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Themen
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 2/2024 zum Thema Freiheit im Glauben
Geistige Welt 2/2024
Freiheit im Glauben
Beschreibung

Der freie Wille ist das höchste Geschenk, das Gott einem jeden seiner Geschöpfe gegeben hat; der freie Wille ist das höchste Gut des Menschen, die Freiheit im Denken und Handeln, auch und gerade in Glaubensfragen. Wie konnte es daher in der christlichen Kirche möglich werden, dass im Christentum Verfolgung und Unterdrückung Einzug hielten, dass die Gläubigen unter Zwang und Gewalt gebracht wurden? Geistlehrer Josef erläutert in diesem Heft, warum es zu diesen dunklen Epochen kommen und wie im Laufe langer Zeit zunehmend eine Freiheit erkämpft werden konnte. Josef geht dabei auch auf die heutige Epoche der Gleichgültigkeit im Glauben ein und weist darauf hin, dass eine Zeit komme, in der die Christen anfangen werden, aus dieser Gleichgültigkeit hinauszutreten und ernsthaft nach der Wahrheit zu suchen. Denn durch eigenes Denken und Erleben kann der Mensch zu höheren Erkenntnissen über die Schöpfung und die Gesetze Gottes gelangen. Es sind diese Erkenntnisse, die den Glauben lebendig machen und ihn dem Lichte Gottes näherführen.

Themenheft 2/2024: Freiheit im Glauben

Inhalt
Die verschiedenen Zeitalter der Christenheit

Josef, 4. April 1982

Die verschiedenen Zeitalter der Christenheit

Geistlehrer Josef spricht in dieser österlichen Abendmahlansprache vom christlichen Glauben in Geschichte und Gegenwart. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Christenheit Zeiten von Verfolgung, Unterdrückung und Zwang, aber auch Zeiten zunehmender Freiheit und – damit verbunden – der Gleichgültigkeit. Josef gibt in seinen Erklärungen auch einen Ausblick in die Zukunft: So werde die heutige Epoche der Gleichgültigkeit im Glauben wieder vorübergehen, und es werde die Zeit kommen, wo die Christen anfangen, nach der Wahrheit zu suchen.

Josef: Gott zum Gruss.

Himmlischer Vater, in Christi Namen sind die Deinen hier versammelt, um Dich zu loben und zu preisen und Dir zu danken für alle Wohltaten ihres Lebens. So danken sie Dir, so loben und preisen sie Dich in alle Zeiten hinein.

Meine lieben Geschwister, von nah und fern seid ihr hierhergekommen, um im Gedenken an den Herrn das Liebesmahl einzunehmen. So möchtet ihr doch eure Verbundenheit, euren Glauben zum Ausdruck bringen – die Verbundenheit zur Geisterwelt Gottes und euren Glauben an all das, was euch erklärt wird. Christus bat darum, als er sich zum letzten Mal mit seinen Jüngern zusammengefunden und gemeinsam mit ihnen ein Mahl eingenommen hatte. Es war dies ja nicht das einzige Mal, dass er sich mit seinen Jüngern zusammengefunden und mit ihnen gegessen und getrunken hatte. Aber diesmal war es ein besonderes Mahl, denn Christus wusste: Es ist das letzte Mahl, es ist die letzte Mahlzeit, die er mit seinen Jüngern einnahm. Und er bat sie, sie möchten zu seinem Gedenken dieses Liebesmahl auch in Zukunft weiter feiern. Christus brach das Brot und verglich das Brot, das er seinen Jüngern gab, mit seinem Leib. Auch als er den Wein trank und den Becher den Jüngern reichte, machte er einen Vergleich zu sich – er verglich diesen Wein mit dem Blute, das fliessen werde, das vergossen werde für die Erlösung der Menschheit.

Christus war in jenen Stunden in grosser Angst, denn er wusste, was auf ihn zukam. Er hatte ein besonderes Verhältnis zu seinen Jüngern, und kurz vor seinem Tode am Kreuz wiederholte er ihnen Worte, die er des Öftern ausgesprochen hatte: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden, und er wird euch über alles orientieren, das ihr wissen müsst” (Joh. 14, 26). Als er zum letzten Mal diese Worte wiederholte, sprach er: “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden, und er wird euch über die Gleichnisse aufklären, die ich gegeben habe. Der Geist der Wahrheit wird Klärung bringen über diese Gleichnisse.” Denn Christus hatte ja nur in Gleichnissen reden können, und er redete nicht anders als in Gleichnissen. Wiederholt ist euch erklärt worden, wie schwer es für jene Menschen war, die Worte Christi zu verstehen. Sie konnten nicht alles begreifen, denn sie kannten den Sinn ihres Daseins nicht, sie kannten auch die Ursache ihres Daseins nicht. Und so vermochte Christus ihnen nicht alles zu erklären, denn er wusste, sie kannten weder die Ursachen noch den Sinn ihres Lebens. Doch er tröstete sie mit den Worten: “Mit der Zeit wird man es erfahren können und die Ursachen erkennen.”

Versucht einmal, in die Anfangszeiten der Christen zurückzudenken, als der christliche Glaube seine erste Verbreitung gefunden hatte. In der ersten Zeit, ja da stand es um die Christen nicht gut; denn sie wurden verfolgt um ihres Glaubens willen, und sie wurden sogar getötet. Dies war eine gewisse Zeit, die der Christenheit viel Leid gebracht hatte. Aber das Leid war nicht zu Ende mit dem Ende dieser persönlichen Verfolgung um des Glaubens willen.

Christus sagte [in seinen Abschiedsreden] zu seinen Jüngern: “Ich werde nicht mehr viel mit euch reden. Denn es kommt der Fürst dieser Welt. Und an mir hat er nichts.” (Joh. 14, 30.) Auch das sind Worte, über die man nachdenken sollte. Christus wusste, warum er ins menschliche Dasein gekommen war, er wusste es; und er musste nun sagen: “Ich habe von jetzt an nichts mehr zu sagen, denn es kommt der Fürst dieser Welt.” Damit wollte er sagen: “Es kommt der Fürst dieser Welt, und er wird seine Regentschaft ausüben.” Das sprach er kurz vor seiner Verurteilung. Es gibt Christenmenschen, sie erkennen den Sinn dieser Worte nicht, wie sie auch die Gleichnisse nicht verstehen – sie haben die Erkenntnisse dafür nicht.

Jetzt möchte ich doch auf etwas aufmerksam machen. Ich möchte euch vor Augen führen, dass es in der Christenheit eine Zeit gab, wo der Glaube mit Gewalt und mit Macht verbreitet wurde. Mit Macht und Gewalt, das heisst also: Bei der Verbreitung dieses Glaubens schreckte man nicht zurück vor Mord, vor Erpressung ... Böse Dinge geschahen, was doch wahrhaftig nicht der Lehre Christi entsprach. Mit Gewalt ging man daran, ein Christentum aufzubauen, und Jahrhunderte hindurch dauerte diese Macht, diese Gewalt, diese Herrschaft, mit der den Menschen, den gläubigen Menschen, so viel Leid, so viel Schmerz zugefügt wurde – Jahrhunderte hindurch dauerte dies. Dann kam die Zeit, da gewisse Menschen dieses Glaubens aufstanden gegen diese Macht, gegen diese Gewalt, und es gab weiteren Kampf. Aber diese Gewalt wurde doch etwas zurückgesetzt, sie verlor von ihrer Mächtigkeit. Einen Teil davon verlor sie. Sie konnte von da an nicht mehr in diesem Sinne schalten und walten, wie sie es vorher gewohnt war, als sie mit allen Mitteln versuchte sich durchzuringen, den Gottesglauben mit Gewalt durchzuringen und nicht zurückschreckte vor Erpressung, vor Mord, vor Verleumdung – bis es eben so weit kam, dass Menschen aufstanden und dieser Macht doch etwas von ihrer Gewalt nehmen konnten.

Dann kam eine neue Zeit, eine Zeit, wo man sich nicht mehr so erpresst fühlte, eine Zeit, wo man sich freier fühlte. Diese geistige Freiheit musste erkämpft werden, sie kam auch nicht von heute auf morgen; es dauerte auch seine Zeit, bis diese Freiheit genutzt wurde. Auch im Glauben und in der Verkündigung des Glaubens brauchte es seine Zeit, bis diese Freiheit genutzt wurde. Und nach dieser geistigen Freiheit, die genutzt wurde und genutzt wird, kam wieder ein neuer Abschnitt in der christlichen Verkündung, in der christlichen Lehre: Die Christenheit trat in eine neue Phase, und zwar in eine Phase der Gleichgültigkeit. Zuerst gab es also die Gewalt, dann kam etwas Freiheit, und nach dieser Freiheit kam die Gleichgültigkeit. Auch wenn sich heute diese Gleichgültigkeit des Glaubens noch nicht überall festgesetzt hat, so ist sie aber im Kommen begriffen und wirkt sich aus. Ihr lebt schon in dieser Phase der Gleichgültigkeit des Glaubens. Menschen haben heute mehr geistige Freiheit. Sie ist ihnen durch das Gesetz gesichert worden. Durch diese geistige Freiheit haben sie aber etwas von der Substanz des Glaubens verloren. So sind viele von der Gleichgültigkeit des Glaubens erfasst worden.

Jetzt möchte ich aber die Ursachen beleuchten, warum es zu dieser Gleichgültigkeit gekommen ist – warum einst der Glaube mit Gewalt durchgesetzt wurde und warum es nachher zu einer Freiheit und schliesslich zu dieser Gleichgültigkeit des Glaubens gekommen ist. Es war immer derselbe Grund und dieselbe Ursache: Die Menschen kannten den Sinn ihres Daseins nicht, man kannte überhaupt den Sinn der Schöpfung nicht; man kannte weder den Sinn der Menschwerdung Christi noch den Sinn des eigenen menschlichen Daseins. Es fehlte am Sinn, um die Menschen in ihrem Glauben zu kräftigen – es fehlte ihnen die Wahrheit. Und so konnten auch die Gleichnisse nicht verstanden werden, die Christus gegeben hatte.

Als Christus zum letzten Mal mit den Jüngern zusammen war, da sah er seine Zeit gekommen, und er bat darum: “Tut dies zu meinem Gedenken, feiert dieses Liebesmahl zu meinem Gedenken” (Luk. 22, 19). Mit diesen Worten ging ein Auftrag an die Christenheit, ein Auftrag, den sie bis zum Ende der Welt zu erfüllen hat. Aber die Menschen verstanden es ja nicht, und euch ist wohlbekannt, wie die ersten Christen oder wie man in der ersten Zeit dieses Liebesmahl zum Gedenken an den Herrn gefeiert hatte.

Als Christus mit seinen Jüngern zu dieser letzten Mahlzeit zusammenkam, da brach er das Brot und verglich es in symbolischer Weise mit seinem Leibe, der da hingegeben werde; und den Wein verglich er mit seinem Blut, das vergossen werde. Diese Vergleiche sollten der Christenheit erhalten bleiben, aber nicht nur diese symbolischen Vergleiche, sondern mehr noch: Es ging ein ganzer Auftrag an die Christenmenschen, was sie in Erinnerung behalten sollten und was zu seinem Gedenken getan werden musste. Ja, als dann die ersten Christen dieses Liebesmahl feierten, da mussten sie zurechtgewiesen werden, denn es wurde nicht gefeiert im Sinne, wie Christus es wollte. Menschen kamen zusammen, und sie assen und tranken – die reichen in üppiger Weise, und die armen hatten nichts. (1. Kor. 11, 17–34.) Und so hatte damals dieses Liebesmahl nicht den richtigen Sinn bekommen. Wohl wurden die Gläubigen aufmerksam gemacht auf die Worte, die Christus gesprochen hatte. Doch man nahm sie nur hin. Denn wie hätte man mit diesen Worten etwas anfangen können, wenn man überhaupt keine Ursache kannte, wenn man nicht wusste, warum dieser Gottessohn die Erlösung gebracht hatte und worin denn diese Erlösung bestand. Man kannte den Sinn nicht.

Und wenn ich jetzt sage, die Christenheit sei heute von einer Gleichgültigkeit des Glaubens erfasst, so führt das doch auf dasselbe zurück: Die Menschen kennen keine Ursache. Was sollen sie glauben? Sie wissen nicht, warum Christus in dieses irdische Dasein kam. Sie kennen auch den Grund der Schöpfung nicht. Und so werden und wurden sie gleichgültig. Sie können es nicht begreifen und nicht verstehen, dass ausgerechnet der Sohn Gottes, der höchste Geist in der Schöpfung, wie es gesagt wird, am Kreuze sterben musste. Wo liegt die Ursache? Aus welchem Grund musste er am Kreuze sterben? Ja, die Juden hatten ihn der Gotteslästerung angeklagt ... Aber ein Mensch von heute denkt anders, er überlegt sich: “Wie konnte ein gerechter Gott so etwas zulassen? Wie konnte es denn möglich sein, dass er seinem geliebten Sohn den Auftrag gab, sich in dieser Art und Weise erniedrigen zu lassen, zu leiden und zu sterben?” Und wenn ihr heute die Menschen betrachtet und von ihrer Gleichgültigkeit Notiz nehmt, so müsst ihr doch erkennen, dass sie von nichts wissen. Ihre Gleichgültigkeit beruht darauf, dass sie vom Plane Gottes nichts kennen. Wohl spricht man zu gläubigen Menschen von der Güte Gottes, aber sie kennen die Wahrheit nicht.

Was hat es denn für einen Sinn, wenn heute gläubige Menschen zur Erinnerung an die Zeit des Leidens Christi Kreuze umhertragen oder sich selber ein Leid zufügen, ihren Körper schlagen und geisseln und glauben, damit würden ihnen ihre Sünden vergeben? Wem nützt es, wenn solches getan wird? Was für einen Sinn hat es? Was nützt es dem Menschen, wenn er sich in der Weise Leid und Schmerzen zufügt, und man hat im christlichen Glauben keine Liebe? Niemandem nützt es – das sollte heute dem denkenden Menschen doch klar werden. Niemandem nützt es, wenn einer sich solche Schmerzen zufügt. Er kennt ja die Wahrheit nicht, denn es fehlt ihm ja der Sinn; er kennt die Ursache der Schöpfung nicht. Und weil er die Ursache nicht kennt, ist er imstande, Dinge zu tun, die sinnlos sind.

Und jetzt komme ich zurück auf die Worte, die Christus gesprochen hat: “Ich habe nicht mehr viel zu sagen, denn bald kommt der Fürst dieser Welt, und an mir hat er nichts.” Menschen von heute sollten sich solche Worte überlegen, denn sie haben auch heute noch ihre Gültigkeit. Christus wollte damit sagen: “Mich bezwingt dieser Fürst nicht. Meine Treue zum Vater besteht. Mich bezwingt er nicht. Aber es sind die Menschen, die er beeinflussen wird; an ihnen hat er ein Recht. Dieser Fürst wird sich die Menschen, die da in dieser Welt leben, zunutze machen.” Als Christus diese Worte sprach, wusste er bereits: “Jetzt kommt er, der Fürst der Welt, und beeinflusst die Menschen und inspiriert sie dazu, dass sie mich verurteilen und ans Kreuz schlagen.”

Dies geschah doch durch die Beeinflussung durch den Fürsten der Welt, er inspirierte die Menschen dazu. Denn seine Überlegung war: Einem gekreuzigten Christus wird niemand Glauben schenken; einen solchen Glauben werden die Menschen nicht annehmen. Doch Luzifer hatte nicht an die Macht Gottes gedacht. Er hatte nicht daran gedacht, was für Folgen sich gerade aus diesem Gedanken, aus dieser Beeinflussung der Menschen, Christus ans Kreuz zu bringen, ergeben wird. Luzifer kannte die Macht und die Weisheit Gottes nicht. Wohl wusste er, dass Christus als Geist weiterleben würde, wenn er als Mensch gestorben war; das wusste er. Aber er ahnte nicht, dass dieser Geist Christus dann in seinen Herrschaftsbereich eindringen würde. Das wusste Luzifer nicht, das ahnte er nicht. Und er sah es auch nicht, dass Engel Gottes als Streiter Gottes schon bereitstanden, um das Tor zur Hölle aufzustossen und einzudringen in dieses Totenreich hinein, einzudringen zu diesen Toten, um all jene zu befreien, die bereit waren, nach dem Siege Christi dem Erlöser zu folgen. Das sollte die Auferstehung sein, von der Christus in seinen Bildreden und Gleichnissen so viel gesprochen hatte. Diese abgefallenen Wesen in der Hölle sollten von dem Tode auferstehen und mit ihm das Totenreich verlassen.

Christus hatte zu Lebzeiten auch vom Letzten Gericht und von der Verurteilung gesprochen – dass alle, die Böses im Schilde führten, die Böses tun und die Gesetze verletzen würden, schon gerichtet wären. Er versuchte es zu seinen Lebzeiten seinen Zuhörern verständlich zu machen, dass nach dem Gesetz gerichtet würde und dass das Letzte Gericht das massgebende Gericht sei – und dass er selbst dieses Gericht sei. (Vgl. Joh. 5, 27–29.)

So vieles hatte er in Gleichnissen dargeboten. Zu seiner Zeit konnte es nicht verstanden werden. Aber könnte es nicht in der heutigen Zeit verstanden werden? Könnte es heute nicht Menschen geben, die die notwendige Intelligenz haben und höhere geistige Erkenntnisse erwerben, um solche Worte und Gleichnisse zu verstehen, zu begreifen und zu erklären? Damit könnte doch der Christenheit gedient werden. Denn auch die Phase der Gleichgültigkeit des Glaubens geht beim Christenmenschen vorbei. So wie die Zeit der Gewalt an Macht verloren hatte und eine Zeit der Freiheit wie eine Erlösung zum Menschen kam – auch wenn sie ihm nicht den wahren Glauben brachte, sondern eine Gleichgültigkeit im Glauben –, so wird auch diese Phase ein Ende finden, und es wird wieder eine neue Zeit kommen, in der der Christenmensch sein Interesse zeigt, wo er anfängt zu suchen und wieder glauben will, wo er aus seiner Gleichgültigkeit heraustritt und in eine Zeit der Ernsthaftigkeit und des Glaubens eintritt. Denn auch diese Zeit der Gleichgültigkeit – merkt euch das, liebe Geschwister – wird ihr Ende haben; sie ist eine vorübergehende Phase und wird durch eine neue Phase abgelöst werden. Für die christliche Lehre muss es doch eine Änderung, eine neue Zeit geben, so wie es im Auftrage Christi ist, damit es zu einer Erfüllung kommt, zu einer Erfüllung des Glaubens – das Werk Christi muss in Erfüllung gehen.

So leben Menschen in gewissen Zeitabschnitten, und jeder Zeitabschnitt hat seine Besonderheiten, seine Richtlinien, seinen Werdegang. Aber der Mensch kommt doch mit der Zeit zu besseren und höheren Erkenntnissen. Er ringt sich durch, er geht von Stufe zu Stufe höher hinauf, und so muss er zu dieser Wahrheit kommen.

Ihr sollt euch aber auch überlegen, was die Gewalt von einst fertiggebracht hat, wie durch diese Gewalt Menschen beeinflusst wurden und noch immer beeinflusst werden. Es ist eben so, wie Christus gesagt hat: “Der Fürst der Welt kommt ...” Er ist gekommen und ist geblieben, von jenem Zeitpunkte an, als Christus diese Worte ausgesprochen hat: “Ich habe nicht mehr viel zu sagen. Es kommt der Fürst der Welt, aber an mir hat er nichts.” Aber die Menschen sind es, die seine Opfer sind. Bei den Menschen versucht er, seinen Herrschaftsbereich auszuweiten; sie will er unter seinen Zwang bringen, sie versucht er zu beeinflussen, zu inspirieren. Sobald der Mensch einmal diese Erkenntnis besitzt, dass es der Fürst aus dem Totenreich ist, der die Welt regiert, dann braucht er nicht mehr zu fragen und zu sagen: “Warum lässt denn Gott, der als der Gütige und Allmächtige gepriesen wird, so viel Unrecht zu auf dieser Welt?” Er hat die Antwort: Es ist der Fürst dieser Welt, dem diese Rechte noch geblieben sind, den Menschen zu beeinflussen, den Menschen unter seine Gewalt zu bringen. Wer willig ist, auf ihn zu hören, der ist ihm Werkzeug. Wer aber nicht dazu bereit ist, wer im Ringen um höhere Erkenntnisse zu besserem Glauben gekommen ist, der steht mit seinem Denken, mit seiner Gesinnung im Reiche Christi. Er schenkt seine Aufmerksamkeit den göttlichen Gesetzen, und die göttlichen Gesetze reden von Liebe, von Gerechtigkeit, von Güte, von Barmherzigkeit. Aber wer Werkzeug des Fürsten der Welt ist, der kennt nur Gewalt, Betrug, Herrschsucht, nur das Böse. So sollte man unterscheiden können, wem man seine Aufmerksamkeit schenkt, wohin man gehört.

Dann sollte man auch daran denken, was Christus gesagt hat, was doch voller Bedeutung ist: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen” (Joh. 14, 3). An diese Auferstehung ins ewige Leben muss der Christenmensch denken und glauben. Er muss daran glauben, dass nach seinem irdischen Tode das Leben nicht vollendet ist, sondern dass es eine Auferstehung gibt und dass Christus gerade für diese Auferstehung jedes Einzelnen gekämpft und gelitten hat und dafür gestorben ist. Denn er ist für die Seinen gestorben. Es waren die Seinen, die sich [einst beim Abfall] von ihm getrennt hatten, und die Seinen will er wieder zurückhaben. Der Christenmensch muss wissen, dass er ein abgefallener Geist ist. Er kommt von unten, wie Christus es gesagt hat: “Ihr seid von unten, ich aber bin von oben” (Joh. 8, 23) – um es deutlich zu sagen: “Ihr kommt aus der Hölle, ich aber komme vom Himmel.”

Wenn die Christen Näheres wüssten über die wunderbare Schöpfung, die [für die Rückführung der Gefallenen] aufgebaut wurde, und dass es Christus war, der in dieser Schöpfung tätig war, würden sie anfangen, manches anders zu tun. Würde dem Christenmenschen doch klargemacht, welche Bedeutung diese Schöpfung hat, dass sogar ein Grashalm in der Schöpfung Gottes seine Bedeutung und Berechtigung hat! Auch im vielfältigen Tierreich, das in so viele Gattungen eingeteilt ist, hat ein jedes Tier seine Berechtigung im Heilsplane Gottes. Selbst wenn ein solches Tier dem Menschen zum Schaden ist, hat es im Heilsplan Gottes, im Ordnungsplan, im Schöpfungsplane Gottes seine Berechtigung, da zu leben. Denn es ist Leben, und dieses Leben hat seine Berechtigung, mag es für den Menschen noch so gering sein. Schon zur Zeit Christi wusste man um Plagen; schon in früheren Zeiten gab es beispielsweise Heuschreckenplagen, die den Menschen zum Schaden wurden. Aber es ist euch des Öftern schon gesagt worden: Das Dasein eines Lebewesens [beispielsweise eben eines solchen ‘Schädlings’] kann in diesem Erdenreich nur Stunden dauern, und diese Stunden, die es auf Erden lebt, sind für dieses Wesen, für dieses Leben, von grösster Bedeutung. Denn es gibt ihm die Möglichkeit, herauszutreten aus seinem Dasein – sein geistiger Leib wird wieder anders gestaltet und wieder anders gewandet werden. Es wird auferstehen, es wird von Stufe zu Stufe hinaufgehen. Wie wunderbar ist doch die Schöpfung! Dieses dem Menschen verständlich zu machen, ist eine Notwendigkeit. Die Wahrheit dem Christenmenschen klarzumachen, ist die grösste Notwendigkeit. Er soll den Sinn seines Erdendaseins erkennen können und den Sinn allen Lebens, und wenn es noch so von Niedrigkeit gezeichnet ist. Alles Leben hat seinen Sinn. Und wenn dieses niedere Leben nur eine Stunde in diesem irdischen Dasein ist, so hat es einen Schritt aufwärts getan.

Zu dieser Erkenntnis muss der Christenmensch kommen, er muss dieses alles erfassen. Auch das gehört zum Auftrag, den Christus seinerzeit gegeben hat, als er sagte: “Tut dies zu meinem Gedenken.” Der Christenmensch soll nicht nur daran erinnert werden, dass Christus seinerzeit das Brot gebrochen und es ausgeteilt und vom Wein getrunken und ihn den Jüngern gegeben hatte und sie dies in der Weise nun zu seinem Gedenken weiter feiern sollten. Dem Christenmenschen ist auch der Auftrag gegeben worden, die Wahrheit weiterzuverbreiten – zur Erkenntnis zu kommen, warum Christus, der Sohn Gottes, in dieses Dasein gekommen ist und worin sein Erlösungswerk besteht, wovon er jeden Einzelnen erlöst hat. Und das heisst: Christus hat jedem Gefallenen den Weg bereitet, damit er zurückkehren kann in seine einstige geistige Heimat, ins Reich Christi. Christus hat ihn aus der Knechtschaft des Satans herausgenommen und ihm die Kindschaft Gottes wiedergegeben – er hat gekämpft und gerungen, um die Seinen wieder bei sich zu haben. So hatte er es auch in seinen Gleichnissen angedeutet: Der Vater habe sie ihm gegeben, und alles, was der Vater ihm gegeben, gehöre nicht nur ihm, sondern auch dem Vater (vgl. Joh. 17, 9–10).

Immer wieder hat Christus von seinem Vater gesprochen. Und als er seine letzten Stunden auf sich zukommen sah, da flehte und betete er zu Gott: “Verherrliche nun Deinen Sohn, so wie Dein Sohn Dich verherrlicht hat” (vgl. Joh. 17, 1–5). Damit wollte er doch sagen: “Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich habe gesagt, dass ich der Sohn Gottes bin, obwohl ich gewusst habe, dass man mir nicht glaubt und man mich der Gotteslästerung anklagen wird. Ich habe dies getan, weil Du mir den Auftrag gegeben hast, dass ich die Gefallenen wieder zurückbringe. Nun bitte ich Dich: So wie ich Dich verherrlicht habe, verherrliche nun auch mich.” Damit meinte Christus, dass nun der Vater sich nicht von ihm entfernen, sondern mit ihm in Verbindung bleiben solle. Denn er hatte doch Zeugnis gegeben vom Vater – dies betonte er doch auch –, und nun bat Christus darum, dass sein Vater seinerseits bis zum Letzten Zeugnis geben würde, dass er wahrhaftig sein Sohn sei. So flehte er: “Verherrliche mich, so wie ich Dich verherrlicht habe.”

So hatte Christus unter grossen Schmerzen und grossem Leid seinen Auftrag erfüllt, weil er die Seinen wieder bei sich haben wollte. Und da gibt es noch Menschen, die behaupten, Christus hätte keine Schmerzen gehabt, kein Leid ertragen müssen. Was sind das für Menschen? Sie sind beeinflusst vom Fürsten der Welt, der sie zu solchen Aussagen inspiriert, weil er nicht haben will, dass die Menschen die Wahrheit erfahren, weil er alles versucht zu tun, um ihnen diese Wahrheit zu nehmen, um deren Verbreitung zu verunmöglichen. Aber es gelingt ihm nicht. Denn Christus selbst sagte: “Ich werde bei euch bleiben bis zum Ende der Welt” (vgl. Mat. 28, 20). Und das heisst: “Ich werde die Meinen zu euch senden, so lange, bis alles erfüllt ist. Ich werde die Meinen zu den Menschen senden, damit sie gestützt, getröstet, geführt werden und sie zur Erkenntnis und zum wahren Glauben kommen.” Dies wird seine Zeit brauchen, aber es wird gelingen.

Und so ist es am Menschen, mitzuwirken an der Erfüllung dieses Auftrages. Er muss diesen Auftrag erkennen können, den Christus seinerzeit gegeben hat. Ringt nach der Wahrheit! “Ich werde euch den Geist der Wahrheit senden, und er wird euch unterrichten” – diese Worte Christi sind doch ein Hinweis und müssen ihre Anerkennung finden. Aber auch das braucht seine Zeit. So sind Menschen von heute doch eher bereit zu glauben. Sie fangen an zu suchen. Sie möchten aber überzeugt sein von der Wahrheit. Denn die Zeit der Gleichgültigkeit muss ihr Ende nehmen, und die Zeit des Glaubens muss den Menschen beeinflussen. Dies ist aber nur möglich, wenn ihm die Wahrheit dargelegt wird, wenn er sich mit diesen sogenannten Geheimnissen auseinandersetzt. Denn es gibt keine Geheimnisse. Geheimnisse gibt es nur für jene, die weder die Ursachen der Schöpfung noch die Ursache ihres eigenen Daseins kennen. Nur Menschen, die nichts wissen, reden von Geheimnissen. Denn Christus ist nicht dafür gestorben, dass dieses Erlösungswerk, das er vollbracht hat, dem Menschen ein Geheimnis bleiben soll.

Dieses Erlösungswerk muss dem Menschen Offenbarung bringen, Wahrheit; er muss die Wahrheit erkennen können. Dann wird er auch glauben, wenn man vom Himmelreich spricht, und es wird für ihn ein Trost sein, wenn er eines seiner Angehörigen verloren hat und man ihm sagt: “Es lebt doch weiter und kann seine schützenden Hände über dich halten.” Trost soll es sein für den Menschen, und er soll nicht in allzu grosse Trauer fallen müssen. Schmerzlich mag es sein vorübergehend, einen geliebten Menschen zu verlieren, ihn nicht mehr so sehen und mit ihm sprechen zu können wie einst. Aber wie wunderbar ist es doch für einen Christenmenschen, die Gewissheit zu haben, dass das Heimgekehrte nun in einer schöneren Welt lebt, wo es keine Not und keine Bedrängnis gibt, in einer Welt, wo die Wahrheit zum Ausdruck kommt und wo es keine Lüge, keinen Betrug geben kann. Er soll doch an die Worte denken, die der Erlöser gesprochen hat: “Da, wo ich hingehe, sollt auch ihr hinkommen. Und ich gehe hin, um euch eine Wohnung zu bereiten.” Ja wahrhaftig, Christus ist hingegangen und hat für alle die Wohnung bereitet. Gemeint sind damit die Aufstiegsstufen im Reiche Gottes.

Es ist und wäre doch für den Menschen interessant, nach diesen Dingen zu forschen und über sie Bescheid zu wissen. Dies würde sein ganzes Denken, sein ganzes Leben bereichern. Denn es geht der göttlichen Welt nicht darum, dass Menschen so viel wie möglich beten, sondern was für die göttliche Welt zählt, ist, auf welche Weise Menschen ihr Leben leben, ob sie es in Gerechtigkeit und in der Wahrheit leben und ob sie dem Reiche Christi angehörig sind. Um das geht es. “Liebe Gott über alles und den Nächsten wie dich selbst”, das sprach Christus zu jenem Manne, der ihn nach dem grössten Gebot gefragt hatte (Mat. 22, 37–39). Er sagte ihm nicht: “Du musst jeden Tag soundso viel beten, um ins Himmelreich zu kommen” – nein, er sprach von Liebe. Denn in der Liebe ist alles enthalten, die ganze Wahrheit.

Nun, liebe Geschwister, ich könnte ja noch lange zu euch sprechen, doch geht es mir darum, dass ihr erkennen könnt und es wirklich erfasst, was für einen Sinn euer Leben hat und welchen Sinn die ganze Schöpfung überhaupt hat und welche Ursache, welchen Sinn das menschliche Dasein Christi hatte. Nach dem Sinn des Lebens muss man sich erkundigen und dabei um Erkenntnis bitten, dass man eine Antwort darauf bekommt. Das wird den Menschen beglücken in seinem Alltag. Er wird froh und frei werden, wenn er in der Wahrheit lebt und sich nach dem Höheren ausrichtet, sodass sein Leben einen hohen Sinn bekommt. Er muss versuchen, den hohen Sinn des Lebens zu bewahren und mit seinem Leben, das er lebt, Gott und Christus Ehre zu erweisen. Um dieses bitte ich euch. Bemüht euch darum.

Nun, liebe Geschwister, soll etwas Musik gespielt werden, und ihr sollt versuchen, euch mit eurem Denken nach innen zu wenden.

Himmlischer Vater, Dich flehe ich an, segne dieses Brot, Sinnbild vom Leibe Jesu Christi, der am Kreuz gestorben ist zur Erlösung der Menschheit. Segne dieses Brot, und lass es jedem zum Heil werden, der davon nimmt.

Himmlischer Vater, segne diesen Wein hier, Sinnbild vom Blute Jesu Christi, das am Kreuz geflossen ist zur Erlösung der Menschheit. Herr, segne diesen Wein, und lass ihn jedem zum Heil werden, der davon nimmt.

So bitte ich, euch zu erheben. Nehmet, esset und trinket davon.

Himmlischer Vater, die Deinen danken Dir für den Segen, und sie bitten Dich, Du mögest Dich nie von ihnen abwenden und sie durch Deine heilige Geisteswelt durchs Leben begleiten und führen. So danken sie Dir, o Herr, und preisen Dich und rufen Dir zu: Heilig, heilig, heilig bist Du. Amen.

Liebe Geschwister, diese Feier ist beendet. Möge Gottes Segen euch durch euer ganzes Leben begleiten. Möget ihr behütet und beschützt sein. Und wer da krank ist an Leib oder Seele, soll in Gottes Namen gesunden. Gott zum Gruss.

Abendmahlansprache von Geistlehrer Josef vom 4.4.1982 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Kongresshauses Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Gott übt keinen Zwang und keine Gewalt aus

Josef, 10. Oktober 1970

Gott übt keinen Zwang und keine Gewalt aus

Der freie Wille, die Freiheit im Denken und Handeln, ist das höchste Gut. Es ist ein Geschenk Gottes an seine Geschöpfe. Wie konnte es daher in der christlichen Kirche möglich werden, dass die Gläubigen unter Zwang und Gewalt gebracht wurden?

Josef: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, seit die christliche Lehre verkündet wird, gab es keine Zeit, wo dem Christen so viel Freiheit im Denken und Reden gestattet war wie heute. Vor wenigen Jahrzehnten wäre es noch unmöglich gewesen, in dieser freien Art und Weise zu reden und seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es gab eine Zeit – und sie liegt ja noch gar nicht lange zurück –, da wurde es einem als schwere Sünde angerechnet, wenn man anfing zu überlegen und über die Glaubenssatzungen, über die Dogmen nachzudenken. So etwas war nicht gestattet. Man beraubte den Menschen seiner geistigen Freiheit und zwang ihn zum Glauben.

Betrachtet dagegen die heutigen heranwachsenden jungen Menschen, wie sie sich die Freiheit nehmen im Denken und Reden und man dieses Denken und diese Meinungen zu akzeptieren hat. Und bedenkt dabei, dass es einst eine Zeit gab, wo man Menschen zum Glauben gezwungen hatte. Wer sich nicht fügte, dem trachtete man nach dem Leben – und bevor man ihn umbrachte, quälte man ihn noch auf grausamste Art “im Namen Gottes”, damit er den Glauben annehme, den man ihm vorgab. Wenn ihr jetzt die heutige Entwicklung betrachtet, müsst ihr wohl selbst zur Erkenntnis kommen: Zwang und Gewalt bewährt sich nie, aber gar nie. Wo es auch sein mag, wo auch immer es zum Ausdruck kommt: Zwang und Gewalt bewährt sich nicht. Es hat sich auch nicht bewährt in der christlichen Lehre.

Freiheit im Denken, Freiheit des Geistes, ist das höchste Gut des Menschen. Der freie Wille soll zum Ausdruck kommen. Diese geistige Freiheit ist das Höchste, und das muss geschätzt werden. Wenn ihr heute aber überlegt: Wie war es einst überhaupt möglich, dass ein solcher Zwang auf die Christenheit ausgeübt werden konnte? Das fragen sich heute hauptsächlich die heranwachsenden jungen Menschen; sie sagen sich: “Solches würden wir uns nie gefallen lassen!” Warum mussten sich denn einst jene Menschen solches gefallen lassen? Hat man eine Antwort darauf? Kommt man zur Überzeugung, dass jene christliche Lehre, die einst verkündet wurde, nur Zwang und Gewalt war und niemals mit dem Göttlichen übereinstimmte? Gott hat mit Zwang und Gewalt nichts zu tun; er ist nicht da, wo Gewalt und Zwang auch nur im Geringsten ausgeübt wird. Man sollte darüber nachdenken, warum es denn überhaupt möglich war, dass jene Kirchenfürsten die Menschen so unter den Zwang und unter ihre Gewalt brachten.

Wenn ihr heute eure Zeit betrachtet, seht ihr wohl die grosse Freiheit im religiösen Denken und Reden – und dabei mag dies erst der Anfang sein. Denn heute braucht sich niemand mehr zu ängstigen, dass er sein täglich Brot nicht bekommt, weil er seine Meinung zum Ausdruck bringt und sich erlaubt, zu sagen, was er von Gott oder von der Religion hält. Er braucht nicht um sein täglich Brot zu fürchten. Aber es war einst anders. Einst standen die Menschen vor der Entscheidung: “Entweder glaube ich und nehme an, was diese mir sagen, und rette mein Leben, oder ich habe kein Brot.” So sehr hatte die Gewalt getobt, und die Macht hatte ihre grossen Zeiten.

Wenn man sich heute darüber beklagt, dass die heranwachsenden Menschen oder überhaupt die Gläubigen nicht mehr willens sind, die Kirchen zu besuchen, dass sie nicht mehr angesprochen werden von diesen religiösen Lehren – ja, wenn man etwas zurückschaut, dann muss man doch selber sagen, dass heute eben Ernte gehalten wird von dem, was einst ausgesät wurde. Im Weiteren sind die Menschen heute gewohnt, exakter zu denken; sie wenden ihren Verstand an, und man kann keine Gewalt mehr auf sie ausüben wie früher. So kommt die Freiheit im Glauben doch zum Ausdruck, und dabei ist dies erst der Frühling davon.

Wenn die Menschen diese Kirchen nicht mehr besuchen wollen, wenn sie nicht mehr angesprochen werden von dieser Glaubenslehre, die verkündet wird, dann liegt das daran, dass in dieser Lehre eben grosse Lücken sind. Es kann dem Menschen nichts gesagt werden, das ihn fesseln würde; er ist nicht mehr zufrieden mit dem Althergebrachten. Er will selber überlegen, er will auch in Glaubenssachen mitreden, er will diskutieren; er stellt sich etwas anderes vor vom Glauben an Gott. Ich spreche jetzt aber von den Menschen, die an Gott glauben. Denn wie viele gibt es heute, die sagen: “Ich kann nicht glauben, denn ich sehe nichts und höre nichts.” Gott ist für sie zu weit entfernt, sie können Gott nicht hören.

Wer ist schuld daran, dass sie Gott nicht hören können? Wer hat das Wort Gottes für diese heutigen Menschen so weit weg getragen? Wer war es? Wer trägt die Schuld, dass es Christen gibt, die sagen: “Ich kann nicht glauben”? Es sind jene, die meinten, mit Gewalt und Zwang die Lehre Gottes verkünden zu müssen.

Und wenn ihr euch nun sagt: “Ja wir tragen nicht die Schuld von dem, was einst getan wurde”, da möchte ich erwidern: Doch, doch, auch ihr tragt die Schuld. Denn es sind noch genügend Menschen da, die Zeit aufgewendet haben dafür, um jene in ihrem falschen Glauben noch zu unterstützen und zu stärken. Es hat an Mut gefehlt, und es fehlt an Mut, aufzustehen, ihnen gegenüberzutreten und zu sagen, was Wahrheit und was Wille Gottes ist. Denn im Willen Gottes ist es nicht, dass Gewalt und Zwang ausgeübt wird. Im Willen Gottes ist doch etwas ganz anderes: Da ist die Liebe, die Güte, das Verständnis; da ist das, was den Menschen beglücken, erfreuen, erheben soll, und nicht etwas, was ihn unglücklich macht, ihm Zwang auferlegt.

Wenn es heute Menschen gibt, die nicht mehr an Gott glauben können, weil sie sich sagen, dass sie nichts von ihm hören, so ist dies deshalb, weil Gott für sie so weit entfernt ist. Gott spricht aber jeden Tag zum Menschen, und wenn ein Mensch seine Augen geöffnet hätte, so könnte er dies erkennen. Er könnte das tägliche Werden und Vergehen sehen. Er müsste zum Beispiel die Geburt eines Menschenkindes bewundern und müsste doch anfangen zu fragen und zu suchen, woher dieses Leben kommt. Und sicherlich würde er die Antwort finden.

Es gibt aber Menschen, die bereit wären zu glauben, wenn man ihnen etwas Glaubhaftes über Gott erklären könnte. Und da möchte ich sagen: Diese Menschen gleichen dem Horcher an der Wand; sie möchten zuhören, was drinnen vor sich geht, aber sie verstehen es nicht deutlich genug, denn sie sind wahrlich nur die Horcher an der Wand. Sie vermögen es nicht zu verstehen, was drinnen gesprochen wird, denn sie können das Wort Gottes nicht vernehmen. Wer aber drinnen steht und drinnen das Wort Gottes hört, der ist in das Reich Gottes, in das Reich Christi eingetreten. Und im Reiche Christi, im wahren Reiche Christi, gibt es Gelegenheit, [von Geistern der Wahrheit] das Wort Gottes zu hören, und das Wort Gottes wird auch ausgelegt und erklärt. Wer aber nur draussen steht als Horcher an der Wand, der weiss mit dem, was drinnen erklärt wird, nicht viel anzufangen. Denn er vermag es überhaupt nicht zu verstehen; es ist eine Sprache, die ihm fremd ist. So ist es wahrlich, und es sollte anders werden. Es sollten die Türen aufgemacht und die Möglichkeit geschaffen werden, dass alle eintreten könnten, um das Wort Gottes zu vernehmen.

Aber überlegt, wie es denn ist, wenn dem Menschen gesagt wird: “Die jenseitige Welt ist eine Welt der Wahrheit und der Lebendigkeit; in dieser jenseitigen Welt leben eure verstorbenen Eltern, eure Verwandten, und in dieser ewigen Welt leben Gott und Christus mit ihren Engeln. Und von dieser andern Welt aus hat man Einfluss auf den Menschen; diese andere Welt öffnet ihre Tore, damit die Geistwesen hinaustreten können, um den Menschen zu beeinflussen.” Hatte man nicht einst in der Inquisition gründliche Arbeit geleistet, indem man vom Christen verlangte, dem Glauben an Geister abzuschwören? Welche Gewalt wurde da ausgeübt, mit welcher Gründlichkeit ging man seinerzeit vor! Man glaubte, mit grausamer Gewalt Gott einen Dienst zu erweisen.

Da es nun bis heute in vielen Seelen und in vielen Herzen der Menschen festsitzt, nicht an Geister zu glauben, ist es eine schwere Sache, ihnen etwas anderes klarzumachen und sie von der Existenz einer Geisterwelt zu überzeugen. Gerade dieses Wort “Geist” scheint für viele so etwas Erschreckendes, ja Abschreckendes zu sein. Dabei ist dieses Wort “Geist” heilig. Denn heilig ist ein jeder und wird ein jeder sein, der im Leben seinen Glauben an Gott bewahrte und in das ewige Leben hinübertreten darf. Als Heiliger wird er aufgenommen in die heilige Familie Gottes, er wird ein Glied in der grossen göttlichen Familie sein.

An Gott zu glauben, fällt vielen schwer. Sie verstehen ihn nicht, sie erwarten Wunder, und sie überlegen nichts. Nach dem Willen Gottes hatte Christus einst die Menschwerdung angenommen, und nach dem Willen Gottes musste er schweres Leid ertragen, weil dieses eben einen Sinn gehabt hatte. Nun gibt es ja gerade Christen, die fragen: “Warum musste denn dieser Erlöser diesen schweren Schmerzenstod erleiden?”

Christus ging freiwillig in diesen Tod; freiwillig hatte er diese Prüfung und Aufgabe auf sich genommen und sie erfüllt. Auf Geheiss Gottes wurde er als Menschensohn geboren. Hätte Gott da nicht auch einschreiten und andere Wege ebnen können, um der Menschheit den Weg zurück ins Himmelreich zu geben? Gott wusste doch wohl genau, warum es auf diese Art und Weise geschehen sollte. Waren es nicht Menschen, die über den Tod Jesu Christi entschieden haben? Wieso kamen sie dazu, ihn zum Tode zu verurteilen? Man sollte es wissen warum. Aber warum sagt man dem Christen denn die Wahrheit nicht, warum der Gottessohn die Menschwerdung annehmen musste?

Man spricht nur ständig von der Todsünde, als ob der Mensch immer noch in der Todsünde leben würde. Ständig spricht man in der christlichen und hauptsächlich in einer Kirche von dieser Todsünde, als wäre sie noch nicht getilgt. Die Todsünde ist aber getilgt. Nicht getilgt sind jedoch die täglichen Vergehen, die der Mensch in seinem Leben auf sich lädt. Diese Sünden hat er selbst wiedergutzumachen. Von der Todsünde reingewaschen mag der Mensch sein, aber nicht von seinen Sünden, die er täglich begeht.

