Ihr Warenkorb ist noch leer.

Hefte

Die Themenhefte der Zeitschrift «Geistige Welt» können Sie online kostenlos lesen.
Themen
Himmlische Chöre und ihre Aufgabenbereiche – Die Herrschaft des Herrn: Wirken im Dienste der Kirche Gottes – Einblick in die Tätigkeit der Engel der Strafe
Cover der Zeitschrift Geistige Welt, Heft 4/2016 zum Thema Engelschaften – die Gliederung der Engelswelt
Geistige Welt 4/2016
Engelschaften – die Gliederung der Engelswelt
Beschreibung

Die Engel des Himmels sind in Chöre eingeteilt, und sie alle sind auf einem Gebiete grosse Meister. Gott hat seinen Geschöpfen unterschiedliche Talente und Fähigkeiten übertragen; sie erfüllen Aufgaben, die ihrer Wesensart und ihrem Können entsprechen. Der erste Vortrag dieses Themenhefts gibt Auskunft über sechs Chöre des Himmels. Geistlehrerin Lene unterrichtet über die Tätigkeiten der Cherubinen und Seraphinen, der Fürstentümer, der Herrschaften des Herrn, der Erzengel und der Engel, die dem Menschen zu Diensten stehen. Im zweiten Vortrag gibt Geistlehrer Josef einen Einblick in die Organisation des “Hauses Linus”. Dieser grossen geistigen Gemeinschaft gehören auch Geister Gottes an, in deren Aufgabe es liegt, auf Erden die wahre Kirche Gottes zu errichten. Der dritte Vortrag berichtet von einem Besuch bei den Engeln der Strafe. Es wird aufgezeigt, wie diese mächtigen, erhabenen Geister Gottes Hand in Hand mit Vertretern anderer Engelchöre zusammenarbeiten, zum Beispiel mit Engeln der Liebe und der Gnade.

Themenheft 4/2016: Engelschaften – die Gliederung der Engelswelt

Inhalt
Von der Gliederung der Engelswelt

Lene, 27. September 1974 (Ausschnitt)

Von der Gliederung der Engelswelt

In diesem Vortrag anlässlich der Meditationswoche in Flims unterrichtet Geistlehrerin Lene über verschiedene Engelschaften und ihre Aufgabenbereiche. Namentlich spricht sie über folgende sechs Chöre des Himmels: die Fürstentümer, die Herrschaften des Herrn, die Cherubinen und die Seraphinen, die Erzengel und die Engel, die dem Menschen zu Diensten stehen.

Lene: Liebe Geschwister, ich habe auch schon von den Engeln des Himmels gesprochen, die ihre ganz besonderen Aufgaben haben. Ich sprach von Engeln, die ihre Aufgabe bei den Menschen erfüllen, die Nachrichten über das Wohlbefinden, das Leid und das Schicksal des Menschen zu Gott tragen. Diese Engel sind dienende Wesen im Heilsplane Gottes – da bei den Menschen und im Reiche Gottes selbst. Ich sprach schon davon, dass die hohen Geister und die Fürsten des Himmels dienende Wesen oder Diener haben und dass dies durchaus keine Erniedrigung des einzelnen Wesens ist. Denn ich erklärte euch, dass die Schöpfung in allem mit einer solchen Vielfältigkeit, einem solchen Reichtum gestaltet wurde und dass das eine vom andern abhängig gemacht wurde; das eine sollte für das andere da sein. Es war aus Gottes Willen und Wunsch geschehen, und jedes tat seine Arbeit.

In der ersten Zeit lebte man in der himmlischen Welt in einer Glückseligkeit; man kannte den Hass und die Herrschsucht noch nicht und all das, was zu dem führte, was geworden ist [der Geisterfall]. Die Tätigkeiten dieser Geistwesen, ihre Aufgaben und ihre Machtbereiche waren verschieden. Es war eine Hierarchie, und man anerkannte die hohen Fürsten. Keinem der andern fiel es ein, ein solches Fürstentum zu stürzen – nur eben diesem Luzifer. Aber von ihm will ich jetzt nicht im Besonderen sprechen.

Ich möchte vielmehr von den Engeln reden, die den Menschen zu Diensten stehen. Sie sind es, die eure Gebete, eure Wünsche erkennen und beurteilen, ob ihr würdig seid, dass man euch diesen Beistand gibt, und ob euer Gebet aus der Tiefe der Seele kommt. Sie betrachten euch in eurem Leben, ob es euch wirklich ernst ist, mit der höheren, göttlichen Welt eins zu sein. Ich möchte auch sagen: Diese Engel sind eure Wächter – sie sind die Wächter der Seele, sie stehen in eurer Nähe. Sie versuchen, von euch abzuhalten, was eurem Leben und eurer Seele Schaden zufügen könnte – sie versuchen es. Sie sind aber auch die helfenden Geister, sie sind eure Fürbitter; und sie werden um jene flehen und bitten, die in eure Nähe kommen dürfen, denen es in der Jenseitswelt zu einem Bedürfnis wird, in eure Nähe zu kommen, um sich bei euch bemerkbar zu machen, um euch auch Hilfe zu bringen.

Diese Engel Gottes sind es, die der Menschheit ganz besonders nahe stehen und die eben die Wächter eurer Seele sind. Es ist einem jeden Menschen selbst überlassen, den Wächter seiner Seele als Freund zu betrachten, ihn als seinen Freund zu behalten und ihm zu sagen:

“Sei du der treue Wächter meiner Seele, und bewahre mich vor allem Unheil und Missgeschick. Lenke du mich in meinem Leben, richte mein Denken aus nach Gott, und gib mir die Kraft, nach dem Willen Gottes zu leben.”

Man sollte in einem näheren und engeren Verhältnis zum Wächter der Seele stehen, der einem im Leben schützender Geist ist und der so regen Anteil an jedem Einzelnen nimmt. Dieser Wächter der Seele wird auch einst da sein, wenn der grobstoffliche Leib abgelegt wird. Der Schutzgeist wird mit dem geistigen Wesen entfliehen von der Schwere der Erde – hinein in die für euch unsichtbare Welt. Mit ihm tritt er vor jene Engel hin, deren Aufgabe es ist, über den Menschen zu richten; ihn entweder zu loben, zu tadeln oder ihn für eine bestimmte Zeit aus den himmlischen Welten auszusperren, weil er von Gott nichts wissen wollte. Man kann ihn auch für eine längere Zeit in einen tiefen geistigen Schlaf bringen; man kann ihn auf die Erde zurückführen und ihn mehrere Jahrzehnte hindurch irgendwo an einen bestimmten Ort verbannen, ihn an irgendeinen Gegenstand binden. All dies liegt in der Aufgabe der Engelschaften, die im Auftrage ihres Königs ihre Aufgabe in den verschiedensten Gebieten erfüllen. Das sind die Engel, mit denen ihr eigentlich im Geiste am meisten in Berührung oder ins Gespräch kommt. Diese Engelschaften sind euch Menschen zugeteilt – das ist euch ja auch immer wieder erklärt worden. So sind alle geistigen Wesen Gottes eingeteilt worden und einer besonderen Aufgabe zugeteilt. Sie behalten oder erhalten eben ihre besonderen Namen.

Nun gibt es auch geistige Wesen, die sich weniger um die Menschheit bemühen, denn ihre Aufgabe liegt in der unsichtbaren Welt. Es sind die Cherubinen und die Seraphinen; sie sind zusammen in Gottes Nähe und um Christus. Die Seraphinen schmücken dort die göttliche Welt, und die Cherubinen stehen vor dem Throne Gottes. Es ist vielleicht für euch etwas unverständlich und schwer zu begreifen, wenn ich sage, es sind die Cherubinen, die sozusagen auch als Hüter beim Throne Gottes stehen. Sie sind um den Thron Gottes, und man soll nicht glauben, wenn man vom Thron Gottes spricht, Gott hätte nur einen einzigen Thron.

Gott hat doch in seiner Herrlichkeit, in der er lebt, die Möglichkeit, so wie es ihm beliebt, von einem Ort zum andern zu gehen. Es soll einem auch ganz klar sein, dass man dort, wo Gott selbst lebt, von einem Thron redet, denn Gott hat Gestalt. Dies habe ich euch in dieser Woche erklärt und ebenso darzulegen versucht, in welch wunderbarer Art und Weise er wirkt. Gott geht in seinem Reich – im Hause Gottes, wie es von uns genannt wird – von einem Thron zum andern. So bleiben von diesen Cherubinen welche zurück und stehen vor diesen Thronen Gottes. Ihr habt ja keine Vorstellung von der Pracht Gottes, in der er lebt, und wie er lebt, wie er wirkt, wie sein Aussehen ist.

Manchmal ist dies für Menschen unverständlich, und ganz besonders für jene Menschen, die einer besonderen Religion angehören oder die eben auf den falschen Weg geführt wurden. Sie können es nicht fassen, wenn man ihnen sagt, dass es auch im Himmelreich göttliche Wächter gibt und kämpfende Engel, die zu jeder Zeit bereit sind, einzugreifen, falls im weiteren Sinne etwas Ähnliches geschehen sollte, wie es einst geschah. Menschen können solches oft nicht verstehen und glauben, das wäre eine Unmöglichkeit; um es zu verhindern, brauchte es nur Gottes Wort. Nein, es hat einmal stattgefunden, und deshalb soll man nicht glauben, dass dies nun für alle Wesenheiten in den himmlischen Reichen ein Zeichen dafür sei, dass sich solches niemals mehr wiederholen kann. Freilich ist dies alles den Heiligen des Himmels noch so gegenwärtig, wie es geschah. Aber wer weiss es ... Gott hat seinen Wesen den freien Willen gegeben, und er behält sich dieses vor. So sind in den Himmeln eben Fürsten da, die zu jeder Zeit für den Kampf oder für einen Kampf gerüstet sind.

Die Aufgabe der Cherubinen ist es also, die Throne Gottes zu behüten – sie im Reich Gottes, in seiner Herrlichkeit, zu beschützen. Sie werden beschützt und behütet, damit nicht einer, dem es nicht gestattet wäre, in sein Reich, in diese kostbare Herrlichkeit, eindringen kann. Das ist in erster Linie die Aufgabe dieser Cherubinen, und es sind an der Zahl so viele. Sie sind Nachkommen von Fürsten des Himmels, und sie wurden dafür ausgesucht, gewählt. Man hat sie für diese Aufgabe zusammengezogen – sie mit dieser hohen Aufgabe betraut. Sie haben in ähnlicher Weise, so wie ich es schilderte, in den verschiedensten Himmeln die Aufgabe, diese Kostbarkeit oder jene Herrlichkeit in der Weise zu beschützen. Ich könnte auch sagen: Sie stehen zur Ehre Gottes da und halten Wache.

Nun zur Tätigkeit der Seraphinen: Sie sind sozusagen sehr oft mit den Cherubinen tätig, haben aber ihrerseits ganz andere Talente und Aufgaben. In den himmlischen Welten spielt nämlich die Kunst noch eine viel bedeutendere Rolle als unter den Menschen, denn die Kunst des Himmels ist vollkommen – auf welchem Gebiet es auch immer sei. Und die Seraphinen sind es, die sich in erster Linie für diese Kunst, diese Künste interessieren. Sie sind es, die in die Weiten der Himmel hinausgehen, um sich mit andern Geschwistern, die ebendiese Fähigkeiten haben, zu besprechen, um sich mit ihnen auf diesem Gebiet zu betätigen. So gibt es grosse, bedeutende Meister in der Kunst, und zu ihnen zählen eben die Seraphinen, die mit den Cherubinen tätig sind. Die Seraphinen haben diese besondere Begabung und teilen ihr schöpferisches Können mit andern Geistgeschwistern. So gehen sie in den himmlischen Welten einher und schauen nach dem Wirken dieser und jener Wesen, inspirieren sie, geben ihnen neue Anregungen und sprechen ihre Bewunderung für die Werke aus, die da oder dort getan werden.

Wie vielseitig ist doch die Kunst. Sie gehört genauso in die Himmel hinein, wie die Menschen die Kunst für ihr Leben brauchen. Doch bei ihnen ist alles nur Abbild von dem, was in der Gotteswelt ist. So erfreut sich der Himmel an dem Eifer, den diese Geistwesen zeigen, und er wird ständig von wechselreichen Herrlichkeiten überrascht, die geboten werden. Überall, auf jedem Gebiet, was es auch sein mag, sind hohe Meister des Himmels, die die andern anführen und ihnen neue Ideen geben. Die Heiligen des Himmels, die nicht am Sturze beteiligt waren, haben in sich eine grosse Entfaltungs- und Schöpferkraft. Es ist ihnen selbst überlassen, mit ihrem Eifer, mit ihrem Willen Dinge zu gestalten und zu formen und sie in dieser Vollkommenheit darzulegen – das Geschaffene in eine vollkommene Art zu bringen, damit es bewunderungswürdig wird. Es ist auch so und wird so gestaltet, dass diese Kunstwerke nicht nur da und dort in den Himmeln zur Bewunderung dastehen, sondern man bringt diese besonderen Kostbarkeiten auch in die hohen Himmel hinein, damit sie dort bewundert werden. Ihr Menschen vermögt auch kostbare Gegenstände von einem Erdteil zum andern zu bringen, damit sie bewundert werden, weil vollkommenes Schaffen eine Seltenheit ist und man das den Menschen zeigen will. So ist es auch im Himmelreich. Das Wertvollste und Kostbarste, das von den Seraphinen zuerst geschätzt wird, wird dann auch ins Gotteshaus getragen, damit dort die Bewunderung dafür ausgesprochen wird. Nachher bringt man es wieder in die Himmel zurück, oder man überlässt es den schöpferisch schaffenden Geistern, selbst zu entscheiden, ihre Kostbarkeiten dorthin zu bringen, wo es ihnen beliebt. So ist auch dies eine Aufgabe der Seraphinen.

Nun zu den Erzengeln. Ich möchte sie als jene Engel bezeichnen, die die Aufgabe haben, über die Ordnung und das Gesetz Gottes zu wachen; dass das Gesetz, das Gott aufgestellt hat, in seiner Richtigkeit wirksam ist – in den Himmeln wie auf der Erde. Es gehört zur Aufgabe dieser Erzengel, für die Ordnung besorgt zu sein. Ich möchte aber diese Erzengel auch als Strafengel Gottes bezeichnen. Sie werden von den Engelwesen gerufen, die unter der Menschheit ihren Dienst tun. Sie werden von jenen Wesen gerufen, die ihre Aufgabe in den tiefen Sphären der Hölle haben. Zu den Strafengeln zählen besonders jene, die mit den feurigen Schwertern einhergehen, wenn es sein muss. Es sind jene Engel, die in ihrer Gestalt gross und mächtig sind und die sich von andern Wesen sehr unterscheiden. So haben sie ihre Aufgabe und erfüllen sie im Himmelreich wie auch auf dieser Welt.

Wenn diese hohen Fürsten und jene hohen Engel nicht selbst in Person die Erde besuchen, so haben sie doch ihren Anhang. Sie haben geistige Wesen, die dafür auserwählt wurden und diese Aufgabe bekommen haben – ich darf wohl sagen: Sie wurden dafür geschult, dass sie für Ordnung zu sorgen haben, dass diese Ordnung Gottes auch eingehalten wird.

Und diese Engel sind es, die jeweils ihrerseits die Nachrichten in die hohen Himmel tragen; diese Erzengel und jene, die in ihrem Namen ausgehen und unter den Menschen weilen, betrachten das ganze Tun der Menschen und all das, was auf der Erde geschieht. Auch schmerzt es die kämpfenden Engel sehr oft, nicht in ihrem Sinne eingreifen zu können. Denn sie selbst haben auch die Gesetze Gottes zu befolgen, und es ist dies ein Gesetz, das sie befolgen müssen, obwohl sie manchmal so gerne da oder dort eingreifen würden. Und wenn es ihnen von oben gestattet wird einzugreifen, dann werden sie es mit aller Schärfe tun.

Wenn ihr nun die Menschheit betrachtet und die Grausamkeiten, die Menschen ausüben – dies ist etwas Furchtbares –, ihr könnt euch wohl vorstellen, dass es für einen Geist Gottes schwer ist, da zusehen zu müssen und nicht eingreifen zu dürfen. Er darf erst dann eingreifen, wenn er den Befehl von oben bekommt. Und glaubt mir, liebe Geschwister, es sind viele Schutzengel, die solche leidenden Menschen begleiten, Menschen, die gequält und gemartert werden, Menschen, die hungern und verdursten. So steht der Schutzengel in Tränen neben einem solchen Menschen, denn er kann und darf ihm nicht helfen. Hat sich dann der geistige Leib vom irdischen gelöst, ist der Schutzengel bereit, ihn hinwegzutragen, mit seinem Schützling von der Erde zu entschweben, um ihn in eine bessere Welt zu bringen, ihm dort den Trost und den Beistand zu geben, den er auf der Erde nicht bekam. So werden jene, die auf diese oder jene Art Ungerechtigkeit zu erleiden hatten, von den Engeln Gottes gepflegt und getröstet.

Wenn jene ihre Augen öffnen, können sie es nicht begreifen und nicht verstehen, dass ihnen solches gegeben wird. Sie fühlen sich glücklich und selig, sind froh darüber, dass sie diese schmerzhafte Welt verlassen haben. Viele, die durch einen solchen Tod gehen mussten, sei es, indem sie durch Hunger ihr Leben lassen mussten, fragen nach ihren Angehörigen. Sie kümmern sich um sie und wollen wissen, ob die Angehörigen auch hier sind und wie lange es dauert, bis auch sie in diese Pflege kommen können.

Liebe Geschwister, ihr Menschen habt keine Ahnung von all dem, was im Geiste geschieht. Ihr glaubt manchmal, ja ein Engel Gottes ist doch so mächtig und stark, dass er allem überlegen ist. Glaubt, liebe Geschwister, es kommt mancher Geist Gottes von da unten, von dieser Erdenwelt, zutiefst betrübt nach oben. Er muss dann von seinen Geschwistern getröstet werden, weil er über die Welt, wie sie ist, und über die Menschen weint. Diese reinen Wesen Gottes wissen doch, welch grosse Aufgabe der König erfüllt und was er der Menschheit gegeben hat. Wenn sie nun diese Menschen sehen, für die sich ihr König hingegeben hat ... Was ist aus ihnen geworden? Was haben sie gelernt? Auf welcher niederen Stufe bewegen sie sich noch! Und diese Engel geben sich Mühe, dem Menschen zu helfen. Sie bieten ihm ihre Dienste dar und müssen zusehen, wie die Mächte der Tiefe aus ihren Bereichen heraustreten, lachend und jauchzend darüber, dass sie die Herrschaft über die Menschen besitzen. Es geht denen ja nur darum, ihren Aufstieg zu behindern und dieser Welt so viel Unseligkeit und Unglück wie nur möglich zu bringen. Das sollt ihr doch wirklich auch einmal wissen.

Sicher ist es beglückend für den Menschen, wenn er es ahnt oder weiss, dass Engel Gottes auch ihre Freuden in ihrer Welt besitzen, dass sie glücklich sind. Aber sie haben mit den Menschen auch ihr grosses Leid und ihren grossen Schmerz. Besonders dann, wenn man über einen Menschen, auf den man grosse Hoffnung gelegt hat – ihn als Freund bezeichnete, als Bruder, als Schwester betitelte –, enttäuscht ist, wenn man ihn in der Jenseitswelt begrüsst. Auch wir, und ich bin davon nicht ausgenommen, haben unsere Sorgen mit den Menschen. So ist es die Aufgabe der Erzengel, über diese Ordnung zu wachen, und das ist wohl eine Notwendigkeit.

Nun gibt es auch Engel, deren Aufgabe es ist, für die Kirche Gottes besorgt zu sein. Es sind jene Engelscharen, die man die Herrschaften des Herrn nennt; ich sagte euch, dass “Kirche Gottes” eigentlich “Herrschaft des Herrn” heisst. Und man soll nicht annehmen, dass die hohe Geisteswelt es einfach so hinnehmen würde, was gerade in diesen verschiedenen Weltreligionen auf der Erde geschieht, in welcher Art und Weise man seinen Weg zu Gott sucht. Es sind Geister Gottes da, die sowohl dem einen wie auch dem andern Volk geistige Führer sind, gleich welcher Religion sie angehören. Doch eines ist für alle verbindlich: Wenn Menschen meinen, sie stünden in einem Gottesglauben, und dann kein gottgefälliges Leben führen, dann sind diese Menschen wirklich nicht zum Wohlgefallen Gottes. Trotzdem bemühen sich diese Engel um den Menschen, denn es liegt in ihrer Aufgabe, für sein religiöses Leben besorgt zu sein. Sie tun ihrerseits all das, was ihnen zur Verfügung steht, damit auch jene Menschen, wenn sie auch nicht den Weg über das Christentum oder über den christlichen Glauben gehen, Recht von Unrecht unterscheiden können. Wenn sie andere Propheten verehren – das ist euch auch schon gesagt worden –, so sind jene Propheten, die ihnen ein und alles bedeuten, nur Bindeglieder zu Gott. Denn auch jene Propheten haben ihnen darzulegen, wie man wahrhaftig lebt und wie ein Leben gottgefällig zu gestalten ist. So kann jener Weg nur eine Stütze, ein Bindeglied zu Gott selbst werden.

Wo aber Menschen im christlichen Sinne leben und wirksam sind, da versuchen die Geister Gottes, diese Menschen in ihren Schutz zu bekommen. Sie versuchen, ihnen durch die Schutzgeister, die in der Nähe des Menschen sind, klarzumachen, was Wahrheit ist. Diese Geister der Herrschaft versuchen, die Seele der Menschen zu erleuchten, damit sie den Weg der Wahrheit finden und sich so der Weg zu Gott verkürzt. Die Geister der Herrschaft sind eben um die wahre Kirche Gottes besorgt, und sie erfüllen ihre Aufgabe, wo es auch sei, zum Nutzen und zum Heil des Menschen. Sie sind dafür besorgt, dass die ganze heilige Geisterschar in Verbindung mit den Menschen gebracht wird. Sie versuchen, diese Verbindungen herzustellen, diese Bindungen zu knüpfen – das ist ihre Aufgabe.

So wachen sie über die wahre Kirche Gottes, und sie stehen da, wo Menschen in wirklicher Andacht und im tiefen Verlangen nach der Wahrheit, nach Gott sind. Da sind die Engel aus dem Bereich der Herrschaft bereit, diese Menschen zu stützen und zu führen. Jedem Schutzgeist ist nämlich die Möglichkeit gegeben, einen höheren Geist anzufragen und von ihm zu erbitten, dass er die Führung jenes Menschen übernehme, weil dieser würdig geworden ist, von einem höheren Geist geführt zu werden. Auf diese Weise findet er Einlass in das Leben des Menschen und beginnt sich für sein Leben auf der Erde zu interessieren, und er versucht, ihn mit höherer Kraft zu führen und zu lenken.

Das ist die Aufgabe dieser Engel aus dem Bereich der Herrschaft Gottes. Sie werden sehr tätig sein, wenn es darum geht, die wirkliche Kirche Gottes, die unter seiner Herrschaft und unter der Herrschaft der heiligen Geisterwelt steht, neu zu errichten und zu gestalten. Sie versuchen, die Wege zu bereiten, von oben nach unten. Sie sind es, die den Geistwesen die Wege ebnen, und das auch mir, sodass ich zusammen mit den Meinen, die mit mir sind, die Möglichkeit habe, mich auf diese Weise kundzutun. Sie sind es, die da tätig sind. Und sie sind es, die nicht nur die Wege von oben zu euch bereiten, sondern sie versuchen, dem einzelnen Menschen Kraft zu geben, damit er erleuchtet und vor allem im Glauben gekräftigt und gestärkt wird, sodass er ein nützlicher Diener im Heilsplane Gottes wird. Das ist die Aufgabe eines solchen Geistes Gottes.

Nachholen möchte ich noch, weil ich darauf aufmerksam gemacht werde: Es sind neben euren Schutzgeistern nicht nur die erwähnten Geister, die von diesen Höhen zu euch kommen, um euch im Leben zu führen und zu inspirieren. Ihr selbst übt ja eine Kunst oder eine bestimmte Tätigkeit aus, und es sind daher auch dafür zuständige Geister, die kommen, um euch zu führen. Menschen, die auf Erden leben, sind oftmals in einer geistigen Freundschaft verbunden, oder sie stammen aus einer geistigen Familie, mit der man einst in den Himmeln auf eben genau diesem Gebiete gemeinsam tätig war – so findet man einander.

Es kann auch so sein, wie ich es euch letztes Jahr erklärt habe: Es gibt in den Höhen Geister Gottes, die auf der Suche nach ihrem Dual sind. Denn es geschah doch, dass der eine Teil treu blieb und der andere Teil mit den andern ging; man wurde sich in dieser Beziehung mit seinem Du, seinem Dual, nicht einig. Daher sucht man sich. Manche geistige Mutter, mancher geistige Vater sucht nach seinen Kindern. Es ist ein grosses Suchen von jenen Geistern, die Gott treu geblieben sind. Man sucht jene, zu denen man einst gehörte, mit denen man einst eine Familie bildete, und stellt immer noch mit grosser Trauer fest, dass sie noch weit entfernt sind. Aber man bemüht sich um ihren Aufstieg, und dazu gibt es für manchen Geist verschiedene Gelegenheiten, um sich für sie einzusetzen. Das ist ihm gestattet und erlaubt – es sei denn, es sei einer so belastet und so gezeichnet, dass er noch über Jahrhunderte zu warten und in der Tiefe zu verweilen hat. Das sind auch Aufgaben dieser göttlichen Brüder und Schwestern.

Und dann gibt es noch eine Engelschar, die für die himmlischen Güter besorgt ist. Es sind dies Engelwesen, die für die Fürstentümer der Gotteswelt ihre Aufgabe haben. Es ist einfach eine falsche Auffassung, wenn Menschen glauben, dass in dieser Gotteswelt ja sowieso alles in Ordnung sei. Ach, das ist immer ein Zeichen, dass man von all dem, was sich im Himmelreich abspielt, überhaupt keine Ahnung hat. Denn im Himmelreich gestaltet sich das Leben in ähnlicher Weise, wie es auf der Erde geschieht. Es sind in dieser wunderbaren Welt Wesen da, die sich betätigen. Diese Welt muss aber auch wieder gewandelt und umgestaltet werden, und ein jeder Geist hat seine Arbeit – man wird nicht arbeitslos.

Diese himmlischen Geschwister verwalten einmal die Güter all jener Geistwesen, die in die Tiefe gestürzt wurden, und sie sind auch um andere geistige Reichtümer der himmlischen Welt besorgt. Diese müssen genau nach dem Plane Gottes in ihrer Pracht und Herrlichkeit stets erhalten bleiben. Daher sind diese Engelwesen dafür besorgt, dass dieser Besitz, diese himmlischen Güter, auch ihre Aufgaben erfüllen. Nichts wird an Oberflächlichkeit, an Nachlässigkeit oder Bequemlichkeit gestattet. Die himmlische Welt ist eine Welt des Eifers, des guten Willens, der Liebe, und man ist jederzeit bereit, einem andern zu helfen. Jeder Geist Gottes muss das Seinige dazu leisten, damit es auf diese Art und Weise erfüllt wird. Reich ist die Arbeit für einen jeden – jeder Geist hat genügend Arbeit, und es ist der Stolz eines jeden Geistes Gottes, so viel wie nur möglich zu leisten. Er möchte seinem Schöpfer und seinem König gefällig sein. Und nur auf diese Art und Weise, indem man in der göttlichen Welt tätig ist, findet man auch Gottes Gefallen.

Aus dem Vortrag von Geistlehrerin Lene vom 27.9.1974 durch ihre Mittlerin Beatrice Brunner im Saal der Park Hotels Waldhaus, Flims (Vorlage: Tonbandaufzeichnung)

Die Herrschaft des Herrn – das Haus Linus im Dienste der Kirche Gottes

Josef, 5. Dezember 1956 und 1957

Die Herrschaft des Herrn – das Haus Linus im Dienste der Kirche Gottes

Im vorhergehenden Vortrag sprach Lene von den “Herrschaften des Herrn” und ihrem Aufgabengebiet. Den Vertretern dieser Engelschaft obliegt es, für das religiöse Leben der Menschen und für den Aufbau der wahren Kirche Gottes auf Erden besorgt zu sein. Geistlehrer Josef gab an einem Frageabend und in einer Vorstandssitzung Einblick in die Tätigkeiten des Hauses Linus und seiner zahlreichen Angehörigen, die gemeinsam mit Spezialisten aus andern Chören für die Verbreitung der Wahrheit und für den Aufstieg des Menschen wirken.

Josef: Liebe Geschwister, ich habe euch schon Erklärungen darüber gegeben, welche Vielfalt bei den Geistern Gottes anzutreffen ist. So habe ich auch schon gesagt, dass ich der Gemeinschaft der Kirche Gottes und Christi angeschlossen bin. Unserer Gemeinschaft [dem Hause Linus] ist ein wundervolles, grosses Haus inmitten eines herrlichen Parks gegeben. Von hier aus gehen wir in die verschiedensten Ebenen. Wir wandern oft in diesem herrlichen Park und treten wieder aus ihm heraus, wann es uns beliebt oder wenn es notwendig ist, dass wir uns unseren Aufgaben zuwenden. Auch für andere Wesen ist der Park zeitweise geöffnet. Dann kommen sie in Scharen herbeigeströmt, um von Engeln Gottes Belehrungen zu empfangen oder auch wenn sie zu Festen geladen werden. Angrenzend an die Sphäre unserer Gemeinschaft befinden sich wieder andere Sphären, wo bereits unsere Aufgaben beginnen. Von dort aus führen Wege in die Tiefen, Wege führen auch in die Höhen.

Geister Gottes, die mit den Menschen in der Weise verbunden sind wie wir nun mit euch, bilden eine überaus grosse geistige Familie. Unserem Wirkungskreis sind so viele Sphären angeschlossen. Ich möchte nur einen Hinweis dafür geben, welche Wesenheiten unserer Aufgabe angeschlossen sind und dass in letzter Zeit diese geistigen Weiten noch eine grössere Ausdehnung erfahren haben. Das will heissen, dass noch mehr himmlische Boten in unser Haus eingegliedert wurden, um mit uns ihre Aufgaben zu erfüllen.

