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Unfalltod eines jungen Familienvaters und tröstlicher Beistand aus der jenseitigen Welt – Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus – Trennung auf Zeit
Trauerbewältigung
Beschreibung
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist das für die Angehörigen eine leidvolle Erfahrung. Neben der Trauer sind sie auch im Ungewissen, wie es dem Verstorbenen ergeht und ob dereinst überhaupt ein Wiedersehen möglich ist. Leidvoll ist die Trennung aber auch für Verstorbene, wenn sie ihre Lieben auf Erden verwaist glauben. Geistlehrer Josef beleuchtet, wie die göttliche Welt solchen Heimgekehrten sowie den Angehörigen auf Erden beisteht. In einem weiteren Vortrag erläutert er, warum ein Heimgegangener seinen Liebsten nicht immer ein persönliches Lebenszeichen geben kann.
Das Heft enthält ferner verschiedene Fragebeantwortungen. So erläutert Josef unter anderem, wie man in der Trauer und Verzweiflung über den Heimgang eines Liebsten doch Trost finden oder der Seele eines Menschen beistehen kann, der sich das Leben genommen hatte.
Themenheft 2/2018: Trauerbewältigung
Inhalt
Unfalltod eines jungen Familienvaters – tröstlicher Beistand aus der jenseitigen Welt
Josef, 5. September 1970
Unfalltod eines jungen Familienvaters – tröstlicher Beistand aus der jenseitigen Welt
Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist für die Angehörigen eine leidvolle Erfahrung. Zur Trauer über die Trennung gesellt sich die Ungewissheit, wie es dem Verstorbenen ergeht – ob ein Wiedersehen überhaupt möglich ist. Aber nicht nur für die Hinterbliebenen ist der Abschied ein Schmerz. Im selben Masse leiderfüllt sind oft auch die Heimgegangenen selbst, wenn sie nun ihre Lieben auf Erden verwaist glauben. Geistlehrer Josef erklärt am Beispiel eines jung verstorbenen Familienvaters, wie die göttliche Welt solchen Heimgekehrten beisteht und ihnen zeigt, wie sie den Angehörigen auf Erden Hilfe und Trost bringt.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, wir bieten jedem Menschen die Freundschaft an, aber nicht jeder Mensch wünscht unsere Freundschaft. Die einen verlangen nach uns und breiten ihre Hände nach uns aus, und wir gehen zu ihnen und unterstützen und führen sie. Andere wünschen unsere Freundschaft nicht – dafür gibt es verschiedene Gründe. Die einen wollen von unserem Dasein nichts wissen; andere wiederum glauben, wir würden auf die Menschen einen ungünstigen Einfluss ausüben. Diese Ablehnung kommt aus Unkenntnis. Wieder andere Menschen haben ihre vorgefasste, feste Meinung, und sie können und wollen nicht glauben.
Zu einem Menschen, der nicht glauben will, dass es eine Geisterwelt Gottes gibt, können wir natürlich nicht eine gute Freundschaft halten. Wir wollen gerne in eine innige Verbindung mit dem Menschen kommen. Aber damit es zu einer innigen Verbindung kommen kann, müssen wir einander im Denken und Wollen mindestens ähnlich werden. So müssen wir doch vom Menschen verlangen, dass er sich mehr nach innen ausrichtet, dass er mehr nach innen lebt. Denn wir haben andere Gesetze, unsere Welt ist ja anders. Damit wir dem Menschen wirklich Freund sein und ihm das geben können, was er wirklich braucht, was er auch begreifen und verstehen kann, dafür muss er sich unbedingt nach innen wenden. Er muss Zeit finden, seine Seele zu pflegen.
Wenn der Leib des Menschen krank ist, verursacht er ihm mit der Zeit Schmerzen; dann fängt er an, seinen Leib zu pflegen. Wenn aber die Seele krank ist, vermag auch dieses Leiden den ganzen Menschen zu erfassen. Er sucht dann Hilfe, aber man findet, dass er organisch gesund ist, und kann sein Leiden nicht erklären. Für ein seelisches Kranksein gibt es auch verschiedene Ursachen. Es kann karmisch bedingt sein. Es kann aber auch so sein, dass die Umwelt diese seelische Krankheit hervorruft. Es kann sein, dass er eine Tätigkeit ausübt, der er nicht gewachsen ist, bei der er unzufrieden ist; auch dadurch kann er seelisch krank werden.
Wenn wir nun mit einem Menschen in Freundschaft sind, versuchen wir, ihm zu helfen. Wir versuchen – ich sage ausdrücklich: wir versuchen – zu helfen, wenn er am Leibe und an der Seele krank ist. Wir versuchen ihm beizustehen, ihm so viel zu geben, wie uns erlaubt ist, den Verhältnissen entsprechend darzubieten. Das ist der Vorzug, den man hat, wenn man geistige Freunde besitzt. Dies kann ich euch wohl sagen, und alle Freunde glauben es, die in einer wirklichen geistigen Verbundenheit mit uns leben, die Erkenntnisse gesammelt haben über die geistigen Gesetze; die von unserem Dasein und von unserem Beistand so überzeugt sind, dass es ihnen selbstverständlich ist und sie auch darum flehen: “Helft uns, und steht uns bei.” Und so sage ich: Wo es uns erlaubt ist und es die Umstände möglich machen, schreiten wir ein. Wer die Hand nach uns ausstreckt, diese Hand nehmen wir entgegen. Aber es geschieht manchmal auch, dass wir nach Händen greifen – und man stösst uns weg.
Wie notwendig und wie gut es ist, in der Verbindung mit der heiligen Geisterwelt Gottes zu sein, kann eigentlich erst erfasst werden, wenn man sich von dieser Welt gelöst hat, wenn man verstorben und in diese andere Welt hinübergetreten ist, wenn man die Realität vor sich hat und es erlebt, was darüber erklärt und gesagt worden ist. Dann ist jeder froh um die kleinste Erkenntnis, die er in seinem menschlichen Leben darüber gewonnen hat. In irgendeiner Art und Weise kommt sie ihm zugute. Es kommt jenen zugute, die noch auf einer niederen Aufstiegsstufe stehen, sowie auch jenen, die bereits eine gewisse geistige Höhe erreicht haben. Denn man soll nicht vergessen, dass man sich beim Übertritt in die geistige Welt nicht sofort wieder an sie erinnert und orientiert ist über das, was einen wieder umgibt. In der ersten Zeit ist man etwas benommen, und alles erscheint einem neu und fremd. Es braucht eine Zeit der Anpassung. Für den einen ist sie ganz kurz, und für den andern dauert sie lange.
Und so möchte ich euch wieder – wie gewohnt – durch ein Beispiel Einblick geben in die Gesetzmässigkeit Gottes und in die Tätigkeit der heiligen Geisterwelt, wie sie den Menschen den Beistand gibt.
Liebe Geschwister, ich will von einem jungen Menschen erzählen, von einem jungen Mann, der eines plötzlichen Todes gestorben ist. Und bedenkt: Wie oft kommt es heute vor, dass man ganz plötzlich durch einen Unfall von dieser Welt abberufen wird. Ich will euch also von einem jungen Mann erzählen, der auf diese Weise von der Welt abberufen wurde.
Als er nun als Geist die Augen öffnete, sah er, was sich um ihn abgespielt hatte, und er hörte, was gesprochen wurde. Er hörte die Worte, dass er tot sei, und er sah sich selbst am Boden liegen. Er wollte Einwendungen machen, es sei nicht wahr, er sei ja gar nicht gestorben, er sei da; man solle auf ihn hören, es stimme nicht, was sie sagten – er lebe doch, er sei da. Und er ging zu diesen Menschen hin, rüttelte sie und schrie sie an: “Ich bin doch nicht tot, ich lebe ja. Hörst du mich nicht? Warte nur eine Zeit, ich bin nur ohnmächtig. Das ist mein Leib, du wirst sehen, ich werde wieder wach.” Doch er musste immer wieder hören: “Er ist tot.” Da kam auch ein Arzt, und auch von diesem hörte er es sagen: “Er ist tot. Schade um das junge Leben.”
Nun sah er, wie man diesen Leichnam, seinen Körper, auf einen Wagen lud und damit fortfuhr. Er selber blieb noch an der Unfallstelle und behauptete weiter: “Ich lebe doch, ich bin doch gar nicht gestorben! Die haben mir etwas weggenommen – sie sollen mir meinen Leib wieder zurückgeben. Ich bin ja nur bewusstlos.”
Er war benommen. Er hatte sich im Leben nie mit dem Gedanken befasst, dass nach dem Tode das Leben weitergeht; er hatte sich nie damit beschäftigt, was Seele und Geist ist. So stand er noch lange Zeit am selben Ort. Auch als sich alle davon entfernt hatten, blieb er immer noch da und hoffte, man würde seinen Leib zurückbringen und er könnte wieder ins Leben zurückkehren.
Dies alles spielte sich in verhältnismässig kurzer Zeit ab. Und als er so dastand und mit sich redete, da sah er plötzlich seine Eltern vor sich stehen, die schon vor längerer Zeit in die geistige Welt eingegangen waren. Seine Mutter kam auf ihn zu und sprach zu ihm: “Du bist wirklich tot. Du bist gestorben, du bist ums Leben gekommen.” Er wusste nicht, ob er sich nun freuen sollte, seine Mutter und seinen Vater vor sich zu haben und sie zu sehen, oder ob er traurig sein sollte, dass er gestorben war.
“Ich weiss nicht, was ich tun soll”, sagte er zu seiner Mutter, “ich habe doch eine Familie zurückgelassen. Meine Frau und meine Kinder sind doch da. Wer sorgt für sie? Ich muss doch zurück zu meiner Familie.” Die Mutter tröstete ihn und sagte: “Wir werden ihr beistehen, wir werden ihr helfen, dass sie diese schwere Zeit überbrücken kann.” Doch das schien ihm etwas Unmögliches zu sein – wie sollte es auch möglich sein, dass Verstorbene da helfen und Menschen beistehen könnten! Doch sah er seine Mutter vor sich mit ihrem geistigen Leibe und mit den ähnlichen Zügen, mit dem Aussehen, wie sie es als Mensch gehabt hatte, und der Vater war daneben. Er gab ihnen die Hände, berührte sie, umarmte sie und fing an zu weinen. “Ich bin verzweifelt”, sagte er, “ich weiss nicht, was Wahrheit ist, ob ich wohl träume. Ihr steht vor mir, ihr seid meine Eltern gewesen, ich erkenne euch. Und ich soll tot sein? Ich lebe doch.” Und nun musste er von seiner Mutter vernehmen: “Es gibt doch keinen Tod. Mit dem Sterben schreitest du ins ewige Leben hinüber. Du hast ja nur deinen irdischen Leib niedergelegt, und du hast ja gesehen, wie dieser Leib fortgetragen wurde. Du lebst doch auch ohne ihn. Du kannst jetzt mit uns – oder vorerst mit mir – beisammen sein.”
So brauchte es von beiden Eltern viel Überredungskunst, um ihren einstigen leiblichen Sohn dazu zu bewegen, mit ihnen zu kommen. Und so nahmen sie ihn mit. Der Weg führte nun in das Haus der Mutter. Sie wohnte in einem kleinen Dorf mit niederen, aneinandergebauten Häusern. Vor jedem Haus hatte es einen wohlgepflegten Garten, und reichliche Blumenpracht war da zu sehen. Die Mutter sagte nun: “Kehre bei mir ein, ruhe dich etwas aus, und nachher werden wir weitersehen. Aber eines will ich dir sagen: Vater wohnt nicht bei mir, ich wohne hier allein. Und du darfst so lange mein Gast sein, bis du deinen Weg gefunden hast.”
Dann erklärte sie ihm, der Vater wohne in der Nähe; denn es sei in der jenseitigen Welt nicht unbedingt so, dass man nach dem irdischen Tode auch weiter zusammen sein dürfe. Da und dort sei dies eine gewisse Zeit erlaubt, aber dann werde man nach Ablauf einer bestimmten Zeit getrennt. Man könne auch selbst Wünsche aussprechen, wie lange man diese Verbindung noch möchte. Und die Mutter sagte: “Vater besucht mich regelmässig, und ich besuche ihn; wir werden so lange einander nahe sein und uns gegenseitig besuchen, bis unsere Urenkel in die jenseitige Welt zurückgekehrt sind. Und dann wird jedes seinen eigenen Weg gehen, den Weg zu seiner weiteren geistigen Vorwärtsentwicklung. Das Band der einstigen Zusammengehörigkeit muss dann gelöst werden – dann nämlich, wenn man sich im irdischen Leben nicht als Geistverbundene gefunden und als solche zusammengelebt hatte. Die Geistverbundenheit bleibt bestehen; aber ein zufällig zusammengeführtes Zusammenleben auf Erden muss nicht unbedingt geistige Verbundenheit bedeuten.”
Dies wurde dem Sohn erklärt. Aber er konnte es eigentlich gar nicht verstehen, denn es fehlte ihm an Aufmerksamkeit. Er hatte ja nur ein Verlangen: wieder zurückzukehren zu seiner Familie. Er wollte bei seiner Frau und seinen Kindern zum Rechten sehen, und so machte er nun die Mutter darauf aufmerksam: “Du hast gesagt, wir können meiner Frau beistehen, wir können ihr helfen. Komm mit, wir wollen ihr helfen, wir müssen doch zum Rechten sehen.”
Und so entschloss sich die Mutterseele, mit ihrem einstigen Sohn dahin zu gehen, in das Haus, wo die Frau ihres Sohnes mit den Kindern lebte. Und da sahen sie nun, wie diese junge Frau weinte und nicht aus und ein wusste. Als dieser junge Mann – ich möchte ihn noch so nennen – die Verzweiflung seiner Frau sah, sagte er: “Siehst du, sie ist so verzweifelt. Wie können wir ihr und den Kindern helfen?” Die Mutter antwortete: “Du musst Geduld haben, nur Geduld. Wir werden ihr schon beistehen, so gut es möglich ist – wie es mir erlaubt ist, ihr beizustehen, werde ich es tun. Und du sollst es sehen.”
Nun wollte dieser junge Mann doch nichts anderes, als dass sich seine Frau beruhigte und man dafür sorgte, dass ihre Zukunft geregelt würde. Um ihre Zukunft ging es ihm und um die Kinder. Die Mutterseele aber sagte ihm: “Sie wird den Schmerz überwinden und den Weg schon finden.” Doch er behauptete: “Nein, sie war mir so treu und so anhänglich; sie wird diesen Schmerz nicht so schnell überwinden.” Dann antwortete ihm die Mutterseele: “Gut, ich werde dafür besorgt sein, dass über sie Beruhigung kommt.” Und so bat sie ihn: “Komm mit in mein Haus.” Er gehorchte, und als sie in ihrem geistigen Hause anlangten, erklärte ihm die Mutter: “Ich werde dich für eine kurze Zeit verlassen; mach es dir in meinem Hause bequem.” Einfach war der Raum gestaltet, wo diese Mutterseele wohnte, einfach, doch gepflegt. Sie machte ihn aufmerksam: “Betrachte den wunderschönen Garten; die Blumen habe ich selbst gepflegt, und die Blumen sind meine grosse Freude.” Gut, er warte; aber die Worte, die die Mutter gesprochen, konnten ihm keine Ruhe bringen.
Nach einer Zeit kam sie zurück – wo sie hingegangen war, hatte der Sohn nicht gesehen. Sie kam zurück mit einem kleinen Gefäss, und in diesem kleinen Gefäss war eine kostbare Flüssigkeit. Und die Mutterseele sagte: “Ich habe nun darum gebeten, mir das zu geben, was deiner Frau Beruhigung bringt.” Ganz aufgeregt sprach da der Sohn: “Was kannst du denn schon tun, um sie zu beruhigen? Was ist denn schon möglich, an einem Menschen zu tun, um ihn zu beruhigen? Wir sind doch jetzt ohne Leib, wir sind Geister, wie können wir da den Menschen beeinflussen!” Die Mutter deutete auf das Gefäss, das sie hatte, und sagte: “Doch, wir haben die Möglichkeit. Jetzt gehen wir wieder gemeinsam in das Haus, und wir werden warten, bis sie alle zu Tische gehen. Dann werden wir den Kindern und der Mutter nur einen Tropfen dieser Flüssigkeit in ihr Getränk tun. Und dann kannst du es erleben, wie sich alle beruhigen.” Und das sollte er nun miterleben.
Voller Freude ging er doch wieder zurück in das Haus, um seine Kinder und seine Frau zu sehen. Es waren noch Freunde da, die diese Frau trösteten und ihr den Beistand gaben, ihr Trost spendeten und erklärten, wie sie die Zukunft gestalten sollte. Alle sassen am Tische und nahmen einen Trunk zu sich. Aber die Mutterseele gab von ihrer kostbaren Flüssigkeit nur den Angehörigen etwas in den Trunk. So konnte dieser junge Mann die Beobachtung machen, dass sie alle ruhiger wurden und aufhörten zu weinen – zu seiner grossen Überraschung auch seine Frau.
Er wollte wissen: “Was hast du denn getan, was hast du ihnen gegeben?” Sie aber musste ihm sagen: “Das kannst du jetzt noch nicht verstehen. Denn du musst zuerst noch über viele andere Dinge belehrt und unterrichtet werden, um begreifen zu können, dass es einem geistigen Wesen möglich ist, einem Menschen zu helfen, und zwar mit geistigen Mitteln, die die Menschen nicht sehen. Geistige Wesen haben die Möglichkeit, auf das Denken des Menschen einzuwirken. Aber nicht nur das. Sie haben noch weitere Mittel zur Verfügung, wenn es erlaubt und gestattet wird, wenn es zum Heile des Menschen ist, dass es gegeben wird, und wenn es dazu dienen soll, über eine Zeit der Unruhe, des Leides, des Schmerzes hinwegzuhelfen. Vieles können wir am Menschen tun. Ich habe es dir ja gesagt, ich habe dir ja erklärt: Wir können dem Menschen beistehen. Aber du hast noch menschliches Denken in dir und bist der Auffassung, dieses Helfen soll nach menschlicher Art und Weise geschehen.”
Und so klärte sie ihn weiter auf: “Wir haben diese schwere irdische Materie abgelegt. Wir haben geistige Materie, die uns zur Verfügung steht. Und das, was Menschen haben, ist nichts anderes als verdichtete geistige Materie. Und so bringen wir ihnen eigentlich nichts anderes als den ursprünglichen Kern der Materie. Und dieser geistige Kern hat es in sich, er kann den Menschen beeinflussen.”
So musste der Sohn zuhören, und er fing an zu begreifen, dass er in eine nicht nur sonderbare, sondern auch wunderbare Welt hineingekommen war. “Ist dies wirklich möglich?”, fragte er, und die Mutter erinnerte ihn an seine Kindheit, die er mit ihr erlebt hatte: wie sie mit ihm gebetet und wie sie ihm doch von den Engeln des Himmels erzählt habe; und dass es nun tatsächlich so sei, dass es Engel des Himmels gebe und dass es Geister des Himmels gebe – und dass Engel eben auch Geister sind. “Ich hatte dich beten gelehrt. Du aber hast das Beten vergessen, du hast deine Seele nicht gepflegt. Du hast dich nicht um das ewige Leben gekümmert, das nach dem irdischen Tode offenbar wird; du hast dich nur deiner Welt zugewandt. Und jetzt siehst du, dass es nicht nur eine materielle Welt gibt, sondern auch eine geistige Welt – und dass diese geistige Welt so vielfältig ist und sich auch hier ein Dorf vom andern, eine Stadt von der andern unterscheidet. Und das, was Menschen besitzen und betrachten, das haben wir längst: Auch wir haben Städte, auch wir haben Seen, Flüsse und Bäche, auch wir haben Gärten, Früchte und Kostbarkeiten; auch wir pflegen Kranke; auch wir freuen uns, auch wir haben Stätten der Andacht und des Gebetes, auch wir kennen Trauer – alles dies empfinden wir. Aber es ist eine wunderbare Welt, in der wir leben, wenn man so weit gekommen ist und sich ihr angepasst hat, wenn man sich um die Gesetze kümmert, nach ihnen lebt – und wenn man Gott, den Schöpfer aller Dinge, nun erkennt und seine Weisheit lobt und man auch Christus, den Sohn Gottes, den König der Geisterwelt Gottes, als solchen erkennt. Es ist eine wunderbare Welt.”
So kam Staunen über ihn. Und die Mutterseele sagte ihm weiter: “Wir werden ja wieder in dein einstiges Haus zurückkehren und Nachschau halten, wie es um die Deinen bestellt ist.” Sie hatte versucht, ihn eine gewisse Zeit von ihnen fernzuhalten, denn sie wusste, was dort geschehen würde; sie hatte die Vorschau und erkannte, wie es um die Zukunft ihrer Schwiegertochter und der Enkelkinder bestellt war. So versuchte sie, ihren Sohn durch ihren Unterricht zu fesseln, ihn von der Sorge um die Seinen abzulenken. Und tatsächlich fand er immer mehr Interesse an dem, was die Mutterseele ihm erklärte. Plötzlich fand er ja diese neue Welt interessant, bewunderungswürdig, und er hatte auch das Verlangen, dieses und jenes zu erleben. Er wurde darauf aufmerksam gemacht, dass man auch in dieser neuen Welt strebsam sein müsse, dass man – wie auf Erden – allen Besitz erwerben müsse. Doch dafür gebe es kein Zahlungsmittel, wie es die Menschen haben; Geld gebe es nicht, denn man zahle nur mit Tugenden. Das gab ihm auch wieder zu denken, er wusste nun: “Hier muss ich von Neuem anfangen, von Neuem beginnen.” Denn bei seiner einstigen leiblichen Mutter war er ja nur zu Gast.
Nun wollte ihm die Mutter aber noch erklären, warum sie eigentlich so schöne Blumen in ihrem Garten habe und warum sie sie besonders pflege – dabei machte sie ihn noch darauf aufmerksam, dass nicht sie allein solches tue, sondern dass ja vor jedem dieser Häuser, die da eng aneinandergebaut waren, ein wunderbarer Blumengarten war. Nun bat sie ihn: “Komm mit und begleite mich; du sollst sehen, was ich jetzt tun werde.” Und so ging sie und brach von diesen Blumen, nahm sich davon einen ordentlichen Strauss. Dann verliessen sie zusammen ihr Dorf – sie befanden sich aber immer noch in der geistigen Welt. Sie gingen in eine tiefere Aufstiegsstufe. Hier begegnete man so vielen uneingereihten, unglücklichen verstorbenen Menschen, denen es gleich erging, wie diesem jungen Mann. Sie fanden den Weg nicht und waren unglücklich darüber, dass sie verstorben und nun in einer Welt angekommen waren, wohin sie von ihrem irdischen Hab und Gut nichts hatten mitnehmen können. Und so ging nun diese Mutterseele von einem zum andern und gab da und dort eine Blume, ein paar freundliche Worte, tröstete und sagte: “Du musst dich um den Aufstieg bemühen, und freue dich an dieser Blume.” So tat sie es.
Dann verliessen sie diese geistige Ebene, wo sich hauptsächlich solche unglücklichen Geistwesen aufhielten, die an ihre geistige Welt gebunden waren. Und sie gingen weiter zu den Menschen. Auch unter den Menschen befinden sich Geistwesen – das wisst ihr –, sowohl glückliche als auch unglückliche, solche, die nicht zurückwollen in die geistige Heimat. Aber nun ging die Mutterseele mit ihrem Sohn nicht zu solchen Geistwesen, sondern wieder in das Haus, in dem er einst gewohnt hatte. In ihrem Arm waren immer noch Blumen, und von diesen Blumen nahm sie und bekränzte Bilder, die an den Wänden aufgehängt waren. Da und dort steckte sie diese Blumen zwischen Bild und Wand. Nun staunte ja der Sohn wiederum, dass sie solches tat, und sagte: “Diese Blumen werden ja von den Meinen nicht gesehen.” Und die Mutter erwiderte: “Doch, in gewissem Sinne schon, auch wenn nicht mit den irdischen Augen. Aber wenn sich deine Frau im Geiste mehr nach innen richtet, dann vermag sie die Atmosphäre wahrzunehmen, ja vielleicht riecht sie den Duft; denn die geistigen Blumen duften wunderbar. Sie kann den Duft als Mensch wahrnehmen, ohne die Blumen zu sehen, und sie fragt sich: ‘Woher kommt denn dieser Geruch?’ Sie weiss es nicht; und sie macht sich darüber keine Gedanken, wenn sie keine Bindung zur höheren Welt hat, wenn sie sich keiner Freundschaft mit der Geisteswelt bewusst ist.”
Der Sohn aber freute sich über das, was die Mutter tat. Und sie sagte ihm weiter: “Ich will dich weiter unterrichten über deine Frau – ich habe dich bewusst ferngehalten von ihr. Ich habe dich ja darauf aufmerksam gemacht, dass sie den Schmerz überwinden und ihren Weg wieder finden werde.” Und so war es. So musste er sehen, dass die Frau einen Freund gefunden hatte. Und da er solches sah, fasste er den Entschluss, sich jetzt den geistigen Aufgaben in der göttlichen Welt zu widmen und ihr und den Kindern beizustehen, so gut es ihm möglich war.
So hatte es ihm die Mutter gesagt und ihn getröstet: “Sie wird eine neue Ehe eingehen, und du sollst deinen Weg finden in der göttlichen Welt, denn dort warten auch Aufgaben auf dich. Du hast es erleben können, wie herrlich doch diese Welt ist. Du kannst viel Wunderbares in ihr erleben, und du kannst mitwirken an der Entfaltung, an der Verherrlichung dieser göttlichen Welt, du kannst tätig sein. Du musst dich aber den geistigen Gesetzen unterwerfen, und du musst dich führen lassen.” Und so fragte sie ihn: “Bist du bereit, deinem Weg höheren Sinn zu geben und dich führen zu lassen?” Er war damit einverstanden, sofern die Mutter ihn weiter unterrichten würde. Doch da musste ihm die Mutter entgegnen: “Nein, ich durfte dir nur vorübergehend beistehen, nur so lange, bis du dich zurechtgefunden hast in dieser neuen Welt. Jetzt werden andere vor dich hintreten. Sie werden dir zuerst fremd sein, und sie werden in der ersten Zeit etwas streng sein mit dir; aber du sollst voller Vertrauen und Zuversicht sein, es geht alles seinen guten Weg. Vater und ich gingen denselben Weg; und was wir erlebten und durchgestanden haben, kannst auch du.”
Nun, er war froh, dass er auf diese Weise unterrichtet wurde und den Trost und Beistand fand von seiner einstigen leiblichen Mutter. “Wie schön muss es doch wohl sein”, sprach er, “wenn man sich dereinst wirklich eingelebt hat in dieser neuen Welt.” Es wurde ihm aber von der Mutterseele auch klargemacht, wie schwer es sein werde, etwas zu erwerben und als sein Eigen zu betrachten. Und über vieles sollte er belehrt werden, denn er hatte ja von der Schöpfung Gottes, vom Heils- und Erlösungsplan keine Ahnung. Wie vieles stand da vor ihm, das er zu erlernen hatte, über das er sich bewusst werden musste – nur schon darüber, welchen Sinn und Zweck menschliches Leben hat. Aber er war bereit dazu. “Ich will den Weg gehen”, sprach er, “du kannst mich zu diesen höheren Geistwesen hinführen, und ich will mich vor ihnen verantworten. Du hast mich ein grosses Stück vorwärtsgeführt. Du hast es mit Liebe getan. Und so erkenne ich, dass in dieser Welt Liebe und Gerechtigkeit Gesetze Gottes sind. So füge ich mich diesen Gesetzen. Ich habe es erfasst: Andere Mittel sind es, die einen aufwärtsführen, nicht Ehrgeiz, wie es im menschlichen Leibe, im menschlichen Leben üblich ist; andere Dinge sind es, Tugenden müssen entfaltet werden.”
Nun wurde es ihm klar, dass es ihn grosse Anstrengung kosten würde aufwärtszukommen. Er aber ging voller Freude und mit Mut seinen neuen Aufgaben entgegen. Er hatte sich von den Seinen auf Erden nicht vollständig abgewandt. Nein, er wollte es tun wie die Mutterseele: Er wollte dann und wann zu ihnen zurückkehren. Und wenn es ihm erlaubt würde, seinen Kindern beizustehen und allen, die ihm im Leben einst lieb gewesen, den Beistand zu geben, so würde er es tun, wie er es von seiner Mutterseele gelehrt wurde. So war er voller Freude, in diese Welt eingekehrt zu sein, und voller Mut, in dieser Welt glücklich zu werden.
So, liebe Geschwister, habe ich euch einen Einblick gegeben, wie es um einen Heimgekehrten bestellt ist, der unvorbereitet und eines plötzlichen Todes stirbt – und wie nützlich und gut es ist, zu wissen, dass jemand schon in die jenseitige Welt vorangegangen ist, der gut und edel war, auf den man hoffen und dem man vertrauen kann, dass man von ihm Hilfe und Beistand bekommt.
So, liebe Geschwister, möge Gottes Segen euch alle begleiten, möget ihr gesunden an Leib und Seele, möget ihr Hand in Hand mit uns gehen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 5.9.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus
Fragebeantwortungen aus den Jahren 1951 bis 1954 und 1959
Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus
Lieber Geistfreund Josef, ich bin immer noch so traurig über den Heimgang meines Mannes. Kannst du mir einen Rat geben, damit ich Trost finde?
Josef: Wenn du, liebe Schwester, bevor du dich zur Ruhe legst, Gott darum bittest: “Gib mir zu meinem Troste ein Schauen, lass mich mich mit ihm verbinden, damit ich meinen Lebensweg ruhig gehen kann” – wenn du darum bittest und es in Gottes Willen steht, dir diesen Einblick zu gewähren, dann wirst du ihn erhalten. Will Gott aber nicht, dass du es erlebst, dann sollst du nicht unglücklich darüber sein, dass du nicht weisst, wo er ist. Du hast deinen Mann gekannt; du weisst, wie er gelebt hat. Du hast seine Schwächen, aber auch seine Güte gekannt. Und wenn du verstandesmässig abwägst, dann musst du selbst zur Einsicht kommen, ob seine Güte oder ob seine Schwächen überwiegen – und dementsprechend lebt er in seiner Welt.
Man soll aber nicht in Trauer mit den Dahingegangenen verbunden sein, sondern voller Hoffnung, voller Freude. Denn wer traurig ist, zieht die Seelen zu sich herab und gibt ihnen den Weg zum Aufstieg nicht frei. Wenn ihr aber betet und froh seid, sie in der göttlichen Welt zu wissen – denn sie sind ja euch nur vorangegangen und ebnen euch euren Weg –, und wenn ihr in guter Erinnerung mit ihnen verbunden seid, dann werden sie die Vorbereitungen zu einem glücklichen Wiedersehen treffen. Ihr sollt nicht traurig sein, wenn ihr eines eurer Liebsten im Jenseits habt; sondern ihr sollt in frohem Gedenken mit ihm verbunden sein. (1959)
Lieber Josef, eine Mutter lässt fragen, ob sie mit ihrer verstorbenen Tochter geistig in Fühlung treten kann, denn sie empfindet sehr grosses Heimweh nach ihr und sie verzweifelt fast.
Josef: Ach, ich möchte sagen – und euch schmerzt es vielleicht, wenn ich dies sage –: Das Schönste, was es gibt, ist doch, wenn ein Mensch sagen kann, dass er eines seiner Liebsten in der geistigen Welt weiss. Das soll gleichzeitig ein Trost sein. Wenn das Band der reinen Liebe so gross war, wird die betreffende Seele sich auch bemühen, ihrer Mutter viel Kraft und Segen zukommen zu lassen.
Es kann die Möglichkeit bestehen, dass eine Verbindung aufgenommen werden kann, was ich aber jetzt nicht erkennen kann. Das allein aber soll dir genügen, wenn ich sage, dass ein wahres Band der Liebe auch nach dem Tode gegenseitig verbindet und dass dies etwas Wunderbares ist. Und ein solcher in Liebe verbundener Mensch darf auch gewiss sein, dass ihn der Segen, die Gnade und viel geistige Hilfe umgeben. (1953)
Meine Mutter ist plötzlich gestorben, ohne dass sie mir noch etwas hätte sagen können. Kann ich mit ihr in Verbindung kommen?
Josef: Weisst du, in der Regel ist es so, dass eine Mutter mit ihren Kindern doch sehr verbunden ist und dass sie, wenn sie im geistigen Reiche angelangt ist, nur den einen Wunsch hat, zurückzukehren zu ihren Kindern, sei es, um noch etwas in Ordnung zu bringen oder um etwas mitzuteilen. Das kann aber nicht von heute auf morgen geschehen. Zuerst ist ihr eine gewisse Zeit der Ruhe gegeben.
Es kann sein – ich möchte dies als allgemeine Erklärung sagen –, dass ein solches Wesen schon gleich nach seinem Tode zu seinen Lieben zurückkehren und sich ihnen bekunden kann, ganz plötzlich, und dass es erst einige Wochen später zu dieser Ruhe, zu diesem Schlaf kommt. Es kann aber auch sein, dass diese Seele sofort in diesen Schlaf geholt wird und so an einem Ort für einige Wochen, Monate oder Jahre zur Ruhe kommt. Darüber kann man auch kein Schema aufstellen. Es kommt auch hier auf die geistige Entwicklung an.
So geschieht es sehr oft, dass dann der Heimgegangene, mit dem der Mensch in Verbindung kommen möchte, während dessen körperlicher Ruhe die Nähe dieses Menschen aufsucht, um sich ihm zu bekunden. Wenn dann das Verlangen des Menschen so gross ist, eine Mitteilung zu empfangen, und wenn seine Art Strahlung [Schwingung] so ist, dass es möglich sein kann, in kürzester Zeit diese Mitteilung aufzunehmen, dann ist es – ich darf wohl sagen – auch eine besondere Gnade für ihn. Viele haben, um solche Kundgaben empfangen zu dürfen, viele Wochen darum zu bitten, oft viele Jahre. Auch dieses ist verschieden.
In deinem Falle, wenn dir daran gelegen ist, eine Verbindung aufzunehmen, sollst du, wenn du dich zur Ruhe legst, darum bitten, dass man es dir in das Bewusstsein geben möge, damit du es erleben kannst, dass man dir von deinen Verwandten Nachricht geben kann. Es kann ein Geistwesen auch einen dir nahestehenden Mitmenschen inspirieren, damit du auf diese Weise zu einer Antwort kommst. Denn auch auf diese Weise versucht die geistige Welt sich euch kundzutun. Die Menschen überprüfen solches viel zu wenig und glauben, wenn ein nahestehender Mitmensch ihnen etwas sagt, dies wäre nur seine eigene Idee – dabei kann er von der geistigen Welt dazu inspiriert worden sein.
So kann einem Menschen auf sein Bitten hin eine Antwort gebracht werden, und zwar so, wie er sie am besten verstehen kann. Er muss aber darum bitten, und sicherlich kann die Antwort auf eine Weise gegeben werden. (1954)
Lieber Bruder Josef, könntest du mir eine Nachricht von meinem verstorbenen Lebenskameraden bringen? Er ist vor ein paar Monaten gestorben.
Josef: Meine lieben Freunde, dieses ist mir [in diesem Falle] nicht möglich, zumal doch dieses Wesen bestimmt noch in seinem Schlafe liegt und es deshalb nicht gestört werden soll. So sollen Menschen auch nicht immer Tränen vergiessen und mit ihren Gedanken diese Wesen aus der geistigen Welt wieder zur Erde ziehen. Denn diese Heimgekehrten bedürfen der Ruhe. Durch die grosse Trauer ihrer Angehörigen wird ihr Schlaf, den sie in der jenseitigen Welt tun müssen, unterbrochen, und sie werden heruntergerissen durch das ständige Flehen und Rufen nach ihnen. Durch die Gedanken, die die Menschen diesen Wesen zusenden, werden diese also in ihrer Ruhe gestört, und sie haben dann keinen ruhigen Schlaf. Und so kommen Momente an sie, wo sie sich wieder zur Erde bewegen, und dies ist für sie ein Hindernis; denn der Schlaf, der über sie kommt nach diesem Ausscheiden aus dem Körper, gehört zu den geistigen Gesetzen. Es bedarf der Geist der vollständigen Ruhe, auf dass er alle seine Strahlen [odischen Kräfte], die ihm nur auf dieser irdischen Welt von Nutzen waren, die er aber teilweise mitgenommen hat, schneller aufzuheben und aufzulösen vermag.
Und so möchte ich sagen, dass man vielleicht erst nach einigen Monaten nach dieser Seele fragen soll. Ich werde dann danach sehen. Doch jetzt ist die Zeit seit seiner Heimkehr noch zu kurz. Aber es wäre so schön, wenn die Menschen ihren Lieben in der geistigen Welt gute Gedanken nachsenden und für sie bitten würden, dass Engel sie behüten und führen möchten in die schönsten Sphären. Aber sie sollen sie nicht wieder auf diese Erde herunterziehen, auf dass diese Wesen den Menschen in allem noch helfen sollten.
Die Menschen rufen oft diese Wesen wieder heraus aus der geistigen Welt, und zwar nur aus dem einen Grunde: weil ihre irdischen Angelegenheiten nicht so vollständig in Ordnung sind und weil sie glauben, durch das Herniederziehen dieser Wesen von ihnen beeinflusst zu werden. Dieses kann wohl geschehen, aber vergesst nie, dass es eine unvollkommene, nervöse Art ist, wie sich solche [erst vor Kurzem verstorbene] Wesen kundtun und Menschen inspirieren. Sie bedürfen der Ruhe, und sie müssen die geistigen Gesetze befolgen, und es sollten die Kräfte der Menschen nicht dazu dienen, diese ruhebedürftigen Wesen gewaltsam aus der geistigen Welt herniederzuziehen. (1951)
Lieber Bruder Josef, könntest du bitte ein Gebet sprechen für all die schwer geprüften Menschen, die durch das kürzliche Lawinenunglück so viel Leid tragen?
Josef: Ja, liebe Freunde, ich werde am Schluss mit euch ein Gebet sprechen, doch möchte ich noch Worte geben über das schwere Leid, das zu so vielen Menschen gekommen ist. Ich muss aber wieder sagen: Obwohl die Menschen das natürliche Bedürfnis haben, ihre Nächsten und Lieben so lange wie möglich bei sich zu behalten – von der geistigen Seite aus betrachtet, ist dieses Unglück nicht so furchtbar, wie es die Menschen betrachten. Wenn solche guten Wesen in die geistige Welt eingehen, so herrscht jeweils ein grosser Jubel. Wohl ist es gut, wenn der Mensch sich auf das Sterben vorbereiten kann, wenn er nicht eines so plötzlichen Todes sterben muss. Aber in solchen Fällen herrscht auch besondere Gnade. Alle diese Wesen werden in bestimmte Sphären geführt, und ich möchte sagen, die meisten werden zuerst gepflegt und getröstet. Denn diese plötzliche Trennung vom Körper ist nicht gut. Eine solche Seele ist noch voller Angst, und sie will nur eines: wieder zurück zur Erde. Sie sucht ihren Körper und versucht sogar in ihn einzudringen.
Da kommen aber die Engel Gottes und Angehörige dieser Verstorbenen und führen sie in bestimmte Sphären – ich betone: in bestimmte Sphären. Das heisst also nicht, dass sie jetzt in diejenige Sphäre hineingeführt werden, in die sie aufgrund ihres zurückgelegten Lebens hingehören. Sondern diese Verstorbenen werden jetzt besonders betreut, denn sie sind eben – wie ich sagte – ohne Vorbereitung und ohne einen göttlichen Gedanken vom Tode überrascht worden, und das ist nicht gut. Und so werden sie von den Engeln Gottes zuerst getröstet und gepflegt.
Und darin besteht die Gnade und die Liebe Gottes. Lange, lange Zeit dauert dieses Trösten und Wohnen in einer solch liebevollen Sphäre mit solch schönen Engeln. Dies ist etwas Wunderbares und eine Gnade. Wenn diese besondere Gnadenzeit vorüber ist, dann werden sie in die Läuterungssphären geführt, wo sie gesetzmässig hingehören. Aber die liebevolle Betreuung, die diese Wesen jetzt erleben, ist für sie ein grosser Vorteil, denn sie wissen sich dann sehr rasch emporzuarbeiten. (1951)
Lieber Josef, ein Bekannter von mir, vor einem halben Jahr gestorben, macht sich mir gegenüber sehr bemerkbar. Ich möchte dich fragen: Kann ich ihm helfen? Oder wie soll ich mich dazu stellen?
Josef: Liebe Seele, wenn du davon überzeugt bist, dass es dieser Freund ist, dann hilf ihm, indem du für ihn betest. Wenn du fühlst, dass er in deiner Nähe ist, so solltest du dich eben für einige Zeit in die Ruhe begeben können. Wenn er tagsüber kommt, wo du dich mit ihm nicht beschäftigen kannst, dann sage ihm: “Sei so gut und komme abends, wenn ich Zeit habe, dann und dann zu mir in meine Wohnung.” Du wirst ihn dann wieder fühlen. Dann sollst du mit ihm beten und ihm zusprechen, wie einem guten Freunde. Du sollst ihm durch deine Kenntnisse, die du schon erworben hast, den Weg zeigen. Du sollst mit ihm beten aus deiner ganzen Seele, und er soll diese Gebete mit dir sprechen; du hörst und fühlst sie. Weigert er sich, dann muntere ihn auf, tröste ihn; du kannst ihn führen und wirst die Zeit erleben, da diese Seele sich dir gegenüber dankbar erweist. (1952)
Trennung auf Zeit
Josef, 6. Juni 1973
Trennung auf Zeit
Für viele Menschen ist es ein grosser Trost, von einem lieben Heimgegangenen ein persönliches Lebenszeichen zu erhalten, wenn sie den Verstorbenen in einem Traum erleben oder seine Gegenwart spüren dürfen. Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag verschiedene Gründe, weshalb die Verbindung mit den Heimgegangenen nicht immer in der gewünschten Weise möglich ist.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ich versuche, euch wiederum die göttliche Ordnung zu zeigen und verschiedenen Freunden Antwort zu geben auf eine Frage, mit der sie sich schon befasst haben.
Ich erzähle jetzt von einem kinderlosen Ehepaar. Beide durften alt werden. Die beiden hatten aber keinen tiefen Glauben, folglich war ihnen das Leben nach dem Tode sowieso fraglich. Da sie aber unter den Leuten so allerlei darüber hörten und die Möglichkeit ja bestand, dass das Leben weitergeht, hatten sie miteinander Folgendes abgesprochen: Dasjenige von ihnen, das zuerst sterben sollte, müsste dann auch gleich ein Zeichen geben. Und zwar hatte man mehrere Zeichen ausgemacht; denn es konnte ja möglich sein, dass einem das eine Zeichen nicht gelingen könnte, dafür ein anderes. Die beiden hatten also genügend Zeit, darüber zu reden, aber sie machten eigentlich mehr Spass damit. Sie hatten im Grunde genommen gar nicht geglaubt, dass es ein Weiterleben gebe.
So haben sie das gemeinsam abgesprochen. Wer zuerst sterben müsste, der sollte folgende Zeichen geben: Die Schranktüre sollte sich öffnen – und dasjenige, das zurückgeblieben sei, dürfe dann ja nicht vergessen, besorgt zu sein, dass sie jeweils wirklich geschlossen wäre; denn es möchte dann auch wirklich sicher sein, ob das eine Antwort wäre. Zu welchem Zeitpunkt die Schranktüre geöffnet werden sollte, das wäre gleich, aber doch wenn möglich so recht bald nach dem Tode. Dann im Weiteren sollte man die Uhr stoppen; und falls das auch nicht gelingen würde, sei auf der Kommode eine kleine Dose – die sollte man irgendwohin zu verbergen suchen. Aber man müsste sie dann auch gleich nach einigen Tagen wieder finden können; das würde also heissen, dass man sich dafür interessieren würde und es sich dann eben zeigen müsste, wo diese Dose hingekommen wäre. Oder noch etwas anderes: Man könnte eine Vase umstossen, die immer am selben Ort stehe. So glaubten die beiden, das wären jetzt der Dinge genug – etwas davon zu tun, könnte dann doch möglich sein; wenn das Leben tatsächlich weitergehe, sollte es doch auch geschehen können.
Dann haben sie sich aber noch zu etwas Weiterem entschlossen, und zwar war es das Erste, was sie besprochen hatten – das war ja eigentlich das Naheliegendste: Man sollte dem andern im Schlaf erscheinen, vor dem Bett stehen. Und sie machten ab: Wäre das Leben schön, angenehm und überraschend, wäre man zufrieden, dann sollte das Betreffende lächeln. Wäre das Leben aber nicht so, dann könnte man ein ernstes Gesicht machen. So hatten sie es miteinander abgesprochen und glaubten, dass etwas von allem doch bestimmt erfüllt werden könnte.
Dann war es so weit, dass der Mann zuerst sterben musste. Jetzt erlebte er natürlich schon die erste Überraschung. Denn als er sein geistig Auge geöffnet, standen seine Eltern vor ihm, begrüssten ihn mit seinem Namen und sagten, es würde sie freuen, ihn hier zu sehen. Sie hätten aber nicht lange Zeit, sie müssten schnell wieder zur Arbeit gehen. Sie hätten sicher später die Möglichkeit, sich um ihn zu kümmern, aber jetzt könnten sie sich seiner nicht weiter annehmen. Gut, er fand sich damit ab, war aber etwas enttäuscht. Er war sowieso überrascht, dass es doch ein wirkliches Weiterleben gab. Dann gingen natürlich seine ersten Gedanken an das Versprechen zurück. Da, wo er sich befand, war nicht mehr seine Wohnung – er kannte überhaupt die Umgebung nicht, sie war für ihn fremd. Man war also mit ihm entflohen, ein Stück weg von der Wohnung und von der Erde. Diese Umgebung war ihm natürlich unbekannt. Es sah schon so aus wie auf der Welt; es hatte Gärten, Bäume, Blumen, es hatte Häuser, es gingen Tiere und Wesen umher – also eigentlich musste er sich fragen: “Stimmt es, bin ich denn wirklich gestorben?” Aber er wusste ja jetzt: Er hatte die Eltern gesehen, und die waren ja gestorben; und so wie sie gesprochen hatten, musste es schon stimmen.
Nun wollte er ja nichts anderes als eben zurück in sein einstiges Haus und das Versprechen einlösen. Das ging aber nicht – er war ja da in einem Dorfe. So erlebte er die erste Enttäuschung. Nun kamen zwei fremde Wesen auf ihn zu und sagten ihm, er habe jetzt ein neues Heim; sein neues Zuhause sei gleich im nächsten Hause, in dieses müsse er gehen. Da schaute er sich dieses Haus etwas näher an. Es war gar nicht so schön, es sah eigentlich aus wie eine Anstalt oder wie ein Schulhaus oder so; es war schmucklos und bescheiden. Dann sagte er, nein, im Moment könne er diesen Wunsch nicht erfüllen; aber vielleicht könnten sie ihm jetzt einen Wunsch erfüllen, er müsse nämlich zuerst ein Versprechen einlösen. Die beiden Wesen, obwohl sie ja längst von dieser ganzen Abmachung wussten, taten nun aber so, als wüssten sie nichts davon: “Ja was hast du denn für ein Versprechen, das du einlösen musst?” – “Ja, ich muss den Beweis erbringen, dass ich lebe. Das ist doch wohl etwas Wichtiges.” Dann sagten diese beiden Geistwesen: “Sicher wäre es sehr wichtig, dass man Zeugnis gibt davon, dass man lebt. Aber du hast nichts mehr verloren da, wo du gelebt hast.” Doch, antwortete er, er müsse unbedingt zurück; diesen Gefallen müssten sie ihm doch wohl tun, nachher möchte er sich wohl in alles fügen. Da erwiderten diese beiden Wesen: “Wir sagen Nein, und zudem findest du den Weg nicht mehr. Es hat gar keinen Sinn, dass du dich anstrengst. Du kannst nicht zurück, und du kannst dein Versprechen nicht einlösen.”
Er gab sich nicht zufrieden damit und sagte, er habe doch auch gelesen und gehört, dass Menschen sogar schon kurze Zeit, nachdem sie gestorben seien, irgendein Zeichen gegeben hätten, das für die Zurückgebliebenen eben ein Beweis gewesen sei, dass das Leben weitergehe. Und das Versprechen müsse er einlösen. “Nein”, sagte man, “du hast auf der Erde nichts mehr verloren, und du gibst keine Beweise.” Er wollte wissen, warum er denn keine Beweise geben dürfe, während es doch andern gestattet sei. “Ja”, sagten sie, “vielleicht kann es andern erlaubt werden, aber dir gestatten wir es eben nicht.” – “Warum?”, wollte er wissen. Dann antworteten sie: “So ein Mensch wie du” – und sie sprachen es ganz langsam –, “so ein ehrgeiziger, selbstherrlicher Mensch wie du, der nur für sich gelebt hat und ein solcher Materialist war, für den kann es nur gut sein, wenn er den Weg nicht mehr findet dorthin.” Er war etwas erstaunt. Dann sagte man weiter: “Du hast dich ja überhaupt nicht an die Gesetze Gottes gehalten, und mit deinem christlichen Glauben war es gar nicht weit her. Jetzt musst du wissen, du bist im Reich Christi; aber für würdig befinden wir dich nicht, so bleibst du jetzt noch etwas draussen. Und Befehle kannst du uns keine geben, die geben wir dir. So musst du zuerst einmal belehrt werden.”
Zudem fragten sie nach seinem geistigen Besitz. Entrüstet sagte er: “Was für einen geistigen Besitz? Alles, was ich gehabt, das besitzt nun meine Frau, und meine Erben werden es haben. Ich habe doch nichts!” Dann antworteten sie: “Ja eben. Das Materielle zählt nämlich gar nicht für uns, das ist alles vergänglich. Weisst du, das ist gar nichts und bedeutet uns nichts. Andere Dinge möchten wir von dir haben: Wir möchten etwas Verständnis, das du deinen Mitmenschen entgegengebracht hast, etwas Wohlwollen, etwas Güte. Hast du überhaupt auch einmal Barmherzigkeit gezeigt? Hast du auch schon einmal einem Menschen etwas gegeben, ihm auch gute Worte gegeben? Wie steht’s denn damit?” Ja sicher, erwiderte er, hätte er schon gute Worte gegeben. Und sie sagten, sie könnten sich gar nicht an diese guten Worte erinnern.
Da zeigten sie ihm nun sein zurückgelegtes Leben, so wie er es gelebt. Wie in einem Film sollte er alles sehen und noch das Weitere dazu. Er sah, wie da neben ihm ein Engel Gottes stand, und man sagte ihm: “Das ist dein Schutzgeist. Er ist traurig und war stets traurig, denn du hast nicht viel auf ihn gehört. Er hat dich öfters gemahnt. Aber du hast nichts wissen wollen. Du hast dich nie ums Wohl der andern gekümmert, sondern immer zuerst für dich geschaut. Und jetzt, jetzt musst du das eben wiedergutmachen, und du kannst von uns nicht erwarten, dass wir deine Wünsche erfüllen.” Ja, da war er schon etwas enttäuscht. Aber er glaubte, irgendwann doch die Möglichkeit zu finden, um zu entfliehen. Denn da, wo er lebte, war ja alles so ähnlich wie auf der Erde, und er meinte, er könnte dann einfach andere Wesenheiten fragen, welcher Weg von hier fortführe; er würde bestimmt den Weg in sein Haus finden. Das glaubte er; das Versprechen müsse er doch unbedingt einlösen.
Es kam nie dazu. Dieses Versprechen konnte er nicht einlösen. Und die Frau, die zurückgeblieben war, ging immer von einem zum andern: zum Schrank, um nachzuschauen, ob er nicht wohl geöffnet worden wäre, zur Vase, ob sie nicht umgeschlagen worden sei; auch die Dose, über die sie miteinander gesprochen hatten, war nicht irgendwo verborgen worden; sie konnte sich auch nicht erinnern, ihren Mann im Traum gesehen zu haben ... All das, was sie abgemacht hatten, traf nicht ein. So war sie enttäuscht und musste sich dann sagen: “Ganz bestimmt hätte sich mein Mann in irgendeiner Art und Weise bemerkbar gemacht, wenn er noch leben würde. Es ist eben so, es gibt kein Weiterleben, und das ist schade. Wir haben ein gutes Leben gelebt, aber ich brauche mich ja nicht mehr weiter um ihn zu kümmern. Das ist das Los eines jeden Menschen. Und beten brauch ich ja auch nicht, so wie andere es tun. Es hat auch keinen Sinn, dass ich in grosser Sehnsucht lebe. Es ist ja jetzt doch alles aus.” Das war ihr Entschluss.
Und der Mann, er kam in eine geistige Anstalt. Dort gab es geistige Lehrer. Er hatte für sein christliches Leben nicht viel geleistet; von höheren Tugenden war nicht viel zu sehen. Er war ein wirklicher Egoist und ein Materialist gewesen. Nur er! Er hatte andern Arbeit weggenommen, andere sollten nichts haben. Das Schönste war nur für ihn gut genug, die andern konnten haben, was übrig blieb. Er war einfach ein Egoist gewesen, im wahren Sinn des Wortes – alles nur für sich selbst. Und solches ist ganz schlimm. Denn seine Seele war verdüstert, ganz dunkel. Sie hatte keine Möglichkeit, nur einen Lichtstrahl durchzulassen. Darum musste man ihn in diese Anstalt führen. Dort sollte er gründlich belehrt werden, und er musste arbeiten.
Während der einen Zeit wurde er über das Notwendigste unterrichtet. Er musste Bescheid wissen über die Gesetze und über die Ordnung seiner neuen Welt, was er zu tun hatte. Die andere Zeit über nahm man ihn mit andern zusammen mit in den Wald hinaus. Dort musste er arbeiten. Und man sagte es ihm vorher: “Deine Arbeit, die du hier verrichten musst, wird für dich etwas ungewohnt sein. Du musst mit den andern in den Wald gehen, und dort gibt es vieles aufzuräumen, einzuordnen, auszusondern. Es hat Tiere dort, und mit diesen muss man sich beschäftigen; auch sie muss man ordnen.” Ja, im Grunde genommen konnte diese Arbeit ja interessant sein – aber er hatte sich doch eigentlich etwas Besseres, etwas Schöneres vorgestellt, denn im Leben hatte er sich mit anderen Dingen befasst; er interessierte sich sehr für Kunst, und das hätte ihm mehr zugesagt. Aber nun gab es nichts dergleichen. Er hatte im Erdenleben nie mit Händen Arbeit tun müssen, so wurde es nun von ihm verlangt; jetzt ging es ums harte Arbeiten. [...]
Dieser Mann hatte nun im Walde harte Arbeit zu leisten, mit Einordnen und Ausräumen. Dieser Wald musste in einen gepflegteren Zustand versetzt werden. Es gibt also auch dort ein wildes Wachsen, das entfernt werden muss, und auch in der geistigen Welt wird überall Ordnung geschaffen. Sicher habe ich einmal – vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt – die Möglichkeit, auf dieses wilde Wachsen zurückzukommen und Näheres darüber zu erklären; doch heute möchte ich das nicht tun.
Aber jetzt will ich darauf zurückkommen, warum denn diesem Heimgekehrten nicht gestattet wurde, sein Versprechen einzulösen, während andere geistige Wesen – dazu habt ihr schon viele Erklärungen bekommen – aus freiem Entscheid zu den Menschen hingehen und sich dort aufhalten können und sich bei ihnen bemerkbar machen, wenn sie wollen, wenn es ihnen gelingt, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. So gibt es welche – so wie es euch erklärt wurde –, die werden frei gelassen, und es gibt welche, die man nicht frei lässt. Darum sollte eigentlich kein Mensch glauben, es wäre ihm möglich, ein Versprechen dieser Art abzugeben mit der Sicherheit, es einlösen zu können. Das kann er als Mensch nicht sagen. Es kann möglich sein, dass man ihm die Möglichkeit gibt, dass er Ähnliches tun kann.
Nun, auch die Frau musste ja diese Welt verlassen, und ihr Mann durfte sie begrüssen, aber auch nur kurz – genauso wie die Eltern ihn begrüsst hatten. Er musste ihr sagen, dass er vielleicht bei späterer Gelegenheit zu ihr kommen werde, aber vorerst hätte er sehr viel zu tun. Er musste sie dann auch schnellstens wieder verlassen. Und so hatte auch die Frau ihren Weg zu gehen. Sie war ja ebenfalls sehr überrascht. Sie sah, man lebt weiter – dabei hatte sie so damit gerechnet, dass es kein Weiterleben geben würde. Man war mit ihr auch nicht so besonders liebenswürdig bei der Begrüssung. Das nur so am Rande bemerkt.
Von ihr will ich jetzt nichts Näheres erzählen, sondern ich muss euch ein weiteres geistiges Erlebnis berichten – von einer Frau. Diese Frau war gläubig, fromm, hatte eine grosse Kinderschar. Sie musste mitten aus dem Leben heraustreten, und sie hinterliess ihre Kinder und ihren Mann. Ihr Schmerz in der geistigen Welt war sehr gross, als sie erkannte, dass sie von ihren Lieben getrennt war. Sie wusste nicht, was jetzt geschehen würde mit ihrem Mann und den Kindern. Doch sie ahnte und dachte: “Es bleibt ihm nichts anderes übrig, er muss wieder eine Frau suchen.” Das dachte sie und wünschte für ihn eine gute Frau und besonders eine gute Mutter für die Kinder. Sie wurde in der Geisteswelt auch begrüsst, und da sie eine aufopfernde, gute und fromme Frau war, waren die Engel auch freundlich zu ihr. Sie hatte ebenfalls das Verlangen, in ihrem einstigen Zuhause zum Rechten zu sehen; sie wollte doch zur Familie zurück, und so glaubte sie, ihren Mann dann führen zu können und den Kindern ein Beistand zu sein.
Die Engel nahmen sie zu sich, denn sie war sehr unglücklich, sie weinte. Das ist wohl zu begreifen, wenn eine Mutter ihre Familie mit noch unmündigen Kindern verlassen muss. Sie war sozusagen nicht zu trösten. Sie bat nur um eines: in ihr Haus zurückkehren zu können; sie glaubte, dass ihr das Trost bringen würde. Doch die Engel sagten auch ihr: “Nein. Es hilft nichts, wenn du hingehst. Sie hören dich nicht, sie sehen dich nicht, und deine Hilfe, die du leisten kannst, ist belanglos; denn sie werden tun, was ihnen gefällt. Es ist besser, du bleibst hier und ordnest dich ein in die neue Welt.” Das war ein grosser Schmerz für sie, solches zu hören. Aber man sagte ihr: “Du brauchst doch gar nicht unglücklich zu sein. Sage uns: Was sollen wir tun? Auf welche Art und Weise sollen wir helfen und uns bei den Deinen bemerkbar machen? Wir gehen an deiner statt, du bleibst hier. Wir werden für sie sorgen, so gut es uns gelingt. Und wir lassen sie spüren, als wärest du da. Aber deine Aufgabe ist sinnvoller jetzt in der Gotteswelt. Sei unbesorgt, wir werden dir jede Nachricht bringen, und du sollst dich freuen darüber. Wir können mehr leisten als du, wir haben mehr Kenntnisse und tun unser Möglichstes. Wir suchen sogar deinem Manne eine neue Frau und den Kindern eine Mutter.”
Das mochte ihr etwas Trost geben. Aber trotzdem musste sie in eine geistige Erholungsstätte geführt werden, die mitten in einem herrlichen Garten lag und von allen Seiten besonnt wurde. In diesem Garten durfte sie einhergehen, sie durfte Blumen pflücken. Sie tat es und stellte sie auf in ihrer Kammer, die ihr zugesprochen; sie tat es im Gedenken an ihre Angehörigen, die zurückgeblieben. Man hatte es ihr gestattet, das durfte sie tun, sie sollte sich erholen. Und die Engel sorgten dafür, dass sie viel schlafen durfte. Dies war notwendig, und zwar nicht nur wie üblicherweise ein langer Schlaf, nein, sie sollte immer wieder schlafen. Dafür gab man ihr einen beruhigenden Trunk, und so wurde sie mit der Zeit gelöster und freier. Die Engel kamen immer zu ihr und erklärten, was es an Neuem gebe. Sie unterhielten sich sogar sehr humorvoll mit ihr, indem sie erzählten, wie nun ihre Angehörigen annahmen, die Mutter wäre da, und wie sie, die Engel, nun tatsächlich versuchten, es ihr so gleichzutun. So hatte sie ihre Freude.
Aber die Engelswelt hatte doch etwas vor mit ihr. Wenn sie es so anordnet und nicht zulässt und sagt: “Es ist doch nicht mehr besonders sinnvoll, dass du zurückgehst”, dann hat sie doch etwas ganz anderes im Sinn. Sie hatte doch gesehen, wie fortgeschritten die geistige Entwicklung dieser Mutterseele war. Diese war gewohnt gewesen, sich für die Kinder und die ganze Familie aufzuopfern. Sie hatte ein Herz voller Güte und Liebe. Sieht nun die Gotteswelt, dass sie sich das, was einer zurückbringt, zunutze und zu Diensten machen kann, da geht sie rasch daran und versucht, etwas herauszuholen. Man will auch einen Profit haben von dem, was der Mensch in seinem Leben besass und an Tugenden hatte; man will es in der göttlichen Welt noch mehr zur Entfaltung bringen. Und zudem muss ich nebenbei noch sagen: Es ist ja so wie bei euch; bei euch mangelt es sozusagen an Arbeitskräften; ihr klagt und jammert, ihr hättet zu wenig Leute, die für euch schaffen. Ach, das können wir auch sagen. Wir haben auch zu wenige, die wirklich für uns arbeiten. Und darum machen wir uns die zunutze, die etwas sind und die die Fähigkeit haben – genauso wie ihr auch.
So war es mit dieser Mutterseele. Sie hatte etwas mitgebracht, und das wollte man sich zunutze machen. Sie war in eine schöne Ebene eingetreten, in eine Aufstiegsstufe, wo es schon fröhlich und froh und harmonisch zuging. Es war eine farbenfrohe Welt, und wie ihr auch schon wisst, ist jeder geistigen Entwicklungsstufe, wo verstorbene Menschen sind, arbeiten und sich aufwärtsbewegen, auch ein Kinderparadies angegliedert. Denn die Kinder, die sterben und zurückkommen, können ja nicht einfach, weil sie als Kinder gestorben sind, in die höchsten Himmel eingehen, sondern sie werden eben dahin kommen, von wo sie ausgegangen sind. Man hat also in einer jeden geistigen Entwicklungsstufe auch ein Kinderparadies angegliedert.
Natürlich ist es viel angenehmer, in einer solchen Kinderwelt gross zu werden und dort zu leben, als wenn man im Erwachsenenalter stirbt und in jener Aufstiegsebene unterrichtet, belehrt und geläutert wird und hart arbeiten muss. In den Kinderparadiesen ist es natürlich nicht so. Da wird das Kind mit Liebe erzogen. Sind diese Kinderparadiese in den unteren Aufstiegsstufen, so hat man ja auch seine Mühe mit diesen Kindern. Es ist ja mit ihnen dasselbe, wie ich es vorhin erklärt habe: Die Gefühle der Kinder sind doch auch nicht alle dieselben. Die einen sind sensibler, feiner, und andere sind etwas rauer, etwas massiver, vielleicht sogar gefühlloser, wenn man das so sagen will. Also werden doch auch diese Kinder in ihre Welt hineingeführt, wo sie entsprechend ihrer geistigen Entwicklung hingehören. Der Vorzug für sie ist aber: Wenn sie als Kinder in die jenseitige Welt zurückkommen, werden sie von liebevollen Geistgeschwistern erzogen. Das können Engelwesen sein, das können aber auch – und eben das möchte ich jetzt besonders betonen – aufsteigende Geistgeschwister sein, die eine solche Fähigkeit und einen Aufopferungswillen haben, sich mit Kindern zu befassen. Denn es ist ein grosser Unterschied, ob man ein eigenes Kind erzieht oder ob es andere, fremde Kinder sind, die man erziehen und denen man vorstehen muss. Im Kinderparadies sind es nicht die eigenen Kinder – das ist der Unterschied. Und darum können auch nur Geistwesen zu einer solchen Aufgabe hingeführt werden, die diesen Besitz an Aufopferung, an Liebe, Verständnis und Güte haben. Denn in einem Kinderparadies darf kein Kind irgendwie bevorzugt oder parteiisch behandelt werden. Allen muss man grösste Aufmerksamkeit schenken. Und da geht es in erster Linie darum, dass diese geistigen Lehrer oder, sagen wir jetzt, die geistigen Mütter, die sich dieser Kinder annehmen müssen, ihnen nun wirklich die wahre Liebe zeigen können. Denn es ist nicht möglich, einfach irgendeinen Verstorbenen, sei es eine Frau oder ein Mann, aus derselben geistigen Entwicklungsstufe zu beordern, er möchte jetzt als Lehrer für die Kinder eintreten. Ihm fehlt das Verständnis für die Kinder, er wird ungeduldig, er ist nicht lieb mit ihnen. Es muss die Fähigkeit vorhanden sein, damit man solche, ich kann sie auch geistige Lehrer nennen, zu diesen Kindern schickt.
Und das können eben jetzt auch Kinder sein, die da von dieser irdischen Welt kommen und einer niederen Geistesstufe angehören. Sie müssen von diesen liebevollen Lehrern erzogen werden, und so erhalten sie dadurch Belehrung. Ihr Gefühl muss vor allem verfeinert werden, und dies kann erreicht werden durch diese grosse Aufopferung und das Verständnis, das man dem einzelnen Kind entgegenbringt. Ihr könnt es glauben: Man hat es oft sehr schwer mit solchen Kindern, die von dieser Welt zurückkommen. Die einen waren womöglich verwöhnt worden, andere vernachlässigt, sie kennen keine Ordnung und nichts. Man soll sich darüber auch seine Gedanken machen. Kommt man in die Jenseitswelt, da trifft man eine Welt der Ordnung an. Wenn Kinder in ihrem Leben vernachlässigt wurden – sie mögen sozusagen wild und ungehorsam sein –, muss man sie mit Liebe, aber mitunter auch mit Strenge erziehen.
So bedarf es solcher gütiger Seelen, ob männlich oder weiblich – beide werden in Anspruch genommen, wenn sie die Eigenschaften dafür haben. Zuerst werden sie geschult. Sie werden von höheren Geistwesen unterrichtet, wie sie sich benehmen müssen, wie sie sich diesen Kindern gegenüber verhalten müssen. Man kann sie nicht einfach nur hinstellen und sagen: “Sorgt jetzt für diese Kinder.” Auch hier ist Ordnung; hier gibt es zuerst eine Schulung. Dann werden diese hilfsbereiten Seelen in die Kinderparadiese gesandt, und dort müssen sie sich den Kindern voll und ganz widmen. Sie müssen sie so lieben und sich für sie so aufopfern, als wären es ihre eigenen menschlichen oder geistigen Kinder. Das ist nicht so einfach, liebe Freunde. Darum handelt die Geisterwelt Gottes, wenn sie erkennt, dass eine Seele mit solchen Fähigkeiten heimkehrt. Man will sie sich zunutze machen, man will einen Profit von ihr haben. Es ist nicht einfach so, dass man diese Geschwister nur in ihrer Umgebung wirken lässt, sodass allein wenige von ihrer Güte profitieren. Wenn es notwendig ist, wird jedes an seinen Platz geführt – und darum ist es für uns so wichtig: Jeder Mensch, der zurückkommt, wird von der Engelswelt genau beobachtet und beurteilt. Dem einen kann man etwas zumuten, man schickt ihn in eine besondere Lehranstalt, damit er sich geistig noch mehr bereichert, um im Schöpfungsplane Gottes mitzuhelfen. Er wird durch sein Wirken, durch seinen Einsatz sich selbst ja die grössten Verdienste zulegen; er kann ja dadurch selber höhersteigen, und er hilft andern.
Und dann, an den göttlichen Feiertagen in der himmlischen Welt, wo himmlische Gottesdienste gefeiert werden und zu diesen geistigen Wesen immer wieder von der grossen Hingabe gesprochen wird, von der Liebe, von der Aufopferung, die Christus vollbracht hatte, und dass man ihm nacheifern soll, da erlebt man es dann, da geschieht es: Wer die grössten Gewinne erzielt hat in seinem geistigen Schaffen – gleich wo es jetzt sein mag, einfach da, wo man ihn braucht, wo er nützlich ist und es dadurch einen Gewinn gegeben hat –, der wird von der hohen Geisteswelt herausgeholt. Man belohnt ihn. Es kann sogar sein, dass er – je nach seiner geistigen Entwicklung, wo er steht – ganz nahe an das Haus oder an eines der Häuser des Königs gelangt, dass er eingeladen wird, zu ihm hinzugehen, dass man ihn beim Namen ruft oder ihm einen neuen Namen gibt und dem König erklärt, er sei einer von denen, die sehr wirksam und sehr tätig sind im Schöpfungsplane Gottes. Solches geschieht, solches geschieht! Aber es ist nicht so alltäglich; es ist nicht etwas, von dem man sagen könnte, es geschehe fortwährend. Ach nein, da müssten ja die Menschen viel tugendhafter sein.
Nun diese geistige Mutter, von der ich jetzt sprechen möchte: Sie wurde zuerst unterrichtet, und nachher sollte sie eben in ein Kinderparadies gehen. Dort hatte sie die Möglichkeit, diese Kinder zu lieben und zu erziehen. Sie selbst stand auf einer erhöhten Stufe, und sie musste hinuntersteigen. Sie hätte also das Recht gehabt, in ein Kinderparadies ihrer eigenen Geistesebene einzutreten, um dort tätig zu sein. Man fragte sie aber, ob es ihr nicht möglich sei, nun eben weiter nach unten zu steigen und dort ihre Tätigkeit auszuüben. Und so stimmte sie dem zu; dadurch konnte sie ja ihre eigenen Verdienste vermehren.
So ist es für ein geistiges Wesen nicht immer so leicht. Wer von euch selber Kinder hat, der kann sich ungefähr vorstellen, dass Kinder, auch wenn sie lieb und nett sind, doch manchmal etwas ungehorsam sind und dass man sie eben zum Gehorsam leiten und erziehen muss. Man erzählt ihnen bei uns auch von der himmlischen Welt, vom Himmel; diese Welt will man ihnen doch auch einigermassen offenbaren. Denn das Kinderparadies, wo sie leben, ist begrenzt. Ihr müsst euch aber auch nicht vorstellen, dass sie hier einfach vielleicht nur ein Haus oder einen Garten hätten. Nein, diese Kinder dürfen, solange sie nicht einer geistigen Schule angehören, mit ihren geistigen Müttern in die Wälder gehen. In der Gotteswelt gibt es diese genauso wie bei euch. Und da gibt es so vieles zu erleben, so viel Herrliches.
In diesem Wald muss aber auch Ordnung herrschen, auch bei den Tieren. Es ist möglich, dass Tiere von einer anderen Ebene eindringen, dass sie in einem unbewachten Moment die Grenze überschreiten. Und das ist es, was ich vorhin angedeutet habe: das Einräumen, das Ausräumen, das Ordnen; das muss auch sein. Man hat wohl die Möglichkeit, die Grenzen exakt zu ziehen. Das tut man in verschiedenen Sphären, bei andern tut man es nicht – man lässt die Tiere untereinander, trennt sie aber wieder voneinander; aber dies hat auch seinen Sinn. Also dürfen die Kinder in diese Wälder, und dort machen sie allerlei Entdeckungen. Aber es sind nicht nur die Wälder, in die man mit ihnen geht; es sind die Wiesen und die Äcker, die Fluren – überall geht man mit diesen Kindern hin, und man zeigt ihnen das geistige Leben dort und macht sie vertraut damit.
So wird es für diese Kinder mit der Zeit ganz selbstverständlich. Sie können sich ja kaum mehr daran erinnern, dass sie einst in einer verdichteten, in einer menschlichen Welt gelebt haben. Das ist bei diesen Kindlein so schnell vergessen. Auch haben sie recht bald ihre Eltern vergessen oder ihre Umgebung, in der sie gewohnt. Denn das ist nämlich auch etwas, was sich bemerkbar macht, wenn Kinder in noch nicht schulpflichtigem Alter zu uns zurückkommen: Sie haben zuerst auch eine Sehnsucht, ein Heimweh, sie möchten auch wieder zurück; sie müssen auch getröstet werden, man muss ihnen auch beistehen. Sogar schon ganz kleine Kinder stellen die Veränderung fest. Man soll ja nicht meinen, dass sie diese nicht spüren, denn es ist ja der Geist, der etwas weiter, etwas klarer sieht – auch wenn der Geist noch nicht so ausgebildet ist und noch nicht diese Fähigkeit der Aufnahme hat, so spürt er doch auch die veränderte Atmosphäre; er spürt es auch, dass eine andere Umgebung da ist. Und so muss man eben diese Kindlein damit vertraut machen.
Wenn Geistgeschwister oder, sagen wir, verstorbene Menschen nun eine solch schöne Aufgabe bekommen und sich diesen Kindern widmen können, so verfeinern sie dadurch ihre eigenen Gefühle. Ihr selbst könnt ja die Beobachtung machen: Mit Kindern versucht ihr doch viel vorsichtiger und liebevoller zu reden. Ja, es kann ein gewisser Mensch ganz anders werden um ein Kind herum; er weiss, es fehlt ihm ja an Verständnis, es hat nicht die Begriffe wie ein Erwachsener. Man wird mit ihm doch etwas liebevoller, etwas verständnisvoller sein. Wenn man sich nun als geistiges Wesen im geistigen Reiche fortwährend mit Kindern befasst und sich mit ihnen beschäftigen muss, dann verfeinert man dabei noch seine eigenen Gefühle. Man wird nicht mehr, vielleicht darf ich das Wort sagen, nervös werden oder in ein hektisches Getriebe hineinkommen. Nein, die Möglichkeit besteht gar nicht mehr, sie ist ausgeräumt; man muss sich Zeit nehmen.
Man versucht dann auch, für die Kinder alles Mögliche an Neuerungen und Überraschungen zu schaffen. Man will sie unterhalten, denn ihr Geist muss angeregt, muss rege werden. Man befasst sich mit ihnen, man muss mit ihnen reden, denn die Kleinen müssen es ja lernen. Diese Paradiese sind nach Sprachen gesondert. Die Geistmütter sprechen mit den Kindern ihre entsprechende Sprache. Erst wenn diese Kindlein etwas grösser geworden sind und die notwendige Fähigkeit dazu haben, können sie sogar mit zwei oder drei Sprachen gleichzeitig aufwachsen. Sie lernen es schnell, denn sie kommen auch in ihrer Welt mit Geistgeschwistern zusammen, mit denen sie diese Sprachen eben reden können. Ihr habt immer die Vorstellung, alle Geistwesen wären von weisser Hautfarbe, wie ihr. Ach nein, das ist nicht so. Im Geistigen sind alle Rassen, die ihr hier auf dieser Welt habt, auch vorhanden. Jeder spricht seine Sprache genauso, wie er sie hier auf der Welt geredet hat. Aber er muss auch mit andern Geistwesen zusammenkommen und sich mit ihnen verständigen. So findet man auch sein Kinderparadies, wo Angehörige der gleichen Rasse, des gleichen Volkes zusammen sind und die gleiche Sprache sprechen mit ihren geistigen Müttern und Vätern. Man findet auch Erwachsene, die so vom gleichen Volk zusammen sind und sich miteinander befassen und beschäftigen.
Mit der Zeit, wenn man sich dafür interessiert, auch in der Geisteswelt andere Sprachen zu lernen, kann man dann die Türen in eine andere Ebene auftun, um sich auch mit jenen Wesenheiten dort zu beschäftigen. Ich kann euch nur sagen, die Jenseitswelt ist eine so interessante Welt, sie ist so vielseitig, so lehrreich; es wird keinen langweilen, der da zurückkommt, wenn er im Geiste auch nur einigermassen fortgeschritten ist. Wenn er auch nur einigermassen willens ist, mitzuwirken und etwas zu erfüllen in der grossen Schöpfung Gottes, dann wird das Leben für ihn wunderschön werden. Es mag wohl in der Anfangszeit etwas hart sein, denn man hat sicherlich manches zuerst wiedergutzutun und zu klären. Es ist ein Vorteil für einen jeden verstorbenen Menschen, der zurückkommt, wenn er gewisse geistige Erkenntnisse besitzt. Man muss ihn nicht mehr über alles belehren. Und das ist schon ein grosser Fortschritt. Denn man weiss um die Notwendigkeit der göttlichen Gesetze, der christlichen Gesetze und ihrer Ordnung, man weiss, was sie verlangen und was alles in diese Ordnung hineingehört. Man wird sich mehr Mühe geben, als wenn einem alles fremd ist; man hat grösseres Verständnis; man braucht nicht zuerst umzudenken und fertigzuwerden mit dem Neuen, weil man zeit seines Lebens von etwas beeinflusst worden ist und es in der Geisteswelt nicht fertigbringt, es zu vergessen – was nur zum Schaden wäre.
Die geistige Sprache und die geistige Lehre sind etwas Wunderbares und können einem Menschen schon auf dieser Welt viel bedeuten. Der Mensch hat die Möglichkeit, sich auf dieser Welt für die Zeit im Jenseits vorzubereiten – hier kann man schon seine Vorbereitungen treffen. Wer auf Erden nicht das erreicht hat, was er sich wünschte, kann dafür besorgt sein, es in der Jenseitswelt zu erreichen. Und das kann gut möglich sein. Menschen, die hier verstossen werden oder vielleicht unbeachtet bleiben, die aber in ihrem Herzen und ihrer Seele gut sind, haben zum grossen Teil in der Jenseitswelt einen Vorteil. Es ist ja nicht so, dass jene Menschen, die sich hier breitzumachen vermochten, um es in eurer Sprache zu sagen, dies auch in der Jenseitswelt könnten. Nein, nein, das ist nicht so. Das habe ich euch erklärt an dem Fall von diesen beiden Eheleuten, die ein bequemes Leben gelebt und keine Not gekannt hatten, die aber materialistisch dachten und Egoisten waren. Sie hatten hier in dieser Welt Ansehen unter den Menschen, aber in der Geisteswelt, da sah es schon ganz anders aus. Es ist eben ein grosser Unterschied zwischen dieser und jener Welt. So muss man auch als Mensch versuchen, sich vertraut zu machen mit dem, was unsichtbar ist. Man soll sich im Glauben an jene Welt stärken – man wird einmal froh darüber sein. Und das möchte ich euch gesagt haben.
Um noch einmal kurz auf diese Mutterseele zurückzukommen: Sie war ihren leiblichen Kindern zu Lebzeiten eine gute Mutter, und sie war es auch den Kindern in der Gotteswelt.
Ich weiss nicht, ob ich zu viel sage – wir haben uns mit unserer Geistschwester [Lene] abgesprochen, wir haben Besuche gemacht in diesen verschiedenen Paradiesen ... Vielleicht erzählt sie euch etwas davon, wenn ihr dann zusammen seid. Ich habe sie begleitet, wir haben Schönes miteinander erlebt; und ich möchte hoffen – es liegt nicht an mir –, dass sie es euch auch erzählt, was sie erlebt hat.
Nun, liebe Geschwister, wir haben ja auch noch unsere Vorbereitungen [für das Pfingstfest] – das heisst, eigentlich sind sie schon längst getroffen. Aber wir sprechen uns immer noch ab, und wir sind ganz in eurer Nähe. Damit sollte euch genug gesagt sein.
Ich möchte euch mit dem Segen Gottes entlassen. Ihr sollt alle behütet und beschützt sein. Ihr sollt alle, die krank sind, gesunden an Leib und Seele. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 6.6.1973 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Das Gebet als Trost und Balsam
Fragebeantwortungen aus den Jahren 1951 bis 1953, 1957 und 1977
Das Gebet als Trost und Balsam
Lieber Josef, eine Freundin übermittelte uns folgende Frage: “Ich hatte einen lieben Paten, der vor drei Jahren gestorben ist. Er hat mir viel Gutes erwiesen. Leider bereitete ich ihm kurz vor seinem Ableben noch Kummer, was mich oft sehr plagt. Wenn es mir möglich ist, gehe ich hin, lege Blumen auf sein Grab und bete ein Vaterunser. Ich möchte ihm damit eine kleine Freude bereiten und dass er mir verzeiht. Ist es wohl möglich, dass er meine Reue wahrnimmt und sich über meine Blumen ein wenig freut?”
Josef: Hierzu möchte ich wieder einmal Folgendes erklären: Es ist nicht unbedingt so, dass dieser Geist auch auf sein Grab geht, um die Blumen zu sehen; denn so wäre er ja an diese Stelle gebunden. Er soll aber frei sein. Und wenn es so ist, dass er viel Gutes getan hat im Leben, dann wird er bestimmt nicht an diesen Ort gebunden sein, wo sein Körper liegt, und er wird von diesen Blumen keine Kenntnis nehmen können.
Anders ist es, wenn diese Schwester zu Hause eine Kerze anzündet, vielleicht auch einen Blumenstrauss im Gedenken danebenstellt und so ein Vaterunser betet. Denn so kann die Verbindung doch viel besser hergestellt werden. Die Engel Gottes und die Geister, die mit bestimmten Menschen verbunden sind, fühlen sich von einer solchen Andacht zu Hause eher angezogen als ausgerechnet vom Friedhof. Es liegt dem Heimgegangenen bestimmt viel mehr daran, den betreffenden Menschen im Bereich seines Wirkens zu beobachten und dort zu erkennen, dass man seiner in Liebe gedenkt und nun eine gewisse Reue aufweist.
Aber was nun noch möglich ist: Wer einem Verstorbenen einmal etwas zuleide getan hat oder mit ihm nicht einverstanden war, woraus sich Zwistigkeiten ergeben haben, da kann der Geist des reuigen Menschen in der Zeit, da sein Körper schläft, sich zuweilen möglicherweise mit dem Verstorbenen zusammenfinden, sodass dann eine Aussprache zustande kommen kann. In diesem Falle würde der Verstorbene dann sehen, dass diese Schwester bereut, und es kann eine Versöhnung stattfinden. Dies also ist eine grosse Wahrscheinlichkeit. Und der Verstorbene wird sich freuen, wenn er sieht, dass man seiner gedenkt.
Freilich darf ein Mensch auf den Friedhof gehen und Blumen auf das Grab seiner Lieben legen. Aber es soll ihm nicht zu etwas Alltäglichem werden, er soll nicht sein ganzes Herz daran hingeben, nicht seine ganze Sehnsucht soll jenem Grabe gelten. Der Geist des Verstorbenen ist ja nicht in jener Gruft.
Es ist hier allerdings noch zu erwähnen: Es gibt Unselige, die an ihre Grabstätten gebunden sind. Dies nicht nur, weil ihr Körper dort liegt, sondern weil viele Leute hierherkommen, um zu beten; und dieses Gebet bedeutet jenen viel.
Vielleicht kannst du nun dieser Schwester diesen Bescheid geben: dass es besser wäre, zu Hause eine Kerze anzuzünden zum Gebet, und wenn es ihr beliebt, soll sie einige Blumen dazustellen. So könne sie sich den Weg an jenen Ort ersparen. (1957)
Lieber Josef, heute stand ich an der Bahre eines Menschen, der nach jahrelangem Kampf an seinem Leben verzweifelte und sich selbst entleibte. Kann ich dieser Seele geistig helfen?
Josef: Ja, lieber Freund, du kannst ihr durch viele Gebete, das heisst durch dein tägliches Gebet, helfen. Denn diese Seele wird dein Gebet als Trost und Balsam empfinden; der Schmerz wird für sie nicht mehr so arg sein. So empfehle ich dir besonders: Bete täglich für diese Seele, denn sie wird um dich sein, sie wird deine Nähe suchen. Du sollst mit ihr sprechen, sie im Geiste führen. Du sollst ihr den Weg zeigen und sie zuerst beten lehren, denn dieses kannst du gut.
Diese Seele wird sich dir auch tagsüber nähern, wenn du an deiner Arbeit bist. Dann gib ihr einen guten Gedanken, sprich ein Gebet für sie. Wenn du aber findest, dass sie dich belästigt, dann weise sie in aller Liebe fort und sage ihr, dass sie sich dann und dann, da und da einfinden soll, also in deinem Hause, wo du dann für sie beten willst. Auf diese Weise kannst du etwas Grosses tun. Aber ich möchte hier erwähnen, dass die Menschen nie glauben sollen, dass ihnen durch ihr Gebet die Macht gegeben sei, eine Seele von ihren Qualen zu befreien. Das Gebet der Menschen ist für sie Balsam, dass sie ihren Zustand leichter ertragen kann – aber das ändert ihren Zustand selbst nicht. Denn solche Seelen werden so lange nicht von ihrer Sphäre weggeführt, bis ein Engel Gottes dies für richtig hält oder die Zeit der Läuterung abgelaufen ist.
Und so können alle Menschen für diese armen Seelen so viel wirken, indem sie ihnen ihre Gebete senden, die Trost sind für sie. Ich könnte es mit Folgendem vergleichen: Ist ein Mensch in grossem Kummer und grossen Sorgen, in wirklichem Elend, und er weiss nicht mehr ein und aus und leidet dabei körperlich und seelisch – wenn nun ein guter Mensch kommt und ihn tröstet, so atmet er schon auf; es wirkt befreiend für ihn. Das Verhältnis, in dem er lebt, wird dadurch nicht geändert. Aber er findet Trost und kann seinen leidenden Zustand besser ertragen.
Genauso ist es mit diesen armen Seelen, für die gebetet wird. Sie können dann ihren Zustand viel besser ertragen, weil ihnen Hoffnung zugesprochen wird, weil sie in dieser Hoffnung auf Erlösung leben. Sie werden also in gewissem Sinne schon von Qualen befreit. Aber immer wieder muss für sie gebetet werden, genauso wie ein Mensch in einem schrecklichen Zustande auch immer wieder getröstet werden muss. Beim Menschen hält der Trost zeitweise an; aber dann, wenn niemand da ist, der ihn hochhebt, sinkt er wieder zurück. Genauso verhält es sich mit diesen leidenden Geistern. Deshalb, lieber Freund, bete für ihn. Du hast darin eine wunderbare Aufgabe. (1952)
Lieber Geist Josef, du hast mir erlaubt, heute nach M. St. zu fragen, geboren am 10. Dezember 1911, gefallen in Russland am 5. Juli 1943.
Josef: Ja, ich brauche etwas Zeit ... [einige Sekunden]. Ja, weisst du, liebe Seele, dieser Geist hat jetzt eben Aufgaben zu erfüllen, und er bittet um das Gebet, du sollst weiter für ihn beten. Ich möchte dir ein Bild von ihm geben: Er trägt in seinen Händen ein grosses Kreuz, und er legt seine Hände dann darauf. Und dieses heisst, dass es ihm so gut tut, wenn für ihn gebetet wird; denn sein Zustand dürfte schöner sein. Du hast es in dir, für ihn zu wirken, und es besteht die Möglichkeit, dass ihm geholfen wird; denn es sind kleine Helfer da, die immer in die Nähe dieser Seele rücken und ihr helfen, ihre Last zu tragen. Doch sie muss noch einen Weg gehen, dann wird sie in eine schönere Sphäre geführt. Aber durch diesen Weg muss diese Seele schreiten, und dieser Weg wird ihr nicht schwer gemacht, sondern kleine Helfer sind bei ihr, die sie immer aufmuntern, dass sie diesen Weg vorwärtsgehen soll.
Meine lieben Freunde, ihr fragt mich oft nach euren Lieben, und es wäre euch lieb, wenn ich euch immer besonders schöne Bilder und Erklärungen dazu geben würde. Was ich jetzt erklärt habe, bewegt sich in einer Sphäre der Läuterung, und wenn ihr glaubt, dass doch in diesem Fall schon so viel Zeit seit dem Sterben vergangen sei, so müsst ihr bedenken: In der geistigen Welt wird die Zeit nicht so berechnet, wie ihr es tut, liebe Freunde. Und so kann ich nicht immer sagen – oder ich würde lügen, wenn ich sagen würde –: “Dieser Geist ist bei dir oder tritt auf dich zu und hält einen blühenden Zweig oder Blumen in den Händen” und so weiter. Nein, ich sage, man soll beten für diese oder jene Seele, und das Gebet, das schon gesandt wurde, hatte schon seine Wirkung, indem Boten Gottes dem Betreffenden zu Hilfe gesandt wurden – sei es nun wie im vorliegenden Falle, wo es nur kleine Helfer waren. Es kann aber auch ein schöner Engel sein, der ein solches Wesen aufklärt und in die geistigen Schulen führen darf, aber all das ganz gesetzmässig nach der Zeit. (1951)
Lieber Josef, vor neun Tagen ist die Mutter meiner Frau ganz plötzlich gestorben. Wir haben ihr ausserordentlich viel zu verdanken. Eine Sorge aber bleibt uns: Meiner Schwiegermutter bedeutet unsere Familie ein und alles. Daher befürchten wir, dass sie sich jetzt trotz ihrer geistigen Kenntnisse nicht in die göttliche Ordnung einreiht, sondern bei uns bleiben möchte; denn meine Frau fühlt es ganz stark, dass sie viel bei uns ist. Und es wäre unser grosser Wunsch, wenn wir ihr sagen könnten: “Wir danken dir für alles und bitten dich eindringlich, den Empfehlungen des dich führenden Geistes zu folgen. Bleibe nicht hier bei uns, denn auch wenn du weitergehst, bleiben wir durch das Gebet in Liebe und Harmonie miteinander verbunden.”
Josef: Ja, ich kann dir aber diese tröstenden Worte sagen: Weisst du, das ist am Anfang sehr oft so. Ich meine, das ist keine Ausnahme jetzt bei euch, die ihr in dieser innigen und engen Verbundenheit mit ihr gelebt habt, dass die Betreffende sich einfach noch zu euch zurückgezogen fühlt. Das geht eine gewisse Zeit. Und sie hat ja auch ihre führenden Geister und wird von diesen führenden Geistern eben dann in ihre Ebene hineingeführt. Es wird ihr klargemacht: “Jetzt ist die Zeit vorbei.”
Du wunderst dich vielleicht, dass ich auf diese Weise diese Antwort gebe, denn ich habe von deiner Frage schon längst gewusst. Dies zu deiner Orientierung.
Ich möchte damit nur sagen: Es kann ihr nicht verübelt oder soll ihr nicht verübelt werden, wenn sie jetzt noch eine gewisse Zeit erscheint. Sie kommt nicht allein; sie bringt ihre geistigen Begleiter mit, und sie ist auch nicht die ganze Zeit bei euch. Sie hat das Verlangen, bei euch zu sein, weil die Trennung etwas zu schnell oder zu plötzlich gekommen ist. Sie findet sich aber damit ab. Sie lässt sich belehren. Aber sie bittet jetzt einfach noch darum, bei euch sein zu dürfen. Und sie selbst sagt, es werde eine gewisse Zeit dauern, und dann werde sie sich ganz langsam von euch lösen können. Ihr sollt euch also keine Sorgen darüber machen, dass sie auch jetzt noch in der Weise an euch gebunden ist.
Wenn ihr zusammen seid, wenn ihr betet, könnt ihr euren Wunsch wohl aussprechen, aber sie bleibt eben trotzdem dann und wann; denn sie ist ja besonders mit euren Kindern verbunden. Und wenn ihr auch versucht sie wegzuweisen – es bereitet ihr mehr Schmerz, wenn ihr das sagt. Sondern ihr sollt vielmehr so zu ihr reden, dass sie alles in die Hände Gottes und in die Führung Gottes legen soll. Sie wird jetzt noch eine Zeit kommen, und dann wird sie wegbleiben. (Vorstandssitzung vom 12.10.1977)
Lieber Josef, wir haben aus deinen Belehrungen entnommen, dass nicht nur die erdgebundenen Geister, sondern teilweise auch gute Geistwesen, das heisst die Seelen von verstorbenen guten Menschen, oft recht lange noch auf der Erde bleiben – nicht weil sie müssen, sondern weil sie es wünschen. Ist dies nicht etwas sonderbar?
Josef: Ja, für euch vielleicht. Es kann aber einem guten Geistwesen auf Wunsch auch für längere Zeit eine Aufgabe in diesem irdischen Bereiche zugeteilt werden. Denn ein guter Geist wird niemals untätig sein oder einer zwecklosen Sache dienen, sondern sich immer da zur Verfügung stellen, wo es gilt, etwas aufzubauen im Heilsplane Gottes. So kommt es, dass auch gute Geister immer wieder für längere Zeit in das irdische Reich zurückkehren. Aber sie erfüllen dort eine Aufgabe, sagen wir jetzt, dass sie sich bei ihren Lieben bekunden, um sie vom Weiterleben zu überzeugen, oder sei es zum Beispiel auch, um die Menschen aufzurufen, mit ihnen in Verbindung zu treten, weil sie die Möglichkeit haben, ihnen über den Heilsplan Gottes Belehrungen zu geben. Gute Geister werden sich nur einer Aufgabe widmen, die von Gott gewollt ist. Und so ist es nicht sonderbar, dass auch gute Geistwesen sich noch längere Zeit den Menschen bemerkbar machen. Es ist ihre Aufgabe, und es kann damit auch eine hohe Aufgabe verbunden sein.
So könnt ihr erkennen, dass das Wirken im irdischen Reiche von Geistern verschiedener Stufen kommt und dass hohe Geister auch hohe Aufgaben damit erfüllen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich aber nochmals betonen, dass, wenn Geistwesen sich bei ihren Lieben bekunden, dies aus verschiedenen Gründen geschehen kann. Die einen wollen ihre Lieben nur vom Weiterleben nach dem Tode überzeugen; sie wollen ihnen den Beweis dafür erbringen, weil sie wünschen, dass ihre Lieben daran denken sollen, dass es nach dem Tode nicht einfach aus ist. Sie können sich auch aus Dankbarkeit bekunden oder zum Trost für die Hinterbliebenen, dass es ein Wiedersehen gibt. Aber sie können sich auch bemerkbar machen, weil irgendetwas nicht in Ordnung geht, weil sie ihrem Wunsche Ausdruck geben möchten, dass eine Sache recht geregelt werde. Bei vielen ist es aber auch so, dass sie das Gebet eines Menschen wünschen, dem sie sich bemerkbar machen. Es kann aber auch sein, dass ein Geist mahnend zu einem Menschen kommt, um ihn zu einem besseren Leben zu bewegen. Und so könnt ihr sehen, wie verschieden die Aufgaben dieser Geistwesen sind. (1953)
Lieber Josef, du sagtest uns, dass ihr euch darüber freut, wenn eines unserer Lieben zu euch in die geistige Welt zurückkommt. Da wir aber noch Menschen sind, empfinden wir noch sehr den Abschiedsschmerz, wenn ein lieber Mensch von uns scheidet.
Josef: Freilich, dafür trösten wir auch jene, die um ihre Lieben trauern. Wir fühlen wohl auch mit ihnen und haben Worte des Trostes für sie. Euer Schmerz ist verständlich. Denn auch wir können sehr trauern – wir trauern, wenn wir eine Seele vorbereiten zur Wiedergeburt und so unsicher sind, ob sie ihre Prüfungen im neuen Erdenleben bestehen wird. Denn manchmal werden ihnen harte, harte Schicksale mitgegeben.
Dann empfindet ihr Geistwesen auch einen Schmerz?
Josef: Schmerz? Doch nicht so wie ihr, wir sind ja von diesem Körper befreit. Natürlich empfindet die Seele den Schmerz, und auch wir sind eigentlich besorgt um den Einzelnen, der für die Wiedergeburt vorbereitet wird. Wir bedauern vieles, obwohl wir die Gesetze kennen. Wir wissen aber, dass den Geistwesen für ihr Erdenleben bestimmte Kräfte mitgegeben werden. Viele ihrer Wünsche werden ihnen erfüllt, und je nach ihrem früheren Leben wird ihnen soundso viel an Gaben mitgegeben. Mit den einen Wesenheiten hat man Besonderes vor; und so haben dann Engel Gottes, Schutzgeister oder Führergeister in besonderen Sendungen jene Menschen zu segnen, die Verdienste aufweisen. Anderseits werden diesen Seelen auch Führergeister mit in ihr Leben gegeben, die ihnen mahnend und auch tröstend immer zur Seite stehen, besonders dann, wenn sich ihr Geist [zur Schlafenszeit] vom Körper befreien kann. (1953)
Heft 2/2018
25 Seiten, 21 × 29,7 cm