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Themen
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 6/2022 zum Thema Meditationen über Christus
Geistige Welt 6/2022
Meditationen über Christus
Beschreibung

Wie kann der Mensch seine Verbindung zu Christus inniger gestalten, ihm näherkommen, ihm vielleicht sogar im Geiste begegnen – ihm, dem König und Erlöser, dem ein jeder sein Dasein verdankt und ebenso die Möglichkeit, zum Vater und in die einstige geistige Heimat zurückzukehren? Die Meditationen des vorliegenden Heftes bieten eine wunderbare Gelegenheit, sich mit Christus zu verbinden. So beleuchtet Geistlehrerin Lene verschiedene Stationen aus dem Erdenleben Christi und führt einem so vor Augen, was der König der Geisterwelt für die Erlösung der Menschheit auf sich genommen hat. In einer weiteren Meditation nimmt Lene einen mit in einen prachtvollen, mit Bildern und Mosaiken reich geschmückten himmlischen Tempel. Jedes dieser Bilder hat seine besondere Bedeutung, denn ein jedes ist ein tiefer, sinnreicher Hinweis auf Christus und sein Erlösungswerk. In weiteren Meditationen zeigt Lene auf, wie Christus sich zu allen Zeiten um den Aufstieg der Menschen, ja die Entwicklung aller Wesen kümmert und wie es zudem möglich sein kann, ihn im Geiste auch aus nächster Nähe zu erleben.

Themenheft 6/2022: Meditationen über Christus

Inhalt
Der Erlöser der Menschheit

Lene, 20. Juli 1960

Der Erlöser der Menschheit

Geistlehrerin Lene geht in dieser Meditation den Weg in eine prachtvolle himmlische Kirche, deren Inneres von grossen Künstlern neu gestaltet wurde. Jedes Bild, jedes Mosaik der himmlischen Meister hat seine besondere, tiefe Bedeutung. Sie weisen den Betrachter auf Christus hin und führen vor Augen, was sein Erlösungswerk für einen jeden Menschen bedeutet.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ich versuche nun diese Stunde, euch im Geiste zu führen, und ich möchte sagen, wir öffnen ein Stück vom himmlischen Tor und schreiten hindurch. Auch in dieser Stunde sind die Bilder, die ich euch erkläre, zum Teil symbolisch, zum Teil aber ist es Wirklichkeit; denn wenn ich euch die Tore der Geisterwelt öffne, erkläre ich euch etwas vom Vorhandensein dieser andern Welt. So möchte ich jetzt mit euch allen in eine grosse Kirche treten. Ich möchte sie vergleichen mit einem Dom mit kunstvoll verzierten kleinen, grossen und alles andere überragenden mächtigen Türmen; ein Turm am andern ragt schmal und hoch hinauf. Im Gesamten ist es ein Gebilde, das ich euch nicht so gut erklären kann; aber ich kann euch eines versichern: Der schönste Dom, den ihr vielleicht schon gesehen habt, ist nicht so schön wie der, von dem ich rede. Er besteht aus weissem Marmor und ist auf einer Sandbank inmitten eines Sees gelegen. Infolgedessen hat man nicht so leichten Zugang zu diesem wunderbaren Dom. Erklären möchte ich euch, wie man dahin kommt und wer alles sich aufmacht, diese Kirche aufzusuchen. Es sind Schiffe von allerlei Art, die ihren Weg zu diesem Dom nehmen. Es sind wunderbare Segler mit erhabenen Wesenheiten. Mit ihnen kommt in einem andern Schiff ein grosses Gefolge.

Im Geiste sollst du nun mitgehen, du sollst das Gebäude und alles, was ich dir sage, erleben können, wie herrlich diese Kirche steht so mitten im See. An den Mauern ragen die herrlichsten Orchideen empor. Am Fusse der Sandbank, die leise von den Wassern umspült wird, sind die herrlichsten Seerosen in Weiss, in Blau, in Grün, in Violett. Sie paaren sich zusammen und strecken fast neugierig ihr Köpfchen aus den Wassern hervor, um die ständigen Ankömmlinge zu betrachten; denn sie selbst werden nämlich auch betrachtet und bewundert von jenen, die diese Kirche besuchen. Auf dem warmen Sande wachsen Kakteen; seltene, herrliche Gewächse sind es. Solcherart Blumen könnt ihr in eurer Welt wohl kaum sehen.

Die Kirche ist also umrahmt von Blumen, und das stille Wasser wirkt sehr beruhigend auf alle, die den Weg hierher machen. Es ist genügend Platz; man kann mit den Schiffen gut anlegen. Der See ist sehr lang, aber nicht besonders breit, und so hat man Gelegenheit, diesem Dome von verschiedenen Orten aus zuzusteuern. Die Besucher kommen von weit her, aber auch aus der Nähe. Sie alle haben ein Bedürfnis: sich in diesem herrlichen, grossen Raum zu versammeln. Es kommt auch ein Schiff hierher, das voll besetzt ist mit singenden und musizierenden Engelwesen; sie singen und musizieren in dieser Kirche zur Ehre Gottes. Man staunt über all das, was einem geboten wird; man würdigt jeden, der den Weg in diese Kirche macht, denn man weiss: Es ist ja nicht möglich, dass ein jeder seinen Fuss hier hineinsetzen kann, denn man muss das Wasser überwinden. Im geistigen Reiche bilden die Wasser gewisse Grenzen; sie verhindern, dass ein jeder, wie es ihm beliebt, sich da- oder dorthin begeben kann. Ihr Menschen könnt eure Häuser mit grossen Mauern schützen oder einrahmen. Das macht man in der Geisteswelt nicht; man kann den Zugang für andere aber auch sperren, indem man eben solche Wasser um das Haus hat oder wie hier um diese Kirche.

Es ist für alle, die aufgerufen wurden, zu diesem Zeitpunkt diese Kirche zu besuchen, eine grosse Freude; denn sie wissen, es erwartet sie eine Überraschung. Die hohen Geister des Himmels haben zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich dahin zu begeben, wo sie wollen; doch sie werden keinen Weg unnütz tun, sie verbinden alles mit dem Nützlichen – es sei denn, ein Geist hat seine freie Stunde, seine freie Zeit, wo er aufsuchen kann, was er will. Aber er weiss genau, was ihm erlaubt ist, welche Bereiche für ihn zugänglich sind; ein hoher Geist steht nicht im Widerspruch zu Gottes Willen.

Viele sind nun aufgefordert worden, sich hinzubegeben zu dieser Kirche. Ich sagte, sie kommen von verschiedenen Seiten und Ebenen. Es kommen ganz erhabene Wesenheiten; ihre Schiffe haben die herrlichsten Segel. Es kommen grosse Schiffe, und es kommen Schiffe in der Art von Pontons, und so nehmen die Geladenen den Weg dorthin.

Die äussere Umgebung haben wir etwas betrachtet; dann geht man gemeinsam hinein in die Kirche, und man weiss: Wenn so viele aufgeboten sind, gibt es eine Überraschung. Vielleicht mögt ihr euch daran erinnern, dass mein Bruder [Geistlehrer] Josef euch jeweils erklärt hat, dass man nicht immer dieselben Gemälde, dieselben Figuren oder dieselbe Innenausstattung von Häusern, Kirchen oder Tempeln beibehält, sondern dass immer wieder Veränderungen stattfinden. So arbeiten Geister des Himmels an diesen Kunstwerken; sie betätigen sich, und sie werden nach ihrem Talent, nach ihrem Kunstsinn zur Arbeit herangezogen. Man nimmt auch gerne das Können von aufsteigenden Geistern in Anspruch, besonders dann, wenn der grösste Teil ihrer Läuterung vorüber ist. So wurde es auch bei diesem Tempel getan.

Der führende Geist der ganzen Gemeinschaft, der dieses organisierte, öffnet nun das goldene Tor. Dieses Tor allein ist schon ein wunderbares Kunstwerk. Jede Figur hat ihre Bedeutung, erinnert an Vergangenheiten oder weist in eine gute Zukunft. Wenn wir nun in das Innere des Tempels schreiten, haben wir nur ein Staunen, denn das, was hier innen ist, ist vollständig neu geschaffen worden. Alle betrachten es zum ersten Mal, mit Ausnahme derjenigen, die sich selber am künstlerischen Schaffen beteiligt haben. Der Anblick ist so herrlich, man weiss kaum wohin sein Auge richten. Auf dem Boden läuft man herrlich weich, auf einem Teppich wie aus Samt. Seine Farbe ist von einem schönen Violett; das Innere des Tempels ist zum grössten Teil aus weissem Marmor, und dieses Violett gibt dazu ein wunderbares Gepräge. Es fehlt auch nicht an herrlichsten Leuchtern an den verschiedenen Seiten; Licht dringt auch aus den Wänden heraus.

Nun möchten wir diese Wände betrachten, denn hier finden wir wundersame Gestaltungen. Als Erstes einmal sieht man, wenn man vom Tor direkt sein Auge in den Saal hineinlenkt, ein grosses Kreuz. Es ist auch aus weissem Marmor, aber über und über besetzt mit Perlen. Jede Perle hat in sich ein Feuer; so wie bei euch eine elektrische Glühbirne leuchten kann, so stark leuchtet eine jede Perle und strahlt ihre verschiedenen zarten Farben des Lichtes aus. Das Kreuz ist in seinem Leuchten so lebendig; es ist ein Flimmern und ein Glitzern, das jedes Auge zuerst erfasst. Man betrachtet und bewundert dieses Kreuz.

Man hat sich in der grossen Kirche aufgestellt, so wie es jedem gerade beliebt. Der führende Geist gibt Erklärungen im gleichen Sinn wie ich jetzt euch; und die Besucher, die da mit hineingekommen sind, hören zu, gleich wie ihr. Du bist nun im Geiste auch dabei; im Geiste kannst auch du das grosse, mächtige Kreuz in seiner Lebendigkeit sehen. Zu seinen beiden Seiten, rechts und links an der Wand, ist ein Feld mit lauter Händen; sie bilden das Spiel eines Mosaiks. Es ist eine Hand neben der anderen, und jede weist mit ausgestrecktem Zeigefinger auf das Kreuz. Das Mosaik besteht aus feinsten kleinen Plättchen, die in diese Wand eingepresst sind. Die Hände haben die Farbe von einem schwachen Rosa bis fast zu Weiss. Ungezählte Hände sind es mit ausgestrecktem Zeigefinger, und keine Hand ist gleich wie die andere: Die eine ist eine feingliedrige, schöne Hand; eine andere ist eine kleine Kinderhand; bei wieder einer anderen erkennt man die Spuren des vielen Schaffens; es sind da eine gekrümmte Hand, eine gepflegte Hand, eine ungepflegte Hand. So unendlich viele gibt es. Ich möchte sagen: Keine Hand von all euch Freunden ist gleich wie die des andern, und im Geistigen sind die Unterschiede noch ausgeprägter. Viele, viele Hände sind es, sie alle zeigen auf das Kreuz. Die Lebendigkeit dieser Hände ist genau so wie die des leuchtenden Kreuzes; nur ist die Leuchtkraft nicht so stark, denn das Kreuz überragt alles in seinem Licht. Doch auch bei den Händen sieht man: Sie sind lebendig.

Man staunt und bewundert und tritt ganz nah heran; man möchte wissen: “Wie haben denn die Künstler das fertiggebracht?” Es scheint den Betrachtern, als wären es tatsächlich lebendige Hände, die sich ausrichten auf das Kreuz – so wunderbar ist dieses Mosaik; es ist vertieft und erhöht, so wunderschön. Man macht sich seine Gedanken über die vielen, vielen Hände, die alle einen Finger ausgestreckt haben, als möchten sie sagen: “Hier ist es! Das ist es und nichts anderes!” So kann man lange, lange das Kreuz und diese Hände betrachten; denn sie haben einen tiefen Sinn – für die, die diesen Tempel besuchen, wie für euch, die ihr dies nur im Geiste erleben könnt.

Wenn man weiter die Wände betrachtet, sieht man so viele Geschehnisse, und man fragt sich: “Was hat das für einen Sinn? Und was sind das wohl für Künstler gewesen?” Hier sieht man eine Wiese, saftig grün, mit weidenden Schäflein, eines nach dem andern. Auch sie sind nicht etwa so, wie ihr es auf einem Gemälde sehen könnt, sondern sie sind so lebendig. Denn dieses Mosaik ist keine glatte Fläche, sondern es ist erhöht und vertieft; die Tierchen sind so, als ob sie lebendig dastehen würden – wunderschön. Alle Tiere sind ebenfalls ausgerichtet auf das Kreuz; es ist kein Durcheinander, aber es ist auch nicht ein gestelltes Bild, es ist herrlich natürlich anzusehen. Man sieht, dass die Tiere bereit sind, einen Weg nach vorn zu machen; sie möchten durch die Weide ziehen, und sie halten sich auf und nehmen vom saftigen Grün. So ist es eine grosse, mächtige Wand mit diesem Mosaik, und ich möchte dazu die Worte gebrauchen wie jener führende Geist, der erklärte, dass Christus viele Vergleiche gemacht hat und darauf hinwies: “Ich bin der gute Hirte” (Joh. 10, 11). Wenn du dich weiter um das Erkennen des Erlösungsplanes bemüht hast, weisst du um die Bedeutung dieser Tiere und weshalb sie auf das Kreuz ausgerichtet sind: Auch das Tierchen wartet auf die Erlösung, auf die Befreiung – auch das Tier.

Betrachten wir noch weitere Mosaike, so sehen wir: Da ist der das Kreuz getragen; er steht vor einem Brunnen und beugt sich leicht zum strömenden Wasser hin. Er hat einen Becher in der Hand, und vor ihm stehen viele Gestalten und strecken ihre Hände aus zum Zeichen: “Gib mir einen Trunk von diesem Wasser; ich möchte es aus Deiner Hand entnehmen.” Und er steht da und möchte jedem das Wasser reichen. Die vielen, vielen, die in der Nähe des Brunnens sind, sind seine Gläubigen, seine Frommen, seine Verehrer, und er ist es, der ihnen von diesem seinem lebendigen Wasser gibt.

In diesem Bilde wiederum ist festgehalten: Näherst du dich dem Kreuz, so näherst du dich ihm und dem lebendigen Wasser; du erhältst es aus seinen Händen. Hier wünschte ich, dass auch du mit deinem Auge diese Schönheit erkennen könntest, diese Menschen, diese Gestalten gross und klein, wie sie flehend und bittend ihre Hände ausstrecken, um aus seinen Händen das Wasser zu bekommen. Der Geist, der die Bilder erläutert, sagt: “So ist es; jeder will es aus seiner nächsten Nähe empfangen, und jeder bekommt es, wenn er sich mit ihm in Ehrlichkeit verbunden fühlt. Er hat die Möglichkeit, von diesem lebendigen Wasser zu schöpfen.”

Ihr erkennt nun, wenn ihr all diese Meditationen genau betrachtet habt: Es geht immer, immer um dasselbe – es ist der Wanderstab des Kreuzes, der dich stützt und dir hilft, der dem Menschen das gibt, was er braucht; denn das ist das Ziel der Christenheit, das gibt ihm die Läuterung seiner Seele. Und wenn der Mensch erkennt, wofür er lebt, für wen er lebt, wie er sein Leben erfüllen muss, so erlebt er es auch, wie er von diesen heiligen Quellen gespeist wird.

Es ist dies die geistige Führung, das geistige Erlebnis, das man nicht mit Händen tasten kann; man muss mit seinem ganzen Herzen und mit seiner ganzen Seele dabei sein, man muss es mitfühlen und bereit sein, auch seine Hände hinzuhalten und vom lebendigen Wasser zu trinken. Dieses Bild wurde von den aufsteigenden Geistern gemeinsam mit den Heiligsten des Himmels geschaffen, in gemeinsamer Arbeit.

Wenn wir auf einer anderen Seite ein weiteres Bild betrachten, dann steht wieder da: Gross und mächtig, schön und herrlich gewandet; so lieblich ist sein Antlitz, so harmonisch sind seine Bewegungen. Hier hält er eine Art grossen Teller an seine Brust gedrückt, und darauf liegt Brot, Stückchen für Stückchen. Auch hier sind sie wieder, diese Mengen, und strecken ihre Hände aus; und wiederum überreicht er es dem, der es will.

Der Geist erklärt: “Würden die Menschen sich doch daran erinnern, dass er gesagt hat: ‘Wenn ihr wollt und ihr mit mir einig seid, komme ich mit meinem Vater und nehme Wohnung bei euch’ (Joh. 14, 23)!” Mit diesem Wohnungnehmen ist nicht etwa gemeint, dass sie sich im irdischen Hause niedersetzen und betrachten würden, was du schaffst und denkst. Dieses Wohnungnehmen mit dem Vater bei dir ist das Ausrichten deiner Gedanken auf ihn, auf sie; mit ihnen einig werden im Denken und Tun – dann kommen sie zu dir und stützen dich, dann kommt er zu dir und gibt dir das Brot des Lebens. Du brauchst das Brot des Lebens, denn du sollst im Geiste, in der Seele lebendig werden. Du kannst es erhalten durch diese Annäherung, durch die Meditation, denn sie bringt dich immer ein Stück näher an Gott und Christus heran, und du vermagst immer etwas besser, die göttlichen Gesetze zu verstehen.

So kannst du auch im Geiste deine Hände ausbreiten nach diesem lebendigen Brote. Es kann dir gereicht werden, während du deiner üblichen Arbeit nachgehst; es kann dir gegeben werden, wenn dein Körper ruht. Man findet dich ja überall, und man freut sich, dich zu finden und dir einen Trunk vom lebendigen Wasser und ein Stück lebendiges Brot zu verabreichen. Damit du den Sinn genau erfasst – es ist so: Du erhältst diese wunderbarsten Speisen, wenn du die christliche Lehre befolgst; wenn du verstehst, in Barmherzigkeit zu leben, wie es tat; wenn du verstehst, ein gütiges Herz zu haben, wie er es hatte; wenn du verstehst, den andern zu lieben, der dir keine Liebe gibt; wenn du es verstehst, dem andern, der dich um etwas bittet, den Rock oder den Mantel noch dazuzugeben. Ja, dies heisst “in die Lebendigkeit eingehen” – es hat so gar nichts mit irdischen Gefühlen und mit dem Irdischen zu tun, es ist alles auf das Geistige ausgerichtet. Von diesem Geistigen musst du leben, und du wirst lebendig werden; lebendig, edel wird dein Denken. So vermagst du dann, dich immer etwas weiter emporzubringen, näher an den gewünschten Platz.

Betrachten wir diese Wände weiter: Man sieht einen mächtig grossen Baum, reich behangen mit reifen Früchten; er ist voll herrlichster Äpfel. Sie sind wunderschön geformt, einer wie der andere. Die Äste des Baumes ragen bis tief zum Boden hin; leicht kann eine Frucht von einem jeden gefasst werden. Übervoll ist dieser mächtige Baum, und jeder, der vor ihm steht, kann sich im Geiste bedienen; er kann sich eine Frucht auslesen und sagen: “Die sollte mir gut bekommen!”

Der Geist erklärt auch dieses Bild und sagt: “Sieh, das ist der Baum des Lebens.” Er führt aus, dass bei einem jeden, ob Mensch oder Jenseitiger, dieser Baum des Lebens in der Seele liegt und er auch seine reifen Früchte tragen sollte, an tief niederragenden Ästen, sodass sie von allen andern leicht gefasst werden können. Mit den reifen Früchten ist dieses Mal nicht die Reife der Seele gemeint, sondern die vollendeten Tugenden, die in der Seele zu wohnen haben und die man durch Anstrengung erreichen kann; auch mit weniger grossen Bemühungen sind welche Früchte zu erreichen.

So viel Wunderbares liegt in der Seele des Menschen, und immer wieder kann man Vergleiche ziehen. Die Seele ist ja das Kostbarste, das Herrlichste, und da sollte es ein jeder erfassen, welch Wachstum in der Seele eines jeden liegt. Wer vom lebendigen Wasser und Brote nimmt, bei dem vermögen die Früchte herrlich zu reifen, so zu reifen, dass er auch für sich einen Vorteil hat. Die reifen Früchte, deren man sich so gut bedienen kann und von denen andere profitieren können, bedeuten, dass einer selbstlos lebt und wirklich ein gutes Herz hat und sozusagen nicht für sich lebt, sondern für die andern – eben gerade so, wie es von der geistigen Welt gefordert wird. Ja, er selbst sieht den herrlichen Baum mit seinen Früchten kaum, aber er spürt die Nähe jener, die kommen und sich ihrer bedienen. Das macht ihn glücklich, überglücklich, und er hat nur einen Wunsch, dass dieser Baum wieder neue Früchte tragen kann. Er fragt sich nicht, durch welche Anstrengungen, durch welche Mühen er zu gehen hat – denn es braucht Anstrengung, dass der Baum des Lebens ständig Früchte tragen kann –, er will sich nur freuen zu geben, so wie gegeben hatte. Er spürt, dass dieser Baum des Lebens auch eine solche Lebendigkeit ist und dass andere bei ihm Schutz suchen, wenn es sein muss. Sie werden von diesem grossen Baum des Lebens nicht nur gespeist, sondern er kann ihnen auch Schatten bieten – er bietet ihnen Schutz, wenn Stürme ihres eigenen Lebens an sie herandringen. Sie können hinübertreten zum Nächsten, in seinen Garten, unter seinen Lebensbaum. Nicht jeder Mensch lebt so in der Gnade Gottes und vermag einem andern Schutz zu bieten. Sehr oft ist es so, dass über einen Menschen der Segen ausgesprochen ist, und wer in die Nähe eines solchen geistig gesegneten Menschen kommt, wer Hilfe und Schutz sucht bei ihm, der steht dann unter dem Schutze Gottes; er begibt sich unter den herrlichen, lebendigen Lebensbaum des andern, der ihm eben diesen Schutz darbieten kann in seinen Stürmen, denen zu trotzen er selbst nicht imstande ist. Er sucht jene hilfsbereiten Menschen auf, die ihn nicht abweisen, die ihm Schutz bieten können.

Nun könnt ihr euch selbst Gedanken darüber machen, bei welchem Menschen, in welcher Seele denn dieser voll ausgereifte, lebendige Baum ist. Er ist nicht überall zu finden; man kann nicht bei jedem Menschen in jeder Lebenslage Schutz suchen. Wie leicht wird man von ihm abgewiesen, wie schnell will er über den andern herrschen und vergisst, sich selbst zu beherrschen; er trägt den Lebensbaum nicht in seiner Seele. Darum wird dieses Bild gezeigt, dieser mächtige Baum des Lebens mit seinen reifen Früchten. Man kann sich um das Wachstum dieses Baumes und seiner Früchte bemühen. Vergiss nicht: “Ich beherrsche mich, ich beherrsche nicht andere.”

Wenn wir weiter diesen prachtvollen Tempel betrachten, so ist darin auch viel Geschehen vom Menschenreiche festgehalten: Man sieht grosse, kräftige Männer im Kampf mit wilden Tieren, und auch dies ist so lebendig, so natürlich dargestellt, als stehe man tatsächlich in nächster Nähe einem solchen Kampf gegenüber. Der Kampf mit diesen wilden Tieren bedeutet: Der Mensch will die Wildheit zähmen – er will es. Es ist ein Vergleich: Die Wildheit ist die Leidenschaft in der Seele, die man zu zähmen, zu überwinden hat.

Man sieht noch so viele andere, die auch im Kampfe stehen: Man sieht Menschen im Kampf mit den Naturgewalten und wieder andere im Kampf mit undurchsichtigen, verzerrten Gestalten. Es sind dies jene aus dem Reich der Finsternis; sie sind verzerrt in ihrem Ausdruck, schlechthin in ihrer Gestalt. Auch hier weiss man genau, was es bedeuten soll: Es ist der Kampf des Menschen gegen das Böse, das von aussen her in das Innerste der Seele dringt. Es ist der ständige Kampf, um das Gute, das Herrliche behalten zu dürfen; immer gilt es, Wache zu stehen vor dem kostbarsten Gute, dass es nicht angetastet wird von Fremdlingen, nicht fortgetragen, nicht verunreinigt.

So kann man diesen Tempel betrachten, und man hat nur zu staunen. Es ist, wie ich gesagt habe, das Werk von aufsteigenden Geistern und von Heiligen des Himmels. Es kann sogar die Unterstützung durch Menschengeister, ihre Mithilfe, gefunden haben; denn gerade der Mensch, der im Kampfe steht mitten im Leben, weiss den Jenseitigen auch Andeutungen, Erklärungen zu geben. Er weiss ihnen zu sagen, was den grössten Eindruck auf ihn macht, welche Bedeutung wichtig ist. Und wiederum geht es darum: Bist du würdig, dich hier ins Spiel mit den andern zu bringen, kannst du auserwählt werden. Darum gehen auch die Geister Gottes durch die Scharen der Menschen und betrachten sie in ihrem Aufstieg. Wo einer guten Willens ist und man glaubt, ihn brauchen zu können, da führt man ihn einmal hin in eine solche Werkstätte himmlischer Kunst; man will ihn aufmuntern zum besseren Leben und ihm sagen: “Hier findest du deine Tätigkeit, hier findest du Genugtuung im Schaffen und Wirken.”

So könnte man stundenlang Einzelheiten all dieser Bilder betrachten. Den Geistern des Himmels wird es auch wieder erneut erklärt; denn sie schöpfen daraus neue Kraft und neue Ideen. Sie verweilen nicht nur in dieser grossen Kirche, sondern sie sagen: “Ich weiss ja, was meine Aufgabe ist”, und sie neigen sich hin zu den Menschen, sie möchten zu ihnen hintreten und ihnen diese Erklärungen geben. Dabei können sie nicht die schwere Sprache von euch Menschen reden. Wie ich euch gestern gesagt habe, reden wir eine Sprache, die die Seele kennt und gut versteht; das ist uns von grösster Bedeutung. Denn dein Denken und dein Wollen gehen oft eigene Wege, sind anders ausgerichtet – aber deine Seele hört mit, sie nimmt es auf und versteht es. Dies wissen alle Geister, die von nah und fern zusammengerufen wurden, um hier alles zu betrachten. Ihnen wird gesagt: “Gehet hin und erklärt es euren Geschwistern, wie man im Jenseits wirkt. Viele werden sich dadurch aufmachen und sich anstrengen, denn sie möchten auch Künstler werden. Dann vergesst nie, den Menschen klarzumachen, welche Bedeutung das Kreuz hat: Alles, alles geht dem Kreuze zu, und alles, aber alles hat sich unter das Kreuz zu beugen.”

Erkennt man dies in dem Sinne, hat man in seiner Seele eine Frömmigkeit oder steigert seine Frömmigkeit, dann können wir zu ihm sagen: “Wenn du dich so bemühst um den Weg nach oben, dann bist du jetzt im Geiste mit uns in diesem grossen Dom, in dieser Kirche gewesen. Du aber hast in dir auch solche heiligen Gefühle, und du selbst bist eine Kirche Gottes, wenn du dich um das Nähertreten zu Gott bemühst und einig wirst mit ihm. Du und auch der andere – ein jeder hat die Kirche in sich.”

So hat man sich dereinst zu vereinen und alle, alle zu Kirche zu machen; es werden dann alle, alle unter eine Herrschaft kommen, die diese Kirche lenkt, und diese eine Herrschaft ist Gott. So soll jeder bemüht sein, sich selbst zu einer würdigen Kirche Gottes zu machen, damit er unter seine Herrschaft kommt und damit man bei ihm einkehren und sich erquicken und erlaben kann, wenn es nottut.

Liebe Freunde, versucht, wenn es euch möglich ist, das, was an diesem und an den vergangenen Abenden gesprochen wurde, in eurem Herzen zu bewahren und in der Stunde der Not und in der Stunde der Musse davon Gebrauch zu machen.

Verbindet euch mit uns, mit Gott, damit ihr gehoben und geläutert werdet, damit ihr euer Leben leichter und besser ertragen könnt und eure Aufgaben erfüllt. Und da, wo einer es schwer hat, wird ihm Erleichterung gegeben, denn er wird selber auf das Kreuz niedergelegt und getragen von den schützenden Boten, die um ihn sind. So leuchtet das Kreuz zum Zeichen der Befreiung und der Erlösung.

Werdet alle einig – einig in eurem Denken und Wollen mit uns. So geschieht der Wille Gottes an euch. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 20.7.1960 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der ersten Meditationswoche 1960 in Hemberg (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Der König der Geisterwelt Gottes

Lene, 21. September 1962

Der König der Geisterwelt Gottes

In der ganzen Schöpfung ist immer Christus die Kraft, die alles antreibt. Durch ihn wurden die Aufstiegsstufen geschaffen und die Schöpfung der Erde vollbracht. Zu aller Zeit ist Christus interessiert am Aufstieg der Menschen wie überhaupt an der Entwicklung aller Wesen. Denn vom Vater wurde es ihm nahegelegt, den Heils- und Ordnungsplan zur Vollendung zu bringen.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, es gibt begüterte Menschen, die bescheiden auftreten; sie zeigen nichts von ihrem irdischen Reichtum. Sie gehen unter die Menschen, doch niemand ahnt etwas von ihrem irdischen Reichtum.

Es gibt Menschen, die weder reich noch arm sind; sie haben sich die Achtung der Mitmenschen erworben durch ihre Liebenswürdigkeit, durch ihre wohlwollende Gesinnung dem andern gegenüber. So stehen sie in einem gewissen Ansehen. Es braucht dazu keinen irdischen Reichtum. Man kann auch so in einem Ansehen stehen. Es gibt aber Menschen, sie möchten Reichtum und geben sich den Anschein, irdischen Reichtum zu besitzen. Sie versuchen so, sich an den Menschen heranzumachen, um etwas zu gelten, was sie nicht sind. Sie täuschen den Mitmenschen. So könnt ihr sehen, wie die Menschen sind, wie ihre Wesensart ist. Den einen hindert der Reichtum nicht, sich auch mit einfachen Menschen zu unterhalten, während ein anderer an solchen vorübergeht, weil er findet, sie passten nicht zu ihm.

Dieses nur so als einführende Worte, weil ich die Bescheidenheit jener Menschen hervorheben möchte, die in einem irdischen Reichtum stehen, ihn aber nicht zur Schau bringen.

Ich möchte euch in dieser Stunde eine ganz besondere Meditation geben. Ihr alle seid christusverbundene Menschen. Vielleicht hat das eine oder andere auch schon ein persönliches Christuserlebnis gehabt. Ihr habt eine tiefe Zuneigung und Verbundenheit zu ihm. Nun möchte ich euch gerne in das Leben Christi Einblick geben. Ich muss sagen, es ist ja nur eine kurze Erklärung, die ich euch geben kann. Ich versuche mich aber so zu fassen, dass ihr doch Einblick bekommt, wie es in den höheren Welten zugeht, wie man Christus erlebt, wie er lebt. Ich möchte hier betonen, dass ich euch nur einen winzig kleinen Ausschnitt geben kann.

Unser Bruder Josef erklärte euch, dass Jesus Christus die Möglichkeit hat – und diese Möglichkeit auch wahrnimmt –, durch alle Aufstiegsstufen zu gehen und sich seinen Geschwistern zu zeigen. Nun möchte ich sagen, dass Christus, der in seinem Glanz und in seiner Herrlichkeit neben Gott thront, auch in bescheidenem äusserem Aussehen unter seine Geschwister geht. Ihr dürft mich aber nicht falsch verstehen. Wenn ich sage “in bescheidenem Aussehen”, so meine ich damit nur seine Bekleidung. Aus seinem Wesen, aus seinem Antlitz, aus seinem Schreiten kommt eine unbeschreibliche Harmonie. Ein Glanz leuchtet aus seinem Antlitz, eine Anziehungskraft geht aus ihm heraus, auch wenn ich sage, dass er ganz bescheiden angezogen sein kann. Er liebt es, dann und wann in dieser Erscheinung zu seinen Geschwistern hinzutreten; und zwar geht er nun zu den unteren Aufstiegsstufen und besucht seine Geschwister.

Die einen können ihn von Nahem sehen, andere stehen in einem gewissen Abstand. Er durchschreitet ihre Dörfer, ihre Städte, ihre Täler. Ihnen wird die Nachricht gegeben, dass der Herr kommt. Dann kommen sie; die einen vermögen nahe an ihn heranzukommen, während andere ihn nur von Weitem erblicken können.

Wenn ich sage “in bescheidenem Aussehen”, würde das für euer Auge wohl aussergewöhnlich schön sein. Nun, Christus macht sich auf, zu seinen Geschwistern zu gehen, wann er will. Er hat ein grosses Gefolge, aber dieses grosse Gefolge begleitet ihn nicht auf allen Wegen. Er bestimmt, wer ihn begleiten soll oder wie gross das Gefolge sein wird, je nachdem, was er gedenkt zu tun. Er spricht öfters den Wunsch aus: “Ich werde jetzt diese und jene Sphären durchschreiten und trete vor meine Geschwister hin.” Wenn er dies tut, geschieht das, um seinen Geschwistern nahezustehen, um ihnen eine Freude zu bereiten, um ihnen zu sagen: “Ihr seid in meinem Reich, im Reich meines Vaters, in unserer Wohnung. Ich bin euer Hausherr.” So tut er dies, wann er will.

Christus kann auch seine höheren Geschwister zu sich einladen. Er kann ein Fest in seinen heiligen Sphären veranstalten; er wird den Ort bestimmen, die Höhe oder die Schönheit, so wie es ihm gefällt. Dann wird die Nachricht alle jene erreichen, mit denen er zusammen sein will.

Ihr seht also, Christus ist eine Person, er schaltet und waltet als eine Person. Er lädt seine Geschwister zu Gast. Wenn er das tut, werden grosse Vorbereitungen getroffen. Denn seine Getreuen suchen sich die grössten Meister der hohen Künste aus. Auf allen Gebieten wird das Beste dargeboten. Dort, wo dieses Fest durch ihn veranstaltet wird, werden die Zugänge zu diesem Haus, zu dieser Herrlichkeit geschmückt. Weite Wege werden wunderbar geschmückt.

So kommen die Geladenen in dieses herrliche Haus. Doch auch hier, um diese Gebäude, wachen Engel Gottes, und es werden solche eintreten, die dazu geladen wurden. Stellt euch vor, welch ungeheure Scharen von Engeln in der himmlischen Welt sind. Christus wählt sich aus diesen Scharen welche aus. Er kommt mit ihnen nicht nur zusammen, um Unterhaltung zu pflegen. Ja man freut sich über die hohe Kunst, die dargeboten wird, über die herrliche Musik in Gesang und Ton. Es werden auch andere herrliche Darbietungen gegeben, und Gedichte werden gesprochen. Diese Gedichte haben dem König so vieles zu sagen; wunderbar werden sie zusammengestellt. In diesen Dichtungen findet man Anregungen der Engelswelt für dieses oder jenes – eben das, was man dem Meister jetzt nicht direkt sagen würde. Aber die Dichtkunst gibt der Engelswelt die Möglichkeit, durch das feine, stille Wort ihm verständlich zu machen, was noch notwendig wäre, was ratsam wäre, da oder dort in Erfüllung zu bringen, was aber nur durch sein Wort, durch seinen Befehl geschehen darf.

Christus erkennt das. Er wartet darauf. Manchmal lächelt er leise darüber, auf welche Art und Weise man versucht, ihm so vieles nahezubringen.

Wenn ich sage, es ist nicht nur Unterhaltung, will das nicht heissen, dass nicht auch diese hohe Kunst zu ihrem Recht kommen darf. Doch zwischendurch hat man unendlich vieles zu bereden. Christus kommt und bespricht mit ihnen das, was er mit dem Vater besprochen, was ihm sein Vater gesagt, was er ihm zuerst anvertraut hat.

Der König gibt das Wort des Vaters weiter; er unterhält sich jetzt mit seinen Allernächsten, seinen Getreuen, jenen Fürsten des Himmels, die ihm immer nahegestanden sind. So wird alles durchbesprochen, näher durchberaten. Wiederum müssen Anweisungen gegeben werden, in andere Welten hinein, zu den andern Geschwistern. Es wird geplant und geordnet. Diese Besprechung mit dem König wird immer zu einem Fest, zu einem herrlichen Fest. Denn es wird auch die Tafel gedeckt, und darauf stehen die Erträgnisse aus den himmlischen Gärten. Von diesen wunderbaren Dingen nimmt man. So freut man sich, wenn man von ihm geladen wird.

Diese hohen Stufen der Engelswelt werden recht oft zu Christus geladen. Das muss euch doch verständlich sein, denn es geht darum, den Heils- und Ordnungsplan zur Vollendung zu bringen. Es braucht auch einen Herrn, der über allem steht und alles ordnet. Neue Anregungen werden gegeben, Geistessphären mit den aufsteigenden Wesen müssen verändert und den Entwicklungsverhältnissen oder der betreffenden Zeit angepasst werden.

Die Engel des Himmels tun es auf Anweisung von oben. Christus hat ja mit den Seinen die geistigen Sphären erbaut, geplant, erweitert. Er ist deren Schöpfer, und er ist auch der Schöpfer des Erdenreiches, von so vielen Dingen, was euch vielleicht unverständlich bleibt. Er als Erster hat vom Vater die Erkenntnis bekommen. Miteinander haben sie es durchberaten. Der Vater hat seinem geliebten Sohn den Auftrag gegeben. Geplant haben sie es zusammen; ausgearbeitet bis in alle Einzelheiten, bis zum Kleinsten wurde es mit der Hilfe der Getreuen Gottes. Durch Christus, den Erlöser, wurden die Aufstiegsstufen geschaffen und die Schöpfung der Erde vollbracht – Mithilfe leisteten die Fürsten des Himmels. Durch den Willen, durch das Wort des Vaters hat Christus es in Erfüllung gebracht. Der Vater hat ihm Macht verliehen, es zu erfüllen, denn der Vater sagte ihm: “Tue dieses in meinem Namen.” Und er tat alle Dinge im Namen seines Vaters.

Zu aller Zeit ist Christus interessiert am Aufstieg des Menschen wie überhaupt an der Entwicklung aller Wesen. Denn es ist ihm nahegelegt worden, alles in Erfüllung zu bringen. Es ist genau wie beim tüchtigen Geschäftsmann, er ist auch interessiert am Gang seiner Geschäfte. Er bringt neue Anregungen und hat dementsprechend seine besonderen Leute zur Hand, die sich wiederum mit den andern zu beschäftigen haben und ihnen den Auftrag weitergeben. So geschieht dies in ähnlicher Art und Weise auch in dieser himmlischen Welt. Wie der Geschäftsmann, der sich unter seine Leute begeben kann, um sich zu zeigen, um mit ihnen zu reden, tut es auch Christus. Er geht auch unter die Seinen und zeigt sich ihnen. Die höheren Befehle gibt er seinen Getreuen, die ihm zur Seite stehen; ihm sind grosse Meister des Könnens zur Seite gestellt. Sie führen die Berechnungen aus, die notwendig sind. Sie sorgen dafür, dass das Gesetz seine Erfüllung findet im Namen von Jesus Christus, der im Namen Gottes handelt und wirkt.

Stellt euch ihre Freude vor. Aber alle hohen Wesenheiten aus den höchsten Sphären wissen, dass sie wirklich zu arbeiten haben und dass es viel braucht, diesen Heilsplan zu vollenden. Sie wissen, dass es notwendig ist, mit dem Herrn, dem Hausherrn und Baumeister, immer wieder ins Gespräch zu kommen. So geschieht es.

Das eine Mal ruft Christus die Seinen zu sich und lädt sie ein. Dann werden, wie ich betonte, die grössten Meister der hohen Kunst aufgeboten, um etwas beizutragen. Denn die höchste Welt ist eine Welt der Herrlichkeit, der Freude – neben der Arbeit ist es eine Herrlichkeit zu leben. Aber es ist auch so, dass in einer Geistessphäre, auch in den allerhöchsten Höhen, an einem beliebigen Ort, die hohen Engel ihn bitten, dass er als Gast zu ihnen kommen möge. Dann werden diese Himmelsboten die Gastgeber sein. In ihrem grossen Eifer werden sie versuchen, ihm das Herrlichste und Schönste darzubieten.

Diese Darbietungen von Musik, Gesang und vielem anderen dazu bereichern und verschönern das Zusammensein. Aber in diesen Stunden werden auch jene vielen Fragen an ihn gestellt. Die Engel Gottes kommen mit ihren Problemen, denn sie können nicht in allen Dingen selbstständig entscheiden. Geht es um eine wichtige Angelegenheit, müssen sie zuerst wieder die Erlaubnis höherer Geschwister haben oder in der Fürsprache mit dem König gewesen sein. So bereitet man dann ein Fest für ihn vor, und man deckt die Tafel mit den Herrlichkeiten der himmlischen Gärten. Man bemüht sich, ihm das Wunderbarste darzubieten. Denn Christus soll sich über den Eifer seiner Geschwister freuen.

Manchmal, meine Lieben, kommt von ihm ein ernstes Wort an seine Getreuen, denn hier muss ich hervorheben: Jedes Wesen hat seine Eigenart, sein ganz bestimmtes Gebiet, wo es seine Entscheidungen treffen muss. Es hat auf einem bestimmten Gebiete gewisse oder, ich muss sagen, grosse Erkenntnisse. Aber nicht alle von diesen hohen Brüdern und Schwestern haben dieselben Erkenntnisse. Das eine ist ein Meister auf diesem Gebiet, das andere auf einem andern. Doch all diese Wesen besitzen ein sogenanntes Allgemeinwissen; sie haben Kenntnisse über die allgemeine Gültigkeit der Gesetze und können auch in dieser Beziehung eine rechte Antwort geben. Wird aber speziell eine Anforderung an einen Geist auf einem Gebiet gestellt, das ihm nicht liegt oder über das er nicht unterrichtet ist, wird er sie dem andern Bruder zuweisen. Es wird also der Bruder oder die Schwester die Antwort geben, die auf diesem oder jenem Gebiete ein Können haben.

Menschen sind immer der Auffassung, ein Geist des Jenseits – gerade wenn es ein hoher Geist ist – müsse alles wissen und wenn er nicht alles wisse, sei er kein hoher Geist. Liebe Geschwister, ihr habt unter euren Wissenschaftlern doch recht intelligente Menschen. Aber diese Wissenschaftler haben ja ihr Sachgebiet, auf dem sie lehren, auf dem sie – nach eurer Sprache – stark sind. Wenn es in ein anderes Gebiet geht, haben sie wohl allgemeine Kenntnisse, aber ein genaues, exaktes Wissen haben sie darüber nicht; sondern sie weisen dann, wenn man im Besonderen eine Auskunft haben möchte, auf den Bruder hin, der diese Kraft des Wissens von Gott erhalten hat und der durch und durch ein Meister dieses Wissens ist. So vielfältig ist der Himmel, und so ist auch dieses Wissen unter den höchsten Geistern geteilt. Ich betone, diese hohen Geister haben – eben wie man unter euch einigermassen gebildeten Menschen ein Allgemeinwissen verlangt – über die Gesetze Gottes das allgemeine Wissen. Sie sind darüber unterrichtet worden.

Ihr wisst, es gibt Geister Gottes, die nur für den Liebesdienst am Nächsten bestimmt sind. Ein solcher Geist, der dafür bestimmt ist, wird sich nicht mit Strahlenmessungen abgeben; das liegt ihm fern. Er hat ein allgemeines Wissen, aber seine ganze Kraft hat Gott ihm auf seinem Gebiet gegeben. Wenn ihr an die kämpfenden Engel denkt, von denen ich erzählt habe, so ist ihre ganze Kraft darauf ausgerichtet, dass ihr Auge irgendwelche geringsten Störungen erfasst da oder dort. Sie haben dafür die Kraft von Gott erhalten, sie sollen ein Meister sein und bleiben auf ihrem Gebiet. Gott braucht sie so. So ist diese Vielfalt, dieses Unendliche.

Die Menschen mit ihrem Denken machen so vieles durcheinander und stellen manchmal ihre ganz besonderen Ansprüche an die Geisterwelt. Dieses zu wissen ist auch eine Notwendigkeit.

Ich habe vorhin gesagt, Christus kann manchmal auch ein ernstes Wort mit den Seinen sprechen, wenn er erkennt, dass die Anweisungen nicht in der Weise ausgeführt wurden, wie er es erwartet hat. Ich kann nicht von Gleichgültigkeit sprechen, aber manchmal sind sie vielleicht nicht mit dieser Energie und Kraft in ihrem Wirken vorgegangen. Da werden auch hohe Geister von Christus gemahnt, dass sie ihre Tätigkeit nur dann zu seiner Zufriedenheit ausführen, wenn sie ihre ganze Kraft und Hingabe in die Sache geben.

Ihr denkt nun vielleicht: “Das ist unmöglich. Ein Geist Gottes kann doch nicht anders, er ist ständig erfüllt von seiner Kraft.” Auch die höchsten Geister haben einen freien Willen, und auch die hohen Geister haben ihre Neigungen zu diesem und jenem. Doch darf man wohl sagen, dass sich jeder hohe Geist seiner Pflichten bewusst ist. Aber Christus ist mit ihnen sehr gestreng. Je höher einer im Range steht, umso mehr wird von ihm verlangt. Er tut es nicht in einem herrschenden Tone, aber er sagt es ernst und bestimmt. Sie alle wollen ihrem König gefällig sein, denn sind sie dem König durch ihre Tätigkeit gefällig, sind sie auch dem Vater willkommen und gefällig.

In der ganzen Schöpfung ist immer Christus die Kraft, die alles antreibt. Christus ist die Kraft, die versucht, die Entwicklung zu beschleunigen. Durch Christus kommt es. Man soll sich nicht einfach vorstellen: “Christus hat nun den Weg für die Menschen freigegeben, er sorgt schon.” Ja, er sorgt, er sorgt wahrhaftig, aber man soll nicht glauben, es erfülle sich ohne ihn. Christus interessiert sich für den Aufstieg seiner Geschwister, er hat sein menschliches Leben für seine Geschwister gegeben, er ist einen schweren Weg für sie gegangen, er ist der König, er steht über ihnen, und er will nur das Heil und den Fortschritt seiner Geschwister.

Durch ihn wird die hohe Geisteswelt angespornt. So geschieht es, dass er das eine Mal welche zu sich einlädt, das andere Mal wird er gebeten zu kommen. Ich habe vielleicht unterlassen zu sagen: Wenn er zum Feste geladen ist, erscheint er in voller Pracht, in einer Pracht, die sich das Menschenauge nicht ausdenken kann, wovon es keine Vorstellung hat. Dann wird er in seiner Pracht und Herrlichkeit unter den Seinen erscheinen. Und Christus, wenn er geladen ist, wird mit seinem Gefolge kommen. Dann kommt er mit seinem Reichtum, und seine Geschwister bewundern ihn, denn dieser Reichtum, den er zur Schau bringt, ist auch der Reichtum der Engel Gottes; er gehört sozusagen in die Familie.

Aber Christus selbst trägt diesen Reichtum zur Schau. Gott will es, und daher geschieht es auf diese Weise. So erscheint er in seiner Pracht und Herrlichkeit. Wenn er aber, wie ich anfangs betonte, ganz weit hinuntersteigt zu seinen Geschwistern, die im Aufstiege sind, erscheint oder begegnet er ihnen nicht in dieser Pracht; er zeigt seinen Reichtum dann nicht. Schlicht sieht er aus, schlicht und doch wunderschön, strahlend schön mit einer ungeheuren Anziehungskraft. Jedoch bringt er diesen Reichtum nicht in die Tiefen, es sei denn, es wäre ein besonderes Ereignis, ein Fest, wo er mit seinem ganzen Gefolge kommt und sich so seinen Geschwistern zeigt.

In der Regel geht er so, wie es jene Wesen in den Tiefen verstehen können, wie sie ihn im Geiste verstehen, in seinem bescheidenen Aussehen. Er will ihnen auf diese Weise zeigen: “Ich stehe ganz nahe bei dir.” Er geht nämlich dann unter diese Wesenheiten, wenn es sein muss. Wenn solche das Glück haben, ganz in seine Nähe zu kommen, kann er vom einen zum andern gehen. Diese Wesen in den unteren Aufstiegsstufen könnten mit ihrem geistigen Auge dieses unendliche Licht und diese Pracht gar nicht ertragen, daher zeigt er sich ihnen eben in dieser Weise.

Die Anhänglichkeit und die Verehrung jener Wesen, die in diesen unteren Stufen sind, ist wohl unermesslich gross. Sie finden Christus wunderschön und strahlend. Ja, sie sehen ihn so, wie es ihr geistiges Auge versteht. Auf diese Weise erscheint er den Seinen, nach ihren Verhältnissen. Es ist vielleicht die Auffassung von gewissen Menschen, er wäre immer in seinen strahlenden Gewändern. Es gibt Menschen, die ein liebliches Aussehen haben. Sie können die bescheidensten Kleider anhaben und haben darin eine vornehme Erscheinung, während andere gar keine Anziehungskraft und keine Lieblichkeit an sich haben. Sie können die kostbarsten Gewänder anhaben und sehen nach gar nichts aus. Christus, mit seinem Glanz aus seinem Antlitz, mit seiner Anziehungskraft, mit seiner Wärme, mit seiner Lieblichkeit, die aus ihm dringt, ist die vornehmste Gestalt des ganzen Himmels, auch wenn er ein bescheidenes Gewand trägt.

Nun, liebe Geschwister, könnt ihr euch die grosse Tätigkeit des Erlösers vorstellen. Wenn ihr ahnt, wie unendlich viele Millionen von Geistern in der göttlichen Welt sind und wie Christus allen gerecht werden möchte, wie notwendig wird es da, zu diesen und zu jenen zu gehen, um mit ihnen zu sprechen.

Ihr könnt es besser verstehen, wenn euch erklärt wird, dass die hohen Geister des Himmels in Chöre eingeteilt sind. So wird Christus seine Besuche bei diesen Chören machen, denn diese Chöre haben wiederum ihre Verbindungsgeschwister, die dann in der irdischen Welt ihre Aufgabe erfüllen wie auch in der jenseitigen Welt.

Es waltet eine herrliche Ordnung. Christus verbindet sich jeweils mit diesen hohen Geschwistern aus diesen himmlischen Chören, die alle ihre Aufgaben auf dem Gebiete erfüllen, in dem Gott ihnen die Weisheit und die Kraft gegeben hat. So kann er das eine Mal zu Besuch zu diesem Chore gehen, ein anderes Mal nimmt er den Weg zu anderen Chören. Wiederum andere verlangen dann: “Du warst schon so lange nicht mehr bei uns. Komme zu uns, wir möchten aus Deinem Munde hören, was Du zu sagen hast.” Ja, Christus gibt die Anweisungen diesen hohen Fürsten, die wiederum ihre Helfer, ihre heiligen Geschwister haben.

Christus wird dann und wann auch zu jenen Engeln gehen, deren Rang nicht so hoch ist, und er wird ihnen zur Freude einmal zuerst eine Botschaft bringen. Er wird seinen Getreuen sagen: “Ich habe euch etwas anzudeuten, aber ich werde es mit jenen andern genau besprechen.” Es gibt keine Eifersucht deswegen, wenn der König nicht gerade den hohen Fürsten zuerst erklärt, was geschehen soll, sondern ihnen sagt: “Ich gehe jetzt zu den andern hin und werde ihnen eine grosse Neuigkeit oder einen Hinweis geben.” In den hohen Himmeln ist man gespannt und freut sich, dass der König den Weg auch zu den andern Geschwistern sucht.

So geschieht die Verbindung, und so geschieht die Erfüllung des Heilsplanes. Christus bespricht sich mit seinem Vater, und Christus trägt es weiter – er ist die treibende Kraft zur Erfüllung von allem. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele bittende Hände emporgehoben werden: “Erhöre uns!”? Wie viele flehen im Namen des Erlösers um den Frieden, um Erlösung, um Heilung, um Brot, um Obdach und so weiter.

In Christi heiligem Namen flehen sie den himmlischen Vater an. Es sind ja eure Schutzgeister, die über euch eine gewisse Macht besitzen und genau die Grenzen kennen, bis wo sie euch beistehen können. Sie stehen auch im Namen Gottes im Dienste, und der Erlöser sagt ihnen auch: “Ihr sollt in meinem Namen und im Namen des Vaters das Gesetz in Erfüllung bringen.” Diese heiligen Geister kennen das Gesetz und wissen, was zu gestatten erlaubt ist und was nicht. Sie sind genau unterrichtet worden; hier sind sie Meister geworden und kennen das Gesetz. So kann nie etwas Unrechtes geschehen.

Wohl mag sich beim einen oder andern ein liebendes Wesen einmischen, ein Geist der Fürbitte und des Trostes, der ein sogenannter Fürsprecher des Menschen ist. Er versucht, für den Menschen noch etwas mehr zu erreichen, etwas mehr zu bitten. Denn diese liebenden Engel befinden sich sehr nahe bei Gott und bei Christus. Sie haben ja auch die Macht – aus ihnen geht diese wunderbare Kraft der Fürbitte, des Helfens, des Milderns, der Fürsprache aus. Sie versuchen, dieses oder jenes Übel etwas zu mildern. Sie versuchen, das Gute, das die Menschen im Leben getan haben, besonders hervorzuheben. Auch Gott will, dass es solche gibt, die den einen oder andern in Schutz nehmen.

Denn es gibt ganz gestrenge Engel Gottes, die ganz genau nach dem Gesetze gehen und nicht den geringsten Fehltritt übersehen; selbst den geringsten Fehltritt wollen sie in Ordnung bringen. Da kommt die Güte Gottes durch einen solchen hilfsbereiten Geist. Er wirbt für diese Geschwister und bringt es fertig, dass nicht in so strengem Masse geurteilt wird. Auch dieses ist von Gott in herrlicher Art und Weise geordnet. So gerecht und wohlwollend ist der Himmel.

Ich sprach ganz am Anfang davon, dass es Menschen gibt, die ein Christuserlebnis haben können. Wie kann es geschehen?

Es wurde euch auch schon erklärt. Christus weiss, dass so viele Menschen ihn erleben möchten und ihm ganz nahe sein wollen. Wenn er durch die Aufstiegsstufen, durch seine Himmel schreitet, besucht er auch jene Tempel, in denen zu Gottes Ehre gesungen wird und wo Gott verehrt und angebetet wird. Er besucht jene Tempel, von denen es in allen Aufstiegsstufen welche hat. Je nach den Künstlern, die in diesen Sphären sind, sehen die Tempel anders aus. Es gibt wundervolle, herrliche Gebäude, und es gibt schlichte und einfache, die auch zur Ehre Gottes erbaut wurden und wo Gott verherrlicht, gelobt und gepriesen wird. Auch dort besucht er sie; er besucht die Tempel in den hohen Sphären des Himmels, aber er steigt auch hinunter. Er geht nicht nur unter die Seinen, um sich ihnen zu zeigen, sondern er geht in jene Tempel, wo sich die Seelen zusammengefunden haben, um Gott zu bitten: “Vergib mir meine Schuld”, wo sie ihn um Erlösung anflehen, ihn zugleich verherrlichen und seinen heiligen Willen preisen.

Christus durchschreitet manchen solchen Tempel. Voller Freude blickt manche Seele zu ihm hinauf und sagt: “Er hat mich gesehen, er hat mich aufgenommen, er ist zu mir gekommen. Er ist in den Tempel gegangen und hat uns alle begrüsst. Er hat mit uns gemeinsam zum Vater gebetet.” So haben sie ihn erlebt. Jene Seelen, die im Aufstiege sind, können Christus auf diese Weise erleben.

Christus weiss auch um das Verlangen des Menschen; er möchte ihm auch etwas geben. Es kann ihm im Traume gegeben werden, wenn sich sein Geist vom Leibe gelöst, wenn er sich in seiner Schwingung etwas gehoben hat. Dann kann es möglich werden, einem solchen Menschen das Bild Christi zu zeigen. Es kann möglich werden, dass sie ihm das Bild vor die Augen führen, wo er den mahnenden Finger erhebt; es kann aber auch sein, dass der Mensch das Bild erlebt, wo Christus seine Hände zum Segen erhebt. Menschen können aber mitunter auch ein solches Bild sehen, das heisst, es wird ihnen vor Augen geführt, wo er seine Hände ausbreitet und sagt: “Lasst sie alle zu mir kommen. Kommet doch alle zu mir in mein Reich.”

Wie ein Film wird nun das Bild vor das geistige Auge des Menschen hingetragen. Und er sieht, wie Christus seine Hände bewegt, er sieht, wie er seine Hände ausstreckt, er sieht, wie er seine Hände zum Segen ausbreitet. Ihm durfte jenes Bild zugeführt werden, das man für ihn ausgewählt hatte. Die Geistwesen haben dafür den Weg geebnet, dass es möglich geworden ist, ihm dieses persönliche Erlebnis zu geben.

Christus will, dass es jenen gegeben wird. Er erklärt seinen getreuen Engeln: “Tragt es hin zu meinen Geschwistern. Lasst es ihnen zeigen, dass ich mit ihnen verbunden bin, dass ich auf sie warte und dass ich die Wohnung für sie bereitet habe. Tragt mein Bild zu ihnen hin, und lasst jene Menschen mit Kraft erfüllt werden, dass sie ihr Leben wandeln und sich erheben zu mir und zu meinem Vater, zu unserem Vater.”

Liebe Geschwister, ich offenbare euch Dinge, die für den einen und andern eine Antwort sind auf Fragen, die ihn längst beschäftigt haben. Ich kann es in dieser Stunde tun, denn ich habe euch in meinen anderen Meditationen klargemacht, dass alles nur durch eine Ordnung geht und dass man sich aufmachen muss, dahin zu schreiten, um es zu erleben und unter der Ordnung Gottes zu sein.

Ihr Menschen seid gebunden an eure Begriffe, an Raum und Zeit eurer Welt. Die göttliche Welt überwindet Zeit, und sie überwindet Raum. Es ist für uns eine Kleinigkeit, eine grosse Strecke in kurzer Zeit zu überwinden. Wir fassen den Willen, wir machen uns auf, diesen Weg zu tun. So werden wir so schnell an Ort und Stelle sein.

Deshalb sind es nicht dieselben Begriffe, und Menschen verstehen uns manchmal schwer. Es wäre gut, man würde nicht allzu sehr über gewisse Dinge grübeln. Um sie herauszufinden, muss die Zeit reif sein. Man soll dem Menschen nicht etwas offenbaren, das er nicht glauben und begreifen kann. Ja, wir legen auch Wert auf Klarheit. Aber man soll nicht mit einer gewissen Findigkeit nach diesen Dingen suchen. Der Gläubige, der uns nahesteht, hat ja Zeit, darüber zu meditieren. Er kann um Erleuchtung bitten. Und er soll daran denken: Die Verhältnisse in der irdischen Welt sind nicht dieselben wie in der geistigen Welt; andere Begriffe sind es.

Liebe Geschwister, ich gab euch heute einen besonderen Einblick in das Gesetz Gottes und in die Tätigkeit des Erlösers. Und ich sagte, es ist nur ganz, ganz wenig, was ich euch erklärt habe. Wir haben ja noch so viele Gelegenheiten, miteinander in Verbindung zu sein. Ihr könnt ja noch mehr hören, wenn ihr es wünscht.

Nun, liebe Geschwister, wenn ihr zur Ruhe geht, dann sollt ihr euer inneres Verlangen nach Jesus Christus in euch steigern. Dann werdet ihr erfüllt von einer wunderbaren Kraft. Beim einen kann sich die Kraft des Glaubens mehr entfalten, bei einem andern wird es die Kraft der Gesundheit sein, die sich in ihm auswirkt, bei einem Weiteren wird es die Kraft sein, die ihm hilft, Probleme zu lösen.

Glaubt nicht, dass man jedem dasselbe gibt. Wir geben jedem das, was für ihn gerade am notwendigsten ist. Wir halten seine Hände, wenn er bereit ist, mit uns im Bunde zu stehen. Wir segnen ihn, sein Leben. Aber keiner soll glauben, weil er jetzt im Bunde mit uns steht, würde niemals mehr etwas Unangenehmes über ihn kommen, denn er wäre behütet vor allem. Nein, liebe Geschwister, ihr müsst den Weg gehen, den Gott für euch bestimmt hat. Auch das Unangenehme ist euch gegeben, damit ihr die Prüfungen besteht.

So, liebe Geschwister, hattet ihr heute wiederum Einblick in die Welt Gottes. So erflehen wir über euch den Segen, der euch euren Weg beleuchten soll. Wir wünschen, dass ihr an Leib und Seele gesundet, dass ihr als Menschen, jeder einzelne, zu einer Leuchte werdet. So beleuchte jeder von euch nicht nur seinen eigenen Weg, sondern auch den Weg seiner Mitmenschen, damit er dereinst getrost und voller Freude zu uns hinüberschreitet, zu uns, zu uns Freunden. So möge es geschehen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 21.9.1962 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1962 in Wildhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Bilder aus dem Leben Jesu

Lene, 19. Dezember 1956

Bilder aus dem Leben Jesu

Geistlehrerin Lene beleuchtet in der folgenden Meditation verschiedene Stationen aus dem Leben des Erlösers. Ihre Bilder bieten eine wunderbare Gelegenheit, sich im Geiste mit Christus zu verbinden und sich bewusst zu machen, was der König der Geisterwelt zum Heil der Menschheit auf sich genommen hat.

Lene [der Anfang des Vortrages ist nicht erhalten]: So möchte ich euch im Geiste führen. Wir Geister Gottes haben für euch eine wunderbare Himmelsleiter geschaffen. Wir wollen nun gemeinsam Stufe um Stufe hinaufgehen. Diese Leiter ist schmal, mit herrlichen Blumen geschmückt, und Perle an Perle gereiht bildet das Geländer auf beiden Seiten. Ich will euch sagen, was es bedeutet: Die Engelsboten versuchen dein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten; aber sie wünschen, dass du ihnen die Hand bietest. Dann ist es ihnen möglich, dich zu begleiten, auf dass du glücklich wirst.

So sollst du jetzt in Begleitung der himmlischen Boten die Leiter hinaufgehen. Vielleicht kannst du mir nachher sagen, welche Blumen die Stufen bilden. Mit deinen Füssen trittst du auf sie, doch sie welken nicht, du beschädigst sie nicht. Im Geiste gehst du Stufe um Stufe empor, und erwartungsvoll blickst du in diesen Sphären umher, was man für dich vorbereitet hat. Noch weiter wanderst du hinauf. Nun bleibe stehen – schon neigt sich das Geländer, und du trittst hinaus auf einen langen, schmalen und öden Weg. Neugierig auf das, was deiner wartet, gehst du diesen Weg entlang. Noch scheint alles dunkel, doch plötzlich erkennst du Gestalten; immer deutlicher vermagst du sie zu erkennen. Du siehst dich plötzlich auf einem grossen Feld mit Hirten und ihren Herden. Nacht ist es, und du strengst deine Augen an, um besser zu sehen, doch du kannst weiter nichts erkennen. Doch plötzlich erstrahlt ein Licht durch die Nacht, das alles um dich erhellt. Deutlich erkennst du nun die Hirten und ihre Herde inmitten eines grossen Feldes. Noch während du das herrliche Licht bewunderst, hörst du eine wundervolle Musik. Du hältst danach Ausschau, woher sie wohl kommen möge, doch du siehst niemanden ausser den Hirten. Diese sind erschrocken und sehen sich um. Nun hörst du eine Stimme rufen – die Stimme von dazumal. “Friede den Menschen auf Erden!” wird den Hirten zugerufen und dass der Heiland geboren sei. Es wird ihnen verkündet, sie sollen sich aufmachen, das Kindlein zu begrüssen.

Da stehen sie auf; ein herrliches Licht begleitet sie, zeigt ihnen den Weg. Ein Stern Gottes leuchtet so herrlich. Beleuchtet sind die Felder und Hügel, diese öden Ebenen. Die Hirten schreiten dahin und langen dort an, wo das Licht so gross und stark auf einen bestimmten Ort hinweist. Dort muss das Kindlein sein, denn das Licht ist so klar auf einen Stall hin gerichtet. Sie gehen hinein und finden das Kindlein in einer Krippe auf Stroh und die Mutter Maria und Josef in der Nähe. Die Hirten knien nieder und beten es an. Arm sind sie, arm ist die Mutter des Heilands, armselig ist die Hütte. Hier ist er geboren, der Heiland. Auch du kniest nieder im Geiste und betest. “Friede auf Erden, Friede den Menschen”, so tönt es in dir, und du machst dir Gedanken: “Frieden wünsche ich mir, Frieden wünsche ich der Welt.”

Du stehst wieder auf, denn du willst mehr sehen. Du kehrst wieder zur himmlischen Leiter zurück. Sie neigt sich dir zu, und du gehst wieder Stufe um Stufe hinauf. Nur kurz hat man dir jene Welt gezeigt, in der er einst geboren war. Du musst nun zum Heil deiner Seele auf dieser Himmelsleiter weiterwandern. Nun stehst du still und möchtest wieder in eine Ebene hinaustreten. Es neigt sich wieder das perlenbesäte Geländer, und du gelangst wieder auf einen Weg, der noch im Dunkeln liegt. Du wanderst und wanderst und blickst umher. Da, plötzlich siehst du eine Gestalt. Es wird heller und heller um dich, du siehst in eine neue Welt hinein. Nun erkennst du klar und deutlich die Gestalt in deiner Nähe: Es ist Christus! Du aber erschrickst bei seinem Anblick, wie du ihn sehen musst: Mit einer schmutzigen Schnur sind seine Hände zusammengebunden. Ein Zepter ist ihm in die Hände gegeben, eine Dornenkrone auf sein Haupt. Du bist erschrocken, wie gelähmt. Du willst sprechen – du kannst nicht. Dein Blick ist auf seine grossen Augen gerichtet. Sie blicken dich an, und du bist wie gelähmt. Doch hast du dich auf die Knie geworfen, vermagst kein Wort zu sprechen. Nur dann und wann hebst du den Blick auf zu ihm. Du machst dir Gedanken: “Ach, musste es sein?” Du möchtest seine Hände befreien, du möchtest ihm sorgfältig die Krone vom Haupte lösen. Du möchtest ihm die Wunden waschen, ja du möchtest ihn mitnehmen in deine Welt und ihn pflegen. Doch du bist wie gelähmt. Kein Wort vermagst du über deine Lippen zu bringen, und immer noch bist du auf den Knien vor ihm. Nur dann und wann vermagst du deinen Blick auf ihn zu richten, und du siehst, wie er seine Lippen bewegt und spricht: “Für dich habe ich es ertragen.” Du möchtest ihm antworten: “Ich will es selbst auf mich nehmen, du sollst nicht für mich leiden”, doch du kannst nicht sprechen. Eine Zeit lang verweilst du so versunken.

Dann kommt langsam eine Kraft in dich; du stehst auf und blickst umher, und siehe, alles ist verschwunden. Du machst dir wieder Gedanken über das Erlebnis und sagst dir: “Seine Hände waren gebunden – auch meine Hände sind oftmals gebunden; ich selbst binde sie das eine Mal, ein anderes Mal tut es ein anderer für mich, und ich kann nicht tun, wie ich will, weil ich auch schwach bin.” Ja, die Hände sind dem Menschen dann und wann auch gebunden. Nur mit Gottes Kraft vermag er sie zu befreien. So hast auch du die Kraft erhalten, dass du dich wieder aufrichten konntest.

Nun gehst du wieder zu deiner himmlischen Leiter zurück. Du möchtest noch weiter emporsteigen, denn du glaubtest doch, in eine wunderbare Welt zu sehen. Ich aber sage dir: Du musst zuerst sehen, was deiner Seele heilsam ist. Du musst ihn, Christus, erleben, damit du gewinnst. Du weisst noch nicht, was wir himmlischen Boten für dich erwählt haben, und so gehst du frohen Mutes hinan, denn du fühlst dich sicher bei uns. Doch auch wir müssen deiner Seele dann und wann Schmerz und Leid zufügen, damit du den Frieden findest.

So gehst du wieder einige Stufen hinan und siehst, wie herrlich alles ist. Doch verfolgt dich die Erinnerung an das letzte Bild. Du möchtest anderes erleben, und so trittst du wieder auf der anderen Seite hinaus, wieder auf einen schmalen Weg, der wiederum im Dunkeln liegt. So siehst du vorerst nichts. Doch plötzlich erblickst du wieder eine Gestalt, und deutlicher wird sie, je näher du ihr kommst. Ein Licht leuchtet dir entgegen, und wieder erschrickst du, denn wieder stehst du vor Christus. Wieder bist du wie gelähmt, und schmerzerfüllt blickst du in seine Augen, die voller Trauer sind. Und wie du ihn jetzt sehen musst! Er trägt das Kreuz; Blut rinnt ihm von der Stirne, und mit Wunden bedeckt ist sein Leib. Immer wieder musst du es sehen, zu deinem Schmerz, und dann wieder dieselben Gedanken: “Ach, könnte ich das Kreuz für dich tragen; könnte ich dich pflegen! Ich möchte deine Schmerzen auf mich nehmen!” Du vermagst nicht ein einziges Wort zu sprechen, du hast die Kraft nicht dazu. Nur dann und wann erhebst du deinen Blick und suchst seine Augen. Da hörst du wieder die Worte: “Für dich habe ich es ertragen.” Und langsam, langsam nur kommt doch die Kraft in dich hinein, und du erhebst dich wieder. Du möchtest dich ihm nähern, ihm das Kreuz tragen helfen. Doch wohin du auch blickst: Die Ebene ist leer; eine Öde ist es geworden, und du wendest dich wieder deiner Himmelsleiter zu.

Im Weitergehen hast du wieder deine Gedanken, und du bekommst darauf die Antwort: “Für dein Leben, für dich habe ich es ertragen.” Anderseits weisst du, dass er sprach: “Nimm auch du dein Kreuz auf dich!” Denke über dein Leben nach: Hast du nicht auch ein Kreuz zu tragen? Wie schwer mag es sein? Bist du es nicht selbst, der ihm noch mehr Gewicht zulegt und es schwerer macht, sodass du dich beklagst? Nun, du als Mensch spürst anstatt des Kreuzes ja nur eine Last. Dabei sollte es dir bewusst sein, dass du ja bereit warst, in diesem Erdenleben sein Kreuz tragen zu helfen. Doch bist du schwach und klagst über das Kreuzlein, das du zu tragen hast. Warum denkst du nicht auch: “Ich will es tragen, wenn es zu meinem Seelenheil ist”? So machst du dir Gedanken, und jetzt hast du Mut und bist willig, von nun an dein Kreuz zu tragen.

Wie schön ist doch die Himmelsleiter, auf der du gehst. Die Engel sind bei dir, sie wollen mithelfen, dass du deine Prüfungen bestehst. Die Engel Gottes legen dir keine Steine in den Weg, sondern Blumen. Du musst aber verstehen, dass die Geister Gottes dir das bringen, was zu deinem Heile ist. Willst du ihnen aber nicht gehorchen, dann entziehen sie dir die Kraft, und du formst dir mit deinem Denken und Wollen die Steine selbst vor deine Füsse. Dann musst du sie selbst wieder wegräumen. Du legst dir Steine in den Weg, weil du den Frieden nicht gefunden, weil du noch nicht erkannt hast, was Erlösung bedeutet, was der Heilsplan für dich ist. Du kannst so leben, dass es uns immer möglich ist, Blumen vor deine Füsse zu legen; das heisst, Kraft und Segen bringen wir dir, damit du leichten Schrittes durchs Leben gehst, damit du nicht die Schmerzen deines Körpers spürst und er und dein Kopf dir nicht zur Last sind. Leicht, leicht musst du wandern. Nur mit unserer Hilfe kann dies geschehen. So musst du es im Geiste erleben.

Nun steigst du auf deiner Himmelsleiter weiter empor. Du möchtest in Gottes Nähe kommen und erleben, was man für dich bereitet hat. Von Neuem neigt sich das Perlengeländer, um dir Platz zu machen. Wieder verlässt du die Blumenleiter, und wieder ist dein Weg zuerst in Dunkel gehüllt. Wieder kommt ein Licht auf dich zu, und du erkennst mehrere Gestalten; immer deutlicher werden ihre Formen. Nun erkennst du jene Anhöhe, auf welcher ein Kreuz steht, und an das Kreuz genagelt haben sie ihn. Immer näher und näher kommst du, und wieder verlassen dich die Kräfte. Du fällst nieder. Wieder möchtest du sprechen: “Warum musste es so sein, warum dieser schwere Weg? Hätte Gottes Wille es nicht anders lenken können? Die Menschheit hätte doch anders erlöst werden können!” So hebst du wieder deinen Blick und suchst seine Augen. Doch auch sein Haupt hat sich geneigt; in seine Augen blicken kannst du nicht. Traurig bist du, denn du hörst zugleich das höhnische Lachen jener, die ihn ans Kreuz schlagen liessen. Sprechen kannst du nicht, doch in Gedanken flehst du zu Gott, er möge dir vergeben, er möge dich kräftigen, damit du dein Leben nach seinem Willen gestalten kannst. Du bittest, dass das Erlebte nicht mehr von dir weiche und du Christus in seinem Schmerze immer wieder vor dir stehen siehst.

Dann kommt diese grosse Wandlung in dir. Betrübt und schmerzerfüllt, wie du bist, schlingt ein Engel Gottes seinen Arm um dich und richtet dich auf. Er führt dich wieder zur Himmelsleiter, und nun siehst du eine Herrlichkeit. Die Öden sind verschwunden. Alles erstrahlt in einem prachtvollen Glanze, und der Engel begleitet dich zu einem herrlichen Tempel, wo man dich wie einen Gast erwartet. In Reihen stehen wundervoll gekleidete Himmelswesen. Du blickst dich um und siehst, dass viele, viele dir folgen. Ja, es nimmt kein Ende mit dem Zug. Doch der Tempel ist so gross, und du wirst an eine Tafel geführt mit vielen anderen Gästen; mitunter sind es die himmlischen Boten. Jetzt bringen sie dir die Speisen aus dem Weinberge Gottes. Dein Geist nimmt davon, stärkt sich und freut sich an all dieser Pracht. Du erlebst die wunderbare Musik und all die Herrlichkeiten. So möchtest du nicht wieder zurück; verweilen möchtest du in dieser Pracht und in diesem Frieden, der von all diesen Wesen ausgeht. Diese Atmosphäre ist so beglückend und kräftigt dich. Der Engel Gottes dir zur Seite spricht zu dir:

“Ihm hast du es zu danken, der diesen Weg für dich gegangen ist: Du darfst wieder in diese Herrlichkeit zurück. Er hat deiner Seele den Frieden gebracht, und er, der Fürst des Friedens, wird seine himmlischen Boten dir entgegensenden, zu deinem Empfang.”

So, liebe Schwester, lieber Bruder, welch ein Jubel herrscht in dieser Welt, wo er wohnt, wo er ein und aus geht, begleitet von seinen Getreuen, wo der Friede besungen wird und wunderbare Feste gefeiert werden. Da hast du deine Welt für kurze Zeit vergessen. Doch nun führt dich dein Engel wieder zur Himmelsleiter zurück und sagt: “Du musst nun zurück, mein Kind, an deinen Platz.” Stufe um Stufe geht es wieder hinunter. Du hast den Wunsch nur, dass dich die Gotteskraft nicht mehr verlassen möge. Der Engel spricht zu dir: “Immer wieder bringe ich dir diese Kraft, wenn du dir Mühe gibst.” Dann führt er dich, so wie ich dich nun bewusst geführt habe, in diese Sphären, und je mehr du dir Mühe gibst, umso mehr vermagst du von diesem Erleben in dein Dasein zu tragen, auch wenn es dir nicht so bewusst wird. Aber es gibt Momente, da spürst du die Kraft in dir, die dich zu etwas treibt oder führt oder von etwas wegführt, die dir Mut zu einer Erfüllung gibt. Du fragst nicht einmal danach: “Wer gibt mir die Kraft, was bedeutet sie?” Dabei hat deine Seele danach gerungen.

Wenn du nun denkst, dies wäre nicht gerade die Zeit gewesen, um in solch ein Erleben hineingeführt zu werden, so sagen wir: Doch, es war die beste Zeit dafür. Jetzt, da du nun zu seinen Ehren feierst, wirst du den Frieden in deinem Herzen viel eher spüren und mehr zur Entfaltung bringen, wenn dir bewusst geworden ist, welchen Weg Christus gegangen ist für dich. Wenn deine Dankbarkeit ihm gegenüber und dein Wille zum Guten noch gewaltiger werden, dann vermagst auch du eine führende Persönlichkeit zu werden, ein führender Mensch im Heilsplane Gottes.

Nun, meine Lieben, möchte ich euch fragen: Wer vermochte mir zu folgen? Was sahst du? [Verschiedene Teilnehmer schilderten hierauf ihr geistiges Schauen, worauf Lene noch einige Erklärungen sowie ein Schlusswort gab, die nicht erhalten sind.]

Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.12.1956 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Beglückende Begegnungen mit Christus

Lene, 23. September 1973 (Ausschnitt)

Beglückende Begegnungen mit Christus

Christus wacht über die Erde und die Menschheit, denn aus ihm ist alles geworden, was da ist und lebt. Er hält Nachschau über alles, was ihm gehört. Und wer in Christi Namen lebt und mit ihm verbunden ist, wird ihn auch in nächster Nähe erleben dürfen.

Lene: [...] Ich möchte euch nun im Geiste zu einem Gottesdienst im Himmel führen. Voran schreitet Christus. Neben ihm sind jene Fackelträger, jene Herolde, denn der Himmel soll hören, der Himmel soll sehen, dass – gemeinsam mit Christus – Gott die Ehre gegeben wird. In Christus leben, das sollen die Freunde, und so im Geiste auf diesem Weg der Wahrheit schreiten, vorwärts, aufwärts, zur Ehre Gottes. Denn Christus führt euch an. Er führt euch hin zu einem flammenden, feurigen Berg; er will euch in die Nähe Gottes führen. Ihr könnt ja oder euer Geist kann Gott nicht sehen, ihn nicht erleben. Ich will euch aber die Türen auftun zur Ewigkeit: Ihr sollt dies im Geiste erleben – ihr sollt jetzt die Schau erhalten in die Geisteswelt. Ihr sollt im Geiste mitgehen mit Christus, der hingeht zum Vater. Ihr habt im Gebet darum gefleht. In Christi Namen seid ihr verbunden; in seinem Namen seid ihr hier. “Wenn zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen” (Mat. 18, 20). Christus ist es, der euch anführt, um aufwärtszuschreiten zum Vater, und er ist es, der euch einlädt. Denn da ist eine wunderbare Tafel bereitet – wunderbar ist sie gedeckt. Und jeder, der an ihr Platz nimmt, hat neben sich jenen zusätzlichen Diener, der ihn bedient. Der Mensch lebt ja nicht vom weltlichen Brot allein. Es ist die geistige Speise, die für sein Leben von grösster Notwendigkeit ist. Und diese geistige Speise besteht einmal darin, dass der Geist geführt wird und er durch diese Schau gekräftigt wird; dass durch dieses Erlebnis seine Seele Läuterung, Erleuchtung findet und dass aber auch sein menschliches Denken beeinflusst wird.

Wenn Christus euch zum Vater führt, betet er auch für euch. Er sieht den Vater, und wie ich sagte, führt er euch vor einen grossen, brennenden, flammenden Berg – weiter reicht eure Schau nicht. Christi Auge aber erblickt den Vater, und er ist es, der ihm sagt: “Hier bringe ich von den Meinen. Sie knien im Geiste nieder vor Dir. Sie loben und preisen Dich in ihren Andachten. Hier siehst Du sie, blicke mit Wohlgefallen auf sie nieder. Vater, Du hast sie mir gegeben, dass ich über sie wache – Du hast sie mir gegeben. Ich bin mit ihnen hier; ich habe sie zu Tische geladen, denn sie brauchen die geistige Nahrung. Vater, ich wirke in Deinem Namen, und so werde ich in Deinem Namen ihnen einen heiligen Geist geben. Dieser heilige Geist wird sie aufrichten, wenn sie müde, wenn sie krank geworden. Ein heiliger Geist wird ihnen beistehen, wenn sie in Sorgen und in Nöten sind; ein heiliger Geist wird ihnen beistehen, wenn ihre Stunde gekommen ist. Vater, Du hast sie mir gegeben, und in Deinem Namen handle ich, sandte und sende sie aus und gebe ihnen, was sie brauchen für ihr Seelenheil.”

So betet Christus für die Seinen, und die Seinen haben vor Ehrfurcht und in Dankbarkeit kurz ihr Knie gebeugt, ihr Haupt gesenkt. Auf seine Anweisung haben sie sich – habt ihr euch – zur Tafel gesetzt. Dem Vater erklärt er: “Siehst Du, die Meinen sind auch die Deinen. Ich habe sie zu Gast geladen, und sie sitzen hier, an Deiner und an meiner Tafel, die reich gedeckt ist. Sie sind Dir dankbar für das, was Du ihnen gegeben hast. Sie danken Dir, auch in meinem Namen.”

So spricht Christus, und euer Geist kann einen Gottesdienst mit ihm erleben. Unter Gottesdienst muss aber nicht unbedingt verstanden werden, dass man nun zeitlos, stundenlang, niederkniet, die Hände faltet und betet. Auch in der Geisteswelt wird zur Ehre Gottes gefeiert. Und wer im Geiste zu diesem Gottesdienst geführt wird, der muss in seiner Seele schon lauter sein. Ich spreche zu eurem Geist, und es ist nun an euch selbst, zu entscheiden, wie weit das Erlebnis geht und wie tief es ist. Ob man es wohl hört, dabei aber nichts empfindet, weil die Mauer zu fest, zu sehr verdichtet ist und der Geist zu eng eingeschlossen, die Öffnung zu gering ist. Es kommt alles auf den einzelnen Menschen an ... Ihr haltet Gottesdienst mit Christus und betet: “Dein Reich komme zu uns.” Das Reich des Vaters soll doch unter euch sein, ihr sollt im Reiche Gottes leben, und Christus soll mitten unter euch sein – er geht euch voran. So könnt ihr dieses im Geiste erleben.

Es genügt nicht, dass man nur an dieser Tafel sitzt – es werden himmlische Speisen, himmlische Getränke den Gästen des Himmels dargeboten. Ich möchte nicht unterlassen zu sagen, dass ihr auch im täglichen Leben, mit eurem menschlichen Bewusstsein, Gottesdienste erleben könnt – im Dienst des Nächsten, zusammen mit Christus im Dienst am Nächsten. Christus und Gott haben euch das alles gegeben, was ihr zum Leben, zu eurem täglichen Leben braucht. Euer Tisch im menschlichen Leben ist gedeckt, für euer menschlich Wohl ist gesorgt – dies auch, weil Gott es euch gab. Durch Gottes Willen ward es euch gegeben und steht es euch zu. Und Christus wacht über die Erde und die Menschheit, denn aus ihm ist alles geworden, was da ist und lebt. Er hat doch das Recht, Nachschau zu halten über all das, was ihm gehört. Wer in Christi Namen lebt und mit ihm verbunden ist, der wird auch ihn – in nächster Nähe – erleben.

Wenn ich von der reichhaltigen Tafel der Gotteswelt spreche, so heisst das auch, dass so vieles in der himmlischen Welt im reichen Masse vorhanden ist und ausgeteilt werden kann. Keiner muss hungern, jedem wird genug gegeben. Es gibt sogar viele gute Dinge, wovon ihr keine Ahnung habt – dies aber nur, wenn Christus der Gastgeber ist. Ehe ein solcher Gottesdienst beendet wird, ist mit jedem Einzelnen ja noch so vieles zu tun, womit man sich beschäftigen muss; denn wenn man Gäste hat, unterhält man sich mit ihnen. Der Himmel ist ja ganz aufmerksam, und so hat jeder Gast seinen Diener. Was geschieht dann? Wenn man zu einem solchen Gottesdienst kommt, möchte man doch weiteren Einblick haben in die himmlischen Welten. Man möchte über das, was sich in diesen Welten abspielt, Näheres erleben und erfahren. So geht Christus mit euch zu einem Gottesdienst zur Lobpreisung des Herrn.

Christus verlässt euch nun und gibt seinen Geistern Weisung, euch zu betreuen. Christus muss noch in andere Himmel gehen, denn er hat noch so viele, die ihm zugehören und die auch seine Anwesenheit wünschen. So wird er abgeholt, und man begleitet ihn. Es sind sehr oft die himmlischen Herolde, die verkünden, dass der König kommt, und es sind die Fackel- und Lichtträger des Himmels, die ihm zur Seite stehen. Sie begleiten ihn in diesen, in jenen Himmel, in den Höhen und eben manchmal auch etwas der Erde nah. So geht Christus in Begleitung der heiligen Geister Gottes und manchmal auch ohne sie, ganz allein. Er findet den Weg auch im Stillen, allein; denn nicht immer wünscht er, begleitet zu werden.

So viele Himmel und so viele Wesen gibt es in der Gotteswelt, die bitten und flehen, ihm begegnen und ihn sehen zu dürfen. So wird Christus das eine und das andere Mal da oder dort ganz unerwartet in einen Himmel eintreten. Wenn ich jetzt vom Himmel rede, könnte ich ebenso gut sagen, es sind Sphären, wo aufsteigende geistige Wesen sind. So kann es sein, dass der König da oder dort überraschend eintritt. Gross ist dann die Freude und ebenso gross die Überraschung. [...]

Auf diese Weise hat es schon viele wunderbare Begegnungen gegeben. Unerwartet ist Christus schon durch aufsteigende Sphären geschritten und war nicht in besonderen Glanz gekleidet. Wohl ist seine Kraft, sein Glanz, sein Feuer gross, aber Zusätzliches macht ihn so wunderbar, dass mancher sein geistig Auge abwenden muss, weil er das Licht Christi nicht erträgt, das ihn in diesen Glanz, in diese Herrlichkeit einhüllt. So geht Christus dann ganz leise und still und gibt sich da oder dort zu erkennen, dass er mehr ist als ein hoher Geist Gottes. Es liegt nämlich an ihm, jenen seine Hände, seine Füsse zu zeigen und vorüberzuschreiten, ohne ein Wort zu sagen. Und die es gesehen, erlebt haben, sind ergriffen; sie haben das Wunderbare erlebt und geschaut, und sie sind dem ganzen Himmel dankbar. Ihr Mühen, ihr Eifer wird gross, denn sie möchten ihm wieder begegnen. So führen diese geistigen Wesen ihre Tätigkeit mit grösstem Einsatz aus. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 23.9.1973 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1973 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 6/2022
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm