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In der Christenheit ist die Lehre verbreitet, Christus wäre Gott. Christus ist aber nicht Gott, sondern Gottes Sohn, das höchste von Gott geschaffene Wesen. Christus ist aus Gott geworden, aus seiner Person, und alles, was in der Schöpfung geworden ist, ist aus Christus geworden. Geistlehrer Josef geht im ersten Vortrag in diesem Heft auf Christi Herkunft als Sohn Gottes ein; er zeigt auf, warum Christus ins menschliche Dasein treten musste und was unter der Erlösung Christi zu verstehen ist – was sein Wort “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” bedeutet. Im zweiten Vortrag erläutert Josef, dass es doch eine Ursache gehabt haben muss, wenn es heisst, Christus habe die Menschheit mit Gott versöhnt. Er schildert, wie sich einstmals ein Teil der göttlichen Wesen im Himmelreich gegen Christus aufgelehnt hatte und mit dem Rädelsführer Luzifer in die Hölle gestürzt wurde. Nur dank der Erlösung durch Christus ist es den Gefallenen gegeben, den Weg zurück zu Gott wieder zu beschreiten und den ursprünglichen Platz wieder einzunehmen.
Der dritte Vortrag widmet sich dem innigen Verhältnis zwischen Gott und Christus. Der himmlische Vater gab seinem Sohn von allem, was er selbst besitzt. Aus Christus ist alles geworden, seiner Macht ist die gesamte Schöpfung unterstellt.
Josef, 2. April 1977
Christus ist das höchste Geschöpf, das Gott geschaffen hat; er ist aus Gott geboren. Er kam aus der Wahrheit und zeugte von dieser Wahrheit. Der Sohn Gottes trat in ein irdisches Dasein, um der Menschheit Erlösung zu bringen und ihr den Weg zurück zum Vater zu bereiten.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, morgen feiert die Christenheit Palmsonntag. Sie wird daran erinnert, dass Christus auf einer Eselin gegen Jerusalem ritt und am Wegrand jubelnde Menschen standen, die ihm zuriefen. In den folgenden Tagen gedenkt die Christenheit aber auch der Zeit seines Leidens und Sterbens. In den christlichen Kirchen wird die Leidensgeschichte des Herrn gelesen. So sollten die gläubigen Christen im Geiste versuchen, sich in jene Zeit zurückzuversetzen, um mehr mitzufühlen, was damals geschah.
Heute klagen gläubige Menschen über ihre Mitchristen, sie seien so lau im Glauben. Dass dem so ist, hat wohl seinen Grund. Es wäre doch in der heutigen Zeit so wichtig, wenn dem gläubigen Christen auch dargelegt würde, warum Christus, der Sohn Gottes, die Menschwerdung annehmen musste, angenommen hatte. Ihr könntet doch in eurer Umgebung eure Bekannten fragen, nur so nebenbei einmal, was sie denn verstehen unter der Erlösung, die Christus der Menschheit gebracht haben soll. Und wenn sie euch die Antwort geben, dass Christus die Menschwerdung annehmen musste, um die Menschheit von der Todsünde zu erlösen, dann fragt einmal, was sie denn unter dieser Todsünde verstehen. Ihr werdet staunen, wie wenig eure Mitmenschen Kenntnis haben über das Geschehen von einst, über den Sinn der Menschwerdung Christi.
Die Menschen von heute haben ein freiheitlicheres Denken, sie leben nicht mehr unter Zwang, so ist auch nicht zu erwarten, dass sie jenen Glauben anerkennen, der ihnen sozusagen aufgezwungen wird. Sie sind freier geworden in ihrem Denken und in ihren Reden; sie wissen Antwort zu geben und haben nicht mehr die Scheu, wie es die Menschen vor fünfzig, hundert und mehr Jahren hatten. Die Menschen von heute sind zum grossen Teil freier – ob diese Freiheit ihnen zum Fortschritt und zum Heile ist, sei dahingestellt. Doch lassen sich die Menschen von heute nicht mehr zum Glauben zwingen, wie es einst gewesen ist.
Ich habe in den vergangenen Jahren so manches dargelegt, aufgeklärt, was man in der christlichen Lehre falsch ausgelegt, falsch verstanden hat. Es wurden Dogmen aufgestellt von Menschen, und Menschen wurden an diese Dogmen gebunden und blieben zum Teil daran gebunden. Sie reden von der Wahrheit, denn sie sagen es selbst, dass Christus, der Sohn Gottes, Mensch geworden ist. Aber sie machen sich keine weiteren Gedanken darüber. Sie sagen zwar die Wahrheit, aber glauben tun sie es nicht.
Wenn doch der Christenheit diese Feiertage zur Erinnerung an die einstigen Geschehnisse gegeben sind, sollte für sie auch die Möglichkeit bestehen, sich im Glauben zu vertiefen, sich enger an das Göttliche, an die andere, unsichtbare Welt zu binden und nicht darüber hinwegzugehen. Wie vieles ist dem gläubigen Christen auferlegt worden, was er annehmen, was er glauben soll. Es wurde nicht weiter darüber nachgedacht. Wenn ich jeweils versuche, Verschiedenes aufzuklären, so geschieht dies deshalb, weil ich euer Inwendiges wachrufen will, weil ich euch in der Tiefe der Seele ansprechen will. Ich möchte nicht den Menschen der Welt ansprechen, sondern in den Menschen hineindringen und ihm sein höheres Denken zum Bewusstsein bringen; ich möchte ihm das höhere Leben, das in ihm ist, vor Augen führen. Ich möchte ihn aufmuntern, sich nach innen zu wenden, sich selbst Fragen zu stellen, selber Vergleiche zu ziehen anhand seines heutigen Wissens, anhand seiner geistigen Erkenntnisse, die er erworben hat.
Es wird in der christlichen Lehre behauptet, dass Christus Gott wäre – Christus wird zu Gott gemacht. Christus ist aber nicht Gott; Christus ist Sohn Gottes, von Gott geschaffenes höchstes Wesen. Aus Gott ist Christus geworden, aus Gott, aus seiner Person; und alles, was in der Schöpfung geworden ist, ist aus Christus geworden (Joh. 1, 3; Kol. 1, 15 –16). So täte man in den christlichen Kirchen gut daran, darüber Näheres zu erklären. Warum tut man es nicht? Weil man selbst keine Kenntnisse darüber besitzt oder weil man nicht glauben will. Man spricht zwar Wahrheiten aus, aber man glaubt sie nicht.
Wie notwendig wäre es für die Christenheit, zu wissen, warum Christus in dieses menschliche Dasein treten musste. Ich habe die Ursache seiner Menschwerdung im Laufe der Jahre des Öftern erklärt, aber ich muss immer wieder darauf zurückkommen. Es muss doch einen Grund gehabt haben, dass Christus die Menschwerdung annehmen musste. Und dieser Grund liegt bei der Menschheit und bei jenen in den niederen geistigen Sphären, also jenen im Totenreich – für sie hat er es getan. Dies habe ich des Öftern erklärt; ich möchte jetzt nicht im Einzelnen darauf eingehen, möchte aber doch Folgendes erklären, was die Christenheit auch wissen muss: Nachdem Christus am Kreuz gestorben war, stieg er hinunter in die Hölle, führte dort den Kampf [gegen Luzifer] und ging als Sieger hervor. Wie ich in der letzten Zeit besonders betont habe, hat damals das Letzte Gericht oder die Letzte Rechtsprechung stattgefunden, sind jene letzten Gesetze der Schöpfung [was den Aufstieg der Gefallenen betrifft] dargelegt worden, die ihre Gültigkeit haben sollten für alle Zukunft – für alle Zukunft.
Versucht der gläubige Christ sich Gedanken darüber zu machen, so verbindet er sich ja mit einer andern Welt, mit dieser für ihn unsichtbaren Welt. Doch gerade von dieser unsichtbaren Welt, die eine so grosse Bedeutung für den Menschen hat, will er nichts wissen; er wendet sich davon ab. So ist es eine Notwendigkeit, dem gläubigen Christen klarzumachen, dass diese für ihn unsichtbare Welt die wirkliche Welt ist. Würde er sich etwas mehr mit dem beschäftigen, was nach seinem Tode kommt, dann würde er auch erkennen, dass es gut für ihn wäre, sich mit dieser andern Welt etwas anzufreunden.
Ich möchte in dieser Stunde eure Herzen und eure Seelen erheben und sie erfüllen mit Kraft, mit Glauben und auch mit Freude. Denn es ist wohl eine grosse Freude für die Menschheit, dass Christus seinen Auftrag, den er von Gott erhalten hatte, erfüllt hat. So möchte ich jetzt in dieser Stunde die Worte von Christus anführen und auslegen: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (Joh. 14, 6). Als er diese Worte sprach, hörten ihm seine Jünger wohl zu, aber sie verstanden sie womöglich ebenso wenig, wie es bei vielen heutigen Menschen der Fall ist.
Christus sprach doch so viel von seinem Reich, und er sagte es auch ausdrücklich, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei (Joh. 18, 36). Er sprach also vom Reiche seines Vaters. Doch die Jünger, obwohl sie ihm ja so nahe waren und mit ihm lebten, glaubten und hofften immer auf ein irdisches Königreich; sie dachten so menschlich, obwohl der Herr doch mitten unter ihnen war und ihnen Zeugnis gab von seiner Herkunft. Selbst die Jünger verstanden ihn öfters nicht; er musste es ihnen manchmal noch zusätzlich erklären. Dann verstanden sie es und sagten dem Meister: “Ja wenn du so zu uns redest, dann verstehen wir dich” (vgl. Joh. 16, 29). Und er aber sagte: “Ja, euch kann ich es erklären, aber den andern will ich es nicht in dieser Weise sagen” – diese andern waren für ihn nicht würdig, und er wusste darum, dass sie es ja nicht verstehen und ihn ablehnen würden. So musste er doch immer wieder sagen: “Ich werde dann den Geist der Wahrheit senden, und er wird euch über all diese Dinge unterrichten” – den Geist der Wahrheit versprach er zu senden (Joh. 14, 26).
“Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben”, so vieles sprach Christus auch mit diesen Worten aus. Sie sollten daher dem heutigen gläubigen Menschen mehr bedeuten als nur blosse Worte. Wenn Christus sagte: “Ich bin der Weg”, so war er es, der die Tore zum Himmelreich geöffnet hat. Als er dieses sagte, war sein Auftrag zwar noch nicht erfüllt, aber er lebte in der Hoffnung, im Glauben, dass es ihm gelinge, seinen Auftrag zu erfüllen, den ihm der Vater gegeben. Er war der Weg, und er ist und bleibt der Weg, bis alles sich erfüllt hat, bis der letzte der einst Gefallenen von dieser Welt abgetreten ist. So lange wird dies verkündet werden: “Ich bin der Weg.” Denn Christus war es, der diesen Luzifer besiegte; er war es, der die Brücke ins Vaterhaus geschlagen hat und als Erster über diese Brücke ging. Und die Seinen sollten ihm nachfolgen. Denn für die Seinen hat er die Menschwerdung angenommen, für die Seinen hat er diesen Auftrag auf sich genommen und erfüllt. Denn alle, die in dieser Welt sind, wie auch alle, die im Kommen sind, wie auch all jene, die noch in den tiefsten Tiefen sind – sie alle gehören ihm; der Vater hatte sie ihm zugesprochen, ihm sind sie. Auch wenn die einen noch weit von ihm entfernt sind, auch wenn sie den Weg, den er bereitet hat, noch nicht gesehen, noch nicht betreten haben, so wird auch für sie einmal die Zeit dafür kommen; denn auch für sie gilt, was Christus wörtlich gesagt: “Ich bin der Weg.” Er hat für alle die Bahn frei gemacht zum Vater; denn so will und wollte er es haben, dass sie alle wieder zu ihm zurückkehren.
Seine Worte werden auch in den christlichen Kirchen gesprochen, vorgelesen; aber man erkennt weder die Ursachen der Menschwerdung Christi noch den tiefen Grund der Schöpfung überhaupt. Man erfasst den Menschen nicht in der Tiefe seiner Seele, um seinen Glauben zu wecken.
Wenn man schon in der christlichen Kirche verkündet, was Christus gesagt hat, und seine Worte beherzigt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt”, warum befasst man sich dann nicht mit dieser andern Welt? Warum spricht man denn so viel von Geheimnissen, die nie offenbar würden? Es gibt keine Geheimnisse, die nicht offenbar werden – es kann dem Menschen einzig das nicht klar dargelegt werden, was er mit seinem menschlichen Denken nicht zu fassen vermag, und das ist, was die Gottheit selbst anbelangt: Gott, sein Wesen, zu erfassen, das vermag der Mensch nicht mit seinen Begriffen, die er hat. Dazu wird ihm dann in der Jenseitswelt die Möglichkeit gegeben, sofern seine geistige Intelligenz ausreicht, um es zu erfassen. Denn die Geschöpfe sind untereinander so verschieden in ihren Fähigkeiten, in ihren Leistungen; denn im Himmel ist eine grosse Vielfalt. Dieses nebenbei.
In der Christenheit sollte man diesen Weg erkennen, von dem Christus sprach. Man klagt heute über die Lauheit der Mitmenschen. Frage: Warum besteht diese Lauheit? Hätte man von Anfang an die Quelle rein belassen, wie sie war, dann hätten sich die Gläubigen an dieser klaren, reinen Quelle erlaben können. Doch sie wurde getrübt. So betrachtet doch heute die christliche Kirche. Warum dieser Unglaube der Menschen? Meine Antwort ist: Hätte man den Gläubigen den Weg erklärt, den Weg gezeigt, von dem Christus sprach, so wäre es heute anders um sie bestellt.
Aber der Weg, den Christus dargelegt hat, ist eben etwas ganz anderes als das, was man den Gläubigen gezeigt hat. Um diesen Weg in seiner Wahrheit zu erfassen, muss man auch hier versuchen, mit Christus mitzufühlen und nachzudenken: Woher kam er? Welche Aufgabe musste er erfüllen? Für wen kämpfte er? Er sagte, er sei der Sohn Gottes und da, wo er hingehe, müssten die Seinen auch wieder hinkommen. So sprach er doch von einer anderen Welt. Er, der Sohn Gottes, geboren aus Gott, sagte: “Ich bin der Weg, ich zeige euch den Weg zurück zum Vater. Folget mir nach, so werdet ihr einkehren in des Vaters Haus.”
Doch was ist es für ein Weg, der den Christen gezeigt wurde, wie sieht er aus? Dieser Weg ist nicht zu vergleichen mit dem, was Christus meinte. Versucht in die Vergangenheit zu gehen, in der Geschichte der christlichen Lehre nachzublättern. Versucht in euer Bewusstsein zu bringen, was von den ersten Jahrhunderten an der Christenheit dargeboten wurde: jene Lehre, die da verkündet wurde, das, was dort im Namen Gottes ausgesprochen wurde, und vergleicht es mit dem Weg, den ich euch erläutere und von dem Christus sprach, er, der sich aufgeopfert hat, der voller Liebe war, aus der Liebe geboren, der voll der Güte war, weil er aus der Güte kam. Verständnis, Barmherzigkeit, Mitleid – das ist der Reichtum Christi. Das ist etwas, was man nicht fassen kann, was keinen Gewinn bringt, was nicht nach irdischen Massstäben zu schätzen ist. Wohl ist es geistig zu bewundern, aber nicht mit irdischen Augen. Man kann nicht prahlen mit diesen geistigen, unsichtbaren Gütern; prahlen kann man mit sichtbaren, irdischen Gütern – so wie es getan wurde.
“Ich bin der Weg” – dieses Wort Christi kann nur ein Gläubiger richtig verstehen, der die Aufgabe kennt, die Christus erfüllt hat. Christus hatte vom Vater den Auftrag erhalten, diese Menschheit zu erretten. Er selbst sagte: “Ich bin nicht in diese Welt gekommen, um sie zu regieren, über sie zu herrschen, sondern um sie zu erretten.” Also sprach Christus von einem ganz anderen Weg, von einer ganz anderen Welt.
Und die Menschen? Christus hatte doch immer wieder betont: “Ihr Menschen seid von dieser Welt” – das hatte er den Umstehenden des Öftern gesagt, den Pharisäern, den Schriftgelehrten (Joh. 8, 23). Denn wer regiert die Welt? Das ist euch doch schon mehrfach erklärt worden. Würde diese Welt von Christus persönlich und von seiner heiligen Geisteswelt geführt und geleitet, könnte es doch nicht zu solchem Unheil kommen, wie es ständig die Menschheit erleben muss. Eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung dieses Unheils erhält die Menschheit nur, wenn sie den Sinn der Menschwerdung Christi erkennt. Wer dies eben nicht weiss, der klagt Gott an: “Warum lässt du solches Unrecht zu!”
Es sind die Menschen selbst, die diese Welt regieren und beherrschen. Sie stehen weit vom Himmel entfernt und haben den Beweis zu erbringen, ob sie den Unterschied kennen zwischen diesem irdischen Weg und dem Weg, von dem Christus spricht: “Ich bin der Weg.” Denn dieser Weg, von dem Christus spricht, ist ein ganz anderer Weg. Der Mensch muss sich ins Leben Christi und in seinen Auftrag einfühlen; dann weiss er, was es zu bedeuten hat, was Christus damit meinte: “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.”
Wenn ich nun von der Wahrheit sprechen will, von der Christus sprach und die er meinte, muss ich wieder zurückgreifen auf ihn und seine Herkunft als Sohn Gottes. Die Christenheit bejaht ihn doch als Sohn Gottes. Versuchen wir nun, etwas mehr von der Wahrheit zu erfahren, die er meint: “Ich bin die Wahrheit.” Das, was er verkündet, ist Wahrheit. Er versprach ja auch, den Geist der Wahrheit oder die Geister der Wahrheit zu senden. Denn er selbst war doch das höchste Geschöpf, das Gott geschaffen hat; er kam aus der Wahrheit. Und “alles, was geworden ist, sei es im Himmel oder auf Erden, ist aus ihm geworden”. Alle Geschöpfe sind durch ihn ins Dasein gekommen. So vermag er jene Wesen, die an seiner Seite sind und mit ihm in der Wahrheit leben, diese Geister der Wahrheit, dem Menschen zu senden. Diese Wahrheit anzuhören, mag für einen weltausgerichteten Menschen doch schwer sein, geschweige denn sich nach ihr auszurichten.
“Ich bin die Wahrheit”, dieses sprach Christus zu den Seinen, zu den Zuhörern, denn er kam ja aus Gott; also konnte er den Menschen nur die Wahrheit bringen. Er sprach von Gerechtigkeit, er sprach von Liebe, von Güte, von Mitleid – dies alles sind Eigenschaften, die in Gott sind, göttliche Eigenschaften. Von alldem gab Christus der Menschheit, der ganzen Menschheit, und bezeugte so wiederum seine Herkunft. Er sprach von Gott, der voll der Liebe sei, voll der Gerechtigkeit, und er sprach von der Wahrheit, die den Menschen gebracht werden sollte. Näher unterrichtet werden sollten die Menschen über die Schöpfung und über den Heils- und Ordnungsplan, denn sie wissen so wenig darüber. Wenn also niemand von dieser Welt die Erkenntnis darüber hat, dann kann es nur so sein, dass die Unterweisung aus dem Reiche Christi kommt, so wie er es gesagt hat: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden” (Joh. 14, 16 –17 und 15, 26).
Und diesen Geist der Wahrheit – oder soll ich es in der Mehrzahl sprechen: diese Geister der Wahrheit – muss man aufnehmen können. Diese Geister der Wahrheit suchen ihren Weg selbst – hier gilt der Satz: “Der Geist Gottes weht, wo er will” (Joh. 3, 8). Denn es gibt Menschen, die behaupten, die glauben, bei ihnen wäre der Geist Gottes. Doch Geister Gottes sind anspruchsvoll – anspruchslos sind uneingereihte, irrende Geister ...
Die Geisterwelt Gottes bahnt sich selber die Wege, die sie für gut und würdig befindet. Lange im Voraus bestimmen Geister Gottes, bei welchem Menschen sie Wohnung nehmen wollen, ehe der Betreffende es ahnt; vorbestimmt ist es für die Geister Gottes, längst ehe ein solcher Mensch in sein irdisches Dasein getreten ist. So wie grosse Talente nicht überall zu finden sind und verhältnismässig wenig Menschen mit besonderen Gaben gesegnet sind, so verhält es sich auch mit besonderen Gaben in dieser Beziehung. Es ist notwendig, auch dieses immer wieder von Zeit zu Zeit zu sagen. Es ist nicht so ohne Weiteres da und dort möglich, diese Gaben [der Medialität] auszuschütten. Erwerben kann man sie bis zu einem bestimmten Grad, bis zu einem bestimmten Punkt, heisst es doch auch: “Betet, bittet um Geistesgaben” (vgl. 1. Kor. 12, 28 – 31 und 14, 1). Beten, bitten darum kann man wohl, ihr bittet ja auch um euer täglich Brot. Aber eine besondere Gabe gibt die Geisteswelt da, wo sie es für würdig und richtig hält. Sie schenkt, sie unterstützt, sie führt, sie geleitet. Sie prüft aber auch. Eine Gabe Gottes wird keinem Menschen ohne Weiteres, ohne Prüfung in den Schoss gelegt. Die Geisteswelt Gottes, sie sucht, sie ist auf der Suche, aber sie will jene Menschen selbst aussuchen, die sie für würdig und für gut hält.
So wird die Geisterwelt Gottes ihr Wort immer wieder verkünden können, sie wird immer wieder Gelegenheit dazu finden, auf verschiedene Art und Weise. Damit will ich aber sagen: Nicht Menschen bestimmen, was Gott ihnen zu geben hat. Sie können wohl sagen, was sie sein möchten – aber ob Gott ihnen die Gabe gibt und er sie für das ausersieht, was sie sein möchten, ob er es für gut befindet, das ist eine Angelegenheit für sich ... Der Geist der Wahrheit will der Menschheit die Wahrheit bringen – und wie schwer ist es für ihn, den Menschen die Wahrheit zu bringen!
Wie vieles ist heute den Menschen gegeben, und wie einfach war dagegen das Leben von Jesus, wurde er doch in so ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Nichts von Reichtum, der an diese Welt erinnert, sollte sein Andenken in der Menschheit begleiten. Armut herrschte vielmehr. Denn Besitz der Welt ist nicht geistiger Besitz; das sind zwei verschiedene Dinge.
So bestimmt nicht ein Mensch, was Gott gefallen soll. Gott bestimmt durch seine heilige Geisteswelt, was ihm gefällt, was Wahrheit ist. Menschen suchen oft auf komplizierte Art und Weise die Wahrheit zu erreichen, oder sie glauben, dass diese geistige Wahrheit nur in geschwungenen Reden den Menschen dargebracht werden könnte. Ich habe es des Öftern schon ausgesprochen: Die Worte Christi, seine Lehre sind sowohl für den einfachsten Menschen mit einfachem Denken bestimmt wie auch für jenen Menschen, der ein komplizierteres Denken gewohnt ist. Die Lehre Christi ist für alle, nicht nur für eine bestimmte Art von Menschen. Jeder soll sie verstehen. Es soll sie auch derjenige verstehen, der von unten aufsteigt und belastet ist; auch er soll wissen, was er tun und was er lassen muss, und soll es begreifen, was unter Liebe zu verstehen ist. Ein jeder soll diese Lehre Christi verstehen können.
Es ist nicht so einfach, diese Wahrheit, von der Christus sprach, dem Menschen darzulegen. Aber er sagte: “Ich bin die Wahrheit”, und wer sich mit ihm verbindet, kommt der Wahrheit doch sehr nahe; denn er muss sich mit dieser seiner Wahrheit befassen, mit seiner Herkunft, mit seinem Auftrag. Und so wird er Antwort bekommen.
Und wenn Christus dazumal sprach: “Ich bin das Leben”, so hat das heute noch genauso seine Gültigkeit wie die Worte “Ich bin der Weg und die Wahrheit”. Christus ist aus Gott geboren, aus dem lebendigen Gott ist er ins Dasein gekommen. Christus trägt dieses ewige Leben in sich, denn er ist aus Gott, er hat das ewige Leben – “Wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stürbe” (Joh. 11, 25). Damit ist gemeint: “Obgleich der Mensch stirbt, lebt er nach seinem Tode, wenn er an mich glaubt; denn ich bin das Leben.” Der Verstorbene geht doch ein in das Reich Christi, in das ewige Leben. Erkennt er Christus als dieses Leben, dann wird er nur einen Wunsch haben: in dieses ewige Leben einzugehen. So wie Christus von sich sagte: “Der Vater und ich, wir sind eins” (Joh. 10, 30) – eins in den Ansichten, in ihrer Meinung, in der Liebe, in der Güte, in der Gerechtigkeit –, so will er es zu den Seinen sagen, die auf dem Weg sind zu ihm: “Ihr sollt eins werden mit mir.”
Eins werden mit Christus heisst: seine Liebe teilen, in seiner Gerechtigkeit leben und wirken. So wie er Güte zum Ausdruck brachte, so soll auch der Mensch in der Güte leben und sie dem Mitmenschen geben. So wie er sich hingab für die Menschen, sich opferte, so soll auch der Mensch versuchen, das Seinige zu leisten und auch Opfer zu bringen. Hatte Christus doch auch gesagt: “Nimm das Kreuz auf dich, folge mir nach” (Mat. 16, 24). Nach den heutigen Begriffen des Menschen könnte ich sagen: Nimm deine Bürde auf dich und folge Christus nach. In jener Zeit, als Christus diese Worte sprach, wurden Menschen, die eines bedeutenden Verbrechens beschuldigt wurden, gekreuzigt. So war es damals üblich, da, wo man heute von einer Bürde spricht, die man zu tragen hat, vom Kreuz zu sprechen. So möchte ich nur dieses sagen: Jeder soll eben seine Bürde tragen, wie Christus es empfohlen hat.
Denn es kommt die Zeit, wo man in dieses andere Reich hinübertritt und befreit wird von Nöten, Sorgen, Problemen, von Ängsten, Unsicherheiten, wo man eintreten wird in eine Welt des Friedens, der Glückseligkeit, der Freude und da in eine Wohnung eintritt, von der Christus gesprochen: “Ich gehe hin, um sie euch vorzubereiten” (Joh. 14, 2). Es stehen ihm doch Legionen von Engeln zur Verfügung, um solche Wohnungen verschiedenster Art vorzubereiten für all jene, die da auf dem Heimweg sind, damit jedes in seine Wohnung hineingeführt werden kann, wo es seiner Entwicklung entsprechend hingehört. Nach dem Tode nimmt jedes, das von dieser Welt wegscheidet, in der für euch unsichtbaren Welt seinen Platz ein. Christus hat den Weg bereitet, damit sie alle zurückkehren können und damit sie alle wieder glücklich werden.
So, liebe Geschwister, versucht, über diese Worte selbst zu meditieren, nachzudenken über all das, was ich heute euch dargelegt und was ich früher euch schon offenbart habe. Denkt an die Worte “Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” und an all das, worüber ich jetzt meditiert habe vor euch.
So, liebe Geschwister, morgen werden wir uns wieder hier sehen, und ihr werdet wiederum vom Geist der Wahrheit hören. Ihr werdet wiederum in eurer Seele erbaut und erfüllt werden von Kraft und Gottes Segen, und nach eurem Verlangen und eurem Willen werden eure geistigen Erkenntnisse erweitert werden können.
So möge Gottes Segen mit euch allen sein. Möget ihr behütet und beschützt sein vor jeder Not, vor jeder Gefahr. Und möget ihr gesunden in Christi Namen, wer da krank ist. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 2.4.1977 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 22. Mai 1976
Während seines Erdenlebens kämpfte Christus um seine Anerkennung als Sohn Gottes. Er sprach viel von seinem Verhältnis zum Vater und gab auch Zeugnis von seiner geistigen Herkunft und seinem Auftrag. Doch die Menschen verstanden ihn nicht und nahmen ihn nicht an. Denn sie hatten keine Vorstellung davon, in welcher Beziehung sie zu Christus standen und welche Aufgabe er an ihnen erfüllen sollte. Geistlehrer Josef gibt in diesem Vortrag Aufklärung über die Ursache der Menschwerdung Christi und sein Erlösungswerk.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Freunde, es naht der Tag, wo die Christenheit die Auffahrt Christi feiert. Die Christen haben keine Ahnung von dem triumphalen Empfang Christi im Himmelreich. Denn die unsichtbare Welt ist nicht für jeden Menschen begreiflich, es kann nicht jeder diese unsichtbare Welt verstehen, obwohl Christus in seinen Belehrungen so viel von seinem Reiche gesprochen hat. Christus selbst hat doch den Menschen erklärt, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei – er kam also aus einer andern Welt.
Wenn nun die Christenheit an die Heimkehr Christi erinnert wird, so sollte sie sich auch mehr Gedanken über seinen Auftrag machen. Denn auf diese Weise könnte sie zu einer Antwort auf so viele Fragen kommen. In der christlichen Lehre ist aber eine grosse Lücke, und dadurch ist dem Christen so viel verheimlicht. Ein gläubiger Christ sollte aber empfinden können, dass diese andere, unsichtbare Welt an den Menschen eine Aufgabe zu erfüllen hat. Von dieser unsichtbaren Welt aus sind den Menschen Botschaften gegeben worden. Bei der Geburt Christi verkündeten die Engel die Botschaft, dass der Erlöser geboren wurde. Es wurde der Menschheit also offenbart, es sei Gottes Wille, dass sie wieder mit ihm versöhnt werden könne. Von dieser unsichtbaren Welt aus sind Botschaften zum Menschen gekommen.
In der Zeit, als Christus lehrte, sprach er so viel von seinem Vater. Er musste darum kämpfen, als Sohn Gottes anerkannt zu werden. Er sprach vom Vater, dass alles, was dem Vater gehöre, auch ihm gehöre (Joh. 16, 15). So hatte er den Mitmenschen verschiedentlich sein Verhältnis zum Vater kundgetan. Doch diese Menschen verstanden Christus nicht. Schon gar nichts wollten sie davon wissen, dass er Gottes Sohn war. So waren es ja verschiedene Gespräche, die er mit diesen Menschen führte. Ich versuche jeweils, etwas von dem, was in den heiligen Schriften festgehalten ist, herauszunehmen und es euch besser auszulegen, zu erklären und für euch verständlich zu machen. Denn so viele Christen hören wohl die Botschaften, die die Kirche verkündet, aber sie glauben sie nicht. Sie beschäftigen sich auch nicht näher mit diesen Botschaften und fragen sich nicht: “Warum ist denn dieser Sohn Gottes Mensch geworden? Dies muss doch seinen Grund gehabt haben.”
Christus wollte also die Menschheit mit dem Vater versöhnen. Dieses wird ja auch heute in der Christenheit immer wieder gesagt, und man versucht es zu erklären. Man spricht von dieser Versöhnung. (Röm. 5, 10 –11; Kol. 1, 20 –23.) Denkt man aber einmal etwas näher darüber nach, so muss man sich doch fragen und kann sich selbst die Antwort geben: Wenn eine Versöhnung stattgefunden hat, wie sie durch Christus erfolgt ist, so muss doch dieser Versöhnung auch ein Streit vorausgegangen sein. Es muss doch eine Uneinigkeit geherrscht haben, und da diese im göttlichen Reiche aufgetreten ist, muss sie auch von einer ganz grossen Bedeutung gewesen sein.
Christus hat also die Menschheit mit dem Vater versöhnt, er hat die Seinen wieder zu sich genommen, und das bedeutet: Wenn ein Mensch stirbt, so kehrt der Geist des Verstorbenen wieder ins Reich Christi zurück. Es wäre so notwendig, dem Christen auseinanderzusetzen, dass die Menschwerdung Christi doch ihre Ursache gehabt hat. Von dieser Ursache wird aber nicht gesprochen, und das ist die grosse Lücke in der christlichen Lehre. Wird diese Lücke einmal ausgefüllt werden, vermögen Menschen eher zu glauben und sich Gott wieder zuzuwenden, weil sie durch diese Wahrheit auch als Mensch den Weg zu Gott finden. Und darum geht es doch: Menschen müssen den Weg zu Gott finden.
So ist es eine Notwendigkeit, der Christenheit die Ursache der Menschwerdung Christi darzulegen und von dieser Ursache zu reden; man darf sie nicht einfach übergehen und nur von der Erlösung sprechen. Bewusst ist ja einst diese Wahrheit verschwiegen worden, bewusst hat man es der Menschheit nicht erklären wollen. Und so muss die Zeit kommen, wo diese Wahrheit wieder an den Tag kommen kann und sie dem Menschen auch verständlich wird. Solange man aber überhaupt nicht bereit ist, an das Fortleben nach dem Tode zu glauben, so lange ist auch kein Verlangen vorhanden, nach der Ursache des Menschseins überhaupt zu fragen. Auch das Menschsein hat seine Ursache. Und das Wissen um diese Ursache sollte in der christlichen Lehre wieder Verbreitung finden, denn die Wahrheit führt den Menschen zu Gott.
Christus hatte in seiner Lehrzeit von seinem Vater gesprochen. Doch die Menschen damals – die Juden, die Pharisäer, die Schriftgelehrten – haben ja diesen Christus nicht angenommen, ihn nicht als Sohn Gottes anerkannt. So hatte er ihnen beispielsweise in einem Gespräch gesagt: “Ihr habt Abraham als euren Vater, und ihr ehrt ihn. Ich aber war, ehe Abraham war. Und Abraham freute sich auf meinen Tag, um ihn zu erleben.” (Vgl. Joh. 8, 56 –58.) Nun, Christen, welche die geistigen Gesetze nicht kennen, wissen mit diesen Worten genauso wenig anzufangen wie die Juden von dazumal. Wer nämlich die Ursache der Menschwerdung Christi nicht kennt, wer den Glauben an diese Geisteswelt nicht hat, kann diese Worte nicht fassen und nicht glauben. Der Grund, warum Christus den Menschen damals sagte: “Ich war, ehe Abraham war”, war doch der, dass jenen Menschen die Möglichkeit gegeben werden sollte, nachzudenken und ihn als Sohn Gottes anzuerkennen. Er sagte: “Ich bin der Sohn Gottes, der Erstling der göttlichen Schöpfung.” Die Juden damals glaubten an Gott. Obwohl sie Gott nie gesehen hatten, glaubten sie an ihn. Christus gab ihnen sein Verhältnis zu Gott kund, und er gab den Menschen so viel Zeugnis von seiner Herkunft aus dem Himmelreich. Er sprach von seinem Vater, und er erklärte ihnen, dass er Gottes Sohn sei und dass alles, was dem Vater gehöre, auch ihm gehöre und sein Eigentum sei.
Nun muss ich zeitlich einen grossen Schritt vorwärts tun: Die Christen von heute, die gläubig sind, glauben an Gott, obwohl sie diesen Gott ja auch nicht sehen können. Sie beten zu ihm; sie bitten im Vaterunser, das Christus ihnen gegeben hat, um das tägliche Brot und dass Gott ihnen ihre Schuld vergeben möge. Zu diesem unsichtbaren Gott beten sie, und sie nennen ihn ihren Vater. Der gläubige Christ bejaht die Aufgabe Christi und anerkennt sein Erlösungswerk, aber er macht sich im Weiteren keine Gedanken darüber, welches denn wirklich der Grund der Menschwerdung Christi gewesen ist. So glaubt man einerseits an Gott und auch an Christus, aber dass diese Persönlichkeiten auch eine Heimat haben, dass sie eine Gestalt haben, aus ihnen ein Wirken und Lenken geht und dass alles Werden und Vergehen aus ihnen kommt, darüber macht man sich keine Gedanken, darüber geht man hinweg. Auch wenn christliche Festtage kommen, ist es Tradition geworden, sie zu feiern. Aber nachdenken tut man nicht.
Es ist für uns unverständlich, dass Menschen von heute, die von sich behaupten, dass sie ein exaktes Denken besitzen und sich darum auch bemühen, nicht vermehrt nach diesem Geschehen forschen, das ihnen Antwort auf viele ungeklärte Dinge geben könnte – dass es doch einen Grund haben muss, warum Christus als der eingeborene Sohn Gottes Mensch geworden ist, seinen Auftrag erfüllte und diese Menschheit wieder versöhnte mit Gott. So ist es meine Aufgabe, zu versuchen, diese Lücken auszufüllen. Der Mensch aber muss bereit sein, nachzudenken und über diese Dinge auch zu meditieren. Er darf nicht voreingenommen einfach alles ablehnen, sondern er soll von innen heraus ehrlich sein und sich all diese Fragen einmal vorlegen und so von einer Frage zur andern gehen, sich mit ihr beschäftigen, um so vielleicht selbst von innen heraus die Antwort zu bekommen. Die Antwort kann manchem gegeben werden, wenn er die Heilige Schrift zur Hand nimmt und darin liest. So viel Wunderbares, so viel Wahrheit ist noch in ihr enthalten. Auch wenn manches nicht genau ausgelegt oder niedergeschrieben ist, weil durch die verschiedenen Änderungen, die stets vorgenommen wurden, durch diese Übersetzungen in verschiedene Sprachen, viel an Wahrheit verloren gegangen ist, so ist in ihr aber immer noch mehr als genug Wahrheit enthalten. Aber was in der Heiligen Schrift steht, was sinnbildlich dargelegt wurde, was Christus erklärte, das muss man auch verstehen.
Die Evangelisten sind von einem heiligen Geist erleuchtet worden, sie haben das Geschehen von einst niedergeschrieben, und es ist in viele Sprachen übersetzt worden. Wenn dem Menschen erklärt wird, dass es heute auf dieselbe Art und Weise auch möglich ist, von einem heiligen Geist aus der Ewigkeit Antwort zu bekommen, so scheint das für manche etwas Unmögliches zu sein. Wenn anderseits von bestimmten Gläubigen Satzungen, Dogmen aufgestellt werden und sie dann erklären, dies wäre unter der Mithilfe oder durch die “Kraft des Heiligen Geistes” geschehen, so möchte ich es einem denkenden Menschen selbst überlassen, darüber zu urteilen. Er soll selbst beurteilen, ob der Urheber dieser Dogmen wirklich ein heiliger Geist gewesen ist, ob es wirklich möglich ist, dass ein heiliger Geist zu solchen Dogmen kommt, die für die Geisterwelt Gottes etwas Unmögliches sind. Es ist dem Menschen überlassen zu urteilen. Die Geisteswelt Gottes aber erklärt: “Der Geist Gottes weht, wo er will” (vgl. Joh. 3, 8). Nicht Menschen vermögen zu entscheiden und zu bestimmen, was Gottes Geist will – was Gottes Geist will, entscheidet die Geisterwelt Gottes. Den Weg zu dieser Geisterwelt Gottes könnte jeder Mensch finden. Aber dieser Weg ist nicht so einfach zu finden, denn die Möglichkeiten der Täuschung sind sehr gross. – Nun mag der eine oder andere etwas bei sich denken, was ich jetzt nicht aussprechen will. Ihm will ich nur sagen: Ich weiss, was du denkst, und das ist überheblich. Nur so viel möchte ich sagen.
Mit meiner Erklärung möchte ich dem Christenmenschen auch darlegen, dass er sich stets bewusst sein muss, dass diese Welt vom Herrscher des Totenreichs regiert wird, also vom Satan. Auch das muss der Christenheit gesagt werden. Will mir jemand das Gegenteil beweisen? Dann müsste er mir in erster Linie zeigen können, dass die Welt im Frieden lebt. Diese Welt lebt aber nicht im Frieden und wird so lange nicht im Frieden leben, als der Teufel der Herrscher dieser Welt sein kann. Dies sagt man der Christenheit auch nicht, doch täte man gut daran, es ihr klarzumachen. Doch man glaubt, man würde dadurch der Ehre Christi Abbruch tun. Durchaus nicht. Man muss nur die Ursachen kennen, nur den Grund wissen, warum dieser Teufel die Welt regiert. Würde nämlich wahrhaftig Christus mit all seinen Heiligen, mit all seiner Kraft diese Welt regieren, wäre überall Friede in dieser Welt. Die Nächstenliebe würde dann von grosser Bedeutung sein. Es würde weder Betrug noch Lüge geben. Es würden keine Menschen gefoltert werden. Man würde nicht um die Reichtümer dieser Welt streiten. Aber hatte Christus nicht gesagt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt” (Joh. 18, 36)? Und er sagte auch: “Diese Welt hat nichts an mir” (vgl. Joh. 14, 30). Eben: Diese Welt wird regiert von den Mächten des Bösen.
Wenn bei einem Menschen Zweifel bestehen, ob es das Böse überhaupt gibt, wie vermag er dann auch nur einen Funken Wahrheit zu erkennen? Wie kann er da die Ursache des Lebens auf dieser Erde begreifen? Es ist uns einfach unverständlich, dass man einerseits Gott bejaht und Christus als den Erlöser anerkennt, anderseits aber nicht tiefer nachdenkt und nach den Ursachen sucht, warum auf dieser Welt dieses Elend herrscht.
Ich komme wieder darauf zurück, was Christus jenen sagte: “Ehe Abraham war, war ich.” Einem Christenmenschen muss doch die Antwort gegeben werden, was Christus damit gemeint hat. Anerkennt man ihn als den Erstling der Schöpfung Gottes, als den eingeborenen Sohn Gottes, dann ist einem doch klar, dass er als Erstling der unsichtbaren Schöpfung viel früher als Abraham ins Dasein trat. Christus hat also auf sein Reich hingedeutet, auf das unsichtbare Reich Gottes. Auf dieses unsichtbare Reich Gottes haben sich die Menschen auszurichten, sie haben die Lehren zu befolgen, die Christus gegeben hat. So sagte er doch: “Ich bin das lebendige Brot” (Joh. 6, 35), und: “Niemand kommt zum Vater ausser durch mich” (Joh. 14, 6). Christus musste aber zuerst seinen Auftrag erfüllen, ehe die Menschen überhaupt den Weg der Heimkehr wieder antreten konnten. In Knechtschaft lebten doch die Menschen, ehe Christus seinen Auftrag erfüllt hatte. Er gab ihnen durch sein Erlösungswerk die Kindschaft Gottes zurück. Dadurch ist es dem Menschen wieder gegeben, den Weg zurück zu Gott zu beschreiten und seinen ursprünglichen Platz wieder einzunehmen.
Nun, ich deutete wiederholt auf die Ursache hin, die all dieses Geschehen doch gehabt haben muss. Von dieser Ursache will man nichts wissen, von ihr spricht man nicht mehr.
Die Ursache von allem aber ist die: Zuerst war alles im Geiste erschaffen; alles Leben hatte sein Dasein im unsichtbaren Reich Gottes. In diesem unsichtbaren Reiche Gottes haben Wesenheiten gelebt, gewirkt, sich entfaltet und ihre Tätigkeit ausgeübt. Sie hatten eine Welt vor sich, die für sie gut war, in der sie in Zufriedenheit hätten leben können – und da liegt nun der springende Punkt. Dort, in dieser geistigen Welt, ist die Ursache zu finden; dort hat diese Zwietracht angefangen, dort kam es zu Täuschungen. Und wenn dies dem einen oder andern unverständlich erscheint, dass es im Himmel zu Enttäuschungen, Ungerechtigkeit, Streit und Herrschsucht kommen konnte, so vergisst man dabei eines, und dies gehört auch zu den Lücken in der christlichen Lehre: Gott gab seinen Wesen den freien Willen, er hatte sie zu nichts gezwungen. Aus ihrem freien Willen heraus sollten sie entscheiden, und in diesem freien Willen konnten sie in den himmlischen Welten leben. Sie lebten in Freiheit. Doch da war einer, der wollte es nicht haben, dass Christus der König ist und ihm die Himmel als sein Königreich zugesprochen waren. Damit fing es an, dies war der Anfang. Durch den freien Willen konnten jene Wesenheiten entscheiden, ob sie ihren Gehorsam demjenigen geben wollten, der ihr König war, oder ob sie sich jenem Aufwiegler zur Seite stellen wollten.
Ihr mögt dazu auch euer Aber und Warum haben. Nun muss ich von der Zeit sprechen, wobei ich euch die Zeit nicht nach euren Begriffen erklären kann – ich kann euch nur Andeutungen von der Ewigkeit geben. Ich kann nur andeuten, dass es eine Zeit gab, die man nicht berechnen konnte, in der die Geschöpfe Gottes in Frieden und Freude lebten, wo sie zufrieden waren mit sich und dem andern, wo alles so wunderbar gelenkt und geführt wurde. Sie fühlten sich ihres Glückes und ihrer Seligkeit so sicher, und sie dachten nicht mehr daran, dass sie durch falsche Entscheidung, durch Ungehorsam die Gesetze übertreten konnten, die ihnen gegeben worden waren. Auch im Himmelreich gab es Gesetze, denn ohne Gesetze gibt es doch wohl nirgends eine Ordnung, und so war auch im Himmelreich diese Ordnung bestimmt. Diese Gesetze waren allen göttlichen Wesen gegeben, und nach ihnen sollten sie leben. Sie lebten in Freiheit, aber auch die Freiheit hat ihre Ordnung, und nach ihr muss man sich ausrichten. So galt dies also für alle göttlichen Wesen. Und da ich, wie ich sagte, von Zeit nicht reden kann, kann ich nur davon sprechen, dass es für alle das grosse Glück war, von dem man den Anfang nicht mehr sah und von dem man auch kein Ende sah. Aber klar sollte es allen sein, dass sie sich nach dieser Ordnung und nach diesen göttlichen Gesetzen auszurichten hatten. Und so wurden durch Ungehorsam diese Ordnung und diese Gesetze verletzt. Ein Teil dieser göttlichen Wesen hielt sich nicht mehr an das, was Christus ihnen zu sagen hatte; sie stellten sich nicht mehr ihm zur Seite. Doch dieses stand als erstes und oberstes Gebot in dieser Gesetzesordnung. Sie hatten es vergessen – die einen vielleicht, doch ist dies für sie keine Entschuldigung, denn die Gesetze und die Ordnung waren für alle ganz klar dargelegt worden. Es war aber möglich geworden, dass es dahin kam, weil jener Geist, der sich Luzifer nannte, während so langer Zeit seine Tätigkeiten entfalten konnte und Christus die Stellung streitig machte. Luzifer wollte König sein, ihm sollten die Wesen Gehorsam leisten.
Nun, wenn durch Gottes Willen ein Auftrag, ein Gesetz gegeben ist, so muss sein Wille befolgt werden. Gottes Wille muss überall in Erfüllung gehen; Gottes Willen kann niemand streitig machen. Und hier ist eben dieser Punkt: Luzifer und alle, die ihm anhingen, verletzten das Gesetz und die Ordnung, und so musste eingegriffen werden. Und daher kam es zu diesem Engelsturz, von dem man heute in der christlichen Lehre so viel wie nichts mehr vernimmt. Es wird nichts mehr davon gesprochen, dass die Menschen, die auf Erden leben, gefallene Engel sind. Nur durch Gottes Gnade, nur weil er sich dieser Gefallenen erbarmte, ist es möglich geworden, eine neue Welt für sie zu schaffen. Denn sie waren aus den Himmeln gestürzt worden, so auch dieser Luzifer. Wie ein Blitz fiel er aus den Himmeln herab in die Hölle (vgl. Luk. 10, 18). Und alle, die ihm anhingen, mussten mit ihm gehen – in sein Reich, in das Reich der Toten. Und Christus hatte die Aufgabe, jene, die doch ihm gehörten und nun Luzifer zugesellt waren, diesem wieder zu entreissen. Christus wollte sie wieder in sein Reich zurückhaben.
Ich habe jetzt nicht die Möglichkeit, in alle Einzelheiten zu gehen. Im Lauf der Jahre habe ich so viele Erklärungen gegeben, und meine mir treu zuhörenden Freunde wissen über die geistigen Gesetze genau Bescheid. Trotzdem ist es immer wieder notwendig, dass ich Klarheit schaffe für jene, die zum ersten Mal hierherkommen und solches vernehmen. Ich muss diese Lücken doch ausfüllen. Ich muss erklären, was in der Christenheit verborgen geblieben ist. Und so muss man nach diesen Ursachen suchen, und man findet dann die Ursache allen Lebens auf dieser Welt.
Alle Worte, die Christus gesprochen hat, haben ihre grosse Bedeutung. Dazu gehört selbst jenes Wort: “Wenn die Steine reden könnten ...” (vgl. Luk. 19, 40). Auch diese Worte haben ihren tiefen Sinn. So ist diese Erde doch dafür geschaffen worden, dass die aufsteigende Menschheit die Möglichkeit besitzt, ihre wahre Heimat zurückzugewinnen, ihr wahres Erbe wieder in Anspruch nehmen zu dürfen. Daher ist von dieser unsichtbaren Welt aus, von den für Menschen unsichtbaren Gestalten, eine sichtbare, materielle Welt geschaffen worden und sind Menschen mit einem materiellen, also einem vergänglichen Leib geschaffen worden. Aber im Menschen ist etwas, das ihn lebendig macht: Das ist die Seele. Die Seele ist von Gott gekommen, sie belebt den Menschen, und sie wird wieder dahin zurückkehren, von wo sie gekommen ist. Dafür musste nun ein Aufstiegsplan geschaffen werden, als es zu dieser Versöhnung gekommen war, als der Sohn Gottes sein Leben hingegeben hatte und nach seinem Kreuzestod – nun als Geist – die Abrechnung mit Luzifer gehalten hatte. Damals hat sich so vieles abgespielt, was für die zukünftige Menschheit, für das zukünftige Leben, das im Kommen war, von höchster Bedeutung war. Durch Christus erhielten alle die Möglichkeit zurückzukehren, für alle sind auf diesem Weg die Möglichkeiten geschaffen worden, wieder heimzukehren zum Vater.
So würde es zu weit führen, würde ich alle diese Einzelheiten erklären, die ich des Öftern schon dargelegt habe. Doch ist es eine Notwendigkeit, jene Ursachen bekannt zu geben. So kann nicht einfach von einer Versöhnung gesprochen werden, wenn man nicht erkennt, dass es ja zuerst einen Streit gegeben haben muss, ehe man sich versöhnt. Wenn man in Frieden zusammenlebt, braucht es doch keine Versöhnung. Also gibt es für diese Versöhnung eine tiefe Ursache, es ist also etwas vorausgegangen. Und dem, was vorausgegangen ist, muss man nachgehen. Dann wird man den Weg finden, und dann wird man es verstehen, dass Christus sagte: “Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin das lebendige Wasser. Ich bin der Quell des Lebens.” (Joh. 6, 35; 4, 10 –14.) Er ist es, der Sohn Gottes, der wahrhaftig seinen Auftrag erfüllt und die Seinen mit dem Vater versöhnt hat. Er nimmt sie alle wieder zu sich zurück. Es ist jedoch ein weiter Weg für einen jeden hier lebenden Menschen, jenen ursprünglichen Ort wiederzufinden, von dem er einst ausgegangen ist. Aber er wird wieder dahin zurückkehren. Und so ist es jedem Menschen selbst überlassen, sein Leben so zu gestalten, dass er zu inneren, höheren geistigen Werten kommt und nicht diese Welt mit all ihren Dingen ihn besitzen und beherrschen kann. Er soll sich darüber klar werden, dass er als Mensch seine Aufgaben zu erfüllen hat. In seinem menschlichen Dasein ist ihm eine Aufgabe gestellt. Es ist ihm überlassen, seinen geistigen Aufstieg zu fördern, um in seine Welt des Glückes und der Seligkeit wieder zurückzukehren und seinen Platz dort wieder einzunehmen.
Das Leben des Menschen ist wohl eine harte Prüfung. Dies brauche ich euch nicht zu erklären. Denn die Welt hat dem Menschen vieles zu bieten, um ihn in Versuchung zu bringen. Die Welt will den Menschen beherrschen. Der Mensch, der da in dieser Welt steht, soll aber seine Gesinnung dem Göttlichen zuwenden. Er ist durch den Willen Gottes in dieses menschliche Dasein gerufen worden, und als Mensch hat er zu beweisen, dass er sich dem Göttlichen zuwendet, auch wenn er weit entfernt von Gott ist und in einer gewissen Unsicherheit darüber leben muss. Es kann ihm aber eine Gewissheit werden, wenn er sich nach den hohen Zielen des Lebens ausrichtet, wenn er nach hohen göttlichen Erkenntnissen sucht und sich Zeit nimmt zu meditieren und sich mit dem Willen Gottes beschäftigt. Wenn er versucht, ein guter und edler Mensch zu werden, Christus und seiner Lehre nachzuleben, und sich in allen Dingen nur nach den hohen, göttlichen Zielen ausrichtet, so baut er sich dadurch einen inneren geistigen Reichtum auf, der nicht vernichtet werden kann. Irdischer Besitz kann vernichtet werden, was man aber geistig im Innersten errungen hat, kann niemand vernichten. Was man an Güte, an Liebe, an Hilfsbereitschaft in seinem Innersten hat, kann von niemandem gestohlen werden, kann niemand vernichten, ausser man tut es selbst. Bewahrt ein Mensch diese göttlichen Eigenschaften, so steht er dann in der jenseitigen Welt als geistiges Wesen mit einer strahlenden Seele da und wird hier entsprechend seinem Aussehen und seiner Entwicklungsstufe seinen Platz einnehmen. Und auf diese Weise nimmt man das Erbe Gottes wieder in Empfang, und jedem wird zurückerstattet, was er einst besessen hatte. Aber dafür muss er selbst kämpfen. Christus hat ihm den Weg bereitet, die Tore aufgetan für die Rückkehr, und nun ist es am Menschen, das Seinige zu tun und gottgefällig zu leben, um seinen Platz wieder einnehmen zu können.
So, liebe Geschwister, habe ich versucht, diese Ewigkeit etwas näher an euch heranzuführen. Möge man sich mit all dem, was ich gesagt habe, befassen und darüber nachdenken. Es kann für jeden nur von Nutzen sein. Es ist jedem der freie Willen gegeben, selbst zu entscheiden. Es kommt an jeden Menschen die Stunde, wo er aus dieser Welt scheidet und die göttliche Welt ihm gegenübersteht.
So möget ihr im Frieden leben, und der Segen Gottes möge euch in eurem Leben begleiten. Er möge euch behüten und beschützen vor jeder Not, vor allen Gefahren. Und wer da krank ist, soll gesunden in Christi Namen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 22.5.1976 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Josef, 25. Mai 1980 (Ausschnitt)
Geistlehrer Josef beleuchtet in diesem Vortrag die einzigartige Stellung von Christus als eingeborenem Sohn Gottes. Der himmlische Vater gab seinem Sohn von allem, was er selbst besitzt. Durch Christus ist die gesamte Schöpfung geworden, und seiner Macht wurde sie unterstellt.
Josef: [...] Meine lieben Geschwister, der Glaube, die Wahrheit sollte dem Menschen noch mehr bedeuten als sein tägliches Brot, das er braucht, um sich erhalten zu können. Um sich wirklich erhalten zu können, braucht man nicht nur irdisches Brot, nicht nur irdische Nahrung, die den Körper erhält. Man braucht auch geistige Nahrung, die den Geist stärkt und ihn erhält. Das ist von grosser Bedeutung. Und so versuche ich, euch doch etwas von dem zu geben, was ihr nicht ohne Weiteres erleben, erfahren könnt. Es ist für euch nichts Neues, wenn ich die Worte wiederhole: Gott hat viele Namen; unter den verschiedensten Namen wird Gott von den Menschen angerufen. Und was tun sie alles in seinem Namen, was glauben Menschen, was Gott alles gefallen soll!
Nun, darüber will ich nicht weiter reden, aber ich möchte euch etwas anderes vor Augen führen. Ich möchte euch klarmachen, dass Gott für seinen eingeborenen Sohn nur einen Namen hatte, für Gott war der Eingeborene “mein Sohn”. Gott gab ihm keine weiteren Namen, er nannte ihn: “Mein viel geliebter Sohn.” Dies vernahm die Welt, sie wurde erfüllt von dem göttlichen Atem, als Christus seinerzeit von Johannes getauft wurde und vom Himmel her die Stimme ertönte: “Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich mein Wohlgefallen” (Mat. 3, 17).
“Dies ist mein geliebter Sohn”, so sprach Gott. Und in der Heiligen Schrift steht geschrieben: “Zu wem hat Gott je gesagt: ‘Dich habe ich heute gezeugt; du bist mir Sohn, ich bin dir Vater’?” (Heb. 1, 5). Zu niemandem, nur zu seinem eingeborenen Sohn. Ihn nannte er “mein Sohn”. Nur für ihn gab es diesen Namen.
Ihr macht euch vielleicht Gedanken darüber, dass sich der Erlöser der Menschheit doch auch “des Menschen Sohn” nannte. Er wusste um die Werte, was der Vater damit meinte, wenn er ihn “Sohn” nannte. Für den Vater war er “Sohn”. Aber Christus wollte um der Menschheit willen auch des Menschen “Sohn” sein. Darum nannte er sich “des Menschen Sohn”. Gott aber rief ihn bei keinem andern Namen als beim Namen “mein viel geliebter Sohn”, obwohl er ihn zum König aller Geister des Himmels gesalbt hatte.
Um euch den Zusammenhang zu geben, muss ich etwas zurückgreifen. Wie ihr belehrt wurdet und wisst, ist Christus aus Gott geboren. Er ist der Erstling, der Anfang der Schöpfung – Erstling Gottes. (Off. 3, 14; Kol. 1, 15.) Für Gott sollte nun der aus ihm Geborene nicht nur einfach Sohn bleiben; er sollte nicht nur eine Person sein, der man huldigt, die geehrt wird. Sondern Gott wollte seinem Sohn die Rechte geben, die es ihm dereinst ermöglichen sollten, Macht auszuüben. Gott wollte in ihm mehr als nur einen Sohn haben. Er gab ihm von allem, was er besass. Er hatte es bekundet, und Christus hat es stets bestätigt: “Was dem Vater gehört, gehört mir. Der Vater und ich, wir sind eins.” (Joh. 10, 30 und 16, 15.) Wie gut erinnerte sich Christus doch an jene Zeit zurück, als sie noch allein zusammen waren, allein in Glückseligkeit. Aber dieses alleinige Zusammensein sollte doch nicht das ewige Leben sein – die Schöpfung sollte sich weiter entfalten. Der Vater hatte dies dem Sohne ermöglicht. Sein Sohn wurde ja aus ihm geboren; er hatte die Erbanteile vom Vater, von Gott. Gott hat Vater-Mutter-Prinzip in sich, und sein einziger aus ihm geborener Sohn sollte ebenfalls dieselben Vater-Mutter-Prinzipien in sich haben. Ihm wollte Gott die Möglichkeit, die Macht, die Kraft geben zur weiteren Schöpfung. Durch seinen geliebten Sohn sollte nun alles werden. (Kol. 1, 15 –17.) Aber das ewige Leben, das Licht, das, was ewiges Leben gibt, das behielt sich Gott selbst vor. Den lebendigen Funken, das Licht, das aus Gott kommt und Leben gibt, das wollte er selbst verabreichen. Schaffen aber sollte sein Sohn. Ihm wollte er es ermöglichen, dieses Licht vom Vater auszutragen. Ihm wollte er es auch ermöglichen, diese Lebendigkeit auszutragen, die er als Vater ihm stets gab, während der Sohn in seiner Schöpferkraft so vielfältig, so stark war und schaffen und schöpfen konnte, wie die Schöpfung heute ist, wie man sie bewundert in ihrer Vielfalt, in ihrer reichen Gestaltung. Aus sich heraus wollte Gott seinem Sohn die dafür erforderliche Macht geben, er sollte die Möglichkeit haben, und er sollte König werden, König im Himmelreich.
Und wenn man von den “Söhnen Gottes” spricht (Hiob 1, 6), so seid ihr auch darüber orientiert, dass diese ‘Söhne’ ja aus Christus geboren sind. Sie sind “Söhne Gottes” – so nannte man es dazumal [gemeint sind die sechs Erzengel, die drei Dualpaare bilden; vgl. dritter Abend der “Meditationswoche 1975”, Zürich 2004].
Aber wie hätte eine Schöpfung sich in der Vielfalt ausweiten können, wenn es nur ein Prinzip gegeben hätte? Somit musste also auch Christus wie der Vater das männliche und das weibliche Prinzip in sich haben. Er hatte es vom Vater geerbt, und er sollte auf diese Weise in der Schöpfung wirken; er brauchte dazu diese beiden Prinzipien. Und so hat Christus nun diese Schöpfung gestaltet, und alles ist ihm untertan. (Kol. 1, 15–18.)
Es gab eine Zeit, die ich nicht mit Jahren bezeichnen kann, wo nur Glück im Himmel war. Die aus Christus geborenen Wesenheiten [die drei Erzengelpaare] hatten doch so viel von der Schöpferkraft empfangen, denn sie waren auch Erben, Erben von Christus, und vermochten auch in der Schöpfung mitzuwirken und tätig zu sein. Sie hatten auch Macht, doch ihre Macht war nicht zu vergleichen mit der des Sohnes Gottes. Gott gab seinem Sohne alle Macht. Er sollte schöpferisch wirken und die Möglichkeit dazu haben, und ihm wollte Gott alles unterstellen. Die Engel des Himmels sollten sich beugen vor dem König, vor seinem Sohn. Denn sein Sohn trat in der Gotteswelt, als alles noch in Glück und Seligkeit war, viel mehr hervor als der Vater. Der Vater blieb zurück in seiner Herrlichkeit. Wohl überschaute er all die Dinge, die da geschahen, und wohl lebte er seine Zeit mit seinem Sohn zusammen. Die vielen Gespräche, die sie miteinander führten, bezogen sich doch auf die Entfaltung der weiteren Schöpfung. Und so wurde Christus von seinem Vater auch gelenkt und geführt, und er trat hervor und ging von einem Himmel zum andern. Denn im Himmelreich weitete sich das Leben aus. Es wurden geistige Völker geschaffen, wunderbar in ihrer Vielfalt. Bis die Zeit kam, da jener [Luzifer] aufstand, voll des Neides und der Eifersucht auf Christus.
Wenn man sich darüber Gedanken macht und sich fragt: “Wie kann es denn möglich sein, dass Wesenheiten, die vom Göttlichen geschaffen sind, erfüllt werden von Neid?”, so kann ich dafür nur auch die Erklärung geben, dass ja jedem Geschöpf des Himmels die Freiheit des Denkens und des Handelns gegeben wurde – dass aber alles unter Gottes Macht stand. Das hiess also: Gott konnte einschreiten, wenn es sein musste. Wie lange die Zeit von Glück und Seligkeit dauerte, dafür habe ich auch keine Zahlen. Ich kann euch nur dieses sagen: Die Wesen lebten eine sehr, sehr lange Zeit in der Herrlichkeit, und sie hatten ihre Freiheit und ihr Glück genossen, und so glaubte jener, tun zu können, was ihm gefiel, und Herr werden zu können über die, die Christus unter sich hatte. Er wollte mehr werden und mehr sein. Und auch diese Zeit des Zweifels und der Beeinflussung [der andern Wesen] dauerte sehr, sehr lange. Und dann kam doch der Moment, wo jener glaubte, stark genug zu sein, um alles an sich zu nehmen.
Ihr müsst bedenken und euch vorstellen: Wenn Gott der Mächtige sich ständig unter den Seinen gezeigt und seine Macht zum Ausdruck gebracht hätte, hätte sich wohl keiner getraut, sich aufzulehnen; denn man hätte sich gebeugt, weil man wusste: Gegen Gott kann keiner vorgehen. Da Gott aber, wie schon angedeutet, sich in seiner Herrlichkeit, in seinem Glanz zurückhielt und nicht im täglichen Erleben der Geschöpfe da war – denn dafür hatte er seinem Sohn den Auftrag gegeben –, bekamen die Geschöpfe die Macht Gottes nicht so zu spüren, und so wurde diese Auflehnung möglich. Mit dieser Erklärung könnt ihr es doch wohl verstehen: Ist einer da, der streng das Zepter führt und darauf bedacht ist, dass nichts Falsches gemacht wird, wird man sich gegen ihn nicht erheben; man wird es nicht tun, wenn man die Macht des andern erkennt und sie sieht. Wenn aber diese Macht nicht in der Weise zu erleben ist, wenn sie zurückhaltend ist – und eben der Sohn gesandt ist – und man selbst Macht und Entfaltungskraft besitzt, dann traut man sich schon etwas zu. Und so kam es, dass Christus den Weg zum Vater fand und ihm klagte. Und der Vater, er tröstete seinen Sohn und sagte ihm: “Ich werde eingreifen, wenn es Zeit ist. Überlass es mir. Die Macht liegt bei mir.” Und so waren Vater und Sohn in Liebe miteinander verbunden. Sie waren eins in der Güte, in der Liebe, im Verständnis, denn der Sohn hatte ja vom Vater die Tugenden und die Eigenschaften in sein Dasein mitbekommen.
Und so ist es schliesslich zum Abfall, zur Trennung gekommen, das brauche ich jetzt nicht näher auszuführen. Ich wollte euch nur diese Erklärung geben, weil bei manchem gläubigen Menschen Zweifel sind und er sich fragt: “Wie war denn das nur möglich?” Es war in der Weise möglich, wie ich es geschildert habe.
Gross war der Kummer und das Leid, als es zum Abfall, zu dieser Trennung kam. Ein Teil der Wesen musste den Himmel verlassen, denn sie hatten Ungehorsam zum Ausdruck gebracht. Gott hatte ihnen den Befehl gegeben, seinem Sohn Gehorsam zu leisten, doch sie hatten sich nicht daran gehalten. Und so kam das grosse Leid, sie wurden aus den Himmeln gestürzt. Doch Vater und Sohn erbarmten sich jener, die sich nicht so sehr verschuldet hatten; sie hatten Mitleid mit all jenen, die aus dieser Herrlichkeit heraus in den ‘Tod’ treten mussten, an einen Ort hin, wo nur Klagen, nur Weinen, nur Jammern war. So erbarmten sich der Vater und der Sohn, und man schuf die Möglichkeit des Aufstiegs.
Schon gleich von Anfang an – obwohl das ja Milliarden von Jahren wieder gedauert hat – ist der Gedanke gefasst worden, dass durch den Sohn Gottes eine Erlösung stattfinden könnte. Es wurde aber ihm überlassen, freiwillig darüber zu entscheiden; er hätte es ablehnen können – er tat es nicht. Denn der Vater hatte sie alle ihm anvertraut, ihm gegeben; sie gehörten ja alle ihm, sie hatten seinem Reich angehört. Und so wollte er auch für sie einstehen.
So wurde [zur Heimführung der Gefallenen] die [irdische] Schöpfung im Einzelnen aufgebaut und immer weiter gestaltet; es wurde immer wieder gewandelt, umgestaltet, bis zu dem Punkt, wo es so weit war, dass es zu einem Menschendasein kommen konnte. Dafür wurde ja auch diese Erde geschaffen. Denn man sah den Weg zur Errettung der Gefallenen nur darin, dass sie in weiter Entfernung von Gott, in einem menschlichen Dasein, eine Prüfung ablegen sollten, um nach dem Bestehen dieser Prüfung die Heimkehr wieder antreten zu können. Und so sollte es zu diesem menschlichen Dasein kommen. Aber die auf Erden lebenden Menschen mochten sich in ihrer geistigen Entwicklung noch so aufwärtsbewegt haben, der Himmel blieb ihnen gleichwohl noch verschlossen. Der König wollte aber die Seinen wieder bei sich haben, und so bat er den Vater darum: “Lass auch mich in dieses menschliche Dasein treten. Die Meinen sind in dieses menschliche Dasein geführt worden, sie leben in einer Welt voller Prüfungen, und sie sind weit von dir entfernt und müssen den Weg zu dir finden. Lass auch mich als Mensch in diese Welt eintreten. Lass mich dasselbe erleben, lass auch mich Mensch werden, und gib auch mir Prüfungen. Ich will meine Treue zu dir beweisen. Ich will die Meinen [aus der Herrschaft Luzifers] erretten, aber dazu muss und will auch ich Mensch werden. Ich will ihnen zeigen, dass der Weg zum Himmel frei werden kann, mag diese Aufgabe auch noch so schwer sein.” Denn dass diese Aufgabe sehr schwer sein würde, war vorauszuahnen; denn man kannte ja das Totenreich und seinen Herrscher.
Und so kam die Zeit, da Christus in dieses menschliche Dasein trat, um das Leid der Menschen doch etwas zu kürzen und um den Weg der Heimkehr doch etwas zu beschleunigen. Denn bis dahin vermochte das Böse noch viel mehr zu wirken als heute; die Macht des Bösen war damals unbegrenzt. Und so trat dieser eingeborene Sohn Gottes, der für den Vater “mein Sohn, mein geliebter Sohn” war, in dieses irdische Dasein und nahm die vielen damit verbundenen Prüfungen auf sich. Er aber erkannte den Vater, er wusste um seine Aufgabe, die er in diesem Erdenreich erfüllen musste. Als die Zeit dafür gekommen war, bekam er vom Himmel her die Antwort; er hatte die Schau in den Himmel und die Gespräche [mit seinem Vater und seinen hohen geistigen Geschwistern]. So konnte er erfahren, wer er war und was für eine Aufgabe ihm bevorstand.
Zu gegebener Zeit trat er dann hinaus und gab Zeugnis von seiner Herkunft. Er wirkte Wunder für die Menschen, denn er heilte Kranke. Gelähmte konnten wieder gehen, Blinde wurden wieder sehend. So gab er Zeugnis, und er nannte sich “Sohn Gottes”; doch in dieser Welt, wo er lebte, da, bei jenen Pharisäern und Schriftgelehrten, empfand man dies als Gotteslästerung (Joh. 19, 7; Mat. 26, 63–65). Er nannte sich “Sohn Gottes”, genau so, wie ihn der Vater rief, wie ihn der Vater nannte: “Mein Sohn. Du bist mir Sohn.” So vermochte er es den Menschen zu sagen, aber die Menschen, sie waren weit, weit weg vom Himmel, und sie ahnten nichts von einer Vergangenheit solcher Art, wie ich sie geschildert habe. Sie sollten glauben können, denn sie hatten Beweise erhalten. Dieser Sohn Gottes gab ihnen so viele Erklärungen, und er erzählte ihnen vom Himmelreich, und er sagte: “Ich bin das Licht der Welt” (Joh. 8, 12 und 12, 46). Ja, er war das Licht der Welt. Aber auch heute versteht ein Christenmensch dies nur dann wahrhaftig und wirklich, wenn er die Geisteslehre kennt. Denn Christus kam als geistiges Licht in diese geistige Dunkelheit. Er brachte das Licht, und er brachte das lebendige Brot; er brachte die wahrhaftige Nahrung, die die Menschen brauchten für ihre Seele, um sich zu stärken, um sich aufzumachen auf den Weg zu Gott.
Ihr, liebe Geschwister, seid doch unterrichtet über all diese Geschehen. Die christlichen Feiertage bringen es euch in Erinnerung, was einst geschah. Heute aber geht davon an Kraft und an Wahrheit verloren, weil der Abstand des Menschen zum Göttlichen viel zu gross geworden ist; denn in der christlichen Lehre sind so viele Lücken vorhanden, sodass die Menschen sich nicht veranlasst fühlen, darüber nachzudenken und zu überlegen. Würden sie nämlich wahrhaftig diese Geisteslehre kennen, dann wäre für sie der Himmel nicht etwas Fremdes, nicht etwas Geschlossenes, sondern der Himmel wäre für sie offen, weit offen. Denn sie wüssten: Christus ist zurückgekehrt; Christus lebt wieder in seinem Reich, bei seinem Vater und ist und bleibt verbunden mit dieser Menschheit durch seine getreuen, heiligen Geister, durch all jene, die bereit sind, ihm zu dienen, ihm dabei zu helfen, alles wieder zurückzuführen, um es wieder in den Zustand zu bringen, in dem es einst war.
Wie unendlich viele sind es, die noch stets von unten her im Aufsteigen sind. Und wie schwer wird es der Geisterwelt Gottes gemacht, weil die Menschen nicht bereit sind, all diese Dinge einmal sachlich, unvoreingenommen zu betrachten und nachzudenken und sich einmal zu überlegen, dass es von nichts auch nichts geben kann – dass alles doch seinen Ursprung hat und der Mensch, der hier auf dieser Erde lebt, einstmals im Himmelreich gelebt hat. Von all dem, was der Mensch erleben darf und was er in der Schöpfung bewundert und bewundern darf, waren doch die Samen vorhanden, ehe es diese Welt gab, und auch die Möglichkeit, dass solches sich im Himmelreich entfalten konnte. Darüber sollte man sich seine Gedanken machen. Diese Welt ist doch vergänglich, und die Menschen, die da leben, werden eines Tages abberufen werden und wieder ins geistige Reich hineintreten, wieder an den Ort hinkommen, wo sie nach ihrer geistigen Entwicklung hingehören.
Wie wunderbar wurde doch alles von Gott in seiner Weisheit gefügt und so gestaltet, dass den Gefallenen die Möglichkeit des Aufstiegs gegeben ist. Wie gross ist die Gerechtigkeit, die in der Ordnung Gottes waltet! Diese grosse Gerechtigkeit dürfen die Menschen in den geistigen Gesetzen erleben. Daher sollten sie sich auch ihre Gedanken darüber machen, was es mit dem sogenannten Letzten Gericht auf sich hat [gemeint ist die Abrechnung mit Luzifer, als Christus nach seinem Sterben am Kreuz ins Reich des Todes hinunterstieg]. Wie wäre es wohl um diese Welt bestellt, hätte jenes Gericht nicht stattgefunden? Dazumal wurden die Ordnung und die Bedingungen [für die Heimkehr der Gefallenen] festgelegt, die für alle Zeiten gültig und unabänderlich bleiben. Es ist das Letzte Gericht – an seinen Bestimmungen soll und wird nichts mehr abgeändert werden, es soll und wird bei der Ordnung bleiben, die dazumal aufgebaut, neu gestaltet wurde zum Heil des Menschen.
Wenn ihr nun an Pfingsten eure Dankbarkeit für den Beistand der Geisterwelt Gottes zum Ausdruck bringt, bringt ihr eure Dankbarkeit nicht nur der Geisterwelt Gottes dar, sondern euer Dank richtet sich doch auch an den Erlöser. Ihm seid ihr zugewandt, ihm, der es ermöglichte, dass die Seinen den Weg zurück wieder finden, dass alles wieder werden soll, wie es einst war. Und so ist so vieles in die Macht des Menschen gegeben. Der Mensch hat die Möglichkeit, diesen Rückweg zu beschleunigen; er hat aber auch die Möglichkeit, ihn zu behindern, ihn aufzuhalten. Der Mensch hat wahrlich viele Möglichkeiten. Sein freier Wille entscheidet doch so manches. Und bei diesem freien Willen des Menschen spielen seine Gesinnung und seine Entwicklung eine ganz bedeutende Rolle. Doch alles muss wieder zu Gott zurückkehren, und nichts darf verloren gehen. Doch wie lange wird es dauern?
Liebe Geschwister, es ist gut für euch, wenn ihr euch auch darüber eure Gedanken macht. Denn durch das Gehörte werdet ihr in euren Erkenntnissen gestärkt, und durch diese errungenen Erkenntnisse wird es euch möglich sein, in eurer Welt etwas zu leisten, einen Anfang zu machen, etwas zu fördern, damit die Wahrheit näher an den Menschen kommt, damit die Menschen in der Wahrheit leben, nach dieser Wahrheit suchen. Und da braucht es für manchen doch etwas Anstrengung dazu. [...]
So möge Gottes Segen euch alle erfüllen. Und wer krank ist, möge gesunden. Nach Gottes heiligem Willen möge alles geschehen und einem jedem geholfen werden, so, wie er es verdient. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus der Abendmahlansprache von Geistlehrer Josef vom 25.5.1980 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal der Tonhalle Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)