Ihr Warenkorb ist noch leer.
Christus hat der ganzen Menschheit die Kindschaft Gottes gebracht – Die Verbundenheit mit dem Erlöser beim Abendmahl – Christus ist das Haupt der göttlichen Familie
Ich bin das Haupt, ihr seid die Glieder
Beschreibung
An keinem andern Tag des Jahres empfinden es Menschen so sehr, wenn sie allein und verlassen sind, wie an Weihnachten. Jenseitsverbundene Menschen fühlen sich jedoch nicht einsam, denn sie wissen: Durch das Erlösungswerk Jesu Christi sind sie wieder zu Kindern Gottes geworden; sie sind wieder Glieder der grossen göttlichen Familie, und ihre himmlischen Geschwister kommen im Auftrage Christi zu ihnen, um sie mit Gefühlen des Friedens und der Zufriedenheit zu erfüllen.
So sind – dies ein weiteres Thema in diesem Heft – Gottesdienste und insbesondere die Feier des Liebesmahls an Weihnachten und den anderen christlichen Feiertagen für Christen immer wieder eine wunderbare Gelegenheit, in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten dem König der Geisterwelt für sein Erlösungswerk zu danken, ihn zu ehren und die innige Bindung zu ihm und seiner grossen Familie zu stärken. Denn nur dank Christus wurde es möglich, die mit dem Geisterfall zerrissenen Fäden der Zusammengehörigkeit wieder zu knüpfen und in die ursprüngliche Einheit zurückzufinden.
Themenheft 6/2018: “Ich bin das Haupt, ihr seid die Glieder”
Inhalt
Christus hat der ganzen Menschheit die Kindschaft Gottes gebracht
Josef, 24. Dezember 1970
Christus hat der ganzen Menschheit die Kindschaft Gottes gebracht
An keinem andern Tag des Jahres empfinden es Menschen so sehr, wenn sie allein und verlassen sind, wie an Weihnachten. Doch ein jenseitsverbundener Mensch fühlt sich nicht einsam. Er holt Kraft und Trost aus der göttlichen Welt. Denn er weiss: Durch Christus ist er wieder zu einem Kind Gottes geworden; er ist ein Glied der grossen göttlichen Familie, und seine himmlischen Geschwister kommen im Auftrage Christi zu ihm, um bei ihm Wohnung zu nehmen und ihn mit Gefühlen des Friedens und der Zufriedenheit zu erfüllen. Der jenseitsverbundene Mensch fühlt aber auch die Verbundenheit zum Mitmenschen, da er auch in ihm den geistigen Bruder, die geistige Schwester erkennt.
Josef: Gott zum Gruss.
Himmlischer Vater, die Deinen loben und preisen Dich und danken Dir für den Segen des Alltags. Sie bitten Dich, Du mögest sie stets durch Deine heilige Geisterwelt führen, und im Geiste stimmen sie ein in die Chöre des Himmels, die Dir zurufen: “Herr, Du bist heilig, heilig, heilig in alle Ewigkeit, amen.”
Liebe Geschwister – Heiliger Abend, Stille Nacht. Diese Nacht wird von der Christenheit besungen. In diesen Tagen wird von den christlichen Kirchen die Botschaft des Friedens verkündet. “Friede auf Erden”, so tönt es aus dem Munde des Menschen. Aus ihrem Munde, aber nicht aus ihrem Herzen und nicht aus ihrer Seele kommen diese Worte. Würden sie aus der Tiefe der Seele kommen, dann wäre wohl mehr Friede auf dieser Erde, Friede in den Familien, Friede unter den Mitmenschen. Die Botschaft des Friedens wird verkündet, doch es ist nur eine oberflächliche Angelegenheit. Nicht aus der Tiefe des Herzens und der Seele kommt dieser Friede, den man wünscht.
Diese Nacht ist die Heilige Nacht; so wird sie genannt von der Christenheit. Zur Ehre Christi feiert man, und man beschenkt sich gegenseitig. Es soll ein Fest der Freude, des Friedens sein. Wohl kein christliches Fest wird im Laufe des Jahres so gefeiert wie dieses Christfest. Wenn ihr darüber nachdenkt und euch fragt: “Wie steht es denn eigentlich mit der Botschaft des Friedens, die verkündet wird, und mit dem Glauben an Jesus Christus? Wie steht es denn mit dem Glauben an die Menschwerdung des Gottessohnes?”, wenn ihr da um euch schaut und Menschen fragen würdet, würdet ihr manche Enttäuschung erleben. Aber darüber wollen wir jetzt nicht sprechen, sondern vielmehr von der wunderbaren Botschaft, die verkündet wird aus einer anderen Welt. Denn diese Botschaft kommt vom Himmel, und der Himmel hat sich geöffnet, er hat sich zur Erde geneigt.
Gerade jetzt in dieser Zeit empfindet man das Alleinsein. Alleinstehende, verlassene, vielleicht ausgestossene Menschen, von denen die Gesellschaft nichts mehr wissen will, empfinden nicht besondere Freude, nein, sie haben Trauer in ihrer Seele. Trauer kommt über sie, denn Erinnerungen werden in ihnen wach, Erinnerungen an Stunden, an Jahre vielleicht, wo man dieses Weihnachtsfest gemeinsam im trauten Kreise gefeiert hat. Schöne Erinnerungen mögen es sein, und von diesen Erinnerungen lebt man noch, und man ist traurig geworden, weil man sich verlassen fühlt, vielleicht sogar ausgestossen – und es ist Weihnachten. Man weiss, so viele Familien sitzen zusammen und feiern zusammen. Auch hier kann man sagen: Wohl an keinem andern christlichen Tag bewegt es den Christen so sehr, wenn er alleine ist. An diesem Weihnachtsfest empfindet er etwas, das ihn deprimiert, das ihn traurig stimmt. Wenn ihr darüber nachdenkt, dann müsst ihr doch selbst zur Erkenntnis kommen, dass er die Gemeinsamkeit wünscht. Er möchte mit andern auch so im Frieden zusammen sein und fröhlich das Weihnachtsfest feiern. Er fühlt sich verlassen und einsam, und das bedeutet für ihn Schmerz – ausgerechnet an Weihnachten –, weil man eben weiss: So viele sind glücklich oder zufrieden zusammen und bereiten sich gemeinsam eine Freude. Und so fühlt man sich ausgestossen und allein, weil niemand mit einem Frieden hält und einem Freude bereitet, während man doch sonst während des Jahres, auch wenn christliche Festtage gefeiert werden, nicht so besonders empfindsam ist. Aber an Weihnachten kann das Herz und die Seele traurig werden, wenn man sich alleine fühlt. Und warum mag das wohl so sein?
Betrachten wir doch den andern Menschen – nicht den Menschen, der mit der Welt verbunden ist, denn dieser hat von der Welt nichts zu erwarten; die Welt tröstet ihn nicht, die Welt nimmt ihm selten etwas von seinen Sorgen und Problemen ab. Sie versteht ihn ja auch nicht. Von der Welt ist nichts zu erwarten. Man muss sich doch anderswohin wenden. Ewigkeitsverbunden muss man sein, wenn man schon an Christus glaubt und diese Feste feiert, die doch himmlische Feste sind. Der Himmel gab doch Anlass dazu, dieses Fest zu feiern. Und nun hat man so wenig Anteil an diesem Fest, wenn man weltverbunden ist und alleine ist im Leben. Die Welt gibt nichts, und bei ihr ist kein Trost zu holen. Aber jenseitsverbunden muss man sein, geistig verbunden, mit dem Himmel verbunden muss man sein. Denn von dort kommt der Trost.
Aber wie kann man denn diesen Trost verstehen und aufnehmen, wenn man zu dieser Jenseitswelt keine Verbindung hat? Man muss diese Verbindung schaffen, und gerade die christlichen Festtage geben einem Christen immer wieder Gelegenheit, diese enge geistige Verbundenheit zu knüpfen. Wenn man doch anerkennt, dass Christus die Menschwerdung angenommen und der Menschheit die Erlösung gebracht hat – man feiert ja an diesem Tag seine Menschwerdung, man feiert zu seinen Ehren –, dann sollte man sich doch klar darüber sein, dass es eben eine andere Welt gibt, eine hohe Welt. Diese soll die Welt des wirklichen Glückes sein, diese ist die Wirklichkeit: die Welt, aus der Christus gekommen ist, um die Menschheit zu erlösen.
So muss man sich jener Welt verbunden fühlen. Jenseitsverbunden soll man sein und seinen Glauben und seine Kraft von dorther holen. Denn jene Welt wird einen nicht enttäuschen. Wenn man mit ihr verbunden ist und die Gesetze erfüllt, wie es diese Welt vom Menschen fordert, dann sind sie da, die heiligen Geister, die zu den Menschen gehen und den einzelnen führen, ihn in seinem Denken und Wollen lenken, bei ihm zu Hause und in seiner Seele wohnen. Da sind sie, die heiligen Geister, und sie sind bereit, den Menschen mit den Gefühlen des Friedens und der Zufriedenheit zu erfüllen. Denn es sind Ewigkeitswerte, die in das Innere des Menschen gelegt worden sind. Ewigkeitswerte, die mit der Ewigkeit verbunden sind, die eins sind mit dieser andern Welt.
Diese Ewigkeitswerte haben ihre Verbindung zur jenseitigen Welt, und das, was wir Ewigkeitswerte nennen, ist der Welt der Vergänglichkeit fremd. Denn diese Welt der Vergänglichkeit bietet doch dem Menschen so wenig oder gar keinen Trost. Sie bietet dem Menschen solche Dinge, die ihn nicht beglücken, nicht erfreuen. Es herrscht noch ein anderer auf dieser Erde und behauptet sich unter den Menschen. Er verbreitet den Unfrieden, das Unglück und die Trauer. Er sendet gerade an diesen heiligen Tagen seine Geister aus zu den Menschen, um sie zu beeinflussen, indem sie ihnen sagen: “Siehe, jetzt hat man dich vergessen, du bist verlassen.” Und so bringen sie dem Menschen Trauer in das Herz und Unzufriedenheit; Depressionen kommen so zum einen oder andern und machen ihn unglücklich.
Wenn ihr nun jetzt diese heilige Zeit betrachtet, wo der Himmel all seine Tore aufgemacht hat und seine heiligen Geister austreten lässt, damit sie in die Nähe der Menschen kommen, so soll es euch auch klar werden, dass auch die andere Welt, das Totenreich, seine Tore öffnet und seine Geister herausschleudert, damit sie vom Menschen Besitz nehmen und der Welt ‘dienen’. Wer darum weiss, was von dieser Welt zu erwarten ist, der wird alles tun, um von der andern Welt den Trost zu bekommen. Er wird an der Verbindung zu ihr festhalten. Dann kann es in seinem Herzen und in seiner Seele keine Trauer geben, auch wenn er alleine dasteht und für sich selbst verantwortlich ist und niemand sich um ihn kümmert. Glückliche Menschen, geistig glückliche Menschen, können sich nicht unglücklich fühlen. Für sie gibt es keine Einsamkeit, denn Geister Gottes sind ja um den Menschen. Und so soll man sich dessen bewusst sein, dass sie da sind, auch wenn sie vom menschlichen Auge nicht gesehen, wenn sie nicht erfühlt und nur geahnt werden können. Wenn man in dieser geistigen Lehre unterrichtet ist, soll es ein Trost sein, nicht allein zu sein. Und es soll sogar eine Aufgabe für den alleinstehenden Menschen sein, gerade in dieser Zeit sich stark zu zeigen und innerlich voll der Freude zu sein. Denn stimmt er mit ein in diese Freude, dann zieht er auch jene Engel zu sich, und sie werden eins werden mit ihm in der Freude.
Ein geistgläubiger Mensch sollte sich auch in diesen Tagen nicht einsam fühlen, denn er weiss, was dieser Menschheit gegeben worden ist. Man erinnert sich an die Geburt des Herrn, und man wird zugleich an das wunderbare Werk erinnert, das er für die Menschheit erfüllte. Und wenn man sich weiter Überlegungen macht, so wird man sich klar darüber, dass es doch Christus war, der jedem die Gotteskindschaft gebracht hat. Man ist nicht einfach irgendjemand, den man nicht achtet, an dem man vorübergeht. Ja dies tut die Welt; mit “Welt” meine ich die Menschen, die auf den Materialismus ausgerichtet sind, die für das Vergängliche leben – diese Menschen sind es, die nicht Augen und nicht ein Ohr haben für den Mitmenschen. Von ihnen ist nichts zu erwarten. Mit “Welt” meine ich jene.
Versucht in dieser Zeit stark zu sein und euch zu verbinden mit den heiligen Geistern. Seid voller Freude in eurem Herzen und in eurer Seele, so werdet ihr diese freudvollen Geister Gottes bei euch zu Besuch haben. Ihr sollt mit ihnen in ein Zwiegespräch kommen, in ein stilles Zwiegespräch. Mit ihnen könnt ihr reden im Geiste, und ihr könnt danken. Ihr könnt den Herrn loben und preisen und ihm alle Sorgen und Probleme anvertrauen. Dem Geist Gottes, der gekommen ist gerade in diesen heiligen Stunden, dem soll man es anvertrauen. Es ist gut, Freundschaft mit ihm zu haben, wenn man geistverbunden ist und überhaupt jenseitsverbunden. Denn diese Geister Gottes sind es, die den Menschen wirklich trösten und ihm auch Geschenke bringen. Aber es sind nicht Geschenke, die man mit den Händen anfassen kann, die vielleicht schon nach kurzer Zeit der Vergänglichkeit anheimfallen. Nein, wenn ein Engel Gottes ein Geschenk bringt, bringt er ja ein Geschenk aus seiner Ewigkeit, aus seiner Welt, wo Bestand ist. Er kann den Menschen erfreuen und erfüllen mit seinen himmlischen Gaben, mit seinen himmlischen Geschenken.
So kann gerade derjenige, der sich nicht verstanden fühlt von den andern, die heilige Geisterwelt darum bitten, dass die Brücke zwischen ihm und andern geschlagen wird. Oder wenn sich einer krank fühlt in diesen heiligen Stunden, wo so viele Engel da sind und die Menschen erfreuen und beglücken, da sollte man mit Gleichgesinnten zusammen sein und gemeinsam beten im tiefen Glauben, in der Hoffnung, dass geholfen wird. Denn wohl keine andere Zeit ist dafür so günstig und so bestimmt, dass dem Menschen geholfen wird, als eben diese Zeit, wo die Türen der Jenseitswelt aufgetan. Denn die Engel sind immer da, wo zu Gottes Ehren gesungen wird und wo man den König der Geisterwelt ehrt; sie sind da, denn sie wollen ihm dienen.
So huldigt ihr ja im Geiste dem König der Geisterwelt Gottes, und die heiligen Engel des Himmels sind mit euch bei dieser Huldigung. Bedarf es doch bei euch, liebe Geschwister, nur einer Stille, einer Einkehr. Sie mag hier sein, wenn ihr anderswo keine bessere Gelegenheit habt, sie kann aber auch bei euch zu Hause sein. Ihr könnt euch Zeit dafür nehmen, um diese Ewigkeitsverbindung so herzustellen, und von ihr profitieren. Denn die Engel sind auf dem Wege vom Himmel zur Erde. Denn in diesen Stunden haben sich die Herzen erhoben, und die Gedanken hat man zu Gott hingewandt und zum Erlöser – die Gedanken von frommen und gläubigen Christen.
Es sind noch genügend, die dieses Fest einfach traditionsgemäss feiern, ohne sich einen frommen, heiligen Gedanken in die Seele einzupflanzen. So lebt man und profitiert man von dem, was geboten wird. Man will kein Aussenseiter sein, man macht mit den andern mit, und die geschäftige Welt tut das Ihrige dazu, dass der Menschheit dieses Fest nicht in Vergessenheit geht. Wenn aber schon einerseits diese geschäftige Welt das Ihrige dazu tut, so weiss auch die Geisterwelt Gottes das Ihrige beizutragen. Denn sie versucht überall, das Bessere daraus herauszunehmen und etwas Besseres noch zu machen als jene, die nicht geistverbunden sind, jene, die nicht nach den Ewigkeitswerten trachten. Die himmlische Welt versucht aus allem, was die Menschen tun und was auch geschieht, etwas Besseres zu gestalten und auf dem aufzubauen, was hergerichtet wurde – aufzubauen zum Heil der Menschen, zu ihrem Vorteil und zur Ehre Gottes. Könnte nämlich diese himmlische Welt dieses nicht tun, oh, es wäre schlimm bestellt um diese Menschheit.
Wenn ihr an vergangene Kriege zurückdenkt, so müsst ihr euch doch auch überlegen, dass sich die heilige Geisterwelt Gottes der Menschheit, allen Menschen, wieder genähert hat, dass Verzeihen, Barmherzigkeit und Gnade den Menschen wieder gegeben worden sind und man ihnen wieder Zeit gab für einen neuen Anfang. Und so steht es eben beim Menschen: Ihm wird immer wieder von der Gotteswelt Gelegenheit gegeben für einen neuen Anfang. Und so ist es auch bei euch, beim einen und andern. Jeder hat immer wieder Gelegenheit, einen neuen Anfang zu machen und sich mit der göttlichen Welt zu verbinden. Denn sie ist es, die die Hände der Menschen nehmen will; sie will die Menschen führen, sie will sie erleuchten, und sie will die Menschen vom Glanz dieser Welt abwenden. Denn zu sehr ist das Auge des Menschen an den Glanz der Welt gebunden und gewöhnt worden. Umso schwerer ist es auch, sein geistiges Auge an das Geistige zu gewöhnen, dass er im Geiste auch Geistiges erlebt und sieht.
So seid ihr nun, liebe Geschwister, in einem grossen Verlangen hierhergekommen, denn ihr möchtet doch eure Zugehörigkeit zu Jesus Christus bekunden. Ihr möchtet sagen:
“Hier bin ich, und ich gehöre zu Dir. Ich weiss wohl, dass ich dann und wann gestrauchelt bin und es nicht lassen kann zu straucheln. Aber ich verlange nach Dir, und Du wirst mir eine Stütze sein. Ich will mich wieder neu aufrichten an Dir, denn ich glaube an Dich, denn Du bist mein Leben, Du bist mein Hirte, Du bist mein Atem, Du bist mein Alles.”
So denkt mancher, der hierhergekommen ist, und er will sich wieder aufrichten, er will wieder neu beginnen. Und so ist es doch wohl auch unser Wunsch, dass er im Geiste gestärkt und erleuchtet wird, dass er auch eine geistige Sprache sprechen kann und Verständnis hat für diese andere Welt, die von Gott abgewandt ist. Er soll doch versuchen, in der Verbindung mit dieser höheren Geisterwelt Gottes die hohen Ziele des Lebens zu erkennen, und er soll sich bemühen um diese hohen Ziele des Lebens. Er soll aber auch das Hohe und Edle, das Gott in die Seele des Nächsten gelegt hat, erkennen und schätzen. Er soll nicht so ein Egoist sein und glauben, dass der himmlische Vater nur für ihn da wäre und sein Ohr und seine Augen nur auf ihn gerichtet hätte.
Nein, Gott hört nicht nur die Bitten des Egoisten, er hört auch das Gebet und das Flehen des einsamen, einfachen und armen Menschen. Er hat Ohren für alle und Augen für alle. Und wenn man sich auch darüber Gedanken macht, dass der Vater im Himmel für alle Vater ist und dass Christus, der König der Geisterwelt Gottes, Sohn Gottes, für alle gestorben ist, dann gibt es auch eine Verbundenheit zum Mitmenschen, ein Sichverbundenfühlen mit den Mitmenschen und ein Sichverpflichtetfühlen gegenüber jenen, die nicht das Glück haben, in einem solchen Wohlstand zu leben. Man fühlt und empfindet auch für jene Menschen, denen es nicht gut geht, die nicht so ein gutes Lager haben wie ihr, nicht ein so gepflegtes Zuhause wie ihr. Sie, eure Geschwister, er, dein Bruder, sie, deine Schwester, haben denselben Vater im Himmel, haben denselben Erlöser im Himmel. Sie sind deine Nächsten – deine Nächsten. Sie sollst du lieben, so wie Christus es befohlen: “Liebe Gott über alles, deinen Nächsten aber wie dich selbst.”
Jetzt feiert ihr das Christfest, Fest des Friedens – Fest des Friedens, der Freude. Wie weit ist es mit dem Frieden deiner eigenen Seele? Wie stehst du zum Nächsten? Ist der Nächste dir Bruder, dir Schwester? Bist du so verbunden mit ihm? Betest du ja gerade zum himmlischen Vater und flehst den König der Geisterwelt Gottes im Namen Gottes an, auf dich zu hören. Wenn du dir alles überlegst: Findest du nicht, es ist so viel Egoismus dabei, wenn man nur an sich selbst denkt, wenn man nur an sich selbst glaubt? Und so ist es doch – man baut eine Mauer um sich, und man glaubt, einen eigenen Weg zu Gott zu haben. Man will ja einig sein mit ihm, man will ja Christus, den Sohn Gottes, anerkennen; aber man will sie für sich selbst haben, und man will nicht, dass ein anderer irgendwelche Einwendungen macht. Für sich selbst sie besitzen. Ja, das ist die Wahrheit, so ist es im Grossen und Ganzen. Aber wenn man jenseits-, geistverbunden ist, hat man eine Verbundenheit, eine Zugehörigkeit zur einzigen grossen Familie – zur Familie, der Christus vorsteht und deren Haupt er ist, wie er es gesagt hat: “Ich bin das Haupt, und ihr seid die Glieder.” Dieses hat er symbolisch gesagt. Ja, er ist es, der euch allen vorsteht und nicht dem Einzelnen.
Wenn ihr diese Worte in der Tiefe erfasst habt, dann gäbe es vieles zu ändern, vieles. Und solange die Menschheit nicht aus eigener Kraft und Erkenntnis dazu kommt, es zu ändern, so lange gibt es keinen Frieden. So lange ist es nur Täuschung für diese Welt, und oberflächlich verkündet man diese Botschaft vom Frieden, der der Menschheit gegeben worden ist. Es ist noch nicht Frieden. Man hat die Botschaft noch nicht verstanden. Ja, liebe Geschwister, man versteht die Botschaft nicht, man will sie nicht verstehen. Man hat Ohren, und man hört, aber man versteht es nicht. So ist es mit der Menschheit. Denn sie ist noch zu sehr weltverbunden und -gebunden.
Wenn du überlegst und nachdenkst, dass du einen Vater hast, der über allem ist, dem alles gehört, ja dem alle Menschen gehören, so bist du im Bunde mit ihm. Und wenn man an diese Verbundenheit glaubt und sich verbunden fühlt mit ihm, dann muss man auch eine Verbundenheit und ein Sich-Einfühlen für andere haben. Man muss anfangen, den lieben Gott auch andern zu geben und nicht nur für sich selbst zu beanspruchen.
Und so wird nun in diesen und den morgigen Stunden so viel von der Geburt des Herrn gesprochen und vom Frieden auf Erden, der einst verkündet worden ist. Und diese Botschaft ist nach bald 2000 Jahren noch nicht verstanden worden, weil man nicht so lebt, wie Christus und Gott es verlangen. Und so wird es noch lange dauern, noch sehr, sehr lange, bis Menschen zu dieser Erkenntnis gekommen sind, dass sie Gott nicht für sich allein in Anspruch nehmen dürfen.
Es wird lange dauern, bis man diese Botschaft des Friedens versteht und begreift, dass man dem Mitmenschen keinen Schaden zufügen darf, keinen Schaden, weder sichtbar noch unsichtbar. Man darf ihn nicht verletzen. Man darf seine Seele nicht verletzen. Man soll die geistigen Gesetze kennen. Man soll sich darüber klar sein, dass man ein Geschöpf Gottes, ein Kind Gottes, ist, aus Gott gekommen, und in sich vom Kostbarsten trägt: den Funken Gottes. So hat Christus ja von dieser Kindschaft Gottes wieder gesprochen. Du bist ein Kind des Allerhöchsten, des Mächtigsten – aber des Gütigen, des Barmherzigen, der sie alle aufnehmen will in seine Familie und der nur ein Verlangen hat: sie alle wieder vereint zu wissen mit seinem eingeborenen Sohn.
Und so wird die Christenheit immer und immer wieder daran erinnert, denn immer wieder kommen diese Feste der Erinnerung an den Herrn. Und nichts soll in dieser Art und Weise vergehen, denn diese Erinnerungsfeste werden so lange bleiben, bis erfüllt ist, was sich auf dieser Erde zu erfüllen hat. Denn die Menschheit soll sich ausrichten nach dem Schöpfer und nach dem Erlöser, und man soll ihnen untertan sein.
Nun, liebe Geschwister, ich sagte euch auch: Gestärkt kann man werden durch die Engel Gottes, gestärkt geht ihr hervor, wenn ihr hierherkommt zum Tische des Herrn, denn es verlangt euch ja danach hierherzukommen. Ihr möchtet doch geführt werden von den Heiligen des Himmels, und ihr möchtet wieder gesegnet sein für die Zukunft. Ihr möchtet sicher sein, dass man euer Straucheln auch vergibt. Und es wird euch vergeben, wenn es euch wirklich ernst ist, es besser zu tun. Es ist ein inneres Verlangen in euch, und dieses Verlangen, liebe Geschwister, kommt nicht nur von eurem äusseren Menschen her, sondern es ist der inwendige Mensch, es ist die Kraft der Seele, es ist die Seele, die euch drängt, als Mensch mit uns verbunden zu sein und von einer anderen Welt zu hören: die Sprache zu hören von Geistern, die aus einer anderen Welt kommen, die unter anderen Bedingungen leben, die im Frieden leben und die Herrlichkeit des Himmels schauen. So möchtet ihr doch wenigstens für eine Stunde unter ihnen sein.
Ihr aber könnt auch umfangen sein von den Heiligen des Himmels und sogar von euren Angehörigen. Freunde, die der Gemeinschaft angehören und die regelmässig auch hierherkamen, haben auch noch das Verlangen, unter euch zu sein. Denn sie sind stolz, da gewesen, da zugehörig gewesen zu sein. So ist bei manchem Anwesenden hier eines seiner Angehörigen, das seine Freude zum Ausdruck bringt. Und wer feine Gefühle hat, der vermag es zu spüren – ich sage: wer feine Gefühle hat, der vielleicht ganz besonders jenseitsverbunden ist. So vermag es der eine wahrzunehmen, und der andere lebt allein in der Freude, zu wissen, dass es so sein kann, dass sie da sind.
In dieser heiligen Stunde, liebe Geschwister, soll es euch doch ein Anliegen sein, gesegnet zu werden, erfüllt im Herzen, erfüllt in eurer Seele mit Gefühlen von Freude und Glück. Das sollt ihr doch erleben können.
Und nun, liebe Geschwister, wollen wir, dass ihr über euch selbst nachdenkt. Denn ihr habt hier immer wieder Gelegenheit, Vorsätze zu fassen, denn man gibt euch immer wieder Gelegenheit für einen neuen Anfang. Und so möchte ich, dass etwas Musik gespielt wird, damit ihr Gelegenheit habt, euch nach innen zu wenden.
Himmlischer Vater, in Christi Namen bitte ich Dich: Segne die Deinen, und vergib ihnen ihr Straucheln.
Himmlischer Vater, segne diesen Wein hier, Sinnbild vom Blute Jesu Christi, der am Kreuz gestorben ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne diesen Wein, und lass ihn jedem zum Heile werden, der davon nimmt.
Himmlischer Vater, segne dieses Brot hier, Sinnbild vom Leibe Jesu Christi, der am Kreuz gestorben ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne dieses Brot, und lass es jedem zum Heile werden, der davon nimmt.
So bitte ich, euch zu erheben. Nehmet und esset und trinkt.
Dank sei Dir, o Herr, für Deinen Segen. Behüte und beschütze sie und führe sie durch Deine heiligen Boten. Segne sie, o Herr, und lasse sie alle gesunden an Leib und Seele.
Nun, liebe Geschwister, sicherlich werdet ihr noch Stunden vor euch haben, wo ihr weiterhin an dieses Geschehen erinnert werdet. So sollt ihr nicht nur äusserlich und oberflächlich dieses Fest in eurer Erinnerung behalten, sondern ihr sollt aus der Tiefe der Seele eure Dankbarkeit zum Ausdruck bringen und euch der Worte, die ich in dieser Stunde zu euch gesprochen habe, bewusst sein und sie bewahren. Dann werdet ihr auch ein frohes Christfest haben. Öffnet eure Herzen und eure Seelen, und lasset so den heiligen Geistern Gottes die Möglichkeit, euch führen zu können.
Nun, liebe Geschwister, möget ihr alle gesegnet sein. Segensreiche Tage mögen euch allen bevorstehen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 24.12.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Die Verbundenheit mit dem Erlöser beim Abendmahl
Josef, 13. Dezember 1964 und 9. Dezember 1972 (Ausschnitte)
Die Verbundenheit mit dem Erlöser beim Abendmahl
Die Gottesdienste an den hohen christlichen Feiertagen, besonders die Feier des Liebesmahls, sind für den Christen immer wieder eine wunderbare Gelegenheit, in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten dem König der Geisterwelt für sein Erlösungswerk zu danken, ihm die Ehrfurcht zu zeigen und die innige Bindung zu ihm und zu seiner grossen heiligen Familie zu stärken.
Josef: Liebe Geschwister, wenn ihr euch hier zu diesem Liebesmahl versammelt habt, so gibt doch das den Ausdruck der innigen Verbundenheit der Gemeinschaft mit dem Erlöser. In der Einheit mit ihm wollt ihr stehen; ihr seid eine Familie in Christo Jesu. Denn er sagte: “Ich bin das Haupt, ihr seid die Glieder.” Ihr seid also die Glieder dieser Familie. Haltet einander fest, so wie ein Glied das andere in der Kette hält. Wie viel geht daraus hervor: Haltet einander – ihr seid eine Familie. Lebt in Frieden miteinander, denn die Friedensbotschaft wird verkündet. Lebt in Liebe und Achtung voreinander. Immer wieder aufs Neue wird diese Botschaft verkündet, denn so viel Wunderbares und Wertvolles liegt in ihr. Dadurch bindet man immer enger das eine Glied an das andere. Immer grösser soll die Kette werden und immer inniger die Verbundenheit mit Christus. Diese Verbundenheit soll treu und fest sein. Gekettet, geschmiedet sollt ihr aneinander sein – in Christus, in Liebe. Ihr sollt füreinander leben und miteinander gehen, so wie er für euch lebte und wie er für euch in den Tod ging. Es fällt dem Menschen manchmal schwer, für den andern zu leben. Wenn man eins geworden ist mit ihm, im Bunde ist mit ihm, sollte man für den andern leben können. Aufopferung bedeutet dies. Christus zeigte es vor und erbrachte diese Aufopferung. In seinem Bunde seid ihr. Ihm verschrieben seid ihr im Leben und im Sterben. Ihm gehört ihr in dieser und in der anderen Welt. Heilig werde euer Leben in dieser Welt, damit ihr geheiligt, anerkannt werdet in der anderen Welt.
Blickt auf zu ihm, reicht ihm im Geiste die Hände. Erlebt ihn im Geiste, wenn er sein Kreuz trägt. Versetzt euch zurück in jene Zeit seines Leidens, wo er durch die Gassen ging zu jener Stätte grössten Leidens. Erlebt es im Geiste: Neigt euch, beugt euer Knie vor ihm und berührt sein Gewand. Und denkt daran: “Es genügt, wenn ich nur den Saum seines Gewandes berühre, um gesund zu werden an Leib und Seele, um heilig zu werden im Denken.” Denkt im Geiste, stellt euch dies im Geiste vor. Holt daraus die Kraft, denn dadurch werdet ihr immer inniger an ihn gebunden. Wenn ihr mit ihm seid, strömt seine unendliche Kraft den Segen aus. Segen, Wohlgefallen ist es, denn er blickt auf die Seinen nieder, auf die Seinen, die mit ihm verbunden, die ihm verschrieben sind. Von seinem Segen wird ausgetragen.
Seine getreuen Engel hüllen euch ein in seinen Segensstrom. Sie bringen etwas von der göttlichen Atmosphäre ins irdische Reich hinein. Die Engel Gottes sind es, die euch heben, die euch stärken, die euch binden zu Christus. Sie sind es, die mit euch beten, die euch mahnen, die euch helfen, die Last zu tragen. Mit ihm sollt ihr im Bunde sein. Vergesst es nie, damit sich dieser Heilstrom nicht von euch trennen kann; damit der Engel, der euch begleitet, immer in Berührung ist mit euch. Denn er will eure Schultern berühren, er will euch an der Hand nehmen und durchs Leben führen. Er will schützend vor euch stehen, wenn Gefahr dieser oder jener Art droht. Er will, dass ihr im Frieden lebt – im Frieden mit euch selbst und eurer Umgebung. Harmonie soll herrschen, um euch, mit euch.
Ihr holt in einer solch heiligen Stunde von dieser wundersamen Kraft. Der Geist Gottes, der die Aufgabe hat, euch zu begleiten, freut sich in dieser Stunde mit euch. Er trinkt in dieser Stunde mit dir den Wein, den du trinkst im Gedenken an den Erlöser. Und er nimmt mit dir vom Brote, das du einnimmst im Gedenken an den Erlöser. Mit dir feiert er das Liebesmahl. Er wird auch dich im Geiste zum Mahle führen, das er in seiner Welt mit ihm feiert. Er wird deinen Geist in seine Welt mitnehmen, und du darfst im Geiste dieses hohe, heilige Liebesmahl einnehmen, weil du dich aufgemacht hast hierherzukommen. In der Gemeinschaft, in der Verbundenheit nimmst du dieses Liebesmahl ein. Weil du den Bund mit ihm festigen willst, weil du unter seinem Segen wandern willst, bist du gefällig geworden. Und wenn du nach dem Willen Gottes lebst, wirst auch du vom göttlichen Willen empfangen. Wenn du hier zu Gaste bist, wirst du im Geiste in einer höheren Welt Gast sein.
So, liebe Geschwister, soll dieses Liebesmahl euch wieder Kraft fürs Leben geben. Die Botschaft des Friedens soll alle eure Herzen erfüllen. Freuen sollt ihr euch, wenn diese Worte verkündet werden: “Friede den Menschen auf Erden.” Freuet euch, wie die Engel sich dazumal freuten, als sie die Botschaft verkünden durften. So hat jede Botschaft, die von der Himmelswelt aufs Neue ausgetragen wird, das Wundersame, Heilvolle in sich. Es bindet den Christenmenschen wieder mehr an seinen König. Es festigt ihn wieder mehr und gibt ihm wieder Lebensmut und Lebensfreude. Die Feinheit der Seele soll den ganzen Menschen erfüllen. Der ganze Mensch soll von dieser Harmonie der Seele zu spüren bekommen. Der ganze Mensch soll vom Jubel hören und fühlen, den die Seele empfindet.
Ausschnitt aus dem Vortrag vom 13. Dezember 1964
Josef: Liebe Geschwister, ihr seid zu einem Fest hierhergekommen: Ihr gedenkt der Menschwerdung Jesu Christi. Ihr seid hierhergekommen, um Ehrfurcht und Andacht zu beweisen – Ehrfurcht, Dankbarkeit, dies wollt ihr Christus zeigen, ihm darbringen durch das Erscheinen. Etwas ganz Besonderes ist für euch das in der Gemeinschaft gefeierte Fest; ihr wollt dadurch eure innige Bindung zu ihm zum Ausdruck bringen; ihr möchtet doch sagen:
“Ich gehöre zu Dir, ich gehöre in Dein Reich, ich glaube an Dich, ich hoffe auf Dich, und ich glaube an Deine heiligen Geister, jene Heiligen, die mich durchs Leben führen.”
Nun, liebe Geschwister, wenn Paulus vor euch stehen würde, würde er euch vermutlich mit folgenden Worten begrüssen: “Meine Lieben im Herrn” oder “Geliebteste im Herrn”. Vom Geistigen aus gesehen bildet ihr eine grosse, heilige Familie; denn die Gesinnung soll doch, so meinen wir, erhaben und heilig sein. Wie eine heilige Familie betrachten wir euch, oder ich könnte auch sagen: Von uns aus gesehen gleicht ihr geladenen Gästen im Himmelreich, die gekommen sind, um Christus zu ehren und anzubeten, ihm auch zu sagen:
“Wir gehören in Dein Reich, Dein sind wir, Du bist unser König und wirst es immer sein, Du sollst unser Führer sein.”
Dies will man geloben. So tönt es, und so ist es in der Gotteswelt, wenn aus den Gemeinschaften des Himmels die Geschwister zusammengerufen werden, oder ich könnte sagen: wenn jene geistig gleich entwickelten Geschwister zusammengeführt werden für eine Heiligung, um Gott und dem Erlöser die Ehre zu erbieten. So sieht es aus. Wir möchten euch sehen in der Gemeinschaft, verbunden mit dem Göttlichen, als eine heilige Familie. Denn ihr trachtet doch danach, ihm gleich zu werden, eins zu werden mit ihm.
Obwohl ich weiss, dass Freunde hier sind, die die geistigen Gesetze noch nicht kennen oder zu wenig verstehen, versuche ich es trotzdem mit diesen Worten zu sagen: Man soll eine Familie sein in Christus. Dieses aber verpflichtet jeden einzelnen Menschen gegenüber dem Nächsten. Wer Gott am nächsten sein will, wer Christus am nächsten sein will, muss auch dem Mitmenschen nahestehen; denn man kann sich nicht vom Mitmenschen abwenden – böse, unwillig sein, schlecht über ihn reden oder ihn verleumden, eifersüchtig sein – und dann noch meinen, man stehe in Gottes nächster Nähe. Wer Gott nahestehen will, wer sich bemüht, in seine Nähe zu kommen, muss sich auch nach den geistigen Gesetzen und ihrer Ordnung ausrichten – das ist einmal das Grundprinzip. Darum ist es auch für die Christenheit eine Notwendigkeit, die Wahrheit zu erfahren, sie zu erleben: die Wahrheit über die christliche Lehre. Es gäbe so viele Menschen, die bereit wären zu glauben, würde die Lehre ihnen glaubhaft gemacht. So versuchen wir, so gut es uns möglich ist, diese Lehre in ihrer Wahrheit zu verkünden.
Das Fest, das nun in diesen und in den nächsten Tagen gefeiert wird von der Christenheit, ist wohl eines der bedeutendsten christlichen Feste. Denn wohl kein anderes Fest vermag auch bei einem Menschen, der nicht besonders gläubig ist, diese gewisse Sehnsucht nach Geborgenheit zu wecken. Man hat, wenn man von seinen Angehörigen entfernt ist oder womöglich keine Verbindung oder keine Angehörigen mehr besitzt, kaum je solche Sehnsucht wie zu dieser heiligen Zeit, an diesen heiligen Festtagen. Wohl so gut wie nie kommt sich ein Christ verlorener vor, als wenn er gerade an den Weihnachtstagen von niemandem geachtet und beachtet wird. Wir erklären es aber auf unsere Art: Die Sehnsucht nach der Wahrheit, nach der wirklichen Geborgenheit in Gott, in Christi Reich, kann ja nur aus der Tiefe der Seele herauskommen – sie ist etwas, was sich löst in solchen Tagen, weil es doch mehr Menschen sind als sonst, die willens geworden, Gutes zu tun oder Besseres zu tun, die versuchen – versuchen –, sich vom Bösen etwas abzuwenden. Dass dieses geschieht, verschafft der Geisterwelt Gottes eben grössere Möglichkeit, beim Menschen zu wirken. Denn aus der Seele des Menschen strahlt ein Licht, wenn die Seele zur Erkenntnis kommt, dass es noch eine andere Heimat gibt als die irdische. Wenn man nach Geborgenheit sucht, nach einem Zuhause, das man auf der Erde nicht findet – und so mancher vernimmt keine Antwort, er weiss nur, dass er nach Geborgenheit und nach einem Zuhause verlangt –, so ist es einerseits die Seele, die mit ihrer ganzen Kraft ihre Wünsche und ihr Verlangen zum Ausdruck bringen kann. Dies ist möglich, weil gerade eben der Mensch den Weg zu diesem Verlangen geebnet hat. Er hat der Seele die Möglichkeit geschaffen und ist etwas vom menschlichen Denken abgegangen, weil er sich etwas verinnerlicht hat, weil er sich vielleicht in gewissen Stunden nicht so sehr mit dem Weltlichen verkettet und verbunden fühlt, weil er doch eben das Verlangen hat, unter Menschen zu sein, mit Menschen vielleicht ein Lied zur Ehre Gottes und zur Ehre des Erlösers zu singen. Mitsingen möchte er, sich mitfreuen am Lichterglanz. Es ist eine Sehnsucht, ein Heimweh, das er sich nicht erklären kann.
Leider ist die Zeit für solches Heimweh schnell vorüber. Sind die Festtage beendet, steht der Mensch wieder mitten im Leben, und er vergisst, dass er kurz zuvor Gott gelobt und gepriesen und Christus verehrt und ihm gedankt, weil er die Erlösung der Menschheit gebracht hat. Ein jeder, der da lebt, auch wenn er nicht christlicher Gesinnung ist, ist von ihm erlöst worden, für ihn ist der Weg frei geworden – auch wenn er Christus nicht verehrt und an dessen Stelle ein Prophet getreten ist. Vielleicht hat er leise Verehrung für Christus, doch er gibt seinem Meister einen andern Namen.
So vermögen sich manchmal Christen besonders daran zu stören. Aber wenn doch wirklich gesagt wird, Christus hat die Erlösung für alle gebracht, so ist ein jeder mit eingeschlossen. Diese Propheten sind nur Stützen auf dem Wege zu Gott, auch ein Hilfsmittel auf dem Wege zu Gott, um ihn zu finden, sich nach seinen Gesetzen auszurichten. Diese Menschen werden dereinst in der himmlischen Welt darüber unterrichtet werden, und auch sie werden ihn loben und preisen, auch sie werden sich beugen vor ihm.
Wie die Menschen hier diese Feste feiern, bleibt nicht ungesehen im Himmelreich, denn wo Menschen in Ehrfurcht und Andacht zusammen sind, da ist mitten unter ihnen auch die Gotteswelt. So seid ihr eine Familie, und Christus ist euer Herr. Jeder, der sich bemüht in seinem Leben, das wahre christliche Leben zu gewinnen, wird auch dementsprechend seinen Platz in der himmlischen Welt einnehmen. Alle diese Menschen, die da leben, im Besonderen die Christen, gehören doch ihrer höheren Gesinnung nach in das Reich Christi, und Christus ist ihr König. Der König interessiert sich zu jeder Zeit für die Seinen – ein gewissenhafter irdischer König tut dies wohl auch.
Das Reich Christi aber ist noch geteilt. Christus verlangt von seinen Getreuen stets genaueste Ausführung seiner Befehle. Ihm wird auch dargelegt, wie viele Christen auf dieser Erde auch wirklich als Christen leben – oder geistig ausgedrückt: Der König erkundigt sich nach der Grösse seines Reiches, und zwar nicht irdisch gesehen nach den Ländern, sondern nach der Zahl der Einzelnen, die da leben, die seinem Reiche zugehörig sind. So werden sie gezählt. Es gibt das tapfere Heer, dem Christus sein Wohlgefallen zeigt, aber es gibt auch Verwundete, und es gibt auch Gefallene in seinem Reich. So wird ihm stets genau Bescheid gesagt; denn er ist ein wahrer König, er will wissen: “Wie viele sind in meinem Reich verwundet, wie viele sind in meinem Reich gefallen?” – Dies ist aber geistig zu verstehen.
Wenn man von den Verwundeten spricht, können dies doch wohl nur jene Menschen sein, die nicht mit Herz und Seele durch ihren Glauben mit Christus und auch nicht mit Gott verbunden sind; und andere, die verwundet, die ihre karmischen Belastungen auf sich tragen, die gezeichnet sind für die Wiedergutmachung, die verwundet sind in der Seele, die zu einer harten Prüfung in dieses Erdenleben ausgesandt wurden. Gross ist die Zahl der Verwundeten, und sie werden alle gepflegt – nicht von Menschen in erster Linie, denn es handelt sich um geistig Verwundete. Hier ist es die himmlische Welt, die sich dieser Verwundeten annimmt, die sie pflegt. Es sind jene Menschen, die nun in grossen Nöten und Sorgen leben, in Unsicherheit, und die durch das äussere Geschehen, durch das weltliche Geschehen, das auf sie einwirkt, nicht glauben können und eben dadurch ihrer Seele Wunden zufügen. Andere wiederum sind gezeichnet im Leben; sie müssen durch dieses schwere Leben gehen, denn ihre Seele muss gedemütigt werden, sie müssen das Leben in seiner ganzen Schwere und mit seinen Nöten auf sich nehmen, ein Leben von Sorgen und Leid. Nicht überall ist es so, dass solche geprüfte Menschen dann den Weg zum Glauben finden. Viele von ihnen, die so verwundet sind, fallen, sie werden zu den Gefallenen gezählt, wo keine Pflege hilft – und mit der Pflege ist die Hilfe der Geister Gottes gemeint.
Ihr Menschen, die ihr gläubig seid, ihr betet doch; und dieses Gebet hat den Sinn, dass es gehört wird und dass man gesehen wird – gehört und gesehen von einer andern Welt, die ihren Einfluss ausübt und die die Menschen nicht sehen können und nicht ahnen. Man betet, dass Gott Einblick nimmt in die Tiefe der Seele, und man versucht doch im Gebete Trost zu finden. Ja man richtet sich nach einer höheren Welt aus im Glauben auf diese Hilfe. Und diese Hilfe ist dem Menschen gegeben – der eine vermag sie zu spüren, ein anderer ist zu sehr mit der Welt verbunden, und seine Seele liegt so im Dunkeln, dass es ihm nicht möglich ist, das Feingeistige zu vernehmen. Denn darüber soll man sich doch auch klar sein: Will man diese andere, höhere Welt vernehmen, muss zu ihr die Verbindung geschaffen werden. Aber nicht die Äusserlichkeiten dieser Welt geben die Verbindung dazu; es ist das Innere des Menschen, das Feine, das Zarte, das Lichte, das Edle, das, was den Menschen vornehm macht – solches muss sich entfalten, solches muss wirken können, mit solchem kann man den Weg ebnen für das Himmelreich. Und so ist es für diese göttlichen Pfleger leichter, dem Menschen beizustehen. Ich brauche wohl kaum im Besonderen anzudeuten, wie viele Menschen leben, und Christen im Besonderen, die dieser geistigen Pflege bedürfen; aber es ist auch so, dass man keinen göttlichen Pfleger wünscht – leider. Beten tut man und hofft; aber wie das Gebet zu Gott kommt, sich darüber seine Gedanken zu machen, erachtet man als überflüssig; man meint, es leben nur die Menschen auf dieser Erde.
Gott ist Geist, und man soll ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten (Joh. 4, 24). Im Geiste also – nicht mit Äusserlichkeiten, mit menschlichem Denken – soll man versuchen, an ihn heranzukommen. Nicht ihm von dieser irdischen Welt erzählen, wie sie ist und wie sie sein sollte – das weiss Gott schon längst. Man muss Gott finden, und man findet ihn nur im Geiste und in der Wahrheit. In der Wahrheit liegen die Gesetze, in der Wahrheit ist die Ordnung – ohne Ordnung gibt es keine Gesetze und keine Wahrheit, alles ist zusammengeknüpft. So muss man Gott finden im Geiste und in der Wahrheit. Um Gott zu finden, braucht es eine innerliche Erleuchtung; man muss den Weg zu ihm frei machen. Und man soll nie vergessen: Wenn man Geschöpf Gottes ist und sich als Geschöpf Gottes ansprechen lässt, soll man seinem Herrn und Schöpfer dienen. Man kann nicht zwei Herren dienen, man kann nur einem dienen. (Mat. 6, 24.) So wäre es ratsam, darüber nachzudenken: Wenn man in das Reich Christi gehört, muss man Christus dienen, und man kann keinem andern noch seine Dienste anbieten.
Es gibt geistige Dienste, und die geistigen Dienste sind die wertvollen und die unvergänglichen. Es gibt aber auch rein äussere, menschliche Dienste, weltliche Dienste, die man leisten kann zum Glanz dieser Welt, die vergänglich sind – sie nützen nichts für die Ewigkeit. So muss man versuchen, Gott zu finden, und in Gott wird man den Erlöser finden. Denn in der Wahrheit, da liegt die Lösung, warum er, der Sohn Gottes, Mensch geworden ist.
Vorhin sagte ich, der Gesinnung nach gehören im Besonderen die Christen in sein Reich. Viele sind es, die verwundet, nach denen man sich erkundigt und die man versucht zu pflegen. Aber es gibt ausser diesen Verwundeten auch Gefallene; und diese Gefallenen sind es, die jenem Luzifer ihre Dienste anbieten, die für das Reich Luzifer wirken – dieses sind die Gefallenen. Und es braucht viel, sie zurückzugewinnen.
Der grosse Kampf von einst aber hatte stattgefunden. Christus war es, der allen Gefallenen die Möglichkeit zur Rückkehr gab, und das sind doch wohl alle, welche die Menschwerdung angenommen, sie gehörten doch zu den einst Gefallenen. Sie sind aus dem andern Reich, dem Reich Luzifer, herausgenommen worden, sie sind hinübergetreten ins Reich Christi. Und jene, die heute noch gefallen sind, auch für sie ist der Weg offen, auch sie müssen sich aufraffen, um den Weg zurück zu finden. Wenn sie es in ihrem gegenwärtigen Leben, das sie leben und in dem sie als Gefallene gezeichnet sind, nicht schaffen, weil sie nicht an Gott glauben und sich nicht nach seinen Gesetzen ausrichten, wird es für sie ein anderes Leben geben, in dem sie die Möglichkeit haben, den Weg zurück zu finden. Es wird so werden, dass sie auf dieser Erde zuerst in grosser Verwundung leben und dann gepflegt werden, gepflegt von jenen Unsichtbaren. Aber wer hier als Mensch zu jenen gehört, die im Geiste die Gefallenen oder die Ausgestossenen sind, der wird in der Jenseitswelt auch gepflegt – jene gehören in der Jenseitswelt zu den Schwerverwundeten, die man von den andern absondern muss, die der besonderen Pflege bedürfen und der besonderen Aufmerksamkeit, damit sie gesunden können in ihrer Seele. Solches kann nicht einfach von selbst geschehen, es braucht dazu eine Hilfe. Und diese Hilfe kommt von den Heiligen, von jenen Getreuen im Reiche Gottes – jenen, die in das Königreich Christi gehören. Denn er ist König im Himmelreich über alle Engelschaften, wie er König ist über alle Völker dieser Erde. In seinem Auftrage gehen sie, die Heiligen des Himmels, und versuchen jenen die Pflege zu geben.
Denn wenn jemand in Not ist, gleich welcher Art, und er hat einen Glauben, so ist seine letzte Hoffnung – wenn Menschen ihm nicht helfen, nicht helfen können – der Himmel, das Unsichtbare, das, was für ihn so ungewiss ist. Dort sucht er Hilfe, und diese Hilfe kommt von jener Welt. Denn stirbt man hier, so tritt man ein ins Reich der Ewigkeit; dort wird man empfangen und geführt von den Heiligen des Himmels, die in Christi Namen ihre Aufgaben erfüllen. So ahnen ja die Menschen nicht, was sie alles ihrem Erlöser zu verdanken haben. Wohl denken sie an seine Menschwerdung – es ist Tradition geworden –; aber ob bei all diesen Menschen eine wirkliche, wahrhaftig ehrliche Verbindung vorhanden ist? Das beurteilt die göttliche Welt, denn sie sieht in die Tiefe der Seele hinein.
Die Heiligen des Himmels gehen aus, auf die Suche, ganz besonders an christlichen Festtagen; sie möchten Menschen helfen. Aber ihre Hilfe richtet sich doch genau nach dem Gesetze. So wie für einen jeden Menschen ein Lebensplan geschrieben ist, gezeichnet ist und sich sein Leben nach diesem Plan erfüllen muss, weiss der hilfreiche Geist Gottes genau, wie weit er ihm den Beistand geben darf. Der Mensch selbst aber kann viel dazu beitragen, dass ihm wirksam geholfen wird. Auf seine innere wahrhaftige und ehrliche Gesinnung kommt es an, eine wirkliche Verbindung mit Christus muss man haben, die aus der Tiefe der Seele kommt. Denn jetzt, liebe Geschwister, seid ihr Gäste auf dieser Erde – kurz bemessen ist des einen oder andern Leben noch. Die wahre Heimat wird ihre Tore öffnen, wenn man ihm seine irdischen Augen schliesst. Dann wird das Ewige in ihm, die Seele mit dem geistigen Leibe, in der Ewigkeit tätig werden. Er wird diese neue Welt betrachten. Diese Welt ist für viele fremd. Für jene, die in der Wahrheit gelebt und die Gesetze gekannt, mag es leichter gehen; sie wissen um die Hilfe, und sie wissen um das Leben in der Ewigkeit.
Ausschnitt aus dem Vortrag vom 9. Dezember 1972
Christus ist das Haupt der göttlichen Familie
Lene, 23. September 1965
Christus ist das Haupt der göttlichen Familie
Beim Geisterfall wurden die Angehörigen der grossen himmlischen Familie auseinandergerissen. Dank Christus und seinem Erlösungswerk ist es möglich, die Fäden der Zusammengehörigkeit wieder zu knüpfen und wieder in die ursprüngliche Einheit zurückzufinden.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, Gott hat in seiner Schöpfung gleich viele weibliche wie männliche Geistwesen geschaffen. Ihr habt schon von himmlischen Ehen gehört, von himmlischen Familien. So möchte ich heute Abend versuchen, von diesen himmlischen Ehen, von diesen himmlischen Familien zu sprechen, und folglich muss ich wieder in jene Zeit zurückgreifen, wo man voll des Glückes lebte.
Diese himmlischen Ehen werden Duale genannt; es sind je zwei aufeinander Abgestimmte, zwei, die eins sind in ihrem Wesen, die gemeinsam dieselben Aufgaben erfüllen und dieselben Meinungen vertreten. Ihr sollt aber nicht annehmen, dass es in der hohen himmlischen Welt unter den Geistern Gottes nicht auch Meinungsverschiedenheiten geben würde. Man hat auch einmal eine andere Ansicht. Aber ihr dürft dies nicht nach eurer menschlichen Art verstehen. Wenn ihr untereinander Meinungsverschiedenheiten habt, dann greift man womöglich den andern an; es kommt nicht mehr eine so wohlwollende Gesinnung zum Ausdruck, wenn man auf diese Art verschiedener Meinung ist; dies ist allgemein gesprochen.
Sind die hohen Wesen verschiedener Meinung, dann sprechen sie sich gegenseitig aus. Jeder gibt seine Ansicht in Liebe zum Ausdruck. Ist man sich dennoch über eine Angelegenheit nicht einig, findet man den Weg zum König. Und der König der Geisteswelt spricht dann das entscheidende Wort. Das hat aber nicht im Geringsten mit Streit oder Unzufriedenheit zu tun. Denn man kann ja gar nicht immer gleicher Meinung sein – auch nicht in der Gotteswelt. Aber in diesen himmlischen Ehen, wo zwei aufeinander abgestimmt, füreinander bestimmt sind, herrscht Übereinstimmung. Oft mag es vorkommen, dass das eine eine grössere Liebenswürdigkeit hat als das andere – doch dafür wird dann ein Ausgleich geschaffen.
Diese himmlischen Ehen haben auch ihre Kinder. Es ist euch schon gesagt worden, dass man eine geistige Mutter oder ein geistiger Vater sein kann. Ihr habt vielleicht schon Botschaften vernommen, worin erwähnt wurde, dass der Betreffende der geistige Vater sei oder dass man eine geistige Schwester, einen geistigen Bruder, eine geistige Mutter habe; aber ihr konntet euch davon keine richtige Vorstellung machen, was damit gemeint ist.
Ich erklärte, dass ich versuchen werde, den Vorhang vor dieser Himmelswelt etwas zu heben. Wenn wir euch aber Erklärungen geben, sind wir immer auf euer Verständnis und auf eure Begriffe angewiesen. Denn sehr leicht kann etwas falsch ausgelegt werden. Bei verschiedenen Erklärungen möchten wir manchmal deutlicher werden – aber wir können es nicht. Die Zeit dafür ist noch nicht gekommen, man ist noch zu wenig reif, und es könnte unter den Menschen Missverständnisse geben, die der Gemeinschaft oder dem einen und andern zum Schaden wären. Darum ist auch für uns in den Erklärungen grosse Vorsicht geboten.
So sage ich jetzt: Diesen himmlischen Familien oder diesen himmlischen Ehen werden Kinder gegeben. Diese Kinder werden in grosser Liebe und Sorgfalt erzogen; sie wachsen also bei ihren Eltern auf. Die himmlischen Familien unterscheiden sich voneinander; die einen mögen eine schöne Schar Kinder haben, andere haben vielleicht nur eines, zwei oder drei. Sie haben ihre geistigen Besitztümer, ihr eigenes Haus, ihren herrlichen Garten – oder vielleicht muss ich sagen, sie hatten ihre geistigen Besitztümer, sie hatten ihre Kinder; denn die Kinder sind gross geworden. Und wie es auch bei euch in der Familie ist, wenn Kinder herangewachsen sind, treten sie dann hinaus und gründen eine eigene Familie; so ist es im Himmelreich. Die herangewachsenen Kinder haben also ihre geistigen Eltern und ihre Geschwister verlassen und eine eigene Familie gegründet. Man hat sein Dual gefunden, das eine Dual hat sich mit dem andern vereint und eine himmlische Ehe aufgebaut.
Der Himmel bestand aus diesen vielen Familien, und man lebte in einer grossen Einheit zusammen. Doch unter diesen himmlischen Ehen mit ihren Kindern waren nicht alle gehorsam geblieben. Ich brauche nicht mehr näher auf diesen Ungehorsam zurückzukommen, das wurde euch gründlich erklärt. Ich möchte nur noch einmal darauf hinweisen, wie herrlich das Leben jener Kinder war, das sie bei ihren Eltern hatten. In diesen Himmeln grösster Seligkeit waren auch Tiere vorhanden. Kinder konnten in diesen grossen, mächtigen Gärten gemeinsam mit andern Kindern unter der Obhut eines himmlischen Engels, dessen Aufgabe es war, die Kinder zu betreuen, mit den Tieren spielen.
Es mag für euch sonderbar sein, wenn ich euch sage, dass diesen himmlischen Ehen auch Kinder gegeben wurden und dass diese geistigen Eltern für die Erziehung ihrer Kinder besorgt waren. Ihr könnt also sehen: Man kann sich den Himmel nicht menschlich genug vorstellen. So wie ihr darum bemüht seid, eure Kinder für das Leben vorzubereiten, dass sie einen guten Beruf erlernen, so ist es im Himmel ähnlich. Doch musste man nicht diese Berufe erlernen, wie ihr es müsst für den Broterwerb, denn die Künste spielten in der Zeit der Seligkeit die grösste Rolle, und Kinder wurden in den Künsten unterrichtet. Diese Wesen hatten ihre individuellen Eigenschaften: Das eine neigte dazu, sich der Kunst zu widmen, ein anderes hatte dafür keine Talente und wollte lieber Diener sein. So gab es in der Himmelswelt viele Möglichkeiten, eine Tätigkeit auszuüben.
Ich komme noch einmal auf das selige Leben in der himmlischen Welt zu sprechen. Die Liebe einer geistigen Mutter und eines geistigen Vaters zu den Kindern war gross und ist heute noch gross. Gute Eltern auf Erden lieben auch ihre Kinder – aber ihre Liebe kann ja nicht so vollkommen sein, wie sie im Himmelreich vollkommen ist. Und so kann auch die Aufmerksamkeit den Kindern gegenüber nicht dieselbe Sorgfalt aufweisen, wie es in der himmlischen Welt, in den himmlischen Ehen, der Fall ist.
Ihr Menschen werdet gezwungen zu arbeiten. Ihr wollt und müsst zu eurem Unterhalt das notwendige Geld verdienen. Und dann gibt es etwas, das über das Notwendige hinausgeht: Es kann ein grosses Verlangen, eine Sehnsucht oder eine Gier nach irdischen Gütern entstehen. Dadurch, dass man so den Hang nach dem materiellen Gut hat, vernachlässigt man sodann die wahren Pflichten ...
Eine irdische Ehe unter Menschen kann mit einer himmlischen Ehe nie und nimmer verglichen werden. Dort sind, wie ich betonte, jeweils ein männliches und ein weibliches Wesen zusammen, doch sie leben miteinander, füreinander. Sie versuchen sich immer zu verstehen, voller Rücksicht und in grosser Liebe einander zu tragen. Bei euch Menschen ist es nicht so – die Verhältnisse sind ja auch ganz anders. Doch ein Geistesmensch, der nach dem Himmel ausgerichtet ist, soll sich auch seine Gedanken darüber machen können, wie das Leben in den Himmeln zugeht, damit er seine Ehe auch himmlisch gestalten kann. Man kann es; doch um das zu tun, braucht es einen grossen Willen, und es braucht Überwindung. Man muss von einer göttlichen Kraft eingehüllt sein; man muss von innen heraus gedrängt werden, das Schöne und Edle zu entfalten und so für den Himmel zu leben. Man muss seine Gefühle verfeinern – und nicht umgekehrt.
Eine glückliche Ehe auf Erden zu leben, ist eine Kunst; es sind nicht allzu viele, die einer göttlichen Ehe ähnlich sind. Wohl mag der Mensch vom wahren Glück weit entfernt sein – er wird immer wieder vom Glück getrennt, abgelenkt. Er ist ja in einem Reich, wo einer die Herrschaft ausübt, dem nichts am Glück des Menschen gelegen ist. Die Menschen, die da auf der Erde leben, stehen unter der Herrschaft eines Herrschers, der sich so Mühe gibt, alles zu vernichten, was man versucht, in guten Treuen und heiligstem Willen aufzubauen. Wahrhaftig steht der Mensch an einem schwierigen Ort auf dieser Erde. Schwer ist seine Aufgabe, die er erfüllen muss. Aber wir machen einen Unterschied zwischen Geistesmenschen, die in einer Sehnsucht nach der Wahrheit, nach dem Göttlichen leben, und Menschen, die nicht nach der Wahrheit suchen und kein Verlangen nach göttlichem Leben und Wissen haben. Ja, Menschen könnten für ihr Seelenheil, für ihren Aufstieg so viel tun. Sie könnten mit so wenig so viel erreichen, es würde gar nichts kosten. Es kostet kein Geld, das Himmelreich zu erreichen – Geld ist im Reiche Gottes wertlos. Doch in eurer Welt ist es alles: Glück, Macht, alles. Dies sind Dinge, die sich nicht vereinen lassen mit dem Trachten nach dem Göttlichen. Will man sein wahres Glück auf dieser Erde erobern, dann stellen sich andere Bedingungen: Liebe ist es, Verständnis, Zärtlichkeit und Mitleid, wenn es sein muss.
Wenn man in den Bund der Ehe tritt, wird den Eheleuten klargemacht, dass man ein Leib und eine Seele geworden ist. Wenn der eine Teil leidet, leidet auch der andere – sollte der andere Teil auch leiden. So ist es in der Himmelswelt: Wenn ein geistiger Vater leidet, leidet auch die geistige Mutter mit, oder umgekehrt. Auf Erden ist dies eine Seltenheit. So sind die himmlischen Ehen voll des Glücks. Geistige Mütter, geistige Väter sehen ihre Kinder von dannen gehen, da sie in ihren Himmeln ihre eigenen Ehen gegründet haben. Man ist jedoch mit ihnen verbunden, bleibt ihnen geistiger Vater, bleibt ihnen geistige Mutter.
Doch nun muss ich wieder heraustreten aus jener Zeit der Seligkeit dieser himmlischen Ehen und euch wieder darauf aufmerksam machen, dass es eine Trennung gab, dass die Ungehorsamen ausgestossen wurden: Vater, Mutter, Kinder mussten die Welt der Seligkeit verlassen. Sie haben sich zerstreut, sie sind nicht alle miteinander an denselben Ort hingeführt worden. Dazumal, als es um jene Werbung ging, Christus dem König nicht mehr die Huldigungen zu erweisen, hatte beispielsweise in einer Familie der Vater mehr dem Luzifer gehuldigt, die Mutter war im Zweifel über die Richtigkeit gewesen, und die Kinder sprachen sich dafür aus, nicht nur Christus und Gott zu huldigen, sondern auch Luzifer. Oder unter den Geschwistern war man nicht derselben Meinung; die einen hatten sich eifrig an der Werbung betätigt, andere waren unsicher, sagten das eine Mal Ja, das andere Mal Nein. So war die Schuld jener innerhalb der gleichen Familie verschieden. Daher wurden diese Familien auseinandergerissen.
Je nach ihrer Schuld mussten sie in die Tiefen der Finsternis eintreten. Die Schwere ihrer Schuld, die sie tragen mussten, bemass sich nach ihrer Tätigkeit, die sie ausgeübt hatten. So gingen sie einander verloren: Vater, Mutter, Bruder, Schwester, alle, mit denen man zusammen, in engster Bindung war. Man hatte sich in der grossen Welt der Finsternis verloren. Der geistige Vater schrie nach seinen Kindern, nach seinem Dual. Die geistige Mutter schrie nach ihrem Dual, nach ihren Kindern. Und niemand gab Antwort ... Auseinandergerissen waren sie, die Familien.
Nun, ihr wisst, dass sich Gott seiner Kinder erbarmte und ihnen den Weg des Aufstiegs ebnete. So gingen sie, je nach ihrer Schuldenlast, ihren Weg. Die weniger Belasteten konnten einen schnelleren Weg gehen und mussten nicht diese ganz niederen Entwicklungsstufen durchschreiten. Sie wurden gleich in höhere Stufen eingeführt, wo sie dann aber warten mussten, bis ihre Zeit gekommen war, dass sie in einen menschlichen Leib eintreten konnten. Als man dann in diese Welt geboren wurde, bekam man einen Vater, eine Mutter; aber es musste nicht der geistige Vater noch die geistige Mutter sein, vielmehr war man jetzt in eine andere Familie hineingeboren worden. So ist den Menschen die Möglichkeit ihres Aufstiegs gegeben, und wie ihr wisst, ist ihnen auch die Möglichkeit des Sichwiederfindens gegeben. Geister Gottes sind dazu auserwählt, um diese Fäden wieder zusammenzuknüpfen, um den einen wieder auf den andern aufmerksam zu machen. Denn eine geistige Mutter, wo sie auch in ihrer Entwicklung steht, wird ihre Kinder nicht vergessen. Aber sie wird sich erst dann nach ihren Kindern erkundigen können, wenn der Geist Gottes ihr dieses Erleben wieder in ihr Bewusstsein zurückbringt, denn in den untersten Aufstiegsstufen kann es dem einen oder andern genommen werden. Bedenkt doch die lange Zeit der Trennung im Reich der Finsternis. Verloren gegangen war man einander – verloren, auseinandergerissen. Ich könnte fast sagen: In dem Schmerz und Leid, die man ertragen musste, vergass man den andern, denn man hatte genug mit sich selbst zu tun. Durch Gottes Willen war es geschehen, dass es aus dem Bewusstsein jener Wesen verloren ging – sie sollten nun für sich selbst besorgt sein. Und wenn dann ihre Fortschritte weit genug gediehen sind, sollte es durch Gottes Willen wieder zurückgegeben werden. Es sollte ihnen wieder ins Bewusstsein kommen, dass sie geistige Kinder haben, dass sie eine geistige Mutter, einen geistigen Vater haben.
Die Gotteswelt fördert solches, führt es ihnen zu, da, wo es sein darf, und sie verhindert es dort, wo es sinnlos ist. Denn geht es um den Aufstieg, wird die Geisterwelt Gottes immer in dieser Weise tätig sein, damit sich nur Sinnvolles erfüllt und das Bedeutende zum Ausdruck und zur Entfaltung kommt. Sie hilft und versucht, den Aufstieg zu beschleunigen. Denn die Geisterwelt Gottes hat die Aufgabe, zu versuchen, böses Tun des Menschen zum Guten zu wandeln, aus dem Bösen heraus Gutes zu schaffen, zu entfalten, zu mehren. Bedenkt doch, wie viel Boshaftigkeit zum Ausdruck kommt; wie viel Böses immer wieder von den Menschen begangen wird, das dem andern Schaden zufügt – Schaden in der Seele, Schaden an Leib und Gut. Aber wenn sich die Geisteswelt dem allem nähert, sich mit dem Menschen beschäftigt und an seinem Aufstieg Interesse hat, vermag sie eben, was auch böse gehandelt wurde, so zu wandeln, dass daraus noch etwas Gutes geschaffen wird. Denn bedenkt, wie viel Boshaftigkeit und Neid sich in dieser Welt abspielt, wie viel Streitsucht, wie viel Egoismus! Und oft sind es auch fromme Menschen, die solche Untugenden haben. Trotz solchen Gebarens versucht die Gotteswelt, etwas zum Guten zu lenken, das Böse zu wandeln, aus dem Bösen Gutes zu schaffen. Das Gute muss siegen, denn nur das Gute und Edle bewährt sich. Boshaftigkeit bewährt sich nicht.
Wenn nun die Menschheit aufsteigt und die Entwicklung doch rascher vorwärtsgeht, dann ist auch die hohe Geisteswelt daran interessiert, den Menschen beizustehen und ihnen die Belehrungen zu geben, die sie haben müssen. Sie legen ihnen dieses Bewusstsein zurecht und sagen es ihnen: “Da sind deine Kinder. Sie stehen noch auf einer niederen Stufe.” Ist dann ein solches Wesen wieder in die Geisteswelt zurückgekehrt, ist es voll guten Willens, den Aufstieg zu beschleunigen. Dann plötzlich wird in ihm die Sehnsucht nach seinen Kindern wach oder nach seinem einstigen Dual, und man bemüht sich, jenen beizustehen, ihren Aufstieg zu beschleunigen.
Wie gross ist doch auch im Geiste die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern! Wie gross ist das Verlangen eines wirklich aufwärtsstrebenden Wesens, seinen Kindern beizustehen, so diese noch in den Tiefen sind. Und die Mutter fleht darum: “Schafft mir in einem neuen Leben die Möglichkeit, dass ich wieder dieselben Kinder haben darf wie einst.” Es ist rührend, wie manche Mutterseele fleht und bittet: “Schenkt mir doch die Kinder wieder, die ich einst hatte.” Die Gotteswelt macht sie darauf aufmerksam: “Du wirst viel Kummer haben, von vielen Sorgen geplagt sein, wenn du jene Kinder bekommen solltest, denn sie sind noch schwer belastet, tief verschuldet, ihre Gefühle noch so unrein.” Aber die Mutterseele antwortet dann: “Ich will es auf mich nehmen, ich will die Last tragen, wenn es meinem Kind oder meinen Kindern hilft, ihren Aufstieg zu beschleunigen.” Doch nicht jede Mutterseele kann von sich aus darüber bestimmen, ob sie diese Kinder im nächsten Erdenleben erhält, sondern die Gotteswelt wird bestimmen, ob diese Mutter wohl stark genug ist, ob man es ihr zumuten darf. Denn die geistige Welt hat doch eine Vorschau. Sie hat nicht nur das Leben der Heimgekehrten betrachtet, sondern zeichnet auch ihre Zukunft neu. Dadurch kann sie auch erkennen, ob diese Mutterseele die Kraft hat, ein schweres Leben durchzustehen, denn möglicherweise kann sie ein noch schwereres Leben mit ihrem Ehepartner haben. Die Gotteswelt kann die Tiefe der Seele durchblicken und weiss, ob es der betreffenden Mutter zumutbar ist, ob sie auch in dem Falle stark genug ist, ein so schweres Leben durchzustehen. Kann man ihr einen helfenden, schützenden Geist als Begleiter ins Leben geben, der ihr hilft, die Last zu tragen? Oder besteht die Möglichkeit, die Schuld, die auf jenen Kindern lastet, zu mindern? Es ist die Gotteswelt, die die Entscheidung trifft, denn man muss ja auch gemeinsam das Schicksal tragen. Wenn beispielsweise eine Mutterseele darum gerungen hat, ein belastetes Kind in ihrem Eheleben zu haben, ist der Ehepartner mitbeteiligt, die Schuld zu tragen. Es ist so weise gefügt, dass keines weiss, wo die Schuld lag, weshalb man ein solches Kind oder solche Kinder hat; auch wenn gesagt wird, die Eltern bekommen genau die Kinder, die sie verdienen.
Ja, liebe Geschwister, um solches kann man ringen. Eltern können aber auch in die glückliche Lage kommen, ihre wirklichen geistigen Kinder zu bekommen, die weniger belastet sind als sie selbst – Kinder, die den Eltern zum Segen sind und die später mit ihren Eltern Mühsale tragen. Wenn diese Kinder eine geistige Grösse haben, wenn sie geistig auf einer erhöhten Ebene stehen, werden sie Vater und Mutter ehren, wie es geboten ist. Sie werden Vater und Mutter nie vergessen, denn sie wissen, was sie ihren Eltern – in dieser oder jener Beziehung – schuldig sind. Kinder wissen es, wenn sie Eltern haben, die geistig in ihrer Entwicklung tiefer stehen, und sie tun gleichwohl ihre Pflicht an ihnen.
Man kann auch, meine Lieben, einen geistigen Bruder oder eine geistige Schwester suchen. Man kann im irdischen Leben eine Freundschaft haben, sich besonders gut mit einem Freund, mit einer Freundin verstehen. Und man weiss gar nicht, dass diese Freundschaft, diese Zuneigung nicht von ungefähr ist: dass es die Unsichtbaren waren, welche die Fäden zusammenknüpften zu der irdischen Freundschaft, dass man im menschlichen Leben seinen liebsten Bruder, seine liebste Schwester getroffen hat und diese Freundschaft pflegt. Wenn man dann ins Geisterreich kommt, begrüsst man sich nicht nur als Freund, sondern als Bruder, als Schwester im wahren Sinn des Wortes. Brüder und Schwestern seid ihr alle, denn ihr alle seid eine Familie.
So sucht mancher geistige Vater, wenn er jene Stufe erreicht hat und ihm dieses Bewusstsein wieder gegeben wird, nach einem seiner Lieben. Ist es ihm ernst, will er nach den Höhen streben, dann bemüht er sich, das Seinige beizutragen, um dem andern das Los zu erleichtern. Dann erwacht in ihm die wahre Liebe von einst, denn sie ist ja dazumal nur in Dunkelheit eingeschlossen worden. Und langsam hat sich doch dieser Funke Gottes wieder ans Licht hervorgetan. In ihm wird Sehnsucht wach, und der aufsteigende Geist spürt in sich wieder diese Liebe für die Seinen, diese Hingabe wie einst.
Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht besonders lieben. Sie haben keine besondere Bindung zu ihren Kindern, sie sind ihnen eine Last. Was sind das für Menschen! Wie weit stehen jene ... Was sind das für Menschen, die keine Kinder wollen? Was sind das für Menschen!
Nun, ihr kennt die Worte “Liebe den Nächsten wie dich selbst”. Ihr kennt das höchste Gesetz: für den andern leben, es dem andern ermöglichen, die Welt der Seligkeit wiederzugewinnen – diese Seligkeit schneller wiederzugewinnen. So muss man das Seinige dazu tun. Wenn ihr bedenkt, liebe Geschwister, wie lange, lange ihr schon unterwegs seid ... So wird es doch wohl Zeit, ins Vaterhaus zurückzukehren. Ihr bemüht euch darum, werdet aber dann und wann wieder schwach. Wenn ihr aber wisst, dass ihr nicht allein aus eigenen Kräften diesen Weg nach oben schreitet, dass da unsichtbare Wesen sind, die euch führen und stützen, wie viel mehr soll es euch verpflichten, aus eigener Kraft heraus etwas zu leisten, um den Weg zu beschleunigen und Diener Gottes zu werden. Denn ein jedes, gleich auf welcher Stufe es steht, soll sich fragen: “Habe ich eine Bindung zu meiner geistigen Mutter, zu meinem geistigen Vater, zu meinen geistigen Geschwistern? Bin ich schon mit ihnen zusammen gewesen? Was habe ich getan, um mit ihnen wieder vereint zu werden?” Um wieder vereint zu werden, muss man das Brot des Lebens geniessen. Denn er, Christus, ist es, der alle wieder zusammenfügen will. Er ist das Haupt, ihr seid die Glieder. Zu einer Familie sollt ihr wieder zusammenkommen, die himmlischen Ehen sollten wieder geschmiedet werden, die himmlischen Familien sollten sich wieder zusammenfinden dürfen.
Wenn ich euch von dieser Himmelswelt, von der himmlischen Ehe erkläre, wenn ihr betet: “Dein Reich komme, Dein Wille geschehe” – was tut man denn, auf dass dieses Reich komme, auf dass sein Wille geschehe? “Dein Reich komme” – ja, du sollst auch auf Erden eine solch himmlische Familie haben, eine solch himmlische Ehe führen können. Und wenn das eine oder andere Herz hier betrübt wird, weil es sich sagt: “Ich bin allein, ich stehe ganz allein. Wo ist denn das andere Du? Wo ist denn mein geistig Kind? Was bin ich denn? Warum bin ich allein?”, dann tröste ich diesen Menschen und sage ihm: “Du bist auf dem Wege, es zu finden. Du kannst dich nun im Leben stärken, auf dass du es finden wirst. Stärke dich und triff die Vorbereitungen für dieses Zusammensein.” Denn gerade wer im Leben alleinsteht und meint, er sei ganz allein, gerade er ist nicht allein. Er ist weniger einsam als jener, der ständig mit vielen zusammen ist. Wer glaubt, allein zu sein, und allein durchs Leben gehen muss, hat, wenn er gläubig ist, gute geistige Freunde; denn gerade da will die Gotteswelt Trost bringen. Dem Einsamen will sie den Beistand geben und ihm sagen: “Du bist nicht allein, spürst du mich denn nicht? Fühlst du denn nicht, dass du nicht allein bist; dass du besser aufgehoben bist bei denen, die dir unsichtbar sind?” Denn sie sollen getröstet werden – jene, die sich einsam und allein fühlen.
Darum ist man nie allein. Wer da glaubt, allein durchs Leben gehen zu müssen, ist weniger allein als jene, die in grosser Gesellschaft leben. Doch verbunden mit dem Geiste Gottes muss man sein. Mit den Geistern Gottes muss man im Bunde stehen und treu das Bündnis bewahren, indem man vom Brot des Lebens nimmt und sich bewusst ist, was man schuldig ist. Gott verlangt von euch, wenn ihr den wahren Weg kennt, dass auch ihr das Eurige leistet. Hat nicht Christus das Kreuz freiwillig auf sich genommen? Ist er nicht freiwillig ins Erdenleben getreten? Für euch hat er es getan. Und ich frage den einen und andern: “Was tust du für den andern?” Wenn man Gott liebt, tut man dem Nächsten nur Gutes an und spricht nicht wider ihn. Wer wider den Nächsten ist, nimmt nicht vom Brot des Lebens und liebt Gott nicht.
Liebe Geschwister, für heute genügt es. Ich habe euch genug Worte zum Nachdenken gegeben – zum Nachdenken und zum Befolgen, damit euch der Himmel sicher ist. Gott gebe euch Kraft und Segen dazu. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 23.9.1965 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal des Hotels Bellevue, Braunwald (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Heft 6/2018
21 Seiten, 21 × 29,7 cm