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Die Seele des Menschen wünscht Harmonie. Doch der Alltag ist oft mit Problemen und Schwierigkeiten verbunden, die ihm den Frieden rauben können. Im ersten Vortrag dieser Ausgabe wird aufgezeigt, wie man insbesondere auf dem Wege der Meditation Kraft und Hilfe finden kann, um Widrigkeiten im Leben zu meistern und in sich selbst sowie in seinem Umfeld Harmonie zu schaffen und zu erhalten. Dabei dürfen – so das Thema des zweiten Vortrages – die Menschen auf die Hilfe der Geisterwelt Gottes zählen. Denn wer wahrhaft im Verlangen nach Harmonie und Frieden ist, der erhält den Beistand seiner Schutzgeister, damit er dulden und auf sich nehmen kann, um dem Nächsten die notwendige Wertschätzung zu geben und ihm mit Güte und Verständnis zu begegnen.
In einem weiteren Vortrag berichtet Geistlehrer Josef von einem Menschen, der seine Seele durch den steten Drang nach Ansehen und Reichtum mit grosser Hast und Unruhe durchwirkt hatte und im Jenseits lernen musste, ausgeglichen und ruhig zu werden. Im Frageteil gibt Josef ferner Hinweise, wie der Mensch im Alltag, in der Arbeitswelt oder in der Familie zu Ruhe und Harmonie finden und sie bewahren kann.
Lene, 19. Februar 1964
Der Alltag des Menschen bringt vieles mit sich, auch Probleme und manch Unangenehmes, was einem den inneren Frieden rauben kann. Die Seele aber, sie sehnt sich nach Harmonie, sie sucht den Frieden. Wie kann es ihr gelingen, sich bemerkbar zu machen und sich mit ihren Anliegen durchzusetzen? Geistlehrerin Lene zeigt in diesem Vortrag Wege auf, wie man insbesondere in der Meditation die Kraft und die Hilfe findet, um Widrigkeiten im Leben zu meistern und in sich und seinem Umfeld Harmonie zu schaffen.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Harmonie, das ist ein schönes Wort. Dieses Wort “harmonisch” wird sehr viel von uns angewandt, denn Harmonie ist eine Notwendigkeit im Leben des Menschen – sie muss man fördern. Nun, wir möchten euch in dieser Stunde wiederum Einblick geben in die göttlichen Gesetze, aber euch auch den Weg zum Meditieren zeigen, wie viele Möglichkeiten es gibt zum Meditieren. Aber leider müssen wir immer wieder erkennen, wie wenig die Menschen Zeit finden für diese wunderbare Kraftzufuhr. Und so kommt ihr ja immer wieder hierher mit dem Gedanken: “Hier möchten wir meditieren” – mit uns möchtet ihr meditieren, wir sollen euch den Weg zeigen.
Unser Ziel ist, euch in die geistigen Höhen zu bringen; wir möchten euch verfeinern. Euer ganzes Leben muss sich harmonisch gestalten. Aber ihr seid so vielem ausgesetzt: Einerseits sind es Versuchungen, andererseits kommt euch so viel Wechselbares über den Weg; ihr werdet von euren Mitmenschen nicht immer das erleben dürfen, was ihr gerne möchtet – und schon ist es bei manchem um den guten Vorsatz getan. Die Harmonie, die er haben möchte, vermag er aus eigener Kraft nicht herzustellen. Nun, die Seele sehnt sich aber danach. Sie möchte, dass ihr – und hier muss ich es so sagen – der äussere Mensch Gelegenheit gibt, mit ganzer Kraft zu wirken. Die Seele kann nur mit dem äusseren Menschen wirken.
Jeder Mensch hat in sich den Funken Gottes. Nicht bei jedem Menschen ist er im selben Licht, im selben Glanz. Menschen, die das Wort “harmonisch” nicht kennen, die streitbar sind, haben keinen funkelnden, herrlichen Glanz, der aus ihrer Seele strömt. Ihr Gottesfunke ist überschattet; er ist überschattet worden durch ihr niederes Denken und Wollen. Er wurde aber nicht nur durch ein einziges Leben überschattet, sondern frühere Leben haben das Ihrige dazu getan, den Schleier über den Funken zu legen, sodass er nicht hinausstrahlen kann.
Jeder Mensch kann aber etwas für dieses Strahlen tun. Er kann diesem Gottesfunken doch zu seiner Herrlichkeit, zu seinem Glanze verhelfen. Es ist aber nicht so einfach, es ist nicht leicht. Wir möchten das Leben des Menschen mit einem Eichenbaum vergleichen, der mit der Zeit gross und stark geworden ist. Mit der Zeit ist der Baum das geworden, und mit der Zeit kann auch der Mensch an geistigen Höhen gewinnen. Mit der Zeit wird sein Funke immer heller werden, immer klarer. Der Baum, den ich euch als Vergleich hinstelle, ist ein symbolisches Zeichen. Dieser Baum nimmt seine Kraft zum Leben aus dem irdischen Od der Erde. Dieses irdische Od strömt den Stamm hinauf in alle Äste, in die Blätter und bringt ihm immer wieder neues Leben. Ja ich möchte diese odische Kraft mit dem Blut vergleichen, das durch eure Adern zieht, das durch den ganzen Körper zieht. So gibt das Blut dem Menschen auch Leben; das Blut ist der Träger des Lebens. Anderseits ist es auch die Erde, die dem Menschen die Kraft zum Leben gibt. Der Mensch nimmt von den Erträgnissen der Erde und erhält sich so am Leben. Wunderbar ist die Schöpfung Gottes.
So wie sich dieser grosse Baum mit der Zeit entfaltet, so muss sich auch die Seele des Menschen mit der Zeit entfalten. Wie aber dieser Baum vielen Stürmen ausgesetzt ist, so ist auch die Seele, überhaupt der Mensch, den Stürmen ausgesetzt. Es vermag aber nicht jeder Mensch den Stürmen, die an ihn herankommen, zu trotzen. Viele, sehr viele werden schwach. Unter den Stürmen verstehen wir die Verfehlungen, eben die Versuchungen. Hat der Mensch keine Energie, keinen Mut, um nach dem höheren Leben zu forschen, so schädigen die Stürme des Lebens seine Seele.
Nun aber gibt es viele Möglichkeiten im Leben des Menschen, die ihm auch wieder einmal eine gewisse Stille und Ruhe bringen. Diese Stille und Ruhe sollte seiner Einkehr dienen. Einem Christen wird diese Gelegenheit gegeben sein; es sind gewisse Festtage, an denen er sich fragen muss: “Warum feiert die Christenheit diese Festtage?” Wenn er es mit dem christlichen Leben und mit dem Streben nach oben ernst nimmt, dann wird er auch eine Antwort finden. Diese Ruhe und diese Stille, auch wenn sie nur von kurzer Dauer sind, sollten ihm von grossem Nutzen sein.
Betrachten wir das Leben des Menschen im Allgemeinen, so möchten wir darauf hinweisen, dass wir die Jugendzeit der Menschen als den Frühling des Lebens sehen. In diesem Frühling des Lebens macht mancher einen Schritt, den er später, in seiner geistigen Reife, bereut. Bei der Beurteilung des Geschehenen kommt es ganz darauf an, in welchen Verhältnissen man aufgewachsen ist; es kommt darauf an, welche geistigen Erkenntnisse man besitzt, und so spielt wohl auch das Motiv eine bedeutende Rolle. Im Allgemeinen werden Gott und seine heilige Geisteswelt die Verfehlungen, die in diesem Frühling des Lebens geschehen sind, nicht so sehr ankreiden wie jene, die noch in der Reife des Lebens geschehen.
Ihr freut euch, wenn die Frühlingszeit naht. Ihr freut euch wieder am Spriessen, am Blühen; der Frühling beglückt euch wieder. Ganz besonders der alternde Mensch hat das Gefühl, als werde ihm wiederum ein Stück, ein kleines Stück, Frühling zurückgegeben. So wird diese Zeit ja nur kurz sein, wo man diese Herrlichkeit bewundert. Ähnlich geschieht es aber auch beim Menschen: Wenn er älter geworden ist, wenn er die Reife des Lebens erreicht hat und nun zurückblickt, dann erkennt er auch, wie kurz der Frühling seines Lebens war. Viele behaupten, sie hätten überhaupt keine schöne Jugendzeit gehabt, und möchten damit sagen, dass sie überhaupt nichts von einem Frühling in diesem Sinne verspürt hätten. Aber das ist nicht richtig. Gleich in welchen Verhältnissen ein Mensch aufwächst, auch an ihn kommt doch diese Zeit, diese Lebenszeit des Frühlings, wo alles neu an ihn herankommt, wo er glaubt, stark genug zu sein, um vielem Widerwärtigen zu begegnen und es zu überwinden. Auch mag er in dieser Zeit vielleicht übermütig, vielleicht rechthaberisch sein. Aber er wird mit der Zeit, die an ihm vorbeifliesst, gereift werden. Später möchte er vieles aus jener Zeit ungeschehen sehen. Nun, dieses sei euch eine Antwort: Ist irgendetwas im Leben geschehen in jener Zeit, dann kommt man damit ins Reine. Dafür ist die Meditation da; man bespricht sich mit seinem Schutzgeist, und man bittet um Regelung dieser Angelegenheit – so man zu dieser Einsicht kommt. Das ist doch bedeutend. Einsicht muss über den Menschen kommen, dann kann das, was falsch gemacht wurde, verbessert werden, so gut es geht.
Anfangs sagte ich, das Wort “harmonisch” sei ein wunderbares Wort. Aber die Harmonie muss vom Menschen gepflegt werden. Er muss mithelfen, sie zu bewahren. Der Mensch wird beeindruckt von vielen äusseren Dingen. Diese äusseren Angelegenheiten mögen sich tief in ihn hineinverlegen, und er, mit seinen Anschauungen, womöglich mit seinem falschen Denken, überschattet jetzt den Glanz der Seele – er überschattet ihn noch mehr. Der göttliche Funke in ihm aber will durchbrechen, will leuchten; er will die harmonische Kraft von sich geben, will in Harmonie mit dem äusseren Menschen leben. Das bessere Ich, das höhere Erkenntnisse besitzt und alles Niedere meidet, trachtet, das hohe Ziel zu gewinnen. Es wird aber von seinem niederen Ich oder vom äusseren Menschen durch das niedere Denken gehindert, seine Harmonie herauszubringen. So geht es darum, diese innere Harmonie zu fördern. Man muss also in erster Linie versuchen, sich Rechenschaft zu geben, ob das, was man täglich unternimmt und ausübt, richtig ist, ob durch diese täglichen Handlungen nicht der Seele Schaden zugefügt wird.
Wenn man uns den Vorwurf macht, wir hätten gut reden, das Leben sei nicht einfach, dann erwidern wir: “Ihr seid Christen, ihr bekennt euch dazu, und es ist und liegt in eurem Verlangen, die hohen Lebensziele zu gewinnen. So gibt es keinen Preis ohne Fleiss.” Fleiss, Anstrengung müssen in erster Linie ausgeübt werden. Es ist doch nicht nur uns persönlich daran gelegen, dass ihr mit euch in diese Harmonie kommt, sondern es ist zu eurem eigenen Vorteil. Denn ihr müsst versuchen, immer mehr zu gewinnen, immer stärker zu werden von Leben zu Leben. Dieses Licht muss immer deutlicher werden, immer heller, kraftvoller, schöner – von Leben zu Leben. Das aber erreicht man nur, wenn man die richtige Einstellung hat zum Leben, wenn man für seine Seele auch die richtige Nahrung zusammenstellt.
So wie dieser Eichenbaum seine Kraft aus der Erde entnimmt, so nimmt die Seele auch ihre Kraft. Sie nimmt sie einmal aus der nächsten Umgebung – wohl in erster Linie aus dem eigenen Willen des Menschen, aus seinem Verlangen heraus. Da erkennt man gleich, welche Nahrung eine Seele geniesst. Diese Nahrung ist symbolisch zu verstehen. Wenn erklärt wird, dass es darauf ankommt, was man denkt, was man will, mit wem man Umgang hat, so ist es ja ganz klar, dass dieses auf die Seele eben einen bedeutenden Einfluss hat.
Es gibt ganz viele geistig ausgerichtete Menschen, die glauben, das Richtige zu tun. Ja sie glauben, dass es niemals möglich werde, dass ihre Umgebung etwas an ihnen auszusetzen hätte; denn sie sind sich ihrer selbst so sicher. Leider findet man diese Einstellung gerade bei vielen Geistesmenschen. Unter ihnen gibt es solche, die nur einen Weg kennen. Wir nennen ihn den fanatischen Weg. Dann gibt es unter diesen Geistesmenschen solche, die leicht an einer geistigen Überheblichkeit leiden. An sich selbst sehen sie nichts – man sieht die Fehler anderer. Von uns aus betrachtet ist es schade um jene Menschen. Könnten wir alle Hindernisse aus dem Weg räumen, damit jene den Weg klar und deutlich vor sich hätten, dann hätten wir wahrhaftig grosse Streiter im Heilsplan Gottes.
So gibt es leider viele geistig ausgerichtete Menschen, die ein falsches Denken haben und die von sich aus ein Evangelium aufstellen. Dieses Evangelium ist für sie massgebend und muss ihrer Ansicht nach auch für den Mitmenschen massgebend werden. Ja sie zwingen den Mitmenschen, dasselbe anzunehmen wie sie selbst. Schade darum. Wer nämlich immer wieder nach den hohen Zielen des Lebens fragt und sich also bemüht darum, der wird unbedingt den Weg finden, der ihm Klarheit bringt. Aber um diesen Weg zu finden, braucht es viele Überwindungen. Es braucht viel Demut, viel Bescheidenheit, ja sogar Erniedrigung – nach dem Gefühl des Menschen. Aber das sind die Wege zur wahren Harmonie; so findet man die wahre Harmonie. Es ist ein langer Weg, für viele sogar ein sehr steiniger Weg. Er ist deshalb steinig, weil man felsenfest überzeugt ist von dem, was man tut und was man glaubt – und es ist schwer, solche Menschen von einem Besseren zu überzeugen.
Wir empfehlen immer die Meditation, und wir sagen euch stets: Eilt nicht, lasst euch Zeit, klopft immer wieder an, klopft an bei Gott und bei eurem eigenen Gewissen. Euer eigenes Gewissen kann gefragt werden. Da darf man aber nicht von sich eingenommen sein, das heisst vom niederen Denken, von dem, was man haben möchte, von dem, was einem gefällt. Es ist nicht leicht, sich selbst zu fragen und die rechte Antwort zu finden. Es ist schwer sogar, denn es ist nicht leicht, die richtige Antwort zu hören. Nur der wird sie richtig hören, der harmonisch sein will mit Gott, der den Weg der Demut geht, der sich erniedrigen lässt, um ein höheres Ziel zu erlangen. So zeigen wir euch immer wieder den Weg.
Ich sagte, es sei schade, dass man ganz besonders geistig ausgerichtete Menschen findet, die verkehrt denken, verkehrt handeln. Man soll und darf niemals überheblich sein. Ich möchte kleine Hinweise geben. Man kann mit einem Menschen befreundet sein, der einen besonderen Einfluss auf einen hat. Man kann dieselbe Geistesrichtung vertreten – aber auch wenn man glaubt, auf dem rechten Weg zu sein und gemeinsam einem Ziel entgegenzugehen, kann es doch falsch sein. Es wird dann falsch sein, wenn durch diese Freundschaft die Harmonie gestört wird. Gestört wird diese Harmonie, wenn andere Menschen seelisch oder in materieller Weise unter dieser Freundschaft zu leiden haben. Dann ist sie nicht gerechtfertigt. Eine Freundschaft ist auch nicht gerechtfertigt, wenn der eine oder andere Teil, weil er nicht einverstanden ist mit der Richtung, die sein Ehepartner vertritt, sich für seinen Gedankenaustausch einen Ersatz sucht, um mit diesem Probleme zu lösen. Diese Freundschaft wird von uns als belastend betrachtet, sobald eine Drittperson darunter zu leiden hat. Es ist selbstverständlich, und darüber möchte ich nicht viele Worte verlieren, dass es niemals zu einem Ehebruch kommen darf – was leider auch möglich ist unter geistig ausgerichteten Menschen – und dass bei jenen, die einen solchen Weg beschreiten, ihr Licht, das versucht, aus ihrem Innersten hinauszudringen, überschattet wird. Es ist schade, wenn dieses Licht nicht hervordringen kann.
Harmonie haben heisst in Frieden leben mit sich selbst. Mit sich selbst in Frieden leben heisst in der nächsten Umgebung alles bereinigt haben, alles in Ordnung wissen. Das heisst Harmonie der Seele. Das heisst die richtige Nahrung haben für seine Seele. Harmonie im Innersten der Seele haben bedeutet also nicht nur Friede, sondern selbstverständlich auch Gerechtigkeit. Das Wort “Gerechtigkeit” ist genauso umfassend wie das Wort “Friede” und “Liebe”. Über dieses Wort “Gerechtigkeit” lässt es sich sehr lange meditieren. Man soll darüber nachdenken, ob die eigene Handlungsweise andern gegenüber gerecht ist. Man soll nicht zuerst klagen, dass man ungerecht behandelt wird, sondern wenn es einem um die innere, wahre Harmonie geht, dann muss man als Erster Gerechtigkeit, Frieden und Liebe von sich geben. Diese Eigenschaften geben die Kraft, um der Seele den Glanz und dem Gottesfunken die Möglichkeit zum Durchbrechen zu geben.
Ich verlange viel von euch, wenn ich das sage. Ich sage es aber, weil man so leicht der Auffassung ist: “Bei mir ist alles in Ordnung.” Strebt man nach den höchsten Zielen, können diese nur erreicht werden, wenn alles in Ordnung ist, wenn niemand da ist, der zu leiden hat. Es gibt wohl immer Dinge, die vom andern beanstandet werden. Das ist wohl nicht das Bedeutende; sondern bedeutend ist vielmehr, worunter die Seele zu leiden hat – gemeint ist die Sünde wider den Geist. Man schadet dem Menschen, wenn man grob mit ihm spricht, grob an ihm handelt, wenn man ihm ins Gesicht schlägt, über ihn schimpft, wenn man ihn belügt, bestiehlt. Das ist die Sünde wider den Geist. Auf diese Weise schädigt man die Seele des andern aufs Schwerste; man kann sie aber noch weiter schädigen – und dabei vergessen, dass man damit der eigenen Seele grössten Schaden zufügt.
Nun, ich sagte, was man im Frühling des Lebens tut, wird nicht gleich beurteilt wie das, was man in der Reife des Lebens tut. Wenn man von einem Menschen erwarten darf, dass er bessere Einsicht hätte und er anders handeln sollte, da ist die Verantwortung grösser; aber auch die Belastung und die Strafe sind grösser. So kommt es darauf an, wie man im Herbst des Lebens handelt. Wenn die Früchte der Seele nicht ausreifen können, wird die Ernte, die einer hat, nicht so hoch geschätzt. Man wird es ihm sagen: “Wie schade ist es um dich. Die Frucht ist schön gebildet, doch sie ist nicht ausgereift; sie hat nicht den Wert, den wir wünschen.” Schade wird es um das Leben dieses oder jenes Menschen sein.
So muss man richtig erfassen, was es heisst, innere Harmonie zu haben, denn es geht darum, als Mensch mit hohen Lebenszielen seine Ansprüche in der Jenseitswelt zu stellen. Diese Ansprüche können von einem Heimgekehrten gestellt werden, wenn er ein harmonisches Leben zurückgelegt hat, wenn er auf dem Wege der Vollkommenheit heimgekehrt ist. Ist er aber nicht auf diesem vollkommenen Weg zurückgekehrt, dann werden seine Ansprüche zurückgewiesen, und es wird ihm wohl erklärt: “Bestimmt kommt die Zeit, wo du deine Ansprüche stellen kannst, aber noch ist es nicht so weit. Noch brauchst du ein Leben oder deren mehrere, denn deine Seele hat die Reife nicht erreicht; denn wer als Erbe Gottes einkehren will, der muss harmonisch sein, harmonisch in jeder Beziehung.”
Bedenkt einmal, wie Gott es mit euch hält. Er ist der Vater der Liebe, er hat euch das Leben geschenkt. Er versucht durch seine Helfer, euch Stütze, Helfer, Beistand, Führer ins Leben zu geben. Ihr sollt nicht verwaist sein in dieser Welt. Auch wenn ihr dies nicht sichtbar wahrnehmen könnt, so ist es für den geistig Ausgerichteten doch kein Problem; denn er spürt den Beistand, er weiss, dass er nicht allein ist. Er ist nicht hilflos in diese Welt gestellt – er hat seinen Beistand, und er kann ihn anflehen, dass er ihm den Weg besser erklärt, besser zeigt. Er kann vieles aus diesem Beistand herausholen für sein Leben, ganz besonders jene Menschen können es, die im Frühling des Lebens stehen. Sie haben das Leben vor sich, und die Aufgaben warten noch auf sie. Die Geisterwelt Gottes gibt sich Mühe, sie zu führen. Man will noch Besseres aus ihnen machen, man erwartet noch Besseres von ihnen. Der alternde, der, wie er glaubt, gereifte Mensch hat dagegen schon seine festen Einstellungen. Er hat, so möchten wir hoffen, schon seinen treuen Beistand, der versucht, ihm noch das zu geben, was ihm möglich ist zu unterbreiten.
Wenn ihr Zeit findet für die Meditation, so fragt euer Gewissen, was zu bereinigen ist, und denkt, dass jede Handlung, die dem andern Schmerz bedeutet, die dem andern die Seele verletzt, nicht zur Harmonie gehört. Es darf in keiner Weise irgendwelcher Zwang zum Glauben ausgeübt werden. Diese richtige Harmonie sollte man finden. Ich sehe eure Gedanken, wie man sich vorstellt: “Ich finde diese Harmonie im Gebet. Das Gebet gibt mir Kraft und hilft mir zu überwinden.” Ja, das Gebet ist Balsam für den Menschen, für seine Seele – aber das Gebet allein ist es nicht, das ihm die Harmonie bringt; sondern es sind seine tatkräftigen Handlungen, sein richtiges Denken, die ihm die richtige, wahre Harmonie bringen; sie bringen ihm auch den Frieden für seine Seele.
Wenn ich zu euch spreche, versuche ich immer wieder, euch solche Hinweise für diese Meditationen zu geben. Ich versuche euch klarzumachen, auf welchem Wege ihr viel gewinnen könnt. Gewinnen kann man nur mit Anstrengung – was das Geistige betrifft. Und im Weiteren wird vom Menschen verlangt, dass er versucht, so gesund wie möglich zu leben, dass er keine besonderen Wege beschreitet, wo man sagen kann: “Er ist fanatisch.” Denn dieses ist auch ein Hindernis auf dem Weg zur Harmonie. Man mag wohl seine persönliche Einstellung haben; doch diese soll etwas Persönliches bleiben und soll niemals zum Zwang des andern Menschen werden, sowenig man den andern zwingen darf, dieses oder jenes anzunehmen, zu glauben oder sonst etwas zu tätigen. Gott gab dem Menschen den freien Willen, und Menschen sollen nicht versuchen, das, was im Gesetze Gottes so deutlich ausgedrückt ist, zu verhindern. Es ist keine Harmonie, wenn jemand mit Zwang, mit Fanatismus wirbt und wirkt.
Geliebt und geschätzt werden Menschen, die ausgeglichen sind, die bereit sind, zuzuhören, was man ihnen sagt, die aufmerksam sind und freundliche Worte entgegnen. Das sind Menschen, nach denen man sich sehnt – sich mit ihnen zu unterhalten. Das sind aber ganz bestimmt Menschen, bei denen dieser Funke Gottes durchgebrochen ist, bei denen er herausstrahlt und von der Harmonie, wie Gott sie besitzt, einen winzigen Teil von sich gibt.
So versucht es einmal. Versucht, die Stille zu suchen, versucht, euch selbst zu fragen. Fördert die Harmonie in euch, und verhindert alles, was der Seele des Menschen Schaden zufügt.
Die Engel des Himmels stehen euch zu Diensten. Sie sind ja bereit, mit euch in die Meditation zu gehen. Vor vielen Jahren schon erklärte ich: Der Schutzgeist eines jeden mit uns Verbundenen hat eine Schale, einen Kelch. Er bringt dem Menschen geistige Nahrung, bietet sie ihm an, dass er gestärkt wird als Mensch und in seiner Seele. Der Schutzgeist bringt diese geistige Nahrung; der Mensch anderseits sucht nach seiner leiblichen Nahrung. Aber er muss auch nach der Nahrung für die Seele suchen, nach dem Kostbarsten, damit er im Geiste stark wird, damit er so viel an Verständnis, an Liebe von sich geben kann, dass er als Leuchte erkannt wird, dass man von diesem Lichte etwas spürt und erkennt. Auch jene Menschen, die nicht weiter Bescheid wissen über diese geistigen Gesetzmässigkeiten – und man kommt doch auch mit solchen Menschen zusammen –, sollen spüren, dass etwas mehr an diesem harmonischen Menschen ist, dass man sich an ihm sonnen kann, dass er zur Heilquelle wird und man Verlangen hat, um ihn zu sein. Viele von euch haben bestimmt schon erlebt, dass ihr mit Menschen zusammen gewesen seid, von denen ihr euch nur ungern getrennt habt, weil ihr gespürt habt, dass aus ihnen etwas anderes kommt als das Übliche eines gewöhnlichen Menschen. Ihr habt nicht nur ihre Herzenswärme gespürt, die Zuneigung, die Sympathie, wie ihr es nennt, sondern ihr seid bestrahlt worden von diesem Funken Gottes; er hat euch erhellt, euch erwärmt, euch glücklich gemacht. Ein solches Glück ist das Wertvolle. Ein solches Glück kann man sich auch noch im Herbst des Lebens erwerben. Auch diese Zeit ist kostbar, sehr, sehr kostbar, und um dieses Glück zu kämpfen, ist es nie zu spät. Dies mag jenen Trost geben, die jahrelang zu leiden hatten. Es mag Trost für sie sein, wenn wir ihnen sagen: “Kehre um, es ist nicht zu spät. Versuche aber immer, an dem Quell zu bleiben, der dich stärkt, der dich nährt, der dir die Kraft und die Zuversicht, das Vertrauen gibt.”
So muss man immer wieder zu diesem Quell kehren, und dieser Quell ist der König der Geisterwelt. Er will sie alle besitzen, alle müssen zu ihm kommen – in dieser Harmonie, in diesem Frieden. Und hat man meine Worte nicht verstanden, dann lasse man einmal das Leben des Erlösers im Geiste vorüberziehen, und es gibt so viel Antwort. Aber sein ganzes Leben und Leiden bis zum letzten Atemzuge muss durchlebt werden. Darüber meditiert man. Das gibt dann auch die weitere Antwort.
So, liebe Geschwister, versuchte ich euch den Weg zu zeigen, denn die Harmonie des Menschen ist das kostbare Gut, das er mit sich tragen kann. Die Harmonie des Menschen, so er sie besitzt, kann von niemandem zerstört, vernichtet werden, wenn er stark geworden ist durch seine Erkenntnisse, die er im Laufe seines Lebens, in seinen verschiedenen Leben gewonnen hat. So fleht und bittet man um diese höheren Erkenntnisse und tut das Seinige dazu, um diese Harmonie zu finden. Friede, Gerechtigkeit, Liebe, Wohlwollen, Verständnis, alles in allem: Harmonie.
So, liebe Geschwister, ziehe ich mich zurück in meine Welt. Wir wollen hoffen und annehmen, dass euer Schutzgeist euch den Kelch und die Schale darbietet, damit ihr gespeist werdet, damit ihr gesunden könnt an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.2.1964 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 12. Juni 1954
Die Geisterwelt Gottes ist interessiert am Aufstieg des Menschen und unterstützt ihn auf seinem Lebensweg. Wer im Verlangen nach Harmonie ist, erhält den Beistand seiner Schutzgeister, um vieles dulden und auf sich nehmen zu können, um dem Nächsten die notwendige Wertschätzung zu geben und ihm mit Güte und Verständnis zu begegnen.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, ich versuche nun über das harmonische Leben und auch über die Schwierigkeiten im täglichen Leben des Menschen zu sprechen.
Wir Geistwesen vermögen all das Schwere im Leben der Menschen wohl zu erkennen. So erkennen wir aber auch, wie notwendig es ist, dass wir überall mit unserer göttlichen Kraft einwirken und beistehen, und wir bemühen uns ganz besonders um jene Hilfsbedürftigen und Kranken, die wir lieben. Dort stehen wir bei, so gut es uns möglich ist. Wir sind bereit, sie im Geiste zu empfangen und zu führen. Wir versuchen ihnen Erleichterung zu bringen in der Zeit ihrer grössten Schmerzen.
Ihr wisst, dass die Entwicklung des Geistes im Erdenleben viel schneller vor sich geht, als sie im göttlichen Reiche vor sich gehen kann, weil im Erdenreich viel zu überwinden ist. So ist das Leben des Einzelnen oft sehr schwer, wogegen wir Geistwesen, die wir keinen materiellen Körper haben, der uns schmerzt, auch keine Sorgen und keinen Kampf kennen um das tägliche Brot – wir sind in dieser Beziehung viel freier.
Nun, ein Geistwesen, das nach Gott verlangt und nur nach seinen Gesetzen wirken will, wird auch dementsprechend ein schöneres Aussehen haben als jene Geister, die aus der Tiefe steigen. Ihr Anblick ist nicht so schön. Aber jene, die aufwärtsschreiten und schon den geistigen Höhen angehören, sind wunderschön, denn ihr harmonisches Wirken, Denken und Wollen im göttlichen Sinne, das macht sie schön, ihre Gestalt, ihr Antlitz. Denn jedes Geistwesen hat auch einen Körper wie der Mensch, in gleicher Form, aber geistiger Art. Die Erscheinung all dieser Wesenheiten ist aber sehr verschieden, und es kommt ganz auf das harmonische Verhältnis an, in dem sie zu Gott stehen. Wenn sie die Wege der Vollkommenheit schreiten, nehmen sie an Schönheit zu.
Was in der geistigen Welt, auch unter den seligen Geistern, besonders gepflegt werden muss, das ist die edle Gesinnung. So gilt auch in der geistigen Welt dieses Gepflegtsein, um weiterzuschreiten in der Vervollkommnung, denn es herrscht bei jedem Wesen der freie Wille. Wer aber den geistigen Höhen zustrebt, ist frei von allen Untugenden wie Neid oder Hass. All das ist überwunden, was einst ihn von Gott entfernt hatte [beim Abfall]. Kein Engel Gottes beneidet den andern um seine schöne Erscheinung. Jene, die Gott immer treu geblieben sind, sie schreiten nur auf den Wegen der Vollkommenheit, und sie sind so schön von Gestalt. Das alles ist das Ergebnis ihres harmonischen Denkens, Wollens und Wirkens überall.
So ist es uns Geistern viel leichter gemacht, da wir in der Seligkeit keinen Körper mehr haben, der uns schmerzt. Unser geistiger Körper ist so leicht und bereitet uns kein Unbehagen mehr. Unser Trachten ist nur, Gott zu dienen. Wir wünschen keine Bereicherung, nur zu dienen. Das ist der Weg zur Vollkommenheit Gottes, in diese Schönheit hinein. Denn Gott ist die Vollkommenheit, die vollendete Schönheit. Gott ist nicht so, wie ihn die Menschen abbilden. Denn da, wo Harmonie ist, ist Schönheit. Gott ist die vollkommene Harmonie, also auch die vollendete Schönheit. Und alle die Wesen, die den Weg der Vollkommenheit gehen, sind wunderschön. Doch an die Schönheit von Gott und Christus gelangen sie trotzdem nicht.
Wenn ein Mensch hellsehend ist oder in einer stillen Stunde einen himmlischen Boten wahrnehmen durfte, der aus den höchsten Höhen kam und in dieser Vollkommenheit lebt, so ist dieser so schön, dass der Mensch dann nur noch glaubt, Gott selbst oder Christus gesehen zu haben. Wer es innig wünscht, Gott näherzukommen, der wird ganz gesetzmässig zuerst einmal in den göttlichen Bereich gelangen, wo eine wunderbare Harmonie, wo Friede und Seligkeit ist. So wird er zuerst einmal das aufnehmen, was in diesem Bereich des Göttlichen zu finden ist, die wunderbare Harmonie. Denn, meine lieben Freunde, der Wunsch, Gott zu erleben, in seine Nähe zu gelangen, ist so gross. Und wir Geistwesen Gottes sorgen für dieses Verlangen, wir schüren diese Sehnsucht nach Gott, auf dass der Mensch in die Bereiche der Harmonie gelangen möge. Dann ist es aber noch lange, lange nicht so, wie viele glauben, dass sie Gott in Person erreicht hätten. Hierauf möchten wir immer wieder von Zeit zu Zeit hindeuten und zugleich die Bedingungen dafür erklären. Wer schon nach Harmonie trachtet, wer als Mensch so viel überwunden hat und in einem solchen Glücksgefühl lebt, der ist bereits in diese göttlichen Bereiche eingedrungen, von wo diese unendliche Kraft ausströmt. Denn wie vermöchte sonst der Geist eines Menschen in der Zeit seiner Loslösung in diese Weiten zu dringen?
Liebe Freunde, wir erkennen so deutlich diese Schwere im Leben jedes Einzelnen. Sie ist zu finden bei Arm und Reich; sie ist zu finden bei jenen, die in ihrem Denken bescheiden sind, wie bei den intelligenten Menschen. Sie alle haben von ihren Bereichen aus vieles zu überwinden; denn es sind so viele Schwierigkeiten einem jeden zugeteilt. Wer jedoch nach Gott verlangt, dem wird von der geistigen Welt immer wieder die notwendige Kraft gegeben, damit er auszuharren vermag und sein Schicksal versteht. Wenn wir anerkennen, dass das Leben als Mensch so schwer ist, so deshalb, weil wir doch alles sehen, all die Leiden, die ihnen ihr Körper bereitet, wir sehen da und dort den Kampf um das tägliche Brot. Und dann, über all das hinaus, wird vom Menschen verlangt, dass er nach dem Göttlichen trachte. So muss er einmal gegen all seine Untugenden kämpfen, sie zu überwinden versuchen und trotz der Leiden und all des Schweren ein gottgefälliges Leben führen. Wie schwer fällt es da so vielen, durch alle diese Schwierigkeiten hindurch trotzdem den Weg zu Gott zu finden.
Wenn nun wir Geistwesen versuchen, jedem die notwendige Kraft zum Leben zu übermitteln, so liegt dies alles in der Güte Gottes. So wird auch durch diese Güte Gottes all jenen geistige Hilfe zugeführt, die nicht zur Einsicht gekommen sind, dass sie trotz ihrer Sorgen und Lasten den Weg zu Gott suchen müssen. Wir versuchen sie guten Menschen zuzuführen, die sie zu einer Aufgabe hinlenken, woran sie Freude gewinnen, damit sie so in ein anderes Verhältnis zur göttlichen Welt und zu Gott selbst kommen. Es ist also immer wieder die göttliche Welt, die führt. Und wenn der Mensch doch nach einem harmonischen, glücklichen Leben trachten soll, so lautet die erste Bedingung dazu: in sich selbst zuerst Ordnung zu schaffen und die Möglichkeit der Verbindung zur göttlichen Welt wahrzunehmen und sich zu öffnen, dass ihm geholfen werden kann. Denn wer so in seinem Leben kämpft und darob den Weg zu Gott nicht verliert, an dem hat die göttliche Welt Gefallen. Es darf nicht sein, dass der Mensch zu seiner Entschuldigung vorgibt: “Ich hätte wohl den Frieden im Hause, wenn ich allein leben könnte. Ich wäre schon mit allem zufrieden, wenn nur dieser und jener nicht in meiner Nähe wäre!”
Ja seht, liebe Freunde, das ist es gerade, was alles dem Menschen zugeführt wird, all diese Schwierigkeiten, die er noch mit überwinden muss nebst seinem sonst göttlichen Leben. Das sind grosse Leistungen, die es noch zu erfüllen gilt, um zu beweisen, dass man zu höheren Aufgaben fähig ist. Und da heisst es seinen Aufgaben nicht ausweichen. Denn wer Kenntnis hat von den göttlichen Gesetzen, darf solchen Aufgaben nicht ausweichen, sondern muss versuchen, sie zu erfüllen. Deshalb betonen wir, dass das Leben als Mensch im Kampfe um all das Notwendige, das er für sein Leben braucht, schwer ist; denn anderseits wird von ihm ein wahres christliches Leben verlangt, dass er nur die Liebe gibt und jeden Streit meidet, dass er immer wohlwollend und jederzeit barmherzig und gerecht sei. Wie viele vergessen, all diese Tugenden zu erfüllen, wenn sie nur in ihren Widerwärtigkeiten leben, wenn sie nichts anderes als ihre Not erkennen. Diese Schwierigkeiten aber sind da, auf dass sie angefochten und bekämpft oder vermindert werden. So lieben wir es nicht, wenn unsere geistig ausgerichteten Freunde sich über dieses und jenes beklagen. Denn wer sich einerseits geistig so stark glaubt, soll auch fähig sein, all die Schwierigkeiten, in denen er lebt, zu bekämpfen und damit fertigzuwerden. Und wer sich dazu anstrengt und es fertigbringt, der hat wahrhaftig ein wertvolles Leben gelebt und hat seine Prüfungen bestanden.
Liebe Freunde, wohl gibt es auch Ausnahmen, wo ein Mensch es nicht so schwer hat, wo einer in wirklicher Harmonie lebt. Dann soll er Gott dankbar sein, und er ist mehr als ein anderer dazu verpflichtet, in die stille Stunde zu gehen, um sich mit der göttlichen Welt zu verbinden. Denn Seelen, die aus der Tiefe kommen, sind dazu nicht fähig. Jene, die aus dem Bereich der Finsternis erst im Aufstiege begriffen sind, haben nicht das Verlangen nach Harmonie. Sie wollen in dieser Unzufriedenheit, in Unehrlichkeit und Untreue leben, ja sie wollen in Hass und Neid ihr Dasein verbringen. Wenn euch solche Menschen begegnen, dann betet für sie, habt Erbarmen mit ihnen. Denn es sind die ärmsten Brüder und Schwestern, die noch im Aufstiege aus diesen Tiefen begriffen sind, deren Gefühle noch nicht gereinigt sind.
Wenn ein Wesen aus höheren Bereichen wieder Mensch werden muss, werden seine Gefühle ganz anders sein; denn ein solcher Geist ist dann schon geläutert, licht und hell und verlangt als Mensch nur nach Harmonie und baut nur Harmonie auf. Da aber muss der Einzelne diese Harmonie pflegen und auszubreiten versuchen. Denn es ist so, dass man jene, die aus den Tiefen kommen und die nicht fähig sind, ein harmonisches Leben zu leben, nur so zu einem besseren Leben bewegen kann, indem man ihnen mit Güte und Verständnis begegnet und ihnen durch sein Beispiel zeigt, wie zu leben ist. Denn wer das Verlangen hat nach einem harmonischen Leben, der wird alles tun, um diese Harmonie um sich zu erhalten, und wird imstande sein, vieles zu überwinden und auf sich zu nehmen, um den Frieden aufrechtzuerhalten. Wer zu dieser Einsicht gelangt ist und solches fertigbringt, der steigt viele Stufen empor in seinem Höhenflug. Deshalb muntern wir euch immer auf. Denn ihr sollt ausharren; ihr müsst unbedingt die Harmonie pflegen – ein jeder kann viel beitragen, um die Harmonie zu erhalten.
Aber es ist auch so, dass die Menschen, wie alle Wesen, von den verschiedensten Sphären kommen und deshalb in ihren Veranlagungen so verschieden sind. Die einen sind gutwillig und stets bereit, das zu tun, was man ihnen empfiehlt; sie erkennen bald, dass dies zu ihrem geistigen Fortschritt ist. Solche Wesenheiten sind auch unter den Menschen zu finden, die, obwohl ihr Geist erst aus den Tiefen emporsteigt, doch schon diese gute Eigenschaft haben, gutwillig sind, Empfehlungen annehmen und sich belehren lassen. Das ist für jene auch ein gewaltiger Fortschritt. Dann gibt es solche, die starr sind in ihrer Einstellung, die einfach nichts annehmen und sich nicht belehren lassen wollen. Deren Empfinden ist so schwer; sie sind nicht verfeinert, ihr Körper ist keine Leuchte. So haben es die lieben Mitmenschen schwer mit ihnen, sie nachzuziehen; und doch muss es sein. Der geistig Starke muss den Schwachen stützen. Er darf nicht über ihn herfallen wegen seiner Unarten und Untugenden, sondern er muss ihn führen können, ihm eine geistige Hilfe sein. Es muss wieder im Empfinden des geistig Gehobenen liegen, wie man solchen Menschen begegnet: niemals mit Grobheiten, immer nur mit grosser Liebe und Geduld. Und wenn man euch dafür eine unartige Antwort gibt, wenn man euch beleidigt, liebe Freunde, dann bedenkt: Wer für den Heilsplan Gottes kämpfen will, hat vieles auf sich zu nehmen, auch solche Beleidigungen, wenn man von solchen sprechen kann. Denn denkt doch an euren gütigen Vater, wie er trotz der gewaltigen Verleumdungen von da und dort, trotz der grossen Fehler und Sünden seiner Menschenkinder sie immer liebt und dafür sorgt, dass die Sonne über alle scheint. Wäre nicht bei Gott in erster Linie das Recht und der Grund zu bestrafen? Doch er sendet seine Boten aus zu helfen, und seine erste Antwort ist immer die Güte. Also, liebe Freunde, denkt daran, dass Gott sich viel mehr gefallen lässt von seinen Kindern, als ihr euch dann und wann gefallen lassen müsst. Deshalb ist es gut, gegen dieses alles ankämpfen zu können. Die Kraft dazu wird jedem gegeben, der vom guten Glauben durchdrungen ist und der nur Gott dienen will.
Ich möchte euch aber auch sagen, was die Harmonie fördern kann in der Familie und in der Umgebung und was sie erhalten kann. Wenn ihr Uneinigkeiten habt oder euch Dinge nicht klar sind, dann sollt ihr um eine gegenseitige Aussprache bitten. Es soll der eine zum andern hintreten und ihm sagen: “Höre einmal, ich möchte dir ganz klarmachen, wie ich denke, um Unannehmlichkeiten und Missverständnissen vorzubeugen.” Durch eine solche Aussprache kann so viel Streit vermieden werden. Da möchte ich aber meine Freunde darauf aufmerksam machen, diese Aussprache immer in grosser Liebe und Geduld zu halten. Denn dadurch verbreiten sie das geistige Feuer der Harmonie. In alle Weiten hinaus soll sie getragen werden. Niemand soll sagen: “Ich bin zufrieden und glücklich mit mir allein, und was um mich ist, interessiert mich nicht.” Wer so spricht, ist ein Egoist. Denn jeder, der sich geistig stark fühlt, ist dazu verpflichtet, auch in die Weiten zu wirken. So soll er als gutes Beispiel leben und die Harmonie austragen, dass sie allen Menschen von grossem Nutzen ist. Also, liebe Freunde, wenn ihr in eurer Familie oder in Freundeskreisen über irgendwelche Dinge nicht im Klaren seid, dann sprecht euch aus, und seid immer bereit, die Hände zum Frieden zu bieten. Dann verbreitet und baut ihr diese Harmonie auf. Denkt aber immer daran: Verletzt nie einen eurer Mitmenschen, sondern in grosser Liebe und Geduld begegnet ihm.
Als weiteres gutes Mittel zur Förderung der Harmonie: Schenkt euren Nächsten die notwendige Aufmerksamkeit, denn wie oft beklagt sich das eine und andere, dass sein Mühen und grosses Wirken nicht ästimiert werde. So soll es geschehen, dass die Frau das Schaffen des Mannes würdigt und anerkennt. Sie soll Worte des Lobes für ihn finden, Verständnis für ihn haben. Und wie mancher Bruder würde glücklich sein über solche aufmunternden Worte seiner Kameradin, die seine Arbeit schätzt. So soll es aber auch in umgekehrter Weise sein, der Frau gegenüber, die so viele Aufgaben erfüllt. Auch ihre Arbeit sollte anerkannt werden von ihrem Kameraden. Auch er soll Worte des Lobes finden, doch in wirklich ernsthafter Weise und aus freudigem Herzen. Das alles trägt bei, die Harmonie zu verbreiten. Versucht es auf diese Weise zu tun. Schaut aus nach euren Freunden und denkt, dass ihr auch ihnen diese Aufmerksamkeit schenken könnt. Wenn ihr nun solches tut, dann verbreitet ihr noch um ein Weiteres die Harmonie.
Liebe Freunde, wir Geistwesen versuchen euch immer die Ratschläge zu geben, die den Menschen helfen in ihrem geistigen Aufstieg. Und wenn ihr schon mit uns verbunden seid, dann bitten wir euch, befolgt auch diese Worte, denn wir wollen nur euer Glück und eure Freude. Wir wünschen nur, dass ihr Gesundheit und Wohlergehen erlebt. Wir tadeln jeden, der ehrgeizig ist, der sich erhaben fühlt über andere. Wir unterstützen nur, was sein geistig Licht fördert. Wir bitten darum, dass in jeder Familie der Friede gefördert werde, denn dann ist uns mehr Möglichkeit gegeben mitzuwirken.
Nun, meine Lieben, versucht die Harmonie zu pflegen und sie in eurer Umgebung zu verbreiten; versucht zu dulden, versucht zu ertragen. Es werden Tage kommen, wo euch der Segen Gottes in reichem Masse als Belohnung für euer Wirken zuteilwird, all jenen, die gekämpft haben. So rufe ich euch zu: In Frieden geht auseinander. Seid froh und glücklich und Gott dankbar für all das, was er euch gegeben hat. So nehmt den Segen Gottes mit. Er begleitet euch, und die Engel Gottes führen euch. Tretet wieder hinaus in eure Welt. Gott segne euch. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 12.6.1954 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Josef, 6. Februar 1960
Zur Harmonie gehört eine Ausgeglichenheit in der Lebensführung. Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von einem Manne, der durch sein vieles Arbeiten, durch sein Streben nach irdischem Gute an seiner Seele erkrankte.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, vom geistig ausgerichteten Menschen verlangt man eine harmonische Wesensart. Ruhe und Ausgeglichenheit zeichnen seine geistige Stufe. Der Drang nach dem irdischen Gute hindert den Menschen sehr oft an diesem geistigen Aufstieg. Könnten doch Menschen auch nur für einige Augenblicke erkennen, dass man nach der Rückkehr in die Geisteswelt, bei der Begrüssung der Seele, beim Messen ihrer geistigen Werte oft grosse Enttäuschungen erlebt. Denn so mancher Heimgekehrte sagt sich: “Hätte ich gewusst, was ich jetzt weiss, hätte ich mein Leben anders eingerichtet.” Den Menschen drängt es nach Ansehen, nach Reichtum. Ist er dann aber in der andern Welt, wird nicht nach dem Reichtum gefragt, den er zurückgelassen hat; es wird nicht gefragt, was damit geschieht. Aber man fragt die Betreffenden: “Habt ihr mit eurem irdischen Reichtum auch etwas zugunsten der göttlichen Welt gemacht?” Wenn dies bejaht werden kann, dann mehren sich die geistigen Werte; denn dann war man im Leben ja auf das höhere Streben ausgerichtet, man wollte Gutes tun und wusste also die Dinge einzuteilen. Doch wie viele gibt es, die aus lauter Streben nach irdischem Gute vergessen, den Weg aufwärts zu schreiten.
Ich möchte diese Stunde von einem Wesen erzählen und euch wiederum erklären, wie die Gotteswelt jedem Einzelnen gegenübersteht und wie sie so die Seele erkennt und für jeden das Beste will. So möchte ich von einem Menschen reden, der in seinem Drang nach Ansehen und Reichtum in grosser Hast durch diese Welt geeilt war. Er war kein schlechter Mensch; er glaubte an Gott und tat dann und wann etwas Gutes. Doch dieses stand nicht im Verhältnis zu seinem irdischen Besitz. Eine überaus grosse Hastigkeit war in seiner Wesensart. Diese Hastigkeit kann einem jeden zum Verderben sein, Hastigkeit ist ein Schmarotzer für Seele und Leib. So war es auch bei diesem betreffenden Menschen; denn seine ganze Seele war schon von dieser Hastigkeit durchdrungen. Er vermochte kaum zuzuhören, was ihm gesagt wurde; immer drängte es ihn, an ein Ziel zu kommen. Von ständiger Unruhe getrieben wollte er immer wieder andere Entscheidungen treffen, und so war er auch für die Mitmenschen eine grosse Last.
Im geistigen Reiche, als man ihn empfangen hatte, da offenbarte man ihm gleich seinen ‘Reichtum’. Nun musste er erkennen: Das ganze Schaffen sein Leben lang war eigentlich sinnlos gewesen. Er hatte so viele irdische Reichtümer zusammengebracht und so wenig an geistigem Gut. Die Engel, die ihm zur Seite waren, bedauerten es und erklärten ihm: “Siehst du, durch deine überaus grosse Hastigkeit bist du vom wahren Wege abgekommen. Du besitzt so wenig, und dabei warst du doch guten Willens; aber du warst schwach.” Und er überlegte sich: “Ja, warum habe ich denn so viel gearbeitet, und wem hat es etwas genützt?” – ja, seinen Hinterbliebenen. Aber er selbst hatte nicht mehr von diesem Besitz profitieren können, wie er es für sich im Hinblick auf sein Alter erhofft hatte – er wurde schon vorher mitten aus seiner Tätigkeit abberufen. Ganz plötzlich wurde ihm das andere, unsterbliche Leben zur Wirklichkeit, und so wenig von diesen geistigen Werten war da – er hatte ein Leben lang gearbeitet und für das Geistige nichts erreicht.
Seine Hast war in der Jenseitswelt nicht von ihm gewichen; voller Hast lebte und sprach er auch hier. Er wollte nun mit grossen Anstrengungen auch geistige Gewinne erzielen; man solle ihm nun in dieser andern Welt die Möglichkeit dazu geben, er wolle nun unbedingt auch diese geistigen Werte gewinnen. Doch aus seiner Seele sprach so viel Unruhe. Und so wusste die Engelswelt genau, dass dieses Gewinnen von geistigem Reichtum nur auf egoistische Art und Weise geschehen würde; denn er würde nicht nach den andern fragen, nach ihrer Gesinnung, nach ihrem Gefallen, sondern er würde für sich allein alles daransetzen, im Glauben etwas zu erreichen. Und da musste man ihm sagen: “Siehst du, du bist so voller Hast und voller Unruhe; zuerst muss deine Seele gesunden.” Ja seine Hände zitterten vor Unruhe in gleicher Art und Weise wie einst, als er noch mit dem menschlichen Leib bekleidet war. Und man sagte ihm: “Du musst in deiner Wesensart ruhig und ausgeglichen werden, erst dann wirst du fähig sein, geistigen Reichtum zusammenzutragen.”
Wie sollte das geschehen? Ihm Aufgaben zu übertragen, war unmöglich. Man betrachtete ihn als eine kranke Seele. Wie ich euch schon erzählt habe, gibt es im geistigen Reiche Häuser, wo man solche seelisch Kranken pflegt, die von einer fixen Idee besessen sind oder die sich zum Beispiel in ihrem Denken und in ihren Gefühlen nicht von einem besonderen Erleben befreien können und daher noch gleichsam Schmerz spüren wie in ihrem menschlichen Leibe – und alle Erklärungen helfen nichts. Da hilft nur das eine: die sorgfältige geistige Betreuung und Heilung der kranken Seele.
So führte man diesen Heimgekommenen in ein solches Haus. Es war überaus gross und voll belegt. Angrenzend gab es schöne Gärten und Wälder. Das Haus selbst war mit seinen Räumen sehr hell und froh; kleine und grössere Räumlichkeiten standen zur Verfügung. Die Engelswelt hatte sorgfältig gesondert, wen man in die Gemeinschaft mit andern zusammenbringen durfte und wer der separaten Pflege bedurfte – auch darüber urteilt die göttliche Welt. Diese Seele, von der ich spreche, durfte in der Gemeinschaft mit andern zusammenleben, trotz ihrer Hast und Unruhe. Denn sie interessierte sich ja wenig für die Leiden und Beschwerden der andern. Ein jeder hier hatte gerade mit sich selbst genug zu tun und genug zu denken. Die schönen Wälder und der grosse Garten in der Nähe dieses wundersamen Hauses dienten diesen kranken Seelen zum Aufenthalt. Während sich bei den einen ihre ganze Heilung innerhalb des Hauses vollzog, verweilte man mit andern nur für kurze Zeit im Hause und wanderte dann durch diesen Garten und in die Wälder hinein.
Jeder kranken Seele wird ein geistiger Betreuer gegeben. Es ist nicht so, dass man mit Vorwürfen auf die Betreffenden eindringt. Sondern man nimmt sich ihrer an, wie sich ein Arzt im irdischen Reiche der Kranken annimmt. So stehen der Gotteswelt auch verschiedene Möglichkeiten für ihre Heilung zur Verfügung. Während es beim einen von grossem Nutzen und zum Heil ist, wenn er in einen längeren Schlaf versetzt wird, vermag ein solcher Schlaf bei einem andern keine Genesung zu bringen. So war es bei dieser Seele, von der ich spreche. Wohl empfahl man ihr einen solchen Schlaf, aber man wusste zum Voraus, dass er nicht die notwendige Heilung bringen würde. Nach dem Erwachen kam dieselbe Unruhe und dieselbe Hast wieder zum Vorschein. Der Betreuer dieser Seele erhielt nun die Empfehlung eines erhabenen Engelwesens, eines geistigen Arztes, der beim Betreffenden die genaue Diagnose stellte und den Weg der Genesung bestimmte: “Gehe du mit ihm in die Wälder und in die Gärten hinein, und er soll singen; er soll lernen zu singen. Singt miteinander, ganz ruhig, und er soll Gedichte sprechen, ganz langsam, ganz ruhig.”
Dieser geistige Betreuer spricht die Gedichte vor. Zwischendurch atmet man tief, und man wiederholt unzählige Male dieselben Sätze; man spricht sie, man singt sie. Die kranke Seele muss diesen Empfehlungen nachkommen. Die Gotteswelt weiss genau, wie ungeheuer lange es womöglich dauern kann, bis die Unruhe gewichen ist. Denn diese Seele strebt immer nach etwas anderem; sie ist voller Hast und sieht immer wieder Dinge, von denen sie glaubt, dass sie besser wären; sie möchte einen andern Weg gehen, der bestimmt schneller zu den geistigen Höhen führen würde. Doch es geht darum, Ruhe über dieses Wesen zu bringen – die Ruhe soll die Medizin sein, sie ist für diese Seele notwendig.
So übt man, so wandert man und kehrt wieder in das Haus zur Gemeinschaft zurück. Man versucht nach gewissen Zeiten, den Anschluss an die andern zu finden und sich mit ihnen auszusprechen; man versucht, das Interesse auch auf den andern zu lenken und mit ihm seine Probleme zu besprechen – man will das Denken auf andere Dinge lenken. Sie alle, die da sind, sind krank, und jeder spricht von seinem Leiden, von seiner Enttäuschung, von seiner Bedrängnis. Neben jedem steht sein geistiger Berater, und dieser tröstet seinen Schützling und zeigt ihm den Weg zu seiner Heilung – er unterbricht die Gespräche, wenn er findet, dass sie zu weitläufig werden, und geht dann mit ihm wieder hinaus auf Wanderungen.
Bei dieser Seele, die in Ruhe singen und Gedichte sprechen musste, damit Ruhe über sie komme und sie ihre Aufmerksamkeit nicht immer auf anderes lenke, versuchte man nach einer gewissen Zeit etwas mehr zu verlangen – etwas mehr. Der Begleiter selbst forderte seinen Schützling auf: “Komm mit mir, und wir spielen im Garten zusammen” – auch im Geisterreiche können wundersame Spiele gespielt werden, die dazu dienen, die Seele zu läutern und zu heilen. So geschah es mit diesem hastigen Wesen. Der Engel spielte mit ihm, und so ging dies eine lange, lange Zeit.
Als man dann erkannte, dass sich bei dieser Seele eine Besserung einstellte, verliess man dieses Haus. Man kam dann in ein anderes Gebäude und trat auch in eine Gemeinschaft ein. Dort wurde das Hauptgewicht nicht mehr darauf gelegt, was dieser Seele Heilung geben könnte, sondern hier wurden kleinere Aufgaben verlangt – stets aber in der Begleitung jenes führenden geistigen Wesens, das von allem Anfang an dabei war. Dieser Begleiter sollte seinem Schützling behilflich sein und ihm immer mahnend und tröstend beistehen. So verpflichtete man dann diese Seele zu einer Aufgabe. Und wiederum nach einer geraumen Zeit wurde sie wie jede andere Seele über den Heils- und Ordnungsplan Gottes unterrichtet. Es wurde ihr eröffnet, dass sie auf dem Weg eines neuen Erdenlebens viel gewinnen könnte – dass man aber mit einer neuen Einverleibung so lange zuwarten möchte, bis dieses Übel der Unruhe und Hastigkeit ganz aus ihr entschwunden sei. Durch die sorgfältige Betreuung und Hingabe dieser göttlichen Wesen gelang es, dass diese Seele geläutert und geheilt wurde. So hatte sie nun im Geisterreiche diese Ausgeglichenheit erreicht – aber nicht etwa in einer kurzen Zeitspanne, sondern es brauchte eine lange Zeit, bis diese Seele von ihrer Unruhe geläutert und geheilt war. Ihr guter Wille hatte die gute Geisterwelt veranlasst, sich ihrer so anzunehmen, um sie für ein besseres, höheres Leben zu gewinnen. Als man dann glaubte, diese ganze Reinigung wäre so weit geschehen, wurden die Vorbereitungen für das neue Erdenleben getroffen. Und so wurde es gefügt von der göttlichen Welt.
Betrachten wir jetzt wieder den Menschen – dieser Geist wurde wiedergeboren, derselbe Geist, dasselbe Seelenkleid. Dieser Mensch steht nun wieder im irdischen Reiche und nimmt diese neuen Eindrücke wieder auf. Es ist klar, dass alle Seelen, die inkarniert werden, gewisse Erbanlagen der Eltern mit sich durchs Leben nehmen. Es liegen jeder Seele aber auch ganz bestimmte Neigungen zugrunde, die sich trotzdem offenbaren können – da mehr, dort weniger. Die leiblichen Eltern geben sozusagen die Kraft dafür. Und je nach der geistigen Erkenntnis, je nach der vorhergehenden geistig-seelischen Läuterung wird nun das Leben geführt. Ist ein Mensch von einem guten Willen durchdrungen, vermag er mehr zu leisten. Und ist in ihm der feste Glaube an Gott und ist er bestrebt, die hohen Ziele des Lebens zu erreichen, dann öffnet er für sich selbst einen Schatz für den Gewinn geistiger Werte. So wird jedem Gelegenheit gegeben, auch dieser Seele, von Neuem zu beginnen. Sie war in der geistigen Welt geheilt worden von der Untugend der Hastigkeit. Durch diese gründliche Reinigung war diese Untugend nicht mehr zum Vorschein getreten. Das neue Leben bot wieder andere Probleme.
Der Mensch weiss aber nichts von diesen Wegen, durch die er geschritten ist; er weiss auch nichts von den Versprechungen, die er gemacht hat. Er muss ohne dieses Wissen in diese Welt hineinkommen und aus einem inneren Verlangen heraus selbst entscheiden, was er tun möchte. Er muss die Kraft finden für sich, harmonisch zu werden. Er muss anfangen zu überlegen, was notwendig ist, was es für eine harmonische Wesensart braucht. Er muss sich üben, üben im Meditieren. Er muss einen dementsprechenden Lebenswandel führen und seinen Mitmenschen wohlgesinnt zur Verfügung sein. Es sind viele Grundsätze, die eine Rolle spielen, die man aber durch vernünftiges Denken selber erkennen kann. So bietet die Geisteswelt Gottes dem Menschen so viel Heilvolles, und in der christlichen Lehre ist alles enthalten, was ihm schon zu Lebzeiten eine gewisse Seligkeit bringt.
Es ist leicht, nur dahinzuleben, Gewalt anzuwenden, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und nur so zu tun, wie es einem gefällt. Das ist kein geistiges Streben, das ist kein harmonisches Leben. Es ist keiner ein harmonischer Mensch, wenn er dem Nächsten immer seinen Willen aufzwingen will, wenn der andere immer das tun muss, was seiner Meinung nach das Richtige wäre, wenn der andere so und so zu leben, das und das zu essen hätte und so weiter – wer so auf den andern eindringt, ist kein ausgeglichener Mensch. Harmonisch und ausgeglichen ist man, wenn man in Ruhe, ohne Aufdringlichkeit, mit Liebenswürdigkeit, mit einem guten Herzen sprechen kann. So kann man den Nächsten gewinnen.
Wer in irgendeiner Art und Weise dem Nächsten Gewalt antut, indem er versucht, ihm seine Meinung gewaltsam aufzuzwingen, der wird in der geistigen Welt erfahren, dass man in gleicher Weise mit ihm verfährt. Man wird rücksichtslos von ihm verlangen, man wird genauso tun, wie er als Mensch getan hat. Denn wenn ihr meine Worte versteht und mir immer wieder getreu zuhört, dann müsst ihr sehen, dass im Geistesleben und bei der Beurteilung des Menschen grosser Wert darauf gelegt wird, in welchem Verhältnis man zum Nächsten steht. Wer gegenüber dem Nächsten herrisch und gewaltsam ist – oh, der soll für sich selbst nicht den Glanz der Himmelswelt vor Augen haben. Darum sagen wir immer: “Sei wohlwollend und verständnisvoll dem andern gegenüber. Tue du deine Pflicht, und dränge niemandem deinen Willen auf, in keiner Beziehung, weder in religiösen Dingen noch in anderen.” Gott hat als höchstes Geschenk einem jeden den freien Willen gegeben, sowohl den Seelen im geistigen Reiche als auch den Menschen. Was Gott nicht antastet, soll auch der Mensch nicht antasten. Beratend, liebevoll führend soll man neben dem andern stehen. Das ist nicht Gewalt. Dieses Führen soll auch mit grosser Freude entgegengenommen werden; man soll spüren, wenn in Liebe geführt wird. So weiss die geistige Welt einen jeden zu führen, jeden zu läutern; denn es ist uns allen daran gelegen, dass ein jeder so schnell wie möglich den Höhen entgegengehen kann.
Und wenn ich zurückkomme auf diese Seele, möchte ich darauf hindeuten, dass sie durch diese sorgfältige Führung und Pflege die Hast verloren und so viel gewonnen hat – diese Fürsorge ist durch und durch in sie hineingegangen. Freilich spielten im neuen Erdenleben dann wieder andere Probleme eine Rolle; diese Seele musste als Mensch wieder mit anderen Dingen fertigwerden. Aber sie war in einem gewissen Gleichgewicht; alle Hast war dahin, und sie konnte als Mensch geruhsam mit den andern sprechen, überlegen und handeln – dank dieser sorgfältigen Läuterung in der göttlichen Welt. Ich betone: Mit grosser Hast und Eile war einst jener Mensch durchs Leben gegangen, aber trotzdem voll guten Willens; trotz seiner Hast, die er in sich trug, hatte er niemandem seinen Willen aufgezwungen – er wäre gar nie dazu gekommen, denn schon schnell waren in ihm jeweils wieder andere Gedanken, er war in ständiger Unruhe. Und dieses durfte in der göttlichen Welt seine Heilung finden. Ihr werdet denken: “Ja warum geschieht dies denn nicht auch bei stark belasteten Seelen? Sie können auch nichts für ihre Fehler.” Doch. Sie haben zu beweisen, in welches Lager sie treten möchten. Die christliche Lehre bietet einem jeden Menschen so viel und zeigt ihm den Weg, damit er weiss, was zu tun ist. Aber man muss sich anstrengen dafür.
So hatte dann diese Seele in diesem folgenden Erdenleben so viel gewonnen. Der Himmel freute sich, als sie wieder zurückkam und man sie wieder begrüssen durfte und ihr dann schwerere, grössere Aufgaben zuweisen konnte. Denn es soll euch bewusst werden, dass man in diesem Heils- und Ordnungsplane immer vorwärtsschreitet und die Anforderungen von Leben zu Leben grösser werden. Wenn man doch an das eine Ziel, zu diesen höchsten Himmeln, kommen will, so braucht es viel.
Nun, liebe Freunde, wenn ein guter Mensch durch dieses Erdenreich wandert und es versteht, die geistigen Werte zu sammeln und er sich um das höhere Leben bemüht, so wird ihm die göttliche Welt bei seiner Begrüssung auch den geistigen Reichtum vorlegen, den er durch sein irdisches Leben zusammengetragen hat. Man wird über seine geistigen Errungenschaften so viel zu reden wissen. Ihr sollt nicht glauben, dass man nur über die Fehler des Einzelnen vieles zu reden weiss, sondern man lobt auch, wenn man grosse Fortschritte sieht. Und dieses Loben geschieht nicht etwa nur gegenüber der betreffenden Seele, sondern man führt sie dorthin, wo so viele sind, die den Weg aufwärts angetreten haben, aber noch in grosser Schuld sind. Man zeigt diesen, wie der Himmel zu jenen spricht, die diesen Weg der Anstrengung und der Mühe gemacht haben, die im ständigen Verlangen waren, den richtigen Weg zu gehen, um in Gottes Nähe zu kommen, und die viele Überwindungen und auch Erniedrigungen ohne Weiteres auf sich nehmen konnten. Das anschauliche Beispiel ist für jene Seelen das Beste, man zeigt es ihnen: “Seht, da steht ein Bruder, eine Schwester vor euch; das sind ihre Schulden, und das ist ihr Reichtum, erworben durch den Weg, den sie gegangen sind” – und dieser Weg wird diesen Seelen erklärt. Indem sie es sehen, dass man auch gelobt wird, fassen sie Mut und strengen sich mehr an. Somit sind solche anschaulichen Beispiele ein Hilfsmittel der göttlichen Welt für jene aufsteigenden Geister; sie sollen dadurch angespornt werden. Denn ein gutes Wort, ein Lächeln von einem Engelwesen kann auch einer aufsteigenden Seele Mut und Freude bereiten auf ihrem Weg der Läuterung.
So, liebe Freunde, gab ich euch diese Stunde Einblick in die göttlichen Gesetzmässigkeiten. Ihr erlebtet es wiederum, auf welch wundersame, gnadenreiche Art die göttliche Welt gewohnt ist zu handeln. So möge Gottes Segen euch alle begleiten; möge er euch Kraft geben auf eurem Weg zu diesen Höhen, damit ihr überwinden könnt. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 6.2.1960 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1950 bis 1953
Lieber Josef, in einem deiner letzten Vorträge [am 9. Mai 1953] hast du darauf hingewiesen, dass durch zu viel Arbeit die Harmonie beeinträchtigt wird und dadurch eine Entfernung von Gott eintreten kann. Die heutige materielle Welt verlangt aber sehr viel von uns, und deshalb möchte ich dich fragen, inwiefern bei zu viel Arbeit die Harmonie gestört wird.
Josef: Die Arbeit ist dann zu viel, sobald Disharmonie eintritt, sobald der Mensch sich selbst nicht mehr in Gewalt hat und er nicht mehr die Arbeit beherrscht, sondern die Arbeit ihn. Das viele Arbeiten schadet dem Menschen nicht, solange er dabei fröhlich bleibt und ihm die Arbeit nicht zur Last wird.
Wenn aber der Mensch fühlt, dass ihm die viele Arbeit zur Last wird, dann hat er sich zu überlegen: “Was mache ich falsch? Bin ich nicht fähig, meine Arbeit zu bewältigen? Ich brauche soundso viel für mein Leben. Was muss ich tun, damit ich selbst wieder ruhig, gekräftigt und fähig werde, meine grosse Arbeit zu leisten?”
Wenn doch immer wieder gesagt wird, dass von keinem Menschen mehr verlangt wird, als er fähig ist zu tun, so braucht es dazu eben eine geistige Einstellung und Beherrschung seiner selbst. So muss der Mensch einmal versuchen, immer die Ruhe zu bewahren. Dies ist etwas so Notwendiges. Denn aus der Nervosität heraus entsteht so viel Unzufriedenheit. Der Nächste fühlt doch diese Unsicherheit, das unharmonische Gebaren in eurer Ausdrucksweise. Ja, er trägt es weiter und gibt wieder von sich, was er von euch erhält, sei es in seiner nächsten Umgebung, sei es, dass er geradewegs nach Hause geht und dort seine ganze Disharmonie auslöst.
So braucht es darin in erster Linie eben eine grosse Übung, um für eine grosse Arbeit befähigt zu sein. Die notwendige Kraft bekommt der Mensch in diesen stillen Stunden, wie ich sie nenne. Es wird ihm so viel mitgeteilt, wenn er jeden Tag eine halbe Stunde – eine Stunde, wenn es ihm möglich ist, oder alle zwei bis drei Tage oder, sagen wir, jede Woche auch nur einmal – in Ruhe über sein Leben, seine Arbeit nachdenkt. Dann wird ihm diese Kraft gegeben, dann werden ihm Eingebungen zuteil, und er wird seine Probleme besser lösen können. Er wird auch ruhiger werden. Denn die geistigen Kräfte kommen so an ihn heran, wenn er auch willens ist, in harmonischer Weise zu leben.
Anderseits, wo ein Mensch nicht fähig ist, dies zu tun, er keine Verbindung aufgenommen hat zur geistigen Welt, er eben diese Unruhe in sich auslöst, für ihn ist es eben das Beste, wenn er seine Arbeit etwas zu vermindern sucht, denn dann ist er ja nicht mehr fähig, seine Arbeit zu bewältigen. Wie gross ist doch die Gefahr bei diesen nervösen Menschen, dass sie durch ihr vieles Arbeiten erkranken. Es sind auch jene düsteren Geister des Unwillens, die sich an solche Menschen heranmachen und von ihren besten Kräften zehren und sie richtig krank machen, damit sie dann immer weniger fähig sind, ihre Arbeit zu bewältigen.
Der Mensch vermag viel Arbeit zu leisten, wenn er auch versteht, die dazu notwendige geistige Kraft immer wieder aufzunehmen. Wer aber diese Kraft nicht aufnehmen kann, der ist gezwungen, seine Arbeit abzubauen. (1953)
Kann ich etwas tun, um die Harmonie in meinem Hause zu verbessern?
Josef: Ja, warte etwas [Josef fühlt sich in den Fragesteller ein] ... Ja wisst ihr, liebe Freunde, es ist oftmals so schwer, euch die richtigen Worte zu geben, das heisst, die richtigen werden euch schon gegeben, aber sie werden nicht von allen Menschen aufgenommen. So wurde euch doch schon gesagt, dass ihr über Geschehenes nicht mehr nachsinnen, es vergessen und nicht mehr darüber sprechen sollt. Weder du noch jemand anders. Und neu anfangen, in Liebe, in Ruhe.
Wie oft habe ich schon gesagt: Sprecht leise zueinander, ruhig, langsam. Ich sagte dies nicht nur, um die Stunde des Vortrags auszufüllen. In diesem leisen, ruhigen Sprechen sieht man vom Geistigen aus etwas ganz anderes. Das leise Sprechen verhindert Zorn und Unfrieden. Die Disharmonie kann gar nicht erst aufkommen. Deswegen soll der Mensch eben langsam sprechen. Mit dem langsamen Sprechen kann er besser denken, und so wird er manches nicht aussprechen.
So möchte ich dir sagen – euch beiden zusammen, die ihr euch die Hand fürs Leben gereicht habt: Seid in Liebe einander zugetan; denkt immer, es sei euer erster Tag des Beisammenseins. Das eine muss um das andere werben, in Liebe, Geduld und in wirklicher Ruhe. Und nicht laut sprechen! Auch deine Kameradin soll versuchen, wenn sie dir etwas zu sagen hat, es langsam und ruhig zu tun, ich möchte fast sagen, leise zu sprechen. Wenn das geschieht, geschieht etwas Grosses, nicht nur für eure Augen sichtbar, sondern was in euch gezeichnet ist, geht der Vollendung zu.
Einwand von einem anderen Fragesteller: Wenn man Kinder hat, scheint es manchmal fast unmöglich, langsam und ruhig zu sprechen, den Zorn zu vermeiden und die Harmonie zu bewahren.
Josef: Wisst ihr, liebe Freunde, dass gerade darin ein grosser Aufbau liegt? Die Kinder werden euch nicht nur gegeben, damit ihr sie erzieht, sondern ihr erzieht euch dabei selbst. Nicht die geistige Welt ist daran schuld, dass ihr heute eine solche Hast habt in eurer Welt, dass ihr oft eure Geduld verliert, sondern es ist die Schuld der Menschen selbst, dass sie nach so vielen materiellen Dingen streben müssen für ihr Leben.
Wenn man in kluger Weise überlegt, wie die Kinder zu erziehen sind, so kann sich die Harmonie in der Familie trotzdem vollziehen. So muss natürlich auch die Bedingung erfüllt werden, dass jemand genügend Zeit findet, sich den Kindern zu widmen. Doch wenn die Menschen so viel arbeiten müssen und die Kinder diese Hast miterleben, geht diese Hast und Unruhe von den Eltern auch auf die Kinder über. Hier ist es eben notwendig, dass der Mensch etwas Kraft und Überwindung aufbringt, um die Harmonie zu wahren. Denn Kinder können nicht erzogen werden, indem man sie anschreit – vielmehr wollen sie für alles Mögliche eine Erklärung haben. Diese Erklärungen muss man ihnen geben. Es braucht wohl viel, bis sie davon gesättigt sind, denn es ist der Geist, der sich in diesem Körper entwickeln will und einleben muss.
So liegt es in erster Linie an den Eltern. Sie müssen überwinden und die Kinder in ruhiger, liebevoller Weise erziehen. Es darf oder muss wohl auch eine gewisse Strenge dabei sein. Versucht einmal in Liebe und Güte für die, wie es scheint, unwichtigsten Dinge eine richtige Antwort zu geben. Denn die Kinder verlangen danach. Sie wollen vor allem viele Erklärungen haben. Es wäre eben gut, wenn, sagen wir, einmal in der Woche die Eltern mit ihren Kindern ganz zusammen sein könnten – ich möchte fast sagen, in einer stillen Stunde sich mit den Kindern beschäftigen und die Kinder sogar fragen: “Was beliebt dir jetzt mit mir zu tun? Worüber soll ich mit dir sprechen? Was wünschest du, worüber ich dich aufklären soll? Was soll ich dir erzählen?”
So vieles wird dann aus den Kindern zum Vorschein kommen; ich möchte fast sagen, sie werden dadurch noch anhänglicher. Es soll damit das Vertrauen zu den Eltern gefestigt werden, und so wird die Achtung vor den Eltern grösser werden, wenn sie Zeit finden für ihre Kinder und nicht nur für ihre Arbeit. Die Menschen aber lassen sich von den materiellen Dingen so beeindrucken und sich wegen jeder Kleinigkeit aus der Fassung bringen. Ja wisst ihr denn nicht aus den vielen Bildern, die ich euch gegeben habe, dass der eine oder andere als Aufgabe hat, die Geduld zu üben, und dass die Dinge nicht besser werden, wenn die Menschen ihren Gefühlen einfach freien Lauf lassen? Das sind keine geistigen Verdienste. Der Mensch fühlt sich viel zu schnell in seiner Ehre gekränkt, wenn er nicht zu Worte kommt. Dies ist die irdische Welt. Die geistige Welt aber verlangt Bescheidenheit und Geduld. (1952)
Ich möchte gerne einem jungen Menschen zur Harmonie verhelfen. Nun bitte ich dich um deinen Rat, lieber Josef, wie ich das am besten erreichen kann. Ob ich dazu fähig bin?
Josef: Wisst ihr, liebe Freunde, oftmals wäre dem einen und andern schon zu helfen, wenn ihr seine Wesensart besser erkennen würdet. Grösstenteils fehlt es den Menschen vor allem an Geduld gegenüber den Nächsten. Auch kennen sie einander im Grunde zu wenig. Und oftmals glaubt der Mensch, der Nächste habe nun so zu leben, wie es einem selber passe, und möchte bei ihm auf diese Weise aufbauen.
Es bestehen so viele Möglichkeiten, womit andern in dieser Beziehung geholfen werden kann, insbesondere den jungen Menschen. Sie werden meistens von ihrer Umgebung nicht richtig verstanden. Zuerst musst du also sein Vertrauen gewinnen. Dazu muss aber so vieles überwunden werden. Beide sollen sich öffnen und sich in voller Freiheit aussprechen können. Freilich muss hier in der Liebe auch eine gewisse Strenge walten. Grundbedingung ist, dass dieser junge Mensch zuerst Vertrauen zu dir haben muss. Erst dann öffnen sich die Tore, damit ihr euch besser ineinander hineinfühlen könnt. Dann sollst du mit Liebe an ihn herangehen.
Es kann auch die Möglichkeit bestehen, dass man mit einer gewissen Strenge besser an einen Menschen herankommt – ja sogar wenn man sehr streng ist. Es kommt eben ganz darauf an, wie empfindlich er ist. Es ist eben so, dass gerade junge Menschen sich darüber beklagen, dass ihnen kein Verständnis für ihre Ansichten und keine Liebe entgegengebracht werden.
So möchte ich dir zuerst empfehlen, das gegenseitige Verständnis herbeizuführen. Versuche mit all deiner Liebe und Geduld an diesen jungen Menschen heranzugehen, und versuche mit ihm aufzubauen. Denn du sollst dir bewusst sein: Man kann viele Dinge, die dir an diesem jungen Menschen nicht passen, nicht einfach wegwischen, auch nicht durch ein strenges Wort. Nein, es ist wie eine Wunde zu pflegen. Ganz langsam müssen gewisse Dinge überbrückt werden, und das kann nur geschehen, indem eine solche Seele zuerst gepflegt wird. Auf diese Weise kann man das gegenseitige Vertrauen gewinnen. (1953)
Ich möchte gerne wissen, was wichtiger ist: die Harmonie oder die Wahrheit. Ist es nach den geistigen Gesetzen erlaubt, zu einer Notlüge zu greifen, damit die Harmonie nicht gestört wird?
Josef: Seht, liebe Freunde, es ist manchmal schwer, euch all diese Fragen zu beantworten, damit ihr mich auch richtig versteht. Es ist sehr bedauerlich, wenn der Nächste in seiner geistigen Entwicklung noch so zurück ist, dass er empört sein kann und in die Disharmonie schreitet, wenn man ihm die Wahrheit sagt. Es ist bedauerlich, wenn Menschen sich aufregen, weil etwas nicht nach ihrem Wunsche geht. Solche Menschen sind geistig immer noch im Rückstand.
Da du mich aber fragst: Ich will dir sagen, dass immer versucht werden muss, das grössere Übel oder Unglück zu vermeiden. So auch, wenn eine grössere Disharmonie vermieden werden kann, kann dem Menschen einmal eine Notlüge gestattet sein, wenn dadurch auch niemand irgendwelchen Schaden erleidet. Sie darf einmal angewendet werden, wenn dadurch wirklich ein grösseres Unglück oder eine Disharmonie verhütet werden kann. Aber ich sage, es ist sehr bedauerlich, wenn Menschen noch nicht so weit sind, dass sie die Wahrheit ertragen können. (1953)
Lieber Geist Josef, ich habe zusammen mit einem Freund eine Arbeit begonnen. Nun hat er mir die Treue nicht gehalten. Darf ich mit ihm weiter zusammenarbeiten, oder soll ich alleine weiterarbeiten? Siehst du eine Möglichkeit, dass ich mit ihm zukünftig in Frieden zusammengehen kann?
Josef: Lieber Freund, ich möchte hier eine allgemeine Erklärung geben. Wenn Menschen zusammenleben, sie im Geschäft zusammengeführt werden, sich in der Ehe oder im Leben nicht verstehen, sodass es ständig Reibereien gibt, wo kein Glück, keine Harmonie, kein Friede ist, so ist es die Pflicht eines jeden Menschen, alles daranzusetzen, diesen Frieden in Güte herzustellen, dem andern klare Worte zu geben und ihm zu sagen: “Wenn wir das und das machen, dann wäre es recht.” Sei es in der Familie, unter Eheleuten, sei es gegenüber dem Nächsten – jeder soll zu seinem Nächsten sagen: “Du hilfst mit beim geistigen Aufbau, wenn wir so und so miteinander weiterleben könnten.” Niemand soll Anlass zu einem Ärgernis geben. Wenn euch jemand an eurem geistigen Aufbau hindert, sei es beispielsweise durch Unfrieden, sei es jemand, der euch in einem privaten Geschäft schadet, und es so Ärgernis gibt, dann müsst ihr die Kraft haben, eure Wege zu trennen. Wenn es dem Guten, also dem Frieden, dient, müssen die Wege getrennt werden. Ihr dürft niemals in einer Atmosphäre des Streites, des Unfriedens leben. Ein jeder Mensch hat das Recht, sich davon zu lösen. Es heisst: “Was ihr auf Erden bindet, ist im Himmel gebunden” (Mat. 16, 19). Das heisst: Womit ihr euch auf Erden belastet, mit dem seid ihr auch im Himmel belastet. Wenn ein Mensch durch einen Nächsten an seiner Höherentwicklung gehindert wird, sodass er eben in seinem nächsten Leben belastet werden würde, dann soll er sich von ihm lösen. Denn was ihr auf Erden löst, ist auch im Himmel gelöst.
So müssen sich alle Menschen die grösste Mühe geben, den Frieden herzustellen. Ich sage doch immer: Gebt Worte der Güte und der Liebe. Nie eine Gehässigkeit in irgendeiner Form, nie sollen verletzende Worte aus eurem Munde kommen, sei es in geschäftlichen Angelegenheiten oder im engsten Familienleben. Nie soll an euch etwas von Streit oder Disharmonie sein. Dann bleibt ihr gebunden, und ihr bleibt auch im Himmel gebunden. Christus hat auch gesagt: “Wenn ihr Vater oder Mutter mehr liebt als mich, seid ihr meiner nicht wert” (Mat. 10, 37). Ja warum hat er das gesagt? Jene Menschen mussten den vorgezeichneten Weg streng einhalten, sie mussten die Gebote halten. Bedenkt einmal, dass zu jener Zeit, als Christus dies vermittelt hatte, die Juden auf ihren strengen Regeln beharrten und was das heissen musste in einer solchen Familie, wo sie niemals ihren Sohn oder ihre Tochter freigeben konnten. So entstand mancher Kampf, wenn es galt, jenem Jesus, jenem Nazarener, nachzugehen und das ganze Familienleben, das ganze Haus zu verlassen. Ja, ein Mann, der zu Hause Frau und Kinder hatte, ging Jesus nach und wurde dann eben unsicher und fragte ihn. Darum gab ihm Jesus diese Antwort: “Wenn du Vater und Mutter oder deine Kinder mehr liebst als mich, so bist du meiner nicht wert.”
Der edle Weg, das Schöne, das Göttliche kommt also zuerst. Es wird nicht von einem Menschen verlangt, dass er seine Familie zu verlassen habe, um in den Wald zu gehen und dort zu bleiben, zu beten und sich zu kasteien. Damit dient er nicht. Heute sind die Verhältnisse ganz anders. Menschen müssen dafür sorgen, dass sie an der Schöpfung und am Erlösungsplan mithelfen können. Was jemand einem Nächsten zuliebe tut, das zählt hundertmal mehr, als wenn einer nur für sich selbst betet. Dies ist wohl auch erlaubt, wenn eine Bestimmung dazu vorhanden ist, das heisst, wenn der Mensch besonders dazu inspiriert wird, dass er diesen Weg zu gehen hat. Aber heute, liebe Freunde, in dieser Zeit, wo ihr lebt, hat jeder dahin zu wirken, Frieden und Harmonie im Grossen zu verbreiten und nicht wie ein Egoist nur für sich selbst aufbauen zu wollen. Ja, wohl müsst ihr nach meinen Belehrungen immer an euch selbst arbeiten, aber dieses müsst ihr auch an den Nächsten weitergeben. Dann gibt es Frieden und Harmonie. Wo dies nicht eingehalten werden kann, sollen sich eure Wege trennen. Ihr sollt Gott darum bitten, dass er euch Kraft und Stärke gibt, damit ihr diesen Weg gehen könnt, damit ihr euch nicht belastet und in Frieden leben könnt.
Und so, lieber Freund, musst du es dir genau überlegen und dich auch nach euren irdischen Gesetzen richten. Diese musst du auch berücksichtigen. Du musst dich in erster Linie fragen: “Kann mir der andere einen weiteren Schaden zufügen, wenn ich diese Arbeit allein und selbstständig verrichte?” Du sollst Gott um Kraft und Stärke bitten, weil du nicht im Streit leben kannst und weil du doch ein Mann bist, der so viel Gottvertrauen hat. Und weil du Gott so viele Gebete sendest, wird er dir auch die Kraft und die Stärke geben, lieber Freund. (1950)
Lieber Geistfreund Josef, du empfiehlst uns oft, dass wir Frieden und Harmonie verbreiten sollen. Trotz diesem Bestreben kommt es aber doch auch vor, dass andere sich abweisend gegen uns verhalten.
Josef: Weisst du, liebe Seele, die Harmonie kann ein Mensch überall hinbringen. Aber er muss zuerst alles ablegen, was ihn unsympathisch, abstossend oder unharmonisch macht. Wenn ihr zum Beispiel in eine Familie hineinkommt, soll man euch mit Freuden begrüssen können. Hier liegt es im Feingefühl eines Menschen, zu erfahren, wie beliebt er ist bei seinen Nächsten. Er sollte es auch erahnen, wo er nicht erwünscht ist. Sein Gefühl sollte so verfeinert sein, dass er es spürt, ob er erwünscht ist oder nicht. Er soll sich selbst fragen: “Was ist an mir, dass man mich nicht liebt oder nicht aufnimmt, dass man so reserviert ist gegen mich? Was mache ich falsch?” Wer einen vertrauten Freund hat, kann ihn fragen, ob er sich wohl richtig oder falsch benimmt. Sicher wird er dann eine nützliche Antwort bekommen.
Meine Freunde fühlen es alle. Wenn sie in einem Hause mit Freuden aufgenommen werden, dann wissen sie, dass man die Harmonie mitgebracht hat. Aber der Mensch soll immer darauf bedacht sein, dass er nie zu weit geht. Er soll sich immer so benehmen, dass er die Grenzen des Erlaubten nie überschreitet und die Gastfreundschaft nicht ausnutzt. Überhaupt soll er die Güte des Nächsten nicht ausnutzen. Das alles trägt viel bei zur Harmonie eines Menschen und eben auch zu seinem Erwünschtsein.
Der Mensch soll die Grenzen kennen, wie weit er gehen und was er tun darf. Denkt alle daran: Man darf niemandem zur Last fallen, dessen Gastfreundschaft man sich erfreut, und man soll nicht aufdringlich sein. Jeder verlangt vom Nächsten, liebenswürdig zu sein und sich seiner anzunehmen. Das Gleiche aber gilt auch für ihn, den Mitmenschen Freude zu bereiten. Denn es bereitet dem geistig gehobenen Menschen doch auch unendlich viel Mühe, sich immer mit disharmonischen Menschen zu beschäftigen, sie immer anzuhören. Es werden ihm Kräfte entzogen, und seine Gesundheit wird dadurch geschwächt. So muss ein jeder bestrebt sein, sich in jeder Beziehung harmonisch zu erweisen. Dieses will heissen: beliebt sein bei seinen Mitmenschen. (1953)
Lieber geistiger Lehrer Josef, wenn Ärgernisse an uns herankommen, als Prüfungen oder selbst verschuldet, fühlen wir unsere Seelen erregt. Kann dadurch unser inneres Licht in Mitleidenschaft gezogen werden?
Josef: Das innere Licht kann nur in Mitleidenschaft gezogen und deine Seele nur beeinträchtigt werden, wenn du dich als Mensch von dir aus in einen solchen Ärger hineingibst, dass er tief in dich hineindringt und du dich lange damit beschäftigst. Das heisst, dass du eine Zeit lang nicht mehr fähig bist, harmonisch zu sein, sodass du von Ärger und Unruhe erfüllt bist und diese Unruhe in deine Seele hineingeht. Dann ist es zum Nachteil für deine Seele.
Dies, möchte ich aber sagen, ist lediglich ein Fehler deiner eigenen Erziehung. Jeder Mensch sollte sich in dieser Hinsicht selbst erziehen können und selbst so stark sein oder so weit kommen, dass es für ihn gar keinen Ärger gibt. Ich möchte dafür ein anderes Wort verwenden – nicht Ärger. Es soll gar nicht an den Menschen herankommen. Der Mensch sollte es fertigbringen, in Ruhe eine Antwort zu geben, wenn etwas an ihn kommt, das ihm nicht genehm ist. Bis man dieses kann, braucht es eine lange Zeit und viel Überwindung.
Aber, liebe Freunde, das ist es gerade: Dieser Weg des wirklich geistigen Lebens ist euch nicht leicht gemacht. Denn alles, was wertvoll ist, kostet euch etwas in eurem Leben. All eure wertvollen materiellen Dinge müsst ihr teuer bezahlen. Es geht nicht so einfach, ihr könnt sie nicht einfach so erwerben.
Hier, liebe Seele, kann man am Menschen erkennen, wie weit er in seiner geistigen Entwicklung ist. Dies braucht eben Schulung. So soll der Mensch sich Mühe geben, und wenn er meine Worte auch nur zu einem Teil wirklich aufnimmt, kann er sich selbst erziehen. Der Mensch sollte in jeder Lebenslage, trotz allem, eine gute Seele sein und andern ein gutes Beispiel geben.
Ja, meine Freunde, darum kehrt ihr doch immer wieder zurück auf diese Erde, weil ihr in diesem oder jenem Punkt eurer geistigen Entwicklung noch nicht genug weit fortgeschritten seid und es nötig ist, wieder zu gehen, um weiter aufzusteigen.
So gibt es Menschen, die einerseits in ihrer geistigen Entwicklung und auf ihrem geistigen Weg auf einer hohen Stufe angelangt sind, aber irgendwo haben sie noch eine Schwachstelle. Diese muss überwunden werden, liebe Freunde. Also möchte ich zu euch sagen: Es gleicht einer guten Tat, einem guten Werk, wenn ihr es fertigbringt, in allen Lagen und Momenten ruhig zu sein und euch zu beherrschen. Dies gehört zu eurer seelischen und geistigen Erziehung, liebe Freunde. Dieser Weg oder die ganze Angelegenheit ist eine teure Angelegenheit, ein schwerer Weg. Wenn aber das Ziel erobert worden ist, sind auch die Verdienste und Früchte dementsprechend. (1951)