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Hefte

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Themen
Von der geistigen Herkunft des Menschen – Der Aufstand im Himmel gegen Christus, den König der Geisterwelt Gottes – Geisterfall und Heilsplan
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 3/2014 zum Thema Woher – Wohin
Geistige Welt 3/2014
Woher – Wohin
Beschreibung

Die Vorträge dieses Themenheftes geben Auskunft über die geistige Herkunft des Menschen sowie allen Lebens auf dieser Erde. Es wird dargelegt, warum es überhaupt zu einer materiellen Schöpfung kam und worin ihr Sinn liegt. Die Erklärungen führen weit zurück in unsere eigene Vergangenheit, hinein in die jenseitige, geistige Welt, wo es vor Urzeiten zu einem folgenschweren Geschehnis kam. Gott hatte seinen eingeborenen Sohn zum König der Geisterwelt bestimmt - dieser Wille Gottes wurde allen Geistern verkündet und war allen bekannt. Doch im Laufe der Zeit kam es unter der Anführung Luzifers zu einem Aufstand gegen den König der Geisterwelt. Ein Teil der Geistwesen hat sich dadurch der Untreue und des Ungehorsams gegen Gottes Ordnung schuldig gemacht. Dies führte zum Abfall, zu ihrem Sturz aus den Himmeln und zum Verlust ihres göttlichen Bewusstseins. Durch die Gnade Gottes wurde jedoch ein Weg bereitet, damit jeder der Gefallenen Stufe für Stufe das göttliche Bewusstsein wieder erringen kann. So steht der Mensch auf diesem langen und beschwerlichen Weg zurück in seine geistige Heimat.

Themenheft 3/2014: Woher – Wohin

Inhalt
Das Erdenleben hat eine Ursache – vom Woher und Wohin des Menschen

Josef, 17. Februar 1962

Das Erdenleben hat eine Ursache – vom Woher und Wohin des Menschen

Warum leben wir auf dieser Erde? Welchen Sinn hat unser menschliches Dasein? Warum gibt es überhaupt eine materielle Schöpfung mit ihren vielfältigen Lebensformen? Die Antworten auf diese Fragen führen weit zurück in die Vergangenheit, hinein in die jenseitige, geistige Welt, wo es vor Urzeiten zu einem folgenschweren Geschehnis kam. Unter der Anführung Luzifers kam es zum Aufstand gegen Christus, den König der Geisterwelt. Ein Teil der Geistwesen hatte sich dadurch der Untreue und des Ungehorsams gegen Gottes Ordnung schuldig gemacht. Dies führte zum Abfall, zu ihrem Sturz aus den Himmeln und dem Verlust ihres göttlichen Bewusstseins. Durch die Gnade Gottes wurde jedoch ein Weg bereitet, damit jeder der Gefallenen Stufe für Stufe das göttliche Bewusstsein wieder erringen kann. So steht der Mensch auf diesem langen und beschwerlichen Weg zurück in seine geistige Heimat.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Aufrechterhaltung der Verbindung von euch zu uns bringt euch Gott näher, und sie festigt euch auch in den göttlichen Gesetzen. Immer wieder sind es bestimmte Fragen, die bei unseren Freunden auftauchen. Öfters schon versuchte ich, Erklärungen dazu zu geben; doch möchte ich heute besonders auf eine Frage zurückkommen, die öfters gestellt wird und die man nicht verstehen will. Es wird gesagt: “Warum fördert Gott die rasche Vorwärtsentwicklung nicht? Bei Gott ist alle Macht, er hat die Möglichkeit, die Entwicklung zu seinen Gunsten zu beschleunigen. Warum lässt er so viel Betrübnis über die Menschheit kommen, warum lässt er Menschen in der Schlechtigkeit handeln? Bei ihm wäre doch die Macht, und er könnte dieses alles verhindern; so kommen so viele Menschen zu Schaden, und die Entwicklung geht nicht vorwärts.”

Ja, liebe Geschwister, ich habe euch immer wieder erklärt: Die geistige Reife entfaltet sich nicht so rasch, sie will ihre Zeit haben – sie will gut entwickelt werden. Denn die Gotteswelt wird immer den Einzelnen prüfen, ehe sie ihm eine höhere Aufgabe übergibt. Aber diese Fragen, diese falsche Einstellung kommen aus dem Mangel an höheren geistigen Erkenntnissen. Man ist also nicht auf dem Laufenden über den Heilsplan. Darum ist es notwendig, es euch immer wieder von Zeit zu Zeit nahezubringen. Dann sind ja auch immer wieder neue Freunde hinzugekommen, und für sie mag eine solche Erklärung bedeutungsvoll sein.

Die Menschen von heute fragen so wenig nach dem Woher und Wohin – wieso man als Mensch lebt, warum man solche Aufgaben zu erfüllen hat. Und so könnte ich doch, wenn ich diese erste Frage beantworten möchte, dieses “Warum beschleunigt Gott die Entwicklung nicht?”, auch meinerseits eine Frage an euch richten, an euch, die ihr schon unterrichtet seid darüber, dass es einst in der himmlischen Welt so viele Engelwesen gab, die die Ordnung Gottes nicht befolgten – auch da, für jene Zeit also, wäre die Frage berechtigt: “Warum ist Gott nicht eingeschritten?”

Nun, Christus ist der König der ganzen Geisteswelt – das betone ich immer wieder –, und Gott hat ihn zum König gesalbt. Er ist der König der Geisterschar, er führt sie an, er gibt ihr Anweisungen. Ihr wisst auch, welche Hierarchie in der Gotteswelt zu finden ist. Christus als König hatte so viele himmlische Fürsten, die als Geistführer den vielen Geistern vorstanden, welche in Legionen eingeteilt waren. Man soll sich nicht vorstellen, Christus wäre mit jedem einzelnen Wesen selbst in den Kontakt gekommen. Christus, zur rechten Seite Gottes, hatte seine Anweisungen, seine Empfehlungen vom himmlischen Vater, und er selbst gab welche Anregungen dazu – es ist und war ein harmonisches Verhältnis zwischen Vater und Sohn. Und jene Geistführer dieser vielen Legionen gaben dem König von Zeit zu Zeit Rechenschaft ab. Ihr bekommt eine Ahnung von der gewaltigen Zahl an jenseitigen Wesen, wenn ihr nur schon einmal die Menschheit betrachtet und auch jene in Betracht zieht, die im Aufstieg begriffen sind, die zur Menschwerdung zuerst gewandelt werden müssen. So war alles in seiner Ordnung, denn der Himmel ist der Ort der Ordnung.

Da war aber trotz dieser Herrlichkeit einer aufgestanden: Es war Luzifer, der Bruder von Christus. Er fand, dass auch ihm ein Teil des Königreiches gehöre. Er fand, dass er genauso regieren könnte wie sein königlicher Bruder. So war Hochmut über ihn gekommen. Nun ging er darauf aus, mit jenen Geistführern, mit denen er ja als hoher Himmelsfürst auch in Verbindung stand, Besprechungen zu halten. Er fing an, es als Ungerechtigkeit hinzustellen, dass Christus alleine über alle gewaltigen Legionen des Himmels der König, der Führer, der Berater sein sollte. Und nun wurde von langer Hand ein Aufstand vorbereitet. Dies ging nach eurem menschlichen Ermessen sehr, sehr lange, wurden da doch ungeheure Legionen in diesen Aufstand einbezogen. Es gab da einmal von höherer Warte aus – also von jenen Geistführern, die von Zeit zu Zeit Rechenschaft ablegten über das Leben und Wirken ihrer Geschwister in den verschiedenen Himmeln und Sphären – welche, die gingen zu den Ihren hin und brachten ihnen die Anregung einer Trennung vom Königreich Christi und empfahlen, sich zu Luzifer hinzuwenden. Und da gaben welche ihre Zustimmung; andere zögerten in ihrer Zustimmung, sagten einmal Ja, dann waren sie besorgt und sagten wieder Nein – sie waren im Zweifel: “Soll ich, soll ich nicht?” Nun gab es aber in diesen Legionen solche – besonders unter den Geistführern, denen die Führung ihrer Geschwister unterstand –, die die grösste Möglichkeit hatten, diesen Aufstand vorzubereiten. Sie gingen daran, ihre Geschwister von ihrer Idee zu überzeugen, dass es nicht mehr als gerecht wäre, sich vom Königreich Christi zu trennen. Nun ging dieses Werben eben so lange, bis sozusagen in sämtlichen Legionen der Aufstand vorbereitet war und Luzifer glaubte, genug gefestigt zu sein, um gegen Christus hervorzutreten.

Da wurde aber schon bei der Werbung dieser Geschwister gesagt: “Dieser Aufstand gilt nicht dem himmlischen Vater.” Sie wollten Gottes Wort loben, und sie wollten ihn ehren. Sie waren der Auffassung, der Aufstand gehe nur Christus etwas an. Das war die grosse Täuschung, denn Christus war von Gott eingesetzt worden. Gott sah aber die Gedanken sämtlicher seiner Geschöpfe; er sah, welch Treiben seinen Fortgang nahm. Seine Getreuen brachten ihm ja auch Nachricht darüber. So bereitete Gott sozusagen von Anfang [des Aufstands] an jene Hölle vor, jenes Totenreich, wohin die Ungehorsamen gestürzt werden sollten – auch dieses Totenreich oder diese Hölle musste vorbereitet werden. Gott hat ja jedem den freien Willen gegeben, aber seine Kinder waren ihm Gehorsam schuldig.

Nun, als es so weit gekommen war und Luzifer gegen Christus antrat, da schritt Gott ein. Und alle wurden infolge ihres Ungehorsams aus den Himmeln gestürzt in jene Hölle, in jenes Totenreich. Gleich nach dem Sturze aber hatte Gott Erbarmen mit seinen Kindern und ganz besonders mit jenen, die nicht so grosse Schuld auf sich geladen hatten wie die sogenannten Rädelsführer, und er wollte jenen die Gelegenheit geben zurückzukehren. Und hier ist nun der Punkt [die Antwort auf die anfangs gestellte Frage] – Gott hatte diesen Gedanken: “Ich will ihnen Gelegenheit geben, [so bald wie möglich] zurückzukommen, wenn sie sich bewähren.” Schon in diesen höllischen Bereichen, in diesem Totenreich, gab es Aufstiegsmöglichkeiten, damit jene, die in Reue waren, durch ihre Reue sich hinaufarbeiten konnten in höhere Stufen. Auch die Hölle hat ihre Besserungsstufen, auch sie hat verschiedene Sphären. Man soll sich die Hölle nicht als eine einzige Ebene vorstellen, wo sämtliche Wesen vereint wären, die Gott untreu geworden sind. Auch die Hölle weist diese Besserungsstufen auf. So kam auch da Gottes Gerechtigkeit und Liebe zum Ausdruck, und jene, die nicht so belastet waren, nahmen die höheren Stufen ein. Da Gott ihnen aber die Gelegenheit geben wollte, sich rasch wieder aufwärtszuentwickeln, bereitete er für sie jene paradiesische Sphäre vor, eine Sphäre, wo die Erstlinge wohnen sollten, also jene, die sich als Erste aus der Besserungsstufe aus dem Reiche Luzifers emporschafften – diese sollten hinübertreten in diese paradiesische Sphäre. Es sollte dies ein verkürzter Weg, eben dieser schnellere Weg, zu Gott sein. Doch Gott stellte dafür seine Bedingungen. Er stellte die Bedingung auf, dass ihm nun Gehorsam geleistet werden müsse. Diese paradiesische Sphäre hatte ihre Grenzen; diese Grenzen mussten streng eingehalten werden, diese Verbote – auf diesem Wege wollte man diese Erstlinge prüfen.

Nun kam einer hervor, es war Adam [ein Fürst ersten Grades], und wurde in diese paradiesische Sphäre geführt. Engelwesen standen ihm zur Seite, klärten ihn auf und sagten ihm deutlich: “Das sind die Grenzen deines Reiches, in dem du wohnst. Diese Grenzen dürfen nicht überschritten werden.” Es gab verschiedene Verbote, die eingehalten werden mussten, und es wurde ihm klargemacht: “Wenn du fähig bist, dieses zu halten, wirst du einen Weg ebnen für alle deine Geschwister. Gott prüft dich nun, ob du fähig bist, diese Gebote zu halten.” Nun, es war nicht so, dass sich bei diesem Adam immer Engelwesen sichtbar kundtaten, sondern er hörte eine Stimme – ich sage nun, er hörte die Stimme Gottes. Es war aber nicht Gott in Person, sondern es waren [Gott treu gebliebene] Geistführer, also jene himmlischen Fürsten oder ein himmlischer Fürst, dessen Aufgabe es ist – wie damals, als man noch in Glück und Seligkeit war –, für mehrere seiner Geschwister zu sorgen oder einem Bruder oder einer Schwester Anweisungen zu geben. Dieser Geist oder diese Stimme verkündete Adam den Befehl Gottes, den Willen Gottes – daher sagt man “das Wort Gottes verkündete ihm” oder “Gott verkündete ihm”, denn es war der heilige Wille des Vaters, es waren seine Worte, die seine Getreuen dem Adam übermittelten, ohne sich sichtbar vor ihm zu zeigen. Adam war ja auch Geist, er war nicht Mensch so wie ihr; sondern das Paradies war eine geistige Sphäre, wo diese Geistwesen lebten, wo für sie die Möglichkeit bestanden hätte, sich rasch vorwärtszuentwickeln. In diesem Paradies war also die Verbindung zu Geistern Gottes schnell hergestellt, und hatte Adam irgendwelche Fragen, konnte er sie stellen, und er bekam die Antwort. Es kam das Wort zu ihm, und dann und wann kam aber auch ein Engel in sichtbarer Weise zu ihm.

Es sollte aber nicht nur dieses geschehen, sondern man legte ihm klar: “Luzifer ist der Verführer, und er wird genauso Gelegenheit finden, zu Wort zu kommen; er wird mit dir ins Gespräch kommen. Du musst unterscheiden können, welche Stimme das Wort Gottes ist und welches die Worte Luzifers sein könnten.” Man erklärte ihm von allem Anfang an: “Du wirst geprüft, ob du stark genug bist, nun den rechten Weg zu gehen und die Gebote und die Befehle zu befolgen.” Denn damals im Himmel hatte man ja Gottes Willen nicht mehr geachtet; man glaubte, dieser Aufstand würde nicht Gott, sondern Christus gelten. Und das Werben für Luzifer, die Vorbereitungen für den Aufstand, gingen ja so unendlich lange, und es gab nie Einwendungen. So glaubten dann diese Wesen in ihrem Recht zu sein – ja sie festigten sich in ihrem Glauben, das Recht zu besitzen, eben diesen Aufstand heraufzubeschwören. Sie dachten nicht daran, dass Gott Christus den Befehl gegeben hatte, über alle Wesen Führer zu sein, und dass sie alle ihm Gehorsam schuldig waren. Das ging vergessen im Laufe der langen Zeit. Nun ging es – um wieder auf dieses geistige Paradies zurückzukommen – darum: Ist nun dieser Adam fähig, die Befehle Gottes und den Willen Gottes zu erkennen und zu unterscheiden, welches das Böse und welches das Gute ist? Denn er wurde genügend unterrichtet über den Willen Gottes, es wurde ihm zuvor genügend klargemacht, wo die Grenzen liegen, was verboten ist.

Menschen haben später die Dinge durcheinandergemacht – sie haben jenes Paradies, jene geistige Sphäre, mit in die irdische Welt hineinbezogen, was ein ganz falsches Bild ergibt.

Im Paradies erklärte man Adam und dann auch seiner Gefährtin genau die Grenzen der Sphäre und die Gebote – was verboten und was ihnen erlaubt sei. Sie lebten eine schöne, geraume Zeit zusammen in ihrem glücklichen Leben. Nun war aber nicht nur jene unsichtbare Stimme der Gotteswelt zu hören, sondern da sie nun schon mehrere waren, hat sich Luzifer umso mehr daran gemacht, sie in Versuchung zu bringen, Gott den Gehorsam zu verweigern. Er wollte also nicht, dass die Möglichkeit geschaffen wurde, dass diese Wesen oder seine Geschwister so bald wieder zurückkehren konnten. Es waren ja jene Wesen, die sich am geringsten verschuldet hatten, die also die Erstlinge des Aufstiegs waren. Dieses sah Luzifer, und er wollte doch nicht, dass diesen das Glück wieder zurückgegeben würde, während er als erster Rädelsführer der Letzte sein würde, der zurückkehrte – er sah für sich doch den langen, langen Weg. Und so hatte er eben alles versucht, um ihr Glück zu trüben. Und auch er sprach zu ihnen – er hatte die Möglichkeit, auf verschiedene Art und Weise zu Wort zu kommen – und erklärte ihnen: “Es stimmt nicht, ihr braucht nicht auf jene Stimme zu achten, es ist euch ja nichts verboten”, und er hat ihnen zugeredet, respektive hatte er der Eva zugeredet, von jenem und jenem Besitz zu nehmen und die Grenzen zu überschreiten. Und so war sie diesen Versuchungen nicht gewachsen – man hatte die Gebote nicht befolgt. Da kamen die Engel Gottes in sichtbarer Weise und verdrängten diese Wesen aus dem Paradies. Hinaus sollten sie, und es wurden bei diesem Paradiese Wächter aufgestellt – denn jene sollten nicht die Möglichkeit haben, wieder hinüberzukommen.

Ich habe euch im Laufe der Zeit die Erklärung gegeben, dass man von einer Sphäre in die andere treten kann, dass man aber auch an Ort und Stelle gebannt werden kann und in der geistigen Welt wie im irdischen Reiche Wächter stehen und dafür sorgen, dass die Gebote und Anweisungen genau befolgt werden. Es hat also nur deshalb solche Wächter gebraucht, weil diese Wesen nur ein Stück von dieser schönen himmlischen Sphäre entfernt wohnen sollten – ihr einstiges Paradies durften sie nicht wieder betreten. Sie sahen nun den grossen Unterschied zwischen jener Sphäre, die sie verlassen hatten, und jener andern Sphäre, in die sie nun hineingeführt worden waren. In dieser neuen Sphäre erklärte man ihnen: “Durch euren Ungehorsam habt ihr euch die Möglichkeit eines raschen Aufstiegs zum Vater genommen. Es werden andere Geschwister zu euch stossen, und ihr werdet mit ihnen zusammenbleiben. Gott wird für euch andere Möglichkeiten schaffen, damit ihr dann doch den Weg zurück ins Vaterhaus findet.” Und ihnen wurde erklärt – zu Adam wurde gesagt: “Du wirst dann im Schweisse deines Angesichtes dein Brot verdienen müssen” (1. Mos. 3, 19), und zu Eva wurde gesagt: “Du wirst unter Schmerzen und Wehklagen Kinder gebären” (1. Mos. 3, 16). Dieses wurde ihnen gesagt. Noch wussten sie nicht um die richtige Bedeutung dieser Worte. Sie waren als Geist in einer geistigen Sphäre und hatten hier zu warten, bis die Bedingungen erfüllt oder bis die Wege geebnet waren, die Gott für gut befunden hatte.

Also, es wurde dafür die Erde geschaffen, und auf dieser Erde sollten sie leben – aber nicht mehr als Geist, sondern sie sollten dieser Erde, die in ihrem materiellen Wesen so dicht, so schwer ist, angepasst werden. Sie sollten ebenfalls einen materiellen Leib bekommen; in diesen sollten sie eingehüllt werden, angepasst der neuen Welt, die geschaffen wurde. Und so musste zuerst einmal der Aufstieg wieder vorwärtsgehen – in dieser langen Zeit, die benötigt wurde, diese Erde zu schaffen mit ihren Pflanzen und Tieren. Dann sollte die Möglichkeit gegeben werden, dass dieser einstige Erstling auch auf der Erde als Erstling, als erster Mensch, leben konnte. So nahm Gott bei ihm diese Wandlung vor und ebnete den Weg, damit er hier als Mensch lebte. Zugleich wurde ihm nach einer bestimmten Zeit die Gefährtin gegeben – worüber unmögliche Dinge gesprochen werden ...

Adam klagte einmal: “Ich bin so allein”, denn auf diese Weise konnte er nur mit jenen Geschwistern sprechen, die er einmal sehen, von denen er ein anderes Mal nur die Stimme hören konnte. Dann kam der Engel zu ihm und erklärte: “Es ist nicht gut, dass du allein bist. Wir werden Umschau halten nach einer Gefährtin.” (1. Mos. 2, 18.) Und wie euch selbst bekannt ist, heisst es, Gott schaute unter den Tieren nach, welches das geeignetste als Begleiter für Adam wäre (1. Mos. 2, 20). Es war also von Gott in diesen Besserungsstufen auch das Tierreich geschaffen worden, und in diesem Tierreich schaute man nach, welches Tier nun die oberste Entwicklungsstufe erreicht hatte, um es [umgewandelt] diesem Adam zur Gefährtin zu geben.

Die Geisterwelt Gottes hatte diesen ersten Menschen in einen tiefen Schlaf versetzt, wie es heisst. Das Geistwesen aber, das ihm Gefährtin sein sollte, wurde in Wahrheit als Geist zur Erde geführt – es ist auch heute noch möglich, dass man ein Geistwesen auf dieser Erde mit seinen Augen sehen kann. Nun aber sollte dieses Geistwesen nicht nur für wenige Minuten auf Erden sein, sondern es sollte die Möglichkeit haben, hier ein beständiges Leben zu haben. Und dafür musste man eben von der odischen Kraft des ersten Menschen entnehmen und die Wandlung so weit bringen, dass dieses Geistwesen eingekleidet werden konnte in den menschlichen Leib, der sich nicht auflösen konnte. Diesem Geistwesen sollte es also nur durch den Tod, nur durch das Ablegen des irdischen Leibes, möglich werden, dieser irdischen Welt wieder zu entrinnen und dahin zurückzukehren, von wo es ausgegangen war.

Wenn ich euch nun diese Erklärung gebe, die für viele von meinen Freunden nicht neu ist, möchte ich doch damit zum Ausdruck bringen, dass Gott wirklich die Möglichkeit geben wollte und sie auch geschaffen hat, seinen Kindern den raschen Weg zu ebnen – dass es aber wiederum an diesen selbst lag und sie selbst nicht gehorsam waren, die Bedingungen nicht erfüllten, also keine innere Reife dafür hatten, nicht einmal als Geist. So musste nun ein anderer Weg geöffnet werden, ein viel, viel längerer Weg, damit die gefallenen Wesen sich höher entwickeln konnten. Es wurden also verschiedene Aufstiegsstufen verschiedenster Art mit den verschiedensten Leibern geschaffen. Es gibt also viele Möglichkeiten, einen irdischen Leib zu haben und auf Erden zu leben, bevor man Mensch wird und einen menschlichen Körper trägt. Nun liess Gott eines vom andern abhängig werden. Er wusste genau, dass es nur auf diesem Wege einen Aufstieg geben kann. Und so wurde es ermöglicht, dass auf dieser Erde an den verschiedensten Orten Menschen leben konnten.

Es ergab sich nun wiederum eine Verbindung von der geistigen Welt zu den Menschen. Der Gottesglaube ging zu ihnen; es wurden ihnen ja die Gesetze gegeben, an die sie sich halten sollten – ich brauche ja die Geschichte [vom Wirken der Propheten] nicht in allen Einzelheiten zu erklären. Aber nicht nur die Gotteswelt nahm die Verbindung auf zu den Menschen, sondern jene andern kamen eben auch und bemächtigten sich des Menschen und versuchten ihn zu beeinflussen.

Als jener Zeitpunkt angelangt war, wo Gott fand, der Gottesglaube habe nun seine Festigung unter gewissen Menschen erhalten, sah er die Zeit gekommen, um seinen Sohn zu diesen Menschen zu senden. Christus hatte sich dafür freiwillig bereit erklärt – es ist also nicht von allem Anfang an die Aufforderung an ihn ergangen; er hat sich freiwillig dazu bereit erklärt, den Menschen diese Erlösung zu bringen, und Gott liess ihn Mensch werden. Christus war doch im geistigen Reiche der König über alle, so sollte er für die Seinen das tun, was sie erlösen konnte von ihrer Bedrängnis. Er brachte auf Erden den Willen des himmlischen Vaters zum Ausdruck, und er sprach zu den Menschen: “Ich bin der Sohn Gottes”, er lehrte unter ihnen, er heilte, und er gab ihnen die Nächstenliebe, er zeigte ihnen den Weg zum Vater. Nun kann man sich vorstellen, dass die niedere Geisterwelt, ihr Anführer Luzifer und sein Anhang, nicht begeistert war davon, dass Christus selbst diesen Weg ging, um die Geschwister zu erlösen, das heisst aus dem Reiche Luzifers zu befreien. Und so begann nun der geistige Kampf von Neuem. Doch Christus blieb Gott treu, er beharrte auf dem Standpunkt, dass er Gottes Sohn sei – er hat den Menschen so viel vom Vater erzählt, er hat ihnen Zeugnis gegeben.

Mit Christus kam ja wieder eine neue Prüfung zu den Menschen: Wollten sie nun ihn und seine Lehre annehmen? Wie wenige Menschen waren es dazumal, die dazu bereit waren! Aber die ganze Hoffnung auf die Erlösung aller Wesen wurde auf Christus gelegt. Bange Stunden oder bange Zeit erlebten die göttlichen Geschwister im Himmelreich – ob Christus es fertigbringt, ob er standhält. Denn ihr wisst, welchen Versuchungen auch er gegenüberstand, was es auch für ihn brauchte, um standhaft zu sein. Er sollte nun auf diesem menschlichen Wege, als Mensch, zeigen, dass man Gott treu sein kann. Er gab dafür den Beweis. Dass er bereit war, alles Schwere auf sich zu nehmen, und den Vater nicht verleugnete – darauf kam es an. Und Christus hat auf diese Weise der Menschheit die Erlösung gebracht. Von da an konnten die Menschen nach ihrem irdischen Tode wieder in das Reich des Vaters zurückkehren, während sie vor der Erlösung jeweils in eine Geistesebene ausserhalb geführt worden waren – es war nicht die Hölle selbst, in die sie nach ihrem Tode jeweils zurückgesandt wurden, sondern eine besonders geschaffene Sphäre für aufgestiegene Geister, die je nach ihrem Leben ihren Platz dort einnahmen.

Von jenem Momente an, wo Christus die Erlösung vollbracht und mit Luzifer die Abmachungen getroffen hatte – also nachdem Christus nach seinem irdischen Tode in die Hölle hinuntergefahren und am dritten Tage wieder auferstanden war –, da konnten jene aufsteigenden Geistwesen in höhere Sphären hinübertreten. Sie, die bis dahin in den Vorstufen des Himmels hatten warten müssen, erhielten nun die Möglichkeit, in schönere Sphären hinüberzutreten. Und weiter wurde ihnen der Weg geebnet und erklärt: “Die Tore des Himmels sind offen; aber noch könnt ihr nicht mit einem Sprung zum Vater gehen, noch braucht es unendlich viel, noch müsst ihr durch manches Erdenleben schreiten und beweisen, dass ihr würdig seid, wieder aufgenommen zu werden in die göttliche Familie.” Denn obwohl der Himmel seine Tore offen hat, muss der Einzelne geprüft werden. Christus hat den Weg geebnet, doch nun muss der Einzelne aus sich selbst heraus beweisen, dass er fähig ist, das hohe Leben zu führen, dass er alle niederen Triebe ablegen kann. Nur dann, wenn ein Wesen so geläutert ist, kann es zurückkehren ins Vaterhaus, findet es wieder Einlass.

Und wie dieses stattfindet, auf welchem Wege es geht, habe ich euch schon unendlich viele Male erklärt – wie viel es braucht zur Überwindung, wie schwer das Erdenleben ist, wie schwer es dem Menschen im Leben gemacht wird und dass man trotzdem den Glauben und die Hoffnung auf Gott nicht verlieren darf. Und wenn da der irdische Leib abgelegt wird, dann ist der Weg wieder frei, in jene wirkliche Heimat hinüberzutreten, von der man gekommen ist.

Durch diese Erklärung, die ich heute gegeben habe, möchte ich doch jenen Menschen die Antwort gegeben haben, die immer danach rufen: “Warum beschleunigt Gott den Aufstieg nicht?” Gott gab die Möglichkeit zur Beschleunigung, doch die Beschleunigung wurde nicht durchgeführt, aus Schwachheit. Erst wenn der Einzelne sich stark genug zeigt und seine geistige Reife unter Beweis gestellt hat, dann sind ihm die Wege auch frei zur schönen, glückseligen Welt, dann kann er wieder das Herrliche erleben wie einst.

So habe ich doch die Möglichkeit, so viel vom Leben der Menschen zu erzählen und davon, wohin sie nach ihrem Tode kommen, was sie alles abzulegen haben, wie ihnen die Engelswelt begegnet. Aber ich unterlasse es auch nicht zu sagen, welch grosse Freude im Himmel ist, wenn einer zurückkommt und mit all seiner Kraft bewiesen hat, dass sein Platz im Hause Gottes ist, dass er sich zu diesem hohen und besseren Leben angestrengt hat.

Nun, liebe Geschwister, gab ich euch diese besondere Erklärung, weil es für viele von grosser Notwendigkeit ist. So möge Gottes Segen euch alle behüten und beschützen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 17.2.1962 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Wie es zur Trennung in der geistigen Welt kam

Lene 22. September 1964 (3. Abend der Meditationswoche)

Wie es zur Trennung in der geistigen Welt kam

Gott hat seinen eingeborenen Sohn zum König der Geisterwelt bestimmt. Dieser Wille Gottes wurde allen Geistern verkündet und war allen bekannt. Doch im Laufe der Zeit kam in Luzifer der Wunsch auf, anstelle von Christus König zu werden und sein eigenes Reich aufzubauen.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, die Ordnung spielt hier in der irdischen Welt eine bedeutende Rolle, und sie spielt eine sehr grosse Rolle in der geistigen Welt. Denn im geistigen Reiche ist alles wohlgeordnet. Manchmal können dies die Menschen nicht verstehen; sie denken gar nicht daran, dass auch die Gotteswelt eine Ordnung braucht. Und leider geht diese Einstellung daraus hervor, dass sie die göttlichen Gesetze gar nicht kennen und gar nicht das Verlangen haben, Näheres darüber in Erfahrung zu bringen. Vielleicht können sie es nicht, weil sie den Weg dafür nicht frei haben, die Wahrheit zu vernehmen. Und so gebe ich mir besonders Mühe, liebe Geschwister, euch in Dingen zu unterrichten, die euch noch fremd sind. Ihr wisst, wir sind bereit, euch zu helfen, euch beizustehen, und wir möchten eure Herzen und eure Seelen zu Gott erheben. Wir wollen aber auch versuchen, euch alles näher zu erklären, damit ihr im Glauben und auf diesem Weg zu Gott noch mehr gefestigt werdet. Wir versuchen Rätsel zu lösen – oder wir versuchen euch Dinge zu erklären, die bis anhin für euch oder für gewisse Menschen Rätsel waren. Wir haben euch manches ja nicht von Anfang an näher erläutert. Wir wollten euch zuerst etwas reifen sehen. Wir wollten auch die Gewissheit haben über eure Treue. Und ihr schätzt es heute umso mehr, tieferen Einblick in die geistigen Gesetze zu bekommen. Ihr werdet heute auch manches viel besser verstehen.

Es gibt Legionen von Engeln Gottes, und es ist jeweils einer der Höchste einer solchen Legion. Der Höchste hat wieder solche, die ihm nahestehen, die eine höhere Aufgabe ausführen. So gibt es und gab es die vielen Legionen. Die Höchsten von diesen Legionen finden den schnellsten Weg zu ihrem König, denn sie unterstehen direkt ihm. Sie kommen so am meisten mit ihm in Berührung. Sie haben ihm Nachricht und Bescheid zu geben über das Geschehen der Engelwesen jeder Legion. Es gibt auch manchmal Probleme in diesen Legionen; auch das wird gelöst. Und wie falsch ist da die Auffassung der Menschen, wenn sie meinen, es würde keine Probleme geben, weil es Engel Gottes sind, weil sie so vollkommen sind und man nur einer Meinung sein könne. Man kann auch einmal geteilter Meinung sein, aber man versteht sich doch gegenseitig. Es ist gut, dass man auch eine andere Meinung zum Ausdruck bringt, denn diese Meinungen bringt man dem König, man unterbreitet sie ihm.

Die Entwicklung von heute, wenn ich das Wort “heute” verwenden darf, und die Arbeit von jetzt, die ganze Tätigkeit aller himmlischen Wesen, ist doch eine ganz andere als früher, als in jener Zeit [vor dem Abfall], von der ich sprach und andeutete, dass damals alles in Seligkeit lebte. Man musste sich ja nicht mit dem Aufstieg der Geschwister beschäftigen. Bedenkt einmal die viele, viele Arbeit, die nun [infolge des Abfalls] entstanden ist. Das ganze Streben der himmlischen Wesen geht dahin, die Geschwister heimzuführen – alle. Und darin liegt eine grosse Arbeit und eine grosse Ordnung. Dieser Ordnung muss man sich fügen. Aber die Höchsten einer Legion, sie bringen ihre Meinungen zum Ausdruck. Denn die Höchsten gehen zur Arbeit, sie beschäftigen sich mit den Menschen und mit all dem, was Aufsteigen heisst. So muss auch manchmal aufgrund der Entwicklung eine Änderung vorgenommen werden, die nicht planmässig vorgesehen war. So trifft man die Änderungen, und so trifft man dann wieder Anstalten, etwas zu verbessern. Man einigt sich also. So findet man den Weg zum König, denn er spricht das letzte Wort, so man unter sich selbst nicht ganz einig geworden ist. In jeder Legion herrscht eine besondere Tätigkeit, und alle Geschwister finden sich zu den Besprechungen zusammen. Denn man will den Aufstieg ja beschleunigen, und Hand in Hand tut man das. So kommen ja die Engel Gottes zu euch und erfüllen an euch die Aufgaben, so wie es euch immer wieder erklärt wird.

Nun aber, liebe Geschwister, mancher von euch hat sich die Frage gestellt: “Wie ist denn das überhaupt zugegangen, wie ist es denn überhaupt möglich gewesen, dass es damals zu dieser Trennung von Gott gekommen ist? Wenn man schon in Seligkeit zusammenlebt, wie kann es zu einer solchen Trennung kommen?” So einigermassen ist man schon darüber unterrichtet, aber ich versuche nun, euch besseren Einblick zu geben.

Ich habe von den Legionen gesprochen und von den Aufgaben der Höchsten dieser Legionen. Diese Höchsten waren die führenden Geister in ihrer Legion. Der König hatte ihnen diese Aufgabe übertragen. Nun, Jesus Christus, der Erlöser der Welt, der König der Geisterwelt Gottes, wurde von Gott gesalbt – Christus heisst der Gesalbte Gottes. Er ist Gottes erste Schöpfung, die herrlichste Schöpfung, und Gott hat ihn zum König aller Geister gesalbt. Es wurde allen ausgerufen und erklärt, dass Christus im Namen des Vaters den Willen seines Vaters ausübe, dass man ihm zu gehorchen habe wie dem Vater. Er sei der König und immer eins mit dem Vater, und man solle ihm, dem König, Gehorsam geloben. Die Legionen waren bei dieser Krönung in der Zeit der Seligkeit auch dabei. Und sie jubelten dem König der Geisterwelt zu und gelobten ihm Gehorsam.

Christus ist die wunderbarste Schöpfung aus Gott. Nach Christus [im Rang] war jener, den man den Lichtträger nannte. Dieser Lichtträger war wunderschön, seine Gewandung war in vollem Licht. Die edelsten Steine, das Kostbarste wurde ihm gegeben. Sie zierten seine Gewandung vom Hals bis zum Saum. Ungezählte Engelwesen standen zu seinen Diensten und waren nur dafür besorgt, ihn in seiner Vielfalt, in seinem Glanz, in seinem Lichtermeer zu erhalten. Immer Neues wurde für ihn geschaffen. Prachtvoll war sein Aussehen. Ungezählte waren es, die ihm zu Diensten standen. Gewaltig war sein Reichtum, und gross war die Zahl jener, die seinen Reichtum pflegten. Er war neben Christus der höchste Geist. Eine grosse Dienerschar war ihm zur Seite; sie war nur darauf bedacht, seine Herrlichkeit zu pflegen.

Ich vermag die Zeit nicht zu benennen, denn dafür gibt es keine Begriffe, um euch zu erklären, wie lange man in dieser Herrlichkeit lebte. Aber dieser Lichtträger wurde doch in seinem Sinn hochfahrend. Er wurde von etwas Neid erfüllt, denn neben ihm stand sein königlicher Bruder, der ihn an Glanz und Herrlichkeit um vieles übertraf. Christus hatte aus Gottes Hand, von ihm selbst geschaffen, die Krone erhalten – mit den edelsten Steinen, die es gibt, das Prachtvollste, das Seltenste, das Herrlichste. Aus der Hand Gottes wurde es ihm gegeben, und es übertraf an Herrlichkeiten alles, was der Lichtträger hatte. Diese Krone ist jedoch nicht etwas ‘Alltägliches’, sie wird nicht ständig getragen, sondern nur bei hohen Festen, bei besonderen Huldigungen, die man Gott darbringt. Denn sonst trägt Christus einen goldenen Reif um sein Haupt und vorn in der Mitte der Stirn einen der kostbarsten Steine, aus des Schöpfers Hand gegeben, vom Schöpfer selbst von seinem eigenen Reichtum entnommen. Sein Glanz, sein Reichtum überbietet alles. Von seiner Herrlichkeit hat er es genommen und dem Sohn übertragen. Dieser Stein auf seiner Stirn leuchtet und ist wie ein Feuer, und wer an dieses Licht nicht gewöhnt ist, wird geblendet. Es ist nicht nur ein Strahlen, es ist ein Blenden von ungeheurem Licht. So wie der Vater in solchem Lichte steht, so hat er etwas davon seinem Sohn gegeben. Jeder Geist Gottes erkennt es, erkennt ihn, denn es ist die Auszeichnung, die aus direkter Hand vom Vater kommt, während sonst kein anderer Geist eine solche Auszeichnung aus des Vaters eigener Hand hat. So wird Christus von allen erkannt als der König im Reich des Vaters, und seine Gewandung übertrifft alles an Glanz und Herrlichkeit.

Obwohl sein königlicher Bruder, der Lichtträger, im Lichtermeer des Glanzes stand, übertraf Christus ihn noch an Pracht und Herrlichkeit; weit herrlicher, vielfältiger, farbenreicher war sein Glanz. Und Christus besass einen noch grösseren Reichtum als sein königlicher Bruder. Ungezählte Wesen aus den Legionen des Himmels standen auch ihm zu Diensten. Sie pflegten seinen Reichtum, sie waren für dessen Herrlichkeit besorgt. Und sein Reichtum war sehr bedeutend.

Christus wohnte viel beim Vater. Er war ja zu seiner Rechten, und alle Legionen brachten dem Vater zur Zeit der Seligkeit – also vor dem Abfall – die Huldigungen dar. Es waren Legionen, die sich zusammentaten und Gott, dem Schöpfer, die Ehre brachten und sich auch vor dem König neigten. So war es. Man kam womöglich auch als eine einzelne Legion zum Vater und zum König, um ihm zu huldigen, ihn zu loben und zu preisen in seiner Herrlichkeit. Und man wurde noch glücklicher und seliger, denn man erblickte doch die Herrlichkeit, diesen wunderbaren Reichtum, der immer so vielgestaltig war. Denn die Herrlichkeit des Himmels wurde immer wieder umgewandelt, von einer Pracht zur andern. Aus jeder Legion hatte man zu dieser Vielfalt und Pracht etwas beigetragen. Denn es waren doch viele Künstler, die unter den Legionen lebten. Und ihr ganzes Trachten ging nur danach, dem Himmel noch mehr Glanz, noch mehr Pracht und Herrlichkeit zu geben. Sie aber taten dies zur Ehre des Vaters und zur Ehre des Königs, um sie zu erfreuen. Denn sie waren beglückt über die lobenden Worte, die sie für das Schaffen erhielten.

So ging man hin, so lebte man in den Reichtümern beim Vater und zog sich dann wieder in die eigenen Besitztümer zurück. Man besuchte andere Legionen, brachte ihnen Überraschungen und Freude. Man lud den König zu sich ein, nahm ihn mit auf die Besuche, denn man lebte wahrhaftig in der Seligkeit, und man sann nur danach, was man tun könnte, um den andern Freude zu bereiten. Ein Mensch von heute kann keine Ahnung haben, was Seligkeit bedeutet.

Nun, Christus bekam ja auch die Huldigungen. Sie kamen von den einzelnen Legionen, oder es taten sich welche zusammen und neigten sich gemeinsam vor ihm. Nun musste ihm auch sein königlicher Bruder, der Lichtträger selbst, seine Aufwartung machen; auch er musste sich vor dem König neigen. Und Luzifer fand sich doch so prachtvoll und herrlich. Er gefiel sich in dieser Herrlichkeit. Er glaubte, in seinem Wesen viel regsamer zu sein als Christus, und er hatte immer mehr von den Legionen gebeten, sich ihm anzuschliessen. Er hat sie gebeten, sie mögen mit ihm Gott die Aufwartung machen. Und sie gingen, sie kamen von den Reichtümern der göttlichen Welt, und sie machten mit dem Lichtträger Gott ihre Aufwartung. Sie machten diese aber auch Christus. Doch dieser Lichtträger fing an, den Weg zu Christus immer weniger zu nehmen. Er ging dann später nur noch zu Gott. Nichts ahnend folgte man ihm aufgrund seiner Aufforderungen.

Dieser Lichtträger musste sehen, wie doch Christus in seiner Pracht und seiner Herrlichkeit zunahm und dass auch einzelne Legionen allein bei ihm und bei Gott vorbeigingen. Es waren Legionen, die nicht von den Legionen Luzifers, dieses Lichtträgers, aufgefordert worden waren. Denn vielen missfiel es schon, dass er den König übersah. Aber man machte sich deshalb noch keine Gedanken. Dieser Lichtträger forderte die Seinen auf, immer mehr für ihn zu tun. Er spornte sie an, grössere Herrlichkeiten für ihn zu bereiten. Seine Gewänder sollten den Gewändern des Königs gleichkommen. Aber mit der besten Kraft brachten sie es nicht fertig, die Herrlichkeit von Christus nachzuahmen. Sie wussten es, denn alles, was Christus besass, kam allein aus der Hand des Vaters. Und kein Glanz übertraf den Glanz des Vaters und seines Reichtums. Aber dieser Lichtträger spornte sie an, und sie gingen eifrig daran und taten alles für ihn. Und sein Reichtum war sehr gross.

Nun fing er an, denen, die ihm Gefolgschaft leisteten, Versprechungen zu machen. Er erklärte ihnen, dass er ihnen auch eine bedeutende Stelle eröffnen werde, auch sie sollten höhere Aufträge ausführen können. Nichts ahnend glaubten sie ihm, denn dieser Lichtträger war ein hoher Geist des Himmels, und die, die ihm Gefolgschaft leisteten, erkannten sein Denken nicht. Er forderte immer mehr auf, sich ihm anzuschliessen, und er brachte es fertig, dass er viele um sich sammeln konnte. Er wollte sich ein eigenes Reich aufbauen. Und viele, die mit ihm gingen, fanden nichts Sonderliches dabei. Denn mit diesem Lichtträger machte man dem Schöpfer die Aufwartung, und man gelobte ihm den Gehorsam. Man lobte und pries Gott in seiner Herrlichkeit, in seiner Heiligkeit, und man verweilte in seinen Reichtümern. Aus dem Mund des Vaters kam kein Tadel, dass es ungerecht sei, sich nun diesem Lichtträger ganz besonders anzuschliessen. Und er, dieser Lichtträger, war sehr aufmerksam, doch er konnte nichts erkennen, dass dieses dem Vater missfallen könnte. Nichts gegen den Vater hatte er einzuwenden, ihm wollte er Gehorsam geben. Aber er wollte nun an die Stelle von Christus treten, ihm sein Königreich streitig machen. Und so sammelte er seine Heerscharen um sich und festigte sie. Das ging nicht etwa von heute auf morgen, sondern nach euren Begriffen gezählt Millionen von Jahren. Langsam, langsam hatte man sich ihm angeschlossen; es waren immer mehr, immer mehr. Man ging ja zum Vater, man lebte in der Herrlichkeit und hörte kein Wort des Tadels. Und dieser Luzifer fing an, die Seinen auszusuchen und ihnen Ämter anzutragen, die sie nach dem Sturz des Königs übernehmen sollten. Und seine Anhänger sahen doch, wie mächtig dieser hohe Geist war – und dass er vom Vater nicht getadelt wurde. So leistete man ihm Gefolgschaft.

Der Vater aber, er hatte die Absichten längst erkannt. Er hat lange zugewartet. Er hat es wohl gesehen, wie viele sich auf die Seite dieses Lichtträgers stellten, und er hat es mit seinem Sohne besprochen. Sie haben es betrachtet. Still haben sie zugesehen. Man hat viel vom Gehorsam gesprochen, den man Gott schuldig sei; Getreue Gottes haben es ausgerufen: “Seid getreu dem Schöpfer, seid ihm gehorsam.” Doch so viele dachten nicht mehr daran, dass sie einst ihrem König gehuldigt, ihm Treue und Gehorsam versprochen hatten. So hatte Gott den Getreuen, bei denen er erkannte, dass sie den Thron des Königs bewahrten und ihm treu zur Seite standen, den Auftrag gegeben: “Bereitet einen Ort vor für sie, und dieser Ort soll die Hölle werden.” Und der Vater sagte: “Diesem Ort wird alles Licht entzogen.” So bereitete man die Stätte vor; die Getreuen des Himmels taten es. Es ist also nicht nur aufgrund eines Wortes geschehen, so wie Menschen glauben, dass Gott nur ein Wort sprechen müsste und schon wäre sein Wille erfüllt. Langsam wurde jener Ort vorbereitet, in jenen Zustand gestellt, der die Hölle werden sollte.

Jene andern waren nicht allwissend, nur der Vater ist es. Der Lichtträger, Luzifer, ahnte nichts von den Vorbereitungen, die Gott angeordnet hatte. Er fühlte sich immer stärker, und als er glaubte stark genug zu sein, der Legionen genug zu besitzen, um den Kampf aufzunehmen, um Christus zu stürzen, da ging er mit seiner ganzen Legion hin zum Vater, huldigte ihm und sagte ihm: “Ich will nun König sein! Vater, sieh die Legionen, die mir ergeben sind. Sie werden mir und dir dienen. Doch kröne mich zum König aller Geister! Ich will dir dienen, ich will der König sein.”

Nun, zur Seite standen mit gestrenger Miene jene Getreuen Gottes, jene Kämpfer von der Legion Michaels. Seine Legion war noch gross genug, obwohl auch von dieser Legion noch in letzter Minute – wenn ich auch dieses Wort zu eurem Verständnis sagen darf – welche hinübergetreten sind zu diesem Lichtträger. Gott stattete sie ja aus mit seiner Kraft, mit seiner Macht. Und als dieser Lichtträger sprach: “Ich will König sein, Vater; betrachte die Legionen, die mir zur Seite sind”, wurde es plötzlich dunkel um ihn. Die edlen Steine, die seine Gewänder schmückten, verloren ihren Glanz; dunkel wurde seine Gewandung. Und der Vater sprach zu ihm: “Hinaus aus meinem Haus! Ich habe den König erwählt” – er nahm Christus an seine Seite –, “durch meinen Willen wurde er zum König ausgerufen, und du wie die andern haben gelobt, ihm treu zu sein.”

Mit diesen Worten fing es an. Die Getreuen Gottes kamen, Legionen waren es, und sie stürzten sie alle hinaus, wie der Vater sagte: “Hinaus aus meinem Haus!” So wurden sie hinausgestürzt, hinaus in die Finsternis. Jetzt wurde es vielen bewusst, was sie falsch getan. Jetzt kam es jenen Führern, die auch zu den Höchsten der Legionen gehörten, in den Sinn; es wurde ihnen nun bewusst: “Das hätten wir nicht tun dürfen. Wir sind nicht gegen Gott vorgegangen, aber gegen sein Wort. Und wie oft haben wir ihm zugejubelt und gesungen: ‘Dein Wort ist heilig! Dein Wille ist heilig! Unter diesem heiligen Wort leben wir und sind wir getreu.’” Jetzt war es zu spät, sie sind mitgegangen. Und viele waren es, die waren sich gar nicht recht bewusst, was vor sich ging. In dieser Dunkelheit gab es ein Durcheinander, es gab ein Heulen, es gab ein Weinen, ein Schreien, ein Zähneknirschen – es war ein Schreien.

Und der Vater erbarmte sich jener, die nach ihm riefen und nach ihm verlangten, die ihn um Vergebung und Verzeihung baten und bereit waren, eine Busse auf sich zu nehmen, niederste Arbeit zu leisten, um nur wieder in das Haus des Vaters zu kommen. Es war unmöglich; sie lebten in der Finsternis, und es war eine schreckliche Zeit. Die, die da in die Tiefe gestürzt wurden, wurden begleitet von den Legionen Michaels. Denn diese waren es, die jene Stätte vorbereitet hatten. Sie haben den Platz gewählt, wo dieser einstige Lichtträger zu leben hätte. Ihn haben sie in die tiefste der Finsternisse gestossen. Auch ihm half seine Einsicht nichts mehr, sie kam zu spät – und dann hatte er sich seinem Schicksal ergeben, es blieb ihm nicht anderes übrig. Aber er sollte in dieser Finsternis doch nicht so grausam herrschen können, wie er wollte; er sollte in dieser Finsternis erkennen, dass auch hier noch Gottes Hand waltet. Es brauchte aber seine Zeit, bis die Legionen des Himmels die Ordnung geschaffen hatten und bis jene, die sich am meisten verschuldet hatten, an den tiefsten, den schlimmsten Platz verbannt waren. Und diejenigen, die sich weniger verschuldet hatten, wurden an etwas bessere Orte hingebracht. Doch alles war in seiner Dunkelheit.

Gott erbarmte sich seiner Kinder. Er erbarmte sich jener, die so blindlings diesem Luzifer gefolgt waren, die sich so gar nichts gedacht und überlegt, die sich gar nicht mehr daran erinnert hatten, dass man nur dem König, Christus, treu sein soll – obwohl diese Botschaft immer verkündet wurde. Alle wurden stets aufs Neue erfasst von dieser Botschaft, keiner konnte sagen, er hätte nicht Bescheid darüber gewusst. Laut wurde die Botschaft stets verkündet, und man hatte immer Gelegenheit, den König zu sehen und ihm zu huldigen. Also gab es für niemanden eine Entschuldigung. Aber trotzdem waren nicht alle in derselben Schuld. So sandte Gott dann seine Getreuen in vermehrtem Masse in diese Finsternis, und sie brachten etwas Licht in diese Dunkelheit. Sie fingen an zu ordnen und die Schuldigen zusammenzubringen, und die andern fing man an zu trösten. Man brachte ihnen von Zeit zu Zeit die Botschaft, dass ihr Zustand erleichtert werde. Man brachte immer etwas mehr Licht in die höheren Stufen dieser Hölle, nicht in die Tiefe. Doch dieses Licht ist es vielleicht nach eurem Begriff nicht wert, Licht genannt zu werden; sondern es war vielmehr eine schwache Dämmerung. Aber es war schon ein grosses Glück, in der Dämmerung zu leben.

So kamen die Getreuen des Himmels auf Anweisung Gottes, und sie überwachten diese Hölle. Denn dieser Luzifer war ausser sich; er wollte seine Untergebenen noch strafen, er wollte sie plagen, und er tat es, so gut er konnte. Er baute seine eigenen Pläne auf, und seine Untergebenen mussten ihn darin unterstützen. Aber immer wieder musste er einen Getreuen Gottes sehen, der sein Auge streng auf ihn gerichtet hielt. Und er wusste: So wie er durch das Wort und durch den Willen Gottes gestürzt worden war, würde auch dieser Engel den Willen des Vaters erfüllen. Voller Neid, Hass und Missgunst wurde er, und immer mehr der Laster bauten sich in ihm auf; denn er wollte jetzt ein Reich des Hasses und der Lüge errichten. Dann und wann schritten die Engel ein, und so musste er sehen, dass er auch in der Hölle noch unter der Herrschaft Gottes stand.

Mit der Zeit wurden tröstende Botschaften verbreitet. Man erklärte es den Unglücklichen: “Gott erbarmt sich eurer. Er will für euch Wege zur Befreiung schaffen.” Und Geister Gottes kamen und sprachen davon: “Wenn einer von den Höheren einer Legion oder wenn ein Paar, das einst eine führende Stellung in einer Legion eingenommen hat, den Mut und die Kraft aufbringt, sich in der Hölle, von dieser Tiefe aus, emporzuarbeiten, wird ein Weg zur Befreiung freigelegt.”

Diese Botschaft nahm einer auf, der sich emporgearbeitet hatte. Er hatte sich gegen diesen Lichtträger, gegen Luzifer, gestellt und ist ihm entronnen. Er gehörte einst zu den führenden Geistern Gottes, aber auch er hatte diesem Lichtträger angehangen. Nun aber hatte er sich emporgearbeitet, zu den Höhen jener, die nicht so tief verschuldet waren. Weil er es fertigbrachte durch seinen Willen und sich so emporgearbeitet hatte, sollte er ausersehen sein, den Weg zu bereiten für die Befreiung aus der Hölle, sodass langsam alle die Möglichkeit gehabt hätten, ihr zu entrinnen.

So wurde eine neue Sphäre geschaffen. Auch sie wurde vorbereitet von den Getreuen Gottes, und da hinüber wurde nun jener geführt. Es war Adam. Eva sollte ihm nachfolgen; sie bemühte sich, ihm nachzukommen. Auch sie rang, und sie erreichte auch diese oberste Stufe.

So war also dieser Adam aus der oberen Stufe der Hölle herausgenommen worden. Aber ehe man es tat, kamen wieder Getreue Gottes zu ihm und sprachen: “Aus Erbarmen hat Gott einen Weg bereitet. Aber man setzt dich wieder unter das Gesetz des Gehorsams. Du sollst diesen Gehorsam bewahren. Kannst du es, so werden alle, die guten Willens sind, dir nachfolgen.”

So führte man diesen Adam in die neu geschaffene Sphäre, und gleich nachher kam Eva. Sie lebten eine schöne Zeit zusammen in dieser herrlichen Sphäre, man nannte es das Paradies; und hier sollten sie im treuen Gehorsam sein. Dieser Garten Gottes, der für sie gebaut wurde, trug auch seine Früchte. Herrliche Blumen, herrliche Sträucher und Bäume gab es. Und wie es im Himmel beim Vater war, dass man Früchte nehmen durfte, so war es auch in diesem Garten, wo es herrliche Früchte gab. Doch der Engel, der Adam in dieses Paradies begleitete, zog die Grenzen und sagte: “Hier sollst du leben, und hier darfst du die paradiesischen Früchte geniessen, so viel du davon willst.” Er zog die Grenzen und sagte: “Bis hierher darfst du gehen.” Und er zeigte ihm die Grenze, hinter der noch weitere Früchte waren, weitere Bäume ihre Früchte trugen, und der Engel sagte ihm: “Über diese Grenze hinaus sollst du nicht gehen. Du hast Platz genug hier. Hier kannst du leben.” (Vgl. 1. Mos. 2, 8 –25.)

Adam und Eva lebten eine Zeit in Frieden zusammen. Doch dann fand man, der Garten nebenan wäre viel schöner. Und da man ja schon so lange in dieser Sphäre lebte und glücklich war und kein Tadel von göttlichen Wesen kam, so lebte man im Gefühl der Sicherheit, dass alles, was man tat, recht wäre. Nun war es Eva, die fand, der Garten nebenan wäre viel köstlicher und man könnte doch auch einmal diesen Garten besuchen. Und man vergass, was man gelobt hatte: Gehorsam – dass es auf denselben Gehorsam ankam wie einst in der herrlichen Zeit vor dem Abfall. Man hatte einst Gehorsam gelobt und ihn gebrochen. Und nun hatte man wieder gelobt, gehorsam zu sein – und man brach ihn wieder. Sie gingen über die Grenzen hinaus in den andern Garten, und sie nahmen von den Früchten jener Bäume. Diese Früchte waren nicht schöner, nicht edler als die Früchte des eigenen Gartens.

So sah man im Hause Gottes wieder: “Sie können nicht gehorsam sein. Sie können nicht zufrieden sein mit dem, was man ihnen gibt. Sie können sich nicht mit der Herrlichkeit begnügen, die man ihnen begrenzt. Ihr Drang nach mehr ist da. Sie wollen besitzen und herrschen.” Und so kam der Engel Gottes, nahm die beiden an der Hand und führte sie wieder zurück an jenen Ort, von dem sie gekommen waren. Und Gott liess Wächter vor dem Paradies aufstellen, denn es lag jener andern Sphäre so nahe. Sie sollten nicht mehr hinübertreten können; sie sollten an ihrem früheren Ort verweilen und nun Gehorsam leisten lernen. Andere Wege des Aufstieges mussten geschaffen werden, länger musste der Weg gehen; denn sie waren nicht fähig, so schnell zu überwinden und wieder gehorsam zu werden.

So hatte Gott mit seinem Sohn den weiteren Aufbau besprochen. Eine neue Welt wollte man schaffen, und diese neue Welt sollte die Erde werden. Es sollte einen Ort geben, wo man die Möglichkeit hätte, von ganz unten an durch eine lange Entwicklungszeit den Weg nach oben zu finden. Lange, lange dauerte es, bis diese Erde in diesem Zustand geschaffen war, wo sie bebaut werden konnte. Und die Entwicklung begann, von unten an durch verschiedene Entwicklungsstufen hindurch. Eingekleidet sollten sie nun werden in die verschiedensten ‘Gewänder’, und die Erde sollte sie tragen in den niedersten ihrer Gewänder. Eingekleidet sollten sie werden, doch nicht schon als eine herrliche Schöpfung. Die Geisterwelt Gottes wartete. Sie bebaute die Erde, damit dann jene, die nicht diesen niedersten Aufstieg zu durchschreiten hatten, auf ihr leben konnten. Diese sollten dann als Menschen ihr eigenes Brot mit ihrem eigenen Schweiss verdienen; sie selbst sollten die Erde weiter bebauen und durch ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienen. Und Gott, der Schöpfer, wollte ihnen entgegenkommen und ihnen, die als erste Menschen dann diese Erde bewohnen sollten, die Möglichkeit geben, darauf zu leben, sich zu ernähren, und er wollte ihnen die Kraft geben, dass Elemente dieser Erde ihnen untertan würden. Aber einen langen Weg, einen sehr langen Weg sollte es geben.

Und so schien nun dieser Weg des Aufstiegs [über die materielle Erde] der beste zu sein. So konnten sie sich langsam durchringen, langsam sich an Gehorsam gewöhnen. Doch bis dahin dauerte es ja noch sehr, sehr lange. Wie ich am ersten Abend [20. September 1964] erklärte, gab ihnen Gott lange keine Gesetze. Was hätten sie genützt? Sie sollten sich zuerst an dieses neue Leben gewöhnen, sie sollten sich vertraut machen mit dieser Erde. Und dann kam Gottes Stimme, dann kamen die Geister Gottes, als die Entwicklung schon etwas fortgeschritten war. Sie waren schon bei den ersten Menschen immer wieder gekommen – aber diese Erde, sie war der Herrschaft Luzifers übergeben worden. Er hatte hier seine Macht, er sprach sein Wort.

So könnt ihr vielleicht diese Entwicklung verstehen, diesen Weg, den die Menschheit durchlaufen hat, diese Entwicklung, die aufwärtsgeschritten ist vom Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich, immer höher hinauf. Und wie viel noch in sich geschlossenes Leben liegt auf dieser Erde!

So, liebe Geschwister, ihr sollt heute nicht betrübt darüber werden. Ihr sollt froh darüber sein, auf dieser Stufe zu stehen, sie erreicht zu haben. Ihr sollt froh darüber sein, wieder im Reiche Christi zu sein. Denn ihr gehört ihm. Jetzt habt ihr ihm wieder Treue, Gehorsam versprochen. Immer wieder macht ihr eure Versprechungen, und immer wieder werdet ihr schwach, und der Gehorsam ist dahin. Ihr seid schwach, “in Schwachheit gesät” (1. Kor. 15, 43). Aber ihr lebt heute in der Kraft Gottes. Und in dieser Kraft Gottes entwickelt ihr euch und werdet stark, und ihr könnt aufsteigen. Und ihr sollt nun selbst Hand den Schwachen bieten. Was tun die Geister Gottes anderes? Ihr ganzes Schaffen ist nur auf den Heimgang der Geschwister ausgerichtet. So ist es gut, wenn auch ihr das Eurige leistet für diesen Heimgang.

Denkt daran, wenn ihr Treue gelobt: Ihr gelobt Gott die Treue, ihr gebt sie Jesus Christus. Ihr sollt nun auch der ganzen heiligen Geisterwelt die Treue bewahren. Es betrübt uns, jeweils von Menschen zu hören, die sagen: “Ich gehe direkt zu Gott. Ich brauche keinen Christus und keinen Geist, der mir den Weg zeigt. Für mich gibt es nur Gott.” Hat nicht Luzifer Ähnliches gesagt? Er hat auch Gott die Ehre gegeben, er hat auch Gott Gehorsam geben wollen – und er hat den Willen Gottes nicht erfüllt. Und heisst es denn nicht, keiner kommt zum Vater ausser durch Christus (Joh. 14, 6)? Jeder muss an Christus vorübergehen. Denn Christus war es ja, der das Weitere für den Aufstieg getan hat. Er hatte endgültig die Fesseln gesprengt, er hat endgültig den Weg zum Vater frei gemacht. Und es ist wahr geworden: Der Geist der Wahrheit ist gekommen, wie er es versprochen hat und wie er es den Seinen dazumal erklärte: “Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr würdet es nicht verstehen. Den Geist der Wahrheit kann ich euch erst senden, wenn ich zum Vater gegangen bin.” (Vgl. Joh. 16, 6 –13.)

Liebe Geschwister, fühlt euch glücklich und froh. Und denkt an eure geistige Zukunft, denkt an euren Übertritt ins Reich des Vaters. Denkt aber auch, dass der Weg zum Vater, zu seiner Herrlichkeit, von dir zu ihm, noch weit, weit ist. Aber bemühe dich. Die Gottesengel haben die Möglichkeit, ihre Schützlinge zu begleiten, sie an der Hand zu nehmen, sie zu umschlingen und mit ihnen an einen Ort der Seligkeit zu entfliehen. Das ist in der Gnade Gottes. Mit euch geschieht es gleich wie mit jenen, die einst die oberste Stufe errungen hatten und schneller übertreten konnten. Wenn ihr euch um das Höchste bemüht, dann könnt ihr auch vieles überwinden und viel schneller der Seligkeit entgegengehen.

Liebe Geschwister, es lässt sich darüber nachdenken, was euch nun so ausführlich gesagt wurde. Und ihr könnt jetzt vielleicht auch wieder manches besser verstehen. So, liebe Geschwister, ist es doch wunderschön, wenn wir euch diese Botschaften des Himmels offenbaren können, wenn wir die Seiten des Gesetzbuches eine nach der andern umblättern und euch vom Buch des Heils- und Erlösungsplans Blatt für Blatt erläutern können. Immer tiefer dringt ihr darin ein, immer mehr werdet ihr euch festigen im Glauben und auf eurem Weg zu Gott, wenn es in eurem Willen ist, es zu tun. Aber ihr sollt auch wissen, was zu tun ist, um in die Seligkeit einzugehen.

Liebe Geschwister, Gottes Segen möge euch die Kraft zur Erkenntnis geben. Gottes Segen möge euch froh und glücklich machen. Mit dem Segen Gottes werdet ihr ins geistige Reich begleitet, wenn die Zeit gekommen ist und ihr gehorsam geblieben seid. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 22.9.1964 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner an der Meditationswoche in Braunwald (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Ergänzende Erklärungen zum Geisterfall

Lene, 22.9.1977 (Ausschnitt), Meditationswoche 1977, 5. Abend

Ergänzende Erklärungen zum Geisterfall

Lene: Ich möchte nun versuchen, euren Geist in jene Zeit hineinzuführen, da man in der Geisterwelt Gottes noch in Frieden miteinander gelebt, jedoch dieser Lichtträger schon damit angefangen hatte, bei den Geistgeschwistern zu werben. Er versuchte sie zu überzeugen, dass er mehr leisten würde, als Christus es tue. Ich kann nur sagen: Versucht euch im Geiste eine Vorstellung zu machen, was es da an Überredungskünsten gebraucht hat, um Milliarden und Milliarden von Geistwesen auf seine Seite zu führen, sie so zu überzeugen, dass sie diesem Lichtträger Gehör schenkten. Es gibt keine Zeit dafür, die man aussprechen kann, wie lange es ging, dass man so geworben hat. Unendlich lang ist es gegangen, denn in den verschiedensten Himmeln musste geworben werden.

Alles nahm zuerst bei einigen wenigen Geistwesen seinen Anfang. Die Überzeugungskraft ihres Führers war so gross und so beeindruckend, dass diese Kunde immer weiter verbreitet wurde. Immer mehr wurde geworben, sind doch in der göttlichen Welt unendliche Ebenen. Es gibt keine Begriffe, um Euch die Zeit zu benennen. Wenn von vielen Milliarden gesprochen wird, vermögt ihr euch vielleicht einigermassen eine Vorstellung zu machen – und ihr werdet es eher verstehen, dass in einem solch grossen Ausmass diese geistigen Wesen nicht in kurzer Zeit überzeugt werden konnten. Dies dauerte wahrhaftig lange, lange Zeit.

Darüber habe ich auch schon geredet; aber ich habe nicht erklärt, dass in einer Familie nicht alle der gleichen Meinung waren. Ich muss es so sagen: Beispielsweise war es so, dass bei geistigen Eltern, deren Kinder schon selbstständig geworden waren, aber noch mit ihnen das Haus teilten, alle gemeinsam derselben Meinung waren. Es waren Kinder verschiedener Zahl in den Familien: So mögen es vielleicht an einem Ort zwei, an einem anderen Ort vier oder noch mehr Kinder gewesen sein. In einer anderen Familie waren vielleicht nur die Hälfte der Kinder bereit, die Meinung der Eltern zu teilen. Anderswo war es wieder so, dass es die geistigen Eltern selbst waren, die diese andere Meinung vertraten, und die selbstständig gewordenen Kinder teilten die Meinung der Eltern nicht.

Es kam dann zum Beispiel dazu, dass die geistigen Eltern der Auffassung waren: “Wir haben dem Vater Gehorsam gelobt, und wir werden ihm diesen Gehorsam bewahren.” Und schon kam es ja zu Unfrieden. So hatte man viel darüber gesprochen – noch herrschte nicht Hass oder Neid in der Weise, wie es in der Welt üblich ist, aber auch in der göttlichen Welt vertritt man seine Meinung, und sie ist nicht unbedingt übereinstimmend mit der Meinung des andern; doch man einigt sich und spricht sich in Harmonie aus.

So kam es eben vor, dass die Eltern ihre Kinder baten: “Verlasst das Haus – sucht irgendwo anders eine Stätte. Es ist in diesem Haus für euch kein Platz mehr.” Die geistigen Eltern selbst schickten ihre Kinder fort, weil sie so fester, inniger Überzeugung waren, dass es Unrecht sei, was ihre Kinder nun befürworten würden. Sie erklärten ihnen, sie möchten in Harmonie mit jenen zusammenleben, die dieselbe Gesinnung hätten. Daher waren die Eltern des Öfteren alleine, und die Kinder versuchten bei ihresgleichen Unterkunft zu finden. So gingen sie zu denen, die dieselbe Gesinnung hatten, und teilten das Haus mit ihnen.

Auch den umgekehrten Fall gab es: Kinder beharrten auf ihrem Wort. Und wenn ich das Wort “Kinder” nenne, meine ich ja nicht kleine Kinder, sondern selbstständige, erwachsene geistige Wesen, die noch ihren Aufenthalt bei ihren geistigen Eltern hatten – also Kinder, die sich noch nicht aus dem Hause entfernt hatten, um eine eigene geistige Familie zu gründen. Es war auch oft so, dass es die geistigen Eltern selbst waren, die sagten: “Bleibt ihr in diesem Hause. Wir ziehen weg.” Sogar geistige Eltern, die sozusagen das Haupt der Familie waren und deren Kinder ihnen in gewissem Sinne Gehorsam leisteten, haben sich aus ihrem eigenen, ihnen zugewiesenen Geisteshaus entfernt und bei ihresgleichen Unterkunft gefunden.

So kam es, dass in einem Hause vielleicht noch eines oder zwei verblieben. Diese waren dann auch bereit, Geistgeschwister aufzunehmen, die von ihrem Hause ausgewiesen wurden, weil die anderen Familienmitglieder dort verweilen wollten. Wenn die Kinder nicht einverstanden waren, konnten sie ebenso das Haus verlassen, da sie nicht diese neue Gesinnung teilen wollten, diese Werbung, die da getrieben wurde, wenn ich es in eurer Sprache ausdrücken darf. Dann wurden solche in einer anderen Familie aufgenommen, wo man den festen Glauben behalten hatte.

So, liebe Geschwister, kam in jener Zeit in den verschiedensten Himmeln so vieles durcheinander. Die Himmel unterscheiden sich voneinander in ihrer geistigen Natur, denn die geistige Natur jener Himmel ist den Fürsten angepasst, die jene Ebenen bekommen haben, die ihnen einst zugesprochen wurden. Und so ist in allen himmlischen Sphären dasselbe Ereignis geschehen: Die einen wurden aus dem Hause fortgeschickt und fanden anderswo Unterkunft. Man ging dann eben zueinander.

Und dieser Luzifer, noch in seinen Rechten, noch ein Lichtträger, im Glanze wunderbar, hatte auch die Möglichkeit, in gewissem Sinne zu befehlen, zu regieren. Denn er hatte ja auch ein Reich, das ihm zugeteilt war. Er nahm all jene zu sich und bat sie: “Kommt zu mir ... Kommt da in mein Reich, das mir zugesprochen ist. Kommt zu mir.” In seinem Reiche waren sie ja jener Gesinnung, die Luzifer hatte. Dort fing man an, Pläne zu hegen und auszuhecken, was man alles in diesen himmlischen Welten zu verändern gedenke. Und Luzifer hatte jenen Rädelsführern – wenn ich dieses Wort gebrauchen darf – solch hohes Ansehen geben wollen: Er wollte sie auch zu Fürsten ernennen und versprach, auch ihnen ein Reich zu geben. Denn sie sahen doch die Unendlichkeit, und in dieser Unendlichkeit gab es wahrhaftig Platz genug, jedem Rädelsführer einen Teil zuzugestehen, damit er seine Herrschaft ausüben und in seiner Herrlichkeit leben könnte. Versprechungen gab es überall. Ganz leichthin gab man solche Versprechungen einem jeden, der willens war, andere zu gewinnen für ein und dieselbe Gesinnung.

So geschah es. Man soll sich nicht vorstellen, dass es plötzlich einfach so geschah, dass Christus und Gott den Befehl erteilten und den Wesenheiten erklärten, sie wären den falschen Weg gegangen. In diesen himmlischen Welten ist es anders zugegangen. Man liess diese Wesenheiten lange Zeit hindurch. So teilten sie sich untereinander: Man ging in andere Himmel hinein und wohnte bei Gleichgesinnten.

Und dort, in diesem oder jenem Haus, wo sich die eigenen Angehörigen – die geistigen Eltern, die geistigen Kinder – getrennt hatten, bestand schon eine leise Trauer. Man wartete und hoffte auf das Eingreifen Gottes.

Diese Auflehnung galt ja nicht Gott. Sie alle beteten ihn an und kamen zusammen, um ihn zu lobpreisen und zu ehren. Auch unter den Anhängern Luzifers waren solche Meister, die eine wunderbare Stimme hatten. Zur Ehre Gottes wurde gesungen und musiziert. Sie lobten und priesen Gott, aber ihre Ehrerbietung gaben sie nicht mehr Christus; sie anerkannten ihn nicht mehr als den König, der ihnen einst zugewiesen worden war. Sie anerkannten ihn also nicht mehr als den Gesalbten Gottes. Sie glaubten: “Es genügt doch, Gott zu ehren und zu loben – nichts gegen ihn, aber Christus wollen wir nicht mehr als unseren König haben.”

So war es geschehen, und es kam die Zeit, wo sich in den himmlischen Welten die Gleichgesinnten zusammengetan hatten. Diese himmlischen Welten waren – und sind es auch heute noch – so reich bevölkert von göttlichen Wesen. Es kam die Zeit, als Engel Gottes im Auftrage Gottes und Christi einhergingen mit ihren Posaunen. Denn der Klang der Posaunen war stets der Ruf für alle Geistwesen, sich zu sammeln, was bedeutet: Gott hat zu sprechen – er selbst spricht zu ihnen oder der König. Dieses geschah, als Gott die Zeit für gekommen hielt. Er liess sie wahrhaftig lange Zeit hindurch schalten und walten.

Mit den Klängen dieser Posaunen kamen die Legionen stets an ihre Plätze, wo sie hinbeordert wurden, wenn es notwendig geworden war, dass sich die himmlischen Wesen durch diesen Ruf zu sammeln hatten. So sind sie hingegangen. Als die Posaunen ertönten, blieben sie also nicht in ihren geistigen Häusern. Hinaus in die Gärten Gottes eilten sie. Von allen Himmeln her kamen sie – auch in diesem Falle. Sie nahmen ihren Platz ein und waren voll der Hoffnung: “Nun ist es so weit, nun wird es uns der Vater bestätigen, dass wir richtig gehandelt haben.” So glaubten sie, würde es sein, als sie die Posaunenklänge hörten.

Gott sprach nicht viele Worte. Zu seiner Seite stand sein eingeborener Sohn. Gott verkündete ihnen, dass sie sich des Ungehorsams schuldig gemacht hätten und für sie kein Platz mehr im Himmel sei. Um den einstigen Lichtträger, der voller Glanz und Herrlichkeit war, wurde alles verdunkelt. In der Weise erlebte es nicht nur Christus; alle treu gebliebenen Geister Gottes sahen die Lichter jenes Fürsten erlöschen, der da mit all den Seinen aus dem Himmel hinausgestürzt wurde – hinabgestürzt in die Unterwelt. Sagte doch Christus selbst, dass er diesen Satan wie einen Blitz aus dem Himmel stürzen sah (Luk. 10, 18).

In den himmlischen Welten war man traurig über das Geschehen. Lange, lange hatte Gott zugewartet. Möglichkeiten hätte es genug gegeben, um zu anderer Gesinnung zu kommen, um sich wieder Gott zuzuwenden – zu ihm zu gehen und ihn zu bitten, er möge vergeben. Aber es kam so weit, dass sich so viele Milliarden, Milliarden von Wesen auf die Seite jenes einstigen Lichtträgers stellten.

Ich muss euch nichts Weiteres erklären. Alles Weitere wisst ihr. Was ich euch aber zu Gemüte führen möchte, sind die Gefühle der Trauer jener Zurückgebliebenen und die Trauer von Christus selbst – diesen Aufstand gegen ihn erkennen zu müssen, obwohl er doch mit dem Vater eins war, sie doch in so grosser Liebe miteinander verbunden waren; dass jene wohl den Vater lobten, ihm huldigten, aber Christus als König nicht annehmen wollten.

Es soll auch nicht verheimlicht werden, dass sich Gott mit Christus stets ausgesprochen hatte. Luzifer und die anderen Fürsten, die es mit ihm hielten, vernahmen davon nichts. Christus wurde vom Vater getröstet – er sprach zu ihm: “Du bist mein geliebter Sohn.” Dies sagte der Vater also schon im geistigen Reiche zu seinem Sohn und nicht erst, als er im Menschendasein war und Gott ihm seine Stimme, sein Wort gab, sodass es die Menschen vernahmen: “Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich mein Wohlgefallen” (Mat. 3, 17).

Als Luzifer und sein Anhang allesamt aus den Himmeln weg waren, wurde doch auch das Mitleid wach mit all jenen, die gehen mussten. Denn, liebe Geschwister, ihr ahnt nicht um die Tränen jener geistigen Wesen, ihr ahnt nicht um diese Hilferufe zum Vater: “Vater, lass uns bei Dir. Vergib uns, wenn wir falsch gedacht haben. Lass uns bei Dir. Sende uns nicht weg.” Es nützte nichts – sie alle mussten gehen.

Eine Frage möchte ich nun beantworten, die beim einen oder anderen schon aufgekommen ist und die er gerne geklärt haben möchte. Geistige Eltern hatten doch in jener Zeit auch kleine Geistkinder, die doch bei ihnen aufwuchsen. So will man doch wissen: “Was ist mit jenen Kindern geschehen? Diese Kleinsten haben sich ja nicht verschuldet, wenn die Schuld bei den Eltern war.”

Hier waltet ein geistiges Gesetz. Diese Eltern mussten ihre Kleinkinder mit sich nehmen. Wohl hatten diese sich nicht so verschuldet; sie hatten daher nicht dieselbe Strafe zu erwarten wie ihre geistigen Eltern. Ihnen wurde geistige Betreuung zuteil; sie wurden von ihren geistigen Eltern getrennt. Andere betreuten die heranwachsenden Geistkinder, die sich weniger verschuldet hatten. Gott war gerecht, er strafte so, wie es ein jeder verdiente. Das eine hatte sich im Besonderen verschuldet, das andere weniger. In dem Masse wurde auch geurteilt.

Ja, liebe Geschwister, dies alles gestatte ich mir, euch darzulegen. Das, was ich euch jetzt offenbare, war der Menschheit und der Christenheit auch einmal offenbar. Davon wollte man jedoch nichts wissen. Es war Vergangenheit. “Warum auch?” Man hatte kein Verständnis dafür, und so fing es an mit diesen Lücken ... und mit dem Verbreiten der Irrtümer.

Dies ist dem glauben wollenden Menschen zum Schaden. Hat er so doch so viele Fragen, und bei manchem Menschen steht der Verstand im Weg, um zu glauben. Er lebt ja in einer materiellen Welt und möchte alles bewiesen haben. Doch der Glaube kann nicht auf diejenige Art und Weise bewiesen werden, wie es der Mensch haben will. Der Glaube ist eine Herzenssache und eine Sache der Seele. Je nach der Tiefe des Glaubens des Menschen leuchtet in seinem Inwendigen das Licht – das Licht, das er von Gott hat.

Aber Menschen sind im Aufstieg begriffen, und trotz alldem hat der Gottesglaube auf dieser Erde festen Boden. Dieser Gottesglaube kann nicht vernichtet werden. Und wenn es auch noch immer soundso viele Menschen gibt, die wankelmütig sind und die nicht glauben können, stehen ihnen gegenüber so viele Menschen, die guten Glaubens sind. Sie wollen glauben, auch wenn sie nicht sehen. Diese Menschen mit ihrem Gottesglauben in der Seele sind ein geistiges Licht. Für uns Geistwesen sind sie kleine Sterne am Nachthimmel, die leuchten. Es sollte dahin kommen, dass dieser Nachthimmel zu einem einzigen Licht wird und es über diese Erde nur ein Leuchten gibt. Dahin soll es kommen, dass es so viele Menschen gibt, die den Glauben Gottes in sich tragen und bereit sind, das Leben nach dem Tode anzuerkennen und den Glauben an die Geisteswelt Gottes in sich zu bewahren.

So, liebe Geschwister, ihr könnt über das, was ich gesagt habe, nachdenken. Traurig sollt ihr nicht darüber werden – es ist vorbei, liebe Geschwister. Vorüber ist dieser grosse Schrecken. Nun geht es aufwärts, heimwärts mit euch. So muss ein jeder wieder seinen Platz finden. Es muss wieder zu dieser Einheit kommen. Dass es so weit kommen muss, dafür hat Christus das Seinige getan. Aber über die Zeit sprechen wir nicht.

Liebe Geschwister, mit dem Segen Gottes, der über euch ausgegossen ist, möget ihr von dannen gehen und beglückt darüber sein, in einer Zeit zu leben, wo es euch möglich gemacht ist, als ganzer Mensch – damit meine ich den Menschen mit seinem Verstand – einen Schritt in diesen Himmel zu tun. Gott zum Gruss.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 22.9.1977 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal der Park Hotels Waldhaus, Flims (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 3/2014
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm