschnitt)
Die Bibel berichtet von Adam und Eva und ihrer Vertreibung aus dem Paradies. Geistlehrerin Lene geht auf diesen biblischen Bericht ein; sie nimmt ihn zum Anlass für eine allgemeine Erklärung über die Gleichberechtigung zwischen männlichen und weiblichen Wesen in der himmlischen Welt. Im zweiten Teil des Vortrages spricht sie am Beispiel der “Söhne Gottes” über die geistigen Fürstlichkeiten und zeigt auf, dass sie gleichberechtigt in Paaren zusammen sind.
Lene: [...] Als Adam und Eva im Paradies waren, waren sie eine Gemeinschaft, die sich eben selbst verwalten musste. Adam und Eva waren die führenden Geister dieser Gemeinschaft. Ihnen wurde von göttlicher Seite das Gesetz erklärt und gesagt: “Ihr habt Gehorsam zu leisten.” Wie lange sie – nach der Zeit gemessen – in diesem Paradies gewesen sind, kann ich euch nicht nach eurer Zeitrechnung sagen; es war immerhin eine ganz ordentliche Zeit. Das Gesetz sollte nicht in Vergessenheit geraten. Doch hatte man sich schon an all das gewöhnt, was dieses Paradies zu bieten hatte. Man hatte es als eine Selbstverständlichkeit betrachtet.
Mit Adam und Eva war auch eine ganz schöne Anzahl von geistigen Wesen in diesem Paradies. Es ist durchaus nicht so, dass Adam und Eva, wie da geschrieben ist, allein im Paradies gewesen wären (1. Mos. 2, 18–23). Nein, so war das nicht – sie waren mit einer ganzen Gemeinschaft zusammen. Adam und Eva waren jene, die an oberster Stelle standen und mit gutem Beispiel in allen Dingen vorangehen mussten. Sie waren auch für die Ordnung besorgt. Das war ja für diese geistigen Wesen ein neues Leben. Und anfangs war es ihnen noch ganz klar im Bewusstsein: “Wir haben zu gehorchen. Wir müssen gehorchen.” Das wussten sie. Aber wie es auch bei euch ist: Wenn man sich eine lange Zeit hindurch an etwas gewöhnt hat, dann ist es so selbstverständlich. Man ist dann nicht mehr so sehr besorgt darum, dass Gesetze eingehalten werden und nichts Unrechtes geschieht. So waren sich eben diese beiden Geister an das schöne Leben gewöhnt. Sie verlebten eine schöne Zeit zusammen.
Nun wird den Menschen ja dargelegt, dass es nur die Eva gewesen sei, die Schuld an dieser grossen Sünde zu tragen habe (1. Mos. 3, 6). Ich darf sagen, dass ich über all die Jahre hindurch zum Teil geschwiegen habe, aber ich will euch jetzt weitere Erklärungen geben, die einige von den Anwesenden hier nicht so gerne hören werden. Man hat ja dieser Eva die Schuld gegeben. Von Anfang an wurde verkündet, die Eva sei schuld. So kennt man bis heute nur diese Erzählung, wo eben die Unwahrheit verkündet wird. Es wird von einem Apfel geredet ... Die Gesetze Gottes waren aber klar – dass es in diesen geistigen Ebenen Grenzen gibt, die man nicht überschreiten darf. Man hat sich an diese Grenzen zu halten.
Als für diese Seelen das Paradies hergerichtet wurde, wurden auch Grenzen gezogen. Diesem Adam und dieser Eva – ihnen beiden zusammen – hatte man erklärt: “Ihr seid dafür verantwortlich, dass niemand diese Grenze überschreitet.” Das Paradies war ja so wunderbar, und sie hatten es wirklich schön im Paradies.
Weiter wird in der Bibel vom “Baum des Lebens” gesprochen (1. Mos. 2, 9). Ja, meinetwegen kann man symbolisch schon vom Baum des Lebens sprechen, aber es hatte in diesem Paradies nicht nur einen Baum des Lebens. Denn hinter dieser Grenze waren viele solcher Bäume des Lebens, einer nach dem andern. Die Welt war schön, und diese beiden führenden Geister, Adam wie Eva, fragten sich: “Wie sieht wohl die Welt hinter diesen Grenzen aus? Ist diese Umgebung wohl schöner als die unsrige?” Sie waren neugierig. In der ersten Zeit zwar noch nicht, aber mit der Zeit, wenn das schöne Leben zur Gewohnheit wird, möchte man immer mehr. Es interessiert den Einzelnen: “Wo könnte es noch schöner sein?” So sprachen sie miteinander: “Wie sieht es dort wohl aus, wenn man über die Grenze schreitet?” Sie sprachen sich aus und sagten: “Ob es vielleicht doch möglich wäre, einmal einen Schritt über die Grenze zu wagen?” – beide zusammen! –, denn es würde sie doch interessieren. Sie hatten also vergessen, was ihnen als höchstes Gebot gegeben worden war.
Es war wie bei den Geistwesen, die im Himmelreich versprochen hatten, ihrem König gehorsam zu sein. Sie wussten, dass der König Christus heisst und dass er von Gott gesalbt worden war. Sie hatten es gewusst. Aber in diesen weiten, langen Zeiträumen ... In Vergessenheit hätte dies nicht geraten dürfen. Ich brauche jetzt nicht näher darauf einzugehen, ich will nur Vergleiche ziehen. So sind jene, die darüber unterrichtet worden waren und ihrem König die Treue gelobt hatten, darüber hinweggegangen. Sie liessen sich von einem andern betören, obwohl sie wussten: “Der Vater hat uns Christus als den König vorgestellt. Gemeinsam mussten wir ihm den Gehorsam geloben.”
Bei Adam und Eva war es ebenso. Sie wussten, was man von ihnen verlangt: dass sie die Grenzen nicht überschreiten dürfen. Aber diese lange Zeit des frohen, schönen und seligen Lebens – ich kann nicht sagen, dass sie unzufrieden geworden sind, nein, sie sind neugierig geworden und eben ungehorsam. Als sie wieder einmal miteinander geredet hatten, wie es wohl auf der anderen Seite aussieht, war eben Eva jene, die die Aktivere war und als Erste hinüberschritt. Sie wollte ihrem Adam sagen: “Oh, komm, schau. Das ist wunderbar.” Eva ist also nicht einfach von sich aus im Stillen über diese Grenze geschritten. Die heutigen Menschen sollten sich doch darüber Gedanken machen, dass so etwas nicht stimmen kann. Die beiden hatten nämlich längst zuvor miteinander gesprochen. Aber es war nicht Adam, der den ersten Schritt getan hatte. Adam war noch etwas zögernd, etwas unsicher. Und seine Eva war eben diejenige, die es tat, die hinüberging. So war es. Und ich sage: Dieser Adam ist gleichwohl schuld, nicht nur die Eva.
Und hier jetzt noch etwas. Meine lieben Geschwister, all diese vielen Jahre hindurch habt ihr mich kennengelernt, mich schätzen gelernt, lieben gelernt. Wenn ihr ein wenig darüber nachdenkt, müsstet ihr doch sagen: “Unsere Lene muss doch auch gewisse Rechte haben, dass sie da kommt und zu uns spricht. Ebenso gut hätte es auch ein männliches Wesen sein können.” Also habe ich gewisse Vorrechte?
Nein, aber wir haben das, um was man in einer geordneten Welt kämpft: Wir haben Gleichberechtigung. Diese Gleichberechtigung – ich habe kein anderes Wort dafür – ist genommen worden. Nicht im Himmelreich selbst, sondern das ganze Geschehen von einst, wie es in der Geisteswelt geschehen war, ist ja durch die Propheten und durch hellsehende Menschen dargelegt worden. Es war frommen Menschen möglich, dies zu schauen. Es ist ihnen von Geistern Gottes durch Menschen erklärt worden. Es gab Menschen, die die Schau in dieses Geschehen hatten.
Als damals dieses männliche Wesen [als erstes] ins irdische Dasein getreten war, geschah das eben deshalb, weil Eva sich mehr verschuldet hatte als Adam. Aber Adam hatte sich genauso verschuldet. Und in jener Zeit des Alten Bundes, wo die Propheten zu den Menschen sprachen, waren dies zum Teil männliche Wesenheiten – ich möchte betonen: zum Teil. Danach haben sich dann Menschen die Rechte genommen, im Besonderen bedeutsam wirken zu können. Es war für sie eben das Vergehen von dieser Eva: dass sie zuerst diese Grenze überschritten habe. Doch Adam hatte davon ja längst Kenntnis gehabt.
Zu jener Zeit des Alten Bundes war es eben so, dass es zum grösseren Teil männliche Wesen waren, die sich als Propheten beim Menschen kundtaten. So glaubten dann auch wieder männliche Wesen, sie würden im Rechte stehen und sie hätten das Recht, zu sagen, was zu geschehen habe. So wurden die weiblichen Wesen zurückgedrängt. Dies geschah aber nur in der irdischen Welt.
Jetzt möchte ich noch eine andere Erklärung geben, und zwar geht es um die Söhne Gottes. In der Bibel und in der christlichen Religion wird ja nur von “Söhnen” Gottes gesprochen; unter dem Begriff “Söhne Gottes” versteht man männliche Wesen. Nun heisst es: “Alles, was geworden ist, ist durch Christus geworden.” Aber es gibt geistige Gesetze. Es wäre Christus nicht möglich gewesen, nur mit männlichen Wesen die Nachkommenschaft so entfaltungsreich aufzubauen.
Ihr könnt hier sehen, wie wichtig es ist, dass man zum Ursprung der Schöpfung zurückkehrt, ehe man glaubt, in dieser christlichen Lehre Wissen und Erkenntnis zu haben. Wer nicht zu diesen Ursprüngen zurückgeführt wird, kann nicht zur wahren Erkenntnis kommen, denn immer fehlt etwas. Vielleicht – mit der Zeit ist es möglich, dass gewisse Menschen anfangen zu überlegen und sich sagen: “Ja wirklich, das kann auf diese Weise nicht möglich gewesen sein.” Heisst es doch ganz genau in der Bibel: “Gott schuf sie zu Paaren, zwei und zwei, die genau zusammengehören” (Sir. 33, 15). Zwei und zwei – das sind die himmlischen Ehen, die im Himmel geschlossen werden. Zwei und zwei, die zusammengehören und die in ihren Gefühlen, in ihrem ganzen Denken und Wollen aufeinander abgestimmt sind. Christus ist eine Ausnahme. Christus ist das Ebenbild Gottes. Christus ist aus Gott geboren. Das ist eine Ausnahme.
So spricht man dann in der Schöpfung Gottes von den “Söhnen” Gottes. Ursprünglich wurde dieses Wort nicht verwendet. Als in der Anfangszeit die Schöpfung dem Menschen klargemacht worden ist, wurde nicht von Söhnen Gottes geredet, sondern von den hohen Fürstlichkeiten, von den hohen Fürsten. Man sprach also von Fürsten und Fürstlichkeiten. Und mit diesen Fürstlichkeiten waren eben jene gemeint, die nach Christus ins Dasein gekommen waren – jeweils ein männliches und weibliches hohes Fürstenpaar. Sie sollten doch diejenigen sein, die im Himmelreich dazu beitragen, den Himmel zu beseelen, die Familien zu schaffen. So wurde es getan, und so wurde in der ersten Zeit von den hohen Fürsten gesprochen, den höchsten Fürsten, Fürstlichkeiten, entweder in der Einzahl oder in der Mehrzahl – die Sprache war nicht so präzis, wie ihr sie heute kennt; aber man verstand, was damit gemeint war.
Diese höchsten Fürstlichkeiten waren jene, die um den Thron Gottes waren. Sie waren neben Christus die höchsten Fürsten, die höchsten Fürstlichkeiten des Himmels. Und so wurden sie von Christus unterrichtet, Christus belehrte sie. Er hatte ihnen erklärt, auf welche Art und Weise sie im Himmelreich ihre Aufgaben zu erfüllen hätten und dass durch sie dieses Himmelreich bevölkert werde. Da es im Himmelreich so eine Vielfalt gibt, unterscheiden sich diese Fürstlichkeiten im Äusseren, in ihrem geistigen Aussehen, voneinander. Sie waren und blieben der Ursprung für die weitere Entwicklung dieser Seelen, die ihnen zugehörig waren und über die sie ihre Aufgaben zu erfüllen hatten. Sie, diese höchsten Fürstlichkeiten und Fürsten, erhielten eben Familien, und die Familien weiteten sich aus. Die geistige Welt wurde durch sie entfaltet, das heisst: Christus hat im Himmelreich zum Leben das Seinige dazu getan, das Seinige gegeben, und Gott behielt sich das Seinige vor, das Wahrhaftige, Ewige, das Lebendigmachende in diesen Geistwesen. Er liess, wie ich euch auch schon erklärt habe, diesen Funken austragen. Ein Funke war es zuerst, und dieser Funke teilte sich, und der eine Teil beseelte ein männliches, der andere Teil ein weibliches Wesen. Es ist euch schon gesagt worden: Gott ist Vater und Mutter zugleich, das heisst, in Gott sind diese mütterlichen Prinzipien auch vorhanden. Das muss es ja, um Männliches wie Weibliches schaffen zu können. Diese Möglichkeit musste vorhanden sein.
Wenn ihr heute die Welt betrachtet, so wurde und wird doch vielerorts darum gekämpft, dass eine Gleichberechtigung zustande kommt. Denn im Himmelreich besteht ja diese Gleichberechtigung. Im Himmelreich zählen die inneren, geistigen Werte. Nach diesen Werten wird man taxiert, nach diesen Werten wird man belohnt. Und es ist nicht so, dass männliche Wesenheiten, die zurückkehren, mehr geistige Werte hätten als die weiblichen Wesen. Durchaus nicht.
Diese besondere Einschneidung in das Leben ist eben eine Angelegenheit der Menschen des männlichen Geschlechtes geworden. Sie haben sich durchgesetzt, sie haben sich behauptet, und sie haben versucht und versuchen es, das weibliche Wesen in seiner Stellung zu verdrängen. Diese männlichen Wesen glauben, an ihnen würde es liegen, ihre Aufgabe wäre es zu entscheiden. Aber auch hier, in dieser Beziehung, bringt die Zeit, die auf den Menschen zukommt, Klärung und führt sie auf den Weg zum Vollkommenen. Denn nur Vollkommenes kann zurückkehren – nur das, was vollkommen ist. Wer ins geistige Reich hinübertritt, wird beurteilt nach den inneren, geistigen Werten. Denn bei Gott gilt ja das Ansehen des Menschen nichts. Er oder die göttliche Welt beurteilt die Heimgekommenen nicht nach ihrem irdischen Ansehen.
So gibt man eben oder gab man diesen männlichen Wesen den Vorzug zu besonderem Ansehen. Das geschieht in eurer Welt. Wenn ihr überlegt, dass nur innere Werte zählen, dann kann nicht ein männliches Wesen, nur weil es ein männliches Wesen ist, in eine Vorzugsstellung hineinkommen. Euch wird doch immer erklärt, dass in der geistigen Welt nur die hohen inneren Werte zählen. Also gibt es ein Ringen um diesen Aufstieg. Ob es männliche Wesen sind oder weibliche Wesen, es zählt das, was am meisten dem Heilsplan Gottes dient.
Wenn dann der Zeitpunkt kommt, wo man sein anderes Du wiederfindet, dann wird man wieder vereint, und man lebt wieder in dieser Umgebung von damals. Dann wird einem der Besitz von damals wieder zurückgegeben. Und es werden einem die Aufgaben wieder übertragen, die man einst hatte, als man in Frieden und Seligkeit lebte. Man findet sich wieder zusammen, und beide Teile finden ihr gleiches Ansehen bei Gott und bei Christus. Ist die Seele geläutert, ist alles wiedergutgemacht, dann ist es ja dem Heimgekehrten verziehen, die Versöhnung hat ja stattgefunden, und so sind sie beide wieder da, mit den gleichen Rechten und Pflichten. Sie erfüllen so im Reiche Gottes ihre Aufgaben. Dann kommt es nicht mehr vor, dass einer eine besondere Stellung hat. Man arbeitet gemeinsam mit dem andern Du. Auch ich arbeite mit meinem Du zusammen. [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 22.9.1981 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1981 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1981 und 1980
Lieber Josef, wir möchten dich fragen beziehungsweise sichergehen, ob das Paradies von Adam und Eva identisch ist mit demjenigen, das Christus dem Schächer verheissen hat.
Josef: Ja, das ist identisch. Ihr habt manchmal solche Fragen, weil ihr euch eure eigenen Vorstellungen macht und dabei in zu engen Grenzen denkt. Das Paradies könnt ihr euch nicht [nach eurem Denken] örtlich begrenzt vorstellen. Ihr habt ja von der Ewigkeit oder der göttlichen Welt, von ihren Verhältnissen und ihren Weiten gar keine Ahnung. Dieses Paradies ist eine geistige Sphäre. Es war und ist heute noch eine grosse geistige Sphäre, die ihre verschiedenen – wie soll ich das bezeichnen? – schönen und weniger schönen Örtlichkeiten, Möglichkeiten oder Aussichten hat, genauso wie dies bei einer Stadt ist. Doch ihr dürft euch dies nicht zu menschlich vorstellen. Ihr möchtet eine auf das menschliche Verständnis ausgerichtete Antwort haben, aber eine solche kann ich euch nicht geben, denn es handelt sich ja um Geistiges, und das unterscheidet sich von euren Begriffen mit den Zuständen, mit den Massen und so weiter. Ich kann euch nur sagen: Das Paradies hat seine Grösse. Und es gibt in diesem Paradies Möglichkeiten, schön zu leben; anderseits gibt es aber auch Örtlichkeiten, die alles andere als angenehm sind. Das Paradies umfasst also verschiedene Örtlichkeiten, es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man dort leben kann und leben konnte.
Dazu habe ich zu bemerken: Das Paradies, in das Adam und Eva kamen, war ihnen doch als Prüfung gegeben worden. Gott glaubte, dass es anstelle dieser gewaltigen Entwicklung [die ihr jetzt in der materiellen Welt durchlauft] möglich wäre, zwei solche führenden Geister auszuwählen, deren Verhalten dann nachher bestimmend wäre für den Aufstieg der weiteren Geistgeschwister. Das Paradies war also auch eine Prüfungsstation.
Nun habt ihr euch Gedanken darüber gemacht, ob Luzifer dort Zugang gehabt habe. Wenn es in der Geisteswelt darum geht, ein Wesen zu prüfen, dann ist ihm ja zum einen sein freier Wille gegeben; zum andern aber kann durch Beeinflussung von aussen auf diesen freien Willen entscheidend eingewirkt werden. Das Wesen kann und muss sich entscheiden. Also musste Luzifer Zugang haben zu diesen Geistwesen. Die Möglichkeit bestand also, diese Geistwesen geistig, unsichtbar, zu beeinflussen zu einer Tat, etwas zu tun oder aber es zu lassen. Sie wurden sozusagen inspiriert und in dieser Weise in Versuchung geführt. Sie hatten durch ihre freie Willensentscheidung dann eben ihre innere Schwäche zum Ausdruck gebracht und hatten so – wie es euch ja erklärt worden ist – ihre Prüfung eben nicht bestanden.
Wäre jedoch das Paradies ein Stück reiner Himmel gewesen, wo nur Engel Gottes Zugang gehabt hätten, dann wären die in dieser Sphäre lebenden Wesen dementsprechend auch nur durch Engel Gottes geleitet, geführt und inspiriert worden. So hätte es aber auch keine Prüfung geben können. Diese Wesen hätten nicht entscheiden müssen, sie hätten nicht die Möglichkeit gehabt, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Diese Wesen hatten also die Möglichkeit erhalten, aus freiem Entscheid, aus freien Stücken ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Und dabei wurden sie eben von zwei Seiten inspiriert.
Kann man sagen, dass das Paradies unter dem Einflussbereich Luzifers stand, aber nicht unter seinem Herrschaftsbereich?
Josef: Ja, das ist richtig. Luzifer hatte nicht die Herrschaft über diese Wesenheiten, aber er konnte sie beeinflussen. Das ist richtig.
Darf ich dich, lieber Josef, vielleicht noch fragen: Heute hat Luzifer aber keinen Einfluss mehr auf diese Ebene?
Josef: Nein, seit der Erlösung durch Christus oder seit seinem Erdentode hat er das nicht mehr. [...]
Wenn ihr vom Paradies sprecht, habt ihr die Vorstellung, es sei etwas Himmlisches, das dem Himmel zugeordnet ist. Es waren eben geistige Sphären, geistige Ebenen, die als ein Stück Paradies bezeichnet wurden, weil es seinen Anschluss an das Göttliche haben konnte. Darum nannte man es ein Stück Paradies. Und es steht ja auch in der Bibel, dass dieses Paradies [nach nicht bestandener Prüfung der Gefallenen] geschlossen wurde. Es wurden Engel mit feurigen Schwertern aufgestellt, sodass diese Geister nicht mehr in diese Sphäre, in dieses Paradies, zurückkommen konnten. (Vgl. 1. Mose 3, 23–24.) Nicht weit davon entfernt waren andere geistige Ebenen angeschlossen. Diese geistigen Ebenen waren aber nicht in dieser Schönheit, wie ich es euch vorhin erklärt habe; sie waren angeschlossen. Doch nachdem diese Paradiesesebenen abgetrennt worden waren, gab es kein Hinübertreten mehr. Denn diese Geistwesen hätten wieder in den Teil zurückkehren wollen, den man Paradies nennt – aber das konnten sie nicht. Sie waren hinausgestossen worden, in eine andere, geistige Ebene hinein.
Das sind Dinge, die für mich so klar sind. Aber es ist schwer, euch das alles nach euren menschlichen Begriffen darzulegen. [...]
Im geistigen Reiche ist es so, dass von der Zeit an, da Christus heimkehrte, diese Sphären auch gewandelt wurden. Denn es waren doch geistige Sphären, die – ich kann vielleicht das Wort benutzen – überflüssig geworden sind, weil sie nicht mehr bevölkert wurden, weil diese geistigen Entwicklungsstufen nicht mehr notwendig waren. Denn die in diesen geistigen Sphären lebenden Wesenheiten hatten sich in ihrer Entwicklung von diesen Ebenen entfernt, sodass diese für ganz bestimmte Geister im Aufstieg sozusagen überflüssig geworden sind. Das will aber nicht heissen, dass diese geistigen Sphären dann so belassen wurden, sondern im geistigen Reiche findet eine ständige Umwandlung solcher geistigen Sphären statt.
Ich könnte es vielleicht auch so sagen: Das Paradies, von dem ihr redet, in das Christus hinübergetreten ist und von dem er dem Schächer gesagt hat: “Du wirst mit mir noch heute im Paradiese sein” – dieses Paradies, örtlich gemeint, dieser geistige Flecken, diese geistige Sphäre, sieht heute ganz anders aus. Es ist aber noch dieselbe geistige Ebene, doch ist sie in ihrem Aussehen gewandelt worden; sie hat sich verbessert, es sind schönere Dinge entfaltet worden. Somit sieht diese geistige Sphäre heute ganz anders, viel schöner aus.
Ich könnte vielleicht diesen Wandel vergleichen mit dem eurer Stadt, die vor ein paar Hundert Jahren auch ganz anders ausgesehen hat; in der Zwischenzeit sind andere Menschen gekommen und haben diese Stadt anders gestaltet. Mit neuen Ideen sind auch notwendige neue Dinge geschaffen worden. Und so ist es auch in der geistigen Welt, so war es auch mit dieser Sphäre: Die Örtlichkeit als solche ist geblieben, aber das Paradies ist heute viel schöner als dazumal; es ist jedoch noch dasselbe.
Lieber Josef, ist das Paradies oder sind diese Sphären überhaupt für uns messbare Grössen wie vergleichsweise vielleicht die irdischen?
Josef: Das ist nicht erklärbar, das kann ich nicht erklären, das könnt ihr nicht erfassen. Ich kann nur sagen, dass die aufsteigenden Geister in der Jenseitswelt immer tätig sind, immer. Und diejenigen, die sich nach oben entwickeln, die sich Mühe geben, erhalten auch den Auftrag, Sphären der geistigen Welt dementsprechend immer wieder neu zu gestalten. Das wird euch ja auch immer wieder erklärt. In der Jenseitswelt finden in diesen geistigen Sphären ständig Veränderungen statt. Und diese Veränderungen stehen im Verhältnis zum Aufstieg. Geistige Wesen, die sich in einer geistigen Sphäre betätigen, die in ihrer Entwicklung nach oben schreiten, haben auch dementsprechend höhere geistige Erkenntnisse. Sie haben bessere oder grössere Schöpferkräfte, Entfaltungskräfte. Sie können sich besser entfalten, und demgemäss gestalten sie dann auch ihre Wohnstätten.
Ihr werdet ja auch darüber orientiert, dass Geistwesen Werkstätten haben, wo sie arbeiten. In diesen Werkstätten arbeiten sie an Gegenständen, die in der geistigen Welt notwendig sind. Auch in dieser Beziehung gibt es einen Fortschritt. Diese Geistwesen haben in ihrem Aufstieg auch das Verlangen, schönere Dinge zu gestalten, ihre Welt so schön wie möglich zu gestalten, gemäss der Kraft, der Möglichkeit und der Mittel, die sie in ihrer Welt haben, in die sie hineingeführt worden sind. Aber dieses Gestalten ist nicht etwas, von dem man sagen könnte oder wie ihr glaubt, es sei allgemein der Fall, für alle bestimmt. Sondern die einen wirken mit an dieser Entfaltung, an dieser Gestaltung, und andere, die in ihrer Entwicklung etwas rückständig sind, also in eine untere Stufe dieser Sphäre gehören, führen eben eine andere Arbeit aus. Eine Sphäre hat ja verschiedene Stufen; und der jeweiligen Stufe entsprechend, in die das betreffende Wesen einkehrt, führt es seine Arbeit aus – vielleicht in einer Werkstätte eine etwas niederere Arbeit. Aber von einer solchen Arbeit profitieren wiederum höhere Geistwesen. So werden die Geistwesen voneinander abhängig gemacht, sie unterscheiden sich jedoch voneinander in ihrem Leben, das sie haben, und in der Umgebung, in der sie leben. Ich weiss nicht, ob ich mich deutlich genug ausgedrückt habe.
Kann man verstehen, was ich gesagt habe?
Ja. Vielen Dank, lieber Josef.
(Aus der Vorstandssitzung vom 14.1.1981)
Lieber Josef, du hast uns in deinem letzten Vortrag [vom 3.5.1980] erklärt, dass sich Christus nach seinem Erdentod im Paradies aufgehalten hat, in dem einst Adam und Eva mit den Ihrigen weilten. Du hast darauf hingewiesen, dass sich diese geistige Ebene des Paradieses in der Nähe der Erde befindet. Nun würde es mich interessieren, ob auch wir Menschen während der Nacht, wenn wir schlafen, uns dort aufhalten können – eben weil es eine erdnahe Sphäre ist.
Josef: Ja das stimmt, man kann dort verweilen. Es ist eine solche Ebene, in die der Menschengeist, wenn er aus dem irdischen Körper austritt, den Weg findet. Er kann sich dort aufhalten.
Und ich könnte mir vorstellen, dass auch du, da du ja mit uns verbunden bist, hie und da vielleicht dort Station machst?
Josef: Ja, und auch Lene befindet sich zeitweise in dieser Sphäre. Ich kann diesen Ort oder diese Sphäre aber nicht mit einer Grösse bezeichnen. Es handelt sich wirklich um eine grosse Geistesebene, die auch ihre verschiedenen Stufen hat. Es hat bescheidene Stufen, und es hat schönere Stufen; es hat auch sehr schöne Stufen – es heisst nicht umsonst, dass es ein Paradies ist. Es ein Paradies. Aber wie jede Stadt oder jedes Dorf bei euch auf Erden seine besseren Plätze oder seine schöneren Aussichtsorte und seine weniger schönen Orte hat, so ist es in der geistigen Ebene eben genauso.
(Aus der Vorstandssitzung vom 7.5.1980)