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Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 4/2019 zum Thema Freundschaft mit einem Engel
Geistige Welt 4/2019
Freundschaft mit einem Engel
Beschreibung

Freundschaften werden geschlossen unter den Menschen, Freundschaften werden aber auch in der himmlischen Welt geschlossen. Von grosser Bedeutung ist es, wenn ein aufsteigendes Wesen einen höheren Geist Gottes zum Freund gewinnt. Denn eine solche Freundschaft bringt ganz bestimmte Vorteile im Aufstieg der Seele. Ein hoher geistiger Freund wird einem aufsteigenden Geist ein Führer sein und kann ihm dann auch in seinem menschlichen Dasein auf Erden als Schutzgeist zur Seite stehen. Sogar hohe Engel des Himmels können sich für die Lebensführung eines einzelnen Menschen interessieren und ihren Einfluss auf ihn ausüben, wenn sie erkennen, dass dadurch der Aufstieg gefördert werden kann. Geistlehrer Josef gibt in den Vorträgen dieses Themenheftes verschiedene Beispiele solcher geistigen Freundschaften. Er erklärt, wie man als Mensch einen Engelfreund gewinnt und welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen.

Themenheft 4/2019: Freundschaft mit einem Engel

Inhalt
Dem schnelleren Aufstieg entgegen – was die tiefe Liebe zu einem höheren Geist bewirken kann

Josef, 8. März 1958

Dem schnelleren Aufstieg entgegen – was die tiefe Liebe zu einem höheren Geist bewirken kann

Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von einem aufsteigenden weiblichen Wesen und seiner innigen Verbundenheit mit einem männlichen Geist, der bereits in herrlichen Höhen wohnt. Durch die grosse Sehnsucht, mit diesem schönen, lichten Geist für immer verbunden zu sein, findet die weibliche Seele die Kraft, sich aus ihrer tiefen Stufe emporzuschaffen.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, die Geister Gottes sind um das Wohl ihrer Geschwister besorgt; ihrer Hilfe bedürfen die Menschen auf Erden wie auch die Geister der tieferen Stufen des Jenseits. So will es Gott. Die Menschen aber, die durch diese Schicksale hindurchgehen müssen, sie sind dadurch an ein geistiges Reifen gebunden, das sie unterbrechen und verletzen können. Unterbrechen können sie ihren Reifevorgang für kurze Zeit, aber ganz aufhalten können sie ihn nicht. Verletzen werden sie ihn, wenn sie ihr Schicksal nicht bejahen. Vorübergehend auflösen werden sie ihn, wenn sie Gott verneinen. Die Geisterwelt Gottes aber ist immer wieder dafür besorgt, dass sie den Anschluss wieder finden – oft durch viele Prüfungen, denn dadurch gesunden und erstarken sie, um die geistige Reife erlangen zu können. Die Geister Gottes begleiten die Menschen auf Erden, um sie von ihren bösen Gedanken abzubringen und sie in ihrem gerechten Tun und Wollen zu unterstützen. Die Geister Gottes versuchen aber auch immer wieder, ihre noch nicht in den Heilsplan Gottes eingereihten Geschwister im Jenseits aus ihrer Untätigkeit herauszuführen und ihnen die Notwendigkeit des geistigen Schaffens zu erklären. Auf diese Weise gelingt es dann mit der Zeit, diese Geister der Untätigkeit für eine Arbeit und Aufgabe zu gewinnen. Doch braucht es sehr viel Geduld und grosse Mühe, bis da und dort einer so erfasst werden kann, dass er schneller an geistiger Höhe gewinnt.

Ich habe euch schon viele Male geschildert, wie Menschen, die ins Jenseits hinübertreten, von ihren Verwandten und Freunden empfangen werden. Ich erklärte euch, dass es aber oft so ist, dass sie nur kurze Zeit beisammen verweilen dürfen, weil alle zur Begrüssung Gekommenen sich ja wieder ihrer geistigen Arbeit oder ihrer Ebene zuwenden müssen. So verschieden ist ja auch der Empfang der Heimgekehrten, und vieles muss ihnen erklärt werden: wo sie zu wohnen hätten, wie wichtig das Dienen für ihren weiteren geistigen Aufstieg sei, dass man in der göttlichen Welt nicht müssig sein sollte, sondern dass man immer darauf bedacht sei, den weniger glücklichen Geschwistern in ihrem Aufstieg zu helfen und sie zu begleiten – dass man sich also auch um das Wohl des Nächsten kümmert.

Das Dienen am Nächsten ist ganz nach Gottes heiligem Willen. So versuchen die Geister Gottes jenen zu helfen, die der Ordnung Gottes noch nicht angeschlossen sind, um auch sie zu erfassen und in den Heils- und Arbeitsplan einzureihen.

Dabei möchte ich noch erwähnen: Wenn ein Mensch ins Jenseits kommt, so hat er sehr oft ein grosses Verlangen, länger bei seinen Verwandten und liebsten Freunden verweilen zu dürfen. Es schmerzt ihn die Trennung. Doch ist es wundersam tröstlich, zu wissen, dass man sich wiederfindet; denn die Fortgeschritteneren versprechen den andern, sie zu besuchen und sich um sie zu kümmern. Die Gewissheit, dass es in dieser andern Welt ein gemeinsames Weiterleben gibt, macht viele, viele Seelen glücklich. Dadurch werden sie angefeuert, ihre Kräfte des guten Willens anzuwenden, und sie vermögen den Anweisungen der Himmelsboten eher zu folgen, eben deshalb, weil sie unbedingt die Verbindung zu ihren Lieben enger knüpfen möchten. Sie wissen ja, wenn sie gehorsam sind, können sie ihnen näher geführt werden. So kann zum Beispiel eine Mutter geistig weit über ihren Kindern stehen, eine Frau weit über ihrem Kameraden oder umgekehrt. Aber sie können gesetzmässig noch nicht zusammenfinden. Besteht aber das Band der Liebe zwischen ihnen, so macht sich ein starkes Heimweh, eine Sehnsucht zueinander geltend. So unternehmen sie grosse Anstrengungen, um sich wieder vereinigen zu können. Schon das Wissen, dass sie immer wieder von den über ihnen Stehenden besucht werden, stimmt diese Seelen recht tröstlich.

Ich möchte nun von einer Mutterseele sprechen, die bei ihrem Eintritt in das geistige Reich von ihrem Sohne empfangen wurde, der schon lange, lange Zeit im Reiche Gottes weilte. Daraus sollt ihr wiederum erkennen, wie wunderbar all diese Führungen und geistigen Freundschaften sein können. Gross war die Freude beider bei ihrem Wiedersehen. Es sei hier gesagt, dass der Sohn geistig weit über seiner Mutter stand. Wie das kam, werde ich noch erzählen. Er war so schön, so herrlich in seinem Aussehen. Nun klammerte sich die Mutterseele an ihn und bat: “Bleibe bei mir, und geh nicht fort!” Er aber sprach: “Es geht nicht, ich muss wieder in meinen Himmel zu meiner Aufgabe zurückkehren; doch ich werde dich von Zeit zu Zeit besuchen.” Die Mutterseele war untröstlich, dass sie nicht mit ihrem Sohn zusammen sein durfte.

Jetzt muss ich euch dafür die Erklärung geben. Dieser Sohn hatte die irdische Welt schon in sehr jungen Jahren verlassen. Gross war der Schmerz der Mutter darüber, und sie konnte ihn bis zu ihrem eigenen Sterben nicht mehr überwinden. Zu gross war die Sehnsucht nach ihrem Sohn gewesen, ihre Liebe und Verbundenheit zu ihm, ihrem einzigen Sohn. Er aber, der inzwischen in die geistigen Höhen eingehen durfte, war schon vor diesem kurzen Erdenleben in freundschaftlicher Beziehung mit dieser Seele gestanden. Diese Mutterseele – so nenne ich sie nun – war damals noch in einer sehr tiefen geistigen Sphäre, während er, dieser männliche Geist, in herrlichen Höhen wohnte, von wo aus er hinunterstieg zu den unseligen und unseligsten Geistern, um ihnen Trost zu bringen und mit ihnen zu beten oder um ihnen die geistigen Gesetze zu erklären, soweit sie dafür aufnahmefähig waren. Sein Wirken hatte damals also darin bestanden, unseligen Geistern Heil zu bringen.

Einer dieser unseligen Geister war diese weibliche Seele, die schwer belastet in einer dunklen Welt war. Diese Seele hatte sich über die Lieblosigkeit jener beklagt, mit denen sie auf Erden zusammengelebt hatte; sie hatte sich beklagt, dass ihr in jener Umgebung so wenig Möglichkeiten für den geistigen Aufstieg geboten worden wären. Und sie beklagte sich über die Lieblosigkeit ihrer geistigen Geschwister, mit welchen sie in ihrer tiefen Läuterungssphäre zusammenleben musste. Der schöne männliche Geist kam immer wieder zu ihr, um sie zu trösten und darüber aufzuklären, dass sie versuchen sollte, den andern um sie herum das Dasein in ihrer dunklen Welt zu erleichtern, dass man durch das Dienen am Nächsten den Willen Gottes erfülle. Es war aber für sie schwer, sich überhaupt dazu aufzuraffen, den andern liebevoller zu begegnen. So bat sie, dass er sie zu den andern mitnehmen möchte, da sie ihm zuhören wollte, wie er andere zu trösten wusste in ihrer Dunkelheit.