Aber was ist denn die Todsünde? Es scheint mir gerade heute wichtig zu sein, es einigen Freunden zu erklären, weil sie es nicht wissen. Die Todsünde ist die Sünde des Abfalls von Gott. Von Gott ist man abgefallen, man ist aus dem Reiche Christi ausgetreten. Als man noch im Himmelreich war, erlag man einer Versuchung. Luzifer wollte [Christus die Königsherrschaft über das himmlische Reich entreissen und] das Reich an sich nehmen, und ein Teil der himmlischen Wesen hat sich auf die Seite Luzifers gestellt. Und so hat Gott alle, die diesem Luzifer anhingen, aus den Himmeln geworfen. Daher gibt es nun einen langen, langen Weg der Rückkehr. Es fehlt mir die Zeit, dies alles im Einzelnen zu erklären. Jetzt geht es mir nur darum, verständlich und klar zu machen, was die Todsünde ist: Man lehnte sich gegen den König Christus auf, man wollte ihm nicht mehr Gehorsam leisten, sondern man wollte sich einem andern, nämlich Luzifer, unterwerfen – ja, diesem Luzifer, der noch heute die Macht hat über den Menschen. Denn auch er wurde aus dem Himmel verstossen, er musste in die Hölle [in diese für ihn und seinen Anhang bereitete Stätte]. Dort ist seither sein Platz, und von dort aus geht er zu den Menschen, um sie in Versuchung zu bringen. Er ist der Vater der Lüge, er ist der Vater der Verlogenheit, aller Schlechtigkeit. Und er hat die Möglichkeit, die Menschen zu beeinflussen. Er hat nämlich kein Interesse daran, dass die wahre Lehre Christi verbreitet wird, sondern er ist interessiert daran, die Menschen so lange wie nur möglich unter seiner Gewalt und Macht zu halten. Diese Macht und diese Gewalt, die ausgeübt worden ist, ist eben die Sache Luzifers – aber nichts Göttliches, denn Gott ist die Liebe und die Güte.

Gott prüft den Menschen in diesem irdischen Leben, durch das er gehen muss. Weit entfernt von Gott soll er beweisen, ob er willens ist zu glauben. Denn es scheint ja so, dass das Wort Gottes von weit her kommen würde. Und wahrlich ist es so: Die Wahrheit kommt von weit, weit her. Um den Menschen diese Wahrheit zu bringen, braucht es für die Geisterwelt Gottes viel Geduld.

Aber der Anfang dazu ist gemacht, und die Entfaltung wird fortschreiten. Denn glaubt, liebe Geschwister: Schreibt ihr das Jahr 2000, wird man christliche Kirchen zum Kauf anbieten, und Klöster werden ihre Tore schliessen müssen. So weit wird es dereinst kommen. Und erst wenn dieser Zerfall stattgefunden hat, wird es möglich werden, ein neues Christentum, einen neuen Glauben an Gott aufzubauen – einen Glauben in Liebe, einen Glauben in Verständnis, in Hilfsbereitschaft. In diesem Glauben werden Menschen nicht dazu animiert, Kriege zu führen, zu streiten; sondern sie werden aufgerufen, Frieden zu machen und in Frieden zu leben.

Solange aber die Welt in diesem Materialismus versinkt und so viel Gefallen an vergänglicher Schönheit findet, wird es noch lange dauern, bis sich die Menschen zum wahren Glauben aufraffen können. Denn das Wort Gottes ist zu weit entfernt für sie, und sie vermögen die Worte nicht zu hören; denn sie gleichen, wie ich gesagt habe, den Horchern an der Wand, die nur ein Flüstern hören und nur Unvollständiges aufnehmen.

So weit ist es mit der Christenheit gekommen, und dass es nun diesen Zerfall gibt, ist gut. Denn diese Gewalt und diese Macht, wie sie ausgeübt wurde, liegt doch nicht in Gottes Gefälligkeit – ebenso wenig der Materialismus. Glaubt ihr vielleicht, es wäre Gott gefällig, wenn im Christentum so viele Reichtümer angehäuft werden, während gleichzeitig Menschen hungers sterben? Könnt ihr euch vorstellen, was geschehen würde, wenn Christus von heute auf morgen wahrhaftig hier in diese christliche Kirche eintreten würde? Er würde alles zum Kauf anbieten, und mit dem Erlös würde er jene Hungernden speisen und ihnen Obdach geben. Das ist christliche Lehre. Auf diese Art und Weise würde wohl Christus handeln, wenn er kommen würde. Denn christliche Lehre ist nicht, vergängliche irdische Besitztümer anzuhäufen – heisst es doch: Alles, was auf dieser Welt ist, ist der Vergänglichkeit gewidmet. Und auf diese Vergänglichkeit kann man nicht bauen. All diese Besitztümer sind vergänglich und können von heute auf morgen in nichts vergehen, wenn es Gottes Wille ist.

Wenn ich aber von Gottes Willen spreche, möchte ich doch darauf aufmerksam machen: Gott hat Geduld; er gibt dem Menschen Zeit für seine Heimkehr. Denn für ihn sind tausend Jahre wahrhaftig wie ein Tag. Zeit wird dem Menschen gegeben für seine Heimkehr, Zeit wird ihm gegeben für seine Wiedergutmachung.

Warum verschweigt man es in den christlichen Kirchen, dass es eine Wiedergeburt gibt? Was hindert einen daran, den Gläubigen diese Wahrheit zu verkünden, dass es ein Wiedergeborenwerden gibt? Aus welchen Gründen kann man dieses dem Menschen nicht sagen? Weil man von Grund an auf Irrtümern aufgebaut hat und weiter aufbaut. Würde man vom Wiedergeborenwerden sprechen, müsste man doch zugeben, dass man an einem Orte etwas Falsches gesagt hat. Damit würde das Dogma der Unfehlbarkeit infrage gestellt, und so würde das ganze Gebäude in sich zusammenstürzen. Und so hält man sich an den alten Dogmen und versucht, noch so lange wie möglich daran festzuhalten. Aber es kommt die Zeit, und es kommt die Stunde, wo auch diese nicht mehr angenommen werden, wo Menschen mit ihrem klaren und gesunden Verstand anfangen zu überlegen und diese Irrtümer aufdecken. Und was bedeutet es, wenn immer weniger Menschen in diese Kirchen gehen und diese Macht und diese Gewalt unterstützen? Dann wird eben diese Macht infrage gestellt und schwindet. Doch dazu braucht es seine Zeit.

Noch sind es keine zweitausend Jahre, seit Christus geboren wurde. Und was steht dieser Menschheit noch bevor, bis alles vergeistigt und [der Heilsplan] erfüllt ist? Milliarden von Jahren. Es wird euch vielleicht erstaunen, wenn ich sage: Was zählen denn zweitausend Jahre angesichts der Milliarden? Sie zählen ja gar nicht. Aber da es doch im Heilsplan Gottes einer Erfüllung entgegengehen muss, muss auch der Weg zur Wahrheit geebnet werden. Und dieses geht nicht von heute auf morgen. Es werden noch Kämpfe ausgefochten werden. Gott hat dem Christenmenschen auch eine grosse Prüfung auferlegt: Er muss im Erdenleben, fern von Gott, entscheiden, ob er die Kraft hat, zu ihm zu stehen, an ihn zu glauben, oder ob er im Unglauben leben will.

Für einen jeden Menschen muss einmal die Zeit kommen, da er die Kraft aufbringt, sich zu Gott zu bekennen, an ihn und an eine Ewigkeit, an ein ewiges Leben, zu glauben. Wie manchen Menschen würde dieser Glaube doch glücklich machen; mancher Mensch bekäme Trost in den schweren Stunden, die er durchsteht, wenn er eines seiner Lieben verloren hat. Wie würde er in seinem Herzen und seiner Seele frohlocken, wenn er wüsste, dass seine ihm vorangegangenen Lieben nur auf ihn warten und dass er selbst die schönsten Vorbereitungen treffen kann und in der grössten Freude auf diese zukünftige, herrliche Welt leben darf, wenn er in seinem Leben den Glauben an Gott hatte. Denn diese herrliche Welt wartet darauf, ihre Tore aufzutun, um die Gläubigen aufzunehmen. Wie manchen Menschen würde es doch beglücken, zu wissen, dass es ein Himmelreich gibt, das herrlich ist, ein Himmelreich voll der Seligkeit für jene, die Gottes Gebote geachtet haben.

So ist es; der Himmel will seine Tore auftun, und er will jeden aufnehmen. Und keines soll auf dieser Erde traurig sein, wenn es sieht, dass die Stunde seines Ablebens naht. Für was denn? In einer Welt der Vergänglichkeit hat man gelebt. Vielleicht hat man etwas Gutes getan; und das Gute, das man getan hat, soll hoch bezahlt werden, sofern man es nicht mit einer bestimmten Absicht, aus Berechnung, getan hat. Wer für Gott gelebt hat, wahrlich für Gott und seine Gerechtigkeit, der soll sich darüber nur freuen, in das Himmelreich eingehen, zurückkehren zu dürfen. Er soll sich freuen, zu wissen, dass seine Angehörigen schon ihren Platz in der göttlichen Welt eingenommen haben und die Vorbereitungen treffen für seine Heimkehr. Er soll sich freuen, zu wissen, dass diese Angehörigen die Tafel decken und sie bereit ist, wenn er zurückkommt, dass er gestärkt wird und aufgeklärt wird über diese vielen Dinge, über die man auf Erden in Unwissenheit geblieben ist.

Für keinen Menschen kann es jemals zu spät sein, diese Wahrheit aufzunehmen und zu erfassen. Und wenn es dem einen oder andern schwerfällt, dann sage ich: Nimm nur die Bibel zur Hand, und lies im Neuen oder auch im Alten Testament; es sind [trotz der Verfälschungen durch Menschenhand] noch viele Wahrheiten darin enthalten. Und dann vergleiche einmal die Worte, die ich jetzt gesprochen habe, mit den Worten, die du in der Bibel lesen kannst über den Geist der Wahrheit und über den bösen Geist, der durch Christus ausgetrieben wurde, und von den Geistern, die Besitz nahmen von einem Menschen und ihn irreführten. Ja, das soll man einmal lesen und überlegen, und sich dann selbst eine Antwort geben.

Ich fragte vorhin, warum man denn in der christlichen Kirche die Lehre von der Wiedergeburt ausgemerzt hat. Das Wiedergeborenwerden scheint für manchen Menschen etwas Unmögliches zu sein. Es ist aber nur für jene unmöglich, die sich von einem Geist keine Vorstellung machen können. Warum erklärt man es denn in der christlichen Lehre nicht, was ein Geist ist? Wenn ein Mensch gestorben ist, dann ist sein Geist aus ihm geschieden; der irdische Körper ist tot, der Geist ist aus ihm entflohen. Denn es ist doch der Geist, der den Menschen lebendig gemacht hat – wer könnte es denn anders sein?

Betrachtet einmal den Organismus des Menschen: Er ist doch wie eine Maschine – alles muss in Funktion sein. Das wisst ihr selber ganz genau. Wenn irgendeines eurer Organe erkrankt ist, dann ist der ganze Mensch krank. Alles muss gesund und in Funktion sein, damit der Geist in seiner ganzen Kraft wirken kann. Gott hat es aber so bestimmt, dass mit dem Altern des Menschen seine Organe nicht mehr so funktionstüchtig und kräftig sind und es einen allmählichen Abbau gibt. Dieses ist ganz natürlich – ihr habt doch in der heutigen Zeit anhand eurer technischen Einrichtungen viele Vergleichsmöglichkeiten dazu; [jene unterliegen auch einem Alterungsprozess] und mit einem Körper ist es genauso. Aber warum sollte man darüber traurig sein? Traurig ist man, wenn man die Wirklichkeit nicht kennt, wenn man nicht erkennt, dass man in sich den lebendigen Geist hat, das wahre Ich, die wahre Persönlichkeit.

Wenn einer von sich selbst spricht und sagt: “Ich bin es”, wer sagt denn: “Ich bin es”? Es ist das Lebendige in ihm, der Geist, der dieses Ich in Anspruch nehmen darf. Denn dieses Ich überwindet den irdischen Tod. Es ist der Geist, der dem irdischen Körper entflieht und aufsteigt, so wie es in der Schrift heisst: “Gesät wird in Vergänglichkeit, auferstehen wird aber das, was unvergänglich ist” (1. Kor. 15, 42–44). Vergänglich ist nur der Leib, und der Geist wird wiederauferstehen. Er wird dahin zurückkehren, wo er hingehört: zu Gott, in die Ewigkeit hinein. Und er wird mit andern in der Gemeinschaft der heiligen Geister leben, je nach seinen Verdiensten im menschlichen Leben – oder je nach seinem Verschulden. Von daher kann man auch die Worte verstehen, die Christus gesagt hat: “Wer die Sünde wider den Geist begangen hat, muss seine Schuld bis zum letzten Heller abbezahlen” (vgl. Mat. 5, 26). Wie ist denn das zu verstehen?

Was man einem Mitmenschen an Schaden zugefügt hat, wird nicht vergeben, sondern es muss wiedergutgemacht werden, sei es noch in diesem Leben oder im künftigen Leben. Durch Gottes Weisheit gibt es also die Möglichkeit, wieder als Mensch auf dieser Erde einverleibt zu werden, um von Neuem die Prüfung auf sich zu nehmen und zu beweisen, dass man ein Kind Gottes ist; dass man nicht nur dem Worte nach dem christlichen Reiche angehört, sondern dass man auch innerlich, mit ganzer Überzeugung, mit der ganzen Kraft des Geistes in das Reich Christi hineingehört.

Und so wird eben jedem immer wieder die Möglichkeit gegeben, sich in einem neuen Erdenleben zu verbessern. Was sollte denn sonst mit einem geschehen, wenn er so schwer belastet durch diese Welt geht und so verschuldet ist? Glaubt man vielleicht, Gott würde ein Geschöpf erschaffen, um es dann auf ewige Zeiten zu verdammen? Das wäre doch kein Gott der Liebe. Sondern ein Gott der Liebe schafft für ein jedes die Möglichkeit, sich wieder zu verbessern und von Neuem anzufangen, um aufzusteigen und den Weg zurück ins Vaterhaus zu finden. Es gibt also auch für schwer belastete Verstorbene keine Hölle in dem Sinne, wie es einst von den Kirchenlehrern dargestellt wurde. Heute werden jene Vorstellungen zwar etwas abgeschwächt, aber einst, in den harten Zeiten christlicher Glaubenslehre, wurde die Hölle wirklich als ein richtiges Feuerwerk Satans dargestellt. Anders ist es in vielen Dingen, als es in jener christlichen Lehre verkündet wird. Darum ist es gut, wenn man anfängt umzudenken und zu überlegen, um einzusehen, auf welchen Wegen man bis anhin gegangen ist.

Nun, liebe Geschwister, wenn ich sage, Gott ist die Güte und die Liebe, so gilt dies auch für Christus. Denn Christus und Gott sind eins in ihren Tugenden. Sie beide sind interessiert daran, dass sich die Geschöpfe Gottes vervollkommnen. Durch die Menschwerdung sollen sie von einem Leben zum andern immer einen weiteren Schritt aufwärtssteigen, um so das Verlorene wieder in Besitz nehmen zu können, um wieder zurückzukehren zu Gott, zum Vater der Liebe und der Güte – dorthin, wo man Trost empfängt, wo derjenige getröstet wird, der im Leben durch viele Erniedrigungen gehen musste. Dort, in jenem Himmelreich, wird Gerechtigkeit erhalten, wer in seinem Leben so viel Unrecht erleiden musste und erniedrigt wurde; im Himmelreich wird er erhöht werden. Dieses ist die wahre christliche Lehre. Sie bedeutet Liebe, Verständnis, Wohlwollen, Güte. Und zwar herrscht dies in den geistigen Gesetzen; sie sind durchflutet von der grossen, wahren Liebe.

So sollten doch die Menschen wenigstens einen geringen Teil davon auf sich nehmen und versuchen, in dieser Weise zu wirken, göttliches Denken sich aneignen, erhabenes Denken sich angewöhnen, edlen Sinnes sein in jeder Beziehung. Ich möchte es aber deutlich sagen: Erhabenheit, edles Sinnen soll man nicht nur vom Mitmenschen verlangen und es bei ihm als eine Selbstverständlichkeit betrachten. Selbstverständlich soll es sein, dass man selbst erhabenes Denken pflegt und göttlichen Sinnes ist. Man soll zuerst bei sich selbst versuchen, Ordnung zu schaffen, ehe man sich dem Nächsten zuwendet, um es von ihm zu verlangen. Auf diese Weise lebt man nach Gottes Willen und nach seiner Gefälligkeit.

So, liebe Geschwister, habe ich heute genug gesprochen. Ich habe euch zwar wenig gesagt, aber doch so viel, dass man darüber lange Zeit nachdenken kann. Und eines möchte ich noch einmal betonen: Seid fröhlichen Herzens, seid froh in eurer Seele, zu wissen, dass es ein ewiges Leben gibt und dass jene, die euch vorangegangen sind, auf euch warten und für euch die Vorbereitungen treffen für eine glückliche, selige Heimkehr.

Das soll für diesen und jenen ein Trost sein. Denn das ist die Sprache des Himmels. So freut man sich im Himmel über jedes, das heimkommt, so wie ihr euch freut, wenn ein Familienmitglied, das lange Zeit weit in der Ferne war, wieder zurückkommt. Auch bei euch trifft man die Vorbereitungen zum Empfang und freut sich auf ein Wiedersehen. Um wie viel grösser und liebevoller gestaltet sich das Wiedersehen in der Ewigkeit!

So möge Gott euch die Kraft des Glaubens geben, möge Gott euch euren Weg beleuchten; möget ihr gesegnet werden an Leib und Seele. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 10.10.1970 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Im lebendigen Glauben liegt die Freiheit und in der Freiheit die Sicherheit

Josef, 13. November 1954

Im lebendigen Glauben liegt die Freiheit und in der Freiheit die Sicherheit

Damit ein Mensch stark werden kann im Glauben, muss ihm der Weg geebnet sein, durch eigenes Denken und Erleben zu höheren Erkenntnissen über die Schöpfung und die Gesetze Gottes zu gelangen. Es sind diese Erkenntnisse, die den Glauben lebendig machen und den Menschen dem Lichte Gottes näherführen.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, im lebendigen Glauben ist die Freiheit, und in dieser Freiheit sollt ihr leben.

Es gibt Menschen, die sich berufen fühlen, das Wort Gottes zu verkünden. Es ist aber falsch, wenn sie ihre Mitmenschen zwingen wollen zum Glauben an das, was sie für das Richtige halten. Wer nämlich das Wort Gottes unter den Mitmenschen verbreiten will, der muss den Glauben lebendiger Art verkünden können; er muss Wege ebnen, dass der Einzelne durch eigenes Erleben selbst zur Erkenntnis gelangt und dass sein Glaube gestärkt und er dann ein treuer Diener Gottes wird. Der Glaube muss lebendig werden, damit er wirksam ist. Wie vielen Menschen wird doch von ihren Religionen und Kirchen sogar nicht einmal gestattet, über den tieferen Sinn so mancher Dinge nachzudenken, sondern von ihnen wird blinder Glaube gefordert. Wahre Gesandte und Verkünder Gottes wissen den Menschen anders zu begegnen; denn auf dem Wege der Erkenntnis muss der Einzelne stark werden im Glauben, und so darf niemals und in keiner Weise ein Zwang ausgeübt werden auf die Mitmenschen.

Ihr wisst selbst, meine lieben Freunde, dass es nicht darauf ankommt, wie viel der Mensch betet, sondern wie er betet. Und es ist der göttlichen Welt nicht zur Freude, wenn ein Mensch bei jeder Gelegenheit Bibelsprüche hersagt; sondern es ist notwendig, dass er der Umwelt ein gutes Beispiel ist durch sein edles Wirken und Leben, dass er als Licht in diesem Erdenreiche wandert, sodass die andern auf ihn aufmerksam werden und erkennen, woher dieser gute und edle Mensch seine Kraft nimmt für das Leben.

Von der göttlichen Welt aus beobachten wir wohl, wie auch in den vielen Religionen und Kirchen das Gute gefördert wird und sich da und dort zu entfalten vermag. Aber dieses Gute allein genügt nicht für einen wahrhaft lebendigen Glauben. Denn wie viele Menschen sind nicht zufrieden mit dem, was ihnen ihre Kirche bietet; sie suchen selber weiterzukommen, indem sie ihr eigenes Denken pflegen. Und es ist gut, dass es so viele suchende Menschen gibt, die durch ihr Nachforschen selbst zur Erkenntnis gelangt sind, dass man der göttlichen Welt nähertreten und man mehr erreichen kann, dass aber dafür Bedingungen erfüllt werden müssen.

Der grosse Fehler ist doch, dass den Menschen die göttlichen Gesetze nicht erklärt werden. So können diejenigen, die selbst nicht fähig sind nachzudenken, für vieles keine Erklärung finden. So bleibt ihnen nur der Wunsch, ein christliches Leben zu führen; sie strengen sich aber in den Tugenden nicht besonders an. Sie betrachten das als ihre Pflicht, immer in ihre Kirche zu gehen, und glauben, dass dies zu einem Gott gefälligen Leben genüge. Aber auf diese Weise wird der Glaube nicht lebendig beim Einzelnen. Und daher kommt es, dass mit der Zeit so viele Menschen von ihren Kirchen fernbleiben, vergessen zu beten und Gott überhaupt vergessen, weil sie nichts an diesen Glauben fesselt. Wie notwendig ist es doch, dass in erster Linie das erklärt wird, was dem Einzelnen die Möglichkeit schafft, dass er sich in einen solchen lebendigen Glauben begeben kann.

Wie traurig und trostlos muss es sein für jene Hinterbliebenen, die nicht daran glauben, dass das Leben ihres dahingegangenen Lieben nach dem Tode weitergeht, die nun einfach trauern um den grossen Verlust. Wie schmerzhaft muss doch der Verlust für jene sein, die in der Ungewissheit leben, ob es eine Wiedervereinigung und ein Wiedersehen gibt. Wie viel trostreicher und heilsamer ist es dagegen für diejenigen Menschen, die in der Überzeugung leben, dass es nach dem Abtreten von diesem Erdenreich ein Sich-Wiederfinden gibt in grosser Liebe. Nun kann ich solches wohl jenen Menschen sagen, die in der Ungewissheit leben; sie vermögen dazu aber nur zu lächeln, denn ihr Glaube ist ja nicht stark genug, sie sehen ja keine Beweise.

Oh, liebe Freunde, wenn sich Menschen schon zu Verkündern vom Wort Gottes berufen fühlen, so ist es ihre Pflicht, den Menschen den Weg zu ebnen, sie an die Quellen der Erkenntnis und Weisheit zu führen, damit sie selber zur Erkenntnis gelangen können. Der Mensch soll eigene Erlebnisse haben, denn das will die Gotteswelt, weil sein Glaube dadurch gefestigt wird.

Nun, wie ihr im Erdenreich in vielen Dingen eine Ordnung habt, so besteht auch in der Haushaltung Gottes eine Ordnung – sie ist die wunderbarste, genaueste Ordnung. Über alles, was dort in wunderbarer Weise aufgebaut ist, können den Menschen Erklärungen gegeben werden. Der Mensch kann zu den Quellen der Erkenntnis geführt werden; mithilfe der himmlischen Boten wird er eigene geistige Erlebnisse haben. Denn immer wieder muss man den Menschen aufs Neue die göttlichen Gesetze erklären. Sie möchten doch wissen, warum dieses und jenes so ist, das ihnen so unmöglich erscheint. Und doch ist es da, zum Bewundern – und dennoch findet es keine Bewunderung.

Wenn ein kleines Menschenkind in dieses Erdenreich gebracht wird und es in den ersten Sekunden kein Lebenszeichen von sich gibt, werden helfende Hände alles tun, um das Leben herbeizurufen, auf dass es eindringe in dieses kleine Körperchen. Ist dann dieses Leben eingekehrt, gibt das kleine Menschlein mit Schreien sein Dasein kund. Ist das nicht zum Nachdenken? Woher kommt dieses Leben?

Und wenn ihr an der Bahre eines eurer Lieben steht – wo ist das, was einst lebendig war, was einst so sehr betonte: “Ich will! Ich bin! Ich wünsche!”? Dieses Ich ist nicht mehr in dem irdischen Körper. Wohin mag dieses Ich entschwunden sein? Der Geist ist ausgezogen, zurückgelassen wird nur das irdische Kleid, das Vergängliche; das, was diesen Körper einst lebendig machte, ist entflohen. Da und dort gibt es Menschen, die erleben durften, wie eines ihrer Lieben sich ihnen bekundete, und sie hörten die Stimme des Vaters oder der Mutter sprechen: “Ich bin es.” Dieses “Ich bin” meldete sich also. Du, lieber Freund, siehst es nicht mit deinen Augen, du hörst nur die Stimme, du fühlst nur die Nähe deines Lieben. Ja, wohin ist denn diese Persönlichkeit gegangen?

Liebe Freunde, vorhin erwähnte ich, wie wunderbar die Ordnung ist im göttlichen Reiche. Dort sind der Himmel so viele, und die Vergeltung kommt zu jedem. Was im Erdenreiche gesät wurde, erntet ein jedes selbst. So ist die göttliche Welt in entsprechend viele Stufen eingeteilt. Und wer nur gesündigt hat in seinem Leben, wer niemals vom Verlangen durchdrungen war, die Nähe Gottes zu erfühlen, der wird auch niemals vom göttlichen Lichte umgeben sein. Der Entzug des göttlichen Lichtes beraubt aber den Geist seiner Freude. Denn das göttliche Licht ist in all diesen Sphären abgestuft. So gibt es in den unteren Stufen nur einen Dämmerzustand, dann wird es mit jeder Stufe heller, immer helleres Licht herrscht vor, und so gibt es ein Heller-und-heller-Werden bis zum grellsten Schein. Der Entzug von Licht beraubt die Wesenheiten des Glücks und der Freuden; sie bewohnen eine Welt von unschönen Gebilden, denn nur im Lichte befinden sich jene Substanzen und Kräfte für die schönen Formen. Je nach dem vorhandenen Licht vermögen diese Kräfte Schöneres zu bewirken. Im höchsten, blendenden Lichte sind diese Kräfte so enorm, so stark, dass nur Formen in wunderbarer Pracht geschaffen werden.

Da ich von Formen spreche – ihr in eurer Welt verfügt über so vielerlei Dinge, Gegenstände, die ihr für unentbehrlich oder für euch notwendig haltet, und andere wiederum, die euch nur Freude bereiten. So sind auch im göttlichen Reiche die verschiedensten Gegenstände zu finden und alles, was man sich denken kann, bis zum Herrlichsten und Edelsten, seien es Pflanzen, Blumen, Tiere, Seen, Flüsse, herrliche Gebäude. Ja, es mag euch verwundern, wenn ich sage, dass es zum Beispiel sogar goldene Wagen gibt, die von den schönsten und edelsten Pferden gezogen werden, dass es wunderschöne Schiffe gibt, die sich in diesen Wassern der göttlichen Welt bewegen, lauter Dinge in grosser Pracht. Wie so oft habe ich euch gesagt, dass all diese Dinge, die ihr in diesem Erdenreich besitzt, in der göttlichen Welt in ihrer reinsten Form gestaltet sind, dass all das, was ihr besitzt, nur ein Schatten ist von dem, was in der göttlichen Welt in geistiger Weise besteht. Meine lieben Freunde, solches mag für viele unter euch noch nicht verständlich sein. Ich erinnere euch aber daran, dass in jeder Religion von der göttlichen Herrlichkeit gesprochen wird. Wie könntet ihr euch eine göttliche Herrlichkeit vorstellen ohne Formen irgendwelcher Art? Wie könnte das Leben in der göttlichen Welt selig geheissen werden ohne all diese herrlichen Gestaltungen? Denn sie alle verschönern das Haus Gottes und das Leben dieser seligen Wesenheiten; denn je stärker das Licht wird, desto schöner und herrlicher die Gestaltung, umso edler die Formen; je schöner das Licht und die Farben, desto mehr Seligkeit, und umso näher bei Gott sind diese Wesen. So muss der Mensch wissen, dass ein jeder einst in der geistigen Welt das vorfinden wird an Herrlichkeit oder an Düsterheit, was er sich durch sein Erdenleben verdient hat – so wie ihr durch euren Fleiss auch viel Geld zusammenbringen könnt, womit ihr euch viele Bequemlichkeiten leisten könnt. In der göttlichen Welt aber gibt es kein Geld, nichts kann auf diese Weise erkauft werden. Die himmlischen Herrlichkeiten können nur mit der Liebe erkauft werden, die der Mensch im Erdenleben gegeben hat; wenn er auf dem Wege der Erkenntnis Gott nähergekommen ist, wenn er erkannt hat, wie wichtig es ist, dass man alles Schöne und Edle, das in einer jeden Seele verborgen liegt, zur Entfaltung bringen muss. Denn das ist das geistige Gut, nach dem einst gefragt wird, und mit diesem Geistesgut kann der Einzelne sich die himmlischen Schönheiten gewinnen.

Meine lieben Freunde, uns Geistwesen geht es darum, den Menschen Gott näherzuführen, ihm die göttlichen Gesetze so gut wie nur möglich zu erklären, ihn zum Quell der Erkenntnis zu führen und zum Quell der Weisheit. Denn der Mensch muss auch wissen, dass eine grosse Bedingung dafür die Dankbarkeit gegenüber Gott ist. Diese Dankbarkeit wird noch gefördert, wenn er die Schöpfung Gottes bewundern kann, wenn er anfängt, sich zu fragen, warum dieses und jenes so geschaffen ist, wenn er für ein Tier Bewunderung finden kann und wenn er beim Anblick eines toten Tieres sich fragt: “Warum ist diese Lebendigkeit aus dem Tier gewichen?” Weil der Träger des Lebens entwichen, das Blut [es ist der Leiter des Odes im Körper] geronnen ist. “Und wenn alles nur der Vergänglichkeit angehört, wo ist denn das, was dieses Wesen lebendig machte? Wo ist nun diese Lebendigkeit?” Wenn der Mensch so anfängt, sich zu fragen und über so vieles nachzusinnen, dann wird seine Bewunderung über das wunderbare Werk, die Schöpfung Gottes, immer grösser. Ja, wenn er nur ein Blatt von einem Strauch oder Baum nimmt und sieht, wie es welkt, dass es aber eingestellt ins Wasser länger frisch erhalten bleibt – was mag da für eine Kraft in diesem Wasser sein, die die Pflanzen in ihrer Frische erhält? Und wohin mag diese Kraft entschwinden, die jedes Blättchen belebt? Betrachtet nur einmal die Lebendigkeit einer Blume, und denkt darüber nach, wenn sie dürr und welk vor euch steht: “Wo ist ihre Pracht? Wo ist die Pracht hingeströmt, die diese Blume so lebendig und schön gestaltete?” Wer so bewundern lernt, der wird auch auf diesem Wege Gott näherkommen. Dies sind die ersten Schritte, die man tun muss.

So vieles ist dem Menschen gegeben zu erforschen, so vieles, was ihn erfreut. Und wie wenig Menschen finden Worte der Bewunderung für all das Herrliche. Sie fragen immer nach Beweisen, die ihnen doch jeden Tag und jede Stunde gegeben sind. Der Mensch muss immer darauf aufmerksam gemacht und zu diesen göttlichen Quellen geführt werden. Er muss erfassen können, was lebendig macht. Er muss Bewunderung finden für Gott und sein Werk. Dann wird er in ein ganz anderes Verhältnis zu Gott kommen, wenn er in grosser Ehrfurcht von ihm spricht. Er wird sich ihm gegenüber auch verpflichtet fühlen und erkennen, dass er ihm dankbar sein muss. Auch wird er sich so klein in dieser wunderbaren Schöpfung vorkommen und einsehen, wie notwendig es ist, dass er die göttlichen Gesetze erfüllt. Dann erkennt er, dass er zuerst nach dem Reiche Gottes trachten muss; dann versteht er, dass er seinen Nächsten zu lieben hat; dann weiss er, dass er die Treue üben muss und wie er den Frieden zu erhalten vermag. Er wird gestrenger werden mit sich selbst, und dann wird er auch Gott gefälliger sein. So wird dann das Band enger geschlungen um ihn von den göttlichen Wesen, den Gesandten Gottes, die den Menschen Trost und Hilfe bringen in der Zeit ihrer Not, die sie zu diesen göttlichen Quellen führen, wo sie Erkenntnisse und Weisheit erlangen.

So sollen die Bedingungen geschaffen werden zu diesem göttlichen Erleben und Einfühlen in das Göttliche. Wer sich darum bemüht, der wird von seinen Mitmenschen geachtet und geschätzt, und wer auf diesem Wege die Verbindung immer zu pflegen weiss und erkennt, dass man die himmlischen Boten ganz in seine Nähe bringen kann, der weiss auch in Zeiten der Not, wo von den Menschen nicht immer Trost und Hilfe erwartet werden kann, dass ihm von diesen Gesandten Gottes beides zuteilwird. Denn sie haben euch, liebe Freunde, begleitet in dieses Erdenreich, und sie sind es auch, die euch einst wieder abholen werden. Sie werden euch dann in diese Welt führen, die ihr euch selbst geschaffen habt. Darum ist es so wichtig und notwendig, dass der Glaube an Gott lebendig ist. Denn in dieser Lebendigkeit liegt eine grossmächtige Freiheit, und diese Freiheit bedeutet auch Sicherheit im Leben. So kann der Einzelne zu diesen Quellen vordringen und dort von all diesen göttlichen Kräften aufnehmen, die für sein Leben so notwendig sind.

Derjenige, der da glaubt, geistig schon weit vorangekommen zu sein, kann ja um eine besondere geistige Führung bitten, vielleicht um etwas zu erreichen, wofür er sich besonders befähigt glaubt. Er kann seine Fähigkeiten entwickeln durch die Mithilfe dieser Gesandten Gottes. Denn sie erkennen die Möglichkeiten des Menschen in seinem Wirken. Sie sind es, die all das Schöne und Edle in der Seele des Einzelnen hervorzubringen vermögen. Sie sind auch immer die Warnenden und Mahnenden im Leben des Menschen. Der Mensch kann es so einrichten, dass er jede Warnung zu hören bekommt, dass er alles versteht, was die göttliche Welt ihm mitteilt. Dazu aber muss jeder die Bedingung selbst erfüllen. Es darf kein geistiger Hochmut sein, dass der eine glaubt, wie hoch er schon stehe, wie viel Wissen er besitze, wo er in Wirklichkeit doch nur so wenig weiss und noch so klein ist. Denn nur derjenige, der erkennt, wie klein er ist und wie wenig er weiss, der wird geistig gehoben, der schafft im Leben die Voraussetzungen zu einem geistigen Erleben, als Belohnung für seine Bescheidenheit. Und dies geschieht in jenen Stunden des Schlafes. Ja wo ist denn dann diese Lebendigkeit? Entfernt hat sich diese Lebendigkeit vom Körper während dieser Zeit, aber verbunden ist sie noch mit eurem Leib. Und so vermag euer Ich schon zu Lebzeiten zu ernten.

So, liebe Freunde, wisst ihr, wie ihr zu leben habt, um dem göttlichen Lichte zu begegnen, um euch selbst in ein solches Licht zu hüllen. So sollt ihr diese Bedingungen schaffen. Ihr sollt edle und gute Menschen werden und euch immer wieder fragen: “Was kann ich an mir noch verbessern?” Denn je grösser der Eifer des Menschen im Guten, umso grösser die einströmende Kraft in ihn, dass er das auch erreichen kann, was er sich zum Ziel gesetzt hat. Deshalb, liebe Freunde, versuchen wir immer wieder, zuerst von den göttlichen Gesetzen zu erklären, damit euch vieles besser verständlich wird. Und dann, durch eigene Erlebnisse werdet ihr im Glauben gestärkt; denn dadurch befreit ihr euch von der Schwere, von dieser Mauer um euch, die ihr durch eure Gedanken selbst errichtet habt. Durch freies, edles Denken werdet ihr frei im wahren Sinne des Wortes, und ihr schafft die Bedingungen dafür, dass die überall hinströmenden Kräfte auch durch euren Körper dringen.

So sollt ihr alle von dieser Gotteskraft aufnehmen. Denn der lebendige Glaube an Gott macht euch gesund an Leib und Seele. Versucht nur immer, eure Gedanken im göttlichen Sinne zu pflegen und alles mit reinem Auge zu betrachten. Bewundert das herrliche Schöpfungswerk, gebt Lob, Preis und Dank dem himmlischen Vater. So fliesst euch der Segen Gottes zu; er fliesst euch in eure Hände, er fliesst in euer Haus hinein. Und es kommt die Stunde, wo ihr ihn erfühlt, diesen Segen Gottes.

Nun gehet hin in Frieden. Lebt als glückliche, frohe und freie Menschen, und pflegt eure Gedanken im göttlichen Sinne. Der Segen Gottes sei mit jedem Einzelnen hier. Er begleite euch durch euer Leben. Er stärke euch, und der Segen des Heils durchdringe euch alle hier. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 13.11.1954 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Der Glaube ist ein goldenes Stück Freiheit

Lene, 17. Juni 1959 (Ausschnitt)

Der Glaube ist ein goldenes Stück Freiheit

Glaube kann dem Menschen nicht mit Zwang auferlegt werden. Der Wunsch und der Drang zum Glauben muss aus seinem Innersten kommen.

Lene: Gott zum Gruss. Liebe Geschwister, von einer Meditationsstunde erwartet ihr Kraft, Erbauung, Erleuchtung, Gesundung. Ihr wünscht, euch Gott zu nähern, um von ihm, von seiner Kraft und seinem Segen, aufnehmen zu können. Ihr wünscht euch die göttliche Zuneigung. Dies könnt ihr erhalten, wenn ihr erfüllt, was im heiligen, göttlichen Willen liegt. Je mehr ihr versucht, in der Gesinnung dem Göttlichen ähnlich zu werden, umso besser und enger wird die Annäherung jener Welt, mit der ihr wünscht, in Verbindung zu treten. Man kann auf vielerlei Arten meditieren; man kann über Sinnvolles, Sinnreiches meditieren, aber auch über sinnlose Angelegenheiten. Wir wollen aber nur vom Sinnvollen und Sinnreichen sprechen und euch in den Stunden, die euch hier geboten werden, wirklich den wertvollen Weg zeigen, damit ihr glücklich werdet in eurer Welt und eure Aufgaben besser erfüllt. Ein zufriedener Mensch erfüllt seine Lebensaufgaben besser.

Ihr wurdet schon über die wunderbaren Heils- und Segensströme unterrichtet, die vom Hause Gottes aus ausfliessen ins Diesseits und ins Jenseits. Man kann sich in der Meditationsstunde einer ganz besonderen Segenskraft, Segensströmung anschliessen. Die Voraussetzung dafür, aus der Meditation einen Gewinn zu holen, besteht für ein jedes Menschenkind darin, sich so gut wie nur möglich vom Körper zu lösen, alle Gedanken an geschäftliche Dinge oder an unnütze Angelegenheiten wegzulassen. Man muss sich sagen:

“Ich will nur über das sinnvolle und sinnreiche Leben nachdenken – ich will!”

Man soll um diese göttliche Führung bitten. Wie ich anfangs erwähnt habe, muss die Gesinnung des Menschen so sein, dass er sein Verlangen nach der göttlichen Welt hat und er sich bewusst ist, dass auch er seinerseits etwas erfüllen muss, damit ihm diese Annäherungen und Zuneigungen zugutekommen.

Denkt nun:

“Ich will mich lösen, ich will frei werden.”

Dann versucht diese wunderbaren Heilsströme zu erfassen. Wir möchten in erster Linie von drei Strömungen sprechen: Es sind drei besondere Lichter, die die ganze Schöpfung erhellen; sie haben nicht für einen einzelnen Menschen eine Bedeutung, sondern sie sind für alle bedeutungsvoll. Über sie wird viel geredet – es sind Glaube, Hoffnung, Liebe (1. Kor. 13, 13).

Nicht ein jeder kann glauben. Er will glauben und festhalten, was ihm vernünftig scheint, wofür er eine Erklärung findet. Glaube ist etwas, was nicht mit Zwang den Menschen auferlegt werden kann. Glaube ist ein goldenes Stück Freiheit; von sich aus zu glauben, von seinem Innersten gezwungen zu werden, anzunehmen, zu bejahen, ohne den Intellekt anzuspornen – dieser Glaube ist goldene Freiheit. Wer nicht glauben kann, kann niemals die göttliche Zuneigung erleben.

Was verstehen wir Geister Gottes unter Glauben? Wir erklären: Ihr sollt euren Verstand zu Hilfe nehmen. Glaube an Gott, den Schöpfer von Himmel und Erde. Dies steht in den Geboten Gottes. Glaube! “Ich will glauben”, muss man in der Meditationsstunde sprechen.

“Ich will glauben, und ich bitte um Erleuchtung.”

Von der Meditation erwartet man Erleuchtung, Kraft, Einsicht, Gesundung. Also mache den ersten Schritt. Es ist nicht getan mit dem “Ich glaube an Gott” und dabei alles andere auszuschliessen, keine persönliche Verbindung zum andern, zur Schöpfung Gottes, zum Erlöser zu finden. Ich möchte nicht darüber sprechen, dass es Menschen gibt, die glauben, fromm zu sein, wenn sie behaupten: “Für mich ist Gott an erster Stelle; ich brauche Christus nicht.” Diese Menschen können nicht die volle Zuneigung von der göttlichen Welt erhalten; weiss man doch, welche Bedingungen man erfüllen muss, um einst recht tief in das Reich des Herrn einzugehen. Ist man unsicher über den Glauben, dann ist die Meditation das einzig Richtige. Bitte:

“Herr, stärke mich im Glauben, lass mich glauben; erleuchte mich, lass mich eintreten in Dein Reich, um Deine Schöpfung zu erfassen.”

Danach frage jeder, entsprechend seinem Verlangen, und bitte um Erleuchtung und gelegentliche Antwort. Erwarte die Antwort nicht in derselben Stunde. Zeige dich bescheiden und demutsvoll, neige dich vor dem Schöpfer, dem Herrn. Lass es ihm anbefohlen sein, die Antwort zu geben. Ein überheblicher Mensch wird die Antwort nie hören.

Glaube an die heilige Geisteswelt, an ihre Hilfsbereitschaft allerseits, an ihre Duldsamkeit. Glaube an den König der Geisterwelt, an sein Herrscherrecht und daran, dass niemand zum Vater kommt ausser durch ihn (Joh. 14, 6).

An Christus muss der Mensch vorübergehen. Er, der König, ist bereits an seinen Untertanen vorübergegangen. Glaube an ihn, den Erlöser, an sein Werk. Suche in der Meditation Kraft zu empfangen, die Verbindung enger zu knüpfen, in ein engeres Verhältnis zu kommen mit der ganzen Schöpfung Gottes. Daraus erwächst aus dem Herzen des Menschen die Dankbarkeit, und er schöpft Kraft, die er fürs Leben braucht, empfängt Erkenntnis und kann körperlich gesunden. Er muss sich in seinem Glauben unterwerfen. Der Glaube hilft ihm, sein Schicksal zu bejahen, an Gottes Gerechtigkeit zu glauben und daran, dass es recht ist, was er als Mensch zu tragen hat. Unterwerfung – so vieles ist im Glauben wesentlich.

Bist du nicht auf dem festen Boden des Glaubens, dann versuche deinen Geist in Verbindung zu bringen mit jenen Licht- und Kraftwellen, die über dem Diesseits und dem Jenseits ausströmen. Suche den Weg zu jenen Wesenheiten zu finden, die diese Licht- und Kraftwellen vom Hause Gottes aus überall hinlenken. Suche Anschluss zu finden an die Engel der Glaubenskraft, rufe sie zu dir: “Stärkt mich im Glauben.” Denn ein Engel des Glaubens ist erfüllt von einer ungeheuren Kraft. Bitte ihn, er möge dich begleiten, dich umschliessen. Dann, wenn du auf diese Weise denkst und dich ausrichtest, wirst du viel empfangen dürfen. Vieles ist dir unklar, in vielem bist du unsicher:

“Bin ich auf dem rechten Wege? Werde ich nicht betrogen? Ist es richtig so oder so? Lass mich richtig erkennen, lass mich glauben an die Treue der Menschen, lass mich glauben an ihre Ehrlichkeit, lass mich glauben an ihr Wohlwollen. Stärke mich, bring mich in die Einheit mit Dir, König der Geisteswelt.”

Bedenke, wer du bist, dann hast du Gelegenheit, dir die Ströme und jene Licht- und Kraftwellen zu eigen zu machen, die von den Wesenheiten des Himmels über die ganze Schöpfung gelenkt werden, um sie zu erleuchten und kraftvoll zu gestalten. [...]

Ausschnitt aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 17.6.1959 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Heft 2/2024
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm