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Suche nach Glück
Beschreibung
Menschen suchen ihr Glück und ihre Zufriedenheit auf unterschiedliche Weise. Nicht alle vermögen den heiligen Ruf der Seele wahrzunehmen und den Weg zum wahren Glück zu finden. Im ersten Vortrag in diesem Heft erläutert Geistlehrerin Lene den Unterschied zwischen dem wahren Glück, das auch im Himmel zu finden ist, und den bloss irdischen Sehnsüchten und Leidenschaften, die dem Suchenden nur einen vorübergehenden Glückszustand verschaffen und ihn sogar belasten können.
Weiter zeigt dieses Heft auf, dass ein jeder Mensch als Geschöpf Gottes einen winzigen Funken aus Gott selbst in sich trägt. Wer das Tor zu dieser seiner inneren Schatzkammer zu öffnen vermag, findet nicht nur Zugang zu seinen darin geborgenen Talenten und Tugenden und damit zu wahrem Glück und innerem Frieden; es wird einem solchen Menschen auch ein Bedürfnis sein, Gutes zu tun, dem Schwachen beizustehen und dieses sein Glück an seine Nächsten weiterzugeben.
Themenheft 5/2024: Suche nach Glück
Inhalt
Die Seele ruft nach Glück, doch nicht jeder vermag es richtig zu deuten
Lene, 16. März 1966
Die Seele ruft nach Glück, doch nicht jeder vermag es richtig zu deuten
Menschen suchen ihr Glück und ihre Zufriedenheit auf unterschiedliche Weise, je nach ihrer geistigen Entwicklung. Nicht jedem ist es möglich, den heiligen Ruf seiner Seele zu verstehen und das Glück auf dem richtigen Wege zu suchen. Lene erklärt in diesem Vortrag den Unterschied zwischen dem wahren Glück, das auch in der Himmelswelt zu finden ist, und dem vermeintlichen Glück, das nur eine vorübergehende Berauschung und eine Belastung ist.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, alle Menschen suchen das Glück. Sie wollen zufrieden, geborgen, glücklich sein. Die Seele des Menschen ist es, die nach diesem Glücke ruft. Die Menschen aber, sie sind in ihrer Entwicklung so unterschiedlich. Was dem einen Glück und Geborgenheit bedeutet, bedeutet dem andern weder Glück noch Geborgenheit. Über das Glück und die Zufriedenheit der Seele möchte ich mit euch meditieren.
Wer das hohe Leben kennt, der weiss, was er tun muss, um glücklich zu sein. Er weiss, dass er einer inneren Kraft bedarf, die ihm dieses Glück fördert. Er weiss auch, dass er sich nach dem höheren Leben ausrichten muss, um wirklich glücklich zu sein. Aber zu diesem höheren Leben gehört eine Frömmigkeit. Ihr Menschen könnt euch untereinander streiten darüber, was dieses hohe Leben bedeutet. Mit dem hohen geistigen Leben meine ich das gottgefällige Leben, das sich nach der Lehre Christi richtet. Wer in sich genügend geistige und körperliche Kraft hat, kann dieses Glück erobern, wenn er nach diesen hohen Zielen des Lebens trachtet. Er kann also glücklich sein mit sich und den Mitmenschen, mit denen er zusammenlebt. Aber dazu braucht es eben eine Hingabe an das Göttliche, an die höhere Welt. Die Seele ist es, die nach diesem Glücke ruft.
Wenn ihr euch selbst oder eure Mitmenschen betrachtet, dann könnt ihr feststellen, dass man nicht immer ganz glücklich ist, dass euch etwas über den Weg kommen kann, das euch unzufrieden macht. Das können wir verstehen, denn im menschlichen Leben gibt es so vieles, was unangenehm wirkt. Aber man sollte wieder den rechten Weg finden und genügend Zeit im Leben aufbringen, um im wahren Glücksgefühl zu leben.
Die Geister in den hohen himmlischen Sphären – ich meine damit jene, die bei Gott wohnen, die Gott entgegengehen –, sie verrichten ihre Arbeit; denn in der Gotteswelt gibt es keinen Müssiggang. Aber sie haben auch ihre grossen Freuden. Sie sind überaus glücklich und zufrieden, wenn sie in ihrer Welt jene Darbietungen erleben dürfen, wenn sie Gottes Worten lauschen dürfen oder in der Gemeinschaft mit Christus leben, wirken und bei ihm zu Gaste sein können, wenn sie überrascht werden von den Geschwistern, weil man sich mit Überraschungen und mit Freuden überbietet. So haben alle, die an diesem Zusammensein teilhaben, ihre grosse Freude. Sie haben in dieser Zeit also ein ganz besonderes Glücksgefühl, und sie freuen sich schon auf das nächste Zusammensein, auf die nächsten Überraschungen. Gestärkt im Geiste gehen sie wieder an ihre Arbeit und leben in ständiger Vorfreude auf das Neue, das ihnen wieder entgegenkommt. So können sie in einem Glücksgefühl leben und voll der Freude ihre Tätigkeit ausüben, so wie ihr Menschen auch eure Arbeit viel lieber ausführt, wenn ihr ein besonderes, freudiges Fest oder sonst etwas Besonderes in Aussicht habt, das euch überaus beglückt. Auch ihr kennt die Vorfreude, und ist diese Freude erlebt worden, klingt sie noch lange nach. Ihr könnt also in einem Glücksgefühl schwelgen. Und die Heiligen des Himmels können dieses auch – von jener hohen Warte aus gesehen.
Nun zu euch Menschen. Wenn ich nun über dieses Glück und über dieses Verlangen spreche, so hat es den Sinn, euer Verständnis für eure Mitmenschen zu fördern, damit ihr auch den Mitmenschen in seiner seelischen Not verstehen könnt. Wir Geister machen euch ja immer wieder darauf aufmerksam, dass ihr euch der Bedrängten annehmen sollt. Also soll diese Meditation dazu verhelfen, euer Verständnis zu mehren für Menschen, die in seelischer Not sind.
Am Anfang sagte ich: Die Menschen verlangen nach Glück, Geborgenheit, Zufriedenheit. Es ist dies wohl ein Verlangen des grössten Teils der Menschen. Nun müssen wir aber die Menschen in ihrer Entwicklung betrachten. Der geistig Höhergestellte sucht sein Glück, seine Freuden im Allgemeinen auf einem ganz anderen Gebiet als geistig tiefstehende Menschen. Der geistig Höhergestellte, der sich im menschlichen Leben auch beglücken möchte, kann beispielsweise an den schönen Künsten teilhaben; er kann seiner Seele auf diese Weise auch Labsal zuführen, er kann sich freuen. Er kann sich aber nur dann wirklich geistig freuen, wenn sein Drang zu diesem Erleben im Rahmen bleibt. Es gibt auch geistig höherstehende Menschen, deren Neigung zu diesem oder jenem Erleben zur Sucht, zur Leidenschaft wird. Das hat dann natürlich mit dem hohen Leben nichts mehr zu tun.
Wir wenden uns jetzt jenen Menschen zu, die sich um das Glück geprellt fühlen. Man braucht es gar nicht besonders zu untersuchen, ob diese an ihrem unglücklichen Leben selbst schuld sind. Denn ihr wisst, dass der Mensch sein Lebensschifflein aus seiner eigenen Kraft lenkt und er es geschickt oder ungeschickt lenken kann. Wenn ich aber vom Glück sprechen will, so heisst das, dass auch der geistig noch tiefstehende Mensch im Verlangen lebt, glücklich zu sein. Wohl gibt es auch unter diesen Menschen solche, die mit ihrer bescheidenen Intelligenz und ihrem bescheidenen Leben, das sie vor sich haben, es verstehen, doch ein glückliches Zuhause aufzubauen. Das will ich betonen, weil meine Erklärungen nicht dahin verstanden werden sollen, dass es in allen Fällen immer gleich ist; sondern es gibt überall Abweichungen, Abstufungen, Ausnahmen. Wenn Menschen klagen, dass ihnen das Glück entronnen sei oder sie von den Mitmenschen einfach nicht verstanden würden, finden sie die Fehler aber nicht bei sich selbst. Nun gibt es gewisse Menschen, die einen Ausgleich mit Gewalt suchen – sie versuchen, sich zu berauschen. Die Seele drängt nach Zufriedenheit; die Seele drängt aber nach wahrem geistigem Glück. Menschen mit niederen Gefühlen, niederem Denken können das wahre Verlangen der Seele nicht wahrnehmen, sondern es kommen die niederen Gefühle, die Leidenschaften, die Süchte zum Ausdruck. So berauschen sie sich, begeben sich vorübergehend in einen Glückszustand.
So geschieht diese Berauschung zum Beispiel durch Alkohol. Aber nicht etwa der Alkohol allein ist es, der gewissen Menschen für einige Stunden Vergessenheit, Flucht in ein anderes Leben, in ein anderes Verhältnis beschert, sodass sie für bestimmte Stunden nicht mehr sich selbst sind. Es gibt für den Menschen noch viele andere Möglichkeiten, sich zu berauschen, weil seine Seele nach dem Glücke ruft und er den wahren Ruf nicht hört, sondern das Verlangen nach etwas Besserem nur fühlen kann. Und da er das Bessere nicht sieht, da es ihm an der inneren geistigen Kraft mangelt, da kommen die Leidenschaften zum Ausdruck. So ist es zum einen diese Berauschung durch den Alkohol.
Es gibt aber noch eine andere Berauschung, die den Menschen vorübergehend in einen Zustand der Vergessenheit führen kann, und wehe, wenn es wieder Morgen wird und man erwacht – wenn Menschen ihr Glück an der Spielbank suchen. Wieder eine andere Art und Weise, sich vorübergehend zu berauschen, ist das übermässige Rauchen; denn dadurch wollen sich Menschen ja auch in einen andern oder in einen besseren Zustand bringen, sie berauschen sich auch in gewissem Sinn. Und auch sie können den Ruf der Seele nicht hören, die nach dem Glück, nach Freude, nach Geborgenheit ruft. Diesen Ruf hört man nicht, aber man sucht sich künstlich in einen Wonnezustand zu begeben. Ich möchte jetzt nicht alle diese Süchte aufzählen.
Anderseits gibt es Menschen, die in ihrem Wesen so egoistisch, so herrschsüchtig sind, und diese Untugenden sind für sie auch eine gewisse Berauschung. Sie können es nicht lassen, andere Menschen zu plagen, sei es durch Eifersucht, durch Schikane oder sei es, indem sie sich über andere erheben und es einfach nicht lassen können, hoch anzugeben. Auch für sie ist dieses nichts anderes als eine vorübergehende Berauschung. Sie sind zufrieden, wenn sie sich behaupten können. Sie hören also auch nicht das wahre Wort, den heiligen Ruf der Seele, dass sie eine Tätigkeit ausüben sollten, die ihnen höchstes Glück bringen würde. Sie, die auf der niederen Stufe des Aufstiegs stehen, spüren nur, dass etwas zu tun ist, um sich Aufmerksamkeit und Geltung zu verschaffen; sie werden unbewusst von den niederen Gefühlen getrieben. So werden sie den Mitmenschen zur Last durch ihr unartiges Benehmen. Sie selbst aber, die vorübergehend die Möglichkeit haben, den andern zu beleidigen, zu schädigen, zu schikanieren, haben darin eine Genugtuung. Sie tun das Verkehrte, sie stehen auf dem falschen Weg; die Seele ruft nach etwas ganz anderem. Aber da die Menschen auf diesen unteren Stufen der Entwicklung noch viel zu verbessern haben und ihre Gefühle niederer Art sein können, kommt das eben auf diese Art und Weise zum Ausdruck.
So gibt es im Weiteren Menschen, die geizig oder knickerig sind. Sie fühlen sich berauscht, beglückt, wenn sie Nein sagen können, wenn ein anderer von ihnen etwas fordert. Sie fühlen sich beglückt, die Kraft zu haben, Nein zu sagen und immer mehr zusammenzubringen und mitunter rücksichtslos den andern zu schädigen. Es gibt Menschen, die sich kein Gewissen daraus machen, sondern sie haben darin ihre Genugtuung, sie werden von diesen niederen Gefühlen, von diesen Leidenschaften berauscht. Was ist dies anderes als ein grosses Manko? Man sucht nach dem Glück, das heisst, die Seele sucht eifrig nach dem wahren geistigen Glück. Aber der Mensch hört diesen Ruf nach wahrem Glück nicht. Er hört nicht, was die Gebote Gottes ihm zu sagen haben, was zu tun und was zu lassen ist – sie wollen es nicht hören, aber einen Zustand des Glücks finden sie schon: Sie finden Zeit, um sich berauschen zu lassen, eben beispielsweise durch eine Untugend, die man in sich herumträgt und die immer zeitweise zum Ausdruck kommt, und dann wird man berauscht von diesen Gefühlen.
Es können sich auch Menschen berauschen, die nicht auf so niederer Stufe der Entwicklung zu stehen brauchen – auf allen Stufen des Aufstieges findet man Menschen, die auf einem Zweige ihrer Entwicklung unausgeglichen sind. Wenn zum Beispiel ein Mensch so gerne Kunstgegenstände sammelt, und er schwelgt in seinem Besitz und sprengt dabei den Rahmen des Erlaubten, dann ist das von uns aus gesehen dasselbe, wie wenn einer dem Alkohol ergeben ist und sich so berauscht oder wenn einer an der Spielbank sitzt oder sonst ein Laster hat. Wenn man sich auf diese Art und Weise an seinem Besitz berauscht, indem man den normalen Rahmen des Erlaubten sprengt, dann sind das meistens auch Menschen, die auf der ständigen Suche nach dem Glück sind. Sie suchen ihr Glück am falschen Platz, auf dem falschen Weg.
Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu berauschen. Betrachtet einmal die heutige Jugend. Wenn sie der heutigen Musik zuhört, ist das nichts anderes als eine Berauschung, die über sie kommt. In dieser Berauschung leben oder schwelgen sie vorübergehend; das bedeutet diesen jungen Menschen Seligkeit, Glück. Es ist bei ihnen also die Musik in dieser Form, die sie berauscht und sie bis zur Ekstase treibt – es ist also auch eine Berauschung. Auch schon bei den jungen Menschen ist es so, dass die Seele nach dem Glücke sucht, tastet und sie ihre Rufe ausstösst. Und das verstehen diese Jungen nach ihrem Verlangen so, wie sie es gerne haben möchten, ohne sich um das höhere Niveau zu kümmern.
So lässt sich der eine durch Alkohol berauschen, der andere berauscht sich am Spieltisch, ein anderer an seinen Kostbarkeiten, die er hat, und wieder andere an jener Musik, die diese Menschen so sichtbar berauscht. Es gibt schöne, hohe Musik, die die Gefühle des Menschen ansprechen können und ihn auch in einen Zustand des Berauschtseins bringen. Aber dieses steht wohl auf einer anderen Ebene; es hat eine ganz andere Ausdrucksweise, und die Seele selbst schwingt mit, sie erhält etwas von dem Glück, das in der Himmelswelt zu finden ist. Das will aber nicht heissen, dass jene Menschen, welche die schöne, hohe Musik lieben, nun alle geistig hochstehend wären. Ich habe gleich am Anfang gesagt, dass es überall, auf allen Stufen der Entwicklung, verschiedene Verlangen des Menschen gibt.
Wenn es Menschen gibt, die dazu getrieben werden, zu stehlen, so finden sie in dieser Untugend auch eine gewisse Berauschung. Sie sind beglückt oder zufrieden, wenn sie etwas erreichen. So wie es Geister gibt, die den höchsten Stufen angehören, die in diesen höchsten Stufen nur nach dem wahren Glück suchen und in das Glück eingehen, so gibt es im gegenteiligen Fall Menschen, die auf der niederen Entwicklungsstufe stehen, wo nur die niederen Gefühle und das Verlangen daraus sie drängt, sich auf diese oder jene Weise zu berauschen. Es ist immer ein Suchen nach etwas Besserem, ein Jagen nach Glück, nach Zufriedenheit. Aber dies wird von jenen Menschen mit niederen Gefühlen auf die falsche Art und Weise ausgelegt und gehandhabt. Es ist also das Niedere, von dem sie sich berauschen lassen.
Nun, was ich zu sagen habe, ist Folgendes: Man muss für seinen Mitmenschen Verständnis aufbringen, wenn er solche Gefühle erlebt und in diesem Rausch ist; man soll in ihm einen Menschen sehen, der auf der Suche ist, das heisst, dessen Seele nach dem Glücke sucht, der diesen Ruf aber nicht hört. Er ist im Aufstieg, und er versucht sich nun zu berauschen und zu beglücken – dies aber nur vorübergehend. So muss man für solche Menschen Verständnis, ja womöglich Erbarmen haben. Glücklich soll sich jener schätzen, der den wahren Weg gefunden hat. Und keiner weiss ja, welcher Berauschung auch er sich einst in früheren Leben hingegeben hatte. So geht es bei einem solchen Menschen darum, dass man ihn vom falschen Weg wegführt und langsam versucht, ihm zu erklären, was wahres Glück und wahre Freude ist. Das kann nicht erzwungen werden, es kommt ganz auf den Willen des Einzelnen an.
Ich möchte nun von jenen Menschen sprechen, die ihr Glück, ihre Seligkeit finden in der Hingabe an Gott, die eine selige Berauschung finden, wenn sie einem Mitmenschen etwas Gutes getan haben. Man kann auch durch ein gutes Gewissen, das man hat, in einen angenehmen Zustand des Glückes gelangen. Wenn ihr ein gutes Werk getan habt oder einem Mitmenschen aus der Not geholfen habt, so habt ihr es sicher schon erlebt, dass ihr vorübergehend in eine wohltuende Stimmung gekommen seid; ihr seid überaus glücklich und zufrieden geworden, weil ihr etwas Besonderes geleistet habt. Also es ist die Seele, die ihre Gefühle herausdrängt, es ist der Geist des Menschen, der beglückt ist und in der Freude lebt, und seine Freude durchdringt den äusseren Menschen, sein Denken und lässt ihn so teilhaben an der wahren Freude. Ob man dem auch eine vorübergehende Berauschung sagen will oder ob man es einen besonderen gehobenen Zustand nennen will, das überlasse ich euch.
Wer sich der göttlichen Welt zuneigt, kann hoffen, dass sich auch die göttliche Welt ihm zuneigt. Wer willens ist, nach den Gesetzen zu leben, die Gott für den Menschen aufgestellt hat, wer nach diesen Gesetzen lebt, der muss schon aus diesem Gehorsam heraus, den er Gott entgegenbringt, ein Glücksgefühl empfinden. Dass er an Gott glauben kann, sollte einen Menschen schon glücklich stimmen; dass man an die heilige Geisterwelt glaubt, auf sie hofft, mit ihr lebt, sollte einen Menschen überaus glücklich machen. Er sollte also das Glück, die Geborgenheit immer in seiner nächsten Nähe haben. Dann jubelt die Seele des Menschen. Und die Freude, die aus ihm herauskommt, die wahre Zufriedenheit, hat auch auf den Mitmenschen Einfluss. Ein im Glück lebender Mensch kann den andern mitreissen, er kann ihn mit ins Glück hineinnehmen. So wie es gegenteilig der Fall ist, so ist es auch im hohen Sinn der Fall. So findet man innere Zufriedenheit, wahres Glück in dieser Hingabe an das Göttliche. Denn die Seele bekommt nun die Unterstützung. Es ist der innere Mensch, der nach diesem Wege trachtet, und es ist der äussere Mensch, der dasselbe tut – man geht gemeinsam denselben Weg, und es ist die innere Kraft, die herausströmt und den äusseren Menschen glücklich macht. So soll man versuchen, dieses Glück in dieser Weise zu finden.
Die heilige Geisterwelt Gottes erlebt auch ihre wunderbaren Ereignisse. Euch Menschen wird es nicht immer möglich sein, in eurem Alltag von morgens bis abends in diesem wirklichen Glücksgefühl zu leben. Es kommen unangenehme Probleme, mit denen ihr euch beschäftigen müsst. Es ist die Arbeit, die euer Denken in Anspruch nimmt. So müsst ihr euch dem weltlichen Geschehen, den weltlichen Pflichten hingeben. Aber das Glück, der Seelenfriede, die wahre Freude, die wartet auf jenen Zeitpunkt, wo man bereit ist, die geistige Geborgenheit, dieses geistige Glück zu geniessen. Wenn ihr mit uns zusammen seid, solltet ihr erfreut und glücklich sein darüber, wenn ihr mit eurem Herzen und mit eurer Seele mit uns verbunden seid; denn dann hat die Seele das, was sie wünscht, ihr Ruf wird gehört. So wird die Verbindung von Geist zu Geist möglich sein. Auch wenn Menschen dies selber nicht sehen können, so fühlt man aber in der ehrlichen Verbindung eine Hilfe. Man fühlt, dass einem etwas Glück, etwas Freude zugeführt wird. Der Geist des Menschen ist es, der teilhaben kann an den wunderbaren Ereignissen, wenn eure Schutzgeister ihre Arbeit niederlegen dürfen und sich den himmlischen Freuden hingeben können – euer Geist kann es also miterleben. Durch dieses Erleben werdet ihr im Glauben gestärkt, und ihr fühlt besser, dass ihr von Geistern Gottes begleitet und im Leben geführt werdet.
Auch hohe Geister interessieren sich für das tägliche Leben des Menschen, für seine täglichen Vorhaben und Geschehnisse aller Art, und sie möchten ihm, wenn sie in Freundschaft mit ihm verbunden sind, den Beistand geben, mit ihm handeln. Das Handeln des Menschen soll auf Gott ausgerichtet werden, denn ein Geist Gottes wird nur tun, was Gott gefällig ist.
Wenn ihr euch Zeit nehmt und die Meditation fördert, werdet ihr auch solche Ereignisse, die sich im Geistigen abspielen, miterleben können. Dieses Miterleben muss nicht unbedingt in euer menschliches Denken einfliessen, sondern die Meditation, die Ruhe, die Hingabe an das Göttliche sollen euch in einen so herrlichen Zustand bringen und euch so beglücken, dass ihr annehmen könnt, dass eure Seele in dieser Stunde etwas Wunderbares erlebt hat.
Die himmlische Welt eifert mit ihren Überraschungen, die sie ihren Geschwistern darbieten will. Denn die Engel des Himmels sammeln sich jeweils von Zeit zu Zeit und unterhalten sich, so wie auch ihr euch unterhaltet, wenn ihr euch zusammenfindet. Ihr sollt nicht etwa glauben, dass in den hohen Himmeln nur von den Klagen, von den Nöten des Menschen gesprochen würde und von dem, was noch alles zu tun sei. Darüber sprechen und verhandeln die Engel, wenn sie ihre Arbeit ausführen müssen. Wenn sie aber zu diesen frohen Stunden gehen, dann wollen sie es haben wie ihr manchmal, die ihr euch sagt: “Jetzt will ich nicht an meine Arbeit denken. Jetzt will ich gar nichts anderes denken als nur das Schöne auf mich einwirken lassen und das erleben.” Ebenso tun es die Heiligen des Himmels; sie wollen auch einmal nicht an die Probleme denken, die sie lösen müssen, sei es im Diesseits oder im Jenseits, sondern sie wollen in dieser Zeit himmlischer Freuden diese Freuden geniessen. Und die Heiligen des Himmels können auch sehr unterhaltsam sein. Man braucht sich bei der Engelswelt nicht etwa traurige Gesichter vorzustellen, sondern auch in den hohen Himmeln kann es recht freudig und lustig zugehen. Das aber alles dann, wenn diese besonderen Ereignisse, diese Feste, gefeiert werden. Sind sie beendet, dann schreiten diese Heiligen wieder zu ihren Aufgaben und widmen sich mit vollem Ernst ihrer Aufgabe, die ihnen gestellt ist.
So haben die Menschen doch keine Ahnung, wie es in den Himmeln zugeht. Aber wenn ihr versucht, etwas darüber nachzudenken, muss es euch doch klar werden, dass zum Glück die Freude und das Frohsein gehören – aber dieses alles in einem Rahmen der Vollkommenheit. So freuen sich die Engel wieder auf das nächste Fest, auf die nächsten Überraschungen. Und sie üben alle ihre Tätigkeit aus in der grossen Vorfreude auf die Überraschung, die wieder kommen wird. Es ist eine ständige Sehnsucht nach dem, was wieder geboten wird und Freude bringt. So leben wir alle in einem Glückszustand, auch wenn wir unsere Aufgaben in Ernsthaftigkeit zu erfüllen haben.
So seht ihr, liebe Geschwister, dass es der Seele eigen ist, in Freude leben zu wollen, nach Glück zu suchen. Aber das Glück muss auf dem rechten Weg gesucht werden. Unter Glück, unter Freude verstehen nicht alle das gleiche. So muss man nach dem Vollkommenen trachten und nicht nach dem, was vorübergehend den Menschen berauscht und ihn belastet. Man muss nach dem wahren geistigen Glück suchen, das seinen Bestand hat, das den ganzen Menschen erfreut. Und hat er ein solches besonderes Ereignis erlebt, so kann er sich noch nach Jahren darüber freuen; wenn er sich daran erinnert, wiederholt sich in ihm dieses Glücksgefühl. Demgegenüber fügt das andere, die Berauschung durch Leidenschaften, dem Menschen Schaden zu; und hat er sich geändert und denkt nach Jahren wieder an jene Zeit zurück, so bedrängt es ihn noch nach Jahren, dass er sich einstmals auf diese oder jene Art berauschen liess. Und es plagt manchen Menschen, wenn er eine Leidenschaft nicht losbringt. Es plagt ihn das Gewissen; es ist die Seele, die ständig mahnt und ruft: “Ändere dich, suche den hohen Weg des Lebens. Dann kannst du dich freuen, und du kannst zurückdenken an die Taten, die du ausgeführt hast, die dir Glück und Freude gebracht haben.” So weit sollte man es bringen, dass man über nichts, was man getan hat, reuig sein muss. So verlangt die Seele nach dem Glück.
Und nun liebe Geschwister, auch eure Seele stösst einen Ruf aus. Es heisst, ihn richtig zu verstehen. Wenn ihr ihn versteht, dann werdet ihr wirklich glücklich sein, und das Glück solltet ihr festhalten, damit es euch nicht von Dieben in der Nacht entrissen wird (vgl. Mat. 6, 19–20). Haltet fest an eurer geistigen Freude, an der wahren Freude. So möge der Segen Gottes über euch kommen, so möget ihr den rechten Weg beschreiten, um das Glück zu finden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 16.3.1966 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
In dir selbst liegt die Schatzkammer deines Glücks
Josef, 23. April 1955
In dir selbst liegt die Schatzkammer deines Glücks
Als Kind Gottes trägt jeder Mensch einen winzigen Funken aus Gott selbst in sich. Es ist das Höchste, was Gott dem Einzelnen seiner Geschöpfe persönlich geben konnte. In diesem glühenden Funken ist so viel Entfaltungskraft, so viel Glückseligkeit. Geistlehrer Josef zeigt Wege auf, wie es dem Menschen gelingt, das Tor zu seiner inneren Schatzkammer zu öffnen und ihre Kostbarkeiten zum Ausdruck zu bringen. In der Pflege der Tugenden findet der Mensch den inneren Frieden und das wahre Glück, das ihn bis ins hohe Alter hinein begleiten wird.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, das Verlangen nach Glück liegt wohl in jedem Menschen; doch sind die Ansprüche verschieden. Der eine glaubt, zum Glück gehöre viel Geld und irdisches Gut. Dabei gibt es Menschen, die trotz ihres Reichtums sehr unglücklich sind. Ein anderer klagt, wenn er gesund wäre, wäre er glücklich. Ein Dritter behauptet, er wäre glücklich, wenn er den Beruf hätte erlernen dürfen, den er sich wünschte; so aber sei sein Leben nicht, wie er es sich erträumte, und er würde nie glücklich werden, weil er keine Freude an seiner Arbeit finde. Wieder ein anderer klagt, er wäre wohl glücklich, wenn er seine Schwächen überwinden könnte. Ein Weiterer klagt, dass er nicht den passenden Ehepartner gefunden habe; daran liege es, dass er nicht glücklich sei.
Vieles, vieles finden die Menschen, dem sie die Schuld zuschieben, dass sie das Glück noch nicht gefunden haben. Dabei sind ihrer nur wenige, die sich fragen: “Habe ich auch wirklich alles getan, um mein Leben glücklich zu gestalten?” Wie wenige fragen sich selbst: “Was habe ich gefehlt, dass mein Leben nicht so ist, wie ich es mir wünsche?”
Darum, liebe Freunde, sind wir Geistwesen so sehr um das Wohl, um das Glück des Menschen besorgt. Wir möchten unsere Freunde glücklich, freudig sehen. Und wenn ihr nun überlegt, was wir Geistwesen denn unter Glück und Freude der Menschen verstehen, so sage ich euch: Gott hat die Menschen in diesen wunderbaren irdischen Garten gestellt. Darin sollen sie leben, wirken und glücklich sein. Gott hat ihnen zur Freude so viel Schönes gegeben. Wohl aber sind diese irdischen Freuden vergänglich, und es entwickelt sich daraus keine geistige Kraft. Da es aber Gott gefallen hat, euch, liebe Freunde, in diesen wunderbaren Garten zu stellen, in dem ihr leben, wirken und glücklich sein sollt, machen wir Geistwesen euch Menschen immer wieder auf euer wertvolles Leben aufmerksam.
Aber wir empfehlen euch immer wieder die geistigen Freuden, die geistigen Freuden soll der Mensch geniessen. So viele erkennen immer noch nicht, dass sie in ihrem Innersten einen wunderbaren Schatz besitzen, eine grosse Kostbarkeit, und dass dort die wunderbaren, geistigen Freuden zu finden sind. Denn dieser glühende Funke, den Gott in das Innerste eines jeden Menschen gegeben hat, er strahlt die feinsten Kräfte aus; es sind die edelsten Regungen und Gefühle im Innersten des Menschen. In seinem Innersten also trägt der Mensch – ich könnte sagen – eine Schatzkammer. Das Tor dazu muss jedoch jeder Einzelne aus eigener Kraft öffnen können. Er muss selbst die Kostbarkeiten aus seinem Innersten herausholen und ihren Wert schätzen lernen. Denn es gibt viele Freunde, die schon in einem gewissen Alter sind und, ich möchte sagen, müde geworden sind. Sie haben die Kostbarkeiten des irdischen Lebens gekostet. Daraus aber haben sie keine Kraft gewonnen, um auch im Alter darin eine Stütze zu besitzen. All das Erleben irdischer Freuden von einst hat ihnen keine Kraft, keinen Gewinn gebracht.
Nun mache ich meine Freunde auf diese wunderbaren geistigen Freuden aufmerksam, die dem zuteilwerden, der die Kraft besitzt, das Tor zu seiner Schatzkammer zu öffnen, wo all das Wunderbare in seinem Innersten ständig durch den immerglühenden Gottesfunken erwärmt wird, damit der Mensch darin leben und glücklich werden kann, sobald er seinen göttlichen Gefühlen zum Ausdruck verhilft. Doch bis dahin hat er vieles zu überwinden. Er muss zur Erkenntnis gelangen, dass weder das irdische Gut noch all das, was die irdische Welt zu bieten vermag und was auf viele so gewaltigen Eindruck macht, zählt oder glücklich macht.
Ihr könnt doch selbst beobachten, wie viele Menschen unglücklich sind, denen es nicht an Geld und Gut mangelt. Ja, wie kann man denn einem solchen Menschen klarmachen, dass es geistige Freuden gibt, ein geistiges Glück, das man schon als Mensch geniessen kann? Ich betone, dass dafür das Tor zu eurer inneren Schatzkammer geöffnet werden muss und ihr die Kraft dazu nur dann erhaltet, wenn ihr zunächst vieles überwindet – wenn ihr also erkennt, dass das Glück nicht in all dem Geschehen und Erleben der irdischen Welt zu finden ist, dass die Freude von innen heraus kommen muss, dass etwas vorhanden ist, was ständig eine wunderbare Kraft ausströmt, und man nach dieser Kraft suchen, sie ergründen kann, also diese Schatzkammer mit all den Werten, die in ihr liegen. Denn um geistig glücklich zu sein, muss jeder zuerst bei sich selbst Ordnung schaffen, die Zufriedenheit. In sich selbst muss er das Glück spüren, damit er diese Feinheiten aus sich selbst holen kann, zum Heile für sich selbst wie für das seiner Mitmenschen. Denn erst, wenn der Mensch den Frieden in sich selbst gefunden hat, wird er fähig, Frieden um sich zu halten und auszuströmen. Und wenn er in seinem Innersten nach der Freude sucht, wie vieles wird er da finden, was ihn beglücken kann. Er wird erkennen, dass er selbst nicht der Nehmende, sondern der Gebende sein soll.
Wie oft beklagt der Mensch seinen eigenen Zustand, weil er zu sehr in diesem irdischen Geschehen lebt, weil all das Materielle einen solch gewaltigen Eindruck auf ihn macht, weil er so wenig Glauben und Vertrauen hinsichtlich der geistigen Hilfe hat. Ja, ein solcher Mensch wird nie fähig sein, dieses Tor zu seiner Schatzkammer ganz öffnen zu können. Er wird hie und da vielleicht einen Anlauf dazu nehmen und manchmal voll der besten Vorsätze sein, weil durch eine kleine Öffnung des Tores etwas Kraft ausströmen konnte. Aber schon bald wird er vom Treiben der irdischen Welt wieder abgelenkt und beeindruckt. Dann, mit dem Dahinschwinden seines Gottvertrauens, schliesst sich das Tor zu seiner Schatzkammer aufs Neue.
Darum ist es notwendig, dass der Mensch zuerst an sich selbst arbeitet und streng ist mit sich selbst. Ein jeder kann glücklich sein, wo er steht und geht, wenn er auch nicht den gewünschten Beruf erlernen konnte, wenn auch kranke Menschen um ihn sind oder, gleichfalls, wenn auch seine Kinder nicht so sind, wie er sie haben möchte, oder selbst wenn dieses und jenes Unglück über ihn hereingebrochen ist. Trotzdem soll der Mensch glücklich werden und den Wert des Lebens erkennen, da ihn doch Gott in dieses Erdenreich gesandt und ihn – je nach seiner Kraft – mit grösseren oder geringeren Aufgaben und Sendungen betraut hat. Wenn ein Mensch erkennt, dass er von Gott in dieses Erdenreich gesandt wurde, dass er hier eine Aufgabe erfüllen muss, so soll er doch zufrieden sein. Denn Gott wird ihn dafür belohnen, wenn er die Aufgaben in seinem Leben erfüllt. Dazu ist doch immer wieder zu sagen, dass ein jeder dafür zu sorgen hat, dass er aus seinen Verhältnissen heraus das Beste von sich gibt. Was er einstmals versäumt hat, wird nicht immer gutzumachen sein; doch das kann von jedem verlangt werden, dass er aus seinen Verhältnissen heraus das Beste zu machen versucht.
Oftmals glaubt der Mensch, wenn er dieses oder jenes hätte oder wenn er von diesem oder jenem Übel befreit wäre, dann wäre er glücklich. Ich habe schon anfangs gesagt, dass viele Menschen, die über all das verfügen, worin andere ihr Glück zu sehen vermeinen, sehr unglücklich sind. So könnte es auch in deinem Falle sein, lieber Freund, wenn du über diesen Reichtum verfügtest, den du dir zu deinem Glücke wünschst. Es könnte sein, dass du dann unzufriedener, unglücklicher wärst, als du es heute bist. Wenn in deinem Plane jedoch dieses oder jenes Schicksal gezeichnet ist, so hast du es durchzustehen. In deiner Kraft und Möglichkeit liegt es aber, es selbst zu erleichtern, indem du dir Mühe gibst und versuchst, das Beste aus deinem Leben zu machen, indem du immer ein gesundes Denken pflegst und in vernünftiger Art und Weise alle Dinge in jeder Situation gut überlegst. Denn leider ist es so, dass viele Menschen die Wirklichkeit nicht erkennen, dass sie das gesunde, logische Denken nicht pflegen und ihren Wünschen entsprechend ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Deshalb ist uns so sehr daran gelegen, die Menschen auf ihre Pflichten aufmerksam zu machen und dass sie all die edlen Gefühle pflegen, aus denen heraus ihnen so viel Kraft erwächst. Denn dadurch verbinden sie sich mit jenen herrlichen Mächten, die sie führen und sie zu den Erkenntnissen inspirieren, die für sie notwendig sind. Wenn der eine oder andere Unglück gehabt hat und diesem Umstand die Schuld zuschiebt, dass er in seinem Leben keinen Erfolg hat, da möchte ich nur sagen: Wenn du trotzdem Erfolg gehabt hättest, so wäre dieser irdische Erfolg doch nicht zu deinem Segen geworden. Du hättest dich damit mehr belasten können. Hier möchte ich auf die Worte Christi aufmerksam machen: “Was nützte es dir, wenn du die ganze Welt gewännest, an deiner Seele aber Schaden nähmest?” (Luk. 9, 25). Darum, meine lieben Freunde, ermahnen wir euch alle doch so sehr zur Pflege der geistigen Kräfte in euch, dass ihr nun mit euren Kräften versuchen sollt, das Tor zu eurer geistigen Schatzkammer zu öffnen, damit all die wunderbare Kraft aus euch herausströmen kann. Wer das tut, den werden diese herrlichen Kräfte durchs Leben begleiten; er wird den Segen spüren, der aus seinem Innern kommt. Das heisst den inneren Frieden pflegen und erhalten, dann wird man mehr Verständnis, mehr Wohlwollen aufbringen für die Mitmenschen. Darum dringen wir so in euch. Versucht das innere Leben zum Ausdruck zu bringen, dann wird der eine und andere nicht mehr über dieses und jenes zu klagen haben; denn es werden sich Kräfte in ihm entwickeln, wenn es ihm gelingt, das Tor zu seiner Schatzkammer aufzustossen. Dann werden ihn diese Kräfte begleiten bis in sein Alter.
Beobachtet einmal jene – und ihnen sei Lob dafür –, die schon von Jugend an diese Verbindung zur Gotteswelt pflegen. Auch wenn sie alt werden, zeigen sie noch eine geistige Frische. Also wenn der Mensch schon beizeiten an sich arbeitet, entwickeln sich in ihm diese geistigen Kräfte, die unvergänglich sind, sodass er sich auch im Alter noch froh und glücklich fühlt, was ihm zu dieser geistigen Frische verhilft. Jene aber, die in ihren jungen Jahren nur für die irdischen Herrlichkeiten lebten, sie werden im Alter nicht von diesen geistigen Kräften zehren können. Nein, sie werden müde sein, und klagen werden sie über alles, was um sie ist und geschieht, wenn sie in ihren jüngeren Jahren nur das Irdische auf sich einwirken liessen und nicht nach dem Geistigen fragten. Wer aber das Vertrauen zu Gott hat und diese Kraft aufbauen kann, der wird bis zu seiner letzten Stunde von diesen göttlichen Kräften begleitet sein, denn sie sind nicht zu vernichten. Was der Mensch in dieser Weise einst gesät hat, wird ihm Gewinn bringen in der Zeit, da er solchen am meisten braucht; also in Zeiten der Not wird er diese geistige Kraft ganz besonders spüren. Darum, liebe Freunde, machen wir euch auf dieses geistige Glück aufmerksam. Nach geistigen Freuden sollt ihr suchen und nicht nach irdischen.
Ein Vorteil bietet sich einem jeden, wenn er abends, wenn er sich zur Ruhe begibt, überlegt: “Was durfte ich heute an geistigen Freuden erleben? Und was an geistigen Freuden habe ich andern bereitet?” So soll der Mensch forschen, dann wird er immer tiefer in dieses geistige Reich eintreten, und alles Irdische wird nicht mehr so grossen Eindruck auf ihn machen. Viele Dinge werden ihm unwichtig erscheinen, und trotzdem wird er seine Pflicht im Leben erfüllen. Das ist es, was wichtig ist: Der Mensch soll selbst erkennen, was seine Pflicht ist. Denn Gott hat ihn in diesen Garten der Erde gestellt, dass er seine Aufgaben darin bestelle und gleichzeitig auch in den geistigen Freuden lebe. Dazu braucht es das lebendige Gebet um Kraft; es braucht diese wunderbare Verbindung, die dadurch hergestellt wird, wenn der Mensch zugleich die geistigen Freuden pflegt und darin lebt. Dann wird sein Leben zu einem Gebet. Dann wird er gekräftigt, dann kommen die himmlischen Helfer und stehen ihm bei, dann kommen diese wunderbaren geistigen Helfer der Erkenntnis, und er beginnt zu ahnen, warum er zuweilen auch Not und Leid durchzustehen hat.
So sagen wir doch immer, dass ein jeder von seinem Platze aus geistig so viel zu wirken vermag; dass er versuchen soll, das Beste aus seinem Leben zu machen, aus den gegebenen Verhältnissen heraus, dass er an seinem Platze geistige Kräfte zu entwickeln hat, damit er seinen Mitmenschen davon geben kann. Denn leider ist es so, dass der Mensch viel zu viel von sich selbst spricht und nur sich selbst beklagt. Wenn er dagegen wirklich zuerst nach dem Reiche Gottes trachten würde, würde ihm alles gegeben, was er benötigt, denn Christus hat es versprochen – und so ist es auch. Der Mensch sollte zu dieser Einsicht gelangen, dass er zuerst nach dem Göttlichen trachten muss, damit ihm die himmlischen Kräfte mit Trost und Führung beistehen. Doch muss er sich öffnen und hören können, was die himmlische Welt ihm mitzuteilen hat, damit er die Wege, die er gehen muss, erkennt.
Wenn in deinem Leben, lieber Freund, viel Schweres ist, so versuche es doch in Erhabenheit zu tragen und dir vorzustellen, dass du für deine Geduld und dein Ausharren endlich eine wunderbare Belohnung erhältst – aber nur dann, wenn du es in Geduld und Erhabenheit getragen hast, wenn du immer wieder versuchst, Frieden auszuströmen, wenn du immer wieder versuchst, mit Liebe zu antworten, wo dir keine Liebe entgegengebracht wird.
Meine lieben Freunde, so versucht bei euch selbst das Tor zu eurer geistigen Schatzkammer zu öffnen, damit ihr diesen wunderbaren Reichtum bestaunen und bewundern könnt und seinen Wert schätzen lernt. Dann werdet ihr erkennen, wie not es tut, dass diese Kostbarkeiten aus dem Innersten hervordringen können. Es ist das, was euch immer wieder empfohlen wird: in Liebe und Geduld mit den Nächsten zu leben, wohlwollend zu sein und den Frieden zu halten.
Wer aber denkt, dass ihr heute wie immer dieselben Ermahnungen vernehmt, der erkennt den Wert, diesen geistigen Reichtum, nicht, der in jeder Seele liegt, weil er nicht die Kraft besitzt, das Tor dazu zu öffnen. So empfehle ich euch nun neben dem andern, das euch schon empfohlen wurde – diese Rückschau, die ihr halten solltet, was ihr nicht tut –: Versucht in der nächsten Zeit nach den geistigen Freuden zu suchen, die ihr euch selbst verschaffen könnt. Forscht danach, womit ihr euren Mitmenschen geistige Freuden bereiten könnt. Dann werdet ihr selbst mehr Freude am Leben haben. Ihr werdet erkennen, dass ihr eure Aufgaben leichter erfüllt, wenn ihr nach diesen geistigen Werten trachtet.
Nun möchte ich euch schildern, wie es zwei Schwestern nach ihrem Eintritt ins geistige Reich ergangen ist. Die eine war im Leben eine reiche Frau. Sie tat nicht viel Gutes, war sehr egoistisch und herrschsüchtig. Die andere hingegen besass wenig an irdischen Gütern, war aber liebevoll und bescheiden und gab auch viel von dem wenigen, das sie besass, den Armen. Deshalb wurde sie von ihrer Schwester getadelt, anderseits auch verachtet, denn jene war keine so angesehene Frau wie sie selbst. Die gute Frau störte sich aber nicht an den harten Worten ihrer Schwester. Sie begleitete weiterhin ihr Gebet mit guten Werken und lebte fromm, bis es geschah, dass sie als Erste von diesem Erdenreiche abberufen wurde. Nachdem sie in einem schönen Himmel erwacht war, war ihr grosser Wunsch, ihrer auf Erden verbliebenen Schwester beizustehen, ihre Gesinnung umzuwandeln. Und sie erbat sich Unterstützung seitens der Engel, denn sie erkannte wohl, dass sie ihr Vorhaben nicht allein zu Ende führen könnte. Ihr Wunsch wurde erfüllt, und ein himmlischer Bote begleitete sie. So näherten sie sich der Schwester und versuchten, sie zu ermahnen und zu inspirieren. Die Schwester aber fühlte und hörte nichts. So sahen die beiden Wesen die Aussichtslosigkeit ihres Vorhabens ein, kehrten ins Himmelreich zurück und verblieben dort. Hie und da aber versuchte die gute Schwester erneut, der auf Erden verbliebenen von ihrer Kraft zu geben, aber auch das immer seltener.
So kam die Stunde des Sterbens auch an die zurückgebliebene Schwester, und als es so weit war, trat auch die gute Schwester an ihr Sterbebett und half mit bei der Trennung von Geist und Körper. Als dann dieser Geist die gute Schwester erkannte, begrüssten sie sich. Die gute Schwester machte die Neuangekommene darauf aufmerksam, dass sie nun im geistigen Reiche sei und dass das Leben hier weitergehe. Und sie erinnerte sie daran, dass sie ihr früher schon von ihrer Verbindung zur Geisterwelt Gottes erzählt habe, worüber sie stets nur gelacht habe. Nun musste diese Schwester erkennen, dass sie, obwohl sie gestorben, wirklich weiterlebte: Sie wurde in ihr Haus zurückgeführt und sah dort ihren toten Körper, sah ihre weinenden Angehörigen. Dann betrachtete sie ihren Geistkörper wieder und wieder und erkannte, dass sie wahrhaftig weiterlebte.
Alsdann wurde sie von ihrer Schwester vor einen Engel des Gerichts hingeführt, und dieser sprach zu ihr: “Sage mir, wo sind deine guten Werke? Denn im Himmel wird das Gute belohnt, ja sogar jedes gute Wort des Menschen findet hier seine Belohnung. Darum siehst du deine Schwester in Pracht und Herrlichkeit, denn durch ihre vielen Werke hat sie diese Belohnung verdient. Wo aber sind deine Werke?” – “Ich habe auch Gutes getan. Aber sieht man denn wirklich auch alles, was man im Leben Gutes getan hat?” – “Freilich”, entgegnete der Engel des Gerichts, “alles bis ins Kleinste ist zu erkennen.” – “Ja dann sieht man doch auch, dass ich da und dort grössere Geldbeträge für gute Zwecke gestiftet habe.” Doch der Engel antwortete: “Deine Gaben waren unbedeutend. Deine Schwester gab von ihrem wenigen viel. Was aber bedeutend ist: Sie gab von Herzen; du gabst vom vielen nur wenig und aus Berechnung, das ist unbedeutend.” Da war diese Seele enttäuscht. Der Engel aber belehrte sie: “Siehst du, all die guten Werke deiner Schwester haben ihr viel geistigen Gewinn gebracht. Aber auch die Erhabenheit und Ruhe, mit der sie jedes deiner Worte des Tadels und der Verachtung entgegennahm, trug zu ihrer jetzigen Schönheit bei. Du aber bist anders gezeichnet worden und wirst nun in dieser Welt Einkehr halten müssen, die du dir selbst geschaffen hast. Du wirst mit deinesgleichen zu leben haben.”
Mit diesen Worten begleitete der Engel des Gerichts diese Seele in eine Welt der Läuterung. Dort fand sie weitere Wesen, doch nur solche, die klagten und jammerten, solche, die noch Schmerzen an ihrem geistigen Leibe empfanden. Und alle klagten über ihren bejammernswerten Zustand. Hier fand diese neu hinzugekommene Seele keine grosse Beachtung mehr. Hier war sie nicht mehr eine Persönlichkeit wie im irdischen Reiche. Niemand nahm Notiz von ihr. Andere näherten sich ihr nur, um zu klagen und zu jammern.
Allmählich kam ihr die Erkenntnis, was sie gefehlt hatte im irdischen Leben, und sie litt darunter. So bat sie, ihre Schwester möge ihr doch beistehen und ihr heraushelfen. Doch der Engel des Gerichts sprach: “Deine Schwester werde ich nun in einen herrlichen Himmel geleiten, den sie sich selbst erworben hat im Erdenreiche. Jedes Wort der Schmach und Verachtung, das sie schweigend erduldet hat, findet nun seine Belohnung. Glück und Freude hat sie verdient, und in dieser himmlischen Glückseligkeit wird sie fortan leben. Sie darf dich dann und wann besuchen, dir Trost bringen. Aber du musst nun mit deinesgleichen zusammenleben. Du sollst lernen, aufmerksam zu werden für die Leiden anderer. Denn du sollst demütig und bescheiden werden. Wenn du zur Einsicht gelangst, dass man andern seine Aufmerksamkeit, seine Liebe zu schenken hat und Verständnis, dass man mit ihnen fühlen muss, dann wirst du Erleichterung erhalten.” So wurde diese Seele sich selbst überlassen.
Seht nun, meine lieben Freunde, diese Seele wird trotz aller Ermahnungen seitens des himmlischen Boten ihre Einstellung nicht so rasch ändern können. Ihre Gefühle von Zorn und Überheblichkeit, ihr Hochmut, sind so tief in ihr verwurzelt, dass sie ganz davon durchdrungen ist. Sie wird lange Zeit leiden, bis sie zur Einsicht kommen wird, dass sie diese niederen Triebe zu überwinden hat. Wenn es dann aber einmal so weit sein wird, kann auch ihr Erleichterung gebracht werden. Sie wird dann aus ihrem Bereiche herausgeführt, wenn auch nur eine Stufe weiter empor, wo sie schon mit etwas freieren, gehobeneren Wesen zusammenkommen wird. Und je schneller sie ihre Gefühle veredeln kann, desto schneller wird die Befreiung für sie kommen.
Darum ist es doch so wichtig, dass schon der Mensch die Gefühle in sich veredelt hat, sodass all das Wunderbare emporsteigen kann, das tief in seinem Selbst liegt. Und wenn er all das Herrliche, was ihm an Geistigem geboten wird, wirklich aufnimmt, sodass er davon durchdrungen wird, dann wird in der geistigen Welt all das zum Ausdruck kommen. Die himmlischen Boten geben jeder Seele klar zu verstehen, dass ihr gesamtes Denken und Handeln festgezeichnet ist, also auch jedes gute Wort für die Mitmenschen wie die Gefühle der Verachtung und des Neides und so weiter.
Wenn ich gesagt habe, dass der Engel des Gerichts die Geldspenden der einen Schwester als unbedeutend bezeichnet hatte, so war das so gemeint, dass nur das seine Belohnung findet, was der Mensch von Herzen gerne und ohne Berechnung gibt. Wer aus Berechnung gibt, dessen Belohnung ist nur ganz gering, unbedeutend. Mögen aber alle Belohnungen, die du, lieber Freund, erhältst, bedeutend sein.
Also denke darüber nach, und versuche in allen Lagen dein Bestes herzugeben. Versuche deine Gefühle zu veredeln. Dann baust du dir diese wunderbare Kraft der geistigen Frische auf, die dich begleiten wird bis in dein Alter hinein. Und so soll es sein. Versuche in diesem geistigen Garten zu wirken und zu leben. Wunderbare Kräfte wirst du dafür empfangen.
So, meine lieben Freunde, seid glücklich und froh. Sucht nach geistigen Freuden, entfaltet sie, und tragt selbst bei zum eigenen geistigen Glück. Dann werdet ihr den Segen Gottes fühlen und die Nähe der Engel Gottes auch. So gehet nun hin in Frieden und Freude, und der Segen Gottes begleitet euch auf euren Wegen. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 23.4.1955 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Geistige Erkenntnisse sind der Schlüssel zum Himmelreich
Lene, 16. Mai 1973
Geistige Erkenntnisse sind der Schlüssel zum Himmelreich
Es gibt Menschen, die – sinnbildlich gesprochen – die tragenden Säulen der heiligen Halle dieser Erde sind. Das Dach ist Gott; er gibt denjenigen Schutz, die sich in dieser heiligen Halle aufhalten und hier das wahre, beständige Glück erleben, das nicht in den Äusserlichkeiten der Welt zu finden ist.
Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, wer geistige Erleuchtung und geistige Erkenntnis hat, besitzt den Schlüssel zur Ewigkeit. Wenn ich zu euch rede, möchte ich gerne verstanden werden, jedoch unterscheidet sich meine Sprache von eurem weltlichen Reden. Daher muss ich auch in Bildern zu euch sprechen, denn auf diese Weise kann ich zum Ausdruck bringen beziehungsweise euch erklären, wie man in der göttlichen Welt die Dinge sieht, wie wir es beobachten.
Wenn ich auf diese bildhafte Art und Weise zu euch spreche, versuche ich in euer Inneres zu gelangen. Ich bitte euch immer, das Weltliche abzulegen, denn mit dem rein äusserlichen, weltlich denkenden Menschen kann ich nicht reden. Ich möchte den Geistesmenschen ansprechen, dem es wirklich darum geht, geistige Erkenntnisse zu gewinnen und diese andere Welt zu erleben, wie sie wahrhaftig ist.
Ich versuche nun, euch einiges in der Geistessprache darzulegen. Ich möchte sagen: Es gibt Menschen, die die tragenden Säulen der heiligen Halle dieser Erde sind. Das Dach über dieser heiligen Halle ist Gott; er gibt denjenigen Schutz, die sich in dieser heiligen Halle aufhalten. Zu den Säulen, von denen ich sprach: Es gibt Menschen, die diese Halle tragen müssen – ich meine jene Menschen, die eben geistige Erkenntnisse haben und zugleich ein geistiges Licht sind. Sie sind die Säulen dieser grossen, heiligen Halle.
Ich möchte euch klarmachen, was mit dieser Halle gemeint ist. Im Grunde genommen ist es doch die Erde mit all den Menschen, die da leben und sich da bewegen. Aber es ist noch mehr damit gemeint. Ich will ja nicht so weltlich mit euch reden, sondern geistig. Trotzdem muss ich versuchen, auch menschliche oder weltliche Beispiele zu bringen, damit ihr dem nahekommt, was ich meine.
Gerade heute sind junge Menschen da, die glauben, das Glück in einem anderen Land finden zu können. Sie gehen auf die Suche nach Glück, nach einem Erlebnis und glauben, dass dieses Glück in einem anderen Land zu finden wäre, bei anderen Menschen, in einer anderen Umgebung. Das meinen sie. Doch nur wenige von ihnen werden innerlich reicher zurückkehren, wenige; denn es ist nicht die Umgebung, die ihnen die Erleuchtung und das Glück bringt. Es sind auch nicht die fremden Menschen, denen sie begegnen, die ihnen dieses Glück bringen, wie sie annehmen. Das alles sind äusserliche Dinge. Sie verändern die Welt nicht, sie bringen das Glück nicht. In den Äusserlichkeiten ist das Glück nicht zu finden.
Sie suchen etwas, was sie verloren haben. Wenn ihr einen Gegenstand verloren habt, und ihr seid ganz gewiss, dass er euch verloren gegangen ist, dann geht ihr auf die Suche. Ihr sucht diesen Gegenstand, wenn er euch etwas wert ist; ihr bemüht euch, ihn zu finden. Das ist menschlich und weltlich. Diejenigen, die in fremde Länder gehen, zu fremden Menschen, die in eine fremde Umgebung kommen und dort ihr Glück suchen, sind auch solche, die etwas verloren haben. Sie meinen, sie würden ihr Glück weit weg in einer anderen Umgebung finden. Aber die andere Umgebung gibt ihnen noch keine Möglichkeit, das Glück zu finden. Denn sie wissen nicht, dass sie gerade das, was sie suchen und zu finden glauben, selbst mit sich tragen. Sie wissen nicht, dass dieses Glück, das sie suchen, in ihnen selbst ist – aber nicht im Äusseren des Menschen, sondern inwendig. Sie tragen dieses Glück mit sich herum und wissen nicht, dass sie es besitzen. Sie glauben nur, dass ihnen etwas fehlt. Sie suchen also etwas.
Menschen vermissen manchmal etwas und glauben, dass sie es verloren hätten. Wenn sie sich dann bemühen, danach zu suchen, ist es doch in ihrer Umgebung, sie finden es dort; sie haben es vermisst, weil es ihnen nicht gegenwärtig war. So ist es mit diesem inneren Glück. Sie vermissen es, es ist ihnen nicht gegenwärtig. Dabei ist das Glück, die Geborgenheit in ihnen selbst – nur ist es eingeschlossen. Sie haben den Zugang nicht. Aber es sind nicht die weiten Wege, die es ihnen ermöglichen, das zu finden, wonach sie suchen. Es ist der falsche Weg, den man geht. Man glaubt zwar, bei anderen Menschen, in einer anderen Umgebung wäre die Welt anders und man könnte das Glück dort finden, doch man hat es ja in sich selbst.
Ich sagte euch: Geistige Erkenntnisse der Seele sind der Schlüssel zum Himmelreich. Man muss sich also von dieser Welt wegwenden und den Kontakt finden zum Höheren, in das Geistige hinein. Man kann es vielleicht verstehen, wenn ich sage, dass ich nicht in der üblichen Sprache des Menschen reden kann, wenn ich euch geistig erquicken und erlaben möchte. Ich kann euch nicht äusserlich beglücken, nur inwendig. Ich kann euch nur eine geistige Sicherheit geben, aber keine menschliche für euren Alltag. Das Menschliche kann nur in Beziehung kommen mit der geistigen Sicherheit, weil ihr durch die innere Sicherheit auch den Weg im äusseren Leben finden werdet.
Nun komme ich zurück zu den tragenden Säulen. Menschen können die Säulen dieser heiligen Halle bilden. Diese Träger haben die Ordnung und die Gesetze Gottes eingeritzt. Jeder, der sich in dieser Halle bewegt, hin und her geht, kann sich bei diesen verschiedenen Säulen aufhalten. Dort kann er Gottes Gesetz und seine Ordnung lesen, deutlich sind sie eingekerbt. Aber was soll diese heilige Halle, wer hält sich in ihr auf, und zu was dient sie? Wie soll man dies geistig erkennen? Es ist doch symbolisch: Es ist diese Welt, wo Menschen leben, gestaltet zu einer heiligen Halle, und Gott gibt den Schutz dieser Halle, er ist der Herr, der Herrscher des Menschen. Das Ewige des Menschen ist doch aus seinem Funken entnommen, der Mensch hat Göttliches in sich; er kommt aus Gott und ist mit seiner Aufgabe da auf dieser Welt.
Was tun die Menschen? Jetzt komme ich auf einen wichtigen Punkt zu sprechen: Ist jemand in Not, bittet und fleht er zu Gott, er möge ihm beistehen – das tun die Frommen und Gläubigen –; ein jeder nimmt Gott für sich in Anspruch, er soll ihm helfen. Die heilige Geisteswelt oder sonst welche Heilige des Himmels sollen ihm den Beistand geben und für ihn die Probleme lösen. Sie sollen ihn behüten und beschützen. Ist man geistverbunden, hat man eine Sicherheit, dass man behütet wird. Der Glaube an die enge Verbindung mit der heiligen Geisteswelt gibt einem die Gewissheit, beschützt und behütet zu sein. Man bittet Gott in der Not: “Hilf mir, gib mir den Beistand.” Wer in diese heilige Halle eintritt und sich unter dem Schutz und dem Segen Gottes bewegt, lebt also in Sicherheit und Geborgenheit.
Versucht nun, euch einen Menschen ausserhalb dieser heiligen Halle vorzustellen, einen, der keine Kenntnis hat vom Leben nach dem Tode, vom Himmelreich, von der Ewigkeit, der nur eines weiss: Gott kann ihm helfen, wenn er in Not ist, Gott kann ihn erhören – kann. So nimmt er Gott für sich in Anspruch. Ist es richtig, wenn man zu Gott bittet, Gott für sich allein in Anspruch nimmt und nicht an den Nächsten denkt? Es ist doch eine Notwendigkeit, dass man für alle da ist in der geistigen Familie, die man bildet im gemeinsamen Glauben an Christus, dass man auch die Bedrängnis und die Not des andern sieht.
Warum gibt es ständig diese grosse Not und diese Kriege auf der Erde? Diese Menschen, obwohl sie behaupten, religiös und fromm zu sein, haben doch keinen Platz in dieser heiligen Halle, von der ich rede. Das sind Menschen, die ausserhalb dieser heiligen Halle stehen. Wahrlich gottverbundene Menschen sollten nämlich sich selbst als Gottesmenschen sehen, als Menschen ganz nahe verbunden mit Gott. Glaubt nicht, dass dies überheblich wäre, denn ich sage dies aus einer für euch erhöhten Geistesstufe. Versucht in nächster Nähe mit Gott zu sein, im Auftrage Gottes zu handeln und selbstverständlich danach zu leben. Man soll nicht herrschen und befehlen, sondern so als Gottesmensch leben, wie man sich Gott vorstellt, dass er ist: dass er gibt, sich dem Menschen zuwendet, ihm seinen Beistand gibt und man von ihm Hilfe erwarten darf.
Ihr Menschen ahnt ja gar nicht, was an geistigem Reichtum in eurer Seele ist. Gott ist vielen fremd geworden. Er ist für sie zu weit weg, er kann für sie in der Seele nicht erlebt werden – wohl mit Worten, doch nicht in der Seele. Um von dieser erhöhten Geistesstufe aus Gott zu erleben, muss man göttlich denken, göttlich handeln. Denn jeder Mensch ist so kostbar, denn er trägt den göttlichen Funken in sich, er trägt höchstes Glück in sich. Er trägt aber auch wunderbare und kostbare Talente und Eigenschaften in sich, die nicht nur ihn selbst als Menschen beglücken, wenn sie offenbar werden, sondern es ist wie im Himmelreich: Dort wetteifert die Engelswelt untereinander, um das Schönste zu entfalten. So ist es auch dem Menschen gegeben, das Wunderbare, das an Kostbarkeit in seine Seele gelegt wird, unter den Menschen zu entfalten, mit ihnen zu wetteifern, sie damit zu beglücken. Was die Welt an Künsten besitzt, ist wohl nur ein Schatten von dem, was im Himmelreich ist. Doch es gibt Menschen mit hohen künstlerischen Fähigkeiten. Bei ihnen ist dieser Teil an innerem geistigem Reichtum freigelegt worden, damit sie sich und andere beglücken.
Aber bitte, liebe Geschwister: Wenn ich von hohen künstlerischen Fähigkeiten und Werten rede, meine ich natürlich nicht eure Kunst, bei welcher man sich anmasst, sie “Kunst” zu nennen. Nein, mit dieser Kunst können wir nichts anfangen. Das ist nicht Reichtum der Ewigkeit, Reichtum der Seele. Aber tröstlich ist es, zu wissen, dass dies ein Übergang ist. Es wird etwas anderes kommen, eine andere Kunst – wenn ich nun dieses Wort aussprechen darf –, die dann ausgeprägter sein wird. Sie wird auf dem, was jetzt geschaffen ist, aufgebaut und entfaltet werden. Dies geschieht aber nicht in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren – es werden noch viele Jahre ins Land gehen, bis sich das herauskristallisiert, was das Neue werden und den Menschen beglücken wird. Mit dem, was heute den Menschen gezeigt und Kunst genannt wird, haben wir nichts zu tun. Aber es ist der erste Schritt in eine neue Epoche, die kommen wird – für eine andere Kunst, die dann Menschen eher beglücken kann. Dieses möchte ich nicht unterlassen zu sagen.
Ich rede von den wahren Künsten, den hohen Künsten, die sich unter den Menschen entfalten werden und an der sich Menschen beglücken können. Solches muss sich in dem Masse entfalten, wie es einst vorhanden war, und etappenweise, entwicklungsweise kommt es in diese Welt zurück. Diese hohen geistigen Schätze werden wieder zum Ausdruck gebracht werden. Sie werden inkarnierten Menschen wieder eigen sein. Es wird der Welt wieder weitherum Wunderbares gegeben, das sie erleben und besitzen dürfen von den hohen Künsten, der Malerei im Besonderen, der Bildhauerei, dem Gesang. Dies alles wird wieder geboren werden und in einer noch geklärteren Art und Weise Verbreitung finden.
Solches darf doch der Menschheit nicht vorenthalten werden. Es muss die Bestätigung dafür geben, was ich euch in dieser Stunde gesagt habe – dass die Menschen, die da leben, Träger sind von den höchsten Eigenschaften und die Möglichkeit haben, wunderbare Kunst zu schaffen. Das ist nur daraus zu erklären, weil sie von Gott sind, weil in Gott selbst das Wunderbarste, das Höchste, das Gewaltigste ist und in die Seele des Menschen ein winziger, ganz winziger Funke von dem gegeben ist. So tragen sie eben Göttlichkeit in sich, jeder Mensch trägt Göttliches in sich. Er trägt aber auch kostbare Schätze in seiner Seele, die sich nicht enthüllen, die eingeschlossen sind; einerseits weil es noch nicht Zeit ist, dass es sich entfalten kann – es ist noch zu früh –, anderseits weil es da und dort einem Menschen einfach nicht erlaubt ist, diese hohe Fähigkeit in seinem Leben entwickeln zu können. Denn nicht jedem Menschen wird solcher geistiger Reichtum zum geistigen Segen. Manche Menschen verlieren sich in dieser Welt; sie haben nicht erkannt, wer ihnen diese hohen Talente gegeben hat, sie erkennen deren Schöpfer nicht, und das ist schade. Dies gilt nun nicht allgemein; es gibt Menschen, die dem himmlischen Vater für ihre Gaben danken.
Ich möchte nun wieder auf diese heilige Halle zu sprechen kommen – wer sich darin aufhält und was mit dieser heiligen Halle gemeint ist. Es sind gewisse Menschen, die in höherer Erkenntnis leben, die das Bedürfnis haben, in einem Heiligtum zu sein. Sie sind beglückt, in diesem Heiligtum Geborgenheit zu finden, sodass sie nicht auf die Suche nach diesem Glück gehen müssen – sie erkennen eben, dass sie selbst Träger dieses hohen Glückes sind und dass sie das Ihrige dazu beitragen müssen, um dieses Glück in sich zu erleben.
Einerseits gehen da Menschen auf die Suche, anderseits gibt es Menschen, die sich dem andern zur Verfügung stellen. Sie kommen in den Dienst des Nächsten, sie opfern sich für den andern auf und sind bereit, dem Schwachen zu helfen. So sind die Menschen – der eine ist auf der Suche nach einer besseren Welt, nach Geborgenheit, während ein anderer das Verlangen hat zu geben; er hat das Glück in sich, er hat es gefunden, es ist ihm ein Bedürfnis zu geben. Und es gibt Menschen, die gar keine besondere religiöse Beziehung haben; sie haben einfach ein Verlangen, gut zu sein, Gutes zu tun, dem Schwachen beizustehen.
So sehen wir die Menschen, so verschieden sind sie in ihrer Entwicklung. Und sie alle sind so kostbar. In diesem Tempel, in dieser heiligen Halle, wo sie die Möglichkeit haben zu leben, ist ihnen die Möglichkeit gegeben, sich zu reinigen. Wer sein Glück noch nicht gefunden hat, wer auf der Suche ist nach dem Glück, soll sich in dieser heiligen Halle aufhalten. Er bedarf zuerst der Reinigung. So wie manche wertvollen Gegenstände zuerst der Verarbeitung bedürfen, ehe sie zu ihrem hohen Werte kommen, ist es auch beim Menschen. Er muss an sich selbst arbeiten, er muss für diese geistige Reinigung besorgt sein. Es braucht den ganzen Menschen dazu, er muss innerlich und äusserlich bereit sein mitzumachen und dort, wo er steht, sein Glück suchen. Er kann es finden, denn diese heilige Halle, von der ich rede, ist nicht örtlich begrenzt – es ist bildlich gesprochen. Hat man das Verlangen nach höherer geistiger Erkenntnis, muss man in diese Halle eintreten; in ihr gibt es die Reinigung – das ist das Erste, man muss gereinigt werden. Man muss sein Denken ändern, und da gibt es eine Reinigung, wenn man will.
Es braucht seine Zeit. Man kann diese Seelen oder diese Menschen nicht von heute auf morgen dazu bewegen, diese Geisteslehre zu bejahen. Der Mensch muss um eigene Erkenntnis bitten. Er hat in sich selbst den glühenden Funken. Er muss das Seinige dazu tun. In dieser heiligen Halle wird er auch die Nahrung finden, die er braucht. Denn diese heilige Halle möchten wir vergleichen mit einem grossen Speisesaal. Da findet ein jeder die geistige Nahrung, die er braucht, denn ohne diese geistige Nahrung kann er nicht vorwärtskommen. Es sind dies Hilfsmittel; wenn er schwach ist, findet er sein Glück nicht.
Geistige Nahrung braucht auch derjenige Mensch, der selbst schon in höherer Erkenntnis lebt. Er will die Vollendung des Glückes haben, und er will geistige Nahrung haben für seine Seele. Aber es ist nicht unbedingt für jeden dieselbe Nahrung – und dabei müsst ihr euch nicht irdische Speise vorstellen, es ist die geistige Belehrung, die gegeben wird. Der eine, der auf einer Stufe steht, wo er versucht, sich selbst zu reinigen, braucht eine härtere, festere Speise; dem anderen, der geläutert ist, der die Erleuchtung zum Teil gewonnen hat, kann eine leichtere Speise gegeben werden. Damit meine ich: Wenn wir den Himmel auftun und versuchen, euch von der Himmelswelt etwas zu erklären, dann ist das geistige Speise. Aber für den Menschen, der noch nicht in geistigen Erkenntnissen lebt, ist sie schwer zu verdauen, sehr schwer; während ein anderer, wie ich vorhin erklärte, Erkenntnisse hat, er hat den Schlüssel zur Ewigkeit, er versteht uns. Wir können ihn bitten, mit uns in den Himmel zu kommen und ein Stück Himmelswelt zu erleben. Wir können ihm die Möglichkeit hohen Glückes übertragen – ein Erlebnis mit den höchsten Geistern des Himmels, mit jener wunderbaren Welt, wie sie gestaltet ist, wie dort gelebt und gehandelt wird. Wir können das demjenigen geben, der den Schlüssel, die Erleuchtung hat. Erwartet aber nicht, dass wir diesen Himmel auf diese Weise eröffnen, wenn Menschen zaghaft sind, wenn ihre Seele nicht geläutert ist. Es wäre wohl schade darum, wenn wir ihnen das offenbaren würden, obwohl wir genau wissen, dass zu viel Zweifel und Unsicherheit in ihnen ist. Da müssen wir schweigen. Schade um dieses Schweigen, schade darum.
Wir möchten den Menschen erheben und sagen ihm: Du bist doch ein Gottesmensch. Stelle dir einmal vor, du hättest so viel Macht wie Gott, und jetzt kommen deine Mitmenschen und flehen dich an: “Bitte gib mir das, bitte gib jenes, bitte mache es so, bitte so.” Und du, in höchster erhabener Erkenntnis, musst sagen: “Nein, für ihn ist es ja gar nicht gut, wenn ich ihm das geben würde. Er muss zuerst einen anderen Weg durchlaufen.” Bei einem anderen Mitmenschen wirst du sagen: “Das ist die Aufgabe eines anderen Geistes, ich gebe ihm den Auftrag, er soll sich dieses Menschen annehmen.” Du kannst dich gar nicht mit jedem Einzelnen beschäftigen, wenn ich dich jetzt auf diese höchste Stufe erheben würde. Sie würden dich überwältigen, du könntest ihnen das alles ja gar nicht geben, um was sie dich bitten. Also musst du von dem geben, was du in dir hast – die grosse Liebe und Barmherzigkeit, die Hilfsbereitschaft. Du bist ihnen Vater, du willst ihnen geben, du willst sie wieder bei dir haben, in nächster Nähe, du willst ihnen helfen. Stell dir vor, du bist auch ein Familienvater: Du willst, dass es deinen Kindern gut ergeht. Du willst ihnen die Wege ebnen für ein gutes, besseres Leben. Und der himmlische Vater? Er will es auch, er will jedem helfen.
Nun, wenn ich dich schon erhoben habe auf diese höchste Stufe, muss dir klar werden, dass du einiges von der Macht, die du besitzt, auch andern überträgst. Ich will es ohne Umschweife sagen, es ist die heilige Geisteswelt, die nun ausgeht. In Gottes Namen tut sie es, und sie hilft, wenn es ihr gestattet ist, wenn es ihr möglich ist, dir beizustehen.
Ich möchte nur auf Gottes wahre Liebe zurückkommen. Wenn ich dich auf dieses Podest erhebe, dann soll deine Liebe rein, vollkommen sein, vollkommen deine Güte, vollkommen deine Barmherzigkeit. Alle, die zu dir kommen, sind deine Kinder. Du willst allen helfen, denn sie gehören alle in deine Familie. Nun aber, die Deinen sind doch verpflichtet, dem andern auch zu helfen. Denn man ist eins mit Gott, eins mit ihm muss man sein. Kann man das? Könnt ihr das? Versucht einmal, wirklich eins zu werden mit dieser vollkommenen Liebe, mit dieser vollkommenen Güte, eins mit ihr zu werden. Also müsst ihr, wer auch an euch gelangt, so handeln, als wäret ihr auf diesem höchsten Podest und in reinster Verbundenheit, in wirklicher Einheit mit Gott. Denn dort ist das höchste Glück. In dieser unendlichen, reinen Liebe ist volles Verständnis. Es ist so viel darin enthalten, die Ordnung und die Gerechtigkeit. Nun sind Menschen da, sie wollen alle zu ihrem Vater, und jedes, unabhängig vom andern, will sozusagen nur eines: “Gib du mir, hilf du mir” – und kümmert sich nicht um den, der neben ihm steht.
Vielleicht sage ich zu viel. Aber ich möchte euch verständlich machen, dass es in der Reinigung darum geht, dass man wirklich reinigt. Was ist zu reinigen? Was ist uneben im menschlichen Denken? Wie viele Gefühle von Eifersucht, Neid und Herrschsucht sind beim einen oder andern; so manches ist doch einfach uneben. Der eine ist streitsüchtig, ein anderer ist habgierig. Ja, da sind sie doch noch weit, weit entfernt, um sie auf dieses höchste Podest zu bringen, und es ist wohl etwas viel gesagt, wenn ich den Menschen so erhebe. Aber ich tue es ja in symbolischer, bildhafter Art und Weise. Ich tue es, um euch verständlich zu machen, was es heisst, eins zu werden mit Gott und in dieser heiligen Halle auf Erden zu leben. Es heisst nicht, mehr zu sein als ein anderer, abgesondert zu sein – nein, es heisst, leuchtender zu sein, wirksamer zu sein und in der Gewissheit zu leben, gespiesen zu werden.
Ich möchte euch – euch, die Treuen, die Standhaften – als die Säulen bezeichnen. In diese wunderbaren Säulen, ich sagte es, sind das Gesetz und die Ordnung eingeritzt. Aber ich möchte auch sagen: Jeder von euch ist Träger vom Wort Gottes. Das Wort Gottes ruht auf diesen Säulen. Ich könnte eure Gemeinschaft, euch im Einzelnen so erklären: Ihr seid die Säulen der heiligen Halle, und ihr seid das Wort Gottes. Damit meine ich nicht, dass ihr das Wort Gottes ausposaunen sollt, sondern ihr selbst sollt das Wort Gottes sein.
Vielleicht ist das etwas viel gesagt. Ich erhebe euch auf eine erhöhte Stufe, auf ein erhöhtes Podest. Ich will ja den Vergleich machen, eure Seele beglücken. Aber ich will euch auch antreiben: Ihr müsst wissen, was ihr Gott schuldig seid; ihr müsst wissen, was ihr auch dem Mitmenschen schuldig seid.
Es ist so viel Herrliches in der Seele des Menschen. Öffnet die Seele, brecht auf; das Glück ist im Menschen, doch es muss das wahre Glück sein – nichts Fanatisches, Gott ist nicht fanatisch. Werdet eins mit Gott, ausgeglichen eben. Es ist doch etwas Kostbares, wenn ich euch, einem jeden Einzelnen, sage: “Du bist das Wort Gottes.” Denn du bist geworden aus seinem Willen, durch sein Wort, durch seinen Willen. Du bist Träger des Wortes Gottes, du für dich selbst. Und wenn du das Verlangen hast nach dem hohen Glück, das Verlangen nach Gott, was willst du mehr? Du bist Gottes Wort. Aber du sollst diesem Wort Gottes Ehre geben, dir selbst; du sollst dich nicht in Unehre bringen. Das ist es. So kannst du dich in dieser heiligen Halle aufhalten. Dort kannst du leben, dort wirst du gereinigt, dort bekommst du deine Nahrung, und dort hast du die Möglichkeit, das höchste Glück zu erleben. Dieses hohe Glück findet sich nur inwendig im Menschen.
Wenn ich dich so anspreche und dir sage, was in dir ist und wer du bist, dann wirst du dazu aufgerufen, so zu handeln und so zu geben, wie man es von Gott fordert, wie man es von ihm verlangt. Du sollst ein göttlicher Mensch sein und dementsprechend handeln und leben. Dann wirst du das wahre Glück immer mehr erfahren dürfen, denn so bist du eins geworden. Hast du nun den Schlüssel zur Ewigkeit, dann öffnen wir dir diese Ewigkeit. Es braucht dazu deine Stille, deine Ruhe – als Erstes deine geistige Abgeklärtheit, deine geistige Reinigung, und zweitens deine geistigen Speisen. Diese Speisen beglücken dich, geben dir Kraft, Kraft, um in dieses andere Reich einzutreten.
Es besteht doch die Möglichkeit, dass deine Gedanken wirr werden, dass du plötzlich in Zweifel bist und es dir nicht gefällt – dass du eben von der Welt wieder besiegt wirst. Darum musst du die geistige Nahrung haben. Diese geistige Nahrung klärt dich und führt dir vor Augen, dass du Gottes bist und auch Träger vom Wort Gottes. Dann kannst du ins Himmelreich schauen, dann zeigen wir dir die verschiedenen Himmel und ihr Leben. Es muss nicht nur das bedrängte Leben der aufsteigenden Geistgeschwister sein, sondern dann können wir dir auch einmal ein Tor öffnen zu einer wunderbaren Welt. Wir möchten es so gerne. Es muss aber verstanden werden, sonst sparen wir diese Erklärungen lieber auf für jene Freunde, die in dieser Erkenntnis leben.
Ja, liebe Geschwister, ihr denkt zu wenig an die Zeit nach dem Tode, zu wenig an das Jenseits. Euer Leben ist schnell verwirkt, schnell gelebt, und dann steht ihr vor der Wirklichkeit, vor der geistigen Wirklichkeit. Es wird euch immer klargemacht, dass man um alles froh ist, um jedes Wissen, so wie ihr Menschen ja auch froh seid, eine gute Bildung zu haben und Wissen zu besitzen. Es hilft euch vorwärts in eurem irdischen Leben. Aber es gibt auch ein geistiges Wissen. Dieses geistige Wissen hilft noch viel mehr, den Aufstieg zu fördern.
Wer für diese Geisteswelt kämpft, wer für sie lebt, der muss sich schon als Mensch glücklich fühlen. Er muss aber innerlich stark sein. Die Überraschungen sind dann gross. Ich weiss nicht, ob ich es euch erzählen kann, wie es jenen ergeht, die für den Geistesglauben gelebt und sich bemüht haben, mit Gott eins zu werden – wie man ihnen entgegengeht, welch wunderbaren Empfang sie haben werden. Denn der Himmel ist schön, und unter einem schönen Himmel muss man sich auch etwas vorstellen. Die Welt ist nur das Schattenreich. Ihr freut euch jeweils, wenn besonders liebe Menschen zu euch kommen, euch besuchen. Freut euch umso mehr, wenn Geistfreunde ihr Leben mit euch teilen, jene Geistfreunde, die euch in eurer Lebenszeit nahe waren und euch dann in der Himmelswelt erheben auf ein solch erhöhtes Podest, die euch in einen Himmel führen und sagen, wo ihr gelebt, welchen Namen ihr getragen, was ihr geleistet habt, und die dann um euch sind und grosse Feierlichkeiten zu euren Ehren geben. Habt ihr eine Ahnung, wie so etwas sein könnte? Fremd ist es für euch – für die einen einfach unglaubhaft. Darum muss man sich eben reinigen, und man muss sich in den heiligen Hallen aufhalten, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen und sich im Glauben zu stärken. Denn wie wunderbar ist es doch, Mensch zu werden – das Werden des Menschen, alles Werden, auf welcher Stufe es auch sei, wie wunderbar ist es.
Es soll euch genügen, zu wissen, dass es eine Welt gibt, die noch viel herrlicher ist, viel machtvoller und viel gewaltiger, im hohen Sinne. Denn ihr kommt aus dieser Welt und werdet wieder zurückgerufen. Ihr alle werdet gezeichnet sein, ihr alle. Euer Denken, gleich wie es ist, zeichnet ihr selbst in euer eigenes Lebensbuch. Ihr selbst, jedes von euch, erhebt euch auf ein solches hohes Podest und werdet Träger vom Wort Gottes. Für euch selbst, in euch muss es heilig sein. Jeder soll dafür besorgt sein, das Wort Gottes nicht zu verunehren. Jeder soll daran denken, was ich in dieser Stunde gesagt habe: Er soll sich vorstellen, das Höchste zu sein, vollkommen zu sein in der Liebe und nur zu geben – jedem zu geben, der da kommt, jedem zu helfen. Man soll das Verlangen haben, alle möchten so geben, wie man imstande ist zu geben, weil man wieder eine gemeinsame Familie im Grossen werden und sich am Glück eines jeden freuen will.
So soll man eins werden und kann man eins werden mit Gott. Man muss richtig erkennen, um was es geht. Das höchste Glück in sich selbst zu haben, ist dem Menschen gegeben. Er ist auf der Suche und kann es finden. Da spielen nicht Länder oder die Umwelt eine Rolle. In dir selbst ist es. Das Kostbare ist in der Seele des Menschen. Er muss das Seinige dazu tun. Die Speise erhält er: unsere Worte. Auf diese Art und Weise versuchen wir eure Seele zu erleuchten. Nun liegt es an euch Menschen, ihr müsst euch selbst die Antwort geben, ob ihr Ja sagen könnt zum Wort Gottes, das ihr selber seid – und dass ihr es nicht in Unehre bringt.
Ja, liebe Geschwister, jeder kann das Glück in sich haben und entfalten. Damit übt man auch seinen Einfluss auf die Umgebung aus. Ist man selbst zufrieden und glücklich, so zieht man in dieses Glück die Umgebung mit ein. Im umgekehrten Falle, wenn jemand in Unzufriedenheit lebt, gehässig und streitsüchtig ist, macht er die Umwelt krank. Nichts vom Kranksein wollen wir, wir wollen nur Frieden, so wie es Christus sagte, als er den Seinen erschien: “Friede sei mit euch” (Joh. 20, 19), der Friede der Seele.
Wie weit weg sind die Menschen von Gott – und wie weit weg habe ich zu euch gesprochen? Das frage ich mich auch. Ich bin ja nicht alleine hier. Wir machen unsere Beobachtungen und wissen um die vielen Freunde, die neu dazugekommen sind. Wir geben ihnen die Gelegenheit. Das Leben ist kurz, auch wenn es hundert Jahre dauert. Die Ewigkeit ist es, die auf euch alle wartet. Keiner entrinnt ihr. So gerne möchte ich bei der Begrüssung auch dabei sein, ich möchte auch da sein, ich möchte auch sagen: “Ich habe dir geholfen, das Wort Gottes zu tragen.” Ich komme dann sicher nicht mit leeren Händen.
So wollen wir miteinander verbunden sein, liebe Geschwister. Und den Schlüssel zur Ewigkeit, soll ich ihn noch behalten? Ich möchte ihn doch euch allen geben, jedem Einzelnen, damit jeder selbst das Himmelreich auftun kann, damit nicht ich es tun muss für euch und unsere Geistgeschwister.
Nun glaube ich, für heute habe ich so viel geredet. Ihr müsst eben über das, was ich gesagt habe, auch meditieren, und ihr werdet einen Gewinn daraus ziehen. Vergesst nie, das Leben ist kurz, die Ewigkeit, die ist lang. Und sorgt vor für die Ewigkeit, denn ihr sorgt ja auch für morgen. Sorgt für die Ewigkeit, denn das ist doch von grösserer Bedeutung.
Nun, liebe Geschwister, ich scheide von euch. Nein, ich gehe nicht von euch, ich bin noch lange hier, und ich bin ja nicht allein. Man begleitet euch auf euren Wegen. Ich habe euch in diese heilige Halle mitgenommen und gesagt: Das Dach ist der Segen und der Schutz Gottes. Das ist nicht örtlich gebunden, es ist symbolisch gesagt. Diese heilige Halle dehnt sich aus. In dieser heiligen Halle könnt ihr leben unter dem Schutze Gottes, unter seinem Segen. Die Gesetze und die Ordnung könnt ihr ja immer wieder aufs Neue erleben.
Nun, liebe Geschwister, möchte ich mich mit dem Segen Gottes von euch verabschieden, dass ihr alle behütet seid, und versucht euch klar zu werden, und haltet den Gedanken fest: “Ich bin Gottes Wort, und ich trage dieses Wort Gottes.” Haltet es in Ehren, denn das ist das Höchste, was ihr haben könnt. Es ruht auf euch, man hat es euch gegeben. Es ist zu eurem Besitz geworden. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 16.5.1973 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Heft 5/2024
21 Seiten, 21 × 29,7 cm