So versuche ich nun zu erklären, dass in unserem Hause ein hohes Engelwesen [Linus] wohnt. Ihm unterstellt sind alle Botschafter, die Kraft und Segen spendenden Geistwesen, die Missionsgeister, die Heilengel, die Tröster und Beschützer. Alle diese Engelwesen sind in ihre Aufgaben eingeteilt, je nach ihrer Veranlagung. Ich habe euch schon erklärt, dass es Fürsten des Himmels gibt, die über Legionen von Wesenheiten stehen. Das will heissen, dass die Fürsten des Himmels einen bestimmten Chor anzuführen haben, von welchem aber nicht immer alle in der himmlischen Welt sind. Das heisst, viele davon sind noch im Aufstieg: Die einen sind als Menschen inkarniert, während andere sich in einer geistigen Aufstiegsebene befinden – sie sind also noch nicht an ihren Bestimmungsort zurückgekehrt. Damit möchte ich zu verstehen geben, dass jedes Wesen, wenn es den höchsten Grad der Entwicklung erreicht hat, zurückkehren wird in jene Welt der Herrlichkeit, von der es einst ausgegangen ist.

Diese Fürsten der himmlischen Chöre wissen über ihre Geschwister genau Bescheid, mehr als ein irdischer König über seine Untertanen. Ihre Botschafter finden den Weg leicht in alle Sphären und ebenso leicht wieder zurück, weil sie mit ihrem Fürsten durch ein besonderes Band verbunden sind. Sie alle tragen ihren Fürsten die Nachrichten zu, wie viele Wesen aus ihren Chören noch nicht zurückgekehrt sind, wie viele inkarniert sind und wie viele in den Aufstiegssphären verweilen. So weiss ein jeder Fürst und jeder seiner Berater über alle diese Dinge Bescheid.

Die himmlischen Fürsten wählen auch Geister aus, die sich in Erfüllung ihrer Aufgaben durch besondere Leistungen hervorgetan haben. Sie werden zu höheren Aufgaben ausersehen. Sie bedürfen ihrerseits also einer besonderen Gemeinschaft und ihrer Angliederung. So ist es mit euch und eurer Gemeinschaft: Ihr seid an jene geistige Gemeinschaft [dem Hause Linus] angeschlossen, die von einem himmlischen Chor geführt wird, der von dort aus die Verbindung mit Menschen hergestellt hat – also nicht vom höchsten Himmel aus, denn der höchste Himmel ist die vollkommene Seligkeit, in der sich einmal alle wieder zusammenzufinden haben.

So wohnen Geister dieses Chores zusammen mit andern Geistern Gottes, mit vielen helfenden Wesen aus andern Himmeln, und sie erfüllen gemeinsam mit ihnen ihre hohe Aufgabe. Diese hohen Wesenheiten aber, die in diesem wunderbaren Hause leben und wirken, sie haben jederzeit freien Zugang zu ihrem Fürsten und Himmel. Um aber den Heilsplan zu beschleunigen und wirksamer zu gestalten, teilen sie sich in kleinere Gruppen auf. Sie bleiben aber stets mit ihrem Fürsten in den höchsten Höhen verbunden. Doch wie all die Seinen mühelos zu ihm zurückfinden, findet auch er manchmal den Weg in dieses Haus. So geschieht es, dass diese himmlischen Boten der Kraft, des Trostes und des Heils von dieser Ebene aus wirken, wie noch viele andere. Und zwar gehen sie besonders zu jenen Menschen, die die Verbindung zur geistigen Welt anerkennen, einfach ausgedrückt: Sie finden den Weg zu euch. Dadurch dass es ihnen gestattet ist, sich besonderen Menschen zuzuwenden, haben sie die grössere Möglichkeit, den Heilsplan wirksam zu fördern. Sie wie auch ihr werdet grosse Gewinne dadurch erzielen.

Wer uns glaubt und all den geistigen Gesetzen, die wir euch erklären, nachlebt nach bestem Willen und Können, der wird bei seinem Eintritt ins geistige Reich in eine schöne Arbeit eingereiht. Denn ihr sollt bedenken, wie viele Menschen bei ihrem Erwachen im Jenseits zuerst über das Weiterleben aufgeklärt werden müssen. Das dauert bei manchen oft sehr lange, bis sie das begreifen. Wer dagegen im Erdenleben die Verbindung zur Gotteswelt fand, der braucht nicht zuerst noch in die untersten Schulen geschickt zu werden, um diese Aufklärungen zu erhalten. Er ist ja immer noch von den Belehrungen so durchdrungen, die wir euch geben. All das, was ich zu euch spreche, geht nicht verloren; es bleibt in euch festgehalten. Und wenn ihr dann ins Jenseits kommt, werdet ihr darauf hingewiesen. Dem einen oder andern muss dann wohl auch gesagt werden: “Dieses und dieses wurde dir gesagt. Das und das sind deine Fehler. Warum konntest du nicht überwinden?” Und wenn man erkennt, dass einer sich keine Mühe gab, um zu überwinden, so kann er nicht für eine hohe Aufgabe herangezogen werden, die ihm Freude bereitet, da er selbst noch nicht so weit ist. Nicht jeder Geist kann diesen angenehmen Weg der Läuterung beschreiten, indem er im Heilsplane eine hohe Aufgabe erfüllen darf. Wer als Mensch schlecht gelebt hat, muss in tiefere Sphären verwiesen werden, wo er vielleicht zur Untätigkeit verurteilt ist, wenn nicht gar zu Qual und Leiden, wodurch er zur Einsicht gelangen muss.

Da es solche Gruppen gibt, die diesen Anschluss vieler Menschen an einen Fürsten des Himmels erstreben, können deren so viele schneller für den Erlösungsplan gewonnen werden. Denn wir rechnen damit und hoffen, dass viele in ihrem Leben zur Einsicht gelangen, damit sie gewinnen und nicht verlieren. Auch auf den, der sein Leben als nutzlos betrachtet, zählen wir. Wenn er seine Aufgabe auch nicht klar zu erkennen vermag, so muss er wenigstens dafür sorgen, dass sein Wirken im täglichen Leben zum Segen der Mitmenschen gereicht – sei es durch seine Dienstbereitschaft oder durch sein immer freundliches Wesen oder dass er durch sonst eine Tugend hervortritt. Auch wenn er eine noch so schwere Krankheit hat oder eine noch so niedere Arbeit verrichtet, soll er doch in einer Tugend bewundert werden können, dann wird auch er gewonnen. Es wird von keinem mehr verlangt, als er zu leisten imstande ist.

Deshalb ist es notwendig, dass ich euch wieder einmal klar vor Augen führe, welch wunderbare geistige Entfaltung diese Gemeinschaft gefunden hat und dass die euch zur Verfügung stehenden Geistwesen die Aufgaben mit euch erfüllen möchten – also die Geister Gottes, von denen ich anfangs gesprochen habe: Botschafter, Kundschafter, Heilwesen, Kraftspender, Tröster, Beschützer und viele andere mehr. Jeder von ihnen sucht sich unter euch den zu ihm Passenden aus. Denn ein Engelwesen erkennt schnell, ob es mit einem Menschen seinen Weg beschreiten kann. Dann zieht es den Menschengeist in diese himmlischen Bereiche, wo er unterrichtet und beraten wird; es begleitet ihn zu seiner Aufgabe. So kann der Mensch also im Geiste wandern. Er kann in die tiefen Sphären gehen, er kann im Erdenreich weitherum wandern und Menschen beistehen, je nach den Fähigkeiten.

Dann möchte ich betonen, dass unter all diesen Wesen, die dem Menschen hilfreich zur Seite stehen, solche sind, die den ersten Rang einnehmen. Ihnen zur Seite stehen jene Wesen, die in ihrem Aufstieg auch noch nachgezogen werden müssen. Diese vermögen nicht mit derselben Kraft zu wirken wie ihr Führerengel. Aber entsprechend ihrem Höhersteigen steigert sich auch ihre Kraft; je mehr sie im Heilsplane Gottes mitwirken, desto grösser wird ihre Kraft. Es ist aber sehr oft der Fall, dass das führende Engelwesen sich im Hintergrund aufhält, während seine Helfer sich um den Menschen bemühen, der ihrer Schwingung am besten angepasst ist. Wenn also ein führender Engel zwanzig bis dreissig solcher Diener hat, so sind ihre Kräfte auch verschieden.

Es können aber auch zum Beispiel Wesen mit Heilkräften um euch sein, die anderseits wieder von euch zu lernen haben. Es müssen diese durch euer gutes Leben angespornt werden, so erhalten sie auch durch euch eine Kraft. Es ist nicht die Heilkraft, die aus euch steigt, sondern eine wundersame geistige Kraft, die durch euren Willen zum Guten gesteigert wird. Die Wirkung ist dann so, dass ein solches Wesen der Heilkraft, dessen Aufgabe es ist, am Körper des Menschen Verschiedenes in Ordnung zu bringen, in Verbindung mit eurem herrlichen Lichte selbst eine erhöhte Schwingung erfährt – was seine Kraft steigert – und euch mehr Heilkraft abgeben kann.

Das heisst also, wenn ihr euch Mühe gebt für ein gutes, gerechtes Leben, so werden viele Krankheiten an euch vorübergehen, oder sie werden euch nicht in aller Härte treffen. Darum soll der Kranke sich zuerst um ein gerechtes Leben bemühen, erst dann kann ein Heilwesen mit voller Kraft auf ihn einwirken. Und wenn ihr denkt: “Ja warum kommt denn nicht der Führer dieser Heilwesen selbst, um uns von seiner konzentrierten Kraft zu geben?”, so muss ich darauf antworten: Ja, er kann kommen, wenn ihr die Vorarbeit an euch geleistet habt – die geistige Reinigung. Und wenn dann die Heilwesen euch ihre Kraft übertragen haben, dann wenden sie sich an ihren Führer und sagen: “Meine Arbeit habe ich nach bestem Können getan. Nun bitte ich dich, komm und gib auch das Deinige dazu.”

Die Menschen machen sich oft falsche Vorstellungen davon. Je eifriger ein Mensch sich zu bessern bemüht, desto schneller kann auch die Heilung stattfinden. Es kann auch sein, dass der führende Engel von Zeit zu Zeit kontrolliert, bis er sein Eingreifen für angebracht hält. Manchmal ist es notwendig, dass die Heilwesen zuerst einen Fürbitter rufen. Solche Wesenheiten sind euch auch angeschlossen, die für euch bitten, die aber auch erkennen, welche Schuld noch in eurer Seele liegt, dass euer Kranksein und eure Sorgen ein Abtragen der Schuld bedeuten. Die Fürbitterengel finden dann den Weg in die Höhen, um für euch zu bitten, und wenn das in Ordnung gebracht ist, vermögen die andern mit ihrer ganzen Kraft auf euch einzuwirken.

Nun werdet ihr denken: “Ja, es freut uns, dass wir diese geistige Verbindung und Hilfe haben. Was geschieht aber mit jenen Menschen, die nicht an das Wirken der Geister glauben?” Dazu möchte ich sagen, dass doch jeder Mensch in seiner Art gezeichnet ist; dass von den massgebenden Engelwesen erkannt wird, zu welchem Fürsten des Himmels er gehört. Und von jedem Fürsten gehen ja Kundschafter und Fürbitter aus, wie die Heilwesen, die Beschützer und viele andere mehr. Sie finden auch jene Menschen, nur ist bei ihnen die Wirksamkeit nicht so gewaltig, wie wenn einer sich bewusst ist: “Hier in dieser Welt werden wir von Geistern Gottes begleitet, und wenn wir ins Jenseits kommen, führen sie uns auch dann.” Der Unterschied aber ist auch darin, dass jene andern, wenn sie ins Jenseits kommen, zuerst über alles unterrichtet werden müssen, was euch dann schon bewusst sein wird. Darum wird auf diese Gemeinschaften, die die Verbindung zu uns pflegen, ein solch grosser Wert gelegt, und darum versucht die geistige Welt darauf auf- und weiterzubauen, also das zu tun, was dem schnelleren geistigen Aufstieg dient.

Nun habe ich euch wieder eine lange Erklärung gegeben, doch ist es notwendig und für uns auch eine grosse Freude, euch sagen zu dürfen, dass eure geistige Sphäre eine weitere Entfaltung erfahren hat und dass ihr dazu eingeladen werdet, an der gemeinsamen grossen Aufgabe mitzuhelfen.

Circa ein Jahr nach diesen Ausführungen anlässlich eines Frageabends gab Geistlehrer Josef in einer Vorstandssitzung weitere Erklärungen zum Hause Linus und zur Organisation dieser grossen geistigen Gemeinschaft, in deren Aufgabe es liegt, den Menschen den Weg zur Wahrheit zu weisen und auf Erden die wahre Kirche Gottes zu errichten.

Josef: Mit dem Hause Linus ist eine grosse geistige Gemeinschaft gemeint, mit der ihr geistig verbunden seid. Ja ich könnte wohl sagen, es ist nach euren Begriffen mit einem prachtvollen und mächtigen Schloss zu vergleichen, inmitten herrlicher Bauten und einer wunderschönen Landschaft. An riesige und herrliche Blumengärten sind weite Wiesen, Felder, Wälder, Seen und Weiteres angegliedert. Die vielen Gebäude um das Schloss könnt ihr euch wie eine Stadt vorstellen. Hier wohnen sehr viele Geister Gottes, die dieser eurer Gemeinschaft angeschlossen sind. Und es sind wunderbare Gottesengel, die in dieser grossen Sphäre und Gemeinschaft ihre Aufgaben erfüllen. Über Linus [dem geistigen Führer unserer Gemeinschaft] stehen noch weitere Gottesengel, die aber ihren ständigen Sitz nicht in dieser Sphäre haben, sondern in noch höheren Welten.

Es geschieht nichts im Weltenall, ohne dass Gott es weiss. Es geschieht nichts unter den Menschen, ohne dass die Geisterwelt Gottes bis zu jenen höchsten Stellen, die notwendigerweise darüber unterrichtet sein müssen, nicht Kenntnis davon hätte.

Wie ihr nun diese [eure irdische] Gemeinschaft aufgebaut habt seit ihrer Gründung, wurde auch schon in der geistigen Welt dementsprechend eine solche Gemeinschaft von Geistwesen aufgebaut. Denn wo Menschen etwas zu ihrer Höherentwicklung aufbauen, wird im Jenseits parallel etwas aufgebaut. Ihr seid derselben Gesinnung und versucht eure Kenntnisse zu verbreiten. Ihr möchtet weitere Freunde gewinnen. Ihr werbt um sie, und ihr möchtet ihnen helfen, sie auf das jenseitige Leben, auf die Verbindung mit den Geistern Gottes aufmerksam machen.

Es sind welche in eurer Gemeinschaft, sie arbeiten mehr nach innen. Sie verstehen es, zu meditieren, ihre Gedanken und ihre Worte richtig anzuwenden. Sie arbeiten an sich selbst. Sie überdenken, was der Entfaltung und Erweiterung dieser Gemeinschaft dient. Ihnen liegt es besonders, in dieser Art zu wirken. Dann aber gibt es Freunde, denen diese Art zu wirken nicht so gut liegt, sondern sie wirken mehr nach aussen hin. Sie können ganz frei und offen zu den Mitmenschen sprechen: “Hast du schon darüber nachgedacht, dass man nach dem Tode weiterlebt? Und weisst du, dass es Geister gibt?” und so weiter. Sie sind nicht gehemmt, und es bereitet ihnen keine Mühe, davon zu reden. So wirken sie nach aussen und die andern nach innen in der Gemeinschaft.

Nun ist es aber so, dass die vielen Freunde eurer Gemeinschaft in ihrer Entwicklung verschieden sind. Sie gehören also auch den verschiedensten geistigen Ebenen an. Es soll daher keiner glauben, dem als Mensch diese Verbindung zum Hause Linus geebnet wurde, dass er nach diesem Leben auch dorthin kommen müsse. Er wird dahin gelangen, wohin er sich emporgeschafft hat. Aber er wird nicht verloren sein, wenn er ernstlich, mit aller Ehrlichkeit dasselbe bejaht hat – das will heissen, seine Verbundenheit zu dieser Gemeinschaft und zu ihrem geistigen Hause wird weiterbestehen. So werden also die Bande von ihm zum Hause Linus bleiben.

So wie bei euch Menschen ihre Tätigkeit auf verschiedenen Gebieten ausüben, so verhält es sich auch im Jenseits mit den Geistern. Im Hause Linus gibt es also Geister des Aufstiegs. Es gibt auch reine Engelwesen, die alle ihre Aufgabe an euch Menschen und an den Geistwesen erfüllen, die dieser Sphäre angeschlossen sind. Somit geht die Tätigkeit des Hauses Linus aus in die Weiten, in die Höhen und in die Tiefen des geistigen Bereiches. Die Geister des Aufstiegs wie die reinen Engel Gottes, die in dieser Sphäre wirken, bemühen sich in gleicher Weise bei euch Menschen. Sie wirken bei jenen, die schon eine geistige Höhe erreicht haben, wie bei jenen, die im Stillstand sind, und bei den Suchenden. Dem Hause Linus gehören also Geister an, die überallhin gehen, um den Anschluss zu euch zu fördern, und ihr seid ihre Werkzeuge. Und so gehen die Fäden in der wunderbarsten Art überallhin, und der Erweiterung bei euch entspricht auch die Erweiterung im Geistigen. Die Erweiterung im Jenseits wird zehnfach grösser sein und noch mehr. Eure Begriffe sind eng, eure Gedanken oft auch.

In den jenseitigen Sphären ist alles so mächtig, so weit, so gross, und dementsprechend ist das Wirken. Viele der diesem Hause angeschlossenen Geister gehen auch hinab in die Sphären der leidenden, belasteten Geister, sie zu ermahnen und zu trösten. Sie gehen zu den Uneingereihten. Sie suchen jene auf, die zwar nicht schlecht sind, die sich aber auch in einem Stillstand befinden. Sie belehren solche und muntern sie auf zu einer segensreichen Tätigkeit. Sie führen sie zu den Menschen. Da sie noch sehr mit der Erde verbunden sind, können sie bei den Menschen auch wirken.

Die diesem Hause Linus angeschlossenen Wesenheiten versuchen sich andern Jenseitigen von den verschiedensten Entwicklungsstufen zu nähern und ihnen zu erklären: “Wir gehören dem Hause Linus an. Jene Menschen dieser Gemeinschaft gehören auf Erden parallel denselben verschiedensten Entwicklungsstufen an. Sie gehen auch aus, um ihre Mitmenschen auf das Weiterleben aufmerksam zu machen und auf ihre Pflichten; sie überbringen ihnen Trost und Weiteres.” Diese Geister des Aufstiegs bemühen sich so sehr darum, dass die noch uneingereihten Geschwister in die göttliche Ordnung eingereiht werden. Sie erklären ihnen, dass sie nur dann in das Haus Linus aufgenommen werden könnten, wenn sie selbst in ehrlicher Weise mithelfen, dieses Wissen zu verbreiten, und auch andere Wesenheiten diesem geistigen Hause anzugliedern versuchen. Es gelingt vielen. Sie gehen aus und erklären ihresgleichen von diesem Aufbau.

Unter diesen Geistern sind aber welche, die noch ohne Wissen waren und jetzt aufhorchen, dass es so etwas gibt; sie glauben sich dann oftmals dazu berechtigt, sich auch als Angehörige des Hauses Linus auszugeben – wie sie es auch gegenüber anderen Gemeinschaften zu tun imstande sind –, ohne dass sie ihre wirkliche geistige Aufnahme gefunden haben. Es gibt also welche, die behaupten, dem Hause Linus und somit auch eurer Gemeinschaft anzugehören, aber tatsächlich gehören sie nicht dazu, sie haben eben nur davon gehört, sie wurden davon unterrichtet. Aber sie nehmen sich nicht die besondere Mühe der Aufrichtigkeit, um die geistige Aufnahme zu finden. Der Geist hat ja den freien Willen. Er kann entscheiden, ob er sich seinen lichteren Geschwistern anschliessen will oder ob er sich weiterhin frei bewegen möchte, wie es ihm beliebt. Sofern er nicht aufs Schwerste belastet ist, dass ihm ein enger Kreis gezogen werden muss, soll er selbst darüber entscheiden. So kommt es vor, dass solche Geister den Weg zu den Menschen finden und vorgeben, sie gehörten zum Hause Linus; dabei haben sie nur davon gehört und haben noch keine offizielle Aufnahme gefunden. Man lässt sie vorläufig. Im gegebenen Moment wird ihnen dann aber klargemacht, dass ihre Aufnahme nur dann erfolgen könne, wenn sie sich zu ernsterem Tun und intensiverem Arbeiten bereitfinden. Und so gehen von dem Hause Linus geistige Lehrer aus, und sie unterrichten diese uneingereihten Wesen im Heils- und Erlösungsplane. Und allen diesen Geistern, die mit den erhabenen Lehrern in Verbindung treten, ist eine Verbindung zum Hause Linus gezeichnet – und diese Sphäre ist sehr, sehr gross.

Nun haben ja alle Geister, sofern sie nicht gebannt sind, die Möglichkeit, sich den Freunden dieser Gemeinschaft wie auch andern Menschen zu nähern – die höchsten und seligsten Geister bis zu jenen, die die unteren Sphären bewohnen, die aber den Weg angebahnt haben zu diesem Hause. Durch diese Verbindung zum Hause Linus haben sie auch eine Verbindung zu euch geschaffen. Sie dürfen zu den Menschen hin wie die reinen Geister und Engel Gottes. Auch sie, die guten Willens sind, können dienen. Sie bringen den Menschen Bereicherung, je nach ihren Fähigkeiten und ihrem Können.

So gibt es im Hause Linus auch Geister Gottes, deren Aufgabe darin besteht, sich Menschen zu nähern, die sich dafür eignen, in die Weite zu wirken, dieses Wissen an andere Menschen weiterzugeben. Dann gibt es wunderbare Gottesengel, die den Weg zu euch finden und dafür besorgt sind, jeden Einzelnen zu stärken und bei ihm selbst einen hohen Gewinn zu erzielen.

Damit möchte ich nur die verschiedenen Möglichkeiten hervorheben und dass jeder Mensch auch wieder nach seinen Fähigkeiten den Anschluss finden wird an diese Boten aus dem Hause Linus. So ist alles in wunderbarer Weise geordnet. Und die hohen Engel Gottes, die ausserhalb des Hauses Linus ihre Wohnung haben, in noch höheren Welten, sie kommen und machen lange, lange Besuche und vereinigen sich mit jenen massgebenden Geistern Gottes aus dem Hause Linus, die ihrerseits die Aufgabe haben, das ihnen aus den Höhen Überbrachte wieder weiter auszubreiten.

Da ihr nun wieder diese heiligen Feste feiert, werden eure geistigen Freunde im selben Zeitpunkt mit euch feiern, und sie sind in grosser Liebe mit euch verbunden, in grosser Freude und Seligkeit. Und so geschieht es auch in den unteren Stufen. Wieder geht ein erhabener Geist Gottes aus diesem Hause in die unteren Sphären, sammelt jene Wesenheiten und feiert mit ihnen in ihrem Bereich. Darüber aber wisst ihr Bescheid: je höher hinauf es geht, je schöner und herrlicher und grösser die Seligkeit.

So könnt ihr daraus wieder erkennen, wie gewaltig das Wirken dieser Geister ist. Ihr sollt aber auch daraus erkennen, um was es geht. Denn es ist – sagen wir nun in diesem Lande – die christliche Geisteslehre nicht so verbreitet. Und es geht uns Geistern Gottes eben gerade darum, in diesem Lande, das von den höchsten Stellen in jener grossen und schweren Kriegszeit zu einem Paradies auserkoren wurde, in dem Menschen Aufnahme finden sollten – es geht uns hier darum, dass diese Lehre von hier aus weitergetragen werden kann. Alles hat seine Unterstützung, seinen Segen, was Gott gefällig ist. Doch bedenkt, Prüfungen bleiben den Menschen nicht erspart, und sie kommen auch an solche Gemeinschaften.

Heute könnt ihr vielleicht besser verstehen, wie es möglich war, es in der Weise zu gestalten, wie es heute ist. Nur durch das Einwirken höherer Kräfte konnte es in diese Bahn gelenkt werden. Und wenn ihr im gleichen Sinne weiterwirkt, wenn ihr jedem Menschen in seiner Notlage beisteht, ihn auf das jenseitige Leben aufmerksam macht, ihm den Sinn des Lebens erklärt, so wird dadurch Grosses und Gewaltiges geleistet sein bei vielen. Denn gar mancher bekommt dadurch eine ganz andere Einstellung zum Leben, und durch dessen Bejahung ist bei vielen viel gewonnen. Und dieses Gewonnene ist für uns von grosser Wichtigkeit, weil die Betreffenden wieder zu höheren Aufgaben herangezogen werden können. So wirkt die Geisterwelt Gottes, und so sind wir bemüht, die Menschen auf den richtigen Weg zu bringen. Wohl kennen wir auch die Widerstände da und dort. Und wir wissen zu schweigen. Nicht dass man glauben soll, es würde nicht gesehen. Wir wissen aber das Richtige zu treffen. Wir möchten ja allen nur hilfreich beistehen, so es uns möglich ist.

Dazu möchte ich noch erwähnen, dass eure Schutzgeister die Verbindung aufnehmen mit diesen höheren Geistern Gottes im Hause Linus, dass sie sich also dort einfinden und sich besprechen, ich möchte sagen, auch über eure persönlichen Anliegen. Denn nur in der Weise ist es möglich, für den Einzelnen so viel zu erreichen. So ist es ein Auf- und Niedersteigen der Geister Gottes, und alle, die dem Hause Linus angehören, gehören ein und derselben Kirche an: der Herrschaft des Herrn.

Ausführungen von Geistlehrer Josef durch seine Mittlerin Beatrice Brunner anlässlich des Frageabends vom 5.12.1956 sowie einer Vorstandssitzung Ende 1957 im Saal an der Münchhaldenstrasse, Zürich (Vorlage: Tonband und Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Ein Besuch bei den Engeln der Strafe

Josef, 20. August 1955

Ein Besuch bei den Engeln der Strafe

Im Jahre 1955 erzählte Geistlehrer Josef in einer Reihe von Vorträgen von seiner eigenen Schulung in der geistigen Welt. Er wurde von den führenden Geistern der Gemeinschaft, von Linus und Sirius, durch verschiedene Himmel und Aufstiegsstufen geführt, um das Leben und Wirken der Engel Gottes und der aufsteigenden Geistwesen kennenzulernen. In dieser Schulung wurde er auch über die Tätigkeiten der verschiedenen Engelschaften unterrichtet. Im folgenden Vortrag schildert Josef seinen Besuch bei den Engeln der Strafe und seinen Einblick in ihren Aufgabenbereich. Er zeigt auf, wie diese erhabenen Geister Gottes Hand in Hand mit Vertretern aus andern Engelchören zusammenarbeiten.

Josef: Gott zum Gruss. Meine lieben Freunde, letztes Mal versprach ich, von den Engeln Gottes der Strafe zu sprechen. So möchte ich von meinen weiteren Erlebnissen berichten.

Als ich mit meinen beiden Begleitern [Linus und Sirius] durch die göttlichen Gärten zog, begegneten wir auch unseren himmlischen Geschwistern, den Engeln der Strafe und, in ihrer allernächsten Nähe, den Engeln der Milde und der Stärke. Alle diese Heerscharen sind in einer Pracht und Herrlichkeit. Doch die Engel Gottes der Strafe fand ich besonders gross und kräftig von Gestalt; auch fiel mir auf, dass ihre wunderbare Kleidung durch ein breites, goldenes Göller geziert war, das ihre Schultern umgab und in welches eigentümliche Zeichen und Buchstaben eingraviert waren. Als wir uns diesen Engeln der Strafe näherten, fragte ich meine beiden Begleiter nach der Bedeutung der Zeichen. Sie antworteten mir: “Siehst du, jeder göttliche Chor der Engel hat seine besonderen Zeichen. Diese Engel der Strafe haben nun diese Zeichen, und sie werden erkannt von allen göttlichen Geschwistern.”

Nun, man führte mich zu diesen Engeln der Strafe, damit ich sie begleite; denn auf diesem Wege sollte ich wieder über manches unterrichtet werden, um es euch wieder erklären zu können. Und so begrüsste uns ein Engel dieses Chores, und er lud uns ein mit den Worten: “Begleitet uns in unser Haus.” Er deutete dabei auf mich und sprach: “Dort kannst du sehen und erleben.” Während nun dieser Engel ganz in meine Nähe kam, gingen meine beiden Begleiter einige Schritte vor mir her, und ich ahnte, dass sie den Weg kannten. Er führte durch herrliche Gärten und Wälder, durch Grün und Blumen dahin, bis zu einem Palast, der schneeweiss und teilweise auf niederen Säulen aufgebaut war. Auf einer Seite des Palastes erblickte ich ein grossmächtiges Tor aus purem Gold, dessen beide Flügel weit geöffnet standen, und es fiel mir auf, dass hier keine Engel Gottes Wache hielten. Doch war hier ein emsiges Treiben. Ich sah die Engel der Liebe, der Gnade, der Barmherzigkeit durch dieses mächtige Tor ein und aus gehen und viele, viele noch dazu, die es alle oder doch zum grössten Teil sehr eilig zu haben schienen.

Durch das Tor waren meine beiden Begleiter vorangegangen, und der Engel der Strafe mir zur Seite lud mich ein, mit ihm einzutreten. So gelangten wir in eine riesige, weite Halle, und da sah ich sie wieder, diese Engel Gottes in ihren herrlichen, duftigen Gewändern und den breiten, goldenen Göllern. Und ich sah sie zusammen mit göttlichen Brüdern und Schwestern aus andern Chören, bald da ihrer wenige beisammen, bald wieder eine grössere Gruppe, zuweilen standen nur zwei oder drei Engel Gottes der Strafe im eifrigen Gespräch. Es fiel mir auf, dass alle Stufen der Engelchöre vertreten waren.

Da sprach Linus: “Komm, wir wollen zuhören, was dort verhandelt wird.” Und wir näherten uns gemeinsam einem Engel Gottes der Strafe, der sich mit andern Engeln besprach; es waren ein Engel der Liebe, ein Engel der Gnade und ein Engel der Gerechtigkeit. Sie alle waren eifrig im Gespräch. Linus begrüsste sie, dann lächelte man uns zu und lud uns ein zuzuhören. Hier vernahm ich zuerst den Engel der Liebe, der soeben in diesem Palaste angekommen war, um seinem göttlichen Bruder aus diesem Chore der Engel der Strafe eine Nachricht zu überbringen aus der irdischen Welt. Er sprach: “Ich habe meine ganze Kraft und meinen ganzen Segen der Liebe diesem Menschen gegeben. Er aber war nicht fähig, sie aufzunehmen, und hat seine Aufgaben bisher nicht erfüllt. Was ist zu tun? Willst du mir erlauben, mit noch weiterer Unterstützung zu diesem Menschen zurückzukehren, um ihn mit noch mehr Liebe einzuhüllen, auf dass er seine Aufgaben doch noch erfüllen kann?” Da entgegnete der Engel Gottes der Strafe: “Ich gebe diesem Menschen noch fünf Jahre Zeit. Wenn er in diesen Jahren nichts zur Wiedergutmachung beiträgt, dann komme wieder. Du darfst nun weitere Himmelsboten mit zu diesem Menschen nehmen und ihm noch mehr an Liebe, Kraft, Güte und Stärke geben.” Da ging der Engel der Liebe voller Freude an seine Aufgabe.

Ich aber fragte: “Ist es denn nicht so, dass aus diesem Himmel der strafenden Engel nur Strafe zu den betreffenden Wesen oder Menschen getragen wird?” – “Oh nein”, belehrte man mich, “es wissen diese göttlichen Brüder genau zu unterscheiden, wem noch an Zeit hinzugegeben werden darf, ob noch Hoffnung besteht, einen Menschen doch noch zu gewinnen.” Da wollte ich wissen: “Warum wird dann ausgerechnet diesem noch so manches Jahr hinzugegeben, wenn er bis jetzt seine Aufgaben nicht erfüllt hat?” Und die himmlischen Boten belehrten mich: “Weil er aus früheren Leben grössere Verdienste aufzuweisen hat. Doch in seinem letzten Leben hat er sich schwer belastet. So wollen wir ihm so viel Zeit noch geben, wir wollen ihm auch diese und jene göttliche Kraft und Unterstützung zukommen lassen, weil er solche verdient hat. Darum wollen wir gütig sein mit ihm.” Und so wurde diesem Menschen die Zeit verlängert, seine Strafe aufgeschoben. Wenn dann die fünf Jahre vorüber sind, wird dieser Engel Gottes der Liebe erneut vor seinen himmlischen Bruder hintreten und ihm Bescheid geben.

Nun gingen wir weiter, zu andern Himmelsboten, die ständig in diese mächtig grosse Halle eintraten, während andere sie fortwährend wieder verliessen. Wir bemerkten, wie die Neuankommenden nach jenen göttlichen Brüdern suchten, denen die Macht über bestimmte Menschen gegeben war, derentwegen sie in diesen prachtvollen Saal hergekommen waren.

Linus wollte mich zu einem Engel Gottes führen, wo es mir möglich war, zu verstehen, zu begreifen, und wo ich auch das Walten göttlicher Boten verfolgen konnte; denn ich sollte mit diesen Boten auch wieder aus diesem Himmel hinweggeführt werden, um das Wirken dieser Engel Gottes bei den betreffenden Menschen zu beobachten und wie verschieden der Erfolg der Engel ist, wenn sie mit aller Kraft auf die Menschen einwirken. So näherten wir uns wieder einem göttlichen Bruder der Strafe, als auch ein Engel Gottes der Stärke auf ihn zukam und zu ihm sprach: “Siehst du, göttlicher Bruder, mit meiner ganzen Kraft und dem Segen göttlicher Stärke habe ich auf diesen Menschen eingewirkt. Fünfzig Jahre zählt sein Menschsein, und noch ist nichts erreicht. Was habe ich zu tun?” Der göttliche Bruder sprach: “Mit deiner vollen Kraft, mit all deiner Macht hast du auf diesen Menschen gewirkt, und du hast nichts erreicht. Gut, warte hier, ich werde selbst nachsehen.” Und der göttliche Bruder ging hinunter, in das Reich der Erde, und betrachtete diesen Menschen aus nächster Nähe.

Was aber taten wir während dieser Zeit? Oh, ich wollte doch alles betrachten, was in diesem Palaste zu sehen war, und so bat ich meine Begleiter, mit mir umherzugehen. Da erblickte ich auf einer Seite des weiten Raumes eine breite Treppe, die nach oben führte, und zu beiden Seiten der Treppe standen zwei prächtige Engel Gottes. Die Farben ihrer Kleider waren verschieden, jedoch hatten sie das gleiche goldene Göller.

“Ja warum stehen sie vor dieser Treppe Wache, während doch das Tor nach aussen so weit geöffnet steht?”, wollte ich wissen. “Oh”, unterrichtete man mich, “diese Treppe ersteigen kann nicht ein jeder Engel Gottes ohne das Einverständnis dieser beiden göttlichen Brüder, die eigentlich Wächter sind.” – “Warum denn nicht?” Man belehrte mich: “Siehst du, wie grossmächtig und gewaltig diese Halle ist? Kannst du die vielen Engel Gottes zählen, die hier ihre Aufgabe haben? Sie haben über vieles, vieles zu entscheiden, aber nicht über alles. Es steht aber jedem göttlichen Chore ein Fürst vor, und wenn es um besonders grosse, bedeutungsvolle Dinge geht, wird der Fürst einer himmlischen Heerschar darüber befragt. Diesen himmlischen Fürsten sind viele göttliche Brüder zur Seite gegeben, ihm zu dienen, aber auch Empfehlungen zu geben.” – “Was muss es dann Besonderes sein, was einen Engel in diese göttlichen, höchsten Höhen führt?”, fragte ich. “Wenn es sich um ein Gemeinschaftsschicksal vieler Menschen zusammen handelt. Denn es gibt auch Völkerschicksale, Familienschicksale, wo es um mehrere oder viele Menschen geht, die auf gleicher Ebene des Verschuldens stehen und gezeichnet sind für ein gemeinsames Schicksal, eine gemeinsame Strafe, die sich an ihnen erfüllen soll. Bevor nun diese Engel Gottes der Strafe in solchen Fällen handeln, gehen sie diese Stufen empor zu ihrem göttlichen Bruder. Und nur jene werden zugelassen, die den Wächtern ihr Losungswort nennen.” – “Ist denn das notwendig”, fragte ich, “dass deshalb hier Wächter stehen? Die Engel Gottes sind doch liebevoll und gerecht. Wie könnten sie da etwas tun, das gegen die Ordnung verstösst?” So unterrichtete man mich: “Die Engel Gottes – es gibt deren ganze Heerscharen –, die für ihre Geschwister im Erdenreich kämpfen, es sind jene der Fürbitte und der Gnade, die so um Durchlass flehen und bitten. Dass sie in ihrer Sache diesen Weg zu den höchsten Höhen nicht antreten, dafür stehen diese Engel Gottes da. Und diese selbst besprechen sich liebevoll mit ihnen und raten ihnen oder weisen sie an ihre göttlichen Brüder.”

Nun führte man mich wieder zurück zu jenem göttlichen Bruder, dem Engel der Strafe, denn er war zurückgekehrt. Schnell hatte ihn der Weg aus diesem hohen Himmel zur Erde und wieder zurück geführt, denn keine Hindernisse gibt es für einen Bruder aus diesen göttlichen Höhen. So erkundigte sich jener Engel der Stärke bei ihm: “Was ist nun zu tun, mein göttlicher Bruder?” Da antwortete der Engel Gottes der Strafe: “Das Lebensband dieses Menschen wird zerrissen.” Und er gab einigen Brüdern den Auftrag, diesen Menschen im Erdenreich aufzusuchen und sein Schicksal zu vollziehen. Und er sprach noch die Worte: “Sein Leib ist nicht krank, sein Blut noch frisch und hell; so wisst ihr, was ihr zu tun habt.” Nun, diese Himmelsboten wussten wohl, was ihre Aufgabe war. Sie vollzogen ihren Auftrag aber nicht von einer Stunde oder von einer Minute zur andern; denn zuerst hatten sie die Gelegenheit wahrzunehmen, wo es ihnen der Mensch selbst erleichtern würde, ihren Auftrag auszuführen. Und so betrachteten sie ihn und all sein Tun.

Eines Tages sprach dieser Mann zu den Seinen, dass er noch ausgehen möchte, um einige Besorgungen zu machen. Es war dunkel, Regen fiel, und der Boden war nass. Seine Familienangehörigen baten ihn vergeblich, zu Hause zu bleiben, da es schon spät und dunkel und für ihn nicht mehr günstig sei, in die Nacht hinauszugehen. Er aber bestieg sein Fahrrad, um seine Besorgungen zu machen. Da erfüllte sich sein Schicksal auf dem Heimwege; denn er stürzte so unglücklich, dass er – wie die Menschen sagen – sofort tot war.

So durfte ich mit ansehen, wie sich das Schicksal an diesem Menschen erfüllte, und ich fragte: “Warum wurde hier das Lebensband zerrissen, während jenem andern noch fünf Jahre hinzugegeben wurden? Ich kann zwischen beiden Leben keinen Unterschied erkennen, welches besser oder schlechter gewesen wäre als das andere.” Folglich musste man mich wieder darüber unterrichten, dass dieser Mensch sich in einem früheren Leben eine sehr grosse Belastung zugezogen habe, weil er einen andern dermassen hasste, dass er ihm an Leib und Seele Schaden zugefügt hatte. Obschon er anderseits auch gütig und barmherzig sein konnte, vermochte dies alles doch seine grosse Schuld, die er sich durch seinen gewaltigen Hass zugezogen hatte, nicht auszulöschen. Fünfzig Jahre durfte er wieder Mensch sein, um diese Schuld abzutragen, und er hat es nicht getan. Und so begab sich der Engel der Strafe selbst in seine Nähe, damit in gerechter Weise über ihn geurteilt würde.

So fragte ich weiter: “Ja, hat denn nicht der Schutzgeist das Recht, seinen Schützling zu bestrafen? Warum musste ein solch erhabener Bruder von diesen göttlichen Höhen zu dem Menschen kommen?” Und man belehrte mich: “Auch der Schutzgeist hat bis zu einem bestimmten Grade das Recht, seinen Schützling früher oder später zu bestrafen. Er hat aber auch die Möglichkeit, die Engel Gottes der Güte und der Stärke herbeizurufen, um jenen Menschen in solche göttlichen Gefühle einzuhüllen. Wo aber der Mensch selbst eine solch schwere, düstere Atmosphäre wie eine Mauer um sich gebildet hat, da haben diese Engel keine Gelegenheit zu wirken. Somit ist es ihnen unmöglich, in diesen Menschen eine göttliche Kraft einströmen zu lassen.”

Darauf möchte ich besonders hinweisen, wie ich es schon des Öftern getan habe: Wer von der göttlichen Welt empfangen will, muss sich unbedingt geistig heben, sich öffnen und frei machen für alle diese göttlichen Kräfte. Erst dann besteht die Möglichkeit einer Hilfe seitens der Engel Gottes. So gibt es zum Beispiel mutlose, pessimistische Menschen, die immer alles schwarzsehen, auch wenn sie von ihren Mitmenschen noch so aufgemuntert werden. Sie lassen dieses Dunkle nicht von sich, sie haben immer wieder irgendwelche Ausreden. Also sie wollen sich nicht von innen heraus frei machen, sie schaffen gar keine Möglichkeit für die himmlischen Boten zu wirken.

Nun aber komme ich wieder auf jene Seele zurück. Nachdem sie so von der irdischen Welt abberufen wurde, begrüsste man sie in der geistigen Welt. Zu ihrem Empfang erschienen aber nicht die Himmelsboten jener geistigen Höhen, die sich so viel Mühe gemacht hatten um diesen Menschen. Es erschienen bei ihm seine Verwandten und Freunde und Bekannten, in gleicher Weise, wie es in den meisten Fällen geschieht. So musste sich dieses Wesen zuerst in seiner neuen Umgebung zurechtfinden. Man hatte ihm mitgeteilt, dass es seinen irdischen Körper verlassen habe und sich in der geistigen Welt befinde. Und so findet dann ein solches Wesen Anschluss an Geister seinesgleichen, und im gegebenen Moment treten dann Engel Gottes hinzu, welche in jenen Stufen der Neuankömmlinge ihre Aufgaben verrichten und diesen Wesen raten.

So geschah es auch in diesem Falle, und ich sah, wie ein Engel Gottes dieses Wesen begrüsste und zu ihm sprach: “Komm doch mit mir, ich möchte mit dir über dein Leben sprechen.” Willig folgte das Wesen, und der Engel führte ihm sein gelebtes Leben vor Augen, und alles spielte sich wahrheitsgetreu ab. Aber der Engel Gottes unterrichtete das Wesen weiter, und er durfte diesem männlichen Geiste auch erklären, warum er das Erdenreich so plötzlich verlassen musste, dass der Engel der Strafe eingegriffen habe, da gar keine Aussicht bestand, dass er als Mensch je seine Aufgaben erfüllen würde. So hätten die himmlischen Boten es als besser erachtet, ihn wegzuführen vom Erdenreich. Und nun konnte nicht nur das letzte Leben dieses Wesens wieder vorgeführt werden, sondern auch das frühere, in dem dieser Mann eine solch grosse Schuld auf sich geladen hatte, die er im letzten Leben nicht fähig war gutzumachen. So wurde diesem Geiste in der göttlichen Welt Gelegenheit gegeben, wenigstens einen kleinen Teil seiner Schuld abzutragen. Nachher sollte er gezeichnet werden für ein neues Erdenleben, um dort seine Schuld vollständig abzutragen.

Doch mehr noch sollte ich erleben, und so führte man mich wieder in diesen herrlichen Himmel und in seinen Palast hinein. Wieder traten meine Begleiter mit mir vor einen göttlichen Bruder der Strafe. Wir begrüssten ihn und hörten ihm zu, wie er mit einem Engel der Güte und einem Engel der Barmherzigkeit sprach. Wir hörten, wie diese beiden baten: “Gib uns auch einen Bruder der Stärke mit, denn wir vermögen mit unserer Kraft allein zu wenig.” Und der Engel Gottes der Strafe, der sich über die betreffende Seele genau erkundigt hatte, sprach: “Ja, holt sie euch, die Engel der Stärke, denn sie sind in unserer nächsten Nähe.” Das will heissen, dass der Himmel dieser Engel der Stärke und des Segens in nächster Nähe dieses Palastes der Strafengel Gottes sich befindet. Nun gingen sie hin, um solche zu holen, und kehrten dann wieder zu diesem Bruder der Strafe zurück, der zu ihnen sprach: “Gehet hin, ihr alle, zu dieser Seele, hüllt sie ein mit eurer Kraft. Nach zehn Jahren kehrt zurück und gebt mir Bescheid.”

Ich ging damals mit diesen Engeln Gottes in das Reich der Erde, und ich sah, dass es eine Frau war, der sie fortan beizustehen hatten. Sie war mutlos und voller Angst, denn sie hatte ihren Kameraden im Kriege. Nun lebte sie, umgeben von Kindern, in steten Sorgen. Sie zweifelte oftmals an der Gerechtigkeit und Güte Gottes. Doch die Engel der Güte, der Barmherzigkeit und der Stärke inspirierten diese Mutterseele, dass sie zum Gebet Zuflucht nehmen solle, dass sie die Hilfe Gottes erflehen möge und dass sie auszuhalten habe. Und so taten und wirkten sie die ganze Zeit.

Da bekam die Frau eines Tages die Nachricht, dass ihr Kamerad gefallen sei. Nun vermochte die Frau diese Mitteilung gefasst aufzunehmen. Sie fühlte sich wie von einer gewissen Kraft umgeben und ertrug ihr Schicksal in Erhabenheit. Ich aber fragte: “Warum musste diese Seele solch Schweres ertragen? Hatte sie solches verdient? Ich erkenne es nicht.” – “Ja”, sprach man zu mir, “du betrachtest ja jetzt nur ihr gegenwärtiges Leben einer besorgten, guten Mutter. Sieh aber einmal zurück in ihr früheres Menschsein, und du kannst sehen, wie gross ihr Verschulden damals war. Als ihr dann im geistigen Reiche alles vor Augen geführt wurde, bat sie selbst darum, in einer verhältnismässig kurzen Zeitspanne eines neuen Erdenlebens diese Schuld abzutragen. So wurde sie für ein neues Erdenleben gezeichnet und in diese Erdensphäre hineingeboren, die schon längst für viele solcher Schicksale gezeichnet war. Und ihr wurde Gelegenheit gegeben, darin auszuhalten. Einerseits musste sie diese Prüfung auf sich nehmen, anderseits bat sie selbst darum, um durch dieses Leiden ihre Schuld möglichst rasch abzutragen. So hatte sie durch ihr aufopferndes Leben ihre Fehler gutgemacht; denn nicht nur sorgte sie für ihre Kinder, sondern sie half auch andern leidenden Menschen und tat Gutes, opferte sich auf für die Nächsten und ertrug viel Erniedrigung.” So hatte dieser Mensch seine Aufgabe erfüllt, und der Engel Gottes der Strafe durfte sie andern göttlichen Brüdern und Schwestern in Obhut geben. Und so sollte ich beurteilen lernen, warum mit den Menschen dieses und jenes geschieht.

Auf diese Weise kann ich es bei meinen Freunden erkennen, was da und dort ihrer wartet. Und wenn ich euch nun erklärt habe, dass die Tore zu diesem Himmel weit geöffnet sind, so heisst das doch, dass allen Engeln Gottes Gelegenheit geboten ist, zu diesen göttlichen Brüdern der Strafe hinzugehen; denn sie wissen genau, dass sich das Schicksal bei den Menschen vollzieht. Sie wissen aber auch, dass es der Mensch nicht unbedingt in aller Schärfe erfahren muss, dass, je nachdem wie die Aussichten auf Besserung eines Menschen stehen, ihm für sein göttliches Wirken viel gegeben wird. Dann haben aber die Engel Gottes aus diesen Höhen wieder alles aufs Neue zu zeichnen.

So könnt ihr hierin wieder die wunderbare Ordnung Gottes, aber auch die grosse Liebe und Gerechtigkeit Gottes erkennen. Und man soll nicht glauben, dass die göttlichen Brüder der Strafe nun über die Menschen herrschen und befehlen. Nein, auch sie lassen ihre grosse Güte und Geduld walten. Und ganz besonders diejenigen Menschen, bei welchen die Schutzgeister einzuwirken verstehen und die sie für den Heilsplan Gottes gewinnen, erhalten die Verbindung zu diesen höchsten Höhen. So werden Engel Gottes aus diesen Höhen den Schutz eines solchen Menschen übernehmen können, und sie werden mit gewaltiger Kraft auf ihn einwirken.

Dazu möchte ich aber noch sagen, dass damit nicht gemeint ist, dass zu einem jeden Menschen ein Engel Gottes aus höchsten Höhen kommen wird, ihn zu beurteilen. Aber ich betone, dass der Mensch viel dazu beitragen kann, dass er eine herrliche göttliche Führung bekommt, je nach seinem Streben, seinen Taten, die er vollbringt. So habe ich euch nur zu sagen: Werdet gütig, werdet gerecht, liebevoll und barmherzig; herrscht und befehlt nicht, sondern führt in Liebe und Güte. Dann tragt ihr zu eurem persönlichen Heil bei für Körper und Seele.

Nun, meine lieben Freunde, denkt über das Gesprochene nach, und freut euch, zu wissen, dass diese Möglichkeit für einen jeden besteht, einen herrlichen, gewaltigen Engel Gottes, wenn auch nur zeitweise, in seiner Nähe zu haben. Denn es sind Legionen und Legionen von göttlichen Brüdern, die den Menschen zur Seite stehen wollen, um sie zu führen, heimzuführen in das Haus des Vaters, in kurzer Zeit. Was heisst hier kurze Zeit? Wir wollen euch diesen langen, langen Weg verkürzen.

Nun gehet hin in Frieden. Nehmt auf diesen Segen des Heils, der euch alle durchdringen will. Werdet glückliche und frohe Menschen; denn der Segen Gottes begleitet euch auf euren Wegen. Gott zum Gruss.

Vortrag von Geistlehrer Josef vom 20.8.1955 durch seine Mittlerin Beatrice Brunner im grossen Saal des Musikkonservatoriums Zürich (Vorlage: Erstveröffentlichung in der Zeitschrift “Geistige Welt”)

Heft 4/2016
Preis USD 4.00
21 Seiten, 21 × 29,7 cm