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Innere Wandlung durch die geistige Tierwelt
Beschreibung
Genauso wie die Menschen leben auch die Tiere nach ihrem Tode in der Jenseitswelt weiter, denn auch sie befinden sich auf dem Wege des Aufstiegs, und sie werden ebenfalls von der Geisterwelt betreut und geführt. Die hohe Geisterwelt bedient sich dieser Tiergeister auch, beispielsweise wenn es dazu dient, verstorbenen Menschen Hilfe zu leisten. So geht es im ersten Vortrag in diesem Heft um eine Mutter, die nach hartem Leben abgestumpft und gefühllos ins Jenseits zurückgekehrt war und hier durch die Zutraulichkeit und Zärtlichkeit geistiger Tiere Gefühle der Liebe zu entwickeln vermochte. Im zweiten Vortrag schildert eine Verstorbene, die zeitlebens nicht an ein Weiterleben geglaubt hatte, wie sie in einer ihr völlig fremden Welt erst dank der Begegnung mit ihrem lange vor ihr verstorbenen Hund zur Erkenntnis kam, dass es nach dem Tode eben doch weitergeht. Der dritte Vortrag berichtet von der Heimkehr eines belasteten Mannes, der zur Läuterung in die Umgebung von verstorbenen wilden Tieren geführt wurde. Inmitten einer weiten geistigen Natur, sollte er seine Beobachtungen anstellen, daraus seine Schlüsse ziehen und zu höheren Einsichten kommen.
Themenheft 4/2025: Innere Wandlung durch die geistige Tierwelt
Inhalt
Tiergestützte Therapie einer rauen Seele
Josef, 5. Dezember 1959
Tiergestützte Therapie einer rauen Seele
Geistlehrer Josef berichtet in diesem Vortrag von einer heimgekehrten Mutter, die durch ihr hartes Leben auch in ihrem Herzen hart und gefühllos war. Dank individueller Schulung in der Jenseitswelt gelingt es ihren Lehrern, ihr Wesen zu verfeinern. Dazu bedienen sie sich geistiger Tiere, die durch ihre Zutraulichkeit und Zärtlichkeit in dieser Seele Gefühle der Liebe zu wecken vermögen.
Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, der Christenmensch sollte sich seiner Zugehörigkeit zu Christus etwas mehr bewusst sein; denn damit kennzeichnet er sich als Zugehöriger zur Herrschaft des Herrn, das heisst zur gewaltigen Kirche Gottes, deren Haupt Christus, der Erlöser, ist.
Jeder fromme, Gott suchende Mensch strahlt von sich ein kleines Licht aus, und dieses Licht wird auch von jenen aus dem Reich der Toten gesehen. Diese frommen und Gott suchenden Menschen zeichnen sich somit selbst. Zu ihnen mögen aber Anfechtungen kommen von jenen Mächten der Finsternis. Wer sich jedoch wohl geübt hat in dieser Zugehörigkeit zu Christus, der ist gewappnet gegen Versuchungen. Er kann besser überwinden und verzichten, wenn es sein muss. Er weiss auch, dass er nicht überall auf das zu hören hat, was man zu ihm spricht; denn die dunkle Geisterwelt versucht es mithilfe von Menschen, diese Gottausgerichteten zu Fall zu bringen.
Wenn wir die Menschen betrachten, erkennen wir jene, die sich dieser Christuszugehörigkeit bewusst sind. Wir erkennen aber auch jene, die so lau und gleichgültig dahinleben und sozusagen im Schutze der andern stehen, das heisst der frommen und Gott suchenden Menschen, über denen Gnade und Heil waltet. Denn Gnade und Heil waltet auch über ihrer Umgebung, in die jene lauen Menschen mit einbezogen sind. So erhalten diese also auch einen Vorteil durch ihre Geschwister, die ihr Denken und Wollen nach oben gerichtet haben.
Ich möchte euch in dieser Stunde wiederum Einblick geben in die göttlichen Gesetze, in das Wirken der Engelswelt. Und so möchte ich von einer Seele sprechen und euch berichten, wie sie durch ihr Erdenleben gegangen ist, wie sich ihr Aufstieg vollzogen hat und wie die Engelswelt am einen Orte alles versucht, den Menschen zu stützen, ihn aufwärtszubringen und ihm auch in der Geisteswelt die notwendige Hilfe zu geben. Daraus sollt ihr erkennen, dass die Engel doch eine Einsicht haben in die Gefühle und in die Gesinnung ihrer Geschwister. So möchte ich also von einem Menschen sprechen, der in diesem Erdenreiche lebte. Ich kann aber nicht nur von diesem einen Leben erzählen, ich muss auch auf das vorhergehende Leben zurückgreifen, das für dieses betreffende Wesen belastend war.
Da war eine Mutter. Sie hatte sehr viele Kinder, und jedes Kind bedeutete ihr eine weitere Last. In dieser Familie waren auch Krankheit und Sorgen, auch täglicher Streit. Diese Mutter empfand das Leben als eine grosse Last. Hart wurde sie vom Leben angefasst, und hart und gefühllos war auch ihr eigenes Herz. Nie hatte sie je eines ihrer Kinder geküsst; sie vermochte keine Liebe zu geben, nur Herzenshärte sprach aus ihrem Munde. In dieser lieblosen Atmosphäre wuchsen diese Kinder heran, und sie, die so rau erzogen wurden, vermochten später in ihrem Leben selber nichts anderes als diese Rauheit wiederzugeben. So lebte diese Mutter mit ihrer Familie: Liebe kannte man nicht, Verständnis gab man einander nicht, Streit und Krankheit wohnten im Haus. Man betete zwar, aber von einem tiefen Glauben an Gott oder an den Erlöser konnte keine Rede sein – nichts dergleichen. So lebte man dahin und fragte nicht: “Was geschieht, wenn ich gestorben bin?” Man fragte nichts, man lebte dahin ohne Liebe, und so empfand diese Frau das Leben auch als eine schwere Last.
Als für sie die Zeit des Erdenlebens vorüber war und sie in der andern Welt erwachte, da trat ein Engel Gottes zu ihr hin. Er tadelte sie wegen ihrer Lieblosigkeit, wegen ihres Mangels an Verständnis, wegen der Härte ihres Herzens – er tadelte sie, aber er bestrafte sie nicht. Sie fand, ihr Verhalten wäre doch ganz in Ordnung gewesen, denn sie selbst hatte nie etwas anderes erlebt noch gesehen. Fremd waren ihr Liebe und Zuvorkommenheit, sie kannte dies nicht. So wurde sie nicht bestraft. Der Engel aber sagte: “In deiner Seele sind deine Gefühle so stumpf, und ich werde mir alle Mühe geben, dass deine Gefühle verfeinert werden.”
Sie musste anfangs in einer Stadt wohnen, in der ein Haus neben dem andern war. Es gab hier keine Farbenpracht noch war je etwas besonders Erwähnenswertes zu sehen. Man liess sie zuerst eine lange Zeit in dieser Stadt, und sie musste selbst für eine Unterkunft sorgen. Sie ging von einem Haus zum andern und bat um Einlass, aber überall war alles besetzt, und man sagte ihr ohne viel Umstände: “Wir haben keinen Platz, es ist schon alles voll bei uns.” Dann ging sie ihren Weg weiter – die Stadt war gross, und ein Haus stand neben dem andern. Schliesslich gelang es ihr, eine Unterkunft zu finden, wo man ihr erklärte: “Ja, du kannst hier eintreten. Vor Kurzem haben welche das Haus verlassen, so kannst du kommen.” Sie war froh, denn sie wollte doch irgendwo zu Hause sein; sie war doch noch so sehr mit ihren irdischen Gefühlen verbunden. Den Weg zurück zum Erdenreiche fand sie aber nicht, das heisst, er wurde ihr abgeschnitten.
Anfangs konnte sie nichts anderes, als den Gesprächen zuzuhören, die in diesem Hause geführt wurden. Und diese Gespräche erschienen ihr sonderbar: Die einen beklagten sich, dass man sich ihrer nicht annehme, die andern klagten, dass ihnen die Arbeit nicht gefalle. Und sie, sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Man liess sie einige Zeit allein. In dieser Zeit sollte sie etwas nachdenken und etwas zur Ruhe kommen. Es sollte ihr mehr bewusst werden, dass sie vom irdischen Reiche getrennt war und sie ihre Gedanken zu ändern hatte. Sie glaubte, dass es ihr helfen würde, wenn sie betete. Sie tat es, und sie sah, dass die andern es ihr gleichtaten. Aber dies änderte ihr Schicksal vorerst nicht.
Nach einer gewissen Zeit trat wieder der Engel vor sie hin und sprach: “Du hast aus eigener Kraft eine Unterkunft gefunden. Von nun an sollst du jeweils in dieses Haus ziehen, wenn deine Aufgabe bei mir beendet ist. Dann kannst du dich vielleicht auch mit den andern unterhalten und kannst ihnen erzählen, was du mit mir erlebt hast.” Dieser Engel, der vor ihr stand, war sehr schön und hatte so etwas Liebliches an sich. Er forderte nun diese Seele auf: “Komm mit mir, wir werden jetzt in einen Wald hineinziehen.” Und so gingen sie einen langen Weg zusammen. Der Engel sprach mit ihr noch vieles über ihr verflossenes Erdenleben, von ihren Kindern und was sie als Mutter anders hätte tun sollen. Er erwähnte immer wieder die Rauheit ihrer Gefühle und dass dies nun anders werden müsse. Sie aber dachte nicht weiter darüber nach, denn sie war gewissermassen einfach noch zu stumpf.
Nach einer langen Wanderung kamen sie in einen Wald, und hier begegneten ihnen unzählige Tiere aller Arten und Rassen. Sie sassen, lagen oder standen rudelweise zusammen. Zuerst stand diese Seele diesen Tieren gleichgültig gegenüber; sie wollte nur den Worten ihres Begleiters lauschen. Doch wo sie durchzogen, sprach der Engel: “Siehst du hier die Tiere und welcher Gattung sie sind; und siehst du jenes grosse Tier mitten unter dieser Schar? Es ist das älteste von ihnen, und es ist der Führer dieser Gruppe.” So zogen sie weiter und wanderten durch den Wald. Doch dies alles vermochte auf diese Seele noch keinen besonderen Eindruck zu machen; sie verstand ja noch gar nichts von dieser Vielfalt der geistigen Welt. Der Engel versuchte, ihr ein paar wenige Erklärungen zu geben. Da und dort blieben sie stehen und betrachteten die Tiere näher, sie berührten sie, und der Engel wusste bei den verschiedenen sogar ihre Namen zu sagen. Die Seele staunte darüber, dass der Engel über alles so gut Bescheid wusste, und er erklärte ihr: “Das ist eben meine Aufgabe, die ich an meinen Geschwistern erfülle.”
So wanderten sie, und nach einer gewissen Zeit brach man auf, um wieder zurückzukehren. Der Engel führte die Seele zurück in ihr Haus und versprach, später wiederzukommen und sie wieder auf eine Wanderung in denselben Wald mitzunehmen.
Als sie dann das erste Mal über das Erlebte nachdachte, musste sie doch etwas staunen; sie fragte sich nun: “Ist es wirklich so, gibt es hier im Himmelreich tatsächlich Tiere? Was haben denn diese Tiere hier zu tun?” Die andern Geschwister, die mit ihr in diesem Haus zusammen waren, wussten ihr keine Antwort zu geben. Sie erklärten ihr, sie seien nicht in den Wald geführt worden, sie hätten keine Tiere gesehen – und sie würden daher an ihren Worten zweifeln. Und diese Seele sprach: “Vielleicht gelingt es euch später auch einmal, in den Wald zu gehen und dieses zu erleben.”
Nach einer gewissen Zeit stand derselbe Engel wieder da und führte sie erneut mit auf den langen Weg in den Wald hinein. Unterwegs sprach er wieder mit ihr und fragte sie: “Was hat dir denn das für einen Eindruck gemacht, was du auf unserer ersten Wanderung gesehen hast?” Die Seele wusste nicht viel zu sagen, sondern fragte nur: “Ja wie kommt es denn, dass im Himmelreich auch Tiere sind?” Der Engel versprach, die Erklärung später zu geben, denn sie habe jetzt noch nicht das Verständnis dafür; doch sie solle nun darauf achten, was er für ein Ziel verfolge mit ihr: Sie sollte die Gefühle verbessern, sie sollte nicht mehr so stumpf und rau sein.
Nun ging man wieder denselben Weg. Aber dieses zweite Mal kamen ihnen gewisse Tiere schon entgegen, und einzelne begleiteten sie ein Stück des Weges durch den Wald. Diese Seele musste erkennen, dass diese Tiere von ihrer Wildheit befreit waren. Nun schaute sie sich um und begann die Tiere zu zählen, die sie begleiteten. Der Engel sprach: “Versuch einmal, dich etwas näher mit ihnen zu befassen”, und er stand still. Sie streichelten die Tiere, und der Engel sagte: “Schau, wie schön sie sind und wie voller Liebe und Anhänglichkeit.” Die Seele fing an sich zu freuen. Denn diese Tiere, denen man auf Erden eine grosse Wildheit zusprach, waren hier so zahm, ja sie schmiegten jeweils den Kopf an sie und verlangten nach Zärtlichkeit. Und der Engel sagte: “Gib du diesem Tier einen Namen und sprich ihn laut aus; berühre seinen Kopf und sage ihm den Namen laut. Wenn wir das nächste Mal wiederkommen, dann rufe dieses Tier beim Namen, und du wirst sehen, dass es zu dir kommen wird.” Und so taten sie es.
Mit der Zeit empfand diese Seele Begeisterung und Freude an diesen Wanderungen, und es gab einen engen Kontakt mit den Tieren. Man hielt sich immer länger auf in diesem Walde, und man war dabei nicht stumm. Der Engel gab seinen Unterricht. Er erklärte: “Siehst du, diese Tiere im Geisterreiche verlangen auch nach Aufmerksamkeit, auch sie lieben Zärtlichkeit. Du musst nun unbedingt versuchen, von feineren Gefühlen durchdrungen zu werden. Die Rauheit muss aus deiner Seele weichen. Du musst Freude empfinden, Freude schon allein an diesem Weg im Wald und an den Tieren.” Auf diese Weise sollte in ihr etwas Begeisterung, etwas Sehnsucht wachgerufen werden.
Der Engel führte diese Seele jeweils wieder in ihr Haus zurück, und sie wusste dann jedes Mal den andern zu erzählen, was sie erlebt hatte. Die andern fingen an, ihr aufmerksam zuzuhören, und auch sie bekamen das Verlangen, dorthin geführt zu werden. Sie selber wussten aber auch einiges zu erzählen, denn auch sie machten ihre Wanderungen und wurden jeweils wieder ins Haus zurückgeführt. So hatte man einander viel zu berichten, und man hörte begeistert zu. Auf diese Weise lernte man sich auch gegenseitig verstehen und etwas schätzen, denn man hörte dem andern nun nicht mehr nur oberflächlich zu. Öffnete sich jeweils die Türe dieses Hauses, dann war jeder gespannt: “Gilt es wohl mir, werde ich herausgeführt aus meiner Wohnung?”, denn die Sehnsucht war gross, jeder wollte wieder hinaus, um wieder etwas zu sehen und zu erleben.
Da ging es einmal eine geraume Zeit, ohne dass der Engel zurückkam, um diese Seele wieder zu holen. Sie fing an traurig zu werden und beklagte sich. Doch dann dachte sie darüber nach und sagte sich: “Ich darf nicht ungeduldig werden. Ich muss versuchen, mich in Geduld zu üben und zu warten. Ich will mich in der Stille hier freuen und will es einfach wieder vor mein geistiges Auge führen, was ich mit ihm auf diesen Wanderungen erlebt habe.” Und so träumte sie von den Wanderungen, die sie mit dem Engel unternommen hatte, und sie hatte nur den einen Wunsch, dass er bald wiederkommen möge. Denn ihre Sehnsucht wurde immer grösser – die Sehnsucht und die Liebe, das Verlangen nach den Tieren. Es war in dieser Seele etwas wachgerufen worden, während sie doch früher so stumpf, so hart gewesen war. Jetzt war schon vieles anders geworden.
Nun kam der Engel wieder, führte sie wieder in den Wald hinein und sprach: “Dieses ist das letzte Mal, dass ich dich in den Wald hineinführe.” Da bat die Seele: “Bleib doch bei mir, lass mich doch hier. Ich habe noch nicht alles erkannt, verlass mich nicht; bestimmt bin ich noch nicht so, wie du es wünschst.” Und der Engel erwiderte: “Noch lange nicht bist du so, wie du sein solltest. Aber ich habe dir grosse Aufmerksamkeit geschenkt und mich um dich bemüht; ich habe etwas von der Rauheit deiner Seele genommen; ich vermochte in dir eine Sehnsucht zu wecken nach diesen Tieren.” Und er erklärte ihr: “Die Welt, in der du lebst, ist sehr einfach; aber die Welt, aus der ich komme, die ist so schön, so vielfältig und farbenfroh. Du solltest eine Sehnsucht haben nach jener Welt. Aber dort können nur solche einkehren, deren Gefühle fein geworden sind, die den andern verstehen, die bereit sind, dem andern nur Liebe zu spenden und Verständnis zu geben.” Nun, diese Seele wollte ja keine Ansprüche machen, sie wollte ja zufrieden sein da, wo sie war. Doch der Engel sagte: “Nein, es ist erst ein Abschnitt deiner Läuterung vorüber, nun beginnt ein neuer.”
Und der Engel führte sie aus dieser Stadt hinaus, über einen Fluss, und aufs Neue durchwanderten sie einen Wald. Als sie diesen verlassen hatten, war die Umgebung viel schöner und farbenfroher. Die Häuser waren nicht so dicht aneinandergestellt, sie lagen weit auseinander, und die Landschaft war hügelig. Der Engel führte sie erneut in ein Haus hinein und sprach zu ihr: “Das ist deine neue Wohnung, und von hier aus werden die weiteren Aufgaben an dir erfüllt”, und er fuhr fort: “Ich verabschiede mich von dir, und ein neuer Lehrer wird dir gegeben, und ihm sollst du Folge leisten.” Sie wollte darum bitten, dass er bei ihr bleibe, weil sie Vertrauen zu ihm hätte. Doch der Engel sagte: “Ich stehe im Dienste Gottes, und alles geht nach seinem heiligen Willen, und ich unterstehe seinem heiligen Willen. Ich empfehle es auch dir, dich seinem heiligen Willen zu fügen.” Und er ging.
Da stellte sich der neue Lehrer vor; er schien gestrenger zu sein als der vorherige. Er erklärte: “Nun folgt die Fortsetzung des Unterrichts. Man hat dir doch schon etwas an Verständnis beigebracht, das du aufbringen sollst. Nun sollen die Gefühle des Mitleids in dir gestärkt werden; auch Liebe sollst du lernen, und Güte soll ebenfalls in dir entfaltet werden.” Und er sagte kurz: “Folge mir.”
In der geistigen Welt ist es nicht so, dass man von einer Sphäre zur andern fliegen würde, sondern man hat vieles zu überwinden, man hat zu wandern. Und so ging auch dieser Lehrer mit seiner Schülerin auf die Wanderung. Aber man wandert nicht so wie auf Erden, man hat in kurzer Zeit die grössten Strecken überwunden. Je nachdem, wie es die Gotteswelt für gut befindet, geht man eilend oder langsam.
Der Lehrer sagte: “Wir beobachten nun einmal die vielen Wesenheiten, die ohne guten Willen sind, die nicht im Heils- und Ordnungsplane eingereiht sind. Von ihnen gibt es unzählig viele.” Auf ihren Wanderungen begegneten ihnen nun viele solche uneingereihten Wesen. Sie waren nicht etwa verlassen und allein, sondern unter ihnen standen Engel Gottes und gaben jedem einen Hinweis. Diese Engel hielten sich aber nicht lange beim Einzelnen auf, sondern gingen eilends vom einen zum andern und gaben ihm einen Ratschlag. Der eine horchte darauf, überlegte, ob er dem folgen sollte – der eine tat es, und der andere kehrte sich nicht daran, sondern blieb, wo er war. Der Lehrer sagte nun zu seiner Schülerin: “Nun beobachte gut: Diese da, denen wir begegnen, haben einen schwachen Willen. Sie wollen sich nicht um ein höheres Leben bemühen. Du aber willst dies doch.” Und die Seele sprach: “Ja, ich will; ich will tatsächlich. Ich will in den Himmel kommen, von dem man mir gesprochen hat. Man hat mir gesagt, dass es so prachtvolle Himmel gibt, und ich möchte doch den Himmel erleben in seiner Schönheit. Aber ich weiss, dass ich noch nicht gut genug bin dafür.” Da sagte der Lehrer: “Komm und beobachte.”
Sie wanderten lange, lange, und diese Seele wurde teilweise von Mitleid erfüllt. Sie konnte nicht verstehen, dass diese Wesen den Anweisungen der Engel Gottes nicht Folge leisteten und so gleichgültig in ihrem Denken und Handeln waren. Sie fragte dann: “Warum werden sie denn nicht so belehrt, wie ich es wurde? Warum werden sie nicht auch so geführt, wie es bei mir geschehen ist?” Und der Engel antwortete: “Was beim einen geschieht, ist bei einem andern noch lange nicht durchführbar.” Da sah sie diese vielen, vielen uneingereihten Seelen, die den Anweisungen der Himmelsboten nicht Folge leisteten. Und der Engel Gottes erklärte ihr: “Siehst du, man lässt sie hier eine gewisse Zeit. Wenn es jedoch zu lange geht, bis sie selbst zur Erkenntnis gelangen, holt man sie später auch heraus. Aber bis dahin lässt man sie lange, lange Zeit nach ihrem Willen handeln.”
Nun wanderten sie weiter, und der Engel sagte: “Jetzt gehen wir zu jenen, die zum Reich der Toten gehören, zu den Unseligen. Auch da sollst du deine Beobachtungen machen.” Während man so wanderte, wurde es immer dunkler, und die einzige Beleuchtung schien der führende Engel zu sein. Wo er durchzog, war alles beleuchtet; so sahen sie ihre Umgebung. Die Seele sollte nun die Unseligen vernehmen, sie sollte ihr Bitten und Flehen um Hilfe, um Befreiung hören. Man wanderte nur dahin, lange Zeit, und diese Seele blieb stumm. Ja, sie hätte wohl helfen mögen, aber sie dachte: “Ihr habt es eben nicht anders verdient.” Während der Engel sie so begleitete, beobachtete er stets genau ihre Gedanken. Er wollte erkennen, ob und in welcher Art und Weise eine Wandlung in ihr vorgehen würde. Von Mitleid konnte man bei ihr noch nicht sprechen.
So ging es eben lange Zeit, und man kam zu Unseligen hin, die in grossen Qualen waren. Der Engel blieb stehen und erzählte von ihrem Verschulden und von ihrem langen Weg des Aufstiegs. Dann fragte die Seele aber doch: “Könnte man nicht etwas für sie tun, könnte man ihnen nicht den Weg erleichtern?” – “Vielleicht”, sprach der Engel Gottes, “vielleicht gibt es Möglichkeiten, ihnen den Weg zu erleichtern. Wir wollen sehen. Ist es dein Wunsch, dass ihnen der Weg erleichtert wird? Wünschst du dies aus deinem Innersten? Ist es dir nicht gleichgültig, was mit dieser Seele geschieht? Magst du ihr Heil gönnen?” – “Ja”, sprach die Seele, “ich wünsche, dass es ihr besser geht.” – “Gut”, sprach der Engel Gottes, und man zog weiter. So begegnete man vielen dieser Unglücklichen.
Da plötzlich hörten sie wunderbaren Gesang. “Was ist das”, fragte die Seele, “singen sie hier?” – “Nein, diese Unglücklichen singen nicht. Es sind unsere erhabenen Geschwister, die singen.” – “Warum denn?” – “Sie bringen diesen Seelen Trost und Botschaften. Sie erklären ihnen, dass es nicht mehr lange geht, bis sie von ihrem Zustande befreit werden – dass dies jedoch nicht so gemeint ist, dass sie nun plötzlich von ihren Qualen befreit würden, sondern dass es viele Möglichkeiten zu ihrer Befreiung gibt.”
Nun wanderten sie wieder weiter, und auf diesen Wanderungen begegneten sie nicht mehr nur diesen Unseligen; sondern da und dort stieg ein Leuchten auf, und sie begegneten Engeln, die zu Besuch waren in diesem Reich der Finsternis – von diesen Engeln ging das Leuchten aus. Sie sangen zu den Unglücklichen und brachten ihnen die Botschaft vom Erlöser, sie sprachen von seinem Heils- und Erlösungsplan und von der Rettung.
Nun zog der Engel mit seiner Schülerin wieder aus diesem Reich der Finsternis hinaus und kehrte zurück in ihr Haus. Da hatte nun nicht nur sie wieder vieles zu erzählen, was sie erlebt hatte, sondern auch die andern. Aber diese andern waren von einem viel grösseren Mitleid erfüllt als sie und von einer Hilfsbereitschaft ergriffen. Sie sprachen von Ausdauer und Mut, und was sie alles tun möchten, um den unglücklichen Geschwistern zu helfen. Sie sprachen davon, dass der Heils- und Erlösungsplan doch seine Beschleunigung finden müsse, indem man selber diese Wege beschreite und selber alles tue zur Befreiung, zur Erlösung. So fand dann diese Seele auch Gefallen an diesen Worten, und auch sie wurde erfüllt von diesem Helferwillen. Ihre rauen Gefühle wurden plötzlich aufgelöst, und sie hatte nur ein Verlangen: zu helfen, bereit zu sein zu dienen, um den Heils- und Erlösungsplan in Erfüllung zu bringen.
Als der Engel wieder zu ihr kam, sagte sie: “Ich sehe die Notwendigkeit ein, dass wir alles zu unternehmen haben, um diesen Heilsplan einer rascheren Erfüllung entgegenzubringen.” – “Ja”, sprach der Engel, “du hast grosse Aussichten und Möglichkeiten, in diesem Heilsplan zu helfen.” Sie wollte wissen, worin denn diese Möglichkeiten bestehen würden, und der Engel erklärte ihr: “Ein neues Erdenleben wartet auf dich, und da kannst du beweisen, ob deine Seele die Härte verloren hat und du von uns gelernt hast.” Da hatte sie nur ein Verlangen, wieder in ein menschliches Dasein treten zu dürfen; sie wollte es, sie sah die Notwendigkeit. Denn auf diesen langen Wanderungen war sie belehrt worden, wie viele aufsteigende Geistwesen darauf warten, wieder inkarniert zu werden, und auf welche Weise eine solche Einverleibung vor sich geht. Sie wollte bereit sein dafür; sie wollte in ihrem nächsten Leben etwas leisten, sie wollte an diesem Aufstieg beteiligt sein. Und der Engel ordnete es an – ihr neues Erdenleben sollte vorbereitet werden.
So möchte ich auch noch etwas von diesem weiteren, neuen Erdenleben dieser Seele erzählen. Sie wurde wiederum eine Mutter mit vielen, vielen Kindern. In diesem neuen Erdenleben hatte sie aber die von ihr geforderte Liebe und Aufopferung gefunden und gab sie ihren Kindern und allen, die mit ihr zu tun hatten. Der Engel, der sie jeweils auf dem Weg in den Wald begleitet und als erster von der Härte ihrer Gefühle genommen hatte, war auch in ihrem Erdenleben ihr Begleiter geworden. Er mahnte sie und stützte sie, er gab ihr Kraft, ihre Aufgabe zu erfüllen. Und voller Freude sprach er jeweils zu seinen andern Geschwistern: “Unser grosses Bemühen um sie hat sich gelohnt.”
Diese Mutterseele lebte ein reich erfülltes Leben. Sie war eine fromme Frau, ein herzensguter Mensch. Und als das Leben beendet war, kamen dieses Mal ihre Eltern, Freunde und Bekannte, um sie zu begrüssen, während bei ihrer vorherigen Einkehr niemand gekommen war, da man gar kein Verlangen nacheinander hatte; diese Seele hatte damals keine guten Erinnerungen an ihre Eltern gehabt, keine Sehnsucht, sie zu sehen, und die Gotteswelt hatte es nicht für notwendig gefunden, sie herzuführen. Nun aber war es anders: Es war ein Band der Liebe gewoben worden, ein Band der Zusammengehörigkeit, und man sollte sich begegnen, man sollte sich füreinander freuen.
Nun konnte sich das Tor öffnen zu einem prachtvollen, schönen Himmel. Und die Engel wussten ihr zu erklären, dass ihre Aufopferung nicht umsonst gewesen war, dass der Himmel sie reichlich zu belohnen wisse. So freute man sich über den Aufstieg dieser Seele.
Meine lieben Freunde, es wäre oft gut, wenn ihr hineinblicken könntet in diesen Aufstieg der Seelen, der gemacht wird von Leben zu Leben; und damit ihr die Anstrengungen der Engelswelt erkennen würdet, dass sie alles unternehmen und immer bereit sind, zu helfen und zu führen. So gab ich euch aufs Neue Einblick in die göttlichen Gesetzmässigkeiten und in das Wirken der Engelswelt.
Möge nun der Segen Gottes über euch sein. Und möget ihr nun in dieser vorweihnachtlichen Zeit euch mehr der Christuszugehörigkeit bewusst werden. Dieses ist unser Wunsch, damit alles zum Gefallen Gottes geschehe. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 5.12.1959 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Ein einstiges Haustier als hilfreicher Führer einer Verstorbenen
Paula, 2. Dezember 1970
Ein einstiges Haustier als hilfreicher Führer einer Verstorbenen
Wer zu Lebzeiten nicht an ein Weiterleben nach dem Tode glaubt, dem fällt es nach der Heimkehr ins Jenseits oft schwer, sich in den neuen Verhältnissen zurechtzufinden. Davon zeugt der folgende Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Paula. Sie schildert ihre anfängliche Orientierungslosigkeit und die darauffolgende Erleichterung, in einer ihr völlig fremden Welt einen geliebten Freund aus vergangenen Erdentagen wiederzufinden.
Paula: Ich grüsse euch mit eurem Gruss: Gott zum Gruss. Mein Name war Paula – ich sage: war Paula. Ich erzähle euch von meinem irdischen Leben. Ich streife es nur kurz, werde euch dann aber ausführlicher meine Einkehr in die Geisteswelt erklären.
Ich konnte als Mensch nicht an Gott glauben; ich konnte dann selbstverständlich auch nicht an ein Leben nach dem Tode glauben noch dass es eine geistige Welt gibt. Ich glaubte also nicht an Geister. Für mich gab es keinen Gott. Ich hatte jeweils die Mitmenschen ausgespottet, belächelt, wenn sie über Gott oder über Religion sprachen. Ich legte ihnen nach meinen Erkenntnissen dar, dass es einen Gott überhaupt nicht geben könne. Ich gab mir aber Mühe im Leben, gerecht zu sein. Ich versuchte richtig zu leben und tat auch manchmal an einem armen Menschen etwas Gutes. Ich unterstützte arme Menschen, ich liebte die Gerechtigkeit und den Frieden. So tat ich also aus meiner Kraft alles, was zu einem besseren und höheren Leben gehörte. Ich war nicht arm an irdischen Gütern. Ich konnte aber einfach nicht glauben, denn so viele schreckliche Dinge waren in der Welt schon geschehen und geschahen immer noch, und das schien mir ein Hindernis zu sein, an einen Gott zu glauben.
Nun, ich will mich nicht mehr weiter dabei aufhalten, nur noch Folgendes möchte ich erwähnen: Ich hatte für einige Wochen ein schmerzliches Krankenlager, ehe ich von dieser Welt scheiden durfte. Als ich da in den letzten Stunden meines Erdenlebens auf meinem Krankenlager war, da konnte ich Dinge sehen, die mir sonderbar vorkamen. Ich konnte noch klar denken, und so stellte ich mir vor, dass das, was ich sah, Fantasie oder ein Traum war. Ich war ja krank, ich hatte Schmerzen, bekam Injektionen, und so konnte ich mir überlegen, dass ich eben meiner nicht mehr so ganz mächtig wäre und solche Bilder vor mir auftauchen würden. Ich hörte auch, dass geredet wurde. Ich sah meine verstorbene Mutter, und sie schien für mich zu bitten. Sie sagte immer: “Mein Kind war doch gut und hat sich doch um ein rechtes Leben bemüht. Dass meine Tochter nicht glauben konnte, kann ja nicht allein ihre Schuld sein. Man soll doch mit ihr etwas nachsichtig sein in dieser Beziehung.” So hörte ich sie immer reden.
Dann und wann sah ich, wie es mir schien, sonderbare Gestalten. Sie waren sehr vornehm gekleidet, aber sie waren so gekleidet, wie man es oft im Schauspiel im Theater sieht, wo die Schauspieler mit langen, weiten, wallenden Gewändern aus einer alten Zeit angezogen sind. So überlegte ich mir manchmal bei diesem Schauen: “Bin ich eigentlich im Theater, sehe ich ein Schauspiel? Was ist es?” Ich glaubte ja nicht an ein Leben nach dem Tode, ich glaubte ja nicht, dass es unsichtbare Wesen gibt, die sich dem Sterbenden sichtbar machen können. Aber wie sie angezogen waren, erschienen sie mir nicht wie Menschen, wie man sie gewöhnlich auf der Strasse und in den Häusern umhergehen sieht. Sie hatten so lange, weite, wallende Gewänder, und sie schienen recht vornehm. Auch konnte ich sie nicht richtig verstehen. Es schien mir, als wären sie weit weg, als müsste ich von Weitem zuhören, was da gesprochen wurde.
Dann aber waren sie wieder weg, und ich sah und hörte sie nicht mehr – ich sah nur wieder meine Angehörigen, die um mich waren. Ich war aber zu müde und zu schwach, um zu reden. Aber dieses Schauen, dieses Sehen kam immer wieder. Immer wieder waren diese Wesenheiten da, und immer wieder hörte ich meine Mutter, die für mich bat. Und so kam dann doch eben der Moment, wo ich mich vom Leibe trennen konnte. Da hörte ich deutlich die Stimme meiner Mutter, wie sie sagte: “Nun ist es geschehen, die Trennung hat stattgefunden.” Ich sah meine Mutter auch ganz deutlich, aber dann sah ich sie entschwinden.
Ich hatte das Gefühl, als würde ich von einem Windstoss aus meinem Lager gehoben und als trüge mich dieser Wind fort – das fühlte ich. Ich fühlte mich aber plötzlich leicht, hatte keine Schmerzen mehr. Es war ein angenehmes Gefühl, so gehoben und getragen zu werden. Ich sah aber niemand und hörte niemand mehr sprechen. Das Einzige, was ich glaubte zu hören, war ein ganz bestimmtes Rauschen in einem bestimmten Ton; und ich nahm an, es wäre der Wind, der die Kraft gehabt hätte, mich fortzutragen. So entwich ich, entfloh ich aus dem Hause, wo ich gewohnt, wo ich gelebt hatte. Man trug mich also hinaus, und es ging so schnell. Dann aber fühlte ich mich niedergesetzt. Es wurde plötzlich etwas düster um mich, ich sah keine Helligkeit mehr, es war eine Dämmerung.
Nun hatte ich die Kraft, mich zu erheben – ich lag da in einem Walde. Ich erhob mich und blickte umher. Da ängstigte es mich, denn ich überlegte: “Um diese Zeit bin ich noch im Walde! Jetzt ist es aber höchste Zeit, dass ich aus dem Wald und nach Hause gehe.” Dazu muss ich sagen, dass ich zu Lebzeiten den Wald so geliebt habe und mich viel im Walde aufhielt. So dachte ich eben menschlich – ich wusste ja gar nicht, dass ich gestorben war. Einerseits war es für mich wie ein Traum, anderseits empfand ich es als eine grosse Befreiung und Erlösung. Ich spürte, dass etwas vorgegangen war, aber es war mir unerklärlich. Denken konnte ich genauso wie zu Lebzeiten, und da ich ungläubig war, fiel es mir eben schwer umzudenken; denn ich glaubte ja gar nicht, dass es ein Leben über den Tod hinaus gebe. Ich glaubte ja gar nicht, dass es eine für die Menschheit unsichtbare Welt gibt. Ich war voller Unglauben, und so dachte ich eben menschlich: “Ich befinde mich im Walde, und jetzt ist es Zeit, dass ich nach Hause gehe.” Aber alles kam mir fremd vor. Die Wege, die ich jeweils gegangen war, kannte ich ja genau, ja ich kannte sogar die Bäume, ganz bestimmte Sträucher und die Waldschneisen, alles kannte ich – und nun lief ich davon und suchte mir meine bekannten Wege. Aber ich fand sie nicht, es war alles fremd.
Nun überlegte ich mir, wie lange ich schon hier sei und ob ich mich wohl irgendwie verlaufen hätte. Ich kam nicht richtig zurecht mit meinem Denken, alles war fremd für mich. Und so ging ich einfach drauflos, ich lief einfach immerzu. Ich mochte mich wohl nach euren menschlichen Begriffen stundenlang fortbewegt haben. Und was ich sonderbar fand: Die Dämmerung blieb immer bestehen. Ich hatte Angst vor der Nacht, denn dann hätte ich den Weg ganz verlieren können. Aber es wurde nicht Nacht; es war immer so, dass ich genau noch den Weg sah. Die Dämmerung, die Atmosphäre, war so, dass man immer die Nacht hätte erwarten können. Und so wurde ich unsicher und fing an Angst zu haben. Dann rief ich den Namen meines Mannes, und ich rief die Namen meiner Kinder, die wohl schon erwachsen waren, aber viel bei uns ein und aus gingen. Niemand von meinen Angehörigen gab mir Antwort. Ich konnte so laut rufen, wie ich wollte. Und doch, wie näher ich hinhörte, wenn ich stillstand und aufmerksam war, hatte ich das Gefühl, als wären noch andere in meiner Nähe: Ich hörte ein Rauschen, ich hörte sprechen. Das hatte mich dann veranlasst, noch mehr zu rufen, aber niemand gab mir Antwort; es schien so, als hörten sie mich nicht. Mit meiner ganzen Kraft, die mir zur Verfügung stand, hatte ich die Namen gerufen. Aber nichts, gar nichts kam in meine Nähe.
Dann kam mir der Gedanke, ich könnte doch noch dem Hunde rufen. Wir hatten einen Hund, und der liebte mich und war immer so aufmerksam. Sein Name war Nero. Und so rief ich diesen Namen laut, so laut ich konnte. Nun ging es gar nicht allzu lange, und es kam ein Hund zu mir – es kam Nero. Aber es war nicht der Nero, der noch bei uns lebte, sondern es war der Hund, der Jahre zuvor gestorben war; es war unser früherer Hund, den ich auch sehr geliebt hatte und der mir auch so anhänglich war. Er hatte ebenfalls Nero geheissen. Als er alt, krank und blind geworden war, musste man ihn töten. Darüber waren wir überaus traurig, und es hat mir so wehgetan, dass wir uns zur Überwindung unseres Schmerzes auf dem schnellsten Wege einen neuen Hund angeschafft hatten, dem wir zur Erinnerung an unseren Nero denselben Namen gegeben hatten. Und so war ich ganz erstaunt: Der frühere Nero war da, der für mich ja längst tot war! Er sprang an mir hoch und zeigte seine Freude, dass er mir begegnete. Er leckte sogar meine Hände und wollte nicht mehr von mir weg; er zeigte seine überaus grosse Freude, mich gefunden zu haben, sprang etwas weg und kam wieder zu mir, umkreiste mich und zeigte so seine Freude. Dann überlegte ich: “Ja dieser Nero ist doch tot! Das ist doch nicht der jetzt lebende Nero, das ist doch nicht derselbe Hund. Der hier ist der alte Nero.” Ich kannte ihn doch genau, und er kannte mich. Nun, in meiner Verzweiflung sagte ich zu ihm: “Nun höre mal, führe mich doch endlich aus diesem Wald hinaus. Führ mich heim, du kennst den Weg, führ mich fort von hier.” Und Nero schien das wie zu verstehen; er ging vor mir her, und ich folgte ihm. Ein grosses Stück Weg mussten wir zurücklegen, ehe es anfing, etwas heller zu werden, und ich das Gefühl hatte, jetzt bald das Ende des Waldes zu erreichen.
So kamen wir an den Ausgang des Waldes. Nero ging noch weiter mit mir. Vor uns waren nun grosse Felder. Sie schienen mir aber etwas öde zu sein, und sie waren mir vollkommen fremd; unbekanntes Land war es für mich. Ich fühlte mich aber jetzt etwas sicherer; Nero war bei mir, und er sollte mich führen. Er ging immer vorwärts, und ich folgte ihm. So kamen wir an eine Weide oder an ein Gehege, und da stellte ich fest: Da waren unzählige Hunde darin. Dieses Gehege war ziemlich gross. Nero stand noch neben mir, dann aber verliess er mich und ging zu den andern Hunden hinein.
Ja, einerseits hatte ich nur Bewunderung, und anderseits fragte ich mich: “Wo befinde ich mich denn eigentlich?” Ich konnte mich nicht erinnern, je einen Zwinger mit so vielen Tieren gesehen zu haben. Dies war ja kein Zwinger im üblichen Sinn, es war ein grosses Gelände, eben mit einem Hag begrenzt. Da waren diese Tiere beisammen, und zwar waren sie friedlich beisammen, sie spielten miteinander und taten so, wie Hunde tun. So stand ich da und überlegte. Ein Stück von mir entfernt sah ich zwei Wesenheiten – so muss ich sie heute nennen, doch dazumal waren es für mich Menschen gewesen, denn sie sahen aus wie Menschen. Auch sie schienen ihre Freude an diesen Tieren zu haben und sie zu bewundern. Und so sprach ich sie an. Ich war aber etwas unsicher, und meine Unsicherheit hat man mir wohl angemerkt. Diese beiden, die dastanden und die Tiere bewunderten, sagten zu mir: “Es ist doch herrlich, zu sehen und zu wissen, dass sie leben.” – “Ja, dass sie leben”, sagte ich ihnen nach; und eigentlich war das für mich doch fremd, was sie da zusammen sprachen: “Es ist doch eine Genugtuung und eine Freude, zu wissen, dass sie leben.” Ich wusste nichts anderes zu sagen: “Ja, es ist schön, dass sie leben, es ist schön.” Und dann fragte man mich: “Hast du auch einen hier, den du kennst?” – “Ja freilich, er hat mich aus dem Wald geholt”, sprach ich zu ihnen, “ich war vom Weg abgekommen, und da hab ich ihn gerufen, und er hat mich geholt und hierhergebracht.” – “Ah”, sagten sie etwas erstaunt, “dann bist du wohl noch nicht lange hier?” – “Nein”, erwiderte ich, “es ist mir alles fremd; aber vielleicht könnt ihr mir sagen, wo ich mich befinde. Wie heisst denn dieses Land, dieses Dorf? Wie nennt man es, wo bin ich denn? Ich habe nämlich keine Ahnung.” Dies sagte ich halb verzweifelt.
Die beiden sahen es mir an, in welcher Unsicherheit und Unruhe ich war. Dann sagte der eine: “Ja weisst du denn nicht, dass du gestorben bist?” – “Gestorben? Unmöglich!”, antwortete ich, “ich kann doch unmöglich gestorben sein, ich lebe doch.” Da lachten sie: “Ja, gestorben ist dein Leib, den hast du der Welt zurückgelassen. Aber du hattest doch in deinem Leib eine unsterbliche Seele – die Seele ist doch unsterblich. Die Seele hat auch einen Leib, einen geistigen Leib, denn du bist in der geistigen Welt.” – “In der geistigen Welt? Sonderbar. Lebt man da so wie als Mensch?” – “Oh ja”, sagten sie, “du siehst ja: Du kannst reden, du kannst denken, überlegen, rufen, du kannst schreien, weinen, lachen. Siehst du, das ist es: Die unsterbliche Seele trägt so viel Kraft in sich und bringt all das wieder hervor, was im menschlichen Leben vorhanden war. Vom irdischen, vergänglichen Leib, der die Seele einkleidete, hast du dich befreit. Aber jetzt hast du ja deinen geistigen Leib, und du lebst.”
Dann sagte ich: “Ich bin aber ganz fremd hier; und ich wundere mich, dass nicht noch mehr solcher Geistwesen hier sind.” Da sagten sie: “Oh doch, es hat viele hier. Du wirst ihnen wohl noch begegnen – vielleicht nicht gerade da, wo du jetzt stehst; aber wenn du ein Stück weitergehst, werden sie dir begegnen. Du triffst hier eifriges und vielfältiges Leben und Treiben, ähnlich wie bei den Menschen. Nur ist man hier unter einer höheren Herrschaft. Hier befehlen nicht Menschen, hier befehlen Gott und jene, die im Auftrage Gottes stehen und seine Befehle ausführen.” Von Gott hatten sie gesprochen, und ich überlegte und fragte: “Ihr redet von Gott – gibt es hier Gott, habt ihr Gott gesehen?” – “Oh nein”, antworteten sie, “wir haben Gott nicht gesehen, wir haben noch einen langen Weg zu ihm; aber wir befinden uns auf dem Weg zu ihm. Und so wird es dir auch ergehen: Ehe du zu Gott kommst, wirst du noch vielen andern, auch hohen und erhabenen Geistern begegnen, denen du Gehorsam zu leisten hast; denn sie sind es dann, die über dich regieren, dich führen und über dich bestimmen.”
Da wollte ich natürlich mehr wissen: “Wie ist denn das, was geschieht mit solchen, die im Erdenleben nicht an Gott geglaubt haben?” Da antworteten sie: “Ja das gehört eben zu den schlimmen Dingen, wenn man nicht an Gott geglaubt hat. Dann wird man es eben schwer haben, in seine Nähe zu kommen. So wirst du noch einen langen Weg haben”, sagten sie etwas abweisend und taten so, als hätten sie kein besonderes Interesse mehr an mir. Und so empfahlen sie sich und sagten: “Du gehst jetzt einfach diesen Weg hier entlang, und man wird sich dann deiner gelegentlich schon annehmen.” Sie hatten also nicht mehr das Bedürfnis, sich weiter mit mir zu unterhalten. “Schade”, dachte ich, “jetzt habe ich doch jemand gefunden, der sich meiner hätte annehmen können.” Denn ich getraute mich ja nicht, einen jeden gleich anzureden. Dazu kam, dass immer mehr die Angst über mich kam.
Ich fing an nachzudenken – ich betrachtete noch eine Weile diese vielen Tiere und dachte über den Satz nach: “Es ist doch eine Freude, zu wissen, dass sie leben.” Da dachte ich mir: “Ja ist es denn nicht auch eine Freude, zu wissen, dass man selber weiterlebt? Wenn diese Tiere leben und ich ebenso, dann gibt es ja nichts, was tot sein kann, wenn es einmal von Leben erfüllt worden ist – dann lebt ja alles, alles weiter, eben in einer Welt, die man die unsichtbare nennt, die nur für die Menschen unsichtbar ist. Dann gibt es also doch eine Welt, wo Gott wohnt und wo von ihm aus regiert wird.”
So überlegte ich: “Dann habe ich in meinem Leben viel vernachlässigt. Was kann ich wohl tun, um etwas besser dazustehen?” Ich betrachtete einmal, so gut wie ich nur konnte, mein Äusseres. Dabei hatte ich nicht das Gefühl, als wäre ich so gut angezogen wie zu Lebzeiten. Ich hatte keine Schmerzen mehr, ich fühlte mich leicht und wohl – aber ich trug Schuhe, wie ich sie in meinem Leben nie angehabt hatte. Da dachte ich: “Woher kommen denn diese Schuhe? Diese Schuhe sehen ja aus wie die eines Bettlers. Ich muss mich ja schämen, mit solchen Schuhen hier herumzulaufen.” Erst jetzt fiel mir das auf. Bis anhin hatte ich noch keine Zeit gehabt, mich zu betrachten und darüber nachzudenken, wie ich aussah. Ich war zu sehr mit der Frage befasst, wo ich mich befand, denn ich hatte mich immer noch so in einem Traume gefühlt. Nun war ich mir sicher, dass alles, was ich sah, Wirklichkeit war. Ich sah mir die Schuhe richtig an. Die Sohle war durchgelaufen, und das Oberleder hatte auch seine Löcher – also diese Schuhe sahen gar nicht gut aus. Sie gefielen mir nicht, und so versuchte ich gleich, sie auszuziehen. Ich dachte: “Lieber gehe ich baren Fusses als mit solchen Schuhen.” Doch sonderbarerweise brachte ich sie nicht los. Es war so, als klebten sie an meinen Füssen; ich konnte sie nicht wegnehmen. Ich habe mich niedergesetzt und mich lange damit beschäftigt, diese Schuhe loszubekommen – es ging einfach nicht. “Eine sonderbare Welt”, dachte ich, “ich lebe, bin da mit Schuhen, die ich im Leben nie gesehen, nie getragen habe; ich muss mich doch schämen.”
Dann schaute ich mich weiter an, wie ich sonst noch aussah: Ich trug einen Rock vom wohl gröbsten Stoffe, den es überhaupt gibt, und wohl unmöglich in der Form. Wie mein Gesicht aussah, das wusste ich nicht; ich hatte keinen Spiegel, ich konnte mich nicht sehen. Aber ich sah, es war nicht gerade gut um mich bestellt. Und da musste ich mich eigentlich wundern, dass die beiden, die zu mir geredet hatten, sich mit mir befasst hatten; denn sie waren ja viel besser angezogen als ich. Aber ich dachte dann auch: “Darum sind sie so schnell weggegangen, weil sie mit mir nichts zu tun haben möchten”, denn ich sah wahrlich nicht besonders gut aus.
Ich überlegte: “Soll ich jetzt weitergehen? Nun zeigt sich meine wahre Einstellung; jeder sieht dir an, wer du gewesen bist im Leben.” Jetzt war es mir klar: Es kam nicht auf die feinen Kleider an, die man im Leben gehabt hatte. Nein. Es kam auf etwas an, was ich eben nicht hatte: auf den Glauben. Aber ich hatte auch Gutes getan, ich hatte keine Menschen verachtet, ich versuchte ihnen ja auch zu helfen; und ich liebte die Wahrheit und die Gerechtigkeit – das war doch auch etwas, was für mich sprechen konnte, überlegte ich mir. Und ich dachte: “Vielleicht bringe ich sie dann doch noch los, meine Schuhe; vielleicht ist es doch so, dass man sich hier etwas anderes anschaffen kann.” Aber ich war ja mittellos; ich hatte nichts, auch keine Begleiter, ich war ganz allein auf mich gestellt. Was sollte ich nun tun? Sollte ich mich in den Wald zurückziehen? Sollte ich wieder meinem Hund rufen und eine Zeit lang im Wald verweilen? Vielleicht kommt jemand, der sich meiner erbarmt. Soll ich in den Wald hinein und versuchen, den Gott, den ich im Leben nie gekannt hatte, zu bitten, er möge mir beistehen und helfen? Oder soll ich zu dem stehen, wofür ich im Leben eingestanden bin – soll ich es überall zugeben, dass ich ohne Glauben gelebt und Menschen ausgelacht hatte, wenn sie von Gott und von Glauben und Religion geredet hatten? Was sollte ich tun? Ich überlegte. Und so dachte ich mir: “Es gibt nichts anderes, du musst zu dem stehen, was du warst. Nur die Wahrheit kann dich vorwärtsbringen. So werde ich gehen, so wie ich bin. Ich gebe mir keine Mühe mehr, meine Schuhe loszuwerden; mein Gewand kann ich auch nicht losbringen. Also stehe ich dazu: Ich war eine Sünderin, ich war ein armseliger Mensch, der in die Ewigkeit gekommen ist und der von der Welt geblendet wurde und nicht glauben konnte, was verkündet wurde. So muss ich dazu stehen.” Das war meine Überlegung.
So wanderte ich drauflos und begegnete anderen Geistwesen. Jetzt war es mir klar: Sie waren alle Geister wie ich. Die einen waren besser angezogen als ich selbst; andere sahen auch nicht viel besser aus, und so hatte ich das Gefühl, ich brauchte mich meiner nicht zu schämen. Aber mitunter sah ich ganz gut gekleidete Wesen, und ich überlegte, ob ich mich wohl an ein solches heranmachen sollte. Aber ich dachte: “Nicht gleich, ich muss zuerst mit mir selbst fertigwerden.”
Als ich in dieses Dorf kam, hatte ich auch Gelegenheit, mich etwas zurückzuziehen. Es gab da auch einen kleinen Garten. Er sah nicht besonders gepflegt und schön aus; es hatte Sträucher, und Blumen waren da, aber es schien, als wären sie welk, abgestorben. Aber ich konnte mich in diesem Garten eine Zeit lang verkriechen. Es hatte Büsche, und ich ging da auf die Knie und wollte mit mir selbst fertigwerden, mit mir selbst reden. So habe ich mir mein vergangenes Leben vorgestellt, wie es gewesen war. Ich hatte Gutes getan, aber es schien mir, als zähle dies hier nicht besonders, denn sonst wäre ich ja nicht in diesem Zustand. Ich dachte: “Ich habe wohl den Menschen Leid zugefügt, weil ich sie ausgelacht, sie erniedrigt habe; sie hatten geglaubt.” Wie waren sie doch zu beneiden, jene, die glauben konnten, ohne zu sehen, die einfach glauben konnten – wie waren sie zu beneiden! Nun, was sollte ich tun? “Kann ich jetzt noch Gott bitten, er solle sich meiner erbarmen und mir verzeihen, dass ich nie an ihn geglaubt habe?” Ich wollte es versuchen.
Man sprach doch von einem barmherzigen Gott, und diese Welt musste doch – so überlegte ich mir – jemand haben, der Barmherzigkeit zeigt. “Denn wenn es schon ein ewiges Leben gibt, dann muss es auch einen gütigen Gott geben; es muss doch einen Gott geben, der Interesse an der Ewigkeit hat. Es muss doch einen Gott geben, der Freude am Schönen hat und der Freude an der Liebe, an der Barmherzigkeit und an der Gerechtigkeit hat. Wenn es doch eine unsterbliche Seele und einen Gott gibt, muss doch diese unsterbliche Seele in die Seligkeit der Gottheit hineinkommen – das muss doch sein! So will ich es versuchen.” Und ich fing an zu bitten und zu beten.
Ja, zuerst tat ich es nur mit meinen Gedanken – ich konnte ja denken, wie ein Mensch. Ich bat Gott im Stillen, er möge mir vergeben. Ich bat ihn, er möge mir eine Strafe auferlegen, ich würde sie auf mich nehmen; denn ich wolle doch auch an ihn glauben – und was die Zukunft mir auch bringen möge, ich würde nie mehr ungläubig werden. Das versprach ich mir. So fing ich an zu beten: “Du gütiger und barmherziger Gott, den es doch gibt, der Du da lebst, der Du da wirkst, der Du Dich der Armen erbarmst – erbarme Dich auch meiner, höre doch auf mich, und sende jemand zu mir, der mich aufnimmt in sein Haus, der mit mir lebt, mit dem ich in Frieden leben kann. Mach es doch möglich, dass ich hier in Frieden leben kann. Gib mir eine Aufgabe, ich werde alles tun.” Das dachte ich, und es war noch so still um mich.
Ich war schon zufrieden, dass es wenigstens nicht dunkel war. Als ich den Wald verlassen hatte, war es heller geworden, und es blieb hell; es wurde nicht dunkel, es wurde nicht Nacht. Aber ich hatte niemand, ich war verlassen. Und es war mir klar: “Wenn man im Leben Gott verleugnet und ihn verlässt, ist man eben auch von ihm verlassen; so findet man nicht gleich liebevolle Aufnahme – das kann ja nicht möglich sein. Aber ich will bitten.” Dies habe ich zuerst in Gedanken getan. Als es jedoch still um mich blieb, fing ich an, laut zu rufen. Alle sollten es hören, ich wollte keine Geheimnisse in mir tragen. Ich habe alles hinausgerufen, was ich nur konnte und wusste, was ich ungerecht getan und welche Freunde und Bekannten ich beleidigt hatte. Ich bat sie als Geist: “Vergebt mir, verzeiht mir. Wenn ihr in die Ewigkeit zurückkommt, will ich euch dienen. Ihr könnt von mir alles verlangen, ich will es tun – nur soll mir Gott vergeben, dass ich nicht an ihn glauben konnte.” Wie lange ich kniete und weinte und rief – ich wusste es nicht, ich kannte ja keine Zeit. Und so betete ich auf meine Weise, indem ich eben bekannte, was ich falsch getan hatte. Ich war willens, es besser zu machen und mich in alles zu fügen, was auch kommen werde. Doch es schien mir, als würde ich auf immer verlassen bleiben – es schien so. Ich war sehr traurig darüber. Und ich hatte den Eindruck, ich hätte es verdient, so auszusehen, wie ich aussah.
Als ich da so tief zerknirscht war, kam die Rettung. Es berührte jemand meine Schultern, ganz sanft, und sagte mir: “Paula, steh auf und folge mir.” Ich stand auf, und ich fragte: “Darf ich dir die Hand geben, dass du mich führen kannst?”, denn ich hatte Angst, ich würde wieder verlassen, so wie sich die andern beiden auch verabschiedet hatten. Dieses Wesen war bereit, mir die Hand zu geben. Es nahm meine Hand, und ich hielt die seine fest, um ja nicht wieder allein gelassen zu werden. Das Wesen schien sehr vornehm zu sein, vornehm war es gekleidet. Ich folgte, und ich wusste nicht, wohin mit meinen Gedanken, ich fragte mich: “Ist das ein Engel? Wer mag das sein? Hat Gott mich gehört, hat er mir jemand geschickt? Wie ist es möglich?” Und es kam doch eine Freude in mich hinein. Es schien, als könnte dieses Wesen meine stillen Gedanken lesen. Es sagte mir: “Sei nur ruhig, sei ganz ruhig und voller Zuversicht. Die Welt, in die du eingegangen bist, ist eine Welt der Gerechtigkeit. Aber sie ist auch eine Welt voller Liebe und voller Barmherzigkeit.” Wie taten mir diese Worte gut! Ich schaute nicht links und nicht rechts, ich wollte nicht sehen, wohin ich geführt wurde – ich fühlte mich in Sicherheit, geführt durch dieses Wesen.
So standen wir plötzlich vor einem Haus, und das Wesen bat mich einzutreten. Das Haus schien von einfacher Bauart zu sein, doch war ein Garten darum, in dem die Blumen nicht welkten. Es waren auch Sträucher da und Bäume. Ich sah Vögel; sie flogen da umher und sangen. Und die Welt gefiel mir plötzlich. Auf dem Weg hierher war die Umgebung – so hatte ich das Gefühl – immer ‘weltlicher’ geworden, und doch war es nicht die Welt; aber es wurde immer schöner, und ich fühlte mich immer sicherer. Wir gingen in das Haus hinein. Es war alles einfach, aber sehr gepflegt. Es war alles von einem sonderbaren Licht durchdrungen. Ich wusste nicht, woher dieses Licht kam; mir schien, es käme aus den Wänden des Hauses, von der Decke – es war einfach Licht da. Ich dachte mir, entsprechend meinem noch menschlichen Denken, es wäre eine Beleuchtung künstlicher Art; und doch konnte es so nicht sein. Und ich überlegte: “Diese Welt muss ja ganz anders sein, hier sind doch unmögliche Dinge möglich.” Im Innern des Hauses war es so schön, wie man es von draussen nicht erwartet hatte. Von aussen war es doch einfach anzusehen, und auch innen war es einfach – aber durch das Licht entstand eine besondere Atmosphäre, eine Wärme. Das half mir, Erleichterung zu empfinden.
Da stand ich nun mit diesem Wesen in einem Raum. Es hatte einen Tisch, darauf lag ein grosses Buch, und um den Tisch hatte es Stühle. Da sah ich sie, diese Engel Gottes – jetzt wurde es mir klar: Das sind Engel Gottes. Und wie kam ich mir vor in meinem abgetragenen, groben Gewand und mit meinen löcherigen Schuhen! Sie sahen es mir doch an, wer ich war. Die brauchten doch nicht lange in dem Buch zu blättern und zu suchen. Das wollte ich ihnen sagen, aber ich konnte es nicht. Nun stellte ich fest, dass diese Wesen, die da waren und auf mich gewartet hatten, gar nicht so ein strenges Gesicht zu machen schienen. Wohl waren sie ernst, aber ich hatte das Gefühl, es strahle eine gewisse Freundlichkeit und Lieblichkeit aus ihnen. Ich war aber immer noch verzweifelt, unsicher, vor so vielen erhabenen und leuchtenden Engeln Gottes dazustehen. Ich wusste nichts anderes zu tun, ich fiel auf die Knie und fing an zu weinen. Da richtete man mich auf und sagte: “Du brauchst hier nicht zu weinen. Hättest du in deiner Welt geweint über deinen Unglauben! Hier brauchst du nicht zu weinen. Setz dich nieder, wir wollen mit dir reden.”
Ja, sie wollten mit mir reden, das machte mir Angst. “Was haben sie mich wohl zu fragen? Was wollen sie wohl mit mir reden?”, dachte ich. “Sie sehen ja, wer vor ihnen steht.” Da nahm einer das Wort und sagte: “Warum konntest du denn nicht glauben? War denn die Welt, in der du lebtest, nicht schön? Konntest du nicht glauben, dass es auch einen Meister gibt, der die Dinge geschaffen hat, von denen du profitiertest? Hast du nie überlegt, dass es für alles einen Meister geben muss und dass es auch für die Welt, so wie sie geschaffen ist, mit allem, was darauf lebt und gedeiht, einen Meister geben muss?” – “Oh doch”, erwiderte ich, “mir ist alles klar. Ihr seht, vor euch steht eine grosse Sünderin. Ich hab es eingesehen, was ich falsch gemacht. Ich werde nie mehr ungläubig sein.” Und einer sagte: “Nie mehr willst du ungläubig sein?” Erstaunt blickte ich ihn an, denn das war doch mein tiefer Ernst. Ich stellte fest, dass sie sich gegenseitig fragend anschauten, als wollten sie sagen: “Sie will nie mehr ungläubig sein, glaubst du das?”, so schien es mir. Aber ein anderer sprach: “Sie ist doch voll guten Willens. Ach, sie ist gestrauchelt über ihren Unglauben. Was hätte sie alles erreichen können! Sie hatte doch ein gutes Herz, und sie hatte einen guten Willen. Sie liebte doch die Menschen, sie hatte doch auch viel Gutes getan. Freilich hat sie Menschen wehgetan, weil sie sie ausgelacht hatte wegen ihres Glaubens. Damit war sie kein leuchtendes Beispiel für die Umgebung. Hätte sie geglaubt, hätte sie eine innere Frömmigkeit gehabt, eine Frömmigkeit des Herzens und der Seele, welchen Eindruck hätte das auf ihre Umgebung gemacht, und wie viele wären durch sie gefestigt worden im Glauben! Ja, es ist schade; vieles ist unterlassen worden.” Ich sagte: “Ich gestehe alles ein”; denn mir war klar geworden, dass ich die falschen Wege gegangen bin.
So waren sie eigentlich viel freundlicher zu mir, als ich es erwartet hatte. Sie sprachen zusammen von meinem Leben, und einer nahm das Buch und blätterte. Aber er tat dies nur so wie nebenbei, als hätte er das alles schon längst gelesen. Er sagte: “Ich brauche wohl nicht in dieses Buch des Lebens zu schauen, denn du trägst ja die Wahrheit auf dir.” Freilich – beschämt blickte ich an mir hinunter. Und einer von diesen Engeln sprach: “Es kann bald besser werden. Du kannst deine Schuhe wohl loswerden, wenn du Lust hast dazu.” Er tat so, als hätte er es gesehen oder wüsste darum, dass ich sie gerne los wäre, diese Schuhe. “Ja”, sagte der andere zu mir, “du kannst sie loswerden, und auch deine Gewandung kannst du austauschen. Aber zuerst musst du doch wohl noch etwas mehr geläutert werden. Du bist mit dir selbst ins Gericht gegangen. Das haben wir gesehen und gehört, und dass es dir ernst ist, das freut uns. Darum nehmen wir uns auch deiner so an; denn es hätte geschehen können, dass nur ein Engel Gottes neben dir stehen und über dich die Strafe verhängen würde. Und sieh mal, wir sind unser sieben, die vor dir sind und mit dir reden. Sieh uns mal an.” Ja, ich sah sie an; sie waren alle so schön. Sie waren so angezogen, wie ich es in den Stunden des Scheidens von dieser Welt gesehen, wo ich geglaubt hatte, mich im Theater zu befinden: Sie trugen diese wallenden Kleider. Diese Wesen waren damals tatsächlich bei mir gewesen, ich hatte mich nicht getäuscht – wenn es nicht sogar dieselben waren, die jetzt vor mir sassen.
Auf diese Gedanken gingen sie nicht ein, sondern sie sagten: “Wir wollen vorwärtsschreiten mit dir. Du hast nun eine Zeit der Läuterung vor dir, und du sollst jetzt in die Einsamkeit gehen. Dort sollst du beten lernen und dein Leben nochmals überdenken. Du sollst dir eine Arbeit aussuchen – wir werden dir aufzählen, was du machen kannst. Du kannst das eine oder das andere wählen, und du sollst darüber nachdenken; denn aus deiner Tätigkeit muss Gutes entstehen. Jetzt kannst du beweisen, dass du guten Willens bist, und du kannst beweisen, dass du deinen Glauben bewahren willst.” – “Oh ja”, fügte der eine hinzu, “wir wollen es ihr doch gleich sagen, sie möchte sich doch nur auf das eine ausrichten: Wenn die Läuterung vorüber ist, dann kann sie in Begleitung eines andern Geistes zu den Menschen gehen, und sie soll versuchen, bei den Menschen Einfluss auf ihr Denken zu nehmen und sie im höheren Denken zu lenken.” Er erklärte, das sei nicht so einfach, denn Menschen hätten allerlei Gedanken, und es sei nicht so leicht, sich der Gedanken des Menschen zu bemächtigen. Es gehe also darum, das Denken des Menschen zum Höheren zu lenken; auch solle man versuchen, ihnen gute Worte in den Mund zu legen. Ich solle es versuchen, auf diese Weise zu helfen. Aber ich müsse auch den Kampf mit den andern aufnehmen; denn ich würde bei diesen Menschen nicht alleine sein und nicht einfach Herr werden in meinem Bemühen, sie zum Guten zu führen. Denn da, wo die guten Geister seien, seien auch jene andern, die den Menschen zum Bösen verleiten möchten. Und so bedürfe es auch des Kampfes. Man müsse versuchen, das Böse abzuhalten – es gehe darum, den Menschen für das höhere Leben zu gewinnen, ihn so zu beeinflussen und zu inspirieren und zu führen, dass er das Gute tue, dass er beten könne und sich nach den Gesetzen Gottes ausrichte. So müsse man den Menschen immer mahnen, wenn es nötig werde, aber man dürfe ihm auch ein Tröster sein – man solle Wohnung nehmen beim Menschen und so für Gott wirken.
Das waren schöne Worte, die gesprochen wurden. Das wollte ich tun, und ich sagte: “Ich gehe in die Läuterung; dann ruft mich, wenn es euch gefällt, ich werde kommen, ich werde meine Aufgabe erfüllen.” – “Oh, so ist es gut.” Und es kam dann ein Diener – so muss ich es sagen – herbei und begleitete mich aus diesem Hause. Ich hatte mich von den Engeln Gottes verabschiedet. Ich war etwas benommen und liess mich von diesem einfacher gekleideten Diener führen, eben in die Läuterung. Man führte mich in eine Kammer, und dort erlebte ich wieder diese Dämmerung wie dazumal im Walde. Aber das konnte für mich nicht schlimm sein, meine Überlegungen und mein Wille standen fest. Und so wollte ich warten. Es kam dann der Zeitpunkt, wo man mich holte und zu den Aufgaben hinführte.
Als ich aber diesen Raum der Einsamkeit verliess, da stand – dies möchte ich nicht unterlassen zu sagen – ein Wesen da und bot mir andere Kleider an. Jetzt konnte ich meine Schuhe mit Leichtigkeit von meinen Füssen lösen. Ja es war, als fielen sie von selbst ab, und ich zog gute, schöne Schuhe an. Auch ein ordentliches Kleid gab man mir, und ich war damit zufrieden. Es war einfach, aber ich hatte das Gefühl, es sei schön – es war schön für mich. Und da sagte man mir: “Du kannst später ja noch Weiteres dazuverdienen. Es sind doch nicht dein letztes Gewand und deine letzten Schuhe. Du musst aufsteigen, schrittweise vorwärtskommen und den Weg zu Gott finden. Es steht dir noch ein weiter Weg bevor. Und du musst das, was du versprochen hast, unter Beweis stellen: dass du immer glauben willst.” Später erklärte man mir, was damit gemeint war, dass ich dieses unter Beweis zu stellen hätte: In einem neuen menschlichen Leben sollte ich diesen Glauben unter Beweis stellen.
Ich wurde aber aufgenommen von den Engeln des Himmels, und ich erfülle meine Aufgabe, so wie man es mir befiehlt. Ich nehme bei Menschen den Kampf auf mit jenen Geistwesen, die nicht den höheren Weg gehen wollen, die noch weit von Gott entfernt sind. Ich tue alles für Gott, für die heilige Geisterwelt und für den König der Geisterwelt Gottes. Über all das wurde ich ja auch unterrichtet. Und so stehe ich im Dienste Gottes, und meine Dienste können auch bei euch verrichtet werden.
So, liebe Geschwister, verabschiede ich mich von euch und bitte euch: Lenkt euer Denken nach oben und lasst euch führen, dass man euch bei eurer Einkehr in die geistige Welt eine schöne Welt zeigen kann und dass es euch nicht ergeht wie mir und ihr zuerst von Dämmerung umgeben seid. Lasst euch umarmen von euren Bekannten, von euren Heimgegangenen, von jenen Geistwesen, die euch im Leben betreuen. So möge Gottes Segen euch erfüllen und euch begleiten. Gott zum Gruss.
Erlebnisbericht des aufsteigenden Geistwesens Paula vom 2.12.1970 durch Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Neue Erkenntnisse durch das Beobachten der geistigen Tierwelt
Josef, 25. April 1964
Neue Erkenntnisse durch das Beobachten der geistigen Tierwelt
Ein verdienstvoller Vater begleitet seinen belasteten Sohn auf dem Weg des Aufstiegs. Dank Beobachtungen in der geistigen Tierwelt werden ihm Zusammenhänge in der Schöpfung Gottes offenbar. Dieser Vortrag beleuchtet, wie er – unter Entbehrungen und mit Mut – unter der Führung eines Engels Gottes Erkenntnisse gewinnt und so seinen Aufstieg beschleunigt.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Geschwister, die Nächstenliebe spielt in der christlichen Lehre eine grosse Rolle. Christus sprach: “Liebe Gott über alles und den Nächsten wie dich selbst” (Mat. 22, 37). Daraus geht hervor, was der Nächste einem jeden zu bedeuten hat. Das gilt aber nicht nur für die Menschen, die hier auf Erden leben; auch in der Jenseitswelt versuchen die Höherstehenden den Niedrigerstehenden Hand zu bieten für ihren Aufstieg. Sie sind bereit, manches Opfer auf sich zu nehmen, wenn es gestattet wird. Daran könnt ihr erkennen, dass die Liebe eine bedeutende Rolle spielt – im Entgegenkommen dem Nächsten gegenüber, wie man sich ihm gegenüber verhält. Darum ist es auch wichtig, dass “die Sünde wider den Geist” richtig verstanden wird: Es wird für einen zur grossen Belastung, wenn er den andern misshandelt, ihm Schaden zufügt. Das ist jene Sünde, von der Christus sprach, dass sie bis zum letzten Heller abgezahlt werden muss. Es ist wiederum die Liebe oder der Friede gemeint – jener Friede, der in der Seele jedes Einzelnen sein muss und der sich in der Umgebung entfalten kann. Wo Friede ist, ist Aufstieg zu den Höhen; wo kein Friede ist, ist Stillstand, Belastung.
Nun, liebe Geschwister, ich will diese Stunde wiederum versuchen, euch Einblick in die göttlichen Gesetze zu geben. Ich möchte von einem Sohn und seinem Vater erzählen. Der Sohn war belastet, er lebte gar nicht in dieser Liebe, in diesem Frieden. Doch der Vater wünschte sich so sehr, dem Sohne würde auch diese Friedfertigkeit zuteil, wie sie bei ihm und seiner Lebensgefährtin war. Nun, diese beiden Eltern gingen in das geistige Reich ein. Sie hatten ihre Aufgaben an ihrem Sohne nicht zu erfüllen vermocht – immer wieder aufs Neue verfehlte er sich eben und hatte sich auf diese Weise so belastet, indem er andern Schaden zufügte. Er verstand es nicht, Liebe und Frieden miteinander zu vereinen.
Als auch die Zeit für diesen Sohn gekommen war, standen die Eltern da, um ihn zu empfangen. Man begrüsste sich voller Freude, aber es gab nicht Gelegenheit, viele Worte zu verlieren. Der Engel sprach: “Du wirst jetzt an den Ort hingeführt, wo du hingehörst, denn du hast es selbst so gewollt. Du hast trotz Ermahnungen vieles falsch getan im Leben. Darum musst du für längere Zeit alleine bleiben. Aber wir wollen dir trotzdem Gottes Güte nahebringen, und du wirst auch Gottes Weisheit und Herrlichkeit kennenlernen. Sinne nach über diese Dinge.” Denn die Geisterwelt Gottes wollte ihm den Weg nach oben bahnen.
So führten ihn sein Vater und ein Engel Gottes dahin. Es ging in eine Sphäre, die weit abgelegen war, weit weg von der nächsten Stadt. Der Weg dorthin ging rasch und war so kurz für diese Seele. Die Umgebung schien sehr nüchtern zu sein, er sah kleine Häuschen, Hütten ähnlich waren sie. Der Engel lenkte seinen Schritt mit Vater und Sohn zu einer solchen Hütte hin. Noch schien es diesem, als wäre alles ruhig. Aber diese Ruhe täuschte: Recht bald hörte er einen sonderbaren Lärm. Er stellte fest, dass dieser Lärm nur von Tieren sein konnte, denn er erinnerte sich an den Lärm wilder Tiere zur menschlichen Zeit. So schien es ihm, dass es auch hier so wäre. Der Vater konnte nicht viel reden, denn der Engel Gottes öffnete dem Sohn die Türe zu dieser kleinen Hütte und erklärte ihm, dass er hier zu wohnen habe.
Zuerst musste er sich mit dieser neuen Umgebung vertraut machen und überhaupt mit dem Umstand, dass er weiterlebte. Er erinnerte sich an die letzten Stunden seines Lebens auf Erden, als er noch den fleischlichen Körper hatte, der ihn schmerzte und ihm viel Unbehagen bereitete. Diesen fleischlichen Körper hatte er nicht mehr, das konnte er feststellen. Denn anfangs glaubte er zu träumen: Er sah Vater und Mutter, einige Bekannte. Immer wieder berührte er dann aber mit seiner Hand die Gestalt seiner Mutter, seines Vaters und überzeugte sich so selbst vom Weiterleben. Er sah seine Hände, seine Füsse an, und er stellte fest, dass er wahrhaftig lebte. Er lebte ohne den fleischlichen Körper. Er sah, dass seine Gestalt von einer feinen Materie war. So hatte er nun diesen Gedanken in sich aufgenommen, dass das Leben weitergeht.
Nun betrachtete er auch die Umgebung näher. Er hatte nie im Ernst daran gedacht, dass das Leben nach dem irdischen Tode weitergehen würde. Wohl waren seine Eltern fromme Leute, aber er hatte immer ein spöttisches Lächeln über ihre Frömmigkeit. Er dachte nicht im Geringsten daran, dass es wirklich einen Gott gibt und dass nach dem irdischen Tode das Leben weitergehen würde. Nun war dies Tatsache für ihn geworden. Man hatte ihn in ein kleines Häuschen oder in eine Hütte gebannt – also gab es auch Häuser in der geistigen Welt. Seine Hütte schien sehr einfach zu sein. Er bewunderte aufs Erste, wie sie gebaut war, und er konnte feststellen, dass sie aus einem Holz erbaut war, das sich nicht so anfühlte wie in der irdischen Welt. Gleich stellte er fest, dass all diese Dinge, die auf ihn zukamen, wohl auch in seinem Erdenleben vorhanden gewesen waren, doch hier im Geisterreich waren sie von einer feinstofflichen Art.
Diese kleine Hütte hatte nur einen Raum. In diesem Raume standen ein Sessel und ein Tisch mit einem Buch. Darin war nichts geschrieben. Daneben lag ein Stift, den man zum Schreiben benützen konnte. Und es hatte auf niederen Pfosten ein Brett, ohne irgendwelche Decken. Er stellte sich vor, dass dieses Brett wohl seine Liegestätte sein sollte. Das alles war nun seine ganze Behausung. Es gab auch ein Fenster, durch das er in diese weiten Ebenen blicken konnte. Dieses Fenster betastete er auch nach seinem Material. Er wusste nicht, was für eine Art es war, aber er konnte hindurchsehen gleich wie bei einem Fenster aus Glas, wie es die Menschen haben. Ein weiteres war aus Holz, durch das er nicht blicken konnte.
Er hatte genügend Raum, sich zu bewegen. Er überlegte und dachte nach: “Wenn ich bis in die Unendlichkeit in dieser Hütte hier zu verweilen habe, werde ich verzweifeln.” Wohl sah er aus diesem Fenster die geistige Natur, die sich ihm darbot: Es waren Bäume zu sehen in unterschiedlichen Gruppen, kleinen und grossen; viele Sträucher und auch Wiesen sah er. Weiter entfernt konnte er auch noch solche Hütten sehen. Der Engel hatte ihm gesagt, er könne, wenn es ihm beliebe, das Haus verlassen und durch diese Weiten wandern. Er hatte aber gar keine Lust zum Wandern, denn er fürchtete sich – der Lärm dieser wilden Tiere, wie er glaubte, wurde immer stärker. Plötzlich sah er, wie sie von weit her in Rudeln auf seine Hütte zukamen. Sie nahmen aber keine Notiz von ihm noch von dieser Hütte, sondern rannten davon. Er konnte allerlei Arten und Gattungen von Tieren sehen: Tiger, Panther, Elefanten, Zebras, Löwen und vieles mehr. Die einen schienen sehr, sehr wild zu sein, sie rannten hin und her, andere aber kamen geruhsam und legten sich ganz in der Nähe seiner Hütte nieder, um zu schlafen. Sollte er nun seine Hütte verlassen? Nein, denn diese Tiere brüllten und lärmten. Es wurde ihm recht bange zumute.
Schlafen konnte er nicht, denn der Lärm dieser Tiere liess ihm keine Ruhe. So setzte er sich das eine Mal auf sein Liegebett, das andere Mal auf den Stuhl und blätterte in diesem Buch. Dabei stellte er fest, dass vor ihm diese Hütte auch bewohnt gewesen war, denn aus dem Buche waren Seiten herausgenommen worden. Das konnte man noch gut feststellen. Er probierte diesen Stift aus und schrieb seinen Namen in das Buch. Er wollte schon wissen, wie das Schreiben mit diesem Stifte, der so fein war, ging. Es war ja nicht so ein Schreibgegenstand, wie er ihn zu Lebzeiten gehabt hatte, aber man konnte ihn benutzen und schreiben. Nun wollte er vorsichtig sein, was er in das Buch schreiben würde, denn vernichten konnte er das Geschriebene wohl nicht. Das überlegte er, und so war er vorsichtig mit dem, was er schreiben wollte. Zuerst wollte er seine Beobachtungen machen und erst nachher in das Buch schreiben.
Betreffend diese Tiere hatte er immer wieder dasselbe Erlebnis: Sie rannten im wilden Galopp an ihm vorbei. Und die sich zum Schlafe niedergelegt hatten, standen wieder auf und gingen gemütlich von dannen. Doch er wollte nicht hinausgehen, obwohl er gerne gewusst hätte, wie es denn in dieser Ebene aussah. Er konnte aber kein Wesen sehen – zu ihm kam niemand. Nur dieses Gebrüll der Tiere konnte er feststellen.
Nun aber fing er an, seine Beobachtungen bei diesen Tieren zu machen. Er fragte sich: “Wie ist es möglich, dass bei Tieren der gleichen Gattung die einen so geruhsam herumlaufen und sich niederlegen zum Schlafen, während andere aus derselben Gattung wild einherspringen?” Auch konnte er feststellen, dass es kein Töten gab; sie jagten einander nicht, kein Tier sprang auf ein anderes los. “Also”, dachte er, “haben sie keinen Hunger; offenbar sind sie hier nicht von Hunger geplagt.” So stellte er sich das vor. Denn er sah nie, dass Tiere einander gejagt hätten. Jene der gleichen Gattung gingen jeweils zusammen im Rudel, und dann und wann sah er auch Einzelgänger. Er dachte: “Hier müssen die Tiere keine Nahrung zu sich nehmen” – jedenfalls nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Er stellte an sich selbst fest, dass er wohl Lust hatte, etwas Gutes zu essen und etwas Bekömmliches, Feines zu trinken. Lust dazu verspürte er, aber er wurde weder von Durst noch von Hunger geplagt. So konnte er darauf verzichten. Und so, wie es bei ihm war, schien es auch bei den Tieren zu sein. Auch sie hatten wohl keinen Hunger.
Dann und wann setzte er sich an den Tisch und fing an zu schreiben. Seine Erlebnisse, die er mit diesen Tieren hatte, und was für einen Eindruck sie auf ihn gemacht hatten, schrieb er in dieses Buch hinein. Er blätterte immer wieder zurück und las, was er geschrieben hatte. Dann sann er wieder nach, was er weiter schreiben könnte. Er hatte eine grosse Sehnsucht, aus dieser Hütte hinauszutreten, hatte aber den Mut nicht dazu. Denn er wurde vom Gedanken getragen, es könnte ein solch wildes Tier auf ihn losgehen und ihn verletzen und er würde von nirgendwoher Hilfe bekommen. So blieb er gefangen in dieser Hütte.
Er dachte auch nicht daran zu beten. Obwohl es ihm klar wurde, dass er jetzt unter einer höheren Herrschaft stand, fiel es ihm nicht ein zu beten, sondern er wollte warten, was mit ihm geschehen würde. Einerseits hielt er am Gedanken fest, er könnte für alle Zeiten verbannt bleiben und das würde die Hölle für ihn werden, so wie man ihm die Hölle in der menschlichen Zeit erklärt hatte. Anderseits dachte er darüber nach, wie seine Mutter von der Liebe Gottes gesprochen hatte. Er erinnerte sich auch an die Erlösungstat Jesu Christi, konnte sie aber nicht verstehen. Er fand es ungerecht, dass man ihn, wenn es denn eine Erlösung gäbe, unter diese Tiere verbannt hatte. Er wusste ja nichts von geistigen Gesetzen. So haderte er mit sich und mit Gott.
So blieb er lange, lange Zeit in dieser Hütte, bis sein Vater mit einem Engel Gottes zu ihm kam. Sein Vater war es, der bei den höheren Engeln Gottes um Gnade gefleht hatte für seinen Sohn. Er hatte immer wieder für ihn gebetet und die Engelswelt angefleht, man möge doch ein Stück von der Last seines Sohnes auf seine Schultern legen; er möchte auch etwas abverdienen für seinen Sohn. Er wäre bereit, freiwillig etwas auf sich zu nehmen. So wie Jesus Christus aus freien Stücken diese grosse Tat vollbracht habe, möchte nun er an seinem eigenen Sohne etwas zum Guten tun. Der Engel, dem er es gesagt hatte, hatte sich bereitgefunden, mit ihm zu seinem Sohn zu gehen, seine Umgebung zu betrachten und mit ihm zu reden, ihn zu trösten, aber auch zu tadeln, wenn es notwendig wäre.
Als die beiden in diese Hütte kamen, stellten sie fest, dass dieser Sohn keine grossen Fortschritte gemacht hatte. Seine Gesinnung hatte keine Änderung erfahren, er hatte nicht gebetet und nicht daran gedacht, Gott um Vergebung anzuflehen. Nun tadelte ihn dieser Engel Gottes; er nahm ihn am Arm und ging mit ihm aus der Hütte hinaus mitten unter diese wilden Tiere.
Diese Tiere nahmen keine Notiz von den beiden Wesen, die da standen; sie gingen ihre eigenen Wege. Der Engel Gottes sagte diesem Sohn: “Wir haben dich in dieses Tierreich gebannt. Hier kannst du deine Beobachtungen machen. Wir hatten dir erklärt, dass du durch diese Weiten wandern darfst, um dir das alles anzusehen.” Dadurch erhoffte die Engelswelt, dass diese Seele die Weisheit Gottes erkennen würde – dass sie von Demut und Bescheidenheit ergriffen würde, wenn sie nur einen geringen Teil von dieser geistigen Tierwelt erblickte. Aber die Furcht und die Angst bei diesem Sohne war so gross, dass er nicht imstande war, diese Hütte zu verlassen. Der Engel Gottes ging hin zu einem schlafenden Löwen, kniete neben ihm nieder und streichelte ihn. Ebenso tat es der Vater, auch er streichelte den Löwen, während nun der Sohn noch wie erstarrt dastand. Dann aber glaubte er, dass es auch ihm gestattet wäre. Wenn doch dieser Engel da war, würde dieses Tier bestimmt auch ihm nichts antun. So kniete auch er nieder und kraulte dieses Tier, und das Tier schien vergnügt und zufrieden zu sein. Man stellte keine Wildheit bei ihm fest, während zur gleichen Zeit von den verschiedensten Seiten gruppenweise wilde Tiere umherrannten. Dann stand dieser Löwe auf und ging gemütlich von dannen.
Der Engel Gottes sagte: “Es ist nicht nur dieses mächtige, grosse Tier, das wir berührt haben, das dir nichts tut. Keines dieser Tiere wird dir etwas antun.” Der Sohn aber konnte es nicht verstehen, denn diese Tiere gaben dieselben Laute von sich, wie wenn sie mit dem fleischlichen Körper bekleidet wären. Aber sie taten keinem etwas an, denn sie trugen ja den geistigen Leib.
So forderte dieser Engel Gottes ihn nun auf, mit ihm ein Stück des Weges zu gehen, um dieses Tierreich zu erkunden. Er solle diese verschiedenen Gattungen von Tieren betrachten und sie sich merken. Danach solle er sich zurückerinnern, wie viele Tiere es überhaupt gebe oder wie viele er selbst kenne. Und wenn er es nicht in seinem Gedächtnis behalten könne, dann solle er es doch aufschreiben. Dann könne er feststellen, welche Tiere hier in diesem Tierreich zu sehen, zu erleben seien und welche fehlten. Ja, das wollte er tun, aber er hatte Angst vor jenen Tieren, die so wild umherjagten.
Er fragte den Engel Gottes: “Warum rennen jene Tiere im wilden Galopp umher?” Hier bekam er zum ersten Mal eine Belehrung. Der Engel Gottes erklärte ihm, dass ständig Tiere auf Erden sterben müssen und der geistige Leib dieser Tiere ins geistige Tierreich zurückkehre. Jedes Tier schliesse sich seiner Gattung an, und dies seien jene Tiere, die nun eben noch in dieser Wildheit in diesem geistigen Tierreich herumjagten. Dieses geschehe jedoch nur in der ersten Zeit, bis sie sich wieder in ihrer neuen Heimat zurechtgefunden hätten. Sie würden sich recht bald beruhigen und niederlegen zu einem Schlafe, und dieser Schlaf bringe ihnen Ruhe.
Nun konnte dieser Sohn seine Beobachtungen machen. Er hatte den Wunsch, mit anderen Wesen in Berührung zu kommen. Er wollte nicht allein sein. Der Engel Gottes sagte ihm: “Du siehst ja die vereinzelten Hütten in dieser Sphäre. Auch hier leben Wesen, die sich ängstigen, die eingeschlossen sind. Du hast die Möglichkeit, zu ihnen zu gehen, sie aufzumuntern und sie herauszuführen, um ihnen ein Stück dieses himmlischen Tierreiches zu zeigen.” Das sollte nun zu seiner Aufgabe gehören. Selbstverständlich sagten ihm der Vater und der Engel zudem: “Fange nun an zu beten, Gott zu loben und zu preisen und ihn um Gnade zu bitten. Denn du willst doch, dass du aus dieser Sphäre hier wieder herauskommst und dass du mit andern Wesen zusammenleben kannst.”
Er wollte seine Aufgabe erfüllen. Doch ehe sein Vater und dieser Engel gingen, hatten sie mit ihm gemeinsam gebetet. Sie taten es im Freien; da, wo die Tiere von allen Seiten an ihnen vorübergingen, bei ihnen stehenblieben, da verrichteten sie ihr Gebet. Dann begleiteten diese beiden diese Seele, den Sohn, wieder zurück zur Hütte. Dort sollte er das niederschreiben, was er erlebt hatte. Er sollte die Eindrücke festhalten, die Tiergattungen, die er nun gesehen hatte. Er sollte dies jetzt in dieses Buch schreiben. So tat er es.
Danach fasste er doch den Mut, alleine hinauszugehen, als diese beiden ja längst wieder fort waren. Aber ehe er hinausging, betete er, Gott möge ihm den Beistand geben. Noch war es ihm ungemütlich, noch ängstigte es ihn, denn er vermisste den Schutz seines Vaters und des Engels Gottes. Er traute sich erst nicht, denn er glaubte, dass dies nur möglich gewesen war, wenn eben diese beiden um ihn gewesen waren. Aber er wollte es probieren. Er bat Gott, er möge ihm die Kraft geben, und so ging er hinaus.
Er musste einen weiten Weg zurücklegen, denn die nächste Hütte war nicht so schnell zu erreichen. Der Weg war beschwerlich – ganz anders als in der Begleitung des Engels und des Vaters, als sie ihn umhergeführt hatten. Doch dann hatte er die nächste Hütte erreicht. Er ging hinein und sah dort auch eine Seele zusammengekauert, verängstigt, betend. Er munterte diese Seele auf und sagte: “Ich wohne in deiner Nähe, und ich habe nun das Glück gehabt, von der himmlischen Welt zu solchen Besuchen aufgefordert worden zu sein. Ich bin hinausgetreten, ich habe einen langen Weg zurückgelegt, und ich will dir sagen, dass auch du hinaustreten sollst.”
Diese Schwester, es war ein weibliches Wesen, wollte nicht herauskommen. “Nein”, sprach sie, “ich gehe nicht hinaus, diese wilden Tiere werden mich zerreissen.” Sie sprach von ihrem Vergehen in ihrem menschlichen Leben und dass das nun für sie die Hölle wäre, dass sie diese Qualen ausstehen müsse. Aber sie werde nicht hinausgehen, denn dieses bedeutete ihren Tod. Nun sprach er zu ihr: “Du kannst nicht sterben. Für die Welt, für die Menschen bist du gestorben, deine leibliche Gestalt hast du zurückgelassen. Aber dein geistiger Leib lebt, er kann nicht getötet werden, auch nicht von einem wilden Tier.”
Schliesslich hatte unser Bruder diese Schwester überredet und es fertiggebracht, mit ihr ein Stück aus ihrer Hütte hinauszugehen, um gemeinsam mit ihm einmal um die Hütte herumzulaufen. Auch ihnen waren diese Tiere begegnet, und sie hatten ihnen nichts getan. Als dann auch diese Schwester wieder allein in ihrer Hütte zurückblieb, überlegte sie, ob sie auch allein den Weg finden würde. Durch das Zusprechen dieses Bruders konnte sie einen Schritt vorwärts machen. Auch sie ging aus dieser Hütte hinaus und besuchte andere Geschwister und munterte sie auf. Und sie kam in nähere Beziehung mit diesen Tieren; sie taten auch ihr nichts.
So ging dieser Bruder im Tierreich immer weiter umher. Er wollte sich wirklich alle Gattungen dieser Tiere notieren. Als er dann wieder Besuch bekam von seinem Vater und von seinem Engel, konnte er ihnen sagen, welche Tiere in diesem Tierreich ihm nicht begegnet waren. Es waren ja nur bestimmte Tiere da, die er beobachten konnte. So glaubte er, dass die anderen Tiere nicht in diesem Tierreich wären. Nun durfte er wiederum eine Erklärung hören: Gewisse Tiere wären ihm nicht begegnet, da sie noch tiefer in ihrer Entwicklung seien, während andere einem geistig höheren Tierreich angehörten. Deshalb würde er ihnen eben nicht begegnen. So hatte man ihm anhand von Vergleichen gezeigt, dass es bei den Tieren verschiedene Stufen der Entwicklung gibt. Man erklärte ihm, wohin der geistige Leib der Tiere in diesen verschiedenen Tierbereichen komme und dass dies je nach ihrer Einstufung geschehe. Aber auch beim Menschen sei es so, dass der Geist des Menschen, das Geistig-Seelische, in jene Bereiche geführt werde, wo er seiner Entwicklung gemäss hingehöre. Es gebe so viele Entwicklungsstufen. Bei ihm sei es so, dass er diese Ebene mit dieser Hütte einnehmen musste, da er in der Entwicklung so tief gestanden sei. Er habe nun aber die Möglichkeit, im geistigen Reiche seinen Aufstieg zu beschleunigen. Man habe ihm durch Gottes Liebe und Gnade etwas von der Unendlichkeit und Herrlichkeit vor Augen geführt. Er könne auch nach dem Weiteren fragen, da es noch so unendlich viele Dinge gebe, über die es sich lohne, nachzusinnen, nachzufragen.
Und so bekam er von Zeit zu Zeit immer wieder Besuch. Er war nun bereit, auch zu beten. Er hatte eine andere Einstellung zu Gott, zu seiner Welt; er hatte sein Denken geändert. In Gedanken kehrte er zurück in das Leben, das er mit all seinen Verfehlungen zurückgelassen hatte. Nun musste er feststellen, dass er so vieles falsch getan hatte und dass Gott gnädig mit ihm gewesen ist – dass er wohl in diese Abgeschiedenheit treten musste, dass er aber gerade in dieser Abgeschiedenheit von der Weisheit Gottes so viel erleben durfte.
Der Engel Gottes machte ihm klar, dass es sein Vater gewesen sei, der für ihn diese Fürbitte geleistet habe, damit er in dieses Reich der Läuterung gekommen sei. Der Vater sei es, der bei den Hohen des Himmels darum gefleht habe, man möge seinem Sohne gnädig sein; er sei bereit, von der Schuld etwas auf sich zu nehmen. Da nun dieser Vater die Aufgaben seines Lebens erfüllt hatte und im geistigen Reiche, im Heilsplan Gottes seine Stellung hatte, die er zur Zufriedenheit ausführte, durfte ihm dieses Entgegenkommen gegeben werden. Man hatte also diesem Vater einen Engel Gottes zur Seite gestellt, damit er seinen Sohn besuchen konnte. Dieser Engel Gottes konnte ihm auch Hinweise geben für den schnelleren geistigen Aufstieg seines Sohnes.
Dann kam der Moment, wo dieser Vater seinen Sohn aus diesem Tierreiche herausholen durfte. Beide zusammen waren erfüllt von Freude und Dankbarkeit, dass sie durch Gottes Gnade so viel Erleichterung gefunden hatten und dass sie durch Gottes Weisheit und Güte diese Herrlichkeiten erleben, Einblick nehmen durften in sein herrliches Reich, in seine Weisheit. Ihnen wurde klar, dass sie nur einen geringen Teil des Reiches Gottes erleben durften und dass dies eine Stufe des Aufstiegs ist für die Wesen, die den Weg zum Hause Gottes nehmen und dereinst – vollkommen gekleidet in ihren geistigen Leibern – im Reiche Gottes, im Hause Gottes ihm zujubeln, ihn loben und preisen für seine Herrlichkeit und seine Liebe. Sie werden seine Gnade bejubeln und besingen.
So, liebe Geschwister, gab ich euch diese Stunde wiederum einen kleinen Einblick in die geistigen Gesetze und auch in Gottes Gnade. Es ist von Bedeutung, in der Geisteswelt jemanden zu haben, der Fürbitte leistet, jemanden, auf den die Engel Gottes hören, wenn er bittet – dass dadurch der Leidensweg gekürzt, der Aufstieg beschleunigt wird und dass die Freude der Vereinigung gross sein wird, dass das Wiedersehen eine Begeisterung ist und man in all dieser Freude nur Gottes Liebe, Gottes Gnade sieht. So jubelt man ihm zu und dankt ihm für alles, was er tut.
Liebe Geschwister, möget ihr behütet und bewahrt bleiben vor aller Not und Bedrängnis. Möge der Segen Gottes bei euch einkehren, möge er euch begleiten durchs ganze Leben. Möget ihr durch diesen Segen Gottes die Kraft bekommen, die ihr nötig habt, um euren Weg sicheren Schrittes durchwandern zu können. Gott zum Gruss.
Vortrag von Geistlehrer Josef vom 25.4.1964 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)
Geistige Tiere im Dienst der Engel
Josef, 25. Juni 1955 (Ausschnitt)
Geistige Tiere im Dienst der Engel
Einblick in einen herrlichen Himmel – Geistlehrer Josef berichtet von eigenen Erlebnissen und Beobachtungen in einem Tierparadies.
Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, ich will heute versuchen, euch von meinen eigenen Erlebnissen im geistigen Leben zu erzählen. Ihr werdet dann begreifen, warum ich früher nicht davon sprach; denn ich finde, dass dies für jene Freunde, die den Weg jeweils zum ersten Mal hierher gefunden haben, nicht gerade geeignet war. Ich hätte euch ja noch so vieles darzubringen. Doch da wir erkennen, wie schwer ihr dasselbe begreifen könnt, wie sehr ihr dadurch durcheinandergeraten könntet, wollten wir dies alles verhüten.
Den grössten Wert legten wir bis jetzt darauf, euch zu edleren, vornehmeren Menschen zu machen. So war es notwendig, in der Weise zu euch zu sprechen, euch zum Guten zu ermahnen und euch anzuspornen auf dem Wege zu Gott. Ihr solltet den Wert einer Sache kennenlernen können und sie dementsprechend pflegen. Ihr solltet lernen, nicht oberflächlich an diesen Dingen vorüberzugehen, denn die Oberflächlichkeit der Menschen lässt sie so oft am Gottesglauben scheitern. Wenn ihnen aber die Gesetze des lebendigen Gottes erklärt würden, wie sie in Tat und Wahrheit sind, würden sie sich eher aufmachen zu Gott. Sie würden den Wert ihres Erdenlebens kennenlernen und mehr Achtung haben vor allem, was auf dieser Erde ist.
Nun, ich möchte heute keine solchen Ermahnungen geben, denn ich will euch ja von meinen Erlebnissen erzählen. Ich hatte euch früher schon gesagt, dass, wenn eine Seele ins Jenseits komme und nach Gott verlange, sofort dienende Geister zur Stelle seien, um sie zu führen, aufzuklären und zu unterrichten. Nun, wie eure Lehrer jene Schüler besonders lieben, die aufmerksam, willig und gehorsam sind, mit denen sie besser vorwärtsschreiten, mit denen sie mehr Freude erleben, denen sie mehr mitteilen können, so ist es auch im geistigen Reiche. Mit den willigen und gehorsamen Wesen kann man besser vorwärtsschreiten, wogegen solche, die von ihrem irdischen Standpunkt nicht abweichen und glauben, was sie als Menschen vertreten haben, hätte auch im Jenseits Gültigkeit, ihre eigenen Wege gehen und in ihrer Entwicklung stehen bleiben. Solche Wesen, die von den Himmelsboten in so liebenswürdiger Weise auf ihre Irrtümer aufmerksam gemacht wurden und ihnen keinen Gehorsam leisten, werden dann lange Zeit sich selbst überlassen. Und so irren sie umher, oft lange Zeit.
Dies betone ich immer wieder und erkläre zugleich, dass die himmlischen Boten sich diesen Wesen nicht in ihrem Glanz und in ihrer Herrlichkeit zu erkennen geben; denn diese Wesen sollen das Verlangen haben, das Richtige zu finden und zu tun. Denn die sich ihnen nähernden Engelwesen geben ihnen so wunderbare Belehrungen, dass sie, wenn sie darüber nachdenken würden, einsehen müssten, dass es sich um Boten Gottes handelt, denen sie zu gehorchen haben. Aber diese Wesen verhalten sich noch genau so, wie sie als Menschen waren. Die Seele nimmt ja dieselben Gefühle mit und wird davon beherrscht. So werden die einen, die auch als Menschen willig waren, den Belehrungen der Himmelsboten aufmerksam folgen und ihre Sprache verstehen.
Nun, meine lieben Freunde, ich versuche jetzt einmal über etwas sehr Heikles zu euch zu sprechen. Ich weiss, dass viele unter euch dafür ein Verstehen haben, viele aber auch noch nicht. Aber gerade da, wo das Verständnis noch fehlt, ist es ein Zeichen dafür, dass man mit der göttlichen Welt noch nicht vertraut ist, dass man noch nicht verstehen kann, dass alles, was euch gegeben ist, in der göttlichen Welt in vollkommener, wunderbarer Weise vorhanden ist. Und doch, wie oft habe ich zu euch gesagt, dass im Reiche Gottes alles vorhanden ist, was ihr an materiellen Formen besitzt, dass aber diese Formen im göttlichen Reiche von vollendeter Schönheit sind.
Nun, meine geistigen Führerengel – ich möchte noch ihre Namen nennen: Linus und Sirius –, es sind meine Führer wie auch die Führer der Gemeinschaft. Sie fanden es gut, mir fürs Erste das geistige Tierreich zu zeigen, um dort zu lernen und zu erleben. Ich folgte ihnen, und sie führten mich in ein grosses Tal. Ich kann es euch nicht nach euren Massen beschreiben. Ein riesiges Tal war es, das sich vor uns ausbreitete. Man führte mich hinein zu einem Punkte, wo sich meinem Auge ein herrlicher Anblick bot. Auf einer Fläche, nach meinem Ermessen etwa zehnmal so lang und zehnmal so breit wie dieser Raum, waren Wasserläufe sichtbar über dem Boden, in allen Formen. Da, auf Geheiss eines meiner Begleiter, schoss das Wasser durch diese Läufe. Sie waren gerade, gebogen, gekreuzt, gewunden und verschlungen, wunderbare Bilder formend, in einem herrlichen Farbenspiel. Ich betrachtete auch die Umgebung und sah grosse Flächen in prachtvoll leuchtendem Grün. Und ich sah Wälder, Wälder, teils nur aus Palmen und Sträuchern bestehend, dann wieder Tannen- und Eichenwälder und viele andere mehr. Ich sah riesige Flächen Sandes, nichts als Sand.
All diese Schönheiten betrachtend und bestaunend, erblickte ich in der Nähe der Wasserspiele herrliche Tiere verschiedener Art, wie ihr sie auf Erden in der Wildnis und im Urwalde habt. Ruhig lagerten sie sich zum Teil um diese Wasserspiele. Ich sah sie friedlich nebeneinander, andere von weit her näherkommend, wieder andere sich entfernend, die einen nach den Wäldern, die andern über den weiten Flächen des Sandes entschwindend oder Umschau haltend.
Ein mächtig grosser Löwe stand ganz in meiner Nähe, und ich hatte das Gefühl, dass er etwas suchte. So fragte ich meine Begleiter danach, doch sie ermahnten mich nur zur weiteren Aufmerksamkeit. Und so sah ich wieder wunderbare Himmelsboten, die ebenfalls Ausschau hielten und auf etwas zu warten schienen. Es ging jeweils nicht lange, und ich sah, worauf sie warteten: Es kamen die herrlichsten Tiere zu ihnen. Ich sah auch einen himmlischen Boten von mächtiger Gestalt zusammen mit einer Löwin auf uns zukommen, wie die Löwin von ihrem Artgenossen in meiner Nähe in grosser Freude begrüsst wurde und wie sie eilends von dannen gingen. Der himmlische Bote neigte sich lächelnd vor uns und verschwand wieder. “Was bedeutet dies alles?”, fragte ich. “Woher kam der Himmelsbote mit der Löwin?” So war ich voller Fragen und Neugier, es war ja alles so neu für mich. Ich sollte das alles nun selbst erleben dürfen, um in der Weise über alles unterrichtet zu werden.
Nun sah ich zwei herrliche, weiss gekleidete Gestalten, angetan mit herrlichen Gewändern. Auch sie schienen nach etwas Ausschau zu halten, das dann ganz plötzlich vor ihnen stand: ein blendend weisses Pferd mit einem goldenen Band mit zwei Schleifen um den Hals. Daran hielten sich die beiden Himmelswesen, und auf und davon waren sie. Ich staunte. Wohin gingen sie? Wozu holten sie dieses Pferd? Zu was dienen alle diese Tiere?
Doch schon wieder kam ein schönes Wesen und legte sich ganz in meiner Nähe hin, worauf sich ihm Tiere verschiedener Art näherten, um sich neben ihm auszuruhen.
Darauf sah ich wieder zwei herrliche, zarte Gestalten, und sie hatten einen Wagen bei sich. “Wieso einen Wagen in der göttlichen Welt?”, dachte ich. Und was mochte sich wohl darin befinden? Da sah ich plötzlich eine ganze Schar Rehlein neben diesen herrlichen Wesen, und eilends gingen sie mit ihnen davon. Ich konnte noch einen Blick in den Wagen tun und sah, dass darin wunderschöne, kleine, liebliche Tierchen waren. Ich blickte ihnen nach – und schon waren sie wieder fort.
Nun erblickte ich ganze Scharen herrlichster Pferde. Wild jagten sie einher, und bald waren auch sie wieder verschwunden. Dann sah ich wieder Tiere, die ihr im Erdenreich für so wild haltet. Hier verhielten sie sich ruhig und legten sich friedlich hin und liessen sich streicheln. Andere gingen langsam umher.
Ich fragte wieder: “Hat denn dieser Ort mit den herrlichen Wasserspielen für diese Tiere eine besondere Bedeutung, dass ihrer so viele in dieser Nähe weilen?” – “Oh ja”, belehrte man mich, “hierher kommen sie, um von den himmlischen Boten abgeholt zu werden, und hierher werden sie wieder zurückgebracht; denn von hier aus finden sie den Weg wieder in ihren Bereich.” Hier muss ich noch etwas nachtragen, denn ich habe es unterlassen, zu erklären, dass alle diese Tiere mit ihren Artgenossen in Familien gesondert zusammenleben. Diese Familien leben in gewaltigen Bereichen zusammen, und alle haben einen gewissen geistigen Führer.
Nun fragte ich meine geistigen Führer: “Erklärt mir doch jetzt, was dies alles zu bedeuten hat, warum dieser grosse, mächtige Himmelsbote mit einer Löwin hierherkam.” Da antwortete einer meiner Begleiter: “Siehst du, auch die Engel Gottes haben ihre Freude an den Tieren, lieben sie und lassen sich oft von ihnen zu ihren Aufgaben begleiten. Die Aufgaben dieses Himmelsboten erstrecken sich über verschiedene Sphären, bis ins Reich der Toten, wo er von den armen Seelen gesehen wird. Einerseits erfüllt er hierin eine Aufgabe, andrerseits darf er sich zu seiner Freude ein Tier halten; denn die himmlischen Boten dürfen zu gewissen Zeiten sich auch der Ruhe und ihrer Freude hingeben, wo sie alle diese Schönheiten des Gottesreiches erleben können. Und da auch ihre Veranlagungen so verschieden sind, liebt es der eine eben, mit einem Löwen oder sonst einem Tier einherzugehen, so wie ein anderer sich der Musik oder dem Gesang hingibt.”
Da wollte ich auch wissen, wohin die beiden Engel mit dem weissen Pferd gegangen waren. “Das waren Engel der Fürbitte”, sagte man mir. “Auch sie freuen sich an einem solch herrlichen Tier, und es ist ihnen erlaubt, ein solches mitzunehmen. Sie bringen es auch wieder zurück und holen wieder ein anderes, wenn es sein muss. Sie lieben die Pferde.”
Da aber wollte ich auch noch erfahren, welche Bewandtnis es mit den beiden zarten Gestalten hatte und mit ihrem Wagen, wo diese Rehlein und die kleinen Tierchen hingeführt wurden. “Oh”, lachten meine Begleiter, “wohin sonst hätten sie gehen können als ins Paradies der Kinder! Hier werden die Tiere von den himmlischen Boten geholt und den Kindern zur Freude gebracht, doch bringen sie dieselben nach einiger Zeit wieder zurück, damit sie von hier aus wieder in ihren Bereich und zu ihrer Familie zurückkehren.”
Und nun sprachen meine beiden Begleiter zu mir: “Einen nur ganz winzig kleinen Einblick hast du getan in das Reich der Tiere. Du wirst aber immer und immer wieder Gelegenheit haben, noch mehr davon zu erleben und zu sehen; denn davon musst du auch erklären können, und das kannst du besser, wenn du es selbst erlebt hast.” Ich blickte noch lange um mich, hin und her, und betrachtete alle diese herrlichen Tiere, doch auch die Schönheiten dieser Weiten. Oh, diese Weiten – wie gross, wie gross ist doch das Reich der Tiere! [...]
Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrer Josef vom 25.6.1955 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)
Heft 4/2025
25 Seiten, 21 × 29,7 cm