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Der innere und der äussere Mensch
Beschreibung
Jeder Mensch besitzt in sich den lebendig machenden Funken Gottes, der ja nach seiner Entwicklung leuchtet. Geistlehrerin Lene zeigt in diesem Heft auf, wie ein jeder dazu beitragen kann, seinen göttlichen Funken noch mehr zum Leuchten zu bringen und so Gott näherzukommen. Dazu muss sowohl das Äussere wie das Innere des Menschen gepflegt sein. Hat er nämlich in und um sich Zufriedenheit, Ordnung, Harmonie, zieht er auch die entsprechenden Geistwesen an. Ist er im Verlangen, Gott näherzukommen und dessen Willen geschehen zu lassen, sind es höhere geistige Wesen, die bei ihm zu Gast sein, ihn führen und sein gehobenes Denken fördern möchten. Hat er hingegen eine verwerfliche Gesinnung, lockt er niedrig stehende geistige Begleiter an, die ihn in seinem niederen Tun und Denken unterstützen.
Eine wunderbare Gelegenheit, mit der hohen Geisteswelt in eine engere Verbindung zu kommen und mit ihrer Hilfe Ordnung in seiner Seele zu schaffen, ist dabei – so der letzte Beitrag in diesem Heft – das Abendmahl.
Themenheft 4/2026: Der innere und der äussere Mensch
Inhalt
Eine geistige Führung zur Gesundung von Körper, Geist und Seele
Lene, 19. September 1967
Eine geistige Führung zur Gesundung von Körper, Geist und Seele
In jedem Menschen ist der lebendig machende Funke Gottes, der je nach seiner Entwicklung strahlt. Geistlehrerin Lene erklärt in diesem Vortrag, was ein jeder dazu beitragen kann, um diesen göttlichen Funken in sich mehr zum Strahlen zu bringen und dadurch Gott näherzukommen. Eine Notwendigkeit dafür ist die Pflege sowohl des äusseren als auch des inneren Lebens, denn beides beeinflusst sich gegenseitig.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, unsere Aufgabe ist es, euch Menschen immer näher an Gott heranzuführen. So möchte ich doch den inneren Menschen ansprechen, denn er ist es, der den Weg zu Gott findet. Der innere Mensch hört wohl diesen Worten zu, aber es sind das Denken des äusseren Menschen, die vielen Äusserlichkeiten des täglichen Lebens, die den ganzen Menschen beeinflussen und so auch den inneren Menschen erfassen. Deshalb ist es für den Einzelnen oft schwer, diese Worte zu erfassen, denn wir sprechen ja zu eurem Geiste.
Ich erzähle euch von der Geisteswelt und erkläre, dass sie wahrhaftig Realität ist. Ihr Menschen seid aber zu sehr mit den Äusserlichkeiten des Lebens verwachsen, und dieses Denken hindert am Aufwärtsstreben, an der Bejahung durch den inneren Menschen. Der Mensch wird von diesen Äusserlichkeiten beeinflusst, und es kommen Zweifel. Er fragt sich immer wieder: “Ist es Wirklichkeit?” Er steht also dieser geistigen Welt noch ferne – er kann sie nicht verstehen. Darum ist es auch für mich nicht immer leicht, die richtigen Worte zu finden, um es euch verständlich zu machen. Es ist meine Aufgabe und die Aufgabe aller meiner geistigen Helfer, euch viel Nutzen zu geben, damit ihr geistig aufwärtsstrebt und Gott näherkommt. Der gute Wille, besser zu werden, näher an Gott heranzukommen, soll nicht nur auf diese Tage hier [Meditationswoche] beschränkt sein, sondern dieses Verlangen muss den ganzen Menschen erfassen – dass er zu jeder Zeit seines Lebens dementsprechend wirkt. Wir möchten den ganzen Menschen erfassen können.
Nun, liebe Geschwister, will ich euch im Geiste führen, und durch diese Führung sollt ihr gestärkt werden. Ihr sollt körperlich, geistig und seelisch gesunden können. Denn so viele sind es ja, die ihre Probleme haben oder nicht so fest im Glauben sind. Darum betone ich: Ich spreche zum inneren Menschen, ich spreche von Geist zu Geist.
Wenn ihr nun beispielsweise zu einem himmlischen Feste geladen würdet, dann müsstet auch ihr eure äussere Erscheinung dementsprechend gestalten. Ihr müsstet also dafür besorgt sein, dass euer Aussehen schön ist, so wie es unter euch Menschen Sitte ist, dass man ein gepflegtes Äusseres hat, wenn man eingeladen wird. Wenn aber die Engel Gottes zum Gastmahle laden, dann muss das Äussere und auch das Innere des Menschen in gepflegter Erscheinung sein. Ich sage: das Äussere wie das Innere.
Das Äussere ist euer menschliches Denken. Ihr müsst es unbedingt heben, denn mit diesen Äusserlichkeiten beeinflusst ihr das inwendige Leben. Ich erklärte euch, dass in jedem Menschen der Funke Gottes ist, der je nach seiner Entwicklung strahlt. Jeder Mensch kann aber dazu beitragen, dass dieser Funke mehr strahlt, mehr zum Glänzen kommt – er muss von innen nach aussen wirken und von aussen das Innere beeinflussen. Wer Menschenkenntnisse hat, kann am Antlitz des Menschen erkennen, wo dieser geistig steht. Denn seine innere Zufriedenheit, sein inneres Glück, das er besitzt, strahlt aus seinem Antlitz. Auch sein Sprechen richtet sich aus nach der inneren Entwicklung. Ein geistig gehobener Mensch führt ganz andere Gespräche – er hat einen anderen Wortschatz. Trotzdem wird er sich von der Allgemeinheit nicht besonders unterscheiden; wer aber dieses Feingefühl besitzt, weiss genau, wen er vor sich hat.
Das Innenleben, das man lebt, widerspiegelt sich im Äusseren des Menschen, denn seine Zufriedenheit strahlt aus seinen Augen. Ist er innerlich unzufrieden, unglücklich, kommt dies auch beim äusseren Menschen zum Ausdruck. Auch hier könnt ihr also wieder sehen: Der innere Mensch ist es, der von sich herausgibt, was in seinem Innersten ist, der seine Entwicklung kundtut und sein Verhältnis zu Gott. Uns ist daran gelegen, euch diese Hinweise zu geben, wie man den Weg zu Gott findet, wie man ihm näherkommt.
Ich habe euch schon am ersten Abend [dieser Meditationswoche] erklärt: Uns geht es darum, die Seele des Menschen Gott näherzuführen. So müssen wir dem Menschen Ratschläge geben, wie er sich zu verhalten hat. Wenn es uns gelingt und erlaubt ist, machen wir ihn auf seine Fehler aufmerksam. Wir versuchen also den Menschen zu führen. Hier aber, in dieser Stunde, möchte ich euch nun im Geiste führen, auf dass ihr einen Platz findet bei diesem göttlichen Gastmahl.
Den Weg zum göttlichen Gastmahle zeigt euch ein Engel Gottes. An jenem Ort wird keiner Einlass finden, wenn nicht sein Inneres gepflegt ist. Jetzt wollen wir zur Pflege der Seele schreiten.
Ihr müsst euch klar darüber sein, dass die Engel Gottes euch nicht nur in eurer äusseren Erscheinung sehen, sondern auch euren Lebensplan kennen. Sie lesen in eurer Seele, kennen eure Schwächen, so wie ich es euch gestern auseinandersetzte. Von diesen Engeln Gottes sollt ihr in wunderbarer Verbindung mit uns geführt werden. So muss es zu einem Gespräch kommen von mir zu dir. Die geistigen Helfer, die mir zur Seite stehen, werden euch diesen Weg zu Gott zeigen – nicht nur in dieser Stunde, wo ich zu euch spreche, denn ihr schreitet ja wieder hinaus ins Leben. Und das, was ich euch sage, soll nicht vergessen werden.
Jetzt müssen wir miteinander an diese geistige Pflege gehen, denn sonst gelangt ihr nicht zu dem göttlichen Gastmahl. Und so kann ich oder ein Geist Gottes dich fragen: “Gib mir Antwort auf folgende Fragen, die ich an dich richte. Es ist eine Prüfung. Kannst du mir diese Fragen beantworten? Und wie würdest du diese Fragen beantworten?”
So fragt man dich und bittet dich: “Gib mir die Antwort darauf: Was ist der Sinn deines Lebens?” Könnte ich jetzt mit euch in persönliche Gespräche kommen, würde ich verschiedene Antworten erhalten. Doch die Antwort muss sein:
“Ich will mich in diesem Leben verbessern. Das Leben, das ich lebe, muss für mich ein Fortschritt sein. Das Leben wird für mich sinnvoll werden, wenn ich den Gesetzen Gottes Folge leiste.”
Wenn man den Gesetzen Gottes Folge leisten will, muss man ein Gebot nach dem andern durchdenken. Dann versucht man, sich einmal etwas mit den Gedanken zu ändern, und man erkennt, was man tun und was man lassen muss. Durch unsere Belehrungen, die ihr schon öfters empfangen habt, wisst ihr auch, was der Sinn eures Lebens ist. Ihr habt in diesem Leben Aufgaben, die erfüllt werden müssen. Ihr wisst, dass dieses menschliche Leben, das ihr lebt, eine Wiederholung ist und es verbessert werden muss – dass euer Leben zur Ehre Gottes sinnvoll und sinnreich gestaltet werden muss.
Man kann eine weitere Frage an euch richten: “Wie steht es denn mit der Liebe? Was glaubst du, wen liebst du am meisten?” Auch hier bekäme ich allerlei Antworten. Menschlicherseits würde man mir entgegnen: “Meine Liebe gilt meiner Familie, meinen Kindern und selbstverständlich Gott.” Da müsste die Geisterwelt Gottes erwidern: “Gott ist der Vater der Liebe – Gott gehört die Liebe zuerst. Denn du könntest nicht lieben, hätte nicht Gott dir dazu die Gefühle gegeben, dass du lieben kannst.”
So muss deine Liebe – trotz der Bindung, die du zu deiner Familie, zu deiner Umgebung hast – zu Gott gelenkt werden. “Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.” Gott steht an erster Stelle. Es geht jetzt um die Pflege deines Inneren, des inneren Menschen, und da musst du ehrlich sein, ganz ehrlich sein. Hättest du die Frage so beantwortet, indem du mir gesagt hättest: “Meine Liebe gilt zuerst Gott”? Nein, liebe Geschwister, aber wir verübeln es euch nicht, denn wir sind dafür da, euch den Weg zu zeigen, euch eben den Weg zu Gott klarzulegen.
So sollt ihr nicht vergessen, dass Gott der Vater der Liebe ist und dass die Gefühle der Liebe nur durch Gottes Willen in eure Herzen und in eure Seelen gepflanzt werden konnten. Es muss dir bewusst sein, wohin du dich zuerst zu wenden hast. Denn die Quelle der Liebe ist Gott. Wendest du dich ihm zu, wird er in dir deine Gefühle der Liebe stärken, und sie werden so entfaltet, dass du nicht nur sagen kannst: “Ich liebe jene, die um mich sind – meine Familie, meine Kinder, jene, die mir am nächsten stehen”, sondern du wirst dann zur Erkenntnis kommen, dass du deine Liebe nach allen Richtungen ausstreuen kannst und sie überallhin zu schenken vermagst.
Bedenke, es sind viele [geistig] hungernde Mitmenschen da, deren Gefühle der Liebe so seltsam sind, die so arm an Liebe sind, die so wenig von Liebe verstehen und erleben. Niemand oder nur wenige bringen ihnen Liebe entgegen. Es ist jedoch keine Überschwänglichkeit damit gemeint. In Gott ist nichts Überschwängliches, sondern das Ausgeglichene. Und diese Ausgeglichenheit muss man in allen Dingen haben können. Menschen können fanatisch werden – fanatisch sein in ihrer Ausdrucksweise. Das ist nicht göttlich, denn Gott ist nicht fanatisch. Gott ist ausgeglichen in allen Dingen. So muss man sich ihm zuwenden.
Ich sage euch: Richtet euch aus nach Gott, er ist der Vater der Liebe, er stärkt euch in der Liebe, dann wird euch auch das Glück nahe sein; dann erst werdet ihr richtig erfahren und erleben, was wirkliche, göttliche Liebe ist. Dies hat nichts mit Leidenschaft zu tun. Denn das Wort Liebe ist ein umfassendes Wort. In der Liebe ist Friede aufgebaut, Güte, Barmherzigkeit, Verständnis, Wohlwollen – alles, alles findet man in dieser grossen Liebe, auch Nachsicht.
Wenn ich euch so darlege, dass Gott der Vater der Liebe ist, habt ihr es selbst an Leib und Seele erlebt. Denn ihr besitzt die Erkenntnis, dass Gott aus Liebe zu euch seinen eigenen Sohn nicht schonte – er gab ihn dieser Welt hin, auf dass er für euch den Weg zum Vater ebnete, damit ihr wieder verbunden werdet mit ihm und lernt, was Liebe ist. So sollt ihr die Vaterliebe erkennen können.
Auch diese Frage kann an euch gerichtet werden: “Wie steht es denn mit dem Frieden deiner eigenen Seele? Sind deine Gefühle immer friedfertig? Besitzt du wirklich deinen inneren Frieden? Oder ist das Innere gestört durch Äusserlichkeiten, durch Untaten mit den Mitmenschen? Bist du so in Unfrieden mit dir gekommen, weil du dich mit dem Nächsten nicht verstehst?”
Wer in sich den Frieden besitzt, der findet Frieden um sich. Er kann nichts Streitbares finden, er begegnet nicht Menschen, die im Unfrieden sind. Wohl mögen welche in Disharmonie stehen, aber der Mensch, der den Frieden im Innern der Seele besitzt, fühlt sich durch sie nicht angesprochen. Frieden im Innern zu haben, ist eine wunderbare, herrliche Quelle. Es ist notwendig, diesen Frieden aufzubauen.
Es nützt nämlich gar nichts, wenn ein Mensch sagt: “Es geht mir gut, ich bin zufrieden”, und es ihn nicht berührt, wie es dem andern geht – ob auch er diesen Frieden hat. Wie wichtig ist es, dass dieser Frohsinn, dass dieser göttliche Funke, der in ihm strahlt, auch den Mitmenschen erfasst und ihm etwas Friedensgefühle in sein Wesen hineinbringt. Es braucht dazu also Verständnis – Verständnis für den andern Menschen muss man haben. So kann man wohl eine Aufgabe darin sehen, indem man den eigenen Frieden der Seele auf den andern überträgt. Kann man diesen Frieden haben, dann pflegt man die Seele, und das geistige Äussere wird sich verbessern und verschönern.
Ihr Menschen könnt eure äussere Erscheinung verbessern durch eure Kleider und mit allem Drum und Dran, das ihr euch anschaffen und kaufen könnt – im Geiste aber muss es geistig erworben werden. Das geistige Gepflegtsein muss stets erworben werden. So wie der äussere Mensch das Seinige dazu beitragen muss, damit sein Äusseres gepflegt ist, muss umso mehr der geistig nach innen ausgerichtete Mensch sein geistig Wesen pflegen, damit seine geistige Erscheinung bewundert werden kann.
Ihr habt nun dazugelernt, dass ihr die Liebe pflegen müsst und es euch bewusst wird, woher diese Pflege, woher diese Liebe kommt – dass ihr den Frieden eurer Seele bewahren, aufbauen und entfalten müsst. So tut ihr viel zu eurer geistigen Besserstellung. Aber im Leben des Menschen handelt es sich nicht immer nur um Liebe und um den Frieden; es ist ja so vieles, was dem äusseren Menschen gegenübersteht, womit er sich beschäftigen muss. All das hinterlässt seine Spuren im Innern seines Wesens.
Es gibt Menschen, denen bedeutet ihr irdisches Hab und Gut alles. In gewissen Stunden geistiger Vertiefung mögen sie bereit sein, sich von ihrem Hab und Gut etwas zu lösen – in gewissen Stunden nur. Kommen sie wieder mit der äusseren Welt in Berührung, dann ist dieser Vorsatz, sich nicht allzu sehr an ihrem Hab und Gut festzuhalten, sich nicht daran zu klammern, schnell entschwunden. Es gehört ebenfalls zur geistigen Pflege, diese Gefühle des Besitztums in ihre Schranken zu weisen. Auch in dieser Beziehung muss der Mensch von innen heraus auf den äusseren Menschen wirken können.
Was heisst das im Geistigen: Aller Besitz, den du hast, der auf dieser Erde ist, diese Materie, ist vergänglich. Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt für sich gewinnt, wenn er so viel an irdischen Gütern besitzt und einen Reichtum hat, jedoch sein Inneres, seine Seele, Schaden leidet (vgl. Mat. 16, 26)?
Es muss dem Menschen klar werden, dass nicht nur die gute Geisterwelt die Menschen in ihrem Leben führt, sondern dass es noch eine niedere Geisterwelt gibt, die über Menschen triumphiert und die ein leichtes Spiel bei ihnen hat. Denkt daran, wie Luzifer Christus in der Wüste versuchte. So, wie ich jetzt zu euch spreche, ich als Geist zu eurem Geist, zu eurem inneren Menschen – auf diese Weise sprach dazumal Luzifer zu Christus, zum inneren Menschen Christi sprach er. So hatte Luzifer im Geiste den Geist Christi angesprochen und ihm die Besitztümer der Welt gezeigt. Nun vermögt ihr vielleicht besser zu verstehen, wenn ich sage, ich spreche jetzt als Geist zu eurem Geist, zu eurem inneren Menschen.
Luzifer hatte schon damals diese Waffe, mit der er die Menschen besiegen konnte, nämlich Besitztümer, Geld, Gold und wie das alles heissen mag. Das beeindruckt doch den äusseren Menschen, das spricht ihn an – aber der innere Mensch nimmt Abstand davon.
So ist beim einzelnen Menschen manches zu verbessern. Damit sind aber nicht diejenigen Freunde gemeint, die nun solche irdischen Reichtümer haben, sondern es geht darum, dass auch ein kleiner Besitz einem einzelnen Menschen nicht zur Belastung wird – dass er nicht Sklave des wenigen ist, das er besitzt. Es kann Geiz sein, denn man braucht nicht unbedingt grosse Güter und Reichtümer zu haben, um sich zu belasten. Der einfache Mensch, der nur wenig besitzt, kann sich genauso belasten wie einer, der den grössten irdischen Reichtum hat.
Es kommt auf die innere Einstellung an – es kommt darauf an, wie seine Entwicklung ist, wie seine Gefühle sind. Ist einer so geizig, dass er dem andern nichts gibt, belastet er sich mit dem wenigen, das er besitzt. Ihr könnt sehen, dass es auch hier wieder eine Unausgeglichenheit des Wesens ist, wenn ein Mensch, der wenig besitzt, geizig ist – geht es doch um das ausgeglichene Wesen des Menschen, um das Harmonische. Die Geisterwelt Gottes wird sich darüber freuen, wenn der Mensch diese Ausgeglichenheit fertigbringt. Unser geistiger Bruder [Josef] spricht doch von der “Wesensgleichheit mit Gott”, und das ist wohl ein wunderbares Wort. Die Wesensgleichheit mit Gott muss man finden können. Dieses harmonische Gleichgewicht muss in allen Dingen hergestellt werden; das pflegt das Aussehen des Geistes, es verbessert sein Aussehen, und die aus ihm tretende Strahlungskraft wird mächtiger.
Ihr müsst mit Menschen zusammenleben – Frage: Könnt ihr eure Mitmenschen verstehen? Habt ihr Verständnis für den Nächsten? Das ist auch etwas, was nur der innere Mensch beantworten kann: was er geben kann, was ihm nicht schwerfällt, weil er es in Hülle und Fülle besitzt. Besitzt er diese Gefühle der Liebe, die so allumfassend sind, vermag er Verständnis für alle Belange des Nächsten aufzubringen.
In solcher Weise werden von dem Geist Fragen an den Menschen gestellt, und der Mensch sollte diese Fragen beantworten können. Man kann aber die Geisterwelt Gottes nicht belügen. Es mag einer eine Antwort im guten Sinne geben, doch inwendig denkt er anders. So kann er nach seinem Glauben gefragt werden: “Sage mir, wie tief ist dein Glaube? Glaubst du an Gott?”, und er antwortet: “Ja, ich glaube an Gott.” Ob die Geisterwelt Gottes mit dieser Antwort zufrieden ist, wenn er nur sagt: “Ich glaube an Gott”, und er sich nicht um die Gesetze Gottes kümmert? Kann man dann sagen: “Ich glaube an Gott”?
An Gott glaubt man, wenn man das annimmt, was er zu tun verlangt. So muss der Mensch auch in dieser Beziehung ehrlich sein und überlegen, was er sagt, denn die Menschen geben sehr oft oberflächliche Antworten.
Man kann ebenfalls gefragt werden: “Betest du?” – “Freilich, ich bete – ich bete viel”, mag man uns antworten, aber der Geist Gottes sieht, auf welche Art und Weise gebetet wird. Er sieht, ob dieses Gebet zu Gott emporsteigt oder ob es nur ein gewohnheitsmässiges Beten ist. Die Geisterwelt Gottes kennt das Verhältnis vom einzelnen Menschen zu Gott, denn sie kann in das innere Wesen des Menschen blicken.
Ein Geist Gottes kann in das Lebensbuch des Menschen sehen, wie ich es euch gestern erklärte. Denn fortwährend, von Tag zu Tag, zeichnet sich jeder Mensch seinen geistigen Fortschritt oder seinen Stillstand. Er selbst zeichnet es in seine Seele hinein, und das kann nicht ausgelöscht werden. Und mag er mit seinem Munde andere Worte ausdrücken, ein anderes Bekenntnis geben – die Geisterwelt Gottes richtet sich auf das Inwendige des Menschen.
So könnt ihr sehen, worauf es ankommt, wenn die heilige Geisterwelt Gottes sagt: “Wir wollen dich zum Gastmahl Gottes führen. Doch möchten wir stolz sein, dich an der Hand dorthin zu führen.” Denn die Geister Gottes werden nur solche Geistgeschwister zum Gastmahl führen, die im Geiste ein gepflegtes Äusseres besitzen. Dieses gepflegte Aussehen gewinnt man auf die Art und Weise, wie ich euch erklärte: wie zu leben ist, wie man sich verbessern muss.
Wir nehmen nun aber an, bei euch wäre alles in bester Ordnung, und der Geist Gottes will dich zu diesem himmlischen Gastmahl führen. Stolz will er dich an der Hand führen, denn viele stehen da und warten, wer da kommt. Sie wollen ihre Bewunderung zum Ausdruck bringen, denn eines müsst ihr wissen: Die Engel Gottes, die euch im Leben führen, wollen stolz auf euch sein. Sie lieben es, wenn andere hohe Geistgeschwister ihnen Komplimente machen, weil ihr Schützling so weit fortgeschritten ist. Sie freuen sich daran, und sie haben genauso ihre Freude auf geistige Art und Weise, wie ihr auf eure Art und Weise eure Freude kennt, wenn ihr mit euren Mitmenschen zusammenkommt oder zusammen seid. Wenn man schon eine gute Verbindung zu einem Engel Gottes hat, zu seinem Schutzgeist hat, dann sollte man auch etwas dafür tun und ihm die Freude bereiten, dass er stolz sein kann auf seinen Schützling.
Nun, liebe Geschwister, wenn ich euch jetzt im Geiste zu diesem göttlichen Gastmahle führe, dann sollt ihr nicht allein mit eurem Schutzgeist dahin schreiten, sondern es sollen auch jene mit euch sein, die von der ersten Stunde an hier auf euch gewartet, die eure Hände umklammert haben. Auch sie sollen euch begleiten. Die himmlische Welt wird die Tafel in einer Entwicklungsstufe bereiten, wo es möglich ist, dass alle hinkommen können. Denn die Engel des Himmels werden sich herniederneigen – sie werden euch entgegengehen und auch ihren Platz an dieser himmlischen Tafel einnehmen.
Die himmlische Tafel, die ganze Umgebung ist herrlich geschmückt. Einer dieser hohen Geister wird zu euch sprechen. Ich werde euch erklären, was er euch zu sagen hat. Ihr werdet nun gebeten, an dieser grossen Tafel Platz zu nehmen, und zu eurer Rechten und zu eurer Linken sind eure Lieben. Euer Schutzgeist und eure Führer im Leben stehen hinter euch und werden euch in diesem göttlichen Gastmahle Diener sein. Darüber sollt ihr euch besonders freuen. Sie werden euch die göttlichen Speisen und Getränke darbieten.
Ein hoher Geist hat seinen Platz an der Tafel eingenommen. Er will euch begrüssen, er spricht den Willkommensgruss zur Ehre Gottes: “Ehre sei Gott in der Höhe, Friede den Menschen auf Erden.” Das ist sein Gruss. Er bittet euch: “Nehmt von diesen köstlichen Getränken, nehmt von dieser göttlichen Speise.”
So sollt ihr euch im Geiste stärken. Die Engel Gottes dienen euch im Geiste, wie die Engel Gottes Christus dienten, als er im Garten Gethsemane war und Gott bat, er möge doch diesen Becher des Leides an ihm vorübergehen lassen. Dort, wo er im Geiste erlebte, was ihn erwartete, dort, wo der Mensch Jesus sich so ängstigte, stiegen die Engel Gottes hinunter. Sie kamen zu ihm, stärkten ihn, indem sie ihm von der für den Menschen unsichtbaren Speise und dem Trank gaben.
Es gibt für den Menschengeist auch eine Speise und einen Trank, die der äussere Mensch nicht geniessen kann. Der innere Mensch aber, der Geist, kann sie geniessen. So kannst du mit deinen Lieben an dieser Tafel sitzen. Du kannst deinem Vater, deiner Mutter, deinem Gatten, deiner Gattin, dem Bruder, der Schwester, dem Freund denselben Becher reichen. Man trinkt aus einem Gefäss, gemeinsam in der Familie oder mit denen, die mit einem in Verbundenheit leben.
Ein göttliches Festmahl ist es, das nur der innere Mensch erleben kann. Ich sagte euch, die Tafel ist wunderbar; die geistigen Früchte sind wunderbar – köstlich sind sie zu geniessen. Die herrliche Tafel ist geschmückt mit den kostbarsten Blumen, und kleine Engelkindlein sind da, die ihre Körbchen mit ihren Blumen haben, diese daraus nehmen und dir davon auf dein Haupt legen, in deine Hände und deine Lieben zu deiner Seite schmücken. Es ist ein geistig Fest der Freude und des Frohsinns.
Traurig über den Verlust eines Menschen ist nur der äussere Mensch – der innere Mensch lebt mit ihm in der Seligkeit; er vermag etwas für den Aufstieg eines seiner Lieben zu tun, wenn es notwendig wird; und er verbindet sich mit dem Heimgegangenen. So lebt man und so erlebt man bei uns, und so spricht der Geist zum Geist. Die Freude ist gross – das Erlebnis des inneren Menschen ist voller Genugtuung.
Was hat dieser Geist Gottes seinen Geistgeschwistern zu sagen, die noch im irdischen Leibe sind? Er sagt ihnen: “Du hast zugehört – dir wurde gesagt, was zu tun ist. Versuche nun, dich für die Zukunft zu wandeln. Lass den bisherigen Menschen sterben, und ein neuer Mensch soll aus dir werden, soll aus dir geboren werden.” Dies göttliche Gastmahl hat das Seinige dazu geleistet.
So, liebe Geschwister, kann man euren Geist führen – von Geist zu Geist reden und ihm Erklärungen geben. So soll dies alles für euch zum Fortschritt sein und dazu dienen, näher an Gott heranzukommen. Und denke an den neuen Menschen, der aus dir werde, wenn du dich nach all dem ausrichtest, was dir hier empfohlen wird. So wirst du für dich selbst vieles leisten, und es wird dir zum Nutzen sein. Welch Freude werden die Deinen haben; sie werden stolz auf dich sein, weil du von einem Geiste berührt worden bist, von ihm geführt wurdest. Und bedenke aber ebenso, dass es auch auf die Weise möglich ist, wie es bei Christus war, als er in der Wüste die Begegnung mit Luzifer hatte. Auch jene Begegnung hat von Geist zu Geist stattgefunden.
Und nun, liebe Geschwister, könnt ihr von dieser göttlichen Tafel wegschreiten. Die Engel begleiten euch im Geiste wieder zurück, und die Eurigen sind bei euch. Denn es ist für sie womöglich ein noch grösseres Erlebnis als für euch. Denn manchem ist der Zutritt zu einem solchen Gastmahl nicht gestattet. Durch dich, durch deine Verbindung, durch deine Treue hat Gott die Gnade walten lassen. Und Gott lässt diese Gnade weiter walten bei den Deinen, an denen dir so viel gelegen ist. Denn es freut sich der Himmel über all jene, die diese innige Verbindung zur Geisterwelt Gottes besitzen. Eine innige Verbindung und der innige Glaube sind so kostbar, dass die göttliche Welt auch Kostbares gibt, zur Belohnung für diesen Glauben.
So, liebe Geschwister, habe ich euch im Geiste in dieser Stunde geführt. So sollte diese Führung für euer zukünftiges Leben von Nutzen sein. Denn ihr könnt dadurch an Leib und Seele gesunden. Wenn da und dort ein Mensch krank ist am Leibe und er sich genau überlegt, was empfohlen wurde zu tun, wird die geistige Welt das Ihre tun, um ihn frei zu machen von seinen Beschwerden.
So soll die Liebe Gottes nicht nur euren inneren Menschen erfassen, sondern die Liebe Gottes soll auch den äusseren Menschen umfangen. Seid glückselig über all das, was ihr empfangen dürft – dass ihr geführt werdet in die Gemeinschaft der seligen Geister. So möge Gott euch alle segnen und alle beglücken. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.9.1967 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich der Meditationswoche 1967 in Flims Waldhaus (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Lene, 17. April 1968
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein
Wie der äussere Mensch nach Brot und Obdach verlangt, so braucht auch der innere Mensch Nahrung und Obdach, um gesund und glücklich zu sein. Geistiges Brot und Obdach findet er im Glauben, im Gebet und in der Verbundenheit mit der Geisterwelt Gottes.
Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, ihr befindet euch auf dem Heimwege zu Gott. Er hatte euch auf diese Welt gesandt, damit ihr hier eine Heimat findet. Auf dieser Erde müsst ihr für eure menschliche Natur für Obdach und Brot besorgt sein. Obdach und Brot bekommt ihr durch eurer Hände Fleiss. Es ist aber so, dass der Mensch mit dem allein nicht zufrieden sein kann, was ihm in der Weise von aussen geboten wird. Denn es ist nicht nur der äussere Mensch, der ein Obdach und sein Brot zum Leben braucht, da ist auch der innere Mensch, die Seele, die ebenso ein Obdach will und auch ihr Brot.
Euer Obdach, das ihr Menschen besitzt, gibt euch Sicherheit, auch Bequemlichkeit; ihr werdet dadurch an eurem Leibe geschützt. Euer Brot braucht ihr zur Erhaltung des Leibes. Für Obdach und Brot müsst ihr arbeiten; so könnt ihr in eurer Welt leben. Das also verlangt diese menschliche Natur.
Nun möchte ich aber von der Geistigkeit des Menschen oder vom inneren Menschen sprechen. Auch der innere Mensch verlangt nach einem Obdach und nach Brot. Es gibt gläubige und ungläubige Menschen. Der Gläubige findet im Glauben sein Zuhause, er findet das Brot des Lebens im Gebet. Durch seinen Glauben, durch sein Gebet verbindet er sich mit Gott und seiner heiligen Welt – er vermag in eine innige Verbindung mit dieser göttlichen Welt zu gelangen.
Doch auch die anderen Menschen, die nicht glauben können, möchten wir betrachten. Solche haben kein geistiges Zuhause, sie haben auch nicht das Brot für ihre Seele – sie sind mittellos. Sie sind, von uns aus gesehen, Bettler, und sie leben auf Kosten der geistig Reichen. Sie besitzen weder ein geistiges Obdach, noch vermögen sie ihrer Seele selbst erworbenes Brot zu bieten. So werden sie zu Nutzniessern der geistig Reichen oder zu Bettlern. Sie zehren von den geistig Reichen.
Die geistig Besitzenden sind jene, deren Seele über die Geborgenheit, über ein Obdach, verfügt. Es sind jene, die ihrer Seele das ihr bekömmliche Brot bieten und die von diesem ihrem geistigen Brot den andern, diesen Bettlern, etwas geben können. Mit dem Obdach verhält es sich so: Menschen ohne Gottesglauben sind – geistig gesehen – wie Diebe in der Nacht, die sich irgendwo einschleichen, um womöglich vorübergehend für ihren Leib Schutz zu finden oder um sich am Eigentum anderer zu bereichern. Geistig gesehen ist es so, dass solche Menschen von der Gnade jener geistig Reicheren leben. Denn das Wunderbare, das der Menschheit ständig an Segen zufliesst, ist in erster Linie jenen Gläubigen zuzuschreiben; es ist das Verdienst jener, an denen Gott sein Wohlgefallen hat. Die geistig Reichen – so möchte ich sie nennen – sind es, die durch ihr Gebet bewirken, dass Obdach und Brot auch jenen andern zugutekommen.
Jene Menschen, die ich vom geistigen Standpunkt aus als Bettler sehe, leben auf Kosten der geistig Reichen. Sie leben vom Brot, das sie den geistig Reichen abnehmen. Denn ein geistig reicher Mensch vermag auf ganz bestimmte Art und Weise zu geben; er versteht zu geben und will nicht nehmen. Das ist geistig zu verstehen. Er nimmt auch den Ungläubigen an, betrachtet ihn als Bruder, als Schwester, und er vermag sogar für ihn zu beten. Er bittet Gott, er möge auch ihm gnädig und barmherzig sein. Er, der geistig Reiche, bittet für den geistig Armen, und er kommt für ihn auf.
Ihr könnt das in eurem Leben beobachten. Es gibt diese geistig Armen. Irdisch gesehen mögen sie Reichtümer besitzen, im Geiste aber sind sie ihres Unglaubens wegen Bettler und Nutzniesser auf dieser Welt, die ihnen von Gott zugewiesen worden ist. So ist es notwendig, dass jene, die zu geistigen Erkenntnissen gekommen sind und einen geistigen Reichtum besitzen, solche Bettler nicht verstossen, sich von ihnen nicht abwenden. Man muss sich klar darüber sein, dass man verpflichtet ist, zu geben, was im Bereich der Möglichkeit liegt: sei es im Gespräch mit ihnen oder sei es, dass man im Stillen für sie bittet, dass auch sie den Segen der geistigen Welt empfangen dürfen. Wenn ihr darüber nachdenkt und euch vorstellt, wenn auf dieser Welt alles nur Gott entfremdete Menschen leben würden, so wäre es schlimm um diese Welt bestellt. So ist über diese Erde mit allen ihren Menschen die Gnade ausgegossen worden, die allen zugutekommen kann. Wenn man diese Erkenntnisse besitzt, sollte man sich im Geiste dementsprechend ausrichten.
In der Stunde der Meditation – sei es hier oder bei euch zu Hause, wenn ihr Zeit findet für eine Stunde der Verinnerlichung – werdet ihr dazu aufgerufen, dass ihr euch von den äusseren Dingen eures Lebens abwendet und versucht, im Geiste zu schauen, im Geiste zu erleben. Es braucht viel, bis man solches wirklich fertigbringt, dass man mit seiner menschlichen Natur die Schwierigkeiten überwindet und in dieses geistige Schauen und Erleben hineinkommen kann. Denn dort, in jenen geistigen Bereichen, in die man eintritt, liegen die Quellen, woraus man schöpfen kann und von wo das so Gewonnene wieder ausgetragen wird.
Wenn einer geistigen Reichtum besitzt, sei es an geistigem Wissen, sei es an Tugenden, so sollte er nicht abgeschlossen von anderen Menschen leben, sondern er soll sich in den Dienst des Nächsten stellen. Denn von seinem geistigen Reichtum, von diesem geistigen Besitz soll er doch auch anderen etwas geben – gleich auf welche Weise der Mensch ihn erworben hat, sei es durch sein tugendhaftes Leben oder sei es in seiner geistigen Schau, in seinen Erlebnissen, die ihn als Mensch bereichern, ihn verständnisvoll machen.
Es genügt nicht, den geistigen Reichtum nur zu hegen und zu pflegen, wie es mit dem irdischen Gut getan wird, sondern dieser geistige Reichtum muss ausgebreitet werden. Andere müssen ihn bewundern können und solchen selbst erwerben. Darum wird doch vom geistigen Standpunkt aus ein Leben nicht befürwortet, das man in einem Kloster verbringt, wo man abgeschlossen lebt, wo man seine Kräfte, sein ganzes Wirken einengt und es nicht den andern zur Verfügung stellt, wo man nicht Diener der Allgemeinheit im Heilsplane Gottes wird. Denn Gott verlangt nicht, dass man Tag und Nacht bete. Sondern Gott verlangt ein Leben auf dieser Welt, in das Prüfungen hineingetragen werden, dass sich der Mensch darin bewährt, dass er um sein Brot bangen muss, dass er arbeiten muss und Kümmernisse dieser und jener Art an ihn herankommen, die seiner Seele helfen zu reifen.
Gott verlangt vom geistig Reichen, dass er seinen Reichtum austrägt. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Wesensart der Menschen ist ja verschieden: Was der eine zu tun vermag, fehlt beim andern. Geistiger Reichtum kann auf verschiedene Weise unter die Menschen gebracht werden. Während der eine im täglichen Leben mit vielen Menschen zusammenkommt, er vielleicht eine führende Stellung einnimmt, kann er den geistigen Reichtum vielseitig ans Licht bringen, das heisst durch sein vorbildliches Leben, durch seine Beurteilung der Dinge. Er kann schlichten, wo es notwendig ist; er kann der Gebende sein, der Gütige, der Verständnisvolle. Er kann vom menschlichen Standpunkt aus das höhere Leben zum Ausdruck bringen, den Mitmenschen zur Nachahmung empfohlen. Denn im grossen Ganzen neigen die Menschen dazu, gute Eigenarten wie auch Unarten von ihren Vorgesetzten anzunehmen – solches ist übertragbar. Man kann andere beeinflussen im Guten wie im Bösen. Es kommt auf die Entwicklung und das Temperament des Einzelnen an, wie er das geistige Gut darzubieten weiss.
Der niedrig entwickelte Mensch vermag dem Nächsten diesen geistigen Reichtum nicht zu geben, er kann den inneren Menschen nicht sättigen. Er wird dem andern zur Last, zur Not, zu einer Bedrängnis. Der Mensch von geistig gehobenem Stande aber sollte der Seele des andern, dem inneren Menschen, das notwendige Brot geben, das jene Seele, jener innere Mensch, braucht. Es ist die Zufriedenheit, das Sich-Wohlfühlen, die innere Beglückung, die man durch Ansporn geben kann. Das heisst geistiger Brotgeber des andern sein.
Manche dieser Abnehmer mögen wohl auch gläubig sein. Aber auch der Gläubige, der durch seinen Glauben und sein Gebet geistiges Obdach und Brot findet, bedarf noch einer zusätzlichen geistigen Nahrung. Es gibt ihm eine innere Zufriedenheit, eine Beglückung, die zu seiner rascheren geistigen Vorwärtsentwicklung beiträgt. Wer solches zu leisten vermag, bereichert sich dadurch geistig. Während der andere, der durch Unzufriedenheit, durch Unruhe die Mitmenschen beeinflusst, sich innerlich belastet.
Geistigen Reichtum kann man auf verschiedene Art und Weise weitergeben. Selbstverständlich gehört zur Austeilung des geistigen Brotes manchmal auch wirkliches Brot. Wo materielle Not vorhanden ist, wird man so auch zum Brotgeber; man speist den andern nicht mit schönen Worten und Trost ab, denn die schönen Worte mildern seine materielle Notlage nicht. Ist einer in solcher Not, muss man ihm nicht sagen: “Ich werde für dich beten, und es wird dir besser gehen; habe Zuversicht und Vertrauen.” Solche Worte darf man dann aussprechen, wenn man ihm das gegeben hat, was er für sein Leben notwendig braucht, um seine Not zu überbrücken.
Einem wohlvertrauten Nächsten darf man seine geistige Schau oder seine geistigen Erlebnisse, die man gehabt hat, kundtun. Man kann dem andern wohl auch einen Rat geben, wie er sich geistig schneller vorwärtsentwickeln kann. Aber dies alles muss in einer wirklich sinnvollen Art und Weise getan werden. So wie es bei euch verschiedene Arten von Reichtümern gibt, kann man auch im Geistigen verschiedene Arten von Reichtümern erwerben. Denn die Menschen hungern nach geistigem Reichtum, auch wenn sie ihn nicht zu schätzen wissen. Es ist aber nur der äussere Mensch, der die Wertschätzung nicht zum Ausdruck bringen kann. Der innere Mensch, der im Menschen innewohnende Geist, weiss diese geistigen Kostbarkeiten wohl zu schätzen; er weiss wohl zu schätzen, was ihm zugutegekommen ist.
Man kann im Leben Gast und Gastgeber werden. Das ist auch geistig zu verstehen. Man wird Gastgeber, wenn man einem andern etwas zur Erlabung seiner Seele darzubieten vermag. Man kann Gast werden, indem man von der höheren Geisteswelt zu einem Gastmahl geladen wird – dann nämlich, wenn der Körper ruht und der Geist frei geworden ist, dann kann er gehoben werden. Und man will ganz besonders jene zu einem solchen Gastmahl einladen, die in ihrem menschlichen Leben auch Gastgeber sind.
So nimmt sich die hohe Geisteswelt jener Geschwister an, die die Verbindung zur geistigen Welt besitzen und schätzen. Höhere Geistwesen werden sie als Gäste in ihrem Haus begrüssen, und sie werden ihrer Seele diese kostbare Nahrung zukommen lassen, die sie braucht. Und die Seele, die von diesen köstlichen geistigen Speisen nimmt, kräftigt sich nicht nur selbst, sondern sie überträgt von der aufgenommenen Kraft auch noch auf den irdischen Leib. Denn innerlich ist man gesättigt worden; was aber innerlich aufgenommen worden ist, drängt auch nach aussen. Es kräftigt den Leib, es vermag auch tröstend zu wirken und Krankheiten zu mildern, wenn solche vorhanden sind. Es kann die Möglichkeit bestehen, dass Lebenskraft, Lebensmut und Lebensfreude in dieser Form gegeben werden. Auf verschiedene Art und Weise nimmt man dann das auf, was für einen notwendig ist.
Die Menschen glauben im Allgemeinen, dass sie ihre Kräfte den eigenen Bemühungen verdanken, ihrer vernünftigen Lebensweise oder ihrer gesunden Natur. Dies mag zum Teil richtig sein, aber das, was auf solch normale Weise dem Menschen zugeführt wird, genügt nicht. Es braucht nicht nur das irdische Brot zum Leben, sondern auch das geistige Brot.
So deutete ja auch Christus an, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt, und er meinte damit das irdische Brot. Auch geistiges Brot braucht der Mensch, und dieses findet er nur, wenn man von Geist zu Geist in Verbindung steht, wenn ein höheres Wesen Gastgeber ist und den Menschengeist als Gast bewirtet, ihm das zuführt, was er braucht.
Denn im Geistigen sieht man diese Dinge, es ist alles offenbar. Gott sieht die Not und die Probleme, die einem zu schaffen geben. Darum soll man im Gebete Gott nicht alle seine Klagen vortragen; Gott weiss längst, was geschehen ist und was man zum Leben braucht. So soll man seine Gebete nicht zu Erzählungen machen, sondern euer Gebet sei eine Lobpreisung Gottes. Gott weiss längst, wie es um den Einzelnen bestellt ist wie auch um die ganze Menschheit. Lobt und preist Gott in seiner Heiligkeit, und fleht ihn um Gnade und Barmherzigkeit an.
Der Mensch kann trotz seiner irdischen Natur ein geistiger Gast in jenen himmlischen Welten sein. Ihr könnt euch bestimmt auch vorstellen, dass ein hohes Geistwesen doch einen guten Freund als Gast begrüssen möchte. So muss man würdig sein, um mit seiner menschlichen Natur ein himmlischer Gast zu werden. Aber der Mensch soll nicht immer nur Gast sein, er selbst soll auch ein Gastgeber werden. Christus bestätigte es mit den Worten: “Mein Vater und ich wollen Wohnung bei euch nehmen” (Joh. 14, 23).
Man soll Gastgeber sein, indem man im Geiste den Nächsten so viel an geistiger Nahrung darbieten kann, dass sie gesättigt werden und dass sie immer wieder das Verlangen haben, in der Nähe eines solchen Gastgebers zu sein, der ihre Seele sättigt durch das rechte Wort, durch den gütigen Blick seiner Augen, durch sein liebevolles Lächeln vielleicht, durch sein Verständnis oder dadurch, dass er ihnen etwas von seiner Zeit schenkt und ihnen zuhört. So wird er zum geistigen Gastgeber. Der andere kommt zu ihm als Gast und möchte von ihm gestärkt werden, er möchte sich nicht an einen ungedeckten Tisch setzen. Er möchte vom andern innerlich erbaut werden. Der eine bedarf des Trostes, ein anderer des Ratschlags oder was es sonst auch sei. Er will beim andern einfach Gast sein.
Der Gastgeber muss der Gebende sein, auf diese und jene Art. Solche Gastgeber sucht die Geisterwelt Gottes. Man kann also als Mensch Gastgeber sein und zugleich im Geistigen Gastgeber bleiben, indem man sich der inneren Nöte und Verlangen der Mitmenschen annimmt. Das bringt geistigen Lohn, geistigen Reichtum ein. Und dieser geistige Reichtum kann nicht eingeschlossen bleiben. Er wird offenbar durch sein Leuchten, und er wird so zum Besitz aller. Man kann diesen Reichtum nicht abschliessen, wie es im Irdischen getan wird – im Geistigen ist es das Gegenteil. Der eigene geistige Reichtum wird auch zum Besitz des andern, und doch ist er Besitz des Einzelnen. Zum Besitz eines Einzelnen wird er als geistiges Licht, das dieser in sich trägt. Dieses innere geistige Licht vermag sich durch solches Wirken zu entfalten und noch stärker zu leuchten. So wird sein Träger selbst zu einer bedeutungsvollen, herrlichen Leuchte. Und in dieses Licht hinein zieht er die andern, bestrahlt und erwärmt sie und fördert auch ihr Licht, das in der Tiefe ihrer Seele noch wie in einem Nebel, wie verschleiert ist.
Vom Glanz und von der Kraft des geistig Reichen wird beim andern dieser Nebel durchbrochen, sodass auch sein Licht allmählich hervorzuleuchten beginnt. Sein Licht ist für jeden offenbar. Und auch ein [geistig armes, umherirrendes] Geistwesen sucht das Licht, es stellt sich gerne daneben und erwärmt sich daran, und es ist glücklich, ein solches geistiges Obdach gefunden zu haben, auch wenn es nur vorübergehend ist, ihm nur vorübergehend etwas Beruhigung, etwas Sicherheit, etwas Trost und Freude verschafft. Es hat doch geistiges Obdach erhalten.
So besteht für euch die Möglichkeit, in eurem irdischen Leben Gastgeber zu sein. Aber nicht nur Gastgeber für eure Mitmenschen, sondern wie ich betonte: Wenn euer Inneres so herrlich vorbereitet ist, werden auch die Hohen des Himmels auf euch aufmerksam. Da, wo ein Mensch ein solch herrliches Licht in seiner Seele hat, möchten sie bei ihm wohnen. Und ein Hoher des Himmels als Gast wird ihm viel zu sagen haben. Wenn ein hoher Geist des Himmels bei einem solchen Menschen einkehrt, dann möchte er ihm auch eine Freude bereiten. Er wird nicht mit leeren Händen als Gast an seine Tafel treten. Er wird vom geistigen Reiche her jene Kraft mitbringen – das heisst, der gehobene Geist hat schon diese Kräfte in sich, und es ist ihm erlaubt, von seiner Kraft auf den andern zu übertragen. Es ist ihm erlaubt, dem andern von seinen herrlichen Erlebnissen zu erzählen; es ist ihm, dem Gaste, auf mancherlei Weise möglich, den Gastgeber zu beglücken.
So besteht immer die Möglichkeit, im Geiste etwas zu erleben. Es besteht die Möglichkeit, als Mensch auf dieser Welt das geistige Leben zum Ausdruck zu bringen, so zu wirken, wie es im geistigen Reiche befürwortet und getan wird.
Wer aber nicht gläubig ist – bedenkt einmal die Armseligkeit eines solchen Menschen! Wie geistig arm ist ein Mensch ohne Glauben, denn er ist ohne geistiges Obdach und Brot. Er zehrt vom geistigen Brot seiner Mitmenschen und steht unter dem Obdach der andern. Er ist ein Nutzniesser.
Doch wer die Verbindung zur göttlichen Welt kennt und die geistigen Gesetze und jenes Wirken einigermassen versteht, lernt auch den andern, den Menschen ohne Gottesglauben, zu verstehen. Und er weiss, was er als Kind Gottes dem andern schuldig ist. Er kann für ihn wahrlich vieles tun. Er hat die Möglichkeit, für ihn, auch einen unbekannten, zu bitten. Denn die Gnade und der Segen ruht ausgebreitet über allen. Und Menschen ohne Gottesglauben leben vom Segen und von der Gnade der Gott Wohlgefälligen.
So, liebe Geschwister, könntet ihr zu Hause über diese Dinge meditieren, worüber ich zu euch gesprochen habe. Ihr könnt zu Hause darüber nachdenken, was es heisst, Gast zu sein und Gastgeber, und was es bedeutet, ein geistiges Obdach zu haben. Wie beglückend ist es doch, im Glauben diese Sicherheit zu besitzen, im Glauben dieses Behütetsein zu empfinden, diesen geistigen Schutz, der in erster Linie dem Geiste des Menschen gegeben ist. Und es ist das Gebet, das das tägliche geistige Brot übermittelt, das den inneren Menschen speist und ihn immer wieder zu den geistigen Quellen führt, auf dass er erquickt wird. Es ist schön, ein geistiges Obdach zu haben und geistiges Brot geniessen zu dürfen. So sollt ihr weiter darüber meditieren.
Nun, liebe Geschwister, kehre ich zurück in meine himmlische Welt, und ich überlasse euch dem Segen Gottes. So sollt ihr bei uns zu Gaste sein, und wir möchten es gerne auch bei euch sein. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.4.1968 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Ein guter Hausherr sorgt für Harmonie und Ordnung – innen wie aussen
Lene, 19. Juni 1974 (Ausschnitt)
Ein guter Hausherr sorgt für Harmonie und Ordnung – innen wie aussen
Je nach seiner Gesinnung zieht der Mensch Geistwesen an, die bei ihm zu Gast sein möchten und ihn beeinflussen. Ist er im Verlangen, Gott näherzukommen und dessen Willen geschehen zu lassen, sind es höhere geistige Wesen, die in seine Nähe kommen und bei ihm Wohnung nehmen. Sie möchten mit ihm leben, ihn führen und sein höheres Denken fördern. Pflegt ein Mensch dagegen eine niedere Gesinnung, hat er auch dementsprechende geistige Begleiter, die ihn in seinem niederen Denken unterstützen. So empfängt der Mensch – je nachdem, wer bei ihm zu Gast ist und mit ihm lebt.
Lene: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, ihr erwartet von mir, dass ich euch den Himmel auftue. Ich habe mich mit meinen Geistgeschwistern abgesprochen, über was ich denn zu euch reden soll, welche Art Meditation ich durchführen sollte. Wir waren verschiedener Meinung, doch Meinung möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich brauche nicht zu sagen, wer mir solches empfohlen hat, denn ich musste dieses Ansinnen gleich ablehnen. Denn ich sagte: “Wenn ich meine Freunde noch nie enttäuscht habe, so würde ich sie ganz bestimmt an diesem Abend enttäuschen.”
Ich will euch dieses Ansinnen sagen, und ich glaube, wir sind uns einig. Mir wurde dargelegt, was zu einer hohen Meditation gehören und wie man eine Meditation auf einer hohen geistigen Stufe ausführen könnte. Obwohl ich solches schon weiss, kann ich es meinen Freunden aber doch nicht empfehlen. Denn stellt euch vor: Fünfzig Minuten sollte niemand hier nur ein Wort sprechen, also auch ich nicht. Sicherlich wärt ihr damit nicht einverstanden, denn ihr erwartet von mir etwas. Aber ich muss schon zugeben: Zu einer hohen geistigen Meditation gehört es, dass der Einzelne sich so verinnerlicht und sich sozusagen so vergeistigt – er braucht gar nichts zu hören, jedes Wort, das gesprochen würde, würde störend auf ihn einwirken –, dass er sozusagen als Mensch mit einem Schritt in unsere Welt hineintreten und das Geistige erleben könnte. Er müsste also mit sich eins werden und sich so verinnerlichen, dass diese Verinnerlichung zu einer geistigen Schau führen würde. Ich glaube, man wäre damit nicht einverstanden und mit mir nicht einig, wenn ich euch sagen würde: “Heute Abend spreche ich kein Wort, ich überlasse es euch: Jeder von euch soll nun einmal in sich hineinschauen und mit sich selbst ins Reine kommen, und ihr sollt darüber beglückt sein, zu wissen, dass die Lene unter euch ist.” Also, da sind wir uns sicherlich einig, das wäre nichts.
Dann wurde mir als ein weiterer Vorschlag empfohlen – und ich will es euch gleich sagen, was wir so miteinander geredet haben –, von der geistigen Erhebung eines verstorbenen Menschen zu sprechen, wie der Himmel sich freut, wie er empfangen wurde. Da habe ich gesagt: “Dies tut ja meistens unser Bruder Josef, das ist also auch wieder nichts.” Dann sprach man von einem göttlichen Gastmahl, an dem wir doch von Zeit zu Zeit teilhaben dürfen und unsere Freude haben. Da sagte ich: “In meinen Meditationen flechte ich immer wieder solche Erlebnisse ein – das ist also auch wieder nichts.” So wurden wir uns eigentlich gar nicht einig. Dann habe ich meine Vorschläge gemacht und gesagt, dass ich mich so, wie ich es für gut finde, durchsetzen werde, denn ich würde meine Freunde besser kennen und ich möchte ihnen das anbieten und das geben, was ihre Herzen und ihre Seelen erfreut. Ich versuche es in dieser Weise zu tun, muss aber mit einem geistigen Verständnis rechnen können. Die Freunde, die hier sind, sollten also schon geistige Erkenntnisse besitzen, und das, was ihnen dargelegt wird, sollte ihnen nicht fremd oder unglaublich sein; denn das wäre auch nicht der Sinn einer Zwiesprache mit euch.
Was ich mir also überlegt und ausgewählt habe, worüber ich zu euch sprechen möchte, das ist einmal: Ihr seid gläubige Menschen, und ihr wisst, Gott ist euer Herr; er ist Herr über alles, er ist auch euer Hausherr. Ich versuche jeweils, euch bildlich etwas darzulegen, denn nur so vermag ich ja die geistige Sprache zum Ausdruck zu bringen. Ich will nun vom Hausherrn sprechen, davon, dass jedes Einzelne von euch denselben Hausherrn hat. [...]
Gott ist also der Hausherr eines jeden Einzelnen. Er ist der Herr, das weiss der gläubige Mensch. Einem ungläubigen Menschen aber bedeuten oder nützen diese Worte oder was ich euch darlege, nichts. Er würde diesen Hausherrn ja nicht akzeptieren, nicht anerkennen; folglich gehört zu einem Verständnis immer die Voraussetzung des Glaubens.
Nun, ein guter Hausherr – und Gott ist wohl ein guter Hausherr –, er sorgt für Ordnung, und zwar für die innere und für die äussere Ordnung. Denn der Mensch, und dies muss ich nun teilweise bildlich darlegen, hat ein inneres geistiges Zuhause. Nehmen wir an, dass es beim Gläubigen so ist. Aber er hat nicht nur ein geistiges, sondern auch ein irdisches Zuhause. Beides, das geistige und das irdische Zuhause, gibt ihm Geborgenheit; es ist sein Obdach, das er hat. Nun ist es ja nicht Gott in Person, der für die innere und äussere Ordnung des Einzelnen sorgt; sondern es sind die Geister Gottes, die in seinem Auftrag, im Auftrag des Hausherrn, für Ordnung sorgen nach innen und nach aussen. Also muss der innere und der äussere Mensch angesprochen werden.
Ein guter Hausherr sorgt dafür, dass das Haus in Ordnung und auch gepflegt ist. Das will heissen, dass doch in erster Linie der inwendige Mensch oder das innere Zuhause gepflegt ist. Das Inwendige muss gepflegt und geordnet sein, und das ist einmal sein Denken. In seinem Denken, da muss der Mensch auch selbst Ordnung machen. Die geistigen Wesen, die im Auftrage Gottes für Ordnung sorgen nach innen und aussen, sie tun dies, so gut sie es können. Sie haben immer aufzuräumen. Aber manchmal ist es ihnen zuwider, manchmal räumen sie nicht auf. Und damit ist das innere Aufräumen gemeint. Unter dem inneren Aufräumen der Geistwesen ist doch einmal Folgendes zu verstehen: Es ist der Beistand, den die Geisterwelt Gottes gibt, und es ist das Führen und Lenken des Menschen im täglichen Leben, man nimmt sich seiner an, man schützt ihn; für sorgen Geister Gottes, für diese Ordnung.
Manchmal ist es aber so, dass Menschen inwendig eine ständige Unordnung haben, und da kommen dann die Geister Gottes und mahnen sozusagen so, dass ihr es empfindet: Es plagt dann den einen oder andern das schlechte Gewissen, wenn er etwas gesagt oder getan hat, und er weiss: “Ich habe es falsch gemacht, ich war auf dem falschen Weg.” Er sieht es mitunter ein. Wenn er es einsieht, dann hat er ja auch die Möglichkeit, wieder aufzuräumen in seinem inwendigen Haus.
Was sein irdisches Haus oder das Äussere, seine Umwelt, anbelangt, so sollte sie doch harmonisch auf den Menschen abgestimmt sein. Oder ich möchte es so sagen: Es muss da, wo der Mensch lebt, eine Harmonie zustande kommen oder eine Harmonie herrschen. Denn nur da, wo die Harmonie auch im Äusseren, sagen wir jetzt, beim äusseren Haus des Menschen, ist, kann der Mensch inwendig glücklich und zufrieden sein. Es muss innen wie aussen geordnet sein. Und leider – leider, leider – ist es sehr oft so, dass inwendig nie eine Ordnung herrscht. Geister Gottes versuchen zwar wieder aufzuräumen, doch in kurzer Zeit ist alles wieder durcheinander.
Für diese Unordnung des Menschen möchte ich jetzt einen bildlichen Vergleich machen, oder ich möchte sagen: Stellt euch vor, das Haus, in dem ihr wohnt, hätte kein Dach. Wenn das Haus kein Dach hat, dann ist man doch sicher weder geborgen noch geschützt. Da kann Sturm und Wind kommen und was weiss ich noch alles – auf jeden Fall ist man in einer Unsicherheit, es ist keine Geborgenheit. Also in einem Haus, das kein Dach hat, lässt es sich nicht gut wohnen. Da muss man ja ständig in Angst leben, was wohl von aussen kommen und irgendeinen Schaden anrichten könnte, und es würde ständig Schaden geben. Und so ist es bei diesen Menschen, die innen, in ihrem geistigen Inwendigen, nie Ordnung haben. Da ist es eben so wie bei einem irdischen Haus ohne ein Dach. Da kommt alles Mögliche, und es ist eine ständige Unruhe, eine ständige Unsicherheit, eine ständige Unzufriedenheit; man lebt in ständigen Ängsten, was wohl wieder Neues auf einen zukommen und nicht gut gehen könnte – man sieht sich immer in Gefahr. Und dabei ist es genau das, was ich sage: Der Betreffende selbst hat in seinem geistigen Hause kein Obdach, er hat keinen Schutz. Und für dieses Obdach muss er eben besorgt sein. Denn geistige Wesen besuchen den Menschen gern, aber auch sie möchten gern in einem Hause sein, wo ein Obdach ist, auch sie möchten sich geborgen und wohl fühlen.
Und da komme ich auf etwas zu sprechen: Es gibt Menschen, die haben diese innere Zufriedenheit, die Zufriedenheit nach innen und nach aussen; sie haben ihr geistig Obdach, ihr geistiges und ihr irdisches Haus sind in bester Ordnung. Da kommen auch geistige Wesen zum Menschen, das wisst ihr. Zum einen sind es eure heimgegangenen Angehörigen, die sich ganz besonders für euch interessieren und sehr gerne bei euch zu Gast sind, wenn sie euch in Frieden leben sehen. Im Weiteren sind es höhere geistige Wesen, die auch zu euch kommen. Sie haben ihre Aufgaben an euch, und sie kommen von Zeit zu Zeit, um sich über eure Entwicklung zu orientieren. Kommen sie da in euer Haus, in euer Inwendiges hinein und ist da wirklich Ruhe, Harmonie und Frieden, dann gefällt es ihnen. Und wenn Gäste zu einem kommen, dann bietet man ihnen gewöhnlich auch einen Platz an, oder man bittet den Gast, doch etwas zu verweilen. So hat man dann einen guten Geist auch eine längere Zeit bei sich zu Gast – dies ist bildlich gesprochen. Ich kann aber auch sagen, der gute Geist ist dann auch in der nächsten Umgebung des betreffenden Menschen, er ist sein Beschützer, sein Begleiter, er ist bei ihm zu Besuch.
Nun ist es ja so, dass auch andere Geistwesen Zugang zum Menschen haben. Sie kommen da in sein irdisches Haus, es gibt ja kein Hindernis. Also treten sie einmal in seine geistige Nähe ein. Und handelt es sich beispielsweise um einen uneingereihten und unglücklichen, ruhelosen Geist, so geht er von einem Ort, von einem Menschen zum andern; ja er sucht Ruhe und findet sie nicht. Kommt er nun vielleicht – vielleicht, sage ich jetzt, denn dieses kommt auch vor – zu einem Menschen, wo Ordnung ist, wo Friede ist und Geborgenheit, so findet er bei diesem Menschen, in seiner nächsten Nähe, einen höheren Geist. Der ruhelose, nicht in die Ordnung eingereihte Geist kommt und verweilt jetzt auch in demselben Hause, also in der Nähe dieses Menschen. Nun kann er in ein Gespräch kommen mit dem höheren Geist, der da zu Gast ist. Und dieser höhere Geist, der da zu Besuch ist und dem es hier gefällt und der diesem Menschen etwas Besonderes bieten will, er will nicht gleich den Platz räumen; sondern er bleibt zu Gast, so wie er es sich vorgestellt hat. Der andere, der Uneingereihte, kann da auch seinen Platz einnehmen, sofern er nicht fortgewiesen wird. Er wird nicht fortgewiesen, wenn er dem Menschen keinen Schaden zufügt. Wenn er aber kommt und versucht, diesen Menschen, bei dem ein höherer Geist sein Zuhause hat, zu inspirieren, ihn auf Abwege zu führen oder ihn mit niederem Denken zu beeinflussen, dann vermag ein hoher Geist ihn wegzuschicken. Diese Möglichkeit ist also da. Der hohe Geist tut es aber nicht, sondern lässt ihn, wenn er sieht, dass dieser Geist oder diese Seele auf der Suche nach Geborgenheit ist. Gute Geistwesen sind höflich und lassen einen solchen; sie bieten ihm Platz an, und man kommt so ins Gespräch miteinander.
Natürlich fängt der unglückliche Geist gleich an, von seinem Leid zu klagen, wie schlecht es ihm gehe und dass niemand sich seiner annehme und so weiter. Nun hat er den Vorteil, dass er bei diesem Menschen in dieser Harmonie einen Geist findet, der sich seiner annimmt, der sich mit ihm unterhält, während er sonst in seiner Unruhe und in seiner Unordnung, in der er ist, keinen Zugang zu einem höheren Geist hat – ein höherer Geist würde sich mit ihm gar nicht beschäftigen, sondern sich von ihm entfernen. Jetzt aber hat er die Möglichkeit, dass sich ein höherer Geist mit ihm unterhält, denn das gehört sich, wenn man bei einem Menschen zu Gast ist; das ist doch das Gastrecht, das er besitzt, und dementsprechend unterhält sich der höhere Geist mit ihm. Und wie es dann so ist: Ist man im selben geistigen Haus und ist man Freund zu diesem Menschen, dann ist man auch bereit, dem andern – das heisst jetzt eben diesem Hilfesuchenden oder Uneingereihten, wie man ihn benennen will – seine Dienste anzubieten. Man erklärt ihm: “Ja, ich kann dir helfen, wenn es dir tatsächlich ernst ist, wenn du wirklich willst, dass dir geholfen wird. Aber die Voraussetzung dafür ist, dass du das tust, was ich dir sage.” Und der hohe Geist sieht es gleich, ob es dem andern ernst ist, ob er willens ist, seine Erklärungen anzunehmen, oder ob er nur recht bald wieder geht und anderswo von Neuem seine Klagen vorbringt.
Da ist aber zu sagen, dass es doch des Öftern vorkommt, dass gerade ein solcher uneingereihter und einst unruhiger Geist Gefallen findet an der Harmonie eines Menschen oder verschiedener Menschen, die zusammenleben. Hier fühlt er sich glücklich und zufrieden, und er will diese Menschen nicht verlassen. Er fügt ihnen in keiner Art und Weise Schaden zu, er lernt von ihnen. Und der höhere Geist, der hier als Gast weilt, belehrt diesen andern noch dazu. Also könnt ihr sehen, welcher Vorteil dem Menschen gegeben ist und welchen geistigen Gewinn er hat, wenn er sein Leben so harmonisch wie möglich gestaltet und er Frieden hält in seinem irdischen und geistigen Zuhause, sodass diese Geistwesen sich glücklich fühlen. Damit leistet er einmal für sich selbst etwas, indem er sich mit seiner Harmonie vermehrte göttliche Kraft erringt und dadurch Möglichkeiten, zu höheren Erkenntnissen zu kommen. Er hilft also sich selbst, aber er hilft zusätzlich noch andern, ohne dass es ihm bewusst ist. Der Mensch, der da lebt, hat ja keine Ahnung, was im Unsichtbaren in seiner Umgebung vor sich geht. Darum ist es so etwas Bedeutendes, dass Menschen in Frieden und Harmonie leben. Denn dann haben sie auch stets hohe göttliche Gäste bei sich und die Möglichkeit, durch ihr Vorbild an Ruhe und Harmonie diesen armen Seelen beizustehen und ihnen mit ihrem Leben ein Beispiel zu sein.
Es gibt nämlich Menschen, die haben die Harmonie nicht, weder die innere noch die äussere, aber sie beten jeden Tag für die armen Seelen. Was glaubt ihr, was wohl von Nutzen ist? Ob ein solches Gebet wohl einer armen Seele hilft, wenn der Betende selbst weder in Frieden noch in Harmonie lebt?
Ja, liebe Geschwister, da gibt es so allerlei, wovon ihr ja keine Ahnung habt und das ihr nicht sehen könnt. Aber darüber sollte sich doch – sagen wir jetzt – ein Geistesmensch klar sein, dass er sowohl in seinem geistigen als auch in seinem irdischen Zuhause für die Harmonie besorgt sein muss und nicht vergisst, wer sein Hausherr ist. Denn die guten Geister versuchen zu helfen und den Beistand zu geben. Sie haben Interesse daran, dass das geistige Haus gepflegt und erhalten bleibt. Sie führen ja auch den Menschen, so gut es ihnen geht, denn sie sind doch abhängig vom Menschen, von seinem Denken und Wollen, davon, ob er will oder nicht, ob er oberflächlich ist oder nicht, ob er ein Feingefühl hat oder nicht.
Dann möchte ich noch Folgendes betonen, so wie ich es sehe: Der inwendige Mensch gibt den wahren geistigen Stand und seine wahre geistige Entwicklung zum Ausdruck, aber doch nicht so wie der äussere Mensch, der auf alle Äusserlichkeiten seiner Umgebung reagiert und danach urteilt. Der äussere Mensch macht sich oft durch ein positives Handeln bemerkbar, ist im Umgang angenehm, liebevoll und gefällig. Das ist also, was ich beobachten kann, das Positive am äusseren Menschen. Dabei kann aber der inwendige Mensch eine negative Einstellung haben. Ihr neigt dazu, zu sagen, der menschliche Geist verfüge über ein höheres Wissen als üblicherweise der äussere Mensch, also der Mensch mit seinem Bewusstsein. Das hat voll und ganz seine Richtigkeit. Aber auch das hat seine Richtigkeit, was ich euch jetzt erkläre: Da kann der äussere Mensch ganz positiv sein, und der inwendige Mensch hat eine negative Einstellung.
Wie ist das möglich? Es kann so geworden sein durch seine Erziehung, durch seine Umgebung, in der er lebt – dass er immer zum Guten angehalten und angespornt wurde und ihm das gute Verhalten so ganz selbstverständlich, ganz einverleibt wurde. Und das ist ja sehr angenehm für die Umwelt. Wenn aber im inwendigen Menschen eine negative Einstellung ist, kommt bei diesem positiven äusseren Menschen doch bei Gelegenheit eine gewisse Falschheit zum Ausdruck.
Wenn ich sage, dass der inwendige Mensch eine negative Einstellung hat, so heisst das, dass seine geistige Entwicklung noch nicht erhaben ist und nicht übereinstimmt mit dem, was er äusserlich – scheinbar – zum Ausdruck gibt. Was er scheinbar zum Ausdruck gibt, kann angelernt sein, er kann von einer gewissen Haltung überzeugt worden sein; der Grund kann eine gewisse Erziehung sein. Wenn ein Mensch aber von aussen gesehen diese positive Einstellung hat, innerlich aber negativ ist, so ist dies sehr schlimm; denn dies sind Menschen – das ist das Üble –, auf die man sich nicht verlassen kann, weil plötzlich aus einem inneren Gesinnungswandel heraus eine schlechte Neigung kommt. Es kann Falschheit zum Ausdruck kommen, es kann – ach, ich möchte diese Dinge nicht alle aufzählen, ihr wisst es schon ... Gewisse Haltungen, die Menschen besitzen, kommen dann eben zum Ausdruck, und das ist betrüblich, sehr betrüblich.
Aber das, was ich jetzt erklärte, ist nicht etwa – sagen wir – etwas Allgemeines. Ich sage, es kommt vor, dass bei einem Menschen nach aussen hin eine positive Haltung ist, und inwendig ist sie negativ.
Zum Glück aber ist es doch zum grösseren Teil so, dass die innere Haltung des Menschen positiv ist, und sein Äusseres nimmt eine negative Haltung ein. Der äussere Mensch nimmt eine negative Haltung ein, weil äussere Umstände sich auch ganz in ihm einverleibt haben. Wenn solche Menschen aber in die notwendige Ruhe kommen und sich etwas mehr nach dem Göttlichen ausrichten, dann kommt das inwendige Positive zum Ausdruck, dann kommt das höhere Selbst, das höhere Ich zur Sprache. Das Positive kommt dann von innen nach aussen und vermag manches zu überwinden. Das ist dann so, wie ihr es in eurer Sprache oft sagt: “Ja, bei diesem Menschen ist manches nicht gut, das wissen wir schon; aber sein Kern ist gut, er hat doch einen guten Kern.” Das sind dann eben diese Haltungen von Menschen, die in ihrem Innern positiv sind, und wenn man ihnen die Möglichkeit und die Gelegenheit für ein besseres Wirken gibt, dann kommt dieses höhere Empfinden, das Edlere, das Vornehme durch das Bewusstsein des Menschen und wird so wirksam auch in seinem Äusseren. Das ist die angenehmere Seite des Menschen.
Es kann aber auch so sein, dass beide Haltungen, sagen wir, die Haltung des äusseren und des inwendigen Menschen, negativ sind; es können aber auch beide Haltungen positiv sein. Dann spielt ja immer wieder die Umgebung eine Rolle, sie gibt gewisse Ergänzungen und gewisse Ausgleiche. Man kommt mit Menschen zusammen oder lebt mit Menschen zusammen – mit den einen oder andern hat man die grosse Not, weil sie eben nicht so sind, wie sie sein sollten, dagegen kann man von der Güte und von der Erhabenheit eines anderen Menschen profitieren. Auf diese Weise gibt es dann immer wieder einen Ausgleich.
Dann sind es ja auch geistige Wesen, die einem Menschen je nach seinem Verlangen zugeführt werden können. Ist ein Mensch im Verlangen, Gott näherzukommen, seinen Willen geschehen zu lassen und in seinem Gefallen zu leben, kommen höhere geistige Wesen in seine Nähe. Diese möchten doch so gerne beim Menschen Wohnung nehmen, möchten mit ihm leben und ihn führen; sie möchten sein höheres Bewusstsein und sein höheres Denken fördern. Hohe Geister, die in der Nähe des Menschen sind, haben ja hohes Bewusstsein, und dieses hohe Bewusstsein übertragen sie dem Menschen, verleiben es ihm ein. So empfängt man etwas von dem guten Geist, der mit einem lebt.
Genauso ist es auch in umgekehrter Weise: Wenn Menschen inwendig eine niedere Gesinnung haben, haben sie auch dementsprechend ihre Begleiter, die sie in ihrem niederen Denken unterstützen. Und dann ist es doch so, dass diese niederen Wesen, die beim Menschen tätig sein können, ihn – wie soll ich das jetzt sagen? – schädigen an seiner geistigen und körperlichen Gesundheit. Diese niederen Wesen bringen dem Menschen Unzufriedenheit; sie bringen ihm geistig innere Unzufriedenheit und mitunter auch Krankheit an seinem Leibe. Es ist also nicht ratsam, solche niederen Wesen um sich zu haben und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich bei einem wohlzufühlen. Und wo fühlen sich diese wohl? Sie fühlen sich wohl bei Menschen, die in Unzufriedenheit sind, die in der Eifersucht leben, im Geiz, in der Herrschsucht – da fühlen die sich doch wohl, und sie sorgen dafür, dass dies auch erhalten bleibt. Also das ist einmal die negative Seite.
Hat man aber gute Geistwesen bei sich zu Gast, dann kommt man doch in den Genuss – und das wisst ihr doch wirklich selbst, liebe Freunde – von dem Schutz und dem Beistand der guten geistigen Welt. Die guten Geister nehmen Anteil am Leben des Menschen, und es ist euch ja schon gesagt worden: Mancher ist schon bewahrt worden vor einem bedeutenden Unglück, manchen hat man geschützt und behütet. Das ist das, was die gute Geisteswelt am Menschen zu seiner Belohnung tut. Und im Weiteren ist es noch so: Der gute Geist ist doch von einem feinstofflichen Od umgeben, und von seiner Kraft, von seiner Atmosphäre gibt er dem Menschen ab, er überträgt etwas von dieser Feinstofflichkeit dem Menschengeist oder dem ganzen Menschen, dem inwendigen wie dem äusseren Menschen; er gibt, er hinterlässt etwas von seiner Spur, die er hat.
Ihr könnt dies vergleichen mit dem, was ihr bei euch selber – jetzt aber im negativen Sinne – feststellen könnt: Wenn zum Beispiel Menschen in einem Lokal gewesen sind, wo geraucht und getrunken wurde, dann sind ihre Kleider nicht mehr frisch; man riecht es sofort, woher diese Menschen kommen. Es ist unreines Od, was ihnen da übertragen oder zugeworfen wurde; und dieses unreine Od ist nicht gesund, es kann sensible Menschen mitunter sogar krank machen. Aber jetzt habe ich vielleicht etwas Falsches gesagt – ich muss mich hüten, ich möchte nicht etwas sagen, was man bei nächster Gelegenheit zum Anlass nimmt, damit zu kommen und zu sagen: “Ich war da und da, und nachher bin ich krank geworden, nur weil dieser geraucht und getrunken hat.” Also bitte, liebe Freunde, sagt so etwas nicht. Ich sage: Es besteht die Möglichkeit, dass ein Mensch an seiner Gesundheit geschädigt wird, wenn schlechte Einflüsse auf ihn zukommen.
Demgegenüber ist es für einen Menschen ein grosses Glück, und er erhält einen grossen Vorteil, wenn er um geistig erhabene Menschen leben darf. Denn diese Menschen sind ja auch von höheren Geistwesen begleitet, und diese Geistwesen geben von ihrer feinen Kraft ab, die der Gesundheit von Leib und Seele dienen. Und wer dann mit solchen geistig erhabenen Menschen in Berührung kommt, kommt in den Genuss von dieser Feinstofflichkeit. Es ist wie ein elektrischer Strom. Sie werden aufgeladen von dieser Atmosphäre, und sie fühlen sich wohl und zufrieden und glücklich.
Im umgekehrten Sinne habt ihr es ja selbst schon erlebt: Wenn ihr mit Menschen zusammenkommt und euch mit Menschen unterhaltet, die ständig jammern und klagen, dann fühlt ihr euch nachher direkt krank; man hat euch die Kraft weggenommen, und ihr seid froh, wenn ihr wieder weg seid von solchen Menschen. Währenddem ihr mit Freude und Vergnügen an jene Stunden zurückdenkt, wo ihr mit Menschen zusammen gewesen seid, mit denen alles harmonisch und voller Freude vor sich ging. Da fühltet ihr euch aufgeladen mit Kraft und zufrieden. Und so sollte es eben sein. Der Mensch ist nämlich zu einem bestimmten Teil selbst ein Motor, der Kraft erzeugt und wieder gibt – und er kann nur Gutes geben, wenn er selbst nur Gutes besitzt.
Ja, man sagt mir, die Zeit ist vorgerückt. Wir kommen ja wieder zusammen, liebe Geschwister. Es sind Freunde da, die von ganz ordentlich weit hergekommen sind, und sie sollen wieder gut nach Hause kommen. Man sagt mir, ich möge jetzt beenden, ich hätte jetzt viel gesprochen in meiner Meditation. Gut, ich möchte auch annehmen, dass man mich verstanden hat. Auf jeden Fall habe ich das Gegenteil von dem getan, was mir empfohlen wurde: Ich habe geredet.
Nun, liebe Geschwister, ihr könnt über all das nachdenken und nachsinnen. Es gibt euch viel Kraft und Segen, wenn ihr versucht, das Gute zu fördern, und euer Leben nach den geistigen Höhen ausrichtet und wenn euer geistiges Bewusstsein versucht, von Tag zu Tag etwas mehr an Erleuchtung zu finden.
Nun überlasse ich euch euren göttlichen Begleitern, die euch nun führen, behüten und schützen. So möget ihr mit dem Segen Gottes von dannen gehen. Gott zum Gruss.
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 19.6.1974 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Vom Segen des Abendmahls
Josef, 3. Juni 1968 (Ausschnitt)
Vom Segen des Abendmahls
Ein Abendmahl ist eine wunderbare Gelegenheit, mit der heiligen Geisterwelt in ein Gespräch zu kommen und mit ihrer Hilfe wieder Ordnung zu schaffen in der Seele.
Josef: [...] Es besteht ein grosses Verlangen bei unseren Freunden, von Zeit zu Zeit an den Tisch des Herrn zu kommen. Zwei Gründe sind es, die sie dazu bewegen.
Ein Grund ist, dass man die innere Verbindung zur heiligen Geisterwelt Gottes zum Ausdruck bringen will, und zwar möchte man dieser Verbindung in der Weise Ausdruck geben, indem man selbst ein Gespräch führt mit dieser heiligen Geisterwelt und man sagt: “Seht, ich bin mit euch verbunden, ich will mit euch gehen, und ich will bei diesem heiligen Mahl mit dabei sein. Ihr sollt sehen, dass ich da bin.” Man kümmert sich nicht darum, ob man von anderen gesehen wird. Es ist etwas ganz Persönliches, ein persönliches Verhältnis zu uns kommt dadurch zum Ausdruck. Man will sagen: “Ich bin mit Dir verbunden, mein König; ich gehöre zu Dir, und ich möchte von Dir den Segen. Ohne diesen Segen kann ich nicht durchs Leben gehen.” Das ist der erste Grund. Man will so offen diese Zugehörigkeit zum Ausdruck bringen.
Dann gibt es noch einen weiteren Grund, der viele dazu bewegt, zu dieser heiligen Stunde zu kommen. Von Zeit zu Zeit wird es einfach notwendig, dass der innere Mensch in seinem Leben etwas aufräumt. Der innere Mensch will wieder Ordnung, und zwar nicht die äussere Ordnung, sondern der inwendige Mensch will das Inwendige wieder aufgeräumt wissen. Er ist oft schuldbewusst, kommt sich schuldbeladen vor; er weiss um die Gnade und die Güte Gottes, und er zählt auf diese Gnade und Güte – er preist ja Gott in seiner Güte, in seiner Gnade und Gerechtigkeit –, und so möchte er von dieser Gnade etwas an sich selbst erleben. Er ist im gewissen Sinne Schuldner, als Schuldner kommt er zum Tisch des Herrn. Aber er möchte aufgeräumt haben, und er weiss, dass er es aus eigener Kraft nicht fertigbringt. Man muss ihm dabei helfen, denn vieles vermag er aus eigener Kraft nicht wegzuräumen. Und in der Hoffnung auf die geistige Hilfe Gottes vermag er dann diese Ordnung zu schaffen.
Früher schon, als die Frommen zum Tische des Herrn gingen und man noch Opfer darbringen musste, hiess es: “Reinige zuerst deine Seele, vergib zuerst deinen Schuldnern, schaffe Ordnung im Innern und Äussern. Dann erst, wenn du gereinigt bist, wirst du für würdig befunden, an den Tisch des Herrn zu kommen. Erst dann bringe deine Gaben, und diese Gaben werden dann mit Wohlgefallen entgegengenommen.” Heute braucht ihr keine Gaben an den Tisch des Herrn zu bringen, um zu opfern – das grosse Opfer ist für alle bereits dargebracht worden. Von euch verlangt man nichts anderes, als innerlich aufgeräumt zu sein, das Innere geordnet zu haben, um in würdiger Weise diese Speise und diesen Trank vom Tisch des Herrn entgegenzunehmen. Wenn dies in solcher würdigen Weise geschieht, dann stärkt man Geist, Seele und den Leib. Denn das, was euch geboten wird, hat so eine wunderbare Kraft, die viel Unreines, Unlauteres reinigt, aufräumt und dadurch zur Gesundung verhilft.
Mit eurem irdischen Auge seht ihr wohl den Tisch mit den vielen Bechern, mit dem Wein darin, mit dem Brot, das da steht. Aber das geistige Auge sieht mehr, und es ist dem äusseren Menschen nicht möglich, diese innere Welt so zu erblicken, wie sie wahrhaftig ist.
Wenn nur zwei oder drei im Namen Gottes, im Namen Christi zusammen sind, dann sind sie unter euch. Nun, ihr seid mehr als zwei oder drei, und ihr seid in grosser Sehnsucht und in grossem Verlangen, an diesen Tisch zu kommen. Euer geistiges Auge, euer Geist – das Inwendige in euch, das, was euch lebendig gestaltet –, hat einen viel klareren Blick, ein grösseres Erlebnis als ihr, die ihr ja nur mit eurem irdischen Auge alles, was irdisch ist, sehen könnt. Aber alles, was in euch geistig, lebendig und gewaltig ist, kann das Geistige sehen. Und ihr könnt nur leise ahnen, was euch von dem grossen Geschenk und der Hilfe zugutekommt. Mächtig ist das Geistige, von dem ihr nur weniges spürt.
So ist doch gerade das heilige Pfingstfest dazu geeignet, dem Menschen verständlich zu machen, dass diese Heiligen des Himmels eben auf- und niedersteigen. Und wenn Menschen zusammen sind, die in diesem festen Glauben an die heilige Geisterwelt leben, so ist doch die Freude der heiligen Geister sehr gross. Und sie rufen aus ihrer Welt alle zusammen, sie rufen laut aus: “Höret es doch, kommet mit, und beglücket alle, die in diesem Glauben leben. Denn es sind nur wenige, die diesen wahren Glauben haben.” Denn die Menschen haben sich abgewandt vom geistigen Leben, sie kennen den Geist Gottes nicht, der auf- und niedersteigt; sie kümmern sich nicht um die heiligen Geister, sie haben keine Freundschaft mit ihnen. “Oh freuet euch, oh jubelt doch, ihr Heiligen des Himmels, darüber, Menschen zu finden, die in diesem heiligen Glauben leben und in dieser Verbundenheit mit uns sind. Kommet hernieder, erfüllet mit Lebensfreude ihre Seele, ihren Geist mit Glück, da sie in diesem Glauben sind. Bringet hernieder, was ihr besitzt an geistiger Kraft, und schenket es ihnen allen, jedem Einzelnen, denn sie leben im Glauben an uns. Sie sind die Wertvollen, sie sind die Stützen des göttlichen Glaubens, der Wahrheit, sie sind wahrlich kostbare Perlen. Oh kommet hernieder, erfreuet ihre Seelen, erfreuet, erhebet ihr Gemüt – aus Dankbarkeit.” Und so könnt ihr nur im Geiste ahnen und euch vorstellen, dass diese Heiligen des Himmels in diesem Raume zusammen sind.
Jeder von euch hat einen Gast des Himmels bei sich; jeder – je nachdem, wie er für würdig befunden wird – erhält geistige Gaben und geistige Geschenke. Jeder hat einen solchen himmlischen Gast, der zu ihm spricht, der ihn tröstet, der ihm Beistand und das gibt, was er braucht. Ein emsiges Treiben herrschte, als ihr hier euren Platz einnahmt. Ein Geist Gottes war da, der die Führung und die Kontrolle übernahm, sie herbeirief und sagte: “Du gehörst nicht zu diesem Bruder oder zu dieser Schwester. Ich habe einen anderen Bruder für dich bestimmt, der dich nötig hat, weil du ein Meister dafür bist, mit ihm die Probleme zu lösen”, und: “Du sollst zu dieser Schwester gehen. Du bist geeignet dafür, ihr die Kräfte des Heils zu geben.” So hat sich ein Geist Gottes mit seinen Helfern hier eingefunden, damit jeder Freund, der hier ist, den richtigen Gast neben sich hat. Nicht von ungefähr kommen sie zu euch, wohlgeordnet ist alles im Plane Gottes, und jeder soll den Geist Gottes zu seinem Gaste haben, den er wahrlich braucht. Der Geist Gottes wird mit ihm dieses Brot teilen, er wird mit ihm diesen Wein trinken, und er wird ihm den Segen geben. Das ist Gruss und Segen der göttlichen Welt in Dankbarkeit an euch.
Wenn ihr aus diesen beiden Gründen hierherkommt – um eure Zugehörigkeit zur heiligen Geisterwelt auszudrücken und um eure Schulden loszuwerden, um wieder von Neuem zu beginnen, mit frischem Mut und Lebenskraft wieder an die Arbeit, wieder in die Welt hinauszugehen und auch allem Widerwärtigen trotzen zu können –, so wird euch die Kraft dafür gegeben. Und wenn ihr hierherkommt, um euch innerlich wieder frei zu machen, so wollen euch eure Gäste, die bei euch sind, dabei behilflich sein: Sie wollen euch an dieses und jenes erinnern, und sie wollen euch zusprechen, was in der Zukunft anders werden soll und wie ihr in der Zukunft das Leben gestalten sollt. Sie wollen mit euch sein.
So knüpft ihr immer wieder aufs Neue geistige Freundschaften. Ihr lernt nicht nur in eurem äusseren Leben und Geschehen neue Freunde kennen, sondern geistige Freunde sind es, die euch durchs Leben begleiten. Geistige Freunde nehmen die Freundschaft mit eurem Geiste auf, mit dem inneren Menschen. Notwendig ist doch wohl, dass man eine feste innere Überzeugung hat und innerlich ganz anders ist als der äussere Mensch.
Wenn von der Geisterwelt gesprochen wird – ihr könnt sie nicht sehen –, so begegnet man sich immer von Geist zu Geist, und von Geist zu Geist nimmt man das Gespräch auf. Gewinne sollen daraus erzielt werden; und das Äussere, der äussere Mensch, soll in den Vorzug kommen, er soll von diesen Gewinnen etwas mit ins Leben hinaustragen können. [...]
Ausschnitt aus dem Abendmahlvortrag von Geistlehrer Josef vom 3.6.1968 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Heft 4/2026
21 Seiten, 21 × 29,7 cm