So durfte sie ihn in ihrer Ebene zu den andern unglückseligen Geistern hinbegleiten. Da vernahm sie auch wieder nur Klagen, warum es ihnen nicht möglich gewesen wäre, geistig aufzusteigen im Erdenleben. Und immer waren die einstigen Mitmenschen an ihrem Unglück schuld. An sich selbst aber fanden sie keine Schuld. Für ihre Untugenden und Fehler hatten sie stets Entschuldigungen zur Hand, die Schuld wälzten sie stets auf die andern. So war es schwierig, sie zu trösten und sie dazu zu bringen, Gott um die heilsame Kraft zu bitten, dass sie sich aufraffen könnten und zu besserer Gesinnung kämen, dass sie ihre Verfehlungen eingestehen und nicht mehr andern zuschieben würden. Der gute Geist erklärte es bald diesem, bald jenem, dass jedem so viel Kraft für sein Menschenleben gegeben worden sei, dass er von innen heraus den Weg zu Gott hätte finden müssen. Aus den ihnen innewohnenden Kräften heraus hätten sie imstande sein sollen, ihre Probleme zu meistern. Da sie in ihren Nöten nie Gott um Hilfe angerufen hätten und auch nicht bereit gewesen seien, demutsvoll und bescheiden viele Dinge auf sich zu nehmen, hätten sie den düsteren, schweren Gefühlen Gelegenheit zur Entfaltung gegeben, worunter sie nun zu leiden hätten. So hatte dieser Geist Gottes mit grosser Geduld sie zu belehren versucht. Der eine und andere wurde nachdenklich gestimmt. Andere wieder blieben gleichgültig, so viel Mühe man sich auch mit ihnen gab; sie beklagten sich weiter.

Da kehrte der gute Geist mit der ihn begleitenden weiblichen Seele wieder an ihren Platz zurück, und er versuchte sie im Weiteren zu kräftigen und ihr Anweisungen für ihre Besserstellung zu geben. Nachdem sie auch darüber unterrichtet worden war, dass man sich in einem neuen Erdenleben schneller verbessern könne, wenn man sich in neuen Prüfungen bewähre, bat sie darum, dass man ihr doch diese Möglichkeit geben möge. Und diese Seele versprach, dass sie im neuen Erdenleben bestimmt einsichtiger sein würde und mehr Liebe verbreiten möchte. Wenn es dazu kommen dürfte, hätte sie aber einen grossen Wunsch: Sie glaube, es wäre von grosser Wichtigkeit für ihren geistigen Aufstieg, wenn er als hoch entwickelter Geist ihr im Leben helfen würde, wenn er ihr im Leben wieder begegnen und seinen Einfluss in der göttlichen Liebe auf sie ausüben würde. Er sprach, dass er nicht die Macht habe, darüber zu entscheiden, ob er derart in ihr Leben eintreten dürfte. Aber er kehrte in seinen Himmel zurück und erbat sich dort den Entscheid.

Als er wieder zu dieser Seele zurückkam, durfte er ihr mitteilen: “Es ist mir gestattet, in dein Leben hineinzukommen, doch diese Verbindung wird nur zwanzig Jahre währen. Ich werde dein Sohn sein und mit zwanzig Jahren dich und die irdische Welt wieder verlassen.” Die Mutterseele war beglückt, waren zwanzig Erdenjahre für sie doch eine lange Zeit des Glücks mit diesem guten Geiste zusammen. Zwanzig Jahre mit ihm in Liebe leben, Liebe geben, Liebe empfangen! Dann könnte sie in gleich fürsorglicher Weise auf ihn wirken wie er jetzt auf sie. Und so bat sie, dass dies recht bald geschehen möge. Wie gern wollte sie ein solches Leben auf sich nehmen! Er erklärte ihr: “Es ist mir nur so lange gestattet, als Mensch auf Erden zu leben, um dir zu helfen; denn ich habe im Gottesreich eine wunderbare Aufgabe übernommen, und die Zeit zur Erfüllung dieser Aufgabe ist mir bemessen. Doch hat man mir erklärt, dass die Umstände es wohl erlaubten, mich für zwanzig Jahre davon zu entfernen.”

So kam dann die Stunde ihres Scheidens aus der geistigen Welt. Er hatte sich in der Zwischenzeit an den Vorbereitungen für ihr neues Erdenleben beteiligt. Gesammelt wurden ja die geistigen Führer; Schutzengel meldeten sich, und so gab es Anweisungen zu befolgen, und Wünsche wurden der Seele mitgegeben. So kam es dazu, dass diese Seele für ein neues Erdenleben geboren wurde. Sie durfte dahin geboren werden, wo ihrer eine bessere, sorgfältigere Erziehung wartete als in ihrem letzten Leben. Dadurch hatte sie – durch ihren Willen gutzumachen – schon viel gewonnen und durfte schon als Mensch einige Stufen aufsteigen.

Sie wuchs auf, und es kam dann so weit, dass sie mit einem Kameraden eine Familie gründete und ihr dieser gute Geist als Sohn gegeben wurde. So lebte sie diese Jahre in grossem Glück und grosser Liebe. Dann kamen mit der Zeit Schatten in ihr Leben, als ihr Sohn von einer schweren Krankheit befallen wurde. Von da ab lebte sie nur noch in Ängsten, ihren Sohn verlieren zu müssen. Und so wurde die Hoffnung, die sie auf ihn gesetzt hatte, nach einigen Jahren vernichtet. Es kam zu bald die Stunde seines Scheidens. Der Verlust aber erfüllte die Mutter mit grosser Trauer.

Als dann später auch für sie die Trennung von dieser Welt kam, wurde sie im geistigen Reich von ihrem Sohn empfangen – so wie ich erwähnte. Und jetzt wurde ihr ja auch bewusst, wie er ihr schon vor dem Erdenleben in ihrem geistigen Aufstieg geholfen hatte. Sie stand aber noch immer nicht auf derselben geistigen Ebene wie er. Sie aber wollte ihn nicht ziehen lassen, sodass er ihr erklären musste: “Ich kann nicht bei dir verweilen, und du kannst mir nicht folgen. Du hast deine Läuterung hier zu machen, wo man dich hingeführt hat, aber es wird die Zeit kommen, wo wir wieder mehr zusammen sein dürfen.” Nun war sie geistig ja schon weiter fortgeschritten, nicht zuletzt durch ihr Leiden während des Erdenlebens, und sie verstand alles schon besser. Doch bat sie ihn wieder zu helfen, damit sie recht schnell den Weg zu ihm finden würde. Da gab er ihr den Rat: “Befolge alles, was dir die Engel Gottes empfehlen. Sie werden zu dir kommen und dir Anweisungen geben. Befolge sie! Im Dienen erfüllst du den Willen Gottes.” Gerne versprach sie es zu tun, denn die Sehnsucht nach ihm war so gross in ihr.

Zuerst gingen die Engel Gottes an ihr vorüber, dann näherten sie sich ihr und rieten ihr, bald dieses, bald jenes zu tun. Sie taten es, um zu sehen, ob sie willens war, ihren Rat zu befolgen. Sie aber hatte die Worte ihres einstigen Sohnes noch gut in Erinnerung und tat den Engeln alles zu Gefallen. So erfüllte sie all das, was ihr aufgebunden wurde, und der Sohn näherte sich ihr wieder und gab ihr Weisungen für ihr weiteres Verhalten und ermahnte sie immer wieder: “Wende dich zu Gott hin, lobe und preise ihn in seiner Güte, und danke für alles, was dir gegeben ist.” Sie wollte in allem gehorsam sein und bat ihn zugleich, ihn wieder begleiten zu dürfen. Denn er hatte ihr ja erklärt, wie er ihr vor ihrem letzten Erdendasein in der unglückseligen Welt ein geistiger Freund gewesen war und wie es dazu gekommen. Nun wünschte sie, ihn in gleicher Weise wieder zu begleiten und ihm in seinem Arbeitsbereich zu helfen, wenn möglich. Das letzte Mal, als sie noch in einer tieferen Läuterungssphäre lebte, hatte sie ihn durch ihre eigene Ebene begleiten dürfen, um ihresgleichen Trost zu spenden. Sie durfte aber nicht über ihre Sphäre hinaus. Jetzt war sie schon in eine höhere Läuterungssphäre aufgestiegen. Folglich musste er höheren Orts darum bitten, ob es ihm gestattet sei, sie an seine Arbeit mitzunehmen.

Als er wieder zu ihr zurückkehrte, durfte er ihr sagen: “Wenn ich zu den Unseligen und Unseligsten niedersteige, dann darfst du mich begleiten, das heisst, wenn du die Kraft aufbringst, um all den Schwierigkeiten zu begegnen.” Ja, sie wollte sich von nichts abschrecken lassen, um in seiner Nähe zu sein, um durch seinen Beistand ihren geistigen Aufstieg weiter zu beschleunigen, um in noch grösserer Freude mit ihm vereint leben zu können. Jedes Mal, wenn sein Weg in diese geistigen Tiefen führte, holte er sie, und so gingen sie gemeinsam, er als helllichter Geist, sie als bescheidener Geist im Aufstieg. Zusammen besuchten sie jene Unglücklichen in ihrer dunklen Welt, die reuig waren und um Hilfe riefen; sie belehrten auch die andern, die noch immer einsichtslos waren. Doch diese Begegnungen mit den Einsichtslosen waren nicht etwa erfreulich; denn sie wurden von ihnen verspottet und fortgewiesen. Dennoch erfüllten die beiden ihre Aufgabe an ihnen.

Gar oft hätten sie am liebsten ihre Ohren zu verschliessen versucht und den Blick von ihnen abgewendet. Doch sie blieben. Das Licht des herrlichen Geistes leuchtete in diese Dunkelheit. So gingen sie dann auch wieder zu solchen, die sie mit Freuden empfingen. Ihnen konnten sie von der Güte Gottes und der Notwendigkeit der Läuterung erzählen. Und so viele dieser Unseligen baten, sie möchten doch bewirken, dass sie aus ihrem Zustande erlöst würden. Und die, die schon darüber belehrt worden waren, gaben zu verstehen, wie gerne sie wieder in ein neues Erdenleben zurückkehren würden, um von Neuem zu beginnen und besserzumachen; dass man ihnen doch diese Chance nochmals geben möchte, damit sie ihren guten Willen beweisen könnten und dass sie ihre Gesinnung geändert hätten.

Immer wieder betrachte ich das Lebensbuch von Geistern, die diesen Weg gemacht haben und dann einige Stufen weiter emporgestiegen sind. Und so haben auch diese beiden in der Weise gewirkt. Indem das weibliche Wesen sich in grosser Liebe und Ausdauer jenen unglückseligen Geschwistern gewidmet hatte, ist sie selbst in einer verhältnismässig kurzen Zeit durch diese Läuterung gegangen. Hätte sie nach ihrem letzten Leben es vorgezogen, in jener gehobeneren Läuterungssphäre ihre Zeit der Reinigung zu verbringen, hätte sie es wohl angenehmer gehabt; sie hätte schönere Aufgaben vollbringen können. Doch hatte sie sich aufgerafft zu einer schwereren Aufgabe, und da sie diese erfüllte, konnte sie doch in kürzerer Zeit aufsteigen. Nun war sie aber immer noch nicht auf derselben herrlichen Ebene angelangt wie jener schöne Geist, mit dem sie durch eine solch edle Freundschaft verbunden war. Dadurch dass sie sich so in den Ordnungsplan eingereiht hatte und ihren zurückgebliebenen Geschwistern so viel Heil brachte, hatte sie selbst Freude an ihrem Wirken erhalten. So hatte sie von ihrem schöneren Himmel heraus wieder darum gebeten, in der Weise weiter dienen zu dürfen, immer in Begleitung dieses schönen Geistes, der im letzten Leben ihr Sohn gewesen war.

So war dieser Aufstieg vor sich gegangen. Durch ihr grosses Bemühen und ihre Opferbereitschaft war es dieser Seele gelungen, sich bis zu jenem Himmel emporzuarbeiten, wo dieser schöne Geist Gottes wohnte. Doch sollt ihr die Zeit nicht nach euren Verhältnissen bemessen, dauert die Zeit von einer Stufe zur andern doch immerhin einige Jahrzehnte. Ihr könnt aber daraus erkennen, dass geistige Freundschaften von solcher Dauer sind, dass sie sich auch im menschlichen Leben auswirken. Denn jeder, der eine solche geistige Freundschaft hat, geht nur darauf aus, dem andern zu helfen, ihn zu befreien. Für diesen herrlichen Geist aber war es eine sehr grosse Freude, zu sehen, wie durch sein Wirken diese Seele viel schneller die geistigen Höhen gewinnen konnte.

Nun werdet ihr euch fragen: “Ja, besteht dann diese Freundschaft fort?” Darauf kann ich euch nur sagen: Je höher ein Geist aufsteigt, desto grösser werden nicht nur seine Erkenntnisse, sondern auch seine Liebe zu allen andern Wesen. Seine Liebe und Treue wendet er dann nicht nur einem Einzelnen besonders zu, sondern es werden wiederum weitere Freundschaften geschlossen, und die Liebe zu den andern wächst mit dem Höhersteigen. Und diese Verbundenheit zu allen Geistern ist so herrlich, so schön wie die Liebe zwischen Mutter und Kind. Und ist man dann auf der höchsten Ebene, wo man hingehört, angelangt, findet man dort auch das andere Du. So hat sich also diese geistige Freundschaft später etwa nicht aufgelöst, sie hat sich vielmehr auf andere ausgedehnt.

So geschieht es auch, dass zum Beispiel das eine in grösster Sehnsucht nach einem andern ist, mit dem es im menschlichen Leben zusammen war oder mit dem es durch verschiedene Erdenleben verbunden war. Während vielleicht der eine einem Neuangekommenen seine tiefe Verbundenheit mit ihm in der Weise erklärt, erkennt der andere in der ersten Zeit diese vielleicht noch nicht so recht; aber er erfährt recht bald den Vorteil, wenn man eine solche Verbindung zu einem höherstehenden Geiste hat. Durch diese engste Verbundenheit wird im Geistigen Wunderbares geleistet.

Aber ich betone auch, dass es nicht etwa immer der Fall ist, dass man das andere Du oder das Dual schon während seines Aufstieges findet. Oft trifft es auch zu, dass sich das eine Dual zum andern hingezogen fühlt, ohne wissen zu dürfen, welche Bewandtnis es mit dieser Verbindung hat. Es kann beiden dies auch erst dann erhellt werden, wenn sie beide auf ein und derselben Stufe angelangt sind. Denn es ist so, dass sie den Vorteil erst dann erkennen können, wenn sie auf einer gewissen Ebene angelangt sind. Bis dahin kann ihnen das Bewusstsein für diese Verbindung überschattet werden, solange die Möglichkeit besteht, dass sie die daraus erwachsenden Vorteile eigennützig verwenden könnten.

So ist auch dies von der Gotteswelt wunderbar und weise geordnet. Und wenn ihr euch im Geiste von der Schwere dieser Erde lösen und einen Blick werfen könntet in diese wunderbare Welt hinein, so würdet ihr in allem Tun und Handeln der Geister Gottes die Liebe und Barmherzigkeit des himmlischen Vaters erkennen. So wunderbar ist das Schalten und Walten der Boten Gottes an ihren Geschwistern. Und wenn oft der eine über sein Schicksal klagt, das er nicht bejahen will, dann mache ich ihn darauf aufmerksam, dass er sein geistiges Reifen verletzt, und dadurch verhindert er seinen geistigen Aufstieg.

Liebe Freunde, so erkennt ihr immer wieder aufs Neue, was zu tun ist. Es soll euch aber auch beglücken, zu wissen, dass von der Gotteswelt aus in dieser wunderbaren Liebe gehandelt wird – bei den Geistern wie an den Menschen, ja auch an dir, da, wo du stehst. Deine Probleme und deine Sorgen binden dich an diese geistige Reife.

So soll jeder dafür besorgt sein und so wirken, dass er schneller aufsteigen kann. Es wird ihm dazu verholfen, wenn er alles, was ihm schadet, unterlässt. Was ihm geistigen Schaden zufügt, wird ihm von uns immer wieder zur Kenntnis gebracht. So muss jeder an seiner eigenen geistigen Reife wirken. Die Kraft dafür liegt in ihm selbst, die Reife zu fördern. Dann werden wir Geister Gottes einst darüber beglückt sein, so viele getreue Diener in unseren Arbeitsplan aufnehmen zu dürfen, um sie wieder auszusenden, damit sie andern Hilfe bringen auf ihrem Weg zu Gott. So wunderbar ist das Dienen am Nächsten. Es bringt gewaltige Verdienste für einen selbst wie für den Nächsten.

Nun, meine lieben Freunde, gehet alle hin in Frieden. Gottes Segen begleitet euch, und der Segen des Heils durchströme euch, damit ihr gesundet an Leib und Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 8.3.1958 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift Geistige Welt)

Vom grossen Glück, ein göttliches Wesen an seiner Seite zu wissen

Josef, 8. Oktober 1966

Vom grossen Glück, ein göttliches Wesen an seiner Seite zu wissen

Im Auftrag Christi erfüllen die Geister Gottes ihre Aufgaben an ihren aufsteigenden Geschwistern. Sie führen und begleiten sie sowohl auf Erden als auch in den Aufstiegsstufen der jenseitigen Welt. Von besonderem Vorteil ist es, wenn zwischen dem Geist Gottes und seinem Schützling eine innige Freundschaft besteht.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, unter euch Menschen werden Freundschaften geschlossen. Freundschaften werden aber auch in der himmlischen Welt geschlossen. So kann ein aufsteigender, gutwilliger Geist auch mit einem Engel Gottes Freundschaft schliessen. Solche Freundschaften bringen Vorteile im Aufstieg der Seele. Ich möchte euch nun von einer solchen geistigen Freundschaft erzählen und euch nahelegen, wie wertvoll sie ist.

Ein verstorbener Mensch kehrte in die Jenseitswelt zurück. Er war in seinem Leben religiös; doch war sein Glaube nicht besonders tief – er hatte sich in seinem Leben trotz seines religiösen Denkens sehr schwer verschuldet. In die geistige Welt zurückgekommen, empfing er die Vorwürfe für seine Fehler. Im menschlichen Leben war er aber gutwillig, und diese Gutwilligkeit besass er auch als Geist in der jenseitigen Welt. Das alles sah der Engel Gottes, der sich im Besonderen seiner annehmen musste. Seine Belastung war bedeutend, und die geistige Welt musste ihn dafür bestrafen. Sie führte ihn zurück an jenen Ort auf Erden, wo er jene Schuld auf sich geladen hatte. Es war ein Haus, und in dieses Haus wurde er gebannt, ganz speziell an einen bestimmten Raum; er konnte und durfte diesen Raum nicht verlassen. Die göttliche Welt nahm von ihm Abstand, er sollte nun an diesem Ort seine Läuterung durchmachen.

Nun hatte dieser gebannte Geist die Begegnung mit den niederen Geistwesen, die die Möglichkeit hatten, in das Haus und auch in diesen Raum einzutreten. Es waren nicht nur die niederen Geister, die in diesem Hause ein und aus gingen; selbstverständlich kamen auch höhere Geister, aber diese wollten jetzt von diesem Bruder keine Notiz nehmen. Er, dieser gebannte Geist, wurde von seinen hinterbliebenen Angehörigen und Bekannten nicht gesehen; und da er von ihnen nicht wahrgenommen wurde, konnte er auch keine Hilfe von ihnen erwarten.

Nun war es die düstere Geisteswelt, die jeweils über ihn spottete und ihm diese Läuterungszeit noch erschwerte. Er durfte aber den Raum nicht verlassen, und diese niederen Geister kamen immer wieder zu ihm hin und verspotteten ihn, lachten ihn aus. Sie fragten ihn auch, was ihm denn eigentlich seine Gebete, die er doch so regelmässig verrichtet habe, für einen Nutzen gebracht hätten – er wäre ja jetzt wie ein Verbrecher einfach verbannt worden. Und sie spotteten und lachten weiter. Diese Seele, die nun in dieser bedrängten Lage war, schaute um sich, ob denn wahrhaftig niemand von den Angehörigen da wäre und für ihn beten würde, und zwar in diesem Raume, wo er gebannt war – hier hätte er so gerne ein Gebet gehabt; denn er hoffte, wenn gebetet würde, dann könnten diese niederen Geister ihm nichts mehr anhaben. Er musste aber feststellen, dass man ihn recht bald vergessen hatte. Wohl ahnte er, dass man für ihn in der Kirche gebetet hatte – doch in die Kirche konnte er nicht gehen; er war an jenes Haus, an jenen Raum, wo er die grosse Schuld auf sich geladen hatte, gebannt und konnte also das Gebet nicht in Empfang nehmen. Die Menschen hatten ihn dann auch recht bald vergessen, und so musste er eben ausharren in dieser schweren Bedrängnis.

Da er aber im menschlichen Leben stets guten Willens war – auch wenn er eine so verwerfliche Tat ausüben konnte –, war ihm dieser gute Wille auch als Geistwesen geblieben. Und so hatte er nach seinem irdischen Tode das Verlangen, Gott zu bitten, er möge ihm doch vergeben. Er hörte nicht auf zu flehen: “Vergib mir doch meine Schuld und alle meine Sünden. Ich bin bereit, das Leid zu tragen, so lange, wie es Gott befiehlt, dass ich es tragen muss.” Er stand also zu dieser Schuld, und er wollte wiedergutmachen. Er haderte nicht mit seinem Schicksal, das ihn nun in der Geisteswelt erreichte; sondern er fand es ganz in Ordnung, dass Gott ihn auf diese Weise bestrafte. Natürlich hoffte er auf eine Befreiung und Erlösung. Und so versprach er sich selbst, was er in der Zukunft alles tun würde, wenn er aus dieser Bedrängnis herausgeholt würde und diese niederen Wesen ihn nicht mehr auslachen und verspotten könnten.

Als er wieder einmal Gott um Vergebung bat, da kam ein Geist Gottes zu ihm. Dieses göttliche Wesen brachte ihm Trost und betete mit ihm. Während dieser Engel mit ihm betete, konnten ihm die niederen Geister nichts antun, sie konnten überhaupt nicht in den Raum eintreten. Und so wünschte er, dass dieser Engel Gottes bei ihm verweile, dass er recht lange bei ihm ausharre. Doch dieses göttliche Wesen musste ihm sagen: “Ich kann nicht länger bei dir bleiben, denn ich habe noch weitere Aufgaben; aber ich werde immer wieder nach dir sehen.” So hoffte nun dieser belastete Geist, recht bald wieder den Besuch dieses Engels zu erhalten. Denn wenn dieser bei ihm war, war ihm wohl zumute. Dieses göttliche Wesen betete ja mit ihm, und so kam es wie eine Befreiung, eine Erleichterung über ihn. Der Trost bestand nicht nur allein im Gebet, sondern auch in jenen aufmunternden Worten: dass er ausharren müsse, dass er eben einen Teil seiner Schuld in der göttlichen Welt wiedergutmachen müsse; wenn er guten Willens sei, könne er seine Leidenszeit bestimmt verkürzen.

Und dieser belastete Geist betete weiter und freute sich jeweils auf den Besuch des göttlichen Wesens, weil er dann befreit war von der Bedrängung durch jene niederen Geister. Sobald aber dieses göttliche Wesen verschwunden war, kamen sie wieder und spotteten weiter. Doch mit der Zeit achtete er kaum mehr auf sie und gab ihnen auch keine Antwort. Er war sich klar darüber, dass er diese Bedrängnis verdient hatte, und es kamen ihm die Worte des Engels in den Sinn, wonach er nach seiner Befreiung diesen niederen Wesen nicht mehr in dieser Weise begegnen werde. So musste er ausharren – wie lange, konnte er selbst nicht feststellen, denn es gab für ihn keine Zeit.

Als dann der Engel Gottes wieder einmal zu ihm hintrat, erklärte er ihm: “Nun hast du einen Teil deiner Schuld wiedergutgemacht, und da du so guten Willens bist, sollst du jetzt diesen Ort verlassen können.” Der Engel führte ihn weg von diesem Haus und führte ihn zu den Geistgeschwistern in der göttlichen Welt. Dort sollte er seinen Aufgaben nachgehen, er sollte auch die Schulen besuchen und belehrt werden.

Nun erlebte er das Wunderbare: In jener Ebene der göttlichen Welt, wo er nun stand, hatten diese niederen Geister keinen Zutritt mehr. Und es wurde ihm erklärt: “Dieser Plage sind nur jene verstorbenen Menschen ausgesetzt, die in der irdischen Welt an einen Ort gebannt werden; sie können von diesen niederen Wesen verhöhnt und ausgelacht werden, weil ja jene Sphäre, wo sie hingeführt wurden, zur Welt jener niederen Geister gehört. Und so können solche Gebannten diesen Begegnungen nicht ausweichen. Hat man aber die Schwelle zur göttlichen Welt überschritten, geht man dem geistigen Aufstieg weiter entgegen und tritt in jene Sphären hinein, zu der diese niederen Geistwesen keinen Zugang haben. Hier muss man nun arbeiten und belehrt werden, sich wieder vorbereiten für ein neues Erdenleben. Oder man hat beispielsweise die Aufgabe, leidenden Geistern beizustehen und ihnen den Weg zu zeigen. Man kann seine Aufgabe auch bei den Menschen ausüben, und dabei kommt man dann wieder in die Begegnung mit diesen niederen Geistern.” So wurde dieser heimgekehrte Geist belehrt, und er war überaus glücklich, diesen niederen Wesen entflohen zu sein.

Nun fing für ihn eine andere Entwicklungsstufe an, und er war voll guten Willens. Er wollte alles tun, um zu verbessern und aufzusteigen. Jetzt erkannte er, wie wichtig und notwendig es war, dass er eine solche Verbindung zu einem göttlichen Wesen hatte. Denn in der Zeit seiner Bedrängnis hatte er dieses himmlische Wesen gebeten, es möge doch immer wieder zu ihm kehren, und sollte er befreit werden, sollte es doch seine Freundschaft zu ihm aufrechterhalten. Dieses göttliche Wesen war sofort einverstanden damit und sagte: “Gerne will ich dir ein guter Freund sein, und gerne will ich dich führen und dir Ratschläge geben. Wenn du auf meine Ratschläge hörst, will ich stets dein guter Freund sein; wenn du aber meine Ratschläge nicht befolgst, dann werde ich mich von dir abwenden und so lange warten, bis du willens bist, diese Ratschläge anzuhören.” Diesem aufsteigenden Geiste sollte es nicht daran fehlen, diesem Engelwesen zu gehorchen; er bat darum: “Stehe mir stets zur Seite, bleib mir ein treuer Freund. Ich will immer tun, was du mir befiehlst.” Und wahrhaftig, dieser einstmals so schwer Belastete liess sich von diesem Himmelswesen führen. Er erfüllte in der Gotteswelt seine Aufgaben, wie es von ihm verlangt wurde; er war eifrig im Lernen. Und so konnte sein göttlicher Freund mit ihm zufrieden sein.

Aber nun hiess es, er könne nicht ständig in der Gotteswelt leben; denn er müsse noch einen weiteren Teil seiner Schuld wiedergutmachen, und zwar in einer bestimmten Zeit, die von der Gotteswelt dafür berechnet worden sei. Um diese Zeit der Wiedergutmachung zu beschleunigen und seinen Aufstieg zu fördern, diene das menschliche Leben – er sollte also wieder in ein menschliches Leben eintreten.

Dafür musste er durch die Vorbereitungen gehen wie alle andern für ein neues Erdendasein bestimmten Geistgeschwister auch. Er aber bat seinen Freund, er möge doch stets bei ihm verweilen, wenn er dann wieder in einem menschlichen Leben sein werde. Und sie machten miteinander ein Abkommen, um es in der menschlichen Sprache auszudrücken – dieses himmlische Wesen erklärte ihm: “Ich werde dich vom ersten Tag deines menschlichen Lebens bis zur letzten Stunde führen. Ich werde dich mahnen, wenn es notwendig wird, ich werde dich schützen, ich werde dir Kraft geben – ich werde versuchen, meinen ganzen Einfluss auf dich auszuüben, so es mir gestattet wird.” Und dieser Geist war froh und glücklich, zu wissen, dass er in seinem zukünftigen menschlichen Leben einen solchen treuen Begleiter haben würde.

Nun war da aber das Problem – und darüber wurde er ja unterrichtet: Als Mensch würde er dann dieses geistige Wesen nicht mehr sehen; denn er würde wieder in eine ganz andere Entwicklungsstufe hineinkommen, wo es gar nicht möglich sei, dieses feine, edle Geschöpf Gottes zu spüren, geschweige es zu sehen. Und doch hatten sie miteinander verabredet, dass dieser Einfluss so stark würde, dass er doch ahnen und fühlen sollte, dass ihm ein göttliches Wesen zum Schutze gegeben ist.

So hatte man gegenseitige Versprechungen gemacht: Der fürs neue Erdenleben vorbereitete Geist versprach, in seinem menschlichen Leben alles hervorzubringen, was er in der Geisteswelt dazugelernt hatte; und der Geist Gottes versprach, so viel wie möglich auf ihn einzuwirken und ihm zu helfen. In dieser Hoffnung gingen sie dann zu jener Vorbereitung, die dieses Wesen in ein neues Erdenleben hineinbringen sollte.

Der Geist Gottes beobachtete nun dieses Menschenkind vom ersten Tage des Lebens an und blieb ihm stets zur Seite. Doch konnte er in den ersten Jahren seines Lebens nicht besonderen Einfluss nehmen oder nicht besonders in sein Leben eingreifen. Dieses besondere Eingreifen sollte erst dann kommen, wenn dieser heranwachsende Mensch die Selbstständigkeit erlangt hatte, die man ihm in einem bestimmten Alter gab; da wollte auch der Geist Gottes ihm zur Seite stehen.

Dieser Mensch wurde in eine Familie hineingeboren, die einen tiefen religiösen Glauben hatte. Auf diese Weise wurde es diesem Menschenkinde also leichter gemacht: Es wuchs mit dem Glauben an die Gotteswelt auf, die Mutter betete mit ihm, erzählte ihm von den Engeln. Aber später machten sich dann verschiedene andere Gedanken an diesen heranwachsenden Menschen heran; es kamen auch gewisse Zweifel, doch diese Zweifel waren glücklicherweise nur vorübergehend. Es waren Prüfungen, die an diesen Menschen eben auch herankamen. Doch der religiöse Sinn war diesem Heranwachsenden von grossem Nutzen, auch in seiner späteren Lebenszeit.

So hatte dann dieser Mensch seinen Glauben an die göttliche Welt wiedergefunden oder mehr gefestigt. Es kam in ihm auch der Glaube an eine heilige Geisterwelt auf und damit auch der Glaube, dass er von einem göttlichen Wesen geführt wurde. So behauptete er dann in Gesprächen mit Mitmenschen sehr oft, dass er mit Bestimmtheit sagen könne, dass er von einem Wesen begleitet werde, das seinen Einfluss auf ihn ausübe; und dass er es genau spüre, dass er gemahnt, auch getadelt werde, und er oft höre, wie der Geist oder wie das Wesen, das ihn begleite, ihm Ratschläge erteile. Dieses sagte dieser Mensch andern, mit ihm befreundeten Leuten und seinen Verwandten, ohne aber eigentlich den genauen, tiefen Sinn davon zu verstehen. Er ahnte es, dass es eine Geisterwelt gibt; aber in den festen Glauben daran hatte er sich noch nicht vertieft. Dieses kam dann erst in seinen späteren Jahren, als er sich immer mehr damit beschäftigte. Denn er spürte doch in seinem Leben, dass ihn jemand führte, dass er einen Schutzgeist hatte. Das machte diesen Menschen glücklich und froh. Wenn irgendwelche Probleme an ihn kamen, hatte er es seinem Schutzgeist anvertraut – er selbst sagte, er rede mit sich selbst. Er kannte diese Zusammenhänge nicht im genauen Sinne; aber er fühlte, dass jemand da war, der ihm seinen Schutz gab. Und so blieb es: Bis zur letzten Stunde des Lebens begleitete dieser Geist Gottes diesen Menschen und übte seinen Einfluss auf ihn aus, so viel er nur konnte.

Das hatte nun seinen grossen Vorteil. Denn im menschlichen Leben wurde er von manchem Ungeschick bewahrt, manche Krankheit war bei ihm rasch vorübergegangen, manche Unannehmlichkeiten waren nur von kurzer Dauer. So hatte dieses göttliche Wesen sein Versprechen seinem Schützling gegenüber gehalten. Dieser Geist Gottes musste sich aber auch an das allgemeine geistige Gesetz halten, das bestimmt, wo man einschreiten darf und wo man einem Menschen die selbstständige Ausführung einer Handlung überlassen muss. Da aber zwischen ihm und diesem Menschen eine so innige Verbundenheit war, konnte dieser viel besser geführt werden. Denn in der Zeit, in der sein Körper ruhte, kam es jeweils zu diesen Begegnungen; der Menschengeist und der schützende Geist konnten dann miteinander Gespräche führen, und sie festigten und wiederholten gemeinsam ihre Versprechen. Auf diese Art und Weise wurde diese geistige Freundschaft vom Menschen zu diesem Jenseitigen gefestigt, ohne dass dieser Mensch die genauen Gesetze kannte, warum, wieso es möglich ist, eine solche Verbundenheit zu haben.

Als nun dieser Mensch verstarb und wieder in der Geisteswelt seine geistigen Augen öffnete, da stand dieser Freund da. Er umarmte jetzt seinen Schützling, und sie beide waren einander wohlbekannt. Nun hatte dieser Mensch ja auch seine Fehler im Leben gemacht, und so standen auch schon wieder höhere Wesen da, um ihn anzuklagen wegen seiner Ungerechtigkeiten, die er begangen hatte. An seiner Seite stand nun aber sein geistiger Freund; dieser war ihm jetzt auch Fürbitter. Er trat nun für seinen Schützling ein und konnte so vieles mildern – er wusste vieles vorzubringen, was für den Heimgekehrten sprach, sodass diese göttlichen Wesen den Bitten dieses Engels nachgeben mussten. Denn er hatte seinen Freund fest an den Händen gehalten und diesen erhabenen Geistgeschwistern erklärt, dass dieser verstorbene Mensch ein guter Freund von ihm sei. Aber trotzdem musste nun dieser Heimgekehrte auch einiges wiedergutmachen. Er hatte sich aber nicht so schwer verschuldet, dass eine Bedrängnis seiner wartete – es war das übliche Straucheln des Menschen, das er wiedergutzumachen hatte.

Seine Freundschaft zum Engel Gottes blieb ja auch in der geistigen Welt erhalten, und dieser konnte nun seinem Schützling sagen: “Wenn ich dich nicht begleitet hätte, wenn ich dich nicht so oft gemahnt und geführt hätte, wäre dein Verschulden viel grösser. Unserer gemeinsamen Freundschaft ist es zu verdanken, dass du nun einen grossen Schritt vorwärts machen konntest.” Dieses heimgekehrte Wesen sah es ein, jetzt wurde ihm alles klar. Denn als Mensch hatte er ja gespürt, dass jemand an seiner Seite war. Sehen konnte er es nicht und auch nicht immer fühlen, doch war ein gewisses Ahnen da – und jetzt war er glücklich darüber, dass er diese Freundschaft mit diesem göttlichen Wesen geschlossen hatte.

Dazu ist aber zu bemerken: Dieser Geist war wiederum mit einem guten Willen ins menschliche Leben gekommen; die Gutwilligkeit, die er aus seinem früheren Erdenleben mitgenommen hatte, blieb ihm auch als Mensch erhalten und war für ihn ein grosser Vorteil. Der Engel Gottes hätte diesem Geist die innige Freundschaft bestimmt nicht angeboten, wenn er gesehen hätte, dass er böswillig wäre. Da dieser Bruder aber guten Willens war, wurde diese Tugend ausgenützt, ausgekostet, um ihn in seinem Aufstieg zu fördern.

Dafür war nun dieses Geistwesen sehr dankbar. Sein himmlischer Freund konnte es jetzt ermöglichen, dass er Rückschau halten und sehen konnte, welche Belastungen er in seinem vorherigen Leben auf sich geladen hatte und wie es zu dieser Freundschaft gekommen ist. Überglücklich war er darüber, dass er als einst so schuldiger Geist eine Freundschaft mit einem himmlischen Wesen pflegen durfte. Das war für ihn überaus beglückend.

Dieses Erlebnis wollte er nun nicht für sich allein behalten. Wieder zurückgekehrt in die göttliche Welt, in das himmlische Leben, wollte er sich eifrig um seinen weiteren Aufstieg bemühen und dieses Erlebnis andern Geistgeschwistern mitteilen. Er wollte ihnen empfehlen, dass auch sie eine solche geistige Freundschaft schliessen sollten. Das aber ist leichter gesagt, als dass es Wirklichkeit wird. Denn man kann diesen Wesen wohl diese Empfehlung geben, aber nicht jeder Geist Gottes wird bereit sein, eine solche Freundschaft einzugehen. Er wird in eine solche Freundschaft einwilligen, wenn er sieht, dass es sinnvoll ist – wenn dieses Wesen guten Willens ist, dann wird er ihm die Freundschaft anbieten. Dieses zur allgemeinen Belehrung.

Dazu sei noch gesagt: Wenn Verstorbene in ihrem menschlichen Leben böswillig waren, dann sind sie es auch in der Geisteswelt; sie nehmen ihre Boshaftigkeit mit, wenn sie in die geistige Welt kommen; sie kommt in ihrem ganzen Wesen zum Ausdruck. Sie werden gegenüber den Ratschlägen, die von den göttlichen Wesen gegeben werden, genauso negativ sein, wie sie es im menschlichen Leben waren; und sie werden in der Geisteswelt genauso gehässig sein, wie sie es im menschlichen Leben waren. Für einen Geist Gottes ist es keine Freude, die Freundschaft einem Heimgekehrten anzubieten, der voll bösen Willens ist. Darum müssen solche Geister ihren Weg dann allein durchschreiten. Ihr könnt also sehen, welchen Vorteil es hat, wenn man eine innige Bindung oder Freundschaft zu einem göttlichen Wesen hat.

Dazu möchte ich noch Folgendes sagen: Auch ihr, meine lieben Geschwister, könnt in eurem Leben eine solche Freundschaft haben – nicht alle, aber glücklicherweise jene, die im festen Glauben an uns sind und die guten Willens sind, die keine Boshaftigkeit im Innersten ihrer Seele haben – auch euch kann ein Geist Gottes zur Seite sein. Es ist auch nicht von ungefähr, wenn man ein besonderes Verlangen hat, um dieses göttliche Wesen zu bitten, dass es einem immer treu zur Seite sei und es seinen Schutz und seinen Segen ausbreite. Man bittet diesen Geist Gottes, wenn man das Haus verlässt: “Begleite mich, mein Freund, auf meinem Weg, und behüte und beschütze mich.” Man denkt nicht nur dann an diesen geistigen Freund, wenn die Not schon an den Menschen herangekommen ist; sondern wenn man morgens seine Augen öffnet, entbietet man seinem geistigen Freunde als Erstes den Gruss und bittet ihn: “Führe und begleite mich am heutigen Tag, behüte und beschütze mich.” Dieser Geist Gottes freut sich, wenn Freunde solches Denken pflegen.

Doch sei damit nicht gesagt, dass diese Hingabe nur dem Schutzgeist gelte; denn er, dieser Geist Gottes, nimmt keinen Dank vom Menschen an; er leitet den Dank weiter an Gott. Dennoch ist es gut, wenn man seiner gedenkt und sich klar darüber ist: “Ein jenseitiges Wesen aus der göttlichen Welt ist an meiner Seite, um mich im Leben zu führen und zu schützen.” Denn dieser Geist Gottes, der dies so intensiv tut, will dann bei der Heimkehr seines Schützlings, bei der ersten Begegnung in der göttlichen Welt, auch dabei sein. Er will dem Heimgekehrten gegenüberstehen und ihm sagen, wie jener andere Geist Gottes es seinem Freunde erklärte: “Ich bin dir Beschützer und Begleiter im Leben gewesen.” Und zugleich wird er dann auch der Fürbitter sein, den doch jedes, das heimkehrt, nötig hat.

So, liebe Geschwister, sollt ihr euch auch um eine solche geistige Freundschaft bemühen. Denkt daran, dass diese Freundschaft jenen gegeben wird, die guten Willens sind, die ein gutes Herz und eine gute Seele haben und die keine Boshaftigkeit in sich besitzen.

Nun, liebe Geschwister, habe ich euch heute wieder einen Weg gezeigt, und daraus sollt ihr eure Lehren ziehen. Ihr sollt dankbar dafür sein, dass ihr diese Bindung zur göttlichen Welt in dieser bewussten Art und Weise erleben könnt. Nehmt es nicht auf als etwas Alltägliches; seid dankbar dafür, pflegt diese Freundschaft mit der Geisterwelt Gottes. Und diese Pflege besteht darin, dass man seine Seele pflegt, dass man versucht, alles von sich wegzuhalten, was einem schaden könnte im geistigen Aufstieg. Man soll alles zum Heil seiner eigenen Seele tun, damit der Aufstieg gefördert wird und damit die Geister des Himmels in Scharen dem Menschen entgegengehen können.

So möge dieser Segen euch begleiten und euch behüten. Möget ihr beschützt sein vor Not und Gefahr. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 8.10.1966 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Wie gewinnt man einen Freund aus dem hohen Himmel?

Josef, 10. Juli 1965

Wie gewinnt man einen Freund aus dem hohen Himmel?

Es ist im geistigen Gesetz verankert: Ein aufsteigendes Wesen kann je nach seiner Entwicklung einen höheren geistigen Führer erhalten. Sogar hohe Geister des Himmels können sich für die Lebensführung eines einzelnen Menschen interessieren und ihren Einfluss auf ihn ausüben, um ihn im Aufstieg zu fördern.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Himmelswelt wirkt nach besten Kräften, um den Aufstieg ihrer Geschwister zu fördern. Die himmlischen Geister stehen in grossem Einsatz, um die geistige Entwicklung des Menschen zu fördern. Sie ist so verschieden, und es ist wohl verständlich, dass ein Mensch mit niederen Gefühlen auf den unteren Stufen des Aufstiegs steht. Ein solcher Mensch wird nicht von himmlischen Fürsten durchs Leben begleitet. Aber jeder Mensch, gleich wie seine Entwicklung ist, wird von himmlischen Boten begleitet.

Es liegt in der Aufgabe hoher himmlischer Fürsten, denen man Menschheitsführer sagen kann, dass sie sich besonders für den Aufstieg und das Vorwärtskommen der Menschheit interessieren. Diese hohen Himmelsfürsten haben ihre Helfer bis zu den unteren Stufen des Aufstieges. Alle helfenden Geister geben Rechenschaft ab über die Entwicklung ihres anvertrauten Schützlings. So geht diese Berichterstattung von Stufe zu Stufe bis zu den Fürsten des Himmels.

Wo immer möglich wird die Gnade Gottes wirksam werden. Mit besten Kräften wirken die himmlischen Boten, um den Menschen zu führen, damit er seine geistigen Höhen erreicht. Allerdings muss sich auch die Gotteswelt an die Gesetze halten, die der himmlische Vater für sie erstellt hat. So wird jeder, der Strafe verdient, der gerechten Strafe zugeführt werden – und wer Gnade und Barmherzigkeit verdient, wird auch diese erhalten.

Ist der Mensch eifrig in seinem Aufstieg, bemüht er sich um diese Höhen, vermag er auch höhere Geister zur Lebensführung zu erhalten. Diese hohen Fürsten des Himmels sind interessiert am Aufstieg der Menschen. Es sind Scharen dafür gezeichnet, die in dieser Art ihre Aufgaben erfüllen. Darüber durfte ich euch schon früher unterrichten – dass gewisse Städte oder Völker bestimmten Himmelsfürsten zugeteilt sind, die ihr Auge auf jene Völker lenken. Dafür haben sie dienende Wesen zur Seite, die zu den Menschen herniedergehen und sie eben durchs Leben begleiten, wie ich es erklärte. Diese dienenden Wesen geben dann jeweils ihren hohen Himmelsfürsten Rechenschaft über das Leben eines jeden einzelnen.

Wenn man sich wahrhaftig um die geistigen Höhen bemüht, wird man dementsprechend zur Lebensführung einen höheren oder hohen Geist des Himmels erhalten. Wird der Mensch von einem hohen Geist durchs Leben geführt, zeichnet sich das beim einzelnen durch seine Wesensart aus. Der hohe Geist des Himmels gibt von seinem göttlichen Wesen und überträgt davon dem betreffenden Schützling. Ehe es zu einer solchen Führung kommen kann, müssen jedoch beim Menschen die Voraussetzungen vorhanden sein. Man muss eine solche himmlische Freundschaft erwerben, man muss sich im Wesen gleich werden. Es mag euch wohl verständlich sein, dass ein hohes Geistwesen nicht geneigt ist, einen Menschen niederer Art zu führen. Wohl aber sind diese hohen Geister gewillt, ihre dienenden Geschwister zu jenen Menschen zu senden, damit sie – je nach Möglichkeit – versuchen, ihren guten Einfluss auf sie zu übertragen. Es muss also ein Verhältnis harmonischer Art zwischen dem aufsteigenden Menschen und dem himmlischen Wesen bestehen. Man muss sich in den Anschauungen ähnlich sein, um gegenseitig in ein harmonisches Verhältnis zu kommen. Ich glaube, dass dieses wohl für euch nicht schwer zu verstehen ist.

Wenn nun beispielsweise ein Mensch hohe Verdienste erworben und eine hohe geistige Stufe erreicht hat und vom Glück profitiert, einen hohen Geist des Himmels als Führer zu erhalten, der ihn durch sein Leben begleitet, so ist das für ihn ein ganz grosses Glück. Man kann nicht von einer Bevorzugung sprechen, denn dieser aufwärtsstrebende Mensch hat es nun verdient. Es ist also auch im geistigen Gesetz verankert, dass einer – je nach seiner Entwicklung – einen höheren geistigen Führer erhalten kann. Man muss also eine solche hohe Freundschaft erwerben. Bestimmt ist es der Wunsch aller meiner Freunde, eine solche geistige Freundschaft hoher Art zu haben. Das kann aber ein Wunsch des Menschen bleiben, denn er bestimmt durch seine Lebensweise, durch seine Wesensart, ob er würdig geworden ist, einen hohen Geist des Himmels als Begleiter zu erhalten.

Ihr könnt selbst beobachten, ob wohl dieser oder jener Mensch von einem hohen Geist geführt wird, denn es muss ein ausgeglichenes, harmonisches Verhältnis bestehen. Der hohe Geist des Himmels, der so vergöttlicht ist, will doch beim Menschen mindestens einen geringen Teil sehen, dass er etwas von dieser Vergöttlichung in sich trägt – man will sich gleich sein, denn man kann sich ja nur auf diese Weise verstehen. Es kann nur ein gegenseitiges Verstehen geben, wenn man sich gegenseitig einig ist. In erster Linie muss man sich einig sein über das Leben des Menschen, über sein Wirken. Darauf kommt es ja an. Der Mensch ist auf Erden, um zu gewinnen. Ihm ist ein Lehrer zur Seite gegeben, und der Schüler muss seine Aufgabe erfüllen. Der Lehrer wird ihm sagen, ob die Aufgabe richtig gelöst ist, ob er sie erfüllt hat. Denn ein Lehrer von Rang wird sich auch bei euch in eurem menschlichen Leben kaum mit einem in der untersten Klasse der Volksschule beschäftigen, sondern ein solcher Lehrer wird seine Fähigkeit, seine Talente jenen übertragen, die die Fähigkeit haben zu lernen und das Wissen aufnehmen können. So muss zwischen Schüler und Lehrer ein harmonisches Verhältnis sein.

Menschen, die versuchen, durch ein Gott gefälliges Leben immer näher an Gott heranzukommen, können sich eine solche Freundschaft erwerben. Ihr werdet euch wohl fragen: “Wie kommt denn eine solche Freundschaft zustande?” Gleich am Anfang meines Vortrages sagte ich euch: Geister Gottes, die grossen Einsatz beim Menschen leisten, dienen ihm dementsprechend, denn es ist ein wichtiges Kapitel im Heilsplane Gottes, dass die Menschheit ihrem Aufstieg entgegengeht. Wie eine solche Freundschaft zustande kommt, möchte ich euch nun erklären.

Ein Mensch, der sich bemüht, nach Gottes Gefälligkeit zu leben, hat die Möglichkeit, mit jenen hohen Geistern Kontakt aufzunehmen. Denn seine früheren Begleiter, die ihn durchs Leben führten, haben der hohen Welt Nachricht über den Aufstieg dieses Menschenkindes gegeben. Die hohe Geisteswelt interessiert sich für das Wirken eines jeden aufwärtsstrebenden Menschen. Ihr ist es nicht zu viel, sich zum Menschen herniederzuneigen, um seine Entwicklung persönlich zu betrachten und ihm die Freundschaft anzubieten, wenn er sie verdient, wenn er ihrer würdig geworden ist. Somit werden diese Geister Gottes abgelöst durch höhere Führungen oder durch einen höheren Führer. Es können also mehrere sein, oder es kann ein einzelner hoher Geist die Führung eines Menschen übernehmen. Er wird mit Freuden diese Führung übernehmen, wenn er mitwirken und seinen Einfluss auf ihn übertragen kann, sodass auf diese oder jene Weise die geistige Entwicklung der Menschheit gefördert wird. Er wird seine Freundschaft zu seinem Schützling bewahren. Der Menschengeist kann diese Freundschaft voll und ganz mit seinem himmlischen Bruder oder mit seiner himmlischen Schwester geniessen.

Ihr seid schon darüber aufgeklärt worden, dass in der Zeit der Loslösung des Geistes vom Leibe – wenn der Mensch ruht – eben dieser Kontakt der Jenseitigen zum Menschengeist möglich ist. Dieser himmlische Freund wird den Menschengeist einladen; er wird ihn in jene Sphäre hineinführen, in die er dann – nach seinem Tod – als Geist einkehren wird. Er wird ihm seine zukünftige Welt zeigen. Dieser himmlische Freund wird so zum Gastgeber seines Schützlings. Er wird, so es ihm möglich ist, fortwährend diese Bindung, diesen Kontakt herstellen. Man darf nicht annehmen, dass diese Bindung zu jeder Stunde, wo der Körper ruht, beziehungsweise in jeder Nacht zustande kommt. Wohl versucht die geistige Welt, ihre ständige Bereitschaft zum Ausdruck zu bringen und fördernd zu wirken, damit eine solche Begegnung von Geist zu Geist möglich ist. Der Mensch aber, selbst wenn er auf einer höheren Stufe steht, ist nicht immer imstande, diese notwendige Atmosphäre zu schaffen, um eine solche Begegnung in jeder Nacht herbeizurufen.

Er muss in seiner Welt, wo ihn Gott hingestellt hat, seine Aufgaben ausführen. Nun, auch dem besten Menschen wird manchmal etwas Widerwärtiges in den Weg gelegt, und so muss er auch mit diesen Unannehmlichkeiten fertigwerden. Diese Widerwärtigkeiten im täglichen Leben bilden aber ein Hindernis zur göttlichen Kontaktnahme. Auch der beste Mensch kann es nicht aufhalten: Durch Ärgernis, durch Unannehmlichkeiten stürzt er sich in eine vorübergehende Dunkelheit. Diese Dunkelheit zerstört die Verbindung, die es ihm sonst ermöglicht, den Weg zu seinem göttlichen Freund zu finden. Deshalb sollte es euch verständlich sein, dass man einen solchen göttlichen Freund, der einen im Leben führt, nur dann erhält, wenn in der allermeisten Zeit des Lebens ein wirklich harmonisches Verhältnis zur Gotteswelt und zu Gott selbst besteht. Der Mensch selbst muss in der Tiefe seiner Seele harmonisch sein. Denn nur auf diese Art und Weise, wenn er in ein göttliches Leben gelangt, gewinnt er diese hohe Freundschaft. Durch die Unannehmlichkeiten des täglichen Lebens wird er also an der Zusammenkunft mit seinem göttlichen Freund verhindert.

Es ist gut und notwendig, dass der Mensch, bevor er zur Ruhe geht, in seiner Seele Ordnung schafft. Er soll versuchen, diese Ordnung so zu schaffen, wie Gott es will, damit sie ihm eine Zusammenkunft mit seinem göttlichen Freund ermöglicht. Ein oberflächliches Saubermachen seiner inneren Ordnung genügt aber nicht; es muss gründlich aufgeräumt werden. Unter diesem Aufräumen verstehen wir das Befolgen aller Gesetze, die Gott dem Menschen gegeben hat. Ich möchte nicht im Einzelnen immer wieder wiederholen, was zu tun und was zu lassen ist. Ich habe genügend versucht, es immer wieder zu erklären. Ihr müsst aber einen wahrhaftigen Begriff haben vom Befolgen der göttlichen Gesetze. Ihr müsst einen wahrhaftigen Begriff haben von der Lehre Jesu Christi, wie er sie verkündet hat, von den Gleichnissen, die er immer wieder gegeben hat. Sie sind heute noch wirksam und gleich bedeutend wie dazumal. Man kann sie heute noch gleichermassen verstehen, wenn nicht noch besser.

Der Mensch muss also für die Verbindung dieser göttlichen Freundschaft das Seinige tun. Es gibt Meinungen, die falsch sind – wenn der Gläubige meint, es genüge, wenn er nur fromm wäre. Dies genügt nicht. Es braucht mehr für eine Verbindung mit einem göttlichen Freund. Die Gotteswelt entscheidet, wer würdig geworden ist, einen solchen göttlichen Freund zu haben. Nicht der Mensch bestimmt, nicht sein Wunsch hat Gültigkeit, sondern sein ganzes gehobenes Wesen ist wichtig dafür, diese Verbindung herzustellen. Wenn nun solche Unannehmlichkeiten aus dem Wege geräumt sind und man mit sich selbst, mit der Umgebung im harmonischen Verhältnis steht, wenn man in allen Dingen den Gesetzen Gottes gerecht geworden ist, steht dieser Verbindung nichts im Wege. Ich sagte ja: Diese göttlichen Freunde versuchen ihrerseits alles zu tun, um die Verbindung herzustellen. Aber entscheidend für diese Verbindung ist doch der Mensch, denn es geht hier um den Menschen, um seine Verdienste, um seine Eingliederung in die hohen Stufen der Geisteswelt. Dies ist ein Gesetz, und niemand kann von diesem Gesetz abrücken. Weder der Mensch noch ein Geist vermag dieses Gesetz zu umgehen. Nur so, auf diese Art und Weise, wie ich versuchte es nach euren Begriffen verständlich zu machen, kann eine solche Bindung zustande kommen.

Wir wenden uns nun dieser göttlichen Bindung zu, diesem göttlichen Gastgeber, der seinen Schützling führt. Stellt euch vor, dass dieser betreffende Mensch durch ein so gottgefälliges Leben plötzlich einen grossen Sprung nach oben gemacht hat. Er hat sein menschliches Leben so gelebt, wie es sich Gott und die heilige Geisteswelt gewünscht hat. Durch dieses verdienstvolle Leben gleich welcher Art und Weise hat er diese hohe Freundschaft gewonnen. Wenn wir einen solchen Menschen näher betrachten, müssen nicht einmal besondere Fähigkeiten vorhanden gewesen sein; er kann eine mittelmässige Intelligenz gehabt haben. Da er sich geistig emporgearbeitet und eine solch hohe geistige Stufe eingenommen hat, wird nun sein himmlischer Freund die in ihm verschlossenen Fähigkeiten öffnen. Er vermag es zu tun. Viele Fähigkeiten verschiedenster Art bleiben eben lange Zeit in der Tiefe der Seele verschlossen, weil man nicht fähig ist, diese Fähigkeiten auszuüben, da diese Leistungen, die man hätte vollbringen können, die geistige Entwicklung nicht gefördert hätten. Da man es auf diese oder jene Art nicht verdient hat, müssen sie also noch verschlossen bleiben. Aber Fähigkeiten besonderer Art öffnen sich mit dem geistigen Aufstieg.

Wenn ein solches Wesen von einem himmlischen Freund in diese Höhe geführt wird, heisst das aber noch nicht, dass es in Gottes allernächster Nähe ist. Es hat wohl die höchsten Stufen der Menschheitsentwicklung erreicht und darf nun in seiner neuen Welt, in die es eingekehrt ist, eine grosse Seligkeit erleben. Es soll einem begreiflich sein, dass jene Wesen in jener Welt besondere Fähigkeiten dieser oder jener Art haben dürfen, ja haben sollen; denn die Himmelswelt ist eine Welt der Vielfalt. Es ist ein Eifern um die hohen Künste. Die Heimkehrenden müssen mitwirken können, die Himmelswelt in ihrer Vielfalt zu gestalten.

So sind auch diesem Schützling diese Fähigkeiten geöffnet worden. Ihm hat sein himmlischer Freund erklärt: “Als du im höchsten Glücke lebtest” – gemeint war die Zeit vor dem Fall, vor dem Sturze aus dem Himmel –, “warst du ein grosser Baumeister in der Himmelswelt. Du hast diese hohen Künste gefördert. Du warst ein Baumeister der Gotteswelt, aber auch ein Meister anderer Künste. Nun sollst du, wenn du wirklich heimkehrst und losgelöst bist von deinem irdischen Leibe, diese Tätigkeit als Baumeister in der Gotteswelt wieder aufnehmen.” Der himmlische Freund erklärte weiter: “So wie die Menschheit alte Häuser niederreissen lässt und sie ersetzt durch neuzeitliche Bauten, muss auch die Gotteswelt in ähnlicher Weise wirken. Durch den Aufstieg der Geister werden gewisse Bauten, gewisse Sphären überflüssig. Sie müssen anders gestaltet werden. So wie früher die Sphären den Entwicklungen angepasst waren, sind sie durch den Aufstieg überholt worden. So braucht nun die geistige Welt ihre Helfer. Sie braucht eben auch Baumeister.”

Der himmlische Freund hat mit seinem Schützling Besprechungen über die Zukunft geführt. Noch ist dieser ja gebunden an seinen Leib; noch kann er seine Arbeit nicht in vollem Umfang annehmen. Dem Menschengeiste wird es offenbart. Es werden mit ihm Vorbereitungen für das zukünftige Leben getroffen. Er wird jenen Meistern der Kunst als Schüler gegeben, von denen er lernen kann. Auch wenn er dereinst für immer in diese Sphäre einkehrt und diese Fähigkeiten in ihm aufgeschlossen werden, bedarf es noch einer geraumen Zeit, bis er fähig geworden ist, alles wieder hervorzubringen, wie er es einst getan hatte. Nicht mit einem Schlag werden diese Fähigkeiten eröffnet. Es braucht dafür gewisse Inspirationen, ein Einleben in die göttliche Welt, in ihre Bedingungen und Eigenarten. Erst dann wird es möglich werden, dass der Betreffende die Leistungen, die in diesen Höhen angefordert werden, zum Ausdruck bringen kann. Er kann also seine künstlerischen Fähigkeiten fördern, zurückgewinnen.

Menschen sind immer der Auffassung, in der Gotteswelt brauche nicht gearbeitet zu werden, Gott müsse nur ein Wort sprechen und alles wäre vorhanden. Wir weisen immer darauf hin, dass in der geistigen Welt viel gearbeitet werden muss. Wer nun diese Seligkeit erreicht hat, hat das grosse Glück und die grosse Freude, in dieser himmlischen Atmosphäre zu arbeiten.

So konnte dieser Schüler – noch gebunden an seinen irdischen Leib – in der Zeit, wenn es möglich war, dass man ihn in diese Höhen führte, zu diesen Meistern der Künste geführt werden. Dort konnte er mitwirken. Er konnte aber auch nur zusehen und seine Bewunderung, sein Staunen zum Ausdruck bringen. Je mehr es möglich ist, in diese hohen Schulen dieser grossen Meister einzukehren, desto grösser ist der Gewinn.

Losgelöst vom irdischen Leib hat er [dann nach seiner Heimkehr] schon einen Vorsprung erreicht, denn der Geist weiss Bescheid von den Vorbereitungen, die mit ihm getroffen worden sind. Die Freundschaft dieses himmlischen Wesens hat es ihm ermöglicht. Die Welt, in die er als Geist einkehrt, ist ihm nicht fremd. Der Freund kommt als guter Bekannter auf ihn zu und führt ihn. Er wird in der ersten Zeit seines Daseins in der neuen Welt sein Gastgeber sein. Er wird nicht sofort arbeiten müssen, sondern es wird ihm die Vielfalt des Himmels gezeigt, denn er soll ja inspiriert werden. Er soll die Eigenarten und Bedingungen seiner neuen Welt kennenlernen. Kennenlernen kann er sie nur, wenn er von einer Ebene zur anderen schreiten kann, wenn er von einem Meister zum andern geführt wird. Er wird nicht nur in diesen hohen und edlen Künsten unterrichtet, sondern er darf auch die himmlischen Freuden erleben. Man unterlässt es aber nicht, die Huldigungen darzubieten, die man dem König in diesen Höhen schuldig ist. Man bietet ihm die Huldigung dar, man gibt Gott dem Schöpfer die Ehre. Man soll also nicht etwa annehmen, dass nicht mehr gebetet würde. Es ist nicht mehr das Gebet in der Art, wie es in den unteren Stufen notwendig ist, damit man die Höhen erreicht. Es ist ja ein ganz anderes Verhältnis vom Kinde Gottes zum Vater. Man huldigt, man jubelt. Es ist ein Gebet anderer Art. Aber es ist auch ein Gebet.

Auf diese Weise erlebt man die neue Welt. Man lässt dem Heimkehrenden genügend Zeit, diese neue Welt zu bewundern. Dann soll er wählen und bestimmen, wenn es ihm beliebt, zu welchem Meister jener hohen Kunst er zuerst gehen möchte, welcher Künstler ihm beistehen soll in seiner Tätigkeit, die er in der ersten und der darauffolgenden Zeit ausüben muss. Denn dem Heimgekehrten wird der Auftrag gegeben, ein Dorf neu zu gestalten. Er selbst stellt dafür seine Pläne auf. Die Gotteswelt wird ihm die Bedingungen klarlegen, die dafür notwendig sind. Je nach der Stufe und Höhe der Sphäre müssen die Gebäulichkeiten, die ganze Umgebung gestaltet werden. Es handelt sich ja um Sphären, die gewandelt, umgewandelt werden – von den ganz niederen zu höheren Stufen.

Ein solcher Geist, der seine Heimat in der Höhe hat, muss also mit seinen Helfern herniedersteigen und dort dieses Dorf bauen. Seine Heimat aber bleibt in der Höhe. Dorthin wird er immer wieder einkehren, denn dort ist sein wirklicher Aufenthalt. Versucht euch aber vorzustellen, wie viele Bemühungen es die Geisterwelt kostet, diese vielen Helfer aufzubringen. Die Helfer jener Sphären sind nicht solche aus den höchsten Ebenen. Jene aus den höchsten Ebenen stellen den Plan auf, und sie bedienen sich der aufsteigenden Geschwister. So ist man eifrig, unter den Aufsteigenden solche Helfer zu suchen, die zur Zufriedenheit des Baumeisters eine solche Tätigkeit leisten können. Es ist nicht so leicht, denn um ein solches neues Dorf zu gestalten, muss alles genau geplant und geordnet werden. Man muss es den neuen Gesetzen entsprechend eingliedern. Die Gesetze sind nicht umkehrbar – ihnen muss man gerecht werden. Denn alles ist genau geordnet und bestimmt, wie sich die Wandlung vollziehen darf.

Wenn ihr euch nun Gedanken darüber macht, dass dieser Bruder hinuntersteigen muss und seine künstlerische Fähigkeit wohl nicht so ausüben kann, wie er sie möchte, so wird auch auf diesen Umstand Rücksicht genommen. Er baut nämlich nicht einzig dieses Dorf – vielmehr entfaltet er auch in den höheren Sphären der Himmelswelt, in einem Bereich, etwas Besonderes. Er wirkt mit an der Vielfalt, an der stetigen Wandlung und Schönergestaltung der Himmelswelt. Er kann seine ganze künstlerische Fähigkeit auch in den Höhen ausüben. Er hat also nicht nur einen Auftrag. Er wird dem wohl gerecht, aber sein Verständnis für jene Wesen, mit denen er es zu tun haben wird, wird dadurch umso grösser werden. Er wird mit grosser Freude auch die Aufgaben in den unteren Stufen erfüllen und sich in diesen Höhen wieder mit grossem Einsatz und grossem Glücksempfinden an die Arbeit machen. Denn es gibt dort in den Himmelshöhen ein ständiges Eifern um die schönen Künste. Jeder Meister möchte den andern überbieten, ohne Eifersucht, nur um Christus zu huldigen und Gott zu ehren.

Sie tun das in grosser Freude, denn alle sind glücklich, die die Schönheiten des Himmels bewundern und bestaunen. Und diejenigen, die mitgeholfen haben, die Gestaltung so zu verwirklichen, empfinden das Glück mit den andern; denn sie wissen, dass Gottes Auge gefällig auf ihnen ruht. Wenn sie in dieser Weise wirken, dass Heimkehrende, wenn sie in die Seligkeit eintreten, die Himmelswelt so bestaunen, dass sie über die Herrlichkeit des Himmels jubeln, wie könnten dann nicht auch jene, die beteiligt gewesen sind an dieser Vielgestaltung, ihre Freude haben. Sie teilen die Freude mit den hohen Geistern des Himmels, denn man ist ja göttlichen Wesens. Man kennt als göttliches Wesen weder Hass noch Neid. Man hat nur das Verlangen, den andern glücklich zu sehen. Man gibt seine ganze Kraft her für das jubelnde Wort, für das Jauchzen und Staunen der andern. Man will, dass die Aufsteigenden in eine herrlich vorbereitete Wohnung eintreten. Denn die Baumeister haben nichts aus sich heraus gemacht, sondern Gott hat seinen Kindern etwas von seiner Vielfalt gegeben. So bewundern und bestaunen alle die harmonische Welt, diese Vielfalt des Himmels. Sie erlebt man, wenn man in diesen Höhen ist. Es ist wahrhaftig so, wie es das Wort ausdrückt: “Alles, was im Himmel ist, ist vielgestaltig.” An dieser Vielgestaltung wirken jene, die im Aufstieg zu den Höhen sind.

Liebe Geschwister, versucht die Bedingungen zu schaffen, die notwendig sind, um einen solchen hohen Freund des Himmels als Menschheitsführer zu haben. Bemüht euch um hohe geistige Führung. Vergesst aber nicht, dass nicht euer Wunsch dafür massgebend ist, sondern massgebend ist euer Leben allein – euer Leben, gerecht vor Gottes Augen. So muss es sein, so ist das Gesetz.

Liebe Geschwister, Gottes Segen soll euch begleiten. Getrennt sind wir nicht, auch wenn es euch jetzt für eine Zeit nicht möglich ist hierherzukommen [Sommerpause]. Tut das Eurige, um die Bindung zu uns aufrechtzuerhalten. An uns fehlt es nicht. Zieht die Hand nicht zurück. Bietet uns eure Hände an. So wollen wir euch – zu eurem eigenen Vorteil – durchs Leben führen. Wir wollen den Segen stärken, der euch zuteilwird. So lebt in Gefälligkeit Gottes, und wir bleiben innig miteinander verbunden. Gott segne euch. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.7.1965 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 4/2019
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm