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Gott suchen und finden
Beschreibung
In der Kirche Christi wird dem gläubigen Menschen das Wissen vermittelt, das er für seine Heimkehr zu Gott haben muss. Die Kirche Christi ist – so der erste Vortrag in diesem Heft – keine weltliche Kirche. Sie ist vielmehr eine unsichtbare, geistige Lehrstätte, zu der jeder Zugang und die alle umfassen kann. Denn ein jeder gottgläubige Mensch – ob arm, ob reich, ob weiss, ob schwarz – besitzt in seinem Innersten seine eigene, wahrhaftige Kirche. Diese innere, göttliche Kirche lehrt den Menschen Gottes Wort, seine Ordnung und seine Gesetze, zeigt ihm den Unterschied zwischen dem ewigen und dem vergänglichen Leben, zwischen den ewigen und den bloss vergänglichen materiellen Werten, sie macht ihm seine Pflichten als Mensch und als Christ klar.
Sie muss er wieder kennenlernen, um den Weg zurück zu Gott beschreiten zu können. Denn der Heimweg, so ein weiterer Vortrag in diesem Heft, ist kein einfacher Weg. Es ist ein langer Weg, der von jedem Menschen aus eigener Kraft gegangen und verdient werden muss. Mit dem Beistand der Geisterwelt Gottes wird dies gelingen.
Themenheft 6/2025: Gott suchen und finden
Inhalt
Die Kirche Christi – Lehrstätte für die Heimkehr zu Gott
Linus und Josef, 9. Juni 1973
Die Kirche Christi – Lehrstätte für die Heimkehr zu Gott
In der unsichtbaren Kirche Christi wird dem gläubigen Menschen das Wissen vermittelt, das er für seine Heimkehr zu Gott haben muss. Denn die unsichtbare Kirche Christi steht unter der Herrschaft Gottes. Sie ist eine geistige Lehrstätte, wo dem Menschen Gottes Wort, seine Ordnung und seine Gesetze klargemacht werden, wo ihm der Unterschied gezeigt wird zwischen dem ewigen und dem vergänglichen Leben, zwischen den ewigen Werten und den vergänglichen Werten, wo ihm seine Pflichten als Mensch und als Christ nahegebracht werden.
Linus und Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, von nah und fern seid ihr hierhergekommen, um mit euren gleich gesinnten Geschwistern das Pfingstfest zu erleben. Pfingsten erinnert ja die Christenheit an das Versprechen des Erlösers, das er nun eingelöst. Aber heute feiert ihr auch noch das fünfundzwanzigjährige Bestehen eurer Gemeinschaft. Dazu haben wir auch etwas zu sagen. Ich versuche, symbolische Vergleiche zu ziehen. So möchte ich doch euch heute darauf aufmerksam machen, dass einst diese Gemeinschaft so viel wie eine Herberge war, ein Zufluchtsort für Gleichgesinnte. Man kam wahrhaftig, um Zuflucht zu suchen, um etwas Geborgenheit zu finden. Ja, man war sogar leisegetreten, denn damals war man nicht so stark wie heute. Damals war man noch scheu und erklärte und erzählte nicht allen, was man da erlebte. Diese Herberge war klein, aber sie gab Zuflucht Menschen, die da kamen.
Bald ward aber diese Herberge zu klein. Das Verlangen nach einer Zufluchtsstätte wurde immer grösser. Da nun die geistige Welt den Menschen die Zuflucht gab und da es sich um eine geistige Herberge handelte, musste auch die geistige Welt dafür besorgt sein, dass es noch etwas anderes geben konnte. Die Herberge wurde zu klein. So hatte man sich entschlossen – das ist symbolisch gesagt –, einen Tempel zu bauen oder die unsichtbare Kirche Christi, eine Kirche, die nun von göttlichen Baumeistern erstellt wurde, eine Kirche nicht aus Holz noch aus Stein noch aus Marmor oder anderen sichtbaren Dingen des Menschen. Unsichtbar wurde eine geistige Kirche aufgebaut, eine Zufluchtsstätte für geistsuchende Menschen und zugleich eine geistige Lehrstätte. Eine Zufluchtsstätte sollte es sein für Menschen, die das Verlangen hatten, in geistige Verbindung zu kommen. Für diese Menschen gab es und gibt es keine Grenzen. So waren alle Tore und alle Türen offen. Man konnte kommen von allen Winden dieser Erde. So umfasste dieser Tempel die suchenden Menschen und wurde für sie eine Lehrstätte.
Dieser geistige Tempel, gebaut und gestützt vom Wort Gottes, ist nicht zu vergleichen mit einer sichtbaren, irdischen Kirche, die gestützt ist und gestützt wird von ihren Dogmen und von der Herrschaft der Menschen. Er ist etwas ganz anderes: die unsichtbare, göttliche Kirche, die Lehrstätte Gottes. Denn da sollte verkündet werden, was einst versprochen wurde: dass von der heiligen Geisterwelt Gottes nun die Wahrheiten verkündet würden und dass nun die Menschen sich innerlich bereichern könnten, dass sie Trost finden würden und dass diese Kirche bestimmt sei für alle – für Arme und Reiche, für Kluge und Unkluge, für Blinde, für Sehende, für Gelähmte, für aufrecht Gehende, ohne Unterschied. Für alle sollte sie offen sein, und für alle sollte das Wort Gottes verkündet werden in seiner Wahrheit; die Gesetze Gottes sollten dargelegt, der Himmel geöffnet werden. Und einem jeden sollte gegeben werden, was er würdig ist zu empfangen, was ihm möglich ist, zu begreifen und zu verstehen.
Diese Kirche hat ihre Tore aufgetan, um das Wort Gottes zu verkünden und Gläubige zu umfangen, ihnen klarzutun, was Wille Gottes ist, wie es in den himmlischen Welten aussieht, was es für einen Sinn hat, sich mit der Geisterwelt Gottes zu befassen. Es gibt ja Menschen, sie sind nicht gewillt, sich mit den Geistern Gottes zu befassen, auch wenn man ihnen erklärt, dass diese von der Gotteswelt sind. Diese Menschen sind nämlich Bewohner einer andern Kirche. Sie gehen in die irdische Kirche, die unter menschlicher Herrschaft steht, die gestützt wird von jenen Dogmen. Dies ist nicht die geistige Kirche Christi, die unter der Herrschaft Gottes steht; denn die wirkliche Kirche Christi steht nicht unter der Herrschaft und unter dem Patronat dieses oder jenes Menschen, sondern einzig und allein unter Gottes Herrschaft. Der ganze Reichtum dieser göttlichen Kirche ist das Wort Gottes, sind die Gesetze Gottes. Das ist der geistige Reichtum, der wirkliche Reichtum. Nicht vergängliche, irdische Herrlichkeiten haben Platz in der Kirche Gottes; nicht Museen, Ausstellungsräume sollen Kirchen sein, sondern Lehrstätten, wo Gottes Wort, seine Ordnung und seine Gesetze dem Menschen klargemacht werden, wo ihm der Unterschied gezeigt wird zwischen dem ewigen und dem vergänglichen Leben, zwischen den ewigen Werten und den vergänglichen Werten, wo ihm seine Pflichten als Mensch und als Christ klargemacht werden. Das soll er gelehrt werden in der wahren Kirche Christi.
Dass nun die Menschen nicht mehr im grossen Verlangen sind, diese sichtbaren Kirchen zu besuchen, dass diese dem inwendigen Menschen nicht mehr so viel zu bieten haben, ist doch wohl verständlich; denn es sind Kirchen der Vergänglichkeit, der Menschen. Die wahre Kirche ist nicht an einen Ort gebunden. Die wahre Kirche Gottes ist überall. Das Reich Gottes ist inwendig im Menschen; inwendig muss er das Reich Gottes suchen. Zusammentun kann er sich mit Gleichgesinnten. Eine Lehrstätte kann er besuchen. Aber er soll sich klar darüber sein, dass Heiliges, von Gott gern Gesehenes, Würdiges in seiner nächsten Umgebung sein kann, dass es nicht an einen bestimmten Ort gebunden werden muss, von wo aus Macht auf Gläubige ausgeübt wird. Klar darüber muss man sich werden, dass das Reich Gottes doch wahrhaftig inwendig im Menschen ist und dass der Mensch selbst sein eigener Seelsorger sein kann, dass seine Seele das Wunderbarste ist. Seine Seele ist der Altar Gottes in der unsichtbaren Kirche. Diesen seinen Altar hat er stets in Ordnung zu halten. Seine Seele ist das Kostbarste, das Wunderbare. In seiner Seele findet er die Lebendigkeit, dort findet er Gottes Funken, Gottes Kraft, höheres Bewusstsein. In seiner Seele muss er suchen nach dem Besseren, nach dem Edleren. Selbst muss er bitten um höhere Erkenntnis. Seine eigene Seele muss er zu Gott erheben. Er muss sich darüber klar sein, dass sein Leben auf der Erde Sinn und Zweck hat. Er muss in ein inniges Verhältnis kommen mit dem Erlöser, denn immer wieder werden die Menschen daran erinnert, was er für die Erlösung der Menschheit getan.
Diese Gesetze, diese Ordnung muss man kennenlernen, und man muss wissen, dass es Christus ist, der die heilige Geisteswelt aussendet zu den Menschen, und dass sie sich um einen jeden einzelnen kümmert, gleich auf welcher geistigen Stufe er steht. Es ist nicht wie beim Menschen, wo das weltliche Ansehen von so grosser Bedeutung ist und es sogar so ist, dass in gewissen Kirchen besonders angesehene und bedeutende Menschen ihren besonderen Platz einnehmen dürfen. Das kann ja nur in einer weltlichen Kirche sein. Die wirkliche Kirche Gottes, die unsichtbar ist, die aber so gross ist, dass sie die ganze Menschheit einschliessen kann, diese wahre Kirche Gottes umfasst alle, ob weiss, ob schwarz, gleich, wie ich es erklärte, ob arm oder reich. Sie alle finden ihren Platz in dieser Kirche Gottes, denn ihnen steht Gott vor. Er ist der Vater, er wendet seinen Blick zu den Seinen. Aber mit ihm in ein wahres Verhältnis kommt man durch seine heilige Geisterwelt.
Warum denn diese Angst vor den Geistern? Die gute Geisteswelt ist bereit, den Menschen Beschützer und Führer zu sein. Und ein Zeichen dafür, dass im Allgemeinen die Menschen so wenig vom Geist verstehen, kommt da zum Ausdruck, dass sie beispielsweise sagen: “Da herrscht ein guter Geist.” Was meinen sie mit “da herrscht ein guter Geist”? Sie meinen damit eine angenehme, eine friedliche Atmosphäre; das ist ein guter Geist. Nein – unter einem guten Geist ist eine Persönlichkeit zu verstehen. Jeder soll sich einmal mit seinem eigenen Leben befassen. Er lebt, er weiss aber, dass er sterben muss. Und wenn sein Leib tot ist, dann wird er der Erde zurückgegeben; vergänglich ist er. Aber etwas ist in ihm, das ist lebendig, und das ist seine Seele. Das ist das Kostbarste. Diese Seele ist in einen Leib gekleidet, und das Ganze nennt man geistiges Wesen, lebendiges Wesen Gottes. Zurück kehrt man in die Ewigkeit, wo man hergekommen. Und wie sieht es in dieser Ewigkeit aus? Ich sagte euch, zuerst war diese Gemeinschaft eine Herberge, eine Zufluchtsstätte für suchende Menschen. Doch bald wurde sie zu klein, und Geister Gottes hatten sich als Baumeister betätigt. Und heute ist eine unsichtbare Kirche aufgebaut worden, eine jener Kirchen, die unter der Herrschaft Gottes stehen, wo Gottes Wort verkündet wird und wo die Lehrstätte der Menschen ist. Und das sollte sie sein.
Menschen haben doch das Verlangen, mit dem Göttlichen in Verbindung zu kommen, so sie frommen Herzens sind. Sie möchten näher an Gott herankommen. Aber wer gibt ihnen die Gewissheit, den wahren Weg zu finden? Hier muss man nur den Menschen auf sein Denken aufmerksam machen. Er sollte etwas überlegen, denn das Vergängliche hat mit Göttlichem nichts zu tun. Man muss sich an das Unvergängliche, an das Ewige halten, an all das, was für des Menschen Auge nicht sichtbar, nicht greifbar ist. Es fällt doch manchem schwer, das zu erfassen.
So versuche ich doch jeweils, den Menschen klarzumachen, dass alles, was hier auf dieser Erde bewunderungswürdig ist, einerseits seine Lebendigkeit hat und anderseits seinen Anfang genommen hat. Wenn ihr die wunderbare Farbenpracht dieser Blumen [auf dem Podium] betrachtet, so wisst ihr aber auch, dass ihr Leben und ihre Pracht begrenzt ist. Und wenn nun dieses Leben aus ihnen entweicht, diese Lebendigkeit nicht mehr ansprechend ist, diese Blumen verdorren und zum Unrat werden, entweicht das, was sie lebendig, bewunderungswürdig gemacht hat. Aber nicht nur im Pflanzenreich dürft ihr solches erleben. Betrachtet das Tierreich, betrachtet das Mineralreich, welche Anziehung es auf den Menschen ausübt, überhaupt, wie all das Lebendige eine Anziehungskraft auf den Menschen ausübt, ihn auf irgendeine Art und Weise besonders anspricht. Dabei ist doch all das, was auf dieser Erde ist, ja nur der Schatten vom wahren, ewigen, wirklichen Leben. All das, was vom göttlichen Licht durchdrungen und besonnt wird, das, was auf dieser Erde lebt, ist der Vergänglichkeit gewidmet. Aber die Kraft der göttlichen Sonne wird nicht vergehen; der Geist des Menschen, der Geist des Tieres, das Ewige im Pflanzenreich, das alles kehrt zurück zur grossen Ewigkeit, zum Lebendigen und vereint sich dort wieder; denn das Ewige, das, was lebendig gemacht hat, kann nicht sterben. Es geht zurück in die Ewigkeit.
Von dieser Ewigkeit etwas zu hören, liebe Geschwister, wäre für so manchen Menschen von grossem Nutzen. Denn seine Stunde kommt, wo er über die Schwelle schreiten muss und Einblick hat in diese Geisteswelt. Und dann kommt es darauf an, wer ihn begrüsst, wer diesen Heimgekommenen führt, was mit ihm gesprochen wird, wo seine Heimat ist. Wer der Geisteswelt Gottes zeit seines Lebens fremd gewesen ist, soll nicht annehmen, dass die Gotteswelt bereit wäre, dereinst einen Empfang vorzubereiten. Jemand, der nur Lügen hatte für die Ewigkeit, der wird es zu spüren bekommen, der muss sich mit der Ewigkeit vertraut machen lange Zeit hindurch. Wer aber im Glauben ist an diese Ewigkeit, wer in den Lehrstätten Gottes gearbeitet hat in seinem menschlichen Leben, der hat manches gelernt, und er wird eine andere Begegnung haben in der Jenseitswelt, und es wird eine Freude sein, wenn sein Schutzgeist sich ihm zu erkennen gibt. Und es wird eine Erleichterung für ihn sein, wenn sein Schutzgeist ihn bittet, mit ihm zu kommen zum Richterengel Gottes. Er, der Schutzgeist aber, nimmt seinen Schützling zur Seite und gewandet ihn so, wie es sich gehört, im Himmelreich in Erscheinung zu treten. Es geschieht dann, wenn man sich zum Teil diese geistigen Gewänder in seinem Leben selbst gewoben hat. Es ist möglich, mit seinem Denken und Wollen seine Gewänder selbst zu weben.
Die Schutzgeister und die geistigen Wesen, die sich mit dem Menschen befassen, sie werden alles tun, um das äussere Erscheinen so vornehm wie nur möglich zu gestalten. Und es ist möglich, dass der Schutzgeist selbst die Gewänder mit seinem Schützling tauscht. Es ist möglich. Sein Schutzgeist bietet ihm ein schönes Gewand an, und er will damit sagen: “Damit man dich nicht kennt als den, der du warst.” Und der Schützling wird dementsprechend ein besseres Aussehen haben. Der Schutzgeist kann dafür besorgt sein.
Ihr Menschen ahnt nichts von diesen Dingen. Ihr ahnt nichts von dieser Hilfe, die euch wahrlich gegeben werden kann und gegeben wird, wenn ihr das Eurige dazu getan habt, um die wahre Kirche Gottes zu erhalten. Und es wird sehr angenehm für einen verstorbenen Menschen sein, sich im warmen Gewand des Schutzgeistes zu fühlen und vor jene erhabenen Wesen hinzutreten, die gleich erkennen, was geschehen. Aber ist es nicht auch so bei euch Menschen, dass ihr einem guten Freund etwas gebt, ihm aus der Not helft? So ist es in der Geisteswelt Gottes. Einem Freund hilft man gerne aus der Not. Und jene Not ist nicht zu vergleichen mit eurer weltlichen. Wenn die Geisterwelt Gottes sich des Heimkommenden annimmt und mit ihm hintritt zum Altar Gottes – da, wo jene Fürsten des Himmels sind und sich um die Heimgekommenen kümmern, sich nach ihnen erkundigen und wissen wollen, was sie ihrem Leben für einen Sinn gegeben und was sie in der Schöpfung Gottes mit geleistet haben –, so ist es wichtig, in der Jenseitswelt auch als eine Stütze der geistigen, unsichtbaren Kirche Gottes gelten zu können.
Betrachtet die Christenheit von heute. Sie in ihrer Ohnmacht zu sehen, ist zum grossen Leidwesen der Geisterwelt Gottes. Ist es doch so bedeutungsvoll und so wichtig, dass die wahre Kirche Christi sich hier auf dieser Erde aufbauen und entfalten kann. Die wahre Kirche Christi muss eine Lehrstätte Gottes sein und zugleich eine Stätte der Erbauung, der Erlabung. Man muss sich glücklich fühlen, in dieser Lehrstätte Gottes zu arbeiten und zu wirken, denn diese Welt mit den Menschen, die da leben, ist so weit weg von Gott. Das wisst ihr am besten selbst, denn die Unehrlichkeit, die Herrschsucht der Menschen und die Kriege führen die Menschen von Gott weg. Gott nahekommen heisst mit ihm in seinem Denken und Wollen eins werden, ihn kennenlernen und erfassen, wie er ist in seiner Güte, in seiner unendlichen Liebe, in seiner grossen Nachsicht. Erkennen, was Wille Gottes ist, das sollten die Menschen. Solange der Materialismus seine Blüten überall treibt auf dieser Welt, bewegen sich Menschen von Gott weg statt in seine Nähe.
So kann man es besser verstehen, wenn ich von der wahren Kirche Christi rede und von den göttlichen, unvergänglichen Reichtümern in dieser wahren Kirche. Diese Reichtümer sind Gottes Wort, Gottes Ordnung, Gottes Gesetze, und man soll diese Reichtümer pflegen und schätzen. Man kann sie finden überall, wo die wahre Kirche Christi steht; denn diese wahre Kirche Christi heisst Herrschaft Gottes. Gott will seine Herrschaft ausüben zum Heil der Menschen und zu ihrem Wohl und Fortschritt. Es ist aber doch wohl nur möglich, wenn man anfängt, sich mit dieser göttlichen Welt etwas mehr zu befassen, wenn man über Sinn und Zweck des Lebens, über das Woher und Wohin nachdenkt und sich ernstlich befasst mit der Frage: “Wem muss ich einst Rechenschaft geben?” Diese Antwort muss man sich selbst geben können. Jeder gibt seinem Schöpfer Rechenschaft ab. Im Namen Gottes wirken die Heiligen des Himmels. In seinem Namen und im Namen Christi gehen sie, die Heiligen, hin zu den Menschen, in ein jedes Haus, wo Menschen bereit sind, ihre Herzen und ihre Seelen zu Gott zu erheben, sich nach ihm auszurichten. Dort kommen sie hin, die Heiligen des Himmels, und bemühen sich um den Menschen. Sie führen ihn durchs Leben. Sie nehmen Interesse an seinem Leben. Sie schieben ihn vorwärts, aufwärts, den Höhen entgegen. Sie betrachten seine innere geistige Kraft und fördern seine göttlichen Eigenschaften; denn ein jeder Mensch ist für den Himmel wertvoll. So treten sie hin zum Menschen, und sie versuchen, seinem Denken Klarheit, höheres Denken zu geben, seine Seele zu erleuchten. Sie versuchen, aus seiner Seele einen Altar Gottes herzurichten. Sie versuchen, dem Menschen das Gefühl höheren Bewusstseins zu geben, dass er sich mehr und gewissenhaft mit seinem Tun befasst.
So sollte doch eine jede Seele ein leuchtender Stern sein in dieser unsichtbaren Kirche Gottes, von der Gotteswelt gesehen. Die Gotteswelt soll aufmerksam gemacht werden auf diese aufwärtsstrebenden, edlen Menschen, denn die Gotteswelt braucht sie. Kehren sie zurück, ist man über ihre Einkehr beglückt. Man zählt sie, die Geistgläubigen, und man erklärt dem König, wie viele es sind, die seinem geistigen Reiche zugehörig sind, die mit ihm innig verbunden. Und die Fürsten des Himmels, sie treten hin vor Gott, den Mächtigen. Die Fürsten des Himmels, sie flehen um Gnade für die Menschheit. Sie flehen und bitten ihren König, er möge sich dieser Menschheit annehmen. Denn wie steht es mit der geistigen Entwicklung der Menschheit? Es ist wohl nicht überall zum Besten bestellt mit den Völkern dieser Erde. So wollen die Fürsten des Himmels ihrem König doch etwas darbieten.
Sie wollen ihn nicht nur loben und preisen, sie wollen ihm sagen:
“Du hast der Menschheit Erlösung gebracht. Das, was Du der Menschheit gebracht hast, hat so unendlich viele Früchte getragen. Es sind unendlich viele der Menschen mit Dir aufs Innigste verbunden. Schenk Du dieser Menschheit Deinen Frieden zu Deiner Ehre, zu Gottes Ehren und zur Ehre dieser Menschen, die in ihrem Bemühen und Mühen stehen um den Frieden dieser Welt. Zeige Dein Erbarmen diesen Menschen zuliebe, die die leuchtenden, die stützenden Pfeiler der wahren Kirche Christi sind. Zeige ihnen Dein Erbarmen. Schenk der Menschheit Deinen Frieden. Lass die Menschheit in Frieden leben.”
Sie bitten ihren König darum in eurem Namen. Ihr betet doch um den Frieden dieser Welt. Soll dieses Gebet für den Frieden dieser Welt nicht gehört werden?
Wenn ihr zurückkommt in die Ewigkeit, begleitet man euch vor den Altar Gottes. Man hat euch zuerst umgekleidet, man hat euch die Gewänder eurer Schutzgeister angezogen und tritt dann mit euch vor Christus und kniet nieder; denn er ist Herr der himmlischen Welt. Alle, die in christlicher Gesinnung mit ihm verbunden, sind ihm zugehörig, sind die Seinen, und sein Heer muss gestärkt und gemehrt werden.
Die Seinen, die da leben für den wahren Glauben, für den Frieden dieser Welt, sie sollen von der Gotteswelt gesehen und gesegnet werden. Wer da zurückkommt, der soll diese wunderbare Schau haben dürfen. Er soll die Herrlichkeit des Königs erleben dürfen, denn sein Leben hat er ja für ihn gelebt. Er soll ihn sehen und erleben dürfen. Und das, liebe Geschwister, ist nicht etwas Unmögliches. Dafür aber muss man in dieser Welt das Seinige dazu tun. Dafür muss man in dieser Welt die Vorbereitungen treffen. Man muss göttliches Ansehen bekommen. Und dieses Ansehen gewinnt man, wenn man göttliche Augen auf sich lenkt. Indem man in Gottes Gefälligkeit lebt und wirkt, wird man von der Gotteswelt gesehen und geführt.
Heute vermögt ihr es nicht zu fassen, was ich euch erkläre. Es kommt für manchen nur gar zu schnell die Zeit, wo er dort stehen wird und wo er Umschau halten wird nach dem Gewande, von dem ich jetzt gesprochen habe, damit er besseres Aussehen erhält. Er will und wird Umschau halten und sich vergewissern, dass alles, was er hier gehört, seine Richtigkeit hat und dass er in den Nutzen dieser Geisteslehre gekommen ist. Und so kann ich euch versichern, liebe Geschwister, ihr werdet alle in den Genuss dieser Vorzüge kommen, so ihr wahre Gläubige in der wirklichen Kirche Christi seid, die Lehrstätte Gottes ist, und so ihr bereit seid, euch in eurem Leben vertraut zu machen mit dieser himmlischen Lehre, damit ihr niemals als Fremdling, als Aussenseiter in die Ewigkeit eintreten müsst. Nicht umsonst sollen unsere Worte gewesen sein. Wir stehen da für euch, wir bürgen für euch, für euch alle, die ihr Träger dieser Gemeinschaft seid und die ihr willens seid, weiter diese Gemeinschaft zu stützen und zu entfalten. Wir sind eure Bürgen, wir stehen vor euch, wir umhüllen euch mit unseren Gewändern. Wir schreiten mit euch dahin vor jene Gestrengen Gottes. Wir reden für euch. Denn von grosser Bedeutung ist es, den wahren Tempel Gottes aufzubauen, in ihm zu leben, in dieser Lehrstätte zu wohnen, sein Wissen zu bereichern, geistige Gewinne herauszuholen und im Dienst des Nächsten zu sein.
So mag doch alles, was auf dieser Welt ist, dem Untergang gewidmet sein – Gottes Wort niemals, Gottes Wille niemals, Gottes Ordnung niemals, Gottes Gesetze niemals. Und was an geistigem Reichtum ihr erworben habt in eurer Seele, wird lebendig bleiben und auch nicht vergehen. Um diesen geistigen Reichtum werdet ihr froh sein. Und ihr werdet mit eurem eigenen geistigen Reichtum zu den heiligen Geistern hintreten, von einem zum andern, und anpreisen lassen dieses geistige Gut. Man gibt euch den Lohn dafür. Man zahlt euch den Preis dafür, denn es ist für euch Menschen nicht immer leicht, für die wahre Kirche Christi einzustehen und dazustehen. Doch braucht ihr heute nicht leisezutreten. Heute ist eure Gemeinschaft stark geworden, stark seid ihr in der Einheit miteinander geworden, stark seid ihr geworden, weil Gottes Auge auf euch und eure Gemeinschaft gerichtet ist.
Und so ward es im Laufe der Jahre doch auch notwendig, dass das, was nicht in diese Gemeinschaft gehörte und nicht seinen würdigen Platz einnahm, aus dieser Gemeinschaft entfernt wurde. Und so werden wir es in Zukunft halten. Was sich nicht bewährt, wird von uns mit der Zeit entfernt; denn es soll nur das Reine, nur das Wahrhaftige in dieser Gemeinschaft seinen Platz finden, denn aufgebaut ist sie, diese Kirche Christi, von den Baumeistern Gottes. Sie haben diese Kirche Christi aufgebaut und zur Entfaltung gebracht. Euch Menschen wäre es nicht möglich gewesen, dazustehen, für sie einzustehen und sie zur Entfaltung zu bringen, wenn nicht Gott euch die Kraft gegeben, den Segen, sein Wohlgefallen auf euch ausgerichtet hätte. So hat sein Gedeihen und seine Entfaltung, was Gott gefällig ist – und was nicht in Gottes Gefallen ist, ist von kurzer Lebensdauer.
Wenn ihr euer Werk, das ihr aufgebaut, heute betrachtet, soll es euch mit Genugtuung erfüllen – ahnt ihr ja nicht, was ihr der Welt für einen Samen in die Tiefe der Erde gelegt habt; ahnt ihr ja nicht um die hohen Werte, die ausgesetzt sind für eine bessere Zeit; ahnt ihr ja nicht darum, dass diese Worte, die euch gegeben worden sind, dereinst immer wieder gelesen, überprüft werden, dass man sich danach ausrichtet, dass man weiter schöpft, weiter ausbaut, weiter entfaltet. Und so strömt der Segen Gottes über diese Gemeinschaft, dass sie sich entfaltet.
Aber der Segen Gottes soll auch in die Herzen der einzelnen Menschen gelangen, denn dort ist dieser Segen Gottes so notwendig wie für euch die tägliche Sonne, das tägliche Brot, das Wasser, das ihr braucht zum Leben. So notwendig ist für euch dieser auf euch ausgerichtete Segen in eurer Seele, denn nur mit diesem Segen Gottes ist es möglich, manch Denkungsweise zu ändern und zu besseren, höheren und edleren Entschlüssen zu kommen. Nur mit dem Segen Gottes ist es möglich, dass die Seele Erleuchtung findet, dass man sein Leben anders gestaltet, dass man ein würdiger Diener in der Schöpfung Gottes wird. Die Geistwesen, die sich in der Gotteswelt ständig mühen, euch mit Segen zu umfangen, euch zu beglücken mit Gefühlen von Harmonie und Frieden – es können Freunde und Angehörige von euch sein, denen der Zugang ermöglicht wird, aber es können auch die wunderbaren heiligen Engel Gottes der Gemeinschaft sein, die ihre Augen auf euch richten und euch führen und lenken.
An Pfingsten, liebe Geschwister, werdet ihr ja an die heilige Geisteswelt erinnert. Und ich erinnere euch die ganze Zeit hindurch, dass die Geisterwelt Gottes ihren Einfluss auf euch ausübt. Ihr sollt verbunden sein und bleiben mit der Geisterwelt Gottes, so ist sie euch treu ergeben. Und dereinst will man euch mit Überraschungen empfangen, wenn ihr zurückkehrt. Denn ihr sollt als Freunde einkehren – für eure Einkehr wird man die Vorbereitungen getroffen, euer Haus geschmückt, euer geistig Gewand bereitgelegt haben, um mit euch hinzugehen zu jenen hohen Geistern des Himmels und von euch und eurer Gemeinschaft zu erzählen. Versucht, euch im wahren, tiefen Glauben fest zu verankern. Lasst nicht los diesen Glauben an die heilige Geisteswelt, denn in einem jeden Menschen selbst ist Heiliges, ist ein heiliger Geist. Sorge er dafür, dass ihm diese Heiligkeit erhalten bleibt, und entheilige er sich nicht selbst. Sorge er für die Heiligkeit seiner Seele. Sorge er für Ordnung in seiner Umgebung, sorge er dafür, dass dieses Heilige zu seiner täglichen Nahrung gehört – damit ihr eingeschlossen seid in eine Familie mit Christus, denn ihm seid ihr versprochen, ihm seid ihr zugehörig. Haltet euch fest in der Gemeinschaft mit ihm, und es wird euch dereinst wohl bekommen.
So, liebe Geschwister, glaube ich, habe ich für heute genug getan, um eure Seelen zu erfüllen mit göttlicher Wärme und euch das Gefühl der Sicherheit zu geben, in der Verbindung mit dem Göttlichen zu leben und gesehen zu werden. Sorgt ihr dafür, dass sich eure Heiligen nie von euch abwenden müssen. So bleibt in heiliger Verbindung mit uns, und seid weiter die Stützen der Gemeinschaft für die wahre Kirche Christi, für jene mit ihren unvergänglichen, hohen Werten, die niemand rauben kann, die niemand vernichten kann. Diese Werte werden dereinst in der Geisteswelt offenbar, sie werden gepriesen und gerühmt werden, und um sie wird geeifert werden. Das soll ein wahres christliches Leben sein.
Nun, liebe Geschwister, haben wir morgen wieder Gelegenheit, miteinander in Verbindung zu kommen. So möchte ich euch heute mit dem Segen Gottes entlassen und euch die Gewissheit geben, von der Gotteswelt gesehen worden zu sein. Die Heiligsten des Himmels haben ihr Auge auf euch gerichtet, denn ihr seid doch Arbeiter im Weinberge Gottes und sollt es bleiben. So möge Gottes Segen euch beglücken – ihr sollt erstarken und gesunden an Leib und Seele, um in eurer Welt und für uns die Aufgaben zu erfüllen, die von euch von der Gotteswelt verlangt werden. Gott segne euch alle durch seine heilige Geisteswelt. Tritt ein, Hoher des Himmels! Komme er zu euch hernieder, zu einem jeden Einzelnen, berühre seine Stirn, gebe ihm den Segen Gottes mit dem Zeichen des Kreuzes zum Zeichen der Verbundenheit mit Christus, dem König. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Linus unter Mitwirkung von Geistlehrer Josef vom 9.6.1973 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Das höhere Bewusstsein im Menschen verlangt nach Gott
Josef, 14. April 1973 (Ausschnitt)
Das höhere Bewusstsein im Menschen verlangt nach Gott
Josef: [...] Liebe Geschwister, wir machen euch doch jeweils aufmerksam auf das höhere, göttliche Bewusstsein im Menschen. Wer pflegt denn schon dieses höhere Bewusstsein? Das heisst also, man muss sich auch als Mensch nach etwas Höherem ausrichten. Im Menschen ist etwas, das danach verlangt, das er mit seinem Verstande wohl nicht begreifen kann. Aber es muss ihm klar werden, dass es etwas Unvergängliches ist, was in ihm ist. Wenn er die Gläubigkeit hat und Gott bejaht, dann wird er auch zu Christus Ja sagen; er wird anerkennen, dass Christus im Auftrage Gottes die grosse Aufgabe erfüllt hat und die Menschheit vom geistigen Tod, von dieser Trennung von Gott, befreite. Christus, der König der Geisteswelt Gottes, ging im Auftrage des Vaters, weil er die Seinen wieder zurückgewinnen will. Die Menschen sind hier auf dieser Welt ja nur vorübergehend Gäste. Der grosse Gastgeber ist Christus. Gott hat ihn beauftragt dazu, Gastgeber zu sein; und die Menschen, die da leben, geniessen dieses Gastrecht. Ein Gastrecht sollte man stets schätzen. Aber um zum Bewusstsein zu gelangen, dass man Gast ist, dazu braucht es schon etwas mehr. Dieses zu erkennen, heisst, in seiner Seele höheres Bewusstsein zu haben, sich nach höheren Dingen auszurichten.
Heute werden in der Christenheit so viele voneinander abweichende Lehren verkündet; in derselben Kirche wird auf der einen Seite etwas bejaht, auf der andern Seite verneint. So ist sich der Gläubige im Grunde genommen gar nicht mehr sicher, was er denn glauben soll – da wird dieses verkündet, dort jenes; es gibt keine Übereinstimmung der Lehre mehr. So versucht man, sich mit aller Klugheit herauszureden und so zu tun, als ob es doch eine Einigkeit gebe. Diese gibt es aber nicht, wenn in derselben Kirche die einen etwas bejahen und andere es verneinen. Hier ist keine Einheit des Glaubens mehr vorhanden. Man könnte mir entgegnen: “Ja, schliesslich weiss ich ja auch nicht mit Bestimmtheit, ob das, was du zu uns redest, Wirklichkeit und glaubhaft ist; man hat zu wenig Beweise dafür.” Ja, hier muss ich erwidern: Jeder gottgläubige Mensch besitzt in seinem Innersten seine eigene, wahrhaftige Kirche Gottes, und diese wahrhaftige Kirche Gottes ist lebendig. Sie wird geführt, geleitet, gesteuert von oben, gelenkt von oben. Wie ist dieses möglich? Wir sprechen doch von der Kostbarkeit der Seele des Menschen, von dem Unvergänglichen, das im Menschen ist, das ihn an Gott bindet. So heisst es auch, Christus und Gott möchten beim Menschen Wohnung nehmen, sie möchten beim Menschen wohnen, in ihm sein. Die Herrschaft Gottes, die Herrlichkeit oder Führung Gottes wird in die Seele des Menschen übergeleitet. Darum sprechen wir von einem göttlichen Bewusstsein. Göttliches trägt der Mensch in sich. Das Wahrhaftige in ihm verbindet ihn doch mit Gott; in ihm ist ein winziger Bestandteil von Gott – doch dem Geiste nach; seine Seele ist von göttlichem Lichte umfangen. Mag sie beim einen noch in Dunkelheit liegen, bei einem andern mehr strahlen, so ist dies ein Zeichen entweder von seiner Gottesferne oder von seiner Gottesnähe. So ist im Menschen die wahrhaftige Kirche Gottes. Und dieses ist auch so zu verstehen: Steht ein Mensch da und weiss nicht mehr, was er glauben, wohin er gehen, wem er sein Vertrauen schenken soll, dann soll er sich Zeit nehmen, um ins Gespräch mit Gott zu kommen, um näher an ihn heranzugelangen, und ihn inständig bitten und flehen: “Gib mir die Erkenntnis. Gib mir, dass ich Dich verstehen kann. Lass mich Dich erleben.” Aber dieses soll nicht nur ein einmaliges, momentanes Verlangen sein. Es muss von Herzen kommen, aus der Tiefe der Seele heraus. Ja, ich möchte es fast so sagen: Da, in deinem stillen Kämmerlein, wo dich niemand sieht, wo du von niemandem gehört wirst, da flehe zu Gott. Und wenn du über Monate oder über Jahre hinaus ein und dieselbe Bitte vortragen musst, dann wird auch dir die Möglichkeit gegeben, zu diesem Erlebnis zu kommen – zu einem wahrhaftigen, lebendigen Glauben und zum Erleben von Gottes Nähe.
Unter diesem Gottesbewusstsein verstehen wir doch eben die Wahrhaftigkeit, das Erkennen der Gesetze Gottes und dass man aus sich heraus schöpfen kann, dass jeder Wankelmut des Glaubens dahingeht. [...]
Der Geist der Wahrheit bringt Aufklärung über Gott und seine Gesetze
Josef, 10. März 1973 (Ausschnitt)
Der Geist der Wahrheit bringt Aufklärung über Gott und seine Gesetze
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, und alles andere wird dazugegeben (Mat. 6, 33). Das Reich Gottes zu suchen, wird selbst einem Gläubigen nicht immer leicht gemacht, und ebenso wird das Suchen andern Suchenden schwer gemacht. Die Gerechtigkeit findet man im Reiche Gottes in der Ordnung und ihren Gesetzen. Christus hatte gesagt: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden, und er wird euch in viele Dinge einweihen.”
Nun gibt es ja Menschen, die nur das glauben wollen, was sie sehen und fühlen, was sie messen und beweisen können. Diese Menschen kennen die geistigen Gesetze nicht; sie haben keine Ahnung vom Heils- und Ordnungsplan Gottes. Es gibt Menschen, die dem Mitmenschen ihre eigene Überzeugung, ihre Ansichten aufzuzwingen versuchen. Diese Menschen versuchen den Mitmenschen zu überzeugen, indem sie ihn an ihren eigenen Ideen befestigen. Sie wenden im gewissen Sinne geistige Gewalt an.
Gott hat dem Menschen als höchstes Geschenk, das er ihm geben konnte, die freie Willensentscheidung gegeben. Der Mensch selbst soll aus sich heraus entscheiden und erkennen können, was gut oder was falsch ist. Wenn es ihm aber an der notwendigen Überlegungskraft fehlt, so sollte er, wenn er gläubig ist, doch darum bitten, dass er Erleuchtung findet, um zu erkennen, was Wahrheit ist. Wenn einer in die Ewigkeit zurückkommt, kann er sich nicht darauf berufen, dass man ihm diese oder jene Lehre aufgezwungen hätte. Es soll jedem Menschen selbst überlassen sein zu entscheiden; er selbst soll die Kraft finden, zu erkennen, was gut und was schlecht ist.
Wenn es sich um geistige Dinge handelt, darf man diese geistigen Dinge nicht mit Menschlichem verwechseln; es darf auch nicht menschliches Denken und menschliche Überzeugung für Geistiges ausschlaggebend werden. Was sich im Geistigen abspielt, vermag wohl ein gottfremder Mensch überhaupt nicht zu erkennen. Wenn man schon gar nicht willens ist, die Wahrheit zu erforschen und nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit zu suchen – nach geistiger Art und Weise und nicht nach menschlicher Art –, wenn man diesen Weg zum Geistigen nicht findet, kann man auch zu keiner echten Entscheidung kommen. Man muss sich mit dem geistigen Leben, mit den geistigen Gesetzen und der geistigen Ordnung vertraut machen.
Wenn Christus davon gesprochen hat, er werde den Geist der Wahrheit senden, ist dies doch wohl ein grosses Wort, das er ausgesprochen hat. So müsste man annehmen, dass ein Geist der Wahrheit dem Menschen Aufklärung bringt. Denn der Geist der Wahrheit, der aus dem Reiche Christi kommt und in dieser Ordnung lebt, muss doch über die geistigen Gesetze und die geistige Ordnung Bescheid wissen. So gilt wohl das Wort eines solchen Geistes mehr als das Wort des Menschen.
Die Menschen, die in dieser irdischen Welt leben und beeindruckt werden von allen Äusserlichkeiten und von den menschlichen Gesetzen und von ihrer Ordnung, glauben, solches in das Geistige mit einbeziehen zu können. Nun, Menschen, die andere auf eine solche Art und Weise belehren und glauben, dass sie diese Belehrungen, die sie bringen, mit ihren irdischen Gesetzen vereinen könnten und das gute Recht hätten, Behauptungen aufzustellen, tragen eine grosse Verantwortung und werden dereinst zur Rechenschaft gezogen werden.
Auf solche Weise kann der Mensch anderen Schaden zufügen. Menschen können den wahren Weg nicht finden, weil sie falsch unterrichtet und beeinflusst werden. Ich möchte aber ausdrücklich darauf hinweisen, dass es im persönlichen Willen des Menschen liegt, die Entscheidung zu treffen, ob er glauben oder ablehnen will. Wenn einer auf der Suche nach dem Reiche Gottes ist, dann braucht es dazu viel Geduld, um das zu finden, was er sich wünscht. Es ist ihm aber die Möglichkeit gegeben, dieses zu finden.
So versuchen wir doch stets, den ganzen Menschen – innen und aussen – anzusprechen. In erster Linie werden wir aber den inwendigen Menschen ansprechen; wir werden zur Seele des Menschen reden. Und der Mensch, der zuhört, was gesprochen wird, nimmt es in sein Gedächtnis auf, und er fällt die Entscheidung, ob er dieses nach innen weiterleitet oder ob er seine Entscheidung nach dem Äusseren, das auf ihn Eindruck macht, richtet. Denn das Geistige ist doch das Ewige, das, was der Mensch jetzt mit seinen Händen nicht tasten kann. So sollte doch auch alles Geistige nach den geistigen Gesetzen und nach der geistigen Ordnung beurteilt werden.
Wir legen immer grossen Wert darauf, in den Erlebnisberichten [siehe die gleichnamige Buchreihe] darzulegen, dass man in der Geisteswelt, wenn man sich auf einer einigermassen erhöhten Stufe befindet, über den Heils-, den Ordnungs- und den Schöpfungsplan unterrichtet wird. Dies alles soll dazu dienen, den Heimkehrenden die wirkliche Antwort und die Beweise zu geben. Man wird den Heimkehrenden darüber unterrichten. Man kann ihn aber auch, wenn es der betreffende verstorbene Mensch verdient, im Geiste zurückführen und ihm die Rückschau geben. Man kann ihm solches vor sein geistiges Auge führen, damit er es erleben kann. Es sind jedoch wahrhaftig seltene Fälle, wo solches dem einen oder andern gestattet wird, es zu erleben, um schneller zu höherer Erkenntnis zu kommen. Denn man darf nicht vergessen: Was ein Mensch im Leben verschuldet, indem er andere Menschen am Aufstieg behindert, das wird in der Geisteswelt Gottes nicht so ohne Weiteres übergangen.
Geistige Belehrungen können nicht einfach irdischen Erlebnissen gegenübergestellt werden. Das Geistige, das dem Menschen erklärt wird, wird aus der Ewigkeit entnommen und spricht das Geistige im Menschen an. Es ist seine Seele – das, was unvergänglich ist, was in ihm ewig ist; das, was ihn mit Gott vereint, was ihn mit Gott eins machen soll, denn der Mensch trägt ja in sich einen winzigen göttlichen Bestandteil. Er soll eins werden oder eins sein mit Gott, denn er ist aus Gott und trägt in sich Göttliches. Wir könnten es als göttliches Licht bezeichnen. Es ist doch der Funke in ihm, von dem immer wieder geredet wird. Dieser ist aus Gott. Der Mensch ist Erbe Gottes, er gehört zu Gott. Daher sollten diese Erklärungen aus dem Reiche Gottes kommen und den Menschen belehren – ihn auf den Weg führen, damit er die geistigen Höhen schneller erreicht. Er muss ja wieder seinen Platz im Himmelreich einnehmen können, den er einst innehatte, und dazu braucht es sehr viel.
Jeder gläubige Mensch weiss wohl, dass es dem Menschen nicht leicht gemacht wird. Man betet doch, dass man nicht in Versuchung kommt; man wünscht, mit Gott eins zu werden, und lebt im Verlangen, die himmlische Glückseligkeit wieder zu erleben. Man hofft und nimmt an, dass man es nach dem irdischen Tode gleich wieder erleben würde. Die Erklärungen, die Erlebnisberichte die ich euch jeweils gebe, dienen dazu, die Ordnung Gottes und ihre Gesetze kennenzulernen. [...]
Das Wort Gottes liegt in der Natur dieser Erde
Josef, 17. Januar 1970
Das Wort Gottes liegt in der Natur dieser Erde
Wer sich mit dem Werden und Vergehen des Lebens auf dieser Erde beschäftigt, wird so viel Wunderbares entdecken. Aber man muss das Wort Gottes suchen, denn es ist nicht so laut vernehmbar. Hat man es aber gefunden – welch wunderbarer Klang! Darin enthalten ist die ganze Lehre der Schöpfung und des Erlösungsplans.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, das Gespräch von mir zu euch wird zum Gottesdienst. Ich bin euer Diener und bin im Dienste Gottes, ich diene also Gott. So versuche ich jeweils, diese stillen Fragen, die euch bewegen, mit der Zeit zu beantworten. Ich stelle aber fest, dass treue Freunde oft dieselben Fragen haben wie neue Freunde, die hierherkommen.
Im Laufe der Zeit war es mir möglich, euch verschiedene Erklärungen und Belehrungen zu geben, die von keiner Kanzel einer christlichen Kirche je gegeben wurden. Ich versuche also, euer Wissen zu bereichern, euch mit der zukünftigen Welt vertraut zu machen; ich möchte euch auch im Leben höherführen, euch Sinn und Zweck des Lebens erklären.
Nun möchte ich aber eben auf diese stillen Fragen zurückkommen, die der eine und andere hat. Gerade heute lebt ihr in einer bewegten Zeit. Viele Kriege verschiedener Art, an verschiedenen Orten werden ausgetragen, schreckliche Kriege, und da fragt sich gerade der Religiöse, der Suchende: “Hat denn wahrlich Gott die Menschheit verlassen, sieht denn Gott dieses Elend der Welt nicht?” Und der Fromme sagt: “Ich bete ständig um den Frieden für diese Welt”, und auch er fragt sich: “Ist es vielleicht so, dass sich Gott von dieser Welt abgewandt hat? Wenn es doch einen Gott geben würde, könnte er doch einschreiten, und es brauchten nicht Millionen unschuldiger Menschen zu sterben und zu hungern. Warum lässt er solches zu? Hört er denn die Gebete nicht, hat er sich denn wirklich von der Menschheit abgewandt?”
Ja, diese Frage kann berechtigt sein, wenn sie von jemandem gestellt wird, der sich in der geistigen Lehre nicht auskennt oder der nicht von einem hohen Geiste so erleuchtet ist, dass er die Antwort darauf hat. Nun werfen aber auch vertraute Freunde – und nicht etwa nur solche, die neu zu dieser geistigen Lehre stossen – diese Frage auf: “Hat uns denn Gott verlassen? Denn wir beten ja ständig.” Und der alternde Mensch sagt: “Jetzt habe ich schon zwei Weltkriege hinter mir, und nun erlebe ich diese andern Kriege auch noch. Wohl sind sie von meinem Haus oder von meinem Ort entfernt, aber das Kriegserlebnis dringt ja auch an uns heran. Nichts wie Kriege, nichts wie Kriege, dabei beten wir doch um den Frieden der Welt!” Und so fragt sich eben der eine: “Hat sich denn Gott von uns abgewandt, hört er uns nicht? Denn wir flehen doch um den Frieden für die Menschheit.”
Nun, liebe Geschwister, ich mache euch auf Christi Worte aufmerksam, um euch verständlicher zu machen und euch auf die Ursache hinzuweisen, warum es in dieser Welt so geworden ist, warum es so ist und noch lange so bleiben wird. Als Christus am Kreuz in den grössten Schmerzen war, rief er die Worte aus: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mat. 27, 46). Christus, der doch in so enger Verbindung mit dem Vater war, musste diese Worte aussprechen: “Warum hast du mich verlassen, gerade in der Zeit grösster Not, wo ich dich so brauchen würde?”
Wenn ihr heute einen Christenmenschen fragt, was denn diese Worte wohl bedeuten – ich glaube kaum, dass es ausserhalb eurer Gemeinschaft mehr als eine Handvoll wären, die die Erkenntnisse hätten, um die richtige Antwort zu geben. Sogar von den Freunden, die ich als Freunde und Vertraute betrachte, könnten nicht alle mir die Antwort darauf geben. Jetzt möchte ich aber nur kurz darauf eingehen, weil ja immer wieder neue Freunde hierherkommen und weil ich anderseits meinen vertrauten Geschwistern nicht zumuten kann, immer wieder dasselbe mit anzuhören.
Wenn Christus diese Worte ausrief, dann deshalb, weil er mit seinem geistigen Auge seine geistigen Helfer nicht mehr sah. Denn Gott hatte ihm seine geistigen Geschwister in seine Nähe gesandt, und er hatte sie sehen dürfen, und seine geistigen Geschwister hatten ihm eine unsichtbare geistige Speise zur Stärkung gegeben – so wie es ja heisst, dass er im Garten Gethsemane von Engeln Gottes einen Becher erhalten hatte, um sich zu stärken (Luk. 22, 43). Es waren also für den Menschen unsichtbare Wesen da. Christus als der Sohn Gottes und in höchstem Masse hellsehend und hellfühlend konnte eben das geistige Leben erkennen, das sich in dieser irdischen Welt abspielte. Er konnte die geistigen Kämpfe sehen, die sich abspielten, und er wusste, dass die Menschen Werkzeuge jener geistigen Wesen [aus dem Reich Luzifers] waren. Und nun, in seinen grössten Schmerzen am Kreuz, war er sich selbst überlassen. Als Mensch musste er nun entscheiden, ohne eine Hilfe von Gott – so wie es auch heute noch beim Menschen ist, dass er in bedeutenden Dingen aus seinem eigenen, persönlichen Willen die Entscheidung zu geben hat.
Geister Gottes sind gerne da, um den Menschen zu führen und zu inspirieren. Geht es aber um bedeutende Dinge seines Lebens, muss der Mensch selbst entscheiden. Denn da entscheidet nämlich nicht nur der äussere Mensch, sondern die Entscheidung kommt von innen heraus. Es ist seine innere Einstellung, die er hat, es ist die innere Überzeugung, die innere Kraft, die herausdringen kann und ihn zu dieser oder jener Entscheidung führt. Also musste Christus als Mensch entscheiden, ganz selbstständig. Und er tat es: Er entschied sich für Gott. Durch seine Entscheidung hatte er die Menschheit von ihrer grossen Schuld erlöst.
Es ist so vielen Christenmenschen nicht bekannt, dass sie in dieser Welt, wo sie als Mensch leben, unter der Herrschaft des Teufels sind – ich spreche dieses Wort nie gern aus, aber ich muss es doch, um recht eindringlich zu wirken, um auf diese Weise euch Menschen endlich verständlich zu machen: Der Teufel beherrscht die Welt und die Menschen, die darauf wohnen. Der Teufel ist der Vater der Lüge, und er hat alle Schlechtigkeit in sich; er besitzt den Geiz, den Neid, die Herrschsucht, die Habgier und was es alles an Untugenden gibt. Das ist des Teufels Regiment, mit dem regiert er die Welt oder die Menschen meinetwegen. Er beeinflusst sie in der Habgier, er beeinflusst sie in allen Untugenden, in allen Schlechtigkeiten – er ist der Vater davon, und er hat die Menschen in seinem Bann, er ist der Herr.
Anderseits steht Christus da, der mit seiner Lehre diese Menschheit beeinflussen, beeindrucken will; Christus steht auf der andern Seite mit seiner grossen Liebe, mit seiner Demut, mit seiner Bescheidenheit, mit seiner Nachsicht, mit seinem Verzeihen, mit seiner Güte, mit dem hohen, edlen Wesen. Es ist das hohe, edle Leben, das wirken soll unter den Menschen.
Und mittendrin stehen die Menschen. Sie können entscheiden, was ihnen gefällig ist: in den Bann des Teufels zu kommen, viele Annehmlichkeiten zu besitzen oder es so zu tun, wie Christus es empfohlen hat, als er sagte: “Wenn einer dich auf die Wange schlägt, halte ihm noch die andere hin. Wenn einer von dir den Rock verlangt, gib noch den Mantel.” (Mat. 5, 40.) Man muss es verstehen, was das heisst; man muss diese Worte in ihrem wahren Sinn verstehen können.
Denn der Teufel ist es, der sagt: “Du musst dir das nicht gefallen lassen, du musst dich dagegen wehren, du hast das Recht. Du hast das Recht, den andern zu betrügen, du musst für dich schauen. Was kümmert es dich, ob der andere zu essen hat oder ob er betrogen ist? Kümmere dich nicht darum.” Das ist Teufelswerk, und Menschen ahnen es nicht; sie glauben ja womöglich nicht einmal an den Teufel. Anderseits wird ihnen von der Kanzel christlicher Kirchen verkündet, was zu tun und was zu lassen ist, wie man zu leben hat. Aber diese christlichen Kirchen haben von der Wahrheit so viel unterschlagen, dass es den Menschen, der da zuhört, nicht mehr beeindruckt. Er kann einfach nichts anfangen mit dem, was ihm gesagt wird, weil es keinen Inhalt hat.
Wenn aber dem Menschen klargemacht würde, welchen Sinn und Zweck menschliches Leben oder überhaupt das Leben auf dieser Welt hat, dann würde er sich auch mehr mit Gott befassen.
Gott hat den Menschen nicht verlassen – die Menschen verlassen Gott. Denn sie stellen sich ja in den Bann dieses Luzifers; sie leben ihm zur Freude und Gefälligkeit. Wo ist da ein Mensch von edler Grösse, der bereit ist zu verzichten und der ein vornehmes Wesen hat, der sich nach den hohen Zielen des Lebens ausrichtet, der sich mit seiner ganzen Gesinnung und mit seinem ganzen Wesen auf die Seite Christi stellt? Denn er soll nun auch beweisen, dieser Mensch, wohin er gehören will. Das ist es, er muss nämlich selbst entscheiden.
Die Geister, die um den Menschen sind, beeinflussen ihn, und es sind gute und es sind böse Geister, die den Menschen beeinflussen können. Aber wie ich erwähnte: Es kommt auch die Stunde an den Menschen, wo er ohne Einfluss – ob von guter oder von böser Seite – zu entscheiden hat. Das muss man wissen.
Es wäre wohl anders bestellt in dieser Welt, wenn man Sinn und Zweck des Lebens kennen würde und wenn man sich wirklich klar darüber wäre, wessen Werkzeug man ist, welcher Macht man sich unterstellt – dass man auch Werkzeug einer niederen Macht sein kann. Aber überlegt euch doch einmal selbst, wie es um den Menschen steht, wenn man nicht daran glauben will, dass im Menschen ein Geist ist, der wieder zurückkehren wird in seine geistige Heimat.
Man sollte sich doch viel mehr mit dem Werden und Vergehen beschäftigen. Wenn Menschen klagen, sie hörten nichts von Gott – wenn sie das Wunderbare, das sie überall umgibt, nicht sehen, nicht hören, nicht fassen können, dann ist ihnen nicht zu helfen. Denn dieses Werden, dieses Leben auf dieser Erde ist doch etwas Wunderbares, Gottgefügtes. In der Natur dieser Erde liegt doch das Wort Gottes. Aber man muss dieses Wort Gottes suchen, es ist nicht so laut vernehmbar; denn es ist etwas Kostbares, man muss nach ihm suchen. Hat man es aber gefunden, dieses Wort Gottes, welch wunderbarer Klang! Welche Vielheit liegt in diesem Klang, in diesem Wort Gottes: Vieles ist darin enthalten; die ganze Lehre der Schöpfung, des Erlösungsplans ist darin enthalten.
Und da behaupten Menschen, Gott hätte sich von der Menschheit abgewandt. Sie sagen, er solle ein Wunder tun – und sie sehen die täglichen Wunder nicht. Sie wollen andere Wunder sehen. Doch würden ihnen diese Wunder gegeben, wären sie nicht lange stichhaltig für sie.
So muss der Mensch da, wo er lebt, beweisen, wohin er gehört. Er muss fähig werden, Gottes Wort zu hören. Er muss sich nach innen ausrichten, nach innen hören; sein geistiges Ohr muss geschult werden, und sein geistiges Auge muss sehen können. Denn das, was auf dieser Erde lebt, ist ja alles nur grobstofflicher, vergänglicher Natur; das ist doch alles der Vergänglichkeit gewidmet, es besitzt nicht die Ewigkeit.
Christus aber deutete doch auf diese Ewigkeit hin, als er sagte: “Ich bin das ewige Leben; wer an mich glaubt, wird leben, obgleich er stürbe” (Joh. 11, 25–26). Diese Worte verstehen kann nur ein geistig ausgerichteter Mensch. Andere sagen doch: “Wenn ich gestorben bin, bin ich gestorben.” Ja, für sie gibt es nur das irdische Leben und dann den Tod, und weiter gibt es nichts. Sie denken nicht daran, dass Christus aufgefahren ist in den Himmel, dass er das ewige Leben ist und dass es so sein muss, wie er gesagt: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen; ich gehe euch voraus, um euch eine Wohnung vorzubereiten” (Joh. 14, 2–3). So sollte man doch endlich daraufkommen, dass es noch eine andere Welt gibt, dass man von dieser anderen Welt sprechen muss und dass sie ihre Gesetze und ihre Ordnung hat.
Und wenn da vielleicht der eine oder andere sagt: “Ich bin ja nur ein kleiner Mensch; wie kann denn Gott mich überhaupt sehen und seine Aufmerksamkeit auf mich lenken; das ist doch unmöglich” – so kann man hier nur die Antwort geben: Der einfache Bürger im Staate hat wohl auch nicht zu jeder Zeit, wann es ihm passt, die Möglichkeit, mit der obersten Behörde seines Landes in Verbindung zu kommen. Aber er hat die Möglichkeit, sich an jene Menschen zu wenden, die den Zugang zur obersten Behörde eines Landes haben. Man sollte also wissen, dass man ein Glied im Staate ist und einer Ordnung unterstellt ist, und zwar jener Ordnung, die von der Obrigkeit befohlen ist. Und so ist es auch mit dem Reich Gottes. Man soll nicht glauben: “Gott sieht mich nicht, ich bin ja zu unbedeutend.” Denn es sind genügend Geister Gottes da, die sich um den Einzelnen kümmern und ihn sowohl in seinem menschlichen Leben als auch später im geistigen Reich so lenken, wie es notwendig ist und sein muss für ihn. Denn im geistigen Reich ist eine Ordnung, und alles vollzieht sich in dieser Ordnung. Es ist eine wunderbare Ordnung.
So ist doch der Mensch mit seinem Schutzgeist verbunden sowie mit seinen verstorbenen Angehörigen und Freunden. Sie haben in der göttlichen Welt wiederum ihre Verbindungen und können die Anliegen des Menschen aufnehmen und weitertragen; sie können höheren Orts darum bitten, dass, wenn es sein darf, diesem Menschen geholfen wird. Die geistigen Wesen können auch Vorbereitungen treffen für seine Zukunft, wenn er von dieser Welt scheidet. Sie können dafür sorgen, dass er in der jenseitigen Welt in eine vorbereitete Wohnung eintreten darf, wenn er sich zeit seines Lebens darum verdient gemacht hat. Es gibt also eine Verbindung vom einen zum andern bis zum Höchsten. Und sie alle stehen unter Gesetz, das wirksam ist.
Nun, liebe Geschwister, ich erkläre euch jeweils anhand von Erlebnisberichten die geistige Welt mit ihrer Ordnung. Aus diesen Berichten könnt ihr entnehmen, wie euer eigenes jenseitiges Leben dereinst aussehen könnte – dass es euch gleich oder ähnlich ergehen könnte wie diesen Verstorbenen, wenn ihr euer Leben gleich oder ähnlich gestaltet, wie diese es als Mensch getan hatten. Ich will ja mit diesen Erlebnisberichten die für die Menschheit so fremde Welt auftun; ich will euch die geistige Welt vertraut machen. Ihr sollt euch doch nicht ängstigen vor der Zukunft. Ihr habt gar keine Ursache, euch vor diesem Heimgang, der jedem bevorsteht, zu ängstigen – sofern man in seinem Leben nicht Untertan Luzifers gewesen ist. Wenn einer sich um das höhere Leben bemüht hat, wird er doch in eine viel schönere und glücklichere Welt eingehen dürfen, wo es keine Kriege, keine Verbrechen gibt; wo man zwar auch arbeiten muss, wo man aber im Frieden leben kann und in einer ständigen Sehnsucht, in einem ständigen Verlangen nach Schönerem und Besserem lebt und nach dem Schöneren strebt. Wie kann man sich denn so gebunden fühlen an diese irdische Welt, wo es doch gilt, einmal Abschied von ihr zu nehmen?
Liebe Geschwister, wenn ihr euch um das höhere Leben bemüht und euch auf die Seite Christi stellt, habt ihr nur zu gewinnen. Aber es hat seinen Sinn, dass ihr hier als Menschen leben müsst; denn als Mensch könnt ihr viel mehr geistige Gewinne erzielen, viel mehr erreichen als in der göttlichen Welt. Wenn ihr dann im Reiche Gottes seid, sind viele Dinge nicht mehr vorhanden, mit denen man sich belasten kann: beispielsweise das Geld – um das muss man sich dann nicht mehr kümmern; und lügen und betrügen kann man auch nicht mehr, denn alles ist offensichtlich. Also muss man einsehen, dass dieses menschliche Leben ein Leben voller Prüfungen und harter Prüfungen ist. Denn in diesem Leben auf dieses oder jenes zu verzichten, fällt wahrlich manchem Menschen schwer. Denn diese Welt bietet ihm so viel Angenehmes, und er glaubt, dieses Leben in vollen Zügen auskosten zu müssen.
So ist es eben notwendig, dass man sein Ohr dahin lenkt, wo man geistige Belehrungen empfängt. Und diese geistigen Belehrungen werden – wie ich gesagt habe – von den Kanzeln der christlichen Kirche nicht verkündet. Denn es ist wie bei irdischen Gütern: Das Kostbare an irdischem Gut ist selten; Kostbarkeiten, seien es nun kostbare Edelsteine, kostbare Gemälde oder was es auch sein mag, sind nicht im Überfluss vorhanden – um das Kostbare muss man werben und ringen. Und so ist es um die christliche Lehre bestellt: Die Wahrheit, die da verkündet wird, ist so kostbar geworden, sie hat noch mehr Seltenheitswert. Und weil sie so kostbar und so selten ist, ist sie eben untergegangen, man findet sie nicht – man muss schon wirklich auf die Suche gehen.
Aber wie es ja auch Menschen gibt, die im Besitz von irdischen Kostbarkeiten sind, so ist es möglich, dass Menschen das Höchste an geistiger Kostbarkeit, die unvergänglich ist, in sich tragen können. Die irdischen Kostbarkeiten können vernichtet werden, doch das Geistige nicht. Und so muss man sich um diese geistigen Kostbarkeiten bemühen.
Kommt nun ein Verstorbener zu uns und erkennt, dass er in seinem menschlichen Leben eigentlich Gott nicht besonders die Ehre gegeben hat, so steht er in dieser neuen Welt und sieht als Erstes nur seine Angehörigen und einige Bekannte, die ihm sagen müssen: “Du musst demütig und bescheiden werden; du musst dich an Gott wenden, denn er ist der Herr über alles, er ist der Schöpfer; unter seiner Herrschaft leben wir.” Und dieser Heimgekommene versteht solche Worte noch nicht; im Gegenteil, er verlangt, ihn zu sehen, diesen Gott. Im menschlichen Leben hatte er ihn nicht gesehen; jetzt, wo er im geistigen Reiche ist und erkennt, dass man weiterlebt, verlangt er danach, diesen Gott zu sehen. Und da muss ihm klargemacht werden, dass er bescheiden sein soll, dass er gar nicht fähig wäre, Gott anzuschauen, da er selbst noch von einer solchen Niedrigkeit und ohne jeden Glanz sei; er könnte niemals das Licht ertragen, und es sei noch ein langer Weg zu diesem Gott, um ihn erleben zu können.
So muss er sich zuerst einmal mit dem Gedanken befassen, nach diesem Gott zu suchen, für ihn zu leben. Und dann fängt man an, es ihm zu erklären: “Weisst du, der Himmel hat viele Stufen. Durch Christus wurdest du erlöst, das heisst, der Weg ins Himmelreich ist wieder aufgetan; aber jetzt stehst du noch auf der untersten Stufe. Du musst dich jetzt bemühen, Stufe um Stufe zu nehmen, um dereinst diese Herrlichkeit zu erleben.” Dann wird man ihm Aufgaben geben, und er wird lernen müssen, er wird unterrichtet werden über den Schöpfungsplan, über den Erlösungsplan. Er wird auch arbeiten müssen, ja, hart arbeiten, und es mag für ihn enttäuschend sein, in dieser geistigen Welt arbeiten zu müssen. Es braucht lange, bis er sich mit diesem Gedanken voll und ganz befasst hat und bis er erkennt, was diese neue Welt alles in sich birgt und von ihm verlangt – dass es eine Welt von feinstofflicher Natur ist und der Mensch nichts anderes ist als ein einverleibter Geist, der in einer grobstofflichen Materie lebt, in einer Welt, wo alles vergänglich ist, wie sein Leib, den er bei seiner Geburt erhalten hatte.
So muss er lernen, und es fällt manchem wahrlich schwer. Es fällt jenen schwer, diese neue Welt anzunehmen, die zeit ihres Lebens Untertanen Luzifers waren; es fällt jenen schwer, denen bei ihrer Heimkehr Engel Gottes gegenüberstehen, die nicht viel Worte mit ihnen verlieren, sondern sie eigentlich kurzerhand irgendwo verbannen, weil sie es nicht anders verdient haben, da sie in ihrem menschlichen Leben so viel Unheil angerichtet und sich so belastet haben. Man lässt ihnen Zeit, Zeit zum Nachdenken, und man lässt sie die Herrschaft Gottes spüren. Sie bekommen die Herrschaft Gottes zu spüren, aber auch die Gnade und die Liebe Gottes. Alles geschieht in seiner gerechten Art und Weise.
So, liebe Geschwister, gab ich euch wieder Einblick in die göttliche Welt. Es lohnt sich, über sein Leben, das man lebt, nachzudenken. Es lohnt sich, zu hoffen und sich auf die Zukunft zu freuen, wenn man mit Gott und für Gott lebt, wenn man mit Christus lebt, für ihn lebt und wirkt, und wenn man für den Mitmenschen lebt und ihn liebt.
So möge Gottes Segen über euch alle kommen. Möget ihr erleuchtet und gestärkt werden. Möget ihr gesunden an Leib und Seele, die ihr krank seid. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 17.1.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Der Weg zum Vater führt über die Verbundenheit mit Christus
Josef, 17. Dezember 1967
Der Weg zum Vater führt über die Verbundenheit mit Christus
Christus hat der Menschheit die Erlösung gebracht. Er hat ihr den Weg geebnet, damit alle zu Gott heimkehren und wieder eins werden mit ihm. Diesen Heimweg zu finden, ist nicht leicht; denn der Weg zurück zu Gott ist ein langer Weg, der von jedem Menschen aus eigener Kraft gegangen und verdient werden muss. Mit dem Beistand der Geisterwelt Gottes, mit ihrer Führung und Hilfe wird es gelingen.
Josef: Gott zum Gruss.
Himmlischer Vater, die Deinen bitten Dich, Du mögest im Namen Jesu Christi sie alle segnen. Du mögest sie auch mahnen, ihnen beistehen in jeder Stunde von Gefahr. So bitten sie Dich, o Herr, gib ihnen die Kraft, dass sie nach Deinem Wohlgefallen leben können. Amen.
Meine lieben Geschwister, ihr seid hierhergekommen, um im Gedenken an Jesus Christus dieses Liebesmahl einzunehmen. Ihr zeigt so eure äussere und innere Verbundenheit zu Christus. Die Geisterwelt Gottes freut sich, euch in diesem Verlangen zu sehen. Sie will euch beistehen in jeder Zeit eures Lebens. Sie will mit euch die Freuden eures Lebens teilen; sie will aber auch die Leiden tragen, die euch der Alltag, das Leben bringt.
Heute gedenkt ihr der Geburt des Herrn. In seinem Gedenken feiert ihr dieses Liebesmahl. Eine wunderbare Verbindung ist von euch zur göttlichen Welt geknüpft. Christus sprach: “Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, bin ich mitten unter ihnen” (Mat. 18, 20). So sendet er die heilige Geisterwelt aus, damit sie in seinem Namen wirkt, unter euch ist und mit euch geht auf all euren Wegen.
Ihr werdet nun darauf aufmerksam gemacht, dass an diesem heiligen Christfest besonders die Liebe und der Friede zum Ausdruck kommen sollten. Es ist Christus selbst, der euch zuerst Frieden und Liebe entgegengebracht hat. Durch seine Menschwerdung hat er euch wieder mit dem Vater versöhnt. Er hat seine Aufgabe erfüllt.
Denkt einmal darüber nach, wie lange ihr schon auf dem Wege seid. Lang ist euer Weg, den ihr bisher zurückgelegt habt. Denkt daran, wie viele Milliarden von Jahren diese Erde besteht. Euer Weg war lang bis hierher. Davon ahnt ihr wohl kaum etwas. Eine lange Zeit ist es. Ihr Menschen habt nicht die Begriffe von Zeit wie wir in der geistigen Welt. Ihr könnt es vielleicht verstehen, wenn wir sagen, bei uns spielt die Zeit nicht die Rolle wie bei euch Menschen. Bedenkt, wie lange es her ist, dass diese Erde besteht – und ihr seid schon länger auf dem Wege zu Gott.
Es sind noch keine zweitausend Jahre, dass Christus geboren wurde, dass er sich auf den Weg gemacht hat, um euch zu erlösen, um euch heimzuführen, keine zweitausend Jahre. Denkt an die Milliarden von Jahren, die es brauchte bis zu diesem Zeitpunkt, da ihr hier seid. So lange seid ihr schon auf dem Wege zu Gott. Christus ist euch entgegengegangen, um euren Weg zu kürzen, um Mittel und Wege zu finden, um euch schneller heimführen zu können. So hat der Himmel seine Tore wieder aufgetan, und ihr könnt zurückkehren zum Vater.
Es ist aber nicht so einfach, diesen Heimweg zu finden. Denn ihr habt eine grosse Aufgabe zu erfüllen. Ihr musstet eingekleidet werden in einen irdischen Leib, um euch auf dieser Erde zu bewähren, in dieser Welt, die für euch geschaffen wurde. Es ist eine Welt, die viel Unfrieden und Zwistigkeiten kennt, die viel Lüge und Falschheit hat. Ihr wurdet in eine Welt hineingeboren, deren Herrscher jener Verführer war, der euch dazu zwang. Er trägt zum grössten Teil die Schuld an eurem Fall. Noch steht ihr unter seinem Einfluss, unter seinem Einfluss wird die Welt regiert. Es sind die Lüge, die Falschheit, der Egoismus, all diese unschönen Dinge. Durch diese Welt muss der Mensch gehen. Der Heimweg ist nicht so leicht; es wird ihm nicht so leicht gemacht, seine Stätte wieder zu finden. Zeigen soll der Mensch, dass er alles Übel überwinden und dass er dem Einfluss des Bösen entfliehen kann. Jetzt kann er in seine Heimat zurückkehren, da er weiss, dass der Weg zu Gott frei geworden ist, dass er erlöst wurde durch Christus, den Erlöser der Menschheit. Aber der Weg ist nicht leicht, denn zu sehr steht der Mensch unter dem Einfluss jenes Bösen, das täglich versucht, an ihn heranzukommen.
Betrachten wir einmal den Menschen, und betrachten wir die wunderbare Lehre von Jesus Christus, die dem Menschen den Weg frei macht zum Vater. Aber betrachten wir auch diesen schweren Weg, der zu gehen ist. Es wird dem Menschen nicht leicht gemacht. Wahrhaftig muss er seinen Weg zurück verdienen. Das Böse hat seinen Einfluss auf den Menschen, es lauert wie der Dieb in der Nacht und kann so den Menschen bezwingen. Er fällt der Versuchung anheim. Der Einfluss der niederen Geisterwelt ist gross. Daraus geht doch hervor, dass der Mensch bereit ist, diesem Niederen Gehör zu schenken.
“Wer glaubt, ohne Schuld zu sein, der werfe den ersten Stein.” Solche Worte sprach Christus. Er sagte es damals, als man eine Frau der Untreue wegen anklagte und man sie dem Gesetze nach steinigen wollte. Christus sagte ihnen: “Wer ohne Schuld ist, hebe den ersten Stein” (Joh. 8, 7). Es ist heute noch ähnlich unter den Menschen: Man ist bereit, Klage zu führen; ist man unzufrieden, klagt man den andern an. Hat man wohl das Recht dazu? Hat man überhaupt das Recht, über sein Schicksal zu klagen? Ist man wirklich ganz frei, unbeeinflusst vom Bösen? Wer glaubt, nicht unter dem Einfluss dieser niederen Welt zu stehen, kann den Stein heben. Aber es wird keiner da sein, der diesen Stein aufheben könnte. Denn Schuld – beim einen in kleinerem, beim anderen in grösserem Masse – ist vorhanden. Es geht darum, sich zu versöhnen. Man soll sich in jeder Lebenslage versöhnlich zeigen. So viel Unangenehmes dringt an den Menschen heran, denn er steht unter dem Einfluss des Bösen. Er soll das Böse und Niedere bezwingen, denn Christus hat der Menschheit die Erlösung gebracht, und er sprach vom Frieden, von der Liebe. Man muss sich vom Bösen abwenden und sich dem Guten zuwenden.
So soll man Christus nachfolgen, seine Lehre befolgen. Er zeigte zuerst Versöhnung. Er hat sich aufgemacht und ist den Seinen entgegengegangen. Der Vater gab ihm den Auftrag: “Gehe hin und versuche es, damit sie wieder zurückkehren in dein Reich.” Gott hat Christus die Macht über das Reich der Geister gegeben. So gehört ihr, liebe Geschwister, in sein Reich. Sein Reich ist das Reich des Friedens, der Liebe, der Demut, der Bescheidenheit. Ihm sollt ihr nachfolgen.
Wenn ihr euch aufmacht, um hierherzukommen, um im Gedenken an Christus dieses Liebesmahl einzunehmen, sollt ihr hier wieder die Kraft holen und dann gestärkt von dannen gehen können. Denn euch wird nahegelegt, wie ihr euch im Leben benehmen sollt, wie ihr euch dem Nächsten gegenüber stellen müsst. Christi Geist, Christi Wesensart wird euch auf eine so deutliche Art und Weise nahegebracht. Eins mit ihm sollt ihr werden. Das ist doch euer Verlangen: eins zu sein mit ihm und dem Schöpfer. Ihr wollt, dass er bei euch wohnt. Reinigt euer Innerstes so, dass es ihm möglich ist, in eure Nähe zu kommen. Erhebt eure Gedanken, sie sollen gereinigt sein. Ist euch dies möglich, dann bereitet ihr in eurer Seele einen Tempel. In diesem Tempel wollen die Heiligen des Himmels wohnen. Sie wollen mit euch, in euch sein.
Ihr wisst, dass es möglich ist, dass man von einem niederen Geist besetzt sein kann und dass dieser niedere Geist Macht ausübt auf den ganzen Menschen. Solches ist möglich. Es sollte so sein, dass der innig verbundene Christenmensch seinen Tempel so geschmückt hat, dass er innerlich gehoben ist, damit ein heiliger Geist in ihm ist und aus ihm wirken kann. “Ich will bei euch sein alle Tage eures Lebens bis an euer Welt Ende.” Dies sollen nicht nur einfach symbolische Worte sein, sondern man soll diese Worte wirklich verstehen: Im Geiste Christi gehen die Heiligen aus, um bei euch zu wirken, um euch den Weg zu erleichtern, damit ihr wieder heimkehren könnt.
In eurem Leben, das ihr auf dieser Erde lebt, das einige Jahrzehnte dauern kann, sind euch grosse Probleme gegeben. Bedeutende Aufgaben werden an euch gestellt und müssen erfüllt werden. Stellt euch doch euer Leben vor auf dieser Welt, das nur einige Jahrzehnte zählt – im Gegensatz zur Länge eures geistigen Lebens, zur Länge eures geistigen Weges, auf dem ihr euch befindet: Lange ist dieser Weg, schon lange seid ihr im Aufbruch. Hier auf Erden sind euch nur einige Jahrzehnte gegeben, und in diesen wenigen Jahrzehnten sollt ihr etwas Bedeutendes für euer Fortkommen erfüllen. Eine kurze Probe ist es, ein Examen, das ihr bestehen sollt. Durch Härten, durch diese Bedrängnisse müsst ihr gehen, die diese Welt auf sich geladen hat durch den Einfluss des Bösen. Ihr müsst euch hindurcharbeiten durch diese Dunkelheit in diesen paar Jahrzehnten; durch die Dunkelheit müsst ihr ans Licht schreiten. Ihr habt viel gewonnen, wenn ihr zum Lichte geführt wurdet. Viel habt ihr dann erreicht.
Denkt jetzt an die Zeit, wo die Christenheit an die Geburt des Erlösers erinnert wird und sie sich innerlich und äusserlich im Glauben festigen sollte. Denkt an die Oberflächlichkeit des Glaubens, der unter der Christenheit herrscht. Denkt an jene Menschen, die nicht glauben können. Sie verweilen in der Dunkelheit dieser Welt; sie leben unter dem Einfluss des Bösen. Sie werden gehindert, sie bestehen ihre Prüfung nicht. Wie schade ist es. Sie sind schon viele Milliarden von Jahren auf dem Weg. Sie dürfen hier in einer Welt leben, wo die Botschaften des Himmels immer wieder verkündet werden, wo ihnen immer wieder erklärt wird, dass sie sich aufmachen sollen. Denn der Weg ist frei, um heimzukehren. So viele sind nicht bereit zu glauben. Sie wollen andere Beweise. Diese Botschaften bedeuten ihnen nichts. Sie bestehen diese Prüfung nicht. Sie sind weiter unterwegs auf dem Wege, auf dem langen Weg zu Gott.
Welchen Vorteil besitzen jene Menschen, die in dieser innigen Verbindung sind zu Christus und zur heiligen Geisterwelt, die sich aus dieser Dunkelheit herausgeschafft haben und ans Licht gekommen sind! Doch wenn sie auch in diesem geistigen Lichte des Glaubens und der Erkenntnis leben, ist immer noch Schatten da, der Schatten von jenem Einfluss des Bösen. So steht der Mensch im ständigen Kampf um seinen Aufstieg. Es wird ihm nicht leicht gemacht, doch wird ihm verkündet und nahegelegt, was sein Leben für einen Sinn hat. Wenn ihm immer wieder Sinn und Zweck allen Lebens erklärt wird, fasst er neuen Mut. Er strengt sich aufs Neue an und vermag eher, Schwachheiten zu überwinden.
Es geht doch in dieser heilsamen Zeit darum, sich zu versöhnen – nicht nur mit den Menschen, mit denen man zusammenlebt, sondern auch mit Gott. Ein Weiteres soll man tun: Man soll sich mit Gott versöhnen, indem man den Vorsatz fasst: “Ich will nach Deinem Wohlgefallen leben, ich will den Frieden verbreiten, ich will Dir nahe sein.” So sollte nun jeder Mensch die Kraft aufbringen, stetig etwas zu verbessern.
Die Gotteswelt verlangt nicht von euch, dass ihr von heute auf morgen zu heiligen Menschen werdet. Dieses ist nicht möglich in einer solchen Welt des Materialismus, das weiss die Geisterwelt Gottes viel zu gut. Aber sie baut auf euch, sie baut auf eure Treue, auf euren festen Glauben an die heilige Geisterwelt, an Gott, an Christus. Bewahrt diesen Glauben, und seid euch immerdar bewusst, dass die heilige Geisterwelt euch nahesteht. Sie will euch immer nahebleiben. Und dies alles ist möglich, wenn ihr euer Denken hebt, wenn ihr innerlich mit der göttlichen Welt verbunden seid, wenn ihr euch nach den Gesetzen Gottes ausrichtet.
Einen wirklichen geistigen Nutzen werdet ihr davontragen, wenn ihr dieses Liebesmahl einnehmt, wenn ihr innerlich verbunden bleibt mit Christus, wenn ihr versucht, im Geiste zurückzuwandern in jene Zeit, wo er darum bat – versucht, mit eurem inneren Ohr zu hören, wie er die Worte sprach –: “Tuet dies zu meinem Gedenken”, wenn ihr euch sagt: “Dieses, o Meister, tue ich zu Deinem Gedenken. Sei Du mit mir durch Deine heilige Geisterwelt. Lass mich nicht los, behüte und beschütze mich.” Wenn du in deinem Innersten so denkst, dann wirst du einen grossen Nutzen haben, denn nicht umsonst bewahrst du das Andenken an Jesus Christus.
In dieser heiligen Zeit wirst du daran erinnert, dass du Liebe und Frieden verbreiten sollst, dass aber dieses nicht begrenzt sein soll auf diese heiligen Tage. So versuche dich im Geiste zu erheben und Gott näherzukommen. Dann ruht das göttliche Wohlgefallen auf dir, auf deinem Leben, dann ziehen dich die Heiligen ans Licht und lassen dich nicht mehr los. So bewahre das Andenken an Jesus Christus und bereite dein Innerstes vor zu einem herrlichen Tempel.
Wenn man zum Tische des Herrn schreitet, soll man seine geistigen Schulden begleichen. Versuche nun, in deinem Innersten Ordnung zu machen mit allem, was dein äusseres Leben betrifft, damit du möglichst ohne Schuld am Tische des Herrn stehst. Denke darüber nach, was du zu ordnen hast. Versöhne dich im Geiste mit allen Menschen, die in irgendeiner Weise dir etwas zuleide getan haben. Vergib, damit Gott dir auch vergibt.
So wollen wir nun eine Stille über euch kommen lassen, damit ihr nachdenken könnt.
Vater im Himmel, die Deinen sind bereit, allen ihren Schuldnern zu vergeben. So vergib auch Du ihnen ihre Schulden. Und segne sie, und behüte sie.
Vater im Himmel, segne dieses Brot, Sinnbild vom Leibe Jesu Christi, der gestorben ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne dieses Brot, und lass es jedem zum Heile werden, der davon nimmt.
Himmlischer Vater, segne diesen Wein hier, Sinnbild vom Blute Jesu Christi, das am Kreuz geflossen ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne diesen Wein, und lass ihn zum Heile werden für jeden, der davon nimmt.
Nun bitte ich, euch zu erheben; nehmet, esset und trinket davon.
Vater im Himmel, die Deinen danken Dir für den Segen, den Du ihnen gegeben hast, und sie danken für alle Wohltaten des Lebens. Sie rufen Dir zu, o Herr: Heilig, heilig, heilig bist Du in alle Ewigkeit. Amen.
Liebe Geschwister, in dieser heiligen Stunde sind viele von euren nächsten Angehörigen bei euch gewesen. So wollen wir nun mit einem Gebet und mit Musik diese heilige Stunde beenden. So möge Gott euch alle segnen. Möget ihr alle mit der heiligen Geisterwelt, mit Christus, dem Erlöser, und mit dem himmlischen Vater in inniger Verbindung sein. Gott zum Gruss.
Abendmahlansprache von Geistlehrer Josef vom 17.12.1967 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Heft 6/2025
21 Seiten, 21 × 29,7 cm