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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 2/2022 zum Thema Ängste
Geistige Welt 2/2022
Ängste
Beschreibung

Das Leben vieler Menschen ist von Angst geprägt – Angst, im Leben zu versagen, den Aufgaben nicht gerecht zu werden, Angst vor den Mitmenschen, der Zukunft, vor dem Sterben. Dieses Heft geht der Frage nach, warum viele Menschen ständig in Angst leben, und es zeigt auf, wie man sich im Gottvertrauen üben, wie man im Glauben und in der Hingabe an das Göttliche Kraft und Mut schöpfen und die Gewissheit gewinnen kann, im Leben und im Sterben wohlbehütet und geführt zu sein.
Geistlehrer Josef zeigt in diesem Heft auch auf, wie die Menschen der Angst vor einem Krieg begegnen können. So sollen sie Gott im Namen aller Völker stets um Frieden, Gnade und Barmherzigkeit bitten; sie sollen im Vertrauen auf seinen Beistand leben und in der Hoffnung auf Christi Verheissung: “Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt.” Und damit ist nicht eine Vernichtung der Welt gemeint, sondern die Heimkehr aller Abgefallenen zu Gott. Denn Christus ist nicht umsonst gestorben.
In einem Erlebnisbericht wird ferner dargelegt, dass ein angstvolles und bedrängtes Leben auch ein Schicksal sein kann, dessen Ursache in einem früheren Erdendasein liegt.

Themenheft 2/2022: Ängste

Inhalt
Wer auf Gott vertraut, braucht sich vor nichts zu fürchten

Josef, 13. Januar 1962

Wer auf Gott vertraut, braucht sich vor nichts zu fürchten

Die moderne Psychologie beschäftigt sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Thema der Resilienz. Der Begriff bezeichnet die seelische Widerstandskraft eines Menschen, seine innere Stärke und Fähigkeit, mit belastenden Situationen umzugehen oder schwierige Lebensumstände zu meistern. Welche Rolle spielt bei dieser Fähigkeit der Glaube? Im folgenden Vortrag erklärt Geistlehrer Josef, wie der Mensch im Gottvertrauen und in der Hingabe an das Göttliche Kraft und Mut schöpfen kann und auch die Gewissheit gewinnt, im Leben und im Sterben wohlbehütet und geführt zu sein.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wer auf Gott vertraut, nach seinem heiligen Willen lebt, braucht sich vor nichts zu fürchten. Viele der ersten Christen, die sich zum christlichen Glauben bekannten, gingen mutig einem qualvollen Tod entgegen. Sie konnten die Schwere dieses Sterbens auf sich nehmen, weil in ihrer Erinnerung der Kreuzestod des Sohnes Gottes war und sie im grossen Verlangen waren, mit ihm vereint zu werden, in seine Welt zu gelangen und von ihm angenommen zu werden. Das gab ihnen Mut, in den Tod zu gehen.

Viele Menschen ängstigen sich so sehr vor der letzten Stunde. Andere wiederum haben und kennen keine Angst vor dem Sterben; denn sie hoffen auf ein Wiedersehen mit ihren Angehörigen, und sie wissen, dass sie aufgenommen werden im göttlichen Bunde, dass sie vereint werden mit jenen, die sie verehrt haben im menschlichen Leben. Diejenigen, die sich nicht ängstigen, haben einen tiefen Glauben. Der Glaube gibt ihnen Kraft und Mut. Die Seelenwelt, in die sie eingehen werden, wird für sie kein fremdes Land sein, denn sie wünschen nicht, dort als Fremdlinge einzutreten. Vertraut soll man sich machen im menschlichen Leben mit der Welt der Wirklichkeit. So wird man keine Angst haben müssen vor all dem, was kommen wird, was man an Unangenehmem zu erleben hat, sei es im Jenseits oder im Diesseits. Der fromme und gerechte Mensch braucht sich nicht zu fürchten vor seinem Sterben.

Ich möchte euch nun von einem gläubigen und von einem ungläubigen Menschen erzählen und berichten, wie sie gelebt hatten und wie sie beide die Schwelle des Jenseits überschreiten mussten. Diese beiden Menschen kannten keine Sorgen und keine Not; beide hatten mehr als genug zum Leben und konnten sich viele Bequemlichkeiten leisten. Der eine hatte sozusagen keinen Glauben, der andere aber besass einen tiefen Glauben an Gott, an Christus und die heilige Geisterwelt.

Verschieden spielte sich das Leben dieser beiden ab. Der Ungläubige fand das Leben uninteressant. Er berauschte sich, wollte sich vergnügen, das Leben geniessen. Aber bald gab es nichts mehr, was ihn besonders erfreuen konnte. Er kannte den Sinn des Lebens nicht. Er war unzufrieden mit sich und mit seiner Umgebung. Er pflegte die Seele nicht, und Nachsicht mit den Mitmenschen hatte er ebenfalls nicht. Er war ein Herrscher und Egoist, er freute sich über das Erreichte und gab sich ganz den irdischen Vergnügen hin. Es kam dann die Zeit, wo er krank wurde und er sich mit dem Gedanken beschäftigte, dass sein Leben zu Ende gehen könnte. Da stieg in ihm die Angst auf, wie es sozusagen bei all jenen ist, die sich fürchten vor dem Ungewissen, das da kommen wird. Weil man nichts weiss und nicht glaubt, hat man Angst.

Betrachten wir den andern, den gottgläubigen Menschen, der in denselben materiellen Verhältnissen stand, dem aber das irdische Gut nicht zum Verhängnis wurde, der seine Seele pflegte, ihren Bedürfnissen nachging, der seine Gefühle zu verfeinern versuchte, dem Leben einen hohen Sinn gab und den Mitmenschen mit Verständnis und Wohlwollen gegenüberstand. Er hatte keine Angst vor dem Sterben, er wusste: “Ich trete hinüber in die Welt der Wahrheit, in das Reich Gottes, aus dem Christus, der Erlöser, gekommen und Mensch geworden ist. Christus ist aus jener Welt gekommen und hat unter den Menschen seine grosse Aufgabe erfüllt und den schweren Tod auf sich genommen.” Er dachte darüber nach, wie schön und herrlich jene andere Welt sein muss, die er so oft in der stillen Stunde erlebte. In der Zeit des Gebetes erlebte er diese Gehobenheit, das gehobene Gefühl, das ihm die Sicherheit gab, dereinst in eine bessere, schönere Welt hinüberzutreten, wenn er dem Mitmenschen verständnisvoll gegenüberstand und ihm mit Rat und Tat beistand. Er hatte dieses gehobene Gefühl, wenn er irgendwo ein gutes Werk erfüllen durfte, das in ihm eine freudige Stimmung auslöste, und er wusste dann: “Es ist meine Seele, die sich freut, es ist meine Seele, die danach verlangt, solche Werke zu tun und den Menschen dieses Verständnis entgegenzubringen.” Das irdische Gut wurde ihm nicht zum Verhängnis, denn er suchte keine weltlichen Vergnügen auf, nur um sich abzulenken und sich am Glanz der Welt zu erfreuen. Er glaubte an Gott, er glaubte an die Erlösung durch Jesus Christus und hoffte, dereinst eingehen zu können in das Reich Gottes, so wie es ihm doch jeweils in seinem täglich verrichteten Gebet vor seinem geistigen Auge veranschaulicht wurde: welche Herrlichkeit zu erleben ist in dieser andern Welt, wenn das irdische Kleid abgelegt ist und der Geist im Geistesreich weiterlebt. In diesem Hoffen und in dieser Freude erfüllte er seine tägliche Arbeit.

Sein Denken und Wollen wurde von der göttlichen Welt erkannt, und göttliche Kraft beeinflusste ihn, gab ihm Mut. Auch die Kraft der Ausdauer kräftigte ihn sozusagen in seinem Denken und Wollen. Er war auf Gott ausgerichtet, er stand als Mensch – ich möchte sagen – mit einem Fuss im Reiche Gottes. So erhielt er auch von der göttlichen Welt den Beistand und die Hilfe. Die göttlichen Wesen reichten diesem Menschen die Hände, um ihn vor Versuchungen zu bewahren, um Versuchungen von ihm wegzuführen. Sie behüteten und beschützten ihn nach besten Möglichkeiten. Sie liessen also den Segen Gottes auf ihm ruhen. Er lebte nach dem heiligen Willen Gottes, und so wandte sich auch Gott ihm zu durch seine getreuen Helfer. Sie sollten ihm zeigen, dass Gott mit ihm zufrieden war. So kam die Geisteswelt Gottes jenem Menschen entgegen und führte ihn.

Der geistig ausgerichtete Mensch fühlt, spürt ein Nahen der Himmelsboten. Er fühlt die Betreuung. Er sieht sie nicht, es ist ein inneres Erleben. Sein irdisches Auge erfasst es nicht, was sich um ihn abspielt. Das geistige Auge aber ist wach und erkennt alles Geschehen. Und der Mensch, der bereit ist, mit seiner ganzen Hingabe das Göttliche zu erfassen, kommt nun zu dieser Erkenntnis: “Ich bin wohlbehütet und wohlbetreut.” Auch wenn diese oder jene kleinen oder grösseren Unannehmlichkeiten sich ins Leben einspielen, so wird man nicht seine ganze Kraft darauf hinlenken. Denn nie vergessen darf der Mensch: Er lebt ja in einer Welt der Unvollkommenheit. Gerade der geistig ausgerichtete Mensch ist viel empfindsamer, und wenn so Unvollkommenes an ihn herangelangt, kann er enttäuscht werden. Aber er ist trotzdem in einem gewissen Vertrauen auf die göttliche Hilfe. Er wird es erfassen, dass man in einer Welt der Unvollkommenheit von den Mitmenschen nicht immer nur Angenehmes erwarten kann. Seine Seele ruft ihm zu: “Habe Verständnis, zeige dein Wohlwollen deinen Mitmenschen. Sie leben noch in Unvollkommenheit. Verbreite du das Reich Gottes, indem du Liebe und Verständnis zeigst.”

Diese Worte empfinden und in dieser Art entfalten kann wirklich nur ein in seinen Gefühlen verfeinerter Mensch – ein anderer kann mit solchen Ratschlägen nichts anfangen. Wer nicht in dieser gehobenen Stufe steht, vermag nicht, Verständnis für Schwächen des andern aufzubringen. Er kann die Worte des Erlösers nicht verstehen: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” Der materialistisch eingestellte Mensch will den andern lieben wie sich selbst, wenn der andere ihm die Vorteile bringt, die er verlangt – dann ist dieser gut Kind bei ihm. Kommt er aber zu Schaden durch den Mitmenschen, dann wird er seine rauen Gefühle, sein niederes Denken zum Ausdruck bringen. Und so unterscheidet sich doch der Ungläubige von einem gottausgerichteten Menschen. Der Ungläubige, der zum grossen Teil sich vergnügen will, der auch gewisse Interessen hat – aber nicht solche, die auf das hohe Leben ausgerichtet sind –, der will nichts ertragen. Er will in erster Linie selbst in gesicherter Stellung sein und sich überall behaupten können, wo er steht. Ich will damit nicht unbedingt sagen, dass jeder Ungläubige ein gefühlsarmer oder rauer Mensch wäre. Es geht aber bei dem Ungläubigen so unendlich viel verloren. Denn ein gehobenes Denken vereint sich auch mit dem Glauben an Gott. Es muss eine Hingabe an etwas unendlich Grosses sein. Dieser Glaube und diese Hingabe geben dem Menschen Kraft und Mut, und er selbst trachtet dann nach den hohen Zielen des Lebens.

Wenn ihr, liebe Geschwister, heute die Menschen und ihre Mentalität betrachtet, dann müsst ihr zur Einsicht kommen, wie verschieden sie sind, in welch verschiedenen geistigen Stufen sie eingereiht sind. Ihr könnt feststellen, dass jene nicht allzu häufig zu finden sind, die dem Verlangen, den Bedürfnissen der Seele nachgehen, die nur danach ruft, die Gefühle zu verfeinern. Bedenkt, dass jeder die Schwelle des Jenseits überschreiten muss und dass entsprechend seinem zurückgelegten Leben der Empfang sein wird.

Der Gläubige, von dem ich spreche, er führte sich zu Lebzeiten vor sein Auge: “Ich muss meine Seele pflegen, so wie man einen Garten pflegt, wo man besorgt ist darum, dass es ein Gedeihen gibt.” Ein Gedeihen kann es nur geben, wenn die Erde gut ist, wenn alles Notwendige zu diesem Gedeihen getroffen wird, wenn man den Garten von Unkraut säubert und alles Weitere zum Gedeihen veranlasst hat – wenn dieser gottausgerichtete Mensch sich sagt: “So wie der Garten gepflegt werden muss und seine Erde gut sein muss, so muss ich meine Seele pflegen. Das heisst, ich muss mein Denken pflegen. Nur durch gutes Denken pflege ich die Seele.” Es braucht für manchen viel Überwindung, um sein Denken so zu gestalten, dass es in einem hohen Sinne ist. So wie die gute Erde ein Gedeihen gibt, gibt erst das edle Denken des Menschen der Seele die Verfeinerung und die Kraft zur Entfaltung. Hält sich ein frommer Mensch daran, so wird er nie vom Wege abkommen, und er braucht nie Angst zu haben im Leben, was auch kommen mag, denn er fühlt sich behütet und beschützt, und er weiss: “Überschreite ich die Schwelle des Jenseits, werden mir die Gesandten Gottes entgegentreten. Sie werden über mich richten.”

Und so war es auch mit diesem Frommen, von dem ich berichte. Er zog ein in die jenseitige Welt, und die Gesandten Gottes kamen. Es kam aber nicht nur der Richterengel, sondern es kamen auch Ankläger und Verteidiger. Kommt ein Heimkehrer in die Jenseitswelt, so stellen sich diese hohen Geister des Himmels vor ihm auf. Und mancher beugt sich und zittert. Derjenige zittert, der um die Vernachlässigung seiner Seele weiss. Der Gerechte aber sagt sich: “Ich habe versucht, nach meinen besten Kräften nach dem göttlichen Willen zu handeln und zu leben. Manchmal bin ich aus Schwäche gestrauchelt. Gott möge mir vergeben.” Und wenn der Ankläger dieses Straucheln im Besonderen hervorhebt, so steht gross und mächtig der Geist Gottes in seiner Verteidigung für diesen Rückkehrer und zählt auf, was dieser Gutes getan, und er hört nicht auf, davon zu erzählen, was alles durch ihn geleistet wurde. Und dieser Verteidiger behauptet, dass es lange brauche, um seine guten Werke zu vergelten. Dann steht dem Richterengel das Wort zu. Er hat Verteidiger und Ankläger angehört, und er findet die richtigen Worte. Denn das Gute, das der Mensch im Leben tut, wird hoch bezahlt; denn das Gute ist manchmal so selten, und das Seltene hat einen hohen Wert.

So wird der Richterengel entscheiden, und er wird sagen: “Du hast gefehlt aus Schwäche. Wir kennen die Versucher dieser Welt, der Erde, und wir haben auch gewisses Verständnis für die Schwächen. Doch weil das Gute weit überwiegt, wollen wir nicht allzu viel von den Schwächen reden.” Man lässt dann den Heimgekommenen in jene Welt geleiten, wo er noch den Ausgleich finden kann, wo er diese Schwächen noch überwindet. Und dann wird man einem solchen Gläubigen die Türen öffnen im Geistigen, und man wird ihm sagen: “Die Geister Gottes werden dich führen im Himmelreich, und du wirst etwas von der Seligkeit erleben dürfen; du wirst aber noch die grössere Seligkeit erleben, als du es als Mensch im Geiste erlebt hast.”

Und so kommt ein wunderbares, nicht enden wollendes Glücksgefühl über ihn. Er erlebt den Himmel, auch wenn er seinen Aufgaben nachgeht. Er weiss, wie notwendig das Wirken aller ist; auch dieses ist ihm eine grosse Freude. Er sucht seine Verwandten und Freunde und kann unter ihnen leben – wie er es wünscht. Er wird aber nie die Ratschläge ausser Acht lassen, die ihm von den hohen Engeln Gottes gegeben wurden. Die göttliche Heimat hat sich bereit erklärt, ihn aufzunehmen. Zurückgekehrt ist er ins Reich Gottes, wo er hingehört, wo sein Platz ist. Denn im menschlichen Leben hatte er sich auf diese göttliche Heimat ausgerichtet. Wer, der ein gerechtes Leben führt, sollte sich ängstigen, in die himmlische Heimat einzutreten?

Anders steht es aber mit jenem Ungläubigen. Auch vor ihm steht der Richterengel Gottes, Ankläger und Verteidiger sind ebenfalls da. Doch der Ankläger will nicht aufhören zu reden, während der Verteidiger so wenig zu Worte kommt. Was soll er verteidigen? Einen Menschen, der nicht an Gott glaubte, der ein Egoist war, der nur auf sein eigenes Wohl bedacht war, der nicht im Frieden mit den Menschen leben konnte, der nur den Genüssen nachging? Was gibt es zu verteidigen bei einem solchen Menschen? Vielleicht hat er auch einmal eine gute Tat vollbracht. Aber diese Tat ist zu gering im Gegensatz zum andern, sie ist kein Ausgleich zum andern. Der Ankläger hat viel zu viel zu reden, und bedrückt ist der Verteidiger. Er weiss wie jeder Engel Gottes: Gerechtigkeit und Liebe kommen über jeden Heimkehrenden – ja, die Liebe, die am Anfang nicht verstanden wird. Denn diese Seele muss der Läuterung zugeführt werden, die ihr Schmerzen bereitet und ihr unangenehm ist. Aber die Liebe Gottes will es so. Denn durch diese Schmerzen, durch das Unangenehme, durch Verzicht erreicht man die Einsicht des Einzelnen. Und so kann die Seele geläutert werden, auch wenn es langsam, langsam vor sich geht. Aber die Liebe Gottes zeigt jeder Seele den Weg.

Hat einer dann den schwersten Teil des Leidens hinter sich, so gibt man ihm die Liebe Gottes zu verstehen. Man erklärt ihm, wie man ihm helfen möchte und ihm entgegenkommt, und man zeigt ihm, wie er zu wirken hat. Dann lässt man diesen Seelen manchmal die Freiheit, um sie zu prüfen. Die einen können die Prüfung bestehen, während andere durchfallen. Diejenigen, die bestanden haben, erfahren auf das Weitere die Liebe Gottes und gewinnen weiteres Verständnis für ihr Tun. Und so werden sie geführt. Doch jene, die uneinsichtig sind, die durch die Prüfung gefallen sind, sie müssen anders geführt werden. An sie kommt von Neuem Härte, und man wird ihnen nicht gleich wieder Gelegenheit zur Freiheit geben. Man wird ihnen erklären, wie schwach sie sind und was sie tun müssen, um sich zu stärken. Man zeigt ihnen in der geistigen Welt die Wege, die sie zu durchschreiten haben, diese langen und mühevollen Wege, die durchwandert werden müssen, um zu einer einigermassen geistigen Reife zu gelangen. Denn man soll nicht glauben, dass jeder, der im Jenseits ist, sich gleich bereit erklärt, alles für den Himmel zu tun. Wenn er von unten heraufkommt, fehlt ihm das Verständnis. Er kann den andern nicht in anständiger und höflicher Weise begegnen. Er hat eine raue Sprache, und rau sind seine Ausdrücke, unangenehm sein Benehmen. Diejenigen aber, die in ihrer Ausdrucksweise gleich sind, leben alle unter sich. Wer Besseres von sich geben kann, der überschreitet bald jene tiefe Stufe. Man zieht ihn empor, gibt ihm von Neuem Gelegenheit, etwas zu leisten und sich zu verbessern.

So geht es dem Gerechten gut. Er findet seine Belohnung. Und dem Ungerechten wird das zugesichert, was für ihn zum Heile ist. Und gar mancher Seele wird erklärt: “Dein letztes Erdenleben war sinnlos, nichts hast du erreicht. Wir werden dich wieder zurücksenden, und du wirst wieder auf derselben geistigen Stufe stehen. Wir werden dir Gelegenheit geben, zu beweisen, dass du in der jenseitigen Welt etwas gelernt hast.”

Und so ist ein Kommen und ein Gehen – aber diese Erde bietet dem Menschen unendlich viel Gelegenheit, sich zu verbessern. Der Nächste, der neben einem steht, gibt Gelegenheit dafür, geistig zu wachsen. Man wächst am Nächsten, ob er auf einer niederen oder ob er auf einer höheren Stufe steht. Man muss diese Erkenntnisse erlangen, um zu wissen: “Jeder Mensch, der da lebt, bietet mir Gelegenheit, an ihm zu wachsen.” Der geistig Gehobene bietet so unendlich viel Kraft und Freude; er gibt neuen Anstoss, es ihm gleichzutun. Und der auf der tiefen Stufe stehende Mensch gibt Gelegenheit, zu überwinden, Verständnis zu haben, mit Liebe zu antworten. So kann man an ihm wachsen. Das muss der Mensch erkennen. Er lebt in der Welt der Unvollkommenheit. Unvollkommene Menschen sind da. Man muss mit ihnen fertigwerden. Vielleicht hat man die Möglichkeit, diese Unvollkommenen auf eine bessere Stufe zu bringen; aber niemals mit Gewalt, nur mit Geduld, nur mit Liebe und Verständnis. So kann man in der heutigen Zeit etwas erreichen – ohne Gewalt.

So, liebe Geschwister, gab ich euch Einblick in die geistigen Gesetze Gottes und was sein heiliger Wille ist. Nach diesem heiligen Willen soll man leben und Gerechtigkeit verbreiten, Gott zur Ehre leben, damit der Himmel sich freuen kann, dass so viele Menschen auf Erden zur Ehre Gottes leben. So möge sein Segen und seine Kraft zu euch kommen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.1.1962 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Wie befreit man sich von Angst?

Lene, 20. April 1977 (Ausschnitt)

Wie befreit man sich von Angst?

Geistlehrerin Lene geht in diesem Vortrag der Ursache nach, weshalb so viele Menschen ständig in Angst leben, sei es in der Angst, im Leben zu versagen, ihren Aufgaben nicht gerecht zu werden, oder sei es in der Angst vor der Zukunft, vor dem Sterben. Lene gibt Erklärungen in ihrer geistigen Sprache anhand eines geistigen Bildes. Sie spricht vom “Thron” und vom “Schemel” in der Seele des Menschen und zeigt dabei auf, wie man sich von seinen Ängsten befreien kann.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Christus sprach: “Mein Vater und ich möchten Wohnung nehmen beim Menschen, bei euch” (vgl. Joh. 14, 23). Das ist sinnbildlich gesprochen. Ich möchte in ähnlicher Weise zu euch reden, denn ich spreche ja die Sprache des Geistes. Unsere Begriffe sind anders, wir fühlen anders. Unsere Sprache ist eben nach dem Geistigen ausgerichtet. Das ist oft mit dem menschlichen Verstand nicht aufzunehmen oder nicht so zu begreifen. Nur wenn man sich nach innen wendet, wenn man versucht, sich vom Weltlichen abzuwenden, vermag man es zu verstehen. So wird man sich darüber klar, dass es noch eine andere Sprache gibt, die auf eine andere Welt hindeutet, wo das Leben eben anders ist – und dennoch hat dieses andere Leben mit dem menschlichen Leben Ähnlichkeit.

Ich versuche – das habe ich schon oft gesagt – an euer Inwendiges heranzutreten, um mit eurem Geist, mit eurer Seele, in Verbindung zu kommen, eben an das höhere Bewusstsein im Menschen zu dringen. Das andere ist das menschliche Bewusstsein. Ich aber suche das Geistige, das in euch ist. Ich weiss, dass es manchem schwerfällt, sich auf ein anderes Denken hin umzustellen, und dementsprechend bin ich bemüht, dazu das Meinige bei euch Menschen zu leisten. Ich habe ja Verständnis dafür, dass ihr bei dieser Umstellung Schwierigkeiten habt.

Aber sagen möchte ich: Eine solche Stunde hier ist für alle eine Stunde des Heils. Es ist eine heilige Stunde. In ihr spreche ich von meiner Welt, von dem, was ich erlebe. Ich spreche von dem, was ich glaube, dass es für euch von Notwendigkeit ist, um euch geistig zu heben. Eine solche Stunde hier soll für euch eine schöne, erfreuliche Zeit sein, auch wenn ihr in eurem Denken euch etwas anstrengen müsst. Wir möchten euch im Leben begleiten. Die Worte, die ich hier zu euch rede, sollen euch in eurem Leben Begleiter sein – sie sollen mit euch sein.

Indem ich nun versuche, an den inneren Menschen heranzutreten, sage ich: In eurer Seele ist ein Thron. Das Wort “Thron” bezeugt etwas Erhabenes, etwas Gesichertes, etwas Festes, etwas Schönes, etwas Beständiges. In eurer Seele soll ein solcher Thron sein. Wie Christus sagte: “Wir wollen Wohnung bei euch nehmen”, sollt ihr in eurem Innersten eine Wohnung haben. Das heisst nichts anderes als: Habt dieselbe Gesinnung, wie sie bei Gott und bei Christus ist; seid eins mit ihnen in ihren Ansichten, in ihren Meinungen. Habt Gemeinsamkeit mit ihnen. So könnte es dann möglich sein, dass sie auch mit euch in Verbundenheit bleiben, dass man eben zusammengehört und eins ist – man hat dieselben Meinungen und dieselben Richtlinien.

Wenn ich jetzt sage, in eurer Seele sehe ich einen Thron – und diesen Thron möchte ich vergleichen mit dem Himmelreich –, könnte ich auch sagen, in eurer Seele ist ein Stück Himmelreich. Ich aber sage jetzt, in eurer Seele ist ein Thron. Diesem Throne gebe ich eben diese Richtung nach oben zum Erhabenen. Ich möchte es vergleichen mit einem Stück Himmelreich – es ist ein Thron, der ins Himmelreich hineingehört; es ist ein Thron, auf dem jemand sitzt, der höheres Bewusstsein hat, der im göttlichen Sinne wirkt, der nach oben ausgerichtet ist, der verbunden ist mit dem Göttlichen. Ich möchte jetzt sagen, dass jeder Einzelne von euch in seiner Seele einen solchen Thron hat – ich kann es mit dem höheren Bewusstsein vergleichen. Und derjenige, der auf diesem Throne sitzt – wenn ich dies bildlich sagen darf –, ist es, der da regiert, befiehlt, aber nur nach oben gelenkt, zum höheren Bewusstsein, dem Göttlichen zugewandt. Das ist das Höhere im Menschen, das nach oben Gerichtete – ein Stück Himmelreich.

Aber neben diesem Thron ist noch etwas, ein Schemel. Diesen Schemel möchte ich mit dem Weltlichen, dem Irdischen, vergleichen. Es ist die Verbundenheit zum Weltlichen. Und dort sitzt derselbe Mensch, der zeitweise in erhabener Weise auf diesem Throne denkt und wirkt. Zu gewissen Zeiten sitzt er auf diesem Thron. Erleuchtung kommt dann auf ihn zu, und er ist ganz auf das Göttliche ausgerichtet. Es ist so, als würde er nicht im Menschenleib leben, sondern entrückt in der Geisteswelt. Zeitweise geschieht das. Es geschieht dann, wenn Menschen edlen Denkens sind und wohlwollend in allen Beziehungen ausgerichtet; wenn sie göttlich sind in jeder Art und Weise, wie man erwartet, dass der himmlische Vater es mit einem ist: immer verständnisvoll, immer wieder von Neuem verzeihend, immer wieder Gnade und Barmherzigkeit zeigend, immer wieder Liebe schenkend.

Versucht, immer wieder Verständnis für den Mitmenschen zu zeigen; versucht, ihm entgegenzukommen und sein Leben zu erleichtern, ihn in der Liebe zu tragen – tut all das, was göttlich ist. Das sind die Stunden, die Tage, die der Mensch haben kann, wo er in diesem höheren Bewusstsein lebt, gehoben von dieser Welt, erleuchtet, wo er eigentlich – in unserer Sprache gesprochen – ein Engel ist. Vielleicht habe ich zu viel gesagt.

Nun kehren wir zurück zum Schemel, wo der Mensch sich zeitweise auch niedersetzt. Er steigt von seinem Thron herunter und setzt sich auf diesen Schemel. Diesen Schemel vergleiche ich mit der Welt, mit dem Menschlichen und meine damit den Menschen in seinem Wirken, in dem die Untugenden zum Ausdruck kommen. Denn ist er tiefer, erdgebunden, braucht er diesen Schemel. Einmal setzt er sich darauf, ein anderes Mal stützt er seine Füsse auf diesen Schemel, sogar dann, wenn er auf seinem Throne sitzt. Er kann also auf dem Throne sitzen und zugleich seine Füsse auf diesem Schemel abstützen. Einerseits hat er also die Möglichkeit, sein ganzes Wesen nach oben zu richten, dem Göttlichen zuzuwenden, andererseits sucht er in seiner Unsicherheit Halt und stellt seine Füsse auf diesen Schemel. Er verbindet sich mit dem Weltlichen und nimmt, was die Welt ihm zu bieten hat, was die Welt für Ansprüche stellt. Er wird schwach, willensschwach, und kann sich nicht entscheiden. Er ist unentschlossen. In ihm ist das Gute, aber er ist in der Versuchung. Er weiss nicht, was er tun soll.

Dieser Schemel ist auch in der Seele des Menschen. Und der Mensch glaubt, dass ihm gerade das einen gewissen Halt gibt, wenn er versucht, sich auf diesem Schemel abzustützen. Aber das ist falsch, der Schemel gibt ihm keinen Halt. Es ist das Irdische; der Mensch ist ja in seinem Alltag an das Irdische gebunden. Betrachtet euren Alltag, so wie er ist. Ihr möchtet nur gut und edel wirken. Mit dem besten Willen gelingt es nicht immer. Dann ist eben dieser Schemel da, den ich sinnbildlich vergleiche mit dem Weltlichen, mit dem allzu Menschlichen. Der Mensch braucht ihn, diesen Schemel, um sich abzustützen. Weshalb kann er sich nicht davon befreien? Er ist schwach und kann es nicht. Die Ursache liegt im Irdischen – ich versuche, es euch darzustellen: Es kommt so viel Angst in das Leben des Menschen. Angst ist etwas, was den Menschen krank macht an Leib und Seele. Sehr viele Menschen haben Angst, einfach Angst. Sie ist verschieden. Der eine hat Angst, im Leben zu versagen, seinen Aufgaben nicht gerecht zu werden; ein anderer hat Angst vor dem Morgen, was da kommt. Er hat einfach vor allem und jedem Angst, vor dem Leben, vor den Mitmenschen. Er lebt immer in Angst; er lebt in der Angst vor dem Heute, und er lebt in der Angst vor dem Morgen – immer hat er Angst. Er hat Angst im Allgemeinen vor dem Leben, Angst vor der Zukunft, vor dem Sterben – immer lebt er in Angst.

Das ist nämlich auch etwas, das sehr tief im Menschen ist, und der Mensch erkennt dieses Übel als solches gar nicht; er erkennt nicht, dass er sozusagen immer in Angst lebt. Er muss versuchen, sich von der Angst zu befreien und sich so wenig wie möglich dieses Schemels zu bedienen, um sich dort abzustützen. Dort soll man sich nicht abstützen, sondern man soll sich in seinem Bewusstsein, im Geiste, auf diesem Throne sehen. Er muss sich darüber klar werden, dass er verpflichtet ist, so zu wirken, wie es sich gehört, wenn er auf einem Throne sitzt.

Denn ich betrachte jetzt diesen Thron als ein Stück vom Himmel, als etwas Erhabenes. So soll man dem seine Ehre geben, und einer soll dementsprechend verpflichtet werden im Leben, wenn man ihm sagt: “Du sitzt da an deinem Platze, der dir gehört, das heisst, du gehörst ins Reich Gottes.” Man hebt den Menschen empor ins Göttliche, ins Himmlische hinein. So muss er dementsprechend sein Leben ausrichten, schalten, walten und versuchen, die Ängste zu überwinden. Er soll stark werden im Geiste und erhaben werden über die Schwächen, nicht gebunden an diese Welt, sondern erhaben über alles. Er lasse Gerechtigkeit walten in allen Dingen. Zum Vorbild muss man Gottes Güte und Gerechtigkeit haben, Wegweiser müssen sie sein. Christus zeigte den Weg zu Gott, er war Wegweiser für die Menschen, er sprach vom Vater, er sprach von der Liebe, von der Gerechtigkeit. Auch diese Liebe muss verstanden werden. Wenn sie verstanden wird, kann sie gelebt werden in der Wahrheit und in der Gerechtigkeit.

So kann man meditieren. Derjenige wird davon einen Profit haben, der sich nach innen ausrichtet, der diese Worte wirklich aufnimmt und nichts von seinen Geschäften wissen will, der nicht an das Weltliche denkt, sondern nur an die Erhabenheit.

Darüber könnte man meditieren, wenn man dem Christenmenschen, dem Geistchristen oder dem gottausgerichteten Menschen klarmacht: “Versuche, Christus nachzuleben. Dann musst du dich fragen, welche Leistungen er vollbracht hat. Bist du imstande, annähernd das zu erfüllen, was er getan hat? Er hat sich für den Mitmenschen aufgeopfert.” Ich möchte euch sagen, ihr müsst dem Mitmenschen dienen; ihr seid berufen, dafür besorgt zu sein, dass Ordnung und Harmonie bei euren Mitmenschen ist. Tut das Eurige dazu. So ihr in Verbundenheit seid mit dem Mitmenschen, ist es eure Pflicht, ihn durch euer Leben zu heben – zu heben auf diesen Thron, so er auf dem Schemel sitzt. Heben kann man den Mitmenschen, indem man das Werk Christi vorlebt, das, was er getan hat, vor Augen hat. Dann wird man sich darüber klar, warum er in dieses Menschsein gekommen ist und was er geleistet hat, wie er Zeugnis gegeben hat von seinem Vater und vom Himmel und was er den Menschen dargelegt hat. Christus sprach von der Gerechtigkeit, von der Wahrheit, er konnte immer wieder verzeihen, er gab immer wieder Liebe.

Das göttliche Wesen im Menschen sollte zu seiner Tragkraft werden. Der Mensch sollte also versuchen, sich nach Christus auszurichten, und sich nicht empören über das falsche Tun des andern. Das hat Christus auch nicht getan; er hat ja am Kreuze noch ausgerufen: “Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun” (Luk. 23, 34). Er war den Menschen nicht böse. Warum denn müssen sich die Menschen empören über das Unrecht oder über die Fehler des andern? Man soll versuchen, Verständnis zu haben mit dem andern. So muss alles auf die richtige Weise geregelt werden können im Leben – das ist möglich durch dieses erhabene Denken, dadurch dass der Geist des Menschen eine gewisse Erkenntnis besitzt und die Seele geläutert ist.

Man könnte über so vieles meditieren. Aber ich würde euch ermüden, wenn ich allzu lange auf diese Art und Weise auf euch einreden würde. Aber ich spreche hier nicht nur den äusseren Menschen an, sondern ich spreche euer Inwendiges an, euren Geist in euch.

Ich habe von der Angst gesprochen, auch über die Angst vor dem Sterben. Die Angst bleibt bei manchen, wenn sie in das Jenseits, in unser Reich, hinüberkommen. Haben sie Angst, grosse Angst, so bleibt sie auch für gewisse Zeit – weitere Angst kann noch dazukommen. Wenn man sich verlassen sieht, gibt es auch Ängste.

Ich habe anfangs gesagt, ich kann euch erklären, wie es bei uns zugeht, was ich alles erlebe, was ich alles sehe oder mit was allem ich mich beschäftige. Jetzt möchte ich auf die Wesensart des Menschen zurückkommen. Die Menschen sind doch so verschieden voneinander, die einen sind rechtgläubig, andere fanatisch gläubig, wiederum andere haben überhaupt keinen Glauben, und sie alle kommen zu uns – sie alle. Alle wollen Aufnahme haben. Man muss ihnen entgegengehen, denn sie kommen zurück, zurück ins Vaterhaus. Die einen werden mit Jubel von einer schönen Schar geistiger Wesen begleitet und in ihr Haus geführt. Von anderen nimmt man keine Notiz – man beobachtet sie wohl, aber man lässt sie selbst entscheiden. Man folgt ihnen nach, und sie müssen jene Beobachter gar nicht sehen beziehungsweise können sie nicht sehen. Sie kehren zurück ins Vaterhaus. Im Grunde genommen müsste es so sein, dass jene im Vaterhaus voller Freude sind und jubeln, wenn eines zurückkommt, das kürzere oder längere Zeit in der Ferne war. So ist bei den einen Freude über die Heimkehr. Andere wollen nicht ins Vaterhaus, sie haben Angst. So müssen sich eben göttliche Wesen jener annehmen und sie begleiten oder beobachten. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.4.1977 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Angst als Schicksal und Sühne – von den Folgen begangenen Unrechts

Josef, 5. Oktober 1963

Angst als Schicksal und Sühne – von den Folgen begangenen Unrechts

Erlebnisbericht über einen Mann, der ab dem dreissigsten Lebensjahr von unseligen Geistwesen geplagt wurde. Sie waren in seinem vorhergehenden Leben Opfer seiner Gewalttaten gewesen und suchten ihn nun heim, um sich an ihm zu rächen. Doch dank der Gnade Gottes durfte dieser bedrängte Mensch Befreiung finden.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Völker auf Erden werden von den Staatsmännern geführt und regiert, die sie gewählt haben. In der unsichtbaren Welt regiert und führt Gott mit seinem eingeborenen Sohn Jesus Christus; in der unsichtbaren Welt übt Gott seine Herrschaft über alle aus. In der sichtbaren Welt regiert der Fürst der Finsternis. Er hat Anteil und Recht am Menschen. Er versucht sich dieses Recht manchmal mit Gewalt zu verschaffen; so werden diese Menschen geführt von jenen Unsichtbaren aus der düsteren Welt, aus dem Reich der Finsternis. Diese haben Einfluss auf den Menschen und begleiten ihn durchs Leben.

Wie ihr wisst, will auch die gute Geisterwelt an den Menschen herankommen, auch sie will ihn führen. Es kommt nun ganz auf das Verhältnis an, das der Mensch hat – ob zum Reiche Gottes oder zum Reich der Finsternis. Menschen, die dem Reich der Finsternis hörig sind, werden von jenen niederen Geistern als Werkzeug benutzt und zu Eifersucht und üblen Taten aufgefordert. Missgunst und Neid sind gute Mittel für jene, die dieser Dunkelwelt angehören. Die gute Geisterwelt dagegen gibt ihrerseits Liebe und Güte und versucht diese dem Menschen nahezubringen. Es sind nun die Menschen selbst, die entscheiden, ob sie mit Liebe und Güte leben wollen, ob sie diese zum Ausdruck bringen und damit Diener der unsichtbaren göttlichen Welt werden oder ob sie sich der Eifersucht, der Missgunst, dem Hass hingeben und so Diener der niederen Geisterwelt sind. Die Menschen müssen also selbst entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen. Diese irdische Welt bietet ihnen so viel an Versuchungen, sie hat so viel Glanz und vermag manchen zu Fall zu bringen.

Nun, dass die Geister einen bedeutenden Einfluss auf den Menschen haben, das ist euch durch die vielen Erklärungen, die ihr bis anhin erhalten habt, bekannt geworden. Und so möchte ich auch in dieser Stunde ein Beispiel geben, das euch wiederum das Gesetz Gottes etwas mehr beleuchtet. Es ist sehr wichtig, dass der Mensch mit der guten Geisterwelt Gottes in Verbindung ist und das göttliche Gesetz befolgt. Es kommt aber nicht darauf an, nur zu beten, sondern man muss versuchen, in seiner gesamten Lebensweise das in Erfüllung zu bringen, was Gott gefällig ist, um wirklich ein gefälliger Diener im Heilsplan Gottes zu sein. Es ist sehr bedeutend, auf welcher Seite man in diesem menschlichen Leben steht, ob man nicht überwinden kann, immer wieder strauchelt und Werkzeug der niederen Geisterwelt wird.

So will ich jetzt von einem Gefangenenwärter erzählen, und was ich nun berichte, geschah vor circa 300 Jahren. Da war also ein Mann, der hatte Gefangene zu betreuen. Er selbst, er quälte diese Gefangenen, denn er war ein ganz primitiver Mensch, wie ihr es heute sagen würdet. Er liess sich manchmal sogar durch Bestechung dazu verleiten, diesen oder jenen Gefangenen umzubringen. Man fragte damals nicht lange nach der Todesursache, und so wurde es auch nicht ans Tageslicht gebracht, warum dieser oder jener gestorben war. Ja man war eher froh, wenn man sie nicht mehr betreuen musste. So hatte sich dieser Mann wahrhaftig aufs Schwerste belastet. Er hatte Menschen beseitigt, er hatte aber auch Gefangene misshandelt, geplagt bei jeder Gelegenheit. Er hatte ihnen das sonst schon schwere Leben noch schwerer gestaltet. Wohl waren es arme Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren, aber er hatte kein Verständnis für ihre seelische Not und hatte sie dementsprechend behandelt.

Nun hielt auch er Einkehr in jene unsichtbare Welt, in die Geisterwelt Gottes. Auch er kam unter die Herrschaft des Herrn, und man war von ihm wahrlich nicht begeistert. Nun standen all jene bereit, die er im Leben umgebracht hatte, die also vor ihm in die jenseitige Welt eingetreten waren. Sie waren noch durchdrungen von Hass und warteten auf ihn, um Vergeltung zu üben. Die hohe Geisteswelt hatte dies längst gesehen, und sie liess den Dingen freien Lauf. So kam der Heimgekehrte ja zu seinesgleichen, denn jene andern waren ebenfalls unselige Geister. Sie hatten sich im Erdenleben auch durch irgendwelche Untat schwer belastet, und sie wurden durch die Art, wie sie zu Tode gekommen waren, noch mehr erfüllt von Hass, da sie ja ihrem Mörder nicht vergeben konnten. Sie kamen alle sozusagen in dieselbe Sphäre, hatten nebeneinander zu leben und machten sich wahrhaftig gegenseitig das Leben schwer.

Nun hatten aber jene, die im Leben geplagt und umgebracht worden waren, sich zusammengetan und wollten nun ihrem einstigen Verfolger dementsprechend begegnen. Sie wussten darum, dass man in ein weiteres Erdenleben geführt werden sollte, und sie warteten nur den Zeitpunkt ab, bis es für jenen andern so weit sein sollte. Sie waren voller Hoffnung, dass sie nicht vor ihm in das irdische Leben zu treten hätten, dass es ihnen ermöglicht würde, noch in der Geisteswelt zu bleiben, sodass sie dann ihren Einfluss auf ihn ausüben könnten, wenn er wieder im Erdenleben stünde – dann wollten sie ihm, der sie einst verfolgt hatte, Verfolger sein. Sie hatten sich also zum Bunde zusammengetan, und sie konnten warten ...

Und so geschah es, dass jener, der sich so schwer belastet hatte, frühzeitig ins irdische Leben befohlen wurde. Die Gotteswelt wollte ihm ja Gelegenheit geben, sich auf dem schnelleren Wege bessern zu können – ein neues Erdenleben zeigte ihm den Weg dafür. Man hatte diesen Menschen nicht im Besonderen für ein Karma gezeichnet; denn man sah den Willen der andern, den sie ausführen würden, und man liess es so geschehen – jene sollten nun ihre Macht an ihm ausüben. Dagegen war aber die hohe Geisteswelt dennoch eingeschritten, und zwar hatte sie diesem, der nun in ein neues Leben treten sollte, eine sogenannte Schonungszeit gegeben. Bis zu seinem dreissigsten Lebensjahr sollten diese unseligen Geister nicht das Recht haben, an diesen Menschen heranzudringen. Die Geisterwelt Gottes weiss es ganz genau, was die Unseligen im Schilde führen mit einem solchen Menschen und in welchem Ausmass es geschehen wird; und so betrachtet sie dies als Strafe genug für ihn und zeichnet ihn nicht im Weiteren für ein Schicksal. Wohl wacht das geistige Auge auch über einen solchen belasteten Menschen, denn auch er wird von einem Schutzgeist in diese irdische Welt begleitet.

So sollte es mit diesem Bruder geschehen. Nichts Besonderes ereignete sich bis zu seinem dreissigsten Lebensjahr. Aber dann kamen sie, sie alle, die sich zusammengetan hatten in einem Bund. Sie wollten jetzt an diesen Menschen herandringen und ihm Verfolger werden, wie er es einst bei ihnen getan. Wie dies geschieht, möchte ich schildern. Zuerst stellen sie sich ihm vor, und dies geschieht, wenn sich sein Geist im Schlafe etwas löst. Da nehmen sie den Kontakt mit ihm auf und stellen sich ihm vor: “Wir sind jene, die du einst gequält und umgebracht hast, und wir haben mit dir etwas zu bereinigen.” Dieser Menschengeist erkennt sie, und es wird ihm angst und bange. Er sagt, er erflehe die Hilfe Gottes für sich. Sie aber erwidern: “Es hilft dir nichts. Deine Schonungszeit ist an dir vorübergegangen, und es hat sich keine besondere Gnade für dich ausgelöst. Uns ist jetzt das Recht zugestanden, wir werden dich in Zukunft begleiten.”

So unterhalten sie sich mit diesem Menschengeist, und ihm wird bange darüber. Noch mag von dieser ersten Begegnung nichts in das Bewusstsein des äusseren Menschen zu kommen. Diese Unseligen werden nun immer wieder eine Zeit vorüberstreichen lassen und dann wieder erscheinen. Sie stellen sich ihm aufs Neue vor und sagen wieder dasselbe: “Wir haben noch etwas mit dir zu bereinigen.” Nun aber wird ihm immer mehr angst, denn er weiss, dass es nicht nur flüchtige Worte und Drohungen sind. Er ahnt nun, dass sie das, was sie sagen, auch erfüllen werden. So wird ihm immer mehr angst und bange, und von dieser Angst dringt langsam etwas in sein Bewusstsein hinein. Von Unruhe und von Angst wird der Mensch geplagt, und er weiss nicht warum. Er sagt, er habe keinen Grund, es würde ihm im Leben gut gehen. Und die Angehörigen trösten ihn, und sie raten ihm, irgendwohin zu gehen und sich Ablenkung zu verschaffen, Erholung zu suchen. Er befolgt diesen Rat, doch am neuen Ort ist wieder dasselbe. Wieder wird er unsicher und unruhig, wieder wird er von Ängsten geplagt, und er will nur noch nach Hause gehen. So kehrt er wieder nach Hause zurück, und er hat sich nicht erholt.

Diese Angstgefühle, diese Unsicherheit dringen immer mehr durch. Es wird immer schlimmer, und er muss seine Arbeit niederlegen. Die Besuche seiner Verfolger werden nun regelmässig, und diese drohen ihm immer mehr. Sie halten es ihm vor, auf welche Art und Weise er sie einst geplagt hatte, und sagen ihm, dass sie es mit ihm gleichfalls tun würden, dass sie ihm gar nichts schuldig bleiben würden. Und ihm wird immer mehr angst und bange, und so dringt dieses Gefühl immer mehr in sein Bewusstsein, doch von den Gesprächen selbst weiss er nichts. Nur die Angst, die seine Seele erfüllt hat, tritt in das Bewusstsein.

Nun fängt aber bei der nächsten Begegnung dieser Menschengeist an zu toben und zu wüten. Er fängt an zu schreien, und der Mensch hat keine ruhigen Nächte mehr. Er kann nicht mehr schlafen. Die Angst plagt ihn so, und er tobt und schreit, ja die Angehörigen greift er an. Er ist bösartig geworden. Noch sind seine Verfolger aber nicht in ihn eingedrungen, noch erlebt er erst die Drohungen, und er wehrt sich gegen diese. Er wird wütend gegen jene, er wird wütend gegen alles, was ihm begegnet. Er greift Menschen an und vernichtet Dinge, die herumstehen. Die Angehörigen gehen zum Arzt, und der Arzt empfiehlt, dass man diesen Menschen in eine Nervenheilanstalt einliefern soll.

Davon hören jetzt die andern, was man gedenkt, mit ihm zu tun, dass man ihn in ärztliche Behandlung geben, künstliche Mittel zur Beruhigung anwenden will. Nun aber nehmen sie sich vor, eine Zeit lang von ihm abzulassen. Er wird in die Heilanstalt eingeliefert, und es wird vorübergehend gut. Man gibt ihm Mittel zur Beruhigung. Eigentlich würde er sie gar nicht brauchen, denn seine Verfolger haben von ihm abgelassen – nur vorübergehend –, sie wollen seine Mitmenschen täuschen. Dann, weil es besser geworden ist, schickt man diesen Menschen wieder nach Hause. Und jetzt sind diese Unseligen wieder bereit, mit ihm zu reden, und sie erklären ihm: “Du sollst ja nicht glauben, dass du gesund bist. Erst jetzt werden wir von dir Besitz ergreifen. Bis jetzt hast du aus deiner eigenen Kraft und aus deiner eigenen Auflehnung heraus dich an den Angehörigen vergriffen; aber jetzt werden wir deinen Geist zur Seite stellen, und wir nehmen jetzt von deinem Körper Besitz.”

Dieser Menschgeist wusste nun, dass er sich dagegen nicht mehr wehren konnte. Er war allein, und die andern waren in der Mehrzahl. So wurde er immer verhöhnt, und er musste sehen, wie abwechslungsweise der eine und der andere sozusagen in seinem Körper regierte und dass ihm nur ganz wenig Zeit zur Verfügung stand, über seinen Körper Herr zu werden. Und so trieben sie es immer schlimmer mit ihm. Dieser Mensch musste wieder in eine Heilanstalt eingeliefert werden. Seine Verfolger wussten es, aber das, was nun mit diesem Menschen geschah, konnte ihnen ja nichts anhaben. In der Anstalt wurde wiederum versucht, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln diesen Körper zu beruhigen. Natürlich gelang das den Menschen, aber die Verfolger wussten, dass diese Beruhigung nur so lange dauern würde, solange diese Mittel wirkten. Dann würden sie von Neuem in den Menschen eindringen können und wieder anfangen, aus ihm heraus zu wirken und seinen Geist, den wirklichen Besitzer dieses Körpers, zu ärgern und zu schädigen. Das kann getan werden sozusagen bis zum Lebensende eines solchen Menschen.

Anderseits aber kann es andere Einflüsse geben, die eine bedeutende Rolle spielen. Wenn zum Beispiel Angehörige eines solchen Menschen beten und wenn ihr Gebet aufgenommen werden kann, weil es Gott gefällig ist, dann kann Milderung oder ganze Gesundung eintreten. Im Weiteren können auch jenseitige Wesen ihren Dienst an solchen Seelen erfüllen und für eine solche Seele beten, sie können um Gnade bitten. Die Geisterwelt Gottes kann auch ein Einsehen haben und kann ebenfalls diesem Menschen entweder Milderung oder ganze Heilung schenken. Heilung heisst diesem Menschen Gnade geben zu seiner Gesundung. Das ist wieder ein Weg. Ein weiterer Weg ist, dass ein Angehöriges, das in der Jenseitswelt ist, für das Betreffende nicht nur betet, sondern bereit ist, etwas von seiner Last auf sich zu nehmen, indem es eine schwerere Arbeit verrichtet, im Heils- und Ordnungsplan Gottes weitere Dienste leistet und dafür vielleicht aus dem schöneren Leben heraustritt und in die düstere Welt der Unseligen hinabsteigt und jenen beisteht, um damit sozusagen etwas von der schweren Last des Angehörigen auf sich zu nehmen und abzutragen. Wenn das von der hohen Geisteswelt erlaubt wird, kann es auch geschehen, dass Gnade gegeben wird und es also zu einer Besserung oder vollkommenen Heilung kommt.

Wenn ich sage, dass ein Angehöriges ein Stück von der Last des Leidenden auf sich nimmt, so will das heissen, dass dann die Last des Betreffenden, wenn er in die Jenseitswelt kommt, geringer geworden ist, weil man ein Stück davon weggenommen hat. Es ist das, was euch immer wieder erklärt wird: Es gibt Vergehen, die bis zum letzten Heller abbezahlt werden müssen; aber es kann zu einem unseligen Menschen auch eine Gnade leuchten. Dabei wird auch in Betracht gezogen, wie er sein Leben – wie jetzt in diesem Falle bis zu seinem dreissigsten Lebensjahr – aufgebaut hat, wie seine Einstellung zu Gott ist, in welchem Verhältnis er also lebt, was für Bindungen er zur göttlichen Welt hat. Dies alles wird mit eine bedeutende Rolle spielen, wenn diese Gnade ausgesprochen werden soll.

So geschah es bei diesem, von dem ich erzähle. Da hatte ein Angehöriges in der Jenseitswelt ein Stück seiner Last auf sich genommen und ist in die Tiefe zu den unseligen Geschwistern gestiegen und hat dort eine bedeutende Aufgabe erfüllt. Somit mussten nun diese Verfolger zurücktreten – zurücktreten, aber nicht ganz von ihm ablassen. Sie durften nicht mehr in diesem Masse wirken, wie sie es getan hatten. Dieser Mensch konnte wieder nach Hause zurückkehren, er konnte wieder arbeiten, aber man konnte ihn nicht mehr so als vollwertig in die menschliche Gesellschaft einreihen. Aber die Angehörigen wollten zufrieden sein, dass in diesem Sinne eine Besserung bei ihm eingetreten war. Die Verfolger standen aber immer noch neben ihm; sie hatten ja ihre Boshaftigkeit noch nicht abgelegt.

Wenn nun die Angehörigen eines solchen Menschen immer weiter beten für ihn und dabei Gott keine Befehle geben, was er zu tun hätte, sondern ihn bitten, er möge gnädigst überall seinen heiligen Willen erfüllen lassen, dann kann ein Weiteres geschehen: Es können von der unsichtbaren Welt aus Missionsgeister zu jenen Verfolgern hingehen und sie inständig bitten, abzulassen von diesem Bruder. Sie können ihnen erklären, dass sie ihm vergeben müssen, denn solange ihr Wesen von Hass erfüllt sei, würden sie selbst nicht aufsteigen können, und ihre Unversöhnlichkeit würde ihnen in einem zukünftigen Leben zum grossen Schaden werden.

Wenn jene die Gnade haben, auf die Worte dieser Missionsgeister zu hören, dann lassen sie von diesem Menschen ab. Sie können es freiwillig tun, indem sie sagen: “Ja, wir haben ihm lange genug geschadet, und es wäre wohl wichtig für uns, dass auch wir den Weg nach oben finden.” Das ist der eine Weg, der zur Verfügung steht. Dass solche Unseligen freiwillig zurücktreten, das ist wohl ein bedeutendes Unternehmen. Sie können aber auch beharrlich auf ihrem Posten stehen, und so können sie auch mit Gewalt von der Geisterwelt Gottes weggeführt werden, die es ihnen nicht mehr erlaubt, an diesen Menschen heranzugehen. Die Geisterwelt Gottes bannt dann diese Wesen an deren Ort in der Jenseitswelt und gibt ihnen keine Möglichkeit mehr, die Nähe dieses Menschen aufzusuchen; sie unterbindet also diesen Weg.

Dieses gewaltsame Eingreifen wird jenen Verfolgern vorher angedeutet. Sie werden gebeten, sich freiwillig zurückzuziehen. Tun sie es, so wird es zu ihrem eigenen Heile sein. Schenken sie diesen Worten aber nicht Gehör, dann wird diesen mit Gewalt Nachdruck verschafft, und zwar so, dass sie diesem Bruder nicht mehr begegnen können. Die Wege werden getrennt, und sie werden ihm auch bei seiner Einkehr in die Geisteswelt nicht mehr begegnen. Erst später, viel, viel später, wenn sie selbst so geläutert und so einsichtig geworden sind, dass sie bereit sind, ihm die Hand zum Frieden zu reichen, kann eine solche Begegnung wieder stattfinden.

Bei diesem Menschen, von dem ich berichte, war es nun so: Gewaltsam wurden seine Verfolger zurückgedrängt und gebunden, da sie nicht aus freien Stücken von ihm ablassen wollten. Als dann das Leben dieses Betreffenden vorüber war auf dieser Erde und er wieder in das unsichtbare Reich eintrat, unter die Herrschaft Gottes, da hatte er durch sein leidvolles Leben etwas von seiner grossen Schuld abgetragen. Ein weiteres Stück von seiner Schuld hatte eines seiner Angehörigen aus Liebe und Mitleid auf sich genommen, und ein weiteres Stück ist ihm vergeben worden durch die Liebe Christi. So konnte man ihm sagen, als man ihn in der Jenseitswelt wieder empfing: “Du sollst jetzt frei sein von jener Last und neu beginnen können. Und du sollst beweisen, dass du fähig bist, für das Reich Gottes zu wirken und zu leben. Aber ehe du wieder in ein neues Erdenleben treten wirst, sollst du in der Jenseitswelt noch etwas Erholung finden.” Man wollte ihn also nicht etwa bestrafen, aber man wollte ihn auch nicht mit Reichtümern beehren. Man führte ihn in ein Haus, wo er gepflegt wurde, wie es euch schon öfters erklärt wurde. Denn in seiner Seele waren noch Wunden, die geheilt werden mussten. Er sollte von der wahrhaftigen Liebe und Gnade Gottes etwas erleben dürfen. Man gönnte ihm eine lange Zeit des Schlafes. Und dann sollte er Kontakt haben können mit Engeln Gottes, die ihn in der göttlichen Ordnung unterrichteten.

Man wird ihm dann erzählen von der grossen Gnade, und man wird ihm auch erklären, warum Jesus Christus Mensch geworden war. Und er wird es verstehen, warum der Sohn Gottes, als er in die Welt kam, von den Menschen nicht angenommen wurde. Er wird es verstehen, denn er weiss, dass er selbst von jenen aus dem Reich der Dunkelheit geplagt wurde, dass jene unseligen Geister, mit denen er im Bunde stand durch ein früheres, schwer belastetes Leben, ihn geschädigt und ihm nachgestellt hatten. Jetzt ist es ihm klar, dass auch der Gottessohn von den Geistern aus dem Reich Luzifers versucht worden ist. Und jetzt ist es ihm klar, dass auch die Menschen, die damals, zur Zeit Christi, lebten, von unseligen Geistern besetzt und deren Werkzeuge waren.

So wollte er nun alles daransetzen, seinen Weg nach oben zu beschleunigen. Dankbar nahm er alles entgegen, was man ihm angeboten hatte. Er konnte jetzt unter der Herrschaft Gottes, im Reiche Gottes, seine Ruhe finden, weil er von seiner Last abgetragen hatte und weil er die Gnade Gottes geniessen durfte, weil für ihn Menschen gebetet und Angehörige im Jenseits etwas von seiner Schuld mitgetragen hatten. So konnte er verstehen, warum Christus diese grosse Aufgabe erfüllen konnte. Christus stand im Dienste Gottes, im Dienst am Nächsten, er wollte allen Geschwistern helfen, denn aus ihm drang wahrhaftig Liebe.

So blieb dieser Bruder der Geisterwelt Gottes dankbar. Wohl hatte er ein schweres Leben zurückgelegt; als Geist hatte er noch viel mehr gelitten denn als Mensch. Nun hatte er es in der Jenseitswelt leichter, er hatte seine Schulden abgetragen. Das aber bedeutete für ihn nicht, dass er in die hohen Sphären aufgestiegen wäre. Doch er konnte ein friedvolles geistiges Leben einnehmen, und er konnte sich gut auf ein weiteres, wertvolles Erdenleben vorbereiten. Seine Seele wurde geläutert, seine Gefühle von Hass und Neid befreit. So konnte er seinen Aufstieg antreten.

So, liebe Geschwister, habt ihr wieder Einsicht bekommen in das göttliche Gesetz, wie wunderbar einerseits die Gnade Gottes wirkt, wie anderseits aber auch eine gewisse Härte sich im menschlichen Leben entfalten kann und mancher Mensch durch einen schweren Weg zu gehen hat. Würde aber die Menschheit verstehen, ihr Bündnis mit Gott und seiner heiligen Geisteswelt enger zu schliessen, würde sie vielen, vielen unglücklichen Menschen helfen können. Diese würden befreit werden können von ihren Angstgefühlen, und sie könnten zugleich sich selbst helfen. Indem sie andern helfen, dienen sie sich selbst. Indem sie andern den Weg nach oben freilegen, gehen auch sie mit weiten Schritten den Höhen entgegen, weil sie das Gesetz der Liebe, der Gnade Gottes erkannt haben und in Erfüllung bringen.

So, liebe Geschwister, möge auch der Segen Gottes über euch alle kommen. Möget ihr behütet sein und bewahrt bleiben vor allen Bedrängnissen jeder Art. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 5.10.1963 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Fragen an Geistlehrer Josef

Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1950 bis 1982

Fragen an Geistlehrer Josef

Lieber Josef, von unserer Regierung wird gewünscht, dass wir schon wieder Notvorräte anlegen sollen, was in der Bevölkerung eine grosse Angst ausgelöst hat. Wie können wir von unserer Seite aus beruhigend wirken?

Josef: Liebe Freunde, um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas weiter ausholen. Nicht umsonst sagen die Menschen: “Es liegt etwas in der Luft.” So hat sich in der letzten Zeit etwas herangebildet: Es sind diese vielen Gedanken und Worte aus wirklicher Angst vor dem Kriege. Von so vielen Menschen bilden sich dunkle Kerne, und diese sammeln sich in einer bestimmten Sphäre an. All diese verängstigten Menschen setzen etwas hinzu zu diesem grossen Knäuel – er wird immer grösser und zu einer Art glühender Masse, die wieder überallhin ihre Kraft aussendet und damit diese irrigen und schlechten Gedanken an den Krieg noch mehr bestärkt.

Nun gibt es aber auch Menschen, in deren Seele eine solche Feinheit und Gotteskraft ist, dass sie Gott immer um Frieden, Gnade und Barmherzigkeit bitten für alle Menschen. Diese Gebete, guten Gedanken und Wünsche dieser Menschen bilden ebenfalls eine grosse Form. Ein solcher inniger Gedanke ist wirklich wie eine glühende Kohle, die die Grösse einer Faust hat. Diese Formen wandern in eurer Sphäre umher, und auch sie sammeln sich an einem bestimmten Ort. So wird dann jene grosse Form, die sich gebildet hat, Splitter in jene andere glühende Form hineinsenden und sie auflösen. Diese ganze glühende Form von guten Gedanken und Gebeten kann aber auch in die andere Form hineinfahren und sie ganz zersplittern. Durch die Gebete für den Frieden kann so die Gefahr wieder beseitigt werden. Es kann aber auch sein, dass zu wenig von dieser göttlichen Kraft vorhanden ist, sodass das Böse nicht aufgelöst werden kann, weil es schon zu stark geworden ist. Wenn nur wenig für den Frieden gebetet wird, gehen nur wenige Splitter in diesen Knäuel hinein, und die Wirkung ist dann zu klein. Ihr könnt somit sehen, dass ihr es nie unterlassen sollt, für den Frieden zu beten und für die Gerechtigkeit und die Gnade. Diese Formen des Gebets spenden viel Kraft.

Nun, liebe Freunde, muss ich aber zu eurer Frage zurückkehren. So will ich euch ein Bild geben: In der geistigen Sphäre sind schöne Engel beisammen. Sie beraten, und der eine sagt: “Was glaubst du, wird der Friede erhalten bleiben?” Ein anderer fügt bei: “So viel Wille zum Schlechten ist da, und ich traue dieser Sache nicht.” Sie wissen, dass sie im Hause Gottes den richtigen Bescheid bekommen. Welche Antwort werden diese Engel Gottes dort bekommen? Gott wird ihnen sagen: “Es soll Gerechtigkeit herrschen auf der Erde. Ich habe diesen Menschen so viel Liebe gespendet und spende ihnen jeden Tag Liebe, Güte und Barmherzigkeit. Nun sollen sie selbst entscheiden, ob sie mit dieser Liebe, Gnade und Barmherzigkeit arbeiten wollen oder ob sie nur mit dem arbeiten wollen, was ihnen von unten gegeben wird.”

Dieses wird den Menschen überlassen. Gott kann aber auch sagen: “So viele Gebete von so vielen lieben Menschen strömen zum Himmel; ich lasse es bis zu einem bestimmten Punkt kommen, aber dann, liebe Engel, werde ich euch mit viel Kraft ausstatten, und alles Böse wird vernichtet werden.” Ihr könnt sehen, wie hier der freie Wille des Menschen massgebend ist. So wie die Engel Gottes auf diese Menschen niederschauen und nicht beurteilen können, was die Menschen morgen oder übermorgen tun, können sie im Hause Gottes fragen und im Plan nachsehen, was festgezeichnet ist. Gott wird dann oder dann einschreiten, um seine Kraft und seinen Segen zu spenden – oder er lässt diese Mächte der Tiefe arbeiten bis aufs Äusserste. Dann wird er seine Hand über die Erde halten und sagen, dass es genug ist.

Diese Kriege, dieses Treiben und dieses Unglück, das den Menschen auch gegeben werden muss, dienen ihnen andererseits wieder zum Fortschritt. Denn wenn Gott erkennen würde, dass dieses Erdulden den Menschen unnütz wäre, würde er es nicht so zulassen. Gott ist ein Vater der Liebe, der Gerechtigkeit und der Güte; er lässt die Menschen nicht umsonst leiden. Leiden und Unglück müssen auf der einen Seite wieder zum Fortschritt für das Haus Gottes dienen. Die Menschen müssen sich aus diesem Chaos herausschaffen und hell, gestärkt daraus hervorgehen und sich dann für das Haus Gottes entscheiden. Es ist der Wille des Herrn, dass so vieles über diese Erde komme, und zwar nur für den Fortschritt der Menschen. Sie müssen dies erkennen und beurteilen können. Aber sie kennen die Liebe nicht, die sie jeden Tag erhalten, das Brot, das ihnen gesendet wird, und sie sehen nicht immer diese Schönheit und Herrlichkeit, in der der Mensch lebt. Er beachtet das nicht einmal. Er geht nur so dahin und fragt nicht nach dem Schöpfer dieser Herrlichkeit.

Wenn in dieser Zeit schon diese Unsicherheit herrscht, so möchte ich jenen Freunden sagen, die für diese geistige Sache gearbeitet haben und dafür wirklich einstehen, dass sie beschützt sind an Leib und Seele. Liebe Freunde, so kann ich euch jetzt den Rat geben: Betet um Gnade, betet im Namen aller Völker, betet für jene, die es eben nicht tun. Sagt es Gott, dass er euch euer Gebet anrechne für alle Menschen, dass er es aufnehmen soll, und er wird es tun.

So können die Menschen wohl gar nicht erkennen, von wo dieser Lichtstrahl kommt, der dieses grosse Unglück verhütet. So glauben dann irgendwelche Menschen, das Recht für sich beanspruchen zu dürfen, den Frieden bereitet zu haben. Dabei hatten jene betenden Menschen dazu beigetragen, die kein Menschenauge beachtet hat. Nur Gott weiss es – und von jenen Betenden ist eine ungeheure Kraft ausgegangen. Ihr Verdienst ist auf eine wunderbare Weise festgezeichnet in der geistigen Welt. Nur dort zählt es, liebe Freunde, was ihr geistig erarbeitet. Das werdet ihr einmal erfahren dürfen. So möchte ich euch sagen: Seid ruhig – was auch kommen mag, der Segen Gottes ist mit euch.

Auf Wunsch eines Teilnehmers spricht Josef ein Gebet für den Frieden:

Herr Jesus Christus, wir rufen, wir bitten Dich, komm in unsere Mitte. Wir wollen Deinen Segen empfangen, den Du aus dem Hause Gottes bringst. In Deinem Namen, Jesus Christus, wollen wir alle wirken. Alle Wesen, überall, wollen den Segen weitergeben, den Du uns spendest. So breite Deine Hände aus über die ganze Erde. Sende Gnade und Barmherzigkeit überallhin. Nimm das Bitten auf von jedem Munde. Trage es zum Hause Gottes, zum Altare Gottes. Das Bitten und das Gebet sollen sein von allen Menschen, auf dass Du Deine Engel sendest in die tiefsten Tiefen hinunter. Dass Du jenen die Kraft und die Macht bannst, dass alle Menschen auf Erden Deine Diener werden.

Du, Herr Jesus Christus, weile immer bei uns. Gehe durch diese Erde, gib den Menschen den Segen überall. Sei allen Menschen gnädig und barmherzig. Sende Deine Kraft zu allen kranken Freunden, die Dich um Stärke bitten. Der Segen des Herrn komme über alle Freunde, über die ganze Erde. Der Segen des Herrn dringe in diese Tiefe. Friede und Glückseligkeit sei in dir, um dich und in deinem ganzen Hause. Wo du gehst und wo du stehst, sei Friede und Glückseligkeit. Das bringen dir die Engel Gottes. (1950)

Lieber Josef, wenn sehr viele Menschen zusammen Angst haben, zum Beispiel vor dem Krieg, gibt es dann auch solche “Kerne”, die wahrgenommen werden können?

Josef: Ja, so ist es auch. Wenn viele Menschen ein und denselben Gedanken haben, so senden sie auch von diesen Kernen aus. Es sind kleine Lichtspuren, und diese finden sich alle zusammen. Es gibt dann einen grossen Knäuel, wenn die Menschen beispielsweise vor Krieg Angst haben. Ihr selbst sagt dann: “Es ist irgendetwas in der Luft.” Ja, es ist etwas in der Luft. Die Menschen verarbeiten diese Lichtknoten, und sie werden an einem bestimmten Punkt gesammelt. Dann kann sich das auslösen, was die Menschen befürchten, und es wird zu einem Chaos kommen. Wenn aber andere Menschen mit anderen Leuchtspuren, ihren Gedanken des Friedens, in diesen Knäuel hineinfahren, so kann dieser zerplatzen, und die Gefahr geht vorüber. Das Gebet, das eine ungeheure Kraft besitzt, besteht nicht aus solchen Kernen, sondern es stellt einen breiten Strahl dar, der eine unendliche Kraft haben kann, wenn es aus dem Innersten eines Menschen kommt, wenn es hier [Josef zeigt auf die Brust des Mediums, wo der Kern des geistigen Feldes liegt] verarbeitet wird, wenn es hier entsteht. Diese Kraft wird nach aussen geschleudert und kann das andere, die Zusammenballung der genannten Kerne, teilen, schneiden, zerlegen und vollständig auflösen. Diese Kerne der Unruhe, die in der Luft liegen, können also vollständig aufgelöst werden.

Durch positives Denken an den Frieden?

Josef: Ja, aber auch durch das Gebet. Die Menschen sollten nicht immer an den Krieg denken. Sie sollten vielmehr Gebete senden und Gottes Barmherzigkeit herbeirufen. Gott ist doch ein Gott der Güte, der Liebe und der Barmherzigkeit. Wenn die Menschen für andere Völker beten und Gottes Barmherzigkeit herbeirufen, so ist es Gott sehr daran gelegen, diese Barmherzigkeit zu senden, denn Gott will nicht das Verderben der Menschen. Jedoch müssen auch Prüfungen über die Menschen kommen. (1950)

Lieber Josef, du hast in einer Fragebeantwortung die militärische Abwehrkraft der Schweiz befürwortet. Wenn ich mich aber frage: “Was hätte Jesus Christus getan?”, so kann ich mir nicht vorstellen, dass er das Abwehrschwert zur Hand genommen hätte.

Josef: Lieber Freund, Christus hat solchen Menschen, die in ihrer Entwicklung so weit zurückgeblieben und nicht guten Willens waren, oft sehr scharfe Worte gegeben. So hat er doch auch die Worte ausgesprochen, dass es für diese oder jene Menschen besser wäre, man würde ihnen einen Mühlstein um den Hals hängen und sie in die Tiefe versenken (vgl. Mat. 18, 6). Dies sind Worte von Christus. Und Kriege, lieber Freund, wurden schon zu biblischen Zeiten geführt.

Es ist ein ganz schwieriges Thema, das ich euch zu erklären habe und wovon ich euch schon erzählt hatte, weil es die Menschen eben nicht verstehen können. Denn vor ihnen stehen einerseits der Glaube und die Gesetze: “Du sollst nicht töten!”, “Du sollst gut sein!”, “Du sollst den Nächsten lieben!” Andererseits wird nun verlangt, dass ein Mensch auf einen andern losgehen soll, um ihn zu töten.

Lieber Freund, ich kann dir sagen, dass da für ein Volk oder für eine Sphäre der Erde, ein Land, eine ganz andere Einteilung gilt, wenn sich solche Menschen zu verteidigen haben. Niemand auf dieser Erde hat das Recht, einem anderen Menschen seinen Willen aufzuzwingen. Aber frage dich selbst: Warum werden diese Kriege geführt? Es will doch der eine die Macht oder den Besitz haben, oder er will dem Nächsten unbedingt seinen Willen oder eine Idee aufdrängen, was niemals in der Gerechtigkeit Gottes liegt. Gott hätte die Macht, jederzeit einzugreifen und diese Kriege aufzuhalten. So könnt ihr euch auch fragen: “Warum tut er das nicht?”

Ich gebe euch die Antwort: Weil die Menschen den freien Willen besitzen und ein jeder tun kann, was ihm beliebt. Wenn ihr es noch nicht gemerkt oder aufgenommen habt, wohin meine Worte gehen, die ich an euch richte, wenn es heisst: “Du sollst den Nächsten lieben, du darfst niemals Neid haben, und deine Geschäfte müssen auf ehrliche Weise erfolgen!”, so heisst dies, eine wirkliche Gemeinschaft aufzubauen, die nicht mehr imstande sein wird, Kriege zu führen, weil sie in ihrem Herzen gut ist. Wenn Gott diese Kriege zulässt, wie schon vor Tausenden von Jahren, so dienen sie zur Weiterentwicklung. Wenn es für die Menschen auch schwer ist, solche Worte richtig zu erfassen: Es ist so. Denn von Gott werden ganze Scharen Engel ausgesandt, die dieses Unreine vernichten. Sie gehen zu den Menschen und unterstehen einer grossen Führung. Sie haben aber genau abzuwägen und abzuwarten, denn sie kennen die Gedanken nicht, die der Mensch morgen haben wird. So können sie sich nicht auf ein und denselben Punkt einstellen, denn dies würde die Gesetze Gottes verletzen. Es wird alles abgewogen und beurteilt. Doch wenn diese düsteren Mächte ihr Spiel zu grausam treiben würden, würde Gott seinen Engeln den Befehl geben einzugreifen.

Aber eines merkt euch, liebe Freunde: Auch wenn es noch so lange geht und wenn es noch so bitter aussieht, so besteht doch immer das Grundgesetz Gottes, das auch eingehalten wird, nämlich dass er den freien Willen eines jeden Wesens ehrt und schätzt. So muss sich auch dieses Gesetz immer wieder erfüllen auf Erden, und aufgrund des freien Willens wird so viel vernichtet und zerschlagen. Am Schluss wird es so herauskommen, dass die Gerechtigkeit obsiegt. Doch so viele Menschen werden eben schnell von dieser Erde weggehen.

Da du mich aber fragst wegen dieser Verteidigung, so sage ich: Wenn ein Nächster dich angreift, dir ein Unrecht antun will, so hast du die Pflicht, diese Sphäre, dein Land, zu beschützen, nämlich dort, wo du hingestellt bist, denn du schützt nicht nur dich selbst, sondern weitere Menschen dazu. Du sollst aber in Gottes Namen für die Gerechtigkeit kämpfen. Ein Mensch soll nicht in einen Krieg ziehen, nur um mehr Güter zu erwerben und dem andern eine Idee aufzuzwingen, sondern im Namen Gottes und für seine Gerechtigkeit, um den Menschen diesen freien Willen zu erhalten, den Gott ihnen geschenkt hat, damit der Mensch nicht in ständiger Furcht und Angst zu leben hat. Wenn ein Mensch mit diesen Gedanken seine Aufgabe erfüllt, begeht er niemals eine Sünde. Er muss kämpfen in dem Sinne: für die Gerechtigkeit Gottes. (1950)

Lieber Josef, Freunde aus dem Vorstand haben kürzlich [im Winter 1982] unsere Freunde in München besucht und beobachtet, dass in Deutschland die Angst vor einem Atomkrieg verbreitet ist. Könntest du bitte etwas dazu sagen?

Josef: Ich möchte euch daran erinnern, dass ich in meinen Vorträgen verschiedentlich auf diese Angst angespielt habe und ihr mit dem Herrenwort begegnete: “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mat. 28, 20). Wenn jetzt Menschen in dieser Angst leben, heisst das keinesfalls, die Erde werde – um es nun ganz deutlich zu sagen – wegen dieser Atombomben untergehen. Ihr müsst euch dabei fragen: “Wer hat denn ein Interesse an dieser Angst?” Das Niedere ist am Werke und tut das Seine. Aber auch Geister Gottes sind am Werke und tun das Ihre.

Luzifer passt es nämlich nicht, dass die Menschen in Glaubensdingen freier geworden und nicht mehr willens sind, all die Lügen zu glauben, die die niedere Geisterwelt durch ihre menschlichen Werkzeuge verbreitet hat. Nun muss er erkennen, dass er auf diese Weise nicht mehr bei den Menschen ankommt. Die Menschen glauben nicht mehr alles. Deshalb musste er etwas Neues erfinden, um die Menschen wieder in seine Gewalt zu bekommen. Und was macht er? Er erfüllt sie mit Angst – Angst flösst er ihnen ein. Die Menschen in Angst und Bange zu versetzen, ist doch alles das Werk der niederen Geisteswelt. Aus dieser Angst heraus sind Menschen imstande, Dinge zu tun, die sie nicht tun sollten. Damit meine ich nicht grosse kriegerische Auseinandersetzungen, sondern der einzelne Mensch kann so in Angst und Schrecken versetzt werden, dass er Ungerechtigkeiten begeht oder sich gar das Leben nimmt. Das ist also das Werk der niederen Geisterwelt.

Heute ist eine Bewegung zu erkennen, dass Menschen nach Frieden verlangen und mit einer gewissen Überzeugungskraft bestrebt sind, ihre Mitmenschen mitzureissen, sodass sie auch diesen Frieden fordern. Das soll man nicht falsch verstehen und meinen: “Die reden nur von Frieden, denen ist es gar nicht ernst damit.” Das Volk, das nach Frieden ruft, will den Frieden wirklich. Aber Luzifer setzt alles daran, die Menschen in Angst zu stürzen. Dem stellt sich die Geisterwelt Gottes entgegen und versucht, die Menschen für den Frieden zu inspirieren, sie in Massen zu bewegen. Diese Bewegung kann nicht ungesehen und ungehört bleiben. Ich kann nur sagen: Es kommt ein Wandel.

Zwar wird es auf der Welt immer Unfrieden und Kriege geben, aber in dem Masse, wie Menschen heute eine Katastrophe fürchten, brauchen sie sich nicht zu ängstigen. Die Menschen müssen im Gottvertrauen leben und für den Frieden beten und bitten – dann geschieht ihnen nichts. Wohl bietet Luzifer alles auf, was er vermag. Doch was kann er machen? Er kann die Menschen in Angst versetzen, aber die Geisterwelt Gottes steht nicht tatenlos daneben und schaut lediglich zu – sie tut das Ihre.

Dass gerade eure deutschen Freunde in besonderer Angst leben, müsst ihr verstehen. Sie haben zwei Kriege erlebt, und sie stehen einer Macht gegenüber, die sie fürchten, die gewissermassen vor der Haustür steht. Daher ist es begreiflich, dass die Menschen dort mehr Angst haben als andere. So hat die niedere Geisterwelt bei ihnen leichtes Spiel, sie noch mehr in Angst zu versetzen. Dazu möchte ich aber sagen: Freunde, die gottgläubig und mit uns und mit der Geisteswelt Gottes verbunden sind, brauchen keine Angst zu haben. Es kommt nicht so weit, wie die Menschen meinen. Darum habe ich in letzter Zeit in meinen Ansprachen immer wieder das Herrenwort “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” eingeflochten. Man hat mir geistigerseits nahegelegt, dieses Wort Christi wiederholt anzuführen. Der Gläubige braucht keine Angst zu haben: Die Geisterwelt Gottes ist da, und Christus ist nicht umsonst am Kreuz gestorben.

Malt euch einmal aus, es käme so weit und Atombomben würden einen Teil dieser Erde vernichten. Da gäbe es doch keinen geistigen Fortschritt mehr, sondern es käme zu einem Stillstand. Das aber liegt nicht im Willen Gottes und auch nicht im Willen Christi. (Vorstandssitzung vom 5.3.1982)

An der folgenden öffentlichen Vorstandssitzung vom 12. März 1982 kam Geistlehrer Josef noch einmal auf die Kriegsangst zu sprechen:

Es ist ganz selbstverständlich: Was die gute Geisteswelt zu fördern versucht, das versucht die niedere Geisteswelt aufzuhalten. Sie versucht, das Ihrige zu leisten und Hindernisse in den Weg zu stellen. Sie versucht, Übles und Böses zu wirken, nur um diesen Aufstieg aufzuhalten und zu verhindern. Aber trotz allem Übel, das in dieser Welt geschieht, gelingt es ihr nicht.

Ihr braucht euch gar nicht zu ängstigen, was die Zukunft anbelangt. Denn das wäre des Teufels Freude. Er will die Menschheit in Angst und Bange versetzen. Gönnt ihm diese Freude nicht, lasst euch nicht in Angst versetzen, sondern lebt in der Hoffnung auf eine Lösung, und lebt in der Hoffnung auf das, was Christus gesagt hat: “Ich bin bei euch, und ich bleibe bei euch bis zum Ende der Welt, bis zum Ende der Tage.” Diese Worte müssen richtig verstanden werden.

Auf die Bedeutung dieser Worte hatte Josef in den vorhergehenden Vorträgen mehrfach deutlich hingewiesen, zum Beispiel im Vortrag vom 9. Januar 1982:

Wenn Christus gesagt hat: “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt”, ist mit diesem “Ende der Welt” eben nicht der Untergang der Welt gemeint, sondern das Ende der Niedrigkeit, in der die Menschen leben. So weit muss es dereinst kommen, dass alles zur Erfüllung gelangt und alle Abgefallenen zu Gott zurückgekehrt sein werden. Das ist ein weiter Weg.

Lieber Josef, was kann man einem Menschen raten, der sich vor schwarzer Magie fürchtet, der Angst hat, durch die bösen Gedanken eines andern geschädigt zu werden?

Josef: Wenn ein Mensch wirklich das Gefühl hat, dass er von einem anderen geplagt wird, dann muss er versuchen, eine geistige Mauer um sich zu bilden. Er soll also nicht in der Einbildung leben, dass der andere eine ungeheure Macht auf ihn ausüben könne. Mancher fühlt auf diese Weise Unheil auf sich zuströmen, das gar nicht vorhanden ist. Er gelangt so in eine Zwangsvorstellung hinein, die ihm schadet. Er selbst hilft dadurch sogar dem andern, diese düstere Kraft aufzubauen, weil er ohne Gottvertrauen ist.

Wenn der Mensch weiss, dass ihm die göttliche Welt zur Seite steht, dass ihm das innige Gebet so viel Kraft bringen kann, und er dieses Hilfsmittel anwendet, ist all dieses Eindringen auf ihn machtlos. Was glaubt ihr, was nicht schon alles versucht wurde, um auch dieser Gemeinschaft und diesem Medium durch die Kraft übler Gedanken zu schaden. Ängstliche Menschen schliessen so, durch ihre Veranlagung, Tür und Tor zu vor jenen göttlichen Kräften, die zu ihnen dringen möchten. Wer Erfolg haben will, darf nicht in dieser Angst leben. Er muss hoffnungsvoll und freudig sein. Er muss sich dem Göttlichen öffnen, sich der Liebe aussetzen, sodass sie ihn ganz durchströmt. Er muss mit der Einstellung leben, dass er die ganze Menschheit liebt, dass alle Menschen seine Brüder und Schwestern sind und dass es alle ehrlich mit ihm meinen.

Er soll nicht im Wahne leben, dass man ihn betrügen werde oder man ihm nicht gutgesinnt sei. Er soll sich frei bewegen und alles in Gottes Hände legen, dann ist er so geöffnet, dass die reinen, göttlichen Ströme ihn durchfluten und an ihm reinigen und ausscheiden, was düster ist. Dadurch ist der Mensch in gewissem Sinne selbst ein Kraftstrom; er selbst kann eine Kraft entwickeln, sie aber auch selbst durch seine negative Einstellung vernichten. (1955)

Lieber Josef, es gibt Menschen, die unter Angstträumen leiden, obschon sie ihr Abendgebet sprechen. Wie erklärst du das?

Josef: Die Angstträume entstehen aus einer gewissen Verwirrung, wenn im Innersten des Betreffenden eine Verknotung und keine Freiheit ist oder wenn er in einer unsicheren Zeit, in Sorge lebt und Mühe hat, im Leben vorwärtszukommen. Dann ist er nicht frei von diesen Problemen. Auf diese Weise, aus dieser Verwirrung heraus, entstehen diese unklaren Bilder. Würden jene, die solche Angstträume haben, dafür sorgen, dass sie seelisch und geistig freier würden, dass sie sich anders einstellen würden zum Leben, dann würden sich diese Bilder verändern.

Gewiss, auch belastete, kranke Organe können diese unharmonischen Bilder begünstigen, da der Mensch in Angst und Sorge lebt. Ein geistig gehobener Mensch kann sich aber trotzdem eine gewisse geistige Freiheit verschaffen, damit ihn solches nicht derart belastet. Es ist eben leider so, dass die Menschen bei diesen unangenehmen Dingen so sehr verweilen, darüber nachdenken und die Dinge noch aufbauschen. Wenn sie darüber nachsinnen, sehen sie nämlich noch viel mehr als das, was wirklich passiert ist. Sie sollten eben vielmehr daran denken, eine hohe Gesinnung zu pflegen, die diese unangenehmen Bilder wegschafft.

Befindet sich dann ein Mensch während eines Angsttraumes in einer tieferen Sphäre?

Josef: Nein, denn auch er wird in seiner Ruhezeit im Geiste in diese Welt hineingeführt, wo er Kraft, Mut und Trost erhält. Hier ist es einfach ein Formen von Bildern, die sich aus dem Tun und den Gedanken des Menschen aufbauen. Er hat sich selbst zugeknöpft, und so können in ihm keine anderen Bilder entstehen. Es ist etwas, das im Gesetze Gottes gezeichnet ist. (1954)

Lieber Josef, du hast uns im Vortrag vom 23. September 1950 erklärt, dass Kinder während des Schlafes in der geistigen Welt Freuden erleben dürfen. Man macht häufig die Beobachtung, dass auch Kinder in guten Verhältnissen Angstträume haben. Kann man das geistig erklären?

Josef: Ja, liebe Freunde, ich möchte nicht sagen, dass dies auf das Geistige zurückzuführen ist, sondern es wird den Kindern in diesem Alter von irgendeinem Menschen Angst eingeflösst. Eltern sollen solchen kleinen Wesen immer liebe Worte geben und sie fernhalten von unschönen Bildern und ihnen nicht irgendwelche Märchen erzählen, die sie erschrecken und die sie in sich aufnehmen. Wenn sie ihnen nur das Schöne geben und sie so in gewissem Sinne frei erziehen, dann brauchen sie keine Angst zu haben. Diese Angstträume rühren hier vom Tun und Treiben der Menschen her, die um sie sind. (4.10.1950)

In der Bibel steht oft, man solle gottesfürchtig sein. Es ist damit doch wohl nicht die Furcht vor Gott gemeint?

Josef: Nein, das ist damit nicht gemeint. Es ist ein falsch verstandener Ausspruch, er meint mehr eine fromme Scheu, was aber auch nicht richtig ist. Vor Gott braucht niemand Angst zu haben. Nur der hat Angst, der Grund dazu hat, der ein schlechtes Gewissen hat. Vor Gott soll man Ehrfurcht pflegen. (19.5.1954)

Man sagt: “Gott ist ein Gott der Liebe”, und doch steht in der Schrift: “Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen” (Heb. 10, 31).

Josef: Meine lieben Freunde, niemand, der seine Aufgabe im Leben erfüllt, braucht Angst zu haben, sondern nur eine Seele, die schuldbeladen in die geistige Welt eingeht. Für sie ist es das einzig Richtige, in die Hände des lebendigen Gottes zu kommen, weil durch diesen Gott der Liebe und Gerechtigkeit über jede einzelne Seele die wahre Gerechtigkeit ausgegossen wird. Denn eine jede Seele wird das zu ertragen und gutzumachen haben, was sie wahrhaftig verschuldet hat. Darüber richtet nur unser gütiger Gott, der nie in dieser Weise über den Menschen urteilt, wie dieser es eigentlich verdient hätte.

Auch hier könnt ihr sehen, wie die Menschen sofort geneigt sind, diesen gütigen Gott nicht als solchen zu betrachten. Dies tun sie wiederum, weil sie den Heilsplan Gottes nicht kennen. Deshalb ist es so wichtig, dass Menschen die Belehrungen, die sie erhalten, in sich aufnehmen. Es ist sozusagen auch eine Bedingung, dass der Mensch das Karma anerkennt und wissen muss, dass er nicht ungestraft von dieser Welt wegzieht, wenn er solche Schulden hinterlässt. Alles muss gutgemacht werden, und einer jeden Seele ist Gelegenheit gegeben, in einem weiteren Leben gutzumachen. Dies kann nur von einem gerechten und gütigen Gott befohlen werden. (1.6.1952)

Lieber Josef, mein Vater leidet an Lungenkrebs. Er ist in grosser Sorge und fürchtet sich vor dem, was auf ihn zukommt. Ist eine Operation möglich, und kann ihm geholfen werden?

Josef: Meine lieben Freunde, wenn ihr solche Probleme und Fragen an mich stellt, ist meine Antwort: Es sind Menschen um euch, die euch beraten können. Wird ein Mensch geistig geführt, wird er zu einem Arzt geleitet, der ihm helfen kann. Es können aber Krankheiten an den Menschen kommen, bei denen ein Arzt nicht mehr zu helfen vermag. Aber die Leiden können gemildert und die Tage verlängert werden. Dies ist eine besondere Gnade, die jenen Menschen zuteilwird, die diesen geistigen Weg kennen und selbst auch gehen. Ich habe euch schon gesagt, dass die Gnade bei euch anfangs klein war – heute ist sie jedoch gross. Doch darf ich nicht ausrufen, dass meinen Freunden, die die geistige Sprache und die Gesetze Gottes kennen, immer geholfen werde.

Nein, liebe Freunde, mein Wunsch ist, jedem Menschen an Leib und Seele zu helfen. Doch es liegt nicht bei mir, sondern es kommt von Gott. Gott hilft, Gott sendet die Heilkräfte, Gott sendet die Gnade. Ich darf euch Worte der Aufmunterung geben, ich darf euch die Wege, die ihr zu gehen habt, beleuchten und zeigen – welches Licht zu euch kommt, welche Kraft zu euch dringt.

Lieber Freund, so rate ich dir in deinem Falle: Gehorche jenem Arzt, der deinen Vater berät. Erfülle nun dazu eine Aufgabe, indem du um Gnade bittest und flehst, dass an deinem Vater die richtige Handlung vollzogen werde. Denn wisst ihr, meine Freunde, die Stunde des Todes kommt zu jeder Seele, und sie ist nicht so schwer, wie ihr glaubt.

Ihr glaubt, dass ihr euch von dieser Welt nicht trennen könnt. Aber bedenkt, liebe Freunde, dieses Leben, in dem ihr steht, ist nichts anderes als ein Examen, eine Prüfung, die von morgens bis abends andauert. Wenn diese Uhr abgelaufen ist, werdet ihr in die geistige Welt hineingeführt, und die Prüfungen dieses Lebens werden von euch genommen. Habt ihr gut gelebt, braucht ihr keine Angst zu haben, denn das Leben in der geistigen Welt ist harmonischer und viel schöner als auf der irdischen Welt mit ihren Nöten, mit ihrem Schweren, mit ihrem Trug. Wenn auch jede Seele durch die Sphären der Läuterung gehen muss, so herrscht doch auch dort wahrhaftige Liebe. Ein jedes Wesen, das eine Seele führen muss, ist sehr zuvorkommend, sehr liebevoll. Und bedenkt: In der geistigen Welt wird mehr getröstet als auf dieser Erde. (1951)

Heft 2/2022
Preis USD 4.00
25 Seiten, 21 × 29,7 cm