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Themen
Über die Bedeutung von “Seele” und “Geist” – Der Gottesfunke macht den Geist lebendig – Wenn die Seele des Menschen um Hilfe ruft
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 3/2018 zum Thema Seele, Geist und Körper
Geistige Welt 3/2018
Seele, Geist und Körper
Beschreibung

Was macht den Menschen zu einem lebendigen Wesen? Wo ist der Sitz des Lebens und des Ich-Bewusstseins? Woher kommen Gefühle und Gedanken, und wo sind die Erinnerungen festgehalten? Geistlehrer Josef erklärt im ersten Vortrag dieses Heftes, was vom geistigen Standpunkt aus unter “Seele” und “Geist” zu verstehen ist.
In einem weiteren Vortrag erläutert Geistlehrerin Lene, wie die Seele Stärkung finden und es dem Menschen gelingen kann, in einem höheren, göttlichen Bewusstsein zu leben. Denn oft kommt es vor, dass der innere Mensch zwar Verlangen nach den hohen Zielen des Lebens hat und sich nach Wahrheit sehnt, der äussere Mensch aber nicht fähig ist, diesem Verlangen zu folgen.

Themenheft 3/2018: Seele, Geist und Körper

Inhalt
Über die Bedeutung von “Seele” und “Geist”

Josef, 26. Februar 1972

Über die Bedeutung von “Seele” und “Geist”

Was macht den Menschen zu einem lebendigen Wesen? Wo ist der Sitz des Lebens und des Ich-Bewusstseins? Woher kommen Gefühle und Gedanken, und wo sind die Erinnerungen festgehalten? Geistlehrer Josef erklärt in diesem Vortrag, was vom geistigen Standpunkt aus unter “Seele” und “Geist” zu verstehen ist. Denn es sind dies Begriffe, über die unter den Menschen Unklarheit herrscht, weil sie unterschiedlich ausgelegt werden.

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, das letzte Mal [im Vortrag vom 12. Februar 1972] sprach ich über die Spuren, die man hinterlassen hat seit seiner geistigen Geburt, auf all seinen Wegen, hinauf zu den geistigen Höhen wie hinunter in die Tiefen, auch durch die verschiedenen irdischen Leben. Jeder hinterlässt seine Spur, auch jene vielen, die in weitere Daseinsstufen und Lebensformen einverleibt wurden. Auch sie, mit ihrem langen Weg, hinterlassen ihre Spuren. Das habe ich letztes Mal versucht zu erklären.

Heute möchte ich über die Seele reden. Eigentlich ist dies eher das Thema unserer geistigen Schwester Lene. Da aber an einem solchen Abend [im Konservatoriumssaal] mehr Zuhörer anwesend sind [als im eigenen Saal an der Münchhaldenstrasse], haben wir uns dahin abgesprochen, dass nun ich über dieses Thema sprechen werde. Wohl liegt es mehr unserer Geistschwester Lene, darüber zu reden; doch werde ich nun selbst versuchen, es euch so gut wie möglich darzulegen. Denn wir stellen fest, dass immer wieder neue Freunde hierherkommen, und wie ich schon gesagt habe, treten sie gewissermassen mitten in den Unterrichtslehrgang ein. Sie kennen nicht seinen Anfang noch seine Fortsetzung. Und so ist es für solche, die die geistchristliche Lehre nicht kennen, manchmal doch etwas schwer, alldem zu folgen. Da aber die Möglichkeit besteht, dass man sich darüber orientieren lassen kann, möchte ich doch versuchen, auf dieser geistigen Stufe und Ebene fortzufahren und Erklärungen zu geben, die auch meine treuen Freunde beglücken werden.

In den verschiedenen Geistesrichtungen spricht man von der Seele, doch macht man sich davon die verschiedensten Vorstellungen, und manchmal gibt man darüber auch ganz sonderbare Erklärungen ab, die mit der Wahrheit nicht übereinstimmen. Ich werde nun versuchen, von unserem wahren, geistigen Standpunkt aus zu erklären, was die Seele ist.

Seele, Geist und Körper bilden eine Einheit zum menschlichen Leben auf dieser Erde. Seele und Geist trennen sich durch den Tod vom Körper. Sie sind Träger von Ewigkeitswerten und sind unvergänglich. Sie haben das ewige Leben, während es vom materiellen Leibe heisst, dass er aus Staub geworden ist und wieder zu Staub und Asche wird (Pred. 3, 20 und 12, 7). Der Leib des Menschen ist der Vergänglichkeit gewidmet. Wir aber versuchen doch vom Ewigen zu euch zu reden. Doch wenn wir vom Ewigen, Geistigen sprechen, kann dies nur wieder vom Geiste begriffen und dem Geiste erklärt werden. Man muss also versuchen, es mit dem Geiste zu verstehen. Denn es ist Geistiges, das dargeboten wird, und nicht Menschliches. Wir möchten euch Zeugnis geben vom ewigen Leben nach dem Tode. Und so möchte ich von der Seele sprechen, denn sie wird von vielen gesucht.

Wenn sich Seele und Geist vom Körper trennen, so bilden Seele und Geist zusammen eine Einheit. In der Seele sind die Erinnerungen festgehalten, das wurde euch wiederholt gesagt. Die Seele ist Trägerin des höheren, göttlichen Bewusstseins. Das Äussere ist die geistige Gestalt. In der Seele thront der ewige Funke Gottes, von ihr als feinststoffliche Hülle umgeben. Die Seele gleicht einem kostbaren Gefäss, zu jeder Stunde bereit, Gutes wie Böses ihres Trägers aufzunehmen. Der Mensch soll seine Seele rein halten, dass sie einem Tempel Gottes gleichkommt. Nur dann vermag der in der Seele thronende, nur göttliche Eigenschaften enthaltende, ewige Gottesfunke die Seele zu erhellen und hinauszustrahlen. Denn wenn eine Seele einen bestimmten Glanz hat, was bei einem tugendhaften Menschen der Fall ist, erstrahlen aus ihr die göttlichen Tugenden, die Harmonie. Wer aber seine Seele beschmutzt, bei dem wird der göttliche Funke verfinstert, sodass er nicht mehr hinausstrahlen kann. Dieser Gottesfunke ist aber Eigentum Gottes, er hat darum auch ewiges Leben in sich.

Nun, Christus ist der eingeborene Sohn Gottes, aus Gott geboren. Christus ist die einzige direkte Schöpfung Gottes. Alle anderen Geistwesen haben ihr Dasein dem geistigen Leibe nach Christus zu verdanken. Das Gottesbewusstsein, der Funke Gottes in der Seele zum ewigen Leben, aber stammt aus Gott. Gott hat seinen Geschöpfen aus sich einen winzigen Funken gegeben. So ist doch der Mensch Erbe Gottes, Eigentum und Kind Gottes. Ist man Erbe Gottes, dann gehört man eben dem Schöpfer, der einem das Leben gegeben hat. Denn er ist Herr über Leben und Tod. Ihm gehört man, denn von ihm stammen die Seele und das höhere Bewusstsein; er hat sie seinen Geschöpfen bei ihrer geistigen Geburt gegeben. Doch einst, da sie ihren freien Willen missbrauchten und ungehorsam wurden gegen Gott, wurde ihre Seele verdunkelt. Sie waren nicht vollkommen; nur Gott ist vollkommen. Gott aber hat ihnen Kostbares geschenkt, es ist der freie Wille. Dieser ist für ihr Gottesbewusstsein, für ihre Stellung zu Gott sehr bedeutungsvoll. Durch ihren Willen sollen sie entscheiden, was sie verneinen oder bejahen.

Wenn ich das letzte Mal von geistigen Spuren gesprochen habe und heute vom hohen Wert der Seele rede, so darf ich nicht unterlassen, auch zu erklären, dass der Mensch göttliche Erbanlagen in seiner Seele hat. Er ist Geschöpf Gottes, und Gott hat ihm mit diesem Funken des ewigen Lebens einen Hauch von sich gegeben. Diese Ewigkeitswerte können aber im Laufe der verschiedenen Leben verschieden angewendet worden sein. Mit seinem freien Willen hat der Mensch eigenwillig entschieden; auf seinem langen Weg, der ihn zu Gott zurückführen soll, hat er Gott vergessen. Denn in dem Menschen, der da lebt, ist nicht nur göttliches Bewusstsein, sondern es sind auch menschliche Erbanlagen, die einen Menschen zeichnen können. So sind äusserliche, menschliche Erbanlagen sowie göttliches Bewusstsein da, beides ist im Menschen vorhanden. Das göttliche Bewusstsein aber ist doch einstmals verdunkelt oder eingenebelt worden. Es hat nicht mehr die Klarheit wie ehedem. Jeder Mensch aber besitzt einen Gottesfunken in der Seele. Je nach seiner geistigen Entwicklung ist er hell oder getrübt. Ist er getrübt, so ist vom wahren Gottesbewusstsein nicht viel vorhanden. Es ist verloren gegangen. Hat einer aber einen lichten Funken, ist auch sein Gottesbewusstsein dementsprechend.

Wenn nun der Mensch auf der Suche nach der Seele ist und zu verstehen sucht, muss er ein williger, gläubiger Mensch werden oder sein. Denn was man ihm erklärt, ist etwas, das zum höheren Selbst des Menschen gehört, zum höheren Ich, das eine Rolle spielt, während er sich in diesem höheren Selbst bewegt. So weise und wunderbar ist die Ordnung in der Schöpfung Gottes, ist Gottes Weisheit, und so wunderbar ist die Seele des Menschen.

Die himmlische Welt, der Himmel selbst, ist die Seele Gottes. Wenn ich vom Himmel rede, so meine ich jenen Ort höchster Glückseligkeit. Der Himmel soll die Heimat sein, wo man in Harmonie und höchstem Glücksempfinden leben kann. Diese himmlische Heimat schöpft ihren Atem aus der Seele Gottes. Wenn der Himmel die Seele Gottes ist, muss es dort ein Einswerden geben mit dem Göttlichen. Doch Gottes persönlicher Funke ist etwas, das wir euch Menschen nicht erklären können. Uns fehlen die Worte, seine Pracht und Herrlichkeit zu schildern, und dies allein, was Gottes Licht anbetrifft, dann auch die Gestalt Gottes. Das innere Licht erhellt jedes Wesen im Innersten, auch das des Menschen erhellt ihn in seiner Seele. Kann der Funke Gottes im Menschen sich entfalten, so wird man bestimmt einen harmonischen Menschen neben sich haben. Wo dieser Funke Gottes aber nichts mehr von seinem ursprünglichen Glanz und Licht besitzt, da kann auch kaum noch etwas von Harmonie vorhanden sein. Denn da wird Unfriede, Uneinigkeit zum Ausdruck kommen.

Gott ist die Herrlichkeit, Gott ist die Liebe, die Weisheit. Er ist Träger all dieser kostbaren Werte. Und von seinen kostbaren Werten hat er einen winzigen Anteil seinen Geschöpfen gegeben. So wie Gottes Weisheit und Entfaltung unermesslich sind, vermag der Mensch doch einen Hauch davon zu besitzen. Auch er vermag schöpferisch tätig zu sein. Auch er vermag Grosses zu leisten. Aber nicht jedem Menschen ist es gegeben, und so mögen die einen sich darüber beklagen, dass sie weniger Geisteskräfte besitzen als andere. Dabei spielen ja verschiedene Faktoren mit eine Rolle. Ich sprach von der menschlichen Erbanlage. Sie wird übertragen auf das werdende Leben, und sie wird zum Vorschein kommen. Anderseits hat man es auch mit den geistigen Erbanlagen zu tun. Nun heisst es zu ergründen, warum der eine vielleicht die grössere Intelligenz als der andere hat, warum der eine ein geistig vornehmer Mensch ist und warum man sich von einem anderen ständig abgestossen fühlt. Das alles hat seine Ursache, teils in der menschlichen Erbanlage, teils in der geistigen.

Auch im geistigen Reiche haben nicht alle ein und dieselben Fähigkeiten. Der Himmel soll ein Ort der Seligkeit, aber auch der Vielfalt und grossen schöpferischen Gestaltung sein. An dieser schöpferischen Gestaltung wirken aber die geistigen Wesen mit. Es ist ihr Stolz und ihre Freude, diesen Himmel mit ständigen Überraschungen zu beglücken. Denn Gott hat ja seinen Geschöpfen gegeben, was in ihm ist, damit sie damit arbeiten und die ihnen anvertrauten Talente entfalten. Gott hat seinen himmlischen Geschöpfen Gelegenheit geboten, Anteil zu nehmen an der immerwährenden, grossen, herrlichen Neugestaltung und Vielfalt des Himmels. Sie sollten nicht nur in dieser Herrlichkeit Gottes wohnen und sie bestaunen, ohne etwas dazu beizutragen – das wäre keine Seligkeit. Denn wie ihr Menschen über Leistungen von Bedeutung beglückt seid, die ihr aus eigener Kraft hervorgebracht habt, die aus eigener Inspiration hervorgegangen sind, so ist man es auch im Himmelreich. Glückselig sind jene, die dort schöpferisch tätig sein dürfen. Schöpferisch tätig sein kann man doch auf den verschiedensten Gebieten der schönen Künste. Man hat die Begabungen nicht nur als Mensch auf dieser Erde, man hat sie auch im geistigen Reich. Denn der Ursprung, der Kern bedeutender Inspirationen stammt ja aus der göttlichen Seele. So hat der Mensch auf Erden die Möglichkeit, sich auf diese Art und Weise zu betätigen, sich selbst zu beglücken und andere dazu. Er besitzt in sich so verschiedene Talente, die er vielleicht erwecken und sich zu eigen machen kann. Wenn man aber denkt: “Ich möchte auch ein Meister sein auf einem Gebiete”, so sind dies Wünsche an eine unvollkommene Welt. Der Mensch steht ja in einer unvollkommenen Welt, und die schönsten Künste sind hier nicht vollkommen. Aber es ist dem Menschen gegeben, er hat etwas von Gott bekommen und kann es hier entfalten.

Die himmlische Welt ihrerseits verlangt von den Geistgeschwistern die verschiedensten Dienstleistungen. Es muss im Himmelreich gearbeitet werden. Das ist auch etwas, was gerade Gläubige manchmal nicht begreifen wollen. Denn sie sind der Auffassung, dass es im Himmelreich nur ein Bewundern Gottes gäbe. Sie ahnen eben nicht, welch grosse Gefahr dies für die Geschöpfe wäre, wenn es in der Ewigkeitswelt nichts zu tun gäbe. Das ist ja das Wunderbare: Gott hat es den Seinen gegeben, und jeder Bewohner ist auf irgendeinem Gebiete ein Meister. Man braucht einen jeden. Da gibt es keine Standesunterschiede wie bei den Menschen. Selbst ein Fürst des Himmels schätzt seinen Diener und stellt sich nicht über ihn. Diener im Himmel zu sein, ist nichts Herabwürdigendes, sondern auch ein Diener kann Meister seines Faches sein. Es herrscht eine Gleichheit und Gerechtigkeit für alle. Und wer das göttliche Bewusstsein hat, wird niemals von Neid oder Hass und dergleichen Untugenden erfüllt sein gegen einen anderen seiner Stellung wegen. Dieses nicht in den höchsten Himmeln, das möchte ich ausdrücklich gesagt haben.

Wenn nun die Ewigkeit die Seele Gottes ist, so möchte ich doch darauf hinweisen, dass die Erde ein Teil der Seele des Himmels geworden ist, als der Menschheit das Heil durch Jesus Christus gebracht worden ist. Der Heils- und Erlösungsplan birgt doch in sich ein Stück Himmelreich. Die Erde wird genährt von der Kraft des Himmels, wie der Himmel ständig genährt und erhellt wird von der Kraft Gottes oder die Seele des Menschen von der Kraft des Gottesfunkens. Die Boten des Himmels bringen der Erde und ihren Menschen den Segen und die Kraft zum Gedeihen. Ohne diese ständige Kraftquelle des Himmels würde auch das wenige Licht der Erde ganz verschwinden, wie das Leuchten der Seele ohne die Kraft des ihr innewohnenden Gottesfunkens unmöglich wäre.

Was die Seele des Menschen in sich hat, geht ihr durch den irdischen Tod nicht verloren. Es ist das Bewusstsein. Wenn der Mensch in der Jenseitswelt erwacht, ist sein Bewusstsein da, die Erinnerung ist ihm geblieben, sein Ich ist nicht gestorben. Denn dieses Ich hat Ewigkeitswert. Dieses Ich ist aus dem grossen Gottesfunken gekommen. Dieses Ich ist wie ein winziger Teil der grossen Seele Gottes, der Ewigkeit. Und so hat die Erde doch eben auch eine Seele, die so vieles in sich bewahrt, das nicht ausgelöscht werden kann. Dieses wird ständig in das Bewusstsein des Menschen hineingetragen, weil eben auch die Erde ein Stück der grossen Seele Gottes, des Himmels, ist, weil auch die Erde etwas vom Gottesbewusstsein atmet, ob die Menschen es haben wollen oder nicht.

Dieses alles aber zu verstehen, ist wohl schwer für einen Menschen, der von der geistigen Ordnung und den geistigen Gesetzen noch nichts versteht. Aber es sollte ihm klar werden: Wenn man von der menschlichen Seele spricht und er willens ist zu glauben, wenn er zu seinem Schöpfer betet, zum Vater im Himmel: “Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden”, wenn er nicht nur mit den Lippen betet, sondern es mit der Seele zu erleben vermag und die Worte aus seinem Tiefinnersten spricht, dann wird er zu ganz anderen Vorstellungen kommen, Erleuchtung finden und inspiriert werden. So wird er erkennen, dass der Wille Gottes wahrlich geschieht im Himmel und auf Erden und dass auch er diesem Willen Gottes unterworfen ist.

Wer versucht zu meditieren, muss zu der Erkenntnis kommen, dass er ein Geschöpf Gottes ist. Wenn man zu Gott betet, will man doch in ein innigeres Verhältnis zu Gott kommen. Ja ich möchte sagen: Man öffnet seine eigene Seele und möchte sie einströmen lassen in die göttliche Seele. Denn es ist ja Gottesbewusstsein, im Grunde genommen ein und dasselbe. Aber das menschliche Bewusstsein ist leider getrübt, denn es ist ja gepaart mit den menschlichen Erbanlagen. Der Geist des Menschen hat viel höhere Einsichten und Erkenntnisse als der ganze Mensch. Damit meine ich Folgendes: Der eigene Geist weiss über viele Dinge Bescheid und über die Wahrheit, aber das menschliche Bewusstsein stört diese Einsicht. Das menschliche Bewusstsein legt sich wie ein Schatten darauf. Es wird bestimmt durch die Äusserlichkeiten, die den Menschen umgeben und beeindrucken, durch seinen Willen. Der eine hat einen starken, der andere einen schwachen Willen, der eine neigt zur Religiosität, ein anderer nicht. Es spielen so viele Faktoren eine grosse, bedeutende Rolle dabei.

Und wenn ich sage, der Geist weiss mehr Bescheid, dann darf ich auch sagen, dass es eben der Geist des Menschen ist, der manchmal über sich selbst und seine Lebensweise sehr traurig ist, über die Handlungen, die der ganze Mensch vollführt. Man spricht von der Stimme des Gewissens, von der inneren Stimme. Gewissen und innere Stimme sind nichts anderes als der Laut der Seele, das Wort, das aus der Seele kommt, das mahnende, das tröstende, auch das vorwurfsvolle. Denn in der Seele – wenigstens des aufwärtsstrebenden Menschen – sollte doch eben ein höheres Bewusstsein vorhanden sein, und er sollte in diesem höheren Bewusstsein leben. Dann erlebt der eigene Geist die schmerzliche Enttäuschung über diese oder jene Tat, die der Mensch begeht. Der Mensch kann ja auch zur besseren Einsicht kommen, er kann seine Fehler einsehen. Geschieht dies, so ist der äussere Mensch bereit, auf das innere Wort zu horchen und der Seele die Freiheit des göttlichen Bewusstseins zu geben.

Die Menschen atmen auf dieser Welt ständig aus der Seele Gottes. Denn die Erde ist ein Teil der Seele des Himmels, ständig gespiesen von der Kraftquelle des Himmels. Sie wurde der Menschheit für ihren Aufstieg und zur Pflege des Gottesbewusstseins gegeben. Sein höheres Selbst pflegen heisst eins werden mit dem Göttlichen, in sich selbst kehren. Das ist wohl der grösste Wunsch der helfenden Geisteswelt, dass man sich nicht nur nach dem Äusseren dieser Welt ausrichtet. Denn diese Welt hat ja keine Ewigkeitswerte. Sie ist doch vergänglich. Was nützt es dem Menschen, wenn er auf dieser Welt ein Millionenvermögen besitzt. Wenn er in der geistigen Welt erscheint, kann er mitunter sogar ein Bettler sein. Denn zählen tut nur das, was Gott seinen Geschöpfen an Ewigkeitswerten gegeben hat, die die Seele erfüllen und den Menschen beglücken. Dazu braucht es selbstverständlich die Tugenden. Hat man die Tugenden, dann hat man in sich bestimmt auch geistige Werte und ist ein begehrenswerter Mensch. Denn die geistigen Werte allein werden gewürdigt im anderen Leben. Man spricht so viel von Liebe und Gerechtigkeit. Ja das sind göttliche Werte, und wer sie in der Seele hat, muss sie pflegen und sorgfältig bewahren. Man soll nicht erwarten vom Nächsten, dass nur er Liebe und Gerechtigkeit zu üben hätte. Von jedem wird das gerechte Mass verlangt, das gleiche Mass für alle.

Und so liegt es in der göttlichen Weisheit und Gerechtigkeit, dass Menschen, die das Gottesbewusstsein nicht erlangt und sich belastet haben, bei ihrer Einkehr in die Jenseitswelt auch dafür bestraft werden. Sie müssen sich läutern. Sie müssen eines Besseren belehrt werden. Es ist dies für manchen eine harte Schule. Es wäre hierüber so vieles zu sagen, aber was wir sagen möchten, kann eben nur mit dem Geiste verstanden werden – wenn wir vom höheren, göttlichen Bewusstsein, von der Seele Gottes, dem Himmel, sprechen und von der Seele des Himmels auf der Erde. Und wenn man es richtig versteht und weiss, dass dieses alles Bewusstsein ist, dass die Dinge, die geschehen, ihre Spuren hinterlassen, die niemals verwehen können, vielleicht aber vorübergehend verweht werden müssen, so ist es ratsam für den geistig ausgerichteten Menschen, sich mit dieser Geistlehre zu befassen. Es wird sein ganzes Leben bereichern. Er wird Antworten finden auf verschiedene Fragen.

Diese Geistlehre ist ihm Wegweiser durch das ganze Leben. Sie hat nichts mit Fanatismus zu tun. Es ist jedem selbst überlassen, dazu Ja oder Nein zu sagen. Denn wir werben nur für die göttlichen Gesetze und die göttliche Ordnung. Wir können sie keinem Menschen aufzwingen. Wir verbreiten die Wahrheiten aus den Himmeln, und wenn die Menschen Gottes Wort empfangen, sollten sie sich darüber beglückt fühlen. Sie sollten nicht leer aus einem Gottesdienst herausgehen. Ihre Seele sollte erfüllt werden, sie sollten für ihr zukünftiges Leben einen Hinweis empfangen haben. Sie sollten sich klar darüber werden können, dass auch sie aus der Liebe und Weisheit Gottes ins Leben gerufen wurden und dass ein jeder eine bedeutende Person ist. Es ist nur unter den Menschen so, dass man den einen erhöht und den anderen erniedrigt. In der Gotteswelt aber gibt es nicht dieses Ansehen der Person wie bei den Menschen. Darum habe ich erklärt, dass im Himmelreich auch der Diener eine bedeutende Aufgabe erfüllt und eine gehobene Stellung einnimmt. Das ist die Gotteswelt. Sie unterscheidet sich in vielem gewaltig von dieser Welt mit ihren Menschen, die von Gott und einer göttlichen Seele nichts wissen wollen, auch nichts von einem göttlichen Bewusstsein; die sich keine Mühe geben, um zu einem höheren Denken zu gelangen.

So wird es eben für solche länger dauern, bis sie jene geistige Entwicklungsstufe erlangt haben und in jene Herrlichkeit eingehen können, wo sie den Himmel in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit erleben dürfen. Und länger wird es dauern, bis man seine eigenen, noch schlummernden schöpferischen Fähigkeiten entfalten kann. Wenn von schöpferischer Tätigkeit im Himmel gesprochen wird, so kommen doch viel bedeutendere Talente zum Vorschein, als es bei einem Menschen möglich ist, und er kann im Himmel wunderbare Werke vollbringen. Denn er ist der Seele Gottes näher, und er atmet ständig aus der Seele Gottes, die ihm die Kraft zu weiterem Wirken gibt. Denn der Himmel muss lebendig sein. Der Himmel nimmt sie alle auf. Und in den höchsten Stufen muss das Glück gewaltig sein. Da ist ein ständiges Staunen über die nie endenden Überraschungen, für die man mit eigener Hand gewirkt hat, über dieses schöpferische Wirken – man ist mitbeteiligt an der Gestaltung dieser Herrlichkeit. Von Gott hat man doch dafür die Kraft und die Fähigkeit bekommen.

Nun, liebe Geschwister, ich glaube, dass ich genug gesprochen habe. So aber möchte ich nochmals empfehlen, darüber nachzudenken. Ich möchte, dass alle Menschen dieser Erde zur wahren, inneren Einkehr gelangen könnten, um das göttliche Bewusstsein im menschlichen Leben ständig weiterzutragen; ich möchte, dass sie sich bewusst werden, dass sie Hüter dieses göttlichen Bewusstseins sind.

So möge Gottes Segen euch alle beglücken. Möget ihr alle, die ihr krank seid an Leib oder Seele, gesunden. Möget ihr behütet und beschützt sein vor aller Gefahr des geistigen wie des irdischen Lebens. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 26.2.1972 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Erläuterungen zum Gottesfunken in der Seele des Menschen

Josef, 7. Oktober 1950 und 5. März 1955 (Ausschnitte)

Erläuterungen zum Gottesfunken in der Seele des Menschen

Als Kind und Geschöpf Gottes trägt jeder Mensch Ewigkeitswerte in sich. Durch die Pflege des inneren Lebens und das Befolgen der Gesetze Gottes gelingt es, die Kraft des göttlichen Funkens zutage zu fördern, sodass dieses innere Licht den ganzen Menschen durchdringt.

Josef: Mein lieber Freund, dein irdischer Körper soll einem Tempel Gottes gleichen. Denn in diesem Tempel Gottes ist ein kostbares Gefäss, das sich Seele nennt, und in dieser Seele thront dein Geistfunke. Wenn ich jeweils sage, dass ihr euren Tempel rein halten sollt, kannst du mich heute schon besser verstehen. Du sollst dir nun einen wunderbar geschmückten, einen reinen Tempel vorstellen können, und dies ist dein Körper. Denn gern ist eine gute Seele auch in einem schönen, das heisst reinen Körper, in einem geschmückten Tempel.

Nun möchte ich wiederholen, wie du diesen Tempel zu schmücken hast. Du hast zwei Führer für diesen Tempel, und diese Führer sind nun dein freier Wille und deine Worte, die du sprichst, deine Gedanken. Du kannst mit deinen Worten diesen Tempel wunderbar gestalten, du kannst ihn rein machen mit deinen Gedanken. Du kannst aber auch mit deinen Worten, die du aussprichst, diesen Tempel beschmutzen. So siehst du, lieber Freund, wie du zu wirken hast, damit dieser Tempel immer schön bleibt oder wird, so wie ich dir schon Anweisungen gegeben habe. Mit nur guten Worten kannst du ihn rein halten und schön gestalten, denn in diesem Tempel ist ein kostbares Gefäss. Diese Kostbarkeit ist überall vorhanden, und sie will ebenfalls geschmückt werden, denn aus ihr kann so vieles wachsen, und diese Kostbarkeit kann so gross werden. Denn der Geistfunke, der darin thront, welcher der Funke Gottes ist, der göttliche Eigenschaften in sich trägt, gibt jeweils – ich möchte sagen – aus Dankbarkeit bestimmte göttliche Eigenschaften heraus, wenn die Seele auch geschmückt ist. Denn die Seele ist bereit zu jeder Stunde, alles aufzusaugen, was in diesem Tempel vorgeht. Sie nimmt so viele Eindrücke auf, die Schönheit bis ins Letzte nimmt sie auf. Sie nimmt aber auch das Unreine auf, doch möchte ich nur bei dieser Schönheit bleiben. Ich möchte sagen, dass doch diese Seele mit so vielen Tugenden geschmückt werden kann, dass der Mensch die Gesetze Gottes erfüllen muss und dass er von sich die Liebe gibt. So wird er diese Seele schmücken können. Denn wenn eine Seele einen bestimmten Glanz hat, so kann dementsprechend der göttliche Funke wirken, denn er gibt auch von sich heraus, aber er gibt nur göttliche Eigenschaften. Wenn aber die Seele beschmutzt ist, so ist der göttliche Funke verfinstert, und er kann nichts oder viel zu wenig herausgeben, weil eine Mauer um diesen Funken geschaffen wurde.

Liebe Freunde, ihr selbst sprecht jeweils von Dämonen. Formen sind es, die ihr mit euren Gedanken bilden könnt, und ich bitte euch, hier nicht zu verwechseln: Ein böser Geist und ein Dämon sind nicht dasselbe. Ein Dämon bildet sich von den bösen Gedanken des Menschen. Er ist aber leblos, das heisst, er ist ohne Kraft, er hat nichts Wirkendes in sich, es sind dies Gestalten, leblose Formen. Ich sage dies nur, um euch wieder Dinge verständlich zu machen, die euch unmöglich erscheinen. So will ich damit sagen, dass auch die Seele formt, dass auch sie Formen geben kann. Doch eine gute Seele gibt auch dementsprechend schöne Formen und Gestalten, und so ist dann dieser Tempel bereit, diese Formen aufzunehmen, die von der Seele kommen, um ihn zu schmücken. Das heisst, der Mensch gibt aus sich heraus, was in seiner Seele ist. Und dieser Funke Gottes, der so unendlich viel Kraft besitzt, wartet nur darauf, sich auszudehnen, zu wirken, denn er nimmt auch von der Seele auf. So gibt aber auch der Geistfunke dieser Seele Kraft, und die Seele gibt dementsprechend dem Körper – dem Tempel, wie ich ihn nenne.

Lieber Freund, dein Körper ist gesät worden in Verweslichkeit, aber auferstehen wird ein Körper in Unverweslichkeit. So wirst du deinen Körper ablegen, wenn die Zeit zu dir kommt, wo die Seele und der Geist sich trennen von deinem Körper. Dann, wenn deine Nächsten diese Hülle, diesen toten Körper, betrachten, können sie ihn nicht mehr lieben, sie lieben diese Form nicht mehr. Doch ist in vielen Menschen diese wahre Liebe, und so rufen sie oft aus in ihrer Verzweiflung: “Es ist unmöglich, dass dieser Mensch nun nicht mehr da sein soll. Ich kann es nicht begreifen!” So wird diese Liebe ihre Seele suchen – dies ist wahre Liebe –, und sie wird den Weg zur Seele finden. Diese Form, die nicht mehr schön ist, liebt niemand mehr. Doch, jemanden gibt es, der diese leblose Form noch liebt, das ist die Erde. Sie breitet sich aus, diese Form zu umhüllen, sie aufzunehmen, sie einzubetten in ihren Schoss, und sie sorgt dafür, dass diese Form wieder gleich wird wie sie selbst. So hat einerseits die Erde die Aufgabe, diese Form zu umschlingen, aufzunehmen, und anderseits ernährt sie die, welche sie dereinst mit grosser Liebe wieder zu sich nimmt. So könnt ihr, liebe Freunde, erkennen, wie dieses Verwesliche, der Körper, der der Erde gegeben wird, doch auch mit den Kräften der Erde gewachsen und gross geworden ist, dass die Erde dementsprechend gegeben hat, diesen Körper zu nähren. Sie will aber auch wieder Besitz nehmen von ihm, denn ich möchte sagen: Es war ihr Werk, diesen Körper aufzubauen, und so gehört er wieder der Erde.

So, liebe Freunde, wandert aber die Seele durch die himmlischen Auen. Und wenn eine bestimmte Zeit vorüber ist, wird all der Glanz und all die Schönheit und Wärme, die diese Seele gehabt hat, ganz dem Geist abgegeben, und langsam wird sich das Schwere auflösen. So ist dann dieser Geist gezeichnet, und so bringt er seine Früchte, denn von ihm ist alles Schwere genommen. Doch nichts wird er verleugnen können, denn die Seele hat einst alles Gute und alles Böse aufgesaugt, zu sich genommen, und wiederum ist es die Seele, die, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt hat, dem Geist gibt. So sind nun diese Wesen, das eine in seinem Glanz und das andere müde und matt.

Wenn ich so an dich dringe, lieber Freund, und dich bitte, die Gesetze Gottes zu erfüllen, die Liebe zu geben, will ich dir immer nur zeigen, dass das, was du wahrhaftig aufnimmst in deine Seele, von so grosser Bedeutung ist, dass es sich auswirken wird und du doch bemüht sein sollst, eben eine gute Seele zu werden, wie ich immer betone. Und das heisst, so vieles [zu vergeben und] zu vergessen und immer wieder Liebe zu geben. Denn du musst immer wieder bedenken, lieber Freund, dass du doch ein Kind Gottes bist, und du hast diese göttlichen Eigenschaften in dir. Du sollst aber mit ihnen wirken, auf dass dein Glaube gross und stark wird und Freude herrschen kann im Hause Gottes über dich. Denn diese Wesen sind alle im Besonderen gezeichnet. Nach ihrem Glanz werden sie eingereiht werden.

Ausschnitt aus dem Vortrag vom 7. Oktober 1950

Josef: Meine lieben Freunde, letzthin fragte man mich nach der Bedeutung des Gottesfunkens im Menschen, worüber ich früher schon gesprochen habe. Ich sprach, der Gottesfunke im Menschen stammt von Gott selbst. Dieser Gottesfunke muss aber einen Leib haben, und diesen Leib gab Christus.

Meine lieben Freunde, wie wunderbar und herrlich ist es doch, zu wissen, dass in eurer wie in meiner Seele der Funke Gottes glüht. Nun aber, wie jeder Same, der aufgehen und gedeihen soll, gute Erde haben muss, so muss auch der Gottesfunke im Menschen dementsprechend bekleidet sein, damit er sich in Herrlichkeit entfalten und leuchten kann. Doch muss ich hier eine Erklärung einschalten, die ich zwar auch schon abgegeben habe: Als alle Wesenheiten noch in vollstem Glück und Frieden, in Glanz und Herrlichkeit und Harmonie mit Gott zusammenlebten, da war die Gestalt des Einzelnen so wunderbar. Denn Harmonie bedeutet Glanz und Herrlichkeit. Und in diesem Glanz und in dieser Herrlichkeit warst auch du, mein Freund. So musst du dafür Sorge tragen, dass du recht bald diesen Glanz und diese Herrlichkeit wieder erlangst. Durch den Abfall wurden die Wesen ihres Glanzes und ihrer Herrlichkeit beraubt, von der Schönheit und Harmonie gingen sie in die Disharmonie, ihre einstige Schönheit verwandelte sich in Hässlichkeit. Dann hatte Christus für all diese Wesenheiten die Erlösung gebracht, das heisst, er hat ihnen den Weg zurück zu Gott geebnet. So muss sich aber der Einzelne selbst aufmachen, um höherzusteigen. Dazu muss er in ein harmonisches Verhältnis gelangen, er muss von seiner Hässlichkeit verlieren.

Nun, ihr habt Kenntnis von diesem Funken Gottes in euch, oder es ist auch richtig, wenn ich sage, dass es ein Same Gottes ist, der in die Seele eines jeden Menschen gelegt ist, der im Leben aufgehen muss. So muss der Mensch sein inneres Leben pflegen, und er wird erkennen, welch wunderbare Kraft sich von diesem Funken Gottes aus entwickeln kann. Der Mensch muss von innen nach aussen leben. Wenn ihr nun wisst, wie unendlich die Herrlichkeit, Pracht und Schönheit Gottes ist und dass ihr Menschen in euch einen Funken von dieser vollkommenen Schönheit tragt, so bedenkt, dass all das Herrliche in diesem Samen sich nicht voll und ganz entwickeln kann, solange das, was diesen Funken bekleidet, nicht rein ist; denn durch die Trennung von Gott ist Hässlichkeit entstanden und Verfinsterung, und der Leib des Menschen ist noch nicht von der Kraft des göttlichen Funkens durchdrungen.

Wer nun als Mensch Gott lobt und preist, wer Gottes Gesetze und die irdischen Gesetze befolgt, der ermöglicht das Aufgehen und Gedeihen des göttlichen Samens in seinem Innern. Er versucht sich innerlich zu reinigen, sodass dieses innere Licht seinen Leib durchdringt – dass es um ihn leuchtet. Aber viel ist zu tun, um sich in dieser Weise zu reinigen, um das innere Leben zu pflegen, um wieder in Harmonie mit Gott zu kommen und mit seiner ganzen Schöpfung.

Wir beobachten wohl, wie schwer es für den Menschen wahrhaftig ist, das innere Leben zu pflegen, von innen nach aussen zu wirken, wie schwer es ist, in Bescheidenheit und Demut zu leben, wie schwer es ist, mit seinem Schicksal zufrieden zu sein, und wie schwer es für den Menschen ist, zu erkennen, dass der Wille Gottes überall geschieht, also auch mit ihm. Es fehlt ja so vielen Menschen am Gottvertrauen. Wie oft sehen wir die Menschen zweifeln, in Ängsten vergehen, dass sie morgen oder übermorgen nichts mehr oder zu wenig für ihr Leben hätten. Daseinsängste haben sie. Wie schwach ist das Vertrauen dieser Menschen zu Gott. Hat nicht Christus gesprochen: “Betrachtet die Lilien auf dem Felde; sie spinnen nicht, sie weben nicht und sind doch so schön”? Hat er nicht darauf aufmerksam gemacht, dass “die Vögel unter dem Himmel nicht in Scheunen sammeln und doch leben”? (Mat. 6, 25 –34.) Das soll aber nicht heissen, dass der Mensch auch so in den Tag hinein zu leben habe; er muss seinen Verpflichtungen nachkommen und alles tun, was in seinen Kräften steht. Er darf nicht müssig sein. Er darf aber auch nicht der Sklave seines materiellen Lebens und Gutes werden. Diese Einstellung würde den Durchbruch des göttlichen Glanzes verhindern.

Wie wenig Vertrauen haben die Menschen zu Gott. Doch wer erstarkt ist, hat den Schwachen im Erdenreich eine Stütze zu sein. Genauso wie die Geistboten die schwachen Menschen stützen, sie führen und kräftigen, so ist es auch die Aufgabe der in ihrer Welt erstarkten Menschen, den Schwachen und Kranken zu helfen.

Meine lieben Freunde, da und dort hat ein Mensch so wenig Vertrauen zu Gott, dass er glaubt, von ihm verstossen zu sein; er glaubt, dass Gott ihm seine Liebe nicht so schenke wie einem andern. Oh, wenn ich von Zufriedenheit, Bescheidenheit und Demut spreche, so gehören sie zur Pflege des inneren Lebens. Die Zufriedenheit sollte doch jeden Menschen erfüllen. Er soll erkennen, dass er von einer göttlichen Kraft umgeben ist, von der er immer aufnehmen kann. Der Mensch soll erkennen, dass Gott ihn nicht verlässt, dass Gott so vieles zu des Menschen Gunsten bereitet hat, dass er sich nur öffnen und empfangen muss und dass er zufrieden sein soll mit seinem Leben, gerade da, wo er hingestellt wurde. Wenn er da das Beste daraus zu machen versucht, dann wird er seine Aufgaben erfüllen. Denn es ist so, dass die Menschen auch unbescheiden sind und immer mehr wollen. So pflegen sie die Unzufriedenheit und verschliessen sich dieser göttlichen Hilfe, die ihnen gegeben ist.

Wenn ein Mensch schon die Erkenntnis hat, dass er ein Kind Gottes ist und in sich einen Funken von Gott trägt, dann sollte ihm doch auch die grosse Liebe Gottes nicht verborgen sein. Vielleicht vermochte er in seinem Leben auch einmal innig zu lieben, vielleicht vermochte er einmal grosse Barmherzigkeit und Güte walten zu lassen. Vielleicht hat sich in seinem Leben nur einige Male solches ereignet. Aber wie könnte überhaupt ein Mensch so etwas erfühlen und davon erfüllt werden, wenn nicht in ihm ein Funke der vollkommenen Liebe und Gerechtigkeit Gottes wäre? Dieser kleine Funke in der Seele des Menschen will hervorleuchten, er will sich entfalten können. Du, mein Freund, kannst ihm dazu verhelfen, wenn du eine Reinigung von innen heraus vollziehst, dass dieses Licht deine Seele zu durchdringen vermag und deinen Körper kräftigt. Dann hast du die Möglichkeit, diese Harmonie, diese Schönheit, diesen Glanz wieder zu erlangen.

Solch ein vollkommenes Leben, dieses Von-innen-nach-aussen-Wirken, ist nur möglich auf dem Wege der Harmonie. Wer auf diesem Wege wandelt, wird erkennen, welch wunderbare und grosse Kraft im Innersten der Seele, in dem Gottesfunken, ist, dass er nicht nach der Liebe anderer zu fragen hat, nach Verständnis und Gerechtigkeit ausserhalb seiner selbst; sondern er wird spüren, wie diese vollkommenen Kräfte aus seinem eigenen Innersten herausdrängen, wie er selbst in der Harmonie dieser Gefühle leben und wirken kann, dass das sein Leben glücklich, froh und frei gestaltet. Es braucht viel dazu, diese Gesinnung sich so aneignen zu können. Doch der Mensch muss sein Leben bejahen können. Er soll nicht immer fragen: “Warum muss ausgerechnet ich dieses und jenes haben?” Oh, ich möchte sagen, ausgerechnet du könntest auch noch Schlimmeres zu ertragen haben. Denke, lieber Freund, dass du aus deinem Innern selbst so viel Kraft empfangen kannst, indem du dich öffnest. Indem du dieses innere Leben pflegst, schaffst du dir selbst die Möglichkeit, deinen inneren Glanz zu verbreiten.

Auch wer krank ist, kann so sein Vertrauen auf Gott derart stärken, dass ihm so viel Kraft zufliesst, wodurch er in seinen schweren Stunden des Leidens und der Schmerzen diese göttliche Kraft spürt. Wer so weit ist, wird Gott auch für all das danken, was er zu ertragen hat, weil er zur Erkenntnis gelangen musste, dass gerade dieses Leid oder dieser Schmerz, den er durchzumachen hat, zu seinem geistigen Fortschritt ist; dass Gott nur das geschehen lässt, was dem Einzelnen zu seiner geistigen Entwicklung dient – es sei denn, dass sich der Mensch durch eigenes Verschulden, durch Nachlässigkeit selbst in eine schwere Lage bringt. Aber in Stunden der Krankheit, von Leid und Schmerz sollte die Verbindung zur Welt Gottes noch viel enger gestaltet werden. In dieser Zeit sollte die Sehnsucht nach Gott, diese Sehnsucht, wieder in Harmonie mit Gott vereint zu leben, so gross und mächtig werden, dass der Mensch die Last seines Körpers, seine grossen Schmerzen nicht spürt und nur das eine wünscht: mit Gott und seiner Welt in Harmonie vereint zu sein. Wie viele Menschen aber, die sich so sehr an das Leben klammern, finden in ihrer Krankheit den Weg zu Gott nicht. Wir verstehen wohl, dass da und dort ein Mensch wieder in Gesundheit und Freude mit seinen Lieben vereint sein möchte. Dieser Wunsch darf im Menschen sein. Und wenn er diese göttliche Kraft in sich derart zu entfalten vermag, wird es in ihm eine solche Reinigung geben, und er wird, wenn es sein darf, gesunden.

Es sollen doch alle Menschen jederzeit bereit sein, den Willen Gottes mit sich geschehen zu lassen. So wie ihr betet: “Dein Wille geschehe”, so soll alles dem Willen Gottes anheimgestellt sein. Denn wisst, dass die Himmelsboten sich sehr um die Menschen bemühen, dass sie ihnen Kraft zuführen, sie im Leben begleiten und vom Bösen wegführen, das heisst jene, die ständig um den göttlichen Schutz bitten. So ist es notwendig, das innere Leben zu pflegen, sich mit Gott zu verbinden. Wer diese stillen Stunden einhält, der schafft sich allmählich einen sicheren Weg zur Gotteswelt, und seine Bemühungen und Anstrengungen werden dadurch belohnt, dass er von den göttlichen Wesen geführt und gestärkt wird. So soll es sein, meine lieben Freunde. Ihr habt jeden Tag viel Gelegenheit zur Pflege des inneren Lebens. Es hilft jedem Einzelnen, wenn er diese Rückschau hält, von der ich immer wieder spreche und die von zu wenigen befolgt wird. Wenn es uns Geistwesen so sehr daran gelegen ist, euch dem Lichte zuzuführen, euch im göttlichen Lichte zu vereinen, dann sollt ihr auch befolgen, was wir euch dazu empfehlen. Versucht von innen nach aussen zu leben, so reinigt ihr euren Körper; ihr werdet gesünder werden und mehr Freude am Leben haben. Ihr werdet all das Schöne im Erdenreiche, das euch gegeben wurde, viel mehr zu schätzen wissen und das Sprechen Gottes in der Natur viel besser verstehen.

Liebe Freunde, pflegt im wahren Sinne des Wortes dieses innere Leben, und werdet nicht Sklaven des materiellen Gutes, das euch umgibt; lasst nicht das Äussere dieser Welt auf euch einwirken. Ihr selbst sollt von innen nach aussen wirken. Der Funke Gottes, der in euch gegeben wurde, soll sich entfalten, euch reinigen, euch zum Heil und Segen. Versucht einmal in der nächsten Zeit, jeden Abend, bevor ihr zur Ruhe geht, euch vorzustellen, dass ein wunderbarer, glühender Funke in euch ist, dass ihn aber ein dichter Nebel umgibt und sein Glanz nicht durchdringen kann, dass es aber nur an euch liegt, den Nebel aufzulösen, Schicht um Schicht, damit der Funke Gottes in seiner ganzen Reinheit und Vollkommenheit nach allen Richtungen ausstrahlt.

Ausschnitt aus dem Vortrag vom 5. März 1955

Wenn die Seele des Menschen um Hilfe ruft

Lene, 18. Oktober 1967

Wenn die Seele des Menschen um Hilfe ruft

Der lebende Mensch ist eine Einheit aus Körper, Geist und Seele. Die Seele ist die Trägerin des Gemütes und des Ich-Bewusstseins. Oft kommt es vor, dass die Seele im Verlangen nach den hohen Zielen des Lebens ist und sich nach Wahrheit sehnt, während der äussere Mensch nicht fähig ist, diesem Verlangen zu folgen. Spürt die Seele die Schwäche ihrer eigenen Kraft, so leidet sie und ruft um Hilfe. Geistlehrerin Lene erklärt in diesem Vortrag, auf welche Weise die Seele Stärkung findet, damit es dem Menschen gelingt, im höheren, göttlichen Bewusstsein zu leben.

Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, wenn ein Mensch um Hilfe ruft, dann hofft er, gehört zu werden, er hofft, dass ihm Hilfe gebracht wird. Auch die Seele eines Menschen kann um Hilfe rufen, und sie erwartet auch, dass sie gehört wird und man ihr zu Hilfe kommt. Ich möchte aber einmal im Besonderen erklären, was mit “Seele” und “Geist” gemeint ist. Dies soll nämlich für die Zukunft zum besseren Verständnis dienen. Denn viele Geschwister sind sich darüber einfach nicht im Klaren, wann man vom Geiste reden soll, was damit gemeint ist, und was eigentlich mit der Seele im Besonderen gemeint ist.

Es kann von einem Geiste gesprochen werden, der mit seiner Seele verschmolzen ist, der mit seiner Seele eins geworden ist. Diese Verschmelzung geschieht auf einer hohen Ebene, sodass man nicht mehr im Besonderen von der Seele reden muss; sondern man spricht jetzt vom Geiste, von einem seligen Geist.

Wenn ihr von Gott, von Christus, von einem höheren Geistwesen sprecht, dann werdet ihr nicht von Seelen reden; ihr werdet Gott nicht als eine Seele anreden, sondern Gott ist Geist, und es ist euch klar, dass dieser Geist eine Persönlichkeit ist. Mit diesem Worte “Geist” ist also eine Persönlichkeit gemeint, für eure Augen unsichtbar.

So kann man aber auch von einem Geist sprechen, wenn es sich um ein unseliges Wesen handelt. Man spricht von einem unseligen Geist – und er ist ja im Grunde genommen mit seiner Seele im höheren Sinne noch nicht vereint.

Mit der Seele ist nun der Träger des Gemütes, des Ich-Bewusstseins gemeint. Aus der Seele heraus steigen die Gefühle empor. Diese Gefühle sind doch meistens noch niederer Art, wenn es sich um einen aufsteigenden Geist handelt. Es ist also noch keine Vollkommenheit, noch keine Verschmelzung mit dem Geiste in der Harmonie, und so spricht man dann eben von der Seele; man meint damit ganz besonders noch etwas vom Geiste Getrenntes. Während man mit dem Wort “Geist” die Person erfasst, möchte man mit dem Wort “Seele” mehr sein Gemüt, seine Ausdrucksweise, das Ich-Bewusstsein zum Ausdruck bringen.

Wenn ihr Menschen von einem Mitmenschen redet, dann meint ihr damit doch auch einen lebenden, einen tätigen Menschen; man spricht also von einem lebenden, tätigen Menschen und nicht von einer Seele. Der “tätige Mensch” ist hier also das richtige Wort. Meint man dann einen Verstorbenen, muss man ausdrücklich “verstorbener Mensch” sagen – dann wird es auch verständlich sein. Das Wort “Mensch” allein aber erfasst den tätigen, lebenden Menschen unter andern Menschen. In diesem Menschen ist ein Seelenleib Träger des Gefühls. Im Alltag unter Menschen spricht man nicht von dieser Seele. Man spricht in eurer Sprache beispielsweise von der “Güte des Herzens” oder von “Hartherzigkeit”. So wird nach menschlichen Begriffen das Herz Träger dieser Gefühle, und man weiss unter Menschen gleich Bescheid, wenn man von einem spricht, er habe ein gutes Herz oder er sei ein hartherziger Mensch. Also ist der Mensch doch eine Persönlichkeit, und so ist es mit dem Geist; der Geist ist eine Persönlichkeit. Wenn wir zu euch reden, sprechen wir oft von der Seele, weil wir eben gerade das Unvollkommene, das noch nicht zum höchsten Leben Verschmolzene, meinen, nicht die vollkommene Persönlichkeit, sondern eben noch das Geteilte.

Wir geben euch jeweils Einblick in die Geisterwelt Gottes. Ihr könnt Einblick erhalten in das Leben in der jenseitigen Welt. Man gibt euch Bescheid über die Gesetze, über den Willen Gottes. Ihr könnt auch die Läuterungen kennenlernen; anhand von Erlebnisberichten wird euch dargelegt, was alles in der geistigen Welt vorhanden ist, was zu erleben ist, was man erwarten kann. So findet ihr den Zugang zu dieser jenseitigen Welt.

Viele Menschen – ich sage jetzt das Wort “Mensch” – haben es oft sehr schwer, diese Sprache und all das zu verstehen und zu bejahen, was wir ihnen erklären, was in dieser andern Welt zu erleben ist, was vorhanden ist, was man erwarten kann. Für viele Menschen ist es schwer; es ist für jene schwer, die eben keine besondere innige Verbindung zu dieser jenseitigen Welt haben, die in ihrem Glauben nicht die Tiefe besitzen, um es anzunehmen. Wir aber können zur Seele des Menschen sprechen.

Ich sagte anfangs, wenn ein Mensch in Not ist, kann er um Hilfe rufen in der Annahme, gehört und gerettet zu werden; so ist es auch mit der Seele des Menschen – und wenn ich jetzt von der Seele des Menschen rede, ist damit nicht der äussere Mensch gemeint, sondern der innere Mensch, der mit einer anderen Welt verbunden ist, anderen Gesetzen untersteht und mit dem ich als jenseitiges Wesen sprechen kann. Die Seele, die um Hilfe ruft, will die Verbindung mit andern Seelen oder mit andern Bewohnern des geistigen Lebens; sie will also einen Beistand von geistiger Seite. Wenn die Seele um Hilfe ruft, ruft nicht der äussere Mensch mit seinem Denken, das ihn bindet an seinen Alltag, sondern es ist der inwendige Mensch, der an etwas anderes noch, eben an seine Welt, gebunden ist. Die Seele kann um Hilfe rufen, und sie wird von jenen gehört, die in der Nähe des Rufenden sind. Es sind hilfsbereite Geschwister, die einem solchen Rufenden zu Hilfe eilen; sie werden dem Hilferufenden den Beistand geben, werden versuchen ihn zu retten und zu helfen, was ihnen möglich ist.

Es ist notwendig, euch dies alles zu erklären; denn nur dann eigentlich kann man eine wirkliche Meditation im geistigen Sinne verstehen – der Mensch mit seinem äusseren Denken kommt ja nicht nach, kann es nicht verstehen. Verstehen werden es jene Geschwister, die schon längere Zeit uns zugehört, die die Gesetze Gottes und diese andere Welt kennengelernt haben. Aber für Freunde, die diese Erkenntnis nicht besitzen, ist es schwer, zu glauben, dass man zum inneren Menschen reden kann und dieser innere Mensch eine Tätigkeit ausübt, wovon der äussere Mensch in seinem Bewusstsein nichts mitbekommt.

Wenn nun die Seele um Hilfe ruft, so hat sie ihre besonderen Gründe. Die Seele ruft dann um Hilfe, wenn sie vom Leibe gelöst ist. Es braucht nicht der irdische Tod zu sein, sondern es kann sich um den schlafenden Menschen handeln, dessen Seelenleib frei geworden ist und nun für seine Entwicklung, für seinen Aufstieg, für seine Welt leben möchte – seinen geistigen Aufstieg beschleunigen will. Diese Seele kann um Hilfe rufen. Sie wird es dann tun, wenn sich niemand sonst um sie kümmert und sie sich eben einsam, verlassen oder in Gefahr fühlt. In der göttlichen Welt ist man bereit, jenen Rufenden zu Hilfe zu eilen, gleich auf welcher geistigen Entwicklungsstufe sie stehen.

Dazu muss ich auch eine Erklärung geben, die schon öfter dargelegt wurde: Der Körper des schlafenden Menschen ist mit seinem Seelenleib wie mit seinem geistigen Leib durch ein feines Band, durch die silberne Schnur, verbunden. Für euer Verständnis besser erklärt, möchte ich es als eine Spirale bezeichnen. Diese Spirale von Seele und Geist zum Körper ist ganz eng aufgewunden. Legt sich der Mensch zur Ruhe und wird vom Schlaf übermannt – eigentlich könnte man den Schlaf ja auch als einen Trancezustand bezeichnen, aber dieses würde wohl von den Menschen nicht verstanden –, dann löst sich oder springt diese Spirale, wenn der Schlaf eine gewisse Tiefe erreicht hat. Diese Spirale ist so dehnbar, ja sie ist sehr, sehr zäh. Sie dehnt sich also aus, und die Seele hat die Möglichkeit, in ihren Welten zu wandern, dahin zu gehen, wo sie hergekommen ist; sie kann zu ihren Grenzen hinziehen. Es kann aber eine solche Seelenwanderung während des Schlafes nicht in alle Ebenen hineinführen, sondern die Seele wird ganz nach dem Gesetze die Möglichkeit haben, dahin zu kommen, wo sie entsprechend ihrer Entwicklung hingehört. So sind jeder Seele, jedem Menschen, Grenzen gesetzt; im Rahmen dieser Grenzen bewegt er sich als Seele, verbunden mit seinem Geiste.

Ich sagte, dass die Seele das Ich-Bewusstsein trägt; dieses “Ich will das tun”, “Ich verweigere das”, “Ich will nicht glauben” – das ist die Seele. Wenn sie ein niederes Denken besitzt, so bewegt sie sich in den niederen Ebenen. Ist nun die Seele von einem höheren Gefühl durchdrungen, von grossem Verständnis und Liebe – wenn sie nur geben kann, nur helfen, nur verzeihen kann, wenn jedes Wort, das sie spricht, und jeder Gedanke, den sie trägt, von hohem Gehalt ist –, dann ist es eben ein Wesen, das geistig gehoben ist und geistig sich in den oberen Ebenen bewegt. Aber da es ja als Mensch lebt und viele Eindrücke auf die Seele kommen, kann eben trotzdem, so wie ich es jetzt tue, von der “Seele” gesprochen werden. Es wird dann aber schneller zu einer harmonischen Verschmelzung mit dem höheren Bewusstsein kommen.

Nun möchte ich in dieser Stunde mit euch diese Meditation durchführen. Ich habe es euch mit diesen erklärenden Worten etwas verständlich gemacht, dass es möglich ist, einem Hilferufenden zur Seite zu stehen. Um Hilfe ruft, wie ich betont habe, ein sich einsam und verlassen fühlendes Wesen. Die Engelswelt nähert sich einem solchen Rufenden, betrachtet zuerst einmal die ganze Entwicklung des Flehenden. Ist nun dieses Wesen auf einer niederen Stufe oder ist es im Aufstieg begriffen, nimmt es aber noch keine höhere Stellung ein, das heisst, ist sein Ich-Bewusstsein nicht auf den höheren Stufen des Lebens angelangt, so muss auch die helfende Geisteswelt auf den Entwicklungsstand des betreffenden Wesens Rücksicht nehmen. Sie wird ihm die Hilfe geben, die es verdient.

Was sind das für Seelen, die während der Zeit des Schlafes um Hilfe rufen, die noch in niederen Gefühlen leben, in Verzweiflung sind, die sich unglücklich, einsam fühlen, von Gott verlassen? Sie brauchen zuerst einmal Trost von der höheren Geisteswelt. Hier kommen Engel Gottes, es kommen auch Geister, die im Aufstieg sind, die im Heilsplan Gottes bereits wirken, und bringen den Hilfesuchenden ihren Beistand. Sie legen ihnen ihre menschlichen Probleme auseinander; denn bei diesen Hilfesuchenden geht es meistens nur um ihre menschlichen Probleme. Sie sind nicht fähig, ihr Leben zu meistern. Der äussere Mensch betet zu Gott, er möge ihm helfen, ihm Klarheit bringen, und der Gläubige, Fromme erwartet doch, dass ihm jetzt geholfen wird. Wer die geistige Lehre nicht kennt, macht sich keine Gedanken darüber, auf welche Art und Weise ihm diese Hilfe gegeben wird.

Wenn ein Mensch wirklich bittet, dass ihm geholfen wird, dann wird seine Seele diese Hilferufe aussenden. Dann kommen die tröstenden Geistgeschwister und nehmen Anteil an seinem menschlichen Leben; sie legen ihm die Probleme auseinander und erklären es ihm, warum er durch diese Nöte gehen muss. Aber sie führen ihn auch zur Erholung, zur Erlabung; sie geben ihm Kraft, stärken die Seele, sodass beim morgendlichen Erwachen keine so schweren Probleme mehr da sind und alles viel leichter geworden ist, die Ängste verschwunden sind und man über Nacht über viele Dinge Klarheit erhalten hat. Nicht zu Unrecht sagen Menschen oft: “Ich will noch einmal darüber schlafen”, ohne dass sie sich näher mit dem Problem befassen. Sie wollen einfach etwas Ruhe über sich kommen lassen; sie wollen Zeit gewinnen, den morgigen Tag abwarten und darauf achten, was sie anderntags für Gefühle und Meinungen haben. Währenddessen hat sich zum grössten Teil eine grosse Unterhaltung abgespielt zwischen der Seele eines solchen Menschen und den jenseitigen Wesen.

Diese Jenseitigen sehen doch etwas besser in die Zukunft, und sie vermögen auch den notwendigen seelischen Trost zu spenden. So wissen sie bei einem jeden, was sie zu geben haben. Nicht jeder muss dasselbe erhalten. Der eine muss allein im Glauben gestärkt werden, er muss auf die göttlichen Gesetze aufmerksam gemacht werden, auf die Aufgabe, die Christus in seinem Erlösungsplan erfüllt hatte, auf das Tragen des Kreuzes – das allein vermag bei einem bestimmten Menschen Wunder zu wirken, und er geht mutig voran und trägt sein Schicksal, versucht es zu lösen. Bei einem andern hilft das nicht; man kann ihn nicht mit der Kraft des Glaubens aus seinen Problemen herausheben. Man wird ihn auf einen andern Weg aufmerksam machen, der ihm hilft. Dabei hofft man ganz selbstverständlich, dass dieser Mensch oder diese Seele, der man geholfen hat, erkennt, dass die Hilfe von einer höheren Ebene her kommt und sie sich dafür dankbar zu erweisen hat, und sie sich dann im Glauben stärkt. Diese Erkenntnis, woher die Hilfe kommt, muss der Mensch zuerst besitzen, auf dass er nachher bereit ist, seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen und sich im Glauben zu stärken.

Wenn auf diesem Wege einer Seele geholfen und ihr Leben erleichtert wird – ich sage jetzt ausdrücklich “einer Seele”, denn damit meine ich jene, die ja um Hilfe ruft –, sie aber keine Dankbarkeit zum Ausdruck bringt und nicht willens ist, sich im Glauben an Gott zu festigen und die Gerechtigkeit Gottes zu leben, dann werden diese Helfer Abstand von ihr nehmen. Und wenn dann die Zeit wieder kommt, wo gerufen wird, wird nicht mehr geholfen werden. So tut es die Geisterwelt Gottes beim einen. Je nach der Wesensart des Menschen muss beigestanden werden.

Nun aber betrachten wir einmal eine um Hilfe rufende Seele, die nicht wegen Problemen im menschlichen Leben um Hilfe ruft, sondern weil sie geplagt ist von Sehnsucht nach der Wahrheit, nach Gott, weil sie im Verlangen lebt, Gutes zu tun, gerecht zu leben, Gott gefällig zu sein, weil sie glaubt, zu wenig zu tun, um Gott zu gefallen. Solche Hilferufe gibt es sehr viele. Auch da kommt die Geisterwelt Gottes zu dem Rufenden hin, betrachtet ihn, sein ganzes Wesen – und damit ist nicht nur die Sehnsucht des Geistes nach den hohen Zielen des geistigen Lebens gemeint, sondern es ist auch das äussere Leben des Rufenden gemeint. Denn im Menschen einverleibt sind der Geist und die Seele, die an den Geist gebunden, die in diesem hohen Verlangen ist; aber der Mensch ist nicht fähig, nicht bereit, das zu befolgen, was im Verlangen der Seele ist. So kommt es vor, dass die Seele des Menschen sich nach dieser Wahrheit sehnt, anderseits aber der ganze Mensch in seiner Umgebung, wo er lebt, nicht nach dem Willen Gottes lebt und er vieles zum Missfallen Gottes ausübt. Darüber ist sein höheres Bewusstsein, dieses höhere Ich in ihm, sehr unglücklich. Der äussere Mensch wird von den Äusserlichkeiten des Alltags, seines Lebens beeindruckt, und so kommt er leicht in Versuchung. Vieles kommt an ihn heran und ist für ihn eine Prüfung, und diese Prüfung wird sehr oft nicht bestanden.

Für die Seele ist dies besonders schwer, denn sie leidet. Sie leidet schon deshalb, weil dieser ganze Mensch nicht fähig ist, dem inneren Verlangen zu folgen, sich nach dem höheren Bewusstsein auszurichten – weil dieses höhere Bewusstsein im Alltag verdrängt wird von äusseren Dingen, die momentane Bequemlichkeit, Bereicherung, Annehmlichkeiten und Vergnügen bieten. Nicht überall ist die seelische Kraft, die durch den ganzen Menschen dringen kann, so stark, dass sie Widerstand zu leisten vermag. Deshalb tun uns eigentlich diese Menschen ganz besonders leid. Ihre Seele lebt in grossem Kummer und in Besorgnis, und sie selbst kann so weit nichts dagegen tun; denn im ganzen Menschen liegt die Entscheidungskraft. Die Seele verspürt die Schwäche ihrer eigenen Kraft. Darum ruft sie ja um Hilfe, dass man ihr beistehe und ihre seelische Kraft stärke, damit sie auf den ganzen Menschen Einfluss nehmen kann.

So vermag dann die Geisterwelt Gottes wohl beim einen und beim andern diese seelische Kraft zu steigern. Manchmal gelingt es leider nur vorübergehend. Diese Steigerung findet gewöhnlich dann statt, wenn die seelische Verbindung, also die Verbindung von einem Geist Gottes zu dieser rufenden Seele, stattgefunden hat und sie von seiner Kraft erfüllt worden ist. Dann hält diese Kraft eine gewisse Zeit an. Ist sie verbraucht, lebt die Seele wieder in ihren alten Schwächen. Denn: “Der Geist ist willig” – so sagt ihr es in eurer Sprache –, “aber das Fleisch ist schwach.” Eigentlich, im richtigen Sinne, sollte es heissen: Die Seele ist willig, aber der äussere Mensch ist schwach; denn er wird ja eben beeindruckt von den Äusserlichkeiten, in denen er lebt. Bittet die Seele aber ständig um den Beistand – denn die Seele will ja mit dem höheren Ich verbunden sein –, so kommt auch ein ganz anderes Verhältnis zustande, und so wird die hohe Geisteswelt manchmal mehr zu Hilfe eilen als anderswo.

Nun aber, was tut ein Geist Gottes mit einer solchen Seele? Was erzählt er ihr? Man soll nicht annehmen, er würde sie erfreuen, indem er sie zu einem Tisch lädt, wo man von den göttlichen Speisen zu sich nimmt und ein frohes geistiges Leben erlebt. Nein, denn solche Seelen wollen nicht etwas in dieser Art erleben, sondern sie wollen im Geiste gestärkt werden; Belehrungen machen Eindruck auf sie. Die Engel Gottes, die ihnen zu Hilfe kommen, führen also die Seele – oder ich müsste sagen: die Seele mit dem Geiste, denn die Seele ist mit der Persönlichkeit des Geistes durch diese Spirale verbunden – und gehen mit ihr in die jenseitigen Bereiche, beispielsweise in einen Garten, setzen sich dort vielleicht auf eine Bank, vielleicht mitten auf eine schöne Wiese. Oder es ist das besondere Verlangen einer solchen Seele, zu einem Fluss hinzugehen und am Ufer des Flusses sich niederzusetzen, um dort ins Gespräch mit dem Engel zu kommen. So überlässt man es diesen Seelen, sie können ihre Wünsche anbringen, und die Geister Gottes werden sagen, ob diesen entsprochen werden kann; denn die ganze Führung geschieht ja nur im Rahmen ihrer geistigen Entwicklung, das heisst also: in ihren Ebenen, in ihren geistigen Stufen oder Sphären, wo sie hingehören. Dort kann dieses Erlebnis stattfinden.

Der Geist Gottes, der nun zu Hilfe gekommen ist, erklärt von den höchsten Himmeln, von seiner Welt, von der Herrlichkeit, wie er sie erlebt. Er erklärt aber auch die notwendigen Voraussetzungen, um in diese Ebenen hineinzugehen. Er erklärt auch, dass man als Geist, als rufende Seele in den jenseitigen Bereichen eine Tätigkeit aufnehmen könne, um sich auf diese Art und Weise Verdienste zuzuführen, sich zu stärken. Aber dieses können nur solche Seelen tun, die eine geistige Höhe einnehmen, die in einem höheren Ich-Bewusstsein leben. Denn sie müssen etwas von ihrem höheren Leben, von ihrem höheren Bewusstsein, das in ihnen ist, andern übermitteln können. Nur solche können eine solche Aufgabe erfüllen, die im Geiste etwas zu geben haben, die gewisse Erkenntnisse besitzen. Der Besitzende kann geben, der Besitzlose hat nichts zum Geben.

Wenn nun eine Seele im Verlangen ist, ihr höheres Ich-Bewusstsein zu steigern, hat sie doch bestimmt einen Besitz, und von diesem Besitz kann man hergeben. Es sind nämlich sehr viele Seelen, die um Hilfe rufen, denen geholfen werden sollte. Unter ihnen sind aber sehr viele, die auf den untersten Stufen des Aufstiegs sind. Sie können Hilfe nur von jenen erhalten, die bereit sind, sich für den andern zu interessieren und ihm entgegenzugehen. Wenn jemand um Hilfe ruft, geht es ja nicht darum, ihn aus einer bestimmten Bedrängnis menschlicher Art zu befreien, sondern es geht ja um die seelische Not, um die seelische Bedrängnis. Hier können ja nur jene helfen, die etwas besitzen. Die Besitzenden können von ihrem geistigen Reichtum oder geistigen Wissen den Besitzlosen etwas anbieten. Sie können sie belehren, sie können sie führen, ihnen den Beistand geben.

So bewegen sich dann jene, die die Höhen erreicht haben, in die unteren Ebenen. Dazu ist zu erklären, dass doch diese Seelen, die ja mit dem Leibe verbunden sind durch ihre silberne Schnur, sich immer in der Nähe der Erde und ihres menschlichen Schaffens aufhalten. Denn im Geiste selbst sind sie ja nicht in einer höheren Ebene. Sie sind durch ihr menschliches Denken und Wollen an die Niedrigkeit ihres Lebens gebunden. So sind sie nicht weit entfernt von ihrem menschlichen Wohnsitz.

Ihr seid schon darüber unterrichtet worden, dass geistige Sphären auch in euren Ebenen aufgebaut sind, dass sie ineinander hinein schwingen und so niedere und höhere Ebenen ganz in menschlicher Nähe sein können. An die niederen Ebenen und ihre Grenzen sind – wie schon erwähnt – jene gebunden, die niederen Denkens sind. Diejenigen, die ein höheres Denken pflegen und im höheren Ich-Bewusstsein leben, sind an die höheren Ebenen gebunden; dies ist zum grössten Teil so – ich sage: zum grössten Teil –, denn sie selbst halten sich in der Zeit des Schlafens auch recht nahe bei ihrem menschlichen Wohnsitz auf. Also müsst ihr nun unterscheiden, dass es in der Nähe des menschlichen Wohnsitzes niedere wie höhere ineinander schwingende Ebenen gibt. Dadurch ist es einem im höheren Bewusstsein lebenden Geiste ein Leichtes, einem andern zu Hilfe zu kommen, ihn auch schnell wahrzunehmen. Wenn auch die Weiten nicht nach menschlichem Empfinden zu bemessen sind und sie im Geiste nicht eine besondere Rolle spielen, so ist es eben in diesem Falle doch von Bedeutung. Denn in der Zeit des Schlafens, die von nur kurzer Dauer sein kann, muss der Hilferufende recht bald vernommen werden, und man muss ihm recht bald zu Hilfe kommen; denn dieses Rufen nach geistiger Hilfe kann nach eurem Ermessen vielleicht nur wenige Sekunden dauern. So muss nun diese Hilfe auf dem schnellsten Wege da sein.

Der Schlaf des Menschen dauert nicht immer stundenlang. Gerade Menschen, die es nötig haben, dass ihnen geholfen wird, besitzen eben keinen so ruhigen Schlaf von langer Dauer. Es sind gewöhnlich jene, deren Seele um Hilfe ruft, die immer wieder erwachen. So muss auch diesen der Beistand gegeben werden können. Es ist ein Unterschied zwischen ihnen und solchen Seelen, die zwar auch an ihren Leib gebunden, die aber in ständiger Verbindung mit der hohen Geisteswelt sind, die eine von der hohen Geisteswelt auferlegte Aufgabe besitzen und in der Zeit, wo ihr Körper ruht, in ihre geistigen Ebenen geführt werden und dort eine Arbeit vollenden oder auf eine bestimmte Art und Weise zu wirken haben; dieses geschieht aber nur auf besonderes Eingreifen der Engelswelt.

Es sind so viele Menschen, die der Hilfe bedürfen, und es sind sehr viele, deren Seele bereit ist, im höheren Ich-Bewusstsein zu leben; aber der äussere Mensch oder das Fleisch ist zu schwach. Da neigt sich dann die Geisterwelt Gottes zu ihnen, führt sie und erklärt ihnen die Notwendigkeit des Eifers und unterrichtet sie über die Seligkeit der hohen Himmel. So sind dann die Engel bereit, diesen Seelen zu sagen, was sie zu tun haben, wenn es ihnen dann möglich ist, durch den ganzen Menschen zu wirken.

Nun gibt es ja glücklicherweise auch solche Seelen, die im Einklang mit der Gotteswelt und mit den Äusserlichkeiten des Lebens sind – im Einklang mit sich selbst, mit dem ganzen Menschen und mit allem, was Gott verlangt. Welch grosse Freude ist es für die Engel, die bei einer solchen Seele zu Gaste sein dürfen. Denn es kommt vor, dass auch diese Seelen Rufende sind; aber sie rufen nicht um Hilfe, sondern sie rufen, man möge bei ihnen zu Gast sein. So werden sie dann als Gastgeber zu jenen unglücklichen, um Hilfe rufenden Seelen hingeführt, und sie erzählen und erklären diesen, wie zu leben ist, wie man die Kraft aufbringt zu überwinden. Sie haben diesen um Hilfe Rufenden vieles darzubieten; sie geben der Seele im wahren Sinn des Wortes Speise und Trank. Sie kräftigen sie durch ihre Belehrungen, denn sie legen ihnen das eigene Leben neben das ihre. Jene andern können dann mit ihrem geistigen Auge das Leben des Gastgebers betrachten und sehen, wie er die Schwierigkeiten meistert, wie er überwindet und was er fertigbringt, und so können Vergleiche gezogen werden. Dieses ist also auch etwas Wunderbares, das getan wird von den Seelen, die sich im höheren Bewusstsein mit dem Göttlichen verschmolzen haben. Glücklicherweise gibt es auch solche Menschen, und sie werden von der Gotteswelt für ihr Wirken auch belohnt; sie werden im Leben von Geistern Gottes getragen und immer mehr gestärkt, das zu tun, was der Wille Gottes ist.

Aber noch etwas möchte ich von jenen sagen, die nun mit ihrem höheren Bewusstsein, mit dem ganzen Menschen und mit allem eins geworden sind. Sie werden von den Engeln auch aufgerufen; die Engel können nämlich bei einer solchen Seele Wache stehen. Sie tun es und warten so lange, bis der Schlaf des Menschen so tief ist, dass die Seele frei wird; dann wandern sie mit ihr in ihre Himmel hinein. Denn eine Seele, die mit ihrem höheren Bewusstsein mit dem Göttlichen verschmolzen ist, gehört doch wohl auch in die höheren Ebenen und hat hier ihren Wohnsitz. Und so wird sie dort leben mit den Engeln Gottes und sich an all dem erfreuen, was dort dargeboten wird. Je höher man hinaufsteigt in diesen Himmeln, desto herrlicher, seliger ist das Leben.

Anteil zu nehmen an dieser Seligkeit, Eingang zu finden in diese hohen Himmel, während der Körper schläft, ist wohl das Höchste, was der Seele eines lebenden Menschen geboten werden kann. Dort wird sie in ihrer Beglückung gestärkt und vom Eifer, das Richtige zu tun, noch mehr durchdrungen. Es wird ihr noch mehr Liebe in ihr Innerstes gelegt; die ganze Seele wird so vom Lichte durchdrungen, und sie nimmt von dieser Herrlichkeit Gottes in sich auf – so wird ihr ganzes Gefühl von Glück überströmt, dass sie von all dem, was sie in dieser Zeit empfindet, dem ganzen Menschen geben kann. Denn hier handelt es sich nicht mehr um die Kraft seelischer Schwächen, sondern hier handelt es sich um den Überfluss seelischer Kraft, von der durch den ganzen Menschen dringt. Und dieser Mensch, der zu leben und zu wirken hat, vermag dann von dieser Göttlichkeit, von diesem Überfluss seinen Mitmenschen abzugeben. Etwas von diesem höheren Bewusstsein dringt aus ihm heraus und überströmt seine Mitmenschen. Die einen können erfasst werden, sie nehmen diesen Strom in sich auf, behalten ihn in sich, und bei andern geht der Strom an sie heran und verflüchtigt sich. Von jenen, die ein niederes Denken besitzen, ein niederes Ich haben, wird diese Kraft vernichtet werden.

So könnt ihr selbst aus eigener Erfahrung sagen, dass ihr euch unter Menschen befinden könnt, um die ihr euch sehr wohl und glücklich fühlt, und dass ihr anderseits um Menschen sein könnt, die euch belasten; ihr werdet müde, schläfrig durch sie, denn sie nehmen von eurer seelischen Kraft. Es braucht für euch dann eine gewisse Zeit, bis diese Kraft sich wieder aufgebaut hat. Sie wird erst dann wieder aufgebaut werden können, wenn man sich von diesen Menschen entfernt hat; denn jene zehren so von dieser Kraft, und sie selbst fühlen sich vorübergehend gestärkt. Doch haben sie den Menschen, von dem sie die Kraft gezogen haben, verlassen, so sind sie recht bald wieder sich selbst überlassen mit ihrer niederen seelischen Kraft; es ist für sie nur eine vorübergehende Hilfe gewesen, während der Spender, der diese Kraft gab, diese wieder weiter aufbaut und entfaltet und sich wieder wohlfühlen kann.

So, liebe Geschwister, habe ich nun versucht, von Geist zu Geist zu sprechen oder von Seele zu Seele. Denn diese Worte verstehen kann nur der, der im Geiste die Seelenwelt erlebt hat, der vom Leben der Seelenwelt eine Erfahrung besitzt, von jenen Gesetzen und von jener Ordnung etwas weiss; jener, der über die Ordnung, über den Heils- und Erlösungsplan Kenntnisse hat. Ihm sind solche Worte eine Kostbarkeit. So ist es in unserem Wunsch, dass man sich so anstrengt und sich Mühe gibt, dass ich von allen verstanden werden kann. So möge euch Gott die Kraft dafür geben, dass ihr schon mit eurem menschlichen Bewusstsein tief in die Geisteswelt eindringen könnt, damit es für eure Seele von grossem Heile ist. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 18.10.1967 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 3/2018
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm