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Themen
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 5/2020 zum Thema Im Jugendalter verstorben
Geistige Welt 5/2020
Im Jugendalter verstorben
Beschreibung

Kehrt ein Mensch in jungem Alter, unbelastet und frei im Denken in die Jenseitswelt zurück, kann er sich den Verhältnissen seiner neuen Heimat schnell anpassen. Geistlehrer Josef berichtet im ersten Vortrag des Heftes von der Heimkehr und dem jenseitigen Erleben eines 16-Jährigen, der unter gleichaltrigen Geistgeschwistern Aufnahme findet und von mehreren Lehrern in verschiedenen Bereichen geschult wird. Es wird aufgezeigt, mit welcher Sorgfalt sich die Gotteswelt solchen heranwachsenden Wesen widmet, um sie in ihren Fähigkeiten zu fördern. Auch in der jenseitigen Welt stehen Heranwachsende vor der Herausforderung, sich ihrer Weiterbildung zu widmen und einen Beruf zu erlernen. Denn auch in der Jenseitswelt wird gearbeitet; es gibt beispielsweise eine Fülle von handwerklichen Tätigkeiten, die zur schöneren Gestaltung der Gotteswelt beitragen.
Einen Einblick in eine solche Berufsausbildung gibt der zweite Vortrag in diesem Themenheft. Der mit 17 Jahren verstorbene Peter berichtet von seiner Heimkehr in eine für ihn faszinierende neue Welt. Er erzählt von seinem Wiedersehen mit seiner einstigen Grossmutter und dem Zusammenleben mit anderen verstorbenen Jugendlichen, die auf Erden in unterschiedlichen Ländern gelebt und verschiedenen Religionsgemeinschaften angehört hatten. Peter schildert, auf welche Weise er und seine Kameraden von ihren geistigen Führern bei der Berufswahl beraten wurden und er entsprechend seinem Talent und seiner Neigung in einer himmlischen Lehrstätte zum Glasmaler ausgebildet wurde.

Themenheft 5/2020: Im Jugendalter verstorben

Inhalt
Heimkehr und jenseitiges Erleben eines 16-Jährigen

Josef, 8. März 1975

Heimkehr und jenseitiges Erleben eines 16-Jährigen

Kehrt ein Mensch in jungem Alter, unbelastet und frei im Denken in die Jenseitswelt zurück, kann er sich den Verhältnissen seiner neuen Heimat schnell anpassen. Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von einem verstorbenen Jugendlichen, der unter gleichaltrigen Geistgeschwistern Aufnahme findet und von mehreren Lehrern in verschiedenen Bereichen geschult wird. Die Gotteswelt widmet sich solchen heranwachsenden Wesen mit grosser Sorgfalt; denn es geht ihr darum, diese aufsteigenden Geistgeschwister in ihren Fähigkeiten zu fördern, damit sie dereinst ihre ursprünglichen Aufgaben in der Schöpfung Gottes wieder zu erfüllen vermögen.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich berichte euch heute von einem jungen, heranwachsenden Menschen, wie er nach seinem Tode die geistige Welt erlebte. Wir wollen ihm den Namen David geben. David war nur kurze Zeit krank. Er wurde nicht ganz sechzehn Jahre alt.

Seine bereits verstorbenen Verwandten begleiteten ihn mit Engeln Gottes in die Jenseitswelt hinüber. Er kannte diese Verwandten noch und war erfreut über ihre Anwesenheit. Diese baten ihn, er möchte doch noch einmal ins Elternhaus zurückkehren, um seinen Eltern etwas Trost zu spenden, denn bestimmt würden sie seine Nähe spüren. Er aber lehnte ab und bat seine Verwandten, sie selbst möchten es doch in seinem Namen tun. Er blieb da, wo man ihn hingeführt hatte. Dies war, seiner Entwicklung entsprechend, ein schöner Ort; er war an den schönsten Ort jener Ebene hingeführt worden, von der er ausgegangen war. In seinem kurzen Erdendasein hatte er seine Seele sozusagen nicht belastet. So war er auch von dieser neuen Lebensform und Umgebung nicht enttäuscht; er fühlte sich gleich zu Hause. Es war für ihn keine Enttäuschung, im Gegenteil; er bewunderte die neue Welt und konnte nicht begreifen, dass es Menschen auf der Erde gibt, die über den Heimgang ihrer Lieben so lange trauern können, da man doch diese geistige Welt in wunderbarster Weise erleben kann. Das traf ja auf ihn zu. Und hier muss ich eine Erklärung geben und werde dies, wenn es notwendig wird, auch im weiteren Verlauf meiner Darlegung tun. Unser David war in seiner Seele unbelastet, er war frei, ungehemmt; so empfand er die neue Welt als interessant und bewunderungswürdig. Da er ja keine Last in seiner Seele hatte, sein Denken frei und unbelastet war, konnte er diese Gefühle zum Ausdruck bringen. Er war in einer neuen Welt, und diese erschien ihm interessant.

Seine Angehörigen hatten sich bereit erklärt, ihn für eine unbestimmte Zeit aufzunehmen. Er aber wünschte, mit seinesgleichen, das heisst mit gleichaltrigen Geschwistern, zusammenleben zu können. Darüber musste nun die höhere Geisteswelt entscheiden, die ja bei seiner Heimkehr auch anwesend war; und man war damit einverstanden, diesen David unter seinesgleichen zu führen. Dazu ist folgende Erklärung zu geben: Da David in seinem Menschenleben auch keine besonderen Verdienste erworben hatte, wurde er dahin zurückgeführt, von wo er ausgegangen war. Diese Ebene aber war gross und wies verschiedene Orte auf, solche, wo es schön, sehr schön oder weniger schön war zum Wohnen. Hier durfte er nun den schönsten Platz einnehmen. Er hatte Wünsche und brachte sie den Engeln zum Ausdruck. Inzwischen hatten sich seine Angehörigen verabschiedet, mit dem Versprechen, sie würden nach seinen Eltern sehen und gelegentlich auch nach ihm. So nahm auch er mit Freuden von ihnen Abschied.

Die Engel Gottes sagten nun zu David: “Du kannst, wenn du es wünschst, einen Anpassungsschlaf machen – nur wenn du es wünschst.” Doch David wünschte es nicht. Er fühlte sich frisch, er war nicht müde; er war nicht gezeichnet von einer Krankheit, von Leiden, er war in seinem Denken gelöst und frei. Er war ja als junger Mensch gestorben, der das Leben noch nicht erlebt hatte, der unbelastet war, und auch sein Denken war unbelastet. So brauchte er diesen Anpassungsschlaf nicht, er fühlte sich nicht müde.

Er wollte nun diese neue Welt erleben und bat die göttlichen Wesen, sie möchten ihn jetzt zu seinesgleichen führen. Und sie sagten: “Ja, wir führen dich nun in die Herberge.” Damit war das Haus gemeint, in dem Mitgeschwister lebten, die im selben oder in ähnlichem Alter waren wie er. Zu diesen sollte er nun kommen und mit ihnen zusammen in dieser Herberge leben. Er hatte seine Wünsche und bat diese Engel Gottes: “Gebt mir ein sicheres Obdach und gebt mir Arbeit, aber auch freie Zeit.” Er hatte von dieser neuen Welt seine persönlichen Vorstellungen, denn sie war, wie er es erlebte, der irdischen Welt so ähnlich. Er wollte ein sicheres Obdach, er wollte arbeiten, aber er wollte auch sicher sein, auch seine Freizeit zu haben. Die Engel erwiderten ihm: “Du kommst ja in die Herberge, bist mit deinesgleichen zusammen; sie bietet dir das gewünschte Obdach. In dieser Herberge wirst du dein Zuhause haben, und alles Weitere wirst du dort erfahren.” So liess er sich von den Engeln Gottes in diese Herberge begleiten. Es war ein längliches Haus in der Nähe eines Sees. Man hatte die Sicht weithin, zu verschiedenen geistigen Ebenen. Wie betont, nahm David den schönsten Platz ein in dieser Ebene oder Sphäre.

Als er nun in dieses Haus eintrat, begrüsste man ihn mit Geschrei und Jubel. Man begrüsste ihn mit seinem Namen, den er als Mensch getragen hatte, ging auf ihn zu, bestürmte ihn und zeigte Freude über seine Heimkehr. So dauerte dieser Jubel und dieser Empfang so lange, bis der letzte jener Anwesenden ihn persönlich begrüsst hatte. Nun stellte sich ihm ein Bruder vor und erklärte, er sei der Führer dieser Gruppe, er habe die Aufsicht über alle und trage für sie die Verantwortung vor den Geistern Gottes. Man müsse sich hier genau an die Ordnung halten, die jedem klar dargelegt werde, und ein Entfernen aus der Herberge sei ohne seine Genehmigung nicht gestattet. Dieses wurde David erklärt, und als die Begrüssung beendet war, sagte ihm der Mitbruder weiter: “Alle haben sich dir mit einem Namen vorgestellt. Aber nur bei den einen ist es der Name, den sie im menschlichen Leben getragen haben. Die andern haben ihren Namen gleich gewechselt, weil sie schon auf Erden kein Gefallen daran gefunden hatten.” So musste David seine Mitgeschwister kennenlernen, und das brauchte auch seine Zeit.

Ich möchte aber jetzt noch erklären, wie es möglich geworden ist, dass sich alle zu dieser Begrüssung eingefunden hatten. Dies alles musste auch auf die Zeit abgestimmt werden. Man wusste um die Heimkehr von David; Engel Gottes wussten doch Bescheid, und sie wussten auch, dass sie ihn in diese Herberge führen würden. Und da es unter den Geistgeschwistern dieser Herberge eben so üblich war, Heimkehrende mit viel Jubel und Geschrei zu begrüssen – was ganz der Mentalität dieser jüngeren Geistgeschwister entsprechend ein Ausdruck der Freude sein sollte –, war es auch notwendig, sie über sein Kommen zu unterrichten. Denn sie alle hatten ihre Arbeit, hatten ihre Schule, die sie besuchen mussten. So wurde ihnen dann klargemacht, um welche Zeit sie sich in dem grossen Raum zusammenzufinden hätten, um David zu begrüssen. Dies will ich eben besonders erklären, weil es – dies als Nebenbemerkung – immer wieder Freunde gibt, die sich fragen: “Wie ist es möglich, dass ausgerechnet alle genau auf die Zeit bereit gewesen sind, diesen Bruder zu empfangen?” Man hatte es also gewusst, man hatte es vorbereitet, und auch im Geistigen gibt es eine Zeitrechnung. Diese stimmt aber mit eurer Zeitrechnung nicht so genau überein; wir bemessen die Zeit anders. Aber auch die geistigen Wesen müssen sich der Zeitrechnung der Menschen anpassen und mit ihr übereinstimmen. So war es also möglich, dass unser David von seinen Mitgeschwistern auf dieselbe Weise begrüsst wurde, wie sie alle bei ihrer Heimkehr auch schon begrüsst worden waren.

Unser David wollte nun wissen, wie man denn hier lebt. Er mochte doch gerne etwas tun und interessierte sich nicht nur für die nähere Umgebung, sondern er wollte diese ganze Welt sehen und erleben. Es war ihm klar, dass er arbeiten sollte, aber er wollte auch seine freie Zeit. Unser Gruppenführer, so können wir ihn auch nennen, erklärte ihm: “Du musst arbeiten, und du kannst dir diese Arbeit aussuchen; sie soll deinen Fähigkeiten entsprechen. Du musst aber nicht nur arbeiten, sondern auch zur Schule gehen. Und zwar sind es” – dies hörte David nicht allzu gerne – “dreizehn Klassen, die du durchschreiten musst. Wenn du die letzte Klasse mit ihren Prüfungen bestanden hast, wird sich für dich eine andere Welt öffnen. Dann wird es möglich sein, dass man dir deine Wünsche erfüllt und du diese grosse Gotteswelt sehen kannst.” Ehe er aber nicht durch alle Klassen gegangen, sei es ihm unmöglich, diese Geistesstufe, in die er eingereiht war, überhaupt zu verlassen.

Also wurde ihm klar: Er musste von Neuem zur Schule gehen. Aber was sollte er denn da lernen? Er erklärte dem Gruppenführer, er hätte doch die Schulen hinter sich. “Ja freilich”, bestätigte man ihm, “und was du in der Welt der Menschen gelernt hast, kann dir ja auch hier von Nutzen sein. Aber hier hast du noch viel Weiteres und anderes zu lernen.” Und man erklärte ihm: “Du sollst noch Dinge lernen, die auch Menschen zu lernen haben, über die du aber noch nicht unterrichtet bist. Also auch weiteres menschliches Wissen musst du dir noch zulegen. Dann kommt das Wissen über die Gesetze und über die Ordnung Gottes. Alles in allem umfasst das so viele Stufen oder Klassen. Nur ist es in der Geisteswelt etwas anders als auf Erden”, betonte der führende Bruder. “Bei den Menschen dauert die Zeit einer Klasse für alle Schüler gleich lang, bei uns nicht. Hier kann man je nach Intelligenz und Lernbegier früher aus der Klasse ausscheiden und in die höhere eintreten. Es kommt also ganz auf den Eifer des Einzelnen und auch auf seine geistige Intelligenz an.” So wurde David klar, dass man nicht unbedingt so lange in einer Klasse verweilen musste wie die andern, und er wollte sich bemühen, diese Klassen so schnell wie möglich zu durchschreiten.

Nun aber, diese Schule fand ja nicht fortwährend statt; zwischendurch sollte man arbeiten. Dies gibt es ja auch bei euch Menschen; es gibt auch, wie ihr es nennt, Werkstudenten. Diesen Ausdruck benützt man in der Gotteswelt nicht. Aber es ist so, dass diese Geschwister zeitweise über die göttlichen Gesetze unterrichtet werden und dann auch wieder eine gewisse Zeit zu arbeiten haben. Nun kann sich ein jeder seine Arbeit selbst aussuchen. Der eine hat den Wunsch zu malen, ein anderer möchte in der Architektur tätig sein, ein Weiterer möchte ein ganz gewöhnliches Handwerk erlernen, wieder ein anderer möchte die Musik besonders studieren und erlernen. So sind die Wünsche vielfältig, und den Wünschen wird entsprochen. Ein jeder darf das wählen, wovon er glaubt, dass es ihm zusagt und woran er seine Freude hat – aber auch damit er in dem, was er zu lernen wünscht, ein Meister wird und er diese Tätigkeit so eifrig ausübt, um nachher selbst als Lehrer auf diesem oder jenem Gebiet tätig zu sein.

Das wurde nun dem Bruder klargemacht, und er wählte das Zeichnen. Er wollte zeichnen und berechnen. Es schien ihm sehr interessant zu sein, Dinge zu berechnen, die zu berechnen man als Mensch nicht in der Lage war. Er wollte über Astrologie und Astronomie belehrt werden; das wünschte er, und nun sollte er ja geprüft werden, ob er die Fähigkeit hatte, das zu erlernen.

Nun, in der Herberge, wo die jungen Mitgeschwister mit David zusammenlebten, war ein sogenannter Aufenthaltsraum. In diesem Raume begrüsste man jeweils die Heimkommenden, und hier fand man sich auch zusammen, wenn es notwendig wurde, dass sich höhere Geistwesen mit diesen Geschwistern befassten, ihnen allgemeine Belehrungen oder Zuspruch gaben. Wenn es also notwendig wurde, dass höhere Geistwesen vor diese Geschwister hintreten sollten, versammelte man sich in diesem grossen Aufenthaltsraum. Dieses Haus war lang und zwei Stockwerke hoch. In der Umgebung waren viele Hallen, die auf allen Seiten offen waren und betreten werden konnten. Um die Umgebung etwas näher zu beschreiben: Alle diese Gebäude standen in einem prachtvollen Garten, und es waren verschiedene schöne Wege, die von einer Halle zur andern führten. Diese Hallen waren Orte der Belehrung, Werkstätten, und hier waren Geister Gottes als Lehrer tätig, als Lehrer und auch als Erzieher. Sie hatten den Geschwistern auch vieles beizubringen, was für ihre Erziehung von Wichtigkeit war.

Hier muss ich eine allgemeine Erklärung geben. Solche Herbergen, wie sie in der Geisteswelt genannt werden, sind in den verschiedensten Aufstiegsstufen in selber Art und Weise vorhanden, aber immer der Entwicklung jener angepasst, die dort ihr Zuhause haben. Also gibt es auch in den untersten Aufstiegsstufen solche Herbergen für Geistgeschwister gleichen oder ähnlichen Alters, wo sie zusammengerufen und belehrt werden und einer Tätigkeit nachgehen müssen. Und die Belehrungen und all das, was ihnen geboten wird, entsprechen ihrer Aufnahmefähigkeit, ihrer geistigen Entwicklung.

Nun, unser David hatte durch seine früheren Menschenleben eine erhöhte Geistesstufe errungen. Jetzt, da er wieder in die geistige Welt zurückgekehrt war – an denselben Ort, aber mit weit grösseren Möglichkeiten der Belehrungen –, wurde er seiner Entwicklung entsprechend belehrt, und er durfte auch so geschult werden. Diese Geistesebenen sind sehr gross, und man könnte sie ebenfalls in verschiedene Entwicklungsstufen einteilen. Ich tue es nicht, um euch nicht zu verunsichern. Damit es für euch besser verständlich ist, soll es euch genügen, zu wissen, dass diese Ebenen, wie ich gewöhnlich erklärte, auch ihre Stätten der Bedrängnis aufweisen, ihre Orte haben, wo es nicht schön ist zu leben; doch hat dieselbe Ebene den Heimgekommenen auch Orte anzubieten, wo sie sich wahrlich im Paradies fühlen und glücklich sind. Sind sie jeweils in diese erhöhten Stufen eingetreten, ist dies gewöhnlich ein Beweis dafür und ein Grund der Hoffnung seitens der göttlichen Welt, dass es nach einem weiteren menschlichen Dasein möglich sein sollte, in eine höhere Geistesstufe einzutreten.

Die Herberge, in die David geführt wurde, liegt in der Nähe eines Sees; dieser bildet die Grenze zu einer höheren Geistesebene, und diese Ebene kann nicht ohne Weiteres überwunden werden. Es ist also einem aufsteigenden Geistgeschwister aus dieser Ebene nicht möglich, von sich aus über diesen See zu gelangen und in eine höhere Stufe einzutreten. Es kann dies nur in Begleitung eines göttlichen Wesens, das mithilft, das Notwendige zu überwinden.

In der Regel ist es auch so, dass jene Geschwister nach einer bestimmten Zeit wieder in ein neues menschliches Dasein treten müssen und darin zu beweisen haben, ob ihre Seele so gestärkt und erfüllt worden ist von dem Glück, von der Harmonie, die sie im geistigen Reich erlebt haben, dass es ihnen in ihrem menschlichen Leben möglich ist, in gleicher oder ähnlicher Weise zu leben und zu wirken. Sie sollen also beweisen, dass das Glück der Seele, das sie in der Geisteswelt erlebt haben, in ihrer Seele frei ist, nicht eingekerkert, nicht eingeschlossen und vernebelt, sondern dass ihr Denken und ihr Wollen auch in einem neuen menschlichen Leben unbeschwert und frei sein wird. Dass dies nicht ohne Probleme möglich sein wird, solltet ihr aus meinen bisherigen Belehrungen auch erkannt haben. Ich werde aber noch versuchen, darauf zurückzukommen, und möchte nun von unserem David reden.

Er hatte also den Wunsch, zu zeichnen, zu rechnen und zu berechnen. Aber er verlangte ja auch, nicht nur geschult zu werden, er wollte auch seine freie Zeit haben und zwischendurch etwas arbeiten. Dies alles durfte er tun. Er wurde geschult und musste nun diese Klassen durchschreiten, die eben vorgeschrieben waren. Und in diese Ausbildung einbezogen war nun sein Wunsch, dieses Besondere zu erlernen. Er musste im Allgemeinen über den Heils- und Ordnungsplan belehrt werden, wie alle, die zurückkommen.

Nun muss ich erwähnen, dass es bei diesen Geistgeschwistern viele Lehrer gab – oder ich darf wohl sagen, für jedes einzelne gab es nicht nur einen, zwei oder drei Lehrer. So grosse Aufmerksamkeit schenkt man diesen Geistgeschwistern, die als junge, heranwachsende Menschen gestorben und in die Geisteswelt zurückgekommen sind. Sie haben eine geistige Entwicklungsstufe eingenommen und sind bereit zu lernen. Wie euch gesagt wurde, sind es dreizehn Klassen, und verschiedene Lehrer unterrichten jeden Einzelnen. So nimmt man sich die Mühe, und erkennt man die Fähigkeiten des Einzelnen, so wird er noch mehr gefördert. Um seine Veranlagung noch mehr zu fördern, ruft man besonders fähige Geistgeschwister herbei, um so mit der Zeit einen Meister aus dem Schüler zu machen. Dafür dienen auch diese vielen Stufen oder Klassen, die durchschritten werden müssen; denn es gibt in einer jeden Klasse sehr viel zu lernen, und es sind genügend Lehrer da, die mit grossem Eifer und mit Ausdauer die Schüler unterrichten.

Unser Bruder David hatte sich nun Mühe gegeben und grossen Eifer gezeigt. Ich möchte aber auch auf die andern hinweisen, auf das Interesse, das man im Allgemeinen aneinander hat. So es gestattet ist, besucht man den Mitbruder oder die Schwester bei ihrer Arbeit und interessiert sich auch für ihre Tätigkeit. Mitunter hat der eine sogar das Verlangen, nicht nur über das unterrichtet zu werden, was er gewünscht hatte, sondern er möchte noch etwas Zusätzliches lernen. Vielleicht möchte einer noch zusätzlich in der Musik geschult werden, und er kann, sofern er diese Fähigkeit auch besitzt, darin belehrt werden. So wird es möglich, einen Einzelnen nicht nur auf einem, sondern auf zwei oder mehreren Gebieten zu fördern, wenn die Fähigkeit dazu vorhanden ist und er schöpferisch veranlagt ist. Diese Veranlagung liegt in der Tiefe oder im Grunde seiner Seele und wird von höheren Geistgeschwistern erkannt. Höhere Geistgeschwister erkennen, woher einer kommt und welche Fähigkeit er einst in der Zeit seines Glückes, also vor dem Abfall, hatte. Dementsprechend weiss man, dass mit seiner geistigen Förderung und mit seinem Aufstieg auch all diese Fähigkeiten wieder zum Ausdruck kommen und man diese fördern kann in der göttlichen Welt. Dieses Entgegenkommen zeigt man diesen Geistgeschwistern, man will sie fördern; denn man will ja, dass sie alle wieder zu dem Besitz kommen, den sie einst gehabt haben, und sie auch fähig werden, dieses Eigentum zu pflegen und zu bewahren, das ihnen dann wieder übergeben wird. Darum diese Aufmerksamkeit und Schulung.

Es ist also üblich, dass sich die Geistgeschwister auch für die Tätigkeit des andern interessieren, um womöglich noch etwas dazuzulernen. Ich möchte betonen, dass die Stufe, von der ich jetzt spreche, eben eine erhöhte Ebene ist – darum die Bemühung und der Einsatz der göttlichen Welt zur Förderung dieser Talente.

Diese jungen Geistgeschwister, die auch in der Geisteswelt eine gewisse Lebensfreude zum Ausdruck bringen, wollen nun aber auch ihre freie Zeit, in der sie die Möglichkeit zu ihrer Freude haben dürfen, zu ihrem Vergnügen, wie wir sagen wollen – sie möchten nicht nur immer belehrt werden und arbeiten. Sie können sich unter sich vergnügen, indem sie irgendetwas veranstalten und ihre Mitgeschwister damit überraschen. Zudem möchten sie in dieser Ebene, der sie zugehörig sind, auch mit den andern Geschwistern zusammenkommen, also mit jenen, die ebenfalls in den Gesamtbereich dieser Ebene gehören, die ihre Wohnstätte aber nicht an einem erhöhten Platz haben. Und so gehen sie jene besuchen und nehmen Anteil an ihrem Leben.

So lernen sie diese Welt kennen, wie vielgestaltig sie ist und dass es nicht allen Geistgeschwistern gestattet ist, in solchen Werkstätten zu arbeiten wie sie, und dass welche da sind, die nicht von Engeln Gottes noch zusätzlich so belehrt werden wie sie. Ihnen leuchtet dies ein, denn die andern Geistgeschwister erscheinen ihnen in ihrem Aussehen ganz anders, sie scheinen viel älter zu sein als sie. Sie selbst zählt man zu den jungen Geistgeschwistern, die eben noch belehrt werden sollen. Ihnen ist aber auch klar, dass sie durch ihr kurzes menschliches Leben ihre Seele nicht belastet haben, denn sie hatten ja keine solchen Verantwortungen zu tragen und Prüfungen durchzustehen wie solche, die betagt in die Geisteswelt zurückgekommen sind oder vielleicht in der Mitte ihres Lebens abberufen wurden. Jene haben sich eben schon in der Seele belastet, und ihre Gedanken sind so vielfältig und so beschwert, dass dies das Licht ihrer Seele verdunkelt. Die Geistgeschwister aus der Herberge erkennen also, dass diese andern Geschwister, denen sie begegnen, solche sind, die manches noch abzutragen haben und teils in ihrer Läuterung stehen. Aber sie stellen auch fest, dass diese grosse Ebene verschiedene Aufstiegsstufen hat und das beschwerliche Leben ja nur bei jenen anzutreffen ist, die in den untersten Stufen dieser Ebene zu leben haben. In einer Geistesstufe, die in der Nähe ihrer eigenen liegt, da leben Geschwister, die sich im Leben bewährt haben, die also auch ein himmlisches Paradies erleben und angenehme Tätigkeiten ausüben dürfen. Auch bei ihnen verweilen sie und erkundigen sich nach ihrem Leben in der geistigen Welt, wie sie es finden und wie lange sie schon da sind. So finden sie auch Stätten der Unterhaltung und suchen diese von Zeit zu Zeit auf. Es wird musiziert, es wird gesungen, und man erfreut sich des schönen geistigen Lebens.

Da ihr Menschen gewohnt seid, menschlich zu denken, muss ich betonen, dass diese Geistgeschwister ihre Freuden in Harmonie erleben und alles sich im Rahmen des Erlaubten abspielt. Auch vergnügt und erfreut man sich nicht nur da, wo diese Geistgeschwister der Herberge sind, sondern es gibt auch in weit höheren Geistesstufen solche Stätten, wo man sich des göttlichen geistigen Lebens erfreuen kann und verschiedene Möglichkeiten der Freude geboten werden. Dies will ich besonders betonen, weil es gerade bei Menschen oft so ist, dass sie glauben, es wäre nicht erlaubt und gestattet, fröhlich und lustig zu sein; man müsste nur ständig die Hände falten, bei jeder Gelegenheit den Mitmenschen auf seine Fehler aufmerksam machen und die Bibel zitieren. Nein, das ist kein harmonisches Leben und wäre kein glückliches, kein unbeschwertes Leben. Ein wirklich harmonisches Leben in der göttlichen Welt ist unbeschwert, ohne Sorgen. Probleme in dem Sinne, wie sie die Menschen kennen, hat man nicht. Man ist vielleicht da und dort in einer gewissen Unsicherheit, doch dann lässt man sich darüber aufklären – aber Probleme in dem Sinne gibt es in den höheren Aufstiegsstufen nicht. Solche gibt es für Geistgeschwister in den unteren Aufstiegsstufen, aber in den oberen Stufen ist man frei und gelöst. Und so war es mit diesen Geistgeschwistern aus dieser Herberge: Sie besuchten einander, sie gingen miteinander, freuten sich zusammen, und jeder half dem andern bei seinen Aufgaben, um seine Unsicherheit zu lösen.

Geister Gottes beurteilen ja stets, wie weit es mit dem Wissen des einen oder andern ist, wann es möglich ist, ihn in die höhere Klasse einzureihen. Und darum habe ich anfangs betont, dass es nicht so ist wie bei euch Menschen, wo alle Schüler gleich lang in einer Klasse sind und es für eine Klasse womöglich nur einen oder zwei Lehrer gibt. Nein, da gibt es viele Lehrer für jeden Einzelnen, wenn er in diesen hohen Aufstiegsstufen steht. So wird der Einzelne gefördert, und so erging es unserem Bruder David. Er zeigte seinen Eifer, er war willens, etwas zu lernen, er hatte viele Lehrer, und er hatte alle Klassen durchlaufen und alles bestanden, so wie es von ihm gefordert wurde.

Nun aber, da er in seine letzte Klasse eingetreten war und geschult wurde, sollte sich für ihn auch das weitere, höhere Leben auftun. Die Geister Gottes hatten sich ja für jeden Einzelnen die Mühe genommen, so auch für unseren Bruder David, und sie wollten, dass diese Mühe auch ihren Gewinn findet – und zwar nicht nur für unseren Bruder David. Das, was ihm an Belehrungen zugetragen wurde, diese Leistungen, die er sich erworben und die sich tief in seiner Seele einritzten, sollten nicht eingeschlossen bleiben; sondern in einem neuen menschlichen Dasein sollte manches von dem Erlernten zum Ausdruck kommen können. Er hatte den Wunsch gehabt, die Gotteswelt, die Schöpfung in ihrer Fülle ganz zu erleben. Aber dafür gab man das Einverständnis nicht. Er sollte nun für ein neues Erdenleben vorbereitet werden, und er sollte in diesem neuen menschlichen Leben beweisen, dass die grosse Mühe und Aufmerksamkeit, die ihm geschenkt wurde, nicht umsonst war, sondern er fähig sein würde, eine höhere Stufe zu erreichen.

Das alles erklärte man ihm, und da er genügend gelernt hatte auf dem Gebiet der Berechnungen und Zeichnungen [hinsichtlich eines neuen Erdendaseins], so bat er auch dementsprechend die Geister Gottes, ihn nicht einfach so in ein menschliches Dasein zu führen, sondern ihn dorthin zu begleiten; und er führte selbst die Berechnungen aus für sein menschliches Dasein. Er dachte sich auch selbst die Möglichkeiten aus, die entstehen könnten, wenn es sich so oder so gestalten würde. Das alles tat er selbst.

Man versprach ihm, den Beistand zu geben, damit es zu einem Gelingen kommen konnte. Die Geisteswelt hatte vieles dazu gegeben, aber so viel sie ihm gegeben hatte, so viele Prüfungen wurden ihm für sein menschliches Dasein auch auferlegt. Er sollte beweisen, dass er treu im Gottesglauben ist und ein gerechtes Leben führen würde. Er hatte zu beweisen, ob er fähig ist, den Versuchungen, die ihm zugeführt würden, zu widerstehen und das alles zu überwinden.

Auf diese Weise hatte unser David sein menschliches Dasein selbst berechnet, mit allen Möglichkeiten ausgedacht, und mit der Hilfe der göttlichen Welt, mit ihrem Beistand erwartete er ein Gelingen seines neuen irdischen Lebens. Und wenn ich nun einen grossen Schritt in der geistigen Entwicklung dieses David machen darf, so möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass alles, was ich euch erklärt und dargelegt habe, in seine Seele, in sein Lebensbuch eingeschrieben wurde: Alle Aufgaben, die man an ihn stellte, alle Belehrungen, die er empfangen hatte, sein ganzes Erleben in der Gotteswelt und die Erwartungen waren in sein Lebensbuch eingetragen worden. Und Geister Gottes begleiteten ihn in seinem irdischen Dasein, und sie verhüteten alles, was ihm zum Schaden werden konnte. Sie führten ihn durch Schicksale hindurch – aber zu dem Gelingen, wie er es sich selbst vorgezeichnet hatte und zu dem die geistige Welt ihrerseits ihren Beistand versprochen hatte.

So gab es ein Erfüllen dieses neuen menschlichen Daseins. Damit will ich zum Ausdruck bringen: Ist im Plane Gottes bei einem einzelnen Menschen etwas als “unbedingt” festgezeichnet aufgrund irgendeines Schicksals, das er erlebt hat, oder aufgrund einer geistigen Entwicklung, die er durchlaufen hat, sodass es zu einer solchen Entscheidung gekommen ist, trägt sozusagen die Geisterwelt Gottes eine gewisse Verantwortung dafür, dass sich das Festgezeichnete erfüllt. Dies alles aber wird im Lebensplan des betreffenden Menschen festgehalten. Muss etwas unter allen Umständen zu einer Erfüllung kommen, heisst das, dass dieser Mensch oder gewisse Menschen von einem Schicksal in das andere geführt werden. Es werden also immer wieder Wege bereitet, damit die Möglichkeit vorhanden ist, dass das, was man vorgezeichnet hat, sich erfüllen kann. Das wird im Lebensplan festgelegt; es kann aber auch festgelegt werden, dass es kein besonderes Eingreifen der Geisterwelt Gottes geben darf und es ganz auf die Entscheidung des Menschen ankommt, dass sein Wille geprüft wird und ob er die Fähigkeit hat, dieses durchzustehen. So gibt es in dieser Beziehung eben verschiedene Möglichkeiten.

Man soll aber nicht annehmen, da würde auf einem Gebiete vielleicht der eine von der göttlichen Welt bevorzugt. Das ist nicht der Fall. Jeder hat seine Prüfungen zu bestehen, sei es in der göttlichen Welt vor seinem neuen menschlichen Dasein oder sei es in seinem menschlichen Dasein, wo er gewisse Schicksale zu ertragen hat. Es spielt sich alles in der Ordnung Gottes ab, es geht alles nach Gerechtigkeit. So ist immer so vieles abzuwägen, ob Verdienste vorhanden sind und welches Entgegenkommen die göttliche Welt dem einen bieten darf. Hat einer vieles geleistet, darf die göttliche Welt ihm grösseres Entgegenkommen zeigen. Ist man bei einem Geistwesen unsicher in der Vorbereitung für sein menschliches Leben, so wird man auch dementsprechend den Lebensplan zeichnen. So wird alles nach der Gerechtigkeit Gottes stattfinden.

Nun, liebe Geschwister, ich habe euch heute auf diese besondere Art und Weise Einblick gegeben in die himmlische Welt, in ihre Gesetze und in ihre Ordnung. Ihr selbst wisst, was ihr tun müsst, um zu diesen geistigen Höhen zu gelangen. Ihr selbst wisst, dass ihr zum Gefallen Gottes und Christi zu leben habt. Ihr kennt die Gebote Gottes, nach denen ihr euch ausrichten müsst und nach denen ihr leben sollt. So brauche ich euch in dieser Beziehung nicht besonders darauf aufmerksam zu machen. Doch habe ich dann und wann Gelegenheit, es zu tun und die Bedeutung des Erdenlebens zum Ausdruck zu bringen. Denn wir wollen uns doch dereinst gegenüberstehen, und es ist doch zu wünschen, dass jeder das grosse Glück erlebt bei seiner Heimkehr in die Gotteswelt.

So möge Gottes Segen euch begleiten, und möget ihr alle gesunden an Leib und Seele, wer da krank ist. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 8.3.1975 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Berufsausbildung und Freizeitvergnügen verstorbener Jugendlicher

Peter, 2. Juni 1965

Berufsausbildung und Freizeitvergnügen verstorbener Jugendlicher

Der folgende Erlebnisbericht eines aufsteigenden Geistwesens gibt einen Einblick in das jenseitige Leben und Wirken von jungen Verstorbenen. Auch in der geistigen Welt stehen Heranwachsende vor der Herausforderung, sich ihrer Weiterbildung zu widmen und einen Beruf zu erlernen. Denn auch in der Jenseitswelt gibt es eine Fülle von Arbeiten zu verrichten, beispielsweise handwerkliche Tätigkeiten, die zur schöneren Gestaltung der Gotteswelt beitragen. Der im Alter von 17 Jahren heimgekehrte Peter schildert, auf welche Weise er von seinen geistigen Führern bei der Berufswahl beraten wurde und er entsprechend seinem Talent und seiner Neigung in einer himmlischen Lehrstätte zum Glasmaler ausgebildet wurde.

Kontrollgeist: Gott zum Gruss. Ich bin die Kontrolle. Liebe Geschwister, es spricht ein Geistbruder zu euch mit dem Namen Peter. So möge Gottes Segen über euch alle kommen. Gott zum Gruss.

Peter: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, mein Name ist Peter. Ich starb, als ich siebzehn Jahre alt war. Ich war mir über die Zukunftswelt nicht im Klaren während meiner Lebenszeit. Als ich in diese für mich neue Welt eintrat, kam meine Grossmutter auf mich zu. Sie hatte sehr grosse Freude, dass ich heimgekommen bin. Wohl betonte sie, dass meine Eltern jetzt sehr traurig seien, aber die Zeit werde die Wunden heilen und mit der Zeit werde auch die Wehmut etwas nachlassen. So hatte sie ihre grosse Freude zum Ausdruck gebracht, und sie hatte mich gleich zu sich eingeladen. Betonen möchte ich noch, dass nicht nur meine Grossmutter bei dieser Begrüssung war, sondern es waren noch mir fremde Wesen da. Ich schenkte ihnen meine Aufmerksamkeit nicht, denn sie waren mir fremd – froh war ich, dass ich wenigstens doch eine Bekannte hatte, eine liebe Bekannte: meine Grossmutter. Die mir fremden Wesen hatten sich auch wieder entfernt, ohne sich mehr um mich zu kümmern oder nach mir zu fragen; es schien mir, als wäre in allen Dingen meine Grossmutter schon unterrichtet.

Sie lud mich also ein in ihr Haus. Es war ein kleines Haus, das sie bewohnte, und sie war nicht allein, sie musste eigentlich dieses Haus noch mit andern teilen. Aber sie hatte ihre persönlichen Räume, und in diese kamen die andern nicht; sie hatte also ihre eigene Wohnung. Diese Wohnung war ganz ordentlich eingerichtet, und ich musste staunen. Ich nahm die verschiedenen Gegenstände in die Hand, betrachtete alles und sagte zur Grossmutter: “Ich finde es eigentlich sonderbar, dass diese neue Welt so viel Ähnlichkeit hat mit der irdischen Welt. Eigentlich stellt man sich doch die Jenseitswelt ganz anders vor.” Aber dann musste ich sagen: “Natürlich braucht man ja diese Dinge, die hier sind, auch, und man liebt auch Schönheit und Bequemlichkeit. Aber wenn die Menschen das wüssten, würden sie staunen über die neue Welt!” Mir war es eigentlich ziemlich gleichgültig, dass ich die irdische Welt hatte verlassen müssen. Ich war vorher einige Zeit krank gewesen, und so viel Interesse hatte ich eigentlich nicht an diesem menschlichen Leben, und ich freute mich, jetzt in dieser neuen Welt zu sein. Es gab für mich so viele neue Eindrücke, und ich hatte den Eindruck, es könnte noch recht interessant werden in dieser neuen Welt.

Grossmutter hatte mir ihre ganze Aufmerksamkeit geschenkt. Ich konnte es mir recht gemütlich machen in ihrem Zuhause. Ich wollte auch wissen, was sie denn eigentlich tue während der ganzen Zeit; sie könne doch wohl unmöglich immer in diesen Räumen wohnen – oder ob man denn nur spazieren gehe, ob es wohl Vergnügungen gebe. So fragte ich: “Man wird doch wohl auch in die Kirche gehen müssen oder zum Gebet, oder wie sagt man dem?” – ich wusste es ja nicht. Grossmutter klärte mich auf und sagte: “Ja du wirst staunen, wenn ich dir alles erzähle, was in dieser neuen Welt geschieht. Du bist ja jung – jung sind wir alle, wenn wir heimkommen. Denn wir haben den irdischen Leib abgelegt, wenn er müde und krank war; man hat ihn ja der Erde wieder gegeben, und der Geist ist nicht alt, der Geist ist jung, man sieht jung aus.” Wahrhaftig, Grossmutter hatte keine grauen Haare, und sie hatte kein faltiges Gesicht; sie sah wahrhaftig jugendlich aus – das Kompliment hatte ich ihr gleich am Anfang gemacht. Aber ihr Aussehen hatte noch so viel Ähnlichkeit mit demjenigen zur Zeit ihres menschlichen Lebens, so ich mich noch erinnern konnte an die Zeit, als ich Knabe war. So wurde ich also so weit unterrichtet, aber ich selbst hatte den Eindruck, als würde ich noch wesentlich jünger aussehen als sie, obwohl die Grossmutter so gut aussah; ich war, wie ich mich fühlte, recht jung und jugendlich.

Nun, sie sagte mir: “Freilich, für dich ist das Leben hier ganz anders oder wird auch ganz anders werden. Du hast ja als Mensch noch keine Aufgaben erfüllen können, aber ich habe doch meine Aufgaben erfüllt. Nun musst du eben dementsprechend eifrig arbeiten in dieser neuen Welt; du musst nachholen, was du nicht erfüllen konntest im menschlichen Leben. Siehst du, du hast ja keinen Beruf erlernen können, du hast keine besonderen Pflichten gehabt. Deine Eltern haben für dich gesorgt, und die Zeit ist noch nicht so weit vorangerückt gewesen für dich, dass du dich in ein Berufsleben hättest begeben können. Aber hier muss das alles nachgeholt werden.”

Ja, ich hörte der Grossmutter zu, aber ich wollte wissen: “Was tust du denn die ganze Zeit hindurch?” Dann sagte sie: “Schau, Peter, du magst dich doch noch erinnern an Grossvater, an unser Haus, das wir hatten. Wir hatten einen schönen Garten, und wenn es mir die Zeit erlaubte, war ich immer im Garten; da gab es immer viel zu tun. Ich liebte diesen Garten, ich liebte die Blumen, und ich liebte die Tiere; ich hatte also Arbeit mehr als genug. Und nun muss ich mich auch hier im Garten beschäftigen und einen Garten betreuen, aber er ist nicht so klein – ich werde ihn dir später zeigen. Vielleicht ist ‘Garten’ gar nicht mehr das richtige Wort dafür, denn er ist sehr gross und viel schöner und gibt noch viel, viel mehr Arbeit. Aber er ist auch sehr interessant.”

Ich hörte zu, und wir plauderten, und wir hatten es unterhaltsam miteinander; denn Grossmutter ging mit mir ins Freie, und wir betrachteten gemeinsam die Umgebung. Sie erzählte mir von diesen und jenen, wie es ihnen nun in der neuen Welt erging; aber sie vergass auch nicht, nach ihren Angehörigen zu fragen und auch nach Bekannten und Verwandten. Grossmutter war nach eurer menschlichen Zeitrechnung sieben Jahre schon in der geistigen Welt. Dann sagte sie mir: “Weisst du, anfangs hatte ich eine Sehnsucht, immer wieder zurückzukehren, obwohl Grossvater ja hier war. Aber ich hatte Sehnsucht” – nach mir eben und nach allen andern Enkelkindern; sie hatte überhaupt nach dem Hause, nach allem, mit dem sie sich so ein Leben lang beschäftigt hatte, Sehnsucht. Die neue Welt, sagte sie, sei ihr fremd gewesen und sie sei so gerne immer wieder zurückgekehrt; dann aber habe sie eingesehen, dass man ja gar nicht mehr geschätzt werde, wenn man zurückkommt. Sie sehen und hören einen nicht – sie wollen einen nicht hören und nicht sehen. Also hatte sie sich dann entschlossen, dieser irdischen Welt fernzubleiben, denn sie hatte wahrhaftig nichts Neues mehr zu bieten. Viel interessanter war es jetzt in der neuen Welt, in die man eingekehrt war, und so hatte sie sich dann dort beschäftigt. Man hatte ihr von höherer Seite aus ihr Haus zugewiesen und ihre Arbeit – von dem Moment an, wo sie sich entschlossen hatte, den irdischen Bereichen fernzubleiben. Und so sagte sie mir, dass sie nun recht glücklich sei, dass sie jetzt ihre Aufgabe gefunden habe. Aber sie hatte sich eben trotzdem noch interessiert, wie es diesen und jenen erging.

Als wir dann so miteinander plauderten, bekamen wir Besuch, und dieser Besuch meldete sich als Führergeist. Er sagte, er habe nun die Aufgabe, mich gleich mitzunehmen; ich hätte jetzt eine erholsame Zeit bei meiner Grossmutter erlebt. Dazu möchte ich betonen, dass ich auch die Möglichkeit gehabt hatte, mich auszuruhen. Zu meiner Seite war immer die Grossmutter gewesen. Nun, dieser führende Geist, so wie er sich vorstellte, hatte jetzt die Aufgabe, sich meiner anzunehmen. Er war sehr liebenswürdig, hatte sich zu uns an den Tisch gesetzt und etwas von meiner Zukunft erzählt. Er sagte, es sei jetzt so weit, dass auch ich meinen Aufgaben entgegengehen müsse; ich sei jetzt ausgeruht und hätte mich mit der neuen Welt auch etwas vertraut gemacht und so stehe nichts mehr im Wege, dass man mich jetzt einreihen könne. Er sprach von “in die Schule gehen” und auch davon, dass ich einer regelmässigen Tätigkeit nachgehen müsse – und dieses nahm ich einfach hin. Grossmutter hatte mir zugeredet und erklärt, es werde alles gut sein, so wie es angeordnet würde, und ich solle sie besuchen oder sie werde mich besuchen. Also haben wir uns gegenseitig versprochen, einander zu besuchen, je nachdem es uns eben ermöglicht werde. Der führende Geist sagte, wir würden natürlich nicht in der gleichen Umgebung wohnen; ich dürfe etwas weiter oben wohnen, in einer höheren Ebene als die Grossmutter, und wenn es dann zu Besuchen käme, müsse ich zur Grossmutter hingehen, denn ihr sei es nicht möglich, mich zu besuchen.

So hatten wir uns dann verabschiedet. Mit vielen guten Wünschen gegenseitig haben wir uns getrennt, und ich habe mich vertrauensvoll diesem geistigen Führer anvertraut. Er war dann mit mir in diese andere Ebene hinübergetreten. Mir schien, dass die Umgebung, in die ich einkehren musste, etwas schöner sei. Ich hatte auch die Umgebung meiner Grossmutter geschätzt, und ich fand, dass es sehr schön sei, dort zu wohnen; aber es gibt – wie auch im Erdenreiche, so ich mich erinnern konnte – bestimmte Flecken und Orte, die sich in der Schönheit unterscheiden, dass man also in derselben Stadt an einem schöneren Orte wohnen kann. So wurde ich nun in eine andere Stadt hineingeführt. Auf dem Wege erzählte mir mein Begleiter, dass ich in ein Haus kommen werde, wo mich eine geistige Mutter begrüssen werde. Zur gleichen Zeit, wie ich dort jetzt in das Haus einkehren werde, würden auch andere, die ungefähr im gleichen Alter wie ich gestorben seien, dort einkehren. Ich war nach menschlicher Berechnung siebzehn, und der geistige Führer sagte mir, der Jüngste davon sei nach irdischer Berechnung sechzehn und der Älteste achtzehn. Also sechzehn, siebzehn, achtzehn – so in diesem Alter waren wir, die wir nun zusammen sein sollten. So erzählte er es mir; er hatte mich vorbereitet und mir erklärt, dass es dann eine gemeinsame Begrüssung gebe.

So sind wir in dieses von ihm benannte Haus eingetreten. Es schien einem Landhaus ähnlich zu sein und hatte viel Grün um sich, obwohl der geistige Führer gesagt hatte, es sei eine Stadt, man könne in die Stadt gehen – aber diese Stadt sei ja so gross und habe viel Grün und ihre Seen und Bäche; es sei eine sehr schöne Stadt. Nun waren wir dort angekommen, und schon vor dem Eingang wurden wir von dieser geistigen Mutter empfangen. Sie begrüsste mich und wusste schon meinen Namen. Sie sagte mir: “Ja, du hattest im menschlichen Leben den Namen Peter getragen, aber dies ist ja nur vorübergehend – vorübergehend sagen wir dir jetzt auch Peter, aber später werden wir dir einen ganz anderen Namen geben. Glaubst du nicht, dass es viel schönere Namen gibt als nur Peter?” Ich habe zugestimmt. Diese geistige Mutter schien so vertraut zu sein und sprach so zu mir, als hätte sie mich längst gekannt. Sie sagte mir: “Ich werde dich so betreuen wie deine leibliche Mutter, und wir werden hier zusammen eine grosse Familie sein.” Eine “grosse” Familie ist vielleicht übertrieben; ich werde gleich davon erzählen, wie gross diese Familie wurde.

So waren mein Begleiter und ich die Ersten, die da in diesem Hause eingekehrt waren. Man hatte uns einen grossen Raum geöffnet; das sollte also unser Wohnraum sein. Er war sehr schön, und ich musste die Dinge, die da waren, wahrhaftig bestaunen. Es gab einen sehr schönen Tisch. Ich hatte das Gefühl, als wäre er aus einem ganz seltsamen Holz, ich konnte aber die Art des Holzes natürlich nicht erkennen. Auch die Stühle schienen mir sehr bequem und sehr schön. Es hatte einen prachtvollen Leuchter; er hatte grosse, weit ausragende Arme und beleuchtete so den ganzen Raum – und das, was mir eigentlich überhaupt in dieser neuen Welt auffiel, war: Es war ja immer hell, und doch hatte man Leuchter. Wenn sie angezündet wurden, verbreiteten sie ein angenehmes Licht; es war aber kein so eintöniges Licht, wie es die Menschen von ihrem künstlichen Lichte her kennen, sondern das Licht, das von diesen Leuchtern ausstrahlt, ist wie ein Strahl der Sonne; wie Sonnenstrahlen leuchtet es, und die Farben wechseln, wenn diese Lichter leuchten. Es ist wunderschön in diesen verschiedenen Farben, und so liebte ich es gleich von Anfang an, wenn diese Lichter leuchteten. Doch sie wurden nicht immer angezündet, aber da es ja um den Empfang von uns ging, hat dieser grosse, weit ausragende Leuchter seine Strahlen nach allen Seiten gerichtet.

Im Weiteren war es mir, als sei dieser Boden mit feinem Moos belegt. Ich stand so weich auf diesem Teppich und hatte das Gefühl, als wäre man als Mensch im Walde, wo dichtes Moos wäre – es war so lebendig. Ich konnte auch noch nicht richtig feststellen, aus welchem Material oder wie das überhaupt gemacht wurde. Das hatte mich am Anfang auch nicht allzu sehr beschäftigt und interessiert – es war der Gesamteindruck, der mich so beeindruckt hatte. Nun waren auch sehr kostbare Möbelstücke und verschiedene Sitzgelegenheiten in diesem Raum, und ich hatte sie nur zu bewundern. Also, man schien es uns recht gemütlich gemacht zu haben.

Dann sagte diese Mutter: “Ja komm! Wenn du schon als Erster da bist, dann sollst du gleich die andern auch mit empfangen. Sie werden jetzt auch kommen.” Und ich ging mit dieser geistigen Mutter vor das Haus, und da sollten wir alle, die jetzt ankamen, begrüssen. So stand auch noch mein geistiger Führer neben mir und hatte auch seine Freude, wenn jemand wieder auf das Haus zukam. Die Mutter – wenn ich “Mutter” sage, meine ich jetzt jeweils diese geistige Mutter – ging immer auf den neuen Bruder zu, begrüsste ihn recht lebhaft und sagte, dass er jetzt ein neues Zuhause finde und seine neuen Aufgaben von hier aus erfüllen werde. So wurden wir dann einander vorgestellt.

Ich war in meinem menschlichen Leben im katholischen Glauben erzogen worden. Wenn man nämlich in die Jenseitswelt, also näher zu Gott kommt, dann spielt doch – so meint man – der Glaube, den man im menschlichen Leben gehabt hatte, eine wesentliche Rolle. Im katholischen Glauben war ich erzogen worden, aber ich hatte eigentlich in der ersten Zeit in der jenseitigen Welt gar nichts Besonderes angetroffen, das mich an das katholische Leben hätte erinnern können. Ich war mit der Grossmutter doch eine Zeit lang zusammen gewesen; wir hatten gebetet miteinander, so wie man als Mensch betet, und die Grossmutter hatte zu mir gesagt, wir könnten in unserer Behausung – da meinte sie das Haus – ebenso gut beten, wie auf Erden die Menschen in der Kirche beteten. Wir haben also in unserem Hause gebetet, wir haben keinen Tempel oder so etwas aufgesucht. Ich war ja auch verhältnismässig kurze Zeit bei ihr. Dies nur noch zur Ergänzung.

Dann, als der neue Bruder kam, wurde er uns vorgestellt, und man sagte uns auch seinen Namen, den er in der irdischen Welt getragen hatte. Die Mutter sagte ihm dasselbe: “Ja wir werden dir dann einen andern Namen geben. Vorläufig kannst du den Namen noch behalten, den du zu Lebzeiten gehabt hast, schliesslich müsst ihr ja einen Namen tragen. Aber später werden wir dann ein Fest machen und euch den wahren geistigen Namen geben.” Dieser andere, der Zweite, der da gekommen war, wurde uns vorgestellt, und es wurde erklärt, dass er im orthodoxen Glauben erzogen worden sei. Also ich war Katholik, und er war im orthodoxen Glauben erzogen worden. Mich störte das nicht. Ich fühlte mich geborgen, ich wusste: “Jetzt bin ich ja schliesslich im Himmelreich, und da wird es wohl richtig zugehen”, und ich habe mir nicht angemasst, irgendeine Bemerkung zu machen oder ein Urteil zu geben; denn mein Bruder wurde ebenso freundlich empfangen von der Mutter wie ich.

So waren wir also zu zweit, und auch er wurde begleitet von einem geistigen Führer. Wir gingen dann schnell in den Raum hinein, denn dies wurde ihm gestattet, und es interessierte ihn genauso, wie es mich interessiert hatte, wie es denn da drinnen aussieht, wo wir jetzt in Zukunft zusammenleben sollten. Er hatte, wie ich es auch getan hatte, gestaunt, welche Dinge betastet und gesagt, gleich wie ich: “Wenn die da” – und damit meinte man die Eltern – “wüssten, wie schön wir es haben, würden sie nicht mehr um uns weinen.” Das war seine Meinung, und das war auch meine Meinung.

Aber wir wurden herausgerufen, denn es kamen andere, und der Empfang fand nicht im Hause, sondern vor der Treppe des Hauses statt. Jetzt kamen sie, einer nach dem andern, und jeder wurde begleitet von einem geistigen Führer. Nun will ich sie aufzählen. Wir waren vorerst zu zweit – der Dritte, der mit einem geistigen Führer kam und uns vorgestellt wurde, sagte, er sei Jude gewesen, im jüdischen Glauben erzogen. Dann kam ein anderer, er sagte, er sei Muslim und sei in diesem Glauben erzogen worden. Dann kam noch einer, und er sagte, dass er im protestantischen Glauben erzogen worden sei. Das hatte man also gleich gefragt, denn die Himmelswelt ist eine Welt des Glaubens. Also musste man sagen, welchen Glauben man auf Erden gehabt hatte oder in welchen Glauben man hineingeboren worden war. Vorwürfe über unsere Fehler im Leben wurden keinem besonders gemacht. Wohl jeder hatte auch seine Fehler mitgenommen, hatte manches falsch gemacht, aber man sprach gar nicht darüber.

So hatten sich dann diese geistigen Führer von uns verabschiedet, denn wir alle waren jetzt unserer geistigen Mutter anvertraut worden. Wir hätten ein schönes Zuhause, sagten sie, und wir sollten eifrig unsere Aufgaben erfüllen. In allem Weiteren würde uns vorerst unsere Mutter unterrichten. Ich hatte das Gefühl, man hatte uns nicht so ganz für vollwertig genommen, das heisst, sie hatten von uns keine grosse Rechenschaft verlangt; sie waren sehr nachsichtig mit uns, sodass wir eben das Gefühl hatten, sie haben uns eigentlich wie erwachsene Kinder angenommen. Und so war es auch. Unsere geistige Mutter war sehr liebenswürdig, sie war aber auch sehr streng. Jedem wurde gleich der Platz zugewiesen in diesem Raum, und wir hatten einen anderen, weiteren Aufenthaltsraum, den wir auch benützen konnten und der sich in der Schönheit seiner Ausstattung kaum vom anderen unterscheiden liess. Aber der gemeinsame Raum, wo wir miteinander unsere Besprechungen haben würden, war eben dieser, in den wir zuerst eingetreten waren. Jeder hatte sozusagen seinen Platz, seinen Tisch, seine eigenen Gegenstände, und jeder konnte es sich eigentlich recht gemütlich machen.

Dann hatte unsere Mutter mit uns gesprochen und gesagt, was uns oder was mir ja mein Führergeist bereits erklärt hatte: Wir hätten unsere Aufgaben im Leben nicht erfüllt; nun müssten wir in der Jenseitswelt versuchen nachzuholen, und wir müssten in das Berufsleben hineingehen. Da haben wir uns angeschaut. In das Berufsleben? Ich hatte mich im Stillen gefreut auf das schöne Leben hier, obwohl man von Aufgaben sprach. Es war mir ja klar, dass die Welt nicht abgeschlossen war, da, wo ich mit meinen Brüdern zusammen war. Aber wir hatten wohl gemeinsam auf ein recht bequemes Leben gehofft. Nun fing unsere geistige Mutter an, vom Erwerbsleben zu sprechen, wir müssten jetzt ins Erwerbsleben hinaus. Dann sagte sie: “Keiner von euch hat ja einen Beruf erlernt. Es war ja gar nicht möglich, ihr seid viel zu jung. So müsst ihr eben hier einen Beruf erlernen.” Wir haben uns wieder angeschaut: “Einen Beruf erlernen? Wir sind doch im Himmel”, hat wohl jeder gedacht, wie ich. “Braucht es denn Berufe? Muss man denn einen Beruf ausüben?” Die geistige Mutter ist nicht auf unser Zögern eingegangen, sondern hat uns gleich gesagt: “Nun, liebe Kinder, glaubt ihr eigentlich, in dieser neuen Welt seien die Gegenstände, die man hier sieht, einfach von alleine entstanden? Was glaubt ihr? Alles, was hier ist, vom Kleinsten, vom Geringsten bis zum Köstlichsten, alles musste erarbeitet werden, für alles brauchte es arbeitende Hände; es brauchte geschickte Hände und intelligente Wesen. Wer intelligent ist, Geschicklichkeit hat, der wird eben dementsprechend die Arbeit ausführen. So müsst ihr nun einen Beruf erlernen, jeder nach seiner Fähigkeit.” Und dann hatte sie uns einige Berufe aufgezählt; wir könnten darüber nachdenken, sie werde uns Zeit lassen, wir könnten uns miteinander über diese Berufe unterhalten, und dann werde sie wieder kommen und fragen.

“Wir könnten uns miteinander unterhalten” – keiner sprach sozusagen die gleiche Sprache wie der andere, jeder sprach doch eine andere Sprache. Wie konnten wir uns denn unterhalten? Ja, wie es Kinder tun: Man spricht mit den Händen, man macht Bewegungen – so konnten wir uns ja auch verständigen. Die geistige Mutter sagte: “Das Erste, was nun nottut, ist: Ihr müsst Sprachen lernen, ihr müsst lernen, einander zu verstehen. Wir werden alle Sprachen lernen, die hier von den Brüdern gesprochen werden.” Die Mutter sprach alle diese Sprachen, sie konnte sich mit jedem in seiner Sprache unterhalten. So konnten wir uns mit ihr verständigen, und sie hatte dann wiederum dem andern in seiner Sprache die Antwort gegeben, wenn wir etwas fragen wollten; denn sie stand uns zu unserer Betreuung zur Seite. Sie war aber nicht etwa nur eine Lehrerin, sondern sie sollte uns Mutter sein. Sie hatte für uns recht viel liebe und tröstende Worte, und es brauchte auch Aufmunterung und oftmals etwas Strenge – aber alles ging mit grosser Liebe zu, wie bei einer Mutter.

So musste sie den ersten Unterricht für uns beginnen, und wir fingen an, diese verschiedenen Sprachen zu lernen. Das hatte sich natürlich über eine längere Zeit hingezogen, aber wir waren sehr lernbegierig und konnten recht bald so das Notwendigste verstehen, um miteinander sprechen zu können. Dann sagte sie, wir würden ja das Haus dann verlassen müssen und würden in unsere Berufe einbezogen werden. Sie zählte die Berufe auf, von denen sie glaubte, dass wir einen davon auswählen könnten. Sie zählte den Beruf eines Schusters auf. Das sagte sie jeweils in den verschiedenen Sprachen, damit alle sie verstanden. Keiner war einverstanden, diesen Beruf zu erlernen. Alle waren wohl mit einer menschlichen Erinnerung behaftet. Also Schuster, nein – nein, nein, nein, keiner wollte das. Schneider? Noch viel weniger. Die Mutter musste uns aber auf Folgendes aufmerksam machen: Wenn wir doch Wert darauf legen würden, schön gekleidet zu sein, brauche es Schuhe, es brauche Kleider. “Sie sind nicht einfach da, sie müssen erarbeitet werden”, sprach sie. “Und das Handwerk, das man in der Gotteswelt erlernen muss, ist viel vornehmer, viel schöner als das, was die Menschen ausüben. Menschen üben nur Stückwerk aus, aber in der Gotteswelt ist es anders” – und sie holte ein Gewand hervor, das ihr gehörte und das sie, wie sie sagte, nur an Festtagen anziehen würde. Sie breitete es vor uns aus und zeigte uns die Kostbarkeiten und wollte den einen oder andern natürlich für diesen Beruf gewinnen. Sie sagte, wie schön es sei, all diese Dinge so harmonisch zusammenzustellen, und man könne auch in diesem Beruf ein grosser Künstler werden.

Niemand begeisterte sich dafür. Wir wollten noch die andern Berufe hören. Dann sagte sie: “Glasmaler beispielsweise”, und sie deutete auf unsere Fenster. Wir hatten wahrhaftig prachtvolle Fenster. Ein Menschenauge hat noch nie etwas in so einer Pracht gesehen – diese leuchtenden Farben, diese Bilder, so etwas Edles, Vornehmes! Ja dann hatten wir einmal diese Fenster etwas genauer betrachtet. Ich habe vorhin gesagt, für mich sei eigentlich der Gesamteindruck bedeutend gewesen; auf die Einzelheiten bin ich nicht eingegangen. Aber jetzt wurden sie uns auseinandergelegt – vom Schuh bis zum Kleid bis zum Fenster, alles sollten wir betrachten. Also die Glasmalerei hätte mich schon eher interessiert, aber ich wollte ja noch weiter hören und die andern auch. Sie fingen an zu staunen, und der eine erklärte, er habe eigentlich immer gern gezeichnet. Unsere Mutter sagte, dass dies eine grosse Kunst sei; zuerst müsse man natürlich zeichnen lernen, und die Fähigkeit dazu müsse vorhanden sein. Man werde zuerst geprüft auf diesem Gebiet, und dann müsse man natürlich auch lernen, die Farben zusammenzustellen; das sei nicht so einfach, es sei eine wirklich hohe Kunst, und es werde lange dauern, bis man diese Kunst beherrsche. Nun, für dieses hatte man schon grössere Aufmerksamkeit.

Dann hatte die Mutter vom Weben gesprochen. Das sei auch ein sehr schöner Beruf. Die Stoffe, die man trüge, müssten gewoben werden; und sie zeigte uns an ihrem Gewand diese kostbaren Fäden, die Ornamente, die in den Stoff hineingewoben waren. Das sei nicht so einfach, sagte sie, es brauche dazu Künstler und man müsse auch von Ideen erfüllt, inspiriert werden. Um diese Ideen zu erhalten, könne man zu Besuch gehen in andere Städte. Man könne schöne Häuser aufsuchen, um diese Inspirationen zu bekommen. Das gelte eigentlich für alles, ob für die Glasmalerei oder für das Weben – die Inspiration müsse man fördern, man müsse sie holen, und dann werde man aus eigener Kraft heraus, wenn eine Idee da sei, noch viel mehr zur Entfaltung bringen können und so ein eigenes Werk schaffen. Das hatte uns auch etwas mehr Eindruck gemacht. Da meldete sich zum Weben gleich der Muslim. Er sagte, er habe schon als Kind mitgeholfen, Teppiche zu knüpfen, und das könnte ihm noch Freude machen; für ihn werde das also kein Problem sein, sprach er zur Mutter. Und die Mutter schien damit einverstanden.

Wir wollten noch weiter wissen, was für Berufe es denn wohl in dieser himmlischen Welt gebe. Sie sagte: “Natürlich gibt es viele, viele Berufe, aber ich zähle ja jene auf, von denen ich meine, dass sie für euch infrage kommen könnten. Denn ihr könnt einen Beruf erlernen, könnt aber später einen weiteren oder mehrere dazu erlernen; ihr braucht nicht nur einen Beruf auszuüben. Aber einen Beruf müsst ihr haben, das müsst ihr.”

Man hatte dann von Architektur gesprochen; man sagte, die Häuser müssten ja auch gebaut werden, und die Mutter sprach von kostbaren, eindrucksvollen Häusern, die in der Geisteswelt errichtet würden. Also auch das sei notwendig, auch einem solchen Berufe könne man sich zuwenden. Auch für den Beruf des Gärtners oder – und das schien in der geistigen Welt gerade dasselbe zu sein – des Gartenarchitekten könne man sich interessieren, da in der Himmelswelt grosse Bedeutung auf die Gärten gelegt werde. Die Gärten würden nicht immer in ihrer Gestaltung bleiben, sondern sie würden immer wieder verändert werden. Grosse Künstler müssten auch da am Werke sein, denn man müsse grosse Ideen haben. Wenn man das Talent nicht habe, vermöge man nie ein besonderes Werk zu schaffen und dafür auch von hoher Seite ein Lob zu bekommen. Und darum gehe es ja. Was die Kunst anbelange, da müsse man das Äusserste hergeben, damit es von oben geschätzt werde und man belohnt werde, ausgezeichnet für die Arbeit – das seien dann die grossen Freuden, so erzählte sie. Sie sagte auch, dass es eben nicht so einfach sei, man könne nicht einfach sagen: “Ich will jetzt Architekt werden”, ohne dafür die Fähigkeit zu haben.

Im Weiteren würde es Flechter geben; auch flechten müsse man in der göttlichen Welt. Es gebe so viele Gefässe aller Art, man müsse überhaupt so viele Gegenstände erarbeiten. Sie machte uns aufmerksam auf die schönen Tische, auf die schönen Stühle, und wir mussten sagen, es war wirklich sehr schön. “So etwas hat ein Menschenauge nie gesehen”, musste ich sagen, “die haben ja keine Ahnung von dem, was hier erarbeitet wird.” Und so antwortete die geistige Mutter: “Ja siehst du, du kannst auch diesen Beruf erlernen.” Aber er gefiel mir auch nicht. Ich war in Gedanken einfach immer noch so verbunden mit der irdischen Zeit, wo man mit den Eltern über den Beruf sprach, den man erlernen wollte, wo man abgewogen hatte, was wohl infrage kommen könnte.

So zählte unsere geistige Mutter viele Berufe auf. Dann sagte sie uns aber, wir müssten jetzt unbedingt etwas unter dem, was sie aufgezählt hatte, finden können. “Denn”, so sprach sie, “ihr dürft nicht vergessen, dass die irdische Welt in dieser Beziehung nicht zu vergleichen ist mit der Gotteswelt. Denkt doch einmal darüber nach, über die Geschäftigkeit des Menschen. Wir brauchen kein Geld, wir brauchen keinen Buchhalter, wir brauchen keine Kassierer. Ihr müsst euch nicht mit Geld befassen; ihr müsst keine Lehre machen, um dann bei einer Bank zu arbeiten, ihr müsst keinen Handel treiben. Ihr müsst einen wahrhaftigen Beruf erlernen. So müsst ihr euch darüber klar werden, welche Berufe in der Geisteswelt nicht notwendig sind und nicht erlernt werden müssen. Ihr müsst in erster Linie jene Berufe erlernen, die die Geisteswelt braucht; ihr müsst mithelfen, die Gotteswelt in ihrer Entfaltung und ihrer Schönheit zu bewahren; ihr müsst euren Teil leisten, die Gotteswelt noch schöner zu gestalten, als sie ist.” Noch schöner zu gestalten? Wir schauten uns den Raum an und fanden, dass es wohl kaum noch etwas gebe, was dieses Schöne überbieten könnte, wohl mit Ausnahme des höchsten Himmels, wo Gott wohnt. So dachten wir wohl alle, denn wir kamen uns ja wirklich wie im Himmel vor, wir fühlten uns glücklich und selig. Die Mutter sprach dann freilich zu uns: “Ihr könnt ja keine Ahnung haben, wie es in den hohen Welten aussieht. Ihr habt das Glück, dass eure Seele unbelastet blieb; darum durftet ihr jetzt in eine solch schöne Welt einkehren. Aber dafür wird von euch erwartet, dass ihr arbeitet in der Gotteswelt, eure ganze Fähigkeit zum Ausdruck bringt. Ihr könnt euch der Musik, dem Gesang, der Malerei zuwenden; was die hohe Kunst des Menschen zu bieten weiss, könnt ihr auch hier ausüben. Ihr müsst es auch erlernen, wenn ihr glaubt, die Fähigkeit dafür zu haben.”

Nun, von den andern habe ich genug erzählt; sie haben sich auch für einen Beruf entschieden. Ich habe mich auch für einen entschieden, und zwar für die Glasmalerei. Das bedeutete einen weiten Weg für mich. Ich musste anfangen und lernen zu zeichnen, ganz kleine Dinge. Ich musste dann das Haus meiner Mutter verlassen und kam in eine Werkstätte, wo andere da waren, die auch diesen Beruf erlernen wollten. Wir hatten einen Lehrmeister, der uns im Zeichnen unterrichtete. So hatten wir allerlei Kunde zu lernen. Wir mussten lernen, die Farben zusammenzubringen, die Farben zu mischen. Wir gingen viel in die herrlichen Gärten, legten uns die Blumen zusammen und versuchten so, die unendlich vielen Abstufungen der Farben zu erlernen. Es brauchte schon eine lange Zeit, um nur die Farben kennenzulernen. Man sagte uns, Zeit spiele keine Rolle; wichtig sei, dass man das Handwerk gut und gründlich erlerne.

So hatte ich meinen ganzen Eifer da hineingesetzt, denn es ging ja nicht nur um das Zeichnen und darum, die Farben zusammenzubringen – man musste sich mit der geistigen Materie vertraut machen. Man musste also die geistigen Kräfte, diese Odstränge, zusammensetzen, man musste also zuerst die Schwingungslehre erlernen, um das geistige Glas anfertigen zu können. Es gab in allen Einzelheiten vieles, was man erlernen musste. Dann musste man versuchen, zuerst einfache Farben in das geistige Glas zu bringen, bevor es überhaupt zu den Zeichnungen kam. Für die Zeichnungen mussten diese Farben wieder durch eine höhere Schwingung, durch einen höheren Druck, hineingepresst werden. Es musste auf den Glanz geachtet werden. So gab es so vieles zu lernen, aber ich hatte Freude an diesem Beruf. Ich glaube, ich habe nach menschlicher Zeitrechnung – man sagt mir, dass es stimmt – gut zwanzig Jahre gelernt, bis ich es fertigbrachte, ein solches Fenster herzustellen, von dem man sagen kann, es steht in harmonischen Farben und Linien da – zwanzig menschliche Jahre.

Betonen möchte ich aber, dass ich mich nicht unentwegt nur diesem Berufe hingab. Wir hatten unser Zuhause bei unserer Mutter; wir kehrten jeweils zu ihr zurück, wenn unsere Lehrmeister uns entlassen hatten. Wir hatten nach einer geistigen Zeitrechnung gearbeitet und durften jeweils wieder in das Haus unserer Mutter zurückkehren. Dabei möchte ich aber betonen, dass unser Aufenthalt bei ihr zehn Jahre nach irdischer Zeitrechnung gedauert hat. Nachher haben wir in einem Gemeinschaftshaus unter geistiger Führung von männlichen Geistwesen gelebt. Doch diese erste Zeit war die beglückende und tröstliche Zeit, in der wir mit unserer geistigen Mutter zusammen waren. Wir mussten nicht immer arbeiten, sondern wie alle anderen Geistgeschwister hatten auch wir eine freie Zeit, in der man tun oder lassen kann, was man will. Als wir bei unserer Mutter waren, haben wir uns auch für Spiele interessiert. Sie hat uns aufgefordert dazu und uns erklärt, dass wir uns in unserer freien Zeit auch dem Spiele widmen dürften – während andere, denen es beliebte, angefangen hatten zu musizieren. Andere, die andere Berufe ergriffen hatten, fingen an zu malen; sie hatten also das getan, was ihnen in der Freizeit Freude machte.

Wir hatten aber genügend Zeit für ein wunderschönes Spiel. Ich versuche, es so gut wie nur möglich zu erklären. Es ist ein Spiel, das ich ausgeübt hatte mit meinen Brüdern, als wir bei der geistigen Mutter waren; später hatte ich mich dann anderen Dingen gewidmet – das will nicht heissen, dass man das Spiel im Allgemeinen aufgibt, dass man nicht trotzdem dann und wann solche Spiele gemeinsam ausführt, aber regelmässig ausgeführt haben wir diese Spiele in unserer Familie bei unserer Mutter. Wir hatten ja um unser Haus herum viel Raum. Es gab einen herrlichen Garten mit einem sehr schönen Rasen. Da hatten wir unser Ballspiel ausgeführt. Es ist selbstverständlich kein Spiel, das die Menschen kennen; es ist nicht jenes Spiel, das die jungen Menschen mit grosser Begeisterung spielen. Es ist auch ein Ballspiel, aber dieses Spiel spielt man mit grossen Reifen. Diese Reifen sind stufenweise im Moos oder, besser gesagt, im Rasen festgemacht. Man muss versuchen, die Bälle durch bestimmte Reifen zu werfen – da sind dann aber Brüder da, die dieses Werfen zu verhindern suchen. Es ist auch ein Spiel zum Gewinnen und zum Verlieren; es ist aber ein harmonisches Spiel, es ist kein gewaltsames Spiel, wie es die Menschen kennen. Es macht sehr viel Freude, und wenn auch eine Partei das Spiel verliert, ist man nicht traurig darüber. Man freut sich gleich wieder, sich zu revanchieren. Auch kann man selber, aus eigener Kraft heraus, Spiele erfinden; man kann sie so mit den Geschwistern ausüben. Es gibt sehr viele Spiele mit Reifen und Bällen, die sehr harmonisch sind, tänzerisch sein können und sehr spielerisch. So haben wir uns in dieser Art vergnügt, bis wir eben das Haus der Mutter verlassen mussten.

Dann, als ich ja in das Gemeinschaftshaus ging mit den andern, war auch unser Denken etwas gewandelt. In der ersten Zeit in der Geisteswelt hatten wir eben noch wirklich das Gefühl, wir müssten noch bemuttert werden; wir waren noch nicht selbstständig, und wir alle waren so glücklich, eine solch liebe Mutter zu haben. Später dann, als wir durch unseren Eifer und durch unser Schaffen eine gewisse Selbstständigkeit erlangten und auch der eigene Wille mehr zum Ausdruck gekommen war und als eben diese Zeitspanne um war, waren wir auch von unserer guten Mutter getrennt worden. Von da an waren wir für uns selbst verantwortlich. Wir hatten aber ein schönes Zusammenleben, und so ist jeder von seiner Stätte aus seinem Berufe nachgegangen – so bin es auch ich.

Meine Grossmutter, dies möchte ich nicht unterlassen zu erwähnen, hatte ich des Öftern besuchen dürfen, als ich bei meiner geistigen Mutter war, und ich hatte ihr von meiner Tätigkeit erzählt. Wir haben auch jeweils durch unsere geistige Mutter alles Wichtige und Bedeutende, was sich in der Familie auf der Erde abgespielt hatte, erfahren. Man hat es uns erklärt, und auch ich bin jeweils zur Begrüssung gegangen, wenn Bekannte, Freunde oder Angehörige heimgekehrt sind.

So, liebe Geschwister, habe ich versucht, euch etwas von meiner Tätigkeit in meiner neuen Welt zu erzählen. Wir oder ich bin dafür ausgesucht worden, aufgerufen worden von unserem Bruder Josef. Man hat uns gesagt, dass man euch das geistige Leben bekannt machen wolle, dass ihr euch mit dem Jenseitsleben vertraut machen sollt; deshalb hat man mich aufgerufen, euch davon zu erzählen. So lebe ich glücklich in meiner Welt. Ich will aber nicht unterlassen zu sagen, dass ich nicht nur meine Arbeit in dieser Weise ausführe. Wir tragen mit unserer Arbeit zur Verherrlichung Gottes bei – wir tragen bei, was in unseren schwachen Kräften liegt. Wir gehen gemeinsam zum Gebet, zum Gesang, wo wir Gott loben, ehren und preisen, und wir Brüder treffen uns, alle zusammen – der Orthodoxe, der Jude, der Muslim, der Katholik, der Protestant, alle –, wir beten und singen zusammen das gleiche Gebet, den gleichen Gesang. Wir beugen alle unser Knie vor dem König, wir alle, ohne Unterschied. Wir alle glauben gemeinsam, wir alle verherrlichen Gott gemeinsam, loben und preisen ihn. Wir sind uns einig im Glauben, in der Verherrlichung Gottes; wir sind uns einig, dass jeder den andern anspornen muss, um das Höchste herauszubringen, um Gott zu erfreuen. Wir sind bemüht, mit unserer Arbeit das Beste herzugeben, um den Himmel in seiner Pracht erscheinen zu lassen. Wir wollen Gott damit die Ehre geben. Wir wollen allen Geschwistern dadurch beweisen, was uns daran gelegen ist, dem Himmel, allen Himmeln, diesen Glanz zu geben, und dass jeder aus ganzer Kraft herausgibt, was er nur zu geben vermag. Denn jeder, welchen Glauben er einst hatte im menschlichen Leben, ist ein Kind Gottes. Jeder spricht von Gott, von seinem Vater, und wir nennen uns alle Brüder, Brüder oder Schwestern. Es gibt keine Trennung im Glauben, wir stehen alle gemeinsam im selben Glauben. Wir bilden eine Familie; in dieser Familie ist Christus unser König – und Gott unser Vater, der Schöpfer, der höchste Geist des Himmels. Das ist es, was ich euch zu eurem besseren Verständnis nahezubringen habe.

Ich kehre zurück zu meiner Arbeit, und ich überlasse euch dem Segen Gottes. Gott zum Gruss.

Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Peter vom 2.6.1965 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 5/2020
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm