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Themen
Gefahren irdischen Glanzes: Geltungsdrang, Neid und Eifersucht – Formen von Untugenden – Vom Drang nach mehr Besitz, Ansehen und Macht
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 4/2018 zum Thema Untugenden
Geistige Welt 4/2018
Untugenden
Beschreibung

Materieller Wohlstand gereicht nicht jedem Menschen zum geistigen Fortschritt. Geistlehrer Josef betrachtet in diesem Heft verschiedene Untugenden, die besonders in Zeiten von Wohlstand und Wohlergehen geweckt und gefördert werden und dem geistigen Aufstieg des Menschen entgegenstehen. Josef erläutert auch, wie die Geisterwelt Gottes den Menschen zu begleiten sucht, um ihm zu helfen, seine Schwächen zu überwinden. Eine Voraussetzung dazu ist aber, dass der Mensch mit sich selbst ehrlich ist und seine eigenen Untugenden erkennt.
In einem weiteren Vortrag erklärt Geistlehrerin Lene, dass unter den Geistern Gottes kein Geltungsdrang herrscht, weil ein jeder weiss: Ruhm und Ehre gebühren allein Gott, dem Schöpfer aller Dinge.

Themenheft 4/2018: Untugenden

Inhalt
Vom Drang nach mehr Besitz, Ansehen und Macht

Josef, 11. Januar 1975 (Ausschnitt)

Vom Drang nach mehr Besitz, Ansehen und Macht

Materieller Wohlstand gereicht nicht jedem Menschen zum geistigen Fortschritt. Geistlehrer Josef benennt in diesem Vortrag verschiedene Untugenden, die besonders in Zeiten von Wohlstand und Wohlergehen geweckt oder gefördert werden.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr Menschen wünscht Wohlergehen und Wohlstand; es stellt sich die Frage: Ist dieser Wohlstand, wie ihn die westliche Welt erlebt oder erlebt hat, zum Nutzen für ihr geistiges Wohl? Ist dieses Wohlergehen für den geistigen Aufstieg des Menschen nützlich gewesen? Kann es nicht auch eine Prüfung gewesen sein? Gibt es doch Menschen, die gerade durch dieses Wohlergehen und durch diesen Wohlstand Schaden genommen haben an ihrer Seele und an ihrem Leibe.

Schaden haben sie am Leibe genommen, indem sie durch Unüberlegtheit, durch Rücksichtslosigkeit sich selbst und noch den Mitmenschen dazu Schaden zugefügt haben – einen Schaden, für den sie im Geiste verantwortlich sind und für den es einer Wiedergutmachung bedarf. Man kann sich also an seinem eigenen Leben Schaden zufügen und dafür verantwortlich gemacht werden.

Im Weiteren kann auch die Seele durch solchen Wohlstand Schaden nehmen, denn gerade durch dieses Wohlergehen und durch diesen Wohlstand wächst bei vielen Menschen die Eifersucht, der Neid, die Überheblichkeit, die Lieblosigkeit – um nur einiges zu nennen. Und gerade diese Eifersucht ist es doch, die der Seele Schaden bringt. Sieht man, dass sich der Nächste oder ein anderer Mensch etwas Besonderes geleistet hat, wächst der Neid. Man wünscht es auch; ob es im Rahmen liegt, sich dasselbe leisten zu können, ist dann eine andere Frage – es sind die Untugenden, die Eifersucht, der Neid, die Menschen dazu bringen, den Rahmen zu sprengen. Auch die Herrschsucht findet mehr Verbreitung in einer Zeit des Wohlstands und des Wohlergehens, das durch diesen Wohlstand entstanden ist.

Und dann ist es noch die Lieblosigkeit der Menschen, die daraus entsteht. Diese Lieblosigkeit breitet sich in erster Linie in der eigenen Familie aus; diese Lieblosigkeit, die Ungeduld, die Herzenskälte, das mangelnde Verständnis für das Unbehagen des Mitmenschen – dieses einmal in der eigenen Familie. Noch grösser ist aber die Lieblosigkeit am Arbeitsplatz; die Herrschsucht, der Geltungsdrang, das Streben nach Besitz, nach Anerkennung bringen Rücksichtslosigkeit, Lieblosigkeit mit sich. Man sieht nicht die Notlage, den Kummer und das Leid anderer Mitmenschen, die nicht in den Genuss von Wohlstand gekommen sind – man sieht es nicht. Dabei muss nicht einmal von einem bedeutenden Leid oder von einer bedeutenden Not gesprochen werden, sondern nur vom Unglücklichsein, Unzufriedensein des Mitmenschen; ein Mitmensch fühlt sich nicht verstanden – er mag vielleicht überempfindlich sein. Ist man rücksichtslos, so fügt man dadurch seiner Seele grossen Schaden zu und schädigt dazu die Seele der Mitmenschen. Man ist ihnen ein schlechtes Vorbild. Manche, die gerade am Arbeitsplatz solches Benehmen erleben, glauben, dass es ihr gutes Recht sei, sich auch zu Hause auf diese Weise auszudrücken und so zu schalten. Das sind für den einen wie für den andern geistige Nachteile, geistige Belastungen.

Dieses Wohlergehen und dieser Wohlstand bringen dem Menschen nicht unbedingt geistigen Fortschritt. Es gibt gewisse Menschen, die die Grenzen genau kennen und die sich von diesen äusseren Erscheinungen nicht beeindrucken lassen. Damit möchte ich sagen, dass sie sich deshalb nicht belasten; ich möchte dies nicht unerwähnt lassen. Nun heisst es ja, dass Gott über alles – auch über die letzten Dinge des Menschen und der Menschheit – Bescheid wisse; also weiss er auch über diese Dinge Bescheid. Es kann gut sein, dass dieses Wohlergehen und dieser Wohlstand für viele Menschen eine Prüfung sind. Wenn Gott über all jene Dinge Bescheid weiss, dann sieht er ja auch den Unfrieden in der Menschheit. Wenn ihr heute in die Welt hinausschaut, sieht es doch nicht so aus, als könnte man sich über den Frieden der Welt freuen. Warum kommt es denn zu diesen Kriegen? Es ist doch so: Man will seinen Besitz vermehren, man will Ansehen, man will herrschen, man stiehlt dem andern etwas. Das ist rücksichtslos – man fügt als Christ dem andern Leid zu. Ich brauche nicht einmal besonders das Wort “Christ” auszusprechen, denn in den Weltreligionen ist man doch gottgläubig und anerkennt Gott als den Vater aller Geschöpfe, aller Menschen. Wie kann man dann, wenn man solches weiss, den Mitmenschen schädigen, ihn in Not und Leid hineinführen – weiss man doch darum, dass man den einen Gott hat, der Herr über alles ist. Einerseits betet man ja zu diesem Gott, und anderseits kämpft man mit allen Mitteln gegen seine Geschwister.

Hier kann man wohl sagen, dass das, was sich unter den Menschen abspielt – dieser ständige Kampf um Ansehen, um Besitz, um mehr –, vom Geistigen aus betrachtet nichts anderes ist als eine Fortsetzung von dem, was einst im geistigen Reiche stattgefunden [und zum Engelsturz geführt] hat. Bei diesem geistigen Kampf, wo es ja auch um mehr Ansehen ging, um grösseren Besitz, um mehr Rechte, hatten dazumal Neid und Eifersucht die Seelen erfüllt. So hat sich dieses entfaltet, obwohl Gesetz und Ordnung festgelegt waren; man war darüber hinweggegangen. Ich brauche nicht näher zu erklären, was geschah, wie Gott eingreifen musste, als es Zeit geworden war – wie er sich dann seiner Geschöpfe erbarmte und nach Wegen für ihre Rückkehr suchte; und dass es wahrhaftig gute Überlegungen brauchte, um den Aufstieg so zu gestalten, dass er auch wirklich seine Geschöpfe zurückführen konnte. Und so braucht es für diesen geistigen Aufstieg, für diese Rückkehr, wahrhaftig einen langen, langen Weg. Gott wusste wohl, warum er diese verschiedensten Aufstiegsstufen schaffte und eines vom andern abhängig machte. Es sollte ein langsamer Weg zurück werden, dafür aber ein sicherer Weg.

Wenn ich euch dieses erkläre, versteht ihr wohl, was damit gemeint ist. Der Weg ist lang, und es sind viele noch im Kommen. Nun, wenn wir vom geistigen Standpunkte aus die Menschen von heute betrachten, die ja auf einer erhöhten Entwicklungsstufe stehen sollten, so müssen wir doch feststellen, dass noch so viel Hass, so viel Neid, Eifersucht und Ungerechtigkeit in den Seelen der Menschen ist. Und so ist es eben, wie ich erklärte: Es ist nichts anderes als die Fortsetzung des geistigen Kampfes von dazumal. Wann wird es zum Siege kommen? Es gibt dafür keine Zeit, die genannt werden könnte. Der Menschheit ist aber ein geistiger Führer gegeben worden, und dieser geistige Führer heisst Christus – er ist der Menschheit gegeben worden. Christus hat den Menschen die Gesetze, die Ordnung dargelegt und wieder aufs Neue erklärt. Und so wird bis zum heutigen Tag verkündet, was Gottes Wille ist und wie die Gebote Gottes lauten.

Es gibt Christen, die Gott gerade durch diesen Wohlstand ganz vergessen haben; sie haben sich von ihm entfernt. Doch es könnte auch geschehen, dass die Menschheit wieder so weit geführt wird und zum Bewusstsein kommt, dass es einen Herrn gibt, einen Schöpfer, der mächtig ist über alle Dinge. Dieser Schöpfer, der über alle Dinge Bescheid weiss und Herr über alles ist, gibt dem Menschen auf den verschiedensten Wegen Prüfungen. Manches lässt er zu – es kann aber eine Zeit kommen, wo Gott die Menschheit wieder hart prüfen wird. Ich möchte euch deshalb nicht verunsichern; es ist nicht gesagt, dass ihr, die ihr hier anwesend seid – ob jüngere oder ältere Menschen –, solches erleben werdet. Ich kann es nur aus dem Plane Gottes ersehen, dass wiederum eine Zeit kommen wird, wo die Menschheit solches erleben und dadurch wieder an Gott herangeführt wird.

Im Laufe der Jahre habe ich euch so viele Beispiele und Darlegungen gegeben und euch erklärt, dass auch die niedere Geisteswelt Interesse am Menschen hat – dass Luzifer der Herrscher der Menschen ist und sein Zepter über sie führt. Nun kommen solche Prüfungen an den Menschen. Gott will für seine Kinder nur das Beste. Es liegt am Menschen selbst, zu entscheiden, was er mit dem tut, was Gott für gut befindet, was er damit macht, wie er das, was Gott dem Menschen gibt, verwaltet. Der Mensch hat sozusagen ein grosses Verfügungsrecht; ihm ist diese Erde untertan, er hat Gewalt und Macht. Was macht der Mensch mit all dem, was Gott ihm sozusagen als Pfand in die Hände gegeben, ihm anvertraut hat? Was macht er damit? Kämpft er den Kampf der Ungerechtigkeit weiter? Geht die Not und das Leid in der Welt weiter? Das ist eine Angelegenheit der Menschen; ich kann nur dies betonen: Gott wusste in seiner Weisheit, warum er diesen langen Weg der Rückführung vorbereitet hatte. Er liess ihn vorbereiten durch seinen eingeborenen Sohn, durch Christus, den Erlöser. Es ist am Menschen, das Beste aus all dem zu machen, was Gott ihm zur Verfügung stellt. Es braucht eine innere Kraft, um dieser äusseren Welt die Stirn zu bieten, um nicht Sklave dieser vergänglichen Welt zu werden, indem man geblendet wird von dem Schönen, das diese Welt dem Menschen vorübergehend zu bieten hat. Geblendet wird er davon, und so kommt er in die Fänge dieser andern, niederen Welt, die ihn, seine Seele – das heisst sein Denken und Wollen – beeinflussen kann.

Man kann mir entgegnen: “Es ist doch gerade eine Zeit angebrochen, wo Menschen bereit sind, ein besseres Leben aufzubauen.” Ja, dem stimmen wir zu, doch sind es – im Verhältnis zu jenen, die da auf dieser Erde leben – nur wenige Menschen. Wir betrachten sie als besonders bedeutende Menschen, die einen Anfang machen und kämpfen für ein besseres, höheres Leben. Wir betrachten sie als die Pioniere. Für alles muss gekämpft werden – auch auf diesem Wege –, und dafür braucht es Ausdauer und Geduld.

Mancher hat schon gesagt: “Warum greift denn Gott nicht ein? Er kann doch Kriege verhüten, er kann Menschen so beeinflussen, dass sie nur das Gute tun.” Ja, Gott könnte es, aber es ist nicht vereinbar mit den Abmachungen, die einst getroffen worden sind für den Aufstieg jener Gefallenen. Sie müssen von innen heraus, aus eigener Kraft beweisen, auf welche Seite sie gehen möchten, und zeigen, dass sie fähig sind, alles Verwerfliche, alles Niedere zu überwinden. Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen, danach zu streben. Dies kann ich wohl sagen; wenn aber die innere Reife des Menschen nicht vorhanden ist, nützt dies alles nichts. Man kann einen Menschen nicht überzeugen, wenn er nicht von innen heraus gedrängt wird, nach der Wahrheit zu suchen. Es braucht eine innere, höhere Erkenntnis. Nur auf diesem Wege kann er seinen geistigen Stand verbessern, und er muss dementsprechend auch seiner Umwelt gegenüber eine andere Einstellung einnehmen.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 11.1.1975 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Gefahren irdischen Glanzes – Geltungsdrang, Neid und Eifersucht

Lene, 20. April 1966

Gefahren irdischen Glanzes – Geltungsdrang, Neid und Eifersucht

Geistlehrerin Lene beleuchtet in diesem Vortrag den Wunsch des Menschen, Ansehen und Reichtum zu gewinnen und von den Mitmenschen besonders geachtet zu werden. Oft versündige er sich dabei gegen seinen Nächsten, weil er sich über ihn erhebt und ihn verdrängt. Wie Lene erklärt, gibt es in der himmlischen Welt keine Möglichkeit für ein solches Verhalten. Unter den Geistern Gottes herrscht kein Geltungsdrang, weil ein jeder weiss: Ruhm und Ehre gebühren allein Gott, dem Schöpfer aller Dinge.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, zwei Reiche sind es, denen ihr Menschen gegenübersteht: das irdische Reich, in dem ihr lebt, und das geistige Reich, in das ihr eintreten werdet, wenn ihr euren Körper abgelegt habt. Mit zwei Reichen muss man sich im Leben beschäftigen. Das Reich des Menschen wird von den Menschen regiert. Das Reich des Geistes wird von den Geistern regiert. Das Reich des Menschen hat viele Regierungen, jedes Volk hat seine Regierung. Das Reich des Geistes hat nur eine Regierung, diese Regierung heisst Gott. Er hat seinem Sohne Rechte abgetreten – so waltet Gott durch Christus, den Erlöser, im geistigen Reiche.

Besonders in der Meditation möchte ich mich immer an den inneren Menschen wenden. Ich komme aber nicht darum herum, auch zum äusseren Menschen zu sprechen. Denn ihr lebt ja in einer Welt, die von Menschen regiert wird. Ihr versucht, die Entfaltung in eurem Erdenreich zu vollbringen; allerlei wird getan, was nicht das Seelenheil, nicht den geistigen Fortschritt fördert – man ist auf den Glanz, auf das Licht dieser Welt ausgerichtet. Im geistigen Reiche werben und wirken gute Geister im Auftrag Gottes und Christi. Auch sie versuchen, an der Entfaltung zu wirken, doch ist die geistige Welt so ganz anders als das Reich, in dem die Menschen leben. Eine grosse Kluft ist zwischen diesen beiden Reichen. Der äussere Mensch beschäftigt sich mit allem, was seine Welt, seine Mitmenschen ihm bieten. Er freut sich am technischen Fortschritt, er freut sich an allem, was sein Leben bequem macht.

Es gibt Menschen, die in ihrem Leben grosse Werke vollbringen können, Werke, die Ewigkeitswert haben. Es sind grosse, bedeutende Meister oder Künstler, die solche besonderen Werke schaffen, welche also einen, ich kann wohl sagen, Ewigkeitswert erhalten. Solche Künstler werden von den Menschen verehrt. Ja man setzt ihnen Denkmäler, man will sie stets in Erinnerung haben, man schätzt sie und ihre Werke. Das ist Menschenart. Man rühmt die Werke der Menschen, man freut sich besonders darüber. Dementsprechend bekommen solche Werke auch einen materiellen Wert. In dieser Welt wiegt man das Kostbare oder das, was den Menschen kostbar scheint, mit Geld, mit Gold, mit kostbaren Gütern auf.

Talente sind es, die solche Meister oder Künstler besitzen. Doch in dieser Welt denkt man weniger daran, woher diese Talente, diese Gaben, gekommen sind, als vielmehr, wie man sie verwertet, wie man sie unsterblich macht, wie man hohen materiellen Wert aus ihnen erhält – eben das Zahlungsmittel, das die Menschen besitzen. Man denkt nicht daran, dass man den Künstler, den Meister, nicht im Besonderen ehren müsste, sondern dass die grösste Ehre und der grösste Dank dem gehört, der dieses Talent dem Menschen gegeben hat.

Menschen können eitel werden, wenn sie solche Gaben besitzen und von ihren Mitmenschen so verherrlicht werden. Jene Künstler und Meister können auch sehr ehrgeizig werden, und sie denken nicht daran, dass ihre wunderbare Gabe Gott zu verdanken ist. Man hebt den Menschen empor und preist seine Leistungen, und man vergisst, dass es einen grossen Meister gibt, der dieses Talent geschenkt hat, und eigentlich nur diesem grossen Meister die Ehre gebührt. Solche besondere Menschen mit ihren besonderen Merkmalen, Eigenschaften, Talenten werden von ihrer Umwelt eben gepriesen und gelobt – das ist diese äussere Welt, sie tut solches, weil sie eben nicht über den Graben sieht, der sie vom geistigen Reich trennt.

Menschen erleben immer wieder das wunderbare Gedeihen in der Natur. Sie fragen nicht nach dem Meister, nach dem Schöpfer, der dieses Samenkorn aufgehen liess, und sie erkennen nicht, dass es ein Wunderwerk ist, dieses Samenkorn. Man denkt überhaupt nicht darüber nach, man findet es selbstverständlich. Man berechnet das Gedeihen nach den Jahreszeiten und findet alles selbstverständlich. Das ist diese äussere Welt und der äussere Mensch, der selbst in der Natur versucht, alles so zu fördern und zur Entfaltung zu bringen, dass es ihm viel Nutzen und Vorteil bringt. Man bedenkt nicht, dass es zu dieser Entfaltung auch den Segen des Schöpfers braucht.

Betrachten wir nun aber das geistige Reich und gehen dort jenen Wesenheiten nach, die auch ihre grossen Talente besitzen, die Gewaltiges und Grosses vollbringen: Sie nehmen den Dank nicht entgegen. Im Reich des Geistes hat alles eine andere Bedeutung. Man weiss, dass die Gaben, die man hat, von Gott gekommen sind, und durch seinen Willen trägt und entfaltet man diese Gaben. So gehört Dank dem, der diese Gaben gibt. Und keiner – sei er ein noch so grosser Meister in der Kunst – lässt sich von den Seinen, also von jenen im Reiche der Geister, so preisen und verehren, denn er lehnt dieses Lobpreisen und diese Verehrung ab. Hohe Geister preisen die besonderen Leistungen ihrer Geschwister gar nicht. Sie zeigen sich liebevoll, zeigen Verständnis für die Leistungen, die vollbracht worden sind, haben für sie ein freudiges Lächeln – aber Verehrung und Dank entrichten sie dem Schöpfer, denn er hat die Möglichkeit zu dieser besonderen Leistung gegeben.

Die grossen Meister auf diesem oder jenem Gebiet, seien es Künstler, Wissenschaftler und so weiter, die auf dieser Erde gelebt haben oder noch leben, werden von ihren Mitmenschen geehrt, und der grösste Teil nimmt diese Ehrung entgegen. Aber im geistigen Reiche nimmt man solche Ehrungen nicht an. Man weiss, dass Gott diese Fähigkeiten einem auch nehmen könnte und dass keiner das Recht hat, sich besonders dafür loben zu lassen. Menschen tun es, denn sie sehen keine Gefahren – und doch sind es grosse Gefahren, für den Künstler wie für die Umwelt selbst.

Die geistige Welt hat ja auf allen Gebieten der Kunst viel, viel mehr solche grossen Meister und Künstler als ihr Menschen. Bedenkt, wenn jeder Meister, der sich im Reiche des Geistes befindet, gelobt, geehrt würde, welche Eifersucht da gepflegt würde. Es würde der geistigen Welt zum Schaden werden. Man würde aus Eifersucht schaffen, man möchte den andern überbieten – aus Geltungssucht, damit man besonders gelobt würde. Bedenkt einmal, was das für Folgen haben könnte in der Geisteswelt Gottes, in der Welt des Geistes, wo Harmonie herrschen muss. Ihr wisst, dass auch die guten Geister in ihrem Charakter Schwachheiten aufweisen und diese Charakterschwächen auch in der Geisteswelt Gottes zu Unfrieden, zu Streit führen könnten. So weiss die führende Gotteswelt genau, dass solches unterbunden werden muss, zumal gar kein Recht besteht, besonderen Stolz zu haben auf eine Gabe, die Gott gegeben hat. Indem jedem Geist, der besondere Leistungen dieser oder jener Art vollbringt, klargemacht wird, dass er an der Entfaltung des Heilsplanes arbeiten muss, dass er aus seiner eigenen Kraft alles hervorbringen muss, um das, was von ihm erwartet wird, zu erfüllen, legt er keinen Wert auf Ruhm. Man wird also nicht gerühmt und noch weniger berühmt wegen seiner Leistungen. Man kennt wohl die Namen jener Geister, die solche wunderbaren Gaben besitzen.

Ihr Menschen könnt es mit eurem Denken nicht erfassen, dass solche Wesenheiten, die solche bedeutungsvollen Werke schaffen können, nicht berühmt werden sollten. Ihr sollt daraus erkennen, dass die geistige Welt ganz anders ist in ihrem Denken und Handeln als die Menschen. In der Geisterwelt Gottes soll keine Eifersucht auf die Leistungen des Einzelnen aufkommen. Man soll nicht missmutig werden, wenn man sieht, dass ein anderer höhere Fähigkeiten besitzt. Ihr seht also, es ist ein ganz anderes Denken. Ihr Menschen könnt leicht eifersüchtig werden auf besondere Fähigkeiten und Leistungen eines Mitmenschen. Oder ein Künstler oder Meister, wie ihr es nennen möchtet, kann auch eifersüchtig werden, wenn ein anderer ihm seine Fähigkeiten streitig macht.

Diese Welt, wo die Menschen leben, kennt Eifersucht, Habgier, Misstrauen, Egoismus, Herrschsucht, Gewalt. Mit Gewalt versucht der Mensch sich durchzuringen. Oft geht er mit Gewalt durchs Leben und versündigt sich, denn mit seiner Gewalt verdrängt er andere. Er tut es, weil er egoistisch ist, weil er mehr sein möchte, mehr leisten möchte, weil er sich ans Licht rücken will. Auf der grossen Weltbühne möchte der Mensch so gerne eine Rolle spielen. Ans Licht rücken will er sich, er wirbt um Ansehen unter den Menschen. Er gewinnt dieses Ansehen durch seinen Reichtum, durch besondere Fähigkeiten. Durch seine Leistungen, die er vollbringt, kann er sich ins Licht rücken und von der Menschheit besonders geachtet werden und berühmt werden. Wie wohl tut das einem Menschen!

Wenige Ausnahmen gibt es, wo solche begabten Menschen bescheiden sind und sagen: “Nicht ich bin es, der die Leistungen ausführt. Eine unsichtbare Kraft, eine unsichtbare Hand ist es, die mich führt; ich werde inspiriert dazu.” Es gibt solche Menschen, die ihr Denken heben, die nun diese Kluft überwinden und in das Reich des Geistes eintreten.

Ihr kennt die Gefahren, die den Menschen umgeben in seiner materiellen Welt. Eifersucht ist es vielerorts – ich möchte diese einzelnen Untugenden gar nicht aufzählen, sondern ich will es euch nur klarmachen, wie schwer es ist, auf dieser Welt zu leben, wenn man sich nur nach den äusseren Dingen richtet, wenn nur der äussere Mensch sich entfaltet und der innere Mensch verkümmert. Er verkümmert, weil er eben vom Licht dieser Welt bestrahlt wird, das so bedeutungsvoll ist für sein Leben. Wer möchte schon im Erdenreich einen Schattenplatz einnehmen? Jeder versucht ans Licht zu drängen. Der äussere Mensch ist es, der dieses Licht unbedingt für sich will und der sich freut, wenn die ganze Umgebung erkennt, dass er wahrhaftig in diesem Lichte steht. Aber dieses Licht hat nichts mit geistigem Licht zu tun, sondern der Mensch selbst ist es, der sich beleuchtet, der sich durch seinen Egoismus, durch seine Unbescheidenheit auf diese Weltbühne stellt, um sich von den Mitmenschen bewundern zu lassen.

Ihr denkt vielleicht: “Jede Leistung muss schliesslich verdient werden. Es braucht Opfer und Hingabe, damit dieses künstlerische Können zum Ausdruck kommt.” Freilich braucht es das, freilich braucht es diese Opfer und diese Hingabe. Aber bevor Hingabe und Opfer zum Ausdruck kommen, muss man von der Kraft sprechen, die gegeben wird, dass man diese Energie, diese Ausdauer aufbringt. Es ist also wieder etwas, was aus dem Reich des Geistes herüberkommt und den Menschen erfüllt, damit er seine Leistungen, seine Aufgaben auch zum Ausdruck bringen kann.

Wenn der Mensch sich nach innen kehrt und er im wahren Sinn des Wortes fromm ist – fromm, gottergeben, bescheiden –, dann weiss er, dass solche Gaben von Gott kommen und der Mensch nur Werkzeug ist, Werkzeug Gottes, das als solches lebt und Zeugnis gibt von der wundersamen Geisteswelt. Solche talentierten Menschen sind ein Zeugnis für die Vielfalt des geistigen Reiches. Wer weiss, dass er Zeugnis gibt für Gott, wird eine besondere Stellung einnehmen – also weiss er, dass er Gott alles zu verdanken hat.

Betrachtet einmal Christus in seinem Erdenleben, als man ihn “guten Meister” nannte. Er wehrte sich dagegen und sagte: “Wer ist gut? Nur der Vater kann gut sein, nur der Vater ist gut.” (Luk. 18, 18 –19.) Immer hatte er sich auf den Vater bezogen. Er hat in wunderbarer Weise angedeutet, dass Gott die Kraft gibt und er es zulässt, dass es so und so geschieht. Aber dazumal hatten jene Menschen es kaum verstanden, so wie es heute noch Menschen gibt, die es nicht verstehen können.

Aber wir wollen nun in das geistige Reich hinübertreten, und ich möchte euch doch klarmachen, dass das harmonische Leben im Reiche Gottes ja nur möglich ist, wenn viele Dinge im Voraus geordnet sind. Wenn ein solcher Meister in der Gotteswelt seine Werke ausführt, dann will er sie Gott und Christus darbringen – sie will er erfreuen. Er lässt ihnen Bericht erstatten, dass sein Werk beendet ist. Wenn er nicht selbst den Zugang zu den Höchsten des Himmels hat, lässt er Kundschafter dahin senden mit dem Auftrag, man möchte kommen und das Werk entgegennehmen, für dessen Erschaffung und Entfaltung Gott die Kraft gegeben hat. Man bezieht also sein Können nicht in erster Linie auf sich selbst, sondern man bringt von Anfang an zum Ausdruck: “Hier ist das Werk; Gott hat dafür Kraft gegeben, es zu gestalten. Ohne seine Kraft wäre es nicht möglich gewesen.” Auf diese Weise, in einem solchen Leben wird keine Eifersucht zum Ausdruck kommen.

Liebe Geschwister, ihr seid darüber ja schon unterrichtet worden, wie die Engel des Himmels in der Zeit ihrer Seligkeit gelebt haben, wie sie von Zeit zu Zeit ihrem König huldigten und wie ein Teil von ihnen unzufrieden wurde [und es schliesslich zum Sturz aus dem Himmel gekommen ist]. Habt ihr euch noch keine Gedanken darüber gemacht, dass daraufhin in diesen hohen Himmeln nicht auch die Gesetze etwas strenger gestaltet worden sind? Vielleicht ist das Wort “streng” nicht richtig für euch, für eure Begriffe. Aber auch in diesen Höhen des Himmels hat man seine Lehren gezogen. Wohl lebt diese hohe Welt in der wunderbaren Freiheit, in dieser Freiheit wird entfaltet ohne Zwang. Das Gesetz aber kann so gestaltet werden, dass jedes Wesen weiss: “Ich habe mich nach diesem Gesetz zu richten.” Man will in diesen höchsten Himmeln dafür besorgt sein, dass keine Eifersucht zum Ausdruck kommen könnte – ich sage: Man will darum besorgt sein. Die treu gebliebenen hohen Geister des Himmels haben auch ihre Lehren gezogen, und als Christus von seinem Erdenleben wieder zurückkam, wurden sie von ihm weiter geführt und unterrichtet.

Christus nimmt als König der Geisterwelt den höchsten Platz ein neben Gott. Könnt ihr euch auch eine Vorstellung davon machen, welch inniges Verhältnis ist von Gott zu Christus durch das wundersame Werk, das von Christus erfüllt wurde? Könnt ihr euch eine Vorstellung davon machen, dass Christus neben Gott das schönste Wesen ist und er bei seiner Heimkehr in den Himmel mit den schönsten und den kostbarsten Schätzen des Himmels begrüsst und empfangen wurde? Schätze, die, ich könnte es nach euren Begriffen sagen, zur rechten Hand Gottes waren. Ihr Menschen könnt euch eine Vorstellung davon machen, wenn ihr euch vor Augen führt: Wenn unter euch Menschen jemand ist, der für euch persönlich etwas Gewaltiges geleistet hat, der euch durch seine Leistung vor einem Unglück, vor grossem Leid, Sorgen, Schmerzen bewahrt hat, so werdet ihr euch jenem verpflichtet fühlen, der diese Leistung vollbracht hat. Ein dankbarer Mensch wird sich sein Leben lang jenem gegenüber dankbar erweisen – und da geht es nur um etwas Menschliches.

Durch das Erlösungswerk Christi ist aber etwas so Gewaltiges geschaffen worden, wovon die Menschen keine Ahnung haben. Ihr wisst wohl von dem Erlösungsplan, der euch ja immer wieder dargelegt wird, und dieses Wissen bereichert euch in eurem Innern. Aber es handelt sich nicht nur um die Erlösung der Menschheit – es sind in den Himmeln noch viele wunderbare Dinge, die durch die Erlösungstat Christi einen wundersamen Entfaltungsweg genommen haben. Es ist so vieles in der Geisterwelt Gottes, das durch das Erlösungswerk Christi zu grossen Vorzügen gekommen ist, worüber man mit Menschen nicht sprechen kann, weil sie dafür ja das Verständnis nicht besitzen. Aber wenn ich euch andeute, dass solch Wunderbares vollbracht wurde, solltet ihr euch auch vorstellen können, welch inniges Verhältnis von Gott zu Christus besteht, welch Freude in den Himmeln herrscht über dieses grosse Werk. Dass Christus diesen schmerzhaften, qualvollen Weg gehen musste, daraus hat man seine Folgerungen gezogen, man hat das Notwendige getan, und die Geisteswelt hat auch ihre Gesetze dementsprechend geordnet.

Die Folge davon ist also, dass man im Grunde versucht, die Harmonie so zu schaffen und zu gestalten, dass in den hohen Himmeln wie in den Aufstiegsstufen dieses Glücklichsein, dieses harmonische Verhältnis gepflegt werden kann und dass Widerlichkeiten an der Wurzel entfernt werden. Das kann durch eine Gesetzgebung geschehen, so wie es bei euch Menschen ist, wo euch das Gesetz etwas vorschreibt und ihr euch danach richten müsst, um nicht strafbar zu werden. So richtet sich auch der Himmel nach den Gesetzen, und man will nur zur Entfaltung dienen und leben. Auf diese Weise wirkt man in diesen hohen Sphären des Himmels.

Ihr seid darüber unterrichtet, dass die Vollkommenheit nur in Gott ist und dass die andern Geistwesen diese Vollkommenheit anstreben – das heisst also, sie sind nicht vollkommen, denn ihr kennt ja auch die Worte: “Und nicht einmal seinen Engeln kann er trauen” (vgl. Hiob 4, 18 und 15, 15). Die Freiheit im Denken und Wollen hat wohl eine grosse Bedeutung, und diese Freiheit des Geistes darf nicht verletzt werden und wird durch die Gesetzgebung auch nicht verletzt. Somit kennen diese hohen Geister des Himmels ihren Weg, sie kennen das Gesetz. Ihr Menschen könnt euch sicherlich keine Vorstellung davon machen, dass man in einer solch gewaltigen, herrlichen Welt in Frieden und Freude leben kann. Und in Frieden und Freude kann man nur leben, wenn man sich genau nach dem Gesetze, nach dem Willen Gottes richtet. So wird Unfriede, Herrschsucht, Egoismus ausgeschaltet. Alle diese Untugenden sollen und müssen in der hohen Welt fremd sein. Es besteht aber die Möglichkeit von Eifersucht – doch deshalb wurde dieses Gesetz geschaffen, wie es nun seit Christi Heimkehr besteht, und so sind diese Möglichkeiten gering geworden. Geschaffen von der Güte Gottes, von der Liebe Gottes, geschaffen durch Christi Anregung – um den Himmel in seiner Freude zu wissen, in seiner Harmonie und in seiner vollkommenen Art.

Ihr Menschen, die ihr da in eurem Reiche lebt und beleuchtet werdet durch eure besonderen Talente, durch eure Leistungen, durch euer Ansehen, steht doch in so grosser Gefahr, den Weg nach innen zu verlieren. Denn es gibt bei euch kein Gesetz, das den Egoismus, die Streitsucht oder die Herrschsucht unterbinden könnte; diese können nicht unterbunden werden, dafür gibt es kein Gesetz. Es muss der innere Mensch dieses Gesetz für sich selbst finden; er muss es erkennen. Er muss Wege suchen, dass er zu dieser Erkenntnis kommt, dass er richtig denken lernt, sein Denken auf das Geistige ausrichtet und sich nicht so dieser äusseren Welt verschreibt.

Es ist für den Menschen von grossem Nutzen, wenn er sich mit diesen geistigen Eigenschaften befreundet. Denn für jeden kommt die Zeit, wo von ihm verlangt wird, dass er nur Tugenden zum Ausdruck bringe. Und es ist schwer, tugendhaft zu leben in einer neuen Welt, in der man noch nicht lange ist, die einem fremd ist, wo es nicht möglich ist, die Gesetze in allen Einzelheiten zu erkennen. Schwer vorwärtszukommen ist es für solche Seelen, die im Erdenleben den Hang zum Äusseren hatten, denn diesen Hang verliert man nicht nach dem Tode. Wer aber zu Lebzeiten versteht, in sich zu kehren und nach jenem Weg zu forschen, der ihm den Aufstieg ermöglicht, und wer sich auch in der neuen Welt, in die er einkehren muss, unterordnen kann, dass es für ihn nicht Überwindung braucht, zu dienen, zu verzichten, für den andern zu leben und zu wirken – wer nicht zuerst nach sich selbst fragt, sich nicht zuerst nach seinen eigenen Bequemlichkeiten, Bekömmlichkeiten erkundigt, sondern einsteht für die Entfaltung aller, der kommt ja schon mit einem geistigen Gewinn in seine neue Welt. Wer im irdischen Reiche versucht hat, sich zu verinnerlichen, sein Leben nach innen auszurichten, der trägt das Gesetzbuch in seinen Händen. Er hat es in der Seele ja festgeschrieben, was er will, was er nicht tun darf. Dies ist so fest in ihm verankert, und das fördert ihn in seinem Aufstieg. Und so lernt er nach seiner Heimkehr gleich von Anfang an, Gott zu loben und zu preisen, ihm zu danken für alles, was ihm gegeben wurde. Dieses ist eine Notwendigkeit und ist sehr bedeutend für das einzelne Wesen.

Hatte ein Mensch aber den Hang, Ruhm zu ernten, so ist in ihm dieser Hang auch nach seinem Tode; er will auch in dieser neuen Welt gesehen werden. Er glaubt doch, er hätte in seinem menschlichen Leben Leistungen vollbracht, und er wünscht, Gott näherzukommen und von den hohen Geistern gesehen zu werden. Er möchte nicht zurückstehen, er möchte an der Hand genommen und emporgeführt werden. Bei dem einen kann dieses Verlangen zu Recht bestehen, bei einem andern zu Unrecht. Zu Recht kann dieses Verlangen in einem sein, wenn man im Leben diese Verbundenheit zu Gott hatte und dankbar für das Leben war. Zu Unrecht ist es aber, wenn im menschlichen Leben zu selten gute Werke getan wurden und der Lasten zu viele waren und man im neuen Reiche glaubt, allein durch die Gnade, durch die Erlösung Christi hätte man jetzt die Möglichkeit hinaufzuschreiten – der Glaube an Gott und Christus würde genügen. So kann man zu Recht oder zu Unrecht in einem solchen Verlangen sein.

Das Gesetz kennen heisst also, sich schon als Mensch um diese geistigen Dinge, um das geistige Leben zu bemühen und sich immer wieder zu fragen: “Ist es richtig, was ich tue?” Wie wunderbar kann solches doch in der Meditation geschehen. Wenn ich zu euch spreche, so hat dies doch den Sinn, dass ihr die Stille dafür findet, darüber nachzudenken und zur Erkenntnis zu kommen: Auf dieser Welt ist so viel Ruhm; vielen wird so viel Ruhm gegeben, und so viele beanspruchen Ruhm und Ehre für sich, denen es nicht gebührt. Es ist doch nur Gott, dem Ruhm und Ehre gehört. Ruhm und Ehre soll man Gott geben. Und man soll zur Erkenntnis kommen, dass man auf der Welt eine Aufgabe erfüllt und man heimkehren wird in das geistige Reich.

So soll man sich als Mensch bewusst werden: Man steht diesen zwei Reichen gegenüber, und das geistige Reich kann nicht verleugnet werden; man hat sich zu Lebzeiten schon nach seinen Gesetzen zu erkundigen, um dereinst nicht als Fremdling in dieses geistige Reich hinüberzutreten und sich hier gleich strafbar zu machen, weil man die Gesetze verletzt. Das geschieht doch so oft: Die Heimkehrenden kennen die Gesetze nicht, sie verletzen sie und belasten sich und behindern ihren Aufstieg.

Und nun, liebe Geschwister, wenn ihr die Meditation kennt, wenn ihr in die Stille geht, dann kehrt in euch und denkt an das wunderbare Gedeihen in der Natur, dass es Gottes Kraft ist, die alles so entfaltet. Und dafür soll Gott gelobt und gepriesen werden. Denkt an das wunderbare Werk, das ihr findet im Samenkorn; denkt an das wunderbare Werk, an das Werden des Menschen – wie ist es notwendig, den Schöpfer zu rühmen, zu loben und zu preisen! So werdet ihr vielleicht verstehen, dass die Heiligen des Himmels aufeinander nicht eifersüchtig sind, keinen Egoismus kennen. Denn sie alle danken Gott für die Kraft und die Fähigkeit, die ihnen gegeben worden sind, und sie rühmen den Herrn für seinen Segen, den er über sie ausgebreitet hat.

Unter euch Menschen aber liegt so viel Unvollkommenes, so viel Egoismus. In der Meditation hat man die Möglichkeit, das Gesetzbuch Gottes näher kennenzulernen. Bedenkt, ob ihr Menschen untereinander in Frieden leben könnt, und bedenkt, was alles notwendig wäre dazu, um in Frieden zu leben – wie viel Verzicht braucht es, um miteinander im Frieden zu leben. Euch Menschen mag dieser Verzicht schwerfallen, ein Opfer bedeuten. In der Geisteswelt aber ist es kein Opfer, wenn es um Verzicht geht; es ist eine Freude, das ausführen zu dürfen. So kann der Mensch die Untugenden überwinden, aber nur indem er sich das Gesetzbuch Gottes vor Augen hält, vor sein irdisches und vor sein geistiges Auge.

So, liebe Geschwister, habe ich euch heute vielleicht eine etwas schwierigere Meditation gegeben. Ihr rühmt euch doch auch, ihr wüsstet schon einiges über die geistigen Gesetze; und ihr rühmt euch doch verschiedentlich auch, eure Erfahrungen gemacht zu haben, euren Aufstieg begonnen zu haben – also, wenn ihr euch rühmt dafür, sollt ihr wissen, dass vieles von euch verlangt wird und so viel verlangt wird, bis ihr an jenem Punkte angelangt seid, wo ihr euch nicht mehr rühmt.

So möge Gott euch die Kraft geben, damit ihr alle nach seinem Willen leben könnt. Möget ihr euer Herz und eure Seele zu Gott emporheben. Möget ihr stets guten Willens sein, damit die geistige Welt sich zu euch neigt und sie euch führen kann und, wenn ihr das geistige Gesetzbuch verloren habt, dass sie es euch wieder vor euer Auge führt, vor euer irdisches Auge wie vor das geistige Auge. So ist es unser Wunsch, mit euch Hand in Hand zu gehen, um nur einen zu rühmen und zu ehren, nur ihm zu danken und ihn zu loben: Das ist Gott, unser aller liebender Vater. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.4.1966 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Untugenden haben verschiedene Stufen

Josef, 5. September 1953 (Ausschnitt)

Untugenden haben verschiedene Stufen

Der gläubige, fromme Mensch hat den Wunsch, Gott näherzukommen. Oft sind es jedoch verschiedene Untugenden, die seinem geistigen Aufstieg entgegenstehen. Geistlehrer Josef betrachtet in diesem Vortrag vier weitverbreitete Untugenden, die unter den Menschen in unterschiedlicher Form und Stärke vorhanden sind: Hass, Eifersucht, Herrschsucht und Geiz.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, der Segen und die Liebe Gottes umgeben euch alle hier. Die Liebe Gottes durchdringt alles, Würdige und Unwürdige. Jeder Augenblick zeugt von der Herrlichkeit Gottes, gibt Zeugnis vom göttlichen Sein. Die würdigen Menschen erkennen, dass die Liebe Gottes die ganze Schöpfung durchdringt und umwebt. Und jene, die Gott noch so ferne stehen, die Unwürdigen? Vielleicht sage ich zu viel, wenn ich von Unwürdigen spreche; denn wenn Gottes Liebe alles durchströmt, wenn er so gütig und herrlich ist, dass er seine Liebe auch über sie ausbreitet, darf man wohl kaum von Unwürdigen in diesem Sinne sprechen, sondern es sind schwache, noch nicht reif gewordene Menschen.

So hat aber der Gott Nahestehende einen ganz andern Genuss und ein anderes Erleben von der göttlichen Liebe als der Gott Fernstehende. Ja, es geht durch die Natur ein Rufen und ein Mahnen, doch der Gott fernstehende Mensch hört es nicht. Alles Schöne, was sein Auge nah und fern erblicken kann, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er kann dieses Rufen und Mahnen nicht vernehmen, weil er sich dagegen verschlossen hat, weil ihn nicht interessiert, was auf das göttliche Sein hinweist, weil er ja nur leben und geniessen will.

Anders der würdige Mensch: Er hört das Rufen der Natur, wie alles darin Gott lobt und preist, die Blumen, die Felder, die Berge, das Wasser. Es ist ein Rufen in die Weiten hinaus und ein stetes Ermahnen der Menschen um der Herrlichkeit Gottes willen. Der Würdige wird dadurch so beseligt und beglückt, in dieser Schönheit leben zu dürfen, die Gott seinen Kindern bereitet hat; denn er weiss, dass er ein Kind Gottes ist und er durch seine Aufmerksamkeit für dieses vielseitige Rufen und Mahnen Gott immer näher treten kann. Wie herrlich ist die Gewissheit für einen Menschen, der, wenn er hinauswandert, sich daran erinnert, dass Gottes Liebe und Weisheit alle diese Schönheiten durchdringt und er sie alle für die Menschen geschaffen hat, auf dass sie sich stets seiner Herrlichkeit erinnern.

Doch dies alles allein genügt nicht, Gott wirklich näherzukommen. Wohl hilft es dem Einzelnen in seinem geistigen Aufstieg, wenn er all das mit Dankbarkeit entgegennimmt. Es bedarf für ihn aber noch mehr als nur des Fühlens, dass er ein Kind Gottes ist, und des Wunsches, Gott näherzukommen – es wird von ihm auch ein dementsprechendes Leben verlangt.

Es ist so schwer für den Menschen, in dieser Welt zu leben; denn so viele Versuchungen sind immer vorhanden, die ihn im geistigen Aufstieg hindern, wenn er nicht stark ist. Doch, meine lieben Freunde, wir alle zusammen bilden eine Familie; wir sind ja schon so lange zusammen. Die Boten Gottes sind immer bemüht, die Menschen im Guten zu führen, denn es ist ihr sehnlichster Wunsch, dass jeder Einzelne Gott nahegeführt werde. Es wäre herrlich, wenn er auch die goldenen Regeln befolgen würde, die dazu dienen, ihn geistig höherzubringen.

So wollen wir nun im Besonderen vier Dinge betrachten in Bezug auf den geistigen Aufstieg des Einzelnen, und ich möchte sagen, es sollte für euch ein Gelöbnis sein, all das zu erfüllen und euch zu bemühen im Leben.

Es spielt der Hass im Leben des Menschen eine solch gewaltige Rolle, und seine Auswirkung ist furchtbar. Nun werdet ihr mir antworten, dass ihr niemanden wirklich hasst. Ich rufe euch aber in Erinnerung, dass auch der Hass verschiedene Stufen kennt. So sagst du, lieber Freund, dass du niemanden hassest, dass dir höchstens dieser oder jener Mensch nicht sympathisch sei [siehe dazu auch die Fragebeantwortung im Anschluss an diesen Vortrag]. Warum ist er dir nicht sympathisch? Ist es seine äussere Erscheinung, die dir nicht passt, oder sein Gebaren? Oder besitzt er an materiellem Gut mehr als du? Oder spricht er zu viel, dass er dir nicht sympathisch ist?

Seht, auch das muss von einem Freunde, der im geistigen Aufstiege ist, überwunden werden – dieser Hass, der nun zwar nicht von der untersten Stufe ist, wenn du so schön aussprichst, dass dir der und der nicht sympathisch ist; doch hast du dich zu fragen: “Aus welchem Grunde spreche ich so? Bin ich, wie ich sein sollte: wohlwollend gegenüber jedem? Habe ich nicht unrecht, wenn ich so spreche? Habe ich nicht vielmehr die Gefühle dieser Art des Hasses oder des Neides zu überwinden? Oder was ist es sonst, das mir nicht gefällt?” Nun, wenn du dich selbst prüfst und fragst, warum dir der Nächste nicht genehm ist, so erkennst du vielleicht Fehler an ihm. Vielleicht aber sind mit diesem Hass Gefühle des Neides gepaart, sodass du zu deinen Mitmenschen von Antipathie sprichst. Wenn du aber geistig höhersteigen willst, hast du solche Gefühle zu überwinden. Und von nun an hast du die Gefühle des Hasses durch dein ganzes Leben hindurch von dir zu weisen. Du sollst fortan dem Nächsten gegenüber immer wohlwollend und verständnisvoll begegnen. Du sollst von nun an auch seine Nöte und seine Schwere betrachten, die er zu tragen hat. Du sollst ihm helfen und nie vergessen, dass der, der dir nicht sympathisch ist, auch von der Liebe Gottes umgeben ist, dass Gott auch ihn, wie alle Menschen, liebt. Und du, der du ein Gleiches tun solltest und geistig höherzukommen suchst, hast noch solche niederen Gefühle in dir. Also, wenn du Gott nahekommen willst, hast du alle deine Mitmenschen zu lieben. Du hast ihnen mit Verständnis entgegenzutreten. Vieles ist zu überwinden, denn du wünschst doch auch – und es ist dir eine Selbstverständlichkeit –, dass Gott dich liebt. Du weisst nun aber auch, dass Gott alle seine Kinder liebt. So musst du es ihm gleichtun, wenn du ihm nahekommen willst. Dies ist schon wieder ein Weg der Vollkommenheit entgegen. Aber es ist so, dass der Mensch an sich selbst so wenig Fehler sieht. Also betrachten wir euch, liebe Freunde, und es ist meine Aufgabe, und es ist mir gestattet, euch eure Fehler in Erinnerung zu rufen. So denkt daran: Alle Freunde, die dieser Gemeinschaft angeschlossen sind, haben sich von den Gefühlen des Hasses und des Neids zu befreien, ganz gleich auf welcher Stufe dieser Hass ist. Bemüht euch darum, liebe Freunde.

Ein zweiter Punkt ist die Eifersucht, die über die ganze Welt verbreitet ist, bei den einen mehr, bei den andern weniger. Warum ist denn ein Mensch eifersüchtig? So viele Menschen sind eifersüchtig auf die Stellung oder auf den Besitz ihrer Nächsten. Sie möchten besitzen, was der andere hat, und es wird ihnen selten gelingen. Und so ist die Eifersucht eine solch grosse Untugend. Sie sollte nicht bei meinen Freunden anzutreffen sein. Nie sollt ihr angesichts all dessen, was ein anderer besitzt, betrübt sein, weil ihr nicht auch so viel habt, sondern ihr sollt ihm wohlwollend gesinnt sein. Doch wehe dem, der auf irgendeine Art bewusst Ärgernis gibt und bei seinen Mitmenschen Eifersucht erweckt. Derjenige, der solches tut, belastet sich aufs Höchste – zum Beispiel wenn ein Ehepartner diese Eifersucht heraufbeschwört, worunter der andere zu leiden hat. Wenn anderseits derjenige, der durch seinen Nächsten gekränkt wurde, sein Leiden in Erhabenheit trägt und die Eifersucht nicht in sich aufnimmt, wird er zum duldenden Menschen und wird zu einem Seligen ernannt; doch nur dann, wenn er das, was ihm angetan wurde, nicht mit Hass beantwortet. Wenn der Leidende darum weiss, dass in der geistigen Welt eine solch unendliche Zahl von göttlichen Quellen sind, woraus er schöpfen und sich stärken kann, werden ihm weder Hass noch Eifersucht etwas anhaben können. So erwirbt sich dieser Mensch dadurch geistige Verdienste. “Selig sind die Leidenden, denn sie werden getröstet werden.” Wer also weiss, dass man an diese göttlichen Quellen herantreten kann, der wird so gestärkt, dass er sein Leiden in Erhabenheit zu tragen weiss. Und dies heisst: zu dulden, zu schweigen und zu Gott zu beten, auf dass man auf die richtigen Wege geführt wird und keinen Hass gegen den Nächsten aufkommen lässt, dass man vielmehr im Stillen darum bittet, dass man jenem verzeihen möge.

So soll es bei euch sein, liebe Freunde. Überwindet alle Gefühle der Eifersucht. Wer in irgendeiner Weise zu leiden hat, suche diese göttlichen Quellen auf und trete ein in das Reich Gottes. Es fällt dies oftmals schwer, aber es bringt den Frieden. Denn der Friede, nach dem die Menschen sich so sehnen, ist nicht aussen zu finden, sondern der Friede kommt aus der eigenen Seele, er muss von innen heraus kommen. Und wenn der Mensch zu diesen göttlichen Quellen schreitet, dann können sich die Gefühle des Friedens entfalten. Doch dazu braucht es auch einige Kenntnisse der geistigen Gesetze. Wer eifriger Zuhörer in unserer Gemeinschaft ist, der wird auch die Erklärungen dieser geistigen Gesetze immer wieder finden. Also soll ein jedes von euch bedenken, dass es niemals Grund gibt zu irgendwelcher Eifersucht gegenüber dem Nächsten; denn derjenige wird bestraft.

Baut auf den Frieden, von innen nach aussen, und verbreitet ihn. Dies sollt ihr tun, und dies führt euch zu einem glückseligen Leben. Es ist dies also der zweite Punkt, den wir einschliessen, und ihr sollt geloben, euch darin zu bemühen. Ihr werdet es mit der Zeit so weit bringen, wenn es auch nur langsam, nur schrittweise vorwärtsgeht. Mit der Zeit aber finden wir uns dann auf diesen Höhen, und dann habt ihr mehr Gelegenheit, von der Herrlichkeit Gottes aufzunehmen und sie zu verstehen. Denn durch das Nähertreten zu Gott werden dem Menschen viel mehr Erkenntnisse gegeben.

Nun, ein weiterer Punkt: Es ist die Herrschsucht, die ebenfalls die Menschen so belastet. Und es sind wiederum diejenigen, die es gar nicht wissen wollen, dass sie herrschsüchtig und zum Leid und Schmerz ihrer Umgebung sind. Wie kann aber der Herrschsüchtige auch wirklich merken, dass er herrschsüchtig ist? Denn er hält nur alles das, was er tut und befiehlt, für richtig. Und wenn ein anderer von sich selbst aus etwas getan hat, so verurteilt er es. Ja, liebe Freunde, herrschsüchtige Menschen sind nicht beliebt. Viel haben sie zu überwinden, sich in Bescheidenheit und Demut zu üben. Sie haben sich auch darin zu überwinden, dass sie für sich behalten, was sie alles leisten, dass sie auch nicht darüber sprechen, was sie alles zu erdulden haben, sondern das beachten, was ihre Mitmenschen leisten; denn diese leisten auch Grosses und haben auch viel zu dulden, aber sie haben auch das Recht zu bestimmen.

So soll ein jeder sich selbst fragen: “Herrsche ich in meinem Hause, in meiner Umgebung?” Denn im Hause Gottes und in der geistigen Welt wird nicht geherrscht, sondern in Liebe geführt. Christus, der höchste Fürst des Himmels, herrscht nicht über die Legionen, die ihm unterstellt sind, sondern er ist der grösste Führer der Liebe, der alle in Liebe führt. Nun, da ihr von der Liebe Gottes umgeben seid, sollt ihr ein Gleiches tun. Mit Verständnis und Liebe sollt ihr führen, denn niemals kann ein herrschsüchtiger Mensch die geistigen Höhen ersteigen. Denn selig sind die Bescheidenen, selig sind die Demütigen, aber nicht die Herrschenden. Also wandelt die Gefühle der Herrschsucht um in Bescheidenheit und Demut. Das ist der dritte Punkt, den wir einschliessen, wonach ihr euch bemühen sollt, bescheiden zu leben und immer in Liebe zu führen.

Eine weitere Untugend ist der Geiz. Auch er weist eine grosse Stufenleiter auf. Die geizig veranlagten Menschen sind zugleich so engherzig, so kleinlich; denn sie messen überall mit so kleinen Massen aus und vergessen dabei, dass ihnen mit dem gleichen Mass, mit dem sie ausgemessen haben, wieder zugemessen wird. Wenn ich nun von Geiz spreche, meine ich nicht gerade die Menschen, die alles nur für sich haben wollen; ich meine damit nicht nur den Geiz auf der untersten Stufe, sondern ihr seid ja im geistigen Fortschritt und Höhersteigen begriffen. Aber diese Gefühle des Geizes sind noch in vielen Menschen, die keine Möglichkeit kennen zur Entfaltung der Toleranz, die keine Grosszügigkeit kennen. Ist aber Gott in seiner Liebe nicht grosszügig und gibt in grossen und gewaltigen Mengen? Wie kann denn ein Mensch, der sich bemüht, geistig emporzusteigen, noch so engherzig sein und mit so kleinen Massen messen? Willst du, dass Gott dir gibt, dann gib du auch oder gib du zuerst. So werdet ihr auch auf diesem Wege, wenn ihr versucht zu überwinden, zu Glücklichen und Seligen.

Diese vier Punkte sollt ihr euch merken und euch durchs ganze Leben daran erinnern: Keinen Hass, keine Eifersucht, keine Herrschsucht, keinen Geiz, und ihr sollt sie nirgends heraufbeschwören. Wohlwollend und grosszügig sollt ihr gegenüber allen euren Mitmenschen sein, aber auch als demütige und bescheidene Menschen durchs Leben schreiten. Wenn ich von Grosszügigkeit spreche, meine ich damit nicht, dass der Mensch verschwenderisch sein soll, nein. Aber wenn ich in dieser Weise spreche, wird er etwas mehr aus sich heraus geben und etwas freier werden, denn der Geiz ist mehr verbreitet als die Sucht der Verschwendung. Nun, liebe Freunde, dies alles sollt ihr befolgen. Versucht es zu tun. Und wir wollen euch dabei helfen, für euren geistigen Aufstieg.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 5.9.1953 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

An einem darauffolgenden Frageabend wurde Geistlehrer Josef um eine nähere Erklärung zu diesem Vortrag gebeten:

“Lieber Geist Josef, kürzlich sprachst du über die Antipathie, dass unter ihr so viel wie die leichteste Stufe des Hasses zu verstehen sei. Kann sie aber nicht zugleich ein Schutz gegen andere sein?”

Josef: Unter Antipathie ist der leichteste Grad von Hass zu verstehen, das heisst, es ist darunter kein Hass zu verstehen, der aus dem Innersten der Seele kommt. Aber es fehlt an der Zuneigung, oft infolge oberflächlicher Beurteilung eines andern und durch ein Suchen und Abtasten nach dem, was einem nicht genehm ist. Seht, dieses Gefühls kann sich der Mensch kaum erwehren, und er schadet dem andern nicht wirklich, sofern er es nicht im Geringsten zum wirklichen Hass kommen lässt. Wenn jemand in ihm keine angenehmeren Gefühle auslöst, kann er ja von diesem Menschen Abstand nehmen. Das soll aber nicht heissen, dass er für ihn keine Liebe, kein Entgegenkommen und Wohlwollen zeigt, dass er den andern von all den göttlichen Tugenden ausschliesst, weil er ihm nicht genehm ist.

Es sind die Gefühle, die hier umgeformt werden müssen. Der Mensch sollte sich doch dazu überwinden – wenn er schon nicht direkt die Sympathie geben und mit einem andern deshalb nicht eng zusammengehen kann –, ihm keinen Schaden zuzufügen, nichts Unartiges über ihn zu sprechen und ihm trotz allem wohlgesinnt zu sein. Aber das ist ja das Schwere; denn wo ihr keine Sympathie für den Nächsten besitzt, da werdet ihr euch auch nicht besonders bemühen, ihm etwas zu geben. Also gerade bei jenem Menschen, dem man die Sympathie nicht so entgegenbringen kann, muss man sich überwinden und ihm das geben, was eine edle Seele eben geben kann: die Liebe, das Wohlwollen, Freundlichkeit und Entgegenkommen. Man soll jenen nicht ausweichen, um ihnen keine Gefälligkeit erweisen zu müssen, weil sie einem nicht genehm sind. So könnt ihr auch jenen viel Gutes tun, auch wenn sie für euch nicht so etwas Angenehmes ausstrahlen. Aber jene können auch belehrt werden. Sie sollen fühlen, dass ihre Mitmenschen sie schätzen und lieben. Es soll ihnen Gutes entgegengebracht werden, damit auch sie eine stärkere Wärme ausstrahlen können.

Damit ist nicht gemeint, dass man sich nicht schützen könne vor solchen Menschen. Jeder soll zuerst sein Leben, seine Handlungen klar überdenken. Durch dieses Überlegen werden ihm auch Erkenntnisse gegeben, und dann hat er schon einen gewissen Schutz. Es ist ein grosser Fehler der Menschen, dass sie sich unüberlegt in Dinge stürzen, zu viel und unüberlegt sprechen. Deshalb sagen wir: Sprecht langsam, überlegt zuerst, was ihr sprecht; dann würdet ihr manchem Mitmenschen nicht wehtun. So schnell ist ein anderer beleidigt, und das ist eine Belastung für den, der den andern beleidigt.

Vom niederen Ich zum höheren Selbst – Hilfe zur Überwindung von Untugenden

Josef, 24. Oktober 1953 (Ausschnitt)

Vom niederen Ich zum höheren Selbst – Hilfe zur Überwindung von Untugenden

Die Geisterwelt Gottes ist immer bemüht, die Menschen im Guten zu fördern; denn es ist ihr sehnlicher Wunsch, dass sich der Einzelne veredelt und Gott näherkommt. So begleitet sie ihn und hilft ihm, seine Schwächen zu überwinden. Eine Voraussetzung dazu ist aber, dass der Mensch mit sich selbst ehrlich ist und seine eigenen Untugenden erkennt.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, es ist unsere Aufgabe, die Menschen zu den Quellen göttlichen Lebens zu führen. Dazu hat der Mensch, der sich immer mehr zu veredeln sucht, das niedere Ich zu überwinden und die Bahn zum höheren Selbst zu eröffnen. So möchte ich vorerst etwas verweilen bei diesem niederen Ich.

Bei euch, liebe Freunde, ist das Verlangen, Gott näherzutreten. Ihr wollt Gott loben und preisen. Ihr wollt mit ihm verbunden sein. Ja, jene, die sich so bemühen, dies zu erreichen, sie möchte ich Gottesmenschen nennen. Alle Menschen sind Kinder Gottes, doch ihr Verhältnis zu Gott ist nicht bei allen gleich. So bemühen wir uns, euch an die Quellen des göttlichen Lebens zu führen, auf dass wir euch Gottesmenschen nennen dürfen. Daher gilt es, im Leben immer zu überwinden.

Doch betrachten wir nun einmal diesen Ich-Menschen, und ich will euch davon nur einen kleinen Ausschnitt geben, was alles zu diesem niederen Ich gehört. Ich will euch damit den Weg zum höheren Selbst weisen; doch sollt ihr so ehrlich sein, einmal über euch selbst ein wahres Urteil abzugeben. Denn das ist unsere Aufgabe, an euch zu dringen, euch wachzurufen, euch Gott näherzuführen. Wie viele von euch sprechen noch so viel von sich selbst und sagen: “Ich will es so haben, ich will das besitzen”, oder: “Ich habe die schönsten Blumen in meinem Garten, ich habe das schönste Haus, mit allem, was sich darin befindet.” Vielleicht ist das etwas krass ausgedrückt; aber ihr werdet mich auf diese Weise besser verstehen, was damit gemeint ist.

Mit seinem “Ich, ich” vergisst der Mensch seine Nächsten. Wenn er will, haben andere nichts mehr zu sagen. Was er beschliesst, das hat zu geschehen. Wie kann da ein anderer auch dienen, auch gute Ratschläge erteilen? Jener hört nicht hin, was seine Umgebung zu ihm spricht, wie sie ihn ermahnt. Er will nicht hören. Wie ist doch eine solche Seele noch verschlossen. Wie viel an niederen Trieben sind noch in einer solchen Seele, die nur an sich selbst denkt, die nur immer davon spricht, was sie kann und leistet, was sie alles besitzt und dass nur ihre Dinge die schönsten und wertvollsten seien. Wer so denkt und spricht, der versündigt sich gegenüber Gott und seiner ganzen Schöpfung. Vor lauter “Ich” erkennt er nicht die vielen Schönheiten um sich her. Er kann von der wahren Liebe nichts aufnehmen. Er will nichts wissen von Güte und Bescheidenheit. Er denkt und lebt und will nur für sich. Wie arm sind solche Menschen.

Und wie steht es um dich selbst, lieber Freund? Bist du von dir auch so eingenommen, dass du glaubst, dass du das Schönste besitzest, dass nur das richtig sei, was du sagst und was du tust? Meine Worte werden vielen etwas hart vorkommen. Ich muss aber auf diese Weise an euch dringen, weil man mich sonst nicht versteht. Denn wie könnte ich euch den Weg zeigen zum höheren Selbst, wenn ich euch nicht sagen würde, was ihr tun und was ihr nicht tun sollt? Denn wie schwer haben es die Menschen, ihre eigenen Fehler einzusehen.

Das alles will nicht heissen, dass ihr an euren irdischen Sachen keine Freude haben dürftet. Freilich soll sich der Mensch darüber freuen dürfen; aber seine Freude soll solcher Art sein, dass andere diese Freude mit ihm teilen können. Sonst aber fühlt sich ein anderer abgestossen, wenn er erkennt, dass immer nur jener alles Schönste haben und besitzen will und er immer nur von sich und seinem Besitze spricht. Geistig aber steht der andere, der dabei bescheiden bleibt und sich scheinbar armselig vorkommt, weit über jenem.

Diese Untugend sollten die Menschen überwinden. Sie stellt nur einen kleinen Ausschnitt der Merkmale eines Ich-Menschen dar; so viele andere entfalten sie aus ihrem “Ich will” und “Ich habe”, “Mir gehört es” und so weiter. Ihr aber sollt das überwinden, denn ihr wollt doch Gott näherkommen, und ihr alle sollt Gottesmenschen sein. So sollt ihr in euch die Liebe aufbauen, die Güte und die Friedfertigkeit; ihr sollt diese Kräfte aus euch heraus verbreiten. Es ist ein ganz anderes Erleben für einen wirklichen Gottesmenschen. Er fühlt aber auch die Verpflichtung, dass er mit seinem ganzen Handeln immer nur der Liebe zu dienen hat. Er ist sich bewusst, dass er auch von Herzen seine Freude an Dingen bekunden darf, woran er Freude empfindet; aber er wird nicht immer von sich selber sprechen.

Ein Gottesmensch wünscht und handelt so, dass andere sich auch freuen können. Ihr seid doch schon Menschen begegnet, von denen ihr sagen musstet: “Das ist ein wahrer Gottesmensch; aus ihm spricht nur die Liebe und Güte.” Ja, jene haben eben ihr Leben dementsprechend aufgebaut. Aus ihnen wirkt das höhere Selbst. Sie können sich in das Leid anderer einfühlen. Sie verstehen es, andern Ratschläge zu geben. Sie verstehen es, andere in liebenswürdiger Weise auf Fehler aufmerksam zu machen und sie zu ermahnen, und sie versuchen, sie zu führen. Das, liebe Freunde, ist der Weg zu den Quellen göttlichen Lebens: Immer dienen und helfen, nach den Nöten anderer fragen, sich in ihr Leid hineinfühlen, im Geiste mit ihnen gehen und für sie beten – und nicht so sehr für sich allein besorgt sein. Nein, wer mit der geistigen Welt verbunden ist, erhält so vielseitige Kräfte und hat so grosse Möglichkeiten, sie zu entfalten, zu dienen und zu helfen, gütig und edel zu sein. So viel von diesem niederen Ich muss überwunden werden! “Ich”? Nein, nicht immer “Ich”. Denn wonach sehnt sich die Seele? Sie trachtet nur nach reinem Glück und reiner Freude. Sie will Gott gefällig sein. Die Seele eines Gottesmenschen erhält auch wirklich diese Kraft; denn es muss so viel überwunden werden auf dem Weg zu den Quellen göttlichen Lebens.

Ich möchte euch daran erinnern, dass ihr, liebe Freunde – das heisst, ich darf nicht allzu sehr in der Mehrzahl sprechen –, dass aber jene, die von der göttlichen Welt als Gottesmenschen betrachtet werden, sich in ihren stillen Stunden, da ihr Körper ruht und ihr Geist frei ist, mit einem geistigen Lehrer zusammenfinden werden. Er wird euren Geist unterrichten im Heilsplane Gottes. Er wird euch während dieser Zeit unterrichten für eure tägliche Arbeit. Er wird euch unterrichten in der Gerechtigkeit, in der Friedfertigkeit und in der Güte – lauter Quellen des göttlichen Lebens. Ihr werdet in diesen stillen Stunden unterrichtet, und oftmals dringt von dem, was ihr im Geiste aufgenommen habt, durch den ganzen Menschen, sodass es sich zum Segen auswirkt im täglichen Leben. Dabei haben die Gottesmenschen auch oft besondere Wünsche vorzubringen. Sie möchten ja so gerne über verschiedene Dinge und Probleme aufgeklärt werden. Nun liegt es in der Weisheit Gottes, dass das in euren stillen Stunden geschehen kann, da euer Geist frei ist vom Körper und wo jeder nach seiner geistigen Entwicklung die Lehren empfängt und sie aufnehmen kann.

Ihr wisst, Schutzgeister begleiten euch durchs Leben, Führergeister sind mit euch. Die Aufgabe der Schutzgeister ist, euch immer zu behüten und zu begleiten; die Führergeister aber sind nur zeitweise bei euch. Die geistigen Lehrer werden euch zugeführt in euren stillen Stunden, allen, die sich redlich bemühen, diese geistigen Höhen zu erreichen; die wahrlich die Verbindung zur göttlichen Welt wünschen und mit Gott verbunden sein wollen, die sich immerdar bemühen, sich zu veredeln, die Gottesmenschen sind.

Euer guter Wille wird wohl anerkannt. Aber noch mehr braucht es an Kraft, das zu verwirklichen, was notwendig ist für das Heil des Einzelnen. Sich nur wünschen, dieses hohe Ziel zu erreichen, das allein genügt nicht; sondern er muss sich fortwährend veredeln. Denn je feiner er wird, je herrlicher sein Geist leuchten wird, je mächtiger sind die Boten des Himmels, die ihn umgeben, je grösser, ja gewaltiger ist die Kraft, die sie ihm übertragen können. Ihr wisst doch: Gute Menschen ziehen gute Geister an, herrliche, edle Menschen ziehen herrliche Engel Gottes an sich. Das ist ein geistiges Gesetz.

Und, liebe Freunde, es gehört doch auch zu einem Gottesmenschen, dass er Gott immer dankbar ist, dass er Gott lobt und preist. In besonderer Weise sollt auch ihr Gott immer loben und preisen. Wenn ihr jeweils meine Worte genau verfolgt, die ich das ganze Jahr hindurch an euch richte, so müsst ihr beobachtet haben, dass ich immer kurz vor Ende des Jahres meine Worte dahin lenkte: Gott zu loben und ihm zu danken für alles, was er euch das ganze Jahr hindurch gegeben hat. So hatten die Menschen früherer Zeiten auch Ernte- und Dankesfeste gefeiert. Ihr habt in eurem Lande dafür einen besonderen Tag des Dankes eingeführt [den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag]. Darüber hinaus aber sollt ihr noch ein Weiteres tun: Ihr sollt Gott ebenfalls für alles Gute und alle Herrlichkeiten dieser Welt loben und preisen. Ihr sollt ihm danken für alles, was er euch persönlich Gutes getan hat an Leib und Seele. Es darf aber nicht nur ein oberflächliches Danken sein, soll es wahrlich in das Haus Gottes eingehen können.

Meine lieben Freunde, einem jeden hier sind von Boten Gottes drei Fackeln gegeben, die jeder selbst anzünden muss: die eine davon mit der Kraft der Liebe; mit der Kraft der Friedfertigkeit, des Friedens in sich, muss er fähig sein, die zweite Fackel zu entzünden; und die dritte Fackel muss er anzünden mit seiner Güte. Diese drei Tugenden sind es, die diese drei Fackeln zum Brennen bringen müssen und zusammen ein grosses Feuer entfalten sollen: Liebe, Friedfertigkeit, Güte. Sie zusammen sollen für euch ein geistiges Licht sein, das euch leuchten wird in das Haus Gottes hinein. Ich sage euch nochmals, liebe Freunde, lasst diese Fackeln leuchten mit der Kraft eurer Liebe, mit der Kraft eures Friedens, mit der Kraft eurer Güte. Aber nicht überall kommen diese drei Fackeln zum Leuchten. Dort, wo nicht vollständiger Friede herrscht, da brennt dessen Fackel nicht; dort, wo keine wahre, reine Liebe ist, brennt jene Fackel auch nicht, auch da nicht, wo keine Güte ist. Vielleicht brennt da und dort nur eine, oder es brennen zwei. Es bedarf wahrlich mehr dazu als nur leere Worte, um sich jetzt vorstellen zu dürfen, dass bei einem selbst alle drei Fackeln brennen.

Liebe Freunde, wenn wir euch immer wieder auffordern und euch Gelegenheit geben, gutzumachen, zu verbessern, warum tun es nicht alle? Warum sucht ihr den Frieden ausserhalb? Der Friede ist nur in euch selbst zu finden. Von innen nach aussen geht er, nicht von aussen her ist er zu suchen. Das sind Gottesmenschen, die in diesem Frieden leben und wirken, die diese grosse Liebe und Güte haben. Das sind Gottesmenschen, die gesegnet sind von den höchsten Fürsten des Himmels für ihre immerwährende Anstrengung in der Überwindung und um diese geistigen Höhen zu erlangen, und die auch fähig sind, über sich selbst ein gerechtes Urteil abzugeben. Sie sind im geistigen Aufstieg, und sie nennen wir Gottesmenschen.

Nun, lasst diese drei Fackeln leuchten bei euch, und wo es noch nicht möglich ist, da soll es möglich werden bis Ende des Jahres. Ein grosses Fest soll es sein. Es soll sich ein grosses Feuer bilden, ein Licht, das leuchten soll zur Ehre Gottes; denn in diesem Licht sind Liebe, Friede und Güte. Und so, liebe Freunde, habt ihr wieder eine neue Aufgabe. Wir wünschen, dass ihr immer bessere, edlere Menschen werdet. Denn dann werden wir uns begegnen auf den geistigen Höhen, wenn ihr diese Gesetze erfüllt.

Ich habe immer viele Worte der Liebe für euch, und immer wiederhole ich und ermahne ich euch mit so viel Geduld, und immer wieder vergesst ihr euch. Es werden aber noch andere kommen, die gestrengere Worte sprechen als ich – aber das alles ist für euer Heil, für euren Fortschritt bestimmt –, war ich doch nur ein Vorläufer, euch diese Wege zu bahnen. Denn so vieles wurde euch erklärt, und ihr könnt jetzt fähig sein, Weiteres aufzunehmen. [...]

Möget ihr, liebe Freunde, immer um viel Kraft flehen, auf dass ihr als edle Menschen eure Aufgaben erfüllen könnt; denn je edler ihr seid, desto schöner und mächtiger sind eure geistigen Helfer. So viele heilende Kräfte sind vor euch ausgebreitet und so viel Segen Gottes. Nehmt ihn mit, verarbeitet ihn. Schenkt eurer Umgebung den Frieden, die Liebe, die Güte, damit die drei Fackeln zum Leuchten kommen und wir zusammen in euren stillen Stunden einziehen können ins Haus Gottes, dass ihr alle ein Lichtmeer bildet in diesen geistigen Höhen. Und dass dies geschehe, dafür beten wir für euch. Gott segne alle Freunde nah und fern. Gott segne das ganze irdische Reich. Gott zum Gruss.

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 24.10.1953 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Heft 4/2018
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm