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Themen
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 1/2020 zum Thema Depressionen
Geistige Welt 1/2020
Depressionen
Beschreibung

Das Thema Depressionen und depressive Verstimmungen betrifft viele Menschen, sei es aus eigener Erfahrung oder sei es im Zusammenleben mit betroffenen Angehörigen oder Bekannten. Die Vorträge in diesem Heft betrachten das Leiden, seine Ursachen sowie Wege zur Heilung, aus geistig-jenseitiger Sicht. Geistlehrerin Lene: “Wir sehen ja nicht nur den äusseren Menschen, so wie er ist. Wir sehen sein Innenleben, seine Veranlagungen und auch seine Neigungen. Aufgrund dessen vermögen wir ein besseres Bild vom Menschen zu bekommen, und wir können auch etwas für seine Zukunft voraussagen, wenn es von Nutzen und wenn es heilvoll ist.”
Die Gründe, weshalb ein Mensch zu Schwermut neigt oder wirklich schwermütig wird, sind sehr individuell – womöglich liegen sie in seiner weit zurückliegenden, geistigen Vergangenheit. Sowohl Lene als auch Geistlehrer Josef beleuchten in ihren Vorträgen verschiedene geistige Ursachen des Leidens. Dabei zeigen sie auch Wege auf, wie sich ein seelisch kranker Mensch von belastenden Gedanken ablenken und Heilung finden kann. In einem der Vorträge schildert Josef anhand eines Erlebnisberichts, wie die göttliche Welt einen heimgekehrten Menschen betreut und pflegt, der sich aufgrund von Depressionen das Leben genommen hat. Das Heft enthält auch Fragebeantwortungen von Geistlehrer Josef mit zahlreichen Hinweisen und Ratschlägen zum Thema Depression.

Themenheft 1/2020: Depressionen

Inhalt
Mögliche Ursachen von Schwermut und Wege zur Heilung

Lene, 15. Juni 1966

Mögliche Ursachen von Schwermut und Wege zur Heilung

Geistlehrerin Lene betrachtet in diesem Vortrag das Thema Depression. Sie beleuchtet mögliche geistige Ursachen dieses Leidens und erklärt, auf welche Weise ein zu Schwermut neigender Mensch sich von belastenden Gedanken ablenken und seinem Leben mehr Inhalt geben kann.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr seid hierhergekommen, um meinen Worten zu lauschen. Wir aber möchten euch bitten – ganz besonders möchte ich es tun –, dass ihr eure Probleme und Sorgen draussen lasst. Ihr sollt das materialistische Denken hinter euch lassen und im Geiste in eine andere Welt eintreten. Ich werde ohnehin euch an euer Leben erinnern. Wenn ihr eure Probleme und eure Sorgen draussen lassen könnt, werdet ihr auch etwas von diesem Abend haben; es wird für euch gewinnbringend sein. Wir versuchen doch, eure Seele zu kräftigen. Wir versuchen, euch im Leben auch eine Stütze zu sein.

Selbstverständlich muss man den Glauben an die Geisterwelt Gottes haben und das Bewusstsein: “Ich werde von höheren Kräften oder von geistigen Wesen, die mir wohlgesinnt sind, durchs Leben geführt.” Diese Gedanken muss man pflegen, und zwar nicht nur, wenn man hier versammelt ist. Auch tagsüber oder im täglichen Leben müsst ihr die Verbindung zu uns enger knüpfen. Denn wir versuchen, euch in eurem Leben zu verstehen. Euer Leben ist nicht immer leicht. Das Menschsein ist eben eine grosse Prüfung für einen jeden Menschen.

Man muss also in seinem menschlichen Leben Gewinne erzielen. Wir wollen gerne von Gewinnen reden, aber es kommt nicht immer zu diesen Gewinnen. Und so müssen wir euch verstehen lernen. Wir versuchen, Vergleiche zu ziehen zwischen dem geistigen Leben, unseren Gesetzen und dem irdischen Leben. Wir versuchen, euch die Ursachen des Leidens kundzutun, und so möchte ich doch in dieser Stunde von etwas sprechen, das wohl einen grossen Teil der Freunde betrifft. Wenn der eine oder andere selbst nicht betroffen ist, so kommt er aber immer wieder mit solchen Menschen zusammen, und die Erkenntnis, die er hier erworben hat, wird ihm von grossem Nutzen sein. Auch wird er die Bestätigung finden für die Richtigkeit der geistigen Gesetze.

Es gibt Menschen, die zu Schwermut neigen, und es gibt Menschen, die schwermütig sind. Die andere Seite: Es gibt Menschen, die zu Fröhlichkeit neigen, und es gibt welche, die fröhlich sind. Wenn man also von einer Neigung spricht, so will das heissen, dass noch eine Spanne liegt bis dahin, wo jemand wirklich eine Eigenschaft zum Ausdruck bringt – also die Neigung zur Schwermut ist nicht dasselbe, wie wenn man sagen kann: “Dieser Mensch ist depressiv.” So ist es auch mit anderen Dingen: Beispielsweise neigt der eine zum Geiz, er braucht aber noch nicht einen ausgeprägten Geiz zum Ausdruck zu bringen.

Es mag wohl für viele Freunde interessant sein, von uns zu hören, wie wir diese Depressionen des Menschen betrachten oder wo wir die Ursache sehen. Wir sehen ja nicht nur den äusseren Menschen, so wie er ist. Wir sehen sein Innenleben, seine Veranlagungen und auch seine Neigungen, die er hat. Aufgrund dessen vermögen wir ein besseres Bild vom Menschen zu bekommen, und wir können auch etwas für seine Zukunft voraussagen, wenn es von Nutzen und wenn es heilvoll ist.

Ihr habt euch schon manchmal gefragt: “Warum kann man solchen depressiven Menschen nicht helfen?” Glücklicherweise kennt man heute Seelenärzte. Sie suchen nach dem Grund des Leidens. Aber manchmal suchen sie weit ausholend auf einem falschen Weg. Sie können ja gar nicht anders, und besonders jene können es nicht, die nicht an ein Weiterleben nach dem Tode und an die Reinkarnation glauben. Diese haben es doch ganz besonders schwer, ein solches seelisches Leiden zu ergründen. Wir vermögen dieses Leiden eben im Grunde der Seele zu sehen.

Ich versuche euch nun zu erklären, wie man in der geistigen Welt mit jenen Geschwistern umgeht, die eine depressive Veranlagung haben. Natürlich ist es nicht dasselbe wie bei euch, aber man kann im menschlichen Leben doch seine Schlüsse ziehen aus dem geistigen Wirken, aus dem, was die höheren Wesen bei ihren leidenden Geschwistern anwenden. Ich muss es betonen und sagen: Leider ist es so, dass es in der jenseitigen Welt noch so viele Seelen gibt, die leiden. Sie leiden, weil sie von der seligen Welt so weit entfernt sind. Sie können nicht in die Seligkeit eingehen, weil sie Lasten auf sich tragen, weil sie von unten aufsteigen und noch nicht fähig sind, das volle Glück wirklich zu erleben. Wenn aber solche belastete Seelen aus einem Erdenleben heimkehren, dann müssen sie durch diese schmerzvolle Läuterung gehen. Jetzt kommt es aber auch ganz auf das Gemüt, auf die Einstellung des einzelnen Wesens an. Ihr sollt nicht glauben, dass man in der Geisteswelt keine Traurigkeit kenne, dass man nur frohen Mutes wäre und sich ganz allgemein unter allen Geschwistern einig sei. Es ist eine Welt, die so viele unterschiedliche Persönlichkeiten hat wie eure Welt. Es ist eine Welt, wo so viele Meinungen vertreten werden wie bei euch in eurer Welt. So gibt es Geistwesen, die sind voller Energie, voller Zuversicht, voller Hoffnung, und mit dieser Hoffnung und Zuversicht können sie viel Unangenehmes schneller überwinden. Es gibt aber auch solche, die dies nicht können, weil sie genauso klagen und nach dem Warum fragen, wie es die Menschen tun, die immer ein Wenn und Aber und kein Verständnis haben und immer glauben, dass ihre Meinung, die sie vertreten, die richtige wäre. Es sind also auch in der jenseitigen Welt so viele verschiedene Eigenschaften, die zum Ausdruck kommen.

Wenn nun ein Geistwesen mit einer grossen Last heimgekommen ist, dann hat es dementsprechend eine leidvolle, schmerzliche Läuterung durchzumachen. Diese Läuterung und somit auch der Schmerz sind von langer Dauer. Man hat in der geistigen Welt nicht den Zeitbegriff wie ihr Menschen, die ihr es berechnen und euch vorstellen könnt, wenn man euch sagt: “Bis dann und dann dauert es.” Ihr könnt mitrechnen; aber in der geistigen Welt gibt es diese Zeitrechnung für solche aufsteigenden Geister nicht. Also leben sie im Schmerz, und sie wissen nicht, wie lange der Schmerz, diese Läuterung dauern wird. Sie müssen aber diesen Schmerz tragen – darüber seid ihr schon verschiedentlich unterrichtet worden, und ich nehme an, dass ihr das auch versteht.

Wenn aber ein solcher Schmerz zu tragen ist, wird jedem auch Trost gegeben, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Es sind gehobene Geister, die diesen Trost bringen und dem Betreffenden helfen, sein Leid zu tragen, und ihm den Zustand erleichtern. Und wie trösten sie wohl ihre Geschwister? Sie reden von der Zukunft, von einer besseren und schöneren Welt, die auch für sie, für diese Leidenden, ihre Türen auftun wird. Es geht also darum, diese leidvolle Zeit zu überwinden, um für die Zukunft zu leben, zu hoffen. So vermag dann manche Seele das Leiden besser zu überbrücken. Klammert sich ein Unglücklicher an diese Hoffnung, dann werden immer weitere Geistgeschwister als Stütze zu ihm gehen und ihm helfen, sein Leid zu tragen, und sie werden ihn trösten und ihm erklären, dass es wohl nicht mehr lange dauert. So vergeht diese schmerzliche Zeit schneller für jene, die in der Hoffnung leben.

Es gibt aber Wesen, die können mit dieser Hoffnung nichts anfangen, sie dringt nicht an sie heran. Sie verstehen das Wort “Hoffnung” nicht, denn sie fühlen sich verstossen. Sie spüren nur das Leid, das sie tragen müssen – das ist ihnen die Hauptsache. Sie können sich nicht lösen von diesem grossen Schmerz, sie sind nicht fähig, diese tröstlichen Worte zu verstehen, zu hoffen – sie können es nicht. Und weil sie es nicht können, werden sie traurig, unwillig. Diese Traurigkeit und dieser Unwille dringen tief in ihr Gemüt, erfassen also die Seele und setzen sich in ihr fest und werden sich nicht lösen, nicht abtrennen. Wenn ein Geistwesen in der geistigen Welt nicht zu besserer Erkenntnis gekommen ist, werden ihm diese Erkenntnisse auch fehlen, wenn es ins menschliche Leben tritt. Nun aber wisst ihr davon, dass die hohe Geisteswelt die Möglichkeit hat, den Bruder oder die Schwester für ein Erdenleben zu bestimmen; sie hat die Hoffnung, bei dem Betreffenden einen Gewinn zu erzielen. So werden doch diese Geschwister fürs neue Leben vorbereitet. Ihr könnt euch aber vorstellen, dass ein Geist, der von unten aufsteigt, viele weitere Belastungen mit sich ins Leben nimmt und dass diese Traurigkeit das Innerste seiner Seele erfüllt hat. Und diese Übel und diese Traurigkeit kommen dann, wenn es zu einer Einverleibung gekommen ist und der Mensch herangewachsen ist, wieder zum Vorschein.

Dabei sind aber Unterschiede zu verzeichnen, wie ich anfangs betonte: Beim einen können nur Neigungen zu etwas vorhanden sein. Es sind dann Neigungen vorhanden, wenn ein solches Menschenkind damals in der Geisteswelt bereit war zu hoffen, aber es doch nicht fertigbrachte zu überwinden; es fehlte ihm doch noch die Kraft dazu. Das sind dann Neigungen, die im menschlichen Leben zum Ausdruck kommen. Anderseits können solche depressive Veranlagungen so stark sein, dass man nicht mehr von Neigungen sprechen kann, sondern sie treten so akut in Erscheinung, dass es also ein Leiden ist, das der Mensch mit ins Leben genommen hat. Dies ist aber nicht zu verwechseln mit Belästigungen durch andere Wesen, also wenn Menschen von bösen Geistern besetzt werden – da machen wir einen Unterschied. Im geschilderten Fall krankt die Seele noch weiter im menschlichen Leben, weil sie in der geistigen Welt das Gleichgewicht nicht erreicht hatte. Es gibt in der geistigen Welt schwer belastete Seelen, die ihre Läuterung mit Erhabenheit tragen, die voller Zuversicht und voller Hoffnung sind – und sie finden den Ausgleich, sie gewinnen etwas für ihr kommendes Erdenleben. Wer diese Überwindung zustande gebracht hat, kann sich glücklich schätzen.

Nun aber zum Menschen. Ich sagte euch, in der Geisteswelt werden jene Kranken getröstet, und es wird ihnen der Beistand gegeben, indem man sie aufmerksam macht auf die frohe und selige Zukunft, die kommen wird und alles Leiden vergessen lässt. Dass man in diesen tröstlichen Worten und Belehrungen auch auf Christus hinweist, wird euch wohl verständlich sein. Ich kann es euch mit euren Begriffen nicht so gut erklären, denn ihr habt andere Begriffe; sie sind von schwererer Natur. Ihr könnt manches nicht verstehen; man kann es euch nicht in allen Einzelheiten erklären. Ich möchte euch aber das erklären und erzählen, was sinnvoll ist für euch.

Ihr seid Geistesfreunde, ihr bemüht euch um geistige Verdienste. Was in eurer Kraft liegt, möchtet ihr tun. Wo ihr eine gewisse Stärke habt, sei sie körperlicher oder geistiger Art, möchtet ihr sie zum Ausdruck bringen. Und das ist gut so. Aber das ganze Denken des Menschen in seinem Helferwillen ist sehr oft beschränkt. Selbstverständlich ist es etwas Wunderbares, wenn ein Mensch sich in den Dienst des andern stellen kann. Dazu gibt es ja so verschiedene Wege, die man beschreiten kann. Und sicherlich wird jeder Mensch einen Weg finden, um seine Pflicht im Dienst am Nächsten zu tun, wenn er guten Willens ist. Es gibt viele Wege.

Was ich euch zu sagen habe, ist, wie man jenen seelisch kranken Menschen beistehen kann, worauf man sie aufmerksam machen soll – wenn es überhaupt möglich ist, diese seelische Krankheit zu heilen. Ihr denkt vielleicht: “Gott hat die Möglichkeit, jedes Leiden aufzulösen.” Selbstverständlich ist es so. Aber es ist besonders bei seelischen Leiden von grosser Bedeutung, dass der Mensch selber das Seinige zum Auflösen erfüllen muss – Mitmenschen können einem geistig-seelisch leidenden Menschen eine Stütze sein.

Mancher von euch Freunden wird sich sagen: “Ja ich leide manchmal auch unter depressiven Verstimmungen”, oder: “Ich habe bestimmte Erinnerungen oder Gedanken, die ich einfach nicht losbringe.” Auch wenn man solches hat, kann man aber wohl kaum von einem seelischen Leiden sprechen. Es sind wohl seelische Schwächen da, und man sollte zuerst bei sich selbst diese Schwächen überwinden können. Erst wenn man fähig geworden ist, seine eigenen, persönlichen Schwächen zu überwinden, kann man an den seelisch kranken Mitmenschen herangehen und ihm eine bedeutende Stütze sein.

Nun, wenn Geister Gottes ihren leidenden Geschwistern den Beistand geben, so weisen sie sie auf die Zukunft hin, auf das selige Leben, das zu erreichen ist. Bei einem Menschen, der so in der materiellen Welt lebt und in ihr befangen ist, kann man nicht von der schönen Zukunft reden. Denn er ist ja gar nicht fähig, so weit hinauszublicken, sondern er sieht ja immer nur sein Leiden. Und nun geht es darum, einem solchen seelisch leidenden Menschen einen Beistand zu geben.

Ihr habt selbst schon beobachtet: Wenn ihr eine Enttäuschung erlebt oder eben seelisch etwas durchgemacht habt, was ihr nicht gut überwinden konntet, so habt ihr es manchmal in Vergessenheit bringen können, indem ihr eine Zerstreuung suchtet. Ihr selbst suchtet den Weg zur Ablenkung. Während ihr euch einer solchen Ablenkung hingegeben habt, konntet ihr vergessen, und ihr habt nicht mehr weiter gegrübelt. Dies ist gut für den Menschen, wenn er ein seelisches Leiden hat, wenn er zu Depressionen neigt. Denn wenn er das sinnvolle Leben einfach nicht leben kann, weil er es nicht erfasst und es nicht erleben kann, geht er den falschen Weg und belastet sich. Er findet ja nicht den Mut und die Kraft zum höheren Leben, so, wie die hohe Geisteswelt es empfiehlt. Man kann von einem schwachen, von unten aufsteigenden Menschen doch nicht dieselben Aufgaben verlangen wie von einem geistig erstarkten. So muss der Mensch auch seine Hilfsmittel haben zur Überbrückung seines Leides, sodass seine Seele etwas gesunden kann, dass er nicht mehr grübelt und sich nicht mehr so dem belasteten Denken widmet und den ganzen Tag nur an das Leid denkt.

Der Mensch hat so viele Möglichkeiten, sich abzulenken. Wir haben auch schon darauf hingewiesen. Im üblichen Sinne kann man dem Menschen sagen: Wenn du Freude hast an der Musik, dann suche in der Musik Trost und Vergessenheit. Vielleicht ist es etwas anderes, das einen tröstet und vergessen lässt, vielleicht ist es der Gesang, die Malerei oder der Tanz. Durch eine solche Beschäftigung kann das Leben einen andern Inhalt bekommen. Aber es gibt Menschen, sie haben keinen Sinn für Musik, überhaupt keinen besonderen Sinn für Kunst. Also ist es doch schwer, ihnen zu raten, womit sie sich beschäftigen könnten, dass es doch bestimmt auch für sie etwas Sinnvolles gibt, womit sie ihrem Leben doch etwas Inhalt geben können. Wenn man dem Menschen eine Beschäftigung gibt, die ihn fesselt, an der er Freude findet, dann hat er weniger oder keine Zeit mehr zum Grübeln und findet auch Ablenkung.

So sollte jeder, der solche Neigungen hat, die seine Seele belasten, danach suchen, was ihn fesseln könnte, was seinem Leben noch mehr Inhalt und mehr Freude geben würde. Wir versuchen doch, euch auf solche Beschäftigungen aufmerksam zu machen. So kann beispielsweise ein Mensch Steine sammeln, ganz gewöhnliche Steine, die ihm vielleicht besonders ins Auge leuchten, an deren Form oder Farbe er Gefallen findet. Er kann sich eine Sammlung solcher gewöhnlicher Steine anlegen wie einer, der kostbaren Schmuck oder sonstige kostbare Gegenstände sammelt. Warum muss es denn immer das materiell Kostbare sein, das ja nur in den Augen der Menschen kostbar, aber vergänglich ist? Man kann doch Dinge sammeln und sich Dingen widmen, die dem Leben Inhalt geben, die nun aber absolut keinen materiellen Wert zu haben brauchen. Der Mensch muss sich von diesem Gedanken trennen können, nur jene Dinge als kostbar zu bezeichnen, die von irdischem, materiellem Werte sind – es können Dinge einen geistigen Wert haben. Man kann solche Steine finden am Wege, wenn man zur Arbeit geht. Oder wenn man einmal eine vergnügliche Fahrt macht, wird man ganz bestimmt einem solchen Stein begegnen. “Es ist bloss ein Stein”, sagt sich der Mensch – ein Stein ist wertlos für ihn. Er ist wertlos für jenen Menschen, der gebunden ist an diese irdische Materie, der eingenommen ist vom Glanz, den die Welt zu bieten weiss. Wenn man solche ganz gewöhnlichen Steine sammelt, kann man welche nebeneinander haben, die ganz unterschiedlich voneinander sind. Und dann kann man anfangen zu forschen. Man muss sich die Mühe dazu nehmen. Es gibt bestimmt Bücher, die Aufschluss geben über das Material und die Zusammensetzung eines solchen Steines, wie er zustande gekommen ist und so weiter. Und so wird man viel Wertvolles finden in der Beschäftigung mit diesen für Menschenaugen wertlosen Steinen. Ja man kommt sogar der Ewigkeit etwas näher; man kommt ihr viel, viel näher, als wenn man Dinge sammelt, die für die Welt von Bedeutung sind, die aber vergänglich sind. Solche ganz gewöhnlichen Steine können dem Menschen sehr viel sagen.

Also das ist einmal etwas, was man empfehlen kann: die Beschäftigung mit Steinen. Viel Lehrreiches, viel Sinnvolles ergibt sich daraus, und grosse Unterhaltungen können gepflegt werden mit Freunden, die dieselbe Beschäftigung haben.

Nun sollte eben ein solch seelisch leidender Mensch dazu bewogen werden können, eine solche Beschäftigung zu suchen; er sollte sich also mit etwas anderem beschäftigen als mit seinem Grübeln. Aber vielleicht sagen ihm die Steine nicht zu. Es gibt ja auch anderes, womit man sich beschäftigen kann. Es ist ja auch wieder so: Der eine fühlt sich von dem angezogen, während ein anderer damit nichts anfangen kann. Und wenn man damit nichts anfangen kann, hat man eben auch keine innere Beziehung dazu und wird im Geiste auch nie eine Beziehung zu einem solchen Material, zu einer solchen Materie haben.

Wenn einer zum Beispiel den Wunsch hat, zu bauen, ein eigenes Haus zu haben, doch die Mittel dazu werden ihm nie reichen, sodass ihm dieser Wunsch nie in Erfüllung gehen wird, so kann er trotzdem etwas tun: Er kann sich einen Plan zeichnen, wie er sein Haus haben möchte – wenn er die Fähigkeit dazu hat. Es muss ja jeder selbst nach seinen Fähigkeiten suchen. Er kann sich beispielsweise aus kleinen Hölzern ein Haus bauen. Es braucht dazu Geschicklichkeit – selbstverständlich ist es nicht so gemeint, dass es nur eine kindliche Beschäftigung sein soll. Man kann Holz schnitzen, man kann es bearbeiten ... Man kann auch auf diese Weise dem Leben einen Inhalt geben, wenn sich der Wunsch nach einem eigenen Haus nicht erfüllen lässt. Es gibt aber allerlei Material, mit dem einer ein solches Haus oder sogar ein Schloss bauen kann. Und er sollte dies nicht einfach aufs Geratewohl tun, sondern er soll sich näher damit befassen. Er soll ein Buch, ein Lexikon zur Hand nehmen, zum Beispiel etwas von alter Baukunst erforschen und so versuchen, dem Thema näherzukommen, sich damit zu befassen und etwas zu erstellen. Auch hier braucht die Materie, die er verwendet, vom irdischen, menschlichen Auge aus gesehen nicht von hohem Wert zu sein. Nein, aber mit einer solchen Tätigkeit, mit dem, was man an Material für den Aufbau verwendet, sei es Holz, sei es Sand oder seien es Steine, kann man der Ewigkeit auch näherkommen. Ergründen, erfassen muss man das, was man in den Händen hat: wie es entstanden ist, wie es aufgebaut ist. Es scheint für euch eine tote Materie zu sein, und doch kann es Leben in sich haben – oder es ist von Leben durchpulst worden. Man kann so dem eigenen Leben seinen Sinn geben.

Eine weitere schöne, sinnvolle Tätigkeit wäre auch, wenn man von Bäumen und Sträuchern Blätter sammeln würde, besonders in der jetzigen Zeit, und wenn man diese Blätter betrachtet, ihre feinen Äderchen, ihre wunderbaren harmonischen Formen, und wenn man versucht, sie zu zeichnen mit dem Leben, das das Blatt hat; wenn man versucht, ihm dieses Leben zu geben, das einst dieses Blatt durchdrungen hat. Nicht nur eine flüchtige Zeichnung soll es sein. Alles, was dieses Blatt lebendig macht, sollte der Mensch wiedergeben können, erleben können und auf diese Weise ebenfalls der Ewigkeit näherkommen. Und wenn man euch sagt, ihr sollt Blätter sammeln – ja, da könnt ihr doch erforschen: “Wie wird dieser Strauch genannt? Zu welchem Baum gehört dieses Blatt, wie heisst er?” Forschen kann man; es gibt für jedes Blatt viel zu tun oder eine grosse Tätigkeit, die entfaltet werden kann, vom Kleinsten bis zum Grossen. Diese Beschäftigung sollte doch einen Menschen fesseln. Aber vielleicht ist dies doch etwas zu viel verlangt, denn es hat keinen Glanz – und das Menschenauge ist auf Glanz ausgerichtet. Aber wollen wir hoffen, dass der eine oder andere doch von meinen Worten, die ich euch gebe, angesprochen wird.

Das Unkraut beispielsweise, dafür hat man ja nur Verachtung. Aber ebenso könnte sich doch ein Freund finden, der sich nun mit Unkräutern befasst, ihre Namen kennenlernt und sich damit beschäftigt. Denn auch dieses Unkraut gehört in eine bestimmte geistige Familie hinein. Und wenn man so seine ganze Aufmerksamkeit all diesen scheinbar wertlosen Dingen widmet, kann es doch auch recht interessant werden. Auch dazu braucht man bestimmt einige Bücher oder Lexika, um sich besser zu orientieren. Man kann danach forschen, wo, in welchen Ländern, dieser Strauch oder dieses Unkraut oder dieses Gehölz und so weiter ganz besonders gedeiht. Ganze Abhandlungen könnte man darüber schreiben.

So könnte sich der Mensch mit vielem befassen, wenn er wollte. Es gibt ja noch viele, viele weitere Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann. Und während man gefesselt und angesprochen wird von dieser Tätigkeit, ruht die Wunde in der Seele, und sie kann vernarben, sie kann heilen.

Ja, liebe Geschwister, ihr werdet denken: “Ja das ist gut gesagt, ich möchte schon, aber mir fehlt die Zeit dafür.” Dazu können wir nur sagen: Ihr seid arme Menschen, wirklich arme Menschen, wenn euch dafür die Zeit fehlt. Wenn ihr krank seid in der Seele, dann müsst ihr so viel Zeit aufbringen, um der Seele die Gesundung wieder zu geben. Wenn ihr aber gesund seid – doch ich mache hier ein Fragezeichen, denn ist man wirklich ganz gesund? Sind keine Mängel in der Seele, die auch auf Heilung warten? Jeder soll sich selbst fragen. Ich kenne und sehe die Gedanken von Freunden, die sagen möchten: “Ich brauche mich nicht mit solchen Dingen zu befassen, ich befasse mich mit Höherem.” Gut. Jeder befasst sich mit den Dingen, die zu ihm gehören oder von denen er glaubt, dass sie zu ihm gehören. Man neigt oft auch dazu, von sich zu grosse Erwartungen zu haben.

Nun, die Hauptsache ist, liebe Geschwister, dass das Leben seinen Sinn hat, dass man aus dem Leben Gewinne zieht und die Seele, wenn sie krank ist, gesunden kann; dafür muss man leben, dafür muss man Mensch sein.

Nun gibt es ja – wie ich schon gesagt habe – noch viele andere Dinge, mit denen ihr euch auch beschäftigen könnt. Und das überlassen wir euch. Was aber in dieser Stunde gesagt sein möchte, ist das: Wenn ihr Freunden begegnet, die in der Tiefe ihrer Seele krank sind, dann widmet euch diesen Menschen und versucht, mit ihnen eine Beschäftigung herauszufinden, die sie fesseln könnte, an der sie Freude finden. Denn ihr sollt doch wissen, dass ihr im Geiste weit mehr Interessen habt als nur für das, was euch im täglichen Leben begegnet, und weit mehr Interessen als nur für Musik, Malerei, Dichtung und so weiter. Es gibt noch viele Dinge.

So ist dieses eine Medizin für viele Menschen oder kann es werden. Manche weitere Arbeit kann auch zur Medizin werden, wenn man danach sucht und das tut, was einem Freude bereitet, sodass man frohen Sinnes wird. Froh muss der Mensch sein. Wenn er froh sein kann, dann wird er auch nicht das Böse tun, oder er wird es weniger tun. Und der Mensch soll versuchen, nicht immer seine Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Er soll nicht immer nur von sich reden, sondern er muss doch versuchen, sich in den Dienst des Nächsten zu stellen. Und wenn man im Dienst des Nächsten steht, dann muss man Christus nachleben, tragen helfen, überwinden, ihn als Beispiel sich vor Augen halten; denn er ist das Vorbild, das wunderbare Vorbild.

Ich weiss wohl, liebe Geschwister, dass ich nicht allen meinen Geschwistern dienen konnte mit dem, was ich gesagt habe. Aber einiges davon kann für jeden gut sein und soll angewandt werden, damit die Seele jedes Menschen frei wird. Denn in jedem Menschen sind kleine Schäden in der Seele. Sonst wäre er nicht da und müsste nicht so viel mitmachen.

So, liebe Geschwister, denkt darüber nach, und versucht zu erforschen, was euch Freude macht, und stellt euch in den Dienst des Nächsten. Dann habt ihr zur Gesundung eurer eigenen Seele viel getan. Aber sich in den Dienst des Nächsten stellen heisst Arzt sein, Seelenarzt, und da muss man tun, wie es der Arzt im wirklichen Sinne tut. Er kann auch nicht klagen über das Weh und das Ach, das vor seine Augen geführt wird. Er muss helfen. Und so ist es beim Menschen. Wenn es einem wirklich daran gelegen ist, die hohen Ziele des Lebens zu erlangen, dann klagt man nicht – man sieht nicht sich, man sieht nur den andern, wie man ihm beistehen, wie man ihm helfen kann.

So, liebe Geschwister, ich kehre zurück in meine selige, herrliche, harmonische Welt der Freude und des Glücks. So möge der Segen Gottes euch die Kraft geben, diese Freude in euch selbst zu finden. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 15.6.1966 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Freitod nach dem Verlust von Lebensmut und Lebensfreude

Josef, 10. Februar 1968

Freitod nach dem Verlust von Lebensmut und Lebensfreude

Wie beurteilt und betreut die göttliche Welt einen heimgekehrten Menschen, der krank in der Seele ist und sich aufgrund seiner Depressionen das Leben nahm?

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wenn Kriege auf dieser Erde herrschen, dann findet die niedere Geisterwelt willige Werkzeuge unter den sich gegenseitig bekämpfenden und hassenden Menschen. Alle sind darauf aus, einander zu schaden, und die niederen Geister inspirieren sie zu allen Schlechtigkeiten. Herrschsucht und Hass, üble Vergeltung, all das bringen diese Menschen, die Werkzeuge der niederen Geisterwelt geworden sind, zum Ausdruck.

Menschen, die im Krieg Grausamkeiten verüben, werden dereinst hart dafür bestraft. Wer so Werkzeug der niederen Geisterwelt geworden ist, der bleibt in seiner Entwicklung stehen. Wenn solche in die Geisteswelt zurückkehren, haben die Geister Gottes viel mühsame Arbeit mit ihnen. Denn durch solche Verschulden verhindert jeder selbst seinen Aufstieg. Das ist so schade. Aber es ist so: Die niedere Geisterwelt hat die Möglichkeit, so auf den Menschen einzuwirken und ihn in seiner Entwicklung nach oben aufzuhalten. Sie wird es überall da versuchen, wo sich ihr die beste Gelegenheit bietet.

Nun, liebe Geschwister, möchte ich euch von zwei verstorbenen Menschen berichten, die in der Geisteswelt die gleiche Entwicklungsstufe einnahmen, die auch zusammenwohnten und die gleiche Arbeit verrichteten. Zur gegebenen Zeit sollten sie auch gleichzeitig wieder ein neues Erdenleben annehmen. Beide hatten ein und denselben hohen Schutzgeist, einen Geist aus den höheren Rängen des Himmels. Dieser hohe Geist hatte aber auch wieder seine Helfer, die herbeigezogen wurden, um ihre Aufgabe an diesen beiden auszuüben.

Als die Zeit dafür gekommen war, wurden die beiden wieder einverleibt, und zwar ungefähr zur selben Zeit, das heisst im selben Jahr. Dass die beiden örtlich voneinander getrennt zur Welt kamen, hat mit dem, was ich im Folgenden erzähle, nichts zu tun. Erklären möchte ich nur, wie es dazu kam, dass der eine als Mensch seinem geistigen Aufstieg entgegenging, während es beim andern zu einem Stillstand kam, obwohl beide aus der gleichen geistigen Schule und aus der gleichen geistigen Ebene kamen und obwohl sie auch den gleichen hohen Schutzgeist hatten.

So möchte ich nun meine Schilderung in der Mitte des Lebens dieser beiden beginnen, aber doch noch erwähnen, dass beide zu guten Eltern geboren und religiös erzogen wurden. Jeder hatte dann auch einen eigenen Hausstand gegründet. Der eine von ihnen hatte damit aber kein besonderes Glück. Es war ihm kein friedliches Beieinander beschieden, und auch die engere Umgebung bestand aus Menschen, die viel Unfrieden und Streit hervorbrachten. Dies alles machte ihn sehr unglücklich. Er strauchelte an seiner Schwäche und vermochte sich in seiner Aufgabe nicht zu bewähren. Er kam nicht darüber hinweg, dass man in seiner Umgebung so streitsüchtig und egoistisch war. Und so verlor er die Freude am Leben und bekam von Zeit zu Zeit depressive Zustände, die sich mehr und mehr verschlimmerten. Er fand keinen Sinn mehr in seinem Leben und fühlte sich unglücklich, obwohl ein solch hoher Schutzgeist über ihn wachte.

Dieser hohe Schutzgeist hatte dies wohl erkannt und durch seine Helfer versucht, seinem Schützling Kraft und Trost zu geben, um ihm über all das Schwere hinwegzuhelfen. Aber es gelang ihnen nicht, denn dieser Mensch hatte seine Hände nicht nach der göttlichen Hilfe ausgebreitet. So war er ganz verloren und unglücklich in seiner Umgebung. Es fehlte ihm an innerer Kraft und am Glauben, und so konnte er das Übel nicht überwinden. Dadurch wurde er in der Seele krank, und eines Tages beendete er selbst sein Leben.

Nun möchte ich noch vom andern sprechen. Er hatte mit seiner Ehe ein grosses Glück. Seine Umgebung war friedlich, und er verstand sich mit allen gut, mit denen er zusammenlebte. Diese Nächsten übten sogar einen guten Einfluss auf ihn aus. Sie stärkten ihn im Glauben und förderten die edlen Neigungen seiner Seele; denn sie waren noch in ihm verschlossen und wurden dann durch die Aufmerksamkeit und den Frieden der andern entfaltet. Und da die andern selbst nach den hohen Zielen des Lebens trachteten und gerecht lebten, wurden die in ihm schlummernden edlen Neigungen geweckt. So lebte man zusammen in Frieden und Harmonie. Man verstand sich gut, und eines förderte das andere im Guten. So konnte jedes einen grossen Schritt in seinem geistigen Aufstieg tun. Die Ursache dafür war aber dieses gegenseitige harmonische Verhältnis. Man unterstützte und führte einander, miteinander schritt man aufwärts.

Und nun, liebe Geschwister, möchten wir doch gemeinsam betrachten, was mit diesen beiden geschah, nachdem sie in die Jenseitswelt hinübertraten. Der Glückliche, der in Frieden leben durfte, wurde auch in Frieden in die Seligkeit aufgenommen. Dazu muss ich aber noch eine allgemeine Erklärung geben. Wenn Menschen das Verlangen haben, gut zu sein, wenn sie nach den hohen Lebenszielen trachten und die Gebote Gottes erfüllen wollen, dann werden sie entsprechend ihrem guten Willen und Wunsche auch gute Geister herbeiziehen. Diese guten Geister finden ihrerseits wieder Werkzeuge in ihnen für das göttliche Wirken. Sie unterstützen also diese Menschen in ihrer Friedfertigkeit und in ihrem Gutsein. Denn es kommt immer zuerst auf den Menschen an. Will er Gutes tun, findet er in diesem guten Willen die Unterstützung der guten Geisterwelt. Und diese guten Geister wohnen auch zum Teil bei ihm.

Wohnen bei den Menschen tun jene guten Hilfsgeister, also die den hohen Geistern Gottes untergeordneten Hilfsgeister – nicht etwa ein solch hoher Schutzgeist selbst, wie derjenige, dem diese beiden zugeteilt waren. Er weilte weit von ihnen entfernt und wurde über ihr Wirken benachrichtigt durch die Hilfsgeister, die ihn auch wieder um seinen Rat baten. Der hohe Schutzgeist rät in solchen Fällen dazu und sagt: “Versucht bei ihnen Wohnung zu nehmen und euch ganz diesen Menschen zu widmen.”

Dieses tut die gute Geisterwelt. Und diesen Vorteil hat man, wenn man in Harmonie und Frieden lebt. Da wohnen auch Geister Gottes bei einem. Wo aber – wie im andern Falle – Unfriede im Hause herrscht, da wohnen die unseligen Geister. Da werden solche angezogen, und sie sind es, die ihr Lager dort aufschlagen, damit sie immer zur Stelle sind, wenn sich ihnen Gelegenheit bietet, Unfrieden oder sonst etwas Übles hervorzurufen.

Wo also Menschen ein niederes Verlangen nach Bosheit und Ungerechtigkeit, nach Unfrieden in sich tragen, da werden sie von den niederen Mächten in diesem Vorhaben bestärkt. Und ist da ein Mensch so depressiv veranlagt und findet den Sinn des Lebens nicht, da sind auch rasch solche niederen Geister zur Stelle. Sie werden ihm sehr anhänglich und unterstützen ihn zu jeder Stunde in seinen verwerflichen Gedanken und Absichten.

So ist es immer der Mensch, der zuerst dieser oder jener Seite die Hand bietet und seinen Willen bekundet. Er wird ja auch durch die Prüfungen zur Stellungnahme gezwungen, und daraus geht hervor, wie er sich zu Gott und seiner Geisterwelt, zu seinen Gesetzen verhält. Durch seine innere Stellungnahme und durch sein Bekenntnis bekommt er dann auch die entsprechende Hilfe: entweder von den niederen Wesen, wenn er niederen Denkens und Wollens ist, oder er erhält die Unterstützung von der hohen Geisterwelt, die eben hohen Denkens und Wollens ist. Dieses zur allgemeinen Erklärung.

Ich möchte nun aber davon sprechen, wie es den beiden ergangen ist, als sie in die Geisteswelt zurückgekommen sind. Derjenige mit seinen Verdiensten und dem Frieden in der Seele wurde gleich von guten Geistern aufgenommen und durfte in die Reihen der Seligen eintreten und mit ihnen zusammen seine Aufgaben aufnehmen. Wohl musste er auch noch unterrichtet werden, und auch er hatte einiges wiedergutzumachen, weil auch er im täglichen Leben ab und zu gestrauchelt war. Doch dies alles zählte nicht im Besonderen. Bedeutsam für die Geisterwelt Gottes und für diesen Aufgestiegenen war, was er im Geiste geleistet hatte, dass er nach Gottes Gefallen gelebt, dass er Frieden verbreitet und nach Gerechtigkeit getrachtet hatte. So ist es für die Gotteswelt ein Leichtes, einen solchen zu sich aufzunehmen und ihm seine Arbeit zuzuweisen.

Da sieht es bei andern, bei jenen, die belastet zurückkommen, doch ganz anders aus. Von diesem aber möchte ich nun reden, der sich selbst entleibt hatte. Als er in die geistige Welt kam, da stand der Engel Gottes betrübt vor ihm, und er fragte ihn vorwurfsvoll: “Warum hast du nicht die Kraft aufgebracht, um zu überwinden? Du wurdest doch vor der Geburt von uns sorgfältig auf das Erdenleben vorbereitet, und du hast so viel der Lehren in dich aufgenommen, doch scheint es nun, dass du von all jener Belehrung nicht genug in die Tiefe deiner Seele aufgenommen hast.” Und dieser Unglückselige suchte sich zu rechtfertigen, indem er sprach: “Nicht ich bin schuld, dass ich dieses getan habe. Im Grunde genommen war ich friedlich gesinnt, aber die Nächsten um mich brachten mich derart zur Verzweiflung. Ich wusste nicht mehr ein und aus. Ich war deshalb so unglücklich, weil ich mit solch streitsüchtigen Menschen leben musste. So fand ich keinen Sinn mehr an meinem Leben.”

Doch nun war er zutiefst bedrückt und traurig, dass er dieses getan hatte. Denn die Vorwürfe, die er nun zu hören bekam, bedrückten ihn. Und noch etwas: Diese Depressionen, die er im Innersten seiner Seele als Mensch gehabt hatte, waren nach seinem irdischen Tode nicht von ihm gewichen. Diese Depressionen machten ihm gleichermassen auch jetzt noch zu schaffen. Der Engel Gottes sah es wohl, dass er einen seelisch kranken Bruder vor sich hatte. Aber die Vorwürfe konnte er ihm nicht ersparen. Doch liess dieser hohe Geist Gottes Nachsicht mit ihm walten. Denn dieser heimgekehrte Bruder war nun wirklich in der Seele krank. Er fand sich nicht zurecht. Er war traurig und bereute die begangene Tat. Er war ganz verzweifelt. Doch der Geist Gottes versprach, dass ihm ein Beistand gegeben werde. Und so waren dann Missionsgeister an seine Seite getreten. Sie mussten sich nun dieser kranken Seele annehmen, denn sein Gemüt war wahrlich krank.

Nun, was ich damit besonders betonen möchte: Wenn beispielsweise ein Mensch erkrankt, sodass er der ärztlichen Hilfe bedarf, wird er vielleicht auch einen operativen Eingriff in Kauf nehmen müssen, wenn es die Not erfordert und er auf Genesung hoffen will. So muss ihm der Arzt diese vorübergehenden Schmerzen bereiten. Aber auch wenn nach der Operation der Patient Fortschritte macht, bedarf er doch noch einer längeren Zeit der Erholung und der Beobachtung. Und so ist es auch im Geistigen bei diesen kranken Seelen: Der Geist Gottes musste dem Heimgekehrten einen schweren, schmerzhaften Vorwurf machen. Diesen konnte er ihm nicht ersparen. Nun aber fängt in einem solchen Falle auch die Umsorgung an. Wenn man in der Gotteswelt sieht, dass ein Heimgekehrter in der Seele wirklich krank ist und nicht ein und aus weiss, dann muss er gepflegt werden. Wenn Menschen nun annehmen, dass ein solches Kranksein der Seele unmöglich sei, so ist das eine falsche Auffassung. Denn so gut wie man die Fröhlichkeit oder die Hilfsbereitschaft, die man im menschlichen Leben zum Ausdruck brachte, auch in der geistigen Welt wieder von sich gibt, so treten auch alle andern Eigenschaften wieder hervor, wie in diesem Falle eben diese Depression, dieses Sich-unglücklich-Fühlen.

Ein solcher kranker Bruder muss beobachtet und betreut werden. Und es ist nicht so, dass man ihn in eine harte Bedrängnis schicken würde, wodurch seine Verzweiflung noch grösser würde. In der geistigen Welt macht man grosse Unterschiede zwischen jenen, die im Unwillen lebten und boshaft wirkten, deren Denken boshaft ist, und solchen Kranken. Wo Boshaftigkeit zugrunde liegt, wird die Gotteswelt hart eingreifen. Wo aber in der Tiefe einer Seele nur solche Schwächen sind, während der Betreffende guten Willens ist, ihm aber die eigene Kraft zur Entscheidung und zum Vorwärtsschreiten fehlt, da bedarf es des hilfreichen Einschreitens der guten Geisterwelt.

Und so war es mit diesem Heimgekehrten bestellt. Er musste in eine Heilstätte geführt werden, wo noch andere mit ihm betreut wurden, die auch wie er in der Seele krank waren. Es sind solche, die vielleicht eine schmerzhafte Erinnerung aus ihrem menschlichen Leben hinübergenommen haben, von der sie sich nicht lösen können. So muss die gute Geisterwelt auch jene umsorgen. So war es bei diesem Bruder der Fall. Missionsgeister sind gekommen und haben ihn in Empfang genommen. Sie erklärten ihm, dass es nun gut für ihn wäre, wenn er versuche zu schlafen. Sie verabreichten ihm einen beruhigenden Trank, worauf er zeitweise schlafen konnte. Und wenn er zwischendurch wieder erwachte, war die Depression immer wieder etwas mehr von ihm gewichen, doch nicht endgültig beseitigt. Aber durch den Schlaf und dieses Stärkungs- und Beruhigungsmittel, das ihm verabreicht worden war, war doch ein Anfang zu seiner Heilung gemacht. Aber eine solche Behandlung geht oft lange, lange Zeit. Mit grosser Hingabe und Liebe werden solche Kranken betreut, sogar einer, der sich selbst entleibte.

Nun, so geschah es mit diesem Bruder. Er sah nun seinen grossen Fehler ein, klagte aber auch seine Mitmenschen an. Freilich hatte er seine Prüfung im Leben nicht bestanden, und er hatte in seiner Entwicklung auch keinen Schritt vorwärts getan. So musste sich die Geisterwelt Gottes seiner noch in der Weise annehmen. Aber es kam die Zeit, wo er doch langsam Fortschritte machte. Als dies die hilfreichen Geister Gottes sahen, fingen sie an, sich in besonderer Weise mit ihm zu beschäftigen. Sie fingen damit an, an seinem Lager Gedichte vorzutragen, und zwar waren diese Gedichte eine Verherrlichung der Schöpfung Gottes, eine Verherrlichung Gottes und Christi sowie der ganzen Geisterwelt. Diese Gedichte waren nicht direkt Gebete, sie wurden aber in einer wunderbaren Art und Weise vorgetragen, sodass der Kranke seine Freude daran fand. Er wurde davon derart begeistert, dass die Depressionen immer mehr von ihm wichen. Mit der Zeit durfte ihm dann schon eine leichtere Arbeit aufgetragen werden. So gingen diese guten Hilfsgeister so weit, dass sie mit ihm seine Arbeit teilten. Schliesslich durften sie ihn auch in Schulen begleiten, wo er über den Heils- und Schöpfungsplan unterrichtet wurde.

So brachten es seine Geistgeschwister fertig, dass er in seinem Gemüte wieder gesund werden durfte. Und als es dann so weit war, durfte er jene Heilstätte verlassen, doch musste er wieder in jene Ebene zurückkehren, von wo er in das Erdenleben ausgegangen war. Er hatte also keinen Schritt vorwärts gemacht in seiner Entwicklung. Er musste also wieder an seinen Ausgangspunkt zurückkehren, und da hatte er wieder dieselbe Tätigkeit aufzunehmen, die er vor seinem letzten Erdenleben im geistigen Reiche verrichtet hatte. Die Geister Gottes standen ihm aber stets hilfreich zur Seite. Sie gaben ihm zusätzliche Belehrung, auch wenn er im Leben seine Prüfung nicht bestanden hatte. Und jetzt wurde ihm erklärt: “Siehe, dein Freund, der einst mit dir zusammen in diesem Hause hier gewohnt und mit dir gearbeitet hatte, war im selben Jahre wie du auf Erden einverleibt worden. Doch er hatte das Glück, in Frieden und Harmonie zu leben. Nun ist er einen grossen Schritt weitergekommen. Er bedurfte nicht des Beistandes der Geister Gottes, als er heimgekehrt war. Ihm konnte gleich eine bedeutsame Aufgabe übertragen werden. Er konnte auch gleich in Schulen geführt werden zur weiteren Belehrung. Er brauchte keinen besonderen Beistand.”

Dass er dagegen die Hilfe der Geister Gottes derart beansprucht hatte, wurde ihm nicht zum Vorwurf gemacht. Doch es wurde ihm dargelegt, wie bedeutungsvoll es sei, von einem geistig erfolgreichen Erdenleben heimzukehren. Denn dann bedürfe man weniger der Hilfe der anderen Geschwister, und die Geister Gottes könnten sich andern Aufgaben widmen. Wenn aber immer derart belastete Geistgeschwister heimkehrten, müssten so viele der geistigen Helfer sich mit ihnen beschäftigen. Solche Heimgekehrten würden also die Geister Gottes sehr in Anspruch nehmen, nur deshalb, weil sie im menschlichen Leben versagt hatten. Und durch diese Inanspruchnahme der Geister Gottes würde der Aufstiegsplan verlangsamt; länger daure seine Erfüllung, wenn immer wieder so viele mit solchen seelischen Belastungen heimkehren. So wollte nun dieser Geist Gottes diesem Bruder einprägen, wie wichtig und bedeutungsvoll es ist, wenn man in einem menschlichen Leben seine Aufgaben erfüllt und mit geistigen Gewinnen zurückkehren kann.

Und dies soll auch für euch, liebe Geschwister, eine Erklärung sein und eine Antwort zugleich. Wenn so viele Menschen in ihrem Leben Übles tun, werden sie einerseits dafür bestraft, anderseits aber stehen sie in ihrer geistigen Entwicklung still. Die hohe Geisteswelt Gottes aber sinnt danach, was zu tun ist, um diesen Rückstand wieder aufzuholen, um dem Einzelnen Gelegenheit zu geben, wieder rascher aufwärtszuschreiten, seinen Aufstieg zu beschleunigen.

Der Geisterwelt Gottes ist es nicht gleichgültig, wie das Leben eines Heimgekehrten war. Denn jeder, der sich im Leben stark belastet hat, nimmt die Geisterwelt Gottes besonders in Anspruch, denn sie will ja jeden fördern. Sie könnte sich aber andern Dingen zuwenden, edleren und höheren Dingen, die zum Höhenflug der Geister gehören. Doch wird sie immer zu sehr daran gehindert, denn sie muss sich zu vieler solcher Kranken annehmen, die da zurückkehren. Sie muss sich jenen widmen, die zutiefst belastet sind, die in der Unseligkeit ihre Schuld abzuverdienen haben.

So ist es eine Notwendigkeit, dass man sich als Mensch nach den hohen Zielen des Lebens richtet und danach zu leben versucht, um so den ganzen geistigen Aufstieg fördern zu helfen. Da könnt ihr vielleicht auch die Freude des Himmels verstehen, die bei der Heimkehr eines solchen verstorbenen Menschen herrscht. Grosse Freude herrscht, wenn einer seine Aufgaben im menschlichen Leben erfüllt hat, wenn die Geister Gottes solches sehen dürfen. Es ist ja jeder ein Glied in der grossen Kette, und jedem ist es ermöglicht, seinen Beitrag zur Beschleunigung des allgemeinen Aufstiegs zu leisten.

Aber es sind so viele, die durch ihre Belastungen aus ihrem menschlichen Leben diese Beschleunigung verlangsamen. Darum ist es gut, wenn der Mensch im Gebet darum bittet, Gott möge doch die gute Geisterwelt über diese Erde aussenden, um die Menschen im Guten zu beeinflussen. Dieses ist etwas so Wichtiges. Man soll darum bitten, dass es geschehen möge. Denn wer im Glauben an die heilige Geisterwelt ist, der bereitet dem Himmel diese Freude. Denn die Gotteswelt freut sich, dieses Bekenntnis aus dem Herzen eines Menschen zu vernehmen, dass er an sie glaubt, dass er daran glaubt, dass die gute Geisterwelt auch wirksam sein kann.

So soll man für den Frieden dieser Welt bitten und flehen. Im Namen Jesu Christi soll man Gott anflehen, er möge seine heilige Geisterwelt aussenden, jene Menschen zu inspirieren und zu Werkzeugen zu machen, welche die Machtworte sprechen können über Krieg und Frieden. Es soll das Verdienst jener geistesgläubigen Menschen sein. Aus ihrem Innersten heraus sollen sie bitten, dass es geschehe, dass die massgebenden Menschen zu Werkzeugen der guten Geisterwelt werden. Bitten soll man, dass jene niederen Mächte doch in ihre Schranken gewiesen werden. Denn noch herrscht in dieser Welt Luzifer aus dem Totenreich mit all seinen Helfershelfern, die nur Verderben, nur Hass, Neid, Missgunst zu bieten haben.

So, liebe Geschwister, wisst ihr, was ihr tun müsst. So möge euch Gott die Kraft geben, dass ihr stark bleibt im Glauben und ihr eure Aufgaben in allen euren Lebenslagen erfüllen könnt. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.2.1968 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift Geistige Welt)

Wenn alte Schuldgefühle die Seele plagen

Josef, 27. April 1974 (Ausschnitt)

Wenn alte Schuldgefühle die Seele plagen

Depressionen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag eine mögliche Ursache, die in die weite geistige Vergangenheit eines seelisch kranken Menschen zurückreicht.

Josef: [...] Nun möchte ich noch auf etwas hinweisen, und zwar möchte ich von jenen Menschen reden, die unter Depressionen leiden. Man versucht doch heute in der Medizin auf moderne Art – so möchte ich es sagen – solchen Menschen zu helfen, man versucht dem Übel auf den Grund zu kommen, um es zu erkennen. Es mag da und dort einem Menschen Hilfe bringen. Ich möchte aber jetzt von einer wirklichen geistigen, seelischen Ursache sprechen und sie darlegen.

So lebt da beispielsweise ein Mensch in ständiger Depression. Alles Zureden, jede ärztliche Hilfe, nichts fruchtet bei ihm, nichts ist heilsam. Er leidet und stirbt schliesslich mit seinen Depressionen. Nun fragt man sich zuerst: “Ist solches vererbt? Ist vielleicht eine Ursache vorhanden aus der Jugendzeit?” Man sucht und findet doch den Kern der Sache nicht. Ich möchte das, was ich euch jetzt darlege, nicht als allgemeingültig erklären, denn es gibt ja im menschlichen Leben wirklich auch noch andere Ursachen für eine vorübergehende menschliche Depression, die wahrhaftig im gegenwärtigen menschlichen Leben liegen. Es gibt aber noch eine weitere Ursache für eine solche Krankheit, unter der Menschen zu leiden haben. Und jetzt versuche ich einmal, euch diese klarzumachen. Ich kann aber nur bei euch oder jenen Menschen Verständnis finden, die die geistige Sprache verstehen und etwas mehr über die Geisteslehre wissen. Ich komme also nicht darum herum, auf den Ursprung des Lebens zurückzugreifen. Und der Ursprung dieses wirklichen, ewigen, unvergänglichen Lebens ist in der Gotteswelt, in der Welt des Glücks und der Harmonie. Dort kann einstmals ein Geistwesen beeindruckt worden sein von den Gesprächen oder von den Aufforderungen jenes Geistes Luzifer oder jener Geister, die Christus die Rechte absprechen wollten. So waren dann jene, die man davon überzeugen konnte, eben auch bereit, andere davon zu überzeugen. Auf diese Art und Weise wirkten sie und legten so ihrer Seele grosse Last auf. Es waren Geister, die sich damals eifrig bemühten, für den andern, für Luzifer, zu werben.

Nun ist euch bekannt, dass die Schuld, welche die Geister dazumal auf sich geladen haben, nicht bei allen dieselbe ist. Wer auf diese Weise gewirkt und auf andere so eingeredet und sie überzeugt hatte, dass man den Gehorsam nicht Christus oder nicht ihm allein zu geben hätte, wer also gegen das eingestellt war, was an Gehorsam von allen gefordert wurde, und sich so betätigte, hat seine Seele aufs Schwerste belastet. Nun sind aber gerade auch solche zur Einsicht gekommen, als sie gestürzt wurden, und auch ihnen wurde doch die Möglichkeit des Aufstieges gegeben, als sie zu Gott flehten und ihn um Vergebung baten. Christus hat sie erlöst aus dieser Not, aus dieser Hoffnungslosigkeit; er hat den Weg frei gemacht. Und so ist es mit der geistigen Entwicklung ja vor sich gegangen, man hatte die einen doch in menschliche Leben hinübergeführt; sie mussten nicht unbedingt diese unteren Entwicklungsstufen oder Einverleibungen durchschreiten. Je nach dem Willen, je nach dem Bemühen und der Einsicht eines Geistes ist ihm doch die Gelegenheit gegeben, wieder aufzusteigen und zurückzukehren. Und gerade ein solcher weiss, welche Last und welche Schuld in ihm ist – obwohl er nun befreit worden ist und der Weg zu Gott für ihn frei gemacht ist. Er kann es nicht überwinden, dass ausgerechnet durch sein Dazutun andere Geschwister mit ihm in diese Not gekommen sind, weil er so für Luzifer gewirkt hatte, für ihn eingetreten war, sie überredet hatte. Er fühlt sich einfach schuldig.

Dieses Schuldgefühl ist etwas, was seine Seele zeichnet. Es ist zugleich eine Wunde, und diese Wunde bricht immer wieder auf; in jedem menschlichen Leben ist ein gewisses Schuldgefühl da. Und der äussere Mensch leidet mit, aber er kennt die Ursache nicht. Dabei ist doch allen der Weg zurück frei gemacht worden. Trotz alldem ist in seiner Seele diese Last, die immer wieder zum Ausdruck kommt und spürbar wird.

Diesem betreffenden Geiste wird in der Geisteswelt gesagt: “Du bist befreit von deiner Schuld. Du kannst durch eigene Kraft Gott wieder näherkommen. Du musst durch ein menschliches Leben schreiten, und in diesem Leben hast du zu beweisen, dass du für Gott und für die Gerechtigkeit leben willst.” Ein solcher wird nun einverleibt in ein menschliches Leben. Er trägt oder schleppt diese Last des Schuldbewusstseins mit sich, und das kommt durch den ganzen Menschen so zum Ausdruck. Es ist so wie bei diesen andern, von denen ich gesprochen und die ich – dies möchte ich betonen – eingereiht habe in die untersten Entwicklungsstufen, die einfach nichts anderes von sich geben können als ständige Unzufriedenheit, Streitsucht und Habgier, die erfüllt sind von Untugenden; sie vermögen diese mit dem besten Willen einfach nicht abzulegen und zu überwinden. Und so ist es in diesem einen Falle, wo ein so starkes Schuldbewusstsein nicht überwunden wurde, was jenem aber als Prüfung gegeben wurde. Ihm wurde gesagt: “Du wirst in deinem Erdenleben unter den Menschen so viel Trost und von oben so viel Kraft finden, wenn du selbst die Kraft besitzt, dich mit dieser höheren göttlichen Kraft zu vereinen. Und wenn du dich aus deiner ganzen Kraft in das höhere Bewusstsein hinaufzuschwingen vermagst und in dir die Überzeugung bekommst, dass Christus dir die Möglichkeit gegeben hat, frei zu werden, und wenn du dich im Leben an Christus hältst, der die Kraft besitzt, durch seine heilige Geisterwelt dir dienlich zu sein, um das Schwere zu überwinden – wenn es dir also möglich wird, in höheres Denken umzuschalten, dann wirst du dieses Schuldbewusstsein auch verlieren. Du wirst im Glauben und im Gebet die Kraft finden, dieses Schuldbewusstsein zu überwinden.”

Nun gibt es Menschen, die ihr Leben nach dem Göttlichen ausrichten. Sie legen so alles in Gottes Hände und vertrauen auch darauf, dass ihnen Vergebung gegeben ist. Und sie haben auch ihre stille Zeit, wo sie mit der Gotteswelt, so möchte ich sagen, in eine innige Verbindung kommen können, um befreit zu werden von einer solchen Schuld. Ich möchte auf das Abendmahl hinweisen – in dieser heiligen Handlung, in dieser heiligen Stunde sind für jeden so viele Möglichkeiten geboten, von inneren geistigen Bedrängnissen frei zu werden. In einer solchen heiligen Stunde ist es möglich, frei zu werden und höheres Denken sich anzueignen und zu behalten. Also ist es wiederum am Menschen selbst: Er entscheidet, ob er weiter grübelt, ob er die Kraft hat oder nicht. Es liegt so vieles beim Menschen. Und der Glaube und das Wort Gottes, das verkündet wird, können so viel Kraft auf den Menschen haben, wenn er bereit ist, das Wort Gottes anzunehmen, um so frei zu werden von geistiger Schuld.

Stirbt nun ein solcher Mensch mit diesem Schuldbewusstsein, steht er im nächsten Leben wieder vor demselben Punkt. Er hat es nicht überwunden. Gott hat ihm vergeben, Christus hat ihm vergeben – diese Vergebung soll ihm heilig sein. Vermag er das nicht anzunehmen, so bleibt es so lange eine Last in seiner Seele, bis der Zeitpunkt kommt, wo er zu höherem Verständnis erwacht ist und dann frei wird von innerem Schuldgefühl.

Nun, dieses, was ich euch hier erklärte, darf nicht als allgemeingültig betrachtet werden, sondern diese geistige Ursache liegt da und dort zugrunde; sie ist aber auch eine Wirklichkeit.

So, liebe Geschwister, ich habe euch den Himmel wieder aufgetan und versucht, euch da an die Schwellen zu führen, damit ihr Einblick bekommt. Ich habe es euch ermöglicht, und es liegt an euch selbst, ob ihr bereit seid, all das, was euch dargelegt worden ist, in eurem Herzen und eurer Seele aufzunehmen. Die Heiligen des Himmels mühen sich um den Menschen und bieten ihm ihre Dienste an. Und so sollt auch ihr diese Dienste entgegennehmen.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 27.4.1974 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Über Hintergründe und Hilfe bei Depressionen und depressiven Verstimmungen

Josef, Fragebeantwortungen aus den Jahren 1950, 1951, 1952 und 1965

Über Hintergründe und Hilfe bei Depressionen und depressiven Verstimmungen

Lieber Josef, im weiten Freundeskreis unserer Familie ist ein junges, sehr intelligentes, geschultes Mädchen, das sehr, sehr depressiv veranlagt ist. Ist es nicht so, dass ihre Veranlagung, ihr eigener Geist dementsprechend ist – es braucht also nicht immer eine Beeinflussung durch Geister zu bestehen?

Josef: Ja, es können Neigungen, depressive Neigungen, vorhanden sein. Ich versuche euch ja immer darauf aufmerksam zu machen, dass man nicht immer alles den Geistern zuschieben kann.

Wenn Menschen depressiv veranlagt sind, kommt es auch sehr auf ihre Intelligenz an. Intelligente und aufgeschlossene Menschen und Menschen, die ein gutes Herz haben, können eher aus einer solchen Depression herausgeführt werden als Menschen, die eigensinnig und nicht intelligent sind. Aber man darf nicht vergessen, dass diese Krankheit auch ihre verschiedenen Stufen oder Grade hat. Man kann in einem geringen Grade melancholisch sein oder in einem höheren Masse. Das muss man immer wieder von Fall zu Fall beobachten und kontrollieren. Vielen melancholischen Menschen kann geholfen werden, wenn sie in eine bessere Umgebung hineingeraten oder mit fröhlichen Menschen zusammenkommen. Manchmal hat die Melancholie ihre tiefen Gründe. Wenn man diese zu ergründen vermag, kann diesen Menschen geholfen werden. Viele Menschen finden sich in dieser Welt einfach nicht zurecht. Sie erkennen den Sinn des Lebens nicht, sie sind vielleicht auch mit ihrem Berufe unzufrieden. Das alles kann bei ihnen die Melancholie steigern. Man kann hier nicht einfach eine allgemeine Prognose stellen, sondern es ist immer wieder von Fall zu Fall anders.

Es ist gut, wenn man sich mit solchen Menschen, die zur Melancholie neigen, über Geistiges unterhalten kann und wenn man versucht festzustellen, auf welcher Ebene sie stehen – ob sie überhaupt zuhören, ob sie fähig sind, das Geistige zu verstehen, ob sie Sinn und Zweck des Lebens erkennen. Man kann ihnen sagen, dass sie im Leben eine Persönlichkeit sind, dass sie diese Persönlichkeit in sich fördern und zur Entfaltung bringen müssen, indem sie eine Aufgabe im Leben erfüllen. Man kann ihnen helfen, diese Aufgabe zu finden. Aber wie ich sagte, man kann hier nicht nur eine einzige Prognose stellen und sagen: “So ist es zu tun.” Denn jeder unterscheidet sich vom andern.

Ist die depressive Neigung ihnen als Prüfung oder als Karma mit ins Leben gegeben worden?

Josef: Es kann teilweise Vererbung sein, teilweise kann es als Prüfung gegeben worden sein. Die Wege des Betreffenden sind so geebnet worden, dass er dies eben als Prüfung haben muss, aber auch so, dass er sich aus dieser Prüfung herausbringen kann.

Lieber Josef, können depressive Zustände auch durch organische Erkrankungen hervorgerufen werden?

Josef: Ja, auch das ist möglich. Also muss man sich immer genau über alles orientieren. (8.12.1965)

Lieber Geist Josef, darf ich dich über die Ursache und die Überwindung der seelischen Depressionen fragen?

Josef: Ja, weisst du, lieber Freund, der Mensch muss versuchen, in seiner Seele stark zu werden, dann wird ihm das Überwinden von so vielen Dingen nicht mehr so schwerfallen. Denn besonders schwer sind sie für einen Menschen zu überwinden, wenn eben diese Schwächen sozusagen durch alle Poren aus seinem Leibe dringen. Seelisch stärken kann er sich im Gebet und in der stillen Stunde. Meine Freunde haben jedoch nicht so ganz die richtige Vorstellung von der stillen Stunde, von der ich jeweils spreche.

Mit der stillen Stunde meine ich jeweils auch den Schlaf. Ich werde versuchen zu präzisieren, ob es der Schlaf ist, wo der Körper ruht, oder ob es die besondere Zeit ist, wenn der Mensch während des Tages ganz alleine ist, die Augen schliesst und von dieser Welt wegtreten kann. Anfangs scheint das Gelingen schwer zu sein; aber wenn der Mensch den Willen hat und darum bittet, dann wird er es tun können. Ich möchte sagen, er wird in der ersten Zeit mit vollem Bewusstsein dieses Geistige erleben. Dann werden das Bewusstsein, die körperliche Schwere und diese grosse Zerstreuung von ihm gehen. Der geistige Mensch, der das Verlangen hat, im Heilsplane Gottes mitzuwirken und sich geistig zu stärken, sollte sich eben diese Zeit nehmen und in diese stillen Stunden gehen. Dann wird er nämlich geführt.

Als Hilfsmittel kann der Mensch in diesem Falle beispielsweise wandern. Der eine wandert durch den Wald; ganz allein nimmt er alle Eindrücke in sich auf. Er hört die Vögel, er hört das Rauschen, er sieht ganz besondere Blumen. Der eine beschäftigt sich mit einem Tierchen, der andere mit einem Baum, ein weiterer kann sich mit der Erde beschäftigen. Dies ist der Anfang einer Meditation. Damit kann der Mensch so weit kommen, dass er von dieser Welt entrückt wird. Ich möchte aber davor warnen, dass sich der Mensch einer Fantasie hingeben soll, denn das wäre keine Meditation. Meditieren heisst Gedankenbilder pflegen, die dem geistigen Fortschritt dienen, für das eigene Seelenheil wie für dasjenige seiner Umgebung.

Es kann einer beispielsweise ganz allein von einem Berge aus die Welt betrachten, an besonderen Punkten festhalten und so aufbauen. Er kann Dinge sehen, die ihn stören, die ihm nicht gefallen. So hat er in diesem Punkte zu verbessern. Ein anderer wiederum macht solche Betrachtungen aus einem Schiffchen, das sich auf einem See befindet. Das entspricht der Anfangszeit der Meditation. Auf diesem Weg kommt der Mensch dem Geistigen immer näher, und er kann sich immer mehr von der Schwere der Erde lösen. Nach und nach kann er es so weit bringen, dass sein Geist wirklich aus dem Körper austreten und in das Geistige eintreten kann. Er wird in diese für euch unsichtbare Welt geführt, mit ihren Städten, mit ihren wunderbaren Schlössern und Gebäuden. Diese wunderschönen Dinge dort wird er sehen. Er erlebt es, wie er durch diese Sphären wandern kann. In solchen Bildern werden ihm aber auch Seelen zugeführt, die ihm ihr Leid klagen. Für sie hat er zu beten, oder er kann ihnen Erklärungen geben.

Liebe Freunde, dies ist ein Anfang zur Stärkung der Seele. Wenn der Mensch dann ins tägliche Leben hinauskommt, ist ihm noch so viel Gelegenheit gegeben, sich genügend zu stärken. Dann wird ihm auch das Überwinden nicht mehr allzu schwer fallen. Dann wird es für ihn eine grosse Genugtuung sein, dieser oder jener Begierde oder Sünde getrotzt zu haben. Es wird ihm eine grosse Freude sein. So, liebe Freunde, solltet ihr diesen Weg gehen. Vielleicht haben wir einmal Gelegenheit, Näheres darüber in der Meditation zu besprechen. (1952)

Lieber Freund Josef, es gibt Personen, die in seelischen Depressionen viel Kraft verlieren, scheinbar durch Geistwesen, die noch nicht entwickelt sind und von diesen Menschen zehren. Wie geht das zu?

Josef: Ja, mein lieber Freund, das stimmt schon, es ist richtig. Wenn aber diese Depression vorüber ist, werden dem betreffenden Menschen wiederum im schnellsten Masse Kräfte zugegeben – ganz besonders dann, wenn er will und sich sagt: “Dieses Düstere muss weg, ich will es nicht mehr!” Wenn er beispielsweise an die frische Luft geht und dann den Körper füllt mit dieser gotteskräftigen Luft, dann wird ihm schnellstens wieder gegeben, was ihm genommen wurde. Der Mensch muss mithelfen, die Gesetze zu erfüllen; er muss die Gesetze der Erde erfüllen, so werden auch die geistigen Gesetze erfüllt. Wenn er diese Zustände hat, soll er doch die Kraft und das Wissen haben, sich davon zu trennen. Er soll hinausgehen ins Freie, damit diese Gotteskräfte wieder zu ihm kommen können, denn wenn solche Kräfte den Menschen weggenommen werden, dann werden sie ihm auch wieder zurückgegeben, das heisst, wenn er das Verlangen danach hat. Denn es gibt Menschen, die wollen nicht. Sie haben keinen Willen und keine Energie, und dies erzeugt in ihnen selbst keine Kraft mehr. Sie sorgen nicht dafür, dass die geistigen wie die irdischen Gesetze erfüllt werden. Sie unterbinden die Möglichkeit, dass ihnen wieder Kraft gegeben werden kann. Ihr habt doch selbst schon erfahren können, dass schwer kranke Menschen mit ihrer Energie und mit ihrem festen Willen entweder ihre Tage verlängert haben oder dass sie schneller wieder gesund wurden mit ihrem “Ich will nicht krank sein!”, mit ihrem “Ich will!”. Dann wird ihnen entsprechend an Kraft gegeben werden können – natürlich immer den Umständen entsprechend. Ich will damit nur betonen, dass der Mensch mit seinem Willen all dies fertigbringen kann. (1950)

Lieber Freund Josef, ich leide unter seelischen Depressionen. Ist dies ein Karma?

Josef: Liebe Seele, ich kann dir empfehlen, du sollst jeden Morgen, wenn du dein Gebet verrichtet hast, sagen: “Heute will ich fröhlich sein – ich will den ganzen Tag fröhlich sein!” Bei allem, was dir begegnet, denke stets an diese Worte: “Nein, ich will fröhlich sein!” Diese Einstellung muss tief in deine Seele dringen, und du sollst nicht diesen Bildern und Dingen nachgehen, die an dich kommen. Du sollst dich immer an diese Worte erinnern: “Ich will heute fröhlich sein!” Ich will dir sagen, dass Engel Gottes sehr gerne um fröhliche Menschen sind. Doch bedenke, es müssen fröhliche Menschen sein, die die Grenzen der Fröhlichkeit kennen. Man kann fröhlich sein auf eine liebevolle Art, die den Nächsten anzieht, und dies ist es, wonach der Mensch trachten muss. Die wahre, reine Fröhlichkeit soll er von sich geben, dann kommen diese schweren Stunden oder Probleme gar nicht an ihn heran. Sie bekommen eine ganz andere Fassung. Du kannst diese Probleme ganz anders lösen, wenn in deiner Seele Freude ist. Du musst sie füllen mit Freude, denn wenn diese Freude nicht ist, kommen Geister der Trübsal, des Zweifels und alles Mögliche an dich heran. Sie aber kannst du fortsenden, wenn du deine Seele mit Freude füllst. Und Freuden kannst du erleben, wenn du einem Menschen etwas Gutes tust. Es muss gar nicht eine besonders grosse Sache sein, aber mache einem Menschen eine kleine Freude. Probiere es immer wieder, und dann wird auch deine Seele erfüllt sein mit Freude. (1951)

Heft 1/2020
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm